Nr. 186 Zweites Blatt. 155. Jahrgang Donnerstag 10. August 1905 exWefad «Hstch mti vuSnahm« M Sonntag». Die .ÄleBenei gamtllenblittter* werden dem ,Hn8etflct viermal wöchentlich beigelegt Der dhelftlchl tanöwtlt* erscheint monatlich einmal. A t V Unoerfudttorude.«, «Sü M IIl WWW^ 11 eC, I ä W VA, I 11 \V ,-L 8tebattbn,eipebttton n.Tr,.-ckerei Schulftr.». ™ Sjj! « V W Lei. Nr. 5L Xelegu-HUrt.; ün-eiga »letz». General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. t Pie „äthiopische" Bewegung. ♦9$on besondere r Seite wird uns ge- jch-ieben: f Einer der erfahrensten „'STfritarier", der frühere Reichs- konrrnissar in Ostüftika, Dr. Karl Peters, Hut in einem soeben in Hannover gehaltenen Vortrag die Ansicht ausgesprochen, bei dem Äufstund in Südwestafrika sei ein Ein fluß der äthio pisch en Bewegung wahrscheinlich, da die Negerstämme über die Kriegszüge im einzelnen zweifellos unterrichtet seien. Trifft das zu, dann muß angenommen werden, daß auch bei dem Aufstand in den ostafrikanischen M atu m b ib ergen die äthiopische Bewegung eine Rolle spielt. Die „lokale" Bedeutung der Unruhen, an die man von amtlicher Seite glauben machen will, kann also und wird vielleicht eines Tages eine unliebsame Erweiterung erfahren. Denn wenn die Ueberzeugung unter den Negern sich crus- breitet, daß der schwarze Erdteil den Schwarzen gehöre, dann kann es mit der „großen Zersplitterung der Eingeborenen st ämme nicht weit her sein, die angeblich in Ostafrika eine gewisse Sicherheit bietet gegen einen allgemeinen Aufstand der Schwarzen. An dieser äthiopischen Bewegung ist zweierlei seltsam. Einmal, daß sie sich entwickeln kann, ohne die Aufmerksamkeit der deutschen Behörden in den Kolonien zu erregen. Die Gouverneure weilten auf Heimaturlaub in Deutschland und hielten Rücksprache mit den Herren von der Kolonialabteilung. Daß dabei der äthiopischen Bewegung Erwähnung getan wurde, dcwvn hörte man in der Oeffentlichkeit nichts. Ebensowenig war etwas davon zu lesen in den amtlichen Denkschriften über die Entwicklung der Schutzgebiete. Sollte sich das daraus erklären, daß die Kolonicllbehörden dieser Bewegung eine politische Bedeutung nicht zuerkennen? Auch Dr. Peters glaubt nicht, daß sie in absehbarer Zeit zu einer solchen gelangen werde. Er meint das aber wohl in dem Sinne, daß die Bewegung gegen alle Weißen gerichtet sein würde. Das ist allerdings wenig wahrscheinlich, und hierin liegt das zweite merkwürdige Moment bei der Sache. Die Frage drängt sich aus, warum von den am dunklen Erdteil interessierten Kulturnationen in erster Linie dieDeutschen derGegnerschaftderFarbigenausgesetzt sind? Bei der äthiop. Bewegung scheint eine dritte Hand, und zwar eine weiße Hand int Spiele zu fein, die Deutschlands Gegner in Südwestafrika mit Wohlwollen behandelt und in Deutsch-Ostafrika von der portugiesischen Grenze her das Aufwieglergeschäft betreibt. Dr. Peters ist lange genug tn Afrika gewesen, um seine englischen „Pappenheimer" kennen zu lernen, und wenn er auch die britische Regierung nicht direkt anschuldigen will, so stellt er doch fest, daß man sich in der Kav- kolonie freuen würde, wenn die Deutschen aus Südafrika verschwinden müßten. Es ist wohl überhaupt das Ziel der von England protegierten äthiopischen Bewegung, die Deutschen aus dem dunklen Erdteil zu verdrängen, ihnen die ohnehin wenig ertragreichen Schutzgebiete dort durch endlose Kriegs- kostenrechnungen zu verleiden. Zu den hunderten von Millionen, die Deutschland schon geopfert hat und wohl noch weiterhin wird opfern müssen, kämen dann die militärische Einbuße und der Verlust des Ansehens. Diese Momente könnten unmöglich von den schwarzen Leitern der äthiopischen Bewegung ins Auge gefaßt fein, sondern nur von dem „Großen Generalstab" britischer Nation. Nach der Meinung Dr. Peters' hält man in England seit dem Burenkrieg den Krieg mit Deutschland für unvermeidlich; unentschieden sei nur, wann er losbreche. Nun, eine Art „Kriegszustand" besteht anscheinend schon jetzt int dunklen Erdteil, weil England, entfernt davon, den Deutschen den Kampf gegen den gemeinsamen Rassenfeind zu erleichtern, sich offenbar die äthiopische Bewegung nutzbar macht, um seinen vermeintlichen späteren Gegner bei einem Waffengang in Europa systematisch tzu schwächen und im internationalen Anfehen herab zu setzen. Volilische Tagesschau. Die Reise des Königs von Spanien nach Berlin wird nicht vor November erfolgen, da sowohl der König als auch die Regierung der Ansicht sind, daß der Herrscher während der bevorstehenden Wahlen zu den Kortes und den ersten KorteS-Sitzungen das Land nicht verlaßen dürfe. AuS Marien bad wird gemeldet, das König Eduard zwischen dem 14. und 18. d. M. in Marienbad eintreffen wird. Da KaiseH Franz Josef an den Süd-Tiroler Manövern teilnehmen wird, findet wahrscheinlich die Zusammenkunft des Kaisers mit dem König von England in Pilsen statt. Viele Engländer werden in Marienbad erwartet, darunter Campbell Bannermann. So meldet heute das Depeschenbureau Herold. Also eine erneute Verschiebung der Berliner Reise des Königs Alfons. Es ist dies wohl schon die dritte Vertagung des Besuchs, und man wird füglich zweifeln dürfen, ob die deutsche Reichshauptstadt den hohen Gast schließlich im November in ihren Mauern sehen wird. Erfreulich sind die Erfahrungen allerdings nicht, um die der jugendliche Regent durch seine ersten Auslpndssahrten bereichert worden ist: in Varis das anarchistische Attentat und in London das Scheitern des Heiratsprojekts, obwohl König Eduard selbst den Brautwerber machte. Andererseits aber erheischt die Tatsache Berücksichtigung, daß Kaiser Wilhelm als erster fremdländischer Souverän dem König Alfons einen Besuch abstattete. Vielleicht besteht eine Vereinbarung zwischen König Eduard und König Alfons dergestalt, daß letzterer seinen Besuch am Berliner Hofe erst abstattet, nachdem ersterer die Begegnung mit dem deutschen und dem österreichischen Kaiser gehabt hat. Sollte „Marokko" im Spiele sein? — Der Berliner Korrespondent des „Daily Graphic" teilt mit, daß über die Begegnung Kaiser Wilhelms mit König Eduard ein Brieswechsel zwischen Berlin und London stattgefunden und daß Ort und Zeit der Zusammenkunft binnen kurzem offiziell angekündigt werden sollen. Ein scharfes Urteil über militärische Dinge fällt der frühere Oberstleutnant Karl von Warten berg in dem August-Heft der Monatsschrift „Der Türmet. Wartenberg, ein vorurteilsloser Militärschriftsteller (er schrieb früher als Freiherr v. Guhlen), der aber, obwohl bereits z. D., von einem Kriegsgericht unlängst wegen offener Kritik militärischer Mißstände zur Strafe der Entziehung der Pension verurteilt wurde, bespricht dort den Plan des Fürsten Henckel von Donnersmarck, einen Millionenfonds für verarmte Offiziere zu schaffen, und erörtert dann die Ursachen, die einen solchen Plan überhaupt auftauchen lassen konnten. Dieser „Anschlag gegen das deutsche Offizierkorps", so meint er, war nur möglich, weil das Ansehen des deutschen Offiziers in der Oeffentlichkeit erschüttert sei. Der Offizier von heute ist nicht mehr der vornehme, zurückhaltende Kavalier, der er unter der Regierung Wilhelms I. gewesen ist. Während er früher die Oeffentlichkeit aufs peinlichste gemieden habe, suche er sie jetzt allzu häufig auf, hasche nach Reklame, nach Bedeutung. So komme es, daß man heute die Offiziere zählen könne, die noch keine Verbindung mit der Scherlpresse usw. hätten, bereu Konterfei die „Woche" noch nicht geschmückt habe. Woher aber kommt diese neue, den vornehmen alt- preußischen Geist vernichtende Tendenz? Sie hätte nie entstehen können, wenn nicht der verstorbene Feldmarschall Graf Waldersee ein verhängnisvolles Beispiel gegeben; hätte. Von maßlosem Ehrgeiz gequält, wollte Waldersee der Oeffentlichkeit beweisen, dag er wie kein anderer berufen! sei, in das vom Fürsten Bismarck verlassene Palais in der Wilhelmstraße einzuziehen und das Steuer des Reichs- schiffs zu ergreifen. Kein Mittel, das ihm hierbei behilflich fein, durch das er die Oeffentlichkeit auf sich Hinweisen konnte, erschien ihm zu gering. „Mache zwecks Reklame war sein Triumphzug durch Deutschland, bevor er sich zur Uebernahme des Oberbefehls über das 1900 in China gebildete Koalitionsbeer in einem ita- lienischen Hafen einschiffte: Mache zwecks Reklame die ungewöhnlichen Ehrungen, die ihm bei seiner Rückkehr für nicht vÄl- sührte Kriegstaten zuteil wurden: Mache zwecks Reklame der glänzende Bericht über seine Leitung der Koalitionsarmee, den er nach der Darstellung des Vertreters der „Franks. Ztg." noch an Ort und Stelle den europäischen Zeitungskorrespondenten ans- drängen wollte: Mache zwecks Reklame die Attachierung eines besonderen Reporters des „Bcrl. Lok-Anz." an seine Person während der ganzen Dauer seiner Abwesenheit von seiner Heimat, der täglich über sein Ergehen nach "Berlin zu telegraphieren! hatte: Mache zwecks Reklame endlich das Bemühen darum, daß er von dem Augenblick seiner Ernennung zum Höchstkommandierenden bis zu der Stunde, in welcher ihm in seiner Vfirhnun« zu Hannover von lieber Hand die China-Denkmünze an die Brust geheftet wurde; auch nicht einen Schritt tat, der nicht vvni Photographen für deutsche Zeitungen und Wochenschriften festgehalten wurde. In allen nur möglichen Situationen sahen wir damals den seltsamen preußischen General abgebildet, nur nicht in der bedenllichsten. In jener nicht, in welcher er sich aus dem, von einer ebenfalls re kl am ebe dürftigen Firma gestifteten, in Brand geratenen Asbesthause durchs Fenster rettete und beinahe zur komischen Figur wurde." Wir empfehlen allen ernsthaften Männern die Lektüre dieses von einem im innersten Herzen wahrhaft patriotischen Manne geschriebenen 'Aufsatzes, der einige auch unS, wund scheinende Stellen am starken Körper des deutschen! Heeres bloßlegt als ein gewissenhafter 'Arzt, dem es darum zu tun ist, daß bedeutendere Operateure in maßgebenden Stellungen alles daran setzen, um die Heilung der Wunden zu beschleunigen. Kolonialpost. — Nach einem Telegramm des Kaiserlichen Gouverneurs von Deutsch-Ost afrika hat Major Johannes, der inzwischen in den Matumbi-Bergen eingetroffen ist, telegraphisch gemeldet, daß keinerlei Grund zu Besorgnissen wegen Ausbreitung der Unruhen vorhanden fei, Zwei Rädelsführer find bereits ohne diesseitige Verluste gefangen genommen. — Ein Telegramm ans Windhuk meldet: Reiter Robert Albel, am 5. August im Gefecht bei Wortes schwerverwundet, Schuß im linken Oberschenkel; Reiter Johann Sierks, wird seit dem 22. Juli in der Nähe des großen Brnckkaros vermißt. Keer und Zslotte. — Armierung am Kaiser-Wilhelmkanal. Die Molenköpfe an der Mündung des Kaiser Wilhelm-KanalS sind mit Schnellfeuergeschützen versehen worden. Auch wurden an mehreren Stellen des Schleusendeiches Revolverkanon en ausgestellt, zu deren Anschießen Marinesoldaten kommandiert waren. — Von den Kaisermanövern, die m diesem Jahr, zwischen Frankfurt a. M., Mainz und Mannheim stattfinden werden, weiß die „Ostpr. Ztg." einige Einzelheiten mitzuteilen. Ein besonderes Jntereffe hat der Kaiser bekanntlich den taktischen Erfolgen der Japaner entgegengebracht und dementsprechend werden auch die Erfahrungen des oftafiatischen Krieges im Manöver praktisch erprobt werden. Es handelt sich dabei hauptsächlich um die Angriffstaktik, wobei die zu den glücklichen Naturen gehört, die, weil selbst gesund und kraftvoll, für das Schwache, Krankhafte kein Verständnis haben, die mit einem gewissen Epikuväismus das Leben zwar ernst, aber nie tragffch nehmen. So jung Prinzeß Hermine ist, so hat sie des Lebens Bitterkeit doch schon in reichem Maße kennen gelernt. Der allzufrühe Tod ihrer Mutter, der Tod des zwar strengen, aber seine Kinder wenn auch sehr knapp haltenden, meistens mit nur ein Paar Mark Taschengeld ausrüstenden, so doch im Grunde herzlich liebenden Vaters, die unheilvolle Krankheit, die den einzigen Bruder, ein Bild schöner Männlichkeit, bei äußerlicher Gesundheit der Regierungsfähigkeit beraubt, der Heimgang der geliebten Schwester, die ein bitteres Geschick in der Jugend Maientagen von sonniger Höhe herabriß, das waren dunkle Schatten auf dem Wege ihres Daseins. In dem stillen, aber wundervoll auf stattlicher Verghöhe, von der in ein Wäldtal gebetteten Stadt umkränzten, Greizer Schloß, verlebte sie die efften ungetrübten Jahre der Kindheit unter: der Obhut ihrer Mutter, der Fürstin Ida, der zweiten Tochter des Fürsten Adolf Georg zu Schaumburg-Lippe, die, ausgestattet mit schönen Anlagen und ausgezeichneten Kenntnissen, beseelt von tiefer Frömmigkeit, zugleich das Muster einer Gattin und Mutter, die Erziehung ihrer Kinder nicht nur liebevoll überwachte, sondern selbst verständnisinnig leitete. Von ihr, der der Kummer über die Krankheit des einzigen Sohnes und Thronfolgers vorzettig des Lebens Kraft brach, hat Prinzeß Hermine die im Innersten milde Gemütsart, die herzgewinnende Güte geerbt, jene anspruchslose Einfachheit, die ein Gepräge des ganzen Hofes ist. So wie es ihr in jüngeren Jahren un- enMidje Freude bereitete, auf dem Markt oder Jahrmartt Leckereien einzukaufen und sie an die ihr auf der Sttaße folgenden ftinber auszuteilen, so bestrickt auch jetzt noch ihre ungezwungene Nlttürlichkeit, wenn sie sich in der Oeffentlichkeit zeigt. Prinzeß &ermme war eigentlich ihres Vaters Liebling. Aber für sie wie für die Geschwister brach doch nach der Mutter Tode eine freudenarme Jugend an. In seiner Gemahlin war dem Fürsten Heinrich, wie er selbst sagte, ine Krone seines Lebens genommen Nach ihrem Tode bildete sich bet ihm nach und nach, auch mit unter dem Drucke körperlicher Leiden, jene Starrheit heraus, unter der auch sein Verhälttns zu seinen Kindern litt. Sein strenger kirchlicher Sinn ist ja bekannt. Auch als sein,zunehmendes Gebörleiden es ihm schon unmöglich machte, einer Predigt zu folgen, versäumte er doch keinen Gottesdienst und las während dieses für 'ich im Neuen Testament Die Religion war ihm die Grundlage aller Erziehung tote allen Unterrichts, unb er selbst erteilte seinen Kindern Religionsunterricht. Diesem Aus einer kleinen Residenz. Aus Greiz, ber Hauptstadt des Fürstentums Reuß ä. L., wird uns geschrieben: Ms jüngft die Nachricht durch die Presse ging, daß der Großherzog von Sachsen sich nach Ablauf des Trauerjahres mit der Schwester ferner verstorbenen Gemahlin, der Prinzessin Hermine Reuß a. L., verloben werde, da folgte einige Tage darauf ein offiziöses Dementi, daß am Weimarer Hofe davon nichts bekannt sei. Doch die unbestimmte Form dieser Mleugung stieß hier auf skeptische Gemüter. Und obwohl inzwischen jenes offiziöse Dementi sogar aus alle beit Großherzog Wilhelm Ernst betreffenden Verlobungsgerüchte ausgedehnt worden ist, so hält man lwch in der Residenz des FürsteMums Reuß filtere Linie jenes Gerücht trotzdem für begründet und nur den Ereignissen vorauseilend. Mag in erster Linie die Tragik ihres Fürstenhauses es h greiflich erscheinen lassen, daß die Bewohner von Reuß a. L. dessen jüngsten Mitgliedern ein besonderes Glück wünschen, so hat doch namentlich in Greiz, wo dieses Gerücht schon längere Zeit umging, es deshalb keineswegs überrascht, weil gelegentlich Reisen des Großherzogs wie der jungen Prinzessin. eine mert> würdige Uebereinstimmung in dem Reiseziel zeigten. Hierzu kommt noch, daß man in Greiz seinerzeit glaubte, die Beobachtung machen zu können, daß sich schon während des Brautstandes ihrer Schwester das frische Wesen der Prinzeß Hermine zu dem jungen Grotz- herzog unbewußt hingezogen fühlte. Prinzeß Hermine, die 1887 geborene inerte Tochter des verstorb nen Fürsten Heinrich XXII., ist eine frische und lvbensprü b ende Erscheinung, die in der letzten Zeit sich überraschend güitfrig entwickelt hat. Hofphotvgraphen stehen ja im allgemeinen in dem vielleicht nicht unbegründeten Rus, daß sie es meisterlich verstehen, zu idealisieren. Die Bilder der Prinzeß Hermine jedoch sind nicht geschmeichelt, sie sieht in Wirklichkeit viel hübscher aus. Wie sie selbst stets Leben und Bewegung ist, so ist auch ihr Antlitz nur der Spiegel der sie bewegenden Gedanken, und dies beständig wechselnd Belebte ihres Gesichtes kann keine Photographie wiedergeben. Im Gegen- satz zu dem regelmäßig geschnittenen Antlitze der verstorbeneil Großherzogin Karoline, auf dem ein stiller Schmerz lag, für den die Menge keine Erllärung wußte, ist das Gesicht ihrer jüngeren Schwester von einem prickelnden Reiz. Während die munttren Augen ihm etwas überaus Anziehendes geben, verschont der Schalk, der in ihren Mundwinkeln i ' gewisse derbere Züge, die ein reußisches Familienerbteil ' Mes m allem ein Siesicht, das allein schon erkennen läi 'ne Trägerin gegenüber trat der wissenschaftliche über Gebühr zurück, der teilweise sogar eben erst aus dem Fürstlichen Landesseminar entlassenen jungen Elementarlehrern übertragen wurde, deren Lebenserfahrung naturgemäß "Noch hinter ihrem Dozentengeschick zurückstand. Fürst Heinrich XXII., „der Unartige", wie ihn der Kladde- radaffch immer nannte, ist, wenn auch viel genannt, so doch in Walwheit wenig bekannt, wenigstens jenseits der schwarz-rot- gelben Grenzpfähle seines Fürstentums. Wer ihm ohne Voreingenommenheit gerecht werden will, wird ihm zugestehen muffet, daß er als Landesherr stets nur das Beste gewollt hat, und auch wo er geirrt und gefehlt hat, zeugt die Konseguenz seiner persönlichen Ueberzeugung von Charakter. Ost vorschnelle Krittk fteilich rechnete es ihm vielfach als Verbrechen an, daß er sich nicht in jedem Falle der Majorität anschloß. Anspruchslos und sparsam (nur für seinen Wildpark in Greiz unb Burgk gab er jährlich 120 000 Mark aus) war er stets für jedes ferner Landes- kinüer zu sprechen. Selbst prüfend und nach seinem eigenen Urteil vielfach entscheidend, teilte auch er allerdings das Los so vieler Fürsten, daß sich Personen an ihn drängten, die ihm gewisse Dinge und Menschen in seinem Lande wie im Reiche in falschem! Lichte darstellten und ihn in seinen Einseitigkeiten bestärkten. Hat die Folgezeit ihm hinsichtlich 'seiner ablehnenden Stellung im Bundesrate gegenüber den Kultnrkamvsgesetzen und gegenüber dem S^ialistengesetz recht gegeben, so war seine Stellung zur Cumberlandfrage durch seine Auffassung vom Legitimitäts- Prinzip begründet und also verständlich. Und wenn er sich hierbei int Gegensatz zum größten Teile des deutschen Volkes befand, so kann ihm niemand deuffche Geradheit ckbsprechen. ... So stellen die Gemüts- und Charatteranlagen der Prinzeß 'Hermine ein glückliches Gemisch dar. Bildsam und bildungsfähig, natürlich und gutherzig, gehört sie doch nicht zu den passiven Nature«, die den Menschen wie den Mächten des Geschicks sich widerstandslos beugen. Schon das vom Vater ererbte berechtigte Selbstgefühl dürste sie davor bewahren. Bei der auftichttgen Anhänglichkeit, bie der Reuße seinem Fürsten hause entgegenbringt, ist es erklärlich, daß die junge Prinzessin den Bewohnern ihres Heimatlandes sehr sympathisch ist, unb angenehm berührt es diese, daß man ihr von der Seite einflußreicher Verwandten und anderer deutscher Höfe besondere Aufmerksamkeit widmet utrd sie gewissen Einftüssen sernzuhalten sucht, die sich am hiesigen Hose in den letzten Jahren leider mehr und geltend gemacht haben. Denn in Greiz gönnt man der jungen Fürstentochter aus dem Reußenstamme von Herzen, daß ihr ein harmonisches und glückliches Lebensschicksal be* schieden sein möge. . . . Deutsches Reich. HcriÄLslaal. nähme empfehlen wollen. ! für Kinder, Kranke,Genesende. Verhütet u beseitigt;Piarrhoe, Brechdurchfall, Darmkatarrh. | Tabakspfeife ist der frühere Ntsnm ariSgiebigste Verwendung des Spatens eine besondere Rolle spielt. Im. übrigen kann von einer wesentlichen Umgestaltung unseres Angriffsverfahrens nicht die Rede sein, da die Japaner ja unsere Schüler in taktischer Beziehung sind, und der Sinn ihrer Bestimmungen im großen und ganzen dem unsrigen gleicht. Sonst wird man noch besondere Aufmerksamkeit den beiden versuchsweise aufzustellenden Radfahrerkompanien, dem freiwilligen Automobilkorps und dem Verpflegungswesen schenken. Auf beiden Seiten wird eine Provianikolonne gebildet werden, zu deren Aufstellung je fünf Trainbataillone, zum Teil von anderen Korps, verwendet werden. fünf scharfe Schüsse, er wurde dem Verletzte wurde erst kürzlich aus dem Nach dem Gutachten des Kreisarztes war die Verletzung des H. äußerst gehalten bleiben. • Durch seine Hottesdieag. Sabbathieier am I2. August 1905. Freitag abend 7.30 Uhr. SamSlag vormittag 8.00 Uhr. Nachmittags 4.00 Uhr. Sabbathausgang 8.45 Uhr. Wochengottesdienst: morgens 6.00, abends 7.30 Uhr. Israelitische Religionsgemeinde. Hottesdienkt in der Synagoge (Lüdautage). Samstag den 12. August 1905; Vorabend: 7.15 Uhr. Morgens 8.30 Uhr. Nachmittags 4.00 Uhr. Sabbathallsgang 8.30 Uhr. Israelitische Rcligionsgcsellschaft. Großherzogtum Hessen 450 218.4 Hektoliter Wein mit einem Werte von 11231610 Mk. geerntet. Davon kommen auf Rheinhessen allein 422 232.2 Hektoliter mit einem Werte von 10510177 Mk. Auf die einzelnen Kreise in Rheinhessen verteilt sich die Weinernte wie folgt: Im Kreise Oppenheim wurden 144 486 Hektoliter mit einem Wert von 4 218 789 Mk. geerntet, im Kreise Worms 96 510 Hektoliter mit einem Werte von 2 074 286 Mk., im Kreise Bingen 65 314.2 Hektoliter mit einem Werte von 1699 207 Mk., im im Kreise Alzey 83 629.6 Hektoliter im Werte von 1653 577 ! Mark und im Kreise Mainz 32 292.4 Hektoliter mit einem Werte von 864 318 Mk. Arbeiterbewegung. Solingen, 9. Aug. Die Lohnbewegung im Bau- g e w e r b e ist gestern Abend durch einen Beichluß, der den von den Arbeitgebern und Arbeitnehmern genehmigten Tariivertrag für den Kreis Solingen gut heißt, beendet worden. Nach dem Tarif erhalten die Maurer vom 18. August eine Lohnerhöhung von 50 auf 52 Pfg und vom 1. April 1906 ab 54 Pfg. Stunden- lohn. Die Bauhilfsarbeiter bekommen vom 18. d. M. ab 44 und vom 1. April 1906 ab 46 Vfg. Stundenlohn. Gefordert hatten von den zurückkehrenden Revolver enthielt noch Fl. abgenommen. Der Rochushospital entlassen. Medizinalrat Dr. Balser rauchte. Nach einer heftigen Szene mit ihrer Mutter nahm das junge Mädchen Salzsäure, konnte aber dem Leben er» x die etwa 57 Jahre alt und kränklich war, an den Folgen, der Vergiftung gestorben. Sie hat, so berichtet man uns, bei der Familie Körner während hes Sommers Hausarbeiten verrichtet. Die Sektion der Leiche findet Donnerstag nachmittag in König in Gegenwart des Oberstaatsanwalts und "des Vertreters der Ministerialabteilung für Gesundheitspflege statt. Wie wir hören, ist bei einer ganzen Anzahl der Kranken im Laufe der Nacht, von Dienstag auf Mittwoch, eine wesentliche Verschlimmerung eingetreten, deren Folge noch nicht abzusehen ist. Die betr. Personen leiden an zunehmender Herzschwäche. '"lieber Weinbau und Weinernte im Groß- w ... „ . ... —, Herzogtum Hessen. Im abgelaufenen Jahre wurden im'glücklichen Zufall Werg, das aus emem Loch im Sofa- Seife«pulvcr mit dem Schwa«. bezug heraussah. Bevor der alte, gelähmte Mann sich auf- raffen konnte, war er am Unterleibe schwer verbrannt. Die Feuerwehr, die von Hausgenossen gerufen wurde, brachte ihn nach dem Hedwigskrankenhause, und dort starb er. * Kleine Tages chronik. In Berlin hat der Mechaniker Paul Ehart et vor atoei Tagen seine Frau und seine vier Jahre alte Tochter durch Chloroform getötet und auch versucht, fick auf die gleiche Weise das Leven zu nehmen. Bei ihm versagte jedoch das Gilt seine Wirkung und er kam wieder zu sich, fand aber nicht mehr den Mut zum Selbstmord. Cbarlet wurde verhaftet, wobei er versuchte, sich durch einen Revolverschuß zu töten. Er gestand ein, Frau und Tochter getötet zu haben. Seine Frau habe mit ihm im Einverständnis gehandelt. Nahrungssorgen hätten ihn zur Verzweiflung getrieben. Hraf Mattachich, der Freund der Prnnessin Luise von klärte einem Interviewer, daß der Prozeß vor dem LansgcEt in Gotha wegen Herausgabe der 300 000 Fr., die z von Ko bürg in Gestalt der Apanage von dem Vahir Prinzessin vorenthaltcn hat, noch vor Maus des Jahves 'Mr Verhandlung kommen werde. Die Prinzessin wünscht den Rest ihres Lebens in Frankreich, speziell in Paris zu v erbring«!." Bci Grenoble wurden mehrere Arbeiter in einem Tunnel von einem Zuge überrascht. Zwei wurden getötet, zwei schwer verletzt. — InNeuillY fand einDuell zwisck>en dem Herzog von Alew und dem Herzog von Chauln statt. Beim dritten Exmge wurde Ersterer am rechten Vorderarm durch eine Stichwunde verletzt, wodurch der Kampf als beendet angesehen wurde. — In mehreren französischen Städten erschien eine geheimnisvoll leuchtende H i rn rn e l s k u g e l, über deren Herkunft man bis jetzt noch nicht aufgeklärt ist. — Bei einem Erdbeben im Drin a-Tale (Albanesien' sind mehrere Menschen umgekommen und die Ortschaft Busciati ist zerstört worden. — ! Am Eggishorn (Wallis) stürzte eine Dame aus Brussel wenig unterhalb des Gipfels ab und b l i e b t o t. fährlich. Die Kugel war tmrch die linke Backenseite in den Ge- hövgang deS linken Ohres eingedrungen. Nach einer schwierigen Operation ist es gelungen, die Kugel zu entfernen, doch ist H. auf der linken Gesichtshälste gelähmt und hat das Gehör auf dem einen Ohr verloren. Der Angeklagte sei ein Säufer, durch den allzuvielen Alkoholgenuß leide er an Nervosität, die schließlich zum Delirium führe. Der Staatsanwalt beantragte vier Jahre Gefänanis. das Gericht erk"nnte auf drei Jahre. (b) Mainz, 9. Aug. Der verheiratete 32 jährige Kesselschmied Hch. Flory aus Frankental, wohnhaft in Weisenau, unterhielt mit der Dirne Anna Seibert von hier ein Liebesverhältnis. Trotz der Vorwürfe seiner Frau, die wiederholt die Polizei zum Schutze ihrer Ehe anrief, setzte Fl das Verhältnis mit der S. fort. Am Abend des 17. Juni traf Fl. mit der S. in einer Wirtschaft zusammen, nachdem sodann die beiden mehrere Lokale besucht hatten, kamen sie schließlich aus die Doppslraße, um nach der Wohnung der S. zu gehen. Unterwegs gerieten sie in Streitigkeiten, welchen Schutzleute ein (5nbe bereiteten. Während die Beamten noch begütigend auf die beiden einsprachen, ging auf der gegenüberliegenden Seite der Straße der verheiratete Spengler Franz Josef Hochhaus und sah dem Streite zu. Nachdem die Schutzleute ihres Weges gegangen waren, brach der Disput von neuem los unb nun rief der Hochhaus der S., weil er deren Vater gekannt hatte, zu, sie solle sich schämen, wenn ihr verstorbener Vater wüßte, was aus ihr geworden, würde er sich in seinem Grabe umdrehen. Die Seibert lief nun auf Hochhaus zu imb bat diesen, sie nach Hause zu begleiten-, zu gleicher Zeit trat Flory hinzu, in der rechten Hand einen Re- I volver haltend. Ohne ein Wort zu sprechen, gab Flory , auf den nichtsahnenden HockchauS einen Schuß direkt in s Gesicht | ab. Der Verletzte sank bewußtlos zusammen, wahrend Flory Schutzleuten festgenommen wurde. Der die Arbeiter 5 Pfg. Lohnerhöhung. Glauchau, 9. Aug. Infolge des Beiseitetretens des Tex- ti l-Arb e i te r v er b a nd e s haben hier Einigungs-Verhandlungen zwischen den Vertretern von sieben Fnbrikbetrieben und fünfzehn Vertretern der Arbeiter unter Vorsitz der Bürgermeister von Glauchau und Meerane stattgefunden. DaS Ergebnis läßt die Hoffnung auf sofortigen Frieden zu, da die Arbeiter- Vertreter ihren Auftraggebern die Vergleichsvorschläge zur An- Tischlermeister Brandes in Berlin umS Leben gekommen. Der 82 Jahre alte Mann wohnte als Junggeselle für sich allein. Am Sonntag nachmittag lag er mit I J.-k- unb Unterböte bcflcibet auf feinen,.Sofa . 21(3 er fi^5d-n'ÄLN-0 LL 7mN°v'L°7pvL ward- eroonbem Ri-M-N erfaßt, an die Kammräder ich allen Festteilnehmern meinen warmen Tank aus und bleibe gedrückt und zu Boden geschleudert. Bewußtlos fanden seine mit herzlichem Gruße in freundschaftlicher Gesinnung Dein wohl-1 Angehörigen den Schwerverletzten, der nun seinen — ®inc Deputation d-3 rheinisch-w estfalischen Kunden ^erleaen^.^ g Aug Der Großherzog erd Arb-itgeberbundes für das Baugewerbe ,it heute vormittag jm Rcsidenzschloß Audienzen und braus ihren Antrag vom Minister des Innern empfangen . ^Eusdw.ctzt ^Vollendung entgsg-ngeh-nd-'Garken- worden. Nachdem du^ Deputation Milt-llungen über den^nnussteUunq im großh. Orangeriegarten. Am Mittag Lohnkamps gemacht hatte, wies der Minister daraus hm, bafe b @ro6b wieder nach Jagdschloß Wotss- di- V-rsügung des Regi-riMgsprastdenten m Düsseldorf be. S kEmandierende General des 18. Ar. treffend d,° Zuziehung ausländische,: Arbeiter l°d,gl,ch b°. 0 - „.Eichhorn, besichtigte heute das hiesige Leibstehende Derwallungsgrimdsähe wiedergebe ohne für emen b? ',We3in,eS (3h.116) R«oaa«ie.®rigabe der der streitenden Teile Parte, zu nehmen. Im übrigen se, es g Division (Mainz-Hanau) wird der General am Freitag selbstverständlich, daß bie Staatsgewalt erforderlichenfalls . v ; di° Arbeitswilligen n a ch d r ü cklich schütz en werde; > 9. st Gestern trat unsere Gesund- auch habe der Regierungsprasiden d,e entsprechenden ™‘>B'Leit^omtnBiffi'on zusammen, weil in der Stadt verschiedene regeln bereits seinerseits angcor nc; , ., , . , -Src^^bur^^iaaerfrQnfungen bestehen. Nach ärztlichem Befund Zur Vereinsachung d es Schrerbwerks haben ^d darunter zwei Personen von Ty'phus befallen. Die »,e Ressortminister angeordnet, daß die^ Urschrift^d-r^^Nnfall- P^^,joerwa,tung gibt bekannt, das Publikum möge durch unt-rsuchungsverhandlrmgen den Bor standen d°r b- eüigten L^enSweise, insbesondere durch Vorsicht beim Berussgenostenschaften oder den beteiligten Sektionsvor- Fleisch und Fleischwaren, sowie durch strenge standen oder den Ausstrhrungsb-hord-n zui-b-rsenden. rst. doppelt? Vorsicht gebrauchen und sich so selbst Die Berussgenossenschastcn und die Aussuhrungsbehorden ’ Erkrankungen schützen. werden die Unsalluntersuchungsverhandlungen ordnungsmäßig 0 9 „, üebec bie in den letzten Wochen ausbewahren und dieselben den^tspolize^n ansEr- ^tzl?r'7orgef°mm5'en Tp huS ä--7 uni i J fÄ"L klbeuh.ns schreibt Dr. Herr in einem größeren Artikel im zeibehörden noch auf eine sorgfältige Vornahme der Unfall* _ n (fs finh in der letzten Qeit besonders nach Untersuchung und auf eine leserliche Niederschrtft hingewiesen "em* ^chsenfeste, leichtere Magendarrn-Erkrankungen mit und worben. w ; M r • * hnn ohne Fieberverlauf vorgekommen, die nach den neueren An- München, 9. August. Helnr rch von I r^ten ber medizinischen, besonders der epidemiologischen^ Preußen, dergestern Abend per Automobll^. das SIßiffen^c^aft als Vorboten bezw. als Träger einer zu säuerte, v°n seinem ?in^en befürchtenden Typhusepidemie angesehen werden traf, mußte schon um 10 Uhr 10 Minuten ^sifolge dr 9 u' ^^^n. Die bereits von der Königl. Regierung erlassenen der drens f e r • p। ji ) , Automo- polizeilichen Bestimmungen sollten streng befolgt werden, wieder ab reisen. Er wird aber ledenfalls zum Automo- Kirchhain, 9. Aug. In der Nähe des hiesigen ^^^^en^en_W^eber_^ter^er^^§urud£e^)ren. tötete heute früh durch einen Revolverschuß Alta Sttrtht IInh ein fremder, etwa 60 Jahre alter kräftiger Mann, der AttS MllvL lUlV V. keinerlei Ausweispapiere bei sich trug. Gießen, 10. August 1905. Frankfurt, 9. Aug. Gestern abend kam der zwei- •* Der Verband Mittelrheinischer Volks- undzwanz-igjährige Hausbursche Isidor Griebel, der zubild ungsvereine, welcher die Verbreitung und Förde- seht in Büdesheim in Stellung war,