Nr. 10 Donnerstag, 12. Januar 1905 155. Jahrg. Krtchetnt M-Üch «tt vuSmchm» de- Sonntag». Di« «Ote-euev ^orinflimMÄtitr* werden dern ,tbr8d#s.. öttrmt n>öd>entließ brtgelegL De j UM. tr • eddxtir «onaMch «tamM Giehener Anzeiger ®stafton«btMf und Seda- der tXxttDoSti&xtoruxittA. Ä. Lange, Otede^ Redattwn. ExvetNtton o. Druckerei: tcL Str »L Tetegr^Ldr.: La-etg« Dletze» General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Parlamentarische Verhandlungen. Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. Dentlcher Reichstag. 116. Sitzung vom 11. Januar. 1 Uhr. Das Haus ist mäßig besetzt. Am Bundesratstisch: Tr. Nieberding u. a. Auf der Tagesordnung steht zunächst die zweite Beratung des Etats des Reichstags. Der Etat wird ohne Debatte genehmigt. Es folgt die Beratung des Etats des R e i ch s j u st i z a m t s. Die Beratung beinnt mit dem Titel „Staatssekretär". Hierzu liegt vor die folgende Resolution der Freisinnigen und der d e u t s ch e n V o l l s p a r t e i, den Reichskanzler zu ersuchen, dafür zu sorgen: 1. daß die Gegenseitigkeit gemäß §§ 102 und 103 des Reichsstrafgesetzbuches a) nur nach ordnungsmäßig veröffentlichten und ge- ,-ehmigten Staatsverträgen und b) nur solchen Staaten gewährt wird, welche nach 'ihrer eigenen inneren Verfassung und ihren Rechtscinrich- tungen eine „Verbürgung" der Gegenseitigkeit im Sinne der erwähnten Bestimmungen gewährleisten könnten: 2. daß über die Auslieferung f r e ni d e r Staatsangehöriger nur Staatsverträge gemäß Art. 11 der Reichsverfassung zwischen dem Deutschen Reiche und den auswärtigen Regierungen abgeschlossen werden; 3. daß die bisher zwischen einzelnen Bundesstaaten und auswärtigen Regierungen über die Auslieferung abgeschlossenen Verträge alsbald gekündigt werden. Zur' Geschäftsordnung beantragt Abg. Dr. Müller (Sagan, fr. Vv.) zunächst diese Resolution zu beraten. Abg. Erzberger (Ztr.) widerspricht diesem Anträge. Präsident Ballcstrem: Ich schließe mich dem Anträge des Abg. Dr. Müllcr-Sagan an. Tie Erfahrungen des vorigen Jahres sind nicht sehr ermutigend (Heiterkeit.) Wir haben damals die Resolutionen zurückgestellt, und sie sind trotzdem in den Etatsdebatten behandelt worden. (Sehr richtig!) Das ist auch gar nicht zu verhindern. Der Antrag Müller-Sagan wird angenommen, das Haus tritt also zunächst in die Beratung der freisinnigen Resolution. Abg. Tr. Müller (Meinigen, fr. 23p.): Es handelt sich bei unserer Resolution um die Frage der strengen Trennung der Justiz von der Politik. Der Königsberger Prozeß hat den Verdacht erweckt, daß tatsächlich bei uns ein Zusammenhang zwischen Justiz und Politik, zwischen Recht und Macht besteht. Sehr bedenklich erscheint mir das Vorgehen der Steuerbehörde, die doch keine allgemeine polizeilichen Funktionen ausüben darf. (Sehr richtig! links.) Die Rede des Justizministers im Landtage ist ein Beweis dafür, daß er sich entweder in einer großen Selbsttäuschung befindet oder die Tatsachen verkennt. Durch den Königsberger Prozeß haben sich nicht nur der Staatsanwalt und das Gericht in Königsberg blamiert sondern auch das preußische Justizministerium. Präsident Graf Ballcstrem: Herr Abgeordneter, ich bitte Ihre Ausdrücke doch etwas vorsichtiger zu wählen. Sie dürfen von einem Ministerium eines Bundesstaats nicht sagen, daß es sich blamiert hat. (Heiterkeit.) Abg. Tr. Müller-Meiningen (fortfahrend): Ich hoffe, durch Tatsachen beweisen zu können, daß sich das preußische Justizministerium bloßgestellt hat, wenn ich diesen Ausdruck gebrauchen darf. (Heiterkeit.) Es ist in Königsberg mit einer beispiellosen Oberflächlichkeit vorgegangen worden, und das preußische Abgeordnetenhaus hat, als es die Vorgänge besprach, au wenig daran gedacht, daß es einen der größten Triumphe für die Sozialdemokratie bedeutet, daß der Prozeß in einem Augenblick kam, wo bei den Herren auf der äußersten Linken nicht alles klappte. (Lachen bei den Sozialdemokraten.) Sie lachen, aber es ist doch so. Ich muß zugebcn, daß der Prozeß Ihnen aus einer kritischen Situation herausgeholfen und Ihnen ein leichtes Martyrium verschafft hat. (Sehr richtig! bei der freis. 23p.) Vor allem hat der Prozeß glänzend die Unhaltbarkeit des heutigen Vorverfahrens bewiesen, die Angeklagten werden auf Grund gefälschter Ueber- setzungen verhaftet (Hört, hört! links), der Untersuchungsrichter überzeugt sich nicht davon, ob die Gegenseitigkeit verbürgt ist, den Angeklagten werden die inkriminierten Schriften nicht vorgelegt, es wird nicht gesagt, was jedem einzelnen von ihnen zur Last gelegt wird. Schwer diskreditiert hat sich auch der preußische Justizminister (Sehr richtig! links), er sagt, er hätte im Staats- interesie einschreiten müssen. Aber er wird mir nicht einen einzigen Staat zeigen können, dessen Verhältnis zu Rußland so ist, wie das des preußischen. Wegen jeden Pfifferlings wird, wenn es sich um AUißland handelt, auf Genaueste recherchiert, und hier wird mit Wner geradezu beispiellosen Oberflächlichkeit verfahren. Ter ReichAanzler muß Auskunft darüber geben, wie er sich so etwas bieten lasten kann. Es heißt doch, den Bock zum Gärtner setzen, wenn man sich an den russischen Generalkonsul um Auskunft darüber wendet, ob die Gegenseitigkeit verbürgt ist. (Ruf bei den Sozialdemokraten: Bei einem preußischen Justizminister ist nichts undenkbar.) Ter Referent des Justizministers geht in Urlaub und kann infolgedessen die Anklage nicht mehr durchlesen! Und das bei einem Prozeß, auf den die ganze Welt blickt! Das sind Unna, die ich bisher selbst in Preußen für unmöglich gehalten habe. Sogar die „Post" spricht von unglaublichen Akten bureau- kratischen Schlendrians. Tie Rechtsanschauungen, die der Justizminister im preußischen Abgeordnetenhause vorgebracht, sind mir einfach unverständlich. Man hätte auf jeden Fall so viel juristischen Takt besitzen sollen, um diesen Prozeß unter keinen Umständen einzuleiten. Man hat dann zum Referenten in diesem Prozeß einen jungen Hilfsrichter bestellt. Tas bedeutet doch geradezu eine Provokation der öffentlichen Meinung (Sehr richtig! links.) Nun möchte ich zwei Fragen stellen: 1. Was gedenkt der Reichskanzler gegen den russischen Generalkonsul in Königsberg au tun, der auf eine offizielle Anfrage eine falsche Auskunft über den Inhalt des russischen Strafgesetzbuches gab? 2. Was gedenkt der Reichskanzler für Schritte zu ergreifen, angesichts der Tatsache, daß man in Rußland die deutsche Gerichtsbarkeit offenkundig verhöhnt hat? Tas Gericht in Riga hat bekanntlich dem deutschen Gericht mitteilen lassen: es würde die Zeugen, wenn sie kämen, vernehmen lassen, aber vier Wockzen nach dem Prozeß (Hört, hört!) und ohne Anwesenheit der Verteidiger. (Hört, hört!) Das heißt, man sollte die Zeugen einfach ausliefern, damit sie auf administrativem Wege nach Rußland verschickt würden 1 l Und diesen Hohn soll sich das deutsche Gericht gefallen lassen?! Doch genug von den Ungeheuerlichkeiten, die dieser monströse Prozeß zu Tage gefördert bat. Unser Antrag bezweckt, derartige Monstrosität in Zukunft unmöglich au machen. Er will, daß der Reichstag die Möglichkeit bekommt. Den Rechts- und Kulturstand- punkt emes Staates zu prüfen, ehe es ein strafrechtliches Gegen- seitigkeitsverhältnis mit ihm eingeht. Mit Rußland darf Deutschland überhaupt kein Gegenseitigkeitsverhältnis eingehen. Denn Rußland ist kein Rechtsstaat im Sinne unseres Gesetzes. (Lebhafte Zustimmung links.) Redner beruft sich auf das Urteil russischer Juristen und Sachverständigen. Es gibt in Rußland keinen Unterschied zwischen Erlassen und Gesetzen. Dazu kommen die „geheimen Gesetze", die nicht einmal die russischen Rechtsgelehrten kennen. Obendrein besteht in Rußland seit zehn Jahren der Belagerungszustand. Mit einem Federstrich kann jeden Tag jedes Gesetz dort außer firn ft gesetzt werden. Wie kann also Tcursch- land wissen, was noch in Rußland Gesetz ist! Was es gestern war, ist es das noch heute? Gibt es eine Garantie, daß es noch morgen ist? In polittschen Angelegenheiten wendet Rußland in der letzten Zeit überhaupt nicht mal ein gerichtliches Verfahren an; es erledigt alles auf administrativem Wege, d. h. die Polizei verfährt naib Gutdünken, ist allmächtig, entscheidet über Leben und Tod. Und was ist in Rußland nicht alles „Rechtens"? Ta wird z. 23. jeder mit hohen Strafen belegt, der nur den Versuch macht, jemand zum Uebertritt vom orthodoxen Glauben zu einer anderen christlichen Konfession zu veranlassen; der wird gleich nach Rußland verbannt (Heiterkeit), wollte sagen: nach Sibirien. Tas geht ja noch über das koreanische Gesetz, das 40 Stockprügel jedem verabfolgen läßt, der etwas tut, was nicht erlaubt ist. (Heiterkeit.) Und einer solchen Regierung sollen wir in Deutschland Handlangerdienste leisten? Was sind es denn anders als Handlangerdienste, die man irr. Königsberger Prozeß uns zu gemutet hat? Man betont jetzt von oben immer die strengste Neutralität gegenüber Rußland Nun gut, dann sollten wir aber in erster Linie auch die strengste Neutralität gegenüber denen üben, die in Rußland d:e inneren Verhältnisse umzugestalten suchen. Der russischen Negierung sollten wir in nichts entgegenkommen. Wer diesen tönernen Koloß zu liebevoll behandelt, der bekommt Schmutz an die Finger, (Sehr gut!) Schmutz, der nicht so leicht abgeht. Es sind hochgebildete Männe:, die in Rußland die innere Bewegung leiten unb bei ihrer Haltung sollten wir unter allen Umständen der strengsten Neutralität gegenüber den inneren Wirren des russischen Reiches uns befleißigen. Einen Gegenseitigkeitsvertrag mit Rußland ab» auschließen solange es seine Verhältnisse nicht gründlich geändert hat, ist juristisch unmöglich und sittlich verwerflich. (Unruhe rechts, lebhafte Zustimmung links.) Einer vollständigen Umwanblung unb gründlichen Regelung bedarf das Fremdenrecht in Deutschland. Der Ausländer ist doch sozusagen auch ein Mensch, der einiger Rechte bedarf. Tas geh« nicht so weiter, daß er wie jetzt vollständig der Willkür der Behörden überliefert wird. Unser Antrag will hier Wandel schaffen. Natürlich alles enthält er auch nicht. Er wird in der Folge noch sehr ausgebaut werden müssen. Was unbedingt ein Ende nehm-'n muß. bas ist die irhinr Anksifftrun^vraxis.^ Ter preußische Minister des Innern hat allerdings gesagt: Während meiner Amtsi •' ; pr' > r i i"'ch r• : a-’* an ' "> la> d au- geliefert worden. Ja, „ansaeliefert!" Ist auch noch niemand an Rußland „ausgewiesen" worden? Das ist eben das fortwährende Jonglieren mit den Begriffen „außliefern" und „ausweisen". In brr Praxis kommt es auf dasselbe heraus, ob der arme Teufel der russischen Regierung auf dem Wege der Auslieferung oder Ausweisung überantwortet wird. Für das kulturelle Ansehen und den Namen Deutschland ist es von der allergiößten Bedeutung, daß derartigen skandalösen Zuständen in Bezug auf bas Asylrecht ein Enbe gemacht wird, unb in diesem Sinne bitte ich Sie, unser-n Antrag, der drn Beginn einer Besserung schaffen will, zuzustimmen. (Lebhafter Beifall links.) Staatssekretär Tr. Nieberding: Der Vorredner hat die Auffassung der Staatsanwaltschaft unb des Gerichtshofes in dem Königsberger Prozeß beurteilt und verurteilt. Ich werde mich auf seine Ausführungen nicht einlassen, da sie an ungeeigneter Stelle eingebracht sind. Die Sache ist ja im preußischen Landtage zur Sprache gekommen, und dort hat der Hustizminister, gedrängt von einem Teil des Hauses, über Einzelheiten des Prozesses Auskunft gegeben. Das hat ihn aber von anderer Seite wieder den Vorwurf eingetragen, daß er sich über einen Prozeß geäußert habe, über den er sich überhaupt nicht hätte äußern dürfen, da er noch schwebt. Ich will hier auf den schwebenden Prozeß nicht eingehen. Ich darf hoffen, daß alle den Verhandlungen in Leipzig mit Vertrauen entgegensehen können. (Zuruf bei den Soz.: Nee!) Es liegt heute umsoweniger Anlaß vor, über den Prozeß zu reden, als Dinge, die von sympthomatischer Bedeutung für unsere Rechtspflege im allgemeinen sind, im Königsberger Prozeß sich nicht ereignet haben. ES ist die Frage, ob die Ergebnisse dieses Prozesses dazu Anlaß bieten, neue Bestimmungen in die Strafprozeßordnung aufzunehmen. DaS Haus wird aber bann erst in bie Lage kommen, sich mit dieser Frage zu beschäftigen, wenn ein neuer Entwurf einer Strafprozeßordnung vorliegt. Was nun die Resolution anlangt, so ist die Forderung, daß die Gegenseitigkeit gemäß der 102 unb 103 des Neichsstraf- gesetzbuches nur nach ordnungsmäßig veröffentlichten und genehmigten Staatsverträgen gewährt werben soll, doch nicht unbedenklich. Das Abschließen solcher Staatsverträge ist nicht so leicht, und wenn wir bis zu ihrer Sanktionierung die §§ 102 und 103 aufheben sollten, so würde ein Vacuum entstehen, das nicht nur für die anderen Staaten, sondern auch für unser Vaterland gefährlich werden könnte, weil es auf einem weiten Gebiete einen Zustand der Nechtslosigkeit einführt. Der Reichskanzler steht, wie ich glaube, auf dem Standpunkt, daß er es gern befürworten würde, soweit wir imstande sind, im Wege des Vertrages zu solcher Vereinbarung zu gelangen, sie auch herbeizuführen. Aber daß man auf bestehende Vorschriften verzichten könnte, ehe man einen festen Vertrag hat, dafür müßte man doch noch andere Momente ins Feld führen, als eS der ?lbg. Müller-Meiningen getan hat. Der Gedanke der Resolution, bie bisher zwischen einzelnen Bundesstaaten und auswärtigen Negierungen über die Auslieferung abgeschlossenen Verträge alsbald zu kündigen, würde gleichbedeutend sein mit der Entziehung der Befugnis an bie Einzelstaaten, überhaupt solche 23erhäge abzuschließen. CS handelt sich hierbei um ein den Einzelstaaten verbrieftes Grundrecht, insoweit nicht Verträge in Frage kommen, die ausschließlich der Kompetenz deö Reiches unterliegen. Gewiß ist der Reichskanzler bereit, Verträge von feiten des Reiches inbetreff der Auslieferung abzuschließen, aber nur in den Grenzen, daß die verfassungsmäßigen Rechte der Einzelstaaten dadurch nicht verletzt werden. Abg. LucaS (nl.): Daß der Königsberger Prozeß kein Ruhmesblatt in der Geschichte unserer Justiz ist, darüber sind sich wohl alle einig (sehr richtig!), aber ganz abgesehen von diesem Prozeß ist bie Resolution burchaus berechtigt. Die Tragweite der §§ 102 unb 103 deö Strafgesetzbuchs ist so groß, daß bie Verschiedenheit der Auffassung, ob die Gegenseitigkeit nur bann als verbürgt anzusehen ist, wenn ein Staatsvertrag vorliegt, oder auch schon bann, wenn die Judikatur des ftemden Staates sie ständig anerkennt oder endlich gar schon, wenn die Vertretung des ftemden Staates die Verbürgung der Gegenseitigkeit behauptet, — daß diese Verschiedenheit der Auffassung auf bie Dauer unerträglich wird. Dadurch wird nicht nur Die Rechtsprechung unsicher, sondern es wird durch diese Unsicherheit auch zugleich der unberechtigte Schein der Willkür hervorgerufen, der bas Vertrauen in die Rechtsprechung beeinträchtigt (Sehr richtig!) Diese Mißstände sind um so schlimmer, als es sich hier nicht nur um deutsche Rechtsfragen handelt, sondern um Verhältnisse, bie in fremde Rechtssphären eingreifen und somit auck' für internationalen Beziehungen von Bedeutung sind. Wie das Reichsgericht in dem Königsberger Falle urteilt, ist für diese Resolution gleichgültig. (Lebhafte Zustimmung.) Wie das Urteil auch nusfallcr wird, es kann die bestehenden Mißstände nicht aus der Welt schaffen; für uns handelt es sich um die pragmatische Regelung aller dieser Fragen, und das Interesse hieran liegt tiefer. Es entspricht gewiß dem Interesse der Gemeinschaft der Kulturstaaten, daß bochveiraterische Handlungen bestraft werden, auch wenn si- gegen fremde Staaten gerichtet sind, aber das Interesse, bas wir Deutschen an oirfer Kulturgemeinschaft haben, ist auch nicht größer, als das, was man im fremden Staate daran hat, und der Schutz ausländischer Untertanen und Hoheitszeichen im Reiche muß daher eine notwendige Ergänzung unb ein gleichwertiges Korrelat finden in oem Schuh unserer Untertanen unb Hoheitszeichen im Auslande. Tie vielen bekannt gewordenen Einzelfälle reden eine so deutliche Sprache von der Hilflosigkeit, ja von der Rechtlosigkeit deutscher Untertanen im Auslande (Sehr gut! links), sie reden eine so deutliche Sprache von der Hilflosigkeit unseres Auswärtigen Amtes (Sehr wahr! links), daß das auf die Dauer tatsächlich das Maß besten, was erträglich ist, weit übersteigt. (Lebhafte Zustimmung auf der ganzen linken Seite.) Will das Ausland den Schich seiner Staatsoberhäupter und seiner Staatshoheit, bann mag es sich überlegen, wie weit es in dem Schutz und ber sachgemäßen Behandlung unserer Staatsbürger gehen will. Nach dem Maß des Schutzes, den das Ausland unseren Untertanen zuteil werden läßt, werden wir bas Maß ber Rücksicht bemessen, bas wir ausländischen Staatsoberhäuptern zuteil werden lasten. (Sehr gut! links.) Das ist unser Standpuntt, und von diesem Standpunkt aus fordern wir eine vertragliche Regelung, weil wir glauben, hierbei Gelegenheit zu haben, auch unsere Wünsche unb Forderungen zur Geltung zu bringen. Ebenso einverstanden sind wir mit Ziffer 2 unb 3 ber Resolution. Wenn es richtig ist, daß Bayern und Baden wegen Dinge ausliefern, wegen deren Preußen und Sachsen die Auflieferung verweigern, oder umgekehrt, so bedeutet bas einen Schlag ins Gesicht für bie Rechtsgleichheit in Deutschland. Aus allen diesen Gründen werden wir für die Resolution in allen ihren Teilen stimmen, und auch die meines Erachtens teilweise unzutreffenden Ausführungen des Staatssekretärs können uns an unserem Entschluß nicht irre machen. (Lebhafter Verfall links.) 9lbg. Haase (Szd.): Der Staatssekretär glaubte im vorigen Jahre, er könne mit einer leichten Handbewegung über die Königsberger Angelegenheit hinwegkommen. Und nun sehe man sich an, wie die Sache weiter gelaufen ist! Niemand kann mehr bestreiten, daß der Prozeß symptomatisch von der größten Bedeutung für unsere ganzen inneren Zustände ist. Es handelt sich hier weiß Gott nicht um juristische Fragen. Der Prozeß ist mit einem Mangel an Gewissenhaftigkeit eingeleitet worden, den man in Deutschland nicht für möglich halten sollte. Auf feurigem Roß ritt ber Minister vor einem Jahr gegen die Sozialdemokratie. Auf abgezehrtem Klepper suchte er jetzt im Mgeordnetenhause feinen Rückzug zu decken. Mit dem Gespenst des „Anarchismus" hat man im Reichstag bie Herren gruselig zu machen versucht. Und was hat bie Beweisaufnahme ergeben? Keine der angezogenen Schriften hatte etwas mit Anarchismus zu tun. Selbst bie Staatsanwaltschaft mußte den „Anarchismus" völlig fallen lasten. (Hört! hört!) Und in feiner langen Rede am 12. Dezember v. I. im Abgeordnetenhaufe hat der Minister kein Wort mehr von Anarchismus sprechen können. Ja, kein Wort. Das Phantom des Anarchismus ist zerflattert. Die Einleitung des Verfahrens muß geradezu als ein ungeheuerlicher Akt bezeichnet werden. Besonders wenn man an die Entstehungsgeschichte des § 102 Str.-G.-B. denkt. Es wäre früher keinem Menschen eingefallen, diesen § 102 auf Deutsche anzuwenden, die in Deutschland erlaubte, in einem ftemden Staat verbotene Schriften verbreiteten. Und auch deshalb war bie Einleitung des Prozesses so ungeheuerlich, weil von vornherein fesfftanb, baß niemand der Angeklagten russisch verstand, also von dem Inhalt ber Schriften gar keine Kenntnis haben konnte. Um die Klage überhaupt erheben zu können, mußte man einen neuen Grundsatz auf stellen: es komme gar nicht darauf an, ob die Angeklagten auch wirklich den Inhalt dessen kennen, was sie verbreiten (Höri! hört!), es läge doch ber Tvlus eventualis vor, daß sie eventuell etwas Staatsgefährliches üerbretteten. Und was hat ber Prozeß selbst nicht alles gezeitigt! Vor allem die Geheimniskrämerei, die Veargwohnung ber Verteidigung ist von den schlimmsten Folgen begleitet gewesen. Hätte man den Angeklagten und ber Verteidigung nicht bie Kenntnis der Schriften vorenthalten, so hätten sie gleich im ersten Stadium nachweisen können, baß bas ganze Gerede vom Anarchismus ein leeres Gerede ist unb sie hätten ferner nachweisen können, daß bie Uebersetzungen, auf bie sich die Anklage berief, gefälscht fei. Dann wäre uns die ganze beschichte, daS ganze Verfahren erspart geblieben. Der Staatssekretär im Reichsjustizamt war heute so freundlich zu sagen, cs sei wohl möglich, daß bie Vorgänge im Königsberger Prozeß von Einfluß fein könnten auf bie Neuord- nung der Strafprozeßorbnung. Nun hoffentlich wird er die Lehren des Prozesses recht gründlich beherzigen. Wie ist eS nur möglich gewesen, daß man auf Grund von gefälschten Uebersetzungen Anklage erhebt, und Leute in Untersuchungshaft steckt! Wir, die Verteidigung haben aus eigenem Antriebe uns die Quellen verschafft, b. h. bas russische Strafgesetzbuch unb haben alle nur irgenbtoic in betracht kommenden Paragraphen von einem Freunde übersetzen lassen. Waö wir aus eigenem Antriebe getan, das hätte bie Staatsanwaltschaft tun sollen, tun müssen, ehe sie die Angeklagten Monate lang aus ihrem Beruf herausriß. (Lebhafte Zustimmung links). WaS hat man dann ans dem Inhalt ber inkriminierten Schriften nicht alles gemacht? Aus ber angeblich bluttriefenden Schrift von Nadeshin hat man eine Verteidigung deö Zarenmordes gemacht, tatsächlich aber bekämpft diese Schrift in ihrem ganzen zweiten Teile den Zaremnord. (Hört, hört!) Man hat sich dabei auf amtliche Uebersetzungen des russischen Ministeriums deö Aeußcru berufen. Tiefe amtlichen rustifchen Uebersetzungen waren falsch. (Hört, hört!) Nach Dem russischen Gesetz erfolgt in Rußland ivcgcn hochverräterischer Handlungen im Auslände eine Strafverfolgung nur bann, wenn durch Staatsverträge ober öffentliche Gesetze Gegenseitigkeit verbürgt ist. Und wie übersetzte der russische General' konsul biefen Passus? „wenn durch besondere Verträge ober jonft eine Gegenseitigkeit verbürgt ist!" (Hört, hört!) Er hat also Die ausdrückliche Vorschrift „durch öffentliche Gesetze" einfach cskamo- Hert und dafür einen Sah gesetzt, der der Staatanwaltschaft völlig freie Hand lassen sollte. Anher dieser Uebersehnng hat der Generalkonsul freilich noch zwei andere Ilebersevungen eingereicht, alle drei Weichen von einander ab, aber das hat die Behörde nicht stutzig gemacht, sie bat sich einfach diejenige Ilebersetzung ausgesucht, die den Angeklagten am ungünstigsten war, und die sich schließlich als Fäl- schmig erwieS. Ja, gewiß, unsere Staatsanwaltschaft ist die „objektivste Behörde der Welt." (Sehr gut! links.) Redner geht auf weitere Einzelheiten des Prozesses cin. Tcr flön^c Prozeß war nur ein Liebesdienst gegen Rußland. Unseren Behörden ist eine schallende Ohrfeige versetzt, sie haben Fußtritte erhalten und alles ruhig eingesteckt. (Sehr richtig! bei den Sozialdemokraten.) Es ist nicht einmal verlangt, daß der russische Generalkonsul zur Verantwortung gezogen wird. Und warum sind die Angeklagten in Haft behalten? Wegen Fluchtverdachts; man glaubte, sie würden über die russische Grenze gehen. (Schallendes Gelächter linS.l Dachte man wirklich im Ernst, sie würden sich m die Höhle deS Sötncn begeben? Mail würde so etwas nicht glauben, wenn e§ nicht schwarz auf weiß dastände. Durch die Presse aller Parteien ist ein Sturm der Entrüstung gegangen, nur nicht durch die der Konservativen, die ja stets ihre schützende Hand über die Regierung hält, wenn sie Rechtsbrüche gegen einen politischen Gegner begeht. (Unruhe rechts.) Sorgen wir dafür, daß ein neuer Geist in das Ministerium cinzieht uni) in da§ ReichskanzlerpalaiS, damit es unmöglich wird, daß sich Deutschland noch einmal vor dem Zaren in den Staub wirft. (Lebhafter Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Bnrlage (Zentr.): Im allgemeinen sollten wir an der alten guten Sitte festhalten und uns in schwebende Prozesse nicht einmischen. Nachdem aber der Königsberger Prozeß so allgemein schon besprochen ist, dürfen wir nicht schweigen, denn das würde mißgedeutet werden. In der Tat gibt der Prozeß zu vielen Ausstellungen Anlaß, zum mindesten hätte man doch einen unparteiischen Ueberseher heranziehen müssen. Die Vorschriften der Strafprozeßordnung scheinen nicht beobachtet zu sein; bätte eine eingehende Voruntersuchung stattgefunden, so wäre es wahrscheinlich garnicht zur Eröffnung des Hauptverfahrens gekommen, denn daun hätte sich gezeigt, daß die Gegenseitigkeit nicht verbürgt ist. Der Ziffer 1 der Resolution können meine Freunde zustimmen. Auch gegen die Ziffer 2 haben wir nichts einzuwenden. Gegen die Ziffer 3 besteht da° Bedenken, daß man die alten Verträge nicht ohne weiteres kündigen kann; aber dies Bedenken schwindet, da Ziffer 3 mit Ziffer 2 in Verbindung steht und nur mit dieser zugleich angenommen werden soll. Wir werden also für die ganze Resolution stimmen. Abg. Himburg (kons.): Der Ziffer 1 der Resolution können wir nicht zustimmen. Bei Gelegerlbeitsgesetzen ist große Vorsicht am Platze. Wir erkennen an, daß Aenderungen nötig sind, aber sie sind nicht so dringend, daß man nicht damit bis zur Reform deS Strafgesetzbuches lvarten könnte. Das Gesetz hat seit Jahren bestanden,^ ohne daß Schwierigkeiten entstauben sind. Tie Forderung der Ziffer 2 erkennen wir als berechtigt an. Wir werden ihr zustimmen. Dagegen können wir für Ziffer 3 nicht stimmen, da, wenn man die Verträge kündigt, ohne neue zu haben, ein Vacuum entsteht, das noch schlimmer ist als die jetzige Rechtsungleichheit. .Abg. Bernstein (Szd.) bringt den Fall der Russin Janina Berson zur Sprache. Dieser Fall beweist, daß die Ausländer bei uns ganz von der Willkür der Polizei abhängen. Das ist in keinem.anderen Kulturstaate der Fall. Der Zustand, wie er bei uns herrscht, ist unlvürdig, wir sollten ein Gesetz zum Schutz der Ausländer gegen Willkür schaffen. Einen cutsprcchcnben Antrag behalten wir uns bei der weiteren Beratung des Etats des Reichsjustizamts vor. Für die Resolution werden wir vorläufig ftinr- men, eventuell behalten wir uns für spater Abanderungsantrage vor Ter Rechtlosigkeit der Ausländer m Deutschland muß ein Ende gemacht werden. _ „ m Staatssekretär Dr. Rieberding: Der Herr Abg. Bernstein stellt eine Resolution in Aussicht, die die Rechte der Ausländer m Deutschland sichern soll. Er hat erklärt, er wolle diese Resolution einbringen bei der weiteren Beratung deS Etats deS Reichviustiz- amtS. Ich möchte darauf aiifmerksam machen, daß daS Reicl^- justizamt mit der Fremdenpolizei überhaupt nichts zu tun har. L>? gehört dies zum Ressort des Reichsamts deS Innern Wünschen die Herren also eine Aenderung des Fremdenrechts, so mögen sie ihre Wünsche bei der Beratung des Etats des Innern Vorbringen. Abg. Lenzmann (Fr. Vp.): Wir üben nicht Kritik an dem Königsberger Urteil sondern an den Rechtswidirigkeiten bei der Einleitung des Verfahrens. Der Justizminister kannte nicht blos die gefälschte Ilebersetzung, fonbern auch die richtige. Ilmso bemerken^- werter ist eS, daß gleichwohl die ad hoc contra legem vorbereitete Ilebersetzung in diesem Prozeß eine Rolle spielen konnte. Ich > jetzt nicht mehr ausführlich auf die Sache emgebcu. Ich mochte nur hervorheben, in welcher Weise bei dieser Gelegenheit bic Regierung dem Reichstage gegenüber ihre Verachtung gezeigt haben, indem weder der Reichskanzler noch der preußpchc JilstiziNMister hier erschienen sind, obgleich beide ivußten, daß der Königsberger Prozeß beute hier zur Sprache kommen wurde. Der preußische Justizminister hütet sich hierher zu kommen, lucif er genau weiß, daß seine Reden hier iiicht die Resonanz finden wie im Abgeorr- netenhause. (Zustimmung links.) Aber der Reichskanzler hatte gewiß alleii Anlaß zum Erscheinen gehabt, wenn Angriffe erhoben werden, die in der Forderung gipfeln: Fort nut der ^leDebiencrci gegen einen (Staat, der in der Reihe der Kulturstaatenl geführt zu werben, eigentlich nicht mehr verdient. (Lebhafte Zustimmung links.) Staatssekretär Dr. Niebcrdmg: Ich muß entschieden Verwahrung einlegen dagegen, daß in dieser Weise von einem Staate hier gesprochen wird, mit dem wir durch wichtige internationale Interessen verknüpft sind. (Lachen links.) Tie deutsche Negierung verwahrt sich dagegen, daß in dieser verletzenden Form gegen einen befreundeten Staat gesprochen wird. Was würden Sic dazu sagen, wenn in einer solchen Form in einem Parlament des Auslandes gesprochen würde. (Zuruf bei den Sozialdemokraten: Im russischen Parlament!) Ganz Deutschland würde sich dagegen erheben. Herr Lenzmann hat nun bedauert, daß der Reichskanzler abwesend sei. Der Reichskanzler hat das verfassungsmäßige Recht, sich durch den Staatssekretär vertreten zu lasten, und jeder von Ihnen wird anerkennen müssen, daß es dem Reichskanzler bei dem Umfang seiner Geschäfte unmöglich ist, hier jeder Verhandlung beizuwohnen. Sie müssen also schon mit seinem Vertreter vorlieb nehmen, auch wenn Herr Lenzmann ihn für ungeeignet hält. (Heiterkeit.) Was den preußischen Justizminister betrifft, so ist es daS Recht jedes Bevollmächtigten, zum Bundesrat zu erscheinen ober nicht (Lachen links), und kein Abgeordneter ist in der Lage, ihn zum Erscheinen zu nötigen. Ter preußische Justizminister hat im Abgeordnetenhause ausführlich dargelegt, wie der Sachverhalt in dem Königsberger Prozeß (Zuruf bei den Sozialdemokraten: „nicht ist!") ist, und seinen Standpunkt verteidigt. Er ist nicht verpftichtet, das hier vor dem Reichstage nochmals zu tun. Wenn Herr Lenzmann sagt, das Urteil im Königsberger Prozeß sei ergangen auf dem Boden der Rechtsverletzung, so muß ich gegen diese Verunglimpfung eines deutschen Gerichtshofes entschieden Verwahrung einlegen. Solange das Verfahren sich im ordnungsmäßigen Gange der Verhandlungen befindet, solange der höchste Gerichtshof nicht in letzter Instanz maßgebend für Sie und alle entschieden hat, ist keiner in der Lage, zu erklären, daß eine Rechtsverletzung vorliegt. DaS ist eine Art und Weise, mit deutschen Gerichten umzugehen, die keinesfalls gebilligt werden kann. (Lachen links. Beifall rechts ) ^amit ist die Debatte über die Resolution erledigt. Die Abstimmung wird zur dritten Lesuiig abgesetzt. Nunmehr findet die allgemeine Debatte über den Titel „Staatssekretär" statt. Abg. Erzfcrger (Ztr.) wünscht Regelung der Automobllfrage Eine i‘o einfache Materie sollte doch nicht so viel Zeit in Anspruch nehmen. Sollte es hier wirklich für den Reichstag heißen: Immer langsam voran, Daß der hohe Vundesrat auch Nachfolgen kann? Der Bundesrat sollte hier doch ein wenig sich auf das Autcc mobil setzen Ferner sollte er auch endlich an den Schutz der Bauhandwerker denken. Redner verlangt des weitern eine Aenderung unseres Strafvellzugs. Er stellt die Behandlung oppositioneller Redakteure der Behandlung Hüsfeners gegenüber, der ans der Festung Ehrenbreitstein ftbelt zeche. Die Aufklärung, welche die Regierung jetzt auf das bekannte Bild (Hnssener nebst 2 anderen Festungsgefangenen und vielen Weinflaschen) gegeben, sei gänzlich unzureichend. Es sei darob im Volke eine tiefe Erregung vorhanden. Redner bekla.st sich auch über die Konkurrenz, die die Gefängnisarbeit dem Handwerk mache. Sie müsse unbedingt eingeschränkt werden. Wie komme es denn überhaupt, daß die vom Reichstag so oft verlangte Statistik über die Gefängnis- und Zuchthausarbeit immer noch nicht dem Hause vorgelegt sei? Das sei doch ein Zeichen der Nichtachtung dem Reichstag gegenüber. Er beantragt eine Resolution auf alljährliche Vorlegung einer solchen Statistik und bittet um möglichst einhellige Zustimmung. Staatsse^etär Dr. Rieberding: Der Vorredner hat von bei Nichtachtung des Reichstags seitens des Bundesrats gesprochen, weil dieser eine Resolution des Reichstags nicht acceptiert hat. Ich möchte Sie doch birten, sich dieser Empfindung nicht anzuschließen, der Bundesrat har die Resolution ebenso sorgfältig und sachgemäß zu prüfen wie der Reichstag, und er hat nach sachgemäßem Empfinden zu entscheiden. Der Vorredner hat ferner nach dem Stande der Automobil» ftage gefragt. Ich habe seinerzeit schon erklärt, daß das Reichs- justizamt nicht in der Lage ist, in dieser Sache die Initiative zu ergreifen, sondern daß das bei der preußischen Regierung liegt. Diese hat auch bereits Ermittelungen angestellt, und man hat den Vorschlag gemacht, eine Zwangsgenossenschaft aller Automobilbesitzer für das Deutsche Reich zu errichten, die gemeinschaftlich für alle Unfälle aufzukommen hätte. Ob der Vorschlag acceptiert werden wird, darüber kann ich aber zur Zeit noch nichts sagen. Der Vorredner hat ferner den Fall Hüssener in den Kreis seiner Betrachtungen gezogen. Ich muß ihm erwidern: dieser Fall gehört garnicht vor das Reichsjustizamt. Für die Behandlung Hüsseners ist der Kommandant der Festung, also die Militärverwaltung verantwortlich. Ich stelle es dem Vorredner anheim, bei der Beratung des Militäretats auf diese Angelegenheit zurückzukommen. Mit stattsttschen Erhebungen über die Zuchthaus- und Ge» fängnisarbeit sind wir beschäftigt, ich weiß aber nicht, ob wir in der Lage sein werden, sie alljährlich vorzunehmen. Das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung: Donnerstag 1 Uhr: Fortsetzung der zweiten Etatsberatung. Schluß 5Vj Uhr. Gießener Theaternerem. Medea. .Trauerspiel in 5 Aufzügen von Franz Grillparzer. Anr Mittwoch sahen wir eine sehr talentvolle junge Künstlerin in einer der bedeutendsten Frauen-Rollen, die die deutsche Bühne kennt, sahen wir Frl. Riza Bajor aus Mannheim als Medea in Grillparzers gleichnamiger Tragödie. Sie war es, die endlich einmal ein Werk des größten österreichischen Dramatikers auf unsere Bühne brachte, und schon um dieses hochschätzbaren Verdienstes willen gebührt ihr der uneingeschränkte Tank des Gießener Theaterpublikums. In der Medea wuchtet die ganze, zumeist im Tiefsten verborgen ^gehaltene leidenschaftliche Jnnenkrast des lange verkannten stillen und verschlossenen Wiener Poeten, die, wenn auch nicht ganz ohne Gewaltsamkeiten, doch durch echteste Tragik ersu)üttert. Ter wahre große Dichter bekunde: sich in ihr mehr noch als fti den meftten anderen seiner schönen Werke, m ihr schuf er eine mit wahrhafter Erhabenheit empfundene Gestalt, in sie legte er die ganze Tiese seines Gefühls. Ins Innerste der alten griechischen Argonauten- sage hat er sich versenkt und so erwuchs ihn: eine Medea großzügiger als die des Euripides und gewaltiger als sie je ein anderer Künstler geschaffen hat. Die Darstellung der Liebe in übermenschlichen: Ausflamnuen, des Hasses und der Rache :n Grillparzers Medea braucht sich nicht zu scheuen vor einem Vergleiche mit der gewaltigen Größe dreier Leidenschaften in der deutschen Nibelungen sage. ^re bekannteste Medea , der deutschen Bühne ist wohl T1 ^iarn Z^gler. Siefe Münchenerin war es eigent- lrch, dre das Grrllparzersche Drama für die deutsche Bühne gewann. Uni er den heutigen Heroinen ist wohl Agathe Barfescu nächst der Ziegler die bedeutendste Medea. Sie beide geben die Rolle etwa in dem Stile der von Goethe und Scl)iller begründeten Weimarer Schule, die in den Ueoerlreserungen des Wiener Burgtheaters bis nahe zur jüngsten Zeit fortliebte. Sie geben sie, wie Sofie Schröder IC_ ber der ersten Ausführung rm Frühjahr 1821, den Ueber- lreferungen zufolge, gespielt haben mag. Clara Ziegler hat auch unserem gestrigen Mannheimer Gaste offensichtlich als Vorbild gedient. Frl. Bajor ist nicht so hoch gewachsen wie die Ziegler, auch nicht von so breit ausladender Figur wie die Barseseu. Im Gegenteil, sie ist eine saft zierlich zu nennende junge Dame, die rechte Mühe hat, ihre durchaus nicht barbarische Mädchenhaftigkeit als die Furcht und Entsetzen verbreitende Kolchierm zu verbergen und rauhe Wildheit an deren Stelle zu setzen. Ihr Organ ist recht ausgiebig, und es hielt trotz der vielen elementaren Kraftausbrüche bis etwa gegen die Wtttte der Vorstellung Stand, dann aber ermattete es und klang manchmal miß- töniger, kolchischer, barbarischer, als die Darstellerin wohl beabsichtigte. Ueberhaupt verlieh sie ihrer Stimme durch fast ständige Anstrengung des Kehlkopfes eine ihr gewiß für gewöhnlich nicht eigene Dumpfheit und Hohlheit. Hm und wieder aber klangdann ungewollt ein natürlicher Klein- mädchenlau: dazwischen. Die gesangreiche Art der Deklamation, die man bei der Ziegler bewundert hat, ist, seitdem der Realismus auf der Bühne herrscht, in Verruf gekommen, man muß ihn aber bei Grillparzer gelten lassen, und es ist ein absuroer Einfall der Rosa Poppe, die Ätedea veristisch darzustellen. Zedenfalls hat gestern Fräulein Bajor den Gießenern imponiert. So wenig nervös diese junge Künstlerin ist, so besonnen imb maßvoll ist sie. Wenn sie für das mythische Heldenweib auch nicht die heroische Monumentalität der Feuerbachschen Medea besitzt, so bringt ie doch die große Gebärde der Titanide mit, und wenn sie im wirbelnden schwarzen Gewände mit schwarzeni wallendem Haare über die Bühne schreitet, oder wenn der rote Schleier der barbarischen Magierin sie wild umweht, dann erscheint sie uns in der schönen Ruhe ihrer Bewegungen wie eine antike Schlcksalsgöttin und das ganze Haus ist in ihrer Gewalt. Der Wut und der Verzweiflung, der inbrünstigen, demütigen Liebe und dem düster sinnenden Rachedurst gibt ie ohne Pose wuchtigen Ausdruck. In der klar gegliederten Rede ist sie meist voll überzeugend, mir selten klingt mit dem Laute auch der Redefluß gemacht, unwahr, und wo ich das Empfinden der Gewaltigen in Schmerz und Klage löst, da steigt der Ton weich und tränensatt aus ihrer Brust. In der gebrochenen Wehklage eines todesmüden Herzens ist ihre noch nicht vollkommene Redekunst am eindrucksvollsten. Man versteht diese Medea, ihre dämonische Tat, lind der Gesammteindruck dieser stark wirkenden Darstellung bleibt immer doch die selbstbewußte Größe, die stolze, siegende und rotz aller schweren seelischen Niederlagen doch zum Schlüsse in höchster Tragik obsiegende Menschengröße, die Grillparzer in seiner Medea zu verkörpern getrachtet hat. Frl. Bajor erzielte durch ihre erschütternde Darstellung starken Beifall. Sie hat uns einen Festabend der Kunst bereitet und wird uns stets ein von uns besonders geehrter Gast ein. Sie wird reifen uud nach ein paar Jahren inneren Wuchses gewiß noch viel von sich reden machen. Die übrige Darstellung nahm sich nicht wie eine flüchtige Improvisation, wie das z. B. beim letzten Triesch- abend den Anschein hatte, sondern recht anständig aus. Als Männer und Mädchen bezwingender Argonautenheld stand Herr Sandorf sehr wacker seinen Mann, wenn auch seinem ernsten, etwas schwerflüssigen Wesen das gleisnerisch Bestechende, der Schmelz der Jasonnatur gebricht, wenn er auch die Worte, die ihm der Dichter in den Mund legt, in seiner geraden Art ohne Falsch selbst dann zu sehr als bare Münze nahm, wenn sie dem liebenden Weibe Freundlichkeit, Milde und Wohlwollen heucheln. 2)?it dem bekannten, nie versagenden Eifer nahm sich Herr Linzen der nicht sonderlich dankbaren Figur des zwar nicht unedlen, aber in seiner griechischen Befangenheit die Bigamie protegierenden Königs an, nicht ohne in Rttene, Geberde und Sprache mehr zu posieren, als gerade von nöten gewesen wäre. Die Kreusa fand in Fräulein Dülfer eine fleißige und eifrige, nur kostümell nicht besonders glückliche Darstellung. Frl. Gartner war, wenn auch eine monotone, so doch nicht gänzlich unwirksame Darstellerin der Gora. Ehrenvoll behauptete sich Herr de Georgi als Herold der Amphiktyonen. Die beiden Kinder hätten, weniger abgerichtet als belehrt, besser gewirkt. p, yy w T Uetzer den Dort.rnunder Stadttheaterb au von Pros. Martrn Dulser in^Münchcn, der bekanntlich die Aste, nicht louderlich glückliche ^fi^c zu unserem Gießener Theater- und Sa al bau geliefert hat, finden wir in drei Fachzeuschriften längere Artikel; in dem vom preuß. Ministerium der onentlichen Aroeuen herausgegebeneii „Zentralblatt der Ban- verwattung , ut den „Modernen Banformen, Monatsheften sür Archuettnr und in her „.Hohen Warte, illustrierten äatbnronats- sck'rift für die künstlerischen, geistigen unb wirtschaftlichen Interessen der städtischen Kultur." Alle drei Aufsätze sind reich illn- ftriert, am eindrucksvollsten, weil zuin Teil koloriert, der im den „Modernen Bauformen". Alle drei rühmen das Dortmunder Werk Dülfers sehr. Es wird vornehmlich die von antikem Geiste getragene ernste Großzügigkeit des Baues anerkannt, die sich zu einer neuen und nur Dülfer eigenen Formenwelt durchgerungen habe. Bei der Ausgestaltung der Sckianseiten des Dortmunder Theaters schwebte dem Minstter nach seinen Aufzeichnungen folgender Gedankengang vor: „Ein Theater hat im wesentlichen nur in den Wendstunden seinen Zweck zu erfüllen; es muß daher eine Formgebung erhalten, die von den Gepflogenhetten, wie sie uns traditionell aus den architektonischen Musterwerken für Paläste oder ähnliche Prunlbauten geläufig sind, sich entfernt. Oessnungen zum Einlaß deS Tageslickstes sind deshalb nur so lveit als erforderlich anzuovdncn. Gerade daß Ataghalteu in den Licküöffnungen bietet die Aivglichkeit, große Mauerflächen zu bilden, die nicht unwesentlich zu einer monumentalen Wirkung des Ganzen beitragen." Alan wird nichts wesentliches dagegen einwenden können, wenn man sich auch sagen muß, daß ein monumentaler Bau durch allzu karge Ausstattung mit Fenstern schließlich etwas Monotones erhalten muß, das sich durch ornamentalen Schmuck nicht ganz wird beseitigen lassen. Das Meraner Stadttheater, gleichfalls ein Werk Dülfers, das von uns an dieser Stelle wiederholt als mnsterlmft für den modernen Theaterbau bezeichnet worden ist, imponiert anch nur durch seine originellen antikisierenden und doch durchaus neuen Formen, sondern auch durch die geschmackvolle und zugleich diskrete, unaufdringliche Gliederung und die kluge Verteilung der vielen Fenster. Tie langen und schmalen Fünfter des Dortmunder Baues scheinen uns, wenn sie auch zweckentsprechend sein mögen, nicht dazu beizutragen, das; die 5)aupt- sassade einen reizvollen Anblick gewährt. Tie Tülfersche Skizze für einen Gießener Theater- und Saalbau zeigte, wie man sich erinnern lvird, ein kleines schmales F-rontantlitz, das in ferner Eigenart bis auf die arg gedrückte Zufahritsrampe, ganz 'gefällig war, lvährend die kolossalen Mauerflächen die sich auf- dringlich angliederten, ungewöhnliche Plumpheit besaßen immerhin meinen wir, daß ivir in Gießen für die Ausführung eines monumeiitalen Theater- und Saalbaus den Broi Dülfer in München iNi Auge behalten sollten. ’ 1 — Böck lins Kindergestalten — wer hätte nickst ftu-nft" (Qnnnnr blC Bruckmannsche Löcklmschcr SinbcrMÖCT uns vorfüh^ Heft Nicht sonst noch alles' siian* hrm, r ■ toas5 barten, ohne dre Eier zu zerschlaam" M r kernen ^sannkuchen Konr. Lange eine klärende ffiürhirti'mr. sn bic]cix Worten leitet Das Motto spielt fdimlmft quM® Pankoks ein. an — aber eS leitet auch efc ernftw “ ^«deutschem Namen -Geschmack" derjenigen itrerie DM^^ Erwägungen über den genug leitend sind Da Parrtok ein; b,c /»der hansrg Künstler des jungen Deutschland ^E?^ebe gab testen, gehaltvolle und reich ickuswierte 1Un,Wn- ba& der den maßgebenden Kreisen rerbneu bon allen, die sich zu Doch wer nicht lesen man ter u,lb beherzigt würde, der kostbaren Möbel Pan^ols .mieden b,c Abbildungen neue AkÜbel intereifiert 1 bcit' T Unb wer ich nicht für in dem Sfcfte Kuwst, stndet hervorragender Arbeiten bn ^ünm-nc^1 c,,nc<.lan°c Reihe eingehend behandelt, reproduzier ° Plastik, die vcilmeyer schrieben^ ulUm,t N. d. M. ge- die unter dem Protektorat"Hdesoft*^nghoKr. EgHmt 12(5 Nummern auf 9 W,*n Arbeiten unb Plastik Kunst und Wissenschaft. — Die Petersburger Akademie der Wissen- sch asten wählte in feierlicher Sitzung den ständigen Sekretär der kgl. Akademie der Wissenschaften in Berlin Geh. Oberregierungsrat Prof. Dr. A u w e r s zum Ehrenmitgliede und die Professoren Dr. Bartholomae an der Universität) Gießen und Geh. Medizinalrat Dr. Stieda in Königsberg zu korrespondierenden Mitgliedern. — Zu den Umbauten der königl. Theater in Berlin wird im Etat von 1905 bemerkt: Die Kosten des Umbaues des königl. Schauspiel Hauses werden auf 1 850 000 Mk. veranschlagt, der Anteil der Krone auf 585 000 Mk. Die Kosten der Bauten eint Königlichen Opernhaus betragen 140 448 Mk., die der Staat zu tragen hat. *• Die Tage der He.srich - Thüringischen Staatslotterie dürfen gezählt sein. Seit Preußen durch scharfe Strafandrohungen das Spiel in auswärtigen Lotterien zu einem so großen Risiko machte, ist unserer Staatslotterie manch« Einnahme entgangen. Die Geneigtheit, mit Preußen einen Lotterievertrag einzugehen, ist dadurch gewachsen und es haben in dieser Angelegenheit vor einigen Tagen in Kassel Verhandlungen stattgefunden. ** 25jährige§ Dienstjubiläum. Am 18. d. M. wird der in weiten Kreisen geschätzte Großh. Verwalter der neuen Kliniken, Herr Keller, fern 25jährige§ Dienstjubiläum begehen. Vom 18. Januar 1880 an zum Verwalter des medizinischen Hospitals bestellt, wurde Herrn Keller nach Fertigstellung der hiesigen neuen Kliniken vom November 1890 an die Verwaltung dieser Kliniken übertragen. Während der 25 Jahre, die er im Dienste der Landesuniversität arbeitete, hat Herr Keller es im reichsten Maße verstanden, durch sein umsichtiges Wirken und sein liebenswürdiges Wesen sich Hochachtung und Beliebtheit zu erwerben. •* Studentenulk in Marburg. Ende vorigen Monats nahmen bekanntlich, so wird uns aus Marburg berichtet, Mitglieder des Studentenkorps „Teutonia" Veranlassung, den Magistrat durch eine ulkhafte Demonstration daran zu erinnern, daß der fehlende Bär auf dem Bärenbrunnen an der Barfüßerstraße durch einen neuen ersetzt werden müsse; am anderen Tage gab der Magistrat bereits die Bestellung auf. Gestern, am 11. d. M., wurden wieder Extrablätter mit folgendem Inhalt verteilt: »Der Block, aus dem der neue Bär gemacht wird, geht heute mit Musik durch die Stadt, 18 Sieben-Raben mit Pauke, Husch!" (Mit der Bezeichnung Sieben-Raben meint man sicher die städtische Kapelle.) Punkt 5 Uhr bewegte sich dann auch vom zoologischen Institut aus mit Musik voran ein origineller Studentenzug in die dicht mit Menschen besetzte Barfüßerstraße. Auf einem mit vier Pferden bespannten Wagen lag ein riesiger Sandstein und auf einem mächtigen Plakat stand zu lesen- „Dies giebt der Bär!" Am Bärenbrunnen machte der Zug Halt, ein Student sprang auf den Stein und hielt etwa folgende Rede: „Bürger, Kanadier! Ich rufe Euch zwei Worte zu, nämlich: Gewitter (ein Lokalausdruck) und der mohlweise Magistrat! Unseren bescheidenen Scherz hat der wohlweise Magistrat gewürdigt und den Bären bestellt, der in diesem Steinblock schlummert!" Der wohlweise Magistrat Marburgs lebe deshalb dreimal hoch!" Dank der kräftigen Beihilfe des Publikums bekam nun der Marburger Magistrat für seine Bärenbestellung eine noch nie dagewesene Ovation. Dann brachten die Studenten den Stein in die Pfaffrath'sche Bildhauerei in der Ockershäuser Allee. )( Allendorf a. d. Lda.. 10. Jan. Kürzlich sind hier zwei Steinbrüche neu in Angriff genommen worden. Der eine, welcher sich am Bergrücken nördlich des Lumdatales befindet, verspricht, wie nach bereits bloßgelegten Felsen und auf den Lagerplatz gebrachten, zmn Behauen geeigneten sehr großen Steinen zu schließen ist, eine reiche Ausbeute an für Bauzwecke so wertvollem Lung st ein. Den Betrieb hat Bauunternehmer Winn-Gießen auf Grund eines 10jährigen Pachtvertrages zwischen ihm und der Gemeinde Allendorf energisch begonnen. Der zweite Steinbruck eint Ziegenberg in der Nähe der Bahnstation Allendorf liefet sehr schöne Pflastersteine und wird durch einen Grünberger Unternehmer, welcher mit der Gemeinde ebenfalls einen Pachtvertrag abgeschloffen und auch einige Grundstücke von Privateigentümern angekauft hat, betrieben. Die nahe Arbeitsgelegenheit ist-für unsere Gemeinde sehr erwünscht. Butzbach, 11. Jan. Ein schwerer Unglucksfall, der den Tod eines Menschen zur Folge hatte, ereignete sich gestern hier. Herr Gilbert Guntrum von Oberhörgern war mit seinem Knechte Wilh. Fischer gestern hier, um seine beiden dreijährigen Fohlen beschlagen zu lassen. Das eine der Fohlen war besonders unbändig und traf beim Ausschlagen den Knecht am Kopse. Eine schwere Schädelverletzung machte nach den sofortigen ärztlichen Hilfeleistungen seine Verbringung in da8 Niederweiseler Hospital notwendig, wo er heute nacht verstorben ist. Ein Verschulden trifft niemand. Fischer war bei seinem jetzigen Herrn schon im fünften Jahre in Diensten und gilt als ein äußerst treuer Arbeiter. Er stammt von Muschenheim, ist 39 Jahre al und hinterläßt eine Witwe mit 4 Kindern. Aus Stadt und Land. Gießen, 12. Januar 1905. ** Schul-Personalien. Uebertragen wurde am f. Januar d. I. dem Schullehrer Dörmer zu Reichlos, int Kreise Lauterbach, die Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Wernges, in demselben Kreise, dem Schulamtsaspiranten Silß aus Laubach, int Kreise Schotten, die Lehrerstelle an Weisse Hände SÄU Myrrholinglycerin. vr. Aerichtssaak. Ein rü cksichtslvser Aut o mo bilfa hr er. DieStraf- kammer bestätigte am 10. b. M., wie wir schon kurK berichteten, in der Berufungsinstanz ein Urteil des Großb. Schöffengerichts Butzbach, das bei triften wahren Freunden des Automobilsports nur Genugtuung Hervorrufen kann. An geklagt war der Direktor der Autrwwbilvereinigung in Frankfurt a.M. CurtvonAllen- dorf, der sich einer Uedertretnng der in Hessen geltenden Ver- ordnung betr. Fahrräder und Automobile durch 'übermäßig. rasches Fahren und Außerachtlafftmg der durch die Umstände jeweilig gebotenen Vorsicht zu schulden batte kommen lassen. Dem schoffen- geri^lichen Urteile, das den bisher unbestraften Angeklagten zu der gesetzlich zulässigen Höchststrafe — einer Haftstrafe von 14 Tagen — verurteilte, lag chlgender Sachverhalt zu gründe. An einem Augusttage vorigen Jahres machte die Schwägerin _ des Fabrikanten P. in Butzbach in Begleitung eines Reitburschen einen Spazierritt, von dem sie ihr Schwager itnt Vs7 Uhr abends zurückerwartete. Da die Dame nicht rechtzeitig zuruckkchrte, begab sich Herr P. vor sein Hoftor, von wo er die Straße nach Nieder- Weisel, auf der seine Schwägerin zurückkehren wollte, überblicken konnte. Während er hier in rasendem Tempo — einer Geschwindigkeit von ca. 70 Kilometern, wie festgestellt wurde — ein Automobil mit vier Insassen der Stadt Butzbach sich nähern sah, bog ahnungslos seine Schwägerin imb der Neitbunche von einem Seitenwege kommend in die Chauffee ein. Herr P. winkte sofort den AiUvmobilisten, langsam zu fahren, imb rief feiner Schwägerin zu, in den Seitenweg zurückzureiten, doch vermoaste die Reiterin das infolge des herannabenden Getöses des Kraftwagens unruhig gewordene Pferd nicht mehr herumzubringeu und sah sich gezwungen, um nicht von dem immer naherkomutenden Atttonrobil überall zu werden, in Karriere die ea. 100 Meter weite Strecke nach Butzbach zurückzulegen. Kaum batte sie glücklich den Hof der Fabrik erreicht, als auch schon daS Automobil berannahte. Herr P., über das rücksichtslos schnelle Fahren der Herren empört, eilte dem auf der rechten Seite der Cyauffee heranfahrenden Wagen ans der linken Seite der Straße emige Schritte entgegen, um ein Anhalten zwecks Feststellung der Persönlichkeit zu veranlassen. Kaum hatte er ein „Halt" zugerufen, als auch der Führer des Automobils — der Angeklagte den noch immer rasch lausenden Wagen in fast rechtem Wmke! nach der linken Seite der Chauffee direkt auf Herrn P. zulaufen ließ, sodaß dieser sich Nur durch einen Seitensprung vor dem Ueberfahrenwerden retten konnte. Der Angeklagte will, als er die Reiter in einer Entfernung von ca. 400 Meter vor nch erblickte, die Geschwindigkeit des Autos derart reduziert haben, daß der Wagen zum Schlüsse nur noch 15 Kilometer gelaufen fei und an der Stelle, art der Herr P. sich befiinden, gendttgt gewesen sein, die linke Seite der Straße zu gewinnen, um eine Kurve nehmen zu können. Die Strafkammer kam mit dem Gericht erster Instanz zu der Ansicht, daß der Angeklagte zwar, als er die Reiter erblickte, die Geschwindigkeit etwas minderte, aber immerhin noch so rasch fuhr, daß er die ca. 400 Meter vor ihm Karrrere reitenden Reiter auf der kurzen Strecke von ca. 100 Meter, btt die Reiter bis Butzback' zurückzulegen hatten, fast einholte: auch hielt das Gericht erwiesen, daß der Angeklagte mit einer größeren Geschwindigkeit als 15 Kilometer, wie der Angeklagte angab, olme durch irgend welche Umstände hierdurch veranlaßt zu fetn. direkt auf Fabrikant P. losfuhr, und ihn hierdurch vorsätzlich in eine schwere LelxnSgefahr beichte. DaS ganze Verhalten des Wrgeklagten sowohl den Reitern als auch l>em Fabrikanten P. gegenüber sei ein überaus rücksichtsloses, frivoles und leicküfertiges gewesen, das unbedingt mit der ganzen Strenge deö Gesetzes ge- ahndet Vierden müffe. __ Kandel und Verkette. Volkswirtschaft. 3 p r o z. Großh. Hessische S^t a a t s a n l et b e von 1905. Die von der Königl. Preußischen Seehandlunq (StaaMmiM der Bank sür Handel und Industrie (Darmstädter Bank) n. a< übernominenen 24 Mill. Mk. 3 proz. Hessische Staatsanleihe gelangt am 17. Januar zu einem Kurse von 8 7,5 0°/. zur öffentlichen Zeichnung. Die hiesige Niederlaffttng der Darmstädter Bank versendet heute die Prospekte und nimmt im Auftrage ihrer Centrale Zeichnungen entgegen, Wir bemerken, daß der Kurs ein sehr billiget* genannt werden kann, stehen doch die Anleihen des Reiches unk der meisten anderen Bundesstaaten auf 90%. Die neue 8 proz. Hessiche Anleihe erbringt eine Verzinsung von reichlich 3 ../« uito bietet daneben den Vorteil einer Kapitalvermehrmig bet höher gehenden Kursen. Mlitische Tagesschau. Die angelsächsischen Karten. Ein Blick in die angelsächsischen Karten ist dieser Tage -erstattet worden durch die Bemerkung eines Newyorker gelben Blattes, es nahe jetzt die Zeit, in der den Deutschen in Kiautschau der St uhl vor die Tür gesetzt werden müsse. Mit anderen Worten: infolge der japanischen Seesiege ist Rußland aus der Reihe der Pacificmächte uusjgeschaltet, und sein politischer Freund Deutschland muß baldmöglichst ebenfalls in der Ver s en kuing verschwinden, damit die berufenen Herren der Weltmeere, die Angelsachsen die uw- bestreitbare Uebermacht auch auf dem Stillen Ozean erlangen. Japan wird offenbar nicht als Störenfried betrachtet, da es einmal mit England verbündet, dann aber nicht stark genug ist, um gegen die vereinigten Angelsachsen aufzukommen. So ungefähr sieht die Skizze aus, wie sie die Jingos jenseits des Kanals und des Atlantic sich erdacht haben. Diese Kombination lediglich als Ausgeburt einer überhitzten Phantasie zu bewerten, hieße sie unterschätzen. In der Sache liegt System. Man braucht nur der Samvw- konflikte zu gedenken, nm sich, erneut bewußt zu werden, daß die terirtoriale Festsetzung Deutschlands im Bereich des Pacific seitens der beiden englisch sprechenden Rationen' mchts weniger als wohlwollend betrachtet wird. Welchem anderen Zweck als dem der maritimen Ueberlegenheit im Stillen Ozcan kann das Bestreben der Washingtoner Regierung gelten, sich die stärkste Marine b er Welt anzuschaffen? Diese Verschiebung der politischen Einflußsphären dürste sich zwar langsamer vollziehen, als von den angelsächsischen Heißspornen gewünscht wird. Man arbeitet aber unablässig darauf hin, und es ist, wenn nicht unvorhergesehene Ereignisse eintreten, sehr wohl möglich, daß Deutschland die Folgen der Zertrümmerung derrussischenSeemachtstellungimfernen Osten mitverspüren wird. der Gemeindeschule zu Eichelhain im Kreise Lauterbach. ** Elisabeth-Kleinkinderschule. Die von der Baugenossenschaft des Evang. Arbeitervereins erbaute Kleinkinderschule am Wetzlarerwcg hier wurde am vergangenen Montag in feierlicher Weise ihrer Bestimmung übergeben. Leider konnten die Einladungen zu dieser Feier des Raumes wegen nur in beschränktem Maße stattsinden; es soll aber eine Nachfeier für die Mlgemeinheit stcrttr- finden, wofür auch der gemischte Chor des Evang. Arbeitervereins seine Mitwirkung bereits zugesagt hat. Es waren erschienen der Vertreter der Großh. Regierung, Regierungs^- rat Wagner, «als Vertreter der Stadt Gießen Oberbürgermeister Mecum, der Vertreter der Mathildenstiftung für Oberhessen, Vertreter des Vorstandes der Lukasgemeinde — in welcher Gemeinde die Schule liegt —, der Baugenossenschaft des Evang. Arbeitervereins, Mitglieder der Schule, die vom Mutterhause m Nonnenweier zur Leitung der Schule hierher entsandte Schwester, die angemeldeten Kinder nebst deren Mtern, sowie Dom Damen-Komitee der Schule Frau Rendant Doering, Frau Kommerzienrat Heyligenstaedt, Frau Oberbürgermeister Mecum u. a. m. Pfarrer Euler hielt die Eröffnungsansprache unter Zugrundelegung des Textes „Lasset die Kindlein rc." Er führte aus, daß gerade in dem so reich belebten Kinderviertel eine solche Kleinkinderschule zum Bedürfnis geworden sei, und er müsse den Männertt danken, die zur Errichtung dieser Statte den ersten Anlaß gegeben hätten. Zum Schlüsse seiner Ansprache wünscht er dem neuen Institute Gottes reichsten Segen. Anschließend hieran ergreift der Vorsitzende des Aufsichtsrates der Baugenossenschaft, Reichstagsabg. Kommerzienrat Heyligenstaedt, das Wort, um einige geschäftliche Mitteilungen über die Entstehung und Einrichtung der Schule zu geben. Er bedauert zunächst, daß der eigentliche Gründer der neuen Schule, Rendant Doering, durch Krankheit verhindert sei, der heutigen Einweihung seines geschaffenen Werkes nicht beiwohnen könne und führt weiter etlva folgendes aus: Die Anstalt selbst bilde ein Glied des Evang. Arbeitervereins zu Gießen. Sie führe mit Genehmigung Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs vom 19. Nov. 1904 zum Andenken an die verstorbene Prinzessin Elisabeth von Hessen den Namen „Elisabeth-Kleinkinderschule" und soll in erster Linie den Bewohnern von Häusern der Baugenossenschaft, sowie den Mitgliedern des ev. Arbeitervereins Gelegenheit bieten, ihre Kinder im Alter von 2i/2 bis 6 Jahren unter sichere Aufsicht zu stellen und in eine verständige und liebevolle Bewahrung zu bringen; in zweiter Linie dürfen auch Kinder anderer Eltern aufgenommen werden, sofern dadurch die vorn Vorstand zu bestimmende Höchstzahl der Kinder nicht überschritten wird. — Eine Konkurrenz gegenüber der anderen hier am Platze befindlichen Kleinkinderbewahranstalt sei gänzlich ausgeschlossen. Auf Beihilfe von Freunden der Sache, Anstalten rc. sei die Schule angewiesen; die Bezirkssparkasse Gießen habe zur Ausstattung der Schule und Schwesterwohnung einen Betrag von 500 Mart bewilligt und einen fortlaufenden Jahresbeitrag in Aussicht gestellt, ebenso die Mathildenstiftung ftir Oberhessen, die Lukasgemeinde und der hiesige Verein „Eon- tentia", welcher der Kasse einen ansehnlichen Betrag hat zufließen lassen. Man hoffe aber auch, daß die vcrehrliche Stadtverwaltung ihr Wohltvollcn durch Bewilligung eines jährlichen Zuschusses zur (Geltung bringen tintige. — Der Bau ist nach den Plänen des Architekten Hamann zur Ausführung gekommen, wenn auch einfach, Mer geschmackvoll uud in praktischer Art. Er enthält außer dem Sale und der Wohnung der Sästoester im Parterre-Geschoß noch eine gedeckte Spielhalle mit Spielplatz und |iu den übrigen Geschossen noch 4 Privatwohnungen. (!) Reichelsheim (Wettermr), 9. Jan. Am Sonntag den 8. d. M. fand im Saale des Gasthofs „Zur Post" hier eine Versammlung des Ortsgiewerbevereins statt, die sowohl von hier wie aus der Umgegend überaus stark besucht war. Nahezu 120 Personen hatten sich eingefunden zu dem Vorträge, den bti* Huuidwerkskammersekretär Engelbach aus Darmstadt über „Zweck und Ziele der Gewerbevcreine in Betzug au f Handwerkerschulen, Lehrlingswesen, Gesellen- und Meisterprüfungen" hielt. Der Vorsitzende des Vereins, Medizinalrat Dr. Schäfer gab bei Eröffttung der Versammlung seine Freude über den zahlreichen Besuch zu erkennen. In etnstündiger Ausführung behandelte dann der Redner das vorgenannte Thema. Die Gewerbeordnung von 1897 habe eine Reihe von Ausgaben, Rechten und Pflichten dem Handwerker zugewiesen. Zur Durchführung der Handwerkergesetzgebung sei es daher erforderlich, daß ein Zusammenschluß der Handwerker überall vorhanden sein müsse, sei es in Innungen oder sei es in Gewerbevereinen. Der Handwerker, welcher heute einer dieser Organisationen fernstehe, sei fantmi in «der Lage, sich über die für ihn in Betracht kommenden gesetzlichen Bestimmungen zu informieren, weshalb es schon im Interesse eines jeden Einzelnen läge, sich den bestehenden gewerblichen Organisationen anzuschließen. Einen besonderen Wert lege die Gewerbegesetzgebung auf die gründliche Ausbildung des Nachwuchses 'im Handwerk. Es bedürfe wohl keines besonderen Nachweises, daß bei den jetzigen Konkuiwenzver- haltnissen der Einzelne nur dann vorwärts kommen könne, wenn ihm eine gründliche Vorbildung gegeben sei und er sich alle Errungenschaften der Technik zu nutze mache. In den Handwerkerschulen des Landes fintrc der junge Handwerker die für ihn erforderliche Ausbildung im Fach.- zeichnen; die Kenntnis der Buch- und Rechnungsführung, die Kenntnis der Stellung von jKvstenvoranschlägen sei auch für den kleinsten Handwerker unbedürgt erforderlich. Zur Durchführung dec Rege-lung deö LehrlingS^senS, sowie der O^sellenprüftlngen, welckw zum großen Teil in die Hande des .Handwerkerstandes selbst gcüegt sei, sei es aber auch, erforderlich, daß der Einzelne nicht abseits stehe, sondern durch seine Zugehörigkeit zu den bestehenden gewerblrckM Organisationen sein Interesse an der Förderung seines Standes bekunde utü> zum Wohle des Ganzen mitcrrbeite. Zum Schlüsse wurden die Meisterprüfungen einer eingehenden Besprechung unterzogen und darauf hingewiesen, welcher Weg von den Handwerkern einzuschlagen sei, um die Berechtigung zur Führung des Meistertitels zu erhalten. — Nach dem Vortrage fand eine Diskussion statt, bei welcher zahlreiche Anfragen über das Recht des Haltens von Lehrlingen, die Meisterprüfungen, Vergabungswesen u a. geteilt wurden, die alle zur Befriedigung der Anwesenden ihre Beantwortung fanden. Dem Gewerbeverein traten gegen 20 neue Mitglieder am gleichen Tage bei. )( Vom Lande, 11. Jan. In denjenigen Orten, in denen die Konfirmanden noch auf Psingsten konfirmiert werden, hat gegenwärtig der K o n firm an den unterricht begonnen. Mit seinem Beginn war vielfach eine Neuerung verbunden, nämlich ein Gottesdienst. Diese Neuerung ist wohl auf Anordnung der oberen Kirchenbehörde geschehen. Die Konfirmation unserer Schuljugend geschieht immer noch zum Teil auf Ostern, zum Teil auf Pfingsten. Entschieden besser wäre es, wenn die Konfirmation allgemein auf Ostern stattfände, weil sie sich bann an die Entlassung der Schüler aus der Schwule anschlösse und diese Schüler dann nicht mehr in dem einen Ort auf Ostern, in dem Nachbarort aber auf Pfingsten konfirmiert würden. r. Gambach, 10. Jan. Am Sonntag hielt der hiesige Turnverein sein diesjähriges Wintervergnügen ab. Zu dem Konzert und den turnerischen Hebungen am Nachmittag hatten sich zahlreiche Gäste von hier und auswärts eingesunden. Der Turnverein hat dadurch einen großen Fortschritt zu verzeichnen, daß Herr Karl Nees von Butzbach sich dazu bereit erklärte, die Ausbildung der Turner zu übernehmen. Frankfurt, 11. Jan. Nach Mitteilung des Statistischen Amts ist die Volkszahl für den Stadtkreis Frankfurt a. M. unter Berücksichtigung der seit der letzten Volkszählung polizeilich gemeldeten Zu- und Abwanderungen sowie des entsprechenden Ueberschuffes der Geburten über die Sterbefälle am 1. Januar mit rund 3 2 0 000 anzunehmen. — Der 25 Jahre alte Gerichtsdiener Philipp Bender aus Guntersblum, der AlbuSgaffe 35 wohnt, wurde unter dem Verdacht des Kindesmordes in Haft genommen. Er hatte mit einem Mädchen in der Humboldtsiraße ein Verhältnis, dem vor einigen Monaten ein Kind entsprang. Er wird beschuldigt, dieses Kind — ein Mädchen — durch Gift getötet zu haben. (Kl. Pr.) z Kleine Mitteilunoen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In Lich hat sich ein neuer Musikverein „Waldlust" gegründet. Der Verein hofft Ende März fein Stiftungsfest feiern zu können. ■ H8 Rämhungg-Aiisverka i v'°/. 20% u Nur vom 12. bis 19. d. Mts. und bei sofortiger Barzahlung wird obiger Rabatt gewährt. Wich-MMMnA Krcppeln Metzgerboilen! (pit.) Hand- und Maschinenschrift, täglich frisch bet 123 Eichene Fleisch- u. Waschbütteu WA «ervielfältigungen -«M Hofbäcker Moil. L. Kohlenmann IV. nrrtnmf imh bidfrot ...... • c- .o s prompt und bistret. Blctchstratze 12. 162 Mäusburg 12. 227] G. C. 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Gießen, ben 13. Dezember 19u4. Großherzogl. Ortsgericht Gießen. _________Gros.______ K. 74 '04. Donnerstag den 26. Januar 1905, nachmittags 3 Uhr, wird die vor dein Namen des Gart Buß und Ehefrau geb. Rumpf stehende Parzelle der Gemarkung Gleßen, Flur 1 Nr. 516 — 243 qm Hofraite auf dem Marktplatz, öftemlich merstbierend versteigert werden. B“/11 Gießen, den 13. Dezember 1904. Großherzogl. Ortsgericht Gießen. ö) ros. K. 80/04. Donnerstag den 26. Januar 1905, nachmittags 3 Uhr, wird die vor dem Namen des Earl Buß und Ehefrau geb. Rumpf stehende Parzelle der Gemarkung Gießen, Flur 1 Nr. 516 — 243 qm Hofraile auf dem Ntarklplatz öffentlich meistbietend verstelgerl werden. ß16/11 Gießen, den 13. Dezember 1904. Großherzogl. Ortsgericht Gießen. Gros. Schirme 105 in großer Auswahl von den billigsten bis zu den feinsten. Ueberzieheu Ulld Reparaturen schnell mld billig in eigener Werkslätte. Heinrich &ack, 19 MMtstratze 19. Auschneide-Lehranstal't Grünbergerstratze 14a (Mittelbau). 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Orlsgericht Gießen. _______ Gros. _________ Arbeitsvergebung Die zur Beseitigung der Treppen auf dem Wege hinter der Kapelle des Friedhofs am Rodtberg erforderlich.Pstaster- Maurer- und Erd- und PLanirarbeiten sollen Mittwoch den 18. Januar d. I. vormittags 11 Uhr öffentlich vergeben werden. Zeichnungen, Arbeitsbe- schreibung und Bedingungen liegen bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, sind bis zum genannten Zeitpunkt an unseinzurelchen. — Zuschlagsfrist 14 Tage. Buy Gießen, den 10. Jan. 1905. Städtisches Hochbauamt. Gerbet. Täglich frische SCreppeän. 0118l Karl Euter, Ludwigsplatz 3. ü cs ü B K| Lo ’S cs o 5 ftv tu V. Kessisch-Wünnglsche Slaaisiotlcrie Ziehung II. Klasse. (2. Tag.) 11. Januar 1905. Alle Nummern, neben welchen nichts bemerkt ist, sind mit 100 Mark gezögert. (Ohne Gewähr.) 46 71 162 227 89 [150| 329 465 645 71 760 823 91 952 60 1091 170 253 359*79 502 6 28 624 63 797 898 99 924 90 2062 121 33 323 72 83 438 515 69 76 608 12 50 56 79 90 725 51 864 8007 10 118 32 294 333 55 81 85 91 605 9 82 927 42 4168 73 271 90 347 87 435 571 99 895 943 5058 124 [200] 64 268 71 84 543 87 92 714 64 72 84 914 98 6021 80 87 91 139 58 383 411 503 12 16 719 844 921 29 7040 41 119 204 30 59 81 87 380 4:14 94 517 603 56 708 15 935 53 8014 83 126 67 239 63 479 1150] 542 89 628 797 [150] 99 829 80 9027 85 105 13 32 45 81 85 207 78 371 471 558 83 616 30 36 47 95 709 59 68 76 877 10051 78 107 55 236 375 88 464 676 715 63 84 817 92 953 81 11087 42 87 129 56 207 67 367 414 505 651 92 716 86 93 863 71 92 947 63 65 1 2009 21 62 245 65 511 58 86 635 70 725 871 916 67 1 3023 54 109 44 55 88 282 324 38 96 98 451 98 564 622 737 63 80 848 65 914 1*085 170 83 208 96 408 40 58 588 713 15 801 947 15049 189 246 365 166 73 80 527 [150] 61 86 617 64 726 78 981 16114 28 83 212 338 06 600 1 7087 96 100 83 92 223 47 309 403 31 33 39 550 620 56 93 755 75 945 1 8053 66 78 177 245 88 311 41 61 84 496 652 94 732 866 901 5 24 1 9020 67 162 271 318 27 454 499 691 873 83 978 20115 41 284 819 405 83 595 606 795 849 921 60 61 2 1096 11| 1200] 49 91 286 383 71 1200] 574 605 11 825 36 953 75 22152 808 495 99 548 58 629 819 41 28008 68 90 150 348 444 65 516 39 601 83 895 2*041 [1501 863 419 92 651 67 886 963 .2 5058 83 101 18 73 88 89 292 387 410 517 609 86 89 788 46 830 912 S2 26127 47 89 237 91 576 94 626 27 99 749 88 94 98 831 82 900 36 [150] 27118 420 37 531 [150] 88 623 58 59 28025 178 207 30 72 491 547 876 90 2 9235 [1501 851 59 68 71 619 774 883 948 80024 145 212 320 86 613 20 42 732 875 926 56 82 31095" 168 94 224 79 470 518 655 782 72 87 837 87 89 82009 178 254 816 402 26 529 94 635 905 33 [150] 61 [200] 67 88000 5 27 36 65 113 79 83 99 365 86 411 32 65 565 755 60 853 61 90 920 62 8*053 96 208 17 26 42 [150] 48 62 88 341 63 406 13 502 6 12 681 921 35023 31 249 80 487 551 65 651 77 [150] 84 717 59 921 86001 38 56 169 420 516 53 629 68 702 53 94 822 69 937 3 7007 162 69 434 551 81 [ 400 J 600 18 41 732 931 38111 37 77 81 264 90 333 71 419 641 45 50 77 722 94 807 59 919 28 45 39075 115 91 357 64 76 82 434 44 563 645 70 780 832 81 930 37 *0003 23 98 119 27 200 18 443 76 79 538 61 695 700 27 820 980 *1110 34 64 71 223 49 357 94 466 539 57 76 77 642 773 86 895 958 71 95 *2030 34 43 52 164 74 244 84 307 41 521 54 612 35 56 [150] 62 782 832 55 933 43014 68 171 309 78 [200] 82 98 600 29 64 92 730 85 88 803 18 48 98 916 92 4*052 69 72 85 104 77 229 349 421 82 74 557 76 638 75 774 90 851 74 79 *5167 87 [150] 286 832 411 56 624 25 608 28 36 50 99 727 [150] 56 *6018 44 121 55 206 854 76 92 15000] 597 712 57 800 14 928 99 *7082 167 261 309 26 69 84 411 17 A4 93 611 93 750 835 54 962 *8300 60 419 94 601 30 56 63 78 797 813 31 62 71 [150] 98 991 *9043 248 409 28 591 643 868 76 82 981 64 65 9 1 093 21( 88 847 90 924 9 2019 86135 79 266 406 50 509 34 -- -- 96 756 836 92 940 9*068 239 87 303 509 647 723 S tSSoT™ “ 86 712 88 92 50078 313 451 [ISO] 586 715 862 940 47 74 51045 113 97 201 22 57 418/47 533 639 710 827 5 2009 74 87 164 92 274 300 88 627 56 756 62 95 845 46 925 62 58006 41 68 165 87 247 366 475 525 653 66 751 844 929 5*006 75 123 25 307 27 402 11 22 538 57 61 98 672 89 713 849 55 90 938 41 58 55016 76 89 305 566 90 647 51 736 37 43 57 63 826 51 60 913 31 49 56184 86 [10 090 , 215 77 340 402 11 572 609 18 88 60 68 811 44 933 68 5 7013 138 234 61 356 429 553 90 96 678 706 80 840 969 88 58136 237 49 51 83 401 30 74 87 510 731 56 97 854 81 904 48 89 5 0054 125 65 234 67 621 42 66 61 702 25 808 61 928 31 [150] •60052 79 178 210 70 333 94 578 642 83 708 55 61125 26 243 58 437 38 508 36 81 721 96 802 37 89 900 28 [150] 62008 87 110 45 89 392 421 71 601 50 742 65 84 937 71 63011 67 92 151 208 33 801 415 533 l15^4««7^™816 11501 929 35 64246 62 98 360 425 612 57 94 720 040 HO y' " dellten ro fr ’ verflöße trift .• Metz. 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