Nr. 136 tLgttch anbei Bonntag«. Dem G tehener Anzeiger werben tm Wechsel mit dem vesfische« Landwirt die 6teB'S DöTnlitiq« 4 'ein, Ze 'snnreiS: ^1x12 airtwärtÄ '7. -13*J. BOranlwo^N'ch ststk den polil und tJuai L teil: P. Wittko: für .Stadt und ßanb* und .Gerichtssaal*: August Goetz; tür den Anzeigenteil: HanS Beck Die heutige Yummer umfaßt 8 Seilen. >--------- ■ -L-- ■!—■■ ■ Z>er Krieg. Der FriedkvSruf NooseveltS an Rußland und Japan. Der Präsident der Bereinigten Staaten hat (vgl. unsere Heutige „Politische Wochenschau") in aller Form die Aufgabe übernommen, die beiden in Ostasien kriegführenden Machte um Einleitung von Friedensverhandlungen zu bitten. Der bedeutungsvolle Schritt, der dem Präsidenten die Sympathie aller Friedensfreunde sichert, erfolgte durch eine Note, deren Text der folgende ist: ,Zch halte die Zeit für gekommen, daß ich mich im Interesse der gesamten Menschheit bemühen muß, wenn möglich diesen schrecklichen und beklagenswerten Kampf zu Ende zu bringen. Die Vereinigten Staaten sind sowohl mit Japan als auch mit Rußland durch Bande der Freundschaft und des gegenseitigen Wohlwollens verbunden und daher für beide interessiert. Der Fortschritt der Welt wird durch den Krieg zwischen zwei großen Völkern gehemmt. Ich bitte die russische wie die japanische Regierung dringend, nicht um ihrer selbst willen, sondern im Interesse der ganzen zivilisierten Welt, in direkte Friedensverhandlungen miteinander einzutreten. Ich schlage vor, daß diese Friedensverhandlungen direkt und ausschließlich zwischen den kriegführenden Ländern geführt werden, mit anderen Worten, daß russische und japanische Bevollmächtigte ohne irgend welche Vermittler zusammen treten, um zu sehen, ob es nicht möglich ist, daß die beiden Mächte sich über die FriedenZbedingungen einigen. Ich bitte die russische und japanische Regierung ernstlich, jetzt einer solchen Zusammenkunft zuzustimmen. Ich bin bereit, alles zu tun, was ich kann, falls die oeiden in Frane kommenden Mächte meine Dienste bei der Vereinbarung oer Präliminarien, was Ort und Zeit betrifft, für nützlich halten; aber auch, wenn diese Präliminarien zwischen den beiden Mächten direkt oder auf anderem Wege vereinbart werden, werde ich hocherfreut sein, denn mein einziger Zweck ist, diese Zusammenkunft zustande zu bringen, welche, wie die ganze zivilisierte Welt von Herzen wünscht, den Frieden herbeiführen möge." Der ausfallend kräftige und bestimmte Stil in der Kundgebung des Präsidenten der Vereinigten Staaten wird darauf zurückzusühren sein, daß bisher z-artere Versuche unbeteiligter Kabinette, Rußland und Japan sür die Idee des Friedensschlusses zu gewinnen, von den Kriegführenden ziemlich eng begatelle behandelt worden sind. Die Antwort Japans an Roosevelt lautet t „Da die kaiserliche Regierung sowohl im Interesse der anzen Welt als auch Japans die Wiederherstellung des Friedens mit Rußland auf Grund von Bedingungen, die seine Dauer durchaus gewährleisten, wünscht, wird sie, dem Vorschläge des Präsidenten Roosevelt folgend, Bevollmächtigte ernennen, welche mit den russischen Bevollmächtigten an einem Ort und zu einer Zeit, die beiden Teilen genehm und gelegen sind, Zusammentreffen sollen, i n die Friede n s b e d i n gu ng e n direkt und ausschließlich zwischen den kriegführenden Mächten zu verhandeln und abzuschließen." Die russische Antwortnote auf den Vorschlag des Präsidenten Roosevelt wurde am 12. d. M. dem amerikanischen Botschafter zu Petersburg eingehändigt. Bekannt gegeben wurde sie indes noch nicht. Die ganze politische Tragweite und Wirkung der Aktion Roosevelts wird man also erst ermessen können, wenn auch die russische Antwort im wesentlichen bekannt wird. Die Antwortnote Rußlands wurde bereits nach Washington übermittelt. Man erfährt, daß mich Rußland sich einverstanden erklärt habe, Bevollmächtigte zu ernennen. Es ist noch nicht bekannt, wo die Begegnung der russischen und der japanischen Friedensdelegierten statt- sinden wird; der Ort isb durch Japan zu be stimmen. Als Vertreter Rußlands zur Entgegennahme der japanischen Friedensvorschläge wird wahrscheinlich der Vertreter Rußlands in demjenigen Staate, wo die Begegnung stattfinden wird, ernannt werden. Jedenfalls steht fest, daß die Antworten Rußlands und Japans die Vorschläge des Präsidenten Roosevelt annehmen; beide sprechen dem Präsidenten ihren Dank dafür aus, daß er seine guten Dienste angeboten hat Dem Vernehmen nach hat auch Frankreich von Anfang an die Bestrebungen Roosevelts unterstützt und durch seinen Einfluß auf seinen Verbündeten dah-m gewirkt, daß dieser Roosevelts Vorschlaa annehme. Vorläufig ist, wie der „Standard" aus Washington erfährt, ein sechswöchiger Waffenstillstand zwischen Rußland und Japan vereinbart worden, welcher als schon stillschweigend in Kraft getreten betrachtet wird. Soweit ist man indessen noch nicht. Nach einer amtlichen Meldung aus Tokio über die Vorgänge in der Mandschurei vertrieben vielmehr die Japaner noch am Morgen des 9 d M. die Russen von den im Norden von Lrangschusch- wan und Nanchentzu gelegenen Höhenund.besetzten diese Stellungen. An demselben Tage besetzten die Japaner dre Umgegend der nördlich von Chang tu gelegenen Ortschaften Erhschihlipu, Soupangtai und Tunchiatzu. Linewitsch telegraphierte unter dem 9. d. M.. Bei den Armeen sind keine Veränderungen vorgekommen. Un- sere Abteilungen aus der linken Flanke ruckten bis zur Linie Dagutsiaten—Schinnaozen Touangou Ju- lanzen und Wanhogou vor, wo sie ^uf den W i d er st and des Feindes stießen. Iw Feuergefecht mit den Ja- panern fiel Oberstleutnant Schultschitenro. Japans Bedingungen find noch immer nicht bekannt. Gin früheres.Mitglied der Londoner japanischen Gesandtschaft erklärte: Die japanische Regierung verlangt die Räumung der. Mandschurei, was ja der Zweck des Krieges war, weil Japan sich ohne diese Räumung richt gegen zukünftige russische Nanke gesichert fühlt. Was Korea anbetrisft, so werde dieses jedenfalls der Protektion Japans unterstellt. Niemand denke wohl daran, Japan PortArthur streitig zu machen, weil es diese Festung zweimal erobert hat. Wladiwostok wird, falls der Krieg noch fortgesetzt wird, auch wobl in die Hände der Japaner fallen. Wahrscheinlich wird es bann geschleift werden.. Auch die Besitznahme Sachalins steht fest, da dieses früher Japan gehörte. Uebrigens wollen die Japaner den Reichtum dieser Insel besser als die Russen ausbeuten. Eine Kriegsentschädigung sei unvermeidlich. Jedenfalls werde Japan die Rückzahlung allerKriegskosten verlangen. Aus verschiedenen bisherigen Aeußerungen dazu berufener Persönlichkeiten scheint bervorzugehen, daß Rußland die Abtretung von Port Arthur, Wladiwostok und Auslieferung der in neutralen Häfen eingebrachten Schiffe annehmen und auch in die Stellung der Mandschurei und Koreas unter japanisches Protektorat willigen werde. Vielleicht würde man sich auch mit Abtretung der Insel Sachalin ab sind en. Die Stimmung in Japan ist infolge der Rooseveltscheu Aktion die allerbeste. Die Fondsbörse in Tokio zeigt bereits mit dem 9. d. M. lebhaft steigende Tendenz. Ein russisches Schiff ans der Heimreise. London, 12. Juni. Nach einer Lloyddepesche aus Singapore berichtet der dort eingetroffene englische Dampfer „Sea-Lion", er sei Samstag in der Malaccestraße einem nach Haufe fahrenden Kreuzer der russischen Freiwilligenflotte begegnet. ein russischer Schlachtbericht. General Linewitsch telegraphiert: Laut schriftlichen Berichten der Kommandeure des Kreuzers „Almas" und der Torpedoboote „Großnij" und „Vrawy", einem mündlichen Bericht des Flügeladjutanten Tschagin und Aussagen der Offiziere von „Osljabia" waren die hauptsächlichsten Momente der Schlacht in der Koreastraße folgende: Am 14. Mai näherte sich das Geschwader morgens in zwei Kolonnen, die Panzerschiffe zur Linken, die Kreuzer zur rechten, zwischen ihnen die Transportschiffe, der östlichen Durchfahrt der Koreastraße. Um 7 Uhr morgens wurde aus der rechten Seite der Kreuzer ,^Fdzumi" gesichtet, in der elften Stunde auf der linken Seite die Kreuzer „Kasagi", „Niitaka", „Tschitose" und „Tschuschima". Zu dieser Zeit ging der „Wladimir Monomach" auf ein Signal auf die rechte Seite der Transportschiffe über und eröffnete das Feuer gegen den „Jdzumi", welcher das Feuer erwiderte und im Nebel verschwand. Um 11.20 Uhr eröffnete die zweite Panzerschiffsabteilung das Feuer gegen die japanischen Kreuzer, wobei bemerkt wurde, daß die „Niitaka" oder die „Tschuschima" getroffen wurde. Die Japaner erwiderten das Feuer, gingen nach links ab und verschwanden im Nebel. Um 11.40 Uhr stellte sich die zweite und dritte, Panzerschiffsabteilung, sowie die Kreuzerabteilung, welche eine Rekognoszierungs-Abteilung ausgesandt hatten, in Kolonne rechts von den Transportschiffen auf und änderten den Kurs nach Nordost. Die erste Panzerschiffabteilung ging auf acht Kabellängen nach rechts ab. Um 1.20 Uhr erschien eine japanische Aufklärungsabteilung, offenbar behufs Vereinigung mit den Hauptkräften. Darauf kamen vier japanische Kreuzer, die Kreuzer „Jakumo", „Nnischin", „Kasuga", „Jwate", „Jdzuma", „Stazuma" und andere, insgesamt 16 Schisse, in Sicht, welche dem 6ieschwader mit Volldampf entgegenkamen. Der Nebel hatte sich etwas verzogen. Das russische Geschwader eröffnete das Feuer, während es seinen Kurs beibehielt. Die Transportschiffe entfernten sich von dem Geschwader auf 15 Kabellängen nach rechts. Die Geschwindigkeit des SkschwaderS betrug 10 KUoten. Der Kampf begann auf ein» Entfernung von 60 bis 70 Kabellängen, welche sich Lis auf 20 verringerte. Der Feind machte in großer Entfernung vor dem russischen Geschwader eine Wendung und ging demselben entgegen. Das Feuer der Japaner war sehr sicher. Der Gegner überschüttete die russischen Schiffe buch- ftäblich mitGeschossen und konzentrierte sein Feuer, vorzugsweise auf die an der Spitze befindlichen Admiralschiffe. Die japanischen Geschosse zerstörten alles auf Deck und verursachten Brände. Hierauf begann der Donner der schweren Geschütze. Zuerst wurden „Osljabja" und „Knjäs ©futooroto" beschädigt. Die ersten zwei Schüsse der Japaner verursachten bei der „Osljabja" em Leck, durch welches das Wasser so stark eindrang, daß sie sich auf die Seite legte und gegen 3 Uhr kenterte. Bald schied auch der „Knjäs Ssuworow" aus der Schlachtlinie aus, welcher offenbar nicht mehr steuerfähig war, aber abseits liegend doch nicht aufhörte, ein energisches Feuer zu unterhalten. Um diese Zeit ging der am Anfang, des Kampfes verwundete Admiral Roschdjeftwenski mit seinem Stabe auf das Torpedoboot „Buiny" über. Statt des , Knjäs Ssuworow" trat die „Borodino" an die Spitze, welche den Kampf energisch fortsetzte. Gegen 4 Uhr nachmittags verließ der , Ssissoi Weliki" die Schlachtlinie, setzte aber, obwohl er einen großen Brand zu löschen hatte, den Kampf fort und unterstützte die am Ende der Schlachtlinie liegenden Kreuzer, indem er die leichten japanischen Kreuzer beschoß, welche die russischen Transportschiffe und Kreuzer abzuschneiden bemüht waren. Nach Unterdrückung des Brandes nahm er seinen Platz m der Schlachtlinie wieder ein. Das Geschwader manövrierte zur Deckung des Knjäs Ssuworow". Um 5 Uhr wurde auf „Imperator Alexander III." ein heftiger Brand bemerkt, gleichzeitig neigte sich das Schiff auf die Seite. Es schied aus der Schlachtlinie aus, richtete sich aber bald nach der Löschung des Brandes wieder auf und nahm seinen früheren Platz wieder ein. In der achten Stunde gab der Panzer das Signal „in Not". Gleich zu Beginn der Schlacht hatten sich von dem japa- nffchen Geschwader „Kasumi", „Tschitose", „Nittaka", „Tsu- schima" „Akatsuschima" und „Suma", sowie zwei Kreuzer vom Matsuschima"-Typ abgetrennt, mit der Absicht, die russischen Transportschiffe zu beschießen, unter welchen bei dem Versuch, dem Kreuzfeuer zu entgehen, Verwirrung entstand. Das Feuer der javanischen Kreuzer war auf die Transportschiffe und auf Sswjetlana", „Almas" und „Ural" gerichtet. Letzterer erhielt ein Leck unter der Wasserlinie, verließ die Schlachtordnung mrd setzte Ruderboote aus, als sich die „Sswjetlana" näherte, welche ebenfalls unter der Wasserlinie beschädigt wurde, aber den Kampf fortsetzte Dimitri Donskoi" und „Wladimir Monomach" kamen den Transportschiffen mehrmals zu Hilfe und zwangen feuernd die Japaner sich zu entfernen. Gegen 7 Uhr abends war die Lage folgende: Die russischen Panzer grngen mtt dem japanischer: Geschwader parallel und feuerten vom rechten Bord, die „Borodino", auf welcher Flammen und Rauch sichtbar waren, an der Spitze. Links von den Panzern gingen, nicht ganz den gleichen Kurs einbaltend, „Oleg", .„Awrora", „Dimittt Donskm und „Wladimir Monomach"' links gingen bte Tro ns po rt schiffe ohne „Kamtschatka", „Ural", „Sswjetlana" und „Almas , links „Schemtchng", ,Zsumrud" und die Torpedoboote. Besondere Beschädigungen waren nicht bemerkbar, nur d:e „Sswjetlana ging mit dem Vorderteil tiefer. Links und hinten waren japanische Kreuzer zweiten und dritten RangeS sichtbar, auch oQ bis 60 Torpedoboote wurden am Horizont gesichtet. . Um 7.10 Uhr kenterte die „Borodino" und sank m bjeiB nuten. Vor Sonnenuntergang signalisierte die „Nikolai Kurs nordost. Diesen Kurs hielt das Geschwader eine halbe Stunde ein, da wurden vorn neun japanische Torpedobootszerstörer erblickt Die Panzerschiffe lenkten um nach rechts, die Kreuzer gingen! nach links ab. Dem Beispiel des Vorderschiffes „Oleg^ folgend fuhren die russischen Panzerschiffe fort, die japanischen Panzerschiffe und Torpedobootszerstörer, welche sich auf. den Flanken befanden, zu beschießen. Sie bog plötzlich nach links ab, um Anschluß an die russischen Kreuzer zu suchen, von denen „Oleg" unter Admiral Enguist und „Awrora", sowie „SchenttschurL ihren Südkurs fortsetzten, während die übrigen Kreuzer sich abei> mals nordwärts wandten. Bei Eeinbruch der Dunkelheit lie^n! die Japaner die Scheinwerfer in Tätigkeit treten. Die Schlacht spielte sich zwischen fr-n Fnieln Iki und Tllffchima ab. . —AußHnd in Simm und Drang. Der Ministerrat hat die Beratung deS Bulyginschen Reform-Entwurfs fortgesetzt. Er lehnte die Wahlen auf ständischer Grundlage ab und sprach sich gegen das allgemeine Stimmrecht und für die Wahlen auf der Grundlage des LandschaftsgeseheS von 1864 auS. Als Wähler sind zugelaffen die Großgrundbesitzer, die Stadtbewohner und die Landbevölkerung. Letztere darf ihre Mandate den Großgrundbesitzern erteilen. Den Blättern zufolge soll die Beratung am 23. Juni abgeschloffen sein und die Volksvertretung im Herbst einberufen werden. Der in Petersburg bestehende Verband von 15 Vereinen verschiedener GesellschastS- und Berufsklaffen, die sich zu- sammengefchloffen haben, um in dem Kampfe gegen das herrschende Regime mehr Kraft entfalten zu können, als es den einzelnen möglich wäre, hat seine Arbeiten beendet. Der: Verband, dem sich als sechszehnte Gruppe die Vereinigung von Bauern angeschlossen hat, faßte unter anderem einen Beschluß, in dem er im Hinblick darauf, daß zur Zeit keine Hoffnung sei, daß die Regierung aus die Stimme des Volkes höre, empfiehlt, daß jeder tun solle, was in seinen Kräften stehe und was er nach seiner politischen lieber» zeugung für notwendig erachte. Alle gesetzlichen Mittel, so spricht sich die Resolution deS Verbandes auS, müffen nunmehr versucht werden. Indem er sich an die verschiedenen Gesellschaftsklaffen wendet, schlägt der Verband sodann vor, den Versuch zu machen, diejenigen Personen, die sich die Staatsgewalt angemaßt haben, ohne Verzug zu entfernen, an ihrer Stelle eine konstituierende Versammlung einzuberufen, Maßregeln zum Schutz der 93er- bandSmitglieder zu treffen, allgemein zu empfehlen, vor den Gerichten jedes Zeugnis auf Fragen bezüglich deS Verbandes zu verweigern, und endlich für alle Berufe, die dem Verbände angehören, einen allgemeinen politischen Ausstand ins Werk zu setzen. Die Regierung ernannte eine Kommission, welche Maß- nahmen zur Behebung der in mehreren Gouvernements auS- gebrochenen Hungersnot beraten soll. Der Wirtschaftsrat deS Gouvernements Charkow erklärte in seiner letzten Sitzung, die Regierung sei vollständig bankerott, und es fehle ihr deshalb daS moralische Recht, die innere wie die äußere Politik Rußlands zu leiten. Der Wirtschaftsrat erachte es für notwendig, sofort eine Volksvertretung einzuberufen. DaS Aktionskomitee der polnischen Sozialistenpartei veröffentlicht in seinem Organ eine Erklärung, in welcher bekannt gegeben wird, daß die in letzter Zeit vielfach AmtS- und Privatpersonen zugegangenen und angeblich von dem sozialistischen Aktionskomitee unterzeichneten Todesurteile von Betrügern herstammten, welche Geld erpressen wollten. DaS Komitee habe derartige Todesurteile weder verfaßt noch versandt. In Podolien und im Gouvernement Twer sind wiederum Bauernunruhen auSgebrochen. Ebenso laffen die Meldungen aus Warschau und Kowno den AuSbruch neuer Unruhen befürchten. Bei den letzten Unruhen in Minsk wurden 30 Personen verletzt. In Eriwan haben Armenier einen Mazedonier ermordet. Die Unruhen wurden mir durch die Drohung, daß die Truppen von den Waffen Gebrauch machen würden, beendet. Die gemeldeten Zusammenstöße zwischen Mohame- danern und Armeniern im Kaukasus verbreiten sich auch Über die ländlichen Distrikte und fordern sehr viele blutige Opfer. Ganze armenische Dörfer wurden von' den Mohamedanern niedergebrannt und die Einwohner hin geschlachtet. Hleue makokkanische Mordtaten. Aus Mazagan eingegangene briefliche Meldungen berichten über die Ermord ungdesö st erreichisch-ungarisch en VizekonsulS Madd en, der von Geburt ein Engländer war. Die Mörder drangen, vier an der Zahl, in das Schlafzimmer MaddenS, brachten ihm zahlreiche Dolchstich- des Negers Vendredi, der, wie auf roten Pakaten an 'en Anschlagsäulen zu lesen war, laut Telegramm be- timmt starten würde. Aber zunächst kamen die „Begrüßungsfahren", an denen Vendredi noch nicht beteiligt war. Diese Kämpfe waren sehr interessant, besonders als im Endlauf der MeisterfahrerSüddeutschlands, I. B e t t i n g e r, unter den übrigen Fliegern: Odendal-Köln, Moeser-Frank- urt und Neimer-Ludwigshafen mit großer Sicherheit als Sieger hervorging. Dann wurde in einer Pause ein schweres, suchendes Motorungetüm in die Bahn gebracht, welches sich ür das Schlußrennen vorbereiten sollte. Es gewährt einen eigentümlichen Anblick, ein solches Fahrzeug mit ohrenbetäubendem Lärm durch die blühende und sonnige Pfingstnatur rasen zu sehen. Viele fuhren, von Entsetzen gepackt, von ihren Sitzen auf, als dieses Stahlroß, wie ein Kriegsinstrument tobend, mit donnerndem Puffen vorbeisauste, wobei der kühne Reiter, der wie ein göttergleicher Held auf seiner Maschine saß, allen Höllenspektakel, Schrecken und Pein weit hinter sich ließ. Das war nur ein kurzes Zwischenstück, denn es begann ein fesselndes Vorgabefahren, wobei der Sieges- sahrer Bettingcr alle die andern Wettstreiter, 14 an der Zahl, bald überflügelte. Auch das Ausscheidungsfahren in neun Runden, bei welchem der Letzte jeder Runde ausscheiden mußte, war sehr unterhaltend, da Bettingcr mit seinen Konkurrenten spielte, sich bis nahe zum Ziel scheinbar zurückhielt, um dann schnell den Letzten zu überholen und schließlich wieder als Sieger hervorzugehen. Zum Schluß gab es das große Stundenrennen mit einspuriger Motorführung, woran der Neger teilnahm. Dieser kleine, schmächtige Kerl mit dem dicken Kopf, den talergroßen Augen und dem breiten Mund, saß wie ein Aeffchen auf seinem Rad, aus welchem er in vei und töteten ihn dann durch einen Schuß in die rechte Schläfe. Sie schoßen auch auf seine Frau, die aus dem anderen Zimmer herbeieilte, trafen aber nicht. Frau Madden flüchtete nach einem anderen Zimmer, wo sie am nächsten Tage bewußtlos aufgefunden wurde. Die Mörder entkamen unter Mitnahme von Wertgegenständen. Dem „Daily Chronicle" wird unterm 11. d. M. aus Tanger gemeldet: Gestern wurde hier der Vertreter Rai- sulis erschossen. Raisuli wird einen anderen Bevollmächtigten nach Mazagan schicken, um den Mörder de§ österreich-ungarischen Vizekonsuls sestzunehmen. — Heute morgen haben Angehörige des Stammes Beni-Mzoar in einem kleinen Ort nahe von Tanger einiges Vieh gestohlen. Es kam zu einem kleinen Gefecht, bei welchem aber, soweit bekannt, niemand getötet wurde. Nach einer Meldung aus Fez vom 8. Juni sind 500 Soldaten von dort nach Tanger abgegangen; sie sollen den Teil der hiesigen Garnison ersetzen, den der Maghzen nach Udjah abzusenden beschlossen hat, um als Verstärkung der Truppen zum Kampfe gegen den Prätendenten zu dienen. Das Reutersche Bureau meldet aus Fez: Der deutsche Gesandte Graf Tattenbach wurde ernt 7. Juni von dem Sultan in längerer Privataudienz empfangen. Lause des morgigen Tages. »* Personalien. S. K. H. der Großherzog haben /en Amtsrichter in Homberg Eugen Funk zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Gießen mit Wirkung vom 1. Juli 1905, den Staatsanwalt am Landgericht der Provinz Starkenburg Dr. Karl Wolff zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Butzbach mit Wirkung vom 15. Juli 1905, den Amtsrichter in Ulrichstein Dr. Moritz Hansult zum Amtsrichter in Dieburg und den Gerichtsasscffor Ernst Hofmeyer aus Nidda zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Altenstadt ernannt. — Dem evangelischen Pfarrer Köhler zu Vielbrunn wurde der Charakter als Kirchenrat erteilt. — Oberzahlmeister Karl Schramm, eine in weiten Kreisen bekannte und beliebte Persönlichkeit, ist am Sonntag plötzlich an einer Herzlähmung gestorben. Er hat 12 Jahre lang dem hiesigen Regiment angehört und war in Gießen heimisch geworden, sodaß sein Tod von Vielen betrauert wird. Oberzahlmeister Schramm war geboren am 26. September 1852 zu Kahla in Sachsen-Altenburg. Am 1. August 1870 trat er als dreijähriger Freiwilliger beim Ersatz-Bataillon des Jnf.-Regts. Nr. 94 ein, und 1876 erfolgte seine Beförderung zum Zahlmeister-Aspiranten. 1887 wurde Schramm zum Zahlmeister befördert unter gleichzeitiger Versetzung in das 2. Bataillon des Jnf.-Regts. Nr. 87. Am 1. April 1893 kam er in das hiesige Regiment, wo er am 2. Juni 1900 zum Oberzahlmeister ernannt wurde. Leutseliges Wesen und guter Humor waren gute Eigenschaften des Gestorbenen. ** Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten-Versammlung Donnerstag den 15. Juni, nachmittags 4 Uhr: 1. Auslosung von Schuldverschreibungen des 1890er Anlehens. 2. Desgleichen des 1892er Anlehcns. 3. Mitteilungen. 4. Vermächtnis des verstorbenen Rentners E. Balser. 5. Markise am Krogmann'schen Hause, Bahnhofstraße 30. 6. Baugesuch des K. Nikolaus für die Steinstraße; hier: Dispens. 7. Desgleichen des E. H. Müller für die Ecke Stein- und Weserstraße; hier: Dispens. 8. Gesuch der Firma A. Kröll Söhne hier um Entfernung eines Pappelbaumes auf ihrem Lagerplatz hinter dem Biebertal-Bahnhof. 9. Gesuch der Eisenbahnbetriebsinspektion I hier um Erlaubnis zur Kreuzung des Wetzlarer Weges durch eine Fernsprechleitung. 10. Beschaffung von Sprenggeräten für den Stadtgärtner. 11. Reparatur des Ventilbrunnens im Hofe der Stadtmädchenschule. 12. Beschaffung von Lüftungsklappen für einzelne Räume der Stadtmädchenschule. 13. Anschaffung von Schulbänken für die Volksschulen. 14. Beschaffung einer Tragbahre für den Sanitätsverein. 15. Genehmigung von Rechnungen. 16. Genehmigung von Handabgaben. 17. Waldwirtschaftsplan für 1906. 18. Ausbau der Roonstraße zwischen Moltkestraße und Großen Steinweg. 19. Vergebung von Umpflasterungsarbeiten. 20. Kaus mit H. Schaumberger. 21. Verputz des vorm. Attig'schen Hauses Seltersweg 9. 22. Gesuch des Friedrich Kopp hier um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Hause Bismarckstraße 20. 23. Desgleichen des Gottfried Abel hier für Wolsstraße Nr. 9. 24. Die Ferien der Stadtverordneten-Versammlung. *• Für die Pfingstfeiertage war wirklich, wie unsere Wetterstation und der Barometer verkündet hatten, prächtiges Wetter eingetreten: es wehte eine erfrischende Luft und war nicht drückend heiß. Selbstverständlich^ wurde die Eisenbahn nach allen Richtungen hin benutzt; besonders am SarnStag war der Verkehr außerordentlich stark. Man hatte dies vorausgesehen, und durch Einstellung von Vor- und Nachzügen konnte die Bahn alle Anforderungen glatt erledigen. Am heutigen „dritten" Feiertag findet im Philosophenwald Konzert unserer Regimentskapelle statt. Das herrliche Wetter ladet auch heute zu Spaziergängen ins Freie jedermann, der die Arbeit ruhen lassen darf, ein. ** Auf der Rad-Rennbahn an der Hardt fand am gestrigen Pfingstmontag nach langer Pause wieder einmal ein großes Rennen statt. Die Beteiligung der Zuschauer war nicht übermäßig groß, obwohl zur festgesetzten Stunde um 31/2 Uhr eine große Menge Gießener über die Lahnbrücke geströmt war. Die Neugierigen verteilten sich größtenteils auf die billigen Stehplätze, und die Tribüne war schlecht besetzt. Obwohl das Rennen einen sehr schönen Verlauf nahm und die Liste der teilnehmenden Fahrer viele bewährte Namen enthielt, hörte man doch allenthalben Aeußerungen, daß der Radsport und die Radrennen sich überlebt hätten. Neugierig harrte man auf das Erscheinen einer Stunde 50,8 Km. zurücklegte. Seine Ausdauer siegte über die der drei anderen Mitfahrer. Die Motorführung ver- agte gegen Schluß, auch das bereits erwähnte spektakelnde Motorfahrzeug, dessen Führung Vendredi vertrauensvoll dicht hinterher folgte, mußte endlich die Bahn verlassen. Die Schwierigkeit für den Fahrer wuchs danach natürlich ganz außerordentlich, denn der zu überwindende Luftdruck war weit größer. Ein kleiner Unglückssall, den ein Motorfahrer beim Absteigen hatte, indem er seitlich aus der Bahn stürzte, blieb, abgesehen von völlig zerrissenen Hosen, ohne schlimme Folgen. Tas Rennen war erst gegen 7 Uhr beendet. Der Strom der Zuschauer ging wieder zurück nach Gießen, und das Interesse für das sportliche Ereignis, das gestern von keinerlei ähnlichen Veranstaltungen beeinträchtigt worden war, erlosch bei allen, die sich nach der festlichen Pfingstnatur, dem Dust der blühenden Akazien und dem Odem der schönsten Sommerzeit gesehnt hatten. . . ** RuhestörendeHunde. Uns gehen aus unserem Leserkreise Klagen zu über ruhestörende Hunde, die ganze Tage lang jämmerliches Geheul hören lassen und oft nachts die Schläfer stören. Die Einen beschweren sich über einen Hund in einem Hause an der Gr. Mühlgasse, die Anderen über einen solchen in einem Hinterhause der Moltkestraße. Hoffentlich genügen diese Zeilen, um dem Lärm ein Ende zu bereiten. ** Fahrrad-Diebstahl. Bei dem gestrigen Radrennen auf dem Rennplatz an der Hardt wurde einem zuschauenden Landwirt ein Fahrrad entwendet. ** Butter- und Milchrevisionen. Am Samstag, dem 10. d. M., wurde wiederholt eine polizeiliche Revision in hiesigen G-eschäftsläden bezüglich der in Paketen zum Verkauf abgewogenen Butter vorgenommen. Bei 183 Paketen zu V2 Pfund ergab sich, daß 46 Stück ein Mindergewicht von 5 bis zu 12 Gramm aufwiesen. Verschiedene Verkäufer waren der Meinung, daß die Ware in abgewogenen Paketen schon etwas eintrocknen könne; demgegenüber aber kann und wird der Käufer, wenn er die Waren, und insbesondere Butter, nach Gewicht bezahlt, sein bezahltes Quantum auch verlangen. Es wäre wünschenswert, daß die Polizei in ihrer Tätigkeit von den Käufern durch Nachwiegen der Einkäufe unterstützt würde. — Am zweiten Feiertag wurde mit der Bahn hier angelommene Milch, die als „Vollmilch" verkauft werden sollte, einer polizeilichen Revision unterzogen und als sehr minderwertig befunden. 180 Liter mußten beschlagnahmt werden. ** Selbstrn 0 rd. Heute morgen um 41/4 Uhr fand eine Gendarmeriepatrouille am Rodberge die Leiche eines unbekannten jungen Mannes im Alter von etwa 19 bis 20 Jahren. In der Hand der Leiche fand sich ein Revolver; ein Schuß in die rechte Schläfe hatte den sofortigen Tod herbeigeführt. Es liegt Selbstmord vor. Papiere oder sonstige Merkmale, die auf die Person des Selbstmörders schließen ließen, fanden sich nicht bei der Leiche; die Wäsche ist I. S. gezeichnet. Diejenigen, welche Auskunft über die Person des Gestorbenen zu geben vermögen, werden gebeten, der Kriminalabteilung des Polizeiamts Nachricht zu geben. ** Epilepsie. Heute morgen gegen 7 Uhr verfiel ein hiesiges Dienstmädchen, welches von einer Feiertagsreise zurückkehrte, in der Bahnhofstraße in Krämpfe. Das Mädchen wurde durch einen hinzukommenden Schutzmann in ein Nachbarhaus gebracht, wo es sich bald wieder erholte. )( Lich, 12. Juni. Das Pfingstfest brachte für unsere Einwohner zwei angenehme Abwechslungen. Gestern nachmittag veranstaltete der Musik verein von Bornheim, der über Münzenberg und Arnsburg einen Ausflug hierher unternommen hatte, mit der Genehmigung des Fürsten ein Jnstrumentalkonzert als Ständchen vor dem fürstlichen Schlosse. Heute morgen wurde unsere Stadt durch eine andere musikalische Festgabe überrascht. Der bekannte Gesangverein Cäcilia hatte einen Pfingstausflug unternommen und ließ als Weckruf einige herrliche Chöre in die noch stillen Straßen und Gassen erschallen. — An der Herrichtung des Denkmals für den Fürsten Ludwig wird eifrig gearbeitet, lieber dem Platze, den das Denkmal zieren soll, ist ein mächtiges Gerüst errichtet, und die Sockelquadern aus rotem Sandstein liegen zur Aufstellung bereit. Auch die in Bronze gegossene, überlebensgroße Figur ist bereits hier, sodaß die Aufstellung in wenigen Tagen vollendet sein wird. Ob die Enthüllung jedoch an dem anfänglich bestimmten Termin, dem 27. Juni, dem Geburtstage Sr. Durchlaucht des Fürsten Karl stattfinden wird, ist noch fraglich. Vielleicht wird mit Rücksicht auf die Heuernte, die viele Bewohner unserer Stadt und der Umgegend von der Beteiligung abhalten würde, der 2. Juli, ein Sonntag, als Enthüllungstag bestimmt. W. Bad-Nauheim, 12. Juni. Fürst Ferdinand von Bulgarien, der gegenwärtig mehrere unserer Taunusbäder einer Besichtigung unterzieht, traf mit Begleitung heute Aus Stadt und Land. Gießen, 13. Juni 1905. — Das Großherzogliche Paar besuchte, wie uns LuS Darmstadt drahtlich gemeldet wird, am 1. Feiertag vormittags den Festgottesdienst in der Hoskirche und fuhr am 2. Feiertag zum Besuch der Prinzessin Ludwig von Battenberg nach Schloß Heyligenberg, wo die Herrschaften auch übernachteten. Die Rückkehr nach Darmstadt wird, wie uns von dort gemeldet wird, heute abend stattfinden. Die Verlegung deS Hoflagers nach Schloß Wolfsgarten erfolgt im vormittag auch in Bad-Nauheim ein. Er besuchte daS Kurhaus, machte einen Spaziergang durch den Park und die Anlagen zu den Badehäusern und dem Zanderinstitut von Wilhelm Gabriel. Hier verweilte er längere Zeit und zeigte großes Interesse für die Einrichtung des Instituts. Voraus- 'ichtlich folgt diesem Besuch ein längerer Kuraufenthalt hier. Bad-Nauheim, 12. Juni. Folgende Unterhaltungen finden in dieser Woche statt: Mittwoch nach, mittags und abends aus der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends Wagner-Konzert. Abends 8 Uhr Theatervorstellung: „Der Bibliothekar." Donnerstag nachmittag und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle mit Einlagen des Nost'schen Soloquartetts aus Köln. Abends von 8—10 Uhr Tanz. Freitag nachmittags und abends auf der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr Theater-Vorstellung unter Mitwirkung der Kurkapelle: „Fledermaus". Samstag nachmittag aus der Terrasse Konzert der Kurkapelle. Abends 8 Uhr im Saale Elite-Konzert von Martha Rennert, Hof- Pianistin und Kammervirtuosin, Lili Menar, Konzertsängerin aus Berlin, und Johannes Snoer, erster Harfenist am Theater- und Gewandhausorchester zu Leipzig unter Mitwirkung der Kurkapelle. Sonntag den 18. Juni: Konzert der Kapelle des 2. Rhein. Husaren-Regiments Nr. 9 aus Straßburg. Abends von 8 bis halb 10 Uhr: Symphonie- Konzert der Kurkapelle. Frankfurt a. M., 11. Juni. Im Keller des Hauses Rhönstraße 95 begoß heute mittag $egen 4 Uhr die 57 Jahre alte Frau des Privatiers C. Reiner ihre Kleider mit Petroleum und setzte sie in Brand. Durch die starke Nauchentwickelung wurden Hausleute aufmerksam. Sie fanden die Frau lichterloh brennend vor. Als die Rettungswache der Münzgasse eintraf, war die Unglückliche tot. Wie gemeldet wird, hat Frau Reiner die Tat in geistiger Störung verübt. Sie war in der vorigen Woche aus einem Sanatorium in Hofheim im Taunus zurückgekehrt; zu Hause wurde sie bewacht; sie benutzte heute nachmittag einige Augenblicke, in denen sie unbeaufsichtigt war, um in den Keller zu flüchten und dort ihr schreckliches Vorhaben aus- zusühren. Spott. Berlin, 12. Juni. Am h-utm-n zweiten Zane bet Wrttnnuer Ruderregatta.welcher IN diesem Jahr« der Kaiser wegen des Ablebens deS Fürsten von Hoklenzallern mchl beiwohnte, siegte im K a i s er o irr e r der Mannh Ruderklub vor HellaS-Berlm, Wiking-Berm und BeUmer Ruderklub. Im akademischen Vierer lKaiserpreis, fteg c der a la d e m i s eh e R u d e r k l >. b - B e r l, n vor Arnuma-B-rlm und dem akademischen Ruder- und Ballsvielverem-Hannover. T^n Groben Preis von Berlin im Vierer gewann der Mannheimer Ruder.-ttluo or Hellas-Berlin und dem Soindlersfelder Ruderverem. Dermiicbtei« * Heiteres aus der Stadtverordnetenver» sammlung in Heiligenstadt (preuß. Reg.-Bez. Erfurt) wird den Le'ipz. N. N. berichtet. Dort ist es vorgekommen, daß in diesem Jahre während der Tauperiode ein Stadtverordneter int Straßenschmutz stecken geblieben und unter Verlust seiner Gummischuhe in seine Wohnung zurück geflüchtet war, sodaß der Stadtvater an der gerade anberaumten Stadtverordnetensitzung nicht teilnehmen konnte. Bei der jetzt herrschenden Hitze ist der Straßenschlamm verschwunden, jedoch der Straßenstaub ist zeitweise unerträglich. Aus Gründen der Hygiene hat der Magistrat beschlossen, einen Sprengwagen — einen! — anzuschaffen. Die hierauf bezügliche Vorlage wurde denn auch in der letzten Stadtverordnetensitzung von allen Seiten begrüßt und schließlich auch genehmigt. Nur ein Mitglied des Stadtverordnetenkollegiums, der Tischlermeister Zehrt, sprach gegen die Vorlage. Herr Zehrt entwickelte seine Meinung über Hygiene wie folgt: „Heiligenstadt sei so gesund, daß fast niemand mehr stürbe. Vom Staub hole sich me- mand den Tod, und wenn wirklich mal einer stürbe, so solle man den Mitmenschen doch den Verdienst gönnen. Wenn das mit der Hygiene so fort gehe, wovon sollten denn da die jungen Aerzte leben. Man wolle hier auch noch einen Kehrwagen, auch einen Leichenwagen anschaffen, Straßen bauen re. Wo sollten denn alle die Gelder Herkommen? Man sollte den Bürgern doch die vielen Kosten ersparen." Trotz des Protestes dieses liebenswürdigen Menschenfreundes wurde aber schließlich doch der eine Sprengwagen genehmigt. * Kleine Tageschronik. Eine Frau de BUr m Fedderwardergroden im Jeverschen wurde im Bett ermordet auigestrnden. Wie es heißt, soll der eigene Gatte ferne Frau getötet haben. Kunst und Wissenschaft. — Die „Nordö. Allg. 3tg." schreibt: Der Kaiser besucht- am Freitag nachmittag die M en zel-Ausstellung m oer Kgl. Nationalgalcrie zu Berlin und wurde vom Generaldirekto der Museen v. Schöne, dem Direktor der Galerie v. Tschudi mn. dem Geh. Rat Dr. Schmidt vonl Kultusministerium empfangen, ^e. Majestät brachte der Künst des Altmeisters das lebhafteste JMereye entgegen. Obgleich dem Monarchen das Lebenswerk Menzels m allen Aeußerungen vertraut ist, gab er doch gegenüber dreien Tausenden von Werken sein Erstaunen zum Ausdruck über: me einzigartige Leistungsfähigkeit dieses Großen im Reiche der nünn Der Gedanke wurde mehrmals besprochen, daß nur em s gründendes M enz el-MuseuM das rechte und würdige Denkmal des deutschen Meisters sei. Fast nach drei Stunden verlieh Se. Majestät in hoheni Grade befriedigt die von ihm em- gehendst besichtigte Ausstellung. — Die Erben Menzels stlftetm das letzte der großen Friedrichbilder, einen unvollendet ae bliebenen Entwurf „Friedrichs des (großen AnsMche aN die Generale vor der Schlacht bei Leuthen", das_ 1859 begonnen wurde und als Fragment bis zuletzt in des Künstlers ateli gehangen hat, der Kgl Nativnalgalerie. . Wien, 12. Juni. Im Festsaale der Unive^itat. wurde heute in Anwesenheit von Vertretern der Staat- und Stadtbelwrden i_e internationale botanische Kongreß, vnf dem reiche fremde Regierungen amtlich vertreten sind, eröffnet. Kongreßmitglieder wurden durch den Präsidenten Hoftat Wiesner, den Ackerbau m mist er Gras Buguoi, den Bürgermeister ^r. g u. a. begrüßt. Der Hauptberatilnigs'gegenftand ist die iresorm der botanischen Nomenklatur. Heute Reinke-Kiel über „Hypothesen, Voraussetzungen und ^rooreme irt Budapest",' 12. Juni. In Lenaus Geburtsorte, der südungarischeii Gemeinde C s a t a d, wurde heute unt £ nähme zahlreicher literarischer Vereine !ms D e n t ™ <> Dichters feierlich enthüllt. Reichstagsabg. ^anz Herz g h die Festansprache in ungarischer, Universitätsprchessor Gustav Heinrich eine solche in deuycher Sprache. Am Denkmal wurde^ prächtige Kränze niedergelegt, darunter lvlche von der mtg scheu Akademie der Wissenschaften, dem Verem bildender Künstl imd dem Wiener Iournalistenverein „Eoncoroia . _ ßisenkaön-Zeilung. — Die Direktion der Ehicago and Alton-Bahn be- schloß, aus allen Zügen zwischen Chicago rind St. Souls draht- loseTelegravbie einzufübren, sodaß alle Bahnstationen dieser Strecke fortwährend mit den Zügen in Verbindung stehen. Durch diese Maßnahme werden nicht nur Zusammenstöße und andere Unfälle größtenteils vermiede n,„ es werden auch Tausende unterwegs ihre dringenden Geschäfte erledigen können. Dieses Beispiel wird wohl auch von anderen Bahnen in Amerika bald nachgeahmt werden. Wenn wir die drahtlose Telegraphie auf den deutschen Eisenbahnen erhalten, das steht natürlich noch nicht in den ©fernen geschrieben. Jedenfalls werden uns dann die Amcrikaner sclwn wieder mit etwas Minderem voraus sein. Kandel und Kerkelir. Volkswirtschaft. Berlin, 11. Juni. Zur Wahrnehmung- der ein Versicker- kmgskapital von ca. 80 Millionen repräsentierenden deutschen E g u i t abl e v e r si ch er ten hat sich unter Leitung des deutschen Feuerversicherungs-Schutzverbandes E. V. in Berlin, der in seiner letzten Generalversammlung die Ausdehnung seiner Tätigkeit auf die Lebensversicherung beschlossen hat, ein Komitee gebildet, das für Ende nächster Woche eine Versammlung zunächst der Berliner Versicherten beabsichtigt. Es liegt im Interesse der Versicherten, ihre Adressen dem Schuhvcrband mit näheren Angaben über die geschlossenen Lebensversicherungen schleunigst mitzuteilen. Märkte. fc. Frankfurt a. M., 18. Juni. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz/) Amtliche Votierungen der heutigen Frnchtmarktpreise. Weizen Mk. 18.50—00.00, Kurhessischer Mk. 18.50—18.75, La Plata Mk. 18.25—19.25, Kansas Mk. 18.50—19.25, Roggen (hiesiger) Mark 15.75—00.00, Gerste (Wetterauer) Mk. 17.75—18.00, Franken- felder Mk. 00,00—00,00, Hafer Mk. 15.00—15.50, Mais Mk. 12.25—12.50 Weizenmehl 0 Mk. 26.75—27.75, 2. Qualität Mk. 24.75 bis Mk. 25.25, 3. Qualität Mk. 22.50—23.00, Roggenmehl 0 Mk. 22.75—23.25,1. Qualität Mk. 20.25—20.75, Weizenkleie Mk. 10.75 bis Mk. 11.00, Roggenkleie Mk. 11.50—12.00, Maiskeime Mk. 11.50 bis- Mk. 12.00, Franken, Pfälzer, Ried Mk. 00.00—00.00. Alles per 100 Kg. ab hier. fc. Frankfurt a. M., 13. Juni. (Telegr. Orig.-Bericht des ,Gieß. Anz."). Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verkaufe standen: 481 Ochsen, 56 aus Oestreich, 430 Bullen, 4 aus Oestreich, 546 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder 0 aus Oestreich, 129 Kälber, 161 Schafe und Hämmel, 1180 Schweine, 0 Ziegen, o Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100Pfund Schlachtgewicht' Ochsen 1. Qualität 71—73Mk., 2. Qual 65—67 Mk., 3. Qual. 59—62Mk.: Bullen l.Qual. 62 bis 64 Mk., 2. Qual. 59—61 Mk.; Kühe 1. Qual. 67—69 Mk., 2. Qual. 59—61 Mk., 3. Qual. 48—50 Mk, 4. Qual. 41—43 Mk., 5. Qual. 00—00Mk. Kälber: l.Qual. 87—90Pfg., Lebendgewicht 52-54Pf., 2. Qual. 82—86 Pfg., Lebendgewicht 49—51 Pfq., 3. Qual. OOr-OO Pfg., Schlachtgewicht 60-64Pfg., Schafe: l.Qual. 72-74, 2 Qual. 64—66 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 69—70 Pfg., Lebendgew. 55.05 Pfg., 2. Qual. 68 Pfg., Lebendgewicht 54—00 Pfg., 3. Qual. 63—65 Pfg., Lebendgewicht 00-^00 Pfg. Geschäft bei Hornvieh gut, kein Ueberstand, bei Kleinvieh gut, kein Ueberstand. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Mittwoch, den 14. Juni 1905: Auffallend heiter, wärmer. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. der vereinigten Frankfurter Stadttheater. Opernhaus. Donnerstag den 15. Juni*): „Die lustigen Weiber von Windsor." Freitag den 16. Juni: Letzte Vorstellung vor den Opern-Ferien: „Die Fledermaus." Von Samstag den 17. Juni bis inkl. Freitag den 14. Juli er. /»Teibt das Opernhaus geschlossen. Schauspielhaus. Mittwoch den 14. Juni, abends halb 8 Uhr: Zum ersten Male: „E l g a." Donnerstag den 15. Juni, abends halb 8 Uhr: „Elga." Freitag den 16. Juni: „Zapfenstreich." Samstag den 17. Juni: „Hamlet." Sonntag den 18. Juni: „Der Pfarrer von Kirchfeld." Montag den 19. Juni: „Kyritz-Vyritz." Dienstag den 20. Juni: Zum ersten Male: „Telephon-Geheimnisse." *) Ansana, wenn nicht ander? bemerkt, abends um 7 Uhr. Temperatur der Lahn und der Lust am 13. Juni 1905. Nach Reaumur gemessen mittags zwischen 12 und 1 Uhr. Wasser 15°, Luit 18° R. Mülle r'sche Bade- und Schwimmanstalt. chriginat-praktmesdnngett. R.-B. Darmstadt, 13. Juni. Der Lehromtsasscssor Dr. W. Wagener zu Butzbach wurde zum Oberlehrer an der dortigen Realschule, der Vizefeldwebel Gg. Bormuth vom Infanterie-Regiment Nr. 115 zum Amtsgerichtsdiener in Herbstein ernannt. — Einen schaurigen Fund machten gestern nachmittag hiesige Spaziergänger. Sie fanden im nahen Eberstädter Walde die Leiche eines unbekannten Mannes, die völlig entkleidet und bereits in Verwesung übergegangen war. — Der langjährige hiesige Stadtrechner, Rechnungsrat Ludw. Kriegh, welcher vor etwa vier Jahren in den Ruhestand getreten ist, wurde gestern mittag auf dem hiesigen Ernst-Ludwigsplatze vom Schlag getroffen und war sofort tot. Berlin, 13. Juni. In dem Programm des Staatssekretärs Frhrn. v. Stengel zur Reichssinanzreform ist eine W e h r st e u e r vorgesehen. London, 13. JUni. Nach weiteren Meldungen aus Tanger heißt der Anstifter und Haupttäter bei der Ermordung des Konsuls M a d d e n B u s h a i b b e n N a m i. Er Et der Sohn eines reichen Mauren. Aus der Rückkehr von einer Hochzeitsfeier kam ihm der Gedanke, mit mehreren anderen gewaltsam in Maddens Haus einzudringen, um für ein ihm von diesem angeblich zugefügtes Unrecht Rache zu nehmen. Ein Sklave überfiel Frau Mudden und Bushaib den Hausherrn. Bushaib und ein Diner wurden noch in derselben Nacht verhaftet und von Frau Mudden als die Schuldigen wiedererkannt. Der britische und österreichische Vertreter haben aus Anlaß dieser Mordtat der marokkanischen Regierung die ernstesten Vorstellungen gemacht. London, 13. Juni. Die „Morning Post" meldet aus Washington vom 12. Juni: Die Verhandlungen zwischen Japan und Rußland über den Ort und die Zeit des Zusammentreffens der beiderseitigen Bevollmächtigten werden zwischen den Vertretern Rußlands und Japans in Washington geführt. London, 13. JNni. „Daily Telegraph" meldet aus Tokio vom 12. Juni: Heute wurde im Schlosse in Gegenwart des Kaisers, des Kronprinzen und der anderen Prinzen eine wichtige Beratung abgehalten, an der Marschall Aamagaia, Margnis Ito, der Ministerpräsident die Minister des Krieges und der Marine und über vierzig hohe Offiziere des Heeres und der Marine, sowie zahlreiche andere Würdenträger teilnahmen. Auf Wunsch der Behörden ist die Presse äußerst zurückhaltend in ihren Kommentaren. Japan bildet so ein glänzendes Beispiel einer Nation, die sich selbst beherrscht. Die russisch-chinesische Bank bot China an, ihm eine große Summe Geldes zur Beseitigung der durch den Krieg in der Mandschurei angerichteten Verwüstungen zu leihen. Das Anerbieten tvurde aber sofort abgelehnt. Der chinesische Gesandte in Petersburg berichtete an seine Regierung nach Peking, Rußland habe wenigstes eingesehen, daß es seine Lage nicht bessern wird, wenn cs den Kuieg fortsetzt. Nom, 12. Juni. Deputiertenkammcr. Der Minister des Aeußern Tittoni erklärt, die italienische Regierung! lehnte das Ersuchen der Negierung des Kon g o st aat e s ab, italienische Auswanderer dorthin zu senden auf den ungünstigen Bericht des von ihr zur Untersuchung des vorgeschlagenen Ansiedelungsaebictes abgesandten Stabsarztes Baccari. Dieser behauptete in seinem Bericht vom 3. Juni 1904, man h«bc ihn auf der Rückreise in Kasongo zu vergiften versucht. Der italienische Es-esandte in Brüssel erlangte von der Kongoregicrung das Versprechen, eine strenge Untersuchung vor unehrnen. Ta das Gericht in Boma die Einstellung des Verfahrens beschloß, übertrug die italienische Regierung die Prüfung der Akten dem; Kassationshof. Die zur Entwickelung des Kongogebietes angewandten Mittel entsprachen vielfach nicht den Gesetze u der Menschlichkeit, doch müsse man, ehe man urteile, den Bericht der von dem Soiwerän des Kongostaates berufenen internationalen Untersuchungskommission abwarten, der dem Souverän ietzt eingcreicht worden ist. Petersburg, 13. Juni. Der Moskauer Kongreß der Vertreter der Semstwos und der Städte ift eine nicht genehmigte Versammlung, daher können die Mitglieder der von Heyden geführten Abordnung dieses Kongresses nur in der Eigenschaft als Privatpersonen sich dem Kaiser vorstellen, um ihm die Adresse des Kongresses zu überreichen. Heyden suchte, tnbein er sich seine Beziehungen zu ten Hofkreisen zunutze machte, durch Vermittlung der Expedition für Zeremoniensachen im Hofministerium nm die Erlaubnis für die Deputation nach, sich dem Kaiser vorzustellen: das Ergebnis dieses Gesuches ist noch nicht bekannt, doch besteht Grund zu der Annahme, daß die Abordnung empfangen wird. Tokio, 12. Juni. (Reuter.) Eine amtliche Depesche meldet". Die Japaner haben am 10. Juni die Russen aus Die’' S Leitungen in der Mandschurei verdrängt. für Kinder, Kranke,Genesende. Verhütet u.beseiticibDiarrhce, Brechdurchfall, Darmkatarrh. DZ Om Sommer* darf ein Kind werden denn Brechdurchfall und andere Verdauungskrankhe’ten raffen im Sommer Hnnderttausende von mit der Flasche genährten Säuglingen hinweg. Wenn eine Mutter nicht genügend Milch hat, dann nehme sie das bewährte Lactagol. Broschüre über „Natürliche Säuglingsernährung“ gratis von Vasogenfabrik Pearson & Co., Hamburg 106. hv8/a SchSnheitskur S.X'ÄH “ÄS“ Alle Bau- mui KanalJbau-Artikel liefert zu billigsten Preisen Emil Horst, Gießen, LiebigsLraße 51, Riegelpfad. 1055 B10/, Keller. B'3 /. D13/( Große Anzahl 2798 B10/6 ItartihSdiölnm M Gießen, den 10. Juni 1905. Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen. Otto Bergem dem Kaiserlichen Postamt in Lich aus. Darmstadt, 6. Juni 1905. Kaiserliche Ober-Postdirektion. I. V.: Rogetzky. Bekanntmachung. In unserem Handelsregister wurde eingetragen: Die Firma „Gebrüder Stamm" zu Gießen ist von dem seitherigen Inhaber David Stamm auf die Kaufleute Albert und Heinrich Stamm zu Gießen übergegangen und wird unter der alten Firma als offene Handelsgesellschaft weitergefi'lhrt. Beginn der Gesellschaft 1. April 1905. Die Prokura des Albert und Heinrich Stamm ist erloschen. ]b18/6 Gießen, den 3. Juni 1905. Großherzogliches Amtsgericht. MAGGF8 Bouillon-Kapselni 1 Tasse vorzüglicher “ IMMrühe 1 Tasse extra starker einzureichen. Gießen, den 10. Juni 190o. Städtisches Gas- und Wasserwerk Gießen. Otto Bergern Arbeitsvergebung. Der Anstrich des großen Gasbehälters auf dem Hofe des Gaswerks soll öffentlich vergeben werden. Die Bedingungen sind während der Dienststunden auf unserer technischen Amtsstube einzusehen. Angebote auf Vordruck sind bis Samstag den 17. d. Mts., vormittags 11 Uhr, verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen, dortselbst einzureichen. Bekanntmachung. Im Hypotheken-Buch der Gemarkung Gießen Band IV Seite 88 ist eine Hypothek des Balthaser Weber und Ehefrau, Elisabethe, geb. Balser, in Gießen in Höhe von 1800 Gulden zu Gunsten der Frau Obereinnehmer Greiner in Gießen, Marie geb. Ochs, auf den Grundstücken alt Flur 35 Nr. 5,5. 4. la,6. 261,4. 262,7. 263,2. 260,5 neu Flur 3 Nr. 257 yi0, 256,1 und 258,1 eingetragen. Die Hypothekurkunde ist verloren gegangen und soll der Antrag, da das Kapital zurückbezahlt worden ist, gelöscht werden. Alle diejenigen, welche Ansprüche an fragliche Hypothek haben, werden hiermit aufgefordert, binnen sechs Wochen ihre Ansprüche bei unterzeichnetem Gericht geltend zu machen, widrigenfalls die Löschung der Hypothek verfügt werden wird. Gießen, den 8. Juni 1905. Großherzogliches Amtsgericht. Bekanntmachung. Mittwoch, 14. Juni 1905, nachmittags 6 Uhr, werden in Ser Stephansmark , eunge Stucke Erlenholz meistbietend versteigert. Die Zusammenkunft ist hinter der neuen Universitäts-Bibliothek an der Bismarckstraße. Gießen, den 10. Juni 1905. B A Großh.erzoolu " s-" mmneifterei Gießen. I. V.: Curschmann. — 2 Portionen in Kapseln zu 10 bezw. 15 Pfg. — empfiehlt an- gelegentlichst C18/« Emil Fischbach Seltersweg 24. Bekanntmachung. Der Plan über die Errichtung einer oberirdischen Telegraphenlinie an der bei km 4,96 der Landstraße Lich— Eberstadt abzweigenden Kreisstraße nach Dorf-Güll liegt bei Arbeitsvergebung. Die zur Vergrößerung des Regenerierraums im Gaswerk erforderlichen Maurer-, Zin.merer- und Dachdeckerarbeiteu sollen mif Wege der öffentlichen Ausschreibung vergeben werden und {jenen die Bedingungen, Arbeitsbeschreibungen und Zeichnung auf unserer technischen Amtsstube während der Dienststunden zur Einsichtnahme offen. ... s Angebote sind bw zum 19. »- Mts., vormittags 11 Uhr, verschlossen und mit entlprechender Auslchr.ft versehen, bet uns Muster-Sonnenschirme habe zu abnormen Preisen ausgesetzt. 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