Donnerstag 10. August 1905 Erstes Blatt. 155. Jahrgang Adresse für Depeschen: Anzeiger Stehe«. Arrnsprechanschluß Nr 61. Ausland. London, 9. Aug. Das Unterhaus nahm die dritte Lesung der Vorlage betreffend die Mariuebauten mit 180 gegen 119 Stimmen an. — Der Besuch eines japanischen Geschwaders wird in England erwartet, sobald es die Lage in Ostasien gestatten wird. — Wie der Kopenhagener Korrespondent der „Daily News" aus zuverlässiger Quelle erfahren haben will, soll zwffchen Kaiser Wilhelm und König Eduard schon, seit mehreren Monaten eine ernstliche Entfremdung herrschen, die auf eine Hofintrigue zurückzuführen ist. Dem Kaiser wurden verschiedene Aeußerungen hinterbracht, die König Eduard angeblich über ihn gemacht haben soll, und dies habe Befürchtungen wegen eines deutsch-englischen Konfliktes wachgerufen. König Eduard ist nunmehr der Jntrigue auf die Spur gekommen und bestrebt, bei der bevorstehenden Zusammenkunft das Mißverständnis aus der Welt zu schaffen. (Es wird in diesem Sommer unheimlich viel phantasiert!) Portsmouth (England), 9. August. Der König nahm heute die Parade über die vereinigten Flotten ab. Die französischen Matrosen begrüßten den König mit Zurufen und schwenkten die Mützen. Der König, der Prinz von Wales und der Herzog von Connaught nahmen dann das Frühstück mit dem Admiral Caillard an Bord des Flaggschiffs „Massen«" ein. Hierauf lief die französische Flotte in den Hafen von Portsmouth ein und ging unter großer Begeisterung der Menge, die sich trotz des strömenden Regens eingefunden hatte, vor Anker. Athen, 9. August. Hier aus Canea eingetroffene Nachrichten besagen, daß der russische Torpedobootszerstörer Bary die Ortschaft Castelli bombardiert habe, da die Aufständigen sich gegen die Besetzung der dortigen Zollämter aufgelehnt hätten. Diese Nachricht ruft hier große Aufregung hervor. Nemyork, 9. Aug. Die Zeitschrift „Jndependance^ berichtet über eine Versa mmlungasiatischerStudenten, die am 2. Juni in Tokio stattgefunden hat. Während der Versammlung hielt ein hindostanischer Student einen Vortrag über das Erwachen Asiens und über die asiatische Einheit. wurden unter dem gleichen Zeremoniell empfangen, nur daß die japanische Hymne gespielt wurde. Beim Frühstück verneigten sich die Russen und Japaner gegen- einander, sprachen aber nicht zusammen. Nach dem gemeinschaftlichen Diner bestieg die Gesellschaft Landauer. Die Wagen wurden bis an die Brücke, die Kittery mit Portsmouth verbindet, von Marine-Infanterie eskortiert, dann weiter von Staatsmiliz, die auch bis zum Gerichtshause Spalier bildete. Hinter dem Spalier standen Zehntausende, Beifall klatschend und hochrufend. Im Gerichtshause be- grüßte der Gouverneur die Mission. Witte wie Komura murmelten einige unverständliche Worte, nahmen dann Abschied und bestiegen draußen die Automoblle zur Fahrt nach dem Hotel. Portsmouth (New-Hampshire), 9. Aug. Die Friedenskonferenz hat heute vormittag im Marinearsenal begonnen, wohin sich die Delegierten unter Bedeckung von Marinetruppen begaben. Eine Marinewache wird während aller Sitzungen der Konferenz vor dem Gebäude aufgestellt. In der heutigen Sitzung wurden die Beglaubigungsschreiben' ausgewechselt und in Ordnung befunden. Vom Kriegsschauplätze. Petersburg, 9. Aug. Linewitsch meldet unterm 8. August aus der Gegend östlich von der Mandarinenstraße vom 5. August: Es wurde eine Armeeabteilung gegen das Desilee in der Nähe des Dorfes Ehagoou vorgeschoben. Ungefähr 35 Werst südlich von Taoula ergriffen die Japaner dieOffensive und umgingen unsere beiden Flügel. Unsere Abteilung wurde hierdurch zum Rückzug nach Norden hin genötigt. In der Nähe des DefileeS von Maddoulin stießen die Japaner gegen Telle dieses Detachements vor. Als dieses Halt machte und daS Feuer- gefecht aufnahm, zogen sie sich südlich zurück. In der Gegend von Hailungchen besetzte eines unserer Detache- ments nach kurzem Feuergefecht das Dorf Poulangtse. Petersburg, 9. Aug. Das 19. Korps ist in Charbin eingetroffen. Die Stärke der Russen beträgt nunmehr 470 000 Mann. Petersburg, 9. Aug. „Nowoje Wremja^ berichtet vom Kriegsschauplatz, daß in der japanischen Armee Pest und Cholera ausgebrochen seien. London, 9. Aug. .Evening Standard" meldet die vollständige Uebergabe der Russen auf Sachalin. Wie die Gegner über die Zukunft denke». Petersburg, 9. Aug. Rußland setzt nach wie vor für alle Eventualitäten die Kriegsrüstung fort. Es be-, (tätigt sich, daß eine neueAnleihe von 2 00 Millionen Rubel sofort nach Veröffentlichung deS UkaseS betreffende Einberufurg einer Volksvertretung ausgenommen werden soll. Petersburg, 9. Aug. Der Kriegskorrespondent deS Ruß telegraphiert, daß Marschall Oyama den Delegierten der chinesischen Bevölkerung in Tschantafu gesagt habe, sie- mögen ruhig mit den Feldarbeiten beginnen, da der Kriege bald beendet sein würde. per Krieg. Die Friedenskonferenz. Newyork, 9. Aug. Der Empfang der Friedensschiffe in Navygord auf Kittery war ungemein schlicht. Der Feierlichkeit wohnten kaum ein Dutzend stiller Zuschauer bei. Mayflower" schickte eine Pinaffe nach dem Hotel Wentworth auf Newcastle, um Witte abzuholen. Sobald dieser an Bord war, fuhr Admiral Mead von Kittery ab, um auf dem Mayflower und dem Delphin Besuche zu machen. Er mar gerade zurückgekehrt, als um 11 Uhr Salutschüsse anzeigten, daß Russen und Japaner die Schiffe verließen. Eine halbe Stunde später war die russische Pinasse sichtbar. Aus derselben stieg zuerst Witte, dann folgten seine Begleiter. Sie wurden nach der Begrüßung durch den Admiral paarweise von einem Offizier in der Richtung auf das Proviantamt geleitet. Die Begrüßung der Japaner vollzog sich so schnell, daß sie sich, voran der Admiral und Komura, ebenfalls paarweise dem Zuge anschließen konnten, der durch ein Spalier das in das Konferenzhaus umgewandeltc Proviantamt betrat. Im unteren Stockwerk hieß der Admiral die Gäste in ihren, nunmehrigen gemeinsamen Hause willkommen. Dann wurden sic nach den, oberen Stockwerk geführt, während die Wache das Gewehr präsentierte, die russische Nationalhymne gespielt und ein Kanonensalut gegeben wurde. Dle Japaner ungen man in Wien und in den bayerischen Großstädten gemacht hat, um der Bevölkerung angemesseneFleisch- greife zu sichern. Bei uns in Hessen haben die Stadtverwaltungen sich bisher leider keinen Einfluß in dieser Richtung gesichert. Hier haben die Vertreter des flachen Landes die Entscheidung in der Hand. Do ist es gekommen, daß wir heute unter einer Fleischnot und Flei sch - teuerung zu leiden haben, die von keiner Seite bestritten werden kann. Bei uns in Gießen sind neuerdings von den meisten Metzgern die Preise von Hammelfleisch von 74 aus 76, die von Ochsen fleisch von 78 auf 80 Pfg. erhöht worden. Fettes Schweinefleisch aber, das früher 70 Pfg. kostete, muß man jetzt hier mit 80—82 Pfg. und gesalzenes sogar mit 34 Pfg. bezahlen, und weiteres ständiges erhebliches und schleuniges Steigen ist, wie uns authentisch versichert wird, leider zu besürchten. In Frankftirt a. M. erhöhte die Metzgerinnung den Preis für Ochsenfleisch sogar um durchweg 5 Pfg. pro Pftind. Tort kostet jetzt Ochsenfleisch 85 Pfg., Dauchfleisch 65 Pfg., Roastbeef und Lenden 90 Pfg., Roastbeef ohne Knochen 1,50 Mk., Lenden ohne Wochen 2,20 Mk. Geblieben sind dort die Preise für Kalb-, Hammel- und Schweinefleisch. Es ist sogar schon soweit gekommen, daß aus unseren Gegenden Schlachtvieh nach Oberschlesien geschafft werden muß, obwohl bei uns das Vieh ebenso rar ist, wie anderwärts. Schon seit sechs bis sieben Jahren zeigen die Fleischpreise eine unheimlich steigende Tendenz, ohne daß gleichzeitig eine allgemeine Lohnsteigerung erfolgt ist. Richt nur die Arbeiterbevölkerung, sogar die besser gestellten mittleren Gesellschaftskreise sehen sich gezwungen, den Fleischkonsum aus das mindeste e in zuschr än ken. Und ebenso wie die Fleischpreise, so steigen die Eierpreise derart, daß eine Eiernot uns droht. 8 Pfg. für ein genießbares Ei zur Sommerzett ist ein ganz abnormer Preis. Die daraus resultierende Unterernährung ist eine Gefahr für die Ration, vor allem, wie schon oben ausgeführt, für die Stadtbewohner, wo eine gute Ernährung eine ganz andere Rolle spielt, als auf dem flachen Lande. Mit unbedingtem Recht haben die Bürgermeister der oberschlesischen Städte Schritte, leider erfolglos, unternommen, der Fleischnot zu begegnen. War dieses Vorgehen nur für Oberschlesten berechnet? Rein! Mit dem- elben, ja noch mit größerem Recht haben auch die mittel- und westdeutschen Stadtverwaltungen gegen die Fleischnot vorzugehen. Die ihnen an- vertrauten Stadtbevölkerungen schreien nach Hilfe. Daher können wir, ohne die Angelegenheit auf das parteipolitische Gebiet zu tragen, fordern, daß sämtlichebeut- schen Stadtverwaltungen einmütig ihre Stimmen erheben und ihrem Volke billigeres Fleisch erwirken. Tun sie das nicht, so begehen sie eine Unterlassungssünde, die sich in mehr als einer Beziehung rächen wird, zunächst an den ohnehin schon sehr empfindlichen städtischen Finanzen. Es liegt doch auf der Hand, daß Stadtbevölkerungen, welche längere Zeit zu einer bedeutenden Unterernährung verurteilt sind, in ihrer körperlichen und damit in der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit zurückgehen müssen. Sagt das nicht genug ? Kann man eine solche physische Entwertung der breiten Massen stumm mit ansehen? Wer das tut, der ist ein Volkswirt ohne Verstand und ein Sozialpolitiker ohne Gewissen. Die breiten Massen wehren sich mit Hilfe ihrer Parteiorganisationen. Sollen sie in ihrem Kampfe um billigeres Fleisch isoliert und hilflos bleiben? Wenn irgend jemals, so tritt heute an . unsere Stadtverwaltungen die Forderung heran, fest für eine brennende soziale Sache einzutreten. Wenn die Gesamtheit unserer Bürgermeister an die leitenden Stellen die dringliche Forderung ■ richtet, Maßnahmen zur sofortigen Abhilfe der 1 Fleischteuerung einzuleiten, dürfte der Erfolg nicht : ausbleiben. Denn „oben" in Berlin ist man längst der richtigen Ansicht, daß heute in den durch ihre Massenbevölkerung das platte Land um viele Millionen überflügelnden ; Städten die Zukunft der Ration liegt. Die im Dezember bevorstehende Volkszählung wird das wahrscheiu- . lich mit einer Deutlichkeit beweisen, die die weitesten Kreise : überraschen wird.___________ Die heutige Kummer umfaßt 8 Seiten. j Der Kaiser in der Iravinz Soseu. Posen, 9. Aug. Rach der Kavallerieübung begab sich . der Kaiser in das Lager zurück und fuhr nach dem Frühstück im Automobil zu dem Bahnhofe Gerberdamm, wo er den Sonderzug bestteg und über Mesen sich nach der Station Grünfeld begab, um dort zu Pferde zu steigen und einer Hebung der achten Infanterie-Brigade beizuwohnen. Gnesen, 9. Aug. Die Stadt Gnescn, welche seit dem Besuche des Kaisers Otto III., int Jahre 1000, keinen Kaiser in ihren Mauern gesehen hat, hat sich für den heutigen Besuch des Kaisers durch einen überaus reichen Festschmuck vorbereitet. Den Weg von der Dragonerkaserne bis zur Parkstraße hat der Kreis Gnesen dekoriert und dort ist eine Ehrenpforte errichtet in der Form des alten Stadttores. Von der Dragonerkaserne bis zum Stadttor am Eingänge der Stadt bilden die deutschen Ansiedler, dann die Kriegervereine und Gewerffchafteu sowie andere Vereine, endlich die Kinder von sämtlichen Schulen von Stadt und Umgegend Spalier. — Rach einer Gefechtsübung auf. dem Truppenübungsplätze, begab sich der Kaiser in die Stadt. Der erste Bürgermeister Schoppen hielt eine Ansprache und bot dem Kaiser den Ehrentrunk der Stadt. Eine hochbedeutsame Polenrede des Kaisers. Der Kaiser antwortete folgendes: Indem ich Ihnen für die namens der Stadt Gnesen soeben ausgesprochenen Worte meinen Dank sage, drängt es mich) auch der Stadt hier auf offenem Markte meine tiefe Dankbarkeit aus- Ausprcchen für den schönen Empfang, den Sie mir bereitet hat, fiir den Schmuck der Häuser und vor allen Dingen für die frohen Gesichter. Richt zum Geringsten hat es mich ‘gefreut, daß auch die Ansiedler in hellen Scharen zusammengekommen find, um mir ihren Gruß zu entbieten, und (sich zum Oberpräsidenten der Provinz Posen wendend) ich hoffe, daß Eure Exzellenz Gelegenheit finden werden, den Ansiedlern meinen herzlichen Dank auszusprechen, daß sie sich in so großer Menge hierher betrügt haben. Ich freue mich zu sehen, daß die Arbeit deutscher Kultur so brav und mutig, wenn auch schwer und langsam sich Bahn bricht. Ich freue mich zu sehen, daß die polnische Stadt Gnesen dem König von.Preußen in dieser schönen Art zu huldigen weiß. Die vor wenigen Jahren gesprochenen Mahnungen und Ermahmingen werden hoffentlich noch überall in Ihren Herzen bewahrt fein. Es hat aber den Anschein, als ob manche meiner polnischen 11 n t e r t a n e n immer noch nicht im Klaren darüber sind, ob sie Schuh und Recht. unter dem Hvhenzollernbanner finden, und eine reich angelegte Phantasie im Verein mit der Pflege geschichtlicher Erinnerungen manches begeisterte Gemüt zu falschen Schlüssen führen möchte. Wie damals so auch heute möchte ich toteoer= Men, daß ein jeder kathol. Pole wisse, Paß seine Religion geehrt wird von mir, und daß er bei der Ausübung dieser in keiner Weise gestört werden wird, daß er aber Ehrfurcht und Achtung vor den anderen Konfessionen zu bewahren hat, ebenso wie wir vor der seinen. Es ist auch auf deutscher Seite nicht nachzulassen im Werke der Kultur. Wer als Deutscher ohne Grund seinen Besitz im Osten veräußert, der versündigt sich an seinem Vaterlande; welch Standes und welch Alters er auch sei, er muß hier aushalten. Mich dünkt, es hat hier deutsches Gemüt einen kleinen Zweikampf zwischen D e r s und Verst an d ausgefochten. Wenn man in der Lage ist, sich einen guten Erwerb zu verschaffen, dann spricht das Herz: Nun setz' dich zur Ruh', zieh' dich zurück und geh' m den fernen Westen, wo es schön ist. Da muß der Verstand dazu kommen und sagen: Hier gilt erst die Pflicht, dann das Vergnügen. Hier im Osten zu wirken, ist eine Verpflichtung gegen das Vaterland, gegen das Deutschtum und, wie der Polten nicht von seiner Wache weichen darf, so dürfen die Deutschen nicht aus dem Osten weichen: für jeben, fei er polnisch oder deutsch, der aber katholisch ist, möchte ich noch eins erwähnen: Als bei meinem letzten Besuch int Vatikan der greife Leo XIII. von mir Abschied nahm, da faßte er mich mit beiden Händen und, trotzdem ich Protestant bin, gab er mir feinen Segen mit folgendem Versprechen: Ich gelobe und verspreche Eurer Majestät im Namen all er Ka t ho- l i t en, die Ihre Untertanen find, sämtlicher stamme und jedes Standes, daß sie stets treue Untertanen b e § beu t- s ch en Kaisers und Königs von Preußen sein ^^en. Jn Ihnen, meine Herren vom Kapitel, wird es fein, das hohe Wort des großen priesterlichen Greises zur Wirklichkeit zu machen, auf daß derselbe nicht dereinst nach seinem Tode wortbrüchig wird dem deutschen Kaiser gegenüber. Meiner Mithilfe sollen Sie stets gewärtig bleiben. Deutschtum heißt Kultur, Freiheit für jeden in der Religion sowohl, wie inGesinnungundBetatig- ung. Auf die glückliche Zukunft von Gnesen setze ich den Pokal an. „ , „ .r ~ Um 7 Uhr 30 Min. erfolgte die Abreise des Kaisers nach Wilhelmshöhe.____________ Nr. 186 mundeten telegraphisch sein Beileid ausdrücken lassem________ Kolonialpoft. Hamburg, 9. Aug. An Bord des Dampfers .Eleonore Wörmann" sind heute neun Reichstagsabgeordnete, nämlich Frhr. v. Richthofen, v. Böhlendorff, Arendt, Hagemann, Günter, Fries, Semler, Goller und Storz, nach Afrika abgereist zum Studium der Bedürsniffe der Kolonien. Aus Stadt und Kaud. Gießen, 10. August. ** Einbruch. Ist der verflossenen Rächt wurde in einem Geschäftshause in der Alicestraße eingebrochen und ein Geldbetrag von 15 Mk. gestohlen. Dringend verdächtig ist ein Italiener, welcher in dem betr. Hause stets verkehrte, in letzter Zeit aber arbeitslos war und seit heute verschwunden ist. Eronberg, 9. Aug. Die Begegnung des Kaisers mit dem König von England findet, wie der „Cronb. Anz." berichtet, auf Schloß Friedrichshof statt.. Schon vor der Abreise des Prinzen Friedrich Carl von Hetzen nach Schloß Adolsseck vor etwa drei Wochen verlautete, daß nach der Rückkehr der Herrschaften, welche am 14. resp. am 15. August erfolgt, aus dem englischen Königshause Besuch zu erwarten sei. Da nun die griechischen Herrschaften am 19. d. M. ncm) der Heimat zurück^hren, ist es wahrscheinlich, daß König Eduard die Gemächer bezieht und der Kaiser aus Wilhelmshohe hierher kommt. (Trotz dieser so bestimmt lautenden Meldung ist die Nachricht nur mit größter Vorsicht aufzunehmen. D. Red.) "Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Ein vom Großh. Kurdirektor m Bad- Nauheim veranstaltetes Wohltätigkeitskonzert, bei dem die russische Vokalkavelle Nadina Slavianski konzertierte, ergab eine Einnahme von 1300 Mk. Dieser Betrag wurde vom Kurdirektor dem Bausands für Errichtung einer russischen Kapelle in Bad- Nauheim überwiesen. — In der Gaskronenfabrik Lußmann in Frankfurt a. M. sind bedeutende Unterschlagungen entdeckt worden. Vier Personen wurden verhaftet. — Z" der am Sonntag, den 13. August stattftndenden Enthüllung des den Kriegern von 1870/71 gewidmeten Denkmals in Viernheim hat der Großherzog von Hessen sein Erscheinen zugesagt. 4l,.% Oesterr. Silberrento . 101.30 - ~ 97.65 Märkte. fc. Frankfurt a. M., 10. Ang. (Telegr. Orig.-Bericht deS „Gieß. Auz."f. Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verkaufe standen: 28 Ochsen, 000 aus Oestreich, 3 Bullen, 0 aus- Oestreich, 60 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder 0 aus Oestreich, 000 Kälber, 000 Schafe und Hämmel, 000 Schweine, 0 Ziegen, o Ziegen-, 0 Schaslämmer. Bezahlt wurde für 100Pfund Schlachtgewicht- Ochsen 1. Qualität 75—80'litt., 2. Qual 68—70 Mk., 3. Qual. 64—66Mk.; Bullen l.Qual. 63 bis 65 Mk., 2. Qual. 60—63 Mk.; Kühe 1. Qual. 70—72 Mk., 2. Qual. 64—66 Mk., 3. Qual. 50—52 Mk, 4. Qual. 47—49 Mk., 5. Qual. 00—00Mk. Kälber: l.Qual. 83—87 Psq., Lebendgewicht 45—48 Pf., Heute früh 31 /2 Uhr entschlief nach langem, schwerem Herzleiden im Alter von 56 Jahren mein innigstgeliebter Mann, unser guter Vater, Bruder, Schwiegersohn, Schwager und Onkel Dr, phil. Edluardl RiolEy Hauptmann a. D. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem uns betroffenen schweren Verluste unseres lieben Gatten, Vaters, Bruders, Schwagers.und Onkels Herrn Wilhelm Schmall III. und die liebevolle Pfteqe der evangelischen Schwestern, sowie für die aufopfernde Anteilnahme der Altersgenosten 1850/1900 während der langen Dauer der Krankheit, die trostreichen Worte des Herrn PkarrerS Schwabe am Grabe und für die zahlreichen Blumenspenden sagen innigsten Dank Die tieftrauerndeu Hinterbliebenen. Dies zeigen im tiefsten Schmerze an Charitas Molly, geb. Grieben Minna Molly Karl Molly, stud. phil. Dr. Hermann ThümmeL vermischtes. * Mit dem 'Automobil verunglückte, wie wir bereits gestern kurz meldeten, der Berliner Gynäkologe, Geh. Rat Prof. Dr. Bumm der Leiter der Frauenklinik der Charitö, auf einer Fahrt in der Umgegend Münchens, bei Wolfratshausen. Es liegt heute von dort über den Vorfall folgende Meldung vor: Geh. Rat Bumm fuhr mit ziemlicher Geschwindigkeit den berüchtigten Dorfener Berg herab, wobei er selbst steuerte. Das Automobil überschlug sich und die Insassen, Prof. Bumm. sein Neffe und der Chauffeur, wurden herausgeschleudert. Geh. Rat Dr. Bumm erlitt eine schwere Verletzung am Auge und sonstige Verwundungen am Kopfe. Der rechte Daumen ist gebrochen. Doch ist eine leichte Besserung in seinem Befinden cin- getreten. Er wird nach München gebracht. Am Samstag hatte Prof. Bumm mit seiner Familie Berlin verlassen und sich nach München zu seinem Bruder begeben. Seine Fahrt im Automobil sollte ihn an den Bodensee nach Langenarche führen, wohin die Gattin nebst den Kindern mit der Eisenbahn abgereist war. Am Bodensee hat sein Schwiegervater, der an der Würzburger Universität lehrende Geh. Rat v. Leube, eine Besitzung, das Schloß Montfort, und hier wollte die Familie bis zum Herbst verweilen. Den Selbstfahrer, auf dem ihm der Unfall begegnet ist. pflegte der Geheimrat auch in Berlin oft persönlich zu steuern. * Kleine Tag eschrvnik. Auf den Rehbergen bei Be r- lin hat sich am Mittwoch beim S chieß er erzi er en der dritten Kompagnie des 4. Garderegiments ein Unfall ereignet. Der neun Jahre alte Sohn des Arbeiter Jabn, der mit anderen Kindern etwas abseits auf den Sandhügeln spielte, brach plötzlich mit einem Aufschrei zusammen. Er hatte einen S chu ß in be ide Oberarme erhalten. Die Schüsse hatten sich vorn Exerzierplatz verirrt. Der Verletzte wurde in ein Krankenhaus gebracht. — In einem Hotel in Berlin sind ein Student der Chemie aus Blankenburg am Harz und ein ftmges Mädchen aus Braunschweig aus unglücklicher Liebe gemeinsam in den Tod gegangen. — In Köln 'stieß ein in schneller Fahrt befindliches Automobil des Betriebsleiters Peters mit entern Möbelwagen zusammen. Der Chauffeur wurde vom Wagen geschleudert und mußte in das Hospital gebracht werden, wo er in der verstossenen Nacht starb. Die Insassen des Automobils trugen gleichfalls schwere Verletzungen davon. Arbeiterbewegung. Berlin 9. Aug. In der letzten Generalversammlung des Verbandes der städtischen Arbeiter wurde mit aller Bestimmtheit erklärt, daß ein M a s s e n st r e i k der G a s a r b e i t e r der Stadt Berlin in Aussicht stehe, wenn die Direktion der Gaswerke nicht bald den Achtstundentag, der in einer Reihe deutscher Städte einqesührt ist, bewilligen werde. Die Vorbereitungen dazu seien im vollem Gange. 2. Qual. 75—80 Psg., Lebendgewicht 44—47 Psg., 3. Qual 00—00 Psg., Schlachtgewicht 60-63Psg., Schale: l.Qual. 72-74 2. Qual. 64—66 Psg., 3. Qual. 00—00 Psg.: Schweine 1. Qual, 73—00 Pfg., Lebendgew. 74.50 Psg., 2. Qual. 73 Psg., Lebendgewicht 57.00-00 Pfg., 3. Qual. 66—68 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg.' Geschäft mittelmäßig, Ueberstand unbedeutend. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Freitag, ben 11. August 1905: Kühler, zeitweise wolkig, nur geringe Niederschläge, noch vereinzelt Gewitter. Näheres durch die Gießener Wetterkarte. Kriqinat-Draülmcldunaen. Wilhelmshohe, 10. Aug. Der Kaiser ist heräe morgen um 8 Uhr hier eingetroffen. Köln, 9. Aug. Die „Köln. Ztg." stellt gegenüber den aus London verbreiteten Gerüchten über eine Anleihe von 21 Millionen, die Deutschland angeblich Marokko geben will unter Verpfändung von Liegenschaften, die unter Umständen auch einen politischen Wert haben könnten, fest, daß es sich nicht um eine Anleihe handelt, die Deutschland an Marokko gibt, sondern um ein Privatgeschäft des Sultans mit deutschen Banken. Der Betrag ist nicht 21 Millionen, sondern nur 10 Millionen. Die deutsche Regierung hatte keinen Anlaß, anderen Regierungen gegenüber aus diesem Geschäft deutscher Banken ein Geheimnis zu machen und insbesondere ist die französische Regierung unterrichtet, daß der Sultan für diese 10 Millionen-Anleihe keine politischen Zugeständnisse gemacht hat, und daß sie von ihm auch nicht verlangt worden sind. Zur Sicherung der Anleihe wurde eine Anzahl dem Sultan gehöriger Grundstücke verpfändet. Die ganze Anleihe trägt den Charakter einer vorübergehenden Finanzmaßnahmc, die auf Grund augenblicklicher Bedürfnisse getroffen wurde. Wenn die Konferenz an die Regelung der marokkanischen Finanzen herantreten wird, wird möglicherweise das endgiltig aufzustellende Fi- nanzprogramm auch die Rückzahlung dieser Anleihe be- sttmmen. Bochum, 10. Aug. Auf der Straßenbahnstrecke Bochum-Wattenscheidt stieß ein Fahrgast, der mit falschem Gelde bezahlen wollte, dem Schaffner, der ihn zur Rede stellte, mit dem scharf geschliffenen Messer in den Unterleib und verletzte ihn tätlich. Der Täter wurde verhaftet. Potsmouth (New Hampshire), 9. Aug. Die heutige Konferenz der Friedensunterhändler währte etwa eine ffaTbc Stunde. Man kam dahin überein, daß das Protokoll französisch und englisch abgefaßt werden solle, und daß diese beiden Sprachen gemeinsam während der ganzen Verhandlung zur Anwendung kommen sollen. Wegen nachträglicher Acnderung seines vorgewiesenen Beglaubigungsschreibens, welches für genügend befunden wurde, gab Baron Komura eine Erklärung über den Inhalt seines Beglaubigungsschreibens und erbot sich, unverzüglich nach der amtlichen Abschrift seines Beglaubigungsschreibens zu schicken, welche er nicht mitgebracht hätte. Witte versicherte ihm, dies wäre unnötig, das Beglaubigungsschreiben könnte morgen beigebracht werden. Die Er- klärungen des Barons Komura über sein Beglaubigungsschreiben wurden als genügend angesehen. Dieser, kleine Zwischenfall wird vielfach besprochen: aber von zuständiger Seite wird mitgeteilt, daß Baron Komura im Ernst der Meinung war, es würden bei der heutigen Sitzung keine Formalitäten erledigt werden, und daß er deshalb sein Beglaubigungsschreiben für unnötig geholten hätte. Diese Ansicht war erklärlich in ^knbetracht der Formlosigkeit, mit der die Vorverhandlungen ins Werk gesetzt wurden. Die Bevollmächtigten waren so davon überzeugt, daß die beiderseitigen Vollmachten ausreichend sind, daß sie den Austausch der Beglaubigungsschreiben als eine tatsächlich schon vollzogene Formalität ansehen. Einer der Bevollmächtigten erklärte später, die Konferenz sei bisher befriedigend verlaufen. ""Telephonischer ^.cwsbericM. «• , 9. August 1905. ■■w’-’rr* M W W D P G &. M --4M ;J , Unterfertigter C. C. erfüllt hiermit die traurige Pflicht, seine liehen a. H. a. H. und auswärtige i. a. C. B. i. a. C. B. von dem am Sonntag, ‘dem 6; d. Monats erfolgten Ableben seines lieben a. H. P” Julius Sünde Schriftsteller zu Berlin D‘7. geziemend in Kenntnis zu setzen. Der C. C. des? Teutonia Einladung zur Hauptversammlung des Deröandes Wittelrhein. Holiisbitduugsvereine am Sonntag, dem 20. August 1905 zu Nidda in Krafts Saalbau. Verwandten und Freunden hiermit die schmerzliche Mitteilung, dass heute mittag 1 Uhr nach kurzem, aber schwerem Leiden unsere liebe, gute Tochter und Schwester im Alter von 22 Jahren sanft dem Herrn entschlafen ist. Hausen, den 9. August 1905. 4175 Die Beerdigung findet Freitag, den 11. August, nachmittags 3 Uhr in Hausen statt. Die trauernden Hinterbliebenen Familie Höll. N-rlMikt ££ in Nübel. Dienstag den *££♦ August l. I. findet dahier ein Biehmarkt aller Gattungen nebst Ziegenmarkt und Ziegenprämiierung statt, wozu Interessenten freundlichst eingeladen werden. Anfang 7 Uhr morgens. Der Auftrieb geschieht nur von der Brücke aus. Mit dem Markte ist eine Prämiierung der schönsten aufgebrachten Tiere, sowohl von Händlern, wie von Selbstzüchtern, sowie eine Verlosung von Kühen, Rindern, Schweinen und brauchsgegenständen verbunden. Letztere findet auf bent Marktplatze statt. Wir gestalten uns noch, darauf aufmerksam zu machen, daß fich der Markt seither eines wachsenden Zuspruches zu erfreuen hatte und laden daher zu recht zahlreichem Besuch hiermit ergebenst ein. nio/ Das Komitee. Todes-Anzeige. Marie Danksagung Giessen, den 10. August 1905, 4185 Für die herzliche Teilnahme an dem uns so schwer getroffenen Verluste sagen innigen Dank Chr. Pfaff und ... Schluss meines I. Septembers Frasi^ lieomeier Sonnenstrasse 20/22. «so Sonnenstrasse 20/22. PAi . Allbekanntes erstklassiges deutsches Bad. Handlungen und Niederlagen an allen besseren Plätzen. Panther-Fahrradwerke, HifMirf Ifi. 11V', j Ingenieurschule zu Mannheim 1 Programme kostenlos. Einmachsässer (weingrün). L= Kohüermamv, öüierci. 13971] Bleichstr. 12. Kolzliesermg. Die Lieferung des Holzbedarfes unserer Gruben soll für die Zeit voin 1. Januar 1906 bis 31. Dezember 1906 vergeben werden. Die Lieferungsbedingungen, sowie das Verzeichnis der Holzsorten und der ungeiähren Be° darfsmengen können auf unserem Bureau hterselbst eingesehen oder auch von uns bezogen werden. Angebote auf beu ganzen Bedarf ober für bert Bedarf einzelner Grtiben ober auf die Lieferung bestimnlter Holzarten sind in ver- schlofsenen, mit der Aufschrift „Holzlieferung" versehenen Lrief- uinschlägen bis spätestens den 24. August 1905 bei uns einzureichen. d9/9 Weilburg, den 9. August 1905. KrnPP'sche Bergvcrwattuug. Metaha. Montag, Mittwoch u. Freitag 3576 von 9 Uhr ab. Hofbäcker 6äol5. NtUWkflckPll! Wetteraucr la., Perle von Erfurt Mk. 3.50, Frührofen Mk. 3.25 pro Zentner inkl. Sack versendet gegen Nachnahme Ludwig Erb, 4066 Echzell in der Wetterau. Vormittags 11 Uhr: Geschäftliches. Nachmittags 2V4 Uhr: Oeffentlicher Vortrag des Herrn Generalsekretärs Tews (Lehrer aus Berlin) über: „Aufgaben der Bildungsvereine". Darnach gemütliches Zusammensein, gemeinsames Mittagessen, später gemeinsamer Spaziergang nach Salzhausen. Jedermann, auch Nichtmitglieder, find freundlichst zum Besuche dieser Hauptversammlung emgeladen. Anmerkung: Wer sich an dem Mittagessen (das trockene Gedeck 2 Mk.) beteiligen will, möge dies bis zum 18. August Herrn Lehrer Hotz zu Nidda mitteileii. Der Ortsausschuß! Der Vorsitzende: Römhelb, Oberamtsrichter. Erk, Landtags» abgeorbneter. Hermann, Pfarrer. Höhn, Hauptlehrer. Hotz, Lehrer. Dr. Koch, prakt. Arzt. Korf mann, Steuerkommissar. Küfer, Lehrer. Münch, Apotheker. Roth, Bürgermeister. Scllheim, Amtsrichter. Werner, Pfarrer. Dl0/. Neue Kartoffeln la. Wetlerauer Ware Mk. 3.25, gelbe Perle von Erfurt Mk. 3.50 per Zentner geg. Nachn. [3728 A. Simon BL Echzell i. d. Wctterau. NeiielM. VHmM per Stück 6 Pfennig. Neue Minierte Wringe per Stück 8 Pfennig. 10 Stück 75 Pfennig. Nene Sch- uni> Ejsiggnrle» per St. 5 Pfg., 10 St. 45 Pfg. empfiehlt 4173 C. 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