155. Jahrg« Freitag, 13. Mai 1905 67 Parlamentarische Verhandlungen. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. Deutscher Reichstag. 163. Sltzungvom 11. Mai« 2 Uhr. Das HauZ ist mätzrg besetzt. Am BunLesratstisch: Dr. St üb ei u. a. Aus der Tagesordnung steht zunächst die erste Beratung de§ Gesetzes bete. Uebemahme einer Garantie des Reiches inbezug aus eine Eisenbahn von Duaia nach den Manengube- Bergen. Die Bahn totrD gebaut von der Kamerun-Eisenbahn-Gesell- schaft, deren Gesellschaftskapital 17 Millionen Mark betragen soll rn 170 000 Anteilen von je 100 Mart. Die Anteile zerfallen in Reihe A, umfassend ein Kapital von 6 Millionen Mark, die mit Vorzugsrechten bei der Gewinnverteilung ausgestattet ist, aber keine Reichsgarantie genießt, und Reihe B, umfassend ein Kapital von 11 Millionen Dtark, für welche das Reich vom ersten Geschäftsjahr an für eine jährliche Verzinsung von ä Prozent garantiert und vom fünften Geschäftsjahr an für eine Rückzahlung des Ameils- kapitals rmt einem Zuschlag von 20 Prozent des Nennwertes nach einem bestimmten Tilgungsplan. Kolonialdirettor Dr. Stübel: Wenn wir früher zur Begründung von kolonialen Eisenbahn-Vorlagen auf die Erfahrungen in fremden Kolonien hingewiesen haben, so können wir heute schon auf die offenbaren Fortschrrtte Hinwersen, die die kurze Eisenbahn Tanga—Mombo seit der kurzen Zeit ihres Bestehens auf dre wirtschaftliche Erschließung eines Leits unseres ostafritanischen Schutzgebietes gebracht hat. Tanga ist aus einem Fischerdorf ein aufblühender Hafen- und Handelsort geworden. Längs der Eisenbahn entstehen Niederlassungen, brach liegendes Land wird unter Kultur genommen, und für die Pflanzungen auf den Bergen Usam- baras ist eine bessere Zeit angebrochen. Die guten Erfahrungen, die man mit der Hanfkultur gemacht hat, lassen auch in der Ebene immer neue Sisal-Agave-Pflanzungen entstehen. Die Ausbeutung der reichen Holzbestände des Landes hat ihren Anfang genommen. Sekundärbahnen werden gebaut und sind in Aussicht genommen. Auch die üblen Prophezeiungen, wonach man dauernd mit einem Defizit arbeiten werde, erfüllen sich nicht. Schon heute ist e8 gelungen, mit der kolonialen Eisenbahnbau- und Betriebs- aesellschaft einen Vertrag abzuschließen, der diesem hohen Hause demnächst vorgelegt werden wird und den Etat von Ostafrika gegen jedes weitere Betriedsdefizit sicher stellt und für den Fiskus eine angemessene Rate des etwaigen Gewinns vorsteht. Den stutzen der Eisenbahn sehen wir auch so recht aus dem wirtschaftlichen Auftchwunge, den die deutschen Distrikte an den Ufern des Vicioria-Njanza-SeeS infolge der englischen Uganda-Bahn nehmen. Die großen Dampfer der englischen Eisenbahngesellschaft halten e§ für rentabel, regelmäßig unsere Küste anzulaufen, wo sie gute Ladung finden, und der englischen Uganda-Bahn haben wir es zu danken, wenn hier zuerst eine bergbauliche Tätigkeit sich entwickeln wird. Mein der Handel über die Binnengrenze des ostafrikanischen Schutzgebietes hat sich von 815 000 Mark im Jahre 1903 auf 1 850 000 in den ersten drei Quartalen des JahreS 1904 gehoben, wovon allein 1 524 000 Mark auf die Bezirke am Kilimandscharo und am Victoriasee, die in die Emflußzone der britischen Bahn fallen, kommen. Der günstige Einfluß der kleinen Usambara-Dahn und der britischen Uganda-Bahn, die nicht einmal direkt durch unser Gebiet geht, auf unsere deutschen Schutzgebiete ergibt sich aus der Entwicklung des ostafrikanischen Außenhandels in den letzten Jahren. Von 1903 bis 1904 ist eine Steigerung des gesamten oftaftikam- schen Außenhandels in Einfuhr und Ausfuhr über die Küste und Binnengrenze von 18,2 Millionen auf rund 23 Millionen emge- treten. Allein die Ausfuhr ist auf etwa 9 Millionen Mark gestiegen. Das bedeutet in wenigen Jahren eine Steigerung auf das Doppelte. Dieser Aufschwung ist großenteils durch die erwähnten Eisenbahnen ermöglicht worden. Den bescheidenen Anfängen im Eisenbahnbau verdanken wir es, daß dem drohenden Niedergang des ost- afrikanischen Handels Einhalt geboten ist und daß sich endlich er- fteuliche Perspektiven auf eine günstige Entwicklung unserer größten Kolonie eröffnen. Wenn dann Togo die Zinsen des BankapttalS für die dortige Jnlcmdsbahn selbst aufbringt, so ergibt sich schon daraus, daß es sich um keine unfruchtbare und gewagte Kapitalanlage handelt. Die reichen Produkte des Landes lassen die Bahn schon heute mehr alS Ausbeutungsbahn erscheinen, denn als cme Erschließungsbahn. . ,, ... Nun liegt die Frage nahe, warum wir für Kamerun erst letzt mit einer Bahnvorlage kommen, da diese Kolonie doch immer als unsere reichste galt. Die Erklärung liegt Darrn, daß die Handelsinteressen und auch die deutsche Verwaltung sich bis 1899 auf einen schmalen Küstengürtel beschränkt hatte und daß erst seit dieser Zeit die Verwaltung, dem als Pionier vorangehenden Kaufmann folgend, sich über den übrigen Teil des Landes ausgedehrck hat Der Handel beschränkte sich bis vor kurzem auf die Verwertung der im Küstengürtel wachsenden Produkte der Qelvalme und auf den Gummi und das Elfenbein, das aus dem Innern durch die Ver- mittelrmg handeltreibender Eingeborenenstamme zugesuhrt wurde. Heute, da jene Handelsbeschränkung gefallen und das seitherige Handelsmonopol der Eingeborenen durchbrochen ist, da es sich für den europäischen Kaufmann und Ansiedler darum handelt, die wirtschaftliche Entwicklung der Kolonie selbst in die Hand zu nehme»!, erscheint sofort die Aufschließung des Landes durch eine Bahn als zwingende Notwendigkeit. Auch die Verwaltung hat an der Bahn hervorragendes Interesse. Es gilt, auf einem sehr großen Gebiete unter einer zahlreichen erst halb oder noch gar nicht untettvorsenen Bevölkerung bei einem verhältnismäßig sehr geringen Truppen- bestande Ruhe mid Ordnung zu halten. Größere Auf- stände sind zwar nicht zu befurchten, aber es lmrd n o ch lange bald hier, bald dort gekämpft werden müssen, um unbotmäßige Eingeborene im Zaume zu halten. Es liegt aus der Handsatz nichts die militärische Ausgabe der Verwal^ng besser unteritüM als eine Eisenbahn, mit der Truppen vwi der We nach dem Amern geschafft werden könnnen. „Kem Land , hat Herr floinat ist reich genug, um soviel Truppen tti fernen Tu halten' daß es damit die Möglichkeit jedes Aufstandes bfewie für hie Aufrechterhaltung von Ruhe Ording wird Lr eine Eisenbahn bleiben; im Wettkampf qpÄfrfrrnpnaetoebr und Lokomotive kommt der letzteren unbe- Ö X? ? Die Notwendigkeit einer Bahn ist in KEeruXringeiwer als anderswo, da ^er zwischen der Miste und de^ reichen Hinterlande ein breiter ber nt^t mir die Anlegung von Wegen sehr kostspielig, sondern auch das Reisen auf ihnen recht gesundheilsg^ahrlich wE- Eme Bahn ms Innere wird daher für viele Weiße emer gleich kommen. Was die Rentabilität der Bahn anlangt, s» warten m dem Hinterlande von Kamerun ähnlich wie m Togo die -anbe§ produtte insbesondere die Produkte der Oelpalmen nur auf die Eilenbahn, um auf ihr in großen Mengen nach der Küste trans- Die Wahlen der Abgg. von O c rtz e n (Rpt.) und Dr. Bruw» st ermann (Rpt.) werden ohne Debatte für gültig erklärt. Es folgt die namentliche Abstimmung über die Wahl deL Abg. Bardeck (frei). Vpt.l, bei der sich vor einiger Zeit die B e - schlußunfähigkeit des Hauses herausstellte. Für die Gültigkeit der Wahl stimmen 98, dagegen Abgeordnete bei 2 Stimmenhaltungen. Das Haus ist aljo bei Anwesenheit von nur 195 Abgeordneten nichtbeschlußfahig. Die Sitzung mutz abgebrochen werden. Nächste Sitzung: Freitag 2 Uhr. NechnungSjachen mck Petitionen. Schluß 6% Uhr. schen Stamme zu beruhigen. Die einzelnen Abkommen, die mit der Kamerun-Gesellschaft getroften sind, müssen toir in der Kom- mission prüfen. Dort wird es sich ja zeigen, ob m dieser Beziehung sinanzi-ll das Richtige getroffen fft und ob wir noch etwas Bessers herausbekommen können. Ich persönlich glaube allerdn^S nug daran. Der einen Hoffnung möchte ich noch Ausdruck geben, daß man auch in Kamerun künftighin aus den Erfahrungen Nutzen ziehen möge. Es laßt sich ja leider nicht leugnen, daß man früh« zu sehr theoretisch gearbeitet und die praktischen Erfahrungen mcht genügend berücksichtigt hat. (Beifall.) Abg. Schraver (freif. Vgg.): Daß die Kapitalisten kein Geld, für die geplante Bahn ausgeben wollen, kommt zum großen TeÄ daher, daß hier im Hause von der linken Seite behauptet wird, daß die Bahn völlig unrentabel sei. Bedenken Sie, der Kapiwkrst Nh nicht ein großer Mcnin, sondern daS ganae Publikum, und dieses Kapitalist wird durch nichts stärker beeinflußt, wie durch die Handlungen in diesem Hause. Der Vorlage selbst stimme ich zu. Abg. Dr. Arendt (Rpt.): Diese Vorlage muß noch vor Pftng» sten erledigt werden. Hier gilt das Wort: bis dat, qm cito dat. Was der Abg. Kopsch in finanzieller Hinsicht gegen die Vorlime, geltend gemacht har, zeigt einen sehr beschränkten Standpunkt. EL ist gänzlich falsche Sparsamkeit, die er hier walten lassen will. Abg. Lattmann (Antts.): Den Bau einer Kamerunbahn be* grüßen wir auch. Wir können die großen Hoffnungen der Vorredner jedoch nicht teilen und warnen vor einer Uebereilung. Eine Uebercilung wurde es sein, wenn wir dies Gesetz schon vor Pfingstar annehmen wollten, wir können dies schon im Interesse der Kolome! nicht tun. Denn die Vorlage bietet viele Bedenken, sie ist erst vor-, gestern hier eingegangen, sodaß wir sie nicht mal ordentlich prüfen.' konnten. Bedenken erregen besonders die Landkonzessioneu ubev Ländereien so groß wie Württemberg. Eine so große Macht dürfe« wir nicht in die Hand einzelner Gesellschaften legen. Hiermtt schließt die Diskussion. Die Vorlage wird an die Budgetkommission vevi wiesen. Es folgen Wahlprüfungen. Die Kommission beantragt, die Wahl des Abg. Lehmiuw (natl.) für g ü 11 i g zu erklären . Abg. Fischer (Soz.) beantragt, diesen Beschluß umzustoßen, da 49 Bürgermeister ein Flugblatt für Lehmann unterschrieben hätttn, was sonst immer für eine amtliche Wahlbeernflußung angesehen sei. Er bitte deshalb, die Wahl für ungültig zu erklären. Abg. Wellstein (Ztr.) verteidigt den Beschluß der Wahl- Prüfungskommission, das Flugblatt sei zu spät vorgelegt korben. Abg. Dr. Lucas (natl.) bittet auch darum, es bet dem Beschluß der Kommission zu belassen. Die wesenttichste Behauptung beß Wahlprotestes sei erst na ch der vorgeschriebenen zehntägigen Srgt an die Kommission gelangt, hätte daher von der Kommission nicht mehr berücksichtigt werden dürfen. Die Kommrspon ler an diese Frist gebunden, schon aus prinzipiellen Gründen müsse daher au dem Beschluß der Kommission festgehalten werden. Wenn man auch zu spät eingehende Proteste berücksichttge, setze man geradezu eme Prämie auf Verschleppung der Wahlen Abg. Fischer polemisiert gegen den Abg. LucaS. Auf mefat rein formalen Standpunkt dürfe man sich nicht stellen, sonst müßte man eine Wahl trotz der größten Wahlfälschungen für gültig erklären, wenn der Protest ein paar Tage später eingegangen fei Rach kurzer weiterer Debatte wird der Anttag der Wahl- prüfungskommffsion angenommen, die Wahl toxrb für gul tig erklärt, nur die Sozialdemokraten und die Abgg. v. Ger lach (frei). Vgg.) und Schrader (fteis. Vgg.) stimmen dagegen. Die Wahl des Abg. v. D i r k s e n (Rp.) beantragt die Kommission ebenfalls für gültig zu erklären. Abg. Geyer (Soz.) beantragt, die Abstimmung auszusetzen uuv inzwischen Beweiserhebung inbetreff der im Wahlprotest behauptete« Wahlbeeinflussungen vorzunehmen. , Abg. Stadthagen (Soz.) äußert sich im gleichen Smue. ES seien bei der Wahl die schmutzigsten Bestechungen vorgekommen. Llbg. Dr. MMler-Sagan lfts. Vp.) findet den Kommissionsbeschluß zum mindesten sehr auffallend. Der Landrat habe gang, offen dazu aufgefordert, für den Kandidaten der Reichsparter z« stimmen. . Nach weiterer Debatte wird der sozialdemokrattsche Antrag a b g e l e h n t und die Wahl für gültig erklärt. Heber die Wahl des Abg. Schlüter (Rp.) werden nach dem Antrag der Kommission Beweiserbebungen beschlofleu. Die Kommission beantragt, auch die Wahl des Abg. Pauli (Rp.) zu beanstanden und neue Beweiserhebungen zu veranstalten. Abg. Geyer (Soz.) beantragt, die Wahl für ungültig zu erklären; aus denselben Gründen sei auch die Wahl deS Mg. Blumenthal kassiert. . Abg. Fischer (Soz.): Bei ihrem Staudpuntt, den bte Mehrheit bei der Prüfung der Wahl des Abg. Blumenthal ein» genommen hat, will sie nur so lange verharren, wie es ihr vaßt. Tatsache ist es, daß Flugblätter für Pauli bortiegen, die von Bürgermeistern unterschrieben sind. Die Wahl nmßte also für ungültig erklärt werden. Da sind Sie auf den Einfall ge» kommen, um die Ungültigkeitserklärung hinzuzrehen, erst Beweiserhebungen zu veranstalten, um zu prüfen, ob die Unterschriften der Bürgermeister unter dem Wahlaufruf für den Abg. Pauli auch echt sind. (Heiterkeit.) Herr Pmür ist selbst anwesend (Heiterkeit), er muß doch wissen, ob drese. Bürgermeister es sich gefallen lassen, daß ihre Unterschrfften gefälscht werden, ohne sich zu melden. (Heiterkeit.) Sie (nach rechts) haben aber wieder die Majorität, die wollen Sie benutzen, nnß- braueben 1 (Große Unruhe, Glocke des Präsidenten.) Präsident Graf Ballestrem: Herr Abgeordneter, Sie Dürfen niemandem hier vorwerfen die Majorität zu mißbrauchen. Abg. Fischer (Soz.j: Benutzen! habe ich gesagt. Präsident Graf Ballestrem: Sre haben auch gesagt ^mißbrauchen". Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Mertm (fteis. Vp.) und Schwarze (Ztt.) erfolgt auf Anttag des Abg. Bebel (SoA^ namentliche Absnmmung über den Antrag Geyer. Ver der Abstimmung werden 201 Zettel abgegeben. Die Wahl des Abg. Pauli wird mit 128 Stimmen gegen Stimmen bei 6 Stimmenthaltungen für ungültig erklärt. portiert zu werden. Nach Ansicht der besten Kermer des Landes ift es nur eine Frage der Zett, wann die Bahn das Kapttal verzinst und obendrein einen Gewinn abwerfen wttd.. Daß sich die Bahn ohne Beihilfe des Reiches nicht finanzieren ließe, liegt nur in der immerhin nicht wegzuleugnenden Unsicherheit über den Zeitpunkt des Eintritts der Rentabilität. Unser Kapital ist vielleicht noch nicht so untemehmungslusttg toie das englische. Immerhin wttd ja vom Reich auch nur eine Zinsgarantte für einen Teil des Kapitals nämlich für 11 von 17 Millionen Mark verlangt. In den meisten Punkten lehnt sich die Vorlage an das Gesetz betreffend Die ostaftikanische Eisenbahn an, nur sind die Bed'.ngunHen für Den Fiskus noch gunsttger ausgefallen. (Redner legt dres im einzelnen Dar.) In dem daS Reich die Verpflichtung übernimmt, vom Jahre 1910 an auf eine Reihe von Jahren Raten von je 375 000 Mark zu leisten, ermöglicht es den alsbaldigen Bau der Bahn. Sollte selbst die Rentabilität der Bahn noch auf längere Zett ausbleiben, so wttd die Bahn doch eine solche Hebung deS Handels und cme solche Steigerung der Zölle ttn Gefolge haben, daß das Reich darin schon seine Deckung für die übernommene Verpflichtung finden wird: auch der militärische Stutzen der Bahn würde den einer Kompagnie neuer Schutzttuppen wett übersteigen, obwohl die Kosten Dafür ungefähr dem Bettage der übernommenen Verpflichtung gleichkämen. Im Namen der Negierungen bitte ich Sie, die Vorlage wohlwollend und ohne Vorurtett zu prüfen und ihr zuzu- sttmmen. (Beifall.) Abg. Erzberger (Zentt.): Weshalb gerade in Kamerun jetzt zunächst eine Bahn gebaut werden soll, wttd in der Kommission untersucht werden müßen. Wir beantragen deshalb Verweisung an die Budgetkommifsion. Wir geben uns der Hoffnung hin, daß die Entscheidung noch in der laufenden Session effolgt, sodaß eventuell dre Arbeiten noch vor Beginn der Regenperiode begonnen werden können. Es ist richttg, daß Kamerun bis jetzt unsere beste Kolonie ist. Bis jetzt hat das Reich aber noch sehr wenig dafür getan, besonders bezüglich der Verkehrswege.. Es fft für die Erbauung dieser Bahn angeführt, daß sie dazu bienen solle, die deutsche Herrschaft zu festigen. Das sind Gründe, die nicht von der Hand zu weisen sind. Da wtt einmal Kolonien haben, müßen wir auch dafür sorgen, schon ttn Interesse unserer eigenen Finanzen. Dies würde uns die Zusttmmung zu der Vorlage erleichtern. Wenn sich die Bahn bewähren sollte, werden wtt natürlich keine Bedenken tragen, die Bahn noch spAer auszubauen. Wir hoffen, daß die Bahn auch das Innere erschließen wird, dessen mohamedanffche 51ultur ich viel höher einschätze als die der Hottentotten. Es^ist aber nicht einzusehen, warum dem Syndikat jetzt ganz andere Bedingungen gestellt werden als früher. Insbesondere kann ich nicht unterlassen, darauf hinzuweffen, weshalb jetzt dem neuen ^Syndikat nicht auch Vcrgwerksgarantten erteilt sind, vielleicht hätte man dadurch doch eine geringere ZinSgarantte erwirken können. Jetzt schon definittv Stellung zu der Vorlage zu nehmen, sind wtt nicht in der Lage, wtt hoffen aber, daß in Der Kommission eine befriedigende Lösung gefunden wird. Jedenfalls erscheint uns das neue Projekt viel günstiger als andere frühere. (Beifall im Zentrum.) Abg. Ledebonr (Soz.): Die Konzession für die Dahn fft schon im Jahre 1902 erteilt worden. Das Kamerun-Syndikat hat aber das nötige Geld dazu nicht aufbringen können. Deshalb soll jetzt das Reich mtt einer Zinsgarantie einspringen. Das Reich soll also das ganze Rffiko tragen. Wenn man das öfter so macht, werden die Kapitalisten sich immer mehr weigern, Geld herzugeben, pe werden bei allen Anlagen verlangen, daß das Reich das Risiko tragt. In Dem Vertrag wird für viele Tausende von Hektaren Landkonzession erteilt. Wie sich dies mit dem Besitz der Eingeborenen verttagt, weiß ich nicht. Jedenfalls werden Die Eingeborenen in ihrem Eigentum aufs schwerste geschädigt. Meine Freunde stehen natürlich dem ganzen Projett ablehnend gegenüber. Wenn eine Bahn notwendig ist, so sind zunächst die Kapitalisten dazu da, um die Bahn zu bauen, da sie Den ganzen Vorteil davon haben. Wenn jetzt noch keine Bahn gebaut fft, so zeigt Dies Doch nur, daß eine Bahn nicht den Vorreil bringt, den man erwartet. Daß ba§ Reich das ganze Ristto übernimmt, fft zwar sehr bequem, aber wir sind ganz entschieden Dagegen. . . , , Abg. Kopsch (fteis. Vp.): Daß eine Bahn den Verkehr heben wttd. Darüber kann wohl kein Zweifel bestehen. Zweifelhaft ist nur, ob die Einnahmen der Bahn im Verhältnis zu Den Kosten stehen, und ob die Opfer, Die Die Steuerzahler tragen müßen, im Einklang mit Dem zu erwartenden Nutzen stehen. Meine Freunde haben gegen diese Vorlage dieselben Bedenken wie gegen ine früheren Vorlagen, Die eine Zinsgarantie Des Reiches verlangten. Denken Sie nur an Die schlechten finanziellen Verhältnisse des Reiches und an unsere wachsende Schuldenlast I Abg. Frhr. v. Nichthofcn-DamSdorf (kons.): Wir stehen Der Vorlage im allgemeinen wohlwollend gegenüber. Wtt werden durch Den geplanten Bahnbau in Die Sage versetzt werden, einen großen Teil unserer Baumwolle aus Der Kolonie zu bekommen. Das fft sehr werwoll. Auch Die Kakaoausfuhr wird durch Die Bahn unzweifelhaft erhöht werden. Ich hoffe, daß Den Ausgaben, Die wir jciit machen, bald entsprechende Einnahmen aus Den Zöllen gegen» überstehen. Um Die Frage zu prüfen, ob die Landvergebungen und Vergwerksprivilegien. Die das Reich vornehmen ivill, berechttgt sind, muß eine Prüfung in Der Kommission erfolgen. Abg. Dr. Paa sch e (nl.): Wir stehen diesem Bahnprojett aus wirtschaftlichen, politischen und hygienischen Gründen günftig gegenüber. Bei Der ganzen Art und der Lage unserer Kolonie Kamerun und bei Der Unmöglichkeit, mit gewöhnlichen Mitteln vorwärts zu kommen, müßen wtt schon größere Ansttengungen machen und Die Gelder zum Bau der Bahn garantieren. Die Gegner Der Vorlage verweisen auf die ungünstige Finanzlage des Reichs. Sie sollten doch berücksichttgen, daß wir eine wirkliche Verpflichtung in Höhe von im Maximum 375 000 Mk. erst von 1910 an übernehmen. 1910 werden aber doch hoffentlich unsere Finanzen nicht mehr so ttaurig sein wie heute. Weiter muß man aber doch anerkennen, daß wir auch ftüher in finanziell schwerer Zeit notwendige Ausgaben nicht unterlaßen haben. (Widerspruch bei Den Soz.) Daß "diese Ausgabe notwendig ist, wird mir niemand bestreiten können. (Widerspruch bei Den Soz.) Wir wollen, daß eine gesunde wirtschaftliche Entwicklung in Die Kolonie kommt. Dazu wird die Bahn helfen. Denn nach Den Urteilen Der SachverstänDigen müssen wir uns viel von ihr versprechen. Wir Dürfen nach Ansicht Der SachverstänDigen Darauf rechnen, einen großen Teil unserer Baumwolle in Der Kolonie Decken zu können. Aehnlich steht eS mit anderen Waren. Jedenfalls sind die Grundlagen für Diese Bahn ganz andere als früher die für Die Usarnbara-Bahn. Daß die Bahn auch sttategisch sehr wichtig ist, ist ohne wetteres klar. Wir können so gewaltige Flächen nur beherrschen, wenn wir durch gute Verkehrsmittel in Die Lage versetzt sind, die Truppen schnell zu konzentrieren. Ich verweise hier auch auf Mexiko. Vor zwanzig Jahren war Das Land noch zerwühlt von Revoluttonen. Seitdem man Eisenbahnen geschaffen hat, sind die Regimenter, die in der Hauptstadt vorhanden sind, leicht an alle Orte zu bringen, und es fft leicht möglich gewesen, die auftühreri- Gießener Anzeiger General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Elchen. Pie Kamerun-Wahn. Nachdem für Ostafrika der Bahnbau von Dar-eS-salam ^ach Mroqoro in die Wege geleitet ist und zur Gründung einer Gesellschaft mit 21 Millionen Mark Kapital, welcher unsere ersten Banken angehören, geführt hat, ist mit erfreulicher Schnelligkeit dem Reichstag der Gesetzentwurf betreffs Uebernahme einer Garantie deS Reichs in Bezug auf eine Eisenbahn von Duala nach den Manenguba- bergen zugegangen und damit der erste Schritt zur Erschließung des inneren Kamerungebicts getan. Rach der Bau- und Betricbskonzession wird der Kamerun-Eis n- bahn-Gesellschast vom Tage der Bestätigung de§ Gesellschafts- Vertrages durch den Reichskanzler eine weitgehende Konzession auf 90 Jahre verliehen. Das Grundkapital der Gesellschaft soll 17 Millionen Mark betragen und in 170000 Anteile über je 100 Mark eingeteilt werden. Die Anteile Rr. 1 bis 60000 bilden die Reihe A und tragen die Bezeichnung „Vorzugsanteile". Die Anteile Rr. 60001 bis 170 000 bilden die Reihe B und tragen die Bezeichnung „Stamm* anteile". Für die Verzinsung des auf Reihe B entfallenden Gesellschaftskapitals in Höhe von 11 Millionen Mark wird beim Reichstag eine ZinSgarantie von S Prozent oom Tage der Einzahlung ab, erstmals fällig am 1. Juli 1906, beantragt, sowie vom 5. Geschäftsjahre an em Zuschlag von 20 Prozent auf den Nennbetrag der innerhalb 86 Jahre vom Beginn des fünften Geschäftsjahres der Gesellschaft ab auSzulosenden ©tammanteilc der Reihe B. Die VorzugS- anteile der Reihe A genießen bei der Gewinnverteilung und bei der Liquidation bestimmte Vorrechte. AuS der Konzession sind hervorzuheben die Paragraphen über die Grundeigentumsbeschaffung, über die Matcrialien- entnahme und über die Land- und Bergwerksgerechtsame. Danach wird das Schutzgebiet alle Eigentums- oder sonstigen dringlichen Rechte, welche ihm an dem für den Bau und Betrieb der Eisenbahn und ihre künftige Entwicklung erforderlichen Grund und Boden kraft seiner Hoheitsrcchte oder aus irgend einem sonstigen RechtStitel zustehen, ohne Entgelt an die Gesellschaft abtreten. Insoweit dem Schutzgebiet ein Verfügungsrecht nicht zusteht, wird der Reichskanzler—nötigenfalls im Wege der Enteignung — dafür besorgt sein, daß der Gesellschaft von den Verfügungsberechtigten der erforderliche Boden frei von allen Lasten und Eigentumseinschränkungen zu mäßigen und angenicssenen, von der Gesellschaft zu zahlenden Preisen zum Eigentum überlassen wird. Der Gesellschaft ist gestattet, in den Wäldern, über welche das Schutzgebiet verfügen kann, ohne Entgelt Holz, Kies, Steine 2C. in den Mengen zu entnehmen, welche für den Bau, die Unterhaltung und die Erneuerung des Unterbaues und des Oberbaues während der Konzessionsdauer erforderlich sind. Die Gesellschaft ist berechtigt, im Umkreise von 50 Kilometer vom Endpunkte der Eisenbahn von ihr selbst außzu- wählenden Ländereien bis zu einem Flächeninhalt von 10000 Hektar von dem dem Schutzgebiet entweder kraft eines privaten oder öffentlich rechtlichen Titels gehörigem oder allem als herrenlos seinem Aneignungsrecht unterstehenden Grund und Boden innerhalb 15 Jahren von der Erteilung dieser Konzession ab sich anzueignen. Insoweit das danach von der Gesellschaft erworbene Land zum Bau von Zufuhrwegen zur Eisenbahn oder zu fiskalischen oder gemeinnützigen An- lagen gebraucht wird, ist die Gesellschaft verpflichtet, es gegen Ueberlassung eines gleichgroßen und gleichwertigen, dem Schutzgebiete gehörigen Landes zurückzugeben. Die Feststellung der Grundsätze, nach welchen Ländereien und Bergwerksrechte veräußert oder länger als 20 Jahre verpachtet werden können, unterliegt der Genehmigung der Aufsichtsbehörde. Mit Rücksicht auf die praktische Bedeutung der Kamerun- Hinterlandbahn darf man erwarten, daß die Volksvertretung nach eingehender Prüfung und unter Berücksichtigung der in Kamerun bisher erzielten Erfolge dem Gesetzentwurf zustimmen wird. Volttische Tagesschau. Akademische Freiheit. Wegen unserer Stellungnahme geg-rn den kürzlichen 'Angriff der „Germania" auf die Marburger Professoren hat sich — das „M ainzer Journal" gekränkt gefühlt. Diese Gesinnungsgenossin der „Germania" konstatiert in ihrer Nr. vom 11. d. M., der Gießener Anzeiger habe „versucht, mit den akademischen FreiheitS- aposteln ganz ergötzlich zu poussieren". Sie wirft uns weiter vor, dem wir über die akademische Frei- heitssacye von Zeit zu Zeit Notizen brächten, deren „einseitige Tendenz unverhohlen zutage trete". Also nicht zweideutig haben wir uns ausgedrückt; das freut nnS, oaß wir nicht mißverstanden worden sind. Dem Bischoss- blatt hat aber unsere geg^n die „Germania" gerichtete Notiz in Nr. 107 vom 8. b. M. dennoch Nachdenken verursacht; es behauptet, die „Germania" habe doch Recht, und „die „freien" Herren Professoren seien sehr mit Recht an ihre Pflichten als Staatsbeamte und Untergebene des Kultusministeriums erinnert worden" Was wird es nützen, das Blatt auf unsere Ausführungen in Nr. 99 des Gieß. 'Anz. vom 28. April hinzuweisen, worin wir unS genau darüber ausgesprochen haben, was wir unter der akademischen Freiheit verstehen und inwiefern uns die Maßnahmen des preußischen Kultusministeriums als unberechtigt und verfehlt erscheinen. Das Recht der freien Meinungsäußerung in studentischen Angelegenheiten möchten wir der akademischen Jugend unter allen Umständen gewahrt wissen, auch wenn man mit ihrer Meinung einmal nicht einverstanden sein kann. Wir haben ja in unserer Nr. 99 erklärt, daß unseres Dafürhaltens die deutsche Sutedntenschaft, soweit sie das Verbot der konfessionellen Studentenverbindungen fordert, über das Ziel hinausschießt. Ihr gutes Recht darf man ihr aber nicht nehmen, und das Vorgehen des Kultusministeriums bedeutet einen unrechtmäßigen Eingriff in die alten Rechte der Universitäten und ihrer An- gehörigen. Daß unsere, schwarzverschleierte Kollegin in Mainz wieder einmal, wie so häufig, anderer Meinung ist als wir, können wir nicht ändern. Wenn sie erklärt, Gott sei Dank sei die Daseinsberechtigung der katholischen Studenrenverbindungen au der LandeSuni- versität noch nicht angegriffen worden, so ist daS richtig; ihrer ganz aus . dem Blauen gegriffenen Aeußerung aber, daß die Gießener Professorenschaft Den Auseinandersetzungen über d i e akademische Freiheit gleichgiltig gegenübe r- stände, müssen wir entschieden entgegentreten. Der Rektor hat öfters, erst dieser Tage beim Schillerkommers der Studentenschaft, erklärt, daß er die akademische Freiheit gegebenenfalls schützen werde. Einstweilen liegt dazu glücklicherweise keine Veranlassung vor. Wenn daS Mainzer Blatt schließlich gar auf den Geist Schillers sich beruft, so möchten wir ihm etwas aus seinen eigenen Geistesprodukten ins Gedächtnis rufen. ES schreibt nämlich in einem übrigens höchst merkwürdig urteilenden Artikel „Schiller und der Katholizismus", den eß am letzten Samstag an die Öffentlichkeit gefördert hat und der uns ausgefallen ist, wörtlich: „Das engherzige Muckertum hatte ihm (Schiller) die Jugend verleidet und seinen nach Freiheit dürstenden Sinn gekränkt." Möge das „Mainzer Journal" diesen Satz auch bei der Freiheitssache der heutigen akademischen Jugend in Erwägung ziehen! Das Muckertum ist freilich auch heute noch nicht ausgestorben. Sitzung der Stadtverordneten. Gießen, 11. Mai 1905. Anwesend: Oberbürgermeister Meeum, die Beigeordneten Georgi und Eurschmann, sowie die Stadtverordneten Brück, Dr. Ebel, Eichenauer, Culler, Faber, Dr. Haberkorn, Heichelheim, Jann, Huhn, Helfrich, Jnahardt, Keller, Krumm, Kirch, Leib, Löber, LooS, Orbig, Schassstaedt, Schmoll, Wallenfels und Wimmenauer. Der erbetene Dispend zum Baugesuch deS I. P. Pfeiffer für die Neustadt, wobei eS sich um nicht genügende Naumverhältnifse des liegen bleibenden HofgeländeS handelt, die aber nach Anschluß deS Grundstücks an die Kanalisation geschaffen werden sollen, wird befürwortet. Abermann u. Kling benötigen einen DiSpenS von den Bestimmungen der Bauordnung für ein in der Plock- straße zu erbauendes HauS, dessen Fassade mit Erker und Balkon versehen werden soll. Der Antrag wird von der Versammlung befürwortet, da die Plockstraße recht breit ist. — Stadtv. Kirch wünscht zu wißen, ob die recht unschönen Bäume, deren Ersetzung mit Kugelakazien die Versammlung gutgeheißen hat, bald verschwinden werden. Der Oberbürgermeister teilt mit, daß er den Anliegern den Beschluß der Versammlung mitgeteilt, bisher aber von diesen eine Erklärung, daß sie die entstehenden Kosten für die neue Anpflanzung übernehmen wollen, noch nicht erhalten habe. Der Kalkwerksbesitzer Karl Haas jr. will an der Frank - furterstraße, weit außerhalb der bis jetzt festgesetzten Bebau- ungslinie, zwei Häuser erbauen und erbittet hierzu DispenS. Die Baudeputation schlägt vor, den DispenS nicht zu befürworten. Stadtv. Löber verweist darauf, daß doch der Eisenbahnbehörde erlaubt fei, Häuser zu errichten, und da sollte man dem HaaS doch dasselbe erlauben. Der Oberbürgermeister erklärt, e§ sei doch etwas anderes, ob die Eisenbahn für ihre Arbeiter, gewiffermaßen im öffentlichen Jn- tereffe, dort oben baue oder ob ein Privatmann, lediglich um zu spekulieren, Häuser zum Vermieten errichte. Würde man dem Gesuche HaaS entsprechen, so würde der Grund und Boden in der dortigen Gegend im Preise gesteigert. Der Antrag der Baudeputation wird hierauf zum Beschluß erhoben. Der erbetene Dispens zur Errichtung von Lagerhäusern für Gebr. Rosenbaum und Genossen an der Margaretenhütte — es handelt sich um Fachwerksbauten außerhalb der Bebauungsgrcuze — wird befürwortet. Ter Firma Kreuder u. Co. (Gießener Stempelfabrik) wird gestattet, am Hause Bleichstraße 6 einen 10 Zentimeter tiefen Schaukasten anzubrinben. Tie Versammlung ist damit einverstanden, daß der Pachtvertrag des L. Frees (Wasserhäuschen auf Os- waldsgarten) auf A. Ger st en berg übergeht, ebenso hat man nichts zu erinnern, daß ein von Julins Hahn mit der Stadt abgeschlossener Pachtvertrag wegen eines Stückchens Wiese, an der Wiesenstraße gelegen, an die Firma Julius Hahn Nachf. übertragen wird. Die Bestellung für den Ersaß der Dienstkleider der städtischen Tagelöhner soll freihändig zu den seinerzeit vereinbarten Preisen an die seitherigen Lieferanten vergeben werden. Die Versammlung ist damit einverstanden, daß die Vergebung der Lieferung von Schreibmaterial und Drucksachen für die städtischen Burecms nach Prüfung der eingelieferten Proben für das laufende Jahr, cm die Inhaber der einschlägigen Geschäfte am Platze verteilt, durch die Finanzdeputation vorgenommen werden soll. Stadtv. Krumm empfiehlt dabei, auf gute Qualität zu halten; über die Zeichenblocks z. B. seien seither mehrfach Klagen erhoben worden. Nach den Anträgen der Baudeputation wird beschlossen, 1. den Bedarf an Bordsteinen zum weiteren Ausbau der Bürgersteige in der Bismarck-, Bleich-und Go et bestraße an die Hehrischen Steinbrüche in Londorf zur Lieferung zu übertragen, obgleich die Firma bei der statt- gehabten Submission nicht die billigste Offerte abgegeben hat, von den drei billigsten Submittenten aber qualitativ daS beste Material angeboten hat, 2. Modelle für die Bild- Hau erarbeit zur Fassade der Töchterschule an der Nordanlaae durch den Architekten Meyer beschaffen zu lassen. Die Versammlung ist damit einverstanden, oaß die Baudcputation Offerten und Vorschläge einholt zur Errichtung eines Rundlaufs in der Turnhalle der Töchterschule, dessen Herstellung vom Turnlehrer gewünscht wird. Stadtv. Heichelheim bemerkt, daß ihm mitgeteilt worden sei, der Schulgarten und Spielplatz bei der im Bau begriffenen höheren Mädchenschule sei an Ausdehnung kleiner als dies bei dem bisherigen Schulgebäude der Fall gewesen sei. Er bittet den Oberbürgermeister, sich darüber äußern zu wollen. Dieser erklärt, der Platz bei der neuen Schule sei sehr viel größer als der, der bei'dem bisherignn Schulgebäude zur Verfügung stand. Auch Beig. Georgi bemerkt, daß zu irgend welchen Besorgnissen, selbst für später, gar keine Veranlassung vorliege, da die Stadt ja noch über bcu Platz hinter dem Plochschen Hause verfüge. Den Dachdeckermeistern Kröck und Müller wird die D a ch d e ck e r a r b e i t für die israelitische Leichenhalle übertragen. Die Versammlung ist damit einverstanden, daß die Platten zum Fußbodenbelagim alten Schloß, nach vorliegenden Mustern zu liefern, freihändig vergeben werden soll. Zur Beschaffung eines Sprengwagens merbett 1087 Mk. und zweier Schlmnmwagen 830 Mk. geforbert und bewilligt. Um den Stadtringgraben von der Wa'lltor- st r a ß e bis zur L a n d g r a f e n st r a ß e, entlang deS Lazaretts, dessen üble Gerüche sich jetzt wieder bemerkbar machen, endlich zuwerfen zu können, werden 200 Mk. gefordert und von der Versammlung bewilligt. Tas Lazarett wird provisorisch an die Kanalisation angeschlossen. Die Bohrungen im Qu e ck b o r n e r Q u e l l e n g e b i e t haben das erfreuliche Resultat gezeitigt, drei weitere Quellen mit täglich 4—4500 Mbikmeter Wasserförderung freizir- legen. Diese sollen nun in Brunnen «gefaßt und dem Wasserwerk angeschlossen werden. Die Stadtverordneten hatten früher für die Vergrößerung des Werkes bei Queckboru 50 000 Mk. bewilligt, sind aber damit einverstanden, daß der Kredit um den gleichen Betrag erhöht wird. Die Versammlung erteilt nachträglich wegen ent» standener Kosten ihre Genehmigung 1. Konr. Rüb- samen für Nntcrbaltung der Bürgersteige 1904/05, 2. Jäger und Rumps für die Herleihung einer Lokomobile 11 Tage ä 25 Mk. zum Pumpen von Wasser während der heißen Tage des vergangenen Jahres (das Wasser wurde zur Straßenbesprengung verwendet). 3. Für verschiedene Arbeiten, Lieferungen von KieS, Fuhrlöhue bei den Notstandsarbeiten an der NodHeimerstraße; die zu 3. entstandenen Rechnungen rühren aus den Jahren 1902/03 her, die Bestellungen dazu hat das Stadtbauamt vorgenommen. Beig. Georgi bemerkt hierzu, daß früher schon des öfteren das Stabil» au amt Anordnungen getroffen habe, wozu es gar nicht berechtigt sei; er bitte, dem Beamten, der die Bestellung gegeben hat, zu eröffnen, daß er für die Folge die so entstandenen Rechnungen cms seiner Tasche bezahlen möge. Der Oberbürgermeister erklärt, daß er mit dem, was der Kollege Georgi ausgeführt habe, vollständig einverstanden sei. Wegen der Ueberführung des Schisfenberger Wegs über die oberhessische Eisenbahn hat die Bürgermeisterer mit der Direktion Frankfurt verhandelt. Die Ausführbarkeit her Straßenüberführung wäre bei den Terrainverhältnissen weniger kostspielig, wenn dabei der Betrieb nicht weitergeführt werden müßte. Unter Berücksichtigung dieses Umstandes belaufen sich die Kosten der Ausführung des Projekts auf 270 000 Mk.: die Kosten des Grrrnderwerbs sind mit 75 000 Mk. in Rechnung gezogen. Ihr eigenes Geldinteresse an der Durchführung des Planes gibt die Eisenbahnverwaltung auf 70000 Mk. an, sodaß die Stadt ich zur Tragung des Mehrbetrages von 200 000 Mk. verpflichten müßte. Die Verrehrskommssion, sowie die Bau- oeputation, welche sich mit der Sache beschäftigt haben, ind der Meinung, daß sich die Ausgabe von 200 000 Mk. 'eitens der Stadt für den gedachten Zweck nicht rechtfertigt. Die Versammlung trat dem Beschlüsse bei. Oberbgm. Mecum berichtet über die Airssichten des Eisenbahnprojektes Ulrichstein-Mücke, welche er als günstig bezeichnet. Die Gemeinden Beuern, Großen- unb Alten-Vuseck petitionieren um eine Bahnlinie, welche von der Casseler Strecke am Rodberg abzweigen, über Wieseck bei Trohe oder Rödgen einmüuden soll. Die Gemeinde Wieseck wünscht eine Verlegung der Fuldaer Linie. Tie Verkehrskommission beantragt, die Versammlung möge beschließen, daß sie erklärt, der Verwirklichung der Pläne sympathisch gegenüberzustehen, der Gemeinde Wieseck es aber üb erlassend, sich an die Direktion Frankfurt zur Realisierung ihres Gedankens zu werHden. Der durch den Brand am 4. August 1904 im Zollst o ck w a l d der Stadt erwachsene Schaden ist durch Verhandlungen mit der Eisenbahnbehörde auf 1001,92 Mk. fest- gestellt worden. Durch einen späteren im Stadtwald entstandenen kleinen Brand ist die Stadt um 31,50 Mk. zu Schaden gekommen. Die Eisenbahnverwaltrmg ist bereit, diese Beträge an die Stadt zu zahlen, wozu die lVersamm- lung ihr Einverständnis erklärt. Ein Gesuch um Wirtschaftserlaubnis des L. Fei del für Sonnenstraße 3 wird ausgesetzt, jedoch das Bedürfnis bafür schon im voraus anerkannt. Bei folgenben Gesuchen um Wirtschaftserlaubnis wird die Bedürfnisfrage bejaht: Martin Langsdorf, Crednerstraße 34, Karl Rühl, Bahnhofstraße 37 (früher Bauer), Richard Wagner, Nordanlage (Rolandseck) und Karl Schmidt II., Neustadt 14. Damit ist die Tagesordnung der öffentlichen Sitzung erschöpft. Aus Ktudt mi- Kau-. Gießen, 12. Mai 1905. ** Wieder ein Betrüger. Am 9. d. Mts. erschien ein Unbekannter in einem Privathause und erklärte, er sei beauftragt, bei dem dort wohnenden Studenten, deffen Namensschild er offenbar an der Türe gesehen hatte, einen Anzug zu holen. Da der Student zufällig vorher seiner Logisfrau mitgeteilt hatte, er werde vom Schneider eine Hose zur Reparatur abholen (affen, so übergab die Frau dem Menschen die Hose, und in dem Glauben, es sei der Schneider und er solle noch einen Anzug auSbügeln, zeigte sie ihm auch den Kleiderschrank deS Studenten. Hieraus wählte der Fremde bann einen noch fast neuen schwarzen Gehrockanzug und entfernte sich. Später klärte sich die Sache auf, als der richtige Schneider die Hose holen wollte, daß ein Betrug vorlag. Die Hose hat der Fremde bereits hier für 90 Pfg. verkauft; der Gehrockanzug ist bis jetzt nicht zur Stelle gebracht. Der Fremde, der sich als Kellner auSgab, ist ca. 25 Jahre alt, von mittlerer Statur, hat schwarzes Haar und schwarzen Schnurrbart und macht den Eindruck eines Israeliten. Anhaltspunkte über die Person des Betrügers und den Verbleib des Anzugs nimmt die Kriminal-Abteilung deS Großh. Polizeiamts entgegen. Der Gießener Radfahrer-Verein 1885 hielt gestern abend in seinem Vereinslokal zum Neuen Saalbau eine außerordentliche Generalversammlung ab, um über die Festsetzung des Programms für das anfangs Juli b. I. stattfindende 20. Stiftungsfest zu beraten. Der Vorsitzende, Fabrikant C. Löttgen, begrüßte die zahlreich erschienenen Mitglieder und wies in kurzen Worten auf die hohe Bedeillung der Feier hin. Hierauf wurde der Versammlung daS von dem geschästs- fuhrenden Ausschuß aus gearbeitete Programm vorgelegt, welches allgemeinen Anklang sand und einstimmig angenommen wurde. Freudig begrüßt wurde der Erschlag des geschüftsflihrenden Ausschusses, daß die Festlichkeit nicht, wie zuerst vorgesehen war, auf dem Oswaldsgarten, sondern auf dem herrlich gelegenen Sportsplatz an de r Hardt abgehalten werden soll. Hierdurch dürfte der sportlrche Charakter der Festlichkeit besser gewahrt bleiben. Geplant ist neben der von dem Gau 9 Frankfurt a. M. an diesem Tage hierher geplanten Dauerfahrt ein großer Preis- und Blumenkorso, durch die Stadt nach dem Sportplatz, offen für BundeSvcreine, Einzelfabrer und Motorfahrer, Die MHaltung großer Motor- inifo Mannschaftsrennen, Radpolospiele und Kunstreigenfahren. Dieses ist eine für Gießen völlig neue Veranstaltung, für welche Ihre Königl. Hoh. der Groß- Herzog von Hessen und Gemahlin neb'st Gefolge gelegenllich der am 2. April d. I. in Darmstadt stattgehabten Saalfahrkonkur- rcnzen ihr größtes Interesse gezeigt haben. § Friedberg, 11. Mai. Zn der gestern schon kurz go meldeten Diebstahls af fare wird unS noch berichtet: Heute früb gegen Vs4 Uhr lenkten mehrere in der Stadt patrouillierende s». W-A mit >'-d MU®, Franks »end S-"- s? MIM SS vieler p während zugeMde darüber ihnen dr' stohlenen »urüclgeg wurde ii brochei gest-h' lid) d-S den ganz reparalui gestern a! Fra öurger C! träger 5a tot auf Mann, sich auch er ein A in Main Beamter gestern ( Sachsen' von Sa rad oe mann Nl dortigen zogen n die Luftb Wagenlä freie Eins Züge wa Geislesge Unglück < st re man am Der Verd mord ha 5ivei Lech und zwar Andreas Z o 3 $ ü § 5 5 Boni £ er —' ?2 2 2 - 0< x fr ~ ; 3 - fr I ■'O l s ’ a ’ 2.5 5 toSSf. «ZZ- e *■« o = = 2 2 c"8< 5" -nt c S) ö3 n o ra 61 L o 3 Z CD d 2-' er 5 O = 2 - S 3 er O 33. »'S- —- 5*© er S' JD ? 2. er CD o c <~l 2D k- e o 2 O ra 5 ? "ZT « = Ä 03- 9^2 «y 5*^ « - O 3 S e — CD O ~ । r*- 5D 3 2. = « « c Z 5 er So «ja OD ZD T 2. er «a «D ® 7* =:S3 #5 •§! S S 2. srl v-i 3 o cH" V» or : er 3 71. « CD Q. 22 O" —. er 5» ~ 2 o 3 ? 2. “2 •* ox H, KZffZ- TT S 2 r ° 2 2 2 d — ST. § er__,*8* L-L S* d C o er CD O 2 *** 2D; -D Z-'S » a D> «b d 2'^^ C-. o 2 er' — A 3 50 S " o —. ? S ^5 er 'S S S 5 ® 'S* S cy CD er or ♦ er y» y A s Strohhüte ZU selig* billigen F. Ad. Richter & Cie., Rudolstadt. D8/a Warnung. Wer nicht durch Nachahmungen geschädigt sein will, der nehme beim Einkauf der Richter'schen Anker-Hausmittel nur solche Schachteln an, die deutlich mit der berühmten Fabrikmarke Anker versehen sind. Findet man unsre seit mehr als 85 Jahren rühmlichst bekannten Anker-Hausmittel, wie z. B. 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Mai, an Herrn Ernst Chaiiier einzusenden. o»/ In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Dr. Emil Rehm (Inhaber der Firma Hessische Verlagsanstalt und Druckerei) in Gießen ist Termin zur Prüfung der nachträglich angemeldeten Forderungen, Abnahme derSchluß- rechnung, Erhebung von Einwendungen gegen das Schlußverzeichnis und zur Beschlußfassung über die nicht verwertbaren Gegenstände vor dem unterz.Amtsgericht, Zimmer 18, auf Samstag, 3. Juni 1905, vormittags 10 Uhr, anberaumt. Gießen, den 10. Mai 1905. Großh. Amtsgericht. b13/6 Freibank. Heute von 4—8 Uhr, morgen von 8—11 Uhr: Ochfeufleifch 54 Pfg. B13/6 Alle Kolsuialmren M Delikatessen stets frisch und zu den billigsten Preisen. 2172 Joh. Seibel, Ludwigsplatz. 'Z***' l t oh/V ie<;hei/,r/e)' (§ifenlae£ Total - Ausverkaaf wegen Geschäftsaufgabe! 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