ie§ ‘Äioe. * QMen y.cnu )Q«^alt ^shilse ssSs iut m0ot9ei>5 gesucht. 3«: rivat- tagstisc!: - sncben 2 Kahfliät. iuckll-aMn lieh empfohlen, t mn durch Pia ksfe ersiohtl!'cl{. ^‘emunpen mit Preis [P^iGiess. Anz erb. '/fifer- Nm H d U)B abz-stl. £eb..Derf, t ünfli. ?. An'tz, Sen inffl. IS Tkl-i 21 dr.-> g.vrrm. all. Verl Sparin i(l. Pros t-e-w l'ter Siebe juSV'o . mit 60% BelechM. , Nelle 56000 Mail rfimb WOOOSMJ "/ abzuqeben. 0»Ä [fi, gteinM%!5L 2 Stelle gegen Wie vonvnnkllicbemZ'^ All Meld. u. ^enerAmeigererbeten- nass WA ZW J ®Ä EZ; ien MWH tag9; \Ä o.*®*-*- M? $»itnery EZ 13.9"1' r > Mittwoch 12. Juli 1905 Gvftes Blatt. St. Teil: P. Wtttlo: für .Stadt und Canb" und .Gerichtssaal*: August Goetz; für den Anzeigenteil: HanS Beck. Die Üeutige Kummer umfaßt 10 Seiten. Die ZSÜrttembergische Aerfassungs frage. Stuttgart, 11. Juli. Die Verfassungskommission der Abgeordneten- fammer begann gestern ihre Beratungen. Bezüglich der Zusammensetzung der ersten Kammer wird beschlossen, daß sie bestehen soll aus: 1. den Prinzen des königlichen Hcmfis, 2. aus den Häuptern der fürstlichen und gräflichen Familien, auf deren Besitzungen vormals eine Reichs- oder Kreistagsstimme geruht hat, sowie aus den Häuptern der gräflichen Familien v. Rechbcrg und Neipperg, solange sie sich im Besitze ihres mit fideünäßrg belegtem Namensrecht der Erstgeburt sich verbindenden Grundvermögens im Königreich befinden, 3. aus den sechs auf Lebenszeit vom König zu ernennenden Mitgliedern. Wie der Entwurf der Negierung vorschlägt, beantragten die Vertreter der Ritterschaft zu setzen: Sechs vom König für die Dauer einer Wahlperiode zu berufende Mitglieder, die, ohne Rücksicht auf Geburt und Vermögen, aus den würdigsten Staatsbürgern zu ernennen sind. Dieser Antrag wurde abgelehnt und der Regierungsentwurf angenommen. Statt der im Entwurf vorgeschlagenen sechs Mitglieder des ritter- schaftlichen Adels wurde beschlossen, sieben zu setzen. Ein Antrag der Ritter, die Zahl auf acht zu erhöhen, wurde abgelehnt. Nach dem Entwurf der Regierung wurden die Bestimmungen angenommen, daß der ersten Kammer ferner angehören sollen: der Präsident des evangelischen Konsistoriums, der Präsident der evangelischen Landeskirche und zwei evangel. Superintendenten, firner der katholische Lan- oesbischof und ein Vertreter des Domkapitels, ferner je ein Vertreter der Landesuniversität in Tübingen und der Technischen Hochschule in Stuttgart. Ein Antrag der rittcr- schaftlichen Abgeordneten, eine Bestimmung des Inhalts einzufügen, daß der ersten Kammer auch die O b e r b ü r g erweist e r der Städte Stuttgart, Mm und Heilbronn angehören sollen, wurde abgelehnt. Die Regierungsvorlage bestimmt, daß der ersten Kammer sodann noch angehören sollen zwei Vertreter des Handels- und Gewerbestandes und zwei Vertreter der Landwirtschaft, welche vom König je auf die Dauer einer Wahlperiode ernannt werden. Nach Mlehnung eines hierzu gestellten Antrages der ritterschaftlichen Mitglieder, der drei Vertreter des Handels und der Industrie, zwei Vertreter der Landwirtschaft und einen Vertreter des Handwerks vorschlägt, wurde ein Antrag Angenommen, nach dem zwei Vertreter des Handels und der Industrie, zwei Vertreter der Landwirtschaft und ein Vertreter des Handwerks berufen werden sollen. Zu § 133, der von der Zusammensetzung der zweiten Kammer handelt, liegen drei Anträge vor. Abg. Keil (S o z.) beantragt: Die 2. Kammer besteht aus 93 2lbgeord- neten, die getrennt in den vier Kreisen des Landes nach dem Grundsatz der Listen- und Verhältniswahl zu wählen sind. Die Zahl der auf die einzelnen Kreifi entfallenden Abgeordneten ist von der Regierung nach dem Verhältnis der je bei der letzten vorausgegangenen allgemeinen Volkszählung ermittelten Bevölkerungszahl zu bestimmen. Abg. Kraut (kons.) beantragt, neben 75 aus den Bezirkswahlen hervorgehenden Abgeordneten 18 gewählte Vertreter von Landwirtschaft, Gärtnerei und Forstwirtschaft sowie von Industrie und Handwerk. Die Wahl der Vertreter von Landwirtschaft, Handel, Industrie und Handwerk erfolgt durch die wahlberechtigten Mitglieder der gesetzlich organisierten Berusskörperschaften crus der Zahl der zu Mitgliedern dieser Körperschaften wählbaren Personen, und zwar werden von Lanowirtschaft, Gärtnerei und Forstwirtschaft 9 Abgeordnete, von den Arbeitgebern in Handel und Industrie 5 Abgeordnete und vom Handwerk und Arbeitnehmer in Handel und Industrie je zwei Abgeordnete gewählt. Abg. Friedrich Haußmann beantragt, in der Zahl der „guten Städte" Ellwangen zu streichen und eine Bestimmung einzufügen, daß die zweite Kammer neben den Bezirksabgeordneten aus 17 in den vier Kreisen des Landes durch Listen- und Verhältniswahl gewählten Abgeordneten besteht, von denen sechs auf den Neckarkreis, je vier auf den Schwarzwald- und Donaukreis und drei auf den Jagst- kreis entfallen. Nach der Begründung dieser Anträge durch die Antragsteller wurde die Beratung vertagt. Politische Tagesschau. Die formelle Zustimmung Englands zur Marokko-Konferenz wird in naher Zeit erwartet. Die englische Regierung muß eben die Schwenkung der ftanzösischen Negierung mitmachen und wie diese ihr anfängliches „Bedenklich" in „Unbedenklich" verwandeln. So will es das Freundschaftsverhältnis. Aus Freundschaft für Frankreich gibt auch die Londoner Presse vor, Genugtuung über die deutsch-ftan- zösische Verständigung zu empfinden. Eine recht gekniffene" Befriedigung. Nirgends wäre das Scheitern der Verhandlungen mit größerem Jubel begrüßt worden, als m England. Es ist aber schließlich das Klügste, den Aerger über den Fehlschlag möglichst wenig merken zu lassen. IM Schiffsverkehr mit Marokko nimmt übrigens England die erste Stelle ein. Diese Tatsache muß beachtet werden. Eine englifche Reederei unterhält achttägige Verbindung mit demSulranat, und si^kommt dabei Vesser auf ihre Rechnung, als die in längeren Zwischenräumen fahrende Oldenburger Linie. Die englischen Schiffe pftegen die Canarischen JUseln anzulaufin und von dort landwirtschaftliche Erzeugnisse mitzunehmen. Außerdem sind die britischen Dampfer meist vollbesetzt mit Kajütpassagieren. Der von der Hamburg-Amerika-Linie in Aussicht genommene Spezialdienst mit Tanger wird hoffentlich eine Aenderung herbeiführen, aber England dürfte in dieser Beziehung nicht leicht zu überflügeln sein. Fürst Radolin und Rouvier setzten am Montag die Siegel unter die Dokumente des ?lbkommens. Die Unterhandlungen werden nunmehr mit den Signatarmächten zwecks Aufftellung des Programms begonnen werden. Die „Nationalztg." schreibt: Es ist durchaus unzutreffend, wenn ein Pariser Blatt behauptet. die jüngsten Verhandlungen hätten nicht bloß auf den vom (Sultan gemachten Kouferenzvorschlag, sondern auch auf andere Fragen, namentlich auf Kleinasien sich bezogen. Trotz der Bestimmtheit, mit der die bezüglichen Behauptungen aufgestellt werden, erfahren wir zuverlässig, das; die Marokkoangelcgenheit ausschließlich den Gegenstand der nunmehr glücklich beendeten Verhandlungen bildete. Deutsches Reich. Berlin, 11* Juli. Die Unterhaltungsblätter der badischen Zentrumszeitungen brachten auf diesen Sonntag die Biographie des verstorbenen Fürsten Leopold von Hohen- zollern-Sigmaringen. Von der Leichenfeier heißt es, daß Prälat Dr. Rink (ein Jesuit) dem Kaiser ein Andachts- buch überreicht habe, an dessen Hand der Kaiser der Feier in tiefernster Andacht folgte, und es wird dann bemerkt, der Kaiser habe die Benediktus medaille getragen, die große goldene. Das war eine sinnige Aufmerksamkeit gegen die äußerst fromme, katholische fürstliche Familie von Sigmaringen, wie gegen die Benediktiner, die an diesem Hofe, nächst den Jesuiten, eine so große Rolle spielen. Der Kaiser hätte noch daS Großkreuz des Ordens vom heiligen Grabe als eine andere Mönchsdekoration zur Verfügung gehabt, um die Herren der Kirche zu ehren. Er verzichtete darauf. — Reichskanzler Fürst Bülow ist heute von Saßnitz hierher zurückgekehrt und wird morgen abend einen längeren Urlaub antreten, den er in Norderney zuzubringen gedenkt. Er wird aber auch da die Leitung der Geschäfte in der Hand behalten. — Wie die „Voss. Ztg.* hört, hat Oberstallmeister Graf Wedel seine Entlassung eingereicht. Als Nachfolger wird der Freih. von Reischach genannt, der als Hofmarschall dem Hofstaat der Kaiserin Friedrich bis zu deren Tode angehört hat. — Der „Reichscmz." veröffentlicht die am 1. Oktober :n Kraft tretende Bekanntmachung des Reichskanzlers betreffend Untersuchung von Schtffsleuten auf Tauglichkeit zum S chiffsdienst. Essen, 11. Juli. Für die Reichstagsersatzwahl stellten die Polen als eigenen Kandidaten den Schriftsteller Josef CHociszewski-Gnesen auf. Die Polen werden aufgefordert, dem Zentrum keine Stimmen zu geben. Ko bürg, 11. Juli. Herzog Karl Eduard von Sachsen-Koburg-Gotha übernimmt am 19. Juli nach erfolgter Großjährigkeitserklärung die Regentschaft seines Landes. Eine imposante ÄbschiedShuldigung brachte bereits am 8. d. M. die Einwohnerschaft von Koburg dem Regenten Erbprinzen zu Hohenlohe-Langenburg und seiner Gemahlin Alexander dar. Der Schloßplatz war glanzend beleuchtet. Bald nach 8 Uhr erschien das Regentenpaar mit seinen Kindern, begleitet von der Großherzogin-Witwe Marie, deren Töchtern, der Kronprinzesiin von Rumänien, der Großherzogin Viktoria Melitta, sowie den Großfürsten Cyrill und Boris von Rußland auf dem Balkon. Nunmehr ertönten die Klänge des Tannhäuser- marscheS. Dann folgten Chorlieder der Gesangvereine Koburgs, ein Tanzreigen fränkischer Bauernmädchen, Keulenschwingen, Leiter- und Pyramidenübungen, sowie ein humoristischer Reiterreigen der Turner, ein Radreigen des Radlervereins und ein Lampionreigen der Turner und Schüler. Hierauf brachte Bürgermeister Hirschfeld ein Hoch auf das Regentenpaar aus. Der Regent dankte mit einem Hoch auf die Stadt und Land Koburg. München, 11. Juli. Soweit sich die Zusammensetzung der Kammer nach den bisherigen Ergebnissen der Urwahlen berechnen läßt, dürfte die Stärke der Parteien folgende sein: Zentrum 102 (dem jetzigen Stande gegenüber 18 mehr); 10 Sozialdemokraten (1 weniger); 12 Freie Vereinigung (7 weniger), 34 Liberale (10 weniger) und 1 Demokrat. Hier geht das Gerücht, daß der Minister des Innern angesichts der Wahlergebnisse seine Entlassung nehmen werde. Wie man bisher weiß, sind außer München den Liberalen verloren: Augsburg Stadt, Kempten-Memmingen, Ginzburg, Jmmen- thal Stadt, Schweinfurt, Zweibrücken, Kaiserslautern. Dec Wahlkreis Regen-Viechtach-Kötzting ging vom Bauernbund ebenfalls an das Zentrum über. Die Sozialdemokraten wurden durch die vereinigten bürgerlichen Parteien aus ihrem Nürnberger Sitze verdrängt. Ausland. Stockholm, 11. Juli. Heute wurde em von 174 Personen (Schriftstellern, Künstlern, Lehrern, Aerzten und anderen) unterzeichneter Arrftuf veröffentlicht, in welätem dw Hoffmmg ausgesprochen wird, daß sich der außerordentliche Reichstag für eine Abwickelung des Unionsverhälttrisscs zwischen Schweden und Norwegen entscheiden werde, daß die Ru he und die Freund- schäft auf der skandinavischen Halbruiel gewahrt bleiben könne. m . London, 11. Juli. Das Rentenche Bureau erfährt, Prmz Karl von Dänemark fei formell als König von Norwegen in Vorschlag gebracht worden. er Vorschlag sei Gegenstand der Beratung zwischen den beteiligten Hofen; viel hänge von dem Könige Oskar ab Brest, 11. Juli. In der Seepräfektur sand beute zu Ehren der Offiziere des hier ankernden englischen Geschwaders ein Frühstück statt, wobei der Secpräfekt 9ü>mirat Pephan einen Trinfipruch auf den König und die Königin von England und die englische Flotte ausbrachte. Der Redner gab dem Wunsche Ausdruck, daß die ftanzösischen und englischen Geschwader sich öfter begegnen möchten, damit sich ihre Offiziere und Mannschaften gegenseitig immer besser kennen lernen. Admiral Mat) erwiderte mit einem Trinkspruch auf den Präsidenten Loubet, der sich'in England aller Herzen erobert habe, auf die französische Flotte und die Einwohner von Brest. Bern, 11. Juli. Der Bundesrat gibt denjenigen! Staaten, welche bei der internationalen Arbeiterkonferenz vertreten tvaren, Kenntnis von den Protokollen und der Schlußakte der Konferenz, die die Grundzüge der internationalen lieber» einkommen betreffend das Verbot der industriellen Nachtarbeit der Frauen und das Verbot der Verwendung weißen (gelben) Phosphors in der Zündbolzindustrie enthält. Der Bundesrat bemerkt, es fei unerläßlich, daß behufs Umwandlung dieser Beschlüsse der Konferenz in Verträge eine diplomatische Konferenz stattfinde, und ersucht um Mitteilung, ob die Staaten hiermit eiw- üerftemben sind. In bejahendem Falle erbittet er bis Ende Oktober ihre Ansicht über den Ort und den Zeitpunkt der Konferenz. Die Regierung Japans wird gleichzeitig eingeladen, sich über den von der Arbeiterschutzkonferenz gewünschten Beitritt zur Konvention betreffend das Phosphorverbot auszusprechen!. Budapest, 11. Juli. Bei Betrozseny fand bei Gelegenheit eines Volksfestes ein Zusammenstoß zwischen, ungarischen und rumänischen Grenzwächtern statt, wobei die Rumänen einen Bauern töteten und einen schwer verwundeten. Zwei ungarische Grenzwächter wurden von ihnen über die Grenze geschleppt und gefangen gehalten. Untersuchung ist eingeleitet. . Caracas, 10. Juli. Der Kongreß hat die ihm vom Präsidenten vorgelegten, zwischen der venezolanischen Regierung unb den britischen und deutschen Inhabern der venezvlani- schon Bonds abgeschlossenen Verträge betreffend die Konver- t i e r u n q dieser Schulden angenommen. Auckland (Neuseeland), 11. Juli. lReuter.) Nach Meld- imgen ans Samoa herrscht jetzt dort vollständige Ruhe. Die Eingeborenen sind mit ihrer Lage zuftieden. London, 11. Juli, ö/egenüber der Wahlkreisvorlage berufen die irischen Abgeordneten sich darauf, daß auf Grund der Unionsakte ihnen das Recht auf die bisherige Vertretung im Parlament zustehe. Die irische Partei wird die Vorlage auf das heftigste bekämpfen. Seitens der liberalen Partei ift; weniger Widerstand zu erwarten, zumal einigen Liberalen die Befreiung von der irischen Mitherrschaft nicht unlieb ist. Das SchrcckensregimenL in Ausland. Ein neuer politischer Mord. In Moskau wurden während eines Empfanges von Bittstellern bei dem Stadthauptmann Schuwalow 3 Schüsse abgefeuert, welche den Stadthauptmann töteten. Der Mörder wurde verhaftet. Der Anschlag wurde am Montag mittag um 1 Uhr vollführt. Der Mörder, ein einfach gekleideter Mann, wartete im Empfangszimmer, bis alle empfangen waren, trat bann auf den Stadthauptmann zu und feuerte aus der allernächsten Nähe. Die Geschosse durchbohrten den Körper des Stadthauptmanns, welcher nach einer Stunde verschied. Die Persönlichkeit des Verbrechers ist noch nicht end- giltig festgestellt. Unlängst war er eines politischen Vergehens wegen festgenommen worden, er entfloh jedoch aus dem Polizeigebäude. Die Meuterer. Die in Konstanza gelandeten Meuterer vom »Po» temkin" haben bis auf wenige Mann den Wunsch ausgesprochen, nach Rußland znrückzukehren und ihre Schuld zu büßen. Ein besonderes Schiff soll sie nach Sewastopol bringen. Nur das sogen. Zwanziger-Komitee mit Alexejew an der Spitze soll sich, der russ. Regierung zugekommenen Nachrichten zufolge, nach Gens gewandt haben. In Konstanza sind noch zwei russische Torpedoboote mit einer Mission von Admiral Krieger angelangt und dann sofort wieder abgedampft. Der „Potemkin" ist noch nicht genügend mit Proviant versehen und konnte bisher nicht abdampfen. Das Bukarester Blatt „Adeverul* behauptet, daS russ. Geschwader solle bei seiner Ankunft in Konstanza sehr unzufrieden gewesen sein, da der „Potemkin" die rumänische Flagge gehisst hatte. Deshalb weigerte sich auch das russische Geschwader, den Panzer in der üblichen Weise zu begrüßen, konnte sich aber schließlich dieser Pflicht nicht entziehen und gab die reglementsmäßigen Kanonenschüsse ab. Die „Times" meldet, daß die russische Regierung jetzt nachttäglich die Uebergabe der Matrosen des „Potemkin" von der rumänischen Regierung verlange. Die russische Regierung betrachtet die Meuterer als gemeine Verbrecher. Sie begründet das Verlangen mit dem zwischen Rußland und Rumänien bestehenden Auslieferungsvertrage. DaS Ergebnis der „Potemkin"-Angelegenheit für diö T'ürfei ist, daß die Bosporus- Besestigungen, welche im Gegensatz zu den Dardanellen-Befestigungen infolge des russischen Einflusses bisher vielfich vernachlässigt wurden, etwas vervollständigt werden. Blättermeldungen über Armierung und sonstige Ausrüstung sind jedoch übertrieben. Die in den letzten Tagen an den Bosporus gesandten Befestigungsgeschütze sind vorläufig ohne GefichtSwert, da deren Jnsiallierimg längere Vorarbeiten erfordert. Die Meldung, daß anläßlich der „Potemkin"-Angelegenheit die türkische Flotte mobilisiert wurde, ist falsch, nur einzelne Torpedoboote wurden zum Wachtdienft an den Bosporus-Eingana beordert. Die fortschreitende Revolution. Die Situation in Tiflis ist sehr gefährlich. Unter ben Arbeitern gährt es. Die revolutionäre Bewegung nimmt mit jebem Tage größere Dimensionen an. Am Montag abend sich in Kronstadt Lm Marine-Reserve-Bataillon beim Exerzieren, die weshalb dieser einen Art sich inmitten der Stadt befinden?: Civis. Li In , -'n: Quinta Dieser eZ gelang, die Täter zu entdecken. Vor einigen Tagen weigerte Befehle eines Offiziers auszuführen, Zuge beging ein Passagier zwischen Sachsenhausen und O f fen- ba ch ein S it tl i ch keits v erbre ch en an einem neuniährig-en Mädchen. Der Täter soll dem Vernehmen nach in Offenbach verhaftet wordeN sein. — Die Stadtverordneten von Frankfurt haben die Einführung der völligen Sonntagsruhe ohne Ausnahme beschlossen. England greift vor. London, 11. Juli. In unterrichteten Kreisen will man wissen, daß zwischen Rußland und Japan die allgemeinen Friedensbedingungen bereits vereinbart (?) sind und daß seitens der russischen Negierung alle Vorbereitungen zu sofortiger Nückbeförderung dec Gefangenen aus Japan getroffen werden. Die neue japanische Anleihe. Nach einer Meldung aus V erlin wurde die Subskription iluf die neue japanische Anleihe am Dienstag nachmittag in Deutschland wegen mehrfacher Ueberzeichnung geschlossen. Auch in London wurde die Subskription schon vor 3 Uhr geschlossen; zuletzt wurde 1/2 pCt. Aufgeld bezahlt. Drückt sich dabei neben der Bewertung des japanischen Kredits die Bewunderung der japanischen Kciegserfolge aus, so bleibt es dennoch bedauerlich, daß eine Gegenleistung Japans in Form von Staatsaufträgen an unsere deutsche Industrie nicht zugestandcn worden ist. * Vigo, 11. Juli. Der russische Hilfskreuzer „Dnjepr" fegte hier an. Er kam über Port Said, wo er 50 Passagiere des englischen Dampfers „Kilda", der von dem russischen Kreuzer in den Grund gebohrt worden war, abgesetzt hatte. Der Kommandant des „Dnjepr" bat um die Erlaubnis, Kohlen aufzunehmen, um die Reise nach Llbau fortsetzen zu können. würben m der Ttadt zwei Bombenattentale verübt. Die erste Bombe wurde auf dem Marktplatz gegen eine Kosaken-Patrouille geworfen. Mehrere Kosaken wurden in Stücke gerissen und viele Passanten erhielten schwere Verletzungen. Gleichzeitig wurde in der Vorstadt Maidan auf das vor dem Rathause postierte Polizeiaufgebot eine Bombe geworfen. Ein Pristaw und drei Gehilfen wurden getötet. Die Bevölkerung verläßt die Stadt zu Tausenden. Jeglicher Verkehr stockt. Die Läden sind geschlossen. Infolge Verhängung des Kriegszustandes wurden die Straßen und Plätze von Truppen besetzt. In Batum stockt jegliche Tätigkeit. Die Läden sind geschlossen, ebenso die Kontors der Banken, ausgenommen die der Reichsbank. Das in den Handel gebrachte Fleisch wurde durch Begießen mit Petroleum untauglich gemacht, ohne daß ” WvhnungsUntersuchung. In den nächsten Tagen wird auf Veranlassung der hiesigen Ortsgruppe des Vereins deutscher B o d e n r e s v r me r, wie in vielen anderen Städten, eine Untersuchung der Gießener Wohnungsverhältnisse stattfinden. Die Untersuchung, die von freiwilligen Helfern (Studierenden der Landesuniversität, Mitgliedern der hiesigen Gewerkschaften, des evangelischen Arbeitervereins, des katholischen Gesellenvereins und der Ortskrankenkasse) geführt wird, trägt keinerlei amtlichen Charakter: sie hat keinerlei Einfluß auf die Mietverhältnisse und keinerlei Folgen für Mieter und Vermieter; die Untersuchung verfolgt rein wissenschaftlich-statistische Zwecke. Ter vorbereitende Ausschuß hegt die feste Zuversicht, daß auch diesmal wieder der für wissenschaftlich-humanitäre Ziele stets offene Sinn der Bürgerschaft unserer Universitätsstadt sich bewähren wird, und sie durch genaue und gewissenhafte Beantwortung der vorgelegten Fragen die Ausführung der schwierigen Aufgabe den freiwilligen Helfern des Ausschusses möglichst erleichtern wird. Genauere Mitteilungen über Art und Umfang des Unternehmens werden in unserem Blatte noch in den nächsten Tagen erscheinen. ** Feuerwehrjubiläum. Die Festvorbereitungen nahen ihrem Ende. Was noch zu geschehen hat, kann nur, so schreibt man uns, in den letzten Tagen vor dem Feste erledigt werden. Die beiden s^uerwehren leben nun in Spannung, welches Entgegenkommen sie gelegentlich ihres Jubiläumsfestes bei der Bürgerschaft finden werden. Der allseitige Häuserschmuck und die Feststimmung ist bei den Gießenern mit dem Beginn des Festes etwas selbstverständliches, aber auch die Beteiligung an den Festveranstaltungen selbst sollte als Ehrensache und den beiden Wehren gegenüber als Pflicht erkannt sein. Wie man uns schreibt, findet am Freitag abend in der Festhalle Probe der Gesangvereine und Probebeleuchtung statt, auch werden die Feuerwehrleute auf dem Oswaldsgarten Festaufstellung nehmen. Am Samstag abend ist Eröffnung des Festes, Festkom- m e r §, woran sich alle Verehre beteiligen werden. Der vorausgehende Zapfenstreich passiert Lindenplatz, Markttaubenstraße, Brandplatz, Sonnenstraße, Reue Bäue, Neuenweg, Kreuz, Mäusburg, Marktstraße, Neustadt. Sonntag früh 6V2 Uhr bewegt sich der Weckruf durch folgende Straßen: Festplatz, Nordanlage, Asterweg, Steinstraße, Marburgerstraße, Ostanlage, Südanlage, Bleichstraße, Lud- wigstraße, Alieestraße, Bahnhofstraße, Neustadt. Der Festzug nachmittags bewegt sich vom Walltor aus nach Linden- vlatz, Marktplatz, Schulstraße, Nene Bäue, Gartenstraße, Stephanstraße, Bismarckstraße, Ludwigstraße, Goethestraße, Löwengasse, Vahnhofftraße, Liebigstraße, Frankfurterstraße, Seltersweg, Kreuzplatz, Mäusburg, Markt, Marktstraße, Neustadt. Gelegentlich des Festessens am Sonntag mittag 1 Uhr (Gedeck 1,50 Mk.) werden sämtliche offiziellen Reden ^gehalten, auch die fremden Feuerwehren begrüßt werden. Das weitere besagt das Programm. Heute abend findet im Cafö Leib Gesamtprobe der Gesangvereine mit Orchester statt, am Freitag abend die Hauptprobe in der Festhalte. hf. L i ch, 10. Juli. Schon acht Tage ist die seit Fahren in den heißen Tagen zutage tretende Wassernot wieder akut. Der Gemeinderat hat es ja wohl an der nötigen Fürsorge nicht fehlen lassen. Hat er doch eine weitere Quellwasserleitung im Jahre 1502 ausführen lassen, die die Stadt 40 000 Mk. gekostet hat, aber leider einen negativen Erfolg hatte. Es werden auch jetzt fortgesetzt Bohrversuche gemacht. Dadurch wird aber die momentane0 Wassernot, die vorzugsweise einige höher gelegene Stadtteile belästigt, nicht gemildert. Ein Teil der höher gelegenen und die tiefliegenden Stadtteile werden von der Wassernot nicht berührt und doch ist auf Drängen des Gemeinderats das Wasserleitungsnetz derart hergerichtet worden, daß eine gerechte Verteilung des Wassers möglich ist. Es ist auch keine Aussicht auf Abhilfe vorhanden. Die Stadtvorstände sind verreist, von einer Vertretung aber ist bis jetzt nichts bekannt, bei der man eine Klage vorbringen könnte. () Glauberg, 9. J!uli. Der Nidder-Seernen- bach-Sängerbund feierte heute in unseren Mauern fein 10. Stiftungsfest, verbunden mit der Fahnenweihe des hiesigen Gesangvereins. Um 2 Uhr setzte sich der Festzug, in dem sämtliche 13 Bundesvereine marschierten, nach dem Festplatz in Bewegung. Dort wurden sie von dem Bundes- Präsidenten begrüßt. Hierauf erfolgte die Weihe der Fahne, der ein Preissingen folgte. hs. Salzschlirf, 11. Juli. Am 19. Juli abends findet hier ein Paul Lincke-Konzert statt. Der hier zur Kur weilende Komponist, dessen eigene Werke zur Ausführung gelangen, wird das Konzert persönlich leiten. Die Lieder werden gesungen von dem Kammersänger Otto Wolf vom Hoftheater in Darmstadt. Der Erlös ist für das Zentral- Kornitee des Vereins vom Roten Kreuz in Berlin bestimmt und zwar für diejenigen in Südwestafrika verwundeten Krieger, welche zur Wiederherstellung ihrer Gesundheit hierher beurlaubt sind. Gleichzeitig findet eine Noten-Tombola, ein Verkauf von Lincke-Postkarten, sowie Illumination, bengalische Beleuchtung und Feuerwerk statt. 6-Büdingen, 11. Juli. Sr. Durch!. Fürst Bruno zu Isenburg nnt) Tübingen hat sich zu längerem Aufenthalt nach der Schweiz begeben. — In den nächsten Tagen findet die Wahl unseres Bürgermeisters statt. Als Gegenkandidat ist Beigeordneter Fendt ausgestellt. Der Wahlkampf wird mit aller Erbitterung geführt. Voraussichtlich wird jedoch Bürgermeister Knaf wiedergewählt. — Das neue Geschäftshaus des Vorschuß- und Kreditvereins ist im Beisein der staatlichen und städtischen Behörden seiner Bestimmung übergeben worden. Darmstadt, 11. Juli. Zwischen der freiwilligen Sanitätskolonne und dem Polizeiamt ist ein Vertrag zustande gekommen, wonach die Mitglieder der Sanitätskolonne verpflichtet sind, bei Unglücksfällen Hilfe zu leisten. Andererseits läßt die Polizei der Kolonne entsprechende Unterstützung zuteil werden. Die freiwillige Sanitätskolonne führte heute eine interessante Uebung zum ersten Male aus, indem sie an einer Gefechtsübung des Infanterieregiments Nr. 115 teilnahm, während und nach dem Gefecht die Verwundeten sammelte und hinter die Front nach den Verbandsstellen zurückbrachte. — Die Voruntersuchung gegen den seit Mitte Mai d. I. wegen Vergehens gegen § 175 in Untersuchungshaft befindlichen Geh. Oberbergrat Prof. vr. Chelius ist abgeschlossen und der Untersuchungsrichter hat die Akten zur Erhebung der Anklage der Staatsanwaltschaft übergeben. ** Steine Mitteilungen aus H e s se n und den Nachbarstaaten. In Guntersblum wurde der 60jähr. Landwirt Georg Siham Kaiser auf dem Felde von einem tödlichen H i tz s ch l a g e getroffen. — Der 16 jähr. Sohn der Land- wirtsfamilie Beyerle in Bürstadt wurde beim Baden in einem Weiher vom Schlage getroffen und als Leiche. aus dem Wasser gezogen. — Auf der Strecke Frankfurt-Bebra in einem Soldaten niederschoß. Mehrere Soldaten stürzten sich darauf mit ihrem Bajonne! auf den Offizier und stachen ihn nieder. Der Vorfall soll auf die Marinekreise nach den Odessaer und Libauer Vorgängen geradezu lähmend gewirkt haben. Offiziös wird zugegeben, daß die Stimmung unter den Besatzungen mehrerer Schiffe der Flotte in Kronstadt „nicht ganz ruhig" sei. Die Matrosen erwarten ein Manifest des Kaisers. Wegen schlechter Nahrung seien „kleine Unruhen" vorgekommen. Bestialitäten der russischen Henkersknechte. Aus Odessa, wo zurzeit nach offiziöser Darstellung Dolle Ruhe herrschen soll, gehen uns schauerliche Nachrichten zu. So heißt es in einem vom 8. Juli datierten Briefe von dort: „Die Tage, da die gesamte Einwohnerschaft Odessas die zaristischen Schrecken hat über sich ergehen lassen, sind nun vorüber, aber unsere Stadt befindet sich noch immer im Kriegszustände. Aeußerlich ist nichts zu merken, aber in den Polizeirevieren spielen sich Tragödien ab, denen zahlreiche Menschen zum Opfer fallen. Selbst die kühnste Phantasie dürste sich das Bacchanal der brutalsten Mißhandlungen wehrloser Jünglinge und Mädchen kaum ausmalcn. 9(itf den Polizeiwachen schlägt man nicht, sondern prügelt zu Tode, b.'giesst die Geprügelten mit kaltem Wasser imb ^prügelt weiter: selbst dann noch, wenn die Opfer unter den Schlägen der Säbel und Nagaikas zusammenbrechen. Alle Nachrichten über die Greuel, die ich Ihnen mitteile, frnt) aus erster Quelle. Viele Gefangenen werden von den Bestien verwundet, zu Krüppeln verunstaltet, vergewaltigt. Gestern brachte man nach dem jüdischen Krankenhause zwei Mädchen, die in barbarischer Weise vergewaltigt waren. Besonders grausam ist die Exekution gegen Arbeiter und Halbwüchsige, die auf öen Barrikaden gekämpft haben. Entweder werden sie auf den Wachen zu Krüppeln gemacht ober einfach totgeschlagen und heimlich auf den Friedhof gebracht. .Selbst die der Polizei ergebenen Dworniks der in der Nähe von den Polizeirevieren gelegenen Hauser erzählen, daß sie weder essen noch schlafen können, so sehr werden sie vom Geschrei und Gejammer der Gemarterten gequält."____________________________________________________________ Äase^ 4*5 Loo M" r oebei Aer Kneg. Sachalin. Tokio, 11. Juli. (W. B.) Amtlich wird gemeldet: Vizeadmiral Katacka berichtet, daß sein Geschwader bei Tagesanbruch am 7. Juli in den Gewässern der Insel Sachalin ankam und daß sich, nachdem das Fahrwasser untersucht war, die Transportschiffe und ein Teil des Geschwaders der Küste näherten. Eine kombinierte Marineabteilung landete und besetzte eine im Voraus bestimmte Stellung. Hierauf landete ein Teil der Landtruppen und löste die Marineobteilung ab. Inzwischen eröffnete das feindliche Fort auf der Höhe südlich von Korsakows! das Feuer auf -unsere Schiffe, welche damit beschäftigt waren, das Meer abzusuchen; doch beendigten diese erfolgreich ihre Aufgabe und das Geschwader erlitt keinerlei Schad en. Am Morgen des 8. Juli wurden drei Schlachtschiffe und zwei Torpedobootszerstörer abgesandt, um die Bewegungen der Landarmee bei der Einnahme von Korsakows! 511 unterstützen, doch fanden sie Korsakows! bereits von unseren Landtruppen besetzt. 9(l§ sie um 2 Uhr nachmittags die Torpedobootszerstörer in die Ehitosebucht, früher Nosoreibucht genannt, einliefen, eröffnete der Fe in d ein heftiges Feuer aus Feldgeschützen, welche schließlich zum Schweigen gebracht wurden. o£anbwirtf(fiaft. Auf der landwirtschaftlichen Landes- und Jubiläumsausstellung g u Mainz wird der Verband der Hessischen landwirtschaftl. Genossenschaften eine größere Ausstellung seiner Molkereigenossenschaften veranlassen. Neben Butter können alle Sorten von Käse und andere Milcherzeugnisse ausgestellt werden. Die Beurteilung der Butter erfolgt nach einem Punklierverfahreu in zwei Prüfungen. Beim Preisbewerb werden die Aussteller nach der Größe der Betriebe getrennt, sodaß die Keer und flotte. — Das sächsische Kricgsministerinm plant die Schaffimg 2ines M i l i t ä r - A u t 0 m 0 b i l k 0 r v s nach preußischem Muster. Die Borarbei!• 1 bau» lmben bereits begonnen. ■ S rat f flin0 »00 Vor längerer Zeit betvilligten die Herren Stadtverordneten die B e s eitigun g der alten windschiefen Lindenbäume in der P l 0 ck st r a ß e, um dieselben durch Kugelakazien er» sek en zu lassen. War es emesteils vom Schönheitsgefühl aus angebracht, die häßlichen Bäume zu entfernen, so wäre es noch mehr andernteils dringend erwünscht der Ungezieferplage wegen zur sofortigen Beseitigung der Bäume zu schreiten. Gerade die Anwohner der Plockstraße können ein Lied davon singen und haben täglich Gelegenheit ganze Schwärme von Schnaken und fliegen die Bäume umtanzen 31t sehen, die sich 'dann später in recht unangenehmer Weise in den Wohnungen bemerkbar machen. Wo bleiben da die Erfolge der Schnaken- K 0 m m i 1' f i 0 n, wenn derartige Brutstätten für Ungeziefer aller Verinlschte». *Wen duzt der Kaiser? Zu den Nechtstiteln keines einzigen preußischen Magnaten gehört es, dem Kaiser wie einem Verwandten oder 'jonft gegenüberzutreten. Es ist vielmehr preußische Tradition, daß selbst die nächsten Fa> milienangehörigen des Kaisers nur im' intimsten Familienkreise in ihm nicht ausschließlich den Monarchen und Herrscher, sondern den Verwandten sehen. Selbst die Geschwister und Kinder des Kaisers sprechen daher in Gegenwart Dritter fast stets nur mit ihm und von ihm nur unter Beilegung des Titels „Majestät" und unter Anwendung der dazu gehörigen Redeform. Der Kaiser aber, der sich viel weniger im Verkehr abschließt, als seine Vorgänger auf dem Throne und gesellschaftlichen Umgang in großem Maßstabe pflegt, hat die Sitte eingesührt, diejenigen Personen, die ihm besonders sympathisch erscheinen, brüderlich „Du" zu nennen, und die Zahl dieser Personen ist sogar verhältnismäßig groß. Namentlich wenn der Kaiser sich im Kreise seiner Korpsbrüder, der Bonner Borussen, befindet, kann man ihn viele der Anwesenden mit „Du" ansprechen hören, und das gilt natürlich in erster Linie von denen, die seine Studiengenossen waren z. B. den Minister von Bethmann-Hollweg und den Oberpräsidenten von W a l d 0 w. Die gemeinschaftliche Zugehörigkeit zum Korps der Preußen war wohl die Ursache, weshalb der Kaiser den Fürsten Herbert Bismarck duzte. Auch der Reichskanzler Fürst Bülow, den der Kaiser selbst in Briefen und Telegrammen nie anders als mit „Du" anspricht, ist ja während seiner Universitätszeit Bonner Preuße gewesen. JU jedem Jahre besucht der Kaiser zur Jagd einige der Großgrundbesitzer seines Reiches, so den Grafen von Ti eie* Winckler, den Herzog Christian Kraft von Ui st, den Fürsten Henckel von Donnersmarck, den Fürstens Richard D 0 h n a - Schlobitten nsw., und den meisten von ihnen widerfährt es wohl, von ihrem kaiserlichen Jagdgaste geduzt zu werden. Auch den Grafen Waldersee duzte der Kaiser in dessen letzten Lebensjahren, und das geschah wohl eher als ein Ausdruck freundschaftlicher Gesinnung, denn aus dem Grunde, daß die Gemahlin des Feldmarschalls aus erster Ehe die Witwe eines Prinzen von Schleswig-Holstein und daher eine Dante der Kaiserin war. Erwähnt mag noch sein, daß Graf Paul Schuwalow, der ehemalige russische Botschafter in Berlin, vom Kaiser geduzt wurde. Als auf Wunsch des Kaisers das Alexanderregiment denk scheidenden Grafen nach seiner Ernennung zum Generalgouvemeur von Polen ein Abschiedsfest gab, nannte der Kaiser während der ganzen Rede, die er zu Ehren des Grafen bei der Tafel hielt, diesen nicht anders als „Du" und überreichte ihm schließlich als persönliches Andenken ein goldenes Zigarrenetui, in das eine gleichfalls das Wort „Du" enthaltende Widmung eingraviert war. Auch diejenigen seiner Adjutanten, die lange in seinem Dienste sind und die er besonders schätzt, duzt der Kaiser oft. Es wäre indessen ein Verstoß gegen die Hofetikette, wenn irgend eine dieser Personen ihrerseits das „Du" dem Kaiser gegenüber in An - we ndung bringen wollte. Dies geschiehtselbst im engsten Zirkel niemals. * Kleine Tageschronik. Während einer Schlägerei, die sich zwischen einem Zigennerehepaar bei Janowitz (Prov. Pofen) abspielte, warf die Frau ihrem Manne vor, er werde sie totschlagen wie seine Kinder uitb einen Mann bei Schokken. Vor sechs Jahren hat nämlich ein unbekannter Täter einen Raubmord an einem Fleischer aus Schokken begangen. Die Zigeuner wurden verhaftet. — Die bei einer Sommerbühne in Ulm an- gestellte junge Schauspielerin Lilly Jäger erschoß sich in einem Kaffeehaus in Neu-Ulm wegen unglücklicher Liebe zu einem Offizier. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion bent Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Der Verfaffer des Eingesandt in vor. Nr., betr. den Trans» port der Verwundeten vom Gießener Bergwerk nach b e n Kliniken, hat ganz recht, wenn er die Art und Weise, wie dieser Transport vor sich ging, tadelt und gleichzeitig auf die S a n i t ä t s k 0 1 0 n 11 e hinweist. Dieser stehen neun nach Vorschrift des Kriegssanitätswesens eingerichtete Tragbahren zur Verfügung, von denen drei gewiß in kürzerer Zeit zur Stelle hätten gebracht werden können, als die Improvisation schwerfälliger Gestelle in Anspruch nahm. Uebrigens befremdet es, daß ein Werk, wie das Braunstcinbergwerk, das jeden Tag mit Unfällen rechnen muß, nicht selb st eine Tragbahre besitzt. Daß man sich in der Verwirrung nicht sofort der Sanitätskolonne erinnert, mag damit entschuldigt werden, daß diese Einrichtung noch neu und zu wenig bekannt ist. Es würde sich deshalb empfehlen, durch Anschlag in den größeren Werken, an Straßenecken, vielleicht an einzelnen Laternenständern und sonst geeigneten Orten bekanM zu machen, wohin die Meldung von Unfällen zur Alarmierung der Kolonne zu erfolgen hat. Es sei an dieser Stelle mitgeteilt, daß vor der Hand telephonische oder mündliche Meldungen an das Polizei amt gerichtet werden können; von dort aus erfolgt telephonisch der Anruf an die nächstwohnenden Mitglieder der Kolonne. Tragbahren und Verbandmaterial sind im alten Hospital (Seltersweg) üntergebracht. Leider verfügt die Kolonne noch nicht über eine fahrbare Trage, mit der ohne Zweifel die Hilfeleistung beschleunigt werden könnte. Ein an die Stadt gerichtetes Gesuch um Stellung einer solchen wurde s. Z. abgelebnt. — Schließlich empfiehlt Einsender dieses den Inhabern größerer industrieller Werke, mehrere geeignete Leute aus ihren Betrieben zum Eintritt in die Sanitätsk 0 10 nne zu veranlaßen, damit bei Unfällen einigermaßen kundige Hände die erste Hilfe leisten können. —e. Aus Stadt und Knud. Gießen, 12. Juli 1905. ** Die Abgg. Schlenger und Dr. Weber haben an die Regierung eine Anfrage betreffend den Schutz und die Erhaltung der Dogelwelt, besonders der Jusekten- vertilger in den hessischen Domanial- und Gemeindewaldungen aerichtet. M L. $•> 3.S- 6 sich B. zu ti teMren/ hi"- Zur oon der ® skisrderl'f ton Etrafl übrigen^, ai belrmiei Men ttac 'l» Dar ZayerisA TtirnnW iahren. - ■en zur ruhten, nähme d Men 1 Wümsa boef) uri einer M in der Bayeriic ßndustr iich unt einen 2 9 MA 1b? Kaise^ ■treten G?.,e ■ le- nächste? ■miten - K*nX®'- ■ Ä* I Kaiser J ntpen= MkL»-- 14«^* WLM I d-- 4”s r^5':n- MZL IWrigMt ™ KÄÄ'fen lEa?-^sen. U^Md einige der UM vonTiele! den (5 Arstens Men Misten von l^Nen Jagd- ? Daldersee 5jaJren, und das ^dlchaftlicher tze- lie Gemahlin des Paul Schuwa- l m Berlin, dom des Kaisers das n nach seiner Eren ein Abschieds- ganzen Rede, die nett, diesen nicht »lieblich als per- ettii, in das eine "mmg eingraviert ulen, die lange uders schätzt, duzt stoßgegendie Personen ihrer- über in An- eschiehtselbst einer SWgerei, Ianowi- $rob. it tvr er bette sie bei Schokkm. Bar rin einen Raubten. Die Zignmer Wie in Ulm g sofort VI/ wagen billig abzugeben [04587 Marburger Straße 29. Laissu-Mlieriliiis von WirniPlnfl Eine Partie durch Transport leicht beschädigter Kinderwagen ganz besonders billig zu verkaufen. 3630 A. Kilbmger Seltersweg 19. staatl. Anstalten, mehrfach prämiiert. 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