wr.134 Orltitit,»««» außer Sonntag». Dem Gießener Anzeiger Verden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt dir Gießener Kamillen» Hättet viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck «. Verlag bet Brüh lachen Vntver1.-Buch-u. Stein» druckerri. 0t Lange. Redaktion. Expedition und Druckerei r Echulyeatze 1« Adresse für Depeschenr Anzeiger Gieße«. Fernsprechanschluß 9h. 51. Erstes Blatt. 155. Jahrgang FreitagV. Juni 1905 GietzenerAnzeiger M General-Anzeiger ** Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen OtindhMUt monatlich?» Pi., viertel» jährlich Ml. 8.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich So Pf.; durch diePost Mt.8.— viertel» jahrl. ausscht Bestellg. "anak^me wn Anzei' N ir die T, a-nner Svo-mittags J '-Jit. ,c 'enm-erS: afiilü 3fw a bwärts -’V -j’j. anS Beck 3>le heutige Kummer umfaßt 10 Seite». Will Wußland den Irieden? Daß Rußland „unerschütterlich entschlossen" sei, den Krieg sortzusehen, ist bald nach der Vernichtung oer baltischen Flotte von Petersburg aus verkündet worden; daß Rußland keine Macht beauftragt habe, mit Japan wegen Beendigung der Feindseligkeiten zu verhandeln, war oer Inhalt einer weiteren kategorischen Erklärung; daß Rußland wirtschaftlich stark genug sei, den Feldzug noch Jvhre hindurch auszuhalten, bis der Feind sich „totgesiegt" babe und seinerseits aus Erschöpfung um Frieden bitten müsse, ließ als dritte These die russische Finanzverwaltung verbreiten; daß Rußland die Zeit zu Friedensverh-andlungen mit J>apan für noch nicht gekommen erachte, war die letzte, über Wien geleitete offiziöse Aeußerung. IN merkwürdigem Gegensatz zu allen diesen tönenden Versicherungen meldete gestern das Reutersche Bureau aus Petersburg mit dürren Worten: Rußland lasse durch seine Bots chafter inWashingtonundP arisdie Frieden sbed in g- ungenJapanserfragen. Daß eine Ableugnung dieser Meldung erfolgen wird, ist Zu erwarten. Denn es ist schon blamabel für eine Großmacht wie Rußland, auch nur wißbegierig zu sein, um welchen Preis Japan den Krieg als beendet betrachten will. Llber da der russische Nachrichtendienst schlechterdings alles möglich erklärt im heutigen Zarenreich, sodaß an einem und demselben Tage die Kriegspartei wie die Friedenspartei auf einen Erfolg sich zu berufen scheinen, so wird die Nachricht dennoch an vielen Stellen Glauben finden. „Der letzte Mann und der letzte Rubel" — daS Wort des Zaren ist schließlich auch nur ein Wort. Solche stolzen Worte sind massenhaft in der Geschichte verzeichnet. Mitunter gaben ihnen die Ereignisse Recht; häufig kam es anders, Äs der Wille eines Großen der Erde proklamiert hatte. Der berühmte russische Schriftsteller Graf Leo Tolstoi glossiert in seinem Meisterwerk „Krieg und Frieden" — das jetzt mit besoirderem Interesse zu lesen ist, weil es zeigt, wie alt die schachten militärischen Gewohnheiten Rußlands sind, der Leichtsinn im Offizierkorps, die Mangelhaftigkeit der Rüstung, die Planlosigkeit, Eifersucht, Jntriguen der Führer — mit ziemlich respektloser Satire die Art, wie Zarenaussprüche zustande kommen. So macht er zu dem berühmt gewordenen Wort des jugendlichen Kaisers Alexander nach dem Einfall Napoleons in Rußland: „Erst dann werde ich Frieden machen, wenn nicht ein einziger Feind in Waffen mehr in meinem Lande ist", die Bemerkung: Es war dem Kaiser nicht unangenehm, diese Worte gesprochen zu haben, er war zufrieden mit der Form, in welche er jente Gedanken gekleidet hatte. Der Zar legte hohen Wert darauf, daß der Ausspruch, „der ihm selbst so wohl gefiel", Napoleon übermittelt wurde. „Der letzte Mann und der letzte Rubel" wird vermutlich tn der Geschichte zur dekorativen, gut klingenden Phrase werden. Verstehen wir die gestrige Reuter-Drahtung recht, so hätte eine Friedensofferte Japans mit nicht gar zu hohen Bedingungen Aussicht auf Annahme von feiten Rußlands. Aber hier liegt eben die Schwierigkeit. Japan wird nicht mäßig in seinen Bedingungen sein, es verlangt insbesondere eine hohe Kriegsentschädigung. Die Gelegenheit, günstige Friedensbedingungen zu erzielen, war für Rußland nach der Schlacht bei Mulden. Damals galt das herannahende baltische Geschwader als eine Macht, die vielleicht die entscheidende Wendung zu gunsten Rußlands herbeiführen konnte. Wer glaubt außerhalb des Zarenreichs an einen großen Sieg Linewitschs? Dem bisherigen russischen Botschafter in Washington Grafen Cassini ging eine lange Kabeldepesche zu, die, wie von maßgebender Seite mitgeteilt wird, in Beziehung zu dem von ihm in der letzten Woche an die russische Regierung gesandten Kabeltelegramme steht, in welchem er diese von R o o s e v e l t s B o r sch l ä g e n bezüglich des Friedensschlusses unterrichtete. Der japanische Gesandte Takahira in Amerika, der am Mittwoch abend nach 9 Uhr im Weißen Hause vorsprach, hatte dort eine zwanzig Minuten dauernde Unterredung mit dem Präsidenten. Nach seiner Rückkehr in das Gesandtschaftsgebäude sandte er eine lange Depesche an seine Regierung. Gegenüber einem Zeitungskorrespondenten äußerte er, die Sachlage sei zu heikel, als daß er etwas mitteilen könne, was zur Veröffentlichung geeignet sei.' Roosevelt ist bemüht, durch Vermittelung des Gesandten Takahira ein bestimmtes Bild von den japanischen Friedensbedingungen zu erlangen. Roosevelt sagte zu einem Berichterstatter, er nehme an, daß der amerikanische Botschafter in Petersburg v. Lengerke- Mever in Zarskoje Selo von dem russischen Kaiser empfangen worden sei oder empfangen werde, und fugte hinzu, die Weisungen, die v. Lengerke-Meher erhalten habe, sähen nicht ein formelles An erb ie ten der gu en Dienste der Vereinigten Staaten vor. Seine Aufgabe sei, bei dem russischen Kaiser in Erfahrung zu bringen, was die Regierung der Vereinigten ©ta t e V u tun könne, einen baldigen Friedensschluß zu ermöglichen. - Der „Ruß", eme Petersburger Zeitung, sagt, offenbar auf amtlichen Quellen fußend, diese Washingtoner Zusammenkunft trug einen persönlichen Charakter, umsomehr, als Graf C a s s i n i n i ch t m ehrrussr- scher Botschafter in Washington ist. Am Donnerstag hatte der fr an zö fisch e .Botschafter JNsserand in Washington eine halbstündige Unterredung mit dem Präsidenten Roosevelt. Unmittelbar nach dieser Unterredung wurde Loomis, der stellvertretende Sekretär des Staatsdepartements, vom Präsidenten empfangen, um, wie aus bester Quelle verlautet, Roosevelt die Ueoer- etzungen von Ehiffretelegrammen zu überreichen, die von den amerikanischen Botschaftern in Petersburg und London eingegangen sind. Ueber den Inhalt der Telegramme verlautet nichts. Loomis hat es abgelehnt, den Zweck seines Besuches bei Roosevelt mitzuteilen. Loomis erklärte, er sei nicht in der Lage, sich über den Stand der Friedensfrage zu äußern, die Lage sei delikat, deshalb könne er keine Einzelheiten über die im Gange befindlichen Verhandlungen mitteilen. Die französische parlamentarische Gruppe für internationale Schieosgerichte und der englische parlamentarische Handelsausschuß haben übereinstimmend einen Antrag angenommen, in dem die Regierungen Frankreichs und Englands gebeten werden, Rußland und Japan ihre guten Dienste anzubieten. Dieser Antrag wurde gleichzeitig den Ministern der auswärtigen Angelegenheiten in Paris und London überreicht. Der Antrag stützt sich auf die Haager Konvention vom Juli 1899, die die Intervention einer dritten Macht oder mehrerer dritten Mächte bei einem internationalen Streitfälle zur Pflicht macht. Die französische Gruppe spricht unter Betonung ihrer Nebereinstimmung mit dem englischen Ausschuß den Wunsch aus, daß die Negierung getreu der von ihr eingcgangenen Verpflichtung, die erste sich darbietende Gelegenheit ergreifen möge, um ihre guten Dienste zur Her- beifiihrung eines baldigen ehrenhaften Friedens anzubieten. Der Korrespondent der Londoner „Morninq Post" in Washington will eine amtliche Mitteilung erhalten haben, daß Roosevelts Bemühungen im Interesse des Friedend dem Wunsche entsprechen, Rußland als Diacht im Stillen Ozean nicht noch weiter geschwächt zu sehen, da er sich über Japans Haltung nach emem völlig überwältigenden Triumph keinerlei Illusionen mache. Es heißt auch, daß der Zar den amerikanischen Botschafter empfangen habe. Allem Anscheine nach ist man in Petersburg jetzt doch zu der Einsicht gekommen, daß nichts mehr zu erreichen ist und namentlich auch von Frankreich für Kriegszwecke kein Geld mehr beigebracht wird. Jedenfalls aber ist nicht daran zu denken, daß die Friedensverhandlungen zu einem sehr schnellen Friedensschluß führen werden. Die Berliner Börse, die vorgestern noch eine fall nie dagewesene Geschästsstille zeigte, war gestern belebt; es gab sich eine feste Stimmung kund, und da auch die auswärtigen Plätze eine günstige Haltung zeigten — sveziell London sandte recht feste Kurse, besonders für englische Consols, die % Proz. anzogen — so waren auch deutsche Banken und Jndustrie- aktien recht fest, während Staatsfonds, die deutschen und die russischen, noch schwach lagen. Später gewannen aber die russischen Anleihen ein volles Prozent. Die Börse fand sich mit der Erwägung ab, daß Rußland die Kriegsentschädigung bewilligen würde. Abgaben des „Russenkonsortiums" wurden, nach dem „Berl. Tagebl.", von der Börse mit einer Kriegsentschädigungsanleihe in Zusammen- Hang gebracht. Man sieht, die Börse sagt sich, Rußland muß Frieden schließen, wie hoch auch der Preis sei. Dagegen erfährt die ^Rat.-Ztg.", daß die Friedensnachnchten der Wirklichkeit vorauseilen; es sei Tatsache, daß es sich zunächst um die Abschlicßung eines Waffenstillstandes zwischen Rußland und Japan handeln müßte. Wir aber wollen hofstn, daß sich die Friedensaussichten diesmal endlich erfüllen. * In der Mandschurei beginnen sich die Russen tatsächlich wieder zu regen, wie Linewitsch in Aussicht gestellt hat. Ein Telegramm aus dem japanischen Generalstabe berichtet, daß eine Kolonne russischer Infanterie am 5 ds. Nachiatou, zwei Meilen nördlich von Weiyionpao, angegriffen hat, aber zurückgewiesen wurde. An demselben Tage wurde eine russische Abteilung, welche bis auf zwei Meilen östlich von Skanotu vorgedrungen war, zurückgeschlagen und mußte die Ortschaft wieder verlassen. Sie besetzte die umliegenden Höhen. Ein Teil der japanischen Kavallerie zwang denFeind imNorden zum Rückzug und verfolgte ihn Nach einem bisher unbestätigten Gerücht soll die Armee Linewitsch zerniert sein. Andererseits wird gemeldet, Marschall Oyama habe seine Truppenzah! fast verdreifacht und verfüge jetzt über mehr als 600 000 Mann. Eine große Schlacht scheine bevorzustehen. Der slffwdUH-noswegirch Konff.kt spitzt sich täglich mehr zu. König Oskar hat auf das im Namen des Storthing von dessen Präsidenten Berner an ihn gerichtete Ansuchen run eine Audienz für die Abordnung, die die Adresse des Storthing an den König überreichen soll, folgendes Antworttelegramm gesandt: „Da ich die revolutionären Sck)ritte, die das Storthing unter der Verletzung der Verfassung und der Reichsakte und im Aufruhr gegen den König unternommen hat, nicht anerkenne, lehne ich es ab, die Deputation zu empfangen." Gleichzeitig ließ der König dem Präsidenten des Storthing mitteilen, daß er den Expeditionschef Sibbern ermächtigt habe, die Adresse entgeaenzunehmen. Das Storthing hat den Präsidenten ermächtigt. König Oskar die Adresse mit einem Begleitschreiben zu übersenden. Das n o r w e. gi s ch e Kir ch e n g e b e t ist in Ueber- einstimmung mit der neuen Situation verändert worden, indem das Kirchengebct für die königliche Familie aus- aelassen ist. Das Kirchendepartement hat die Geistlichkeit aufgefordert, bei dem ersten Gottesdienst ein passendes eingehenderes Gebet für das Vaterland zu beten. In dem Staatsrat zu Ehristiania wurde festgesetzt, daß die Abteilung für ausländische Angelegenheiten von dem Handelsdepartemcnt als. ei^ncg Departement geschieden werden soll. Zum Minister deS Aeußern tmirde Staatsminister Loevland ernannt. Durch eine Resolution wurde beschlossen, das Unionszeichen in der Kriegsflagge zu streichen. Das Landesverteidigungsdepartement richtete einen Erlaß an die Armee, in welchem der Beschluß des Storthings, die Uebernahme der Landesleitung durch den Staatsrat, bekannt gegeben wird. Das norwegische Verteidigungsdepartement bestimmte, daß die Auswechselung der bisherigen Kriegs - und Festungsflagge mit der neuen Flagge im ganzen Lande am 9. d. 'M. vor sich gehen imb daß beide Flaggen bei diesem Akte auf den Festungen, wie auf den Kriegsschiffen mit je 21 Schüssen salutiert werden sollen. Eine schwedische Zeitung schreibt: Die norwegische Regierung bewirkte durch Aufrufen, daß das Mkommen der Union von 1814 aufgehoben wird. Dadurch wird Norwegen in die Stellung zurückgeführt,' welche es nach dem Kieler Friedensschluß im Jahre 1813 eingenommen hatte, bet welchem Norwegen als Provinz dem König von Schweden zugeteilt war. Staatsrechtlich betrachtet mithin Schweden das Recht, Norwegen als Provinz zu behandeln, aber dies wird nicht geschehen, da die meisten Schweden eine Verbindung mit Norwegen raum eines Opfers wert erachten. Zweifellos wird eine außerordentliche Sitzung des Reichstages abgefuckten, die entscheiden wird, welchen Weg Schweden gehen soll. Die Zeitung „Aston Posten" in Ehristiania meldet aus Stockholm: Das schwedische Ministerium für die auswärtigen Angelegenheiten hat in der vorigen Woche die Ge- sandten beauftragt, bei den Regierungen, bei denen sie akkreditiert sind, darüber Erkundigungen einzuziehen, wie man sich zu einer eventuellen Notifikation von feiten Norwegens über den Austritt aus der Union stellen würde und was man auf eine solche Notifikation antworten würde. Eine Anzahl einflußreicher Norweger, welche in London leben, richtet an die „Daily News" eine Zuschrift, in der vorg-eschlagen wird, den englischen Prinzen Arthur von Conn au ght, ältesten Sohn des Herzogs von Con- naught und Neffen d"^ Königs Eduard, zum König von N o r w e g c n zu wählen. Im Auslände wird bereits mit dem Säbel gerasselt. Dänische Blätter meiden aus Stockholm: Der unter Vorsitz des Königs stattgchabte Ministerrat beschloß einstimmig, das Verhalten des norwegischen Storthing als ungesetzlich zurückzuweisen und in entern Ultimatum die Aufrechterhaltung der Union zu verlangen. Alle schwedi chen Garnisonen an der Westgrenze sind auf Kriegsstärke gebracht worden. Der Kciegsminister hat die Ein- berntsting der Reserven verfügt. Dre Lage gilt als ernst. Inzwischen haben die norwegischen Militärbehörden der neuen Regierung Treue geschworen. Die Kammerausschüjse in Mtion. Von unserm Darmstädter Bureau. Nachdem der Wiedt-rbegiim d'r Kummerberatungen auf den 14. Juni fei'.gesetzt werden ist, halten die rerschwdenen Ausschüsse fcr Kammer in diesen Tagen noch einmal eine Art General- mitftemt-s ab. Zunächst ist der Sonderausschuß für die Ge- meindesteuerreform wieder zusammen gekommen, um auch die Regierungsvorlage vom 21. De-ember 1904, betreffend die Erhebimg von E^emeindeoo mben, zu erledigen,. Sie bildet eine Art Appdir zu d'r großen Vorlage über die >Gemeindesteuerreform und hat bekanntlich den Zweck, den Gemeinden besonders! in Rücksicht auf die nach r?'7 ■.??''>r Bestimmung im Jahre 1910 in Wegfall kommende O?:roierhebtmg vieler Städte neue Sten-eronetten zu eröffnen und zwar durch eine Wertzuwachs- steuern, eine Billett- und eine Tanz st euer. Der Ausschuß hat sich in längerer Beratung über die Wertzuwachssteuer ganz im Sine der Regierungsvorlage schlüssig gemacht, nach welcher den Gemeinden anheimgegeben werden soll, eine Steuer im Hö '''betrage von 20 Prozent d s ermittelten W e rtzu- wachses der Grundstücke zu erheben. Ein Wertzuwachs von weniger als 10 Prv'cnt soll von der neuen Steuer befreit bleiben. Auch soll die Steuer nicht erhoben werden, wenn einer oder mehrere Teilnehmer an einer Erbgemeinschaft das Eigentum eines zum gemeinsamen Nachlasse gehörenden Grundstückes von den Mi-'vben erwerben, es sei denn, daß der Erwerb später als zwei Jahre nach d-m Ta^e des Erblassers erfolgt. 8u den Teilnehm rn einer Erbg>?me'nschaft zählt auch der überlebende E h e g a t t', der mit den Erben des verstorbenen Ehegatten gemeinschasu ches Vermögen zu teilen htt. Die Feststellung der Steuerpslicht, b:: Veranlagung brtr Wertzuwachssteuer, ihre Verteilung unter mehr re beteiligte Gnueinden, sowie die erford-rliche Ermittl'.'N'g d"s Wertes von Grundstücken oder Grund- stticks >n!eilen sol! d r Veranlagungskommission für die Einkommensteuer, 1. Abteilung obliegen. Mit den be'den anderen Gemeindesteuern. d'r Billett- -nd Tanzsteuer, wird sich der Ausschuß heute beschästige-n. Der erste (Finanz-^ A u s s ch u ß der Kammer hat gleichfalls noch einige kleinere Sachen zu erledigen imb wird zu diesem Zweck nach Beend'gnng b°r Sonderausschußsitzung zu einer Beratung zusammentretim, ferner kommt auch dar zweite Ausschuß (Gesetzgebungs- zusammen, um das C^efefc betr. die Ausübung der Jagd weiter zu beraten, und endlich auch der dritte Ausschuß zur Erledigung von Petitionen. Daß das Jagdgesetz noch vor Schluß ter Kemmertagung fertiggestellt.werden wird, glaubt man bei den vielen zutage getretenen Schwierigkeiten imb den sehr verschiedenartigen Interessen und Wünschen besonders der Landbevölkerung in parlamentarischen Kreisen nicht. Der vierte Ausschuß war gestern zu einer Sitzung zusammenberufen und hat sich endgiltig über die Frage des sogen. Amtsblatt-Privilegiums schlüssig gemacht. Aus den 9fntränen der 9lbgg. Ulrich und Gen. und Köhler und Gen. ist bekanntlich ein Kompromiß in Gestalt eines Jnitiativaesetz- entWurfs entstanden, nach welchem bestimmt wird, oaß für jed M der 18 § -des aus Rechnung der Staatskasse ein amtliches V i IndigungsorgaN geschaffen lverden rr»n, otur lernen nTcirrrrmcurn jonümt' leütgltoy ämtucye Btzkanntmadnin gen enthalte« soll. Dieses Blatt soll jedem anderen Blatte, das baruni crfucbt, gegen Erstattung der der Ne- gicnmg erwachsenden Selbstkosten überlassen werdeir. Den K'reis^- amtern, in deren Kreis sich keine andere Seitulrg1 zur Beilage deS VerkiindignngSorgan 5 bereit erklärt, soll das Recht zustehen, eine andere, geeignet erscheinende Zeitung mit der Veröffentlichung der amtlichen Anzeigen des Kreises zu betrauen. Von der Regierung war zum Beweis der undur ch fü Hörbarkeit eines solchen Pros e ktes umfangreiches statistisches Material vorgelegt worden, da sie int Gegensatz zum Ausschuß der Meinung ist, daß die Blätter auf eine Bezahlung der Annoncenbeilagen nicht eingehen würden und deshalb g an z enorme K osten entstehen müßten. Der A u sschu st lehnte sich dagegen in den Bestimmungen seines Gesetzentwurfs an eine ähnliche, von der badischen Kammer mit 34 gegen 22 Stimmen acceptierte Vorlage an, die aber von der dortigen Regierung ebenfalls' für unausführbar erachtet wird. Gestern wurde der Initiativer s e tz e n t w u r f nach wesentlichen, den Wünschen der Regierung en tspre cb enden Aend eruNg-en ein* stimmig^ angenommen, obgleich sich diese gegen den ganzen Entwurf aussprach. Für den Schluß der laufenden Legislaturperiode ist noch kein Termin bestimmt, doch wird er aller Wahrscheinlichkeit nach Mitte Juli erfolgen. Deutsches Reich. Berlin, 8. Juni. Die „Norddeutsche" schreibt: Der Kaiser verlieh zur Vermählung des Kronprinzen dem hiesigen mecklenburgischen Gesandten v. Oertzen die Brillanten zum Noten Adlerorden erster Klasse. — Die Kaiserin beehrte heute den Reichskanzler und die Fürstin Bülow mit einem Besuche. — Fürst Leopold von Hohenz ollern, der .während der Vermählungsfeierlichkeiten bei seinem Sohne, dem Erbprinzen von Hohenzollern, Wohnung genommen hatte, ist heute nachmittag gestorben. Fürst Leopold, das Haupt der nicht regierenden fürstlichen Linie des Hauses Hohenzollern und Bruder des Königs Earol von Rumänien, war 1835 geboren als Sohn des Fürsten Karl Anton, der tm Jahre 1849 sein Land dem König von Preußen abgetreten hatte, in der Ueberzeugung, damit ein Opfer für die künftige Einheit Deutschlands zu bringen. Im Gegensatz zu seinem Vater, der 1858 bis 1862 Präsident des preußischen Staatsministeriums war, ist der Verstorbene nur einmal, als Erbprinz, politisch hervor- getreten dadurch, daß seine spanische Thronkandidatur imJabre 1870 der Vorwand zur französischen Kriegserklärung wurde. 15 Jahre später folgte er seinem Vater. Er war erbliches Mitglied des , preußischen Herrenhauses und preußischer Generaloberst. Sein ältester Sohn, der jetzige Fürst Wilhelm, steht im 42. Lebensjahre. Dieser verzichtete auf die Thronfolge in Rumänien, die infolgedessen auf seinen jüngeren Bruder Ferdinand durch Ernennung zum Prinzen von Rumänien 1889 überging. — Die Zahl der vom Kais er während seiner Regierungszeit gefürsteten Persönlichkeiten umfaßt u. a. zwei Botschafter, den verstorbenen Fürsten Münster und den im Ruhestand lebenden Fürsten Eulenburg, ferner den Fürsten zu Dohna-Schlobitten, den Fürsten Henckel von Donnersmarck, den Präsidenten des Herrenhauses Fürsten von Inn - und Knyphausen. Von Kaiser Friedrich wurde der jetzige Botschafter in Paris, Fürst Radolin, in den Fürstenstand erhoben. — Zur Reichs st euerreform berichtet die „Dtsch. ^agesztg.", daß ernsthaft die Absicht bestehe, die Bierst e u e r in den Reichssteuerreformplan einzubeziehen. Es versteht sich von selbst, daß hierbei nur eine stärkere Besteuerung der großen Brauereien in Frage kommen kann, und zwar vermöge einer gestafse lten Steuer, wogegen Einwendungen nicht zu erheben sein dürften. — Der Kaiser traf im Automobil auf dem Truppenübungsplatz Döberitz ein und besichtigte das Gardekürassier- re gim ent und das 2. Garde-Alanenregiment, worauf eine Gefechtsübung folgte unter Hinzuziehung anderer Truppenteile. Der Üebung wohnten dieselben fremdländischen Herren wie gestern bei. Heute mittag ritt der Kaiser in das Barackenlager ein, neben ihm in lebhaftem Gespräche der französische General de Lacroix und die anderen Herren der französischen Mission. In dem Kasino des Lagers sand ein Frühstück statt. — Die „Norddeutsche" schreibt: Der Beirat für das Auswanderungswesen, der nach § 38 des Auswanderungsgesetzes vom 9. Juni 1897 zur Mitwirkung bei der Ausübung der dem Reichskanzler auf dem Gebiete des Auswanderungswesens zustehenden Befugnisse berufen ist, trat .gestern unter Leitung des Direktors der handelspolitischen Abteilung des Auswärtigen Amtes v. Körner zu einer Sitzung zusammen. In den ständigen Ausschuß wurden gewählt Prinz Arenberg, Prof. Dr. Bücher, Cahensly, Fritzsch, Jannasch und Kommerzienrat Zilling. Der Beirat beendet die Beratung über das vom Reichskanzler vorgelegte Kon- zessionsgesuch und trat sodann in die Besprechung der ihm zugegangenen Denkschrift über Auskunfterteilung an Auswanderungslustige ein, insbesondere über die Zentralauskunftsstelle für Auswanderer. — Der Bundesrat hat in seiner heutigen Sitzung dem Totalisatorgesetz seine Zustimmung erteilt und den Gesetzentwurf über das Urheberrecht an Werken der bildenden Künste und der Photographie den zuständigen Ausschüssen überwiesen. — Die neue bayerische Wahlkreiseinteilung ist an diesem Mittwoch veröffentlicht worden. Danach werden im ganzen acht bisher durch vier Abgeordnete und sechs bisher durch drei Abgeordnete vertretene Wahlkreise, zusammen somit 14 Wahlkreise geteilt, während die übrigen unverändert bleiben. Tie Gesamtzahl der Wahlkreise steigt von 63 auf 77, die Zahl der Abgeordneten bleibt wie bisher 159. Tie von der Teilung betroffenen Wahlkreise sind die bisherigen Wahlkreise Rosenheim, Pfarrkirchen, Speyer, Neustadt a. Haardt, Zweibrücken, Kaiserslautern, Bayreuth, Hof-Kulmbach, Ansbach-Neustadtaisch, Weißenbmtz, Würzburg 2, Kempten. Trier, 8. Juni. Anfang August wird der Kaiser ben Freiherrn v. Schorlemer auf Schloß Lieser besuchen. Da der erkrankte Oberpräsident Nasse im Herbst in den Ruhestand tritt, bringt man diesen Besuch mit der angeblich beabsichtigten Ernennung Schorlemers zum Oberpräsidenten der Rheinprovinz in Zusammenhang. Hameln, 8. Juni. Bei der Reichstagsstichw a h l fnt Wahlkreise Hameln-Linden erhielt Hausmann (natl.) 14 361, Brey (Soz.) 10167 Stimmen. Hausmann wurde ^Bei'der ersten Wahl im Jahre 1903 erhielt der sozialdemo- Äßttfrfje 5-,and'dar Brey die meisten der abgeaebenen Stimmen: der naUonalUverale WalMeckit 7592, der Welfe v. Lenthe 4528 und der Bündler Rehren 4219 Stimmen. Die engere Wahl endete mit dem Siege Wallbreckits, der 14 989 Stimmen auf sich vereinigte, während auf den Sozialdemokraten 11257 entfielen. Bei der Ersatzwahl am 31'. Mai d. I. erhielten Hausmann 8189, Rehren 3739, v. Lenthe 4964 und Brey 8712 Stimmen. Dresden, 8. Juni. Die Verhandlungen zwischen den einzelnen Stadtverordnetengruppen und dem Rat über die Aenderung deS städtischen Wahlrechts werden wahrscheinlich zur Annahme des Beruf8wahlrechts mit Klasseneinteilung führen.________________________ Ausland. Paris, 8. Juni. ES scheint nunmehr festzustehen, daß 2 oubet König Alfons seinen Besuch vom 22. bis zum 27. Oktober erwidern wird. Es ist geplant, daß der Präsident sich in Brest einschifft und zur See nach Lissabon reist, um den König zu besuchen. Von dort begibt er sich auf dem Landwege nach Spanien und fährt von Madrid über Barcelona wieder zur See nach Toulon zurück. — Als der Vater des verhafteten Anarchisten Ma- lato die Nachricht von der Verhaftung seines Sohnes erhielt, erlitt er eine Gehirnerschütterung. Mailand, 8. Juni. Eine Spionage-Affäre melden die hiesigen Blätter: Der Matrose Michel Angelo Pozzi desertierte in Venedig von einem Kriegsschiff unter Mitnahme wichtiger Pläne und Dokumente bezüglich der projektierten neuen Küsten-Verteidigung von Venedig. Pozzi ist Elektotechniker, wurde als Zeichner beschäftigt und genoß das vollste Vertrauen seiner Vorgesetzten. Man glaubt, daß er nach Wien flüchtete. Petersburg, 8. Juni. Die gesamte russische Presse drückt ihr Bedauern über den Rücktritt Delcassss aus und feiert ihn als wahren Freund des franko-russischen Bündnisses. Tiflis, 8. Juni. Die Tartaren haben, durch ihre letzten Erfolge ermutigt, von neuem die Armenier angegriffen. Die Armenier waren aber gewarnt, sie erteilten den Tartaren eine Lektion, indem sie etwa 100 von ihnen erschossen und mehrere Hundert verwundeten. (Frks. Ztg.) Fez, 8. Juni. Der englische Gesandte Lowther wurde heute vormittag vom Sultan in formeller Audienz empfangen. Auf beiden Seiten wurden Reden gehalten, welche die gegenseitigen Wünsche zur Fortsetzung der traditionellen freundschaftlichen Beziehungen zwischen England und Marokko zum Ausdruck brachten.___________ Aus SIM und Kund. Gießen, 9. Juni 1905. * * Ordensverleihungen. S. K. H. der Großj- herzog haben dem Bürgermeisterei-Beigeordneten, Geheimen Kommerzienrat Hermann Reinach zu Mainz das Ehr en - kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. — Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Bingen Georg Ko gt und Georg Josef Embach. * * Das Gr. Hoflager wird, wie uns gemeldet wird, nach den Feiertagen, also nächsten Dienstag, nach Schloß Wolfsgarten verlegt. * * Das Hess. Polizei st rufgesetzbuch. Das Gr. Ministerium hat, so berichtet die „Frkf. Ztg.", sämtliche Staatsanwaltschaften des Landes ersucht, Revisionsvorschläge zur Abänderung des hessischen Polizeistraf- gesetzbuchcs auszuarbeiten und dem Ministerium zur Prüf-» ung einzusenden. * * Sie hat noch Heu. Folgende wunderschöne Post, karte, die aus einem oberhessischen Orte eintraf, stellt uns eine hiesige Firma zum Abdruck zur Verfügung. Wir geben sie hier buchstabengetreu wieder: Ich ersuche euch daß ich mein Heu wieder verkaufen will es were mihr am liebse wen sei es brachuhen tonten wei mein Futter ist wisen sei ia Das brauch ich euch nicht zu schreiben, und mit dem Preis werden weihr (Sinnig werden wen sei es haben wollen so schreibt mihr gleich antwort, da mit ich darauf verlassen kan oder weissen sei fill leicht Jemant der Fuller brauch zum aus hebben habe ich kein Plaz. ich muß es verkaufen Atrese..... f c. Alsfeld, 8. Juni. Der hier ausgebrochene Maurerausstand, an dem 200 Maurer beteiligt waren, wurde heute mittag beendigt. Darmstadt, 8. Juni. Vermißt wird seit gestern vormittag ein Darmstädter Bürger. Herr Friedrich Rost, der bereits 77 Jahre alt ist, verließ gestern vormittag 9 Uhr feine Wohnung, um, wie er seinen Angehörigen gegenüber äußerte, in die Stadt zu gehen. Höchstwahrscheinlich ist der alte Herr plötzlich von einer Geistesschwäche befallen worden; denn soweit bisher festgestellt wurde, hat er um 11 Uhr vormittags einen Schuhmann des Beffunger Polizeireviers, in der Hermannstraße nach dem Wege zur Karlsstraße gefragt. Von diesem Zeitpunkt an fehlt jede Spur des Vermißten. Da alle Nachforschungen in der Stadt vergeblich blieben, vermutet man, daß er sich verirrt und in der Umgegend verlausen hat. (N. H. Vbl.) * * Kleine Mitteilungen ans Hesse n und den Nachbarstaaten. In Offenbach a. M. wurde in der Nähe der Oehler'schen Privatbadeanstalt der 14jährige Heinrich Klug von dem 6jährigen Nikolaus Bicd rücklings in d e n Main gestoßen und ertrank. — Dem prakt. Arzte Dr. Spies in F r a u k f u r t a. M. ist das Prädikat Professor beigelegt worden. • Neue Unwetter werden aus Schlesien gemeldet, die große Schäden angerichtet haben. In Oppau, im Kreise Landeshut, wurde die katholische Kirche durch Blitzschlag vollständig ein geäschert. In Berggraben wurde ein Kind, in Neudorf der Besitzer Pollok durch Blitz getötet. Auf mehreren Eisenbahnstrecken wurde der Bahndamm derartig unterwaschen, daß erd oliche Zugverspätungen und Verkehrsstockungen eintraten. In Ktein-Jamno in der Lausitz sind durch Blitzschlag drei erwachsene Mädchen ums Leben gekommen. — Durch ein schweres Unwette r im Öderbruch sind große Ueberschwemmungen entstanden. In Neulowin sind zwei Mädchen, in Güstebiese ist ein Mann vom Blitz erschlagen worden. — Im Fuldatal haben Gewitter ebenfalls großen Schaden eingerichtet, und ebenso ein wolkenbruchartiger Regen im Harzgebiet. Die Anlagen der Halberstädter Unterstadt wurden unter Wasser gesetzt. * Loudon, 8. Juni. Das Unterseeboot A8 ist heute an der Mole von Plymouth mit 14 Personen von der Besatzung untergegangen. Zwei Unterseeboote begleiteten ein Torpedoboot, welches zu Uebungen in See ging. Hierbei erfolgten art Bord des Unterseebootes A 8 drei Explosionen. Das Boot sank nach der dritten Explosion. Die erste Kunde von dem Unglück gab das Boot selbst, welches signalisierte, daß es sinke und nicht mehr an die Oberfläche kommen könne. Vier Mann, einschließlich von zwei auf Deck befindlichen Offizieren wurden gerettet. Taucher sind mit Versuchen beschäftigt, das Boot zu bergen. Zröertersiewequncs. Butzbach, 9. Juni. Die hiesigen organisierten Maurer treten nach der „B. Ztg." mit nächstem Samstag in den Ausstand, da ihre Forderungen (Erhöhung des Stundenlohnes) nicht be- willigt wurden. Gießener land Wirtschaf tl ich e v Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Samstag den 10. Juni 1905: Zeitweise heiter, etwas wärmer, besonders am Tage. Näheres durch die Gießener Wetterkarte.___________ Mniversttäis-Machrichikn. — InLeipzig ist der Altertumsforscher Prof. Kurt Wachs- muth gestorben, er war 1837 in Naumburg a. S. geboren. 1862 ließ er sich als Privatdozent für klassische Philologie und alte Geschichte in Bonn nieder. 1864 wurde er Professor in Marburg, 1869 in Göttingen, 1877 in Heidelberg und 1886 in Leipzig. — Der a. o. Professor der neueren Literaturgeschichte an der Universität Halle Dr. Alsred Berger hat den an ihn ergangenen Ruf auf den Lehrstuhl für Literatur und Kulturgeschichte an der Technischen Hochschule in Dar m st a d t angenommen und wird ihm zum 1. Oktober Folge leisten. 1 ,i,ni Märkte. ke. Frankfurt a. M., 9. Juni. (Orig.-Telegr. des „Gieß. Anz.") Viehmarkt. Zum Verkaufe standen 0 Kälber, 0 Schafe u. Hämmel, 555 Schweine. Kälber 1. Qual. 87—90 Pf,. Lebendgewicht 52—54 Pfg., 2. Qual. 80—84 Pfg., Lebendgewicht 49—51 Pfg., Schlachtgewicht 62—66 Pfg. Schafe 1. Qualität Schlachtgewicht 00—00 Pfg., 2. Qualität 00-00 Pfg. Schweine 1. Qualität 69—00 Pfg., Lebendgewicht 54.00 Pfg., 2. Qual. 68-00 Pfg., Lebendgewicht 53-00 Pfg., 3. Qualität 62—64 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. Geschäft gut, kein lieber stand. ------ .......JL-.""...... Hriginas-Drai-ünckdungen. Eriwan, 8. Juni. Am 5. Juni feuerten Mohame- dan er auf dem Bazar auf Armenier. Dabei wurden über 20 Personen getötet und verwundet, darunter zwei Tartaren. Die Läden wurden sofort geschlossen. Am folgenden Morgen wurde das Schießen fortgesetzt. Ans den Häusern und von den Dächern wurde geschossen. Die Armenier gingen ihrerseits zum Angriff vor. Eine Bomb enexplosion wurde gehört. Die Kugeln flogen in die Häuser und schwirrten über die Köpfe der die Straße durchziehenden Kosaken. Am 7. Juni abends wurde die Stadt in Belagerungszustand erklärt. Die Läden sind geschlossen. Paris, 9. Juni. Nach einer Privatmeldung aus Tanger unterhandelt die deutsch-amerikanische Finanzgruppe mit dem Sultan wegen einer Anleihe von 5 Milli onen Dollar. Doch macht die Frage der Sicherstellung Schwierigkeiten. Man glaubt, es werde sich dabei um große Bestellungen handeln. Born Kriege. London, 9. Juni. „Morning Post" meldet aus Tokio vom 8. Juni: Japan will unter keinen Umständen^ die Bedingungen, unter denen es Frieden schließen würde, bekannt geben, ehe die Bevollmächtigten zusammen getreten find. Die Bedingungen werden nur bekannt gemacht, wenn die Beauftragten beiderMächte persönlich zusammentreten. Viele Einzelheiten muffen noch geordnet werden. Aber Präsident Roosevelt glaubt sehr zuversichtlich, daß einUebereinkommen zustande kommt, und man hoffe in Washington, die Bekannt» machung desselben könne in kurzer Zeit erfolgen. Moskau, 8. Juni. PeterLb. Telegr.-Agent. Ein von der Versammlung der Sem st womit glieder und Stadthäupter beschlossene Adresse, die dem Kaiser durch eine Deputation überreicht werden soll, lautet: „In Anbetracht unseres großen Unglückes und der Gefahr, ift der Rußland und Ihr eigener Thron schweben, haben wir uns, unter Beiseitesetzung aller uns trennenden Meinungsverschiedenheiten, einzig und allein getrieben von heißer Liebe zu unserem Vaterlande, entschlossen, uns direkt an Sie zu wenden, Majestät. Rußland wurde durch einen verbrecherischen Fehler unb die Nachlässigkeit Ihrer Ratgeber in d en Krieg getrieben. Unserer Armee gelang es nicht, den Feind zu besiegen, unsere Flotte ist vernichtet; drohender als die Gefahren von außen beginnnt der Bürgerkrieg. Mit Ihrem ganzen Volke sahen Sie alle Fehler der unwissenden unb gefahrbringenden b u re aukra tischen Organisation und beschlossen, diese Organisation zu ändern. Sie schrieben eine Reihe von Maßregeln vor, die eine Reorganisation bezwecken. Diese Vorschriften sind entstellt worden und auf keinem Gebiete zu der gewollten Ausführung gelangt. Die Unterdrückung der Person und der Gesellschaft, die Unterdrückung des Wortes, Willkürlichkeiten aller Art nehmen zu, anstatt daß, wie Ihnen vorgeschrieben, der Zustand des verstärkten Schutzes aufgehoben und die Willkür der Verwaltung beschränkt wird. Die Gewalt der Polizei wird verstärkt; die Polizei erhält unbeschränkte Vollmachten. Man versperrt Ihren Untertanen den von Ihnen zu dem Zwecke geöffneten Weg, daß die Wahrheit zu Ihnen gelangen könne. Sie entschlossen sich, Vertreter des Volkes zusammen zu. rufen, um gemeinsam mit ihnen die Reorganisation unseres Landes durchzuführen. Aber Ihrem Worte folgte die Ausführung bisher man, trotz der drohenden Größe der Ereignisse, die sich abspielten. Die Gesellschaft wird beunruhigt durch Projekte, welche eine Klassen - Konferenz an Stelle der nationalen Vertretung , welche die bureaukratische Organisation beseitigen soll, setzen will. Majestät, befehlen S i e u n v e r -- züglich, ehe es zu spät wird für das Heil Rußlands, daß zur Festigung der Ruhe und des Friedens im Innern von allen Ihren Untertanen ohne Unterschied, mit gleichem Recht zu wählende Volksvertreter ein berufen werden, die im Einvernehmen mit Ihnen die Lebensfrage entscheiden, ob Krie g o de r Frieden, die über die Friedensbedingung e n enncneiben oder den Frieden ablehnen unb damit ben gegenwärtigen Krieg m einen nationalen Krieg umwanbeln, die allen Volkern em Rußland zeigen, bas aufgehört hat, von dem inneren Kampfe zerrissen und erschöpft zu fein, sondern un Gegenteil, geheilt, mächtig in seiner Wiedergeburt, um eme einzige nationale Fahne geschart ist, und die im Einvernehmen nut Ihnen eine neue Organisation des Staates herbeifuhren wollen. Majestät, in Ihren Händen liegen die Ehre, bte Macht Rußlands unb fein innerer Frieben, von dem der äußere Friede abhängt, in Ihren Händen liegt das Reich, das Sie von Ihren Vorfahren ererbt haben. Zögern Sie nicht, groß ist tn dieser Stunde furchtbarer nationaler' Prüfung Ihre Verantwortung vor Gott und Rußland. _ Manila, 8. Juni. (Reuter.) Hier internierte russische Offiziere berichten weitere Einzelheiten über die Seeschlacht bet Tsufchima. Danach haben die Japaner Roschdestwenskys Geschwader völlig überrascht. Die Russen dampften wie im Frieden dahin, da kein Japaner in Sicht heller verwendet stets MM MH - M ■fei ■ ' 1 j .7 J -M ^WUNW . >v~. P 'S/ .d-i V M :# M D Ä ■ ili;.l|l.,.l1ni^ 1Ä>X h in kaum vollendetem 90. Lebensjahr. 3098 Giessen (Bahnhofstr. 48), den 8. Juni 1905. Die Beerdigung findet Samstag, den 10. Juni, nachmittags 5 Uhr von der Kapelle des alten Friedhofes aus statt. Im Samen säer trauernden Geschwister Emma Winheim. Statt jeder besonderen Anzeige. Heute früh 6 Uhr verschied sanft nach langem Leiden, unsere liebe, gute Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter, Urgrossmutter und Tante Frau Landrichter Winheim Wwe., geh. Prinz war. Sie hatten nicht einmal klar" zum Gefecht gemacht. Die Geschützmannschaften waren nicht auf ihrem Posten. Der Angriff der Japaner kam so p lötzlich, daß die Russen aus Mangel an Vorbereitungen Fehler begingen, die nicht wieder gut zu machen waren. Tokio, 8. Juni. Als er Seesieg der Japaner den in Fusan internierten russischen Gefangenen mitgeteilt wurde, erklärten viele, zumeist ' -'ölen, daß sie es vorziehen würden^ statt nach dem Schluß des Krieges nach Rußland zurückzukehren, sich in Sachalin oder Wladiwostok, das sie in dem Besitz der Japaner alauben, naturalisieren zu lassen. Schweden und Norwegen. Christiania, 8. Juni. „Dcfizbladet" schreibt: Der neue Ltand der Dinge wird von einens Ende des Landes bis zum andern mit würdiger Ruhe und Zufriedenheit auf- aenvmmen. Ueberall versteht man den Ernst der Lage, aber man führt sich sicker in der Ueberzeugung von der Gerechtigkeit der Sache und der einzigstehenden nationalen Eintracht. Wenn Schweden von einer Revolution spricht, so solle cs zwei Dinge bedenken: Zum ersten, daß Norwegen nach seinen: Volksrecht unstreitbar das Recht gehabt hat, wie es geschehen ist, zu handeln. Die Reichsakte war ein Vertrag: sein Zweck war, eine Union einen Schutz für den gemeinschaftlichen Thron zu errichten. Aber sw war soweit davon entfernt ein Schutz zu werde::, daß es sich am 27. Mai zeigte, daß die schwedische Königsmacht völlig die norwegische unterdrückte und sie ganz außer Spiel setzte. Hiermit war die Reichsakte von einer Seite gebrochen und dadurch selbstverständlich die andere von ihren vertragsmäßigen Verpflichtungen! gelöst. Zum zweiten sollten die Schweden ihre Aufmerksamkeit darauf Achten, daß der Storckhing seinen Beschluß einstimmig gefaßt hat; sogar Männer, welche ursprünglich andere Wege vorgezogen hatten, haben sich angeschlossen. Mle Beamte haben sich loyal vor der neuen Ordnung gebeugt. Das Land hat somit geordnete und völlig gesetzliche Verhältnisse. Stockholm, 8. Juni. Viele Tausende von Einwohnern Stockholms brachten heute abend dem K önige vor dem Schlosse Rosendal eine Huldigung dar. Als der König und die Königin, die Prinzen, sowie die Prinzessin Jngeborg auf dem Balkon erschienen, wurde die Nationalhymne angcstimmt. Der König wurde mit einer kurzen Ansprache begrübt, auf die er mit lauter, vor Erregung zitternder Stimme erwiderte. Er sprach seinen Tank aus für die Liebe, die ihm gezeigt werde, und schloß mit einem .Hoch auf das alte, ruhmreiche, loyale, gute und ihm teure Vaterland, worauf brausende, .Hurrarufe ertönten. Der König brachte ferner ein Hoch auf seinen Enkel, den Prinzen Gustav Adolf, aus. das mit lebhaften Hochrufen ausgenommen wurde. Nach der Absingung patriotischer Lieder folgte ein Vorbeimarsch der Menge, der eine Stunde dauerte, wobei der König von neuem mit Begeisterung begrüßt wurde. — Svenska Telcgram Byran. — Die politische Krisis hat in keiner Hinsicht das Aussehen Stockholms geändert. Alles geht seinen gewöhnlichen, ruhigen Gang. Die große Masse ist ziemlich ^leichgiltig gegenüber der Auflösung der Union, da die Länge des Friedens bewirkte, daß man nur verhältnismäßig wenig den Wert der Vereinigung schätzt, da diese viele Unannehmlichkeiten mit sich führte. Dies bewirkte bei der Mehrzahl der Schweden, daß sie der Union wirklich müde wurden. Nur die Minderheit mit lebhafterem politischem Interesse ist auf- | gebracht über die Trennung und sieht der Zukunft mit Unruhe entgegen. Hierzu komtnt die Furcht, daß Norwegen eine wärtige Politik befolgt, welche Unsicherheit für Schweden mit! sich bringen kann, wozu gro^e Ausgaben kommen! können, da es> vielleicht notwendig wird, die Weftgrenze Schwedens zu! befestigen. — Es herrscht einige Unruhe darüber, wie daS Ausland sich verhalten wird. Der gröüte Teil empfindet tiefes Mitleid mit dem betagten Monarchen, der an seinem Lebensabend solchen Prüfungen ausgesetzt wird. Dieses Gefühl findet in,vielen! Huldiguugstelegrammcu an den König Ausdruck. Wie sich die Krisis entwickeln wird, ifl unmöglich zu sagen. Soviel läßt sich jedoch sagen, daß Schweden nicht Gewalt gebrauchen und daß kaum ein Schwede wünschen wird, daß die Union selbü inj nur gemäßigter Form aufrechterhalten wird. Der Reichstag wird entscheiden, wie Schweden sich gegenüber dem norwegischen! Reichstag und der norwegischen Revolution verhalten soll. Wien, 9. Juni. Die „N. Fr. Pr." fragte bei Björn son an, wie er über den Beschluß des norwegischen Storthings und über die Lldresse an den König denke. Bjöimson telegraphierte aus Lillehemmer: ,,Die Adresse an den König ist der Ausdruck des ganzen norwegischen Volkes, die Auflösung der Union ein Segen für den ganzen Norden." nähret selbst! Durch die Ernährung mit der Flasche gehen allein in Deutschland jährlich 300 000 Säuglinge an Verdauungskrankheiten zu Grunde. Dagegen gedeihen Brustkinder vortrefflich. Ein Mittel, welches Milch schafft und jeder Mutter das Selbststillen ermöglicht, ist das von den hervorragendsten Aerzten erprobte und empfohlene Lactagol. Broschüre über ,,Natürliche Säuglingsernährung1^ gratis und franko, von der Vasogen-Fabr ik Pearson & Co. in Hamburg 106. hv26/$ Bekanntmachung. Die unterm 18. April l. Js. angeordnete Sperre der Rordanlage, zwischen Neustadt und Steinstraße, wird hiermit aufgehoben. Gießen, den 9. Juni 1905. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg. Bekanntmachung. Nachdem die Rotlaufseuche unter den Schweinen des Georg Bich le r (Hardthof) erloschen ist, wird die unterm 20. Mai l. I. angeordnete Gehöftsperre hiermit aufgehoben. Gießen, den 8. Juni 1905. Großh. Polizeiamt Gießen. Her berg.__ Bekanntmachung. Betreff: Die Verteilung der Zinsen der Kanzler Antomo Wolffen von Todtenwart'schen Stiftung (Junigeld). Die Verteilung der Zinsen aus der Wolf von Todtenwart'schen Stiftung findet stiftunasqemäß Samstag den 10. Juni, morgens um 5 Uhr, in der Stadtkirche statt. Gießen, den 7. Jun: 1905. B/e Die Armen-Deputatwn der Stadt G:eßen. C u r s ch m a n n. _______________ Bekanntmachung. Hiermit mache ich bekannt, daß mein Vertreter, Herr Albach aus Braunfels, während meiner Krankheit berechtigt ist, Gelder für die Fürstliche Kasse in Empfang zu nehmen und darüber vollgültig zu quittieren. D9/c Hungen, den 8. Juni 1905. Fürstliches Rentamt. W:egmeyer. Achtung S Achtung! Am 2. Psingst-Fciertage: Bresse TanzinMsälc fttt Freien. Die Musik wird ausgeführt von der Kapelle des Infanterie-Regiments Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116. Für gute Speisen und Getränke ist bestens Sorge 03887 getragen. Emil Schäfer, Wirt, ttaitfrttngen. Arbeitsvergebung Die am alten Schulhause zu Steinberg nötig werdenden Arbeiten sollen im Wege des schriftlichen Angebots vergeben werden und zwar: veranschlagt zu JK, $ Maurerarbeiten 134 98 Zimmerarbeiten 68 63 Schreinerarbeiten 136 99 Weißbinderarbeiten 227 65 Tapezierarbeiten 46 10 Schlofserarbeiten 55 10 Offerten wollen bis Dienstag den 13. Juni, Nachmittags 2V2 Uhr, auf Großh. Bürgermeisterei Watzenborn abgegeben werden, woselbst a:rch der Voranschlag eingesehen werden kann. Gießen, 7. Juni 1905. 3103 I. A.: Rohrer, Kreisstraßenmeister« Billiger MsW-ÄMrkus in Sonnenschirmen, Regenschirmen und Spazierstöcken. Krcuzplatz 4. 3> Zufall Kreuzplaü 4. Ueberzreheu und Reparaturen sofort. 03890 am 15. Juui. 03878 Th. Hinkel, Kreuzplatz 6. Br. Ploch verreist. Vertreter: 3110 Sanitäisrat Br. Haupt, Asterweg 29, p und Br. MeyerM. Neuen Bäue 27, L Dr. vrikrr'r Fructin bester Ersatz für Millionenfach bewlhrte Rezepte gratis von den besten Geschaften. 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