Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ■ Diese mußte nun Mannschaften entsenden, ügung. blonder Mann, erzählt, nehmen wollten, doch seien mit Salven von daß acht getötet und Die Bevölkerung der daß sie in Jeodosia Proviant die damit betrauten Matrosen Kosaken empfangen worden, so vier schwer verwundet wurden, russ. Hafenstadt Feodosia hatte Lchulftratze 1. Ubrtfie für Depefchen: Uuzetger Wietzen. $mUprrd)anfd)hf& 61 russisch en Häfen zu welche die Schiffe nach aber durch Schmuggel alles Nötige gegeben. Dori habe die Mannschaft einstimmig beschlosien, sich zu ergeben. „Wir befanden uns in einem schrecklichen Dilemma. Di« russischen Städte bomborbieren, welche die Verproviantierung verweigern, hieß, auch die arme Bevölkerung, die mit uns fraterni. fiert, beschießen. Um so weniger konnten wir daran denken, fremd« Städte zu bombardieren. Ns verblieb nur die Uebergabe, die jetzt auch durchgesührt worden ist." Die „9Igence Roumaine" meldet: Die Lösung, welche die Angelegenheit des „Potemkin" gefunden hat, wird allgemein als sehr glücklich angesehen und man beglückwünscht einmütig die rumänische Regierung, daß sie unter Beobachtung der Vorschriften des Völkerrechtes und ohne zu Gewalt- maßregeln schreiten zu müssen, der überaus peinlichen Lage ein Ende gemacht hat. Nach dem ersten Eintreffen des „Potemkin" in Konstanz» dankte der Zar der rumänischen Regierung für die Umsicht und Energie, „mit welcher sie in der Sache del hirnverbrannten Lettie gehandelt habe". Von informierter Seite wird aus Petersburg berichtet/ daß die Meuterei auf dem Potemkin von langer Hand vor< bereitet war. Sewastopol ist der Sitz des südruffischev Revolutionskomitös, das vor anderthalb Jahren unter Plehwe aufgehoben und nach Sibirien verbannt wurde. Unter dem Regime des Fürsten Swiatopolk-MirSki erfolgte die Rückkehr des Komitös und seine erneute sehr rege Tätigkeit. Es kam so weit, daß Fälle, wo Marine-Offiziere den Mannschaften revolutionäre Schriften vorlasen, nichk zu den Seltenheiten gehörten. So kam es, daß auf dem „Potemkin" zwei Maschinisten und ein Techniker waren, diq alle drei unter polizeilicher Aufsicht standen und daß sie regen Verkehr mit dem Revolutions-Komitee unterhalten konnten, deffen Mitglieder sie nachts häufig aufs Schiff ließen. Bei der gegenwärtigen Meuterei waren mehrere Mitglieder des Revolutionskomitös auf dem Schiffe anwesend, ebenso aus dem „Pobjedonoszew" und auf dem dritten Kreuzer. Auf dem Potemkin herrschte seit Donners« tag Uneinigkeit unter den Meuterern. Das Torpedoboot 267, in Begleitung des „Potemi kin", verweigerte aber die Kapitulation. Die Mannschaft erklärte, vom Potemkin terrorisiert worden zu sein. Sie forderte die Erlaubnis, nach Odessa zurückzukehrertt um als ergebene treue Soldaten dem Zaren weiter zu dienen. Es hat alsbald die rumänischen Gcwäffer verlaffev müssen. Heber das rätselhafte Verhalten des Admirals Krieges hüllt sich der Marinestab in gewohnter Weise in Schweigen, In Petersburger militärischen Kreisen ist man natürlich nicht lassen durch plumpe Komplimente und ebensowenig durch Scharfmacherei. Die Sozialdemokratie werde stets für Erhaltung des Völkerfriedens eintreten. Die Rede Fischers, welche häufig durch lebhafte Bravo- und Pfuirufe unterbrochen wurde, erntete stürmischen Beifall. Alsdann gelangte einstimmig eine Resolution zur Annahme, in welcher gegen das Bülowsche Redeverbot irotestiert wird als gegen eine klägliche Maßnahme, welche Deutschlands unwürdig sei. Die Versammlung spricht dem Genossen Jaurös ihren Dank aus ur seine Bereitwilligkeit unb ihr volles Einverständnis mit seinen im „Vorwärts" mitgeteilten Ausführungen. Außerdem wird auch dem rusjischenProletariat und den russischen Revolutionären die Sympathie ausgedrückt für den heldenhaften Mut, mit welchem sie gegen bie verbrecherische Moskowiterherrschaft kämpfen, >eren Sturz auch eine Erlösung für Europa bebeuten würbe. Auf Vorschlag bes Abg. Bernstein wird alsdann ein Sympathietelegrcrmm an Jaurös aügesandt, in >em es heißt: „Die Sozialdemokraten Berlins senden ihren tief empfundenen Dank für Ihre herrlichen Worte, welche uns alle begeisterten. Sie haben dem Empfinden Ausdruck gegeben, welches die Arbeiter Deutschlands und Frankreichs wie die Sozialisten aller Länder beseelt. Ihre Konnzeichnrmg des internationalen Proletariats hat unseren Beifall und die Aufforderung an die Arbeiter aller Länder, die Maßnahmen der Diplomatie aller Länder zu überwachen, kommt aus unser aller Herzen. Wir unterschreiben die mannhaften Worte Ihres Telegramms und senden durch Ihre Vermittlung den Sozialisten Frankreichs unsere brüderlichen Grüße. Für uns gibt es keine trenn enden Gegensäße: die Zerklüftung, welche vor einem Menschenalter der Krieg herbeiführte, wird überwunden durch den Intenrationalismu.s des Proletariats. Wir kennen nur eine Arbeit für die gemeinsamen Ziele, und in diesem Hinblick rufen wir, in der zuversichtlichen Erwartung, Sietrotz allem bald in Berlin zu sehen, mit Ihnen: Hoch die eine, unteilbare internationale Sozialdemokratie!" Die ungehaltene Rede des Herrn Jaurös. Gegen 2 Uhr schloß die ohne Zwischenfall verlaufene Versammlung unter Hochrufen auf die Sozialdemokratie. Die 2i/2 Seiten füllende Rede entwickelt den Gedanken der Einigkeit des französischen P r 0 l e t a r i a t s , das von dem gemeinsamen festen Willen beseelt sei, durch Organisierung und Befreiung der gesamten Arbeiterklasse den Frieden zu erhalten, ja zu erzwingen. Was Jaurös über den zu seiner Genugtuung gelösten Marokkokonflikt sagt, bringt nichts neues. Auch nicht, was er über das französisch-russische Bündnis und das englisch-französ. Abkommen und die Haltung der französ. Sozra- listen zu beiden sagt. Dann entwickelt Jaurös die Aufgabe und wachserche Kraft des internationalen Proletariats, den Völkerfrieden zu erhalten. Mit gesteigerter Leidenschaftlichkeit wird es in den Kampf treten zur Eroberung derpolitischen Macht, zur Erweiterung und Verbesserung der demokratischen Einrichtungen, zur Umgestaltung der Berufs- imb Klassenheere in Bolksmilizen, denen nur noch die Schutzwache der Unabhängigkeit der Völker obliegt, bis zur gleichzeitigen Abrüstung aller Nationen. Die Rede schließt: , , „Hoch und klar leuchtet uns also imsere Pflicht. Wir haben immer mehr zu sorgen für die Verbreitung unserer Idee, wir haben immer mehr Kräfte zu erwecken, uns zu sammeln und zu ordnen: und dann haben wir den Kamps durcbznkämpfen bis zum endlichen Sieg der internationalen Sozialdemokratie, aus dem ein dauernder Zustand der Gerechtigkeit und des Friedens hervorgehen wird!"* Der ,-Vorwärts" veröffentlichte am Sonntag die Rede von Jaurös, die derselbe in Berlin hatte halten wollen. Zum Fall Jaurös schreibt die „Rordd. Allg. Ztg.": „Der Erlaß des Fürsten Bülow an den Botschafter Radolin in Sachen der beabsichtigten Reise Jaurös hat mannigfache Erörterungen in den Zeitungen hervorgerusen, aus denen ersichtlich ist, daß ein Teil der Presse den «inn und Zweck des Erlasses vom ersten Augenblick an richtig erfaßt hat. Offensichtlich unrichtig ist die mehrfach zum Ausdruck gelangte Annahme, daß durch die Verhinderung des öffentlichen Auftretens Jaurös' die Bestrebungen der Sozialdemokratie gefördert würden und deren lleberhebung noch eine Steigerung erfahre. Furcht vor dem Sozialismus solle es sein, die den Reichskanzler zu seinem Schritte bestimmte. Wir müssen offen gestehen, daß uns, in der Praxis bisher noch kein Fall vorgekommen ist, nt dem ein von Furcht ergriffener Fechter wohlgezielte Hiebe austeilte." monatlich 76 Pi.. oterteU jährlich DU. 8.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 60 Ps.; durch die Post Mk. 2.—vtertel- jährl. auöjchl. Bestellg. "umhin« van Anzet'-rn 3t die Ix KF’H’imet -S vo mittag» J’tJ'W. 3c'fermrei5: jf-uX2:3f* auswärts ?i37j. den oolit. und G ,61.1, Teil P. Wtttlo: für .Stadt und Land" und „GerichtSsaal": August Goetz, für den An- zetqenteil: HanS Beck. bringen haben. Arn Sonntag früh erschienen denn auch zwei russische Panzerschiffe, von denen eines die Admiralsflagge führte, oroie vier Torpedoboote und ein Torpedoboots- Zerstörer des Schwarzen-Meer-Geschwaders in den Gewässern von Constanza und gaben Salutschüsse ab. Der rumänische Kreuzer „Elisabeth" erwiderte den Salut und salutierte die Admiralsflagge. Marinekommandant Koslinski stattete dem russischen Kontreadmiral einen Besuch ab. Letzterer erklärte/ daß er erschienen sei, um das Panzerschiff „Potemkin" zu uchen. Darauf erwiderte der Marinekommandant, der „Po- emkin" habe zweimal in den rumänischen Gewäsiern Anker geworfen; er sei mit Rücksicht auf die Eigentümlichkeit der Lage aufgefordert worden, den Hafen zu verlaffen ober abzurüsten. Die Mannschaft des „Potemkin" sei an Land_ ge- iracht worden und die rumänischen Behörden hätten von dem Schiffe Besitz ergriffen und es einer Wache anvertraut, die es unter Schutz der auf dem „Potemkin" gehißten rumänschen Flagge stellte. Der Marine- kominandant fügte hinzu, der König von Rumänien habe an- geordnet, daß das Schiff dem Kaiser Nikolaus zu übergeben sei. Nach dieser Mitteilung wurden alle Maßnahmen getroffen, damit die rumänische Wache den „Potemkin" verlassen und der russische Kontreadmiral von ihm Besitz ergreifen könne, um ihn dem Kaiser von Rußland zu übergeben. Der Nebellen-Kommandant des „Potemkin", ein junger ?ie ßenfifle Nummer umfaßt 10 Seiten. Aie Jaurös-Aersammlung ohne Jaurös. Berlin, 9. Juli. Die Protest Versammlung gegen das Rede- derb ot gegenüber Jaurös fand heute mittag in der Reuen Welt statt, lieber 4000 Personen füllten den Saal, der bereits eine halbe S-tunbe vor Beginn ber Versammlung wegen Ueberfüllung gesperrt werben mußte; auch ber Garten war gefüllt, von wo aus man bei geöffnetem Fenster etwas zu hören hoffte. Unter ben Anwesenben sah man eine Anzahl fozialbemokratischer Reichstag sabgeoroneter, auch die Nationalsozialen Dr. Naumann unb v. Gerlach waren zugegen. Unter ben Teilnehmern fanben sich auch viele Russen und Russinnen, welche für bie Opfer von Lodz sammelten. Kurz nach 12 Uhr eröffnete der- Ein- berufer Ernst die Versammlung, indem er ein heute früh ein gelaufenes Telegramm von Jaurös zur Verlesung brachte, welches in deutscher Uebersetzung lautete: „Genossen, ich bin mit ganzem Herzen mitten unter euch in dieser Versammlung, um mit euch die Einigkeit zwischen dem deutschen und französischen Proletariat zu bekräftigen. Die gemeinsame Arbeit wird ben Weltfrieden durch die Eroberung der sozialen Gerechtigkeit und der politischen Freiheit sichern. Nichts kann uns trennen, nicht chauvinistische Vorurteile, nicht Redeverbote der Regierungen noch auch die plumpen Künste diplomatischer Lobhudeleien, (sie! D. R.) Wir sind alle eins, wir haben den gleichen Willen, das gleiche Empfinden. Wird einer von uns geschlagen, so wird der andere mitgetroffen, unb wird einer von uns gelobt, so gilt das Lob auch für ben andern. Es ist eine abgebrauchte Taktik der herrschenden Klassen aller Länder, den Sozialisten daheim die Sozialisten draußen gegenüberzustellen. Tatsächlich aber ist dies eine Huldigung vor ber Kraft des internationalen Sozialismus, welchen die Regierungen nur noch durch ben Versuch, ihn zu spalten, bekämpfen können, und ein Grund mehr für uns alle, itn£ zu dem Gedanken der einen und unteilbaren internationalen Sozialdemokratie zu bekennen. Jean Jaurös." Das Telegramm wurde mit stürmischem Händeklatschen und Pfuirufen aufBülow begrüßt. Nach Konstituier- ung des Bureaus nahm Abg. Fischer-Berlin bas Wort zu seinem Vortrage über „Die Friebensibee unb Jnternationalität ber Reaktion". Zunächst gab er seinem Bebauern Ausdruck, baß ein so hervorragender Redner wie Jaurös heute nicht sprechen dürfe. Man müsse sich mit ihm begnügen und mit einer Rede über die R Ü ck - ständigkeit der preußischen Polizeipolitik. 3u einer großen Friedenskundgebung wollte Jaurös herbeieilen, und nun müsse man dagegen protestieren, baß eine eminente Friebenskunbgebung burch bie Regierung verhindert worden sei. Mit dem Verbot habe sich die Regierung b l o ß g e st e l l t und gleichzeitig gezeigt, wie schwach sie sich fühle, denn nicht vor dem Redner Jaurös habe sie sich gefürchtet, sondern vor einer gewaltigen Friedenskundgebung, welche vom Sozialismus ausgehe. Mit der wahren Friedensliebe einer solchen Regierung könne es n i ch t weit her sein. Redner vergleicht das Vorgehen der Regierung mit dem System in Rußland, wo der Zar die Vertreter der Semstwos empfange, aber die Presse verhindert werbe, die Antwort des Zaren zu veröffentlichen. In Deutschland fehle bloß noch der Kosak, um Rußland gleich zu sein. Weiter kritisiert der Vortragende das Verhalten der Presse zum Vorgehen der Regierung. Um die wahre Anschauung der Bevölkerung kennen Ku lernen, müsse man sich die ausländischen Blätter ansehen, insbesondere die englischen, wie diese über bas Redeverbot urteilen. Kein deutsches bürgerliches Blatt habe die Regierung ernstlich getadelt, eines habe sogar das Verbot mit Rücksicht auf Rußland erklärt. Man müsse bedauern, daß angesichts der russ. Tyrannei die deutsche Regierung Rußland Schergen- bienste leiste, wie dies wieder der Königsberger Prozeß gezeigt habe. Gegen russische ,/Verschwörer und Schnorrer" gehe Bülow energisch vor, weil sie nichts die,Macht besitzen, würden diese Leute aber als Führer in einem russischen Parlamente sitzen, daun würde Bülow bald ihnen gegenüber schmeichelhafte Worte finden. Der Erlaß Bülows stelle nicht bloß eine Anerkennung bes Wirkens Jaurös bar, sonbern auch eine solche ber sozial:streschen Ideen. Weiter schilbert ber Rebner den kapr- listischen Charakter der deutschen Politik, welcher eine ständige Kriegsgefahr bilde: die Arbeiter hätten ein Recht und Interesse dazu, bie auswärtige Polrtrk zu kontrollieren. Es sei nicht zu verstehen, wie eine Frrebenskunb- gebung verboten werben konnte, welche bre stärkste Partei des Landes beabsichtigte. Ferner weist ber Referent bie Angriffe des Bülowschen Erlasses auf bie deutsche Sozialdemokratie zurück. Wenn der Reichskanzler auf den Unterschied zwischen der deutschen und der ftanzösischen Sozialdemokratie Hinweise, so zeige er dadurch, daß er die So- zialdemokratie überhaupt nicht kenne. Jaurös stehe völlig auf dem Boden der Beschlüsse des Amsterdamer internationalen Kongresses und habe selbst erklärt, baß er ein 4,0b* feind ber bürgerlichen Gesellschaft sei. Alles, was Jaurö.' in seinen im ,^Vorwärts" wiedergegebenen Ausführungen rage, sei Gemeineigentum ber internationalen Sozialdemokratie. Darauf geht der Redner ausführlich auf die Dar- leaungen von Jaurös ein, indem er hervor hebt, wie Jaurös die Arbeiterschaft vor Krieg warne und dem Chauvinismus das Terrain abzugraben suche, weil die bürgert ich eG e - sellschaft den Krieg wünsche, durch den sie Vorteile für bie Reaktion erwarte. Ware nicht die Sozialdemokratie stets entschieden gegen die deutsche Auslands- Politik eingetreten, so wäre bie Politik Bülows dieselben Bahnen gewanbelt wie biejenigen Delcassös. Die deutsche Sozialdemokratie, so schließt ber Rebner, werbe im Sinne Jaurös weiter wirken unb sich badurch nicht abbrmgen wurde rumänischen Offizieren übergeben, nämlich dem Kommandeur Iorguleskn, dem zweiten Ingenieur Lapusch- neann und dem Artillerie-Hauptmann Munteanu. Der Matrose Matuschenko, wahrscheinlich der geistige Urheber der ganzen Bewegung, war für Fortführung des Kampfes, die Mehrheit dagegen. Auf Befehl des rumän. Ministers des Aeußern, General Lahovary' wurde ein Sonderzug gebildet, welcher die Mannschaft des „Potemkin" und des Torpedoboots auf sämtliche Donauhäfen verteilte. Die Präfekten wurden angewiesen, ihnen zu einem Verdienst zu verhelfen oder falls sie es wünschen, ihnen die Abfahrt in fremde Länder zu ermöglichen. Der Minister des Aeußern telegraphierte nach Rußland, auf Befehl des Königs Carol stehen beide Kriegsschiffe der russischen Regierung zur Ber- Die 'gWerflaße dcs „potemkin" in ^orfbttna. Wir haben bereits am Samstag nachmittag durch Extrablatt bekanntgegeben, daß nach einem Telegramm aus Bukarest der „Potemkin" in der Nacht von Freitag auf Samstag wiederum in dem russischen Hafen Konstanza eintraf und sich den rumänischen Behörden ergeb, die auf dem Schiffe die rumänische Flagge hißten. (Vergl. die „Polst. Wochenschau".) Vor der Einfahrt des „Potemkin" verlangten die rumänischen Offiziere die Herausgabe der Verschlußstücke von den Geschützen als Beweis, daß keine schlimmen Absichten vorliegen. Es schien den Meuterern darauf anzukommen, da? Schlachtschiff nicht zu beschädigen. Sie erboten sich, es der rumänischen Regierung 31t schenken, du dies natürlich ablehnte. Zwei von der Mannschaft des Bootes, welches die Deputation an Land ruderte, liefen davon, als das Boot gelandet war. Bei der Hissung der rumänischen Flagge kam es zu einer tragischen Szene. Die Mannschaft bat, das zu unterlassen, was aber nach den Seeregeln unmöglich ist. Schließlich gab die Mannschaft nach. Auf dem Schiff waren 200 Matrosen sozialistischer Gesinnung, die sich für die Ueber- gabe des „Potemkin" erklärten unter der Bedingung, daß das Schiff nach der Gewährung einer Verfassung Rußland zurückgegeben würde. DaS Kommando des Schiffes Nr. Io» Y^rkles Blatt. 1S5. Jahrgang Montag Lv. Juli 1808 außer Sonntag». vy sMetzenerAnzeiger General-Anzeiger v leyr erbaut von t-.ciu n.alten, kraftlosen Vorgehen, das Krieger bei der Verfolgung der meuterischen Schiffe beliebte. Es bedurfte, so meinte man, nur des rücksichtslosesten Vorgehens eines einzigen Torpedobotes, uni die Meuterer mit samt ihrem Schiff zu vernichten. Der dabei in Betracht kommende Verlust de§ Schiffes durfte nicht berücksichtigt werden. Ein Telegramm der „Franks. Ztg." vom Samstag aus Konstantinopel, das auch uns alsbald drahtlich übermittelt wurde, wiederholte das bereits vor ein paar Tagen verbreitete Gerücht, daß Vizeadmiral , Krieger durch Selbstmord geendet habe. . Der „Petersb. Tel.-Ag." zufolge entbehrt aber diese Meldung jeder Begründung. Vizeadmiral Krieger wurde vielmehr gestern in Sebastopol mit seinem Geschwader er- roartet- Jas SchrcLensregimenL in Rußland. Dem „Daily Chroniclc" wird gemeldet, daß eine reaktionäre Verschwörung in Petersburg entdeckt worden ist. Diese Verschwörung hatte den Zweck, den Zaren zu entthronen und tinen kräftigeren Regenten an seine Stelle zu setzen. Die Verschwörer wollten entweder den Großfürsten Alexander oder den Großfürsten Michael zum Zaren proklamieren. _ Eine aus mehreren Tausend Personen beliebende Menge überfiel in Odessa die Kaserne, in der sich die verhafteten Matrosen des „Georgi Pobjedonoszew" befanden, überwältigten die Schildwachcn und ließen die Gefangenen heraus. Gleichzeitig erließ die revolutionäre Partei eine Proklamation, in der sie die Regierung warnt, über die meuternden Matrosen das Todesurteil zu verhängen, da sie sonst alle Regierungsgebäude in die Luft sprengen würde. Am 7. d. M. wurde der frühere Rektor der Odessaer Universität, Professor Jaroschenko, verhaftet. In K'vwno veranstalteten mehrere Hundert Juden eine Kundgebung. Sie warfen die Fenster verschiedener, Häuser ein. Truppen schritten ein und trieben die Menge auseinander. In der Warschauer Vorstadt Pragn wurde von Leuten, deren Persönlichkeit nicht bekannt ist, vier Schüsse auf einen Polizisten abgegeben, die ihn tödlich verwundeten. — Dort ist ein Generalstreik der Schuhmachergesellen ausgebrochcn. (Äenso traten die Metzgergesellen in den Ausstand. Ms in Tiflis am 8. Juli mehrere Arbeiter verhaftet werden sollten, wurde eine Bombe geworfen, durch die ein Polizei- o'ffizier getötet und zwei andere verletzt wurden. In der Stadt herrscht Erregung. Sämtliche Läden sind geschlossen. Die Zeitungen stellten ihr Erscheinen ein. Der Geschäftsverkehr ist unterbrochen. In den Gouvernements Wladimir und Tiflis wurden revolutionäre Proklamationen in großen Mengen verteilt. Bei Judenexzessen in Ztunska Wola (Polen) brach eine große F e u e rs brun st aus. 900 Familien sind obdachlos; bisher wurden 19 verkohlte Leichen aufgefunden. Eine Audienz beim Zaren. Der Zar empfing am 7. d. M. die S e mstw o v er t r e t e r bes Gouvernements Orel, Narischkin und General Kirew, sowie eine Anzahl Kaufleute und Adlige, unter letzteren den Grafen Scheremetjew und das Mitglied des Moskauer Gemeinderates Grafen Dorer, einen Vertreter der Altgläubigen, einen Bürger Nowgorods und mehrere Bauern, welche Adressen überreichten und Ansprachen hielten, in denen sie dem Kaiser die Ergebenheit der großen Masse des russischen Volkes versicherten, welches die Fortführung des Krieges wolle und auf altrussischer Grundlage die Organisation einer Versammlung von Volksvertretern erstrebe, welche dazu berufen seien, an der Gesetzgebung teilzunehmen. Der Kaiser antwortete: „Ich danke Ihnen allen aufrichttg für die Gefühle und Ansichten, die Sie zum Ausdruck brachten. Ich bin insbesondere glücklich zu sehen, daß Sie von der Anhänglichkeit an die alten Traditionen des Landes geleitet sind. Der Staat kann nur stark und fest sein, wenn seine alten Traditionen treu bewahrt werden. Wir selbst haben in diesenk Punkte gesündigt und vielleicht hat uns Gott deshalb g e st r a f t. Ich muß Ihnen sagen, daß das Leben selbst uns die Wege weisen wird, wie Fehler und Irrtümer zu beseitigen sind, welche bei dem großen von mir zum Wohle meiner Untertanen geplanten Werke unterlaufen können. Ich bin sicher, daß Sie alle, und zwar jeder von Ihnen in seiner Umgebung, mir helfen, Frieden und Ruhe in unserem Lande wiederherzustellen und mir hierdurch einen Dienst erweisen, den ich von allen meinen Untertanen erwarte. Ich hoffe zuversichtlich, daß Gott Sie hierin unterstütze." Der Krieg. Vom Kriegsschauplätze. Petersburg, 8. Juli. Ein Telegramm des Generals Linewitsch vom 7. d. M. meldet, daß die Japaner am 5. d. M. um 5 Uhr morgens die Offensive gegen Beynkhe und Loguchau ergriffen. Die russischen Abteilungen zogen sich langsam zurück, wobei sie den Feind zurückhielten. Heute früh um 2 Uhr setzte der Feind den Angriff auf Loguchau fort. Die Japaner eröffneten Geschützfeuer gegen die russischen Vorposten, die sich zurückzogen. Hierauf wurde die japanische Offensive eingestellt. Der Feind ging zurück und besetzte seine früheren Stellungen, t- Ein zweites Telegramm meldet: Heute morgen nahmen in der Gegend des rechten Flügels mehrere japanische Bataillone und Eskadrons mit Artillerie die Offensive wieder auf. Die russischen Vorposten vermochten ihre Stellungen zu halten. Petersburg, 8. Juli. General Liapunow telegraphiert von Sachalin unter dem 7. d. M.: Um 9 Uhr morgens näherte sich ein japanisches Geschwader dem Dorfe Chipisan, 20 Wer'st' südwestlich von Korsakowsk und eröffnete das Feuer auf die Küste. — Ein zweites Telegramm vom 7. Juli meldet: Um 2 Uhr nachmittags näherte sich das japanische Geschwader dem Dorfe Meree, zwischen Chipisan und Korsakowsk, auf 15Werst und eröffnete das Feuer aus den Torpedobooten. Dann begann die Landung von 15 Schiffen. Am Nachmittag näherten sich 15 Torpedoboote Kusakökorursk. Eine russische Batterie eröffnete das Feuer. Die Torpedoboote beschossen die Strandbatterie von Korsakowsk, wurden aber durch das Feuer der Russen gezwungen, die Beschießung einzustellen und sich zurückzuziehen. Der Kommandant der russischen Abteilung leistete den übrigen feindlichen Operationen so lange als möglich Widerstand, gab aber dann Befehl, die Küstengeschütze in die Luft zu sprengen und alle RegierungSgebäude in Brand zu setzen. Dann zog er sich mit seiner Abteilung nach Norden zurück. Während der Beschießung wurden vier Einwohner getötet. Ein Matrose wird vermißt. Tokio, 8. Juli. Aus dem japanischen Hauptquartier werden gelegentliche Zusammenstöße zwischen Patrouillen auf beiden Seiten der Eisenbahn Fenghual-Kaiyuan und auf der Kwangpingstraße gemeldet. Die Russen werden allmählich nach Norden gedrängt. Tokio, 8. Juli. Die Zahl der japanischen Hilfskreuzer ist durch drei genonrmene russische Schiffe gleicher Art vermehrt worden, die „Rossija" (jetzt „Saishumaru"), die „Ekateninoslow" („Karasakimaru^h und den „Mexander" („RekisanmaruD- London, 8. Juli. Vom Kriegsschauplatz wird gemeldet, daß die russische Armee unter General Linewitsch voll- KLndig demoralisiert ist. Die Polen und die Juden in der Armee sind in Au f ru h r und machen dem Oberbefehlshaber viel zu schaffen. Viele Soldaten meutern, meßt offen aus Furcht vor der Erschießung, sondern lassen sich bei der ersten besten Gelegenheit von den Japanern gefangen nehmen. Sachalin. Petersburg, 9. Juli. Gestern abend zirkulierte hier das Gerücht, die Japaner hätten 60000 Mann auf Sachalin ausgeschifft und die Insel in ihren Besitz gebracht. Petersburg, 8. Juli. Der Petersburger Tel.-Ag. wird aus Godsjadan gemeldet: Das japanische Geschwader, das sich Sachalin näherte, bestand aus zwei Panzerschiffen, sieben Kreu-zern, drei Kanonenbooten, 36 Kanonenbooten und zehn £r cm3 frort» schiffen mit Lnndungstruvven. Ausland. Madrid, 8. Juli. Wie verlautet, hat der Landwirt- 'ch a stsminister die Absicht, einen Kredit von 12 Mill. Pesetas dringend zu beantragen zur Unterstützung dernot- leidenden Bevölkerung Andalusiens. Der Finanzminister soll diesem Anträge feindlich 'gegenüberstehen. , Wien, 9. Juli. Im Abgeordnetenhause entspann sich eine Debatte über einen Tringlichkeitsantrag der Alldeutschen betreffs der Trennung O esterreichs von Ungarn,, toofrei der Abg. Stein den Wert der Großmachtstellung Oesterreichs in den Augen der Bundesgenossen herabsetzte. Das Ziel seiner Partei ’ei die Angliederung Deutsch-Oesterreichs an Deutschland. Ministerpräsident v. Gautsch wies die Behauptungen Steins energisch zurück. Nach weiterer Debatte wurde die Dringlichkeit für den Antrag der Alldeutschen mit größer Mehrheit angenommen. Da der Präsident des Abgeordnetenhauses es ablebnte, weitere Schritte gegen Stein wegen des W u r f s einer Streusandbüchse gegen die Tschechisch-Radikalen einzuleiten, haben mehrere tschechische Llbgeordnete gegen Stein Anzeige bei Gericht erstattet. Die Tschechen droben mit ähnlichen Handlungen, wenn die Tat Steins ungeahndet bleiben sollte. Wien, 8. Juli. Nach dem „N. W. Tagbl." wollen int September Kaiser Wilhelm, König Friedrich August von Sachsen, später auch König Alfonso von Spanien auf die Jagdbesitzung Bellye des Herzogs Friedrich in Südungarn kommen. Der deutsche Kaiser soll nach Bellye auch an den Jagden des Kaisers form* Josef in Steiermark teilnehmen. Rationaler Kesangs-Wettstreit zu ^tung-Köns. (Original-Bericht des „Gießener Anzeigers".) k-. Lang-Göns, 7. Juli. Der Gesangverein „Frohsinn" feierte heute sein 50j ährigeS Stiftungsfest, verbunden mit einem großen nationalen Gesangs-Wettstreit. Ganz Lang-Göns prangte im schönsten Festschmuck, fast kein HauL war ungeschmückt. Zahlreiche Ehrenpforten bewillkommneten die Festgäste. Galt es doch für unser ca. 2000 Einwohner zählendes Dorf, das ausschließlich Landwirtschaft treibende Einwohner zählt, ein Fest zu feiern, wie noch nie eines hier war. Aus Kassel, Gießen, Darmstadt, Lich, Fechenheint re. waren Gesangvereine herbeigeeilt, im ganzen nahmen 24 Vereine daran teil. Eingeleitet wurde das Fest gestern durch einen Festkommers. Präsident Konrad Velten hielt eine kurze Begrüßungsansprache, worauf dem Dirigenten in Anerkennung der im vorigen und diesem Jahre errungenen Preise ein Blumentisch überreicht wurde. Bei Gesangsvorträgen und turnerischen Aufführungen verlies der Kommers sehr schön. Heute früh um 6 Uhr erfolgte Weckruf, von 7 Uhr ab trafen die Vereine zum Preissingen ein. Dieses begann um V^IO Uhr im „Frankfurter Hof", deni „Gambrimis" und dem „Schwan". Eine starke Zuhörerschaft drängte sich zu den Sälen. Von 11 Uhr ab fand Konzert auf dem Festplatz statt und um 12 Uhr begann das Ehrenpreissingen im „Frankfurter Hof". Um 2*/2 Uhr bewegte sich ein nicht enden wollender Festzug durch das Dorf; es nahmen 52 Korporationen, darunter 42 auswärtige Gesangvereine, am Zuge teil. Die Festjungfrauen trugen ein neues Banner. Nachdem der Gesangverein Frohsinn den Begrüßimgschor „Seid gegrüßct, traute Brüder", von K. Kern, vorgetragen, begrüßte Bürgermeister Rompf die Vereine namens der Gemeinde. Festpräsident Wenzel hielt die Festrede, die in ein Hoch auf Kaiser und Großherzog ausklang. Darnach übergab Fräulein Anna Wagner das von den Frauen und Jungfrauen der Gemeinde gestiftete Banner und toastete auf den festgebenden Verein. Um 6 Uhr fand auf dem Festplatz die Preisverteilung statt. Darnach erhielt im Ehrenpreis fingen den ersten Ehrenpreis, einen silbernen Pokal, gestiftet vom Groß- Herzog, der Männerchor Schubert-Quartett aus Darmstadt mit 222 Punkten, den zweiten, gestiftet von der Gemeinde Lang-Göns (Trinkhorn) Heiterkeit aus Fechenheim, den dritten der Männergesangverein Konkordia aus Darmstadt, den vierten Frohsinn aus Kassel-Wehlheiden, den fünften Germania aus Kirch- Göns. — Beim Klassen singen erhielten Preise: m Klasse la Frohsinn-Kaffel--Wehlheiden den 1. Preis, Lieder- frennd-Kassel den 2.; in Klasse Ila den 1. Heiterkeit-Fechenheim, 2. Germania-Kelsterbach, 3. Heiterkeit-Gießen, 4. Germania-Vilbel, 5. Liederkranz-Windecken, 6. Germania- Köppern i. T.; in Klasse III a den 1. Schubert-Quartett- Darmstadt, 2. Konkordia-Urberach, lobende Anerkennung Gesangverein Biebrich; in Klasse Ib den 1. Germania-Kirch- Göns, 2. Sängerlust-Eberstadt b. D., 3. Germania-Lollar, 4. Orpheus-Butzbach, 5. Eintracht-Fauerbach b. Friedberg, 6. Germania-Großen-Linden; in Klasse Ilb den 1. Liedertafel-Lollar, 2. Konkordia-Darmstadt, 3. Polyhimnia-Ober- Roden, 4. Frohsinn-Garbenteich, 5. Preis Konkordia-Hochweisel. Der Gesangverein Liederkranz-Pohl-Göns überreichte dem festgebenden Verein eine Fahnenschleife. Der einzige noch lebende Gründer des Vereins, Joh. Müller, erhielt eine Ehrentafel. Hieran schlossen sich Konzert, Tanzvergnügen und Volksbelustigungen. Der geräumige Festplatz, auf dem Herr Spuck aus Gießen den Wirtschaftsbetrieb inne hatte, vermochte kaum die Gaste zu fassen, ca 2000 Sitzplätze befanden sich in den 200 Meter langen Hallen. Die Musik wurde ausgeführt von der Kapelle der 24 er Dragoner aus Darmstadt. Erst am späten Abend begaben sich die preisgekrönten Vereine wieder in ihre Heimat. Bemerkt sei noch, daß der Gesangverein Frohsinn 1855 vo" Lehrer Kolb und Bürgermeister Henrich gegründet wurde. Alle hiesigen Einwohner werden noch lange mit Freuden an das heutige Jubelfest ;urückdenke»v__ Aus Slsdl und KauS. Gießen, 10. Juli 1905. ** Der Jahresb ericht der Handelskammer für 1904 ist soeben erschienen. Die Zahl der Branchen- bcnäjte ist wiederum vermehrt worden und damit ist auch der Bericht selbst etwas umfangreicher geworden. Aus seinem Inhalte sei hier nur mitgctcilt, daß das abgelaufene Jahr, wie int übrigen Teile des deutschen Reiches, so auch im Handelskammerbezirk eine weitere Besserung der wirtschaftlichen Verhältnisse, namentlich in der ersten Jahreshälfte, gebracht hat. Dagegen haben die geschäftlichen Ergebnisse mit der gesteigerten wirtschaftlichen Tätigkeit im allgemeinen nicht gleichen Schritt gehalten. Deshalb gilt auch von dem Jahre / .A das schon früher ausgesprochene Urteil: gestiegene Imsätze bei bescheidenem Nutzen. Wir werden auf den Inhalt des Berichtes noch zurückkommen. ** Drei Bergleute verunglückt. Am Samstag, gleich nach der Vesperpause, verunglückten in den Gießener Braun- teinbergwerken Obersteiger Becker, Steiger Fritz Appel und Vorarbeiter Balthasar Heuser von Steinbach, alle drei verheiratete Leute. In einem alteren Schacht des Werkes, der längere Zeit unbenutzt war und der vorübergehend in Betrieb genommen werden sollte, ist der bedauernswerte Unfall vorgekommen. Beim Paffieren eines leeren Förderkorbes merkte Obersteiger Becker, daß in den) betreffenden Schacht nicht alles in Ordnung war. Die Förderschale schleifte und klemmte sich unterwegs, infolgedessen ließ er den Korb zurückkomm en, stieg mit den beiden Gefährten in der Grube, also von der Tiefe aus in denselben ein, um durch vor- ichtiges und langsames Befahren des Schachtes festzustellen, an welcher Stelle das Hindernis sich besindet. Nachdem die Förderschale 20 Meter gehoben war, saß sie fest. Vermutlich hat der Schacht sich, so lange er außer Gebrauch war, gesetzt, wodurch das Hindernis entstanden ist. Das Förderseil zerriß und die Förderschale mit den drei Männern stürzte ab. Alle drei haben bei dem Sturz sich schwere Beinbrüche zugezogen. Die Werkleitung hat sofort alles getan, um den Verunglückten Hilfe zu bringen und Erleichterung zu schaffen. Sie wurden eiligst unter Führung des Direktors Dr. Esch und des Betriebsführers, Ingenieur Schäfer, mittels Tragbahren in die Klinik verbracht. Nach Aussage des Arztes sind bei den Verletzten teilweise schwere komplizierte Schenkelbrüche aber keine inneren Verletzungen konstatiert. Die Verunglückten sind alle drei erfahrene, tüchtige und besonnene Bergleute, von denen der 50 Jahre alte Obersteiger Becker in seiner Fürsorge um die Sicherheit des Betriebes ein Opfer seiner Pflichterfüllung wurde. Ganz besonders wird man den in unserer Stadt bekannten und beliebten Steiger Fritz Appel bedauern, welcher sich erst vor 14 Tagen verheiratet hat. Es ist seit 25 Jahren ein derartiger schwerer Unglücksfall in dem ausgedehnten Betriebe der Braunsteinbergwerke nicht vorgekommen. * * Ein Fabrikfest. Am 6. Juli feierte Kammer» zienrat Louis Em melius, Inhaber der Firma Karl Ennnelius hier, mit seiner Gemahlin außerhalb der Mauern Gießens, in seiner alten Heimat, dem Nheinlande, die silberne Hochzeit. Sein schlichter Sinn hatte ihn bestimmt, jeder Ovation aus dem Wege zu gehen. Er selber aber bereitete seinen Angestellten und Arbeitern eine große Freude, eine Sonderfahrt auf seine Kosten nach dem Niederwald. Am Samstag Morgen um 6 Uhr ging es, nach gutem Kaffeetrunk in der Bahnhofs- rcstauration im Extrazug nach Rüdesheim. In . anerkennenswerter Weise hatten sich auf Ersuchen zwei Mitglieder vom „Noten Kreuz" angeschlosfen, die zu einem Samariterdietist jedoch glücklicherweise nicht gekommen sind. Bei der Einfahrt des Zuges in NüdeSheim ertönte ein Begrüßungsmarsch von einer Musikkapelle und an der Bahn wurden die Teilnehmer von Herrn Emmelius und seiner Familie begrüßt. In geordnetem Zuge, die Musik an der Spitze, marschierte mau durch Rüdesheim, um mittels Sonderzugs zum Niederwalddenkmal zu fahren. Dort fand zunächst vor der Germania eine patriotische Huldigung statt. Kurz nach 12 Uhr, ging es wiederum vermittels Sonderzugs zurück nach Rüdesheim zum Mittagessen, bei dem guter Rüdesheimer natürlich nicht fehlte. Hier hieß Herr Louis Emmelius die Teilnehmer nochmals willkommen, mit dem Wunsche, daß dieser Tag für Jeden ein Tag angenehmer Erinnerung bleiben möge. Sein Hoch gelte seinen lieben Arbeitern. Die vielen Toaste und Ansprachen, welche folgten, können wir nicht alle erwähnen. Ernste und heitere Worte wurden gesprochen, aber alle zeugten von Anerkennung und Dankbarkeit. Gerichtsrat Kinzenbach von Rüdesheim, welcher mit seiner Familie der Feier beiwohnte, überreichte im Namen des Deutschen Tabakvereins 29 Arbeitern, welche eine lange Reihe von Jahren ununterbrochen im Dienste der Firma Karl Emmelius stehen, Anerkennungsdiplome, denen Herr Emmelius noch je eine Geldspende, bei einem Aufseher Uhr mit Kette, unfügte. Bei Konzert, Tanz und einem guten Tropfen amüsierte man sich bis zur Abschiedsstunde. Mit Musik ging es zur Bahn und unter den Klängen einer schönen Abschiedsweise setzte sich der Zug zur Heimreise in Bewegung. In Gießen brachten die Anschlußzüge die auswärtigen Teilnehmer in ihre Heimat und man trennte sich mit den Worten: „Der schöne Tag bleibt unvergeßlich". * * Unser 116. Regiment hat heute mit dem Butzbacher Bataillon der 168er eine größere Felddienstübung. * * Hohenstaufia. Wie uns mitgeteilt wird, ist die „konfessionelle" Verbindung „Hohenstaufia" genehmigt worden und hat bereits ihr Publikationsfest gefeiert. * * Roheit. Einem Dreschmaschinenbesitzer wurden an seinem in einem Hose der Schützenstraße stehenden neuen Dreschwagen sämtliche Deckel von den Schmierbüchsen abgeschraubt und entwendet. Die Deckel sind aus Guß, haben Muttergewinde, sind rot gestrichen und tragen die Aufschrift der Firma „Lanz". ’ * Körperverletzung. In verflossener Nacht rourbt. ein Arbeiter in der Bahnhofstraße von jungen Burschen blutig geschlagen. Es tft Anzeige erhoben worden. r. Klein-Linden, 10. Juli. Die Anziehungskraft, welche die Klein-Lindener Festlichkeiten von jeher auf die Umgegend, hauptsächlich auf die Stabt Gießen, ausübten, kam auch bei der gestrigen 40jährigen Jubelfeier des ältesten hiesigen Gesangvereins „Eintracht" zum Ausdruck. Ganz Gießen schien nach Klein- Linden gewandert zu sein. Das Dorf war schön geschmückt und mehrere Ehrenpforten bewillkommneten die Festgäste. Besonders schön war der aeräumige Festplatz geputzt. Nach- fimmem, B8/, Gießen. 4 1 1 wo das Rezept von dem Provisor mit dem Bemerken angefertigt wurde, daß der RepetitionSvermerk nachgeholt werden müsse. Der Arbeiter tat dies jedoch nicht, sondern ging in die ersterwähnte Apotheke zurück, wo er sagte, daß man ihn anderwärts bedient habe. Es erfolgte nunmehr eine Anzeige bei der Medizinalbehörde des Ministeriums und der Besitzer der zweiten Apotheke war im weiteren Verlauf der Angelegenheit gezwungen, den schuldigen Provisor zu entlaßen. Schäferhund, gelb und gefundenen Gegenstände uns geltend zu machen. Korb- und Stahlwarenhandlung. Lich, den 5. Juli 1905. Großherroalicbes Amtsgericht. 50 Pfg.-Stück. Zugelaufen ist: 1 schottischer weiß. Die Empfangsberechtigten der belieben ihre Ansprüche alsbald bei Gießen, den 8. Juli 1905. Großh. Polizeiamt Herberg. vermidcvres. * Die lilienweiße Unschuld vom Lande. Die junge, hübsche Tochter eines reichen Gutsbesitzers aus der Wette rau war kürzlich bei einer Familie in der Großstadt zur Tafel. Ihr Tischnachbar, ein Leutnant, beginnt eine „anregende Unterhaltung". Er sagt: „Wirklich fabelhaft, gnädiges Fräulein, bewundere die Zartheit Ihrer berückenden weißen Lilienhände." — Die Antwort der Dorfschönen lautet: „So bin ich am ganzen Kerper." (Kl. Pr.) * Kleine T a g e s ch r o n i k. In Berlin an der sehr belebten Ecke der Charlotten- und Behrenstraße versuchte em Individuum, dessen Persönlichkeit noch nicht festgestellt ist, dem Boten einer Bank d-ie Geldtasche mit 6000 Mar kJ n Hal t zu entreißen und damit die Flucht zu, ergreifen. Der Täter wurde jedoch fcstgcnommen. — In Leipzig Jmb amtlich mehrere Fälle von Flecktyphus konstatiert Die Krankheit ist durch einen russischen, aus Zürich zugereisten Arbeiter em- aeschleppt Es sind die umfassendsten ALwehrmaßregeln getroffen — In Landsberg a. W. wurde bei der Sprengung emes Jochs der Warthebriicke durch Pioniere der Reffende Olck aus Königsberg i. Pr. getötet. In der Nachbarschaft wurden Hunderte von Fensterscheiben zertrümmert. — In Erfürt wurde em zehnjähriges Mädchen von emem schnellfahrenden Automobil überfahren und sofort getötet, ^er Wagen setzte seine Fahrt in der Richtung nach Weimar fort, ohne daß die Personalien seiner Insassen festgestellt werden konnten — In Tenked im Szetmarer Komitat stürzte bei emem Orkan eine Scheune ein, in welcher 60 Arbeiter sich befanden. Neun wurden getötet, die übrigen sind .verletzt —-Sie Twfmung auf Rettung der Mannschaft des m der Bucht VM Bfferta gesunkenen französischen U n t c r s e e b o o t e s "Tarfadet mußte auf gegeben werden. Es ward nunmehr amtlich zugestanden, daß alle Matrosen des Unterseebootes „Dar, adel ertrunken sind. Wie es heißt, sind die Angehörigen der Ertrunkenen davon in Kenntnis gesetzt worden. Es ist bisher nicht gelungen, das Boot zu heben. — Em Schnellzug fuhr bei Rhaude- Fontaine (Belgien) auf emen Guterzug auf und entgleiste. Sieben Personen, dem Eisenbahnpersonal angehorig, wurden v erlebt. _ Kohlenlrefermng. Die Lieferung von 200 Zentner Anthracitkohlen und 100 „ gewaschene Nußkohlen soll auf dem Wege öffentlicher Verdingung vergeben werden. Angebote sind versiegelt und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum Donnerstag den 13. Juli l. Js., vormittags-10 Uhr, auf unserem Amte, woselbst auch die Lieferungsbedingungen einaesehen werden können, emzureichen. ließen, den 5. Juli 1905. Großherzogliches Hauptsteueramt. Weißenbruch. Bekanntmachung. In der Zeit vom 1. bis 8. Juli lf. Js. wurden m hiesiger Stadt , ,, . rr, gefunden: 1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 silberne Zylinderuhr, 2 Spazierstöcke, Geld 1.35 Mk., 1 weißes Taschentuch (Inhalt 20.53 Mk.), 1 Spannkette und 1 Bandmaß: verloren: 1 schwarzer Ueberzieher, 1 gold. Damenuhr mit silberner Kette, daran em gold. Herzchen, 1 Portemonnaie mit ca. 60 Mk. Inhalt, 1 Zehnmarkstück, 1 Brieftasche mit Studentenkarte und Briefsachen, 1 neues Torschloß mit 2 Schlüsseln, 1 schwarzer seidener Regenschirm mit grauer Krücke, 1 Brieftasche mit Monogramm L. E., Inhalt eine Legitimationskarte und Briefsachen, 1 Anhängsel mit silb. Herzchen und neues Bekanntmachung. In unser Handelsregister Abt. A. wurde heute eingetragen: Rr. 17: Firma Wilhelm Kraus, Lich, Inhaber Kaufmann Wilhelm Kraus, Lich. Angegebener Geschäftszweig: Kolonial-, Mi$tr WöhmMchmis Gießen. Gartcnstratze 2, Zimmer Rr. 14. (Geschästsstunden von 8—1 und von 3—6 Uhr.) Es sind zu vermieten: 1 Wohnung von 7 Zinunern, 1 Wohnung von 6 Zimmern, Wohnungen von 5 Zimmern, 1 Wohnung von 4 Zimmern, Wohnung von 3 Zimmern, 3 Wohnungen von 2 Zimmern, Wohnung von 1 Zimmer, 2 unmöbl. und 2 möblierte Zimmer. Zu mieten gesucht: 30 Wohnungen von 1—7 Zimmern. Die Vermieter haben eine Einschreibgebugr zu entrichten und zivar für eine Wohnung mit einem jährlichen Mietwert bis 300 Mk. einschließlich 0,20 Mk., von mehr als 300 Mk. bis 500 Mk. einschließlich 0,50 Mk., und von mehr als 500 Mk. 1,00 Mk.; außerdem ist für jede Wohnungsanmeldung 1,00 Mk. zu hinterlegen. Für die Wohnungssuchenden erfolgt die Vermittelung um entgeltlich. B ff Sommersprossen Ich beeile mich, zu benachrichtigen, dass ich mit Ihrer vorzüglichen Ober- meyers Herba-Seife sehr zufrieden bin. Dieselbe kann ich jedermann für Sommer« sprossen, Hautausschläge etc. auf das Wärmste empfenlen. _ , Hochachtungsvoll Anna Steinbauer m R3dinz. Z. h. L a. Apoth., Drog. u. Part. p. St 50 Pfg. u. 1 Mk. Oberweyer & Co., Hanau. SS17/, Bekanntmachung. Aus der Stiftung des Kuvierschmieds Karl Ludwig Kirsch sind die diesjährigen Zinsen mit 97.71 Mk. an 10 bedürftige, iM Witwen- staiide lebende Gießener Bürger oder Burgersfrauen am 20. September d. Js. zu verteilen. n, Meldungen nimmt das städtische Armeiiamt, Neuen Baue 25, Zimmer Nr. 2, bis 1. August d. Js. entgegen. Gießen, den 6. Juli 1905. , B Großherzeo, JV”rm,*nriwrei Gießen. ' I. V.: Eurschmann. abgereist. ~ t _ r Darmstadt, 9. Juli. S. K. H. der Großherzog empfingen am 8. Juli u. a. den Oberst v. Lin den au, Kommandeur des Jnf.-Regts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116. rmk. Darmstadt, 9. Juli. Heute vormittag wurde hier in der Wittmannstraße der erste Spatenstich zum Bau der Pauluskirche in feierlicher Weise getan. Erschienen waren zu der Feier die Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden, der gesamte Kirchenvorstand und eine große Anzahl der Gemeindcmitglieder. Nach Gesängen dec Gememdc und der Chorschulc hielt Pfarrer Rückert eine Ansprache und nahm den ersten Spatenstich vor. Gebete und Gesang beschlossen die Feier. - Ein für Apotheker beachtenswertes Vorkommnis, das einem älteren Provisor seine Stellung kostete, wird hier viel besprochen. Kürzlich kam em Arbeiter in eine hiesige Apotheke und verlangte die Herstellung eines Rezeptes, was der Apotheker jedoch verweigerte, da aus dem Morphium verordnende" Rezept der Nepltltlonsvermerk fehlte. Der Arbeiter ging darauf in eine andere Apotheke, Louvertr mit Firma billigst Vrühl'sche Universitäts-Druckerei. gemacht. , —i— Hungen, 9. Juli. Gestern und heute fand im Garten des Gasthauses „Zur Traube" die erste Lokal- Geflügel- und Wo gelausstellun g des Geffugel- zuchtvereins für Hungen und Umgegend statt. Die Ausstellung wurde gestern durch Bürgermeister Fendt eröffnet. Prinzessin Hermann von Solms-Braunfels, die gegenwärtig im hiesigen Schlosse Wohnung genommen hat, wohnte mit Familie der Eröffnung bei. Die Ausstellung wortreich beschickt und schön arrangiert. Der Katalog umfaßte rund 150 Nummern. Besonders zahlreich vertreten waren: 9iutz- hühner, Italiener und Wyandottes, sowie Tauben und Brieftauben. Unter den Hühnern und dem Wasserge,lugel waren wahre Prachtexemplare zu sehen. Zahlreiche Ehrenpreise standen zur Werfiigung, z. B. von der Stadt Hungen, Bürgermeister Fendt, Aktienbrauerei Gießen, den Gcflugel- znchtvereinen Echzell, Grünberg, Laubach, Lich und Hungen. Besondere Bewunderung fand ein prachtvoller ausgesagter Bogelstander. Das Ergebnis der Prämiierung wurde erst heute abend bekannt. Unter anderen erhielten folgende Aussteller Preise: Poppelbaum-Frankfurt, Ulrich-Wolfers» heim, fürstliche Gutsverwaltung Lich, S4aubach-Hunaen, Heßler-Hungcn, Zimmer-Lauter und Muller-Henriettenhos. * Ulrichstein, 9. Juli. Die Bemühungen dcö hiesigen Schloßbauvereins und des Zweigvereins vom Vogelsberger Höhenklub zur allmählichen Wiedererrichtung der zerstörten ehemaligen hessischen Ritterburg auf dem Ulrichsteiner Schloßberg sind jetzt insofern von Erfolg gekrönt worden, als vor einigen Tagen der Grundstein zum Schloßbergturm gelegt wurde Der Turm wird nach Plänen des Bauinspertors Berth aus- gesührt und soll als Aussichtsturm dienen. Darmstadt, 9. Juli. II. KK. HH. der Großherzog und die Groß Herzogin sind heute abend zum Besuche des Prinzcnpaares Heinrich von Preußen nach Hemmelmark Arbeitsnachweis der Stadt Gießen Gartcustratze 2 (Bürgermeiftereigebäude) Zimmer Nr. U« Der Arbeitsnachweis hat die Aufgabe, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern (Arbeitern jealicher Art, Dienstboten und Lehrlingen) unentgeltlich Arbeit zu vermitteln. An den Werktagen von 8 bis 1 Uhr und von 8 bis 8 Uhr geöffnet. Es lönnen eingestellt werden: 1 landwirtschaftlicher Arbeiter, eine große Anzahl Effendreher, Hobler, Fräser und Maschinenarbeiter (auswärts), 2 Spengler, 2 Schlosser, 1 Schmied, Schleifer oder Polierer (auswärts), 2 Wagner, Maler oder Lackierer, Schreiner, 1 Schuhmacher, Weißbinder, 2 Installateure, jüngere Fabrikarbeiterinnen, 1 Taglöhner, 1 längerer Hausbursche, 1 Stallburfche, 5 Dienstmädchen, 8 Lausfrauen oder Mädchen. „ „ Lehrlinge: „ 2 Schlosser, 1 Spengler, Schleifer oder Polierer (ausivarts), 1 Wagner, 1 Schuhmacher, 1 Installateur, 1 Kellner. b Es suchen Arbeit: . B8/7 1 Strickerin, 1 Wäscherin, 1 Fabrikarbeiter, 1 Fabrikarbeiterin, 2 Laussrauen, 1 Haus- oder Bureaudiener. Märkte. f«. Fraolsurt a. M., 10. Juli. e- mel von der Saturn-Grube wurde von einem Arbeiter erschossen. Auf der Glmonastraße wurde der Haushalter Gn- sielski erschossen. Auf der Fiskagrube sttecken die Fuhrleute. Wladiwostok, 9. Jnli. (Petersb. Telegr -Agi) Am Südende Sachalins wurde gestern ein nnch Osten gehendes japanisches Geschwader gesichtet Es bestund aus dem Küstenpanzerschiffe „Fuso", dem ^inienschrsf „Tschinjen", einem Kreuzer vom Typ „Jwate, sechs Kreuzern zweiter Klaffe, vier Kanonenbooten, 36 Tvrpedo- bootszerstörern und zwei Transporffchiffen Zwer Torpedoboote kreuzen westlich von der Laperoufestra^. New York, 10. Juli. Der hier werkende lapanrsche Finanzaaent Baron Kaneko besuchte den Präsidenten Roose- velt in Osterbay, um die Kr i eg s ko st en frage zu besprechen. Er sprach hierbei die Hofsnung aus, ^a Pan werde PortArtburb e h a l t e n , das ihm genug aekoftet habe. dem von 12 Uhr ab die auswärtigen Vereine empfangen vorden waren, bewegte sich um Vs3 Uhr ein stattlicher IFestzug durch das Dorf. Voraus fuhr der Radfahrervercrn mit schön geschmückten Rädern, dann folgten die Festjung- fraucn. Auf dem F-estPlatz hielt Ehrenmitglied.Lehrer Kn och er, der ehemalige Dirigent des Vereins, die Festrede. Er wies auf die Gründung und Entwickellung des Vereins hin und brachte ein Hoch aus die erhabenen Beschützer des Volksgesanges, den Kaiser und Großherzog, aus. Fräulein Helene Jung übergab namens der Jungfrauen Klein-Lindens eine prachtvolle Fähnenschleife und toastete auf den festgebenden Verein. Festpräsident H. Erb sprach den Dank des Vereins aus. Dann sang der Verein das Festlied „Grüße an die Heimat". Bei Gesangsvorträgen, Konzert und Tanz nahm das Fest einen schönen Verlaus Bei allerlei Volksbelustigung amüsierte man sich aufs beste. Heute findet das F-est seine Fortsetzung. Um 10 Uhr war Frühkonzert, uni< 2 Uhr ist dann Umzug durchs Dorf, darnach Gesang und Tanz auf dem Festplatz. pro. Mainzlar, 9. Juli. Bei der Wahl eines Beigeordneten wurde das seitherige Gemeinderatsmitglied Wilhelm Bingel, Land- und Gastwirt hier, mit 26 Stimmen gewählt. Der Gegenkandidat Landwirt Heinrich Rein erhielt 11 Stimmen. Es haben sonach nur 37 von ca. 120 stimmberechtigten Wählern von ihrem Stimmrechte Gebrauch Sport. rtn!. Darmstadt, 9. Juli. Das 26. «nd Schaufechten des Gauverbandes mittelrheiNis w er Fechtklubs, verbunden mit, dem 25iaWrgen Jubiläum derselben und dem 15 jährigen S!i>tungsfest des^FechtNubs ,,^ranw- nia" Darmstadt unter dnn Protektorate de^, Großherzoas fand gestern und heute hier int Kaffersaal statt. An dem rechten.beteiligten sich Fechtvcreine von Bürgel, rvranffurt, Mam-, Mannheim, Rüdcsheim, Worms, Wiesbadm und drei Darmstadter Fechr- klubs. Heute nachmittag fand ein großer H-estakt statt, zu welchem auch S. K. H. der Großherzog nck» Gefolge-erschienen war. Es fand ein Preissckaufechten, s»wrr Ansichten der Ehrenpreise, sowie der von dem Käufer gestifteten WbaiUe statt. Diese erhielt beim Schläger-Lenioren-Fechten Sauter- Wiesbaden Beim Prcisschaurechtcn wiirde der Großherzogspreis (1 silb. Fruchtschale) vergeben. Ihn erhielt der Darmstadter Fecht- klub. Eine hübsche Sabelübung wurde von den Damen des Darmstädter Fechtklubs „FrancMia^ ausgesiihrt. Ems, 9. Juli. Bei der heutigen Kaiserregatta um den Wanderpreis Kaiser Wilhelms I. siegte die Franksur- t e r „G e r m a n i a". Der Preis war ursprünglich dem Mamzer Rüderverein zuerkannt worden, gmg aber auf Protest seitens des Franlsurter Vereins aii diesen über. _________ _ b bQmit in 9>benlt^' ' ss-r Ntn bV'« | , N Spptr rrrr. d°u«w°ck U». und ' . c ,^Cn Korb -u. cn ,n der Stube . durch vor- ! MWeHen. bet:. Nachdem die cJc|t- Vernnitlich brauch war, Qe, ~Q§ Förder, 7 drei Männern ' tura sich schwere Ö bat sofort alles dringen und Er. ist unter Führung luhrers, Ingenieur k verbracht. Nach teilweise schwere keine inneren ckten sind alle drei ü, von denen der c Fufforge um die 'er Nichterfüllung unserer Stadt be. bedauern, welcher i ist seit 25 Jahren mn ausgedehnten gekommen. jeierte Kammer« der Firma Karl nhald der Mauern m Rheinlande, die Sinn hatte ihn be- i gehen. Er selber d Arbeitern eine rf seine Kosten istag Morgen um in der ^nW'- tym. In Er suchen Mit- n, die zu einem chi gekommen sind, im ertönte ein Be- und an der Bahn melius und seiner , die Musik an der heim, um mittels fahren. Dott fand sche Huldigung statt, vermittels Sonder- ttagessen, bei dm . Hier hreß Hm [5 willkommen, nut ;cn ein Tag ange- Hoch gelte seinen te und Ansprachen, ihnen. Ernste und alle zeugten von srat Kinzenbach nilte der W sschen Tabalverems ge nan Jahrm um l Emmelius stehe"' >rr Emmelius noch cher Nhr mit Ke te, : guten TM Lbc Mit M K ■«; K i sch ratze 'teo a^e* rSs'i sK'S Vergebung von Bauarbeiten. Nachverzeichnete Rohbauarbeiten und Lieferungen für das neu zu errichtende Markuspfarrhaus an der Kirchstraße sollen vergeben werden: 1. Erd-, und Maurerarbeiten. 2. X J^rägerlieferung. 3. Lieferung von Sandsteinarbeiten. - 4. Zimmerarbeiten und Dachgesimse (getrennt). 5. Dachdeckerarbeiten. 6. Spenglerarbeiten. 7. Schmiedearbeiten. . Pläne, Kostenanschläge und Bedingungen können bei Herrn Architekt Stein während der Bureaustunden eingesehen werden. Angebote sind dem Unterzeichneten bis zum 19. Juli er. mittags 12 Uhr einzureichen. Gießen, den 6. Juli 1905. , Der Gesamtvorstand der evangel. Kirchengememde. BYr I. V.: D. Schlosser. K.richisraal- München, 8. Juli. Vor etwa M Jahren hat der Münchener Rechts anwalt Eskales für !elnenKlwnten,den flüchtigen Weinwirt Glaser, gegen eine gEere Anzahl deutscher Zeitungen, welche die Nachricht brachten, daß Glaser in Amerika wegen Ermordung seiner Frau hingerichtct sei, Klage angedroht, toemt sie mckst freiwillig eine größere, L"" I-w-'l-S-m Der- hältnissen entsprechende Summe zahlen. Eskales wurde deshalb vom Münchener Ehrengericht der Anwaltskammer g e st r i ch e n. Das Reichsgericht in Leidig hat nun diese Entscheidung a u f g e - hoben und Esräles einen Verweis erteilt und ihm eme Geldstrafe von 1000 Mark auferlegt. "Krijstnal-DmMckdungen. Bacharach, 10. Juli. Ein um 4 Uhr morgens m der Unterstraße, int südlichen Teil, ausgebrochener Brand war um 8 Uhr auf seinen Herd beschränkt. Zwischen der Krancngaffe und taahme -Tag« für sämtliche Schuhwaren. * ' \» Farbig© Woehe vom 10. bis 21 Juli. Während dieser Zeit unterstellen wir unseren gesamten Vorrat in farbigen Schuhwaren «inem Räumungs-Verkauf und verkaufen diese Artikel, um damit zu räumen, zu noch nicht gehörten Spottpreisen. Zm Verkach gelangen nllc Artikel, sg lange Vorrat reicht: Farbige Kinderfpangen, echtes Ziegenleder. . do. 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August bei dem Armcnamt zu erfolgen. ß8/ Gießen, den 6. Juli 1905. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. I. B.: Cu r s ch m a n n. Der Einmach-ECursoiis der beginnt 3670 am S5. Jaaüi, Anmelduitgen nimmt jederzeit entgegen M. Trenümanu, Altce^ochschule, Kirchstraße 20. macht das Schuhzeug im Moment prächtig glänzend, weich, wasserdicht uflb dauerhaft. hv10/7 Fabrikant: CaH GentBB©r Göppingen. Feier des Wjiihrigek Bestehens her Bethen Freiwilligen Fenemehren in Gießen. Geeignete Personen zum Verkant der offiziellen Festpostkarten gesucht. Bewerber wollen sich bis zum Mittwoch, den 12. ds. Mts. bei dem Unterzeichneten melden. Der Musik- und Vergnügungs-Ausschuß. A. Dickors, Vorsitzender. v8/7 SHn-AMckus von tirnOloMgtii Gi/je Partie durch Transport leicht beschädigter Kinderwagen ganz besonders billig zu verlausen. 3630 A. Lrilbinger SeUerswcg 19. Cafe nnd Pensionshaus Kronprinz Bad SaizrzaioseBi. (6 Mineralquellen.) 3530 AngenchM jUreiiicntljiilL möbl. Zimmer mit vorzügl. 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