bierbrir^ 4 ft6' rfcjplat. 'E^Äicht^ =~r—2!Ü^roeg 70. Z§Z endesu.nerven. smittei. Dr°guerieiL SH :W-!?nV in allen iN :$&.*•** in Gießen M, WS -M * ö i*5S* pachleav # -E 6 . « eepib£> id. »tter «"* > "MtA, yiuiifl- [j <üJ*Tä i bei. [fSSSW \ Mädchen ^“9". “•&>!». , tttau Bau m, ^iL®3!5jÄ lOflfH Ä“ »W ,3" $k«Nittci Flucht. IQKQM Kinski, Dammskraße 41, EdchenUNsU? _ Moltkesttaße 7 *r« Lausfrau für mti , n be§ Morgens ge'^ud^. : «ranlsurter Str, 4, u, 1 ÄL KWH -ande gesucht, gegen gute per L Oktober. 470. Martttzraße 2, jm litt WW | it Teltertzwcg 36.' leue Kliniken; V Knchenmädcbet 'wffascMraiiE üoltbei Ullb jUDöf.^ eo Loh-Mtz. 1 Saminka, V/arftia^- ; 6m durchaus erfahrenes 11 aädchrn Y. Utobtr c 5\&e yW tzran Prosessor Netto, LÜdanlage 13. MÄinW i oder auch später gesch ' __Liebiqslraße 3L )i Zowes, rodL Mäöcha, unter 17 M m gesucht, MmM» Lanssrau gesucht- Reitanlage 3211, ' illttts Fräulein alle Hausarbeit ü» -tMng'be-1od.2Ta° brütllölelönngeu unter» Nr. 213 Zweites Blatt. Montag 11. September 1905 vichener Anzeiger Wffchatnt WßliH tnü SnSnahm« dr» Sonntag«. Li« „•ieftentt Kamilienblätter- werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der «hessisch» Landwirt" erscheint monatlich einmal. 155. Jahrgang Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sch« UawersitLtSdruckerei. 8L Sangt, Gieß«. Redaktion, Expedition n. Druckerei: Schulstr.T, Del. Rr. 6L Telegr.-Adr. i Anzeiger Gießen, General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Woermann-Linie sie gechartert hat) mit Haferladung vor Swakopmund und konnten wegen der Brandung nicht entladen werden. Als der Haier schon längst verdorben mar, wurden für jedes Schiff noch täglich 17 00 Mark Liegegelder gejofilt, von denen 700 der Woermannlinie zuficlen. Endlich wurde die „Rostock* nach L ü d e r i tzch u ch t geschickt und die fast v ö l l i g w e r t l o s e Ladung dort lmigsam gelöscht. Hätte man sich dazu früher entschlossen oder den Hafer ins Wasser geschüttet, dann wären, ohne den allergeringsten Schaden für die Kolonie dem Reiche Hunderttausende erspart worden/ Wir fragen: Muß das sein? Kann die Woermann-Linie solche fabelhaften Summen fordern und bekommen? Vielmehr, sie kann es, denn sonst geschähe es ja nicht, und der Form nach geht gewiß alles in bester Ordnung zu, aber diese „Ordnung" mißfällt unS höchlichst, mißfallt gewiß jedem, der davon hört. Im Herbst 1904 erhielt die Firma W o e r m a n n für ihre auf Löschung wartenden Dampfer mehr als drei Millionen Mark Liegegelder! Wie soll dies Geld wieder hereinkommen? Wofür wird es ausgegeben? WaS ist der Sinn solcher Aufwendungen vorn Standpunkte der Reichsinteressen und denen der Kolonialpolitik aus? Wir fragen, aber eine befriedigende Antwort erwarten wir nicht. Leider nicht. Das Kesseltreiben gegen Hendrik Witboi hat begonnen, bisher aber trotz ungeheurer Anstrengungen unserer Truppen nicht dazu geführt, den Feind zu stellen. Amtlich wird darüber gemeldet: Die zum Angriff gegen Hendrik Witboi versammelten Truppen haben am 25. August den Vormarsch angetreten. Die Abteilungen Estorfs und Lengerke erreichten nach Säuberung des Nananib- und Hanam- Plateaus die Linie Kleinfontein-Chamis. Der Marsch über die mit FelSgeröll bedeckte, von tief eingeschnittenen Schluchten durchzogene Hochfläche war außerordentlich schwierig. Die Truppen fanden tagelang kein Wasser. Sie mußten daher teilweise die Pferde zum Tränken nach dem Leberfluß zurücktreiben. Vor der Front wichen mehrere kleinere Hottentottenbanden nach Westen zurück. Eine stärkere, auf etwa 150 Reiter und 200 Fußgänger geschätzte Bande mit zahlreichem Vieh überschritt die Linie Gorab-Duwisib in nordwestlicher Richtung und wandte sich in Höhe von Nam nach Westen. Sie wird vom unteren Gorab aus durch die Abteilungen Maercker und Meister unter dem Befehl des Majors Meister verfolgt. Die Abteilung Koppy, verstärkt durch die 7. Batterie der Abteilung Lengerke, marschiert von NumiS über Namtob auf Sinclair-Mine zur Säuberung des Tiras- GebirgeS und der Aruab-Berge. Das Hauptquartier befindet sich unter Bedeckung der Kompagnie Ritter (2. Komp. RegtS. 1) in ChamiS. Hoffentlich gelingt trotz der fabelhaften Schwierigkeiten, mit denen unsere Truppen zu kämpfen haben, doch noch der erstrebte große Schlag. £ 11 "J"” 1L" __ Kekamttmachung. ES wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die nach § 6 deS Reichsgesetzes vom 21. Juni 1887 über die Naturalleistungen für die bewaffnete Macht im Frieden .ermittelten Durchschnittsmarktpreise, einschließlich eines Aufschlages von Fünf vom Hundert, pro Monat August 1905 für den Lieferungsverband Gießen pro 100 Kg. betragen: Hafer Mk. 17.60, Heu Mk. 7.90, Stroh Mk. 5.80. Gießen, den 8. September 1905. Großherzoaliches Kreisamt Gießen- ___________I. V.: Dr. Kranzbühler. Bekanntmachung. B e t r.: Feldbereinigung in der Gemarkung Berstadt. In der Zeit vom 9. bis einschließlich 23. September ck.J. liegen in dem Gastwirt Völbelschen Saale zu Berstadt die Arbeiten des III. Abschnittes obiger Feldbereinigung, nämlich 11 Hauptkarten, 2 Bände Zuteilungsverzeichnis, 2 Bände Gütergeschosse, 1 Band Zusammenstellung der Gütergeschoffe, das GeldauSgleichungSverzeichnis über zu viel und zu wenig empfangenen Geländewert, 2 Bände Abschätzungsverzeichnis der Obstbäume, die geschoßweise Zusammenstellung der Obstbäume, sowie das Protokollbuch^ 'zur Einsicht der Beteiligten offen. Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen hiergegen und event. Wahl eines Schiedsrichters nebst Stell- oertreter findet daselbst statt: Montag, den 25. September l. Js., vormittags von 9—10 Uhr, wozu ich die Beteiligten mit dem Anfügen einlade, daß die Nichterscheinenden mit Einwendungen ausgeschlossen sind. Di« Einwendungen sind schriftlich abzufaffen und zu begründen. Büdingen, den 6. September 1905. Der Großherzogliche Feldbereinigu n oskommissär: Schnittspahn, RegierungSaffeffor. A JSJ Unsere Kolonialpottlik. Man hat nichts davon gehört, daß in der Wilhelrn- ftraße zu Berlin eine Untersuchung darüber angestellt worden sei, woher die „Zukunft" ihre Indiskretionen auS der Kolonialpolitik hat. Diese Wochenschrift brachte Intimitäten outS den Beziehungen des Herrn v. Trotha zur Berliner Zentralstelle, ganze lange Auszüge aus den Trothaschen Telegrammen wurden mttgeteilt, und man merkte hinlänglich, daß die »Zukunft* noch mehr Material in Händen habe, daß sie noch ganz andere Dinge auSplaudern könnte, wenn sie wollte. Das Blatt bringt in seiner Nr. 50 vom 9. d. M. (Berlin FriedrichSstr. 10, 50 Pfg. pro Heft) wieder Einiges aus seiner geheimen Mappe, was erneut bestätigt, daß fein Zufall diese Dinge gerade auf dem Arbeitstisch des Herrn Harden aufgehäuft haben Fann. Wir zweifeln auch gar nicht daran, daß er auf die natürlichste Weise von der Welt zur Kenntnis dieser Depeschen gelangt ist, nämlich dadurch, daß jemand, der ihre Benutzung nicht scheute, sie ihm einfach auSgehändigt hat. Im April 1905 bezeichnete nach den allem Anscheine nach sehr zuverlässigen Mitteilungen der „Zukunft" Herr v. Trotha den Bau einer Eisenbahn von Lüderitzbucht nach KeetmanShoop als „absolute Notwendig- teiP, und am 10. August wieder telegraphierte er: »Sofortiger Bau Eisenbahn Lüderitzbucht-Kubub für Fortführung der Operationen dringend erforderlich. Troß Aufwendung von monatlich anderthalb Millionen Mark auf Strecke Lüderitzbucht- flubub ist Verpflegung und Materialnachschub nicht gesichert." Dies Telegramm also, das doch selbstverständlich nicht für andere Augen als die des Reichskanzlers und seiner nächsten Umgebung bestimmt war, bekommen wir nun also jetzt frank und frei zu lesen. Ein Blatt, das auS der Bekämpfung der Reichsregierung ein Prinzip macht, wird in die Lage versetzt, das Telegramm abzudrucken, und das Wunderbarste daran ist, daß anscheinend niemand sich darum kümmert, daß Fürst Bülow nicht nachforschen läßt, wie das eigentlich mm alles möglich werden konnte. Herr v. Trotha, von dem eS kürzlich noch hieß, er sei der besondere Vertrauensmann des Kaisers, und der jetzt gekränkt den blutgetränkten Schauplatz des südafrikanischen Auf- standgebietes verläßt, auch ein anderer ihm vor- gezogen worden zu sein scheint, muß seine Depeschen sozusagen an zwei Adressen haben gehen laffen, an die amtliche und an die der öffentlichen Meinung. Prinz Aren- berg, der ebenfalls Bescheid weiß, und der soeben in der »Köln. Volks-Ztg." den Schleier von manchen Heimlichkeiten gelüftet hat, könnte wohl noch dies und das erzählen, was vielleicht auch so geschieht, was aber nicht zu geschehen braucht, da sich schon genügend erweist, daß in Sachen unserer Kolo- nialpolitik verschiedenes — um es ganz milde zu bezeichnen — reformbedürftig ist. So z. B. die befremdlich hohen Summen, die der Woermann-Linie für den Lösch, und Ladebetrieb in Swakopmund zu zahlen sind. Vor kurzem erschien eine Schrift .Wirtschaftliche und polftische Verhältniffe in Deulsch-Südwestafrifa" von dem badischen Amtsrichter Dr. Hammann, früherem Aezirksamtmann in jenem Gebiete. Man weiß nicht, was man zu manchen seiner ungeheuerlichen Mitteilungen sagen soll, man wird irre am gesunden Menschenverstand und noch 'inigen anderen Dingen. Der Verfaffer erzählt: Sieben Monate lang, von Januar bis in den August, logen die Dampfer „Meißen" und „Rostock" (sie gehören der Deutsch. Australischen Dampfschiffahrtsgesellfchast^ von der die VoMische Wochenschau. Gießen, 11. Sept. 1905. Die Cholera hat in den östlichen Provinzen Preußens sich weiter verbreitet. Nach dem „Neichsanz." Firmen vom 8. bis 9. Sept, mittags in Preußen 19 Erkrankungen und 7 Todesfälle an Cholera vor. Von den Erkrankungen entfallen auf die Kreise Rastenburg 1, Marienburg 1, Graudenz 5, Marienwerder 4, Stuhm 1, Rosenberg 1, Samter i, Wirsitz 1, Filehne 2, Cronebergland 1, Gnesen 1. Die Gesamtzahl der Erkrankungen und Todesfälle beträgt bisher 139 bezn>. 46. Es wurden wieder neue Ueberwachungsstellen errichtet. Unter dem Vorsitze des Kul- ttisministers Dr. Studt fand am Freitag in Berlin eine Sitzung statt. Als Ergebnis ist festzustellen: Es handele sich bisher mir um vereinzelte Cholerafälle und von einer Epidemie könne nicht gesprochen werden. Immerhin müßten die im weitesten Umfange getroffenen und bisher vortrefflich bewährten Bekämpfungsmaßregeln nachdrücklichst durchgeführt werden. Von besonderem Wert sei, daß das Publikum sich selbst mit dem Wesen und der Verhütung der Cholera vertraut mache; dadurch werde der Gefahr mtb der Furcht am besten begegnet. Die „Rordd. Mlg. Ztg." hat in ihrer zweiten Sonntagsausgabe den Wortlaut des Merkblattes über die gemeinverständliche Belehrung über die Cholera abgedruckt. — In Hamburg sind drei Erkrankungen bisher vorgekommen und eine weitere Ausdehnung ist dort kaum zu befürchten. — Auch in Rußland und in Galizien, in Portugal und Frankreich wurden Vorsichtsmaßnahmen getroffen. Die Fleischnotfrage harrt noch ihrer Lösung! Der preußische Landwirtschaftsminister v. P o db i el s ki hatte am Freitag mit den Vorstandsmitgliedern des deutschen Fleischerverbandes eine längere Besprechung über die augenblicklich« Lage des Vieh- und Fleischmarktes, in welcher er erklärte, daß das Angebot hon Schweinen an den größeren preußischen Diehmärkten im Juli und August noch nicht um 10 Prozent zurückgegangen fei. Eine solche Produktionseinschränkung sei aber nicht zu vermeiden. Bezüglich der Möglichkeit, Schweine aus dem Auslande einzuführen, führte ein Geheimrat des Landwirtschaftsminifte- riums, der der Unterredung beiwohnte, aus, daß Dänemark ehren festen Export nach England habe, den es nicht aufgeben werde. Die Tuberkel-Impfung und Quarantäne bei den dänischen Rindern bezeichnete er als belanglos für die Einfuhr. Minister v. Podbielski betonte wiederholt, die Aufhebung des russischenSchweine-Kontingents und die 0 e f f- nung der holländischen Grenze „erwägen" (!!) zu wollen und dem Reichskanzler darüber Vortrag zu halten. Die Abberufung des Generals v. Trotha vom Oberkommando in Deutsch-Südwestafrika steht f'ir Mitte November bevor. Zu diesem Termin ist das Eintreffen des Gouverneurs v. Lindeguist in der Kvlonie zu erwarten. Der neue Gouverneur hat durchgesetzt, dak der Truppenkonnnandant ihm imtevgeordnet wird. General v. Trotha weigerte sich, unter den Befehl des sehr viel jüngeren neuen Gouverneurs zu treten. Ein mit dem Range eines Drigadekommandeurs ausgestatteter Offizier wird das Truppenkommando in Südwestafrika erhalten. Die Entscheidung über diese Persönlichkeit ist noch 'nicht gefällt. Der Auf st and in T eu t s ch - O st a fr i ka breitet sich weiter aus Auch der Wangoni-Stamm ist aufftändig geworden, und zugleich kommt die Nachricht, daß der auf der Fahrt nach Ostaftika befindliche deutsche Kreuzer Seeadler bei Singapore auf ein Felsenriff geriet. Hoffentlich ist der Schaden nicht allzu groß. Der Stamm der Wangoni aber, der sudlrch von den Matumbi, bei denen die Unruhen zuerst entstanden zu sein scheinen, ganz im Innern der Südweststrecke des Schutzgebietes östlich vom Nyassa-See, wohnt, braucht bei uns keine sonderlichen Bedenken zu erregen. Er ist ein recht minderwertiger und schlcchtbewaffneter Gegner und mit den kriegstüchtigen Stämmen Dcutsch-Südwestafrikas nicht zu vergleichen, höchstens könnten diese Schwarzen durch ihre große Zahl den im Gebiet ansässigen wenigen Weißen und der farbigen Polizei- Schutztruppe Ungelegenheiten bereiten. Trotzdem wäre es sehr an der Zeit, daß die Regierung über die Vorgänge der Oeffentlich- keit etwas mehr bekannt gibt, als dürftige, mitunter nicht einmal aus amtlichen Quellen stammende Telegramme. Ob die Streitkräfte, über welche der Gouverneur Graf Götzen dort verfügt, genügen, scheint immerhin fraglich. Graf Götzen war übrigens kürzlich als Nachfolger des Kolonialdirektors Stübel genannt worden, während das „Leipz. Tagebl." darauf besteht, daß der Charlottenburger Hochschulprofessor Dr. Pciasche, der Vizepräsident des Reichstags, für diesen Posten bestimmt sei. Die Hauptsache ist aber nicht ein Wechsel der Person, sondern ein Wechsel des Systems. Seit wie langer Zeit wird nicht schon darauf gedrungen, gesunde Grundsätze in das deutsche Kolonialwesen einzufülnen. Es geschieht aber nichts, und obwohl der Reichskanzler bereits im vorigen Winter eine Reform zugesagt hat, ist heute noch alles so, wie es gewesen ist. Unlängst stellte die „Köln. Volksztg." fest, daß unter Zugrundelegung der letzten rechnerischen Aufmachungen von amtlicher Seite der letzte Trupt^nttansvort nach Südwestaftika eine Etatstiber- schreitung war. Seit Jahren habe man dem Reichstage eine unrichtige Bilanz über Südwestafrika dargeboten. Das sind Vorwürfe, die schwer ins Gewicht fallen und immer wieder dem System gelten. Die Marokkofrage hatte sich zu einer bösen Kontroverse zugespitzt. Noch int allerletzten Augenblick wurde die verhängnisvolle Wendung abgewehrt. Anlaß zu dieser krisenartigen Gestaltung war die Äffaire des Algeriers Bu Mzian. Der Sultan weigerte sich lange, wegen der 6iefangennahme bei Frankreich sich zu entschuldigen und Entschädigung zu zahlen. Tas sprichwörtliche Glück des Fürsten Bülow hat sich aber aufs neue bewährt und die Aussichten bezüglich der Marokko-Konferenz dürfen gegemvärttg wieder als günstig bezeichnet werden, nachdem der Sultan das ftanzösische Ultimatum angenommen hat und die ftanzösische Presse ruhiger geworden ist. Der Ministerpräsident Rouvier erklärte ausdrücklich im französ. Ministerrate, die Verhandlungen über Marokko nähmen einen befriedigenden Fortgang; es sei zu hoffen, daß eine Einigung zwischen Deutschland und Frankreich in kurzem erzielt werde. Der nach Paris entfanbte Geh. Legationsrat Dr. Rosen wird wohl die letzten Mißverständnisse zwischen Frankreich mtb Deutschland aus dem Wege räumen. Raisnlis Banden richten indes in jenem unglücklichen Lande mit Feuer und Schwert viel Unheil cm. Die ungarische Krisis schleppt sich von einer Woche in die andere. Die Krone will das Parlament auflösett, Neuwahlen ausschreiben und d>as allgemeine Wahlrecht zur Wahlparole machen. Die Koalition soll dadurch auseinander gesprengt werden. Die katholische Dolkspartei, die zur K'oalitton gehört, mag von dem allgemeinen Wahlrecht nichts wissen. Wie verläßlich verlautet, wird aber die Unabhängigkeitspartei für sich, ohne Rücksicht auf die Koalition, sich für die Einführung des allgemeinen Wahlrechtes aussprechen. Der rnssisch-japanisch'e FriedenSs'chluß ist von den Bevollmächtigten beider Staaten am letzten Dienstag vollzogen worden. Das russische Volk nahm von dem Friedensschluß kaum Notiz. Vielmehr nahmen die Streiks und Empörungen ihren ungehinderten Fortgang. Mit einer ungeheuren Zerstörung von Eigentum war die Erhebung der Tataren gegen die Armenier im Kaukasus verbunden, wodieNaphthaguellenvonBaku in Brand gesetzt wurden, eine furchtbare Vergeudung von Na-- ttomilvermögen. Erst jetzt ist es möglich, die Verluste annähernd zu bestimmen. Von den dort befindlichen 3600 Fontänen sind sicherlich, 3000 ausgebrannt. Die Wiederherstellung dieser wird 30 Millionen erfordern, während der Bau neuer Arbeitskasernen, Maschinen usw. eine Ausgabe von annähernd 50 Millionen nötig machen würde. Da die Aufnahme des Betriebes erst nach sechs bis zwölf Monaten möglich ist, erleiden die Industriellen einen VeÄust von etwa 86 Millionen, während die Wolga- und Käspisflotte durch die Einstellung der Kerosin-- und Naphthatransporte einen Ausfall von 100 Millionen Pud Fracht int Betrage von sieben bis zehn Millionen Rubel zu verzeichnen haben wird. Die der Transkaukasischen Bahn drohenden Verluste dürften sich auf etwa sechs Millionen Rubel belaufen. Insgesamt erreichen die Verluste durch die Ereigniffe in Baku die Höhe von 193,7 Millioueu Rubel. Welche Verluste die russischen Industriezweige, die Naphtha als Heizmaterial benutzen, erleiden, entzieht sich der Beurteilung. Da die Naphtha-Industrie der englischen Firmen ebenfalls vernichtet ist, hat Premierminister Balfour sich an den Grafen Lambsdorff gewandt mit dem Ersuchen um Schutz für das Leben der englischen Untertanen in Baku. Die englischen Untertanen sind auf die bei Baku ftatienterten Schiffe geflüchtet. Vier Engländer werden vermißt und sind wahrscheinlich umgekommen. Die aus Baku und Tiflis ankommenden Züge sind überfüllt mit Flüchtlingen. Ueberhaupt lassen Privatnachrichten aus Tiflis fernen Zweifel darüber bestehen, daß die Lage im Kaukasus noch weit ernster ist, als aus den knappen und stark abgeschwächten Regiertingsberichten zu schließen war. So geht jetzt aus mehreren übereinstimmenden Meldungen hervor, daß verschiedene Gegenden des Kaukasus, welche von der aufrührerischen Bewegung bisher unberührt geblieben waren, sich diesem jetzt angeschloffen haben. Die Statthalterschaft in Tiflis hat mehreren Gouverneuren, welche nm sofortige Absendung von Truppeit-Verstärkungen nachsuchten, die Antwort gegeben, daß es augenblicklich unmöglich wäre, die Tifliser Garnison zu schwächen, da sonst em Ausbruch der allgemeinen Unzuftiedenhett sofort zu erwarten wäre. In der Umgegend von Schuscha dauern die blutigen Zusammenstöße zwischen Armeniern und Tataren fort und nehmen bedrohliche Dimensionen an. Der größte Teil der Stadt Schuscha ist völlig nicdergebrannt. In der Nähe der Station Schodschaly haben sich die Armenier in einer alten kaukasischen Festung verschanzt, die von den Soldaten belagert wird. Es kam zu einer regelmäßigen Schlacht, wobei es viele Tote und Verwundete gab. Das englisch-japanische Bündnis aber, das in der Hauptsache den Engländern günstig ist, die überhaupt durch den Frieden von Portsmouth ohne fühlbare Opfer unendliche Vorteile erringen — man berücksichtige die ungeheure Schwäcknmg Rußlands in Asien, und im Stillen Ozean die ihnen ganze sichere Herrschaft, nur geteilt mit den von ihnen für lange bevormundeten Japanern — ist doch sehr dazu angetan, das asiatische Rassenbewußtsein zu steigern. Daß man mit dem asiatischen Volksbewußtsein immer mehr zu rechnen haben wird, lehren vor allem die Schreckenstage von Tokio, wo die durch die Bedingungen des Friedensschlusses enttäuschte Bevölkerung mit den Waffen in der Hand gegen die offizielle Diplomatenpolitik protestierte. Tie mifera Plebs der Japaner faßt den Abschluß ihres siegreichen Krieges beinahe als Niederlage auf, während umgekehrt der Zar die Welt mit dem Worte von der „ruhmreichen" russischen Armee in Erstaunen setzt, welche die an Zahl überlegenen japanischen Stteitkräste 19 Monate lang siegreich aufgehalten habe. Das ist indes ganz richtig, und darauf bat das offizielle Japan allerdings, da es unmöglich noch befonbere Vorteile von einer Fortsetzung deS Krieges erwarten konnte, der vielmehr ihm in der Hauptsache nur neue große Opfer an Menschen und Geld gekostet und cs womöglich in die unwirtlichsten Gegenden Sibiriens gelockt hätte, beim Friedensschlüsse einsichtsvoll gerechnet. Der sapanische Admiral Jamamvto sagte dieser Tage sehr richtig, obgleich im Volke eine starke Mißstimmung über die Friedensbedingnngcn herrsche, müsse man doch eingedenk bleiben, daß die Einnahme von Wladiwostok weit s ch w e r e r c O p f c r alS die von Port Arthur erfordert haben würde, und außerdem ein erh cbli ch cr G c l d- ia'ilfwand erforderlich gewesen wäre. Es sei daher rötlich, sich mit den gegenwürtiaen F-riedensbedingungcn zufrieden zu geben. Es ist also anzunehmen, daß mich der geringe gelbe Manu bald cinsehcn wird, das; mehr durch den Krieg nicht zu erreichen war und das Erreichte nickst gering zu achten ist. Aus Erklärungen Katsuras erhellt,, daß I a pa n die Souveränität über K orea und völlig, freie Hand in den Angelegenheiten der Halbinsel erhält, und die Eisenbahn südlich iTschangtschetschun (Kwangtachjengtse), nickst nur von Tschantung ab, an Japan abgetreten ist. Es erhält auch das Recht auf die K'ohlenwerke von Fuschan und Ventai auch nach der Räumung und einem Zeitraum von etwa zehn Monaten für die vollständige. Zurückziehung der Truppen aus der Mandschurei zugestanden. Freilich noch sind die japanischen inneren,Wirren groß und nach japanischen Meldungen verwundete die Tokioter Polizei bis zum 6. mittags 200 Menschen, während sic selbst 300 Verwundete hatte. Ja selbst der Polizeiinspcktor des unruhigen Distriktes wird vermißt. Am Nachmittag des 6. Sept, wurde der Versuch gemacht, die Privatwohnung des Premierministers cinzuüschcrn. Es ist aber bemerkenswert, daß das empörte Volk im allgemeinen keine Feindseligkeit gegen die Soldaten an den Tag legt. Es jubelt ihnen vielmehr zu. Wenn die Soldaten den Befehl erhalten, den Pöbel auseinander zu treiben, so brauchen sic nur von dem Kolben Gebrauch zu machen. Die Wohnungen der Minister sind militärisch besetzt, aber niemaird weiß, wo sich die Minister befinden. In Shanghai war ein Geriicht verbreitet, das in allen Einzelheiten einen Angriff der Ruhestörer auf die englische Gesandtschaft schilderte. Da die Drahtverbindung zwischen Tokio und Nagasaki unterbrochen war und die japanisckw Regierung eine scharfe Zensur ausübte, ist cs nicht möglich, festzustellen-, ob diese Nachricht auf Wahhrcit beruht oder nicht. Passagiere eines preuß. Dampfers berichten, daß unter der Volksmenge in Tokio auch eine fremdenfeindliche Stinrmung herrsche. Unruhen ht den japanischen Bezirken Hongo und Fakagwcta hatten auch Opfer nn Menschen zur Folge. Der Waffenstillstand vom 1. September ab wurde am 9. d. M. in Tokio amtlich publiziert. Russische Blätter aber versichern, daß die Streitkräfte, welche fick augenblicklich in Ostasien befinden, nicht vor Ende des Jahres aufgelöst werden „können", .und das Petersbirrger Aalt „Swjet" drückt Zweifel über die Sicherheit des Friedens aus. Es schreibt, cs wäre zu wünschen, daß die Japaner mit dem Erreichten sich begnügen, indem sie zwar durch den von ihnen entfachten Krieg viel verloren, aber auch ebensoviel gewonnen hätten, so daß sie daraus verzichten könnten, noch mehr zu verlangen. Japan fei augenblicklich im Zustande der Revolution und wenn auch der Mikado einen andauernden Frieden wünsche, so würde doch der Friede, wenn das japanische und russische Volk anderer Absicht sei, unmöglich von langer Dauer sein können. Um so erfreulicher ist angesichts dieser kritischen Lage im weiten und weitesten Osten die. am letzten Samstag bei den Homburger Festtagen abgegebenen Versicherung Kaiser Mil Helms, daß er alles daran setzt, dem deutschen Volke, den Frieden zu erhalten. Und darum können wir, wenn wir auch mit tieptem Kummer nach den grausigen Geschehnissen auf den öden Gefilden Südafrikas blicken, wo ein Ende der furchtbaren Hinopfernng von Blut und Gut noch immer nicht abzusehen ist, und wo Fehler gemacht worden sind, die geradezu ungeheuerlich und unverzeihlich sind, als aufmerk- ftrnre Unbeteiligte dem ganzen großen Wirrwarr im Osten zuschauen, wo „Freund" John Bull so schön sein Schäfchen ins Trockene zu bringen versteht. Gegen ihn allein auf der Hut zu sein, ist unS dringlichste Pflicht. MMische Tagesschau. Die neue Tabaksteuer. Aus Berlin berichtet soeben die „Südd. Tabakztg.", bas RcichSschatzarnt habe infolge des negativen Ergebnisses der Konferenzen, die zwischen den an der Tabakindustrie meist- beteiligten Staaten in den letzten Wochen abgehaltcn wurden, von der Vorlage der projektierten 30prozentigen Wertsteuer auf Rohtabak abgesehen, denn die Meinung soll einmütig dahin gehen, daß eine solche Besteuerung die Zigarrenindustrie mit ihren 180 000 Arbeitern empfindlich schädigen müßte. (Sehr richtig. D. R.) DaS Reichsschatzamt soll infolgedessen für die von den Zigarettenfabrikanten gewünschte Zollerhöhung auf ausländische Zigaretten in vierfacher Höhe des bisherigen Zolles von 270 Mk. sich ausgesprochen haben. Es werde ein Gesetzentwurf ausgearbeitet, in welchem neben dieser Zollerhöhung eine Ban- derolsteuer teils nach russischem, teils amerikanischem System auf deutsche und ausländische Zigarrctten gelegt werde. Man schlägt Mk. 2.50 für da§ Tausend vor. Da die Raucher der Zigarette in Deutschland sich ihre Zigaretten oft selbst Herstellen , werde eine Zigarettcnpapier - Stempelsteuer nach griechischem und früheren rumänischen System geplant. Im Reichsschatzamtc werden die Erträge dieser „ZigarettenluxuS- steuer" mit ungefähr 18 Millionen Mk. bewertet. Dem gegenüber betont das genannte Fachblatt, daß über 13 Millionen Mark selbst int günstigsten Falle bei dieser Steuer, die große Kontrotlkostcn verursachen würde, nicht zu erzielen leien. Im Reichsschatzamt soll eine Bier- und Erbsch asts- ft euer gleichzeitig ausgearbeitet werden, da die Mittel für die Reichsfinanzreform selbst von mehreren solchen Steuerobjekten, bei welchen man den Konsum nicht gar zu gewaltig vermindern will, nicht ausreichen dürfte. Kolonialpost. — Die „Rordd. Allg. Ztg." meldet: Rach einer bei der Otavigesellschaft ein getroffenen telegraphischen Nachricht wurde der Betrieb der Otavibahn auf der ganzen Strecke bis Omaruru am 1. September eröffnet. Bekanntlich war der erste Bahnzug am 25. August in Omaruru eingelaufen. Kcer und Itotte. — 'Aus Newyork kommen merfroürbige Enthüllungen über die Zustände in der amerikanischen Kriegsmarine. Wie erinnerlich, ereignete sich vor einiger Zeit eine Explosion an Bord des amerikanischen Kanonenbootes „Benningscn", wodurch Lebensverlusie, sowie schwere Verletzungen verursacht wurden. Jetzt behaupten amerikanische Zeitungen, daß der Unfall durch die Trunkenheit der Offiziere und Matrosen hervorge- rufen wurde. Die Beteiligten waren infolge ihrer Trunkenheit unfähig, mit Geschützen und Explosivstoffen umzugehen. Iw Anschluß an diese Beschuldigungen wird behauptet, daß die Disziplin in der amerikanischen Kriegsmarine überhaupt höchst mangelhaft sei. Ans Stadt Md Sand. Gießen, 11. September. * Neuer Fahrplan. Vom Fahrplan der Eisenbahndirektion Frankfurt a. M., gültig ad 1. Oktober, liegt uns der endgültige Entwurf vom 3. September vor. Auf die hessischen, bezw. zum Teil in Hesien liegenden Strecken ent» allen folgende Veränderungen. I. Neue Züge, Strecke Frankfurt—Friedberg—Gießen. Die ob 1. Mai eingelegten Personenzüge 783 (Frankfurt ab 1215) und 784 l Frankfurt ab 150) Frankfurt—Vilbel und zurück werden auch im Winter beibehalten. Die ab 1. Mai eingelegten Personenzüge 788 und 789 Friedberg—Frankfurt (Frankfurt ab 531, bezw. 1037) und zurück werden auch im Winter beibehalten. — Strecke Friedberg — Hanau. Merktagszug 825a Assenheim ab 740, Friedberg an 749. — Strecke Gießen — Fulda. Personenzug 521 Gießen ab 550, Fulda an 840. Personenzug 538 Fulda ab 530, Gießen an 741. — Strecke Friedberg — Hungen. Die ab 1. Mai eingelegten Werktagszuge 1051 (ab Friedberg 447) und 1062 (ab Hungen 504) und die Personenzüge 1061 (ab Friedberg 711) und 1064 (ab Hungen 930) werden auch im Winter beibehalten. — Strecke Nidda — Friedberg. Die ab 1. Mai eingelegten Personenzüge 1161 (ab Friedberg 711,) und 1162 (ab Nidda 948) Friedberg—Nidda und zurück werden auch im Winter beibehalten. II. Ausfallende Z ü g e. Strecke Friedberg—Nidda. Gemischter Zug 7945 (Werktag) Friedberg—Nidda. III. Sonstige Blenderungen, insbesondere Früherlegungen. Strecke Frankfurt—Friedberg— Gießen. Schnellzug 81 Frankfurt—Gießen wird zur Herstellung des Anschlusses in Gießen an Schnellzug 122 nach Koblenz 8 Mintcken früher gelegt; jetzt ab Frank- urt 655. LanggönS, 9. Sept. Der Knecht Peter Schneider, bei Landwirt Rumpf beschäftigt, blieb, als seine Pferde durchgingen, am Wagen hangen und fand den Tod. f R a n st a d t, 9. Sept. Heute morgen wurde der Steinbrecher Appel von Tauernhcim, der beim Bauunternehmer Reuter von Nidda hier beschäftigt ist, durch eine einstürzende Steinwand an Armen, Beinen und Gesicht schwer verletzt. p. W e r d o r f a. d. Dill, 10. Sept. Vor ein paar Tagen entstand im Eisenbahnzuge zwischen Ehringshausen imb hier unter einigen jungen Leuten Streit, der in Tätlichkeiten ansartcte. Ter Angegriffene, ein junger Mann von Dillheim, zog die Notbremse und bekam dann eine andere Abteilung zugewiesen. Selbstverständlich hat die Sache ein gerichtliches Nachspiel. Wiesbaden, 10. Sept. Jü letzter Zeit wurden bei der Vergebung größerer städtischer Arbeiten öfters auswärtige Firmen bedacht. Die Stadtverordneten stimmten nun nach lebhafter Debatte einem ^Anträge des Stadtv. Schröder zu, bei der Vergebung städtischer Arbeiten und Lieserrmgen, insbesondere auch für den Kur- hausncubau, ttmlichst die hiesigen Firmen zu berücksichtigen, sofern diese bei angemessenen Preisen die Arbeiten in gleicher Güte wie die auswärtigen Geschäfte zu liefern imstande sind. Ein Antrag des Stadtv. K a l t w a s s e r betr. das städtische Snb m i s) i on s we sen rief ebenfalls eine rege Besprechung hervor, wobei viele Klagen laut wurden. Schließlich beschloß die Versammlung, eine Kommission zu wählen, die das städtische Submissionswesen prust und der Stadtverordnetenversammlung weitere Vorschläge macht. • Essen a. Ruhr, 9. Sept. Heute vormittag stürzte in der Surmannsgasse der halb fertige Neubau des Rechtsanwalts Dr. Niemeyer ein. Der den Bau aus- führende Bauunternehmer Fritz erlitt sehr schwere Verletzungen. In den gegenüberliegenden Häusern wurden die Fenster bis zum zweiten Stock hinauf fast sämtlich zerschlagen. Insgesamt sind drei Personen getötet, zwei schwer und zwei leicht verletzt. • * Ein grauenhafter Mord an einer Frau ist am SamStag nachmittag in der königl. Forst dicht bei Z e u t h e n im Amtsbezirk Königs-Wusterhausen unweit Berlin verübt worden. Auf einem Fußweg wurde inmitten eines Kiefernbestandes die 33 Jahre alte, verehelichte Portierfrau Marie Schurm mit zahlreichen Stichwunden im Gesicht und am Halse tot aufgefunden. Frau Schurm war seit sieben Jahren mit einem Schlößer verheiratet. Der Ehe sind drei Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren entsprossen. Frau Sch. war wegen ihrer Gutmütigkeit, Arbeitsamkeit und Ordnungsliebe beliebt. Auch die Familienverhältnisie bei Sch. waren sehr glücklich. Wahrend ihr Mann am SamStag in der Fabrik und ihre Kinder der Obhut Erwachsener übergeben waren, begab sich die Frau um 2 Uhr nachmittags nach Mcrsdorf zu ihrer Schwester. Um 3 Uhr trat sie den Rückweg an. In einer Entfernung von etwa 200 Meter von der Chaussee wurde sie von einem Strolch angefallen und ermordet. Gegen 31/* Uhr horte eine Frau einen gellenden Hilferifi auSstoßen. Da sich der Schrei aber nicht wiederholte, ging sie ihres WegeS. Erst als eine Stunde später ein Gärtnereibesitzer jenen Waldweg einschlug, fand er die Leiche der Frau Sch. inmitten einer Blutlache liegen. Sofort wurden die Behörden zur Verfolgung des Täters alarmiert. Der Tatort liegt nur 300 Meter von der Wohnung der Ermordeten entfernt. Mit dem aufs ärgste zerstochenen Gesicht lag die Frau auf dem Boden. Ihr Genick wie? eine klaffende Wunde auf, aus der das Blut sich über den Körper ergoffen hatte. Dem Tode muß ein heftiger Kampf des Opfers mit dem Mörder oorauSgegangen fein, denn die eine Hand der Unglücklichen war wie zur Abwehr zusammengeballt, die andere hatte sich in daS Moos der Erde tief eingegraben. In einem Umkreis von fünf Metern war der Erdboden aufgewühlt. Die Schürze und einzelne Kleidungsstücke der Frau waren zer- riffen, ihre Haare arg zerzaust. Alle Anzeichen weisen darauf hin, daß der Täter die Unglückliche, eine sehr stattliche, rüstige uni) kräftige Frau, zu vergewaltigen versucht hat. Ob er sie mit einem dolchartigen Messer schon beim ersten unsittlichen Angriff niedergestochen hat, dürfte vorerst unaufgeklärt bleiben. Die Polizeibehörden verfolgen die Spur eines etwa 30 Jahre alten Mannes, der von einer Frau vor dem Krankenhaus in KönigS-Wusterhausen mit zerkratztem Gesicht und zerfetztem Hemdkragen gegen 5 Uhr nachmittags beobachtet worden ist. Der Mann machte den Eindruck eines Stromers, der eine Schlächtermütze, abgetragenen grauen Anzug und schmutziges Hemd trug. Das letztere war an der Brust aufgeriffen und schien auch blutige Flecke zu enthalten. Sein Gesicht war an einigen Stellen blutunterlaufen. * Bamberg, 9. Sept. Ein Ueberfall auf eine Zeitungsredaktion wurde hier verübt. Eine Rotte von sechs mit Zuchthaus bestraften Leuten suchte in die Redaktion und Wohnung des Redakteurs Schmidt von den Bamb. N. N. ciuzudringcn, weil er eine Notiz über einen Einbrnchsdiebstahl, von dem jene sich getroffen fühlten, veröffentlicht hatte. In Wohnung und Redaktion wurden alleFenster und Läden mit scharfen Werkzeugen zertrümmert. Einer der Burschen war bereits in die Jnnenräume eingedrungen. Durch die Nachbarschaft und die Polizei gelang es den Angegriffenen, den geplanten Anschlag zu vereiteln. Die ganze Stadt ist über den seltenen Fall in großer Aufregung. * Ein Kalauer des Kronprinzen. Jur intimeren Offizierkreis soll der Kronprinz vor kurzem ein Scherzwort über den Unterschied zwischen sich und der Kronprinzessin zum besten gegeben haben: Er, der Kronprinz, sei wie jeder andere Sterbliche ans Asche und Staub, die Kronprinzessin dagegen — auS „Gelbensande". * Kleine Taaeschronik. Zwei Bilder, Böcklir (fischender Pan) im Werte von 40 000 Kr. und Troyon (Kühe auf finnvfiaer Wiese) im Werte von 30 000 Kr. find ans der Samm- hmg des Vertreters des Vicegouverneurs der Österreichisch-ungarischen Bank, Lieben in W i e n , g e ft ohlen worden. — Im Spree- wald treten in bedenklicher Weise Erkrankungen an Brechdurchfall auf. Die Krankheitscrfcheinnngen sollen Denjenigen der Cholera ähnlich sein, doch äußern sie sich nicht so heftig wie diese. — Bei Besteigung des Erma Tosa (Südtirol» stürzte der Leipziger Akademiker Karl Meißner ab. Er wurde schwer verletzt aufgefunden. — Tie Times meldet aus Simla m B ri t j s ch- Indien, daß der andauernde Regenmangel eine furcht bare D ü r r c verursacht hat, deren Folgen sehr schlimm zu werden drohen. Die Eiugeborenen-Bevölkertmg zieht in andere Teile des Landes, um dem H u n g e r t o d e zu entgehen. Die Ernte im größten Teile von Rayputana und Süd-Punjab dürfte durch die Dürre vernichtet sein. Auch in anderen Teilen Indiens werden Miß» ernten befürchtet Fwrist rwd Wissenschaft. Düsseldorf, 8. Sept. Die mit dem hiesigen Cchaufvicl» Hause verbundene Theaterakademie hat es sich zur 'Jticht« schnur genommen, in Denx Schüler zunächst das Bewußtsein des Stils für seine Aufgabe zu wecken, so daß er jeden Dichter in seiner Art auffasien und darstellen lernt. Neben der Pflege der Nbetoul wird die Theatcrakademie auch die Errungenschaften der Regie- fünft, Aesthetik, Literatur, Kunstgeschichte pflegen. Beim direkten Anschluß der Akademie an das Düsseldorfer Schauspielhaus werden die Schüler und Schülerinnen in unmittelbarem Zusammenhänge mit der Praxis stehen. Auch Sonderkurse für Nichtschaufinelec beabsichtigt die rührige Direktion zu veranstalten, um die „Kunst zu reden" zu lehren. Als Lehrkräfte der Akadeinie wirken: Joseph Lewinsky, k. k. Hofburg - Schauspieler, Luise Dumont, Olga Lewinsky, Gustav Bcaurevaire, Dr. Paul Ernst, Dr. Herbert Eulenberg. .^pwlplnK brr vereinigten Frankfurter Stadttheater. Opernhaus. Dienstag den 12. September* *): „Figaros Hochzeit". Mittwoch den 13. September: Der Ring des Nibelungen. Vorabend: „Tas Rheingold." Donnerstag den 14. September: „Mignon/ Tsvcxtag den 15. September, abends halb 7 Uhr: Der Ring des Nibelungen. Erster Tag. „Tie Walküre." Samstag den 16. September: „?>ra Tiavolo." Sonntag den 17. September, nachmittags halb 4 Uhr: »Die Fledermaus." Abends 7 Uhr: „Cavalleria rusticaua “ Hieran': „Ter Bajazzo." Montag den 18. September, abends halb 7 Uhr: Ter Ring des Nibelungen. Zweiter Tag: „Siegfried." Schauspielhaus. Dienstag den 12. September: „Tie Kreuzeischreiber." Mittwoch den 13. September: „Ihr zwetter Mann." Donnerstag den 14. September: „Wilhelm Tell." Freitag den 15. September: „Elga." Hierauf: „Wann wir altem." Samstag den 16. Seplbr.: Zum ersten Male: „Der Graf von Eharolais." Sonntag den 17. September, nachmittags halb 4 Uhr: „Tie Brüder von St. Bernhard." Abends 7 Uhr: „Ter Graf von Eharolais." Montag den 18. September: „Der Privatdozent." *) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Ntir. Eingesandt. (Für Fornt und Inhalt al r m- • ■ Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion b?n Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gießen, 10. Sept. 1905. Zur Zeit der K a n a l i s a t i o n s a r b e i t e n hat man sich hier m Gießen leider an einen Schmutz in den Straßen aewöhnen müssen, der oft jeder Beschreibung spottet. Diesen Zustand haben wir nun schon seit zirka 14 Tagen in der M a r b u r g e r st r a ß e. Tie einzige mit Plättchen belegte Seite der Straße' starrt dank der zur Zeit der Rohrverlegung aus tbt lagernden Erde von einem braunen Schlamm, daß man klug tut, wenn man auf dem durch Chausseesteine wieder zugedeckten Robr- graben einherschreitet, will man sich nicht durch den Schmutz seine Kleider ruinieren lassen. Weder während der Arbeiten, noch nachdem fie auf der mittleren Marburgerstraße von der Steinstraße bis zu den letzten Häusern aus der rechten Seite beendet sind, Hai sich ein Straßenkehrer sehen lassen. Warum sorgt denn die Stadt nicht für g c n ü g e n b c Reinigung? Oder, wenn es Sache des Unternehmers ist, warum wird dieser nicht aufgc» fordert, die Straße wieder in ordnungsgemäßer Weise herzustellen? Man hätte ja nur den ganzen Dreck durch Wasser wegzuspülen brauchen und der Bürgersteig wäre sauber gewesen. Statt dessen geschieht aber nichts. Kein Mensch kümmert sieh darum. Einer für V i e l ei Meteorologische Beob-ichtnrrgeu der Station Gießen. September 1905. -d - «3 cj Ö *5 S5 C-O C C V Wetter 10. 10. 11. 2« 9" T»5 743,3 745,5 747,4 18,4 16,4 14,4 13,3 13,3 11,0 84 96 91 WSW WSW W 1 4 Bed. Himmel Regen Bed. Himmel Höchste Temp srahtr am 9 —10. 1 September 4 19,00 C. Niedrigste » „ 9 —10. - - rtiiuewdiuLt; iidiiruny 11 1 ■ 1 i für Kinr Kranke,Genesende. Verhütet I u.beseitic rhoe, Brechdurchfall, Darmkacarrn.J