Mittwoch 8. Februar 1905 155t Jahrgang Irrstes Blatt. Die yerttlge Nummer umfaßt 10 Seiten. unter st Ütze n. zählig cm. ■k Stimmen der Bevölkerung. Der Ausschuß der Gesellschaft für soziale Reform in Gießen hat in diesen Taigen zur Bergarbeiterbewegung Stellung genommen und folgenden Beschluß gefaßt: I. In Erwägung, das; trotz der Bcreitwiftigkeit der Vertreter der Bergleute zu Verhandlungen mit den Zechenbesitzern über die Beseitigung der von ihnen hervorgehobenen Mißstände, trotz der angebotenen Vermittlimg der Königlichen Behörden, die Führer des Bergbaulichen Vereins jede Verhandkmg vor Wiederaufnahme der Arbeit leitens der ausständigen Belegschaften abgelehnt haben, in Erwägung daß, wenn auch die Verletzung des formalen Rechts durch Nichteinhaltung der Kündigungsfrist nickt zu billigen ist, die Berechtigung dieses Vorbehalts nicht anerkannt werden kann gegenüber der ungeheuren Wichtigkeit der Beilegung des Ausstandes und gegenüber den vielfachen Umständen, die mit Reckt an gefüllt worden sind, als zu einer milderen Beurteilung der Verletzung des formalen Rechts führend, in Erwägung endlich, daß die in §§ 62 ff. des Gewerbegerichtsgesetzes enthaltenen Bestimmungen, insbesondere auch die im § 65 l. c. dem Vorsitzenden des Berg-Geiverbegerichts gegebene Befugnis, aus die Anrufung des Einigungsamts hinzuwirken und dieselbe den Beteiligten nahezul-gen, sich zur Herbeiführung von Verhandlungen zwecks Beilegung der entstandenen Streitigkeiten zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern als unzulänglich erwiesen l>aben, richtet die Gesellschaft für Soziale Reform an die Reicksregier- nng das dringende Ersuchen, sobald als möglich im Wege der Reicksgesetzgebung Mittel und Wege zu schaffen, um die Parteien vor Ausbruch eines Ausstandes oder Verhängrmg einer Aussperrung und im Verlaus derselben zu nötigen, vor dem Einigungsamt nicht nur zu erscheinen, sondern auch zu verhandeln. — II. In Erwägung, daß nur eine kraftvolle und umfassende Organisation die Vertretung der Arbeiterinteressen mit Ueberlegung und Erfolg in die Hand nehmen kann und zugleich allein Bürgschaft bietet gegen übereilte Ausstände und Niederlegung der Arbeit ohne Einhaltung der vereinbarten Kündigungsfrist, sowie für den sachlichen Abschluß und die Einhaltung von Tarifverträgen, die als das wirksamste Mittel zur Wahrung des Friedens im Arbeits- verhältnis anznsehen sind, in fernerer Erwägung, daß die Behauptung, die Organisationen der Bergarbeiter hätten im Ruhrgebiet vollständig veriagt, nickt als zutreffend anerkannt werden kann da die bisher festgehaltene Ordnung und ruhige Haltung der Arbeiter, sowie die sofortige Aufstellung bestimmter und klarer Forderungen lediglich den Organisationen zu danken ist, deren Fehlen im Jahre 1889 das Gegenteil bervorgerufen hat, in Erwägung endlich, daß die Vertreter der Zechen an dem Standpunkt festhalten, daß „Vereinbarungen auf Grund der Bestimmungen der Arbeitsordnung nur Sache der einzelnen Zechen ocrwalt- unq und des einzelnen Arbeiters sind", daß sie überhaupt der Bildung von Arbeiterorganisationen en tg eg en treten mit der Be- „i-ünduna daß „die Gewerkvereine bei dem Mangel wirklich positiver Biete statt das Verhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu verbessern, dieses weiter zu vergiften suchen werden", ricktet die Gesellschaft für Soziale Reform an die Reichsregierung das dringende Ersuchen, sobald als möglich durch die Gesetzgebung des Reichs die Hindernisse aus dem Wege zu räumen, welche der Ausbildung und der Wirksamkeit der Arbeiter--Berufsvereine im Wege stehen, und dabei Bestimmungen vorzusehen, welche bte Arbeitgeber veranlassen, mit den Arbeiter Berufsvereinen als Vertretern der in ihnen organisierten Arbeiter zu verhandel» — auf mehreren Linien Kohlenzüge in der Richtung Münster über Maxau ausfallen zu lassen. Es betrifft dies in erster Linie den Ruhrkohlentransitverkehr nach der Schweiz und Italien. Darunter befinden sich hauptsächlich Transporte für die Gotthardbahn.. Das Zwickauer Kohlenrevier erreichte am 25. Januar mit 9210 Tonnen Versand eine bis jetzt noch nie dagewesene Ziffer. Die Kohlenvorräte sind dort so gut wie völlig geräumt. Die Ruhe der Streikenden. J!n den Berichten über die Streikbewegung im Ruhr- kohlenrevier wird immer wieder anerkannt, daß trotz der aufs höchste gespannten Erregung die Rübe und Ordnung in nennenswerter Weise nicht gestört wurde. Wie erklärt sich das? Ein Erklärungsgrund, vielleicht der wichtigste, liegt darin, daß derjenige Faktor, welcher in Zeiten leiden- chaftlicher Spannung die allermeisten Ruhestörungen verursacht, nach Kräften ausgeschaltet wird: der Alkohol. Sämtliche Arbeiterführer, ob sie zu den christlichen oder den Hirsch-Dunckerschen Gewerkvereinen oder zu den Gewerkschaften zählen, geben bei jeder Gelegenheit die Parole aus: Achtung vor den geistigen Getränken! Fort mit der Schnapsflasche! Euer größter Feind ist der Alkohol!. Die Behörden unterstützen diese Mahnung dadurch, daß früherer Schuß der Wirtschaften, vickfach 8 Ubr, spätestens 10 Uhr, angeordnet und der Schnapsverlauf über die Straße völlig verboten wird. Und die Arbeiterschaft selbst sieht die Richtigkeit dieser Ratschläge und dieser Maßnahmen ein. Bei diesem Sachverhalt ist es erklärlich, daß ein angesehener Arzt im Ruhrkohlenrevier schreibt: „Der Streik wird für die Antialkoholbewegung von voraussichtlich enormem Nutzen sein." Die Zurückhaltung der Börse und das Sinken der K o h l e n a kt i e n hat schon wieder aufgehört. Die Hoffnung auf Wiederaufnahme der Arbeit ist in Börsenkreisen wieder bedeutend größer. Es sind die Aktien der Gelsenkirchener Gesellschaft um gut 2 Prozent gestiegen und die der Harpener Gesellschaft desgleichen, während Concordia ihren Rückgang fortsetzten. Tas Ende des schlesischen Streiks. Der preuß. „Stcratsunz." meldet: Aus den oberschlesischen Staatswerken fuhren am 6. Februar die Belegschaften wieder vollzählig an. Aus den Privatwerken waren am 6. Februar auf dem Hillebrandschachi 330 von 450, heute auf Gottessegen (Aschenbornschacht) 235 von 601, auf den drei Schächten der Gewerkschaft Charlotte bei Czernitz (Bergrevier Ratibor) 600 von 2000 Bergarbeitern ausständig. Im Waldenburger Bezirk fuhren am 6. Fcbr. auf den Gruben der schlesischen Kohlen- und Kokswerke in Gottesberg von 2543 nicht an 1630. In Neurode ist die Streiklage unverändert. Auf den übrigen Gruben des Bergreviers Ost-Waldenburg fuhren die Belegschaften voll- III. In Erwägung, daß es nicht nur im Interesse der Parteien! sondern auch im Interesse der Volkswohlfahrt und des Vaterlandes dringend erwünscht ist, dem Ausstand sobald als möglich ein Ende zu machen, in Erwägung, daß bei der Mlehnung von Verhandlungen seitens der Vertreter der Zecken nur der schleunige Erlaß von gesetzlichen Bestimmungen zur Regelung der Arbeitsbedingungen, welche im wesentlichen den Forderungen der Bergarbeiter Recknung tragen, zur Beendigung des Ausstandes fuhren kann, begrüßt die Gesellschaft für Soziale Reform bte Avpcht der Königlich Preußischen Staatsregierung, einen entsprechenden Gesetzentwurf in kürzester Frist dem Landtage vorzulegen, weil ihre Initiative am schnellsten zu dem gewollten Ziele führen rann. Verstärkt würde der Eindruck eines solchen Verfahrens. dadurch werden, daß die in Aussicht genommenen Reformen sofort nach vorhergehender Verhandlung mit der Siebener-Kommission der Bergleute und mit Vertretern der Belegschaften. auf.den fiskalischen Gruben eingeführt würden. Tabei betont die Gesellschaft für Soziale Reform, daß 'sie an sich die Regelung der Arbeitsverhäft- nisse in den Bergwerken durch die Reicksgesetzgebung wünscht und daß verfassungsmäßige Bedenken gegen diesen Weg nicht vorliegen. Tieselben Gründe, welche das Reich dazu geführt haben, die Arbeiterschutzbestimmungen für die sonstigen Arbeiter durch seine Gesetzgebung einheitlich zu treffen und einen Teil derselben auf die Bergwerke auszudehnen, sprechen auch dafür, das ganze Bergarbeiterverhältnis durch das Reich zu regeln. Dre Gesellschaft für Soziale Reform erwartet deshalb, daß das für den! Augenblick in Aussicht genommene preußische Gesetz nur einen Schritt bedeutet aus dem W-^e zu einer umfassenden Bergarbetter- gesetzaebung durch das Reick. Darmstadt, 7. Febr. In der hiesigen Kurgerschast hat sich ein Komitee gebildet, das einen Aufruf gunsten der streikenden Bergarbeiter erlaßt und zu einer Sammlung auffordert. Die Kundgebung trägt die Unterschrift zahlreicher namhafter Persönlichkeiten auS allen Kreisen der Bevölkerung und aus den verschiedenen bürgerlichen Parteien. Unter den Ncmren sind die Do- zentenderTechnischenHochschuleundderGeist- lichkeit besonders stark vertreten. Frankfurt cl M., 7. Febr. Der Demokratische Verein hielt eine Versammlung ob, in der Rechtsanwalt Kohn über den Ausstand der Bergarbeiter im Ruhrrevier referierte. Folgende Resolution gelangte zur Annahme: „Tie heutige vom Demokratischen Verein zu Frankfurt a. M. einberufene öffentliche Versammlung erblickt in dem Ausstande der Ruhrbergleüte einen Akt der Notwehr gegendieHer- rengelüste her Bergwerksuntern ehm e r; sie sprichst den streikenden Arbeitern die volle Sympathie in ihrem Kampf und Anerkennung ihrer Organisation und Erlangung gerechter Arbeitsbedingungen aus und erwartet, daß die gesetzgebenden Faktoren in Preußen schleunigst den stärksten Beschwerden! ab helfen und weiter Sorge tragen, damit die bergbaulichenj Verhältnisse so geregelt werden, wie es das öffentliche Interesse, zwingend fordert." „ , , , , Die demokratische Fraktion hat bei der Stadtverord^ netenversammlung den Antrag eingebracht, die Streiken-^ den mit 15 000 Mark imxS1 städtischen Mitteln Ml Pie Ereignis in Kurland. Falsche Gerüchte vom Zaren und Gorki. Die Petersb. Telegr.-Ag. meldet heute: Die auswärts! verbreitete Nachricht, der Kaiser habe in seinen Privat- gemächern in Zarskoje Sselo einen cm ihn gerichteten Drohbrief ausgcfunden, entbehrt jeder.Begründung. Ebenso unbegründet ist, daß Maxim Gorkr aus der Haft entlassen worden sei. Einem Berliner Blatte wird gemeldet: Gorki totrfr in der Peter-Pauls-Festung in strengster'! Einzelhaft gehalten. Er wurde sogleich am Tage der Verhaftung von Riga nach Petersburg gebracht, mußte! Gefängniswäsche imb Gefängniskittel entlegen uno wurde in eine winzig kleine, mit Steinfließen ausgelegte Jsolier- zeUe eingesperrt. Der tägliche Spaziergang, der ihm er-- laubt ist, dauert eine Viertelstrmde. Am schwersten empfindet: Gorki das Verbot, si,chl geistig beschäftigen zu dürfen. Der' einzige An kl a ge pu nkt, der gegen ihn geltend zuf machen ist, ist seine T e iln ah m e an d er De pu tati on-> die am Vorabend des Petersbrrrger Blutbades, die Minister bat, nicht auf wehrlose, friedliche beiter schießen zu lassen. Der Mörder des ftnnischen Senatsprokureurs Johnsson ist, lvie die Untersuchung ergeben hat, ein ehemaliger Student der Petersburger Alexander-Universität Namens Lenard- Hohe n t h al. Derselbe verweigert jede Auskunft über das Motiv der Tat. Reformen des PreßgeseheS. Das Ministerkomitee hat beschlossen, zum Zwecke bet Revision der Zensur- und Preßyesetze und behufs Aufstellung neuer Gesetzentlv-ürfe über diese Gegenstände unter dem Vorsitz einer vom Kaiser gewählten Persönlichkeit eine Spezialkonferenz von in diesen Gegenständen erfahrenen Beamten, von Mitgliederir der kaiserl. Akademie der Wissenschaften, von hervorragenden Schriftstellern und von Vertretern verschiedener Departements einzusetzen. Ter Vorsitzende der Konferenz soll das Rech-tz haben, zu ihren Sitzungen Personen heranzuziehen, vow denen man nützliche Informationen erwarten kann, wie auch Vertreter der Pr o v i ntzp res s e, ferner das; Recht, dem Staatsrate direkte Vorschläge zu machen. Das Ministerkomitee hat ferner beschlossen, schon vor der end- giltigcn Revision der erwähnten Gesetze das Recht des Ministers des Innern au fzuheben, wonach er das Einrücken von Bekanntmachungen in die Zeitum^ew verbieten kann, und ferner die gcgemuärtig bestehende Be- fugniis der Uebertragung einer Zeitung von einem R ed a k t e u r auf einen anderen, a b z u - schaffen. Auch hat das Ministerkomitce beschlossen, den Kaiser zu bitten daß Bücher, die dem Minister- komitee von den: Minister des Innern zum Zweck der Unterdrückung aus politischen Gründen überaebenj Nr. rr» drittlet iügNch außer Sonntag-. Dem (Siebener Anzeiger werden im Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Giehener Familien' Hättet viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag bet Brü h l'schen Univers.-Buch-u. Stein- bruderet. Ä. Lange. Redaktion, Exvedttio« und Druckerei: Schulstratze 7. Adresie Mr Depeschen: Anzeiger Gietzeu. Fernsprechanschluß Nr. 51. Die DergarßeiterKcwi'gnng. Zum Berg-Rotgesetz. Eine Auflösung des preußischen Abgeordnetenhauses bei etwaiger Ablehnung des Berg- Not gesetzes hmt die preußische Regierung, wie von unterrichteter Seite verlautet, bisher nicht in Erwägung gezogen. Es soll auch nicht in der Absicht des Grafen Bülow liegen, nötigenfalls einen Truck auf die preußische Kammer auszuüben durch Ankündigung eines berggesetzlichen Vorgehens von Reichs wegen. In dieser Hinsicht bleibt die Erklärung des Grafen Posadowsry bei der Erörterung der s/.eichsberggesetz-Resolution der Sozialdemokraten verbindlich. Man erwartet in Regierungskreisen, daß der preuß. Landtag beim Berg-Notgesetz nicht versagen werde. Insbesondere wird, abgesehen ckom Zentrum und den Freisinnigen, auf Unterstützung durch einen größeren Teil der Konservativen und Nationalliberalen gerechnet. Was durch das offiziöse Telegraphenbureau über den Inhalt des Notgesetzes veröffentlicht wurde, läßt diese Erwartung immerhin als gerechtfertigt erscheinen. Es dürrste sich tzegen die Neuerungen auch vom Standpunkt derer schwerlich etwas einwenden lassen, die bei dem Streik den „Kontraktbruch" der Bergarbeiter in den Vordergrund stellen zu müssen glauben. Denn es würde sich danach um die schleunige Beseitigung unbestreitbarer Mißstände handeln. Ein nation al liberaler Antrag im preuß. Abgeordnetenhause ersucht die Regierung um Mitteilung des Ergebnisses nach Beendigung der Erhebungen über die Arbeiter-Verhältnisse im Ruhrrevier. Tie Lage im Ruhrrevier. In den 18 Revieren oes Oberbergamtes Do-rtmund und auf Zeche Nheinpreußen waren am Dienstag 65 697 Arbeiter bei einer Gesamtbelegschaft von 261 517 Mann an gefahren ; mithin fehlten 195820 Arbeiter gegen- 196288 am Montag. Auf der Zeche Bruchstraße wurde bei der Lohnzahlung am Donnerstag im Gegensatz zu zahlreichen anderen Zechen den Arbeitern drei Schichten als Schadenersatz einbehalten, lieber den Eingang von Streikgeldern wird mehrfach Klage geführt. Tie „Bergarb.-Ztg." veröffentlicht einen Aufruf an die Streikenoen mit der Weisung, ruhig auszuharren und nur auf die Siebenerkommission zu hören. Ihre Anordnungen seien von allen Belegschaften streng zu befolgen. Wer einen T i s z i p l i n b r u ch begehe, werde nicht mehr als ^ur Organisation gehörig betrachtet und habe an drese keinerlei Anrecht mehr. Ter Berg bau verein hat sich telegraphisch, durch den Abg. Hirsch an die Regierung mit der Bitte um sofortige Veröffentlichung der amtlichen Protokolle über die Ergebnisse der königlichen Untersuch un g s ko m mission gewandt. Tie Frage wurde abschlägig beantwortet. lieber die Folgen bet Bewegung ist mitzuteileu, daß in Sü d d e u t s ch l a n d sich die Ko h len kn ap pH ei t nun re cht füh lb ar macht, namentlich für Gas- und Schmiedekohlen sowie Koks. Tie £ic Pfälzischen Bahnen sind durch, deu Streik gezwungen, Veliüsche Tagesschau. Besuch der Zarin m Darmstadt und Berlin? Wie wir gestern mitteilten, hat die Zarin als Chef des preußischen 2. Gardedragoner-Regiments diesem ihr lebensgroßes Oelbild geschenkt, und es wurde dem Regiment durch den Militärbevollmächtigten der russischen Botschaft, Oberst v. Schebeko, feierlich übergeben. 5>err v. Sche- beko hielt, wie uns heute aus Berlin gemeldet wird, hierbei eine Ansprache, in welcher er bemerkte, er sei beauftragt worden, Mm Regiment die Grüße der Kaiserin zu übermitteln und gleichzeitig in ihrem Auftrage zu sagen, die Kaiserin hoffe bestimmt, noch in diesem Frühjahr Gelegenheit zu haben, im Kreise ihres Offizierkorps in Berlin sich selbst davon zu überzeugen, ob ihr Porträt, zu dem sie dein Maler (F. A. v. Kaulbach in München), im vorigen Jahre in Darmstadt nur wenige Sitzungen gewähren konnte, auch ähnlich ausgefallen sei. Man darf aus dieser Aeußerung wohl schließen, daß die Zarin sich mit ihren Kindern schon in nicht ferner Zeit nach Darmstadt begeben und auf, der Durchreise in Berlin aufhalten wird. So schreibt unser Berliner Korrespondent wörtlich. Personen, welche Gelegenheit hatten, die russische Kaiserfamilie in ihrer Häuslichkeit in Tsarskoe-Selo während der allerletzten Zeit zu sehen, erzählen übrigens, wie unser Gewährsmann fortfährt, die Zarin sei seit den Ereignissen des blutigen Sonntags außerordentlich deprimiert. Die sonnige Heiterkeit ihres Wesens sei geschwunden und einer traurigen Stimnrung gewichen, die in der Angst und Auftegung um das Leben ihres Gatten und ihrer Kinder ihren Ursprung habe. Mle Berichte, daß der Zar und die Zarin sich der Gefahr der Lage und der Ungewißheit der Zukunft nicht bewußt seien und unbekümmert die Freuden ihres glücklichen Familienlebens genießen, sind, nach dieser Quelle, nichts anderes als planmäßig er-fundene und verbreitete Unwahrheiten. In Wirklichkeit sei die Furcht vor Attentaten als unheimlicher Gast im Alexander-Palast zu Tsarkoe-Selo eingezogen und habe alle Fröhlichkeit daraus verbannt. Man wird diese beiden Meldungen wie die meisten Nachrichten vom Zarenhofe mit größter Reserve aufzunehmen haben. Die gestrige Meldung von der Auffindung eines Drohbriefes im Arbeitszimmer des Zaren trug ja den Stempel einer bvmmbreiffen Erfindung am Kopse. Ve,«g»prei»r jQfr jOK monatlich 75Pt., viertel» Gießener Zimmer General-Anzeiger den poltt und tj Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen WWZ zeigenteil: Hans Beck. Kverdcn, der 5*11 ab einte b er Wissens ch af t en und 'anderen nnssensckmftlichen Instituten vor der Beratung ein g esch ickt lvcrben sollen. Me diese Beschliesse des RLuüsterkomiteeS sind vom Kaiser bestätigt toorbcit. Daö Mitglied des ReichSrats und korresponb. Mitglied der Wissenschaften Wirkt. Cteljemrrat Kobe k wird zum Vorsitzenden der «Lp^'zialkonserenz fiir die Umarbeitung der Menhir- und Preßgesetze ernannt. Zu Mitgliedern dieser Konferenz nmrbeii u. a. ernannt drei Senatoren, der Ge- InTfe des Ministers für Volksnufklärung Lnkianow, der Vizepräsident der Madernie der Wissenschaften Nikitin, der Akademiker Klinschewskki, das EtzrenMitglied der Akademie der Wissenschaften Koni, der Redakteur des „Graschdmnn", Fürst Mestscherski, der Redakteur der Zeitung „Kiewliauin", Professor Pichnow, der Herausgeber der Zeitung „Nowoje Wremja", Su worin. Der Vorsitzende der Spezialkonferenz zur Umarbeitung der Zensurgesetze sagte: pia disideria seien die Abschaffung der Präventivzensur für die Zeitungen und die Vereinigung der Zensur in der Hand einer Behörde, daher Abschaffung der geistlichen Zensur; das geistliche Ressort könne dann Vertreter in die Oberpreßverwaltung schicken. Arbciterschutzgesetzgebnng. Nach der „Petersb. Tcl.-Ag." bewogen die Ausstände den Finanzminister, dem Kaiser eine D e n k s ch r i f t zu unterbreiten über die dringende Notwendigkeit der Ausarbeitung von Gesetzen über die Arbeiterfrage.^ dllle Entwürfe des Frnanzminiftcrs wurden von dem Kaiser gebilligt und bem Ministcrkomitee übermittelt. Sie werden nunmehr auf legislativem Wege in Beratung genommen werden. Tie Pläne des FinMizministcrs sind folgende: Es ist notwendig, die gegenseitigen Beziehungen zwischen Fabrikanten und Arbeitern ausschließlich auf legislativem Wege zu regeln uud die Behörden zu nötigen, daß sie sich den Gesetzen gemäß verhalten. Tie Vorschläge des Finanzministers zur Regelung der Arbeiterftage teilen sich in vier Gruppen. Er hält es für nötig, den Arbeitern auf legislativem Wege das Recht zu geben, an den Maßnahmen zur Verbesserung ihres Loses mit zu wirken. Es sei ferner nötig, gewisse Organisationen zu genehmigen. Geplant sind zwei Typen von Organisationen: die eine betrifft die Hospital- und Krankenkassen mit ^3citiäg€ii der Fabrikanten sowie der Arbeiter und unter gemeinsamer Leitung durch Vertreter der Fabrikanten und gewählter Vertreter der Arbeiter. Ter andere Organisationstyp betrifft die Bureaus, bestehend aus Vertretern der Arbeitgeber und der Arbeiter fiir die Beratung und Lösung von Lohnfrayen und anderen Fragen inbetreis der Verbesserung der Lage der Arbeiter-. Ter Finanzminister hält es für möglich, die Arbeitszeit aus 10 Stunden bei Tage und bei Nacht herabzu- mindcru, er hält es ferner für möglich, einen Zeitpunkt fcstzusetzcu für die Einführung der Achstundenarbeit. Ten Fabrikanten könnte erlaubt werden, an Festtagen die Arbeiten anssühren zu lassen, sie müßten aber gehalten sein, den Arbeitern in jedem Monate vier Tage frei zu gehen. Zur Begrenzung der Ueberstundenarbeit müßten, um Mißbräuche zu verhindern, besondere Maßnahmen Qisgearbeitet werden. Nötig sei sodann eine Revision der Gesetzesparagraphm über Ausstände und Kontraktbruch. Gegeu- wärtig werde jeder Ausstand wegen der bestehenden Gesetze nicht vom ökonomischen Standpunkte aus betrachtet, sondern notwendiger Weise von dem Standpunkte, daß es sich um Verstöße gegen die soziale Ordnung und die Ruhe handle. Bei der Revision der gegenwärtigen Gesetze, meint der Minister, müsse man den w c st - europäischen Standpunkt sich zu eigen machen, daß jeder Streik, wenn er nicht von Uebertretungen begleitet ist, lediglich ökonomischen Charakters ist und unter gewissen Bedingungen die soziale Ordnung nicht bedroht. Schließlich betont der Minister die Notwendigkeit der Verbesserung der ärztlichen Hilfe für die Arbeiter. Tie Pläne werden von dem Ministerkomitee gleichzeitig mit der Frage ber staatlichen Versicherung erwogen. Ter neue Minister des Innern. Moskau, 7. Febr. Der Adel von Moskau, der Gouverneur und andere Persönlichkeiten begaben sich heute zu dem neuernannten Minister des Innern, Bulygin, um ihn zu seiner Ernennung zu beglückwünschen und ihm für die Gerechtigkeit und Humanität zu danken, die er 11 Jahre als Gehilfe des Generalgyuverneurs von Moskau bewiesen hatte. Gleichzeitig wurden dem Minister Heiligenbilder überreicht. Der Minister erwiderte, er sei ein Verteidiger der Gesetze geivesen und wolle e§ auch bleiben. Ich weiß, erklärte der Minister, welche schwere Verantwortlichkeit mein neues Aint mit sich bringt, aber ich werde Trost finden in den Heiligenbildern, da ich weiß, daß Moskaii mit mir ist. Tie Lage in Polen. Warschau, 7. Febr. In einigen Bäckereien und in anderen Etablissements, die die Arbeit wieder ausnehmen wollten, kamen mehrereMordtaten vor. Viele Personen wurden verhaftet. — Der Ausstand in Radom gewinnt an Ausdehnung. Dort wurden 20 Arbeiter getötet ober verwundet. — In Skaraischka gab es 2 4 Tote und 40 Verwundete. Die Menterci in Sewastopol. Paris, 7. Febr. Der Petersburger Korrespondent des »Petit Parisien" meldet, das Kriegsgericht von Sewastopol habe gestern in der Angelegenheit der Meuterei der Marinetruppen das Urteil gefällt, welche sich geweigert hatten, gegen die Aufständigen vorzugehen. 30 Matrose n seien zum Tode, die übrigen zu schweren Disziplinarstrafen verurteilt worden. Der Jnfant von Spanien in Berlin. Berlin den 7. Februar. Der Kaiser empfing heute am Anhalter Bahnhof den Prinzen Karl von Bourbon, Jnfant von Spanien. Rach sehr herzlicher Begrüßung fand die Vorstellung des Gefolges statt. Mit dem Infanten traf eine Osstziersdepu- tation des spanischen Dragoner-Regiments „Nurnancia" ein. Nach dem Pademarsch der Ehrenkompa.gnie begaben sich der Kaiser und der Jnfant in einem Galawagen mit Spitzreiter, eskordiert von einer Schwadron Gardekürassiere nach dem Schloß. Hier wurde der Jnfant mit Gefolge und Offiziersdeputation, int Beisein der hohen Hofchargen von der Kaiserin und den Prinzessinnen im Rittersaal empfangen. Die spanischen Herren überbringen dem Kaiser die Uniform eines Generalkapitäns der spanischen Armee und Kommandant des Regiments „Numaneia". Heute abend um 8 Uhr fand in der Bildergalerie des Schlosses große Tafel statt. An der Tafel nahmen der Reichskanzler mit Gemahlin und Staatssekretär Frhr. von Richthoseu teil. __ Der Kaiser verlieh dem Prinzen Karl von Bourbon den Schwarzen Adlerorden. Während der Festtafel brachte der Kaiser einen Trinkspruch anf d en König von Spanien und sein Haus aus. Der Jnfant erwie- dcrte in französischer Sprache mit einem Toast auf den Kaiser und die Kaiserin. H>arlnmeri1arisches aus Kellen. Eine neue Regierungsvorlage betr. den Neubau eines Gymnasiums einer Turnhalle und einer Direktorwohnttng zu Mainz. Der Vorstand des SchutzverbandeS Mainzer Hauseigentümer hat der zweiten Kammer eine Resolution überreicht, in der die schwersten Bedenken gegen das in dem Entwurf eines Gent e in d esieu e rg ese tzes niedergelegte Prinzip der Besteuerung der früher abzugsfähig getvesenen Schttlden von Haus- und Grundbesitz sowie im G e tv erbe betriebe ausgesprochen tuirb, die als eine das Rechtsgefühl verletzende Härte bezeichnet wird. „Nach heutigen wirtschaftlichen Verhältnissen ist die Existenz von Haus- und Grundbesitz imb die Möglichkeit eines dem industriellen Fortschritt entsprechenden Gewerbebetriebes ohne Kredit, also ohne Schulden, fast undenkbar, ja größtenteils unntöglich . . ."_________________________________________ Parlamentarisches aus dem Reiche. Berlin, 8. Febr. Tie Kommission des Abgeordnetenhauses für Volkswohlfahrt beendete, gestern abend die Be- ratungen über den Antrag Douglas auf behördliche Ein- rickitung eines Volkswohlfahrtsamtes. Die Kom- nussion beschloß einstimmig, die Staatsregierung möge ersucht werden, als behördliche Einrichtung möglichst bald zur Förderung der Volkswohl fahrt in Stadt uud Laird ein VolkSwohlfahrtSamt zu errichten bebufs ausgiebiger Mitwirkung des Laienelementes ihm einen ständigen Beirat anzugliedcrtt und hierbei die erforderlichen Mittel im Staatshaushaltsetat bereihiifteften. Zum neuen deutsch-russischen Handelsvertrag. Petersburg, 7. Februar. Heute fand im Eisenbahndepartement unter Beisein von etwa 200 Vertretern der Landwirtschaft unb verwandter Gewerbe eine Beratung über die Korntarife statt. Die Mehrheit sprach sich für die Aufrechterhaltung der bestehenden Differenzialtarife au.S unter Erniedrigung bei kurzen und Erhöhung bei weiten Entfernungen. Betreffend die Frage, ob eine Erniedrigung der Tarife auf grobe Kornarten, um der Erhöhung der Sätze im neuen deutschen Handelsverträge entgegenzuwirken, wünschenswert sei, sprach sich die Mehrheit ablehnend ans, weil dies geeignet sein würde, die Korn preise aus dem deutschen Markte zu erniedrigen. Viele sprachen sich für die Feststellung von Frachtpreisunterschieden zwischen groben Kornarten und Weizen aus. Die Frage der Aufrechterhaltung derselben Tarife für Mehl und Korn rief Meinungsverschiedenheit hervor. Der Krieg. Vom Kriegsschauplatz liegen neue Meldungen von Belang nicht vor. Ein Telegramm des General-Adjutanten Kuropatkin vom 7. d. MtS. meldet: In vergangener Nacht griff eine Abteilung der linken Flanke, bestehend aus 3 ögern und Kosaken unter dem Fürsten Magalow ein feindliches Dorf an und tötete 50 Japaner bei einem Bajonettangriffe. Gegen Morgen nickte japanische Infanterie vor. Da aber unsere Truppen ihre Aufgabe ausgeführt hatten, zogen sie sich zurück und machten hierbei einen Gefangenen. Aus russischer Seite kein Verlust. Es herrschen 20 Grad Kälte. „Daily Telegraph" erfährt aus Tientsin: Eine Abteilung jakutischer Kosaken fiel am 3. Februar ein Bataillon japanischer Infanterie an und machte 300 Gefangene. Sandepu wurde von den Russen geräumt. Einem Shanghaier Telegramm des „Daily Telegraph" zufolge xäu inten die Kosaken Hamjong in Rordo stkorea, in der Absicht, sich bei Eharbin zu sammeln, da sie die Ankunft Rogis mit dem japanischen Port Arthur-Kontingent fürchten. Es verlautet, die Russen verbrannten ihre Niederlagen bei Tongschin. Ein Telegramm aus Washington berichtet, daß der englische und deutsche Botschafter nacheinander mit dem Staatssekretär Hay konferierten. Obgleich jeder der Staatsmänner in Abrede stellt, wird doch behauptet, daß diese Unterredung wirklich stattgefunden habe und mit den Friedensverhandlungen in Zusammenhang zu bringen sei. Nach einer 9)Mbung aus Paris soll in dortigen amtlichen Kreisen erklärt werden, daß auch die Pacht des Königs von Griechenland, in der er zur Zeit des Nordsee-Zwischenfalles von Dänemark nach Frankreich fuhr, von den Russen befeuert wurde. AW HtnM und Lm'd. Gießen, den 8. Februar 1905. * * Dankschreiben J.J. K.K. H.H. des Großherzogs und der Großherzogin. Folgendes Schreiben I. K. H. der Großherzogin Eleonore ist Bürgermeister Heller in Lich zugegangen. Es hat folgenden Wortlaut: Schloß Romrod, 5. Februar 1905. Es ist mir Herzensbedürfnis, noch einmal dem Ausdruck zu verleihen, was ich mündlich auszusprechen bereits Gelegenheit nahm. Sie und alle Bürger Lichs, die mich durch ihre Gaben so erfreuten, sollen wissen, das'. Zeichen von Anhänglichkeit und Anteilnahme an meinem Glück mir gerade aus ihrer Milte, aus^ meiner engeren Heimat, besonders lieb und wertvoll sind. Seien Sie alle nochmals meines aufrichtigsten herzlichsten Dankes versichert und glauben Sie mir, daß Seine Königliche Hoheit der Großherzog meine Freude über so viele Beweise treuer Gesinnung von ganzem Herzen teilt. Eleonore. Se. K. H. der Groß Herzog bat an den Oberbürgermeister der Stadt Darmstadt, Morneweg, folgendes Schreiben mit der Bitte um Bekanntgabe gerichtet: Mein lieber O b c r b ü r g c r m c i ft c r! In frohem Gedenken an die jüngstvergangenen schönen Tage bitte Ich Sie, der Einwohnerscbast Meiner lieben Residenz Darmstadt Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin und Meinen herzlichen Tank zu übermitteln für die erhebende Weise, in der sie Meine geliebte Gemahlin bewillkommnet und ihre Freude über Unsere Vermählung bekundet hat. Die ganze Stadt bis in ihre abgelegenen Teile prangte im Festschmuck, und städtische Organe, Vereine ivie Privatpersonen wetteiferten, Uns Schönes und Gutes zu erweisen. Co ist Ihrer Königlichen Hoheit der Großherzogin schon in den ersten Tagen ihres Aufenthaltes die neue Heimat vertraut und lieb geworden, und mit frohem Herzen habe Ich wieder empfunden, mic treu und fest die Stadt Darmstadt sich ihrem Fürstenhaus verbunden suhlt. Indem Ich der Großherzogin und Meinen marinen Dank wiederhole, verbleibe Ich mit der erneuten Versicherung Meiner dauernden Fürsorge für das Wohl und Gedeihen Meiner getreuen Residenz Ihr wohlgeneigter Ernst Ludwig. • * Di e Simplizifsimn § - Asfärc. Vor einigen Tagen berichtete ein „Eingesandt" in unseren Blatte, daß ein hiesiger Wirt auf das Betreiben mehrerer Theologen den Sunplizissimus nicht mehr wie früher öffentlich auslegte. Der auS Gießen so oft falsch berichteten „Kl.Pr." in Frankfurt war indes darüber in unrichtiger Weise berichtet worden, so daß der Akademisch-Theologische Verein zu Gießen das Blatt um Ausnahme folgender Erklänmg ersuchte: Ter A k a d e rn i s ch - T h e o l o g i f ch e V e r e i n z u G i e ß e n erklärt die Mitteilung des Gießener Korrefpondenten der „Kl. Pr.", wonach der Verein irgend welchen Beschluß gegen den „Simpli- zissimus" und eine damit zusammenhängende Beeinflussung eines Gießener Wirtes veranlaßt habe, für eine gröblich c Unwa h r- beit, die auch der leisesten Veranlassung entbehrt, da der Akademisch-Theologische Verein zu Gießen eine derartige Ataßn ahme für prinzipiell töricht und unzweckmäßig h ä l t. D e r 2l k a d e m i s ch - T h e o l o g i s ch e Verein 3 u (Sieben. I. A.: Karl August Hell w i g. Kein Vernünftiger wird von dem Akademisch-Theologischen Verein etwas anderes erwartet haben. * * Der erste der angekündigten Vorträge aus der Altertumswissenschaft von Professor Bethe über „Griechenlands vorgeschichtliche Königspaläste" wird erst am Donnerstag, den 9. d§. Mts., um 8 Uhr stattfinden. (Siehe Annonce.) * * Vesitzwech^ el. Das früher Schneider'sche Haus wurde von Bauunternehmer Winn an den Elektrotechniker Christophersen für 35 000 Mk. verkauft. Laubach, 7. Febr. Der christlich-soziale Verein für Laubach und Umgegend hielt unlängst eine Versammlung in Ruppertsburg ab. Nach einem Vortrag von Pfarrer Nebel- Laubach und lebhafter Diskussion wurde folgende Resolution angenommen: „Die heutige Versammlung des christlich-sozialen Vereins für Laubach und Umgegend wünscht, daß das zu erwartende Gesetz ü b e r d i e K i u d e r a r b e i t in d e r L a n d w i r t s ch a s t und im Haushalt eine solche Gestalt bekomme, daß es keinem der dabei interessierten Teile, weder der Landwirtschaft und dem Haushalt, noch dem Kinde verhängnisvoll, sondern wirklich praktisch und segensreich werde. Sie erachtet deshalb für notwendig, daß in dem Gesetz die unten angegebenen Gesichtspunkte gewahrt werden unb bittet deshalb in diesem Sinne wirken zu wollen: 1. Das Gesetz muß von der Ucberzengung ausgehen, daß die Kinderarbeit für die Landwirtschaft, namentlich für bäuerliche Betriebe, sowie für das Haus unentbehrlich ist. 2. Ebenso muß das Gesetz von der Ueberzeugung ausgehen, daß die Älrbeit auch für das Kind unentbehrlich ist, indem sie ein wichtiges Erziehungsmittel ist und sich lohne, daß sie von ft ein auf geübt wird, Lust und Liebe sowie Kenntnis der landwirtschaftlichen Kinderarbeit die schon bestehende Landflucht in erschreckendem Maße befördern würde. 3. Das Gesetz muß u n t e r s ch e i d e n zwischen eignen und fremden Kinder n und am besten sich auf die gegen Lohn beschäftigten Kinder beschränken. Mindestens muß es den Eltern in der Beschäftigung der eigenen Kinder bei: weitesten Spielraum lassen. 4. Das Gesetz muß unterscheiden zwischen ber Beschäftigung im Haushalt in Klein- unb Großbetrieben. Für letztere sind schärfere gesetzliche Regelungen am Platze und möglich, als für erstere. 5. Sonntagsarbeit und Beschäftigung während ber Schulzeit muß gänzlich verboten werden, Notfälle natürlich ausgenommen, ebenso ist Abgabe von Spirituosen zu verbieten. 6. Für Beschäftigung während der Ferien muß größerev Spielraum gewährt werden. 7. Das Gesetz muß sich hüten, tief in die Verhält-, nisse d e r L a n b w i r t s ch a f t einzugreifen, da sie eine Erschütterung dlirchaus nicht vertragen kann, es »hat sich vielmehr auf w i r k l i ch n ö t i g e S ch u tz m a ß r e g e l n zu beschränken.. Die für gewerbliche Beschäftigung des Kindes nötige Arbeitskarte, werde nicht eingeführt. 8. ES muß auf die besonderen Verhältnisse der Landwirtschaft Rücksicht genommen werden, wo sich nicht alles so genau be- stimmen und regeln läßt, wie im Gewerbe. 9. Die Schule werde mit ber Kontrolle über die Durchführung bes Gesetzes v e r s ch 0 n t unb ihre Mitwirkung ba- rauf beschrankt, daß sie das Recht auf Antragstellung des Verbots der Beschäftigung für ein Kind hat, wenn sie besondere üble Folgen derselben wahrnimmt. Bad-Nau heim, 7. Febr. Einen recht unterhaltenden Abend hatten die Mitglieder des Militär-Vereins „Hassia" gelegentlich der am 4. Februar in der Turnhalle abgehaltenen, zahlreich besuchten Monatsversammlung. Oberlehrer Storch von Butzbach, ein geborener Bad-Nauheimer, als begabter Redner unb Volksdichter bekannt, sprach über die Geschichte der Stadt Straßburg, jener Perle am Rhein, welche im Laufe der Zeit so manche Wandelung durchgemacht hat. Der Vortragende führte die Zuhörer in die Perioden der Entstehung der Stadt Straßburg zurück und schilderte dann in geschickter Weise den historischer Wendegang dieser nr- deulschen Stadt durch die Jahrhunderte hindurch bis zu deren. Schreckenstage im Jahre 1870 und ihrer Wiedereinverleibung mit dem deutschen Reiche. Reicher Beifall lohnte den Redner für seinen ergreifenden und schönen Vortrag. Darmstadt, 7. Febr. An der Ecke der Saalbau-und der Sandstraße stieß gestern abend gegen 11 Uhr ein Motorwagen der elektrischen Straßenbahn mit einem Offiziers- fuhrwerk zusammen. Von den beiden Insassen des letzterem wurde Hauptmann Bürger vom 61. Feld-Artill.-Negiment schwer, Rittmeister Schörke vom 23. Dragoner-Regiment leicht verletzt. Hauptmann Bürger mußte ins Militär- l azareth gebracht werden. j. Kinzenbach, 7. Febr. Der Kaninchenzucht- Verein für Kinzenbach unb Umgegend gewinnt immer mehr Mitglieder, ein Beweis, daß der Kaninchenzucht großes Interesse entgegengebracht wird. Gelegentlich des am 28. Januar b. I. stattgehabten Kaninchenessens traten bem Verein wieder 6 Mitglieder bei und der Verein hat nun schon über fünfzig Mitglieder. Daß unsere Mitglieder auch wirklich die Kanin- chenzlicht verstehen, zeigten die vielen Preise, welche unsere Mitglieder seit des 1 ^-jährigen Bestehens des Vereins erworben haben. ?luch bei der am Sonntag in Saalfeld stattgehabten Ausstellung erhielten unter starker Konkurrenz folgende Mitglieder Preise: Herr Konrad Stroh, Kinzenbach, einen 2. Preis auf Silber-Kaninchen, Herr Philipp Hederich, Kinzenbach, zwei 3. Preise auf Holländer Kaninchen. Zu Pfingsten d. Is. hält der Verein seine 2. Lokal-Ausstellung ab; diese dürfte voraussichtlich audj von allen Züchtern des Kreises Wetzlar beschickt werden. Klein« Mitteilungen ans Hessen und den Nachbarstaaten. In Lang-Göns findet am 8., 9. und 10. Juli ds. Is. das 50-jährige Jubiläum des Gesa ngve re ins Frohsinn, verbunden mit Nationale m Gesangs-Wett st reit, statt. Dem festgebenden Vereine sind bereits so viel Preise zur Verfügung gestellt ivorben, o * 2 90.45 »’/o 8l/e% 100.10 I PoitRarten :: cJ mit Anlichten 78 . 102.20 . 90.40 . 100.40 . 99.70 . 101.80 105.60 66.30 65.85 130*60 51.90 do. Hessen Rheinisches Technikum Bingen für Maschinenbau und Elektrotechnik.^ 40/0 Italien. Rente 41/2 % Portugieser 80/' Portugiesen. . 1% 0. Türken • kithographiiche Kunlf-Hnitalt Carl Kramer, Siehen Zteinktrahe 47a, pari. Atelier kür KüiütlerlKKe Entwürfe Privat«Lithographie für merkantil u.Chromo Autographle . Kartographie • Photographie essess Plakate • Diplome • Etiketten osim Spezialität: Zigarrenkilfdien-Huslfattungen Postkarten -: t—, Hile Arbeiten für Wiffentoaft, Snduitrie, mH Anlichten ßandel u. Gewerbe, Behörden u. Vereine Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Domierstaq, den 9. Februar, abends 8 Uhr, im Marrussaal, Kirchstraße 9, Bibelstunde. 1. Korinther, Kap. 13. n Biarrer S ch w n b e. Schweinefleisch 4-5 Pfg. [B,. Die Freibank ist geöffnet van 8-12 Uhr und von 3—8 Uhr. Electric. Schuckert • Nordd. Lloyd . , . Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank • Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn « Lombarden . . . Gotthardbahn . . . Laurahütto « » * « Bochum . . • . « H arpener . . . . Staatsschatzseheine . Ä an bei unb Werkehr. Volkswirtschaft. tucnet Bergbau-Gesellichast. Wir haben müaeteilt daß der Aufsichtsrat dieser Gesellschaft sich tn emer Versammlung auch mit dein S tr e ik beschästigte und djroere S eb e nt en über bie Folgen der Arbeiterbewegung hegte. Nun • s Aornpihcf daß auch die Frage einer etwaigen V e r - staatlichung erörtert würbe, sowie die Stellung ber Beamten, im Falle es hierzu käme. Da, >oo man Rauch spurt, muß es auch 81/,0/q Konsuls 3°/o beeng’a kandierter Korn- n. Malz-Xalee. Vollkommenster Kaffee-Ersatz. i/2 Pfd.-Packet (= 30 Tassen) 20 Pfg. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche 'Witterung in Hessen für -onnerstag 9. Februar 1905: Meist beiter, nach kälterer Nacht und Nachtfrost, Taqestemperatur wenig Aenderung. Näheres durch die Gieücuer Wetterkarte. iö. Franksurt a. M., 7. Febr. Leu- und Stroh- ma r k t. Heu kostete heute Mk. 2.90-3.50, Stroh Mk. 1.90 big Mk. 2.50. Alles per 50 Kilo. Tendenz: flau. Kunst unb Wissenschaft. . • Im Befinden Aböls v o n M e nz e l s ist nach ber N.-Z. eine leichte Besserung einqetreten. Der Husten lost sich mehr und mehr, bas Fieber ist ganz zurückgewichen. Die ^-mperatur war 37,1 unb ber Appetit scheint sich zu beleben. Trotzdem leibet der Patient immer noch an großer Schwache. Am ^len^tag erschien Prinz Heinrich im Hause Menzels, um sich tm 21 uX- trage des Kaisers nach dem Befinden des Meisters zu er- kundigen, der sedoch beit Besuch nicht ^ch^ch^ch^eu^ronnte^^E 3Vs % Oberhessen . 4% Oesterr. Goldrente 4l/.% Oesterr. Silberrento 100.80 4% Ungar. Goldrente rnn in Paris, 8. Febr. Von englischer Seite warangeregt^ worden, von der Hukk-Kom Mission den Kapitän senec, Pacht zu vernehmen, an deren Bord der König von, Griechenland in der kritischen Nacht von Dänemark nach Frankreich fuhr, weil gegen die Yacht vom russischen Admiral-, schiff angeblich Schüsse abgegeben wurden. Man nahm aber davon Abstand. Die Kommission wird sich für dem nuten Glauben des russischen Admirals aussprechen unb nu^ die Außerachtlassung der gebotenen Fürsorge für die Fischerfl ottille rügen. « vernri^eh-es. Lissa (Posen), 7.Febr. Der Förster Michalsk aus Pomzowo wurde gestern von Wilderern erschossen. München, 7. Febr. In der vergangenen Nacht kam es in einer Wirtschaft zu einer schweren Schlägerei und Messerstecherei, wobei der Tagelöhner Wölfel getötet und ein 17-jähriger Arbeiter lebensgefährlich verletzt wurde. * Kleine Tageschronik. Im Kirchensaale des herzogl. Residenzschlosses zu Altenburg entstand infolge .einer schadhaften Stelle im Schornstein Feuer, das den,^-aal vollständig zerstörte und den Einsturz der ^ecke zur Folge hatte. Vi^e wert- volle Gemälde, welche der Saal enthielt, wurden vernichtet. - In dem Hommerschen Torfe Natzmersdorf entstmid cme Feuersbrunst, die beträchtlichen Schaden anrichtete. ,~a§ Feuer ist dadurch entstanden, daß eine Katze, die hinter em em | schM-aften Ofen lag, Feuer fing. Das brennende Tur setzte die Wohnung in Flammen, die dann auf das ganze Gebäude Übergriffen. — Aus dem Landwege von ^om.) nach Schwirsen haben Strolche ein j u n g e s M a d ch en e rw . bet, um ihm einen Lotteriegewinn abzunehmen. /7ie^or^ I sind verhaftet. - In Erfurt ist der verheiratetePa stör Köhler wegen sittlicher Verfehlungen vom ^mte si spendier t worden. — In Paris fand zwischen den Fechtmeistern Boulanger und Sesbachet ein T e g e n d u e l l statt, ^^i zweiten Gange wurden beide Gegner verletzt, der eine an der Schulter der zweite tödlich an der Hüfte. — Bei Bordeaux ereigncste sichln schweres Automobil-Unglück. Ein Hausbesitzer hattesm Begleitung seiner Tochter und seines Schwiegersohnes eme Automobilfahrt unternommen, wobei es von emem anderen m fchnelL ft em Temvo dahersausenden Automobil umgewoffen wurde. Tie drei Insassen wurden in weitem Bogen herausgeschleudert. Der Hausbesitzer erlitt einen Schädelbruch und war aus der Stelle tot, Tochter und Schwiegersohn wurden lebensgefährlich verletzt. Ter Urheber des Unfalles fuhr schleunigst und unerkannt d a v on. _ ■■ Neueste Weldnnuen. R.B. Darmstadt, 8. Febr. (Eigener Drahtbericht.) Die zweite Kammer setzte beute bte ®c- raldchatte über den St a atsh aush alt s etat fort. Zunächst hielt Wg. Ulrich eine fast zwerstundtge Rede, worin er die Finanzpolitik der Rcglerung als die allein richtige und vernünftige bezeichnete jedoch bedauerte, daß die Regierung Nichr auch dem Prinzip seiner Partei auf schärfere Progression der hohen Einkommen Beiträte. Notwendiger als feie Herabsetzung feer Bermogenssteuersähe sei eine Entlastung feer ^mkomm w unter 1000 Mk. Schließlich tadelte feer Redner das Verhalten im Falle Pern erst or ff er. Staatsmmtster Rothe verteidigte das Verhalten der Regierung, das durchaus korrekt und den völkerrechtlichen Grundsätzen entsprechend gewesen sei. Jeder andere Staat wurde ebenso' gehandelt haben. FinanMinister Tr. Gn auth beantwortete die verschiedenen Einwendungen der Redner bezüglich des Etats und konstatiert, daß die Steuerertragnisse für 1905 sich noch wesentlich höher gestaMn wurden, al- man im Oktober vorigen Jahres Bet feer Et-nsaufstellung annahm. Die preußische Eisenbahngemeinschaft sei der beste Schritt zur Verbesserung unsrer Finanzen gewesen, und er danke heute noch allen, die dazu mitgeholfen hätten. Nach kurzer weiterer Debatte vertagte sich das Haus auf morgen früh 9 Uhr. . , Berlin, 8. Febr. Die dramatisierte Geschichte eines entsprungenen Mönches, von dem Litteratur- Professor A. Ohorn geschildert, fand im Deutschen Theater einen starken Tendenzerfolg. Frankfurt a. M., 8. Febr. Die Stadtverordnetenversammlung bewilligte 15 000 Mk. für bte streikenden Bergleute im Ruhrrevter. Anträge, die 50 000 und 30 000 Mark zu bewilligen verlangten, wurden abqelehnt. Ferner wurde ein Antrag angenommen, bte Regierung um reichsgesetzliche Regelung der Frage $u po tä" Märkte. . I. Irnntiiitt a ® 8. Febr. lOrig.-Telegr. des „Gieh. Anz ")'s chivcinema r 11. fjuni Berkaui stauben 132t Schweine. Schweine: 1. Qualität 59—GO «Pffl-, 4 9 riim[ 58—00 Psa„ Lebendgewicht 48—0Ü Psg., 3. Qualität 52—54 Psg., Lebenbgewicht 00-00 Psg. Geschäft gut, kcui Uebct- stand. Eingesandt. (Fnr den Inhalt der unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Berantwortung.1 ~ Gießen, den 7. Februar 190o. Empörende Vorgänge kann man zur Zeit in der Roo n st r a ß e beobachten. Tiefe Straße, die bei nassem fetter natürlich ganz iingangbar ist und auch von keinem Fußgänger benutzt wird, i|t der Schauplatz unerhörter Tierquälerei. Tie lebha'te Bailtätigkeit, die dort z. Zt. entfaltet wird, erfordert einen Wagenverkehr,' der nun in die haarsträubendste Pferdeickmiderel ausgeartet ist. Fast bis an die Achse der Räder versinken die mit Baumaterialien schwer beladenen Wagen in den aufgeweichten Boden, und mit erbarmungslosen und empörenden Schlagen werden die armen Zugpferde zu unmöglichen Kraftleistungen angetrieben. Es fragt sich, ob man dagegen nicht einschreiten und gegen die Bauunternehmer oder sonstige Schuldige Anzeige erheben kann. Noch bis in die Nacht hinein hörte man geltem Abend die laiiten I Peit chenhiebe erschallen, mit denen die schutzlosen-riere mißhandelt werden. Hoffentlich wird diesem widerwärtigem Treiben nun ! Einhalt geboten. Gtii Va Uant. Kerichtslaal. th. Gießen’, 8. Febr. Wegen Verleitung zum Meineid verurteilte gestern die GMener Straf k^^ r den Unbestraften und gut beleumundeten 22 ^ahre alten Krankenwarteri E., gebürtig von Mommart i. Odenwald, zuletzt in der psvchralri-I schen Klinik hier beschäftigt, zu 1 Jahr 6 Monate 3u(f>t- haus und Aberkennmlg der bürgerlichen Ehrenrechte aus die Tauer von fünf Jahren. Tie hohe Strafe wurde damit gereüTt- fertigt, daß der Angeklagte die Tat e zu dem Zivecke begangen I habe, um sich einer Alimentationsverpflichtung zu entziehen. ^,er Gerichtshof war auch der Ansicht baß her Angeklagte E höchsten Maße ehrlos gehandelt habe, weshalb auch die erkannte Neben-1 sttafe gerechtfertigt sei. t c. Leipzig, 7. Febr. Tas Reichsgericht verwarf die Revision des Neichstagsabg. Derzfeld, der am L 2.'ez 1903 vom Landgericht I Berlin wegen Wahlsali Zu n g zu vierzehn Tagen Gefängnis verurteilt worden war. Gleichzeitig wurde die Revision des Staatsanwalts verworfen, wwett der | Angeklagte von der Anklage wegen des gleichen Vergehens in Rostock freigesprochen war. T>er zweite Strafsenat ist dabei den bereits vom dritten und vierten Strafsenat ausgesprochenen Grundsätzen beigetreten. Tanach kann ein Wähler, der bereite an emem Orte gewählt hat, nicht nochmals an einem, wählen, auch nicht in der Stichwahl, da diese in der Regel keine selbständige Wahl darstellt. .. - Ein Rechtsanwalt als „militarn cher Drückeberger". Ein in Hamburg ansässiger Rechtsanwalt Hattos im vergangenen Jahre Order erhalten zur Teilnahme an einer militärischen Uebung, wozu er aber wenig Zeit hatte und vermutlich noch viel weniger Lust verspürte. Er wandte sich daher an einen Feldwebel, der ihn von der Uebung befreite. Tie Sache wurde später ruchbar, und der Feldwebel kriegsgerichtlich ru neun Monaten Gefängnis und Degradation verurteilt Aber auch 'für den Reckstsanwalt sollte die Affäre ein unangenehmes Nachspiel erfahren er hatte sich vor kurzem vor dem Diszuplinargerichtshofe der Hanseatstchen Anwaltskammer zu verantworten, welche gegen ihn auf oOO Mark Geldstrafe erkannte. Bin heute mit größeren -Transporten belgischer, norddeutscher und dänischer IW Pferde « .. 1710, emgetroffen. Atipsi Frensdorf, WsM, Frsuksurtnsir. 31. Yniversitäis-Yachrichten. ■— Tie seither von Tr. Otto Harnack bekleidete ^rofestur für deutsche Literatur und Geschichte an der Technischen Hochschule in Darmstadt soll, wie es heißt, dem a. o Professor x-il Jud). M. Meyer in Berlin übertragen werden. lBrof. Meyer der israelitischen Glaubens ist, ist Verfasser emer Reihe^tüchtiger literaturhistorischer Werke, u. a. einer, g^vollen „Gesckt^e der Literatur des 19. Jahrhunderts . ^ie Red. des „Gieß.- Anz- — Tie Heidelberger Studentenschaf t nahm zu den Vorgängen in Hannover einstimmig eiiw Prote^- resolution an, worm ste gegen den behördlichen Geist der Unterdrückung Verwahrung einlegt und der Hannoveraner Studentenschaft ihre vollste Sympathie ausdruckt beim Kampf gegen die Versuche, der akademischen Freilr'it Fesseln anzulegen. ^ Dresden, 8. Febr. Die StudenteitsGaft der hiesigen Hochschule beschloß eine ZustrmmungS-Erklärung zu dem Vorgehen der Kommtlttonen tn Hannover und Eh-trlottenvurg unter scharfer Ver- urteilunF konfessioneller ^Stndenten-Vjer- brennen. i« mt x rfi r o n i t Aus Lissabon wird ÄS £»??. Vom Kriege. 1 Petersburg, 7. Febr. Es heißt, an Stelle be5| Generals Gri epenb'erg, der sich auf der Rückreise^ stach Petersburg besindet, werde General Zerpiesky zum: Kommandeur der zweiten Armee in Ostasien ernannt; werden. I London, 8. Febr. Publischers Preß meldet aus> Petersburg, daß General Kiiropatkin um fofortigei Entsendung von 45000 Mann Verstärkungen er-/ u cht habe. „ , Pc^ris, 8. Febr. Petit Parisien meldet aus Peters^ bürg: Im Ministerium des Innern erkläre man bezüglich' der neuerdings aufgetauchten Gerüchte, wonach Rußlands augenblicklich mit der Frage eines Friedensschlusses beschäftigt wäre, wozu Frankreich und die Vereinigten Staaten als Vermittler dienen sollen, Rußland habe niemas die) Absicht gehabt Frieden zu schließen, heute noch weniger als je. Rußland sei entschlossen, bis ans Ende zu kämpfen. Wenn seitens Japans ein Friedens-Vorschlag gemacht werden sollte, so würde dieser von Rußland wohl-, ivollend geprüft werden. — Andererseits verlautet, daß zwer, Großfürsten bemüht seien, den Zaren zum ^rie-; den zu bewegen. Petersburg, 8. Febr. General Kuropatkin hat Befehl erhalten, alle Frauen und Kinder, die Wladi-« wostok verlassen wollen, freie Fahrt bis zum Baikalsee zu gewähren. Die Professoren und^ Studenten des^ orientalischen Instituts in Wladiwostok, sowie die Lehrer unb] Schüler des dortigen Gymnasiums haben die Stadt ver* 3Vi°/o Reicheanleihe do. Btnyonbon, 8. Febr. Der Zivillord der Admiralität 4 Arthur Lee hielt in East-leigh abermals eme Rede m der er auf die ungewohntlche Erregung hmwres WÄchss । feine am 2. Februar gehaltene Rede hervorgerusen habe. Seine Rede sei eine einfache AufZähluM der Marinere,ormen gewesen, die sa bereits veröffentlicht seren und uv er welche er als Mitglied des Admiralsrats den Wählern habe^ Auf-1 kläruna gebm müssen. Unerklarlicherwei.se habe man ,emer ieben?in8eauS^eAtfl gegeben an die weder er noch w« er glaube, ein Zuhörer gedacht h-aüe. -^e emsige uui fassuna seiner Rede, die er als richtag anerkenne, sm die gestern im „Standard" dargelegte. Sie ser eine em^che l Aufstellung von allgemeinen Grundsatz-M, die aller Welt bekannt seien und keinerlei. 'Drohuttg >gegen Iirgend cm and enthielten. Er hätte niemals glauben könnm daß man irgend eine auswärtige Macht hrervon, ausnehmen könnte. Weiter habe er über die Angelegen- heit jetzt nichts M sagen. . Äie«m?’ ’ *w‘i.«6«•«6• n»-« d<; keine Geschäft? °ba«°sstu. In den Kohlenlagern werben bte ^LnA^br0 PaEcn" meldet ans Petersburg: 'ckEtigt. Er soll die W bM '-me^euemeN^n «nm | rcÄ« weil bCT »ar ku ™ '@in interessanter Nachtrag zu , silutiar/ Vorgang-N wird aus guter Quelle mitgeteilt. den letzten! blutigen ö 9™ nachdem Witte die Teputation lÄrn darunär M°?im Gorki, empfangen von Sckriftsttllern, d nfl(& 3nT§foje Sselo mit einem hatte, sandte ei niorin er den sachlichen Stand der § r r -l^iss^ksnrleat? und die Ueberzengung aussprach, daß Gewalt- ^,I mMell nM notwendig wären. Er fügte zwei Vor- Gin UtoS sollte früh morgens berösfentlM werden schlage Ei fjnc Tepntation am 22. Januar im mit der Zusage, bap oc -o Wünsche des Arbeiter- Winter-Palais empfange ;h)citc Vorschlag ging, dalfin, stvndes pbrsönlE M Y°r frHärrii, falls die Arbeiter die feer Zar soll« *£„,(1a nicht unterlassen sollten, nnirbf ’Broseffiow b™ ölMieraiabiutantcn, den der Zar Persönlich (ie dort boit !llllll! jä&ZS und Perücken r M zu verleihen I Sämtliche Äarneval- — * Artikel. Franz Klenker, Theater-Friseur, Seltersweg 16, Sonntags bis 10 Uhr abends -geöffnet.512 Prim Nußkohlen, Antraeitkohlen. Coaks, W61fereheimer Klötze, Brikett wn Grube Friedrich empfiehlt Georg Schäfer, D625 Licherstraße 9. Hartenzäune Hartmspattere (Einfriedigungen) in jeder gewünschten Ausführung liefert sehr preiswürdig 0597 I» Hoffmann, Zimmermeister, __Atzbach. ?«u verkaufen Adler-Motorrad 2 HP, 1 Sommer gefahren, tadellos laufend, sehr gut erhalten, ist billig zu verkaufen. Gest. Offert. unter 686 an die Erved. d. Vl. Dillenburg. 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