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Donnerstag L4. Teptemver 1905 155* Jahrgang Erstes Blatt. Eichener Anzeiger 5uf General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für dm Kreis Metzen die Das Manöver. und waren waren einig darin, einer einzigartigen Augenweide teilhaftig geworden zu sein. Während so Coblenz in Flammen zu stehen schien,, bereitete sich wenige Kilometer südwärts ein anderes nächtliches Schauspiel vor, vielleicht nicht minder interessant, aber ebenso sehr das Licht scheuend, als jenes die Helligkeit gesucht und geschaffen hatte. Bei St. Goar und bei Boppard waren Pontonbrücken über den Rhein geschlagen worden, und im Dunkel der ersten Morgenstunden gingen hier große Truppenmassen des 8. KorpS über den Strom. EmS, 13. Sept. Der Kaiser, der Kronprinz, so- wie die Prinzen Heinrich, Eitel Friedrich und Adalbert nebst Gefolge sind um 2 Uhr im Automobil au? dem Manöver- gelände hier eingetroffen und langsam durch den Kurhof ge- fahren, wo sie von dem Vadekommissar Oberst von DreSky begrüßt wurden. Hierauf fuhren sie nach Coblenz weiter. Coblenz, 13. Sept. Der Kaiser ist heute, nach- mittag 3 Uhr, aus dem Manövergelände kommend, im hiesigen Schloß eingetroffen. Die Kaiserin kam dort um 121 /., Uhr an. Die Kaiserin besuchte heute nachmittag wohltätige Anstalten. Am Abend fand bei Ihren Majestäten Tafel im Schlöffe statt. Rechts von der Kaiserin saßen der Kron» vrinz von Griechenland, Gräsin Keller, Prinz Andreas von Griechenland, Fürst von Hohenzollern, Graf Haeseler, Geheimrat v. Lucanus, links von der Kaiserin Prinz Leopold von Bayern, Fräulein v. Gersdorff, Prinz Heinrich, Generaloberst von Hahnke, General von Lindequist und Oberpräsident von Zchorlcmer. Gegenüber der Kaiserin saß der Kronprinz, ihm zur Rechten Prinzessin Adolf von Schaumburg-Lippe, Prinz Arthur von Großbritannien, zur Linken Gräfin Brockdorff und Prinz Harald von Dänemark. Coblenz, 13. Sept. Der Kaiser und die Kaiserin nahmen das Frühstück nach beendetem Gefecht auf dem Manövergelände bei Ruppertshofen. Der Kaiser kehrte im Automobil über Nassau und Ems hierher zurück. Gestern empfing der Kaiser vor der Tafel den Fürsten von Löwenstein. lieber die Stärke der Truppenteile, welche bei Koblenz weiter rheiuabwärts den Rhein überschritten hatten, wir getäuscht worden: nur eine Division des 8. Korps, , hatte hier das rechte Rheinufer betreten und sich] Aie Kaisermanöver. (Eigener Bericht des Gießener Anzeigers.) Coblenz, den 13. Sept. Da8 Diner für die Nheinprovinz and in denselben Räumlichkeiten statt, wie vorgestern Paradetafel. Der Kaiser sprach wiederum, diesmal in eben o beredten als poetischen Worten, die Konfessionen im schönen Nheinlande zur Eintracht aufsordernd. Die Musik setzte nach einem „Hurrah auf die Rheinländer" mit der „Wacht am Rhein" ein. Mancher hatte gehofft, hierbei eine Probe des Redetalents des neuen Oberpräsidenten kennen zu lernen, aber dieser schwieg ebenso wie gestern General v. Deines. Das hat keinerlei geheimnisvollen Zusammenhang. Es ist nicht üblich, daß in einem königl. Schlosse die Gesundheit des Königs ausgebracht wird. In Homburg sprachen die Herren v. Eichhorn und v. Windheim im Kurhause! Die kgl. Hofküche hatte übrigens wieder eine Bestellung beim Metzgermeister Friedr. Schreiner in Gießen gemacht, und zwar auf 1140 Frankfurter Würstchen, die größte Anzahl, die je von Gießen aus für den Hof geliefert worden ist. Die Rheinfahrt. Rach der Tafel fuhren die Majestäten und ihre Gäste zum Rhein hinunter, um eine „Dampferfahrt bei Beleuchtung der Ufer" zu unternehmen. Diese Dampferfahrt war etwas noch nicht Dagewesenes, etwas Unbeschreibliches, ein Feen- märchenhaftes, ein Feuerzauber, eine unglaubliche bacchantische Symphonie in Gold und Farben von einer Dimension und Jntensivität, wie kaum zuvor. Sie übertraf die ähnliche Veranstaltung von 1897 bei weitem. Das Malerische der Rheinufer bei Coblenz ist bekannt: die Uferstraße mit den großen Hotels, dem alten Schloß, dem neuen gewaltigen romanischen Regierungsgebäude, den Kaiserin Auguste-Anlagen, den Brücken und Schiffen, dem deutschen Eck mit seinem ins Riesenhafte gehenden Kaiser-Wilhelm- Denkmal; gegenüber die trotzige Feste Ehrenbreitenstein, die Höhen des Astersteins und Lahneck, dann die Hügel der Moselufer. Und dieses prächtige Stück Erde, unter einem Himmel, von dem der leicht bedeckte Vollmond einen schwachen Silberschimmer herabsandte, getaucht in ein Chaos von Lichtern und Farben, das nichts Einzelnes erkennen ließ, das nur den einzigen Eindruck hervorrief: es ist unbeschreiblich schön! Hier waren lange Fensterreihen mit Lichtern bestellt, hier umzogen flimmernde Gaslinien die Fassaden, dort wanden sich bunte Schnüre vielfarbiger Lämpchen um Säulen und Pavillons und schwangen sich von Baum zu Baum, Lampions hingen dort im Tauwerk der großen Rheindampfer, Flambeaux lohten rötlichgelb von den Konturen des Ehrenbreitenstein, Fackeln flammten am Ufer auf, blendende Sterne elektrischer Körper verbreiteten Tageshelle, die alte Pontonbrücke verschwand in einer Wolke von Grünfeuer, die steilen Felsen der hochragenden Feste starrten in düster rötlicher Glut, hoch oben von den bewaldeten Höhen blinkte eS festlich aus erleuchteten Häusern, Holzstöße loderten oben auf, goldig schimmerten die hochgespannten Bogen der großen Brücken. Nun stiegen Raketen auf, ein Regen bunter Leuchtkugeln ging hernieder, goldschwänzigen Kometen gleich sausten Feuerwerkskörper in gewaltigem Bogen über den Fluß, Sterne leuchteten wie viel- tausend Brillanten, Fontänen in gleißenden Tönen sprudelten empor, und überall rieselte und flammte, strahlte und wogte Licht und Feuer und Glut. Heber diesen Eindrücken, die das Auge kaum bewältigen konnte, vergaß das Ohr fast auf die rauschenden Klänge der Musikkapellen, auf die donnernden Böllerschüsse und auf die Hochrufe der Menge zu lauschen, die wie eine unendliche Brandung anschwellend und abschwellend sich fortpflanzten. Das Kaiserschiff durchfuhr zunächst die Schiffbrücke und ging rheinaufwärts bis zur großen (Metzer) Elsenbahnbrücke, wo man Halt machte, um das Schauspiel eines Wasserfalls zu genießen, der in goldigen Wellen von der Brücke herabfloß. Dann ließ der Kaiser wenden, an Coblenz wieder vorüber zum Deutschen Eck, wo lange gehalten wurde und das Feuerwerk seinen Höhepunkt erreichte, dann weiter rhein- abwärts, wo Neudorf mit seinen gleichmäßigen erleuchteten Giebelfronten sich besonders hübsch auSnahm, und endlich zurück zu den Schiffsbrücken. Dem Kaiserschiff folgten die Dampfer der Stadt und der Provinz, der Negierungsdampfer fuhr voraus. Es war eine prächtige Stimmung unter den Teilnehmern der Fahrt; Offiziere und Stadtoberhäupter, hohe Beamte und Mitglieder der Hofgesellschaft, die hohe katholische Geistlichkeit und die fremden Militär-Attaches — alle Nr. SlS Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener ZamilteN' Hättet viermal tn der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Unioers.-Buch-u.Stein- druckeret. R. Lange. Redaktion, Erveditton und Druckerei: Schulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Frrnsprechanschlnß Nr. 51. vezugSPreiS: monatlich 75 Df., eiertet* jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePost Mk. 2.— Vierteljahr!. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen sür die Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: !okal12Ptz, auswärts 20 Pfg. Verantwortlich für den polit. und atigern. Teil: P. Witiko- für „Stadt und Land" und „Gerichtssaal": August Goetz; für den Anzeigenteil: HanS Beck. „Stimmung" gesorgt und zugleich der Redeschlacht der Dreimillionenpartei die allseitige Beachtung gesichert. Einen rechten Gewinn erwartet toolji die Sozialdemokratie selbst nicht mehr von den Parteitagen; sie dürfte schon befriedigt ein, wenn durch das „Literaten-Gezänk" die Sache, die ie vertritt, nicht in Mißkredit gebracht wird, wie auf dem „Jungbrunnentag" in Dresden. Für die im Reiche wenig beliebten Berliner Parteimänner wird Jena vielleicht zum historischen Jena, denn Dr. Mehring ist ein gefährlicher Gegner. Auch Herr v. Bo 11 mar dürfte hart angelassen werden ob seines Wahlbündnisses mit dem bayerischen Zentrum, dessen Kosten die Sozialdemokratie trug. Interessant wird also auch der Jenaer Parteitag ich gestalten. die 41., hatte hier das rechte Rheinufer betreten und sutz südwärts gezogen, dem Feind entgegen. Jim Laufe des 1L September waren nämlich Nachrichten ein getroffen, daß bei? im Vormarsch auf Wiesbaden und Cronberg gemeldet gewesene Feind auf Bleidenstadt-Jdstein-Esch weitermarschiert sei, und starke Kavallerie Camberg erreicht habe. Die 41. Division ging also bis Braubach vor, wo das DivisionS- kommando Quartier nahm, und dehnte ihre Diwacks westlich bis Becheln-Dachsenhausen aus. Außerdem befand sich die Kavalleriedivision Ä rechtsrheinisch auf hem Marsche. Sie war von Ems über Nassau und Schweighausen noch über Miehlen südwärts hinaus gegangen und brachte die Nacht bei der Endlichhofer Höhe zwischen Mehlen und Ruppertshofen-Bogel zu. Die Vorposten kette erstreckte sich von Dornholzhausen südlich Nassau weiter südwärts über Miehlen und Nastätten bis Mallmenach mit der Front nach Osten. Die 16. Division war von Hatzenport an der Mosel über Ober-Gondershausen und Dörth vorgegangen, also gegen Südosten, die 15. Division von südlich Koblenz über Udenhausen, also südlich; bei St. Goar und Boppard wurden starke Avantgarden auf das rechte Rheinufer vorgeschoben und am späten Abend oes 12 .September Brücken gebaut. So stand am Dienstag abend das Korps des GeneralÄ v. Deines am Rhein mit der Front gegen Osten. Die 41. Division als linker Flügel jenseit des Flusses vorgeschoben, das Zentrum (15. Division, bei der sich auch das Korpskommando befand) und der rechte Flügel (16. Division) ant linken Rheinufer, die Kavallerie und Avantgarden stark nach Osten detachiert. Vom 18. Armeekorps hatte am 11. September die 25. Division Esch erreicht, die 28. Idstein, die 21. Hahn, eine linke Seitendeckung (in der Stärke von drei Bataillonen, acht Schwadronen und einer Batterie) Langenschwalbach und die Kavalleriedivision D Camberg. Wie diese Kavallerie mit den blauen Reitern auf dem weiteren Vormarsch tn kleinen Scharmützeln Fühlung genommen hatte, haben wir gesehen. Sie gelangte am Dienstag abend bis Holzhausen, ebenso daS oben genannte Seitendetachement; die 25. Division kam über Kirberg-Schönbom nach Kördorf, die 28. über Panrod-Zollhaus nach Katzenelnbogen, und die 2L über Siringmargarethae-Hausen nach Langenfelden. Sv stand am Dienstag abend das rote Korps tn einer Front gegen Südwesten, nicht ungeeignet, den etwas tiefer südlich stehenden Gegner von seinem Gros bei Marburg abzudrängen, in einer Linie, deren Mittelpunkt Katzenelnbogen war (28. Division), auf dem rechten Flügel stand die 25. Division, auf dem linken die 21.: die Kavalleriedivision B stand mit Infanterie (dem früheren linken Detachement) vor der Mitte, die Vorpostenkette zog im weiten Bogen vor den Truppen entlang und war int Zentrum, bei Nastätten, der feindlichen Postenkette ziemlich nahe. Da8 Korpskommando lag weiter hinter der Front bei Hahnstätten. Die Trttppen des roten Korvs hatten sämtlich sehr achtbare Märsche hinter sich, vielfach bis zu 40 Km. und mehr. Die Absichten der Gegner für heute waren betbe auf einen Angriff gerichtet. Das blaue Kvrps wollte in die Linie Bogel-Gemmerich vorgehen, das rote Korps um 6 Uhr morgens die Linie Altenhausen-Roth-Holzhausen überschreiten. Um gleich vorweg zu nehmen, was von diesen Absichten Die heutige Dummer umfaßt 8 Seiten. Der „Woiwärts" im Icuer. Die Ehre und das Vergnügen, „Zentralorgan" der sozialdemokratischen Partei zu heißen, muß der „Vorwärts" teuer genug bezahlen. Ihm wird mit Argusaugen auf den Dienst gesehen, an ihn werden die Ansprüche gestellt, daß er stets am besten unterrichtet sei, stets das packendste Wort zu den Ereignissen finde, das Wesen der Sozialdemokratie am reinsten auspräge und am imponie- rendsten zur Geltung bringe. Die btldungsdurstiHen Genossen verlangen von diesem Zentralorgan eine Fülle von Belehrung aus allen möglichen Gebieten; hingegen verbitten sich Genossen, die alles wissen, den „schulmeisterlichen Ton"; die Gemäßigten wünschen eine ruhige, ja sogar „vornehme" Schreibweise; den Scharfen kann nicht genug getan werden mit dem Aufträgen roter, revolutionärer Farbe. Kurzum, der „Vorwärts" soll ein Muster für alle sozialdemokratischen Parteiblätter sein und jedem etwas bringen. Das ganze Jahr hindurch bekommt das Zentral- mgan bald von dieser, bald von jener Seite zu hören, daß es eine „große Dummheit" gemacht habe, oder daß es selb st mäßige Anforderungen unbefriedigt lasse, oder daß eine Gelegenheit versäumt worden sei, den Gegnern die Macht der Sozialdemokratie zu Gemüt zu führen. Auf jedem Parteitag wird zur Vervollständigung der Kritik der „Vorwärts"-Redaktion noch ein besonderer Kübel Wasser über den Kopf gegossen. Ha, welche Lust, Redakteur am „Vorwärts" zu sein! Es ist eigentlich zu verwundern, daß bei den zahlreichen Preßprozessen gegen doppelt unglückliche verantwortliche Redakteure des „Vorwärts" nicht nervöse Ueberreizung als mildernder Umstand zur Berücksichtigung empfohlen wurde. Denn daß der unausgesetzte Krieg gegen zwei Fronten, den die Männer des Zentralorgans zu führen haben, einmal gegen den „Todfeind", die bürgert Gesellschaft, sodann gegen die mäkelnden Genossen, schließlich auch die widerstandsfähigsten Nerven ruinieren muß, ist nicht zu bezweifeln. Der alte Liebknecht hatte als eu)ter und rechter Oberhesse gewiß eine feste Haut, seine kräftige, kampfesfrohe Natur half ihm über vieles hinweg; aber über die Nörgeleien am „Vorwärts" konnte er sich grimmig ärgern, mehr als über die Angriffe aus allen anderen Lagern zusammengenom- meu. Und wenn selbst ein so hervorragender Tagesschriftsteller wie Liebknecht, der noch besser sogar als Bebel wußte, wie aus die Massen zu wirken sei, keine ganz gute Zensur erhielt, wenn auch das Lob mit Einschränkung erteilt wurde — wie sollen die Nachfolger, die nicht entfernt die Bedeutung und den Einfluß des „Alten" haben, jemals die Hoffnung hegen können, die anspruchsvollen Beurteiler zufriedenzustellen? Kants ky und Me bring sind vor dem Parteitag eifrig dabei, einen Scheiterhaufen für den „Vorwärts" aufzubauen. Der brennende Witz Kautskys, die böszÜnaige Satire Mehrings, dieses zurzeit gerissensten journalistischen Talents der Sozialdemokratie, erspähen jede verwundbare Stelle des „Zentralorgans". Was Mehring über den „schöngeistigen Sozialismus" des „Vorwärts", Kautsky über die vernachlässigten Fragen sagt, wird ein Echo auf dem Parteitag finden, und blutiger Hohn ist es, wenn als Mittel zur Aendernng eine „sanfte" Methode empfohlen wird. Nun verteidigt sich zwar der „Vorwärts" nicht übel, aber im ganzen doch nicht mit der Wucht und der Schlagfertigkeit, die solchen gefährlichen Gegnern gegenüber einigen Erfolg verspricht. Der Ton der Abwehr ist etwas zu kühl akademisch, nicht volkstümlich genug und,mehr elegisch als beherzt und entschlossen. Das Grundmotiv ist: Warum streiten wir uns? Wir könnten uns doch so gut vertragen! „Bisweilen sieht es", so klagt der „Vorwärts", „als ob wir alle, wie in einer aufgelösten, undisziplinierten Diskutiergesellschast, durcheinander schreien und auf einander loshauen, und manch einem nimmt der „Vorwärts" noch nicht einmal oft und schneidig genug „Stellung". Das Hingt fast wehmutsvoll. So führt man nicht die Klinge, daß sich der Gegner fürchte. Die bissigen Angriffe Kautskys und Mehrings mußten vom „Vorwärts "mit ebensolcher Waffe pariert werden. So aber erinnert die Art der Abwehr an die Russen, die sich damit aufhielten, die Japaner schnöder Verletzung de? Völkerrechts zu zeihen, weil diese den Krieg ohne Kriegserklärung Begonnen hätten. Die Position des „Vorwärts" auf dem Parteitag wird kaum günstig sein. Er hat Feinde ringsum, und er erklärt den Frieden für wünschenswert, es wird auf ihn ein geschlagen, und er stimmt ein hohes Lied an auf den Segen der Einigkeit. Ja, wenn für die Molltonart in der Sozml- demokratie eine Vorliebe herrschte, dann könnte die Beschwörung, der ^lppell an die Einsicht, vielleicht helfen. Es ist merkwürdig, daß der „Vorwärts" nicht besser die überwiegend auf Kraftentfaltung gerichteten Neigungen der Genossen kennt. Nicht das Friedensglöcklein, sondern die große Sturmglocke wird in der Sozialdemokratie gern geläutet, und es kann auch gar nicht anders sein bei einer Partei, die Beständig auf dem Kriegsfuß stehen muß. Der Kampf ist ein Lebenselement der Sozialdemokratie. Der „Vorwärts" wird das nicht ändern können. Wenn's an den Feind geht, bann ist nach dem Soldatenspruch „Drem- schlagen" das „Allerbeste". Einstweilen triumphieren Mehring und Kautsky. Zum Parteitag in Jena wird uns geschrieben: . _ , . ,. Bei der großen „Parteiwäsche" der Sozialdemokratie in Jena, der stillen Gelehrtenstadt, wird es wohl sehr geräuschvoll hergehen .Die Genossen können sich beglückwünschen, daß sie das „psychologische Rassel", Dr. Mehring, in ihren Reihen haben. Er hat für die reicht wurde, wenigstens soweit der Einzelne den Verlauf der Bewegungen solcher Massen kontrollieren kann, so gelang es General Deines zunächst, unter dem Schutze eines starken Morgennebels und des bergigen und vielfach bewaldeten Geländes, nachdem Zentrum und rechter Flügel des Korps in der Nacht um 4 «Uhr an den beiden genannten Stelle den Rhein überschritten hatten, mit seinen Avantgarden und einem Teile des Gros an den^ Feinds heranzukommen und dessen linken Flügel wenigstens zurückzudrängen. Alsdann machte General v. Eichhorn einen energischen Vorstoß mit seinem Zentrum, und ließ zugleich seinen linken Flügel durch einen südwärts gerichteten Flankenmarsch eine Umgehung versuchen. Schon gingen die Truppen des 8. Korps in Hellen Haufen zurück, als neue und immer neue Verstärkungen vom Rhein her heranrückten. Die Schlacht stand. Gleichzeitig mochte vielleicht die 41. Division von Nordwesten her einen starken Druck auf Rot ausüben. Genug: die Schiedsrichter sprengten herzu und Rot mußte zum zweiten Male weichen. Hier brach die Stacht ab. Der Kaiser war bereits in' der Nacht unt 3 Uhr aus Koblenz im Automobil aufgebrvchen, hatte sich nach Filsen gegenüber Boppard begeben und dort den Ucbergang des Zentrums des 18. Korps beobachtet. Dann war er nach Bogel gefahren und hier zu Pferde gestiegen. Für den, der gern charakteristische Manöverbilder sehen mochte, war der heutige erste eigentliche Gefechts-tag gleich geradezu typisch. Die Eisenbahn führte uns bald nach 5 Uhr nach St. Goarshausen. — Berge, Burgen und Rheinstrom deckte ein dichter weißer völlig undurchsichtiger Nebel; zur reckten sahen jfir endlose Bagage und Fourage-Trains durch die Weinberge flehen, die beiden Pontonbrücken lagen leer da, ein Teil derselben wich ausgefahren, um der Rheinschiffahrt Durchlaß zu gewähren; mit der Kleinbahn ging es dann ostwärts in die Berge hinein. Es herrschte ein seltener Andrang zu dem „Zügle", und wir waren froh, in einem offenen Güterwagen Platz zu finden. Die Truppen der 16. Division lBlau) marschierten auf der Chaussee neben uns in der gleichen Richtung. In starker Steigung, an Hochwald und schroffen Felsmassen vorbei, erreichten wir um 8 Uhr das Hochplateau von Nastätten. LLuch hier lagerte der Nebel noch dick auf den Wiesen und rauchte aus den Ackerfurchen, daß Reiter- und Infanterie-Kolonnen gespenstisch vergrößert als schemenhafte^Silhouetten vorüberzogen, aber hier und da luAte bereits ein Stück sonnigen blauen Himmels durch, die Dunstmasten zerreißend. , Bei Bogel hielt der Kaiser, Meldungen entgegennehmend, hinter ihm der Leibgendarm mit der roten Standarte. Die Kaiserin mit der Gräfin Keller fuhr im Sechsspänner oavon, die Prinzen und Fürsten, die Militärattachees in ihren interessanten Uniformen, die Herren des Hauptquartiers hielten zu Pferde. neben dem kleinen Bahnhofsgebäude, die Automobile der königlichen Familie, des Hauptquartiers und des Freiwilligen- Korps waren aufgefahren und stampften und ratterten und die Leibgendarmerie, sowie die Mannschaften des Pferdekommandos waren aufgeritten. Neugierig umstanden die Manöverbummler in hellen Scharen die bunten Gruppen. Dann sprengte der Kaiser ins Feld von Hurrah begleitet. Einzelne Schüsse knallten, denen bald der prasselnde Lärm aes Schnellfeuers folgte. Sie „hatten fid/z also! Bor uns, in der Richtung der Chaussee nach Nastätten ging das 69. Regiment (16. Division, 31. Brigade» vor, sprungweise. Da stürmte mit Hurra der Feind heran. Die Regimenter 87 und 88 (21. Division, 41. Brigade) bringen die 69. zum Stehen, und wie ihre Reserven mit klingendem Spiel heranrücken auch zum Weichen. Der Kaiser reitet mit den avancierenden Truppen vorwärts, auch Graf Haeseler. Die Sonne brach vollends durch, ein würziger Dust entstieg den feuchten Wiesen, und im weiten Rund lagen Hügel und Walder, Felder unb Dörfer vor uns. Die Artillerie auf beiden Seiten eröffnet ein kräftiges Feuer. Die 16. Division macht kehrt. Nieder! und dann Spaten heraus! „Eingraben", heißt es. Auch blaue Artillerie von derselben Division (vom 44. und anderen Regimentern) hatte sich — auf der Endlichhofer-Höhe — eingegraben. Die ziemlich hohen halbrunden kleinen Schanzen waren an der Außenwand sogar mit Rasen und Reisig bekleidet. Mer mit Energie drängen die Truppen der (roten) 21. und 28. Division (Regimenter Nr. 109 und 110) vor, und im Sturm werden zwei Abteilungen blauer Artillerie genommen. Sie waren kurz vorher aus ihren Schanzen bei einer Frontveränderung herausgegangen und es war interessant zu sehen gewesen, wie die Geschütze ohne bespannt zu werden, jedes von seinen Bedienungs- mannschasten und denen einiger anderer, an den neuen Platz geschoben und gezogen wurden, indem die Leute auch in die Radspeichen griffen, bis auf Entfernungen vcA 6 bis 7 (Sitometer. Das gleiche taten die Mannschaften einer blauen Maschinengewehr-Abteilung, im Laufschritt. So stand die Sache gut für Herrn v. Eichhorn, als aus den Wäldern und Bergen, westlich von Bogel die bis dahin noch im Anmarsch gewesenen Teile der 16. Division und solche der 15. den bedrängten Ihrigen zu Hilfe eilten. Das Gewehrfeuer knatterte, die Geschütze donnerten, und von neuem rückt das 8. Korps vor. Da gibt der Ballon der Manöverleitung das von manchem keuchenden Musketier ersehnte Zeichen: für heute ist's aus. No ch einmal donnerten die Kanonen, wie üblich, während die Truvpen nvck in neue Stellungen gingen, dann setzte alles sich in Marsch, den Biwackplätzen zu. * Von anderer Seite geht uns heute noch folgender Bericht zu: Das gestrige Gefecht endigte mit dem Siege der Westarmee. Heute findet der Kampf seine Fortsetzung um das Mühlbachtal. Ein ausgedehntes Telephon- bezw. Telegraphennetz haben die Telegraphenabteilungen angelegt, so von Katzenelenbogen nach Nastätten, Mühlen, Braubach, Koblenz. Die Schlacht wird fast ausschließlich per Telephon geleitet. Das herrliche Wetter hatte gestern eine sehr zahlreiche Menschenmenge von Nah und Fern, selbst aus Gießen auf den Kampfplatz gelockt, die mit großem Interesse die Kämpfe und Truppenbewegungen verfolgten. Der Kaiser war von Koblenz, S. K. H. der Groß Herzog von Mainz auf dem „Schlachtfeld" erschienen. Der kaiserliche Mar st all befindet sich in unmittelbarer Nähe von Katzenelnbogen. Mächtige Hallen und Zelte sind auf dem ca. 5 Morgen großen Gelände errichtet und darin 200 Pferde, mehrere Automobils, ca. 60 Wagen, Futtervorräte und die Diener- und Wachmannschaft untergebracht. Der Ort selbst ist mit Fahnen, Guirlanden und Tannenbäumen geschmückt. In dem Gefechtsgelände wimmelt e§ von Truppen aller Waffengattungen, die Dörfer und Städte sind überfüllt von Militär; Schulen, Säle, Hallen, Scheunen, ja sogar Ställe dienen zur Unterbringung der Soldaten und Pferde; zur Freude der lieben Jugend sind die Schulen geschlossen. In den Hauptgefechtszentren Katzenelnbogen, Nastätten, Nassau sind die Feldbäckereien, -schlächtereien, Proviantsläger in regster Tätigkeit. Heute zieht sich das Gefecht über Katzenelnbogen, Hahnstätten, Schönborn zurück bis nach Limburg. Katzenelnbogen, daS Hauptquartier des Kaisers, ist ein wahres Militär- und Kriegslager geworden. Um die versammelte Kriegsmacht, die ca. 75 000 Mann stark ist, wieder in die Garnisonen zu befördern, herrscht z. Z. auf vielen Stationen der Lahntalba-hn und den Nebenlinien rege Tätigkeit, so z. B. in Nassau, Dietz, Hahnstätten, Limburg, Kanberg, Niederselters, Idstein, Nieder- und Ober- Brechen, Schmalbach u. a. Orten. Die Truppen werden am 15. und 16. verladen. Vor dem Eintreffen der „kriegerischen" Zeit hatten die Bauern allenthalben in Eile die Ernte unter Dach und Fach gebracht, ja sogar schon Kartoffeln und Obst vor den Soldaten in Sicherheit gebracht. In der südlichen Wetteran sind jetzt überall die Fl urschädenkom Missionen in Tätigkeit. Der Schaden ist sehr groß, woran vielfach der durchweichende Regen schuld trägt. Die Rückkehr des Gießener Regiments. Die Ankunft des 1. Bat. des Inf-Reg. Nr. 116 in Gießen erfolgt morgen, Freitag abend 1005. Der Stab des 2. und 3. Bat. des Jns.-Reg. Nr. 116 trifft hier um 1118 ein. Ordensauszeichnungen. Aus Anlaß der Anwesenheit des Kaisers in der Rheinprovinz sind noch u. a. an folgende Bonner Professoren verliehen worden: Der Stern zum Kronenorden zweiter Klaffe: dem Geh. Justizrat Dr. Loersch, Kronsyndikus, sowie dem Geh. Medizinalrat Dr. med. et phil. Pflüger, o. Prof. Der Kronenorden zweiter Klasse dem Geh. Negierungsrat Dr. WilmannS. Der rote Adlerorden vierter Klasse dem D. Dr. König, Küppers, akademischem Zeichenlehrer, Dr. Nußbaum, Dr. Stutz und dem Geh. Medizinalrat Dr. Walb. Der Kronenorden dritter Klasse dem Geh. Bergrat Dr. LaSpeyres, dem Geh. Regierungsrat Dr. Rein und dem Dr. Schrörs. Ein Automobilunfall. Coblenz, 14. Sept. (Eigener Drahtbericht.) Gestern nachmittag fuhr auf der Straße von Hunzel nach Mühlen ein Automobil auf der Straßenbiegung den Abhang hinunter. Die Insassen, zwei Damen und zwei Herren aus Köln, wurden herausgeschleudert und erheblich verletzt. Eine Dame erlitt einen Armbruch, die andere schwere Kopfverletzungen. Non den Herren brach der eine das Schlüsselbein, der andere eine Nippe. Die Verletzten wurden in der Apotheke in Mühlen verbunden. Das Automobil ist übel zugerichtet. Die Kovtenzer Kcrrserrede, die „Köln. Wolksztg." und Krzbischos v Stabtewski. Der Kaiser hat in Koblenz vortreffliche Worte über die Einigung der Konfessionen gesprochen, damit das deutsche Volk geschlossen daran gehen könne, seine großen Kultur- aufgaben zu lösen. In derselben Stunde, in der der Kaiser diese Rede hielt, veröffentlichte die „Köln. Volksztg." unter Ausdrückung der unbedingten Zustimmung einen Erlaß des Erzbischofs v. Stablewski, der sich gegen die von dem Kaiser vor einigen Wochen in Gnesen betonte Richtung deutsch- nationaler Politik wendet. In bem Erlasse weist der Erzbischof die Geistlichen darauf hin, daß in Fällen, wo über die Rationalität der Eltern und der Kinder k ein Zweifel herrsche, nicht die Eltern, sondern die Geistlichen zu entscheiden hätten, in welcher Sprache die Kinder zum Empfange der hl. Sakramente vorbereitet werden sollen. Die Geistlichen sollen von diesem ihrem Rechte der Entscheidung über die Unterrichtssprache besonders dann Gebrauch machen, wenn etwa zu besorgen ist, daß die Eltern einem Drucke von außen nachgeben. Wir stimmen mit der „Köln. Volksztg." darin überein, daß der Erlaß seine Spitze gegen die Verfügung der Posener Regierung richtet, wonach die Lehrer darauf achten sollen, daß ihre Kinder deutschen Beicht- und Kommunionunterricht erhalten. Die „Köln. Volksztg.", die den erzbischöflichen Erlaß die würdige Zurückweisung eines unerhörten Angriffes nennt, verlangt, daß der Geistliche festzustellen habe, ob die Kinder im stände seien, den Unterricht über die Gnadenmittel der Kirche in deutscher Sprache völlig in sich aufzunehmen. Daß, insbesondere nach dem erzbischöfllichen Erlasse, die polnischen Geistlichen diese Frage stets im negativen Sinne entscheiden werden, darüber kann kein Zweifel bestehen. Nun liegt dach aber die Sache so: Die Kinder beginnen durchschnittlich mit dem neunten Lebensjahre mit dein Beichtunterrichte. Da ein Kind mit dem zweiten Lebensjahre zu sprechen beginnt, so haben die Eltern bis zum Beginne des Beichtunterrichts sechs Jahre Zeit, dem Kinde das Verständnis der deutschen Sprache zu erschließen. Von einem polnischen Bauern verlangen wir es nicht, daß er in dieser Zeit seinem Kinde die deutsche Sprache völlig beibringt — dazu ist die Schule da. Ein vom preußisch-deutschen Staate aber vargebildeter und angestellter Lehrer muß die Fähigkeit haben, in dieser Zeit sein Kind völlig in der deutschen Sprache auszubilden und wenn er dies bei seinem Kinde nicht fertig bekommt, dann wird er in seinem Unterrichte bei fremden Kindern erst recht nichts erreichen. Wenn also der Geistliche feststellt, daß das Kind eines Lehrers mit 9 Jahren der deutschen Sprache noch nicht mächtig ist, dann wird der Staat den: Lehrer gegenüber die Konsequenz daraus ziehen müssen. Erzbischof v. Stablewski will der Kirche alle ihre Rechte wahren. Gut, dann aber wird auch der Staat von allen seinen Rechten Gebrauch zu machen wissen. Er wird es auch tun und wird sich darin auch nicht durch eine sehr schlaue Stelle des erzbischöflichen Erlasses beirren lassen. In dem Erlaße heißt es nämlich: „Es geziemt sich auch, Gott dafür zu danken, daß S. M. unter allergnädigster Landesvater die Pflicht des Glaubens an den göttlichen Heiland so hochherzig und ernst eriaßt und burdj dieses sein Beispiel allen fernen Untertanen voranleuchtet." Diese Stelle beabsichtigt nichts anderes, als einen Gegensatz zwischen dem frommen Kaiser und seiner unfrommen Regierung herzustellen. Nun hat aber der Kaiser mehr als einmal betont, daß er mit der von seiner Negierung in den Ostmarken befolgten Politik völlig einverstanden ist. Er hat sich durch gelegentliche polnische Unhöflichkeiten darin nicht beirren lasten, er wird auch das ihm van dem Erzbischöfe gemachte Kompliment nach seinem Werte einzuschätzen wissen. Diejenigen werden sich täuschen, die Koblenz gegen Gnesen auszuspielen hoffen. Russische Neuigkeiten. AuS Odessa wird gemeldet, daß die russischen Behörden ein gefährliches revolutionäre? Komplott in Kiew entdeckten. Die Verschwörung hatte bereits einen großen Umfang angenommen. U. a. sollen die Verschwörer angeblich beschlosten haben, sämtliche Offiziere in Odessa und Kiew zu ermorden. Die Polizei untersucht eifrig die Angelegenheit und hofft, andere Tatsachen ans Licht zu bringen. Wie der „Kuryer Warszawski" meldet, wurden in bei Sternwarte und in der Sosnowastraße zu Warschau große Waffenlager entdeckt. Mehrere Personen wurden verhaftet. Es handelt sich hier vermutlich um eine ganze Organisation. Der Petersburger Berichterstatter der „Times" telegraphiert seinem Blatte, die Lage im Kaukasus habe sich nicht gebeffert, sondern im Gegenteil sehr verschlimmert. Die revolutionäre Propaganda erließ eine Proklamation, in welcher sie droht, alle Fabriken, welche die Arbeit ohne Erlaubnis der Sozialdemokraten wieder aufnehmen, niederzubrennen. — Der Zar hat den Prinzen Louis Napoleon zum Generalgouverneur des Kaukasus ernannt. Der Prinz begab sich sofort nach Baku, „um die Ruhe wieder herzustellen". Deutsches Reich. Berlin, 13. Sept. Am 24. Sept, trifft der Kaiser, wie der Draht aus Goldap (Ostpr.) meldet, zur Jagd in Rominten ein. — Aus Petersburg wird der „Allg. Corr." gemeldet: Wie in Hofkreisen mit Bestimmtheit verlautet, wird sich der Z a r mit seiner Familie noch im Laufe dieses Monats zu mehrwöchentlichem Aufenthalte nach Darmstadt begeben, und bei dieser Gelegenheit dürfte eine neuerliche Begegnung desselben mit dem Kaiser Wilhelm stattfinden. — Der Reichskanzler wurde am 8. Marz 1871 Leutnant im Königshusarenregiment; er hat fast zehn Jahre warten müssen, ehe er Oberleutnant wurde, das Patent kotiert vom 29. Januar 1881. Rittmeister wurde Bernhard von Bülow am 14. Februar 1891. Major und Oberstleutnant ist der Reichskanzler nicht gewesen, am 17. Juni 1902 ernannte ihn der Kaiser zum Obersten. — Die Angaben über die neue „Lu xu st aÖ a fteu e r", die im Reichsschatzamte ausgestellt worden ist, erfahren jetzt eine Erweiterung. Da die Raucher der Zigarette auch in Deutschland sich ihre Zigarette ost selbst Herstellen, so soll nach griechischem und früher rumänischem Vorbild auch eine Zigaretten- p!a v i e r-S tem p el ste u er geplant sein. (Man könnte die Vorsicht noch weiter treiben und nach dem Muster Italiens, das seit einigen Jahren auch die bekannten kleinen Wacbsstreichhölzer mit einer Banderolsteuer belegt, auch bei uns eine Streichhölzer- banderolsteuer einfiihren. Mer wer weiß, ob nicht auf dem Wundersteuerbanm des Frhrn. v. Stengel auch diese Frucht bereits gewachsen ist! Es ist ja ausdrücklich hervorgehoben, daß der Bohrer an verschiedenen Stellen in das Erdreich getrieben ist, um neue Steuerquellen fließen zu machen.) — Zu dem in der nächsten Woche in Wiesbaden stattfindenden Parteitage der Freisinnigen Volkspartei haben die Königsberger Mitglieder den Antrag gestellt, die Partei solle in den Parlamenten für die Einführung des Reichstagswahlrechts auch beikommunalenWahlen wirken. Hamburg, 13. Sept. Der auf der Studienreise nach Dentsch-Südwestafrika erkrankte Reichstags- Abg. Günter-Neidenburg kehrt mit dem Postdampfer „Ernst SBoermrmn" zurück. Mit demselben Dampfer kehren eine Anzahl in Genesung befindlicher Soldaten aus Afrika zurück. Lübeck, 13. Sept. Der Dürgerausschuß richtete einstimmig das Ersuchen an den Senat, ein Krematorium zu errichten. P o f e n, 13. Sept. In der heutigen Stadtverordnet en- s i tz u. n g erschien der Minister des Innern Frhr. v. B e t h m a nn- H oll weg. Aus die Begrüßung des Bürgermeisters Künzer erwiderte der Minister, daß die Regierung die gesunde Arbeit der Selbstverwaltung nach Kräften fördern wolle. Vor dem Eintreffen des Ministers verließen die Polen den Sitzungssaal. Erst nach dem Weggang des Ministers erschienen die Polen wieder. Heute mittag stattete der Minister dem Erzbischof von Stablewski einen längeren Besuch ab. Saarbrücken, 13. Sept. Der Stadtrat beschloß, zur Abhilfe der F l e i s ch n o t eine Seefischhalle zu errichten und ricktete an die Staatsregierung das Ersuchen, Maßregeln zur Beseitigung der Fleischnot zu ergreifen. Kolonialpost. London, 13. Sept. Ter „Times" wird aus Kapstadt gemeldet: Große Abteilungen Buren, angeblich Nichtkombattanten, sind von den Deutschen engagiert worden und überschreiten die Grenze. Einige von ihnen sind frühere Mitglieder der Johannesburger Polizei und der Staatsartillerie unter dem Kommandanten Oldendaal. Der „Argus" verlangt^ die Negierung solle bei den deutschen Behörden Vorstellungen erheben, da die Angelegenheit Schwierigkeiten mit den Eingeborenen herbeifnhren könnte. Ausland. Konstantinopel, 13. Sept. Der deutsche Botschafter Frhr. v. Marschall ist gestern an Bord de§ deutschen Sta-> tionärS „Loreley" von der Untersuchung der Thasos- Jnseln hierher zurückgekehrt. Die Insel ist reich an Mineralquellen, sowie in Chrom- und Kupfer-' erzen und Boracit. Die Minen gehören gegenwärtig der Zivilliste des SultanS, werden aber an deutsche Konzessionäre vergeben, und sollen ein großes industrielles Unternehmen werden. ThasoS liegt nahe am Eingang der Dardanellen. Der Botschafter beschäftigt sich auch mit der Errichtung einer drahtlosen Verbindung zwischen Rhodos und Derna. (V. Z.) Stockholm, 13. Sept. Das „Stockholms Dagbladet" veröffentlicht ein Telegramm von der Grenze Vermlands, in dem es heißt, daß die Norweger in den letzten Tagen mobilisiert und die Grenze mit den fünf jüngsten Jahrgängen von Wehrpflichtigen besetzt hätten. Das Blatt fügt hinzu, daß die Meldung aus zuverlässiger Quelle stamme. Christiania, 13. Sept. Bezüglich der Meldung übet eine norwegische Mobilisation ist das „Norsk Telegram Byran" ermächtigt, zu erklären, daß in der Näße der norwegischen Grenze nur einzelne Abteilungen zur Bewachung bet Grenze aufgestellt seien. Das norwegische Heer sei nicht mobilisiert. — Das „Norsk Telegram Byran" meldet auS Karlstadt: Nach der heutigen Nachmittagssitzung hatten die schwedischen Delegierten eine besondere Besprechung untereinander. Die Lage wird als sehr ernst betrachtet. Madrid, 13. Sept. Die amtliche „Gazeta" ver- öffentlicht ein Dekret, nach welchem die Einfuhrzölle auf Getreide und Mehl wieder erhoben werden sollen. — In Caftillo und in Trebujena in der Provinz Cadiz ereigneten sich Unruhen. In Trebujena wurde die Gendarmerie angegriffen, wobei eine Person getötet und acht verwundet wurden. Sofia, 13. Sept. Das Blatt Veschtscherna Posta hatte die serbischen Revolutionäre Ghirdikovic und Tachovic beschuldigt, nach Sofia gekommen zu sein, um ein Komplott gegen den König Peter und den Fürsten Ferdinand anzuzetteln. Die beiden Genannten haben nun ein Schreiben an den Chefredakteur des Blattes gerichtet, worin sie ersuchen, die Beschuldigung zurückzuziehen ober bie lieber* 8 L'cht h ' hiclbef h. ‘erf iU *n d-l ' ?Ot1en NtbS u Or°ße ' ilne 9anze v ?^stet. tec bet5c Swon ■ sehr uetfAf; siL .SÄT b,lt l“*' «'ch. - ■'m?,tb ich btt 0®“« “ZiuÄS hat F* W&W» ?er hmtbe S stiert ; '°r unb ObttN? "°" äßVaa«^' Ur? 's?*« :Wä lein. (aJtott Kirnt? hi» I btm 9», 3talii“ “ : 6“.J« «ne Steffi I ^eiß, ob nicht auf btm 2? biele frucht bereits hervorgehoben, doß btt U)®“» ittieien T ie in.28 ie 56 ab en statt« innigen Volkspartei Mttag gestellt, bie Partei NuhrungbeSReichK' D u n a (e n 33 wirten. 11 *ui der ctubienreife nach rankte Reichstags, rü bem Postbampser „Ernst Dampfer kehren eine Anzahl aus Afrika zurück. cansschuß richtete einstimmig I ematorium zu errichten, i icngtabttierotbneten- mern Z-rhr. v.Bethmam. s Bürgemeisters Künzer er» » rung bie gesunde Arbeit der l n wolle. Vor dem Eintrefsc^ I len den Sitzungssaal. I cisters erschienen die Wen inister bem Erzbischof l»i | ch ab. Stabtrat beschloß, M ffi> , ib baffe 3u crtiAKd'®’* f Ersuchen, ’HMregefr zur fs &. ott .mes" wird aus Kapstadt jren, angeblich Nichtkom' fchen engagiert mrbtn iiie von ihnen sind frühere jzei unb bet Ltaatsartilleue al. Der „Argus" verlangt, chrn Behörden Vorstellungen mierigfeiten mit den &n< d. Der deutsche Botschachl . 1 Bord des deutschen Sta. ; rrsuchunst der Thasos« c Die Insel ist reich 4 Ihrem* und Kupfer' 1 gehören gegenwärtig w ,ber an deutsche Kon- oaen ein großes^ t:S ® br.Ml.i-n W g§ 7 '«rpn,c Vermlands, in der Grenz Tagen -L P* «•* ;.n t*. ’OT nonveg's^ $ । weldst ' W® %»im $ en * *5» 6*«* ,16 ('»L‘ W»‘ je anitlA »,((e auf 'e N . N‘ «(.H W* b b!"X n«« ""i «' Itrn »en» Zu ,6 O- bl‘ * | bringet der Briefe als ihre Zeugen für eine Forderung zum Duell zu betrachten. Ans Htudt und Land. Gießen, 14. September 1905. •• Personalien. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben dem Vorsitzenden des Vorstandes der Invalidenversicherungsanstalt Großherzoatum Hessen, Negierungsrat Dr. Dietz den Charakter als Geheimer Negierungsrat erteilt und den Großh. Kreisamtmann Dr. Kehre in zu Groß- Gerau auf sein Nachsuchen aus dem Staatsdienste entlassen. ** Wochenmarktordnung. Vom nächsten SamStag sn beginnt der Markt von 8 Uhr morgens bis 2 Uhr nachmittags. Marktwaren dürfen vor der angegebenen Zeit nicht ausgestellt werden. ** Die Marktpreise für Schweine sowie die Verkaufspreise für Schweinefleisch wird das Großh. Kreisamt zu Worms von jetzt an regelmäßig in den Gemeinden Alsheim, Gimbsheim, Osthofen, Pfeddersheim, Westhofen und WormS, sowie die Marktpreise auf den Märkten von Mainz, Frankfurt und Mannheim zur allgemeinen Kenntnis bringen. •• Diebstähle. Am 12. d. Mts. wurde einem Einwohner in Dau bringen ein größerer Geldbetrag gestohlen. Gestern wurde der Täter in der Person eines arbeitslosen Mannes aus Daubringen hier verhaftet. Vom gestohlenen Gelde besaß er noch 40 Mk. — In der Nacht vom 12. auf 13. d. Mts. wurden auS einer Baubude in der Kirchstraße zwei Wasserwaagen und ein Senkel mittels Einsteigens von einem bis jetzt unbekannten Täter gestohlen. ** Besitz wechsel. Der Schuhmachermeister Ludwig Bernhardt erwarb das Anwesen Schulstraße 10 von Georg Wilhelm Orbig für 63 000 Mark. •• Wildvretpreise. Aus dem Vogelsberg wird uns heute geschrieben: In einer Zeit, da alle Welt über die hohen Fleisch- greife klagt, muß eS Wunder nehmen, daß die allgemeine Fleischverteuerung nicht von gering ft em Einfluß $ n f bie Preise für das Wilbpret gewesen ist. Unsere Jäger erhalten für da? Mild genau dieielben Preife wie vor Jahren, da man Fleisch und Wurst um 10—20 Pfennig billiger das Pfund kaufte. Ter Hase wird im Durchschnitt mit 3 Mk., das junge Huhn mit 80—100 Pfg. bezahlt. Mit bem bisherigen Resultate der Feldjagd sind untere Jäger zufrieden. Tie Hühnerketten sind zahlreicher und ihre (lieber größer und feister wie sonst, ebenso ist der Hase entschieden hänstger anzutreffen als im Vorjahre. Wir können dieser Zuschrift anfügen, daß in unserer Stadt die Preise für Wildpret und Geflügel gegen frühere Jahre auch nicht gestiegen sind. Man bezahlt hier beim Wildprethändler z. Zt. wie früher durchschnittlich 3.50 Mk. für einen Hasen und 1.20 Mk. sür ein Huhn. Daß beim direkten Kauf beim Jäger oder beim Geflügelbesttzer die Vreise sich niedriger stellen, versteht sich von selbst. ** Auch einManövcr-Unfall. IN I l b e n st a d t war eine Schwadron des 20. Badischen Leib-Dragonerregi- ments einquartiert. Dabei erhielt ein Herr R. zwei Pferde als Einquartierung. Da nicht genügend Stallung vorhanden war, wurden die Pferde in die Scheune gestellt. Ms am andern Morgen der Dragoner nach seinen Pferden sehen wollte, waren diese verschwunden, und zwar waren sie über Nacht in einen an die Schcun angrenzenden Keller gefallen. Es mußte eine Kellermauer abgebrochen werden, um die Pferde wieder ans Tageslicht zu bringen. Äußer Haut- Abschürfungen haben sie ke-'ne Verletzungen davongetragen. ** Die Eleonoren-.Heilstätte für weibliche Lungenkranke bei Winterkasten, von deren Eröffnung wir gestern berichteten, ist mit einem Kostenaufwand von 680000 Mk. erbaut worben, umfaßt ein Terrain von 76 000 Quadratmeter (etwa 30 hessische Morgen) und bietet bequeme Unterkunft für 60 bis 80 Kranke. Das Hauptgebäude hat eine Front von ca. 50 Metern unb nimmt in zwei Etagen die Kranken auf. Zu beiden Seiten befinden sich mit allen Bequemlichkeiten ausgrstartere Liegehallen für den Tagesaufenthalt, Veschäftigungsraum, Inhalatorium usw. Das Wirtichasts- und Betriebsgebäude sind ganz si'ir sich angelegt, ebenso die Arztwohnung. Die ganze Anlage ist nach den modernsten sanitären Grundsätzen unb Erfahrungen angelegt und mit vorzüglicher Wasserversorgung ausgestattet, tn den Einzelzimmern sind für jeden Kranken 60 Kubikmeter, in beit mit mehreren Kranken zu belegenden Räumen je 30 Kubikmeter Luftraum vorgesehen. .Die Benutzung ist ausschließlich für Frauen und Mädchen bestimmt. 0 All end orf a. d. Lahn, 13. Sept. Die hiesige erwachsene Jugend hat dieser Tage einen Turnverein gegründet und auch alsbald ihre turnerischen Hebungen begonnen, bie Turnwart Frey - Klein-Linden leitet. Der Verein beabsichtigt, dem Turngau Hessen beizutreten. R.-B. Darmstadt, 13. Sept. Der erste Vorbote des wieder erwachenden parlamentarischen Lebens ist da: Der Finanzausschuß der Ersten Kammer wird am 18. September zu einer Beratung zusammentreten und sich mit dem Gesetzentwurf, betreffend die Gemeindeumlagenreform, beschäftigen. Der Referent de? Ausschusses für diese Frage ist Frhr. Heyl zu Herrnsheim, der sein ausführliche? Referat bi? zum Zusammentritt des Plenums zum Abschluß bringen dürfte. Mainz, 13. Sept. Der Groß Herzog besuchte gestern vormittag die Frau Oberbürgermeister Dr. Gaßner und sprach ihr persönlich sein tiefes Beileid über den Verlust ihres Gatten aus. — Gegen 12 lllrr besichtigte der Großherzog unter Führung des Architekten Opfermann die W ieder o er ft ellungSar beiten tn allen Teilen des kurfürstlichen Schlosses und ließ sich darauf das ganze einfe^ägige Material an Zeichnungen, Photographien und Urkunden, das sich seit dem 2. Mai 190t ergebm hat, von d m Bauleiter berichten. — Am Nachmittag stattete der Großherzog dem AntiquariatSgeschaft von Broo in der Rhein streße einen Besuch ab und machte verschiedene Einkäufe. Der Großherzog trug Zivil. E r - hängt hat sich gestern tn einem Neubau in der Neustadt ein 17jähriger Manrerlehrling aus der Fcldberg- straße. Ter junge" Mann war Techniker und wollte noch praktisch das Bauhandwerk erlernen. Was ihn in den Tod betrieben hat, konnte nicht festgesteNt werden. Es ift nicht unmöglich, daß der junge Mann,mit dem Erhängen nur '.inen Scher' getrieb"N. wobei er sich schließlich nicht mehr ms der Schlinge befreien konnte. — Vor mehreren Fahren wurden schon einmal auf einem Mer bei Bretzenheim 'n einem Topfe nahezu 1000 alte Goldmünzen gesunden, die die Stadt für das Münzkabinett crnwrb. Ganz m der Nähe dieser Fundstätte hat in ' jetzt wiederum 20 Frankftück gefunden mit dem B' ^wigs XEX., oem Ltkienwappcn und der lieb ■ rrr’v" von Frankr nai md Navarra 1788". Mau ' ' der Nähe >-v Fundstelle noch weitere Münzen u. , , |üib. (M. Tgbl.) — In dem Enteignungsverfahren gegen eine große Anzahl Grundbesit'l'r der Stadt Kastel wegen Erwerbs von Gelände zur Erweiterung des Bahnhofes Kurve und wegen Erbauung einer elektrischen Bahn Mainz-Wiesbaden umrden in der heutigen Sitzung des Provinzial- ausschusseZ der Provinz Rheinhessen die Eisen b a hn- bire ition Mainz und die Süddeutsche Eisen^ bahngesellschaft in Darmstadt zur Zahlung von rund 2 25 00 0 Mk. verurteilt. Beide Bahnverwaltungen haben die Kosten gemeinschaftlich zu tragen. Frankfurt, 13. Sept. In der Schwarzburgstraße spielte sich gestern abend eine blutige Szene ab. In dem Hause 24 wohnt im ersten Stock eine 32jährige Witwe Namens Marie Neumeier. Ste hat zwei kleine Kinder im Alter von einem und drei Jahren; attßerdem unterhält sie ent Pflegekind. Zur Beschaffung ihres Lebensunter-' Halles vermietet sie auch Zimmer. Mit einem 36jühriaen Schreiner mit Namen Michael Schmidt aus NeuwieS, ocr außer zwei anderen Logisberren seither bei ihr wohnte, unterhielt Frau Neumeier ein Verhältnis. In der letzten Zeit scheinen sich nun diese Bande gelockert zu haben, denn Schmidt zog aus. Gestern abend gegen 11 Vs Uhr erschien er wieder und ging in die Wohnung der Frau Neumeier. Da er ihr Zimmer verschlossen fand, öffnete er gewaltsam. Nach geraumer Zeit ging er fort. Kurz darauf kam die Frau blutend die Treppe herunter. Schmidt hatte ihr mit einem großen feststehenden Küchenmesser einen tiefen Stich in die linke Brust versetzt. Die Rettungswache brachte die Schwerverletzte ins Heiliggeistspital. Tie'Wunde ist lebensgefährlich, da die Lunge verletzt wurde. Schmidt ist geflohen und konnte bis jetzt nicht verhaftet werden. (K. Pr.) Neustadt b. Marburg, 12. Sept. Brüt' der Zigeuner- plage lieferte eine unlängst hier durchziehende Bande ein unangenehmes Pröbchen. Als drei Mitglieder der 6>esellsck?aft onnh die hiesige Srtspolizeibehörde wegen Landstreichens fest- qrnommett wurden, schlug die ganze übrige Bande in der sogen Struth, einem vor der Stadt liegenden schattigen Wäldchen mit hübschen Anlagen, ihr Lager auf und machte nun die Wege für die Sva ziergang er unsicher. „Wenn ihr unsere Männer etnsperrt. müßt, ihr uns auch ernähren ft' äußerten sie. Erst nach 'etwa vierzehn Tagen, als zwei Männer nach Verbüßung der Hast entlassen waren, zog die Bande weiter. Der dritte Eingesperrte wurde einer Arbeitsanstalt überwiesen. ** Kleine Mitteilungen au? Hesse n und den Nachbarstaaten. In Bad-Nauheim sind am 13. Sept. Cornelius Vanderbilt und Sohn eingettoffen. — Die Wirtschaft nnd Metzgerei „Zum Hessischen Hof" in Nidda, sInhaber Wilhelm Vreu fehl, wurde für 48 000 Mk. an Gastwirt Bä eher, Obev-Lais. verkauft. — Zu den anerkannten außerpreußifchen Baugewerksschnlen ist die hessische Baugewerksschule in Bingen neu hinzugetreten. Literarisches. — Geschichte der Philosophie seit Kani, Leben und Lehre der neueren Denker in gemeinverständlichen Einzeldarstellungen, von Dr. Otto Gramzow, mit Bildnissen und Faksimiles: Charlottenburg, Gg. Bürkners Verlag. — Diese für alle Gebildeten geschriebene, populäre Schrift erscheint in 16 Einzelheften, wovon jedes in kurzen Uutriffen die Lebens- gefchichte unb im Anschluß daran die philosophische Lehre eines der Denker nach Kant barlegt. Wenn man auch der Meinung des Verfassers zustimmen muß, daß die gewöhnlichen „Einleitungen" in die Philosophie für die Anfänger meistens unfrnchtftar sind, so muß man sieh doch andererseits auch sagen, daß sein eignes, biet vorliegendes Werl gleichfalls nicht eigentlich, wie der Verfasser meint, eine Vorbereitung in das Sindinrn der Philosophie genannt werden kann. Dem hnirben wir immer noch 'Descartes' Betrachtungen über die Grundlagen der Philosophie vorziehen. Der Vorzug dieser neuen Gefclsichte, der Plntofovhie seit Kam ist ober der, daß sie knapp nnd treffenb das Wesentliche vcnckührt, was allerdings bet Gebildete sich zu eigen machen sollte, und daß sie zn tieferem Eindringen in die Werke der neueren Philosophen anregt. Die kurzen kritischen Bemerkungen zn jeder Einzeldarstellnng, die allerdings von ettvas voreingenommenen Ansichten diktiert sind, regen aber gerade deshalb zum Denken an. Der Inhalt der geschichtlichen Tarstellnngen ist korrekt, übersichtlich und klar, weshalb man das Werk auf? beste empfehlen kann. Dem Laien, der nach klarer, einheitlicher Weltanschauung ftrebt, wie auch dem Sttidierenden kann eS sehr mltzlich werden. In den 16 Heften, von denen 10 bereits erschienen sind (ä 0.75 Mk.), werden der Reihe nach folgende Philosophen behandelt: Kvnt, Fickte, Schelling, Hegel, Schleiermacher, Dav. Friedt. Strmlß, L»dw. Feuerbach, Herbart, Veneke, Schopenhauer, Feckmer, E. v. Hartmann, Häckel, Nietzsche. Das Schlußheft soll die Hauptströmungen im philosophischen Denken der Gegenwart behandeln. — Im Verlage der Eoneordia, Deutsche VerlagSanstalt, Hermann Ehbock in Berlin W. 50, Geisbergstraße 29, erschien: D i e Ernenernng des Dramas von Alfred Nossig. 1'. Teil. Geh. 3.50 Mk. — Dr. Nossig macht nicht nur Zukunftsmusik hinsichtlich der mutmaßlichen Gestaltung des neuen Dramas auf Stund allgemeiner dichterischer Eniwicklnngstheorien. Er holt weit ans. Er beginnt mit der Erörterung des praktischen Nutzens tl^'oretischer Erörterungen über das neue Drama, und er zielst schon in diesem ersten Bande weite Kreise, indem et bis zu den Erwägungen über die Frage gelangt, ob Prosa- oder Vers- sorm die wünschenswert'' Zuttiuft des Dramas sei. Kürz gesagt, ist das Werk eine logisch begründete und auf genauen Studien beruhende Forderung einer Wiedergeburt des Drama?. Der Verfasser sieht die Spuren einet solchen in dem gegenwärtigen K'ampf- nnb Gärungszustande der dramatischen Dichtung, die, zwischen den Vesten des Nattiralismus und des Symbolismus operierend, auf dem Wege zu der mittleren Linie einer modern-romantischen Form sich befindet. Wohlttiend berührt in den AuSvinander- fekungen der Umstand, daß Dr. Nossig nicht simchtlos icker die „Decadence" des Dramas jammert, sondern in dem heutigen Sturme und Drang bet bramatischen Dichttrng etwas sieht, wofür er bas Wort „Aszension" geprägt hat; ja aus ber Stilverwirrung in ben neuen Künsten liest er bie gleichen Spuren einer Höhenentwicklung ausgeprägtester Form heraus. Diese Höhenentwick- litng will er erreicht sehen in der Wiederherstellung der Grundgesetze des Dramas, ausgestattet mit den lebensfähigen Zügen öfterer unb neuerer litcrnrifcfjcr Strömungen aus bem zeitgenöffi- scken Emvsinden: ein Stil voll Harmonie, Schönbeil bet Form unb — Größe bes Borwurfs, wobei da? Iiü'ividuelle in bie Sphäre bes Zeit- unb Ranmlosen erhoben wirb. Man sieht also, twß ganz frei von Svmbolismu? Nossig auch bas fommenbe Drama sich nicht benft. Die ausaezeichnete Arbeit NossigS, bie unzweifelhaft nicht nur theoretischen, fonbern auch llärend- befrncktenben Wert frben bürste, wirb belebt burch intereftante Analvsierungen bet Dichtungen hervorr-igeubet mobemer Drama- liker. Mit Festigkeit tritt bet Verfasser für die Wieber- belebung bes bramatischen Verses ein, er scheint aber auch hier Reformen in neuem Sinne zu wünschen, bezw. als natürliche Entwicklunaserscheimmgen voranszuselien. Recht inter* essanl sinb auch bie Beispiele für bie Behandlung von Bers unb PrDsa, wobei er verschiedene Dramatiker von Corneille bis Hauptmann einn'-r gegen üb ' 'tt. Es ist eine groß angelegte Arbeit, bie brr Bc'-sser r,,T Kandel und DolKswiNschatt. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 1-1. Sept. (Tetegr. Oriq.-Bericht des , Gieß. Anz.".) Amtliche Noliernngen der I eutigen Vie' arkt- preise. Zuin Verkauke standen: 16 f n, 0 auS reich 2 Pul' 0 au« Cefterreid), 60 Kühe, en, Stiere 'der, o ou? ., 00 Kälber, 00 Schafe I ürnmel, l • ne. Bezahlt wurde sür 100 Pfd. Lchlachtgemi.. .chsen l.Qu. H bi« 82 Mk., 2. Dual. 70—73 Mk., 3. Qual. 65—67 Mk.; Dullen 1. Qual. 63—65, 2. Dual. 60—62; Kühe 1. Dualität 69-70 ist unter pockenartigen Erscheinungen erkrankt. Petersburg, 14. Sept. Ausständige Arbeiter versuchten in Baku einen Straßenb ahnwagen in die Luft zu sprengen, indem sie eine Bombe auf die Schienen legten, die jedoch noch rechtzeitig entdeckt wurde. Tiflis, 13. Sept. Dcw Bürgermeister unb mehrere Stadt» rate legten ihre Aemter nieder als Protest gegen die Mutige Unterdrückung der Kundgebung vom 11. September durch bie Trui>ven im Rathause. Eine Wordnung von Lanbleuten beff Bezirkes Sangefur bat ben General Schirinkin, Maßnahmen gegen die aufstäirbiscken Tataren zu ergreifen. welche bie Dörfer zerstören unb Frauen rauben. Man protestiert inÄcsonbere gegen bie tatarischen Polizisten, bereu Verhalten eine Beruhigung unmöglich macht. Die VranbAftungen unb Plünberungen in Dalackany und Bibi Cibat haben ailfgehört. Gegenwärtig ist in diesen Orten Ruhe. Brandeund Schießen dauern in Baku fort. Da ka rd , 12. Sept. Der Forschungsreifende be Brazzo ist in schwerkrankem Zustanbe hier gelanbet. Yokohama, 14. Sept. In ber Nacht wurde eine Polizeiwache in Brand gesteckt. 36 Konstabler wurden verwundet. Mukden, 13. Sept. Der russische und der japa. nische Bevollmächtigte für die Waffenstillstands- Verhandlungen, die Generale Oranowski unb Fukuschima, sinb heute auf ber Station Schakhebza, 10 Meilen nörblich von Tschantufu, zusammengetroffen. Die Regelung ber einzelnen Bebingungen be§ Waffenstillstandes bauert vermutlich mehrere Tage. Tokio, 13. Sept. Nach Angaben der Polizei in Tokio sinb bei ben jüngsten Unruhen 388 Polizeibeamte, 16 Feuerwehrleute unb zwei Solbaten verwundet worden. Auf Seiten der Ruhestörer und deS nicht aktiv beteiligten Publikums wurden neun Personen getötet und 387 verwundet. Newyork, 14. Sept. Die hiesigen Studenten begründeten einen Verein, welcher ausschließlich auf den höheren Schulen sozialistische Propaganda treiben soll. Vorsitzender ist der Schriftsteller Jack. Telephonischer Kursbericht. 3«/2o/o Reioheanleihe . 3i/o do. . . 3Vt% Konsole . . . 3% do. .... 3l/t°/n Hessen . . . 31/,% Oberhesson . . K% Oosterr. Goldrente . 4 V5 % Oesterr. Silherrente 4 % Ungar. Goldrente . 4% Italien. Rente , , 3% Portugieser I , . 3°/ Portugiesen. JH 1 % Unit. Türken . . Tiirkenlose..... Franklnrt a. M., 14. Septbr. 1905. • 100.90 ; 3°/e Mexikaner .... 68.75 . 89.80 J 4,/1o/o Chinesen .... 97.75 101.06 ! 89.6o । 99.80 101 85 101.40 97.70 105JW 68.50 68.30 90 50 139.M Electric. Rohuckert . . . 136.00 Nordd. Lloyd . . . . 136.10 Kreditaktien ..... 214.10 Diskonto-Kommandit. . . 195.10 Darmstädter Bank . . , 151 90 Dresdener Bank .... 168 00 Berliner Handelsges . . 172.80 Oesterr. Staatebahn . . . 144.80 Lombarden ..... 21.10 Ootthardbahn ..... —.— Laurahütte..... 269.80 Bochum..... 254.25 4 % Griech. Monopol.-Anl. 55.60; 11arpener . . . . . . 221.10 4° o äussere Argentiner . 96.70 St«atschatzscheine . . . 10015 Tendenz: Da die Befürchtung des englischen Diskontea nicht aic auebdngnx iS.und Sl-unde Kostenanschläge kostenlos. 'K ütUC.Schmiti ''■■ds RUDOLF MÜSSE-EiESSEN SCHULSTRASSE 7 SCHULSTRASSE 7 Annoncen-Annahme für alle Zeitungen und Zeitschriften alleinige Inseraten-Annahme übertragen: GIESSENER ANZEIGER Die Bahnhofswirtschaft Deutsche Juristen-Zeitung Deutsche landwirtschaftliche Genossenschaftspresse Berliner Illustrierte Zeitung Bank-Archiv Privat-Beamten-Zeitung Deutsche Eisenbahnbeamten-Zeitung Allgem. 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Wochenschrift Deutsche medizinische Wochenschrift Aerztliches Vereinsblatt Zeitschrift für diätetische und physikalische Therapie Medizinisches Korrespondenzblatt Hospitalstitende Kopenhagen Tidsskrift for d. Norske Laegeforening Apotheker-Zeitung Deutsche Kolonialzeitung Mitteilungen des Deutschen und Oesterreichischen Alpenvereins Haus, Hof, Garten Wochenblatt des landwirtschaftlichen Vereins in Bayern 06045] 3-Zimmer - Wohnung billig zu vermieten bei PH. Schlatter, Neuenweg 10. | 2 Zimmer | 06061] 2-Ztrnmerw. zu verm. Franks. Str. 71. Näh. Ederstr. 6. 06075] Schöne 2--Z.-W. mit all. Zub. zu verrn. Kirchenplatz 5. 05924] 2-Zlmrnerwohiinng alsb. zu verrn. Nodheimerstraße 2. 00029] 2 Zimmer an ruh. Leute zu verrn. Grünbergerstraße 1b. 4624] Eine 2-Zimmerwohnung mit großer Küche und abgeschl. Korridor zu vermieten und bald zu beziehen. Rittergasse 11. 2-Ztmmerwohnnng, 1 Treppe hoch, an ruhige Leute zu verrn. 4608__________Kaplansgasse 14. | Verschiedene \ Alieestraße 11, 2. 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