Koffer bauten Msiegen ;chulmren XÄ«“ &*« rwn*, -As- §» KSS $11 lllssto»' 1805, ^Wanb. Wnr"^**** ^lldnbet ^IDQgg ü*m» ^eisekosstr is* 'üchse ^«^r»be mit ^ettbtde ftod Halfter hbütte ^-Uhrkettr Lch^ »leumokv ^Platte Kckmchhinr lerietnen ribzeug iret tnthntt ^itjche fflthntt äftentafäe rl'Uhrkette dedeckc ristentasche gergeschirr ckkasten meteru. Thermometer nenfdjneibet ^egen aar Ceche-pot rtfe’§ Werke, 2 Mibe wlrttr Fahchrlfta Lasche miet, Ntrilia debecke fLqnarrll) Deiische ulnnym flad Heiter ^erschristen-Mappe mservice mit Teller j>emhr jlügtltoete mmerdecke wle, 6 Wer u. Srtil rsilb etter rafclavfsq genschüm hrezevtenbuch chblock uiafitxf rar yagogama^s. «au? itmoxmmt otogravhik'Älbum ckel-Kaßeeservice Thd. Messer u. Gabeln anduhr hreibzeug eischhackmaschme qenschim i'ftfartenatbum rtenplatte rfilbertes Eierservlce hreibunterlage ertrug mit Deckel Paar Fahrbandschuhe Ä *»* ähr. bram-erLwtem berplattiert. Geschtn -schbuff ieltasche rkette iTouble, paar hosenKaFtt Me^Double- nkw«M BS^- avieckasten affermühle $hllc -—.hum lw„ ,.. n‘ Nr. 212 Erstes Blatt. 15 ».Jahrgang Samstag 9. September 1905 Erscheint täglich anher Sonntags. Dem Gießeuer Anzeiger werden int Wechsel mit dem hessischen Landwirt die Gießener Zarnilien- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univers.-Buch-u. Steindruckerei. R. Lange. Redaktion, Spedition und Druckerei: Schulstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. Amis- und LzetzeNM für Lm Kreis Gießen ;\L‘ ■A. 8 K .M j ted VezngSvret»: monatlich 75 Pf., viertel- jährlich Mk. 2.20; durch Abhole» u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePost Mk.2.— viert el- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen für die Tagesnuminer bis vormittags 10 Uhr. Zeilenpreis: lokal 13Pf^ auswärts 20 Pfg. Verantwortlich für den polit und allgem. Teil: P. Wittko; für „Stadt und 2anb* und „Gerichtssaal": August Goetz; für den An- zeigentell: Hans Beck. Die Heutige Wummer umfaßt 14 Seiten. Vorbereitungen für die Wahlen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß alle bürgerlichen Parteien ohne Mrsnahme es an Agitationskraft und nachhaltiger, stetiger itnb unermüdlicher politischer Arbeit mit Her Sozialdemokratie nicht aufnehmen können. Während diese oft schon am ersten Tage nach der verflossenen Wahl die Propaganda für die kommende aufnimmt, huldigen die bürgerlichen Parteien zumeist einem sträflichen Gehen und Geschehen lassen und pflegen auch nreist erst wenige Wochen vor den Wahlen aus ihrer Lethargie und Gleichgiltigkeit auszuwachen. Die Schlacht kann aber nur dann gewonnen werden, wenn bei Zeiten der Aufmarsch der Truppen erfolgt und die gesamte Wahltechnik bis aufs ü-Tüpfelchen vorher ausgearoeitet ist. Jetzt trifft uns eine Zuschrift, die sich gerade mit dieser Frage beschäftigt. Sie lautet: „Als im Jahre 1903 der sozialdemokratische „Dreimillionensieg" den „Vorwärts" zu dem stolzen Ausruf verleitete: „Unser die Zukunft, unser die Welt!", da mag mancher sich die wohl- berechtigte Frage vorgelegt haben, wie cs möglich war, daß drei Millwnen reife Männer sich betören lassen koimtcn, der Fahne des Umsturzes zu folgen. Mancher ängstliche Philister mag aber auch an den so ost provhegeiten Kladderadatsch gedacht und geglaubt hal>en, mm müsse doch unbedingt die große Umwälzung kounnen und das Reich bet Herren Bebel und Singer auf den Trümmern der gestürzten Ordnung ausgebaut werden. Und wenn man den Helden des „Vorwärts", der „Leipz. Volksztg." Glauben schenken wollte, so mußte der Umsturz alles Bestehenden unmittelbar bevorstehen. Es kam anders! Dem Begeisterungstaumel und Siegesrausch folgte in Dresden die Ernüchterung und die Nachwahlen brachten den Katzenjammer. Der bissige Hohn, mit dein die Sozialdemokratie ihre Gegner überschüttete, die stolze Ueberheb- ung, die jeden „Genossen" mir Verachtung auf die „bourgeoise Kanaille" herabblicken ließ, hatten die bürgerlichen Parteien ans- gepettscht, und so kam es, daß dem weiteren Vormarsch der Sozialdemokratie ein Halt cntgegcngerufen nrrrbe. Vielen würbe es klar, daß unser Staatsschiff eine weitere Belastung mit sozialdemokratischer Fracht nicht ertragen könne, wenn cs nicht zu Grunde gehen wollte. So hatte denn der sozialdemokratische Millionensieg etwas Gutes geschaffen: den Streitigkeiten und Interessengegensätzen innerhalb der bürgerlichen Parteien wurden die schärfsten Kanten abgestoßcn und einem gern eins amen Vorgehen gegen die Sozialdemokratie die Wege geebnet. In bürgerlichen Kreisen herrscht kein Zweifel mehr darüber, daß ein, geschlossenes Vorgehen gegen die Sozialdemokratie notwendig ist. Nur über das „Wie?" ist man sich noch nicht recht einig. Der eine liebt eine schneidige Neiterattacke, während der andere einem zwar langsamen, aber ausdauernden Vorwärts- gehen den Vorzug gibt. Jeder nach seinem Temperament. Welche der beiden „Gefechtsarten" besser ist, das soll hier nicht erst untersucht werden. Sehen wir lieber einmal zu, wie die Sozialdemokratie marschiert, was ihr zu ihren geradezu unglaublichen Erfolgen verholfen hat und — lernen wir. Der Schreiber dieses hat gegen zwei Jähre in einem Reichstagswahlkreise gewohnt, der mit einiger Mühe sehr wohl der Sozialdemokratie wieder abgerungen werden könnte. Trotzdem die Sozialdemokratie dort über eine ziemlich gute Organisation verfügt, konnte sie den Wahlkreis erst in der Stichwahl behaupten. Ter Kreis war auch schon in der verflossenen Legislaturperiode sozialdemokratisch vertreten. Das Ergebnis der Wahl wurde zwar von al: : „Genossen" freudig begrüßt, aber das Parteiblatt des Kreises wies darauf hin, daß bei der nächsten Wahl der Kreis schon im ersten Wahlgange genommen werden müsse, um dadurch zum festen, unverlierbaren Besitzstand der Sozialdemokratie zu werden. Die „Genossen" nahmen denn auch sofort die Arbeit wieder auf und entfalteten eine Werbetätigkeit, wie man sie nur bei Sozialdemokraten antrifft. Im Laufe eines Jahres wurden nicht weniger als sechs verschiedene Flugblätter in einer Gesamtauflage von w e i t ü b e r 200 000 Stück in die Wohnungen getragen, und das ohne besonderen politischen oder kommunalen Anlaß. Vier Flugblätter, die sich mit kommunalen Angeleg-'beiten befaßten, lvurdcn außerdem noch verteilt. Als „Gratisbeil " gab's dami auch noch einen Volkskalender. Acht große und gut besuchte Volksversammlungen, in denen sozialdemokratische Abgeordnete über aktuelle politifche Zettereignisse sprachen, waren für die Agitation auch nicht gerade gering zu veranschlagen und die regelmäßigen Monats- und Vier.zehntags-Versammlungen der Gewerkschaften füllten etwa vorhandene „Agitationslücken" zur Genüge aus, denn „Gäste" sind in diesen Versammlungen stets willkommen und gern gesehen. Wohin man auch blickte, im ganzen sozialdernokratischen Lager pulsierte ein reges Leben und im Lager der bürgerlichen Parteien schien alles tot. Eine Abvnnementscinladung eines unparteiischen Blattes war das einzige, was an „Gedrucktem" zur Bekämpfung der Sozialdemokratie verteilt wurde, unb in einer von liberaler Seite einberufenen Volksversammlung sprach ein Herr aus Berlin über Nie politische Lage. Das war aber auch alles imd diese einzige Versammlung war noch dazu mehr als schwach besucht. Sollte es in anderen Wahlkreisen besser sein? Nach den Mancherlei gemachten Erfahrungen dürfte man das wohl bezweifeln. Ja, so ungefähr sechs oder acht Wochen vor der Wahl, dann erinnert man sich wohl daran, daß auch auf bürgerlicher Seite etwas geschehen nruß, aber dann iü es nickt selten schon zu spät. Fehlt es vielleicht an Waffen? Nun, so greife man getrosten Mutes in das Waffen - arscnal der Sozialdemokratie; denn die schlechteste Gefechtstaktik ist es nicht, die darauf ausgeht, den Gegner mit seinen eigenen Waffen zu bekämpfen. Es gereicht wahrlich keinem zur Schande, wenn man von seinem Gegner zu lernen sucht und das Gute, das ihm eigen, sich selbst zu eigen macht. Das Gute aber ist in diesem Falle Organisation und Agitation. An guten Federn, die sich in den Dienst einer guten Sache stellen, fehlt es indes an vielen Orten und Männer, die zur Ausbreitung guter Aufklärungsschriften hm und wieder eine Stunde opfern, sind leider auch nicht überall zu finben i So wie die Sozialdemokratie in dem angeführten Wahlkreise arbeitet, so arbeitet sic auch anderwärts. Selbst in Berlin, 8-amburg, Chemnitz, Breslau, Nürnberg, in Offenbach und M ainz, die man als Hochburgen der Sozialdemokratie bezeichnen kann, werden die Wähler unausgesetzt mit Flugblättern überschüttet. Volksversanrmlung folgt auf Volksversammlung, und lebe Parteiaktion findet die einzelnen „Genossen" an ihrem Platze. Ohne Murren zahlt jeder obendrein noch seine nicht geringen Parteisteuern. Die Agitationstouren zur Verbreitung der Vartei- presse und die Flugblattverteilungen sind so gut organisiert und wirren mit einer solchen Sicherheit, daß in den meisten Fällen der Wahlkreis schon n:it den Blättern belegt ist, wenn die 2ln- gehörigcn anderer Parteien sich noch den Schlaf aus den Augen reiben. Es klappt alles wie mit einem Präzisions-Mechanismus geleitet. Wahrlich, es ist an der Zeit, den übrigen Parteien und jedem einzelnen Nichtsozialdemokraten die Worte der Bibel entgegen zu halten: „Gebet hin u n d t u e t d e s g l e i ch en!" Soweit die Zuschrift. Auch im Landtagswah l- kreise Gießen-Land heißt cs jetzt für die bürgerlichen Parteien: keine Arbeit sparen und keine Mühen sich verdrießen lassen, um durch die gleiche Art der Organisation, wie sie die Sozialdemokratie in geradezu mustergiltiger Weise zu schaffen gewußt hat, sich zu einer unbesiegbaren Phalanx zusaim men zuschließen. Um dies zu können, dazu ist die freudige und opferbereite Mitarbeit aller politisch einsichtsvollen Männer in Stadtund Land von Noten, an die wir daher den Nus ergehen lassen: Auf die Schanzen zum Kampf und zum Sieg!____________________ Borr den französischen Manövern. Bar für A ube, 8. Sept. Der Oberbefehlshaber, General Brugöre, gab gestern ein Dinerzu Ehren der fremden Offiziere, die den großen Manövern beiwohnen. Brugere trank auf das Wohl der Staatsoberhäupter der 22 vertretenen Länder und auf das Gedeihen dieser Länder, besonders auf die aus drei Generälen bestehende amerikanische 'Abordnung, auf das große Amerika, sowie auf den Präsidenten Roosevelt, den er als wahren Soldaten bezeichnete, der durch Klugheit, zielbewußte Festigkeit und Lauterkeit des Charakters soeben der Menschheit einen unvergeßlichen Dienst erwiesen habe. Der dänische Genera^ Hegermann-Lindencrone dankte namens der fremden Staaten für den Empfang und trank auf Frankreich und den Präsidenten Loubet. Sodann trank der amerikanische General Chaffee, der ausführte, er glaube nicht an eine baldige Verwirklichung der Friedensträume, auf die französische Armee. St. Etienne, 8. Sept. Während der Man över brach unter einer Reservekompagnie eine Meuterei aus. Die Soldaten, welche sich bei ihrem Hauptmann beklagt hatten, verließen ihr Regiment und zerstreuten sich unter W- singen revolutionärer Lieder narb allen Richtungen. Ausland. Budapest, 8. Sept. Die Polizei hat die Anmeldung der Sozialdemokraten, anläßlich der Eröffnung des Parlaments einen Massenaufzug mit Fahnen, Emblemen und Musik zu veranstalten und an den Präsidenten des Abgeordnetenhauses eine Deputation mit der Forderung des allgemeinen Wahlrechts zu entsenden, genehmigt. Belgrad, 8. Sept. Auf der Grenze nächst Kurschumlja erwartete eine starke albanesische Bande die fünf Mann zählende serbische Grenzpatrouille in einem Hinterhalt. Vier Serben wurden getötet, einer schwer verwundet. Infolgedessen herrscht in Kurschumlja große Aufregung, da man einen Ueberfall der 'Albanesen mrf die Stadt selbst befürchtet. Washington, 8. Sept. Präsident Roosevelt hat bekannt gegeben, daß der Sollicitor des Staatsdepartements, Richter Penfield, beauftragt worden ist, eine Untersuchung über die Handelsbeziehungen mit den Ländern Südamerikas und Europas im Hinblick auf das Ziel anzustellen, den Handel Amerikas mit den südlich der Vereinigten Staaten liegenden Ländern zu heben. Enfield wird binnen kurzem nach Brasilien abreisen und wahr- scheinlich ebensowohl Europa als Südameri^k besuchen. und Ilotte. — Der „Reichsanz." veröffentlicht die Verleihung des Kronenordens 2. Klaffe mit Schwertern am schwarz- und weißgestreiften Bande an den Generalmajor a. D. Leutwein zu Freiburg im Breisgau, bisher Gouverneur von Deutsch- Südwestafrika. Zur Fleischteuerung. B e r l i n, 8. Sept. Der Magistrat beschloß, den gestrigen Beschlüssen der Stadtverordneten inbetreff der Fleischnot beizutreten. hl. Heppenheim a. d. Bergstr., 8. Sept. Ein hiesiger Landwirt verkaufte gestern ein Rind von zirka 2 bis 2V2 Jahre zum Preise von 561 Mk. Der „glückliche" Käufer war ein Metzgermeister von Weinheim. Während dort Rindfleisch bereits mit 84 Pfg., Schweinefleisch mit 90 Pfg. verkauft wird, zahlen wir fyier noch 74 Pfg. für Rind- und 84 Pfg. für Schweinefleisch. Die Hausfrauen in dem benachbarten Lorsch brauchen sogar^ „nur" 80 Pfg. für Schweinefleisch zu erlegen. Selbstverständlich sind zu diesen Preisen nicht die besseren Stucke, tvie Lenden usw., erhältlich. 14. Deutscher Pfarrertag. Neustadt a. d. Hardt, 8. Sept. Der Verband deutscher evangelischer Pfarrervereine fand sich dieser Tage hier zu seiner 14. Tagung zusammen. Fast 10 000 evangelische Geistliche Deutschlands finb zur Zett in diesem Verband vereinigt. Er wurde am 1. November 1892 gelegentlich der Einweihung der renovierten Schloß- frcdje zu Wittenberg gegründet. Jetzt sind es 27 Vereine mit über 9500 Mitgliedern, so daß von der Gesamtheit -der evangelischen Geistlichen Deutschlands mehr als zwcidrittel in Pfarrvereinen zusammengeschlosseu sind. Das war eine kaum geahnte Entwickelung, welche das im Jahre 1890 in Hesse n begonnene Wesen der Pfarrvcrcinsbcwegung in den evangelischen Kirchen,' Deutschlands genommen hat. U. a. kam zur Beratung die Frage: „In welcher Richtung ist das gegenwärtige g e i st l ich e Ge ri cht s versa hre n einer Reform bedürftig und fähig?" Der Referent P. Pasche-Dieskau stellte eine Reihe von Lettsäven auf. Und auch der Korreferent! Pfr. Wahl-Langen meinte: Das bestehende geistliche richtsverfahren bedürfe einer Reform hauptsächlich in der Richtung/ daß die Lehre und die Jmiwnderabilien der Amtsführung einte Behandlung unterliegen sollten, bei der das „geistliche Richten^ der Schrift, vor allem »uch das Prinzip der Gemeinde mehrt zur Geltung käme, wobei er anheimgab, ob sich nicht eine Reform! des gesamten geistlichen Gerichtsverfahrens empfehle. Die Ver-i schärfung der thevl. und kirchlichen Gegensätze.! sowie das Anwachsen der Gemeinschaftsbewegung, die doch aucht eine Art von religiös-demokratischer Reaktion des- Laienchristentums gegen das akademisch-theo- logische F a ch ch r i st e n t u m darstelle, fcegünfrige die Entstehung von Konflikten. Dabei handle es sich um Schutz und Sichev-i ung ebensosehr der Rechte und des Gewissens der Geistlichen wie! der Gemeinden. Das Gemeindliche, Kirchliche Lime bci dem gegen-! toiirtigcn, den Staatskirchenbehörden in erster Linie übertragenen! geistlichen Gerichtsverfahren zu kurz. Eine Erweiterung der ent* scheidenden Instanz sei auch um der Kirchenbehorden selbst willew erwünscht. Ein stehender Disziplinargerichts Hoß neben der KirckMbehörde, wie er im Großherzogtum Hessen feit 1883 bestellt sei, bedeute schon einen Fortschritt. Doch das In-- teresse, bei Gewissenskonflikten das „geistliche Richten" dem „iu-i ristischen Richten" und „disziplinären Ahnden" so wett als möglich übcrzuordnen, spreche mehr für nach festen Gesichtspunkten von Fall zu Fall zu ernennende, gemischte Kommissionen, eine Art Ehrenrat oder geistliches Schiedsamt. Daß auch bei solcher Regelung in der Praxis starke Schwierigkettew zu überwinden fein würden, dürfte nicht verkannt werden; doch dränge die Not der Zett darauf, der ganzen Frage Beachttmst zu schenken, deren Lösung auch mit abhängig erscheine von der Entwickelung und Ausreifung des kirchlichen Einigimgsgedankens und dem Maße von Mitwirkung, das hierbei den synodalen Orga-. nifationen zukommen werde. Der Korreferent empfahl schließlich in llebereinstimmung mit dem Referenten: Borberatung der ganzen Frage in den Einzelvereinen zum Zweck der Dorlags fertiger Vorschläge und Anträge beim nächsten Pfarrertage, vow wo ans die weiteren gesetzlichen Wege zu beschreiten seien. 'Subermtenhcnt Meudels.ohn beantragte, das bisherige Material den einzelnen Vereinen hinauszugeben, und auf dem; nächsten Pfarrertag das Desinitive zu beschließen. Dieser kntixig; touübc angenommen. Aus Stadl Md Mud. Gießen, 9. September. *• Hundesperre abermals verlängert. Wie machen die Hundebesitzer auf die in vorliegender Nummer enthaltene Bekanntmachung Großh. Polizeiamts Gießen auf* merksam, nach der infolge neuerdings festgestellter Tollwuv die für Gießen verfügte Hundesperre bis auf unbestimmte Zeit ausgedehnt wird. ** Zur Landtagswahl finden wir im ,Bad-Nauh/ Anz.^ folgendes „Eingesandt^: Mit größtem Erstaunen lesen wir in der „Butzb. Ztgck: ,9ei| der Landtagswahl im Bezirk Bad-Nauheim wird außer dem bis-- herigen Kandidaten Justizrat W i n d e ck e r Oekonom W e i t h (der frühere Landtagsabgeordnete für unseren Bezirk) kandidieren und« zwar wird dieser vom Bauernbund aufgestellt werden." Man> wird wohl nicht sek)l gehen, wenn man annimmt, daß hier eine Verwechslung vorliegt. Es wird wohl nicht Herr Wetth in Nieder- Wöllstadt sein, welcher sich durch die Gunst des Baliernbundes nochmals das Landtagsmandat für unfern Bezirk erringen will,, nachdem er vor zwei Jahren freiwillig auf dasselbe verzichtet hat,, sondern es wird wohl Herr Oekonom Breidenbach in Dor-, beim sein, der, wie wir hören, seitens des Brnrernbundes gegen; Herrn Wmdecker für unseren Bezirk ausgestellt werden soll. Es ist; zu bedauern, daß sich hier in Nanhemi, als dem größten Wahlord^ des Bezirks, nicht jemand findet, welcher das Mandat für beit Landtag übernimmt, resp. Aussicht hat, in denselben gewählt zu werden. Mit Nauheims Interessen sind doch bekanntlich die Interessen des ganzen Bezirks verbunden; dies sieht doch jeder vernünftige Mensch auf dem Lande ein! Stimmen hierfür aus unserer direkten Nachbarschaft, welche gar nicht zu unserem Bezttk geboren,, bestätigen das in vollstem Maße. Was kann ein Mann, selbst miti dem besten Willen und den besten Absichten, für Nnuheim leistens wenn er nicht genügende Kenntnisse des Platzes hat? Auch kann es uns und dem Bezirke nichts nützen, wenn er einer bestimmten Partei angehört. Wir haben keine Parteisachen, sondern ledigli^ Lokalinteresicn zu verfechten. Nauheims Vorwärtsschreiten ist Aufblühen der Umgegend! Deshalb wollen nrir die Kandidatur Windecker so lange fe st halten, bis uns Gelegenheit geboten ist, durch direkte Wahl einen Nauheimer in den Landtag zu bringen! ** Ein Rohrbruch der Wasserleitung ereignete sich am Freitag zwischen 10 und 11 Uhr auf dem Seltersweg: vor dem Reinig'schen Haufe. Er entstand dadurch, daß ein Kanalarbeiter mit einem Hammer versehentlich auf das gußeiserne Rohr schlug, so daß es platzte. Der Waffersttah! sprang gegen 2 Dieter hoch. Das Rohr wurde jedoch sofort, so gut es ging, verstopft, bis es vom Wasserwerk aus abgestellt wurde. ” Weidmanns Heil. Hotelbesitzer B. hier, iw Jägerkreisen wohl bekannt, wurde vor einigen Jahren- morgens um 4 Uhr von feinem Hausburschen geweckt, der ihm allßer Atem meldete, daß ihm im Keller, den er hatte betreten wollen, ein großes Tier begegnet sei, daS wie wahnsinnig in den unteren Räumen des Hauses umher wirtschaftet Kaltblütig begab sich B. mit seiner Kugelbüchse ausgerüstet, in daS stockfinstere Kellergeschoß, wo er zuerst das elektrische Licht aufdrehte, um das Terrain zu rekognoszieren. Wohl durch das plötzlich aufflammende Licht überrascht, saß im äußersten Winkel des Kellers ein feister Fuchs, dem ein wohlberechneter Meisterschuß des Herrn B. zwischen den Lichtern den Garaus machte. Freudig zeigte der glückliche Schütze beim Frühschoppen den auf so leichte Weise erbeuteten Meister Reinecke seinen Gasten, die bei der Erzählung der Jagd im Keller anfangs glaubten, es handele sich um ein Stückchen Jägerlatein, bis ihnen außer der Beute auch der Hausbursche als Eideshelfer zur Stelle geschafft wurde. •* Hinrichtungen in Hessen. Aus Darmstadt wird uns folgendes geschrieben: Wie groß der Unterschied in Len Gebräuchen bei einer Hinrichtung heutzutage und bei einer solchen vor nun fast hundert Jahren ist, zeigt deutlich eine Notiz des Tagebuches, das ein alter Gießener, der Professor der Medizin, Geheimerat N. unter dem Titel „Chronica Gießenfis" jahrelang geführt hat. Sie sagt: „30. Dez. 1812 vormittags wurde ein Räuber und Vagabund namens Gute mut auf dem Trieb enthauptet. Er benahm sich sehr standhaft, reichte nach dem Stabbrcchen, das auf dem Markte stattfand, jedem vom Gericht Anwesenden die Hand und bat um Verzeihung, wenn er jemand beleidigt hätte. Von einer großen Menschenmenge gefolgt, nahm er den Weg zu Fuß, mit ihm Pfarrer Dieffenbach. Der Scharfrichter von Marburg führte einen vollkommen guten Hieb und zwar von der Rechten zur Linken, obwohl der betreffende Hals kurz und dick war. Der Leichnam wurde sogleich in Stroh eingewickelt und der Anatomie überwiesen.^ ,— Die Tochter des Schreibers pflegte ihren Kindern und Enkeln, an diese Notiz anknüpfend, folgendes zu erzählen. „Ich war damals ein Kind von sechs Jahren und sah von unserer Wohnung am Kreuz aus den Verurteilten vom Markte her aus der Mäusburg und nach dem Neuenweg hin zur Richtstätte führen. Als ich nun eine Menge Volkes — die halbe Provinz hatte sich eingefunden — dem traurigen Zuge nachströmen sah, faßte auch mich ein rasendes Verlangen, das Schauspiel mitanzusehen. Nun kennzeichnet es so recht die Verschiedenheit der damaligen Lebensanschauung und der heutigen, daß meine beiden Eltern .— diese sehr gebildeten, vortrefflichen Menschen — durchaus nicht einsahen, weshalb sie ihrem Kinde diesen Wunsch nicht hätten erfüllen sollen. Die einzige Schwierigkeit bildete nur das Wie. Zu seinem Verhängnis ging da grade Konrad, der Hausbursche, am Fenster vorbei, um sich ebenfalls auf den Trieb zu begeben. Ihm, dem innerlich Widerstrebenden, wurde ich nun anvertraut und stand bald oben neben ihm, ins Gedränge eingekeilt. Aufs höchste erregt lauschte ich auf die Reden ringsum, die sich, wie natürlich, nur um das Thema Hinrichtung drehten. Da hatte der Eine sagen hören, daß mit dem Augenblicke der Enthauptung das Bewußtsein nicht aufhöre, daß der Mensch im Gegenteile noch zu denken vermöge. Ein Anderer hielt das für sehr wahrscheinlich. Denn das sei sicher, daß jeder der getrennten Teile sich bewegen, der Rumpf um sich schlagen, der Kopf die Augen verdrehen könne. — Jetzt kam Leben in die Menge. Zugleich hob mich Konrad, wie er mir vorher versprochen hatte, auf seine Schulter, nicht ohne daß ringsum ein Murren der Entrüstung entstand. Großer Gott! Von meinem erhabenen Standpunkte aus sah ich ganz deutlich das Schaffst, den .Henker mit seiner roten Weste und dem blitzenden Schwerte und einen totblassen Menschen, der von den Henkersknechten herbeigeschleppt wurde. Entsetzen ergriff mich. Ich fing an zu schreien und mit Händen und Füßen zu zappeln. „Ich will nichts mehr sehen! Ich will herunter! Konrad heb' mich herunter!" Der aber war nicht .geneigt, sich durch meine Launen im Vollgenusse des seltenen Schauspiels stören zu lassen. „Du hast's sehen wolle, jetzt siehst D's!" sagte er.lakonisch. Nun wäre mir ja noch übrig geblieben, die Äugen zu schließen, aber dies tat ich nun eben Loch nicht. So blieb mir denn ein Eindruck nicht erspart, der mich für Jahre aus einem unbefangen heiteren Kinde in ein scheues, furchtsames ummantelte, ohne daß — und auch das zeigt den Unterschied zwischen der damaligen Zeit und der heutigen, nur ein Mensch diese Veränderung an mir richtig gedeutet ober auch nur sich darüber gesorgt hätte." v. Bad-Nauheim, 8. Sept. Bis gestern sind 24 755 Kurgäste angekommen, wovon am genannten Tage noch 3547 anwesend waren. 333 629 Bäder wurden Lis zum 7. Sept, abgegeben. y. Büdingen, 9. Septbr. Die Erbauung unseres neuen S ch u l h a u se s ist dem Privatdozenten Dr. Vetterlein aus Darmstadt übertragen worden. Die Gesamtkosten belaufen sich auf über 170 000 Mk. Frühjahr 1907 hofft man den Bau (dessen Errichtung im Jahre 1903 beschlossen wurde!) seiner Bestimmung übergeben zu können. — Mit dem Elektrizitätswerk scheint es gehen zu wollen, wie mit dem Schulhause. Schon vor Jahresfrist wurde die Errichtung eines solchen beschlossen, aber bis jetzt hat man sich noch nicht über die Platzfrage einigen können, und mehr Licht täte doch unserem Städtchen so sehr not!! — Der Kaiser hat dem Kammerdirektor Korrel wegen seiner Verdienste um das Kriegervereinswesen den Noten Adler-Orden 4. Klasse verliehen. Kaufmann Söhnge zu Ortenberg erhielt wegen verdienstvoller Tätigkeit zu gleichem Zwecke den Kronen-Orden 4. Klaffe. R.-B. Darin stadt, 8. Sept. Mit der Hauptversammlung des deutschen Forstvereins war auch eine kleine, aber für jeden Forstmann hochinteressante sportliche Ausstellung verknüpft. Die Firma Pi stör Nachfolger in Gießen brachte einen sehr praktischen Försterofen zur Schau. Das größte Interesse sowohl des Fachmannes wie des Laien erregte ein etwa 1 Kubikmeter umfassendes Keimhäuschen, das eine Nachbildung der großen eigenen Keimanstalt der Firma Konr. Appel darstcllt und die allmähliche Entwickelung der verschiedensten Sorten von Baumsamen genau erkennen ließ. — Auf den verschiedenen Exkursionen der deutschen Forstmänner wurden ihnen neben Baumschulen und seltenen Wald- tutturen auch neukonstruierte Waldbearbeitungsinstrumente uorgeführt. So zeigten die Fachmänner auf der Tour durch den Bessunger Wald viel Interesse für die neue Erfindung •einer Baurnfällmaschine des Forstwarts Büttner in Langd bei Hungen, mittelst deren mächtige, 1/2 Meter dicke Bäume, nachdem ihnen auf der betreffenden Seite die Wurzel durch- gehackt, in wenigen Sekunden lautlos und sicher zur Erde •gestreckt wurden. Höchst intereffant war auch die praktische Worfi'lhrung von Oberförster Dr. Webers (des Hess. Landtagsabgeordneten) Bodenbearbeitungsmaschine, kurzweg Wcber'sche Rollhacke genannt. Die Maschine, deren Herstellung in der Werkzeugmaschinenfabrik und Eisengießerei von Heyligen- staedt u. Co in Gießen erfolgt, bearbeitet den Boden bis ^u 30 Zentimeter Tiefe, indem sie gleichzeitig Humus und Mineralboden mischt. Die Maschine kommt auch in den Großh. Forsten schon seit Jahren 'zur Anwendung und ihre Leistung unterscheidet sich dadurch, wie der offizielle gedruckte Führer für die Exkursion hervorhebt, sehr vorteilhaft von demjenigen des Waldpfluges. Für ihren Gebrauch sind drei Pferde notwendig, ihre Anschaffungskosten betragen 800 Mk. Die Maschine arbeitet sehr intensiv und gleichmäßig und sie wurde von den Fachmännern allgemein als sehr praktisch und zweckmäßig anerkannt. hl. Lorsch a. d. Bergstr., 8. Sept. Die Tabak- ernte ist in unserer Gemarkung jetzt beendigt. In Qualität dürfte der Tabak vorzüglich ausfallen, zumal wir von Hagelschlag verschont geblieben sind. Was die Quantität betrifft, so gaben die früher angepflanzten Felder reichen Ertrag, die später angelegten hatten unter der großen Hitze zu leiden, lieferten ein kleineres Blatt und ziemlich viel Sandblätter und Krumpel. Die bedeutendsten hiesigen Tabakpflanzer sind die Herren Fillauer und H. Lorbacher (ca. 8 bis 10 Morgen) und V. Fehres (ca. 4 Morgen). ** Kleine Mitteilunaen aus Liessen und den Nachbarstaaten. Mit der A u to m o b il o mn i b ns-V erbt n d u n g zwischen D a r m st a d t und Jugenheim (über Eberstadt, Molchen und Secheim) ist es vorläufig nichts. Die ?sranffurter Untetnebmergruppe, die wegen dieser Verbindung Unterhandlungen angeknüpst hatte, forderte von den beteiligten Gemeinden einen Beitrag von 40 000 Mk. Das ist den Gemeinden zu viel. Sie sind der Ai,sicht, daß sie bann doch lieber das Unter» nehmen in eigner Regie anssühren sollten. Are ßyolera. Vom 7.—8. ds. Mts., mittags, sind im preußischen Staat 19 Erkrankungen und 7 Todesfälle an Cholera neu gemeldet worden. Davon kommen auf die Kreise Marienburg 6, Thorn 1, Bromberg Stadt 1, Bromberg Land 1, Wirsitz 5, Gnesen 3, Czarnikau 1, Königsberg (Neumark) 1. Insgesamt sind bis jetzt 123 Erkrankungen und 3 9 Todesfälle in Preußen festgestellt. Die Beamten der preuß. Ost bahnen haben die Anweisung erhalten, Fahrgäste, welche während der Fahrt Anzeichen zur Schau tragen, die Choleraverdacht zulasten, in isolierten Coupes unterzubringen und die Erkrankten nach dem nächst gelegenen Cholera-Lazareth zu schaffen. Den Mannschaften der Garnisonen, in denen bisher Cholerafälle vorgekommen sind, ist durch Kommandanturbefehl der Besuch von Tanzlustbarkeiten bis auf weiteres untersagt worden. Es wird angenommen, daß gerade auf öffentlichen Tanzplätzen die Ansteckungsgefahr sehr groß ist. In Wilhelms höhe bet Usch (Posen) ist ein M- beiter an Cholera erkrankt, weil er Netzewasser getrunken hatte. In Usch-Hauland, Usch-Neudorf und Morzewo ist je ein verdächtiger Fall vorgekommen. In die Cholerabaracke zu Usch wurden drei Personen zur Beobachtung eingeliesert. Zu den gestern von uns gemeldeten 12 Erkrankungen und Todesfällen in und bet Marienburg wird heute berichtet, daß bis jetzt bei zwei Toten Cholera bakteriologisch festgestellt wurde. Die Seuche ist wahrscheinlich in jenes Gebiet auf dem Landweg durch russische sJtüb en arbeitet oder sonstige Durchwanderet eingeschlevpt worden. Ms bakteriologischer Beirat des Oberpräsioenten von Westpreußen hat Prof. Dr. Rolle vom Institut für Infektionskrankheiten in Berlin sein Amt angetreten. Wie weiter aus Martenburg gemeldet wird, sind drei neue choleraverdächtige Erkrankungen den Behörden zur Kenntnis gebracht worden Es handelt sich um eine Frau aus Tessendorf, einen Kutscher und einen Arbeiter aus Marienburg, die in bte Marienburger Cholerastation eingeliefert wurden. Die „Neuen Westpr. Mitt/ berichten: Bet dem Fährmann Beier in Kurzebrak ist Cholera amtlich festgestellt. Ein fünfjähriges Kind desselben und eine Fischerfrau Ziemens aus Jesewitz sind au choleraverdächtigen Erscheinungen gestorben. Ein aus Berlin gemeldeter Todesfall des Holzschneidereibesitzers Zyrus hat sich nicht als Cholerafall erwiesen. Von dem Bezirksphysikus Dr. Jäkobsohn unter Mitwirkung des Direktors des Instituts für Infektionskrankheiten Geh. Medizinalrats Professor Dr. Gassky und des Äbteilungsvorstehers Professor Dr. Frosch wurde die Obduktion ausgeführt, die zum Resultat hatte, daß Zyrus nicht an der Cholera gestorben sei. VerinS-chtes. * Erdbeben in Italien. Aus Monteleone (Provinz Catanzaro) wird gemeldet, daß infolge Erdbebens sämtliche Häuser in Stefanosoni eingestürzt sind. E§ wird befürchtet, daß etwa 100 Personen unter den Trümmern liegen. Truppen find zur Hilfeleistung in Monteleone ein- getroffen. In Martirano (Distrikt Nicastro) sind alle Gebäude einschließlich der Gendarmeriekaserne eingestürzt. Bis jetzt wurden sechs Schwerverletzte unter den Trümmern hervorgezogen, jedoch sind mehr Personen verschüttet. Ileberhaupt richtete das Erdbeben im Bezirk Nicastro schweren Schaden an. Aus Castellamare, Neapel und Florenz werden leichte Erdstöße gemeldet. In Kefanoconi wurden 100 Personen getötet, in Piscopio 50 und in Triparni 60. Die genannten Ortschaften sind völlig zerstört. In San Gregoria wurden 65 Tote gezählt, in Mileto 11 Tote und 200 Schwerverletzte und in Pizzo 4 Tote und mehrere Verletzte. Das Dorf Zammaro wurde fast völlig zerstört, ebenso Zungri und Cessantini, wo die Zahl der Opfer noch nicht feststeht. In den Dörfern Bratico, San Leo, San Cospaulino und Conidoni, die gleichfalls zerstört wurden, verloren 50 Menschen daS Leben; in Spilinga einer. Auch in San Tonofrio sind zahlreiche Opfer der Katastrophe; fast alle Häuser dieses Dorfes, soweit sie noch stehen, drohen mit Einsturz. In den kleinen Städten und Dörfern des Kreises Catanzaro wurden, soweit bis jetzt bekannt ist, 7 Personen getötet und 11 verwundet. In Martirano (Kreis Nicastro) sind etwa 2 2 0 0 Personen obdachlos. In anderen Dörfern des Kreises Nicastro wurden 3 Personen getötet und 30 verwundet. Etwa 50 Insassen des Gefängnisses in Monteleone sind verletzt. In anderen Dörfern des Kreises wurden 16 Tote und 2 5 0 Verwundete gezählt. Nach den von dem Erdbeben heimgesuchten Gebieten wurden Sanitätstruppen mit Zelten gesandt und zum Transport der Sanitätsbeamten und des Hilfsmaterials Sonderzugsverkehr eingerichtet. Der Minister der öffentlichen Arbeiten Ferravis reifte nach Calabrien, um die durch das Erdbeben verwüsteten Orte zu besuchen. Ministerpräsident Fortis sandte für erste Unterstützungen 20000 Lire. • 50 000 Opfer des Heiratsschwindels. Au» New-Pock wird berichtet: Die Enthüllungen, die die Aufdeckung der Heiratsschwindeleien des George Witzhoff hervor- ruft, werden immer ungeheuerlicher. Der „Blitzbräutiganck, der nach einer vorsichtigen Schätzung hundert „Frauen" hatte, ist noch immer nicht verhaftet, obwohl überall Photographien von ihm verbreitet worden sind. Auch die Privattätigkeit hat eingesetzt, um die Verhaftung des Mannes herbeizuführen; so hat die „New-Pork World" 2000 Mark für seine Ergreifung ausgesetzt. Bei der Untersuchung seines Falles hat sich nun herausgestellt, daß es in New-Port und anderen großen amerikanischen Städten sehr viele Männer gibt, die sich ein Gewerbe daraus gemacht haben, arglose Frauen zu heiraten, nur um sie zu berauben. Die „Internationale Rettungsliga amerikanischer Frauen" hat sich der Sache angenommen und gibt der Polizei sehr viel Material an die Hand, eine Verfolgung dieser Männer in großem Maßstabe einzuleiten. Mrs. Charlotte Smith, die Vorsitzenoe dieser Liga, behauptet, daß es nach den Berichten ihrer Agenten in den Vereinigten Staaten gut 50 000 Frauen gäbe, die ein Opfer dieses Heiratsschwindels geworden sind. Viele der Frauen, die nur geheiratet wurden, uni dann beraubt und verlassen zu werden, können sich jedoch nicht entschließen, Klage zu erheben, so daß die Zahl eher zu niedrig als zu hoch wäre. Namentlich bei den Heiratsagenten, die in den Kreisen der Eingewanderten tätig sind, finden die Schwindler eifrige Unterstützung. (B. V.--Z.) Sandel und Verkehr. Volkswirtschaft. Markte. Gießen, 9. Sept. Marktbericht. Ans heutigem Wochenmarkt kosteten: Butter pr. Pid. 1.10—1.20 Mk., Hühnereier 1 St. 7-8 Psg. 2 Stck. 00-00 Psg., Gänseeier 15—00 Pfg., Enteneier 6—7 Psg., Käse vr. Stck. 6—8 Pf., Käsematte 2 Stck. 5—6 Psg. Erbsen vr. Liter 21 Psg., Linsen pr. Liter 32 Psg., Tauben pr. Paar0,80—0,90 Mk., Hühner pr.St. 1,00—1,60 Mk., Löhne pr. Stück 0,80—1,80 9)IL Enten pr. Stuck 1,80—2,20 Mk., Gänse vr. Pid. 55—65 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfd. 72—82 Psg., Knh- und Rindfleisch pr. Pfund 70—72 Pfg., Schweinefleisch pr. Pfund 76—86 Pfg., Schiveinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 90 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 70—80 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—76 Psg. Welsche per Pfund —.— Kartoffeln pr. 100 Kg. 5,00—7,00 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 8,00—10,00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Aepsel per Zentner 0 bis 0 Alk., in Körben 00 Psg., Kirschen pr. Psd. 00—00 Psg., Zwetschen per Zentner 0.00 Alk. Birnen per Zentner 0 bis 0.00 Mk. Weißkraut 0.10—0.15 Mk. Marktzeit 7—1 Uhr. Gießen, 8. Sept. B i e h m a r k t. Bei dem am 5. und 6. Sept. d. Js. stattgehabten Markte waren ausgetrieben 1398 Stück Rindvieh, 847 Stück Schweine, 257 Pserde und 29 Fohlen. — Der nächste Markt findet am 19. und 20. September statt, am letzteren Tage auch Krämermarkt. Auszug m den Stim-ksaintsresifienl der Ltkd! Hießen. Aufgebote. Sept. 3. Arno Heinrich Karl Wilhelm von Boeltzig, Leutnant dahier, mit Johanna Martha Mathilde von Tschepe in Broniewiee. — 4. Johannes Fehl, Steuerkommissariatsgehilfe dahier, mit Bertha Ortwein in Salz. — 5. Georg Götz, Sattler dahier, mit Katharine Winkler Hierselbst. — Fritz Flimm, Kaufmann dahier, mit Kathinka Sack Hierselbst. — 6. Alfred Böcker, Maurer dahier, mit Katharine Jmbescheid Hierselbst. — 7. Ludwig Stroh, Bureaugehilse dahier, mit Karoline Krick hierselbst. — Johännes Gehringer, Pflasterer dahier, mit Luise Geißler Hierselbst. Eheschließungen. Sept. 2. Heinrich Hedderich, Fuhrknecht dahier, mit Anna. Katharine Vanz, neb. Schomber Hierselbst. — Dr. Karl Völling, Gerichtsassessor in Fürth i. O., mit Julie Luise Wilhelmine Hellwig dahier. — 7. Johann Markert, Kellner dahier, mit Antoine Henze Hierselbst. Geborene. Aug. 26. Dem Taglöhner Karl Wagner eine Tochter Anna Helene. — Dem Installateur Wilhelm Hamel eine Tochter. — 28. Dem Schuhmacher Heinrich Wiegand ein Sohn Karl. — 30. Dem Bauansseher-Aspiranten Johannes Helfrich eine Tochter. — Dem Kreisbausekretär Heinrich Junker eine Tochter Elisabeth Emilie. — Dem Handschuhmacher Anton Kunz eine Tochter Lotte Helene Elisabeth. — Dem Fuhrmann Heinrich Balßer eine Tochter Anna Margarete. — Dem Erdarbeiter August Lehrmund eine Tochter Maraarele Marie Lina.— Dem Taglöhner Heinrich Wilhelm Becker eine Tochter Käthe Luise Elise. — 31. Dem Taglöhner Wilhelm Schönield ein Sohn Karl Wilhelm. — Dem Wirt und Küfer Johann Gehrlicher ein Sohn Hans. — Sept. 1. Dem Taglöhner Kaspar Schmidt II. eine Tochter. — Dem Schreiner Heinrich Frebel II. ein Sohn Heinrich August Martin. — 2. Dem Bürstenmacher Wilhelm Leichtweis eine Tochter Anna Minna. — Dem Eisendreher Friedrich Romer ein Sohn. — 3. Dem Lokomotivheizer Adolf Stumpf eine Tochter. — Dem Lokomotivheizer Wilhelm Hirdes ein Sohn Ernst Erich. — Dem Kaufmann Franz Bette eine Tochter Friederike Adelheid Maria Elisabeth. — 7. Dem Kausmann Felix Sonnebom eine Tochter Betty Elisabeth. Gestorbene. Sept. 1. Dorothea Müller, 58 Jahre alt, ohne Beruf, dahier. 2. Heinrich Katzenbach, 79 Jahre alt, Lehrer i. P., dahier. — Georg Friedrich Stohr, 79 Jahre alt, Schlößer, dahier. — 8. Pauline Bapst, geb. Plank, 60 Jahre alt, Rentnerm dahier. Spielplan des Großherzoglicheu Kurtheaters Bad-Nauheim. Direktion Hermann Steingoetter. Montag deii 11. September: Gastspiel von Ernst Freiherr v. W o l z o g e n und Elsa Laura Freifrau v. W o l z o g e n. Dazu: „Ich heirate meine Tochter/ Lustspiel von I. Groß von ^rockau. Zum Schluß: „Die Hasenpiote." Tragikomödie von Hans Breimert. Mittwoch den 13. September: Gastspiel von Frl. Lily Donecker vom Hoitbealer in Mannheim: „Die verslinkene Glocke. Em deutsches Märchendrama von Gerhardt Hauptmann. Freitag den 15. September: „Die große Leidenschaft/ Lustspiel von Raoul Auemheimer. Dazu: Balleteiulage von Fräulein Liny Eichrodt vom Stadttheater in Straßburg. Samstag den 16. September: „Telephongeheimnisse." Schwank von H. Hausleiter und Max Reimann. In Szene gesetzt von dein Verfasser Max Reimann vom Schauspielhaus Frankfurt a. M. Schiffsnachrichlcu. Norddeutscher Lloyd. In Gießen vertreten durch Carl L o o S , Kirchenplah. Breme»', 5. Sept. (Per IranSallaiitischen Telearaph.) Der Doppelschrauben-Schnellpostdampser „Kaiser Wilhelm II.", Kapitän D. Högemann, oom Norddeutschen Lloyd in Bremen, ist.hent- 6 Uhr morgens wohlbehalten in Newyork angekomme»». Königlich Preussische Staats-Medaille schwarze weisse farbige In unvergleichlich reicher Auswahl. Immer dle neuesten und schönslen. - Solide und sehr billig. 4 AuLstellltngS-Medatllen, 6 Hoslieferanten-Diplome. Deutschlands grösstes Spezial- Seidengeschäft Meeh. Seidenstoff-Weberei Michels & Berlin SW. 19 43 Leipziger Strasse 43 Ecke Markgrafen-Str&sse. Proben portofrei a '1 tdjt dahier, mi 'iE - Tv. ^DWlmine Hellwig cher, mit Antonie hmz.- 1 Irr StiiM NG it von Boelhig, fleutnun! on Achcpe in&roniercia. 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September statt, am igner eine Tochter Anne | Hamel eine Tochter. - | ein Sohn Karl, — 30, tcn i ch eine Tochter.-Tein» >chter Elisabeth Gmiht-| ne Tochter Lotte Helen-1 Balser eine Tochter»|t Lebrmund enie-iotWI »r Heinrich Wilhelm Beck«» Dem Taqlöhner MdB» mWirt undKuierJohan-.» Tem Taqlöhner Ka^« >er Heinrich ^'ebel lLU ’n n Bür-steninacherWilhele | 2em Eisendreher tjt* J heu« Adoli Stampf ej |L Im yirdes em Sohn w I eine Tochter Fne er « mifmaim gelir Sonneh» AW ä ' 1 olt, Senin«™*, ' ,cr6 $«6=»«»*' inqoette^ 1 ripiel von i °2aäu: c Wol-vge I Son3.®Ä’Ä^ ’mbSa°"iln ®on,effil l "Ä me Glocke- verinnkene . B /9 Großherzogliche Baubehörde für die Universitäts-Neubauten. I. V.: Heyer._________________ Bekanntmachung. In der Zeit vom 2. bis 9. September l. J§. wurden in hiesiger Stadt gefunden: 1 Peitsche; verloren: 1 silb. Negenschirmgriff, 1 Portemonnaie mit ca. 15—17 Mark und 1 Pferdelos Inhalt, 1 zweirädriger Karren und 1 rotledernes Portemonnaie mit 5 Mk. Inhalt und Briefmarken. Zu geflogen ist: 1 Kanarienvogel. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns geltend zu machen. Gießen, den 9. September 1905. Großh. Pnltzeiamt Gießen. I. V.: Not h. III. 96 Drehstühlc und Dreibeine. Angebotsunterlagen können auf unserem Zweigbureau, Frankfurter Straße 85, eingesehen, Angebotsformulare (keine Zeichnungen) dorther bezogen werden. Offerten, mit entsprechender Aufschrift versehen, sind bis Samstag, den 16. September, vormittags 11 Uhr, dem Eröffnungstermin, auf genanntem Zweigbureau einzureichen. Freiwillige Versteigerung. Äiittwoch, den 13. d. Mts., nach»», von 21/. Uhr versteigere itü) dahier im Saale des Herrn Gastwirts Fischer zum „Felseukellcr", Liebigstr. 5, im Auftrage zweier Parteivertreter: a) eine Speisezimmer-Einrichtung, bestehend in 1 Büffet, 1 Tisch, 6 Stühlen, 1 Serviertisch uud einem großen Spiegel mit Panel (Eichenholz), b) eine Schlafzimmer-Einrichtung, bestehend in: 2 Betten, 2 Nachttischen, 1 Spiegelschrauk, 1 Waschtisch m. Spiegelaufsatz und 2 Stühle (Nußbaumholz). Die Versteigerung findet bestimmt statt und können die Sachen bereits am 13. er., vormittags, in genanntem Lokal besichtigt werden. (Siegen, den 9. September 1905. 4ooo Seipel, Gerichtsvollzieher. Fries9rg®h Wilhelm Preussische Lebens- und Garant!e-Versicheruugs- Aktien-Gesellschalt, Berlin W. 64, Behrenstrasse 59-61 ===== Errichtet 1866. ===== Neue Anträge in 1904: über 78 Millionen Mark. XTBk Häutzncr's Breunesselspiritus, p. Fl. M. 0.75 u. 1.50, ächt m. d. Weudclstciner Ätrchel. Billigst, u. bewährtest.Haarw. <<> geg.HaarauSsall, Haarsratz, Haarspaltc. 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