Erstes Blatt Freitag 13. Januar 190» 155. Jahrgang Grschetut täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Siebener Zamilien' hlätter viermal in der Woche beigelegt. Notationsdruck u. 93er» lag der Brü h l'sehen Univers.-Buch-u. Steindruckerei. 9L Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. FcrnsprechanscblußNr.51. vezngSpreiA: monatlich 75 Ps.,viertel- jäbrlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePostMt. 2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzei-ien für die Tc -rsn'nnnrer 's vo^mütaqs kTiAt. Zc'^envreis: ..okailLPf^ airswärts 29 -jj'j. Verantwortl'.ch fiir den polit. und tj Teil: P. Wittko;' für „Stadt und Land" und „Gerichtssaal": August Goetz; für den Anzeigenteil: Hans Beck.! MetzenerAnzeiger ■ General-Anzeiger v Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Ire Heutige Kummer umfaßt 10 Setten. Reichstag. Berlin, 12. Jan. Der Reichstag setzte heute die Beratung des Justizetats fort. Eingegangen ist die vom ALg. Erzberger Cßtr.) an gekündigte Resolution, welche jährliche Statistiken der Gefängnisarbeit verlangt, aus denen ersichtlich sein soll: 1. die Beschäftigung für den eigenen Bedarf der Anstalten, 2. für den Verkauf auf eigene Rechnung, 3. gegen Lohn für Dritte in der Industrie sowie in der Landwirtschaft, 4. der Durchschnittsverdienst, und 5. der Gesamtwert des Arbeitsproduktes der Sträflinge. Abg. Ablaß (fr. Vp.) fordert unter Hinweis auf deN Prozeß gegen die Engelmacherin Wiese in Hamburg eine verschärfte Kontrolle der unehelichen Kinder durch die Bormundschaftsgerichte unter Hinzuziehung von Frauen, und tadelt sodann die Kritiken der Schwurgerichtspräsidenten an den Wahvsprüchen der Geschworenen. Eine solche verstoße nicht nur gegen das Taktgefühl, sondern auch gegen das Gesetz. Das Gericht könne eine Sache nach dem Gesetz an das nächste Schwurgericht verweisen, wnrn es einstimmig einer anderen Ansicht als die Geschworenen ist. aber ohne eine Begründung seiner Ansicht. Ein Teil der Richterschaft verspreche sich von dem Ersatz der Schwurgerichte durch große Schöffengerichte eine Verminderung der Freisprüche. Der Justisminister solle dagegen nicht erst auf die Beschwerden der Geschworenen, sondern auf den: Dienstauffichtsweg einschreiten. So lange wir den Angeklagten im Vorverfahren bei den Strafkammern nicht größere Rechtsgarantien geben und nicht die Berufung in Straffachen gegen die StrafkammerbesMüsse einführen, halten wir unbedingt an den volkstümlichen Schwurgerichten fest. Staatssekretär Nieberding: Die sich auffällig mehrenden Kritiken der Vorsitzenden von Schwurgerichten an den Sprüchen der Geschworenen sind nicht auf den Einfluß der Justizverwaltung zurückzuführen. Die Reichsjustizverwaltung und die preußische, und, soviel ich weiß, auch die der anderen Bundesstaaten halten diese Praxis der Vorsitzenden mit ihren Pflichten für nicht vereinbar. Ein Vorsitzender hat auch! nicht die bestehende Gesetzgebung oder ReforrnVorschläge zu besprechen, sondern er wird der Sache am besten dienen und würde der Verhandlung gerecht werden, wenn er sich aller Bemerkungen enthält (Zustimmung), auch Schmeicheleien gegenüber den Geschtoorencn. Abg. Hilpert (Bauernbd.) regt Diäten für die Geschworenen an, iNm die kleinen Leute besser zu der volkstümlichen Institution der Geschworenen heranzuzichen. Die Arbeitskraft der Gefangenen müsse der Landwirtschaft zugute kommen, wo ein Mangel an Arbeitskräften herrsche. Abg. Kämpf (fr. Vp.): Das jetzige Wechselprotest- verfahren sei zu kostspielig und mit zu viel Formalitäten! verbunden. Das Verfahren mü'le reformiert und vereinfacht werden. Die Postbeamten sollten als Protestbeamte fungieren können. Staatssekretär Nieberding: Das Reichsjustizamt ist bereit, mit den maßgebenden Stellen, besonders mit der Reichsbank und dem Reichspostamt, in Erwägung einzutreten. Wir werden alles tun, um die Frage in einer den Wünschen entsprechenden Weist zu regeln. ?lbg. Stadthagen (Soz.) meint .die Mißachtung der Konservativen vor der Justiz zeige die Beschwerde, welche der Vor- Mnd der Berliner Milch-zentrale, Rang, gegen ein zivilrechtliches Urteil an den ^Minister richtete. Die Fälle von Anwendung des Zwangszeugnisses gegen Redakteure hören nicht auf. Tie Redakteure werden in den Gefängnissen schlechter behandelt als die gemeinen Verbrecher, während ficn ein Hüffen er auf der Festung ernes Wohllebens erfreut. Der Redakteur Bier mann in coldeubürg wurde wegen Beleidigung des Ministers Ruhstrat zu der unerhört hohen Strafe von zehn Monaten e verurteilt, ähnlich der Redakteur Schweigert, während der Minister Ruhstrat der zu Biermanns Frau sagte: „Ihr Dcarm ift ehr Lump!", hundert Mark Geldstrafe bekam. Was sind mindert Mark für Ruhstrat?! (Heiterkeit.) In dem Prozeß gegen ^Mergert wurden die Rechte der Verteidigung beispiellos eingeschränkt, um den Richterstand durch die Verurteilung der An- gerlagten zu rächen. Die Befangenheit des Vorsitzenden Richters 9T°B/ daß _ er sie gar nicht bemerkte. (Heiterkeit.) Gegen nt diesem Prozeß muß mindestens wegen fahrlässiger Pflichtverletzung vorgegangen werden. Auch in Berlin und Lyck zeigten 1 ich die Gerichtshöfe wiederholt völlig abhängig von den Staat^anwalten. .Dadurch schwindet das Vertrauen zur Rechts- £üege Hierzu wirkt auch die ungesetzliche Bestrafung des Streik- postenstehens mit, sogar durch die Schwurgerichte als Aufruhr und Landfriedensbruch, sowie die Verhaftung unschuldiger Streik- posbensteher durch, die Polizei in Berlin, Breslau und Königs- oerg Eine Abhilfe kann nur die Aendernng der ganzen Strafgerichtsordnung Bringen. Was gedenkt der Reichskanzler Au tun, um baö Messen mit dem zweierlei Maß Au beseitigen und das Vertrauen zum,Richterstand Au retten? Oldenburgischer Bundesrotsbevollmächtigter Buchholz meint, der letzte Prozeß m der Affäre Ruhstrat war- ein Erfolg des Ministers Im übrigen war es stets eine gute ^Gepflogenheit, die lefete abAuwarten. Es unterliegt jetzt der Beurteilung des Reichsgerichtes, ob Pokern ein Glücksspiel ist, ob die olden- burgischen Richter befangen gewesen sind und ob die Rechte der Verteidigung verletzt wurden. Der oldeiiburgische Strafvollzug bewegt sich m dem Rahmen, den die Vereinbarungen zwischen den Bundesstaaten geschaffen haben, und steht hinter dem der anderen Staaten nicht zurück. Die Versagimg der Selbstbeschäftigimg und Selbstbeköstigung des Redakteurs Biermann war durch die Annahme der Justizbehörde begründet, daß er aus ehrloser Gesinnung die Ehre eines anderen abschnitt, um feinem Blatte einen Absatz zu schaffen. (Widersprilch bei den Sozialdemokraten.) Abg. Frhr. v. Hevl zu Herrnsheim (natl.) beklagt, daß die Koukikrrenz der Gefängnisarbeit die Korbmacherei irrib die Weidenkultur der rheinischen Ortschaften unrentabel mache. Der Staatssekretär solle aus eine Vereinbarmlg der Bundesstaaten hinwirken. Staatssekretär Nieberdrng erklärt sich bereit, die Sache ün Auge zu behalten. Abg. Burlage (Ztr.): Ich müßte ein ehrloser Niedersachse sein, wenn ich den maßlosen Angriffen gegen die Oldenburger Reckstszustäude nickt entgegen treten würde. In Wahrheit ist der „Oldenb, Rosidenzbote" ein Schandfleck auf der Ehre der ganzen deutschen Presse. Er greift um des Skandals willeir in unerhörter Weise hi das Privatlebim der Bürger. Tas Blatt ist ein Unglück für Oldenburg. In Oldenburg sand man die Strafen keineswegs zu hoch. Der Strafvollzug gegen die Redakteure erfolgte ganz unparteiisch. Selbstverständlich hatte Minister Ruhstrat in den ifrn selbst berührenden Fällen leinen Federstrich getan. Mau kann doch nich alle Richer fürtt befangen erklären, weil der Richterstand durch wahnwitzige Vorwürfe beleidigt wurde. Am besten überläßt man die Beurteilung der ganzen Angelegenheit dem Oldenburger Landtag. Abg. Dove (fr. Ver.) fragt wie weit die Verhandlungen über das neue Strafgesetzbuch gediehen seien und begrüßt das Fortschreiten der Vorarbeiten der Strafprozeßreform. Redner fordert die Abschaffung des Zeugniszwanges. Die Neu- bearbeituna des Strafgesetzbuches sei eine Vorbedingung der notwendigen Vereinheitlichung des Strafvollzuges. Redner befürwortet ferner die von der freifinnigen Volkspartei beantragte Aenderung im 8 166 (Gotteslästenlng), sowie eine Reform der Konkursordnung und des Wechselprotestes. Staatssekretär Dr. Nieberding erklärt, die wiederholt angeregte Einführung des Verfahrens, nach dem die Gläubiger und Schuldner schneller und billiger zu einem Ausgleich gelangen würden, dürfte namentlich sehr vielen unreellen Schuldnern zugut kommen. Das Interesse des Kausmannsstandes erfordert also Vorsicht. .Mit der Prüfung der Wechselprotestreform ist die Regierung beschäftigt. An der Reform des Strafgesetzbuches arbeiten wir energisch seit fünfzehn Jahren. Redner empfiehlt, eine speziellere Reform auf diesem Gebiete bis zur ntfgemeinen Reform Aurück- zustellen. Abg. Werner (Rspt.) befürwortet die Beibehaltung der Schwurgerichte, Verweisung der Preßprozesse an die Geschworenengerichte, tiin Automobilgesetz, Steuer auf die Automobile, Ein- sehränkung der Gefangenenarbeit, Verschärfung des Strafvollzugs bei Rohheitsverbrechm. Die Weiterberatung wird sodann' auf morgen vertagt. Schluß der Sitzung luim 6 Uhr. Volililche Tagesschau. Reichstags'MMimMuug. Das offiziöse Telegraphen-Bureau verbreitet heute folgende Meldung: B e r l i n, 12. Jan. In der heutigen Sitzung der Budget- komMission des Reichstages rügte bei dem Nachtragsetat für die Schutzgebiete der Referertt Prinz Arenberg, daß die Regierung beim Reichstage keine Indemnität nachsuche. Kolonialdirektor Dr. Stübel erklärte, er sei hierzu nicht befugt. Abg. Bebel beantragte, die Kommission möge von der weiteren Behandlung der beiden Nachtragsetats bis auf weiteres absehen. Die Redner aller Parteien erklärten die Forderung der Indemnität für unerläßlich. Llbg. Dr. Backem schlug vor, weiter zu beraten, aber keine Beschlüsse Au fassen. Bebel änderte hierauf seinen Antrag dahin, daß beim Plenum beantragt tnerbe, die Behandlurrg des Nachtragsetats abzulehnen. Die Nationalliberalen schlugen eine Resolution vor, nach welcher die Weiterverhandlungen abgelehnt werden und dem Reichskanzler anheimgegeben wird, eine neue Vorlage einzubringen, in welcher um Indemnität nackgesucht wird. Die Konservativen beantragten Vertagung. Der Antrag wurde abgelehnt. Nachdem der 2lbg. Dr. Spahn gebeten hatte, die Abstimmung für heute auszusetzen wurde ein neuer Vertagungsantrag angenommen. Dieser Sturm gegen die Regierung war vorauszusehen. Die üble Laune der K o n s e rv a t i v e n, die in diesem Berichte nicht erwähnt wird, nach Privatmeldungen sich indes nicht minder lebhaft bekundete als die der sämtlichen anderen Parteien, ist durch die Nichtkündigung der Handelsverträge veranlaßt. Auch die agrarische Richtung der neuen Verträge wird- die Rechte nicht davon abhalten, bei der Interpellation einen scharfen Ton gegen Gras Bülow anzuschlagen. Mrlamentarisches. Berlin, 12. Jan. Die konservative Fraktion des Reickstags beschloß die Einbringung folgender Interpellation: Ist der Reichskanzler in der Lage, dem Reichstage Slus- timft über den gegenwärtigen Stmrd der Handelsvertrags- Verhandlungen mit Oesterreich-Ungarn sowie über die Umstände zu geben, welche ihn veranlaßten, seiner am 9. Dezember 1904 abgegebenen Erklärung, die abgeschlossenen neuen Handelsverträge idem Reichstage gleich nach seinem Wiederzusammentritt vorzulegen, nicht Au entsprechen und auch eine j^ün» digung der alten Handelsverträge bisher nickst eintreten zu lassen? Aus Südwcstafrika. Nach einer Meldung General von Trothas hat Major von der Heyd am 10. Januar den Vormarsch nach dem unteren Sturmfeld-Omurambafluß mit 82 Gewehren und zwei Geschützen begonnen. Die 4. Kompagnie des Feldregiments Nr. 1 von der Abteilung Estorfs bricht am 12. Januar auf, um das Gelände zwischen dem Eiseb- fluß und dem Sturmfeld - Omurambafluß zu säubern. Zacharias Zeraug, Kapiän der HereroS zu Ot- jimbinqu, 110 Km. westlich von Windhuk, ergab sich mit einigen Begleitern Major Estorff in Owinaua-Raua. Seine Leute sollen wegen großer Ermüdung erst in einigen Tagen dort eintreffen. Es liegt ferner die Verlustliste der Gefechte bei Gr oßna bas von den ersten Tagen des Jahres vor. Danach sind gefallen 1 Fähnrich, 2 Unteroffiziere, 5 Gefreite und 6 Reiter; verwundet 6 Unteroffiziere, 3 Gefreite, 16 Reiter. Vermißt werden 2 Reiter. Ausland. Paris^ 12. Jün. Gestern sand in Marseille die Leichenfeier für Louise Michel statt. Sämtliche Arbeiter-Syndikate ließen sich vertreten. Mehrere Reden wurden gehälten, u. a. von dem früheren Bürgermeister Flaissieres. Palermo, 12. Jan. In Anwesenheit des Grafen von Turin, der den König Vertrat, des deutschen Generalkonsuls in Neapel als Vertreters Kaiser Willwuns, des Ministers Majorana und der Behörden tonrbc heute der Sarg mit dein Leichli am Erispis ans der interimistischen Ruhestätte nach dein Panteon Sandonzenieo übergeführt, wo er endgiltig bei gesetzt wird, .freute nachmittag fand auf dem Platze Franeesea Erispi die Enthüllung des Standbildes Erispis statt. — Tas Vorgehen Kaiser: Will- helms, sich bei der Festlichkeit vertreten zu lassen, rief in ganz Italien ein lebhaftes GefühlderSympathie und Dankbarkeit hervor. In Palermo wurde dem Ver-, treter des Kaisers ein warmer Empfang' durch die Behörden^ zu teil. Wien, 12. 3air Tas „Fremdenblatt" meldet: Drei Entscheidung über die Erneuerung der Handelsver-^ träge mit D eutschland sei in unmittelbareNähe! gerückt. Tie Gegenvorschläge der deutschen Regierung in; der Veterinärfrage, welche den von Oesterreichs! Ungarn gestellten Forderungen nach den Anschauungen, Teutschlands mehr entgegenzukommen scheinen, seien von; den aus Berlin hier eingetroffenen Vertragsunterhändlern^ übernommen. Graf Goluchowski, Ministerpräsident tioni Gautsch, Handelsminister v. Eall, Merbauminister v. Bu- quoi, sowie die Handelsvertragsunterhändler begeben sich! heute nach Budapest, wo ein gerneinsamer Ministerrat statt-^ findet. Es gilt nicht als ausgeschlossen, daß mit den üi'i dieser Konferenz zu treffenden Entschlufsen auch die letzte! Entscheidung über den garrzen Komplex der Handels-^ vertragssiagen fallen wird. — Tie hiesige russische Botschaft dementiert ent*) schieden das.Gerücht von einem Attenitat auf bett Zaren. Auf direkte Anfrage in Petersburg sei der Bescheid eingetroffen, daß dort absolut nichts von einem solchen^ Ereignis bekannt fei Nischni Nowgorod, 12. Jan. Der Lehrer* verein feierte gestern abend sein Aehnjähriges Fubi-- l äum durch Veranstaltung einer zahlreich besuchten Wend- versammlung, in der zeitgemäße Themata besprochen wurden. Als eine gewisse Erregung entstand, betraten Schutzleute den Saal, um die Anwesenden mit der blanken Klinge zu zerstreuen. Beim Gedränge kamen einige Frauen zu Fäll. Gegen zehn Personen wurden verletzt. Das Stadthaupt und der PräMent des Gouverne- mentslandschastsamts beschwerten sich beim Gouverneur über das Verhalten der Polizei. Ferner wird der Stadtverordnetenversammlung ein allgemeiner Protest überreicht und der g er icht lich c Weg betreten werden. Der Krieg. Kaiser Wilhelm, Stöffel und Rogi Der konservative Berliner „Reichsbote" schreibt: „Ob man besonders in Rußland für einen derartigen Akt hochherziger Teilnahme jetzt das rechte Verständnis haben wird, durfte einigermaßen zweifelhaft fein, und es würde vielleicht ratsamer gewesen sein, wenn man die Dekorierung der tapferen Generale ihren eigenen Kaisern über lassen hätte. Derartige Eingriffe sind oft nicht unbedenklich." — Auch die „Deutsche Tagesztg." äußert Bedenken, itnb die bemi> kratische „Volksztg." meint, daß es bisher!üblich war, daß die- Fürsten der nicht ernt Kriege beteiligten Länder den Fürsten" der in dien Krieg verwickelten Staaten bei der Verleihung von Auszeichnungen an die ihnen untergebenen Offiziere den Vortritt ließen. Weder im preußisch-österreichiscben noch im, deutsch-ftanzösischen Krieg haben preußische oder österreichische, deutsche ober französische Generale von den Souveränen fremder Staaten Orden erhalten. Das offiziöse Wiener „Fremdenblatt" bespricht an leit tenber Stelle^ die Verleihung des Ordens Pour le Merite an die Generäle Stoffel und Nogi durch den deutschen Kaiser und bemerkt: Deutschfeindliche "Blätter machen sich schrm,^ seit Monaten ein Vergnügen daraus, den Japanern zu erzählen, wie feindliche Deutschland ihnen gesinnt fei und; in welch unerlaubter Weise es Rußland urtterstutze. Aus dem freundnachbarlichen Verhältnisse, das Deutfchland zü Rußland unterhält, wird in diesen Darstellungen ein förmlicher Neutralitätsbruch. Solchen Uebertreibimgen gegenüber wird die schöne Kundgebung des Kaisers, welche bent russischen und dem japanischen Helden die gleiche Ehre gibft eine nützliche Wirttlng halben. Sie wird die Vorurteile rechtzeitig zerstreuen, die, wenn sie sich ungehindert an-- sammeln, mit der Zeit zwar nicht gefährlich, aber immerhin schädlich wirken können. Nicht Stoffel, sondern Kondratenko soll nach englischen Meldungen der wahre Held von! Port Arthur fein, die Seele der Verteidigung. Dieser: russische tzseneral wurde bekanntlich im Dezember durch eine japanische Granate getötet. General Stössel selbstlM wieder^ holt erklärt, daß der Tod Kvndratenkos auf die Okrmifon einen tiefen, entmutigeirden Eindruck gemacht habe, Ums doch nur einen Sinn hat, wenn der Getötete wirklich die Rolle gespielt hat, die man ihm jetzt zuschreibt. Port Arthur Tokio, 12. Jan. General Nogr berichtet unternf1 12. Jan., daß die U e b e r er b e von Port Arthur beendet ist Dabei wurden ausg'elief ert: 59 permanente Befestigungen, 546 Geschütze, dar unter 54 großen, 149 mittleren und 343 kleinen Kalibers, 82670 (Ä'anaten, 3000* Ko. Pulver, 35252 Gewehre, 1920 Pferde, 4 Schlachtschiffe ohne die „Seirwstopol", die vollständig gefirnFcn ist, zwei Kreuzer, 14 Kanonenboote und Torpedöbootszerstörer, zehn Tampfer und' Außerdem 35 kleinere Dampfer, die nackh unerheblichen Reparattiren noch lnvmchbar sind. An8 der Mandschurei. Petersburg, 12. Jan. Ok'neraneithtant Sf a Ära - r o lv meldet dem OfenernTftob unterm 11. Januar: Amj 8. Januar unternahmen sibirische Kosaken einen Streistug zu Fouragiernngszwecken in die llmgebung b.'v Dorfes Mitfi, das vom Feinde besetzt war. Zwei japanische Ffldvmchctt wurden gezwungen, sich Aurückzuzielum. Während der Fou- ragierung verbrannten die Kosalen die Fourageniederlaaew der Japaner und k^ogen da > ans unter dem Kreuzfeuer der feindlichen Feldwachen, die die Berge pcfctzt lMdm, ohm h s glieder eine eindrucksvolle Ansprache, worauf in der üblichen Weise die Verpflichtung erfolgte. Nach der Wahl eines 12 - gliedrigen Ausschusses für die Wahlvorschläge beriet die Versammlung über die Aufnahme eines neuen Anlehen, und beschloß, für die Bestreitung besonderer städtischer Auf: gaben, ein Kapital von 6 Millionen Mk., verzinslich zu 3 y2 Prozent, aufzunehmen (Anleihe Lit. M.). Die Til- 'VerQiste zurück. Früh nm Morgen des 10. Januar versuchte der Feind, den Nebel benützend, idas Dors Scrndrose, sieben Werst von der Station Chehe, AU überfallen, wurde aber zurückg e sch Id g cu. Ein Militärkomplott in Odessa. Hrivatnachrichten aus Odessa Zufolge haben Geheimagenten Spuren eines Militärkomplotts entbccFt, welches unter den Regimentern des Armeekorps in Odessa veranlaßt. worden ist. Die Soldaten sollten die Führer selbst bezeichnen und alle Offiziere ermorden, welche sich wergmr sollten, mit ihnen zu sympathisieren. Die Führer der Bewegung sind noch nicht entdeckt. Es wurde vorläufig eine Anzahl Unteroffiziere, welche M dem Komplott beteiligt waren, verhaftet. . aflet, da sie einen festen Wohnsitz nicht nachweisen konnte. •* Studentenulk. Die Marb urger Studenten etzten ihren Ulk mit dem bärenlosen Bärenbrunnen gestern, am 12. Januar, dadurch fort, daß sie sich vom Tierhändler Hagenbeck aus Hamburg einen lebendigen Bären kommen ließen und diesen ebenso wie gestern den Sandstein seierlichst durch die Stadt fuhren. Vor dem Brunnenmonument sang man mit Musikbegleitung: „Stuf dem Brunnen sitzt kein Bär, er muß her/ — Dieser Ulk ist wenigstens nicht so kindisch, wie ein Vorkommnis in Friedberg, über das sich ein Einender des dortigen „Oberheff. Anz." mit Recht empört. „Eine Anzahl Studierender des Technikums, so schreibt der Einsender in diesem Blatt, kam am Mittwoch zwischen 4 und 5 Uhr nachmittags vom Haagk her mit einem offen getragenen Gefäß, das man sonst nur im Schlaszinnner zu sehen gewohnt ist, ließen es sich in verschiedenen Wirt- chaften füllen und tranken daraus, auf dem Fußsteig sich breit machend, während da§ lustwandelnde Publikmn — darunter viele Damen, nichts ahnend, bevor sie dazwischen sich befanden, — sich auf dein Fußsteig erging." Hoffentlich geht der Wunsch des Einsenders, die Polizei möge der Sache nähertreten, in Erfüllung. R. B. Da rrnstadt, 12. Jan. Der Finanzausschuß der Zweiten Kammer ist seit acht Tagen wieder eifrig mit Etats-Vorberatung beschäftigt, ohne dabei auf erhebliehe Differenzen zu stoßen. In der heutigen Sitzung stand das Kapitel Denkmalspflege zur Beratung, wofür im vorigen Etat nur 16 000 Mk. angefordert waren, während im neuen Haushaltsplan dafür 33 000 Mk. verlangt werden. Der Ausschuß war zuerst geneigt, auch für dies Jahr nur die vorjährige Summe zu bewilligen. Nachdem jedoch Ministerialrat Frhr. v. Biegeleben eingehend die Anschauung der Regierung und deren Gründe für die Erhöhung der Summe auf 33 000 Mark vorgetragen, stimmte auch die Ausschußmehrheit derselben zu. — In der heutigen Sitzung der Stadtverordneten erfolgte nach einer Begrüßung der Versammlung durch Oberbürgermeister Morneweg zur ersten Sitzung im neuen Jahre die Einführung und Verpflichtung der neu gewählten Stadtverordneten Malermeister Geißner/Professor Dr. Harnack, Werkführer Häfner, Seilermeister H. Linck, Ingenieur Markwort und Justizrat Schmeel. Der Oberbürger- meifter hielt an die Neueingetretenen und die alten Mit- Alis ülaftt iiitb Land. Gießen, den 13. Januar 1905. ** Personalien. S. K H. der tzsioßherrog haben dem Heinrich Freiherrn von Gagern, Kaiserl. Geh. Ober» regierungsrat in Potsdam, das Hosdienstehrenzeichen für 35 Jahre verliehen und den Königl. preuß. Referendar Ludwig Freiherrn von Nordeck zur Rabenau zum Hofjunker ernannt. — Ernannt wurde der Schulverwalter Steinbach zu Bingen zum Lehrer an der Realschule und dem Progymnasium zu Bingen, der Schulverwalter Ham- mann zu Offendach zum Lehrer an der Oberrealschule zu pfsenbach, beide unter Belassung in der Kategorie der Volks- schullehrer. •* Der verhaftete Hudde wird, wie mir aus sicherer Quelle hören, im Lause des morgigen Tages in d«S hiesige Provinzialarresthaus ein» geliefert «erden. - Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde. {Sie bereit? durch Inserat bekannt gegeben wurde, wird Herr Rudolf Zabel-Dresden beute abend 9^Uhr in der Gesell- gung der Schuld soll ab 1. September 1907 mit 1 Prozent pro Jahr innerhalb 44 Jahren erfolgen. Büdingen, 12. Jan. Gestern erstickte das zweijährige Kind des Glasmachers Hinfesee. Die Mutter hatte das Kind allein in der Wohnung zurückgelassen und einen nassen Strohsack an den Ofen zum Trocknen gestellt. Das Stroh fing Feuer und der entstandene Qualm tötete das Kind. y. Ortenberg, 12. Jan. Die Kanalisation der Hauptstraßen unseres Städtchens ist nun beschlossene Sache. Die Kosten werben sich auf ca. 10 000 Mk. belaufen. Mit den Arbeiten soll im Frühjahre 1905 begonnen werden. -j- Krofdorf, 12. Jan. Hier feierten Hauvtlehrer Weraaröeiter-Acwegung. Am Donnerstag nachmittag streikten bereits nahezu ^0000 Arbeiter, nach anderen Meldungen sogar 8o 000, auf 70 Zechen. Die am 12. d. MtS. in Esjen abgehaltene Delegierten - Versammlung der Bergarbeiter beschloß, sofort die Forderungen der Berg- arbeiter zu formulieren und dem Verein für die bergbaulichen Interessen des Oberbergamtsbezirkv Dortmund zu überreichen mit dem Ersuchen, am 16. Januar mittags der Kommission eine Antwort zu erteilen. Falls eine ablehnende Antwort erfolgt, wird am 17. Januar die ganze Arbeiterschaft in den Au s - stand treten. Für den 16. Januar ist eine nochmalige Kommissionssitzung beschlossen. Eine einstimmig angenommene Resolution „verurteilt entschieden das disziplinlose Vorgehen der Belegschaften, welche ohne Rücksprache mit der Organisation und ohne Forderungen aufzustellen, in den Ausstand getreten sind. Eine Bergarbeiterbewegung kann nur dann glücklich zu Ende geführt werden, wenn eiserne Disziplin herrscht. In Anbetracht der Ausdehnung, die der Ausstand bereits erreicht hat, wäre eine Aufforderung zur Wiederaufnahme der Arbeit an die Streikenden nur eine Ursache weiterer Verschlechterung ihrer Lage und würde Maßregelungen in weitem Umfange Hervorrufen. Die Konferenz ersucht die bereits streikenden Belegschaften, weiter zu streiken. Jedoch darf zunächst keine Belegschaft neu in den Streik eintreten." 9hm liegt also die Entscheidung in den Händen des Vereins für bergbauliche Interessen. Ihr sieht man mit der größten Spannung entgegen. Wie wird sie ausfallen? Bekannt ist, daß die großen Kohlenlager im Ruhrgebiete unmäßig überfüllt sind. Die durchschnittlich milde Witterung diese? Winters hak den Absatz wohl geringer gestaltet als angenommen wurde. Darum ist nicht zu leugnen, daß der Streik den Zechenverwaltungen diesmal am wenigsten ungelegen ae- kommen ist. Denn der Arbeiterausstand tragt dazu bei, die großen Lager zu räumen. Die Verwaltungen werden also wohl kaum sehr geneigt sein, den Arbeitern entgegenzukommen. Das Nachsehen werden, neben den hauptsächlich leidtragenden Arbeitern und ihren Familien, die bei dem Streik keine Vorteile er- ' ringen können, die Konsumenten haben, denn die i Kohlenpr/eise werden nun ganz immens in die Höhe getrieben werden. Wenn es dem Dortmunder Oberbergamt nicht gelingt, beide Teile bis zum 16. d. M. zu versöhnen, dann werden die Schädigungen, die alle Koblenverbraucher zu erwarten haben, unerme6Iiii)i werben. Folgendes sind die von den Vertretern der Arbeiter- schäft nunmehr aufgestellten Forderungen: 1 Neunstündige Arbeitszeit einschließlich Ein- und Ausfahrt für 1905; 2. achteinhalbstündige Arbeitszeit einschließlich Ein- und Ausfahrt für 1906; 3. Verbot des Wagennüllens und Berechnung der Wagen nach Gewicht; 4. Bezahlung der Belegschaft durch den Wagen Kontrolleur ; 5. Minimallohn von 5 Mk. vor der Kohle, 3.80 Mk. für Schlepper, drei für Bremser und Pferdetreiber; 6. Schaffung von Arbeiterausschüssen; 7. Ueberlassung der Deputatkohlen zum Selbstkostenpreis; 8. Reform des Knappschaftswesens nach dem Programm der Arbeiterorganisationen; 9. Unterlassung von Abzügen, Strafen und Maßregelungen infolge des Streiks; 10. das Oberbergamt möge als Einigung samt fungieren. In Essen erklärte Bergmerster Engel, daß die Zechen- besitzer unter keinen Umstünden nachgeben würden,^ selb st wenn der Ausstano Monate lang dauern sollte. Die Forderungen der Arbeiter feiert unerfüllbar. Auf den Zechen „Scharnhorst", „Preußen 1", „Gnei- senau", „Vollmond", „Neu-Iserlohn 1" und „Neu-Jser-^ lohn 2" veröffentlicht die Har pener Bergbau-Äk- tiengesells chaft folgenden Anschlag: „Alle diejenigen Arbeiter, welche trotz der Aufforderung, die Arbeit wieder aufzunehmen, heute am dritten Tage bei oer Arbeitsverweigerung beharren, gelten als entlass en. Ihre Namen sind in der Arbeitsliste gestrichen worden gemäß § 3 des Arbeitsvertrags. Zugleich ist denjenigen Arbeitern, welche in Zechen-« Häusern wohnen, die Wohnung zum 1. Februar gekündigt." Zwei Extrazüge mit berittenen Kend armen aus den östlichen Provinzen trafen in Dortmund ein. Sie sollen den Arbeitswilligen Schutz gewähren. Der Bürgermeister von Hörde vereidete eine große Zahl Krieger v er ein! er als Sch u tz m an n s ch aften. Den Bergschülern ist Lei Strafe der Entlassung von der Schule die Beteiligung am Streik untersagt. Als Folge des Streikes planen Hüttenwerke Ar b e i t s ein st e l lun g. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. 2. Sonntag nach Epiphanias, den 15. Januar 190b. Gottesdienst. In der Stadtkirche. Vormittags O1/^ Uhr: Pfarrer D. Schlosser. Vormittags 11 Uhr: Kinderkirche für die Matthausgemeinde. Pfarrer D. Schlosse r. Abends 5 Uhr: Professor Dr. Drews. 7 H Abends 8 Uhr: Vereinigung der konfirmierten männlichen Jugend der Matthausgemeuwe. Montag, den 16. Januar, abends 8 Uhr: Vereiniauna der konfirmierten weiblichen Jugend der Matt ha u ‘'qTmetnb c Dienstag, den 17. Januar, abends 6 Uhr- Z^niauna der konsirmrerten werblichen Jugend der M a r e u s g e m e i ° Donnerstag, den 19. Januar, abends 8 Übr i,n saal, Kirchstraße 9, Bibelstunde. Psalm 127. 3 ' -Matthaus ______ Pfarrer v. Schlosser. MÖ* .......... „ qemeinbem'ttaS§ U Kindcrgott-sdienft sür die Johannes. Abends 5 Uhr: Siehe Stabttirrf^'avraff,ften‘ ^"lz. besnrechnna? ® ^nfirmanden,aal: Versammlung und Bibel- i.n K^strmandensaa^de?Jöhmn>°ski!che.® $ibcIftunbc Katholische Gemeinde!""^"' ®'*::‘’’ Nachmittags um 5 in?,.' ,^n ,14- 3 " nnar 1905. 5 ht.'Beicht' 8 Gelegenheit zur Vormittags non 6'/ • ...... • «« 8 U,„; » W,M,","”'•«■ Vrnderlchajts-Slndacht. " c)tc> daraus sakramentalijch- schast für Erd- und Völkerkunde über .Japan und Korea ur Kriegszeit- sprechen und seinen Vortragdurch bilder illustrieren. Der Reisende, Herr Zabel, hat noch während des japanisch-russischen Krieges Japan und Korea wiederholt besucht und Studien über Land und Leu -, gemacht. Seine Erfahrungen wird er in einem Buche "'ederlegen, und er ist daher, wie kein anderer, berufen, uns au den Schau plak dieser weltbewegenden Tragödie zu versehen. Emzc kalten sind an der Kasie und vorher in der Ricker,chen Buchhandlung zu beziehen, während, für Mitglieder er e,e Last der Eintritt bekanntlich frei ist. -r. Moderner Dichterabend Der Kaufmann,sehe und der Ortsgewerbeverein Gieben haben sich n i bem neftrinen Abend besonders dadurch ein großes Vetdiensi er worben, das; sie ihre Mitglieder mit der neuesten dramat,,cheu Dichtung Hauptmann's, „Elga", bekannt macht - im Januarheft der „Reuen Rundschau' (Verlag von S Jncher in Berlin) vollständig zum Abdruck gebracht.warde ». Danach einer Novelle von Grillparzer gearbeitete Werk .st von zarter Poesie, eine wundervolle Sprache entzückt daß Ohr, diese Vorzüge vermögen aber ^otzdem nicht darüber hinweg- zutäuschen, daß sich die „Elga' auf der Buhne wohl kaum behaupten würde. Herr Fritzschler wurde seiner schweren Ausgabe im ganzen ziemlich gerecht. Er versugt über em klangvolles, ausdauerndes Organ, er sprich lebendig und warm, aber trotzdem ist er noch kein mustergiltiger Rezitator. Die Aussprache sowohl wie die Atcmtechmk lmd nicht immer einroanbfret, und wenn Herr F. auch em guter Schauspieler sein mag, zum Rezitator, der seine Bilder uom Podium aus entwickeln soll, fehlt ihm doch der unbedingt notwendige Nuaneenreichtum der Sprache. Auch die Gedichte von Otto Erich Hartleben, Otto Ernst u. s. w.^wurden m ihrer Wirkung durch den gleichmäßig singenden Tonfall manchmal etwas beeinträchtigt, während die heiteren Sachen von Rudolf Presber (,©§ waren drei junge Leute" und „Koiiimerzlen- ratS in der Loge") und besonders die allerliebsten Gedichte aus Wilh. Busch's ,Zu guter Letzt" ganz gelungen gebracht wurden und ungeteilten Beifall fanden. •• Besitzwechsel. Das H. Benner'sche Besitztum m der Hammstraße 10 a und 11 ging für den Preis von 40 000 Mk. an Joh. Sieck in Gießen über. •* Diebstahl. Auf der Straße vor einer hiesigen ßigarrenfabrif fanden sich gestern morgen einige aus der Fabrik stammende Tabaksblätter. Dieser Fund veranlaßte den Fabrikanten und den Werkführer, am Abend ein be- onderes Augenmerk auf die Arbeiterinnen zu haben. Sie bemerkten nun, daß eine Arbeiterin Tabaksblätter unter ihrer Schürze verschwinden ließ und erstatteten Anzeige bei der Polizei. Bei Feierabend, als die Person die Fabrik verlaßen wollte, unterzog man sie einer Durchsuchung und fand, unter die Schürze gebunden, einen Kopfkiffenbezug, in dem ein Quantum Tabak sich vorfand. Die Arbeiterin wurde ver- Weil und Frau am 11. b. Mts. ihre silberne Hoch. e i t. Die Gemeind- lies; den Indilaren em Ehrend.plom Überreichen, von Pfarrer Knieper wnrdc ihm Bibel und Ehe- jubiläumSmedaillc eingehändigt. Weil hat erst am 1. D»obc 1902 fein Lehramt niedergelegt, das er 54 Jahre lang hier verwaltet hat. Auch sein Vater war nahezu 50 Jahre lang als Lehrer hier tätig. _ KenÄtslaal. Gießen, 13. Jan. Die S t r af ka m m er hatte sich hQlte mit der Sache gegen den Schneider Johannes B. von A^aer.poch zu befassen. Bei B. wurde im Dezember v. I- eine dsandung vollzogen, über die er sehr erbost war Er rrß das Pftndzncheir ab und warf cd u^nter Sckstmpfen, Schreren und -^ohm denr Beamten vor die Füße und verfolgte ihn schrerend mif die S^ram Das Schöffengericht Lauterbach vcrurtellte rtzn-u a Wochen w fängnis und 1 Tag Haft. Gegen dieses Uttell erlwb er rufung, der sich die Staatsanwaltschaft anschloß. S geriet,t hielt fcHc vom Schöffengericht erkamtte Strafe nicht für ausreichend und erhöhte sie auf 2 Monate. -- Peter O. aus Alzenau, ein mehrfach beftraster Knecht, U Bürstadt und Dvttelweil, wo er in Arbeit stand, seinen M: knechten Geld und Kleidungsstücke entweildet, womit er sich heimlich entfernte, pa die ftüHeren Strafen nichts fruchteten, Inelt das Gericht emc erhebliche Strafe am Platze, die mit 2 Jahren Gefängnis bemessen wurde Mit Rücksicht auf die ehrlose Gesinnung, die m dein Bestehlen armer Mitknechte erblickt wurde, erschren es auch gerechtfertigt, aus Äbsvrechung der bürgerlichen Ehrenrechte zu erkennen — Gegen den früheren Studenten Auguw Sp hier ist Anklage wegen Urkundenfälschung erhoben. Er ist geständig, auf Osirnnd eines von ihm g e f ä 1 s ch t e n B u r g- scheins von der Universitäts-Bibliochek Bucher entliehen zu haben. Das Gericht hielt hierfür eine Gefängnisstrafe von 3 Wochen am Platze, die durch die erlittene Untersuchungshaff als verbüßt zu erachten ist. Von der Anklage des Betrugs zum Nachteil eines hiesigen Kellners erfolgte Freilvruch. — Gm roher und gewalttätiger Mensch wurde in der Person des Johann A. aus Offenbach vorgefühtt. Er ist angeklagt, einen nut ihm reffenden Handwerksburschen dermaßen mißhandelt zu haben, daß er deii Verlust von Zähnen zu beklagen hatte. Dre wither wegen vieler Rohheitsdelikte ergangenen Sttafen zog das GericM straserhohend in Betracht und verurteilte A. zu 3 Jahren und H ^onfltrn Gefängnis, Handel und Verkehr. Volkswittschast. Märkte. th. Gießen, 12. Jan. Der dieswochige V i e h m a r k t war als der erste im Jahr verhältnismäßig gut mit Vorrat versehen, auch fehlte es nicht an Käufern, wenn auch einzelne größere Kunden, welche besonders das Milchviehgeschäst beeinflussen, dem Markt rent geblieben waren. Der Vorrat bestand in 850—900 2tucf Großvieh, ca. 150 Kälbern nnd 150 Schweinen. Der Handel in Milchware setzte ansänglich sehr langsam ein, wohl weil die verlangten Preise für frischmelkende Kühe recht hoch waren und sich auch während des Marktes höher hielten als bei den letzten Märkten. Der $runb lag darin, daß das aus Preußen zum R!arkt bestimmte Vieh nicht 'in die Ställe eingestellt werden durste, ohne eine vorherige Ouarantäne durchzumachen. Der direkte Austrieb auf den Markt war zwar gestattet, und so langten am Markttage größere Transporte von Kühen mit der.Eisenbahn und von Rodheim hier an, an toddiem Otte das Vieh vorher eingestellt worden war. Gegrn die Mitte des Marktes kmn jedoch Bewegung in das Geschäft trotz der hohen Preise, die für. Milchkühe gezahlt Iverdcn mußten. Auch der Haudel in Fettvieh war recht gut, da Käufer aus der Wetterau mtb dem Lahntal Bedarf zeigten und flott zugriffen sodaß die Preffe für diese Viehsorte gegen die letzten Märftc etwas anzogen. Das Kälbergeschäft zeigte bei guten Preisen ein überaus lebhaftes Blld. Unsere heimischen Metzger, die am Markt waren, nahmen davon Abstand, ihren Bedarf zu decken nack)bem sie sahen, wie die Ein- fäufer für Wiesbaden und Franksutt a. M. sich gegenseitig gute Kälber teuer machten. Das Geschäft in Fahrvieh hatte, da mir etwa 12 Paar Gangochsen am Markt waren, keine Bedeuttmg. Der Schweinehandel zeigte ebenfalls kein rechtes Leben. Selbst der kleine Vorrat konnte es nicht fettig bringen, daß die niedrigen Preise, welche für Ferkel und Läufer an den letzten Märkten bezahl wuttden, nach oben hin anzogen. Es wurde bezahlt: Pro Stück Kühe, ftischmelkend und tragenb 1. Qual. 450—500 Mk. (einzelne sehr gute Stucke bis 530 Mk.), 2. Qual. 375—430 Mark, 3. Qual. 300—350 Mk. Mmelkkuhe, die nur in kleiner Anzahl vorhanden roaren, waren wieder nur sehr schwer anzubringen. Fettvieh wurde verkauft der Zcntuer SckKack>tgewicht: Rinder 1. Qual. 68—70 Mk., 2. Qual. 63—65 Mk., junge Kühe 1. Qua!. 65—67 Mk., 2. Qual. 62—64 Mk., Kälber 1. Sorte (über 50 Pfund schwer) 69—75 Mk., 2. Sorte (zwischen 40—50 Pfund wiegend' 60—66 Mk., 3. Sötte (leichtere Tiere) 55—58 Mark. Fahrvieh ivurde je nach Güte pro Paar mit 650—750 Mk. abgesetzt. Die Schweinepreise blieben dieselben wie am Dezembermarkt. Alle Viehsotten wurden bis auf wenige geringwertig« Stücke ticrfaiift. Nächste Markttage am 24. rrnd 25. Januar d. I. fc. Frankfurt a. M., 13. Jan. (Orig.-Telegr. des ^Gieß. Anz.") S ch w e i n e m a r f f. Zum Verkauf standcu 499 Schweine. Schweine: 1. Qualität 59—60 Pfg., Lebendgewicht 47—00 Pfg., 2. Qual. 58—00 Pfg., Lebendgewicht 46—00 Pfg., 3. Qualität 52—54 Psq., Lebendgewicht 00—00 Pfg. Geschäft gedrückt fein lleberstcmd. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Samstag, den 14. Januar 1905: Meist beiter, etwas kälter, besonders nachts. Vor- übergehend leichter Frost, Näheres durch die Gießener Wetterkarte.____________ Briefkasten der Redaktion. (Anonyme Anfragen bleiben nnberücksichtigt.) K. in Vg. Haben Sie die Güte diese Artikel an die Darmstädter Redaktion des „Gieß. Anz. " , Landwehr- st r a ß e 1, zu senden. Haben Sie ben Artikel in unserer No. 9 gelesen? Neueste Meldnnaen. Originaldrahtmeldnngen des Gießener Anzeigers R. B. Darmsta dt, 13. Ian. (Eigener Draht- bericht.) DerFinanzausschuß der zm e it en Ka mm er genehmigte heute eine Anzahl schriftlicher Ausschußberichte und beriet dann den zweiten Teil des Etats, den Vermögensteil, der zu Beanstandungen keinen Anlaß bietet. Bezüglich der Forderung für die Vergrößerung der Aula an der Landesuniversitat wurde die Beschlußfassung ausgesetzt. Der Ausschuß will zunächst eine Besichtigung an Ort und Stelle vornehmen. Kassel, 13. Jan. Ein 15jähriger Tischlerlehrling feuerte auf den Steuerbeamten Heppe fünf Revolverschüsse ab und verletzte ihn leicht. Das Motiv ist in einer Liebschaft zu der Tochter Heppe's zu suchen. London, 13. Jan. Ministerpräsident Balfour hielt gestern in Glasgow eine Rede, in der er besonders die Verdienste der Regierung UM! dieArmee-und Flottenr^eform hervorhob. Tic Regierung habe sichl mit der großen militärischen Frage des Reiches beschäftigt. Es handle sich dabei nichi um die Verteidigung Englands. Eine sehr kleine reguläre Armee genüge, zusammen mit den übrigen Truppen, um die eigentliche Verteidigung Englands, die in der Flotte liege, stark zu Machen. Das wahre Problem liege kirrt der Stelle, wo altern ein Konflikt mit einer großen militärischen Macht möglich sei. Dies Problem sei die Verteidigung Afghanistans. Die Aenderungen, die der Kriegsminister durchgesührt habe, würden England ermöglichen, wirksam in jeden Streit an der Nordweftgrenze Indiens einzugreisen. Durch die von Lord Kotcheners starker Hand in Indien eiügefi'chrte Heeres- organisation habe sich die Leistungsfähigkeit der indischen Atmee als Feldarmee gewaltig gehoben. In etwa zwei Jahren werde die englische Armee vollständig mit dem neuen Geschütze ausgerüstet sein und bereits vorher den meisten Nationen in dieser Beziehung voraus sein. Das Geschütz sei besser als das irgend einer anderen Armee. Die englisctje Armee beabsichtige ein sehr machtvolles Geschütz einzuführen und diesem Geschütz dasselbe Kaliber zu geben Ivie deut der reitenden Artillerie. Es werde außerordentlich interessant sein zu, sehen, ob ftemde Nationen diesem Beispiele folgen werden. Das Ergebnis der Flottenreform sei, daß die K a m p f kra f t der englischen Flotte währestd der ersten 24 Stunden eines Konflikts mit einer fremden Macht verdreifacht werde. Die Gefahr für den Frieden liege immer außerhalb Europas in den großen Regionen, die unter geringer Zivilisation ständen wo die zivilisierten großen Nationen um die Vorherrschaft rängen. Wenn ähnliche Abkommen wie das zwischen Frankreich und England zwischen allen europäischen Nationen getroffen werden könnten, so könnte die Möglichkeit eines' Konfliktes für völlig beseitigt gelten. Paris, 13. Jan. „Petit Parisien" meldet aus Petersburg: Das neue Gesetz über die Preßfreiheit dürste große Uebcrraschungen bringen. Es verlautet, daß durch dieses Gesetz die Zensur der Presse noch bedeutend verschärft wird, besonders betreffs der Majestätsbeleidigungen und die Angriffe gegen fremdländische Regierungen. Auch die Forderung der Abschaffung der Zwangseinfülnung der russischen Sprache in Finland dürfe nickt gestellt werden. Lissabon, 13. Jan. Die herzogliche Familie ConnaugU reiste gestern ab. Ihr Hiersein war von großem Erfolg begleitet. Prinzessin Viktoria wird als zukünftige spanische Königin gefeiert. Sofia, 13. Jan. Ein hiesiges Blatt will wissen, daß aus dem Palast-Archiv in mysteriöser Weise die Entsagnügs- Urkunde, die in der Nacht des 21. August 1886 vom Fürsten Alexander zu Battenberg, der Gewalt einiger Offiziere ge- horchend, unterzeichnet wurde, abhanden gekommen fei, um demnächst veröffentlicht zu werden. Petersburg, 12. Jan. Der Kongreß bii ncrmhtrii - Bahnhofstr. 42 ist der III. Stock (7 Zimmer, Mitbenutzung des Gartens rc. für 1. April anderweit zu ver- rnieten. Rechtsanwalt Raab. [18 6 Zimmer | Wohnung, 6 Zimmer nebst Zub., 1. Stock, per 1. April zu vermieten. Ludwigstraßc 31. 5 Zimmer Bahnhofstraße 57, II 5-Zimmerwohnung wegzugsh. p. 1. April zu vermieten._____0213 5-Zimmerwohn. (2. Etage) mit Zubehör per 1. April zu ver- uneten. Steinstraße 19. [ 190 Wohnung (5 Zimmer) per 1. April zu vermieten. 186 Näh. BiSmarckstraße 26, Part. I 4 Zimmer | 0215] Schöne 4-Zimmerwohnung wegzugshalber per 1. 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