Nr. 87 155« Jahrgang Erstes Blatt. Mittwoch 12. April 1905 ffl •ffKS* ® * A-er ® .»'SKU GietzenerAnzeiger W General-Anzeiger « MM Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen MUZ ,K-ri>wr«t>°>EußM 51. __________________________________________________________ ___________ ________________________aeigenteit: HanS Beck. Pie keutiqe Nummer umfaßt Ist Seite«. Bekanntmachung. Betr.: Milzbrand zu Rodheim a. d. Horloff. Bei einer Kuh der Wilhelm Reichhardt Witwe zu Rod heim a. d. H. ist Milzbrand festgestellt morden. Gehöftsperre ist verhängt. Gießen, den 10. April 1905. Großherzogliches Kreis amt Gießen. __________________I. V: Heckler__________________ Kekannlmachung. Betr.: Rauschbrand zu Lich. Ber einem Schafe des Christian Heller H. zu Lich ist ein Fall von Rauschbrand festgestellt worden. Gehöftsperre ist verhängt. Gießen, den 10. April 1905. Großherzogliches Kreisamt Gießen. ___________________I. V.: Hechler.___________________ * Gießen, den 7. April 1905. Betr.: Die Feuerstättenrevision für 1905. Das GroßherzoLlche Kreisamt Gietzeu an die lSroftli. Bnrqermeiktereten deS företfca Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 1. Februar l. Js. noch nicht entsprochen haben, werden an deren alsbaldige Erledigung erinnert. __________I. V.: Dr. Kranzbübler.____________ Bekanntmachung. Betr.: Feldberemigung in der Gemarkung Gießen rechts der Lahn und den zugezogenen Teilen der Gemarkung * Heuchelheim. Dienstag, den 18. April l. I. findet die Versteigerung der Massegrundstücke an Ort und Stelle statt. Zusammenkunft vormittags 81/3 Uhr an der Ecke der Rodheimer und Schützenstraße, woselbst auch die Versteigerungsbedingungen bekannt gegeben werden. Friedberg, den 11. April 1905. Ter Großherzoglichc Feldbereinigungskommissärr Spam er, Kreisamtmann. Gießen, den 4. April 1905. Betreffend: Die Revision der Hypothekenbücher aus dem Geschäftsjahr 1904/05. 21 tt sämtliche Ortsgerichte des Amlsgerichtsbezirks Gictzen. Wir benachrichtigen Sie, daß wir in Kürze mit der Revision der Hypothekenbücher beginnen werden und fordern Sie daher auf, die seit der letzten Revision vorgenommenen Einträge in Spalte A. und B. einer sorgfältigen Durchsicht und Vergleichung mit den gerichtlichen Verfügungen zu unterwerfen. Die dabei in Bezug auf die Form sich ergebenden Anstände, soweit solches ohne unsere Mitwirkung geschehen kann, z. B. Berichtigung von Schreibfehlern, Ausbesserung von Worten, Nachholung von fehlenden Unterschriften, sind zu beseitigen. Sie wollen sich davon überzeugen, daß die Einträge und Löschungen im Namensverzeichnis und topographischen Pfandregister nach Vorschrift vollzogen worden sind. Das Protokoll über die erfolgte Vorrevision, wozu das Ihnen demnächst zugehende Formular zu benutzen ist, ist unfehlbar im Revisionstermin, welcher Ihnen noch bekannt gegeben wird, vorzulegen. Gleichzeitig machen wir Sie darauf aufmerksam, daß wir gelegentlich dieser Revision auch die allgemeine Geschäftsführung der Ortsgerichte (Gemeindewaisenrat) einer eingehenden Prüfung unterziehen werden und empfehlen Ihnen, auch hier etwaige Mängel zu beseitigen. Großberzoalickes Amtsgericht. A- "'-”'”12-----1--i Per Kaiser auf Korfu. Korfu, 11. April. Heute morgen um 9 Uhr fuhren die deutschen Schiffe _ die „Hohenzollern" mit dem Kaiser an Bord, sowie das Torpedoboot „Sleipner" und der Kreuzer „Friedrich Karl" — in die Bucht von Korfu ein, wo ein starkes englisches Geschwader lag, das salutierte und paradierte. Der „Friedrich Karl" erwiderte. Der Kaiser machte einen Besuch auf dem englischen Flaggschiff „Bulwark". Der König von Griechenland war heute morgen dem Kaiser entgegengefahren, jedoch in südlicher Richtung, während die „Hohenzollern" von Norden her in die Meerenge einfuhr. Das Torpedoboot „Sleipner" fuhr der griechischen Jacht „Amphitrite", auf der sich König Georg und die königliche Familie befanden, entgegen. Um 12 Uhr traf „Amphitrite" wieder im Hafen ein. Der „Friedrich Karl" salutierte, die Mannschaften der „Hohenzollern" und des „Friedrich Karl" paradierten und brachten drei Hurras aus, während die Hafenforts Salut schossen. Der Kaiser, in Admiralsuniform mit dem Bande des Erlöserordens, erwartete den König am Fallreep; dieser trug griechische Admiralsuniform und den Schwarzen Adlerorden. Die Monarchen küßten sich auf beide Wangen und begrüßten sich sehr herzlich. Ebenso fand eine herrliche Begrüßung zwischen dem Kaiser und seiner Schwester, sowie dem Kronprinzen und dem Prinzen Nikolaus und dessen Gemahlin statt. Die Kapelle der „Hohenzollern" spielte die griechische Hymne. Nach Vorstellung des Gefolges und lebhafter Unterhaltung der beiden Monarchen kehrte die königliche Familie auf die „Amphitrite" zurück, wo der Kaiser alsbald den Besuch erwiderte. Der Kaiser begrüßte ferner an Bord den hier als Touristen anwesenden Grafen Goertz-Schlitz nebst Sohn und Tochter. Nachmittags begab sich der Kaiser an Land und unternahm mit der königlichen Familie eine Spazierfahrt. Am Landungsplatz waren Blumen gestreut. Damen und Kinder schwenkten kleine Fähnchen in den deutschen und griechischen Farben; die ganze Stadt, bis in die entferntesten, winkligen Gassen hinein, war reich geschmückt. Guirlanden waren über die Straßen gezogen, Palmenwedel und frisches Grün schmückten die Häuser. Bilder des Kaisers, des Königs, des Kronprinzen und der Kronprinzessin waren ausgestellt. Militär mit Musik bildete Spalier. Lampions waren in den Bäumen aufgehängt. Unter dem Publikum sieht man viele Volkstrachten. Ueberall sind deutsche Willkommensschriften angebracht. Kaiser Wilhelm hat dem Prinzen Nikolaus den Schwarzen Adlerorden verliehen. Der Minister des Aeußern Skouzes erhielt den Roten Adlerorden 1. Klaffe, der Gesandte Prinz von Ratibor erhielt das Bildnis des Kaisers. VaMische Taqesschrm. Eie Untersuchung der französischen Kowploitafsare, die bisher unter dem Titel „Diebstahl von militärischen Ausrüstungsgegenständen" geführt wurde, wird jetzt unter dem Titel: „Attentat gegen die Sicherheit des Staates" rubriziert, ein Verbrechen, worauf Todesstrafe steht. Somit ist so gut wie sicher, daß die Angeklagten vor den Staatsgerichtshof kommen werden. Dem Untersuchungsrichter sind Flugblätter in die Hände gefallen, welche die Angeklagten in Provinzgarnisonen in großen Mengen verbreiteten und in denen sie gegen einen Lohn von 10 000 Francs für Offiziere und 1000 Francs für Soldaten Leute zu einem Unternehmen in Abessynien anzuwerben suchen. Auf Veranlassung des Untersuchungsrichters in der Ver- schwörungsangelegenheit wurde der in Putecmx wohnhafte Hauptmann Volpert unter der Anklage der Verschwärung gegen die Sicherheit des Staates verhaftet. Der Untersuchungsrichter verhörte den Hauptmann, der sehr energisch leugnete, an der Verschwärung teilgenommen zu haben. * Lenkt Delcasse ein? Privatberictste aus Paris gehen heute von der Annahme aus, daß Delcasss in der M a r o k k o f r a g e sich zum Einlenken, d. h. zu Verhandlungen mit Deutschland, bequemen werde. Fast scheint es, so wird dem „Berl. Tagebl." aus Paris telegraphiert, als sei Delcasss im Begriff, die große taktische Bewegung einzuleiten, die auf einigen Umwegen zur Verständigung mit Deutschland führen soll. Nun, man wird gelassen abwarten, wann der Minister dies Manöver ausführt. Zugeredet wird ihm genug von Cle- menceau und Jaurös. Sie ermahnen Delcassö, die Politik der theatralischen Effekte aufzugeben und lieber heute als morgen das Land von dem Alpdrücke der Unsicherheit zu befreien. Delcasss habe heute noch die Möglichkeit, mit Deutschland eine durchaus ehrenvolle Verständigung zu erlangen. Bedeutsam ist Clemenceaus Versickerung, daß der ganze Senat diese Anschauung teile und daß auch in der Kammer zweifellos eine große Majorität zufrieden wäre, wenn zu einem solchen Arrangement Delcasss die Initiative ergreifen wollte. Tie „Nationalztg." weist, anscheinend inspiriert, die Behauptung als völlig grundlos zurück, daß es von deutscher Seite auf den Sturz Delcassss abgesehen sei. „Deutschlands Marokkopolitik hat auch nicht das geringste mit der Frage zu tun, ob Herr Delcasss im Amte bleibt."__________ Ausland. Stockholm, 11. April. Staatsminister Boström, der langjährige Chef der schwedischen Regierung, hat sein Ent- lcvssungsgesuch erngereicht. Als unmittelbarer Anlaß für diesen Schritt wird das jüngst veröffentlichte Unionsprogramm des Kronprinz-Regenten betrachtet, für das Boström nicht die Verantwortung übernehmen will. Die Gelegenheit zur Erledigung dieser Frage auf dem Wege der Verhandlung zwischen beiden Reichen wurde schwedischerseits verabsäumt. Darin liegt der größte Mißgriff Boströms. Er ließ eine Wahlreform mit propor- t i o n a l em Wahlsystem ausarbeiten und brachte sie im vorigen Reichstage ein, die zweite Kammer jedoch ließ den Entwurf liegen und nahm einen aus der Mitte des Hauses gestellten Antrag an, der sich für allgemeines direktes Wahlrecht aussprach Trotzdem hat Boström dem jetzigen Reichstag abermals das proportionale Wahlsystem vorgelegt, das höchstens in der ersten Kammer eine sichere Stühe findet., Boström hat somit in seiner langen Ministertätigkeit weder die Unwnsfrage noch die Stimmrechtsache, die ebenfalls schon Jahre lang die Gemüter erregt, zu lösen vermocht. __ Senat legte heute d'Estvurnelles Verwahrung em gegen eine Vermehrung der Aufwendungen für die Flotte auf Kosten derjenigen ftir dringende produktive Zwecke und führte aus: Die Herrschaft zur See könne nur einer Vereinigung von Völkern gehören. Er sei überzeugt, daß man durch ein internationabesAbkommen die Rüstungen gerade so regulieren könne, wie die Zuckerbesteuerung. Redner weist auf das Beispiel von Chile und Argentinien hin, denen es gelungen sei, Feindseligkeiten zu vermeiden sie schon am Vorabend eines Kampfes standen, und aus England und Rußland, die den Hüller Zwischenfall auf 'niedlichem Weac beseitigt batten. England und Frankreich könnten die Initiative zu einem solchen Schritte ergreifen. Es würix unentschuldbar sein, einen Versuch zur Herbeiführung eines Einverständnisses zwischen beiden Ländern zu rmt,erlassen. Der Senat möge seinen Einfluß aufbieten, um der Regierung, der Kammer und allen Parlamenten in dieser Angelegenheit einen fördernde» Fingerzeig zu geben. t c Ä, Port Mahon, 11. April. Der Könrgunddre Kön^ gin von England sind heute vormittag nach Palma abgereist. Wie aus London gemeldet wird, ist die Nachricht, König Eduard beabsichtige in Tanger einen Besuch zu machen, bisher unbestätigt geblieben. In informierten Kreisen ist hiervoV nichts bekannt. Nom, 11. April. Das Generalkvmitee, das mit ben Vm> bereitungen für den Kongreß zur Sebaffimg des internationalen landwirtschaft! ichen Institutes beauftragt ist/ beschloß heute, daß außer den direkten Vertretern der Regierungen auch Delegierte von landwirtschaftlichen Vereinigungen in die Vertretungen der Regierungen abgeordnet werden können mit der Maßgabe, daß jede Regierung zu bestimmen hat, wie solche Delegierte an ihrer Vertretung tellnehmen sollen. Wien, 11. April. Die „Neue Freie Presst erklärt rn ent», schiebenster Weise auf einer an der maßgebendsten Stelle eingeholten Information die Gerüchte über Abda n kun gs-Absichten des Kaisers Franz Josef für völlig nnbe- gründet. Petersburg, 11. April. Vrin zess in Heinrichvou Preußen besuchte gestern nachmittag das von der Kaiserin Alexandra neuerrichtete Lazarett in Zarskoje Selo, wo sie sich auch längere Zeit mit einigen verwundeten Offizieren ind) Mannsckwften unterhielt. Kon^autinopel, 11. April. Ein« größere griechisch« Bande überfiel bas Dorf Zegerin bei Vlachoklissura und verbrannte es. Nach der Aussage von Bauern wurden über 100 Personen getötet. Der Keimakam von Castoria ist dort eingetroffen. Heute sind auch die Konsuln der EnteutemächtL von Monastir dorthin abgereist. Washington, 11. April. England und Deutsch« land haben gemäß einem Ersuchen der Vereinigten Staatett die Absicht kunbgegeben, je einen Ingenieur als Mitglied für den Beirat der Panamakanal-Kommission zu ernennen. Mußlcrvd in Sturm und Drang. In Petersburg verhaftete die Polizei einen Jäger aus dem Personal des kaiserlichen Hauses, der revolutionäre Ideen an den Tag gelegt hatte. Er wurde überrascht, als er einem Manne ein Papier überreichte, auf dem sich genaue Mitteilungen über die Zeiten der Spaziergänge des Zaren in Zarskoje Selo befanden. Der aus politischen Gründen in Petersburg erfolgte Selbstmord der Fürstin Tentischew erregt kolossales Aufsehen. Gerüchtweise verlautet, daß noch eine andere hochgestellte Dame sich ebenfalls aus politischen Gründen unter einen Eisenbahn zu g geworfen hätte und getötet worden sei. Am 10. d. M. trat in Petersburg der altrussische Advokatenkongreß zusammen, zu dem ficty 180Rech^- anwälte aus dem errropäischen Rußland versammelten. Nachdem die Polizei gestern gedroht hatte, die Versammlung mit Gewalt aufzulösen, kamen die Kongreßteilnehmer am Abend in der Wohnung eines Rechtsanwalts zusammen und beschlossen, ein Bureai: zu bilden^ um die politische Agitation in Petersburg zu überwachen und den EntWurf einer demokratischen Verfassung auszuarbeiten. In der Nacht erschien ein Polizeikommissar mit zwei Polizei- ofsizieren in der Versammlung. Die Advokaten weigerten sich, auseinanderzugehen, solange die Polizei anweseÄ» sei. Tie Polizeibeamten notierten die Namen der Anwesenden^ und zogen sich dann zu-rück. Ter Vorsitzende teilte nunmehr mit, General Trepow habe besohlen, eine Liste der zum Kongreß gekommenen Mvokaten aufztistellen, damit diese ausgewiesen würden. Die Versammlung der Rechtsanwälte vom! Tienstag beschloß, zu erklären, es sei die Aufgabe des jetzt^ gebildeten Verbandes der Advokaten, auf den Sturz des' autokratischen Regimes und die Proklamierung einer demokratischen Verfassung auf ber Grundlage des allgemeinen Stimmrechts und ge Heimer Wahl der Volksvertreter hinzuarbeiten imb: Propaganda zu treiben zur politischen Erziehung der Nation. Schließlich heißt es in der Resolution, der Verband müsse' eine zukünftige Revolution vorbereiten. Ferner wurde die Bildung eines Zentralbureaus zur Organisation der Bewegung unter Festsetzung der zu leistenden Beiträge sowie die Gründung eines eigenen Preßorgans des Mvokaten- standes beschlossen. In Moskau hat sich eine Partei von nationaler^ Progressisten gebildet, die ein Gegengewicht gegen dre „liberalen Kosmopolit«rr" oarstellen will. Von der fortschrittlichen Petersburger Geistlichkeit, den Professoren der geistlichen Akademie und den Semtnar- lehrern wurde eine kräftige Kampfgenossenschaft gegründet, welche die Bekämpfung gottloser Erscheinungen der weltlichen Gewalt und die Verfechtung des Prinzips der christlichenLiebeimWixt-- s ch a f t s l e b e n sich zum Zrele gemacht hat. Am Montag abend nach Fabrikschluß versammelten sich rn Petersburg 8000 Arbeiter der Putilowwerke um verschiedene Redner, die zur Revolution auffordertem Die Reden wurden mit großer Begeisterung ausgenommen. Die Bemühungen der Polizei, dre Redner zri"verhaften,^ blieben erfolglos. Ein Polizeioffizier wurde durch einen}; Stein Wurf verwundet. In den südlichen Provinzen, besonders in Nikolajew, haben wieder ernste Unruhen stattgefunden. Die; Menge zog unter Entfaltung roter Fahnen und Msingung revolillionärer Lieder dura) die Straßen der Stadt. Die.j Polizei war den Kundgebungen gegenüber ohnmächtig. Maxim Gorki und Andr'ejew sind aits Riga üt> Jalta auf der Krim eingetroffen. Keine Tabakfabrikatsteuer. Die ,,9tationalliö. Korr/' schreibt: Wir haben vor kurzem daran erinnert, daß in cmoeren Staaten, beispielsweise in Frankreich nub England, der Tabak in viel stärkerem Maße als bei uns zur Steuer herangezogen ist, 'inn die allgemeinen Rcichsausgabm decken zu helfen. ^Wenn neuerdings vorgeschlagen wird, zur .Herabminderung der Finanz- 'schwierigleiten des Reiches auch auf den Tabak zurückzugreifcn, so scheint nach dem, was wir hören, festzustehen, es werde an ein Wiederhervorholeu des in den 90 er Jahren vorgelegten, vom Reichstage aber abgelehnten Projektes der Einführung einer Tabakfabrikatsteuer in keiner Weise gedacht. Aer Krieg. Das Geschwader RoschdjestwenskyS. Admival Roschdjestwensky hält die Welt in Atem. Er verbreitet Ungewißheit um sich her und beglückt sein Vaterland mit dem Reiz erwartungsvoller Spannung, die seit Monaten einer dumpfen Hoffnungslosigkeit gewichen war. Tenn von den Meldungen aus dem russ. Hauptquartier zu Lande versprach man sich immer nur Gewißheit, und zwar die Gewißheit von Niederlagen. Schon ein unentschiedener Waffengang zwischen Roschdjestwensky und Togo würde in Rußland Freude erregen. Anders in Japan. Die Situation zur See ist jetzt eine andere, als bei den Kämpfen mit dem Port Arthur-Geschwader. Namentlich die das baltische Geschwader begleitenden schnellen Hilfskreuzer können bei geschickter Verwendung den Japanern unbequem werden, besonders durch ständige Bedrohung der japanischen Transport- und Handelsschiffe. Bei Port Arthur saßen die russischen Kriegsschiffe gewiffermaßen in der Mausefalle; jetzt ist die freie See ihr Aktionsgebiet, und erst im Kampfe mit dem baltischen Geschwader wird sich zeigen, ob die Japaner auch zur See die genialen Strategen sind, als die sie sich zu Lande bewährt haben. An amtlichen Stellen in Berlin scheint man, im Gegensatz /i der in Petersburg herrschenden Auffassung, eine baldige Entscheidung für möglich zu halten. „Die russische Flotte, bemerkt die „Nordd. Allg. Ztg.", fährt augenscheinlich in getrennten Verbänden, doch ist auch in dieser Beziehung bis zur Stunde nicht zu übersehen, wie diese im einzelnen zusammengesetzt sind und in welcher Richtung sie sich bewegen/' Die Meldungen lauten sehr widerspruchsvoll. (Während von den meisten anderen Seiten die Meldung, die auf eine Teilung der russischen Flotte hindeutet, bestätigt wird, telegraphiert der Korrespondent der ,Daily Mail" seinem Blatte, zweifellos hätten alle sieben russischen Schlachtschiffe Singapore passirt.) Allzugroß scheint die Begeisterung der Ruffen, für das Vaterland zu sterben, nicht zu sein. Viele Leute sind während des Aufenthalts bei Nossi-Bo flüchtig geworden, acht Hinrichtungen wegen Ungehorsams, sowie vier Degradationen von Offizieren sollen erfolgt sein. Das klingt nicht eben rühmlich, es beweist, daß es an Selbstvertrauen fehlt, der wichtigsten Bedingung für den Erfolg auch im Kriege. Zudem soll der Gesundheitszustand der Besatzung, nach einer Londoner Depesche, in den Tropen schwer gelitten haben. Alles das sind bedenkliche Vorzeichen. Ein Pariser Telegramm aus Shanghai berichtet höchst voreilig über ein bereits am Montag stattgehabtes Seegefecht, bei welchem angeblich 5 bis 7 japanische Kriegsschiffe vernichtet worden seien. Auf der russischen Admiralität aber wurde diese Meldung mit vollstem Recht sehr skeptisch ausgenommen. Nach im Haag eingegangenen Depeschen ist die russische Flotte 10 Meilen nordwestlich von den Anamba- Jnseln an der äußersten Grenze des Archipels vor Anker gegangen. Das niederländische Geschwader erhielt Befehl, sich zur Aufrechthaltung der Neutralität dorthin zu begeben. Der amerikanische Gesandte in Tokio, Griscom, telegraphierte dem Staatsdepartement, er sei davon in Kenntnis gesetzt, daß der Hasen Kelung auf Formosa für frembe Schiffe bis auf weiteres geschlossen sei. Man glaubt hier, dies bedeute, daß Togo Kelung als Flottenbasis benutzen wolle. — Der Chef der amerikanischen Flotte auf der ostasiatischen Station meldete dem Washingtoner Marineamt, daß er den Kreuzer „Raleigh" mit einigen Torpedobootszerstörern nach der Insel Palawan geschickt habe, um die amerikanische Neutralität zu wahren. Es wird erklärt, daß keinem Kriegsschiff der beiden Kriegführenden gestattet sein soll, Hafen auf den Philippinen als Stützpunkte für seine Operationen zu benutzen. Wie viel Rußland die Versorgung der Flotte mit Kohlen kostet. „Raßwet" weist aus das wundersame Faktum hin: während die Japaner für Kardifkohle 28 Schilling für die Tonne mit Zusendung nach Japan zahlen, zahlt Rußland für die Escadre Rosch- djestwenskys 138 Schilling pro Tonnr für die Kohle. — „Warum", fragt die Zeitung, Übervorteilt uns der Lieferant des Marineressorts derartig?" Neue japanische Heeresmaffen. To kio , 11. April. (Reuter.) Japan in dabei, dem russischen 'Plane der Reorganisation der Armee in der Mandschurei durch umfassende Vorbereitungen zu begegnen, indem es die gegenwärtigen Einheiten verdoppeln und stellenwe ise verdreifachen will. Man nimmt an, daß im öerbft die japanischen Streitkräfte über eine Million Mann stark fein werden, einschließlich der tatsächlichen Feldarmee von 700 000 Mann. Die Japaner sind fest davon überzeugt, daß sie Charbin nehmen, besetzt halten und gleichzeitig gegen die Russen im Osten operieren können. Eine Depesche russischer Frauen an den Oberkommandierenden Linewitsch lautet: „Wir russischen Frauen haben bereits viele Opfer gebracht in diesem schweren Krieg. Jeder Mißerfolg schneidet in unser Herz wie mit einem Messer, nimmt uns aber nicht die Hoffnung auf einen grandiosen Erfolg. Wenn die Kinder ein Leid haben, gehen sie zum Papa und klagen. Sie werden von der Armee Vater und Papa genannt. Ach wir kommen in diesen traurigen Zeiten mit Flehen zu Ihnen: Lieber guter alter Papa: Tun Sie Ihr Bestes zur Ehre der Heimat." Atiü tzlM UllO jMch. Gießen, den 12. April 1905. • * 50jähriges Dienstjubiläum. Am 14. d. Mts. blickt der Kgl. Stationseinnehmer und Vorsteher der hiesigen Fahrkartenausgabe Karl Feußner auf eine oüjäbiuje Dienstzeit zurück. Vor 12 Jahren wurde der verdiente Beamte von Kassel hierher nach Gießen versetzt. Herr Feußner ist 71 Jahre alt; er tritt auf seinen Antrag am 1. Juli d. Iß. in den wohlverdienten Ruhestand. ** Rechtsanwalt Ottmar Weidig feiert heute sein oOjähriges Anw al t s j u b i l ä. um. Geboren im Jahre 1833 in Schotten als Sohn des damaligen Landgerichtsassessors Weidig, später Landrichter in Altenschlirf, besuchte der Jubilar das Gymnasium zu Büdingen und studierte dann in Gießen, wo er dem Korps Starkenburgia als Mitglied angehörte, und in Heidelberg. Er wurde nach bestandener Fakultätsprüfung am 12. April 1855 bei dem damaligen Hofgericht der Provinz, Oberhessen als Gerichts- akzessist verpflichtet mtb nachdem er an verschiedenen Gerichten beschäftigt war, am 8. April 1864 unter die Zahl der Advokaten und Prokuratoren beim hiesigen Hofgericht ausgenommen. In den Jahren 1870/71 war er -längere Zeit auf dem Gebiete der freiwilligen Krankenpflege tätig, wofür ihm von Seiner Königlichen Hoheit dem Großherzog das damals neu gestiftete Sanitätskreuz verliehen wurde. Dann war er lange Jahre als erster Hauptmann der städtischen freiwilligen Feuerwehr tätig. Auch hierfür wurde ihm für seine hervorragende Tätigkeit auf diesem Gebiete vor Jahren vom Großherzog das Ritterkreuz Philipps des Großmütigen verliehen. In seinem Beruf ist er stets warm und in uneigennütziger Weise für das Wohl seiner Klienten eingetreten. Infolge seines biederen Charakters und offenen Wesens erfreute er sich in juristischen und Bürgerkreisen stets allgemeiner Achtung und Verehrung. * • Dem Rechtsanwalt Ottmar Weidig ist heute aus Anlaß seines 50 jährigen Dienstjubiläums der Titel Justiz rat verliehen worden. ** Hudde ein dreifacher Mör der! Wie wir aus guter Quelle hören, soll der verbrecherische Metzgergeselle nicht nur den zweiten Mord an seinem Genossen „Willi" verübt, sondern auch nocheinenorittenMen- schen umgebracht haben! Eine auswärtige Staatsanwaltschaft führt nämlich Untersuchung über einen vor etwa Jahresfrist begangenen Mord, wobei auf einen gewissen Hüddemann der Mordverdacht fiel. Da Hudde nun bei seiner Festnahme aus feinen Papieren aus Hudde „Hüddemann" gemacht hat, liegt die Vermutung sehr nahe, daß er auch diesen dritten Mord aus dem Gewissen hat. Heber die Berechtigung dieses neuen starken Verdachts sind Untersuchungen im Gange. — Ein volles, wahrheitsgetreues Geständnis hat der hier in Haft sitzende schwere Verbrecher noch immer nicht abgelegt. Am Anfang der Untersuchung hat man ihn auf eigentümliche Weise zu gewissen Geständnissen bewegen können. Man erinnert sich noch des S ch l o s s e r g e s e l l e n W a l t e r, der als Gefährte Huddes mit diesem ’ gemeinschaftlich Einbrüche verübt hat. Die Frankfurter Presse brachte damals die s a l s ch e N achri ch t, daß dieser Walter Geständnisse abgelegt habe und verurteilt worden sei. Dies entsprach jedoch nicht den Tatsachen. Die hiesige Staatsanwaltschaft benutzte jedoch die Zeitungsartikel, um Hu d d e zu bewegen, auch seinerseits die ihm und Walter zur Last gelegten Straftaten u # u g e b e n. Man stellte ihm unter Vorweisung der falschen Zeitungsartikel vor, daß er durch beharrliches Leugnen gegenüber den Bekundungen seines früheren Gefährten die Ueberzeugung erwecke, daß seine sämtlichen Angabeii unglaubhaft seien. Da ließ er sich zu Geständnissen herbei, die man als Zeugnisse gegen den Schlosser Walter benutzte. Hudde gestand bei diesem Verfahren der Staatsanwaltschaft mehr, als bis dahin bekannt war, u. a. einen Einbruchsdiebstahl, von dem man noch keine Kenntnis hatte. Die beiden Verbrecher, Hudde und Walter, welcher gleichfalls hier in Untersuchungshaft sich befindet, sehen sich beide körperlich ähnlich und haben beide das gleiche, impertinente Äuftreteii. Wie Hudde anfänglich mit Entrüstung jeglichen Verdacht von sich tvies, so entrüstete auch Walter bei feiner ersten Vernehmung sich in frecher Weise: „Was, ich soll das getan haben" u. s. f. Schließlich mußte er aber gestehen. Eine Eigentümlichkeit Huddes ist, daß er Personen und Vorkommnisse, die faktisch existieren, auf andere Verhältnisse zu seinen Gunsten zu übertragen sucht. Damit sieht sich die Untersuchung genötigt, auf immer neue Angaben einzugehen. Die eine Angabe bezügl. des „Genossen Willi" hat bekanntlich zui dem zweiten Mordverdacht geführt. Heber diesen Verdacht erläßt neuerdings der Hntersuchungsrichter in Koblenz folgendes Aus schreib en: „Der am 23. Oktober 1883 zu Mittelstrimmig (am Hunsrück) geborene August Wolfs zuletzt Fabrikarbeiter in Oberhausen, ist am 17. November v. I. von Oberhausen verschwunden. Seine Leiche wurde in stark verwestem Zustande am 25. Februar 1905 in einer Höhle nahe bei M i 11 e l st r i m m i g gefunden. An der Leiche vorgefundene Verletzungen und andere Hmstände lassen darauf schließen, daß an Wolfs ein Raubmord begangen worden ist. Im Verdachte der Täterschaft steht der Metzgergeselle Oskar Hudde aus Schalte. Es ist von großer Wichtigkeit, festzustellen, in welchen Orten Wolfs seit seinem Verschwinden von Oberhausen bis Anfangs Dezember 1904, wo er auf der Landstraße von Treis an der Mosel landeinwärts von einem Zeugen erblickt worden ist, sowie wo er in der Folgezeit etwa noch gesehen worden ist. Der Hntersuchungsrichter ersucht um Mitteilung darüber." * * Konzert. Am Freitag abend gibt der blinde Klavier- Virtuose Albert Menn aus Köln im Neuen Saalbau einen Klavier-Abend. Herr Menn, der seine musikalische Ausbildung an dem Konservatorium zu Köln und der Königl. Hochschule zu Berlin erhalten hat, und am 6. Juli 1904 den von der Firma Rud. Ibach-Sohn Barmen gestifteten Preis für das beste Klavierspiel gewonnen hat, ist in den letzten Wochen mit außerordentlichem Erfolg in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt a. M., Mainz, Mannheim, Wiesbaden 2c. ausgetreten und wird einiges von Beethoven, Brahms, Chopin, Rubinstein, Ruff und Liszt spielen. * * Silberne Hochzeit feierten gestern die Eheleute Metzgermeister Karl Sack II. Die Metzgerinnung, deren Rechner Hr. Sack schon seit Jahren ist, ließ dem Paar ein Diplom und einen Regulator überreichen. ** Das früher Lampussche, jetzt Wiunsche H a u s S e l t e r s w e g 7 5, dessen Verschwinden längst von der ganzen Einwohnerschaft sowohl als auch der ftäbt. Behörde gewünscht wurde, wird nun endlich vom Erdboden verschwinden. Metzgermeister Schreiner erwarb von dem vorderen Baugelände ca. 80—84 Quadratmeter für 16 000 Mark zu seinem ihm gehörigen früher Leoschen Besitztum, während gleichzeitig die Stadt Gießen das in die Bau- flußtlinic fallende Gelände, ca. 14 Quadratmeter a 100 Mark, in ihren Besitz gebracht hat. Herr Schreiner beabsichtigt, an dieser Stelle cm großes Geschäftshaus zu errichten. * * Der Schneid erstreik ist feiner Beendigung noch nicht näher gekommen. D:e Streikenden haben gestern eine Flugschrift erscheinen taffen, mit der sie sich an das Publikum wenden, und so scheint der Lohntampf einstweilen aufs Schärfste fortgeführt zu werden. • • Meldepflicht beim Wohnungswechsel. Daß: Polizeiamt weist in seiner heutiaen Bekanntmachung darauf hin, daß zur Anmeldung der am 1. April zahlreich stattgehabten Wohnungswechsel sowie der Ab- und Zuzüge die vorgeschriebenen Formulare, welche auf dem Polizeiamt sowie bei den Oktroierhebern zu erhalten sind, zu benutzen sind. Weiter wird darauf hingewiesen, daß insbesondere auch bte Schlafstellen, welche an Arbeiter (Italiener) abgegeben werden, alsbald anzumelden sind. Wer seiner Meldepflicht noch nicht nachgekommen ist, möge dies bald tun, um einer Strafanzeige zu entgehen. -§6-Heuchelheim 11. April. Heute wurde ein kleiner Knabe, welcher spazieren ging und dabei durch einen Hund geängstigt, rückwärts lief, von einem mit Kalksteinen beladenen Wagen überfahren. Ein Rad ging dem bedauernswerten Jungen über den rechten Oberschenkel, welcher zwar dem Anscheine nach nicht zerbrochen ist. Durch die erhaltenen schmerzhaften Quetschungen wird der Junge wohl längere Zeit das Bett hüten müssen. -s-Klein-Linden, 10. April. Der Stenographen- verein Gabelsberger veranstaltete am Sonntag bei Gastwirt Helfenbein eine Schlußfeier zu dem ersten Unterrichtskursus. An die Kursusteilnehmer wurden Preise und Diplome verteilt. Den ersten Preis erhielt Hermann Lenz. § Großen-Linden, 11. April. Die feit über einem Jahr zwischen Großen-Linden und Leihgestern schwebende Streitfrage über die Verlegung des hiesigen Bahnhofsgebäudes ist jetzt entschieden. Das neue Gebäude wird vom Bahnkörper westlich, also auf Großen-Lindener Seite, jedoch noch in der Gemarkung Leihgestern errichtet. Diese Gemeinde trägt einen Teil der Kosten. Die Erdarbeiten zur Erweiterung des Bahnhofs sind vollendet, und in aller Kürze soll das neue Empfangsgebäude begonnen werden. Seit dem 1. April ist unsere seitherige Haltestelle in eine Station verwandelt worden. w. Nidda, 11. April. Am Sylvesterabend schickten 2 Kinder des hiesigen ersten Pfarrhauses an General Kuroki nach Japan eine Postkarte mit Rü ckantw ort auf der sie den General zu feinen Erfolgen beglückwünschten. Gestern kam die Antwort zurück. Sie lautet: „Auf dem Kriegsfelde in der Mandschurei, den 20. Februar 1905. Vielen Tank für Ihre freundlichen Zeilen! Es tut mir sehr große Freude, aus Deutschland gratuliert zu werden, denn wir sind ja Schüler der deutschen Taktik und Strategie. Hochachtungsvoll Ihr ergebener Baron Kuroki/ Die Karte, welche fünf japanische Stempel trägt, davon vier in japanischen Bilchstaben, einer mit dem Vermerk Moji, Japan und Maros ist mit fließender deutscher Schrift geschrieben. Die Karte machte den Empfängern große Freude. )( granffurt, 11. April. Bei den Renovierungsarbeiten in der Kirche zu Wenkbach wurden prächtige Gemälde aus der spätgotischen Zeit bloßgelegt. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Das vom Künstlerverein in Frankfurt a. M. gemeinsam mit dem Architektenverein im Rathaus veranstaltete dreitägige Fest ^Altfrankfurter Tage" ergab über 100 000 Mk. Bruttoeinnahme. * Kleine Tageschronik. In Eolombes bei Paris wurde der 74 jährige Koch Planet, der zu Besuch bei seinem vev-, wittweten Bruder, einem Krämer weilte, e r m o r d e t. Die Polizei nimmt an, daß die Täter Einbrecher waren, die von der Anwesenheit des Bruders nichts wußten. Von ihm vermutlich überrascht haben sie ihn umgebracht. Der Verdacht fallt vornehmlich auf ein 19 jähriges Dien st madchen, mit 'dem der ebenfalls schon 70 jährige Krämer ein Liebesverhältniß unterhielt. Landwirtschaft. Ein Fütternngsversuch bei Milchvieh. '20u£. Oberhessen meldet mau uns: Auf Veranlassung des! Deutschen LandwirtschaftsratS wird auf dem Zuchtviehhof Zwiefalten ein interessanter Fütterungsversuch bei Rindvieh vor genommen. Die Wissenschaft stellt nämlich fest, daß eine besonders kräftige Fütterung der Milchtiere einen! erheblichen und wesentlichen Einfluß auf den Fettgehalt der Milch auZübe, während die Praktiker diese Ansicht nicht gelten lassen wollen. In Zwiefalten hat man1 nun 20 Kühe zu Versuchen hingesteM, welche unter Kontrolle des Mistenten der Geschäftsstelle des Provinzial- vereins in verschiedenartiger Weise gefüttert werden. Hierbei wird die Einwirkung der Futtermengen usw. auf den Fettgehalt der Milch festgestellt und durch analytische Feststellungen ermittelt, wer in der für die Landwirtschaft wich- Ligen Frage im Recht ist. Ein moderner Blaubart vor Gericht. Am 2. Verhandlungstag in München gegen Dr. Braun!- stein bekundete der Juwelier Schallmeyer aus München,, an den Dr. Braunstein mehrere Schmuckgegenstände verkauft hat,; daß die Schmuckgegenstände einen Gesamtwerte von etwa 700; Mark hatten. Auch die beiden Trauringe hat der Ange-. Nagte versetzt, ebenso eine der Minna Wege gehörige Damen-^ broschc, sowie sonstige Lchmuckgegenstände, die alle eingeschmolzen! wurden und woraus er sich Manschettenknöpfe Herstellen Die Plaidovers wurden auf Mittwoch früb vertagt. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Donnerstag den 13. April 1905: Vorwiegend heiter, etwas kühler, trocken. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Märkte. ko. Frankfurt a. M., 11. April. 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Der Kaiser stellte den König von Griechenland ä, la suite der deutschen Marine. Ein Ausflug des Kaisers und des Königs sowie der königlichen Familie führte zunächst nach der königlichen Villa Mon Repos, die einen schönen Blick auf die Stadt und die Insel mit ihren mit Zypressen besetzten Hängen und Bergen gestattet. Der Schloßgarten mit seiner herrlichen Vegetation erfreute den Kaiser besonders. Die Fahrt ging dann weiter zum Aussichtspunkte Al Canone. Um 6 Uhr lehrte der Kaiser zurück. Am Abend begab sich der Kaiser au Land und nahm an einem Diner beim König teil. Die mit gut organisierter Filiale in Deutschland sucht la- Vertreter in Gießen und anderen Plätzen, wo nicht vertreten. Offerten unter D. 3757 an Haasensteiu L Vogler, Stadt ist allenthalben prächtig illuminiert; auch die englischen Kriegsschiffe sind prächtig beleuchtet. Der Aufenthalt hier ist bis morgen abend vorgesehen. Port Mahon, 11. April. 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Tie Verhafteten sollen vor ein Kriegsgericht gestellt werden. — Ein hiesiges Blatt berichtet aus Batavia, hier wurde unweit der Küste heftiger Kla^ies^-Abend gibt WFr- blinde Pianist Albert Menn M Mn (Inhaber des Ibach-Preises 1904) im Hotel zum Neuen Saalbau am Freitag, den 14. April, abends 8 Uhr. Eintrittskarten sind zu 3, 2 und 1 Mk. an der Abendkasse zu haben. 02390 Gießener Fischbaus 30. Sonnenstraße 30. Lebende Lahn-Aale, -Hechte, -Backfische, Schellfische, Kab- tiau, Zungen, Schollen u.s.w. zu den billigsten Tagespreisen. Mittwoch und Donnerstag in bestcr Eispackung eintreffend. i E Oelfarben nicht nachklebcnd, — Parkettwachs - ohne Glätte sowie alle sonstigen Artikel zum Anstreichen und Wichsen der Fußboden bei 070 EmäB Arthur Koppel Aktiengesellschaft Jndustriebahnen-Fabriken Düsseldorf Graf Adolsstraße 89 Fabriken in Bochum und Cameu i. 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April. Die Witwe des Kommerzienrats Karl Blanke stiftete 1OOOOO Mk. zu wohltätigen Zwecken. Essen, 12. April. Das Schwurgericht fällte das Urteil in dem Aufruhrprozeß gegen 14 polnische Bergleute, die während des Ausstandes auf der Zeche Prosper"' gegen die Gendarmerie mit Steinwürfen und Nevolverschüssen vorgingen. Vier der Exzedenten wurden freiaesprochen und die übrigen zehn bis zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. a. d. S., 12. April. Em Personenzua entgleiste bei Grauhof. Mer Personen wurden verletzt fionbon, 12. April. Dem „Standard" wird aut Berlin gemeldet: Es bestätigt sich, daß eine deutsche Gesandtschaft unter Leitung des Grasen Tattenbach nach Für Marinekadetten! Fähnriche! Einjährige! ^isaenschaWiiehe Lehranstalt (vorm. Dr. Schrader) KIEL Diisternbroock 44. Gegr. 1868. » ....... Ausführliche Prospekte durch die Direktion. Bisher über 6nn Prii'ünne bpst^ndpn. -______ Geschäfts-Empfehlung. Meinen werten Kunden und Gönnern zur gefl. Nachricht, daß ich mit dem Heutigen ein grosses Schuhwaren-Lager (Zweiggeschäft) Souuenstratze 31 (Ecke Kreuzplatz) eröffnet habe. Es bittet um geneigten Zuspruch 1868 Heinrich Aff. über diesen Vorgang. Paris, 11. April. (Senat.) Lecour-Grandmaison verlangt Verstärkung der Rüstungen unter besserer Ausnutzung der Opferwilligkeit des Landes, "de Cuverville sagt, er glaube, daß die Kriegswahrscheinlichkeit weiterbestehe, und er verlangt, daß Frankreich darauf vorbereitet werde. „Wehe dem Volke", ruft der Redner, „das sich heute Frie- densillusionen hingäbe! Das Erwachen aus diesem Traum -mt' schrecklich sein!" Redner betont, die Herrschaft zur See h nge einzig und allein von den Panzerschiffen ab; er vec angt rasche Ausführung des Flottenprogramms von 1900. Rom, 12. April. Der italienische Flottenbefehlshaber im fernen Osten drahtet, Togo habe seine Flotte g e- teilt. Die Schnellsegler bildeten jetzt ein fliegendes Ge- 'chwader, das den Feind entdecken und sofort angreifen soll. — Die Polizei scheint einem sensationellen V e rbrechen auf der Spur zu sein. Vor einigen Wochen kam in Rom ein reicher Russe, Wladimir v. Smirnow, mit seiner deutschen Maitresse an. Der Russe, ein alter Herr, starb am 13. März plötzlich angeblich an einem Herzleiden, worauf aus Genf eine zweite Maitresse, eine Russin, in Rom erschien. Die beiden Dämchen sollen das Testament des alten Herrn ;u ihren Gunsten gefälscht haben. Auf Veranlassung der in Freiburg wohnenden Familie Smirnows erfolgten die gerichtlichen Schritte, um die Dinge aufzuklären und fest- znstellen, ob nicht ein Giftmord vorliegt. Die Leiche Maassarbeit in eigener Werkstatt. •Möbel! ___ _______ . , , IUUU UCV "7------- Kanonendonner vernommen. Es ist noch nicht aufgeklärt, Korf ob es sich um einen Angriff der Japaner auf die'yHohenz Zstatenfchatz aus Schillers Dramen Zum 9. Mai 1905, dem Tag der 100. Wiederkehr des Todestages des großen Dichters, aus Schillers Dramen der deutschen Jugend und dem deutschen Volke dargeboten von Friedrich Schläger. Duodez-Format, 11 Bogen, in hochfeiner Ausstattung (Empirestil), mit vielen Initialen, Vignetten, Zierleisten, in 2farbigem Druck. Büttenpapier. Soeben ist in meinen: Verlage erschienen: Schillerworte Mainzer ÄHtien-Jier * i/t Fl. 18 Pfg., V2 N. 9 Pfg. 1372 Wiederverkäufe!: erhalten Rabatt. Gotthilf Röhrte, Wen, AcOn Nr. 311. Wirr sic frint HemMimdmi nach Matz Heinrich ICrewe^t Schulstr. 6. vorm. Jul. Fischer, Schulstr. 6. Reichhaltiges Stofflager in modernen deutschen und englischen Fabrikaten sowie echt steierischen wasserdichten Loden. Dg ich als praktisch erfahrener Fachmann mit elegantem Schnitt vertraut bin, bin ich in der Lage, bei billigen Preisen den verwöhntesten Geschmack zu befrieden._____________________2030 Geschäfts-Eröffnung. 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