Nr. 57 Erstes Blatt. 155. Jahrgang Mittwoch 8. März 1905 Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Schul st ratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gtetzeu. Fernsprechanschluß Nr. 51. Gietzener Anzeiger ° General-Anzeiger Ve-ug»prer»r monatlich75Pf., viertel jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk. 2.—viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeige« ix die Tr eärm-mter 's vormittags dUTnc. Z c' 'svvreis: • auswärts Ä Äiz. Verantwortlich fite den polit und U ;e>cXe Teil: P. Wtttko: für ^Stadt und Land" und „Gerichtssaal": August Goetz; für den An» zeigenteil: Hans Beck. e*f*ei*t täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Gießener Kamilien- htätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Der» lag der Bruhl'schen Nnivers.-Buch-u. Steindruckerei. R. Lange. Redaktion, Erveditton . Ire Keuiige Nummer umfaßt 10 Leiten. "Bekanntmachung. $etr.; Fe/dbereinigung in der Gemarkung Gießen, rechts der Lahn; hier: den zugezogenen Teil der Gemarkung Heuchelheim. In der Zeit vom 9. März l. Js. bis einschließlich 22. März l. Js. liegen auf dem Gemeindehaus zu Heuchelheim bei Gießen die Arbeiten des III. Abschnitts von dem zur Feldbereinigung Gießen rechts der Lahn zugezogenen Teil der Gemarkung Heuchelheim, nämlich: 1. die Zuteilungskarten, 2. daß Zuteilungsverzeichnis, 3. die Gütergeschoffe, 4. die Zusammenstellung der Gütergeschosse, 5. das Obstbaumverzeichnis; ferner die Arbeiten des II. und III. Abschnitts von den infolge Grenzregulierung aus den Gemarkungen Allendorf und Mein-Linden zugezogenen Grundstücken, nämlich I. Gemarkung Allendorf: 1. das Besitzstandsverzeichnis, 2. die Gütergeschosse, 3. die Zusammenstellung der Gütergeschoffe, 4. das Zuteilungsverzeichnis, 5. die Zuteilungskarte, 6. das Geldausgleichungsverzeichnis; II. Gemarkung Klein-Linden: 1. das Besitzstandsverzeichnis, 2. die Gütergeschosse, 3. das Zuteilungsverzeichnis, 4. die Zuteilungskarte, 5. das Geldausgleichungsverzeichnis Lur Einsicht der Beteiligten offen. Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen hiergegen findet statt: Donnerstag den 23. März l. vormittags von 11 bis 12 Uhr, fin Gemeindehaus zu Heuchelheim bei Gießen, wozu ich die Beteiligten unter dem Anfügen einlade, daß die Nichterscheinenden mit Einwendungen ausgeschlossen sind. Einwendungen sind schriftlich abzufasien, zu begründen und auf Papier in Aktengröße (mindestens V3 Bogen) einzureichen. Fri edberg, den 6. März 1905. Ter Großherzogliche Feldbereinigungskommissär: Spam er, Kreisamtmann. Kckanntmachnng. Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Utphe; hier die Arbeiten des II. Abschnittes. In der Zeit vom 10. l. Mts. bis einschließlich £3. l. Mts. liegen auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Utphe die Arbeiten des II. Abschnittes von obiger Feldbereinigung, nämlich: 1. 49 Bonitierungsblätter, 2. 2 Bände Besitzstandverzeichnis, 3. 2 Bände Gütergeschoffe, 4. 1 Band Zusammenstellung der Gütergeschoffe, 5. das Protokollbuch zur Einsicht der Beteiligten offen. ‘ Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen hiergegen findet statt: Freitag, den 24. März l. Js., vormittags 91/2 bis 10Vr Uhr, im Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Utphe, wozu ich die Beteiligten unter dem Anfügen einlade, daß die Nichterscheinenden mit Einwendungen ausgcschloffen sind. Die Einwendungen sind schriftlich abzu- saffeu, zu begründen und auf Papier in Aktengrößc (mindestens !/2 Bogen) einzureichen. Friedberg, den 2. März 1905. Der Großh. Feldberemigungskommiffär. ___________Spamer, Kreisamtmann.______________ Bekanntmachung. .Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Wagengasse von heute an bis auf weiteres für den Fuhrverkehr gesperrt. Gießen, den 8. März 1905. Großherzogliches Polizeiamt Gießen Herberg. Die Zukunft Wußlands. Diejenigen ernsten Beobachter der Zeitgeschichte, die sticht an eine bessere Zukunft Rußlands zu glauben ver- tnögen, selbst unter einer freiheitlicheren Regierung, begründen ihre Auffassung durch den .Hinweis auf zwei, immer schärfer hervor tretende Erscheinungen: den Mangel an Patriotismus in der Bevölkerung und den Mangel an Disziplin im Heere. Man könnte vielleicht fragen: Wie soll unter derartigen Zuständen die Vaterlandsliebe gedeihen? Doch wiirde diese Folgerung unrichtig sein. Die äusierste Unzufriedenheit! mit den Inneren Verhältnissen eines Staates schließt fei- nestuegs eine sogar leidenschaftliche Liebe zu.dem Staate aus. Es ist ähnlich wie mit einer Familie, die unter sich gicht einig lebt; versucht ein Fremder, daraus Nutzen ^u ziehen, oder unternimmt er einen Angriff aus ein Mitglied dieser Familie, dann erwacht das Gefühl der Gemeinsamkeit, mid alle stehen zusammen. Man denke auch an das von Napoleon geknebelte Deutschland und an das Deutschland zur Zeit oer schlimmsten Reaktion. Die Probe auf den russischen Patriotismus ist schlecht ausgefallen. Das ließ sich ja noch verstehen, daß es hieß: der Krieg ist unpopulär. Aber daß viele Russen so weit gehen, unverhohlen Rußland die empfindlichste Niederlage zu wünschen, aus Groll über die Mißwirtschaft und die Vorenthaltung politischer Rechte, das ist doch — die Dinge von einem höheren Standpunkt aus betrachtet, als von dem der Sympathie mit freiheitlichen Ideen und Forderungen — ein krasser Mangel an Patriotismus, ein Mangel, wie er in, dieser Größe an einer Nation selten zu bemerken gewesen istl Ein Volk mit starkem Selbstvertrauen hätte sich mit dem Krieg, da er nun einmal begonnen ist und mit Ehren durchgefochten werden muß, abgefnnden. Die furchtbaren Verluste hätten den Ruf nach Vergeltung zu einem einmütigen gemacht, viele Tausende hätten freiwillig zu den Waffen gegriffen, statt daß sie sich mit allen Mitteln der Aufforderung entziehen. Gesetzt, Deutschland oder Frankreich oder England würden durch mißliche Umstände in einen großen Krieg hineingezogen, in dem nichts zu gewinnen, tn dem nur die Ehre zu verteidigen wäre. Würde nicht auch in einem solchen, an sich höchst unerwünschten und unpopulären Kriege der Patriotismus sehr bald kräftig sich regen, würden nicht mit ebensoviel Begeisterung Opfer gebracht werden wie in einem allgemein als nottocnbig anerkannten Kriege? In Rußland zeigt sich nicht einmal materielle Opferwilligleit. Wohl steuern die Besitzer großer Vermögen Summen bei oder stellen Verpflegungsmittel zur Verfügung. Das sind gewissermaßen standesgemäße Leistungen, von denen sich diejenigen nicht ausschließen können, die auf gute Beziehung zpr Behörde Wert legen, vielleicht zum Teil auch nach Auszeichnungen trachten. Tas Bürgertum aber hält die Taschen zu. Von Beispielen rührender Hingabe, wie sie aus anderen großen Feldzügen die Geschichte zahlreich überliefert hat, weiß kein Bericht zu erzählen. Unlustig wird das Geforderte gegeben, bedrückt ziehen die Soldaten zum Kriegsschauplatz. Und nun das Schlimmste: die Disziplin, ehedem gerade vom russischen Heer als eisenfest gerühmt, gerät allenthalben ins Wanken. Desertionen, Selbstverstümmelungen sind trotz drakonischer Strafandrohungen an der Tagesordnung. War doch in einem Tagesbefehl an die Truppen der beschämende Satz enthalten, daß es keine Möglichkeit des Entrinnens gäbe. Derart wird nur der Mut der Verzweiflung angestachelt, der mit der Feigheit nahe verwandt ist. Gewiß/ es wurden auch Heldentaten verrichtet, besonders m Beginn des Krieges — aber im allgemeinen scheint der Geist der Truppen den Befehlshabern nicht viel Vertrauen einzuflößen. Der Wagemut geht mehr und mehr verloren, dem Angriff fehlt die Schnei- digkeit, das „Rette sich, wer kann" des Rückzugs ist zur Gewohnheit geworden. Mangel an Vaterlandsliebe und Mangel an Disziplin werden Rußland sicherer zersetzen, als es die Umsturzbewegung vermag. Die Intellektuellen, die geistig Hervorragenden in Rußland haben die Scrat der Revolution aus gestreut. Daneben aber ist eine schlimmere Sgat, durch das „Weltbürgertum" vieler GebilLeter, aufgegangen: die Verachtung Rußlands, die Gering Schätzung,sein er Sitten und Gebräuche, die Vernachlässigung seinerSprache, die in feineren Kreisen als roh und plebejisch gilt. Der berühmte russische- Novellist Turgenjeff, der seine Landsleute, besser gekannt-hat und offener beurteilt als irgend ein anderer Autor, wirft einmal die Frage auf, tonrnnt gerade in Rußland soviel Menschen vorkommen, die ihr Vaterland nicht kennen, ihrem Vaterland innerlich eut- ftemdet sind, glänzend französisch sprechen, aber mangelhaft russisch? Turgenjeff beantwortet die Frage nach den Gründen nicht. Aber er läßt, in ahnungsvoller Sorge um die Zukunft, eine seiner dichterischen Gestalten die tiefernsten Worte sprechen, die wie für die Gegenwart geschrieben sind: „Unser Vaterland kann jeden von uns entbehren, aber keiner von uns kann auf unser Vaterland verzichten! Wehe dem, der vermeint, dazu imstande zu sein; aber zweimal Wehe über den, der wirklich den Glauben und den Gedanken an sein Vaterland aufgibt!" Rußlands Gegenwart. Tie gegenwärtige Lage Rußlands weist keine Veränderungen auf. Der Kaiser beauftragte den Staatssekretär S 0 l s k i, bet den Versammlungen des Ministerrates den Vorsitz zu führen, bei denen der Kaiser nicht persönlich den Vorsitz übernimmt. Tas Ministerkomitee erörterte die Laae der nicht orthodoxen Christen Rußlands. Besprochen wurden Abänderungen der Gesetze hinsickMch der Erbauung nichtorthodoxer Kirchen; der Gründung religiös erBrüder schäften, der Klöster, der Ergreifung von Straf maßregeln gegen Geistlrche und der Erteilung des Religionsunterrichts in der Muttersprache der Schüler. M i n i st e r W i t te reichte beim Zaren sein A b s ch r e d s - gesuch ein, motiviert durch Vertrauensmangel. Wahrscheinlich fühlt er sich durch Solski verdrängt. Fast in sämtlichen Fabriken Petersburgs ist dre Arbeit abernials eingestellt worden. Auch das Arsenal und die baltische Schiffswerft streiken. Die Administration der Werst kündigt an, daß ihre Fabriken einstweilen geschlossen bleiben, bis eine solidarische Erklärung der Arbeiter erfolgt, daß sie insgesamt die Arbeit wieder aufnehmen wollen. In der Zwischenzeit wird weder Lohn noch Unterstützung gezahlt. Tie Arbeiter der Putilow-Fabriken sind ebenfalls wieder in den Ausstand getreten. Einige Abteilungen wollten arbeiten, wurden aber von anderen Arbeiten daran verhindert. Es kam zu einer großen Schlägerei, wobei verschiedene Arbettec arg zugerichtet wurden. Auch die Fabriken des Schlüsselburger Distriktes streiken, darunter die Newski Schiffswerft. Um dem Schicksale, während einer Ausfahrt von einer Bombe getötet zu werden, zu entgehen, hat Generalgouvernenr T r e p 0 w eine List ersonnen, die in eingeweihten Kreisen Petersburgs lebhaft kommentiert wird. Zu seinen Spazierfahrten benutzt er seit einigen Tagen nick-it mehr sein eigenes Gespann, sondern einen Krankenwagen des Roten Kreuzes, während seine Eauipage als Atrappe durch die Straßen fährt, um die Aufmerksamkeit der Paßanten auf sich zu lenken. , Aus den Gouvernements Moskau, Kaluga imd Kursk treffen. Nachrichten ein, wonach die Konservativen bei den Bauern Unterschriften sammeln für eine Petition zu gunsten der Fortführung' des Krieges b^s zum letzten Atemzuge und der Beibehaltung der Autokratie. Wie finnrsche Blätter melden, wurden am Samstag und Sonntag in der Umgegc^d von Helfingsors mehrere Menschen ermordet und ausgeplündert. In Lodz ist die Fabrik Posnanski geschloffen worden. Mehr als 6000 Arbeiter wurden entlassen. Wegen des Schließens der Fabrik werden antisemitische Unruhen befürchtet. Eine in den Garten der Fabrik von Silberstein geworfene Bombe zerstörte nur die Fensterscheiben. Zwanzig Personen, welche beschuldigt werden, die Schüler aufgewiegelt zu haben, wurden verhaftet. Die Beamten der Semstwo-Stadtverwaltung von Poltawa beschlossen, sich keine Gehaltsabzüge mehr für das Rote Kreuz gefallen zu lassen. Diesem Beispiel wollen viele Kaufleute und Bürger in der Stadt folgen. Anlaß hierzu gab der Umstand, daß sechs Waggons mit Lebensmil teln, welche s. Zt. für die Soldaten abgesandt wurden, auf dem Wege nach der Mandschurei spurlos b er schwunden sind. Ter „Standard" meldet aus zuverlässiger Quelle, daß der russische Thronfolger an Luftröhrenentzündungt gefährlich erkrankt sei. Eine Kranken Wärterin aus England sei nach Zarskoie Selo berufen worden. Die Schlacht bei Wnkden ist noch immer nicht entschieden. Die Lage zeigt heute in der Hauptsache fast das gleiche Bild wie gestern. Es wird! weiter hartnäckig gekämpft. Die Aussichten für die Russen, scheinen sich zu bessern. Ein Telegramm des Generaladjutanten Kuropatkins vom 5. März besagt: Der Feind rückt auf dem rechten Ufer des Hun h 0 auf N u s i n t 0 n g vor, wurde aber zu rück geschlagen. Unsere T r u p p e n nahmen hierauf die Q f f e n s i v e wieder auf und besetzten Nusing toug und mehrere andere Ortschaften. Auch ein feindlicher Angriff auf Clcasia wurde abgewiesen. In der Nähe des Putilowhügel machten wir hundert Gefangene.^ Der Feind griff Kaudolisan au, wurde auch hier z u r ü ck g e s ch l a g en; Oberst Rumschewitsch wurde hierbei verwundert. Der Feind wich in südlicher Richtung von unseren Stellungen beim Kultulinpaß zurück. Unsere. Jäger gingen bis Sebunschusi und S ch a u k h e a s i v 0 r. Es gelang die javanischen Streitkräfte bei Ubenapusazurück- z u s'ch l a g e n. Der Feind ging aus seine früheren Stellungen bei K u d i a s a zurück. Unsere Truppen besetzten dann nach nnem Kampfe die Anhöhe, welche die Umgebung beherrscht. Ein zweites Telegramm Kurovatkins vom 5. Mar„ lautet. Im Zentrum herrscht Ruhe. Auf der rechten Flanke im Westen von Mukden halt der Angriff an. Der Feind bemühte sich, ein Dorf zu besetzen, wurde aber z u r ü ck g e s ch l a g e n. Um 11 Uhr abends wurde der zehnte Angriff abg e w i e s e n. Unsere Artillerie bei Erda unterstützte uns beim Zurückschlagen des Angriffs auf den Putilowhügel. Gestern gegen Mitternacht griff der Feind K a n d 0 l i s a n an, wurde aber nach dreistündigem Kampfe zurückgeschlagen. Vor dem Kutu- linpaß lagen dreißig japanische tote Offiziere und 2000 japanische Soldaten. Einen Teil derselben haben wir beerdigt. — Später griffen die Japaner neuerdings untere Stellungen bei Uzenapusa an. Unsere Abteilung bei To- maguchan wies mehrere Angriffe der Japaner ab. Die Der« l u st e der letzteren sind bedeutend. Eine Abteilung auf bei äußersten Linken besetzte einen Paß zehn Werst östlich von Kudiatse. Eine japanische Eskadron und eine halbe Kompagnie Infanterie wichen in Unordnung zurück. Aus Tokio meldet Reuter: Die größte Kon» z e n t r a t i 0 n d e r R u s s e n für die Verteidigung von F u s chft n scheint auf der Linie Tita-Machuntan vor sich zu gehen. Kuropatkin verteidigt nach wie vor Fuschun entschlossen. Die russischen Operationen zeigen nicht an, ob Kuropatkin sich zu schlagen oder zu^ückzuzichen beabsichtige. Fuschun muß gehalten werden, um die Armee am Schaho zu schützen. Andere Privatm etdung en, die freilich vorsichtig auf* zunehmen sind, besagen folgendes: Petersburg, 7. März. Die letzten Nack,-richten aus Mukden lauten für die Russen günstig. 2i'e Lage im Nordwesten ist gut. Die hartnäckigen Angnffe des Generals Nvgi werden stets abgeschlagen und die Japaner na ch W e st e n zurück- gedrängt. T>er Geist der russischen Mannschaften ist nach den letzten Erfolgen ausgezeichnet. Es herrscht förmlich Feiertagsstimmung. Genial Kaulbars nnt seinem Stabe befindet sich tm Dordertreffen und lenkt persönlich den Kampf des Westftügels. Tie Kämpfe der letzten Tage über steigen an Fürchterlichkeit alles bisher Dagewesene., Die Russen glauben fest an den Sieg in dem augenblickNch Ntenden Entscheüidungskampf. Tie 54. D-'.vffion, die früher Or- lofffcke, überraschte durch Energie und Arrsdauer. London, 7. März. Nacv Depeschen aus Tokio wird dort berichtet: Tie russischen Verluste betragen schon 40 000 Mann. (!!) Man erwartet in Tokio, daß Kuropatktns Verbindung nacb Norden abgeschnitten und feine Armee vollständig umzingelt werden wird. Nach anderen Berichten sei leine Rückzugslinie bereits abge schn itten. Tie Mhbhe acht Kilometer westlich von Mukden werde jetzt von zahlreichen schweren GffMtzen bombardiert und ihre Eroberung stehe bevor. Enorme Massen von Vorräten wurden erbeutet. TieNng ist stark beftstigt und hat eine Garnison von 40 000 Mann. Tie Besetzung von Mukden wird ungefähr für den 10. bis 12. März! erwartet. Paris, 7. März. Der Spezialkorresvondent des „Journal" in Mukdeai berichtet unterm 6. d. M.: Der Kampf wütet mit furchtbarer Heftigkeit. Die i a p a n i s cke n Verluste übersteigen heute jedenfalls 40 0 0 0 M a n n. (Siebe oben!!) Im Zentrum hat General Linjer. ' ; - 13 aufeinandee folgende Angriffe siegq reich zurückgeschlagen. Tokio, 7. . Bal; n f von Painchiatmr > 10 Meilen östlich von Mukden, steht in Flammen, yjcmt vermutet, daß die Russen ihre Proviantde Pots in Brand gesteckt haben, bevor sie sich zurückziehem c . 3 Paris, 7. März. Ter Petersburger Korrespondent .des ,,Echo de Paris" berichtet fernem Blatte, er habe einen Mrmster und einen Offizier des Generalstabs gesprocherr, welche erklärt hätten, ein durchschlagender Erfolg sei weder auf der einen noch ans der anderen Seite wahrscheinlich, da beide Gegner erschöpf t seien. Auf der russischen linken Flanke seien 7000, auf der rechten 2 2 0 0 0 Mann getötet oder verwundet worden. Tas 10. und 8. Ko r ps seien beinahe völlig auf g e r i e b c n. London, 7. März. Tie „Times" meldet aus Petersburg: Troß der ernsten Lage in Mukden seien die Generalstab soff lzwre überzeugt, daß es Kuropatkin gelingen würde, seine /oebetiage wieder gut zu macken. Informationen des genannten Blattes werde Kuropatkin seine gesamte Armee morgen nach Luden und Südwesten von Mukden werfen und den Beriuch machen, die Armee Opamas zu überrumpeln.. Werter berichtet das genannte Blatt aus Petersburg, daß in einem gestern ab- gehaltenen Kriegsrat unter dem Vofiitz ^ragomtroivs m ckn- U-csenheit Grivenbergs beschlossen worden stt, wertere 400 000 Mann nach Ostasien zu entsenden. „Times" meldet, Rußland toerde, selbst wenn Admiral Roschdiestwensli nicht imstande sein sollte, die japanische Flotte unter Admiral Togo zu besiegen, den Krieg keinesfalls aufzugeben. Im Gegenteil habe der Zar die feste Absrcht, lahrelang zu k ä m vf en, um Japan unterzukrregen. , Tie „Tarmst. Ztg." schreibt: Wie wrr erfahren, erhrelten I. M. die Kaiserin von Rußland aus Sachetun von General Kuropatkin folgende Meldung vom 21. Februar: Heute besuchte ick bei Besichtigung einiger Teile der 2. Armee in Taragolung (?) das Großh Hessische Feldlazarett, das ich als ausgezeichnet und zur bevorstehenden großen Arbeit vollkommen bereit gefunderr habe. Ich bin so glücklich, Ew. Masestät dies bestätiaen zu können. Deutsches Reich. Berlin, 7. März. Nach einer Meldung der „Südd. Reichskorresp." wird der Kaiser auf seiner Mittelmeerfahrt Barcelona, behufs Besichtigung des ihm verliehenen Regi- ments „Numancia", wie verlautet hatte, nicht besuchen. — Beim Kaiserpaar fand heute abend der letzte ^»roße Ball dieses Winters statt. Der Kaiser zog eine große Reihe von Persönlichkeiten ins Gespräch, u. a. den Fürsten zu Inn- und Knyphausen, Minister von Budde, Minister Frhrn. v. Hammerstein, die Staatssekretäre Krätke und Stengel. Der Kaiser sprach längere Zeit mit dem Reichskanzler und dem Botschafter Grasen Lanza und wandte sich dann dem Botschafter von Szögyenyi-Marich und den übrigen Botschaftern zu. Nach dem Ball reiste der Kaiser nach Oldenburg und Wilhelmshaven ab. — Staatssekretär des Reichspostamtes Krätke veranstaltete heute abend im Neichspostmuseum einen Vortragsabend über Schnell- u ndM ehrfach-Telegraphie. Es waren anwesend u. a. Minister Studt, Staatssekretär Nieberding, Kolonialdirektor Dr. Stübel, Generaloberst v. Schliessen, die Professoren Miethe, Rauleaux, Eulenburg, die Abgeordneten v. Kardorff, Gröber, Liebermann, v. Sonnenberg, Arendt, Roeren, Gras Oriola und Mugdan. Den Vortrag hielt Telegrapheningenieur Feyerabend. Er führte mit Apparaten und Lichtbildern die verschiedenen Schnell- und Mehrfachtelegraphensysteme vor, darunter den Schnclltelegraph Siemens und Halske, 26000 Wörter vro Stunde, der jetzt zwischen Königsberg und Berlin erprobt wird. — Nach dem B. T. werden das preuß. und das würrtemb. Kriegsministerium, sowie einige Generäle Straf- antrag stellen gegen den Oberst a. D. Hu eg er, der seit Jahren in der Oeffentlichkcit behauptet hat, daß in einer Beschwerdesache gegen ihn, sowie in einem gerichtlichen und in einem ehrengerichtlichen Versa hren zahlreiche schwere Verstöße von hohen Offizieren und Beamten begangen worden seien. — Neber die neue deutsche Arzneitaxe, die zum 1. April in Kraft tritt, erfährt die „Pharm. Ztg." Folgendes: Die Taxe ist auf Grund der Oktoberpreisliste der Drogisten fertiggestellt worden, wobei etwaige erhebliche Preisänderungen nachträglich noch Berücksichtigung gefunden haben. Das Prinzip der Paufchalberechnung der Arbeitspreise, wie es die hessische Arzneitaxe eingeführt hat, ist so viel als möglich zur Anwendung gekommen. Die Arzneitaxe sieht eine Gebühr für Dienstleistungen in der Nacht vor. Lübeck, 7. März. An Stelle des jetzigen, lediglich von dem Nachweis einer dreijährigen Versteuerung von 1200 Mk. Einkommen abhängigen Wahlrechts für die Bürgerschaft Lübecks, hat die gemeinsame Kommission des Senats und der Bürgerschaft eine neue Vorlage bearbeitet, worin Abteilungswahlen vorgeschlagen werden. Die erste Abteilung soll alle Bürger umfassen, die ein Einkommen bis zu 2000 Mark während der letzten drei Jahre versteuert haben, die zweite Abteilung alle übrigen Wähler. Die erste Abteilung soll 105, die zweite 15 Vertreter wählen. Die Erneuerung der Bürgerschaft soll, wie bisher in der Weise stattfinden, daß je ein Drittel der Mitglieder alle zwei Jahre zu wählen sind. Ferner wird eine Verlegung der Wahlen vom Juli auf den November vorgeschlagen. Karlsruhe, 7. Mürz. Wie aus bester Quelle verkantet, liegt dem Großherzog ein Rücktrittsgesuch des Ministerpräsidenten v. Brauer vor. Ob es vom Großherzog bereits unterzeichnet wurde, ist noch nicht bekannt. Als Nachfolger kommt Frhr. v. Dusch in Betracht, der sein bisheriges Portefeuille für Justiz, Kultus und Unterricht beibehalten würde. Der Minister des Innern, Schenkel, soll das Ministerpräsidium ausgeschlagen haben. Die Geschäfte des Auswärtigen und des großh. Hausministeriums würden dem Ministerialdirektor v. Marschall übertragen werden. (Offiziös wird diese Nachricht als verfrüht bezeichnet.) Ausland. London, 7. März. (Unterhaus.) Welby (kons.) fragt, ob die Landesverteidlgungskommission einen endgültigen Beschluß darüber faßte, welche Streitmacht zur Verteidigung Englands unterhalten werden solle. Balfour erwidert, die Kommission sei der Meinung, daß das Eindringen in England in einer Stärke, mit der London genommen werden könne, außerhalb jeder Betrachtung liege. Tie Erwägungen, die für die Stärke der Trr.ppen, wie sie erhalten werden solle, in Betracht kämen, hängen nicht von der Frage der Verteidigung Englands, sondern von der bet Kolonien und noch mehr der Indiens ab- — Nach Handelsausweis für Februar zeigt die Einfuhr eine Abnahme von 1 265 582 Pfund, die Ausfuhr eine Zunahme von 1 374 250 Pfund gegenüber dem Februar des Vorjahres. Rom, 7. März. Der Papst richtete an Kardinal Svampa einen Brief, in welchem er daran erinnert, daß das Rundschreiben, welches Kardinal Merry de Val am 28. Juli 1904 an die italienischen Bischöfe richtete, darauf hinwies, daß die demokratische kirchliche Bewegung nur bestehen könne, wenn sie unter Aufsicht der Bischöfe stände. Seit einiger Zeit seien durch die sogen, unabhängigen christlichen Demokraten Streitigkeiten entstanden, die aus dem Verlangen nach einer falsch verstandenen Freiheit die Disziplin zu brechen versuchten und nach gefährlichen Neuerungen strebten, die die Kirche nicht billigen könne und die zur Rebellion gegen die Autorität der Kirche geworden seien. Der Papst bedauert, daß so viele junge Leute dieser selbständigen christlichen Demokratie anhängen und ermahnt sie, denen zu mißtrauen, die sie ins Verderben führen wollen. Der Papst bedauert, daß es auch katholische Blätter gebe, die die Bischöfe, welche mit Recht die selbständigen Demokraten verurteilen, kritisierten. Der Papst mißbilligt den Kongreß der selbständigen Demokraten und ermahnt die wahren Katholiken, an dem Bolognaer Kongreß nicht teilzunehmen. Die Priester, die ungehorsam sind, würden den kanonischen Strafen verfallen. Der Papst drückt zum Schluß die Hoffnung aus, daß seine Klagen die Schuldigen zum Nachdenken veranlassen würden. Budapest, 7. März. Graf Tisza erklärte in einem Interview, Ungarn habe keinerlei Aussicht, mit Deutschland selbständig einen Handelsvertrag ab- zuschlicßen. Aus diesem Grunde dürfe Ungarn in gar keinem Falle vor 1917 an Errichtung eines selbständigen Zollgebietes denken. Aus Stad! uuS KanS. Gießen, 8. März 1905. ** Auszeichnung. S. K. H. der Großherzog haben dem Mischmeister Binde wald zu Alsfeld, in Diensten der Tabakfabrik Theodor Köster u. Cie. zu Alsfekd, das All- gemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für treue Arbeit" verliehen. ** Tagesordnung für d i e Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung am Freitag nachmittag 5 Uhr. 1. Aufnahme eines neuen Anlehens. 2. Vergebung des Druckes der Schuldverschreibungen. 3. Baugesuch des Georg Grünig für die Henselstraße; hier: Dispens. 4. Ausbau der Goethestraße zwischen Stephan- und Henselstraße 5. Errichtung eines Theater- und Saalbaues. 6. Beschaffung von Räumen für die Bürgermeisterei. 7. Preis der elektrischen Energie zum Laden von Akkumulatoren bei Tag für Lichtzwecke. 8. Lieferung elektrischer Energie für das automatische und zoologische Institut der Landcsuniversität. 9. Vergebung der Tagesfuhren für 1905. 10. Desgleichen der Lieferung von Basaltpfiastersteinen. 11. Desgleichen von Piasavabesen. 12. Beschaffung eines Lichtpausapparates fürs Tiefbau- und Vermessungsamt. 13. Veranlagung zur Gemeinde-Einkommensteuer.. 14.. Verpachtung der Gemeindejagd; hier: Uebertragung des Pachtverhältnisses des Hauptmanns a. D. Cramer auf Karl Buderus. •• Kriegsgeschichtliche Wanderung durch Gießen und Umgegend. Es wird von vielen unserer Leser begrüßt werden, daß diese in den „Gießener Familien- blältern" veröffentlichte Schrift des Hauptmanns Mohr vom Infanterie-Regiment Nr. 116 nunmehr auch in Buchform vorliegt. Das Büchlein ist hübsch ausgestattet und wird von der Brühl'schen Univ.-Buch- und Steindruckeret zum Preise von 50 Psg. abgegeben. Der Gesamterlös wird dem Museum des Oberhessischen Geschichtsvereins übermittelt werden. ** Der gestrige Fast nacht-Dienstag zauberte in unserer Stadt die gewohnten Bilder hervor. Vormittags der Mummenschanz und das Freudengeschrei der Kinder und nachmittags bis abends die Umzüge auch vieler maskierter Erwachsenen. Hauptsächlich der Seltersweg! war auch in diesem Lahre der Schauplatz eines außerordentlichen Treibens. Wer zählt die Völker,-nennt die Namen" und vermag all die ulkigen Gestalten im einzelnen aufzuzählen, die sich da durch die Menge drückten! Der leise Regen, der vormittags eingetreten war, hat dem frohen Faschings-- treiben keinen Abbruch getan. Wer von den zahllosen/ Menschen, die sich durch unsere „Hauptverkehrsader" drängten, nicht selbst sich in ein närrisches Gewand steckte, der betätigte seine Ausgelassenheit durch Konfettiwerfen und vergnügte sich mit dem- Anblick der zum Teil originellen- Maskenscherze und Gruppenaufzüge. Da erregte besonders die „städtische Schnake nvertilgungskom- mission" heitere Aufmerksamkeit. Diese Herren, aus^ gerüstet mit allen erforderlichen Gebrauchsgegenständen, besorgten ihr dankenswertes Geschäft mit rührender Energie, inoem sie sogar über ihr Wirken Buch führten und" genau die Zahl der an den Wänden getöteten Stechinsekten, gesondert nach Alter und Geschlecht, in ihre Listen eintrngen. Das Publikum konnte sich von den enormen Erfolgen selbst überzeugen. Auch der Transport des jüngst viel genannten Raubmörders vollzog sich mit Anteilnahme von Schau»- lustigen. Die große Mehrzahl derer, die sich ein närrisches Aeußeres beilegen wollten, begnügte sich mit der Anlegung tren auffallenden Stromer- und Großmuttergewändern re. Die musikalischen Darbietungen auf der Straße waren höchst ungewöhnlich. Man gewahrte da beispielsweise in den spaten Abendstunden einen Aufzug von seltsamen Musikanten, die in der Gartenstraße "im Beisein nur einzelner' Passanten mit höchstem Ernst auf vorsintflutlichen Instrumenten musizierten und den verwunderten Zuschauer irr eine eigentümliche Kulturwelt versetzten, die durch die Ausschaltung jeden Gegensatzes zwischen Scherz und Ernst im Grunde gar nichts närrisches mehr an sich trug. D'er ftrrchb- bare Dreck auf der Straße.war für ihren Marsch 'kein Hindernis. Abends spielte sich in den Restaurants und Easös der Stadt bas gewohnte karnevalistische Treiben ab, und bei allem Uebermut, der sich allenthalben entwickelte, kamen doch keinerlei Ausschreitungen vor, und die Aschermittwochsstimmung wird dirrch keinerlei schlimme Betrachtungen getrübt. ** Die Ministcrial-Abteilung für öffentliche Gesundheitspflege hat, wie die „D, Züg." hört, am 28. v. M. das nachstehende A u s s ch r e i b e n an 'die Grosth. Kreisgesundheitsämtex erteilen, das die, Aufmerksamkeit der nM der Handhabung Der Gesunvyen^ Polizei betrauten Organe des Staates auf eine Unsitte lenkt, deren Beseitigung im'. Interesse der öffentlichen Gesunde hcitspflege mit alleml Nachdruck gefordert werden muß: Es kann Ihrer Beobachtung nicht entgangen fern, daß in den letzten Jahren in zunehmendem Maße bei festlichen Gelegenheiten, bei welchen sich ein zahlreiches Publikum in den Straßen sowie in öffentlichen Festlokalen zu versammeln Pflegt, sich nicht wenige Personen das zweifelhafte Vergnügen machen, Vorübergehende durch Berühren des Gesichts mit Pfaufedern, Federwedeln usw. zu belästigen. Abgesehen davon, daß diese Manipulation, wenn nacheinander bei einer Reihe von Personen mit demselben Gegenstände ausgeführt, höchst ekelerregend ist, können auf diese Weise auch Infektionskrankheiten aller 'Art übertragen werden. Wissen wir doch mit einer Bestimmtheit, daß die Erreger gewisser nicht ungefährlicher Krankheiten, wie z. B. die der Influenza, der Diphtherie, der Lungenentzündung usw. im Nasenschleim enthalten sein können. Falls Sie dieser Angelegenheit noch nicht Ihre Aufmerksamkeit zugewendet haben sollten, empfehlen wir Ihnen, in Benehmen mit der Polizeiverwaltungsbehörde in Erwägung zu ziehen, ob und in welcher Weise einer Unsitte zu begegne:! sei, welche in gesundheitspolizeilicher Hin'icht zu den ernstesten Bedenken Anlaß geben muß. Heber die von Ihnen eingeleiteten Verhandlungen wollen Sie uns demnächst Bericht erstatten. ** Wettert alb ahn. Die erfreulichen Aussichten, welche sich für die Wettertalbahn durch die Erklärungen! des Finanzministers in der Kammer eröffnet haben, bestätigen sich, so schreibt der „Bad-Nauh. Anz>", durchs die weiteren Schritte, welche das Großh. Ministerium jetzt veranlaßt. Bereits am morgigen Donnerstag findet eine Be- reifnng der vorgesehenen Streckie durch! Mitglieder« des Großh.., Finanzministeriums statt, um das von dem Bahnkomitee ein gereichte Projekt an Ort und Stelle zu prüfen. Butzbach, 7. März. Der hiesigen Faselmarkt» ko m Mission ist die Erlaubnis erteilt worden, zu der öffentlichen Ausspielung von Ferkeln, Rindern, Geflügel und Geräten, die mit Genehmigung der Großh. Hess. Negierung bei Gelegenheit des am 16. März d. Js. in Butzbach stattfindenden Faselmarktes veranstaltet werden soll, auch ml Kreise Usingen Lose zu vertreiben. * Florenz, 7. März. Tue Gräfin Montignosd. verließ ihre Villa und nahm mit der Prinzessin Monita! und deren Bonne in Fiesole im Hotel „Aurora" Wohn-» ung. Die Gräfin entließ einen Teil ihrer Dienerschaft. * Erinnerungen eines Diplomaten än den St. Petersburger Hof. Vor wenigen Tagen ist in' Frankreich int hohen' Alter von 84 Jahren der Graf deRei - s e t gestorben, der zurzeit des zweiten Kaiserreiches dessen diplomatischen Korps angehörte und in dieser Eigenschaft auf den verschiedenen Posten, die er inne hatte, in St. Petersburg, Turin, Paris, Darmstadt iuil) Hannover er war der letzte H,'anzösischr Gesandte am Welfenbofe -- Gelegenheit hatte, mit den bedeutendsten Persönlichkeiten seiner Ieit in nahe Berührung zu treten. Im Jahre 1852 als Geschäftsträger nach der russischen Hauptstadt geschickt, sah er den Zaren Nikolaus I. damals noch auf der Höhe seiner ganz Enropa dominierenden Machtstelungu de Reiset hat höchst interessante Aufzeichnungen hinterlassenl Ein aktuelles Interesse bieten diejenigen Abschnitte der Erinnerungen, in denen er von Korruption am Petersburger Hofe und von dem mangelhaften Zustande der russischen Streitmacht, namentlich der Marine, berichtet. Als der Großfürst-Thronfolger, nachmals Alexander II., seine Hochzeit mit der Prinzessin Marie von Hessen gefeiert hatte, erhielt ein Schiff der Kriegsflotte den Befehl, oen Prinzen von Preußen (Kaiser Wilhelm I.) nach Stettin zurückzubringen. Unterwegs versagte diesem Schiff die Maschine und 'man mußte sich mit Segeln behelfen. Mit betten verstanden aber weder Offiziere noch Niannschast umzugehen, sodaß das Fahrzeug einen ganzen Tag lang führerlos den Wellen preisgegeven war und rettungslos zu Grunde gegangen wäre, wenn nicht der Zufall dasjenigs Kriegsschiff, mit dem der Großfürst-Tbronfolger sich gleichfalls tiach Stettin begab, vorbeigeführt hätte, das den Prinzen von Preußen danrl aufnahm. * Kleine Tagesck»ronik. Ter bei der Firma Gebrüder Kampmann in Wattenscheid bei Essen er. d. R. angestellte Bureaubeamte Sartor erhob auf einnt gefälschten Check von der Reichsbank in Gelsenkirchen 40 000 Mk. und wurde flüchtig..In Köln wurde er verhaftet. — Ter spanische Dampfer „Villa Leire", von Middlesborough kommend, mit der Bestimmung nach Genua, ist 25 Meckert von der Küste gegenüber Aveiro gekentert. Schiff und Ladung sind verloren. 12 Leute der Besatzung find gerettet, 13 werden vermißt. — In Lhon wurde ein Engländer und feine Viaitresse verhaftet, welme verdächtig sind,, eine Halbweltdame, die seit dem 10. Februar verschwunden ist, ermordet zu haben. Eine Haussuchung ergab die Richtigkeit der Vermutung Tie Leiche mi't'K* in e'N"n, B-rnnn'"n anfn^sundm. Schwurgericht. th. Gießen, 8. März. In der gestrigen Sikung verhandelte das Schwurgericht gegen den rmbestraften, 23 Jahre cckten Dienstrnecht Raul Berk, gebürtig aus Schlitz, zuletzt in Lauterbach wohitbaft, wegen Sttt- lichkeitsv erbrechens. T>en Anträgen des Staatsanwalts folgend, gaben die Geschworenen ihren Wahrsvruch dahin ab, daß der Angeklagte schuldig sej, daß ihin aber mildernde Umstände zu bewilligen seien, worauf der Gerichtshof auf eine Gefängnis- !träfe von 2 Jahnen nnt> dr-ckäb^n-'-m Ebrn-i-te Russen die Leichen der Japaner übereinander, überschütteten sie mit Erde und schufen sich auf diese Weise Deckungen. Gegen 5 Uhr abendA begannen die Japaner nach hartnäckigem Kampfe nordwestU lich von Mukden die Russen zurückzudrängen, utff nördlich von Mukden bis in die Nähe der Eisenbahn zu gelangen. hd. Paris, 8. März. Wie aus Petersburg gemeldet totrb, verlautet, ldmß die russischen V e r l u st e während der letzten Gefechte aus 3 0 0 0 0 Mann, die der Japaner auf etwa 70 000 Mann zu beziffern seien. hd. Petersburg, 8. März. Ein hiesiges Blatt berichtet in einer Spezialausaabe, die die russische Zensur passiert hat, daß aus Cba rbin sehr schlimme Nachrichten eingetroffeii seien. Starke japanische Kolonnen seien bis auf fünf Werst von Mukden vorgegcmgen, und die Stadt habe eine heftige Beschießung auszuhalten. Ein Teil der S t a dt ste h e bereits in Flammen. Tie Armeen Kurokis und Nogis sollen s!0 im Begriffe sein, die Armee Kuropatk ins völlig einzuschließen. Tie Verbindung mit General Linewrtsckt sei a b g e s ch n i 11 e n. Berlin, 7. März. Die Kanalkommission be£ Herrenhauses nahm die Bestimmungen über das Schleppmonopol und die Schiffahrtsabgaben an. Struckmann-Hildesheim beantragte Zweigkanäle nach Hildesheim, Peine und Lehrte. Dieser Antrag, den Minister Budde' bekämpfte, wurde abgelehnt. Die Kommission nahm dann die §§ 1 — 6, ebenso die Ausgaben für Landeskultur an. Wien, 8. März. Von dem gestrigen Festkommers, des 2. deutschen Studententages blieben alle Professoren der Universität fern, da Rektor Dr. Schindler nicht geladen worden war. Die Studenten beschuldigten Schindler, der dem geistlichen Stande angehört und Hof* kaptan ist, deutschfeindlicher Haltung gelegentlich der Kund-^ gedungen der Wiener Studentenschaft bei den Innsbrucker' Vorgängen und sahen deshalb von feiner Einladung ab. Der Rektor der technischen Hochschule, Reuwirth, hielt auf dem Kommers eine Rede, in der er die Hobe Be deutung des warhaften Farben-Studententums hervorhob« TeSephoNisches* Kursbericht. 3V8% Reiohsanleihe . . 3Vo do. . . . Koneols . . . . 3% do..... 3V2% Hessen .. . . 3l/3% Oberhessen . . . 4% Oesterr. Goldrente . . 41l5% Oesterr. Silberrente 4% Ungar. Goldrente . . 40/0 Italien. Rente , . . 4V*% Porfiigiesec • • • 3° "sen. . « * • rxen . e ♦ • - Monopol.-An! re Argentiner fr' "ankfort a. 81., 102.30 3°/o Mexikaner » . 91.10 41/?’’/n Chinesen . . 102.05 91.00 100.50 Electric. Sohnckert . Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . . 99.70 102.40 101.35 100.40 105.40 Diskonto-Kommandit. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn . 68.40 68.80 135*00 51.60 45.85 Lombarden • ♦ • Gotthardbahn . . . Lanrahütte . . . . Bochum . , e . , Harpener . . . . Staatsschatzscheine . Tendenz: ruhig. 8. März. . . 3615 . . 95.45 . . 142 50 . . 116.50 , .21400 . . 191.80 c . 143.20 . . 158.73 . . 163.30 . . 141.20 . . 17.60 . . 191.50 ... . 259.00 . . 245.20 . . 202.80 Todes-Anzeige. Heute morgen verschied unser liebes Töchterchen Emma nach längerem Leiden im Alter von 2 Monaten. Um stille Teilnahme bitten Heinrich Priess und Frau. Gießen, 8. März 1905. 1257 Arbeitsnachweis der Stadt Gießen Gartcrrftratze 2 (Bürgermeisteretgebäude) Zimmer Nr. 14« Her Arbeitsnachweis hat die Ausgabe, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern (Arbeitern jeglicher Art, Dienstboten und Lehrlingen) unemgeltlich Arbeit zu vermitteln. An den Werktagen von 8 bis 1 Uhr und von 8 bi« S Uhr geöffnet. Es können eingestellt werden: B8/s 2 Maschinenschlosser (auswärts), 1 Waschfrau, 2 Schreiner, t Bäcker, 2 jüngere Schneider, 2 Glaser, mehrere Arbeiter, 2 Haus-- burschen, 10 Dienstmädchen, 3 Lauffrauen, 1 Bureaugehilfe. Es suchen Arbeit: 1 landwirtschaftlicher Arbeiter, 1 Gärtner (Privatarbeit), I Spengler, 1 Polsterer und Tagezier, 1 Glaser, 2 Hausburschen, 1 Kaufmann, 1 Verkäuferin, 1 Kellner (hier oder auswärts), 2 Taglöhner, 1 Diener, Portier oder Kassier, 2 Laussrauen, 1 Stütze der Hausfrau oder Kiudersrnulein, 3 Bureaugehilfen.______________ Bekmmtm achunH. Samstag den 11. März 1905, nachmittags 3 Uhr beginnend, wird das Absallhölz ' von den städtischen Bäumen vom Viebmarktplatz, von der Hardt- atlee, Alieestraße, Sudanlage, von dem Lagervlatz an der Bismarck- straße, von der Marburaerstraße, vom Friedhof am Nahrungsberg, vom Holzlagervlatz daselbst, vom alten Steinbacher Weg, Lutber- bera, Auueröderweg und Lärchenwäldchen an Ort und Stelle meistbietend versteigert. Tie Zusammenkunst ist auf der Rodheimerstraße cm Burks Mühle. Das Holz von der Marburgerstraße kommt in der Südanlage imt zum Ausgebot. Gießen, den 7. März 1905. xs/ Großherzogin '•^■meifteret Gießen. Mecum. Wtanz am 31. Dezember 1904. Während 1904 gingen zu , . .6 Aktiva. $ Kaffenvorrat 1205.91 Warenvorrat 3708.11 Ausstände 1558.29 Mobilien nach 10 % Abschreibung 78.00 Passiva. Aufgenomm. Kapital 600.00 Geschäftsguthaben der Mitglieder 830.00 Reservefonds 2400.00 Betriebsrücklage 1084.40 Reingewinn 1635.91 Summa 6550.31 Die Zahl der Mitglieder Sumina 6550.31 betrug Ende 1903 78 84 Während 1904 gingen ab . * ♦ 1 Daher Stand der Mitglieder Ende 1904 . 83 MmWstl. Muiiiiwtin e.lß. m. 11.5. ?n Kaüseil. Müller, Dtrektor. Hofmann, Rechner. 1562 Holzversieigerung. ES werden versteigert: Dienstag den 14. März 1905 aus den Abteilungen Brauhof 2b, 3, Tempel 27, Zellenrod 29, Schiffenberg 32, Sommerberg 35a, Häuserborn 37b, Klosterwiese 44b, 45b, Dörnergrund 46a, Unterwald 60a: 5 Kiefernstämme von 16—32 Ctm. Durchmesser, 8—17 Mtr. Länge mit 2,53 Fstm., 359 ^üchtenstämme von 12—29 Etm. Durchmesser, 12—22 Mtr. Länge mit 90,85 Fstm., 494 .Fichten-Derbstanqen von 7—11 Ctm. Durchmesser, 7—16 Mtr. Länge mit 31,58 Fstm. Scheiter: 9,2 Rm. Buchen, 1 Rm. Eichen, 178,5 Nm. Kiefern, 5 Rm. Fichten. Knüppel: 1,8 Rm. Buchen, 2 Rm. Eichen, 164 Rm. Kiefern (hiervon 105 Nm. in Schichten von 3,5 Mtr. Länge), 14,8 Nm. Fichten. Reisigwelten: 640 Buchen, 5930 Eichen, 550 Erlen, 1390 Kiefern, 1560 Fichten. JX Warnung. Wer nicht durch Nachahmungen ge- 1 g 1 schädigt sein will, der nehme beim Einkauf der /äS H dichter'sch en Anker-Hausmittel ▼ mtr solche Schachteln an, die deutlich mit der berühmten Fabrikmarke Anker versehen sind. Findet man unsre seit mehr als 35 Jahren rühmlichst bekannten Anker-Hausmittel, wie z. B. Anker-Fenchclhonig (bewährtes Hustenmittel), usw. am Platze nicht vorrätig, oder sollte versucht werden an Stelle des echten Fabrikats eine Nachahmung aufzudrängen, dann wende man stch gefälligst direkt an uns und werden wir sodann für billigste Zustellung sorgen. d% F. Lld. Richter & Cie., Rudolstadt. Störte: 1,7 Rm. Buchen, 50,5 Rm. Kiefern, 43,1'Nm. Fichten. Das in Brauhof 2b, 3, Tempel 27, Schiffenberg 32, Sommerberg 35a, Häuserborn 37b und Unterwald 60a lagernde Fichten-, Stamm-, Stangenholz, sowie das Buchen-, Eichen-, Erlen-, Kiefern-, Fichten-, Scheiter-, Knüppel-, Reisig- und Stockholz wird nicht vorgezeigt: es kommt um 12 Uhr in der Klosterwiese zum Ausgebot. Steigliebhaber wollen dieses vorher einsehen. Zusammenkunst morgens 10 Uhr auf der Kreisstraße Gießen—Hausen an der Knickschneise. Nähere Auskunft erteilt der Großh. Förster Schlag zu Baumgarten. Gießen, den 8. März 1905. b8/3 Großherzogliche Oberförsterei Schiffenberg. Heyer. SchweinesteisÄ 45 Psq. |B8/fl la. WnWe TMim Bruno Mandowsky. 5)itt§burg a.Rh. _______________hv16/13_______________ Prima Nusskohlen per Zentner Mk. 1.35. [°1833 Gg. Schäfer, Licherstraße 9. Schellfische blutfrische Nordseeware, sind in Eispackung eingetroffen bei Georg Wallenfels Marktplatz 21, 98 gegenüber der Engel-Apotheke. Die KolzverßeMruiiE vom 3. d. Mts. ist genehmigt. Die Abfuhrscheine können von Donnerstag, 9. d. Mts. an von Freiherrl. Rentei zu Londorf bezogen werden. Ueberweisung des Holzes am selben Tage. B8/s Londorf, den 7. März 1905. Freiherr!. Oberförsterei Rabenau. Nicolaus. Dl/a Aschaffenburger Flügel-und Matt mit Dampfbetrieb, Bahnhofsplatz, Gegründet 1830. Lieferant von t Hans v. Bülow, Fürstlichkeiten u. staatl. Anstalten, mehrfach prämiiert. Direkter Verkauf an Private ohne Zwischenhandel zu Fabrik- Ausnahmepreisen, Teilzahlung, Umtausch. Bei Barzahlung höchster Rabatt, freie Lieferung. 14 Tage Probezeit, 10 Jahre. Garantie, illustr. Katalog sofort. j I Verdingung. Die Anfertigung von 6 Stück Vorhängen für den Er»! weiterungsbau des Realgymnasiums soll Donnerstag, 9. März l. vorm. IIV2 Uhr, öffentlich verdungen werden. Bedingungen liegen bei uns zur Einsicht offen. Angebote, auf Vordruck, der daselbst er^ hältlich, sind spätestens zum genannten Zeitpunkt bei unSs einzureichen. Zuschlagsfrist 14 Tage. B4/3j Gießen, 4. März 1905. Städtisches Hochbauamt.) Gerbet. Ascrire SAbkarres Tpeisvöitel, VWehestelle, Schmiedeeiserne äiühcr oh KHeil empfiehlt 473 Carl Germer ________Heuchelheim.______ Lodcn-fiipcs und ' UW«» I * •'* I (imprägnierte I 1120—130 cm lang, / • I in grau und olive, I IMk. 9.—.12.50,14.25, | < 116.50. 18.—, 21.—, ; ’ - üGrösste Auswahl. J* €lebr. Stamm dessen. • 7 Bis 15. März er. s .ss mc'ii Lager wegen neuer Geschäftseinrichtung vollständig geräumt sein unb gebe bis dahin bei Barernkäusen 1116 20% Sconto. 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