Nr. 214 •tfgetal WyNch mit Ausnahme bei Sonntag», General-Anzeiger, Amts- und AnzeigebiatL für den Kreis Gichen. UNd IV. M1' Redaktion, Expedition u.Druckerei Schalste. f, Tel. Nr. 6L Lelegr.-Udr. i Anzeiger ©Ufiflh 3. Bei der Einziehung der Einzahlungen auf die Geschäftsanteile die statutarischen Vorschriften genau zu beobachten. „Der Allgemeine Genossenschaftstag empfiehlt den Bau- geiwssenschasten, die Zahl der Vorstandsimtglieder auf drei od.Mvcheg ^lephachr.zi.p, ^7 ärmliches, zuverläs,. Laus, 18 9eiud)t zu zwei Samen, roüen Ludwigsiraße 38L Leer und I otte. — Wie verlautet, war die Beförderung deS Rron* Prinzen zum Major und seine Versetzung in ein Garde- Kavallerie-Regiment zur Homburger Parade bestimmt in Aussicht genommen; auf seinen persönlichen Wunsch jedoch, während des Manövers noch seine Kompagnie führen zu dürfen, ist diese Beförderung bis zum Schluß der Hebungen verschoben worden. Die ßßolera. Der Ausschuß des Reichs-GesundheitSratS für Seuchenbekämpfung ist am 9. d. MtS. im Gesundheitsamte zu einer Beratung über den Stand und die Bekämpfung der Cholera im Deutschen Reiche zusammengetreten. Der Verhandlung, die von dem Präsidenten des Gesundheitsamts Dr. Köhler geleitet wurde, wohnten Kommisiare der nächstbeteiligten Reichs- und preußischen Zentralbehörden bei. Das Referat erstattete der Geh. Medizinalrat, Direktor des Instituts für Infektionskrankheiten in Berlin Prof. Dr. Gaffky, der gemeinschaftlich mit dem Geh. Obermcdizinalrat Professor Dr. Kirchner im Auftrage der preuß. Medizinalverwaltung alsbald nach dem Bekanntwerden des ersten Cholerafalls das zunächst bedrohte Gebiet bereist hatte. Nach seinen Darlegungen kann es als zweifellos gelten, daß die Seuche Mitte des vorigen Monats durch russische Flößer in das preußische Weichselgebiet eingeschleppt worden ist, wenn c§ auch bei dem Mangel weiterer Nachrichten dahingestellt bleiben muß, wo der eigentliche Herd der Seuche zu suchen ist. Alle Fälle lassen sich auf den Stromverkehr zurückführen; sie sind als vereinzelte Infektionen zu betrachten, die Dank dem raschen und tatkräftigen Vorgehen der Behörden überall sofort isoliert wurden und bisher nirgends zur Bildung eines örtlichen Seuchenherdes geführt haben. In gleicher Weife sind die drei Cholerafälle in Hamburg aufzufassen, wohin die Seuche durch einen aus dem Gouvernement Lomsha zugereisten Auswanderer gebracht worden ist. Die zur Absonderung und Pflege der Erkrankten sowie die sonst getroffenen hygienischen Maßregeln, besonders die sorgfältig durchgeführte Ueberwachung der ebengenannten Wasserstraße, bei welcher jedes Fahrzeug mindestens einmal täglich ärztlich kontrolliert wird, lassen annehmen, daß e§ gelungen ist, die Seuche im Entstehen vollständig zu umfassen. Man darf daher zuversichtlich hoffen, daß es zu einer Epidemie nicht kommen wird. Nachdem der Geh. Obermedizinalrat und vortragende Rat im Kultusministerium, Professor Dr. Kirchner, als Korreferent noch des näheren die seuchenpolizeilichen Maßregeln der preußischen Regierung und Hafenarzt Physikus Dr. Nocht aus Hamburg in ähnlicher Weise das Vorgehen der Behörden in Hamburg dargelegt hatten, schloß sich die Versammlung der Auffassung des Referenten in allen Punkten an. Hierauf wurden noch einige besonders wichtige Fragen, wie die Behandlung der auS dem östlichen Europa kommenden Auswanderer, besprochen. Auch hier wurden die von der preußischen Regierung und den hanseatischen Behörden eingeführten Kontrollmaßregeln als wirksam und ausreichend anerkannt. Nach dem „ReichScmz." sind vom 9.—10. September im preußischen Staat 16 choleraverdächtige Erkrankungen und 6 Todesfälle, vom 10.—11. September, mittags, weitere 15 choleraoerdächtige Erkrankungen und 6 Todesfälle an Cholera amtlich gemeldet worden. Von den früher gemeldeten cholera- verdächtigen Erkrankungen sind 9 durch bakteriologische Untersuchung nicht als Cholera festgestellt. Die Gesamtzahl der Cholerafälle beträgt daher bis jetzt 161 Erkrankungen, von denen 58 tätlich endeten. Die Befürchtung, daß sich im Spreewalde in der Gegend von CottbuS und Burg ein Choleraherd gebildet habe, hat sich nicht bestätigt. In 10 Erkrankungsfällen an Brechdurchfall hat die bakteriologische Untersuchung ergeben, daß es sich nicht um Cholera gehandelt hat. Den „Nellen Westpr. Mitteilungen^ zufolge starb ein russischer Flößer im Krankenhause zu Neuenburg (Westpr.) unter Choleraverdacht. Eine au§ Gartowitz, KreiS Schwetz, gebürtige Schnitterin ist gleichfalls unter Choleraverdacht erkrankt. Jn Graudenz wurde bei einem zweijährigen Kinde, bei einem Maschinenpiitzer und bei zwei Arbeitern Cholera bakteriologisch festgestellt; eine Frau und ein aus Kulm zu. 46. Kenoflenschaftstag des A§g. Verbandes der deutschen H:rwe,5s- Wirtschafts-Kenossenschattrn. (Unberechtigter Nachdruck verboten.) L Westerland-Sylt, 10. Sept- zu beschränken. Nach noch längerer Erörterung gelangten die Anträge zur Annahme. Geschäftsanteile. Der Antrag des Gesarntaussckmsses: „Der Mg. Genossenschaftstag empfiehlt den Kreditgenossenschaften mit beschränkter .Haftpflicht dm Geschäftsanteil nicht unter 500 Mk. und die .Haftsumme nicht über dm dreifachen Betrag des Geschäftsantells hinaus festzusetzen" gelangte einstimmig zur Wmahme. Gewährung von Bangelddarleheu. Den folgmden Gegenstand bildete folgender Antrag des Anwalts: „Der Allgemeine Gmossmschaftstag erklärt: Die Gewährung von S^augtfbErcbiten erfordert die Beobachtung großer Vorsicht und kann nur bann für die Kreditgenossenschaften in Frage frmtmen, wenn folgenden Bedingungen genügt $iL eigenen Vermögens der Genossenschaft und der ihr auf lange Frist zur Verfügung stehenden fremden Gelder muß die Pflege dieses Geschäftszweiges unbedenklich erscheinen lassen. RotatianSbnid unb Bering der Brü hl'scheo Untoerfitätsbruderet R. Lange, (Btcfcce. Rädchen ! 9Ute* -Vahnhoijir, 63, £ gängiges Mädchen oder rgsuber gejucht. Sellel-sweq 6L I 2. Der Kreditnehmer muß mit Rücksicht auf seine Persönlichkeit und seine Vermögenslage die Gewähr bieten, daß das geliehene Geld auch tatsächlich zum Bau verwandt und dieser selbst ht steter Forderung zu Emde geführt wird. 3. Die hypothekarische Beleihung des Grundstücks nach Vollendung des Baues muß durch eine Hypothekenbank gesichert sein. 4. Der Kredit muß innerhalb ber von der Hypothekenbank innegeh->ltenen Höchstbeleihungsgrenze liegen. 5. Der Kredit ist durch erste Hypothek und nötigenfalls auch noch in anderer Weise genügend sicher zu stellen. 6. Die Hingabe des Baugeldes hat entsprechend dem Fortschreiten des Baues in Raten zu erfolgen. Zu diesem Zweck ist die Förderung des B^ues durch Sachverständige zu kontrollieren und von ihnen der Wert vor jeder Ratenzahlung abzuschätzen. Vor dem Segen der ersten Balken ist das Gebäude gegen Feuersgefahr mit steigendem Werte zu versichern imb dauernd versichert zu erhalten." Konsumvereine. Rechtsanwalt Schmittberger-München berichtete über die Konsumvereine in den Berichten der Handels- und Handwerkskammern. Ter Verband der mitteldeutschen Handelskammern habe in einer Vollversammlung eine nicht ganz einwandfreie Haltung den Konsumvereinen gegenüber eingenommen. Die Vollversammlung habe den Rückgang des Kleinhandels im Wesentlichen in dem Umstande erblickt, daß der Kleinhandel nicht den Fortschritt der Zeit berücksichtige. Eine von dem bentp' en Handelstag eingesetzte Kommission zur näheren Prüfung ber Ursachen des Rückganges des Kleinhandels habe die Forderung. den Konsumvereinen die Dividenden an ihre Mitglieder zu verbieten, als ungeeignet bezeichnet. ?rQtbe‘t?Ä^ M.ill g,,ud)e u. der rbel. §tau 9h"'u’Voi)|t- aniL Mädchen judjth1- 1 leicht, bürgert HaräL iitl Meldungen ununi' VießenerAnzeigea^ /* aus beferer AmM IW sucht zum 1. eutU lt ernt Mnlr. M Vltyttmb. tzPAvvmchmm. ftaiuion MÄt werden. Zeugnisse zur Lerjügung. Schi. Meid. i30 an den Gieß. Anz. ck. ügelknrsus! Lalltorsiratze 10, H. Zugang durch den Lada. t mittag.«. alt, Bahuhoiilr. 20, L i'U 10000 M auf g Itlyl stehvide L tzyM riitliche Mldungen uiU -ÄÄ ° t)it f * ’$ htMlo. Damen'n. Us L N-M. Send.--'-? IIISSS «s&g ItdÄ* Gesang, iS>& Der Allgemeine Verbund der auf Selbsthilfe beruhenden deut- Mn Erwerbs- und Wirtschafts-Genossenschaften hielt vom 4. bis zum 9. Sept, in unserer St'dt seinen Genossenschaftstag ab. Geschäftsbericht. Der Anwalt, Abg. Dr. Hans Erüger, erstattete den Geschäftsbericht. Die Zahl der Genossenschaften am 1. Januar 1905 betrug 23 338, die Mitgliederzahl 3 430 624. Die wirtschaftlichen Leistungen von 16 419 Genossenschaften betragen nahezu 33/4 Milliarden Mark. Wohl 80. Proz. der Genossenschaften seien Leute von kleinem Einkommen. Wenn gesagt werde, die Kraft des Mittelstandes sei gebrochen, man bedürfe im Mittelstände der Beihilfe des Staates, so liefern die Genossenschaften des Allgemein-Verbandes den Gegenbeweis. Es mache sich eigenartig, wenn die Neuwieder Zentraldarlehnskasse auf das Anwachsen der Geschäfte Hinweise, denn dies sei ihr zum Teil verderblich geworden. Seit langer Zeit sei es allgemein bekannt gewesen, wie die Verhältnisse im Neuwieder Verband unhaltbar geworden, man habe einen Ausweg gesucht und diesen in der sogenannten Vereinigung mit dem Reichsverband gefunden. Das sei auch eine Interessengemeinschaft. Der Neuwieder Verband habe sich ausgelöst: das sei ein verhängnisvoller Schritt für die Neuwieder Zentral-Tarlehnskassc gewesen, aber er habe sich, nicht länger aufschieben lassen. Äls die Kwisis über die Neuwieder Zentral-Darlehnskasse hereinbrach, habe man allgemein geglaubt, daß der Reichsverband infolge der Interessengemeinschaft mit der Preußenkasse abgeschlossen. So befinde sich beim heute fast das gesamte landwirtliche Genossenschaftswesen in Interessengemeinschaft mit dem Staate, unter dessen Direktion und Verantwortung. In Hessen gebe es sogar einen vom Staate angestellten genossenschaftlichen Organisator, der das Genossenschaftswesen bereichert habe mit der Gründung einer „genossenschaftlichen Aktiengesellschaft^. Vor Jahren habe ein Regierungsvertreter auf dem allgemeinen Genossenschaftstage erklärt, die Staatshilfe sei ein notwendiges liebel, bei allen Zuwendungen, die staatlicherseits gemacht würden, wären die Genossen schaftsverbände darauf hingewiesen, daß ihre finanzielle Selbständigkeit das Ziel der Enttvick- lung sein müsse, unb daß sie bestrebt sein müßten, sobald wie möglich von ber Staatshilfe loszukommen. Gerade das Gegenteil sei die F olge der Staatshilfe gewesen. Hätte der Mlgemeine Verband in den 90 er Jahrew den Tanz um das goldene Kalb, den Staatskredit, mitgemacht, so wäre heute das gesamte Genossen- schastswesen unter den Einfluß staatlicher Organe gebracht. Zweifelhaft erscheint es, ob man in den Regierungskreisen heute wirklich Freude an der so gestalteten Lage des Genossenschaftswesens empfinde. Arg zu tadeln sei es, daß "man die Genossenschaften als Triebfeder religiöser Betätigung bezeichne, denen der päpstliche Segen zu erteilen sei. Gegen StaatShilfe. Widerspruch muß erhoben werden, daß der Staat dem bestehenden, auf der Selbsthilfe beruhenden leistungssähigen Verbänden dadurch Konkurrenz schaffe, daß er sta a tl i ch su b - ventionierte Verbände ins Leben rufe und durch die Behörde für diese agitieren lasse. Alle diese Maßregeln stehen im Gegensatz zu den Anerkennungen, die den Schulze-Delitzschen Genossenschaften von den Behörden zu teil werden. Die Konsumvereine. Bedauerlich sei es, daß die Handwerker, die das Genossen- fchaftswesen so dringend bedürfen, den Kampf gegen die Konsumvereine fortsetzen, durch den zweifellos das Aufkommen ber Handwerker-Genossenschaften beeinträchtigt werde. Ebenso bedauerlich sei es, daß die Konsumvereine sich immer mehr zu Arbeiter-Konsumvereinen entwickeln. Es widerspreche dem Grundsatz von Schulze-Delitzsch, daß sich die Genossenschaften auf eine bestimmte Berufsart erstrecken. Noch bedauerlicher sei, in die Konsumvereine die Politik imb Religion zu tragen. Er habe bereits in Kreuznach gesagt: Man betrachte auf sozialdemokratischer Seite die Konsumvereine als Ergänzung zu den Gewerkschaften, letztere als Ergänzung zur sozialdemokratischen Partei. Von den christlichen Gewerkschaften sei die Bildung eines christlichen Konsumvereins ins Leben gerufen worden. Baugenossenschaften. Für die Gestaltung der Baugenossenschaften sei bezeichnend der Ministererlaß vom 14. April 1905, ber dringend zur Vorsicht bei Gründung von Baugenossenschaften mahne. Bedauerlich seien die übertriebenen Angriffe der Hausbesitzer gegen die Baugenossenschaften. Für die Entwicklung des Baugenosien- schaftsweseus sei sehr nachteilig die Zersplitterung der Baugenossenschaften. Wie auf allen Gebieten des Genossenschaftswesens, so müsse man sich vor allem auf dem des Baugenoffen- schaftswesens vor Uebertreibungcn hüten. Dem vorjährigen Frankfurter W 0 hnun gsk 0n gre ff e _nrüffe zum Vorwurf gemacht werden, daß dort die Baugenossenschastssrage vielfach so behandelt wäre, als käme es nur darauf an, die Wohnungsbedürftigen überall zu Genossenschaften zu vereinigen. Eine verkehrte geschäftliche Grundlage mache sich bei den Baugenossenschaften vielleicht noch "nachteiliger bemerkbar,, als bei anderen Genossenschaften. Zu kurz seien auf dem Franffurter Wohnungskongreß die ländlichenBaugenossenschaften gekommen, und doch dürste deren Förderung gerade weitere Streife interessieren. Schlußwort. Der Anwalt schließt seine Rede mit etwa folgenden Worten: Gefährlich zeige sich zuweilen die Befolgung, des Schlagwortes: „Organisiert Euch!" Uebertreibungcn auf dem Gebiete des Genossenschaftswesens, unsolide Entwickelung habe es zur Folge. Das Jahr 1905 sei von besonderer Bedeutung für die Gestaltung des Genossenschaftswesens., es stehe unter dem Zeichen der Interessengemeinschaften, in die sich große Verbände zu einem Staatsinstitilt begeben haben. Niemand werde es den Genossenschaften des Allgemeinen Verbandes verargen, daß sie sich .ihrer Freiheit unb Selbständigkeit erfreuten — der Freiheit, die sie nur zu verdanken haben der treuen Befolgung der Grundsätze Schulze-Delitzsch', der die Genossenschaften gelehrt habe, nicht nur auf Selbsthilfe und Selbstverantwortung zu halten, sondern auch zu wirtschaften, daß sie frei blieben, baß sie nicht der Staatshilfe bedürften. Frei bleibe nur ber, der verstehe, seine Freiheit 8ii gebrauchen. Der Allgemeine Verband befinde sich m freier wirtschaftlicher Unabhängigkeit, und seine Genossenschaften seien bestrebt, sie zu erhalten. Die Schulze-Delitzschen Genossenschaft ten verlangen nicht, unterstützt zu werden, sondern fiir sie sei es Ehrensache, nicht nur im Wappen das Wort „Selbsthilfe zu führen, sondern ihre gesamte Geschäftslührung dem auch anzupassen. Das ist echter und gleichzeitig praftischer Idealismus, den wollen die Schulze-Delitzsck)en Genossenschaften hoch halten zum Wohle des Vaterlandes! (Stürmischer, lang anhaltender Neifaü.) INI erhall, stets gule Llck bei hohem Lohn durch rau vpper, Asterweg 6, st 3« Regelung des Scheckv. ,rö. Der Genossenschaftslag beschäftigte h. danach mit ber Regelung bes Scheckverkehrs. Born Anwalt Dr. Hans Erüger lag hierfür folgender Antrag vor: „Der Allgemeine Genossenschaftstag stimmt den von Herrn Direktor Thorwart für die gesetzliche Regelung des Scheckverkehrs aufgestellten Grundsätzen zu: 1. Der Scheck muß bas Datum bes Ausstellungstages tragen, auf Sicht lauten, sich im Tert selbst als Scheck bezeichnen unb aussprechen, daß er gegen Guthaben des Ausstellers bei dem Bezogenen ausgeschrieben ist. Wie dieses Guthaben gebildet wird, ist Sache ber Vereinbarung bes Ausstellers mit dem Bezogenen 2. Schecks können auf den Inhaber (Ueberbringer) oder auf den Namen einer Person ober Firma ober an deren Ordre ausgestellt werden: letztere müffen gleich Wechseln indossiert werden; dagegen haben Jndossi auf Inhaberschecks keine scheckrechtliche Bedeutung: ein Indosso an den Bezogenen gilt als Quittung. Der Bezogene darf den Scheck nicht weiter indossieren, ihn auch nicht akzeptieren. 3. Mittels Schecks können nur Personen, Firmen und Anstalten bezogen werden, welche Bank- unb Geldgeschäfte gewerbsmäßig betreiben (Bankiers, Banken, ferner Kreditgenossenschaften, öffentliche Sparkassen). 4. Die Schecks sind von dem Bezogenen aus dem Guthaben des Ausstellers in ber Reihenfolge einzulösen, in welcher sie ihm zur Zahlung präsentiert werden. 5. Scheck sind, gleichgiltig ob der Bezogene ben gleichen Wohnort wie der Aussteller ober einen von diesem verschiedenen Wohnort inne hat, binnen fünf Tagen zur Zahlung vorzuzeigen, wobei jedoch der Tag der ^Ausstellung und der Präsentation, sowie Sonn- unb allgemeine Feiertage nicht mitgerechnet werden. Ist der Bezogene Mitglied einer Abrechnungsstelle, so gilt die Einlieferung des Schecks an diese als Präsentation bei dem Bezogenen. 6. Werden auf dem Schek noch Firmen an anderen Orten als an dem Wohnorte des Bezogenen als Zahlstellen genannt, so erhöht sich die zur Wahrung der Regreßrechte des Inhabers gegen Aussteller und Indossenten einzuhaltende Präsentationspflicht um weitere sieben Tage. 7. Gegen Schecks, deren Einlösung von dem Bezogenen verweigert wird, kann Protest am Wohnort des Bezogenen erhoben werden, auf Grund dessen der Inhaber wechselmäßigen, innerhalb dreier Monate geltend zu machenden Regreß gegen seine Vor- männcr unb den Aussteller erwirbt. Er kann den Regreß gegen diese, die ihm solidarisch hasten, nach feiner Wahl geltend machen. 8. Der Widerruf eines Schecks steht dem Aussteller erst nach Ablauf der vorgeschriebenen Präsentationsftist zu. Weder der Tod noch eintretenbe Rechtsunfähigkeit des Ausstellers . ziehen ben Ausschluß bes Widerrufsrechts des Ausstellers nach sich. Dagegen bars der Bezogene Schecks eines Ausstellers nicht ein» lösen, von besten Zahlungseinstellung er Kenntnis erhalten hat. 9. Werden Schecks mit dem Vermerk „Nur zur Verrechnung" oder einem ähnlichen Vermerk versehen, so wirb damit deren Bareinlösung an den Inhaber ausgeschlossen, ihre Einlösung kann vielmehr nur von einer Abrechnungsstelle, deren Mitglied der Bezogene ist, ober von bemienigen verlangt werden, ber bei bem Bezogenen gleichfalls ein Scheckkonto unterhält. 10. Schecks dürfen weder mit einem Reichsstempel noch mit Landesstempeln belegt werden. 11. Schecks, bei deren Ausstellung gegen die unter 1, 2 Und 3 genannten Vorschriften verstoßen wirb, genießen nicht die Wohltaten des Scheckgesetzes." Beschlußfassung. Nach längerer Besprechung wurde beschlossen: „Der Allgemeine Genossenschaftstag nimmt Kenntnis von der durch Herrn Thorwart zur Regelung des Scheckverkehrs ausgestellten, heute amenbierten Grundsätzen und erklärt sie für eine geeignete Grundlage eine? zu erlassenden Gesetzes." Wahl dos Orteö des nächsten GenosseuschaftStages. Auf Einladung des Berbandsdirektors, Justftrats Dr. Hamier- K'assel wurde als Ort für ben nächsten Genossenschaftstag Kas fei gewählt. Errichtung von Sterbekassen. Verbandsdirektor Kürz-Stettin befürtoortete folgenden Antrag: „Der allgemeine Genossenschaftstag spricht sich gegen die Errichtung von Sterbekassen für die Mitglieder der Genossenschaften aus unb empfiehlt die Auflösung der vorhandenen Sterbe- (Hilfs-) Kassen." Nach kurzer Besprechung gelangte der Anttag zur Annahme. Baugcnoffenschafteu. Es lagen folgende Anträge des Gesamtausschusses, bezw. des Anwalts vor: I. „Der Allgemeine Genossenschaftstag empfiehlt, die Gründung von Baugenossenschaften für gewerbl. Arbeiter nur an solchen Orten vorzunehmen, an denen folgende Voraussetzungen zutreffen : 1. Offenbarer Mangel an Kleinwohnungen, 2. eine Industrie, die sich auf verschiedenen Gebieten bewegt, 3. eine genügende Anzahl gut gelohnter Arbeiter, 4. eine geeignete Person zur Besetzung ber Vereinsorgane". II. „Der Mlgemeine Genossenschaftstag empfiehlt den Baugenossenschaften, Kreditgeschäfte nickt in den Kreis ihrer Tätigkeit hineinzuziehen." III. „Der Allgemeine Genossenschaftstag empfiehlt den Baugenossen- schaften zur Stärkung ihres Betriebskapitals: 1. Die Ausgabe von auf den Namen lautenden, unkündbaren Sckuldve^chreibungen. 2. Bei ber Bemessung des Geschäftsanteils die Herstellungskosten ber VereinAwohnungen in Rücksicht zu ziehen: es soll der Geschäftsanteil etwa ein Zehntel der Herstellungskosten einer Wohnung betragen, wobei als Mindestsatz für ben Geschäftsanteil der Betrag von 200 Mark crnzu- nehmen ist. * äte, nchemnädcheii |Cj' öuverläjp^* öcrmgdcüeiL i) Hausarbeit Übernimmt cä£hS|uiS Zweites Blatt. 1S5. Jahrgang Dienstag 1Ä. September 1905 IM -etetim« framentiatter“ «-erben ->-m W 4^^ „Anzeiger viermal wöchentlich detgelegt. Der NN W N WM A H g 8 A J .) öT U rA Ä »Yilfilch« tanörolrf erscheint monatlich einmal W V Sg VB’rVV 'v'V M V V gewanderter Arbeiter sind choleraverdächtig erkrankt. In Niederaußmaaß wurde bei einem dreijährigen Kinde, daS verstorben ist, Cholera amtlich festgestcllt. In Kurzebrack sind zwei weitere Kinder deS Fährmannes Beier unter choleraverdächtigen Erscheinungen erkrankt, ebenso in Jesewitz zwei Kinder einer dort an Cholera verstorbenen Fischerfrau. Bei der seit dein 4. September unter Beobachtung stehenden Buhnenarbeitertochter in Kulm wurden Cholavibrioncn festgestellt. Wegen Cholcragefahr sind 50 0 Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften der Eisenbahn-Brigade unter Beobachtung gestellt worden. Die Vorsichtsmaßregel hängt mit der Erkrankung eines Pioniers unter cholcravcrdächtigen Erscheinungen zusammen. Zwei Kompagnien der Eisenbahn-Brigade waren nach Thorn dirigiert worden, wo sich der Krankheitsfall ereignete. Der Ulan Manbreh vom 4. Ulanen-Regiment in Thorn, der mit anderen Ulanen in der Artillerie- Kaserne zu Graudenz cinquartiert war, ist, wie amtlich festgestellt, auch an Cholera erkrankt. In Marienburg wurde ein, in Heubuden zwei neue cholcraverdächtige Fälle fcstgestcllt. Die „Ostd. Rundschau" meldet über den Stand der Cholera im Brombergcr Bezirk: Erkrankt sind in Czarnikau ein Flößer, in Labischin ein Schifferknecht und ein Fischer. Ferner sind an Cholera gestorben: Ein Eigentümer in Schönlanke und ein Kind des Eigentümers Kroll in Dratzig. Bei zwei Strafgefangenen, einem Weichensteller und einem KanalisationLurbeiter m Gnesen, sowie bei einem Manne in Stieglitz (Kreis Czarnikau), die unter choleraverdächtigen Erscheinungen erkrankt sind, nnirbc die Cholera nicht fest- gestellt. Endlich ist an Cholera in Brahernünde ein 2 x/2 e jähriges Kind, in Rakel ein Arbeiter, in Usch eine Ortsarme gestorben. Im Regierungsbezirk Bromberg sind bis jetzt im ganzen 33 Fälle vorgekommen, davon sind 18 tätlich verlaufen. Auf Anordnung beS Ministers hat der Staatskommissar für die Bekämpfung der Cholera int Weichselgebiet angeordnet, daß zur teilweisen Deckung der Kosten für die Ueberwachung de8 Stromverkehrs von Schiffern und Flößern bei Heber» schreitung der Grenze in Schillno eine Gebühr erhoben werde. In einem Gasthause in Soldau (Ostpr.) ist ein Reisender und in Pictupönen bei Tilsit ein Arbeiter unter cholera- verdächtigen Erscheinungen erkrankt. 9(ii§ Berlin wird gemeldet: Unter choleraverdächtigen Umständen ist ein Arbeiter aus dem Vororte Lichtenberg erkrankt und nach der Cholera-Baracke in Moabit überführt worden. Aus dem Regierungsbezirk Frankfurt a. O. wird gemeldet, daß sich die Zahl der an Cholera Erkrankten um zwei vermehrt hat. Es handelt sich um einen Flößer in ChristianSau und einen Fall in Groß-Giesenau. AuS Hamburg wird mitgeteilt, daß weitere Cholera- Erkrankungen dort nicht vorgekommen sind. Die im Kranken- bause noch in Behandlung befindliche Cholerakranke geht der Genesung entgegen. Im Dorfe Wysock (Polen) ist ein Flößer an Cholera erkrankt, der auS Preußen zurückgekehrt war und gestorben. Kurz darauf erkrankten viele Bewohner des Dorfes ebenfalls an Cholera, von denen 8 der Seuche erlagen. Aus StuSk and Kau-. Gießen, 12. September. ** Personalien G: .K. H. der Großherzog haben dem Pfarrer Paul zu Lingelbach die evangelische Pfarrstelle zu Seligenstadt übertragen. — Bestätigt wurde der von dem Grafen zu Erbach-Erbach auf die erledigte Lehrerstelle an der Gemeindeschulc zu Ebersberg, im Kreise Erbach, präsentierte Schulamtsaspirant Krapp aus Langstadt, im Kreise Dieburg, für diese Stelle. — Ucbcrtragen wurde dem Schullehrer- Weiß zu Klein-Gerau eine Lehrerstelle au der Gemeindeschule zu Groß-Gerau; den Schulamtsaspiranten Lemb auS Klein-Winternheim und Zahn aus LonSheim Lehrerstellen an der Gemeindeschule zu Bürstadt. — In den Ruhestand versetzt wurde der Bahnwärter in der Hess.-Preuß. Eisenbahngemeinschaft Post zu Salzschlirf. •* S. K. H. der Groß Herzog wird Ende dieses ober Anfang nächsten Monats im Schlosse zu Romrod Wohnung nehmen und in seinen ausgedehnten Waldungen Jagden veranstalten, an denen auch hohe Gäste und Fürstlichkeiten teil» nehmen werden. ' Kunst verein für das G ro ßhe rz o gtu m Hessen. Der Rechenschafts-Bericht des Ausschrisscs deS Kunstvereins für das Jahr 1904 erwähnt, daß die Gesamtzahl der ausgestellten Kunstwerke 808 Oelgemälde, 79 Aquarelle und Pastelle, 133 Zeichnungen :c., 67 Radierungen re. und 26 Werke der Plastik betrug. In Gießen waren ausgestellt: 516 Oelgemälde, 74 Aquarelle und Pastelle, 17 Temperagemälde, 95 Zeichnungen, Lithographien?c., 3 Werke der Plastik. — Zum VereinSblatt für 1904 wurde die Radierung „Schwerer Dienst" von Professor Philivp Franck gewählt und satzungSgemäß an die außerhalb Darmstadts wohnenden Mitglieder deS Kunstvereins verteilt. — Der Voranschlag für daS Jahr 1905 verzeichnet in Einnahmen und Ausgaben 17 700 Mk. •• Das Verordnungsblatt für die evangelische Landeskirche des Großherzogtums Hessen enthält in der Rr. 11 ein Ausschreiben des Großh. Oberkonsistoriums an die evangelischen Dekane und Pfarrämter vorn 12. August 1905, worin die Aufmerksamkeit der Geistlichen auf die Fürsorge a rb eit an entlassenen Gefangenen gelenkt wird und ihnen besondere Anleitungen in dieser Beziehung gegeben werden. ** Bayern und die hessischen Landarmen- ocrbände. Das Königreich Bayern nimmt bekanntlich seit dem Jahre 1871 insofern eine 'Ausnahmestellung ein, als cs Personen uichtbaycrischer Herkunft die Erwerbung des Unterstützungswohnsitzes versagt. Infolgedessen werden alljährlich zahlreiche Personett aus Bayern ausgewicsett und den hessischen Lattdarmenverbänden überwiesen, auch wenn sie in Hessen keinen Unter st ützungS Wohnsitz besaßen- Rach dem Gothaer Vertrag haben dann die Grenzkreise die Armenunterstützung zu leisten. Welche Lasten bi? sieben an oder nahe der bayerischen Grenze liegenden Kreise dadurch haben, ergibt sich aus folgenden Zahlen. In den Jahren 1900 bis 1902 betrugen bte Kosten dieser Art im Kreise Bensheim 5542 Mk., Erbach 5313 Mk., Heppenheim 18 052 Mk., Offenbach 2313 Mk., Dieburg 5600 Mk., Wortns 3007 Mk., A'lzey 1283 Mk., zusammen 41110 Mk., während das Jünere des Landes oder von Preußen begrenzte Kreise zusammen nur 14 606 Mk. aufgebracht haben. Die hessische Regierung plant zur Ausgleichung dieser verhältnismäßig stärkeren Belastung der Grenzkreisc einen Gesetzentwurf, in welchem künftig den betreffenden Kreisen auS Staats- mitteltl die vollen Beträge ersetzt werden sollen, die für aus Bayern übernommene Unterstützungsbedürftige verausgabt würden. Gleichzeitig soll noch eine Ungleichheit ausgeglichen werden. Diese besteht darin, daß diejenigen Kreise, in deren Bezirk eine Irrenanstalt liegt, für Ver- pflegting oder Unterstützung der in der Anstalt ausgcnom- menen oder aus ihr entlassenen Geisteskranken Ausgaben machen müssen, zu deren Erstattung sie nickt verpflichtet wären, wenn sich die Anstalt in einem anderen Bezirke befände, z. V. von Fällen, wenn Geisteskranke, die keinen Untcrstützungswohnsit. haben, während des Aufeu! Halts in der Anstalt hilfsbedürftig würden- Auch für diese Kosten soll nach der Regierungsvorlage^ künftig voller Ersatz aus der Staatskasse geleistet werden. Bad-Nauheim, 12. Sept. Folgende Unterhaltungen werden in dieser Woche stattfindcn: Dienstag nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Knr- lapellc. Abends int Saale musikalische Soiree von Solisten der Kurkapelle unter Mittvirkung von Frau Halltvachs-Zerny aus Kassel. Mittwoch nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends int Saale Theater- Vorstellung: „Die versunkene Glocke." Gastspiel von Frl. Lily Doneckcr vom Hostheater in Mannheim. Donnerstag nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Ktirkapelle. 9(bcnb§ im Saale Tanz. Freitag nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Ktirkapelle. Abends im Saale Theater-Vorstellung: „Die große Leidenschaft." Samstag nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kttrkapelle. Abends im Saale Theater - Vorstellung: „Telephongehcimnissc." Sonntag bei gutem Wetter abends halb 9 Uhr: Feucrtverk vor der Terrasse und Parkbeleuchtttng. § Eschenrod, 9. Sept. Heute ereignete sich hier ein Unfall. Ein Dienstknecht des Gutsbesitzers R. Fischer zu Hof Zwiefalten kam mit einem schwer beladenen Wagen Steinkohlen von Schotten. An einer abschüssigen Stelle der Straße gingen die Pferde durch, tvobei der Ftthrmann unter den Wagen kam und getötet wurde. Matt fand den entseelten Körper an der Straße. ? Vom oberen Vogelsberge, 11. Sept. In einer Forstwartei wurden in diesem Frühjahr ca. 120 hessische Normalmorgcn (meist Oedungen und schlechte Wiesen) mit Fichten aufgeforstet. DaS Gelände wurde fast durchweg von Privaten an den ForstsiSkus zu einem guten Preise verkauft. Darmstadt, 11. Sept. Von Sr. Königl. Hoheit deut Großhcrzog mar deut Schüler des Großh. Realgymnasiums zu Darmstadt Jakob Kraft in Anerkennung der von ihm mit Mut und Entschlossenheit, sowie unter eigener Lebensgefahr ausgeführten Rettung dcS Kammachers Friedrich Gaßner zu Babenhausen vom Tode des Ertrinkens die Rettungsmedaille verliehen worden. Der Direktor der Anstalt überreichte am 7. dS. vor den versammelten Schülern der Klassen Oberprima bis Obertertia dem Dekorierten feierlich die ihm zuerkannte Medaille. f Bensheim, 10. Sept. S. K. H. Prinz Eitel Friedrich traf heilte nachmittag in Begleitung seines Adjutanten mit dem fahrplanmäßigen Schnellzuge 4 Uhr 6 Min., von Homburg kommend, hier ein und begab sich zum Be- siiche der fürstlichen Familie nach Schönberg. Mit dem Schnellzug 10 Uhr 8 Min., der jedoch eine zirka halbstündige Verspätung von Heidelberg brachte, wurde am 9(benb die Rückreise angetreten. Leider war das Kommen des hohen Gastes vorher nicht bekannt gegeben worden. d. Mainz, 11. Sept. Gestern nachmittag sprang am Feldbergtor der verheiratete 43jährige Schmied Jos. Nirn es von hier in den Rhein. Einem Arbeiter gelang es, im letzten Moment den Selbstmordkandidaten vom Ertrinken zu retten. Der Lebensmüde, der schon viele Jahre in der Gastell'schen Waggonfabrik in Mombach arbeitete, wurde ins Hospital verbracht; dort erklärte er, er werde sich doch daS Leben nehmen. N. ist mit einer früheren Kellnerin verheiratet und besitzt zwei Kinder. Der lüderliche Lebenswandel seiner Frau veranlaßte ihn, sich von derselben zu trennen, die Kinder sind in seinem Besitz. Am 20. September findet Termin zur Ehescheidung statt. Die [(einen Kinder hatten bisher dem Manne viel Last bereitet; er wurde schließlich zum Trinker. Um seinen Niißlichen Verhältnissen au§ dem Wege zu gehen, faßte er den Entschluß, sich das Leben zu nehmen. Mainz, 9. Sept. Auf dem Terrain der Mannheimer Zementwerke bei Weisenau wurde vor einiger Zeit ein Amph orenhenkel aufgefunden, der den Stempel der süd- spanischeu Stadt Italica trug. Durch diese Bezeichnung wlirdc der Nachweis erbracht, daß die Weine, die man zur römischen Zeit in Mainz getrunken, zum Teil au§ Spanien kamen. Es ist das der erste Stempel dieser Art in Deutschland. — Seit einiger Zeit machte ein elegant gekleideter Mensch die Stadt unsicher. Er gab sich als ehemaliger Rittmeister aus, der von hiesigen Offizieren Unterstützung bekomme und eine Erbschaft zu erwarten hätte. Ailf diesen Schwindel fielen and) manche herein, die ihm bare Darlehen gaben und Wohnung und Verköstigung auf Kredit gewährten. Als ihm jetzt der Boden zil heiß und die Schulden zu groß geworden waren, brannte er durch und wird jetzt von der Polizei gesucht. d. Mainz, 12. Sept. Die Beerdigung deS Oberbürgermeisters Dr. Gaßner fand gestern nachmittag unter ungeheurer Beteiligung der gesamten Bevölkerung statt. Dabei hatten Tauseiide und Abertaiisende von Zuschauern die Straßen, die der Leichenzug berührte, dicht besetzt. Bis zii den Toren des Friedhofes hatte die Bevölkerung von Mainz Spalier gebildet. Der Großherzog hatte einen prachtvollen Kranz mit Widmung an der Bahre niederlegen lassen. Voraus dem Leichenzuge gingen fast sämtliche Vereine der Stadt mit ihren Fahnen, wir zählten deren 60. Hinter dem Sarge folgten die beiden Söhne des Verstorbenen und die Verwandten, ihnen folgten Staatsmimster Rolhe, Flügeladjutant Generalmajor v. Wachter, Oberhofiuarschall ü. Westerweller, Dberflallmeiiter v. Riedesel, Ministerialrat Geheimrat Braun, Geheimerat Freiherr v. Gagern, die Bürgermeistec und Beigeordneten, sowie die Stadtverordneten; von auswärts der Oberbürgermeister von Mannheim, Stadtrat Dr. Flesch-Frankfurt, Bürgermeister Heß-Wiesbaden und der Bürgermeister von Biebrich, Offiziere und zahlreiche Bürger und Beamten. Der städtische Bläserchor spielte einen Trauermarsch, als der Sarg in den Vorhof des Friedhofes getragen wurde; hierauf fang die „Mainzer Liedertafel" „Es ist bestimmt in Gottes Rat" von Mendelssohn, worauf die Einsegnung der Leiche erfolgte. Bürgermeister Dr. Göttelmann widmete bann dem Oberbürgermeister einen tiefempfundenen Nachruf, namens der Bürgermeisterei und der Stadtverordneten legte er zwei mächtige Kränze nieder. Der greife Stadtverordnete und Professor Schlenger sprach sodann mit tränenerstickter Stimme namens der Stadtverordneten, ihm folgte Geheimerat Michel namens der Handelskammer, Provinzialdirektor v. Gagern im Namen des Kreises und der Provinz, Staatsminister Rothe als persönlicher Freund des Verstorbenen, Landgerichtspräsident Dr. Hangen, Finanzrat Walther namens der städtischen Beamten, Oberlehrer Stenner für die Volksschullehrer und Lehrerinnen, Geheimerat Dr. Strecker namens der „Liedertafel", Landtagsabg. Molthan im Namen des Vereins Mainzer Kaufleute, Direktor Prof. Römheld im Namen der höheren Mädchenschule, Bürgermeister Heß-Wies- baben namens biefer Gemeinde, Dr. Flesch namens deS Magistrats Frankfurt und des Verbandes der Gewerbegerichte; es folgten die Innungen, die städtischen Arbeiter, Gescmg- und Turnvereine rc., sie alle legten Kränze unter entsprechenden Widmungsworten nieder. Zum Schluffe trug der Mainzer Sängerbund „Ruhe sanft" von Orth vor, womit die öffentliche Trauerfeier nach zwei Stunden beendet war. Es folgte bann sofort auf dem Friedhöfe die Beisetzung der Leiche. Mainz hat eine derartige Leichenfeier noch niemals gesehen; sie legte aber Zeugnis davon ab, welch großer Beliebtheit sich Oberbürgermeister Dr. Gaßner in allen Kreisen der Bevölkerung erfreute. Mombach (bei Mainz), 9. Sept. Gestern mittag ereignete sich hier ein schwerer Unglücksfall, dem das Leben eines Kindes zum Opfer fiel. In der Wohnung deS Jakob Peitz in der Backmühlstraße sahen die zwei Kinder von 5 unb 3 Jahren ihrer Mutter zu, wie sie Holz zum Trocknen in den Backofen legte. Als die Mutter dann fortging, um ihrem Manne das Essen zu bringen, steckten die Kinder ebenfalls Holz in den Ofen, wodurch sich jedoch ein solcher Qualm entwickelte, daß der 5 Jahre alte Peter den Erstickungstod erlitt. Das andere Kind wurde von Nachbarn gerettet, die durch den Geruch aufmerksam geworden waren. (M. Tgbl.) Worms, 8. Sept. Die von der hiesigen Stadtver- ordneten-Versammlung vor einigen Monaten getroffene Bestimmung, daß die Stadtkasse bei Minder- und Mittel- begüterten die Kosten der Wohnungs-Desinfektion bei ansteckenden Krankheiten übernimmt, ist vom Staate genehmigt worden und tritt jetzt in Kraft. Nach dieser neuen Polizeiverordnung können selbst die Steuerpflichtigen 2. Abteilung (Einkommen unter 2600 Mk.) von der Zahlung der Desinfektionskosten befreit werden, wenn besondere Gründe hierfür vorliegen. Wiesbaden, 11- Sept. Zu dem Ende d. M. hier ftattfinbenben Parteitag ber Freisinnigen Bolk Partei sinb gewählt worben für den Reichswahlkreis A l s f c 1 b - Lauterbach-Schotten als Delegierte Land- tagsabgcorbnctcr unb Rechtsanwalt Reh, Fabrikant K- Borck, als Stellvertreter Fabrikant Karl Walbeck unb Hotelier ©unbrum, sämtlich zu Alsfelb; für ben Reichswahb, kreis A l z e y - B i n g c n Lederhänbler Fritz Wolf-Alzey und, Hanbelskammersynbikus K- W. Mal) in Bingen. öermifdptes» * DaS Sanatorium der Millionäre. Eines dec berühmtesten Sanatorien Deutschlands beschäftigt sich sehr erfolgreich mit Entfettungskuren. Das Verfahren kann als ebenso einfach als sinnig bezeichnet werden. Der Leiter dec Kuranstalt, Professor D., berechnet pro Person und Tag 40 Mark. Darüber grämt sich der Patient dermaßen, daß er sichtlich abmagert. * Familiäres vom Hofe. A.: Sagen Sie mal, ist das wahr, ich habe da gelesen, daß der Kaiser den Fürste» Bülow duzt? — B.: Es muß wohl richtig sein. Neulich traf ich den Reichskanzler, da sah er noch ganz verduzt aus. * Das neue Palais. Kommerzienrat: Hören Sie mal, Herr Baumeister, Sie haben mir gesagt, Sie werden mir in meine Villa einen Tanzsaal für zweihundert Personen hineinbauen, — nit was ist das für ein Saal — hier können sich doch höchstens dreißig Menschen herumdrehen! — Architekt: Ereifern Sie sich nur nicht! In diesem Saal können sogae bequem fünfhundert Personen tanzen — natürlich nicht auf einmal! • Ein Schlauberger. Beim Stadtrat ist das Nacht- offen — zwei Bratwürste mit Kartoffeln in der Schale auf* getragen. Während die Frau Rätin noch im Nebenzimmer zu tun hat und ihr Mann eben die Serviette umbindet, kommt die Katze angeschlichen, springt auf den Tisch unb führt eine von den Würsten au5. — Der Rat (vom Stuhl auffahrend): Frau, Frau, die Katz frißt deine Wurst! * Der Gescheitere. Als der Oberst R. während einer Gefechtsübung, begleitet von seinem Adjutanten, übe: einen schmalen Damm reitet, der durch eine nasse Wiese führt, kommt ihm von der anderen Seite eine Anzahl Kühe entgegen. Die vorderste, ein besonders unvernünftiges Vieh, bleibt wenige Schritte vor ihm, mitten auf dem Wege stehen und scheint entschlossen, den Engpaß wie Leonidas auf alle Fälle zu verteidigen. Kein Zureden, fein Drohen hilft, fein Hirt ist in der Nähe, der helfen fann. Endlich sagt ber Oberst resigniert zu seinem Adjutanten: „Ja, da wird wohl nichts helfen, wir müssen schon fehrt machen und anderwärts durchzufommen versuchen. Der Gescheitere gibt nach I * In diesem Augenblick sehen beide zu ihrem Erstaunen, wie die Kuh kurz fehrt macht und in langen Sätzen, gefolgt von den übrigen, davonläuft. Klei n e T a q e 8 ch ro n i k. In Nieder-Wiltz (Luxem- bürg) bat ein etwa 1'/, Minuten mährender Wirbelwind furchtbare Verwüstung angerichtet. Die Obsternte ist vernichtet, die Kirche und der größte Teil der Häuser sind beschädigt, zwei Gebäude sind eingestürzt, zwei Personen lebcnsgesährlich verletzt. — Am Samstag nachmittag strandete bei- Dampfet- ..Venizia" an< Bergen bei der Insel F a n o e. Die Besatzung rettete sich in ein Boot, das ober kenterte. Der Kapitän, feine Fran und zehn Manu htes. Millionäre. Eine? bei nd? beschäftigt sich sehr ec- Das Verfahren kann alS ft werden. Der Leiter^du net pro Person und >ec Patient demaßen, da; A.: S-Ü-» ®! “J ,odl richtig fein. nn°chg""-°^j--u *■* »»*755 • Batist d°S VB' artoßeln'n d !ähn ■"Igelte uinbindl- en die S-w'eM urJ 'Ü f"6t Ai *' i-fSSwÄ ;paß J. a\rohen hE> h ff Vich .tonten'- rC unb onj Der Kcsch g önnen, •'■ -'WM ;Öfif <■ Don au§. i”s'sle =*$«?" KM l§i°bn, 1D 'st be, ■'*ta ®t ta."6”1- " «in«n ti [„ £***•*, ’M («bann’ .'M ,to,t«rbn,t„, M iiiib'Ä“*1’ : kennet tü x ?en§ erat Dr (sf?!e ^°»s. *n‘imtCnQ^n? fe*' «Mta nb,S bet ®,»"’.”'"8 d" ? * taä bet ««in,er V - womit die öffent. beendet war. Es u., “ N«6ung bet Leich,, "J? ra™"ls g-Iehen, ."’M 9* beliebt» i m QÖen Kreisen der Be« . Astern mittag er. uckssall, dem das Leben der Wohnung des Jakob m d>e zwei Kinder von ^ f-e polz zum Tropen I ‘Utter dann fortging, um ' 1 steckten die Kinder eben« jedoch ein solcher Qualm 'tot den Erstickungstod )on Nachbarn gerettet, die orden waren. (M. Tgbl.> an der hiesigen Stadtver., n Monaten getroffene Be. i bei Minder« und Mittel. (nungs-Desinsektion mmt, ist vom Staate ge- Kraft. Nach dieser neuen ie Steuerpflichtigen 2. 86- Jlt) von der Zahlung her , wenn besondere i bem Qnbe d. K. hi« reifinnigen VoN^> iir den Reichswahlkeis^ Un o.tiWolkrto2snb- MW®“1 K- Berch Mt Mdeck Md Hotelier !■ für den Reichsvahl, idler Fritz Wolf-Azey unb Nay in Bingen. ILniversttäts-Machrlchten. Lü tt i ch , 8. Sept. £er internationale Studenten» kongreß beendete heute seine Arbeiten. Es wurden u.a. folgende Anträge angenommen: 1. Organisation von Fried enspropa- ganda. 2.Gründung von Friedensklubs an den verschiedenen Universitäten. 3. Gründung von Versicherungen auf Gegenseitigkeit und Unterstützungskassen für Städte, in denen derartige Organisationen sich befinden. 4. Gleichstellung der Studierenden beiderlei Geschlechts. Die nächste Sitzung im Jahre 1906 findet in Bukarest statt. Krrrill itnb Wissenschaft. Budapest, 9. Sept. Der internationale Veterinärkongrest wurde beute geschlossen. Ter nächste Kongreß findet im Jahre 1909 im Haag statt. — „D i e Schau b ü h n c" , herausgegeben von Siegfried Jaeobsobn, enthält in ihrer ersten 9himmer vom 7. September: ^um Geleit. - Oedipus. Von Hugo von Hoirnannsthal. — Dramatischer Nachwuchs. Von I. Bab. I. — Berliner Theater. Von L. I — Berlins zweite Oper. Von G. Stoltenberg. — Voll- moeller. Von S. Lublinski. — Berliner Theaterkruikcr. I. Garden. Von I. Theodor. — Die Krähen. Von Rudolf Rittner. — Edward Gordon Eraig. Von G. Altman. — Rundschau.--„Die Schaubühne", Wochenschrift für alle künstlerischen Bestrebungen des Dramas, des Theaters und der Oper, erscheint jeden Donnerstag im Um'ang von 24-32 Seiten und kostet: die Einzelnummer 20 Ptg., vierteljährlich 2 Mk. — In Schneiders Kunstsalon zu Frankfurt a. Main, Rostmarkt 23, findet z. Zt. eine "Ausstellung deS Vereins Düsseldorfer Künstler statt. Zu den Ausstellern gehören: Graf v. Brühl, Ed. von Gebhardt, Ehr. Kröner, H. Petersen-Angeln u. A. m. Ferner find unter den Ausstellern vertreten: Prof. Dr. Hans Thoma, Ludwig Dill, A. Hengeler, W. Leibl, Gustav Schönleber, Franz Stuck, Arnold Böcklin, Anton Burger, F. A. von Kaulbach, Franz von Lenbach, G. Segantini, Benj. Vautier und H. Zügel. Gingesandt. (Für Form und Inh- Rubrik stehenden HrtiM übernimmt die Redakt d-n Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gießen, 9. September. Bei der Kaiserparade in Homburg war es hoch anzuerkennen, daß das Präsidium des Landesverbandes hessischer Kriegervereine so gut dafür gesorgt hatte, daß seine Mitglieder teilnehrneu konnten. Daß diese Teilnehmer nach der Begrüßung und der Aufstellung ausgebrochen sind, um möglichst viel von dem Vorbeimarsch der Regimenter zu sehen, kann man nur für eine Folge der Behandlungsweise während der Aufstelluna halten. Durch die Ausdrücke „Zigarren aus dem MaulI* „Regenschirm weg, ich muß meinen guten Rock auch naß werden lassen" nsw., durch die Art und Weise, wie seitens eines Präsidialmitgliedes die Richtung in den Gliedern hergestellt werden sollte und durch Anschnauzen vor der Front hat es freilich nur humoristische Antworten und Bravos gegeben, die alle Disziplin aufgelöst haben, so daß auch die Beinerkuiig des Koniinandierenden: „Gediente Soldaten wollt ihr sein? eine Herde seid i b r le nichts mehr gut machte. Man sollte doch bei einer solchen Gelegenheit allen in den Reihen vertretenen Ständen Rechnung tragen. Einer für Viele. Mädchen, zu drei Jahren Zuchthaus und sprach ihm die bürgerlichen Ehrenrechte auf 10 Jahre ab. — Recht erhebliche aber gerechte Strafen wurden zwei Handwerksburschen zuteil, die in vandalischer Weise zwischen dem 29. und 31. Marz dieses Jahres auf den Straßen zwischen Alsfeld und Lauterbach alles was einigermaßen zum öffentlichen Nutzen und zur Verschönerung diente, demolierten. Der 22jährige Friedrich Hermann Sch. von Windorf und der 25 jährige Polsterer Max August I. aus Neustadt (Sachsen) lernten sich in Leipzig kennen. Sie durchstreiften bettelnd das Land und kamen Ende März nach Oberhessen, wo sie zunächst auf der „Sassener Höbe" bei Lauterbach zwei Ruhebänke gänzlich zertrümmerten, eine Nadfabrwarnungs- tafel abrissen und einige an Bäumen angebrachte Schilder zerschlugen. Auf der Straße Romrod-Ermenrod brachen sie eine Anzahl Baumstützen ab, warfen solange mit Steinen auf den Schornstein einer Schutzhütte, bis er berunterficl und beschädigten das Türschloß. Weiter rissen sie die Barriere an einem M- grund aus der Erde und schlugen an einer Ruhebank die Rücklehne ab, rissen an dem Dache einer im „Göhringer Grunde" errichteten Schleuse die Bretter ab und schlugen eine Radfahr- warnungStafel vom Pfosten ab. Auf der Straße Ermenrod-Ruppertenrod hoben sie die Decksteine einer Mauer, die auf der einen Seite des Weges herzieht, ab und warfen sie in die Tiefe, rissen das steinerne Geländer einer Brücke auseinander und warfen es in das Wasser und demolierten eine Radfahrwarnungstafel mit Steinwürsen. In ihrer Zerstörungswut vergriffen sie sich auf der Straße nach Mücke auch an der Telegraphenanlage, indem sie eine Anzahl Isolatoren durch Steinwürfe zertrümmerten. Insbesondere die Wegweiser hatten unter ihrer Wut zu leiden; sie wurden teilweise aus der Erde gerissen, oder bekamen doch die Arme abgeschlagen. Sch., der die Tat alsbald nach seiner Verhaftung eingestand, erleichterte dadurch die Untersuchung. I. aber leugnete hartnäckig. Das Gericht hielt für jeden eine Gefängnisstrafe von 2 Jahren am Platze und rechnete dem geständigen Sch. die seither erlittene Untersuchungshaft auf die Strafe an. — Wegen falscher Anschuldigung wurde der Schlosser Georg Z. von Ilbenstadt zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Nachdem er im verflossenen Jahre wegen Körperverletzung zu einer längeren Gefängnisstrafe verurteilt worden war, suchte er um Wiederaufnahme des Verfahrens nach, indem er angab, daß ein anderer die Tat verübt habe und er unschuldig sei: der Verletzte und Hauptbelastungszeuge habe damals seinen Meineid, oder doch zum mindesten einen fahrlässigen Falscheid geleistet. Die Untersuchung bestätigte aber feine Angaben nicht; im Gegenteil stellte sich heraus, daß er unlautere Mittel gebrauchte, um den Verletzten zu verdächtigen. Straferschwerend wirkte, daß er dem Verletzten auch noch diese Ungelegeuheiten bereitete. Dem von Z. fälschlich Angeschuldigten wurde die Befugnis zugesprochen, das Urteil nach eingetretener Rechtskraft zu veröffentlichen. — Der Landwirt Heinrich Friedrich R. von Stockheim hat sich an einem 11 jährigen Mädchen in unsittlicher Weise vergangen. Unter Berücksichtigung seiner geistigen Beschränft- heit und der Angetrunkenheit bei Begehung der Tat, ließ ihn das Gericht mit einer Gefängnisstrafe von 7 Monaten durchkommen. — Der Taglöhner Heinrich D. aus Münster hat einem Arbeiter an dem Neubau der hiesigen höheren Mädchenschule eine Fahrradluftpumpe entwendet. DaS Schöffengericht, verurteilte ibn zu 10 Tagen Gefängnis. Er focht das Urteil an und bestritt seine Schuld. Auf 'Grund der Zeugenaussagen ist seine Schuld zweifelsfrei, weshalb das Urteil seine Bestätigung fand. — Der Tischler Friedrich L. aus Schnett wurde zu Mitz- bach bettelnd betroffen. Er wurde wegen Land st reicheres zu 3 Woche,: Haft verurteilt, nach deren Verbüßung er in das Arbeitshaus kommen sollte. Er erhob Berufung und wies nach, daß er in den letzten Jahren viel gearbeitet hat; auch waren seine Angaben, daß er sich vielfach vergeblich um Arbeit bemüht hat, glaubhaft. Es wurde deshalb seiner Berufung stattgegeben, die Haftstrafe für verbüßt erklärt, die Anfügung bezüglich der Ueberweisung in das Arbeitshaus aufgehoben und er in Freiheft gefefrt. ertranken, nur em Matrose und ein Hei ? wurden durch einen Esberger Lotsenkutter gerettet. — In Marseille wurden der Rumäne Grimber, der Oesterreicher Lazar, der Russe Hochwaß und "ter als Franzose naturalisierte Russe Cohen unter der Anklage des Mädchenhandels in dem Augenblick verhaftet, als sie sich nach Südamerika einschiffen wollten. — Während einer Uebnng des Jnfanterie-Regiinenls in Avignon (Frankreich) wurden gegen den Obersten zwei scharfe Schüsse abgegeben. Einem Soldaten, welcher neben dem Obersten stand, wurden zivei Fmger weggerissen. — Eine große Explosion fand in den Pulver- w e r k e n in der Nähe von U n t o n ft o ro n bei Pittsburg (Nordamerika) statt. Von den ans zehn Gebäuden bestehenden Werken blieb keine Spur übrig. Fünfzehn Menschen kamen um. Im Umkreise von einer Meile stürzten Häuser ein. — Eine große Feuersbrunst wütete vergangene Nacht auf dem dem Reichs- tagspräsidenien Grafen B a l l e st r e in gehörigen Dominium Nouroda in Schlesien. Eine massive Scheune mit Getreidespeicher und ein Maschinenschuppen mit sämtlichen Inhalt an gedroschenem und ungedroschenem Getreide und Maschinen wurden vernichtet. Der Wert des vernichteten imgedroschenen Getreides allein beträgt 14 000 Mk. Ter „Echtes. Ztg." zufolge ist die Scheune in Brand gesteckt worden. — Am Mittelmain in Franken Hai ein schweres Unwetter gewütet. — In K ö s b a ch wurde der Turm des Kirchenneubaues vom <5tuvme heruntergerissen. - Die katholische Mädchenschule im Moselort Pfalzel wurde auf Verfügung der zuständigen Behörde geschlossen. Ein 12 jähriges M ä d ch e n war von einer Lehrerin so g e z ü ch t e t worden, daß es eine Zeitlang in Lebensgefahr schwebt e. ** Kleine Mitteilungen ans Hessen und den Nachbar st aaten. Feldhüter Hof aus Mandeln bei Dillenburg, der an Tollwut erkrankt war, ist seinen qualvollen Leiden erlegen. — In Oppenrod fand am 10. d. M. unter ziemlich großer Beteiligung ein Missionssest statt; Festprediger waren ein Pfarrer von der Brüdergemeinde Herrenhut und Pfarrer Veller aus Arnsburg. Der Posaunenchor aus Klein-Linden trug durch Vorträge von Chorälen zum würdigen Verlaus der Feier bei. — Im Dorfe Breite nbach bei Bebra äscherte ein Großfeuer sechs Wohnhäuser mit den dazu gehörigen Scheunen und Neben- bauten ein. Ter Brand war in der Scheune des Bahnarbeiters Jßleib entstanden und zwar, wie man vermutet, infolge lieber- springens von Funken aus einer in der Nachbarschaft in Betrieb stehenden Dreschmaschine. Der Schaden ist groß und nur teilweise durch Versicherung gedeckt. Einige der Abgebrannten haben nichts versichert. — Das 36 jährige Dienstmädchen Margarete Herter in Biebrich vergiftete sich ans Schmerz über den Tod ihres Verlobten mit Schwefelsäure. Der Tod trat nach mehreren Stunden ein. — In der Gemarkung Walderbach bei Bingen wurde ein großes Lager von Rotheis en st ein erschlossen. Dagegen wurde der gesuchte Braunstein nicht gefunden. — In L a n g e n ist anscheinend an einer Vergiftung infolge Genusses einer verdorbenen Speise der 55 jährige Bahnarbeiter Matthias Zennert gestorben. Die gerichtliche Sektion hat als Todesursache die charakteristischen Kennzeichen einer akuten Darmentzündung und Herzschwäche festgestellt. Das Greßener Universitätsinstitut wird sein Gutachten darüber abgeben. — In Worms sind an der Stadtmauer größere Reste der römischen Stadtmauer freigelegt worden. Die flauer ist, ebenso wie die vor einigen Jahren am 'Heylshof sreigelegte Mauer, mit einer Tafel und einem Schuh- guter versehen worden. Gerichlssaal. (n.) Gießen, 8. Sept. Die Strafkammer verurteilte den in Paris geborenen, hier wohnhaften und wegen Sittlichkeitsverbrechens mehrfach bestraften Arbeiter Jakob G wegen gleichen Verbrechens, verübt an einem zehnjährigen M Todes-Anzeige Heute mittag V212 Uhr verschied nach kurzem, schwerem Leiden meine liebe Frau, unsere gute Mutter und Schwiegermutter Danksagung- Frau Pauline Bapst Wwe sagen aufrichtigen Dank Giessen, den 12. September 1905. Die trauernden Hinterbliebenen. 4733 Penaten Creme verhindert sicher jedes Wuud- werdeu derHant, Durchlaufen, Schweißfüße.HautansschlSgere In dcrKinderstube uucutbehr- lich. Preis per Dose 25 Pfg. Erhältlich in Gießen bei [hvl6/fl Adolf Bieler, Drogerie frei von Gift u. Säure, Dose Mk. 1.—C Dankschreiben gehen täglich ein. Wactu, Naphulu Je 14, Wum le, Bentoefotl VeneL Terp., KampferpflMl»re Perub»I«xm Je 5, Eigelb SO, Chryaxrobln OA Zu haben in den Apotheken. Hirsch-Apotheke und Universitäts- Apotheke in Giessen______ Die Beerdigung findet Mittwoch, den 13. d. M., nachmittags um 5 Uhr von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unserer lieben Mutter Flechten näss, und trockene Schuppenflechte, •kroph. Ekzema, Hautausschläge, offene Füsse Beinschäden, Beingeschwüre, Ader- beine, b8se Finger, alte Wunden sind oft hartnäckig; wer bisher vergeblich hoffte geheilt su werden, mache noch einen Versuch mit der bestens bewährten RINO-SALBE Dr. Karl Wimmenauer, Geh. Forstrat und Professor. 4718 Else Birnbaum, geb. Wimmenauer. Friedrich Birnbaum, Kammerdirektor. Dr. Walther Wimmenauer, Lehramtsassessor und Leutnant der Reserve. Karl Wimmenauer, cand. med. Gertrud Wimmenauer. Giessen (Frankfurter Strasse 24), den 11. September 1905. im Alter von 55 Jahren. geb. Beck Frau Julie Wimmenauer .. * - '-Vo'- x...... >SV. T ödes-Anzeige. Heute verschied plötzlich unerwartet in Franksurt a. M. nach längerem, mit großer Geduld ertragenem Leiden unser lieber, unvergeßlicher Gatte, Vater, Bruder und Schwager 4729 Herr Ludwig Pfaff Schlaffer im 49. Lebensjahre, was wir hierdurch Verwandten und Bekannten tiefbetrübt mitteilen. Die trauernden Hinterbliebenen. Elise Pfaff und Kinder. Gießen (Kaplansgaffe 17), den 11. September 1905. Die Beerdigung findet Mittwoch, nachm. 51/, Uhr von der Kapelle des neuen Friedhofes Hierselbst aus statt. ff- a;-r ' Zur Herstellung des neuen Empfangsgebäudes auf Bahnhof Herborn sollen folgende Arbeiten und Lieferungen und zwar: Los I und II: Lieferung von Bruch- und Ziegelsteinen; Los III: Steinmetzarbeiten; Los IV: Maurer- und Asvhaltarbeiten; Los V: Zimmerarbeiten; Los VI: Schmiede- und Eisen arbeiten getrennt ober zusammen verdungen werden. — Verdingungsunterlagen liegen in Herborn auf dem Bureau der Bau-Abteilung zur Einsicht aus und können ausschl. der Zeichnungen von der Eisenbahn-Betriebsinspektion in Wetzlar für 50 Pfg. für jedes Los (nur Postanweisung) bezogen werden. Eröffnung der mit entsprechender Aufschrift versehenen unb an bie unterzeichnete Betriebsinspektion vorher einzusenbenben verschlossenen Angebote erfolgt auf dem Bureau der Betriebsinspektion zu Wetzlar am 30. September b. I. vormittags 11 Uhr. Zuschlagssrist 3 Wochen. Du/e Wetzlar, 9. September 1905. Kgl. Eifenb.-Betriebsinfpektiou. Freiwillige Versteigerung. Mittwoch, den 13. d. Mts., nachm. von 2V, Uhr der« steigere ich bahier int Saale des Herrn Gastwirts Fischer zum „Felscnkeller", Liebigstr. 5, im Auftrage zweier Parteivertreter: a) eine Speisezimmer-Einrichtung, bestehend in 1 03üffet, 1 Tisch, 6 Stühlen, 1 Serviertisch und einem großen Spiegel mit Panel (Eichenholz), b) eine Schlafzimmer-Einrichtung, bestehend in: 2 Betten, 2 Nachttischen, 1 Spiegelschrauk, 1 Waschtisch in. Spiegelaufsatz unb 2 Stühle (Nußbaumholz). Tie Versteigerung findet bestimmt statt unb können die Sachen bereits am 13. er., vormittags, in genanntem Lokal besichtigt werben. Gießen, den 9. September 1905. 4683 Seipel, Gerichtsvollzieher. In meinen Nenbauten an der West-Anlage find mehrere schön eingerichtete elegante zu vermieten und per 1. Oktober ev. früher beziehbar» Durch Zusammenlegen von 2 Stockwerken mittels Verbindung einer separaten Treppe können die schönsten herrschaftlichen Wohnungen bon 10—11 Zimmern mit allem Zubehör hergerichtct werden. 3252 Näheres Baugefchäft SSiillt, Hofmannstr. 14. 4719 Hierdurch die ergebene Mitteilung, dass die Firma Fertscb & Eä^el aufgelöst worden ist. Das Geschäft ist mit Aktiven und Passiven auf mich übergegangen und. wird unter meinem Namen weitergeführt. Technisches Bureau und Werkstätte befinden sich von heute ab ’Wrieseiist2aa,sse während die Verkaufsstelle Seltersweg 83 beibehalten wird. Bei dieser Gelegenheit erlaube ich mir, meine Dienste bei Ausführung von elektrischen, Gas- und Wasser-Anlagen Kanalisationsarbeiten sowie mein Lager in technischen Artikeln, Beleuchtungskörpern etc. bestens zu empfehlen. K 66/04. Aktien-Kapital 154 Millionen Mark. Reserven 27 Millionen lark. Bankgebäude: Johannesstrasse I. 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