lichen Erlasse von 1890 soziale Arbeit getan. Dieselbe ist aber durch die Natur der Organisation und die Art des religiösen Ideals immer friedlicher .Der Evangelisch-Soziale Kongreß auf dem Boden der kaisev " ) stehend, sieht in den modernen Arbeiter- n. S. u. H. Hannover, 14. Juni. In der heutigen zweiten Sitzung erstattete der Generalsekretär Liz. W. Schneemelcher-Berlin den Ge- schüstsbericht für das vergangene Jahr: Die Erfolge, die toü mit dm sozialen Ausbildungskursen in Berlin erreicht haben, sind hoch erfreulich. Besonders zahlreich war der Organiß sehr beschränkt geblieben. die Beteiligung der evangelischen Arbeitervereine an diesen Kursen. Man hat glücklicherweise dort den Standpunkt verlassen, daß man durch gute Gesinnung eine Verständigung mit den Unternehmern herbeiznführen sucht, und man ist im ganz bestimmten Sinne klassenbewußt geworden. Beim Bergarbeiterstreik haben wir einen Aufruf für die streikenden Bergleute erlassen. Es handelte sich bei dem großen Streik im Nuhrrevier um große sittliche Fragen, um das „Herr im eigenen Hause sein". Deswegen erließen wir, die wir bezüglich der Arbeiterfrage auf dem Standpunkt stehen „Gleiches Recht für alle", einen Ausruf zur Unterstützung der Bergleute. Ueber „DieBedeutung der Arbeiterorganisatio» n en fiirWirtschaft und Kultur" sprach Prof. Dr. Si e v e- kiug-Marbürg unter Vorlegung folgender Leitsätze: hundert geschätzt» Unter der Bevölkerung herrscht ungeheure Panik. Die Ausschreitungen der Reservisten dauern noch fort. prüfen. Der Entwurf des Ministers Bulygin betreffend Schaff- ana einer Volksvertretung schließt die Israeliten von jeder Beteiligung daran aus. Judenverfolgung in Russisch-Littauev. In Brestlitowsk, einer Festung in Russisch-Littauen, herrschen seit dem Pfingstsonntag blutige Exzesse gegen die Juden. Infolge der unerwarteten Mobilisation des 19. Armeekorps trafen am Sonntag aus den ländlichen Distrikten Tausende von Reservisten ein, die vorerst in Stimmung sich auf dem Marktplatz versammelten. Plötzlich erschienen hier verkleidete Polizeibeamte, die unter die Menge Proklamationen verteilten, in welchen das Volk aufgefordert wurde, an den Juden Rache zu nehmen, weil sie die Japaner mit Geld unterstützen und den Krieg heraufbeschworen haben. Bald erschallte der Ruf: „Bei scbydow!“ (Schlaget die Juden!) In dem Momente stürzten sich die Reservisten auf die jüdischen Geschäfte und demolierten sie, hielten die Passanten auf der Straße an, schlugen sie und zogen hierauf in Kolonnen unter Führung von Agitatoren nach der inneren Stadt, wo das Plündern fortgesetzt wurde. Da die Juden sahen, daß die Polizei ihnen keine Hilfe leistete, verteidigten sie ihr Hab und Gut. Viele Juden wurden ermordet. Die Zahl der Getöteten und Verwundeten wird auf mehr als es noch gedrücktere Stände als die Arbeiter aibt. Es freut uns, daß wir mit den Behörden unseren Weg ziehen. Andernfalls wären wir auch ohne diese Behörde unfern Weg allein gezogen. (Bravo!) Geh. Kirchenrat Professor Dr. Kattenbusch-Göttingen (früher in Gießen) begrüßte den Kongreß im Namen der theologischen Fakultät der Universität Göttingen. Die theologische Fakultät hegt für die Bestrebungen des Evangelisch-Sozialen Kongresses um so größere Sympathien, da sie der Ueberzeugung ist, daß die sozialen Kämpfe nur dann siegreich durchgeführt werden können, wenn die K'rast des Evangeliums diesen Kämpfen zu Hilfe komme. Nur wenn der Kongreß Don dem christlichen Gedanken durchleuchtet sei, werde es dem Kongreß gelingen, die sich gestellten sozialen Probleme in gedeilMchcr Weise zu lösen. (Beifall.) Oberpfarrer Wächtler -Hatte a. S. begrüßte den Kongreß im Namen des Evangelischen Bundes, Fräulein Paula Mü ll er-Hannover im Namen des Deutschen Frauenbundes, Admiral Olde kopp-Hannover brachte Grüße vom Bund der Bodenreformer, Pastor Gonser-Berlin vom Verein zur Bekämpfung des Mißbrauchs geistiger Getränke. Die sozialen Kräfte im Christentum vnd im Buddhismus. Pfarrer Liz. Hackmann-London hielt einen Vortrag über die sozialen Kräfte im Christentum und im Buddhismus. Die Ausführungen des Redners gipfelten in folgenden von ihm ausgestellten Leitsätzen. 1. Beide Religionen haben in ihrer Grundstimmung etwas sozial Einigendes, insofern sie über jede gesellschaftliche Schichtung und sonstige Trennung hinweg nur den Menschen als solchen suchen. Beide geben auch im Prinzip Mann und Weib gleiche Stellung; doch verfährt der Buddha dabei zögernder und ängstlicher. 2. Beide Religionen sind mit ihrem religiösen Ideal zunächst gegen soziale Aufgaben indifferent, indem das Christentum das ewige Leben, der Buddhismus die Erlösung vom Leben als Ziel aufstettt. 3. Beide Reliaionen verbinden das Streben nach dem religiösen Ziele mit sittlicher Arbeit als dem notwendigen Mittel. Blickt man auf daS soziale Element dieser sittlichen Arbeit, so ergeben sich zwischen Leiden Religionen starke Unterschiede. 4. Der Buddhismus, a) Die engere Jüngergemeinde des Buddha (die Mönschgemeinde) wendet sich so entschieden vom Leben ab, daß bei ihr von sozialen KTäften nicht die Rede sein kann. Sie ist vielmehr antisozial, individua- listisch-ienseitig gerichtet, b) Die Laien sittlich keit dagegen umfaßt eine Fülle sozialer Beziehungen und sozialer Antriebe. c) Die sozialen Kräfte der buddhistischen Laien- sittlichkeit sind dennoch stark beschränkt durch folgende Hindernisse: 1. Die sozialen Pflichten beruhen nicht auf einem grundlegenden Prinzip, sondern sind zu sättig formuliert; 2. es werden fünf unbedingte Emzelgebote vorangestettt, welche für soziale Entwickelung hemmend und schädlich wirken; 8. indem den Laien als höhere Schicht die MönchS- gemeinde übergeordnet und hingebende Förderung derselben unter die wesentlichsten Pflichten gezählt wird, bekommt die Sittlichkeit eine antisoziale Richtung; Pflege des Mönchtums wird der Schwerpunkt, d) Geschichtlich hat die engere Jüngergemeinde des Buddha (die Mönchs gemeinde) ihrer ursprünglichen Tendenz zum Trotz überatt eine gewisse 16. KvaHlisch-Sozialer Kongreß. (Unberechtigter Nachdruck verboten.) I. H. F. Hannover, 13. Juni. Unter sehr zahlreicher Beteiligung von Damen und Herren begannen heute nachmittag im Festsaale des Arbeitervereins die Verhandlungen des 16. Evangelisch-Sozialen Kongresses. Von bekannten Persönlichkeiten bemerkte 'nan den Geh. Öberregierungsrat Prof. Dr. Post-Berlin vom preußischen .Handelsministerium, Geh. Regierungsrat Prof. Dr. Adolf Wagner, Prof. Dr. Delbrück, D. Friedrich Naw- mann-Berlin, Geh. Hofrat Pros. Dr. Gregory-Leipzig, Pastor Dr. Rocktäschel-Qomburg. Der Vorsitzende, Prof. D. ö a r- nack-Berlin, eröffnete den Kongreß. Der Gedanke des Schutzes der Schwachen und Hebung der Gedrückten,^ einmal in das Volk geworfen, sei niemals mehr zu beseitigen. Wir wollen die Sozialpolitik erweitern und verbessern. Dre Erweiterung führt bereits zur Verbesserung. Wir willen, uat 5. Das Christentum, a) Im engsten organischen Zusammenhänge mit seinem religiösen Gute (Glaube an den himmlischen Vater) steht als Prinzip der christlichen Sittlichkeit die Liebe da. Ihr Träger ist die freie Persönlichkeit. Sie gestaltet die Einzelgebote aus sich heraus. So sehen wir sie wirksam in der Persönlichkeit Jesu Christi selbst. So ging sie auf seine Jünger über, b) Mit diesem seinem sittlichen Prinzipe ist das Christentum grundsätzlicb an soziale Arbeit gewiesen; sie ist das natürliche Felo seiner Tätigkeit, c) In seiner sozialen Wirksamkeit ist das Christentum durch keine unbedingten, ewig giltigen Einzelforderungen gebunden. Es gestaltet Gebote und Verbote nach Aufgaben und Verhältnissen frei aus dem Prinzipe der Liebe heraus. Darin liegt seine unschätzbare Bewegungsfreiheit. d) Die soziale Arbeit des Christentums durchdringt atte natürlich notwendigen menschlichen Gesettschaftsgruppen gleichmäßig mit einer höheren, sie zusammenfassenden Kraft. Dagegen erkennt sie keinerlei Scheidung in vollkommeneres oder unvollkommeneres Christentum an. Was in dieser Hinsicht auf christlichem Boden sich geltend gemacht hat, kann vom Standpunkte Jesu Christi aus nicht gerechtfertigt werden. 6. Das Christentum hat noch eine unendliche Perspektive seiner sozialen Aufgabe. Der Buddhismus vermag einen neuen Aufschwung seiner sozialen Wirksamkeit nur dadurch zu gewinnen, daß er in christliche Bahnen einlenkt, wie wir es verschiedentlich heutzutage bemerken. Darin liegt das stille Eingeständnis, wo die größere soziale Kraft zu finden ist. Der Redner schloß mit dem Wort: Es sei keine Gefahr vorhanden, daß der asiatische Rivale das Christentum jemals verdrängen könnte. (Lebhafter Beifatt.) Professor Dr. H a r n a ck bemerkt: Eine Religion müsse bestimmt in der Attgemeinheit und unbestimmt im einzelnen sein. Das sei ein Paradoxon. Bei der buddhistischen Religion sei das Gegenteil der Fall. Sie sei zu unbestimmt im Grundgedanken und zu bestimmt in den einzelnen Gesetzen. Die christliche Religion kenne auch nicht zwei Bevölkerunys- schichten, ihr «oberster Grundsatz sei die Nächstenliebe. Dies sei der Magnet, der das Christentum ßur Weltreligion gemacht habe imb der auch ferner sein Leitstern sein werde. (Stürmischer, lang anhaltender Beifall.) — Danach wurde die erste Hauptversammlung geschlossen. organisationen eine für nnsere Wirtschaft notwendige und für unsere Kultur bedeutungsvolle Erscheinung. Der Evangelisch-Soziale Kongreß bedauert die einseitige Richt* ung, welche die Arbeiterorganisationen heute vielfach verfolgen, vermag aber die Schuld daran nicht lediglich den Arbeitern zuzumessen, sondern sieht sie ebensosehr in dem mangelnden Entgegenkommen der Unternehmer, der Regierrmg und der öffentlichen Meinung. Der Evangelisch-Soziale Kongreß hofft, daß die mageren Zugeständnisse, welche die pveußische Berggesetznovelle der Arbeiterorganisation gemacht hat, nicht ein durch die Not des Augenblicks ertrotztes Gelegenheitsgesetz bleiben, sondern den Ausgangspunkt bilden mögen für eine zielbewußte und konsequent durchgeführte Politik, die den verständigen Forderungen der Arbeitet die ihnen gebührende Gerechtigkeit widerfahren läßt." Nach sehr langer Diskussion wurden die Leitsätze des Referenten als Resolution des Kongresses einstimmig genehmigt. In der Nachmittagssitzung sprach Prof. D. Baumgarten- Kiel über „Kirchliche Einrichtungen, die antisozial wirken". Antisozial, so führte der Redner aus — d. h. das Zusammengehörigkeitsgefühl des ganzen evangelischen Volkes, daS Gerechtigkeits- und daS Klassen- gefühl seiner aufstrebenden Klassen verletzend —, wirken alle kirchlichen Einrichtungen, die, auf plutokratischer Basis beruhen, Unbemittelteren den votten Mitaenuß des kirchlichen Lebens erschweren oder doch einen üblen Unterschied zwischen ihnen und den Begüterten zur Darstettung bringen. Dazu gehören, nach allen erheblichen Reformen durch Verwirklichung des Sulzeschen Gemeindeideals, auch heute noch: die immer noch da und dort sich findende K i r ch st u h l- vermietung; die Massentaufen und Massen- trauungen, soweit sie eine Folge der Besteuerung der HauStaufen und HauStrauungen sind; die noch immer tatsächlich vorhandenen Liebesgaben an die Geist- lichen, wie Beichtgroschen oder Konfirmanden- und Kindergottesdienst-Honorare; die Ansetzung mancher Gemeinde- gottesdienste — Wochen-, Gustav Adolf-Missionsgottes- dienste, Bibel- und Betstunden — auf Zeiten, wo auf Besuch der Arbeiter von vornherein verzichtet werden muß; die tatsächliche Vereitelung oes Verbrüderungszweckes des Abendmahls, wozu aber nicht die Einführung des Einzel- kelchs zu rechnen ist. Wichtiger als einzelne kirchliche Mn- richtungen ist der Geist der Kirchenleitung, der sie erfüllt Antisozial ist er, sofern er das Vertrauen zur Volkstümlichkeit, Aufrichtigkeit und sozialen Gerechtigkeit der Kirche unterbindet. Antisozial wirkt darum das Staatskirchen- tum nicht an sich, wohl aLerl, sofern esHofkirchentum! ist, H o f - u n d P r u n k st i l, wie in die Archen- und Pfarrhausbauten, so auch in die Titulaturen und Einweihungen einführt, und deshalb Methoden benutzt, die der evangelischen Einfalt widersprechen. Da Bevormundung deS Volkes, bei unserer heutigen Publizität undurchführbar, nur das Vertrauen der aufstrebenden Klassen zur Wahrheit der Kirche untergräbt, ist sie als antisozial zu bekämpfen. Gerade als Volkskirche bedarf die evangelische Kirche absolutester Freiheit der Ueberzeugungsbildung und -Aeußerung. (Großer Beifall.) Der Redner erörterte unter großer Spannung im Laufe seiner Ausführungen u. a. den Fall Mirbach. Unser kirchliches Volk ist gewiß unserem Kaiser und unserer Kaiserin von ganzem Herzen dankbar für die Förderung, die wir seit dem Regierungsantritt unseres regierenden Herrn erfahren haben. Wenn wir ober auch noch so dankbar und loyal an diese Dinge uns erinnern, so muß doch fest- gestellt werden, daß die soziale Haltung unserer Kirche mit dem äußeren Aufbau der Kirchengebäude nicht aleichen Schritt gehalten hat. Es muß gefugt werden, daß Die Art und Weise, wie sie sonderlich in Herrn von Mirbach repräsentiert ist, nicht rächtig ist. Es darf nicht verkannt werden, daß sich ein Hosstil ausprägt, der sich mit der Einfalt des Evangeliums nicht verträgt. Dieser Hofstil prägt sich vor allem aus in gewissen Gebäuden, von denen wir sagen müssen, daß sie nicht den Bedürfnissen und Wünschen des protestantischen Volkes als Ausdruck dienen können. Es sott nicht verkannt werden, daß es gewisse repräsentierende Gebäude geben kann und darf, die weit über daS Bedürfnis hinaus wesentlich das Ganze repräsentieren sotten. Ich war selber Geistlicher in Berlin und habe der Grundsteinlegung einer der ersten Kirchen beigewohnt. Ich habe gesehen die Spitzenreiter und habe gefeiert die Schwadronen (große Heiterkeit), habe beit ganzen Aufzug dieser Feier durch meine Seele gehen lassen. Am Abend habe ich Sann mit Arbeitern und auch mit mir selbst gesprochen, und wir hatten das Gefühl: hier wird dem Volke etwas getan, was dem Volke fremd ist. Wir können nicht dadurch hochkommen in unserem Volke, daß wir im Hof- und Prunkstil unsere schlichte, einfache protestantische Kirche auf die Höhe der katholischen Dome erheben. (Lang- anhaltender Beifall.) In der Diskussion trat u. a. Frl. Paula Müller» Hannover für das Stimmrecht der Frauen bei den Kirchenwahlen ein. Lehrerin Duensing - Hannover versuchte in diesem Zusammenhang die A l k o h o l f r a g e zur Sprache zu bringen, wurde aber von Professor Harnack mit den Worten unterbrochen: der Mkovolismus ist keine kirchliche Einrichtung. (Stürmische Heiterkeit.) Hierauf gelangte folgende Resolution zur Annahmen „Der Evangelisch-Soziale Kongreß erllärt, daß unter den Mußrand in Sturm und Drang. Zur Volksvertretungsfrage. Der Finanzminister hatte eine von den Vertretern des Handels und der Industrie beschlossene Erttärung über die Ausführung des kaiserlichen Reskripts vom 18. Februar alten Stils betreffend Einführung der Volksvertretung dem Kaiser vorgelegt. Die Delegierten der Moskauer Börse sind jetzt mit Genehmigung des Kaisers vom Finanzminister benachrichtigt worden, daß die schleunige Ausführung des Reskripts vom 18. Februar Gegenstand der besonderen Sorge des Kaisers ist, und daß das Ministerkomitee den Befehl erhalten hat, die vom Minister des Innern ausgearbeiteten Ausführungsbestimmungen zu dem Reskript unverzüglich zu VolMsche Tagesschau. Prof. Dr. PaascheS Ostafrikafahrt. . Ostafrika steht im Begriff, die erste von einem Reichstagsabgeordneten besuchte deutsche Kolonie zu werden. Der zweite Vizepräsident deS Reichstags, Prof. Dr. Paasche, beabsichtigt demnächst, wie wir bereits gestern kurz mitteilten, eine Studienreise nach diesem Schutzgebiet anzutreten. Dem bekannten rechts-nationalliberalen Parlamentarier läßt sich Urteilsfähigkeit in überseeischen Fragen nicht absprechen, hat er doch vor wenigen Jahren eine Studienreise nach Westindien und den Golfstaaten unternommen, die ihm wertvolle Einblicke besonders in das Wirtschaftsleben jener Länder eröffnete. Er bringt also einen Maßstab mit für die Beurteilung der Verhältniffe in Deutsch-Ostafrika. DaS ist gerade bei Dr. Paasche insofern von Bedeutung, als seine lebhafte Sympathie für die koloniale Sache ihn in der Regel auf einen gar sehr optimistischen Standpunkt hinweist. Run meint die „Tägl. Rundsch." mit Recht, man dürfe den Wert kurzer Informationsreisen nicht überschätzen. Es komme darauf an, für Erkundungen sämtliche Quellen zu benutzen und allen gleich kritisch gegenüberzustehen. Sonst sei der Reisende bei der Rückkehr vielleicht befangener in seinem Urteil als vordem. DaS Blatt regt an, es möchten Mitglieder aller Parteien zu Studienzwecken in die Kolonien reifen, und zwar mit Unterstützung der Regierung, damit in der Volksvertretung nicht lediglich Männer sitzen, die die Schutzgebiete nur vom grünen Tisch aus kennen. Hierbei ist jedoch außer Acht gelaßen, daß dem Reichstag jahraus jahrein sehr umfangreiche und instruktive Denkschriften über die Entwicklung der Schutzgebiete zugehen, die auf Grund des von dem Gouverneur gesandten Materials im Kolonialamt ausgearbeitet werden. Wer diese Denkschriften aufmerksam liest, gewinnt ein Bild von der kolonialen Wirklichkeit. Es ist aber wohl zu bezweifeln, daß alle Mitglieder deS Reichstags sich dieser immerhin zeitraubenden Lektüre unterziehen, und wahrscheinlich würde auch die Zahl derer gering sein, die zu Studienreisen in die Kolonien geneigt sind. Denn bei den ungünstigen klimatischen Verhältniffen wenigstens der afrikanischen Schutzgebiete läuft solche Fahrt auf eine Strapaze hinaus, zumal wenn es sich um längeren Aufenthalt handelt, der für gründliche Informierung wiederum unerläßlich ist. Im übrigen dürften koloniale Studienreisen einzelner Parlamentarier an der Stellung der Parteien zur Kolonialpolitik im allgemeinen kaum etwas ändern. Nr. 138 Zweites Blatt. 155. Jahrgang Donnerstag 15. Juni 1905 vrlch-tnt Lzltch mit Ausnahme des Sonntags. A - ä A I a A Rotationsdruck und Verlag da Srühi'lch« »W -«b« »em »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der N H U |L M W_, ö \k_, |L Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulst*. I. MhtlßlchS tauöwUr erlchitrU monatlich einmal. ™ H V V W ** Tel. Nr. 6L Delegr^Adr. i Anzeige, ®ufr*» General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Siehen. kirchlichen Einrichtungen, die antisozial wirken, jenes Filtrier- svstem besonders schädlich ist, welches die Provinzial- und Gene- rnlsvnoden im wesentlichen zu Versammlungen staatlicher und kirchlicher Würdenträger bezw. der Gebuvts- und Geldaristokratie macht. Der Evangelisch-Soziale K'ongreß erkennt an, daß die Vertretung der Kirche nicht von beit Mächten ihrer geschichtlichen Entwicklung getrennt werden darf, aber er verlangt, daß sich in dieser Vertretung auch der soziale Aufbau der Kirche widerspiegelt." Darauf wurde der K'ongreß geschlossen. Aus Stadt und Kan-. Gießen, 15. Juni 1905. ** Auszeichnungen. Se. Kgl. Hoh. der G r o ß h e r z o g haben den Verwalter der Neuen Kliniken an der Landes- universität zu Gießen, Karl Keller, auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen, treu geleisteten Dienste mit Wirkung vom 1. Juli 1905 in den Ruhestand versetzt und ihm aus diesem Anlaß den Charakter als „Kanzlei- rat" verliehen. — Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Wöllstein: Brüll, Ecker, Görtz, Götz, Kumpa, Mauer, Möbus, Moller, Müller, Schaubach, Roos, Wolf; den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Alzey: Fritz, Kloos, Martin, Schmitz. ** Empfänge. I. I. K. K. H. H. der Großherzog und die Groß Herzogin empfingen zur Ueberreichung eines Kochzeitsgeschenkes seitens der Post- und Telegraphenbeamten des Großherzogtums: Oberpostdirektor Geh. Oberpostrat Kobelt, Postrat Rogetzky, Postdirektor Schad, Telegraphensekretär Erzgräber, Oberpostassistent Jochim, Öberpostschafiner Lantelme und Postbote Schlitt. — I. K. H. die Groß Herzog in empfingen den Vorstand des Hessischen Landesvereins vom Rothen Kreuz, bestehend aus dem Präsidenten des Großh. Oberkonsistoriums D. Buchn er und Militär-Oberpsarrer Strack zwecks Mit- übernahme des Protektorats über den genannten Verein durch I. Königl. Hoh., ferner zur Ueberreichung eines Abdrucks seiner Rede zur Schillerfeier den Oberlehrer Karl Berger. ** Ergänzungswahlen für die Handelskammer. Wie uns mitgeteilt wird, hat das Ministerium des Innern anstelle der verstorbenen Handelskammermitglieder A. Katz und E. Balser aus Gießen die Vornahme von Ergänzungswahlen angeordnet. Die Wahlen sollen für den Rest der Wahlperiode der verstorbenen Mitglieder — die eine Amtsdauer endigt Ende 1906, die andere Ende 1908 — und unter Zugrundelegung der bei der letzten Ergänzungswahl aufgestellten Wählerlisten erfolgen. ** Eisenbahngüterverkehr. Den Güterversendern ist noch wenig bekannt, daß die bahnamtlichen Rollfuhrunternehmer auch Güter zur Auflieferung bei den Abfertigungsstellen in den Geschäftsräumen und Wohnungen der Versender abholen. Solche Abholungen können in Gießen mündlich, telephonisch oder mit besonderen Karten angemeldet werden, die bei den Abfertigungsstellen unentgeltlich abgegeben werden und unfrankiert in die Postkasten eingeworfen, auch direkt bei den Abfertigungsstellen eingeliefert werden können. Auch können die bahnamtlichen Rollfuhrleute bei ihren Fahrten durch die Stadt angerufen und die Güter sogleich mitgegeben werden. Bei vorheriger Bestellung beträgt die Abholefrist für Eilgut drei Stunden, für Frachtgut sechs Stunden. Die Gebühren sind im heutigen Anzeigenteil bekannt gegeben. •* Zum Gießener Gymnasialkonflikt. Bekanntlich hatte der von Gießen nach Mainz versetzte Professor N o a ck beim Ministerium gegen die Art der parlamentarischen Darlegungen des Negierungsvertreters über die unerquickliche, von Dr. David ohne Not in der II. Kammer in öffentlicher Sitzung an die große Glocke gehängte Gießener Gymnasial- Angelegenheit Beschwerde erhoben. Darauf erfuhr man, daß sich Professor Noack „disziplinär zu verantworten haben werde", und jetzt wird bekannt, daß Professor Noack wegen seiner Eingabe auf administrativem Wege durch einen Verweis bestraft worden ist. ** DieZahl derStudierenden an derLandes- aniversität im laufenden Semester beträgt 1078. Außerdem besuchen 31 Hörer und 15 Hörerinnen Vorlesungen, so daß die Gesamtzahl 1124 beträgt. Von den 1078 immatrikulierten Studierenden sind 715 Hessen. Aus Preußen studieren 224, aus Bayern 37, aus Baden 14, aus Württemberg 9; außerdem studieren hier aus zahlreichen anderen deutschen Staaten vereinzelte Studenten. Von anderen europäischen Staaten sind vertreten Oesterreich-Ungarn mit 12, Rußland mit 24, Frankreich mit 1, Großbritannien mit 3, Italien, Spanien, Niederlande, Schweiz, Rumänien und Luxemburg mit je 1 Studenten. Von außereuropäischen Ländern ist nur 1 Japaner hier. — Es studieren: Theologie 72 (63 Hessen), Rechtswissenschaft 164 (143 Hessen), Medizin 152 (63 Hessen), Tierheilkunde 131 (21 Hessen), Zahnheil- fitnbe 15 (12 Hessen), Philosophie 28 (7 Hessen), Pädagogik 7 (6 Hessen), Mathematik 97 (86 Hessen), Naturwissenschaften 59 (49 Hessen), Chemie 61 (22 Hessen), Pharmazie 19 (8 Hessen), Forstwissenschaft 57 (52 Hessen), Landwirtschaft 30 (23 Hessen), Geschichte 7 (5 Hessen), Klassische Philologie 72 (59 Hessen), Neuere Philologie 107 (96 Hessen). ** Obstbau und Obstnutzung im Großh erzog- zum im Jahre 1904. Die „Mitteilungen der Großh. Hess. Zentralstelle für die Landesstatistik" bringen eine Tabelle über Obstbau und Obstnutzung im Jahre 1904, der wir folgendes entnehmen: Tie Provinz Starkenburg verfügt über insgesamt 588 652 ertragsfähige Apfelbäume, Oberhessen über 477 006, Rheinhessen über 260169. Was die anderen Obstarten anlangt, so gibt es ertragsfähige Birnbäume: in Starkenburg 200619, in Oberhessen 129 807, in Rheinhessen 92 355; Zwetschen- und Pflaume nbäum e: in Starkenburg 551 899, Oberhessen 562 977, Rheinhessen 453 613; Kirschbäume: in Starkenburg 37 488, Oberhessen 59 186, Rheinhessen 53 694; Aprikosen- und Pfirsichbäume: in Starkenburg 21 434, Oberhessen 2168, Rheinhessen 63 748; Kastanienbäume: in Starkenburg 783, Oberhessen 282, Rheinhessen 5; Wallnüsse: in Starkenburg 43 735, Oberhessen 7211, Rheinhessen 9850. — Im ganzen besitzt das Großherzogtum Hessen 3616681 -rtragsfähige Obstbäume, welche einen Ertragswert von 4 652172 Mk. einbringen. Davon entfallen auf Starkenburg 1444 610 Bäume (2211 827 Mk.), Oberhessen 1 238 637 (1276 974 Mk.), Rheinhessen 933 434 (1 363 371 Mk.) — Wir Oberhessen haben also vor den beiden anderen Provinzen die meisten Zwetschen-, Pflaumen- und Kirschbäume. Was die Zahl der Obstbaume überhaupt anlangt, so steht Oberhessen der darin am meisten bevorzugten Provinz Starkenburg nicht viel nach. Am verbreitetsten und ertragreichsten sind die Aepfelbäume, von denen 1325 827 Stück eine Ernte im Werte von 2 437 051 Mk. erbrachten. Hierbei macht sich namentlich die ausgedehnte Aepfelweiuerzeugung in und um Frankfurt vorteilhaft bemerkbar. Die 1568 489 Zwetschenbäume erbrachten 1037 858 Mk., 422 781 Birnenbäume 618 573 Mk., 150 368 Kirschenbäume 296 710 Mk., 87 350 Aprikosen- und Psirsichbäume 263 520 Mk., 60 796 Walnußbäume 196130 Mk. und 1070 edle Kastanienbäume 2330 Mk. Au Taseltrauben war ein Ertrag von 1637 Doppelzentnern im Werte von 43 027 Mk. zu verzeichnen. ** Weidenkultur und Korbflechterei. Der Rückgang der Weidenkultur am Rhein und die Konkurrenz der Gefängnisarbeit haben, so entnehmen wir der „W. Z." das Gewerbe sehr geschädigt. So lange eine reichsgesetzliche Regelung der Gefängnisarbeit nicht besteht, kann das Korbmacherhandwerk eine Gesundung de§ Gewerbes nicht erwarten, da die Einschränkungen bei einzelnen Bundesstaaten nur eine Vermehrung der Gefängnisarbeit in anderen zur Folge haben. So sind beispielsweise in dem Zellen - gefängniS zu Butzbach hundert Korbmacher tätig, welche bis zu 2000 Körbe wöchentlich flechten. Diese Angelegenheit hat auch den landwirtschaftlichen Provinzialverein fürRheinhessen beschäftigt und in seiner jüngsten Sitzung hat sich auch der Ausschuß des hessischen Landesgewerbevereins damit befaßt. Nach eingehender Prüfung der bestehenden Verhältnisse wurde beschlossen, um die Korbfabrikation in Hamm zu heben, 1. gesunde, befähigte junge Leute mit guter Vorbildung in auswärtigen Korbflechtschulen ausbilden zu lassen, mit der Verpflichtung, sich eine bestimmte Reihe von Jahren in Hamm ansässig zu machen, und 2. in Hamm selbst nach Bedürfnis Fachkurse einzurichten. Schließlich sprach sich der Ausschuß auch noch in Bezug auf die Gefängnisarbeit dahin aus, daß die in Preußen eingeführte Beschränkung der Gefängnisarbeit in Hessen auch auf die Korbflechterei ausgedehnt werden möge. Offenbach, 14. Juni. Als am Montag abend gegen 7 Uhr ein Auto mobil, auf dem sich Frhr. Bruno von Grundherr mit Frau und Chauffeur befanden, auf dem Wege von Nürnberg nach Frankfurt bei Offenbach in die Frankfurterstraße einlenkte, wurde es von einem Wagen der elektrischen Straßenbahn ersaßt und mit großer Wucht gegen ein Haus geschleudert. Die Insassen des Fahrzeugs, das auf Wunsch des Besitzers in sehr scharfem Tempo fuhr, wurden herausgeworfen. Herr v. Grundherr erlitt einen Arm- bruch, der Chauffeur mehrere Nippenquetschungen, während Frau v. Grundherr mit leichten Hautabschürfungen davonkam. Das Automobil wurde vollständig zertrümmert. Der Anprall gegen die Trambahn war so stark, daß diese aus dem Geleise sprang. Jugenheim a. d. B., 13. Juni. Ihre Durchl. Prinzessin Luise von Battenberg (geb. 13. Juli 1889) wurde heute in der Kirche zu Jugenheim konfirmiert und nahm hierauf mit ihrer hohen Mutter das heil. Abendmahl. Ihre Königl. Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin, sowie die übrigen hohen Verwandten der jungen Prinzessin wohnten der feierlichen Handlung bei, die von Dekan Matthes vollzogen wurde. Infolge der Abwesenheit Sr. Durchl. des Prinzen Ludwig von Battenberg, der sich auf hoher See befindet, und wegen Familientrauer war die Feier auf den engsten Familienkreis beschränkt. (D. Z.) fc. Bingerbrück, 14. Juni. Aus der Bahnstrecke von der Drususbrücke nach Münster wurde heute morgen ein Soldat vom 28. Regiment tot aufgefunden. Er war überfahren worden. Geld und ein Urlaubspaß wurden nicht bet ihm vorgefunden. Man kann daher annehmen, daß Selbstmord vorliegt. "Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbar st aaten. Mit der Lieferung eines Bechstein-Flügels für K. H. den Großherzog nach Jagdschloß Wolfs garten wurde die Firma Wilh. Rudolph in Gießen betraut; die Aufstellung des Instrumentes erfolgte heute. — In der Gemeinde Langenhain-Ziegenberg mit ihrem halben Tausend Einwohnern ist seitJahresfristkein einzigerSterbe- ffall vorgekommen. ______________________ vermochte«. *SchwererUnsall eines Gelehrten. ^Der Direktor der Psychiatrischen und Nervenklinik in H a l l e a. S., Geheimrat Wernicke, der auf einem Fahrraid das Geratal durchfuhr, geriet in der Nähe von Dörrberg in Thüringen unter ein Lastfuhrwerk. Die Räder gingen ihm über den Kopf, er wurde lebensgefährlich verletzt in ein Hotel gebracht. Univtrsttäts-Aachrichlen. — Der vortreffliche Breslauer Chirurst Professor von Mi- kuliez-Radecki, früher in Krakau, dann in Königsberg, ist am 14. d. M. in Breslau gestorben. — Ein neuer Eingriff in die akademische Freiheit wird von der Technischen Hochschule in Ch arlotten bürg gemeldet. Wie es heißt, hat Rektor Miethe das Präsidium der dort bestehenden Wildenschaft, also die Vertretung der nicht inkorporierten Studenten, angewiesen, die Wildenschäft in einen Verein zu verwandeln. Rektor Miethe begründet sein Vorgehen damit, daß ein Teil der nicht inkorporierten Studenten die Wildenschaft für die Gesamtschaft der freien Studentenschaft und demzufolge auch das Präsidium für die Vertretung ihrer Interessen nicht anerkennen will. Es scheint demnach, als ob die kaum geglätteten Woaen der Erregung in Charlottenburg wieder aufgewühlt werden. Verschiedene akademische Verbände haben eine gemeinsame Erklärung erlassen und darin gegen die Anweisung Miethes entschiedenen Protest eingelegt. D r m e d. v e t. Eine Anzahl Tierärzte haben beim preuß. Abgeordnetenhause um Erlaubnis zur Führung des an den Universitäten Bern und Zürich erworbenen Titels eines Dr. med. ve- terinariae durch Tierärzte petitioniert. Der Regiernngsvertreter sprach sich in der Unterrichtskommission bei Beratung dieser Petition aus, namentlich mit Rücksicht darauf, daß die Bundesregierungen, in deren Herrschaftsgebiet llnioerfitäten vorhanden sind, dahin über« eingekommen sind, " die Führung im Auslande erworbener akademischer Würden, welche von relchsdeutschen Hochschiilen nicht verliehen werden, grundsätzlich nicht zu gestalten, damit fei die Führt,ng ausländischer zahnärztlicher und tierärztlicher Doktortitel grundsätz- lich ausgeschlossen, atich wenn diese im einzelnen Falle auf Grund ernster Anforderungen verliehen sein mögen. Wenn Hessen und in gewissem Umlange auch Bayern eine etwa? andere Praxis bezüglich des tierärztlichen Toktortiteltz üben, so sei dies daraus erklärlich, daß Gießen selbst den tierärztlichen Doktortitel verleiht und Bayern bezüglich des technischen Doktortitels eine Sonderstellung einnimmt, ine ^enehmlgiilig utr Führung des im Auslande erworbenen Dr.-med.-vet-£itel§ wurde überhaupt nur in Frage kommen können, wenn die preußischen Universitäten dazu übergehen sollten, die akademische Würde eines Dr. med. vet. zu verleihen, eine Möglichkeit, mit welcher jedoch für die nächste Zeit katnn zu rechnen fein wird. Nachdeni die Kommission einen Antrag auf Erwägung mit großer Mehrheit abgelehnt hatte, nahm sie einstimmig den Antrag an, dem Abgeordnetenhause zu empfehlen, die Petition derStaats- regieruug als Material zu überweisen. — Die Universität des Staates Mississippi in New-Orleans hat die angebotene Schenkung von 28 Millionen Dollar des Milliardärs Garnecsie zur Errichtung einer Bibliothek abgelehnt mit der Begründung, man brauche dieses Geld nicht, an dem das Blut und der Schweiß der Arbeiter haste. (Wir halten diesen falschen Stolz für sehr verwerflich. Denn die Uni- versität ist nicht die einzige, die dabei zu kurz kotnmt, sondern auch die Arbeiter von New-Orleans, denen ein immenser Bücherschatz auf diese Weise gleichfalls entzogen wird. Denn at,ch ihnen hätte die Bibliothek zugänglich geutacht werden können. D.Red.d. „G.-A.") Kunst und Wissenschaft — Eine die deutschen Theaterfreunde überraschende Meldung kommt aus München: . Der vielbefehdete Intendant der königl. bahr. Hoftheater und des Prinzregcnten-Theaters, Ernst von P o s s a r t, der langjährige Allgewaltige der Münchener Hof- bühnen und bekannte Charakterdarsteller, hat seine En tl assung eingereicht, die angenommen luurbe. Es ist beabsichtigt, die Direktion wieder unter Leitung eines General-Intendanten zu bereinigen. Für diese Stelle ist in Aussicht genommen der Personal-Referent im Kriegsministerium, Oberst Freiherr v. Speidel, dem große musikalische Kenntnisse nachgerühmt w wden. Kunde: utid Verkehr. Dolkswirrschaft. Griesheim Electron und Anilin Offenbach. Vor einigen Wochen tauchte zuerst die Nachricht auf, daß die Chemische Fabrik Griesheim Electron mit der Anilin- und Anilinfarben sabrik von K. Oehler in Offenbach a. M. in engste Bezieh- ung treten werde. Bestätigen sich derartige Meldungen nicht, so kommt immer rasch darauf ein Dementi In diesem Fall nun erfolgte kein solches, aber auch ziemlich lange keine. Bestätigung. Man erfuhr an der Börse nur, daß noch einige Schwierigkeiten zu regeln seien, und man überhaupt nicht so leicht mit dem Chef der Firma Oehler ins Reine zu lonimen vermöge. Nun ist endlich alles in Ordnung. Dr. Eugen Oehler tritt als stellvertretender Direktor der Chemischen Fabrik Griesheim Electron ein und wird die technische Leitung der Offenbacher Fabrik, die als Werk Oehler fortgeführt werden soll, übernehmen, während der bisherige Senior der Firma, Herr Kommerzienrat Eduard Oehler der außerordentlichen Generalversammlung, zur Wahl in den Aufsichtsrat vorgcschlagen werden soll. Die seit geraumer Zeit schwebenden Verhandlungen wurden von der Frankfurter Filiale der Deutschen Bank geführt und zum Abschluß gebracht. Die Oehlersche. Fabrik ift 1842 von Dr. E. Sell zum Betriebe der Teerdestillation errichtet und im Jahre 1850 gn den Gründer der Firma, Herrn Karl Oehler aus Aarau übergegangen. Die Fabrik stellt vorzugsweise Zwischenprodukte für die Farbenfabrikation (Hauptbetriebszweig Anilinöl und Anilinsalz) her, ferner Anilinfarbstoffe aller Art. Eine Säurefabrik ist in Vorbereitung, dock mußte die Aufnahme dieses Betriebes bislang wegen Konzessionsschwierigkeiten verzögert werden. Es bestand daher für die Chemische Fabrik Griesheim Electron die Gefahr, die Firma Oehler, die zu ihren größten Säure ab nehmern zählt, als Abnehmerin zu verlieren, und hierin liegt wohl einer der Gründe des Ankaufs von Oehler durch Griesheim. Die Steigerung der russischen Renten. Wir mußten schon wiederholt darauf aufmerksam machen, daß Friedenshoffnungen, die, fei es auch in noch so weiter Ferne sich meldeten, sofort auch den Renten zugute gekommen sind. Niemals kam den Besetzern der Gedanke: da ist doch Hopfen und Malz verloren. Im Gegenteil: Es erhielt sich stets die Meinung: hier wird noch alles gut werden. Und nun hat das Wort „Friedenspräliminarien^ dem Markte der russischen Renten Scharen Käufer aus den Kreisen des Privatpublikums und der Spekulation zugeführt. Die Kurse dieser Werte erfuhren durchweg erhebliche Steigerungen. Die Prioritäten zogen im Durchschnitt 1—IV2 Proz. an, Transkaukasier Prioritäten sogar um über 2 Proz. Von den Renten wurden die 3V;> proz. Rente um 1,30 Proz., die russischen Konsols um 1,10 Proz., die Anleihe von 1902 um 1 Proz. höher gesetzt. Die neueste 41/2 proz. Anleihe überschritt seit Wocbeil zum erstenmal den Emissionsknr^, der auf 95 Proz. gelautet hatte, bis 95/0. Lebhaftes Interesse zeigte sich auch für die Aktien der Warschau-Wiener Bahn, sowie für die Aktien der russischen Bank für auswärtigen Handel. Uebrigens haben auch auf die Mrse der japanischen Renten wie aus den Londoner Berichten' zu ersehen ist, die Friedenshoffnungen stimulierend gewirkt. Märkte. (**) <3 d) 0 11 c n , 14. Juni. Unser Psing st-Prämiier r n n q s m a r k t, der alljährlich am „dritten" Feiertage stattfindet, war namentlich mit Ferkeln stark befahren. Es waren etwa 500 Stück aufgetrieben für die außerordentlich hohe Preise bezahlt wurden, je nach Alter 55—80 Mark pro Paar. Diese hohen Preise erklären sich durch die zur Zeit herschenden Preise für fette Schweine, 59 Psg. per Pfund Lebendgewicht, gleich 65 Pfg Schlachtgewicht. Ter Handel mit Rindvieh war flau, trotzdem schönes Vieh, namentlich Ochsen aufgetrieben roaren.,. Der „Leutrnärt" ließ bei dem schönen Wetter nichts zu wünschen übrig. Spielpkan des Grostherzoglichen Kurtheaters Bad-Nauheim. Direktion Hermann Stein goetter. Vtontag den 19. Juni: „Alt - Heidelberg", Schauspiel in 5 Aufzügen von Wilhelm Meyer-Förster. Mittwoch den 21. Juni: „Wann wir altern", Plauderei in 1 Akt von Oskar Blumenthal. Hierauf: ^Der eingebildete Kranke", Lustspiel von Moliere. Deutsch von Ludwig Fulda. In der Pause: Balleteinlagen von Fräulein Emma D a t h e und Frl. Quote Dertz. Samstag den 24. Juni: „Boccacio". Komische Operette in 3 Akten von F. Zell und Rich. Genäe. Kursbericht. Frankfurt a. THT., 14. Juni. Offizielle Schlusskurse. 3l/s°/u Reichfiauleibe 3% do. . > 3,/.°/o Konsole . . . 3 55 ßMIW 24 *y -KW. - v -• . Räumungs-Ausverkauf unseres gesamten Lagers (ausgenommeu Zwirn und Nähseide) mit 15 Frozeot Rabatt laus-Entwässerungen Uebernahme der Gesamtanlagen einschliesslich sämtlicher zugehörigen Erd- und Maurerarbeiten Anfertigung der Konzessionspläne und Einholung der behördlichen Genehmigung Projekte und Kostenanschläge sowie Ingenieurbesuche zu Diensten w INR Danaen - Wäsche zu enorm billigen Er eis en. Rabatt wird an der Kasse abgezogen. Rabattmarken werden während dieser Zeit nicht abgegeben. Nur vom 14. bis SS Juni und bei Barzahlung wird der Rabatt gewährt. A. Salomon & Cie., Schulstrasse 4. H. Schaffstaedt Schanzenstrasse ■ -