Aeiltj(6-5»üdwellafrikanisches. Ter Kaiser hat dem Generalleutnant v. Trotha «nd zwei anderen afr. Offizieren, dem Major Meister und dem Hauptmann Franke, den Orden Pour le m 6 r i t e verliehen. Eine amtliche Meldung teilt gleichzeitig in Bestätigung unserer früheren Nachricht mit, daß Generalleutnant v. Trotha gleichzeitig mit dem am 18. November zu erwartenden Eintreffen des neuernannten Gouverneurs von Südwestofrika v. Lindeguist abberufen werden und das Schutzgebiet voraussichtlich tags darauf verlassen wird, nachdem er die Gouvernemeutsgeschäfte dem neuen Gouverneur und das Kommando der Schutztruppe dem Obersten Dame, als rangültestem anwesenden Offizier, übergeben hat. Generalleutnant v. Trotha wurde im Mai 1904 zum Oberbefehlshaber der Schutztruppe ernannt. Er leitete zunächst die Kämpfe, die $ur Zersprengung der damals noch geschlossenen Hereromafien führten, und dann die Operationen gegen die Hottentotten. General v. Trotha steht im 58. Lebensjahr. Er hatte aucy die Zivilverwaltung unter sich, und es wurde alles nach militärischen Gesichtspunkten eingerichtet. Trotha setzte gleich nach seiner Ankunft die schon von Leutwem begonnene Truppenkonzentration am Waterberg fort, wo nach schwerem Kampfe die Hereros geschlagen und durch die namentlich von .Hauptmann v. Estorsf geleitete Verfolgung in die Kalahari getrieben, wo sehr viele von ihnen umgckommen sind. Der Kampf gegen die Hottentotten ist dagegen noch heute nicht zu Ende geführt. Hier hat sich die Entfernung des mit den Verhältnissen vertrauten Leuttvein als schwerer Fehler erwiesen, und alle Taktik hat bis jetzt nicht den erwarteten Erfolg gebracht. Unangenehmes Blut hatten auch verschiedene Anordnungen Trothas gemacht, so seine Proklamation vom Oktober v. I., wo er als der „grosze General der deutschen Soldaten" an kündigte, daß die Hereros das Land verlassen müßten, daß innerhalb der Grenzen alle Hereros erschossen werden würden, und daß er auf Weiber und Kinder schießen lasse. Tas erregte nicht nur aus humanitären, sondern auch aus wirtschastlicl)cn Gründen Widerspruch, weil man die Hereros als Arbeiter nicht entbehren kann. Als ein Erlaß des Reichskanzlers sich hiergegen wandte, polemisierte Trotha in einem Schreiben an die Windhuker Nachr. dagegen und behauptete, daß die Folge jenes Erlasses das Friedensangebot an die Hereros gewesen sei, das diese nur zur Fortsetzung der Räubereien ermuntert habe. Trotl-a hat öüiin von sich reden gemacht durch schrofie Behandlung des Windhuter Bezirksbeiruts, ferner durch Boikottierung eines Windhuker Blattes, das thn kritisiert hatte. Immerhin scheint uns d^r häufige Kommandowechsel in jenen wüsten afitkanifchen Regionen zur Erreichung eines endlichen dauernden Erfolges recht bedenklich. * Tie neueste dentsch.jüdwcstafrikanische Verlustliste. Ein Tctegruium aus Windhuk lautet: Am 24. Oktober sind im Gefecht bei Hartebcestmund gefallen: Bizefeld- webel Albert Birkholz, Unteroffizier Alfred Stoewer, die Gefreiten Heinrich Wolfram und Paul Müller, die Reiter Gottlieb Schroeder, Hugo Kulme, Otto Hoffmeister, Max Klinker, Wilhelm Petersen, Gustav Hoi.ck.s, Julius Englinski, Gustav Strecker und Gustav Schreck. Verwundet: die Unteroffiziere Luchterhand und Gcrding, die Gcfieiten Niebusch, Werner und Becker, die Reiter Cito Will, Holzkamm, Kücks, Georg Arnold, Staffel und Oscku'irrsky, Büchsenmacher Fritz Treier. Vermißt: die Unteroffiziere Heinrich Babel, Reinh. Sehl, Reiter Paul Gras. Am 28. Oktober bei dem Po. trouilleugefecht am Keils ub sind gefallen: Gefreiter Franz Eckl, genannt Rupprecht, Reiter Engelb.rlus Kvtze. Verwundet: Reiter Wilhelm Sandbrink. Ain 29. Oktober bei dem UeberfaU eines Prvviantwagcus bei Fahl gras gefallen: die Reiter Max Stumpe und Gesell., Verwundet: Gefreiter August Kaschube. Am 28. Oktober auf Patrouille bei Awadaobe verwundet: Reiter Paul Wawr'vniak. Z)ie ö'sterreich^chen Wahlrcch s-Demo stralionen entroicteiten sich in Prag zu offenem Ausruhr. Sie nahmen ihren Ausgang in einer ungeheuren tschechisch-sozia- listischen Demonstration auf dem Wenzelsplatz, an der 60 000 Menschen teilnahmen. Viele Redner forderten zu bewaffnetem Ausstande auf. Nach Schluß dieser Versammlung zog eine vieltausendköpfige Menge nach dem Graben, wo es vor dem deutschen Kasino zu einem blutigen Zusammenstoß mit der Polizei kam. Aus der Menge wurden Revolverschüffe abgegeben, worauf die Polizei blank zog und gegen die Menge feuerte. Mehr als 200 Personen wurden dabei zum Teil tötlich verletzt. Die Menge stürmte sodann viele Gebäude, darunter das Landgericht und die Lolto-Kollektur. Zahlreiche Schaufenster wurden ein» geschlagen. Am Abend wiederholten sich die Exzesse. Die Wache, sowie einschreitende Kavallerie wurden mit Steinen beivorsen. Auf dem Karlsplatze wurden von den Demonstranten Barrikaden errichtet, von wo die Wachen mit Revolvern beschossen wurden. Die Wache erwiderte das Feuer und stürmte die Barrikade. Die Exzeffe und Gewalttätigkeiten dauerten die ganze Rächt hindurch. Polizei und Militär wurden mit Revoloerschüffen, Steinen und Bleigläsern angegriffen, so daß beide von der Waffe Gebrauch machen mußten. Emer der Verwundeten ist gestorben. Die Zahl der Verhafteten beträgt weit über hundert. Bei den Verhafteten, unter den sich ein russischer,Student befindet, wurden Dolche, Messer und Revolver gesunden. Verschiedene Stadtteile bieten ein Bild der Zerstörung. Auf dem Bel- oedere-Platz sind sämtliche Gaslaternen zertrümmert. Gegen 10 Uhr wurde ein Oberwachmann von der Menge durch Stockhiebe schwer verletzt. Er flüchtete in das Gerichtsgebäude, wohin ihm die ivütende Menge nachstürmte. Die tschechische Studentenschaft erklärte sich mit der Arbeiterschaft solidarisch und will ebenfalls in Streik treten» Der akademische Senat der tschechischen Universität suspendierte bis auf weiteres die Vorlesungen. In einem Aufruf des Exekutionskomitees der soz. Arbeiter- icEuait wixiJ die Arbcilerlchakt autaefordert, nicht eher den Streik und Maffenkundgebungen zu inszenieren, bis sie hierzu von ihren Vertrauensmännern aufgefordert werde. Vorläufig wolle man sich mit der Obstruktion der Eisenbahner begnügen, die in der heutigen Landeskonferenz in Prag beschlossen haben, die passive Resistenz über alle Strecken in Böhmen und über die Staatsbahnlinien in Oesterreich aus- zudehnen. Die Parteileitung fordert die Arbeiter auf, überall energisch gegen die Beschädigung von Privateigentum und der kulturellen und Humanitären Anstalten einzuschreiten. Tie Leitung der sozialdem. Partei beschloß, sofort mit allen Arbeiterorganisationen im ganzen Reiche in Verhandlungen zu treten und ein einheitliches taktisches Vorgehen im ganzen Reiche festzustellen, eventuell den Generalstreik zu organisieren und zu proklamieren. Ctatthalterei veröffentlicht ein (Kommunique indem sie unter Hinweis auf die offiziöse Kundgebung zur Wahlreform erklärt, daß grobe Ausschreitungen und GesetzeSverletzungeii mit den Wahlreformbewegimgen nichts zu tun haben und nichts zu tun haben dürfen. Diese Erscheinungen lassen darauf schließen, daß die politische Bewegung für das allgemeine Wahlrecht zu anderen Zwecken mißbraucht wurde. Gerade im Intereffe einer zeitgemäßen Wahlreform wäre es zu beklagen, wenn sich die Ausschreitungen wiederholten und dadurch die Notwendigkeit vorläge die Ausübung der politischen Feiheiten zeitweilig zu beschränken. In Wien verliefen sieben Wahlrechtsversammlungen ohne Zwischenfall. Abg. Perncrstorfer kündigte den Ausbruch des Generalstreits an, falls die nächsten Wahlen unter dem bisherigen Wahlsystem statt- finden. Auch würden diese Wahlen nicht ruhig verlausen. Nach den Versammlungen zogen die Teilnehmer unter demonstrativen Rufen durch die Straßen. Der akademische Senat verfügte die Relegierung von sechs Teilnehmern an Studentendemonstrationen. Drei erhielten das consilium abeundi, und zwei eine Rüge vor dem versammelten Senate. Die Wiener Universität wurde vorläufig geschlossen. Am Montag Tlittaq fanden wieder Schlägereien statt, wobei mehrere Studenten verletzt wurden. Wie aus Triest, Salzburg und Innsbruck gemeldet wird, verliefen die Kundgebungen, die dort zu Gunsten des allgemeinen Wahlrechte veranstaltet waren, ohne besondere Zwischenfälle. 2>ie cf'ifle in Ziußland. Wie die „Nowoje Wremja" berichtet, erklärte Ministerpräsident Graf Witte den Vertretern der Semstwobureaus und der Stadtverwaltungen, daß die Negierung irgend eines Teiles der Gesellschaft als Stütze bedürfe. Er gab zu verstehen, daß er auf ein günstiges Ergebnis des am 19. November zusammentretenden Semstwokongreffes hoffe. Wenn er auch in der Reichsduma kein Allheilmittel sähe, so sei doch gegenwärtig die Berufung der verlangten konstituierenden Versammlung auf Grund des allgemeinen Wahlrechtes unmöglich. Graf Witte wies darauf hin, daß die Zahl derer, die gegen die Reformen Opposition machten, sehr zahlreich sei. Der einzige, der ihn unterstütze, sei Trepow. Der deutsche Güterverkehr mit Rußland über Wirballen ist wieder eröffnet. An vielen Stellen der Stadt Moskau kam es am Montag zu blutigen Zusammenstößen. Es ist lebensgefährlich, die dortigen Straßen zu beschreiten. Fortwährend ziehen patriotische Manifestanten durch die Straßen mit Fahnen, Kaiser- und Heiligenbildern. Wer nicht vor dem Volke das Haupt entblößt, wird mißhandelt. Besonders richtet sich die Wut des Pöbels gegen die Studenten. Täglich werden piehrere von ihnen unter schrecklichen Mißhandlungen getötet und in den Fluß geworfen. Die Aufregung in der Stadt ist unbeschreiblich. Ferner meldet man aus Odessa: Seit Mitternacht wurden 470 Leichen eilig in Möbelwagen und Militärbagage- wagen nach den Begräbnisplätzen geschafft. Wie viele Leichen in den Rächten der letzten Woche von Militär beerdigt wurden, wird nicht angegeben, doch bestätigt sich die frühere Schätzung, daß 4000Personen getötet und 13 0 0 0 bis 1400 0 verwundet worden sind. Verbrecherbanden durchzogen die Straßen und verübten allerlei Greueltaten. Kinder wurden den Müttern weggeriffen und in Stücke zerschnitten. Aerzte, Krankenschwestern und Priester wurden in Anwesenheit von verkleideten Polizeiagenten getötet; alles wurde auSgeplündert und beraubt. Man nimmt an, daß diese Unruhen von Polizeispitzeln organisiert wurden. In der Blobota RomanowSka sand eine Judenverfolgung statt; zwanzig wurden in einem einzigen Hause getötet, in einem anderen Hause 15, andere wurden auf der Straße verfolgt und abgeschlachtet. Das Blutbad dauerte die ganze Nacht. Von 150 Inden, die sich auf einem Friedhöfe versteckt hielten, wurde der größte Teil getötet. Schreckliche Nachrichten treffen aus Tomsk ein, wo der Mob ein Theater während der Vorstellung anzündete und jede Rettung verhinderte. TaS kaiserliche Manifest über Finland besagt: Straft des Gesetzes über den finländiscben Landtag befehlen wir, am 20. Dezember in Helsingsors einen außerordentlichen Landtag zu eröffnen, der folgende Fragen beraten soll: 1 Anträge übet Ausgaben in den Jahren 1906 und 1907, zeitweilige Steuern und eine Anleihe zum Zwecke des Baues einer Eisenbahn. 2. Den Entwurf eines neuen Grundgesetzes für die Volksvertretung Finlands aut der Grundlage des allgemeinen Stimmrechtes und unter Einführung der Verantwort- l i ch k e i t der lokalen Behörden gegenüber den Vertretern der Ration. 3. Ten Entwurf von Grundgesetzen über Freiheit der Presse, der Verfa nmlungeu und der Vereine. — Wir erwarten von allen die genaue Ausführung unseres Willens. Hin His-.ubaönunglülL bei Kelsterbach. W. Frankfurt, 6. Nov. lieber ein Eisenbahnunglück bei Kelsterbach wird amtlich gemeldet: Schnellzug 141 Rietz-Frankfurt stieß bei der Einfahrt in Bahnhof Kelsterbach beute vormittag kurz nach 11 Uhr auf den ausfahrenden Güter; ua 7615. Beide Lokomotiven und zivei Personenwagen wurden schwer besck^d-igt. Außer dem L o ko in o t i v pe r so n a l trugen vier Reisende Verletzungen d von. Beide Hauptgleise sind gesperrt. Der Betrieb wird durch 'Umsteigen an der Unfallstelle aufrecht, ereilten. Ter Uns st ist dadurch berbeigeführt, daß die Haltstellung des Ausf hrtssignals für den Güterzug, welches ur- svrünglich auf Fahrt gezogen, dann aber wegen des durchfahrenden, Schnellzuges wied"r auf Halt gestellt worden war, von dem £oh> motivführer des Güterzuges zu spät bemerkt wurde. Von privater Seite wird noch gemeldet: Vom Güterzug sind vier Wagen entgleist, vom Schnellzug zwei Wagen. Dom letzteren geriet einer in Brand Ein RettuugsZug ging von Frankfurt an die Unfallstelle ab. Der zweigleisige Betrieb dürfte hmte abend wieder ausgenommen werden können. Schwer verletzt sind: Thristian Schmidt, verheiratet aus Bischofsheim; Geisler belknochenbruch: Emanuel Müller aus Mainz, Kopfwunden: Ludwig Grün aus Mainz, Kopi- und Handverletzungen: Moritz Zschech aus Mainz, Kopf. Leicht verletzt: Fabrikant August Wagner aus Oberstein. Als das Unglück nach Frankfurt gemeldet worden war, ttfe», phonierte man, wie die „Kl. Pr." meldet, nach acht Aerzten, von denen aber nicht ein einziger zu Hause angetroffen wurde. Trotzdem ging alsbald ein Rettungs- und Gerätezug ab, mit d'm ein Militär- und ein Zivilarzt, sowie sämtliche ausgebildeten Senitätsmannschafien der Station Frankfurt fuhren. Man hatte nicht, wie seinerzeit bei Spremberg, sich daran gekehrt, daß die Unf'llstätte in einem anderen Tirektionsbezirk, in diesem Falle im M--inwr. lag Ter Materialschaden ist bedeutend. Es sind beide Hauptgleise gesperrt. Auf einen weiteren Umstand verdient noch hingewies"n zu werden. Wie notwendig die Be- stimmung ist, bei solchen Zügen, die keinen Gepäckwagen mit» führen, hinter der Maschine einen Schutzwagen laufen zu lassen, hat sich bei dem Unglück gezeigt. Ein Mißstand ist c& her, in dem Schutzwagen des V er bandszeug aufzubewahren. Der Scbutzwagen ward bei der Kelsterbacher Katastrophe krümmert. d s Verbandsmaterial also unbrauckchar gemacht. Wäre die Klinstseidefabrik mit ihren den Vorschriften für Betriebs, unsälle entsprechende Einrichtungen nicht in der Nähe gewesen so wäre d's Unglück noch größer geworden. Was die Bekanntmachung betrifft, der Verkehr werde durch Um st eigen aufrecht erhalten, so ist es vorgekommen, datz Leute, die gegen 5 Uhr aht der Unfallstelle von Mainz her an- langten, um sieben Uhr noch nicht befördert tvaren. Sie wurden' von dem Stationsbeamten auf einen Sonderzug, den er in Frank* furt bestellt habe, vertröstet, aber man wartete vergebens. Endlich kamen von der Unglücksstätte her ein Zug mit einem Packwagen, sowie zwei Personenwagen, die sofort besetzt waren. Debet 40 Personen mußten noch in einem Packwagen zusammengepfercht werden. Der abends von Paris abgehende Schnellzug PariS-Franffurt, war gestern abend mit großer Verspätung abgefahren. Um die Verspätung nicht noch zu vergrößern, war von Metz noch ein Vorzug aboelaflen worden, der heute vormittag uur 10.30 Uhr in Kelsterbach 'eintraf. Der eingleisige Betrieb ftrnnte erst von heim Uhr ab wieder ausgenommen werden. Ter Basel-Hamburger Schnell«' zug wurde rechtsmainisch gefahren. ♦ Zu dem Unglückssoll wird uns von ein ent davon 53 et tro f feiten, stud. phil. Karl Neurath, folgendes mitz geteilt: „Ich befand mich mit noch einem Herrn in dem vierten Abteil des zweiten Wagens hinter der Maschine und sah in btt sonnige Herbstlandschaft, die rasch an den beschlagenen Wagen- fenstern vorüberlief. Plötzlich lag ich in dem Schoße des an benf anderen Fenster sitzenden Herrn Dr. Poppe, bet sich an den Vorh'ng klammerte unb ebenso plötzlich würbe ich auf menten ursprünglichen Sitz zurückgeschleudert um im nächsten Augen» blick burch die Türe in den Wort zu sausen, wohin mir meine Gepäckstücke rasch nachfolgten. Ich hatte mich kaum erhoben, alL ich ein fürchterliches Krachen vernahm, das sich mit dem betau benben Fauchen unb Zischen der Lokomotive vereinte. Ich flog auf meinen Sitz zurück — der Zug stand. Ich dachte nicht im Entferntesten an einen Zusammenstoß — ich dachte überhaupt nn nichts, sondern versuchte mit großer fttaftcrnihcngimg bte Türe zu öffnen, wes mir aber nicht gelang. Sie hatte sich fest» geklemmt. Da wurde mir von außen geholfen und mit einem, Sprung war ich im Freien. Auf den Gleisen standen z. T. die leichenblassen Fahrgaste, lagen Gepäckstücke, Holzsplitter, Eisens teile, glühende Kvhleit uff. Ich lehnte mich einen Augenblick au eine Bretterwand und sah erstaunt die Trümmerstätte. Der zev» trümmerte erste Wagen, der Feuer gefangen hatte, stand mit seinem Hinterteil auf dem zerschmetterten Kopfe des zweiten, dem ich glücklich entflohen war. Die Lokomotive unseres Zuge- war verbogen wie die des Güterzuges, dessen Tender umgestürzt w"r. Tie Güterwagen, hatten sich von dem Tender losgerissei^ und waren 10—15 Meter zurückgetrieben worden. Zwei Bahn- beamte zogen den blutüberströmten Lokomotivfiihrer unseres ZugeS aus den Trümmern seiner Maschine und legten ihn in das Gras^ derweil andere aus dw nahen Seidenfabrik Verbandszeug holten^ weil der Verbandskasten des Zuges im Schuhwagen verbrannte» oder noch verunglückten Fahrgästen suchten. Jetzt erst erfamtte ich die Gefe.hr, der ich glücklich enttoifdvt war, und obschon ich selbst noch ganz verwirrt war, bot ich zwei älteren, Damenf meine Hilfe an, die allerdings nur im Bereiten von Litzplätz«* bestand. Nachdem wir uns von unserem Schrecken etwas erholt h tten, gingen wir nach der 200—300 Meter entfernten (Station, um nech der erforderlichen Hilfe zu suchen unb die nächste Fahrgelegenheit zu erfahren. Es konnte uns aber niemand Auskunft geb-n. da alle Beamten vollauf beschäftigt waren. Die Damm meinten, die Herren gingen auf und ab, einige, baruntcr tdk gingen zum Postamt, um sofort nach, Hause zu depeschierm, nbcre gingen schelllnd über den Bahnsteig. — Gegen 12.45 Uhu kam endlich der erste Hisiszug von Frankfurt an unb ttnirbc von b?m größten Teile des Publikums mit Schmähungen über bte allzugroße Ver'ögening empfangen. Gleich barauf_tvaf ich auch Tr. Popve wieder, der gleich mir mit einigen Stoßen und denr ^cksie'cken d"vong''kommen war. Um 2.20 Uhr kam der erste, von Frankfurt, der die Pnisagiere der inzwischen ein», g-Nwllenen Züge aus Mainz weiter befer bette. Auf dem Frank» hrter Bahnsteig wartete eine große Menschenmenge auf die Mainzer Züge und wir konnten nur mühsam nach den Warte» sölen wo wir einiges zu uns nehmen konnten. Außer einend »■(einen P.-k't habe ich nichts eingebüßt, aber ttotzdem war eS hoffentlich das letzte Erlebnis dieser Art."- Wi Wn, nehmen Sie ' von B. Sdilinck & ci, leldit beste Pflanzen« und backen. Preisen sorgfättigst zusamiütil ten i. ins W Telephon W yrechrnd billiger. ftlll i billigsten Preise». wurzB^e6iow^ M., . nfn ^ri>nu»3» iden. General-Anzeiger, AmL§- und Anzeigeblatt für den Kreis Giehen. Nr. 462 Zweites Blatt Erscheint tSglld) mit Ausnahme beS Sonntags. Die „Siebener Zamlllenblätter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^hejstlche Eanörolif* erfdjeint monatlich einmal. 155.^ Redaktion, Expedition u. Druckerei: Echulllr.7. Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gteßea. Dienstag 7. November 1H05 A . RotatlonSdeiick und Verlag der Brühllche« vA , 7 Unwersuälsdruckerei. R. Lange, Gießen. sehr t>erlichtet Natur zu fein. Als eines Trages i>ic 16 jährige Elisabeth Gramm eine Uhr bei ihm abholen wollte, hielt er das Mädchen mit Gewalt zurück und Tilgte sie. Jedenfalls hatte et die Tür abgeschlossen und das Mädchen mußte sich cnerqKfi wehren, bis sie Koch 'wieder fre-aab. Wegen tätlicher Beledig- ung verurteilte den verliebten Uhrmacher die Darmstädter Strafkammer zu 10 Taacn Gefängnis. Arßfitertier ung. Die sächsfsch-thüringische Jä r b er-Konvention beschloß, am nächsten Samstag auch ihre Jabrifen zu schließen, falls bis bofmr in den Textilfabriken eine, neuerliche Aussperrung unvarmeidlich wird. Berlin, 6. Nov. Wüste Austritte, bei denen e4 zwölf Verwundete gab, haben sich heute mittag zwischen streikenden und arbeitswilligen Marirern abgesvielt. Am Samstag waren zwischen dem Untcnrfrmer und den Arbeitern Lohndifferenzen ausgebrochen, die sich heute derartig MifDihten, d^st die Maurer die Arb^'t tum größten Teil niederlegten. Andere Arbeiter traten für die Ausständigen ein. Als die ersteren heute Mittag in einem Kellerlokal zum Essen zusammentrafen, stürzten sich die iStreifcnb‘'H wie auf ein Kvmmando auf die Ersaharbeitcr > nd in wenigen Minuten mcr in dem Restaurant ein ungeheurer Tumult entstanden. Bieraläser " ' n als Wurfgeschosse herum und mit Stühlen und Messern st-'-rchen die Gkgner wütend auf- Hn^rber. Als der K'amvf beendet w"r bot das Schlachtfeld einen täglichen Anblick. Zwischen den Stühlen und Tischtrümmern stöhnten die Verlebten und das Blut floß unaufhörlich. Zwölf d°r Strei^uden w"r°n varle^t wordm. Abg. ^öDfer-cSanqsborf vor Heriiyr. (Unberechtigter Nachdruck verboten.) S. u. H. Gießen, 7. Nov. (Fortsetzung aus dem 1. Blatt.) । Bor überfülltem Zufchauerraum begannen heute früh . die Verhandlungen. Justizrat v. Brentano-Offenbach , führt die Verteidigung des Angeklagten. Abg. Köhler, der kur; vor Beginn der Sitzung aus der Anklagebank Platz nahm, ist einmal wegen Beleidigung mit 10 Mark Geldstrafe vorbestraft. Unter den Zeugen interessiert vor allem die inzwischen wegen Kindesmords -u rwei Jahren Ge- ■ sängnis verurteilte Mau.r"rmoistcrstochter Minna Go er- । lach, die aus der Strafhaft zu dem Termin vorgeführt wird. Auf Befragen gibt ?lbg. K öhler an: Er habe bereits unter dem 16. November in der zweiten Kammer die Erklärung abgegeben, daß er in der Affäre Goerlach bezüglich der meisten beleidigenden Behatwtungen re d oziere. Ganz könne er aber seine Anschuldigungen nicht zurücknehmen, umsoweniger, als es ihm ferngelegen habe, durch ihre Vorbrinauttg etwa den einen oder anderen Beamten oder Mediziner persönlich zu beleidigen. Mit Medizinalrat Dr. Haberkorn z. B. habe er stets gute Beziehungen unterhalten, weil er ihn als einen geraden deutschen Mann kennen gelernt habe. Auch dem Staatsanwalt Reuß habe er absolut nichts antun wollen, denn dieser habe sogar einmal die Untersuchung wegen eines gegen ihn, Angeklagten gerichteten Pasguilles geführt und ihm bei dieser Gelegenheit Mitteilungen ans seiner Praris gemacht, die ihm. Köhler. g"zeigt hätten, daß der Staatsanwalt ihn als Büraermetster gewissermaßen als seinen Gehilfen betrachtete. Geheimrat Vfanncnstiel habe er niemals gesehen, ebensowenig den ftüheren Gießener Untersuchungsrichter, jetzigen Oberlandcsgerichtsrat Sandmann. Was könne ihn also wohl bewogen haben, diese Herren zu beleidigen? Andererseits aber habe er sich damals sagen müssen: Leben wir denn in Rußland, baß unsere Frauen und Mädchen ohne weiteres auf die Bürgermeisterei qeschlevvt und dort körperlich untersucht werden, nur weil im Ort ein Kindesmord vorgekommen ist? Auch kam es mir so ror, als wmn unsere Behörden eine gewisse Grenze bei der Behandlung solcher Sachen zögen. Ich habe damals die Meinung gehabt, als ob man mit Frauett der oberen Stände nickst so umgehen würde wie mit denen meiner Bauern. Eherckrnz Ta femme! so heißt es auch hier, und zwar int guten Sinne, denn es war meine Frau, die ganz entfe-st darüber war und die mir sagte: Unter diesen Umständen könnte mir das ja auch passieren! Alles das bracht ' mich dmnals in Erregung und bringt mich auch heute noch in Erregung. Ich sagte mir: Du bist Abgeordneter des in Betracht kommenden Bezirks, deine Interessen sind berührt und deine Pflicht ist es, dich dieser Sache anzunehmen. Jsch wandte mich deshalb sogar an die „Franks. Ztg", obwohl sie meiner Parteirichtung durchaus entgegenstckst und mir feindlich gesinnt ist, indem ich ihrem Redakteur Weltmann in Darmstadt schrieb: „Im Namen der Menschlichkeit flehe ich Sie an, mit mir ein- zutrcten, daß Recht und Gerechtigkeit erhalten bleiben." Mit diesem Briefe zusammm sandte ich ihm auch ein Erern- plar meiner Interpellation an den Landtag ein. Ich habe also das beste im Auge gestabt und bin bestrebt gewesen, den Interessen meiner Wähler zu dienen. Sollte ich eine Strafe erhalten, so nehme ich sie an, ich bestreite aber, daß ich j e m a it d b e ' e i d i g t habe. Ich glaube auch nicht, daß so etwas in England möglich wäre. Auf keinen Fall lag ein Anlaß vor, die Minna Goerlach des Kindesmordes für schuldig zu halten. Es ist mir damals von Aerzten wie von Juristen gesagt worden, daß das Vorgehen der Herren ganz unstatthaft gewesen sei. Die Wogen der Entrüstung, die damals in Eberstadt hochgingen, brandeten ja hier nicht in Gießen, deshalb fühlte ich mich als Abgeordneter für verpflichtet, die Sache im Landtage zur Sprache zu bringen. Diesem Zwecke diente meine in der „Landvost" veröffentlichte Interpellation. Meinem Naturell und Temperament ist es zttzumessen, daß meine Eingabe scharf und schneidig ausgefallen ist. Bors.: Warum veröffentlichten Sie nun aber diese 'Interpellation, ohne eine nähere Erkundigung über die einzelnen Vorgänge ein'uzieh.'n? Und warum beeilten Sic sich so sehr mit der Veröffentlichung? Anqckl.: Ich wollte eine möglichst rasche Aufklärung herbeiführen, weil ich die Herren da oben über die Volks- Pimmung informieren wollte. Der Lehrer Leidig hatte mir mitgeteilt, daß in Eberstadt vollständig anarchische Zustände herrschten. Vors.: Mer die Untersuchung war doch noch gar 'nicht beendet, als Sie die Interpellation veröffentlichten? Ange kl.: Für mich kam in Betracht, daß sowohl der Altbüraermcistcr als auch der junge Bürgermeister von 'Eberstadt mir gegenüber die Unschuld des Mädchens beteuert hatten. Der Altbürgermeister ftcilich polemisierte nt der Hauptsache gegen den Pfarrer, den er als Zeloten hinstellte. Schließlich erzählte er mir auch noch, daß seine Frau ihm während, der Untersuchung des Mädchens auf der Bürgermeisterei gesagt habe: Sie könne es gar nicht mehr mit anbörcn, wie man dem Mädchen zusetze! Was im einzelnen vorgckommen war, konnte er mir freilich nicht sagen. Mer ich fand es schrecklich, daß man die beiden Frauen da auf der Bürgermeisterei untersuchte, währcntd draußen die Kinder hernntstanden und doch wußten, um was es sich handelte und die Eynischeren unter ihnen wußten, was drinnen vorgina. IG nannte deshalb auch den Bürgermeister einen Teigling, weil er nicht Einspruch erhoben hatte. ?lls Bürgermeister Hätte er sich so etwas nicht gefallen lassen dürfen. Er mußte seine Bauern und ihre Interessen schützen und wenn es den Kopf kostete. Darüber mögen vielleicht manche lachen, jedenfalls ist es meine Ueberzeugung, daß ich als Bürgermeister und Bauer mit meinen Bauern durch Dick und Dünn zu gehen habe. Ich fragte auch noch andere Leute und schließlich den Vater des Mädchens. In Gegenwart des Abg. Hirsche! bestätigte er mir, daß seine Tochter unschuldig sei, und auch wenn sie schließlich schon geboren hatte, so war doch damit noch nicht gesagt, daß sie mit der gesuchten Kindsmörderin identisch war. Mso durften meines Erachtens die .Herren nicht in dieser Weise gegen sie Vorgehen. Dazu kam noch tas, allerdings falsche Gerücht, daß auch Prof. Tr. Pfannenstiel bei der Untersuchung des Mädchens auf der Bürgermeisterei deren Unschuld konstatiert habe und daß das Mädchen bei ihrer Abführung ihrem Vater zugerufen haben sollte: Vater, was habe ich für Schmerzen erdulden müssen! (Fortsetzung foW.) Ans Stadt and Land. Gießen, 7. November 1905. •• Adreßbuch. Die Redaktion des Adreßbuches der Stadt Gießen bittet um möglichst sofortige Rückgabe der den Vereins- und Kasten-Vorsitzenden zur Durchsicht und Aenderung übergebenen Karten. '"Zur Landtagswablbeivegung. Die Freisinnigen beschlosten in der Vertrauensmännerversammlung zu Armsheim in Rheinhessen, im Wahlkreis Wörrstadt gegen den Abgeordneten Wolf (Bauernbund) den Bürgermeister Christ und im Wahlkreis Wöllstein gegen den Nationalliberalen Pitthan den Lehrer Rodenbach anfzusteUen. "" Mit dem Tode des Hüttendirektors a. D. Spanier, der etwa drei Jahrzehnte der Ilsede-Hütte bei Peine in Hannover vorgestanden, sie zu großer Blüte gebracht hatte und bis zuletzt noch ein geschätztes Mitglied des Aussichtsrats mar, verliert unsere Stadt einen treuen 'Mitbürger und Förderer auf allen Gebieten, wo es galt, eine offene Hand zu haben. Herr Spamer, ein geborener Heste, der hier seine Gymnasial- nnd Studienzeit größtenteils verbracht hatte, wollte, obschon er inzwischen Preuße geworden und dort eine hohe Ordensanszeichnung erhalten hatte, doch wieder zurückkehren an den Ort, wo sein Bildungsgang den Anfang nahm und dem er stets sein Interesse bewahrte. So baute er sich in der Wilhelmstraße an und wurde in vielen Vereinen Mitglied. Er war bis vor Kurzem Vorsitzender des Verschönet- unqsvereins, welches Amt er, wie so manche andere, mit äußerster Gewissenhaftigkeit bekleidete. Ein längeres Leben hätten wir ihm, dem edeldenkenden Manne, von Herzen gewünscht; sein Andenken soll uns in bester Erinnerung bleiben. ** Otto Lamborg, der bekannte Klavierhumorist und humoristische Vortragskimstler, bereitete mit seinem gestrigen Konzert dem ziemlich zahlreich in Steins Saalbau erschienenen Publisi'm einige recht vergnügte Stunden. Er brachte in bunter Abwechslung musikalische Scherze und Parodien auf dem Klavier, witzige und humoristische Deklamationen, Liederimvrovisavionen von ihm aus dem Pu- Mihtm gegebenen Tertes, stellte nach ihm zugerufenen Namen von Musikstücken und Komponisten ein ganzes Potpourri zusammen und dergleichen mehr. Sogar die Speisekarte des Etablissements mußte sich gefallen lassen, von ihm „komponiert" und sofort mit Klavierbegleitung ge- sitngen zu werden. Amüsant war auch die vorgetragene Probe aus einem haarsträubenden Lieferungsroman und die Parodien zum „Erlkönig und „Handschuh". Alles das geht mit verblüffender Schnelligkeit von statten und der schlagfertige Humor des Herrn Lamborg, der übrigens schon seit 1881 auf diese Sachen reift, versagt niemals, sodaß die Zuhörer nicht aus dem Lachen herauskommen und die Zeit ihnen wie im Fluge vergeht. ** Ter evang. "Arbeiterverein feierte am Sonntag abend in Steins Garten sein Stiftun gsfest. Pft. Kraus hielt enr kernig- Anftwache über „Arbeit und Evangelium", Herr Schufst deklamierte „Tie Bürgschaft" von Schiller, und der gemischte Ehor sang schön und rein drei der besten Schillerlieder. Mitglieder der Regiments- kapelle trugen Musi sincke vor. Besonderen Beifall erntete Herr Gies mit einem Violinsolo: Eavatine von Raff. Er dankte durch eine Zugabe. Der zweite Teil des Programms brachte als ersten Versuch eine „Bunte Bühne". Tic fein humoristischen Darbietungen, von Dirigenten Gernhardt mit Geschmack einheitlich zusammengestellt, von den Mitglie- dern des gemischten Chors mit Frische und Verständnis ausgeführt, fanden großen Beifall. Wie erfreute man sich an den Humor- ttnd gemütvollen Vorträgen „Die Lllte" von Mozart, „Ter Zahn" von Elaudius-Loewe. Ebenso gefielen „Die Kartenlegerin" von Ehemisio-Schumann, ..Das gestörte Ständchen" von Mozart, „Ich sah ein Röschen" von Weber, das Volksstück .,Roscnstock, Holderblüth" usw. Ein Mitglied des gern. Chors brachte zwei Geibelsche Gedichte in Wetterauer Mundart „Tte Zaire ärmere sich" nnd „De Bendersche Käht" gelungen zum Vortrag. Dazwischen hörte man ein schönes Mandolinen-Intermezzo von Pugh. Kurz nach 10 Uhr war dieser Teil des Abends beendet und es folgte für die Jugend ein Tänzchen. "" Der erste Winterturngang des II. Bezirks des Turngaues Hessen sand am Sonntag nach Duten- hosen statt. 250 Turner aus 14 Vereinen waren bis 4 Uhr im Jagdschlößchen versammelt und verblieben dort bis gegen 7 Uhr in fröhlichster Stimmung zusammen. Man trennte sich mit dem Wunsche, daß der Bezirk recht bald wieder einen Turngang veranstalten möge. *" Der Turnverein hielt gestern abend im Cafö Ebel eine gut besuchte außerordentliche Mitgliederversammlung ab, in der zunächst die Beitragserhöhung von 4 Mk. auf 6 Mk. jährlich beschlosten wurde, dagegen soll das Eintrittsgeld auch in Zukunft in der seitherigen Höhe erhoben werden. Rach längerer Besprechung wurde sodann der Vorstand beauftragt, die Vorbereitungen für das im nächsten Sommer zu feiernde 60 jährige Jubiläum einzuleiten und sich zu diesem Zweck aus den Reihen der Vcreins- mitglieder auf die Zahl von 30 bis 35 Mitgliedern zu ergänzen. Allgemein wurde der Wunsch geäußert, das Fest entsprechend, aber in einfacherem Rahmen zu feiern, und man aibt sich der Hoffnung hin, daß auch die Damen des Vereins sich an dem Feste entsprechend beteiligen, vielleicht durch Stiftung einer neuen Fahne. Im weiteren Verlauf des Abends wurde noch der Wunsch geäußert, daß recht viele Mitglieder dem Sängerchor beitreten möchten, um auch m dieser Hinsicht das Fest würdig ausgestalten zu können. An die Auffordermig des Vorsitzenden, sich recht zahlreich an der Lchitlergedenkstein-Einweihung zu beteiligen, schloß sich au§ der Versammlung heraus die Anregung an, auch die Blums- Linde als solche äußerlich zu kennzeichnen. ?lniverfttätö- lladmtfifen. Bonn, 6. Nov. Professor Dr. Freiherr von der Goltz. Direktor der Laudwirtschasllickwn Akademie in Poppelsdorf und Professor an der hiesigen Universität, ist heute gestorben. 0 Marburg, 6. Nov. Nachdem heute die Immatrikulationen zum Wintersemester ihr Ende erreicht haben, beträgt die Gesamtzahl der Studierenden einschließlich der Hörer etwa 1400. Im vorigen Winter waren 1319 und int Sommer, wo der Besuch immer besser ist, 1652 Studenten. — Bei einet im geographischen Institut abgehaltenen Erinnerungsfeier an den kürzlich verstorbenen Geographen Ferd. v. Richt Hofen hielten Geh.-R st Bros. Tr. Fischer und Privstdozem Tr Oestreich An sprayen. v-erichlsiaal. ssd.) 10 Tage Gefängnis für einen Kuß. Der 31 jährige Uhrmacher Georg August K o ch auS Offenbach scheint * Kleine Tages chronik. In Rostock begab sich der im H-^nse des Rittmeisters von O. weilende Freih°rr v. Tiele- W i n kl e r-Rotbenmoor am späten Albend, nachdem alle zur Ruhe gegangen waren, noch einmal in das Esizimmer und wurde nnm Hausherrn, der ihn in der Dunkelheit für einen Einbrecher hielt, durch einen Schuß schwer verletzt. — Gegen den in Tlensbnrg wohnenden Dastor Jacobsen aus Scherrebeck ist die Untersuchung wegen FälschungvonKirchenbüchern. eingeleitet worden. Oriqinas-DraütMi'sftnnqen. lsd.) Darmstadt, 7. Nov. Der Grvßherzog und Prinz Heinrich von Preußen begiben sich heute morgen, einer Einladung d"s Frcihwrn von Hehl folgend, im Automobil zur Jagd nach Gu n t e r s ha n s e n. — Prinzessin Lud« w i g von Batte nbera wird freute mit ihren Kindern hier ein ♦reffen und im Neuen Palais Wohnung nehmen. —- In einer gestern abend abael>a.lt>'nen sehr aut besuchten V r s a m m l u n g wurde von Vertretern bet bürgerlichen Parteien Mationalliberale, Nttramonwne. ^-reifinnmen und Reformvarteien) her seitherige ?lhg. des Landtagswab'bezirks Darmstadt-Lanh, N'nier'Mgsrat Noack einstimmig als Kindidnt proklamiert und beschlossen, mit "Iler Kraft für dessen Wiederwahl zu arbeiten. - Im Ernst-Lud- wigslmus der Künstlerkolanie wird von morgen ab eine Sonder- a u s st e l l u n g des Mitgliedes d't Kolonie, I. V. E i ss a r z stattfinden, in der außer neueren Arbeiten ein Teil der für_bie evangelische Kirche zu Groß-Zimmern bestimmten Glasgemälde ausgestellt werden wird. (H.) Heidelberg, 7. Nov. Der heute früh 6.18 Uhr von frier nach Mannheim abgehende Personen zug stieß infolge Nebels am Neckarau er N ebergang einem Güterzug in die Flanke und entgleiste. Die Maschine ist stark beschäd'at, 5 Wagen wurden aus d'm Gleis geworren und zertrümmert. Menschen wurden nicht verletzt, d'gcgew ist der Materialsch-den bedeutend. Das Frankfurter Gleis war eine Leit lang mfherrt, wodurch die Anschlußzüge bedeutende Vetsvätungen erlitten. Berlin, 7. Nov. Der „Vorwärts" veröffentlicht freute eine Entgegnung d"r entlass en en sechs Radgkteurei auf die letzte Erklärung des Parteivorstand-'s und der iFren 1 Kommission. Die Redakteure sagen n. a.. daß, b^r dlh». Veöel in dem jetzigen unerhörten Skandal die treibend- und verwirrende Kraft sei, gegen dessen tzlktion fi* die einsichtigen Mitglieder des Vorstandes nnd andere ast' verdiente Parteigenossen veraeblich ans gelehnt h-'brn Jeder Kenner der inneren Parteiverbältirisse wisse, dan Bebel an her Neigung zum persönlichenRegiment leibe Anschliessend an bin Entgeanuna erklären sieben Mitglieder des Parteivorstandes, darunter Auer irnd Singer, daß bei dem Beschluß in der Vorwärts tzlffäre sämtliche Mitglieder d^s Vorstände^ mitgewirkt frühen und daß iedes Mitglied nur nach eigener Uebwzengung und aus sachlichen Gründen ge« stimmt hat. Die Antwort Bebels wird heute ebenfalls im Vorwärts veröffentlicht. Ihr Hauptinhalt ist, daß er sich stets gegen den Personenkultus, den in erster Linie Eisner mit ihm int Vorwärts getrieben, verwahrt habe. Er wisse, daß die fog- Revisionisten seine Gegner seien und daß mancher von ihnen den frommen Wunsch beae, es möge ihm recht bald das Schicksal Liebknechts befchieden sein. Seien erst die paar Alten gestorben, ivim werfe man die Rasselbande zur Partei hinan?. Ibn, den man v e rb r e nn en wolle, mache man zu einer Art Halbgott auf Kosten derieniaen. für deren Interessen einzmr"ten die sechs Redakteure vorschünten. Er rweifle nicht, daß die Partei zu gegebener Zeit ihnen die passende Antwort gebe. Kiel, 7. Nov. Der Kaiser trift im Frnhjafrr eine auf sechs Wo^-en berech>n''te M i 11 el m e e r r e i s e nach Italien und Konstantinopel an. Der Panzerkreuzer Bock und das Depeschenbrot Sleivn--r b"g^iten die Kaiserjacht Hohen- zollern. die d"r K"'s"r für sinne Jährt benuNf Telefonisch© Ksirsbenic’ te des Giessener Anzeigers, nntceteilt von der Hank fllr Handel nnd Industrie, Giessen. IFrnnkfnrter Hörse. 7. Nov.. I.lst Uhr. 3^% Reichsanleihe . . 100.70 3% do. . . 88.05 3J4°/0 Konsols .... 100.85 3% do 88.95 3^°/0 Hessen 99.70 Oberhessen . . . —.— 1°;, Oesterr. Gold reute. . 100.90 41/8n.< Oesterr. Silberrente 100.75 4°<> Ungar. Goldrente . . 96.25 4^ Italien. Rente . . . —.— 3°X Portnsriesen Serie I . 67.90 3 Portugiesen ITT 67.75 4%° n russ.Staatsanl. 1905 95.50 1 z£°« japan. Staatsanleihe 95.10 1 »x Conv. Türken von 1903 90 10 Türkenlose .....137.— 4% Griech.‘Monopol-Anl. . 53.20 1% Süssere Argentinier . 90.25 3°'n Mexikaner .... 67 40 1/4°/o Chinesen . . 98 20 Aktien: Bochum Guss . . . . . 251.20 Buderus E. W 138.00 Tendenz: fester. Berliner Börse, Canada E. B 175.60 Darmstädter Bank . . . 150.60 Deutsche Bank .... —.— Dortmunder Union C. . . 101.70 Dresdner Bank .... 165.50 Elektriz. Lahmeyer . . 142.40 Elektriz. Schnckert . . 133 40 Eschweiler Bergwerk . . 270.70 Gelsenkirchen Bmirwerk . 233.70 Hamhurtr- Anierik. Paketf. 17110 Harnener Bergwerk . . . 217 00 Lanrahütte 262.00 Xordd. Lloyd . ... 130.90 Oberschles. Eisen-Industrie 13690 Berliner Handelndes. . 175.60 Darmstadter Bank . . . 150.90 Deutsche Bank . . 2419' Deutsch-Asiat. Bank . . 182.00 Disknnto-Kommandit. . . 190.61' Dresdner Bank .... 165.81 Kreditaktien ... . 211.90 Ba’timore- und Ohio- Eisenbahn 113.4) Gotthardbnhn — •" Lombard Eisenbahn . . 24 70 Oesterr. Staatsbahn . . . 144.00 Prince-Henri-Eisenbahn . 127.00 7. Nov., Anfangskurse Harpen er Bergwerk . . 217.-* l aurahutte . . —iien,tt® beiten. - 3m fmiMA . yorgenob cmcSonbr: bftmic 3. V. Ciss-M eiten ein Teil ter für H k bestimmten MasgeMW h taite'J? *** 6 mite ,.ftn Win, ■ $föbieift-H [wr«>tmentrafa?^J* 'ÄWö । ASZ5, L5.SL4 ^vbock beaab ^reih°rr b. $?,£■ boSdem on^a F k Ur et5 embrty i t nVf ~~ ®e°m brn i ' Co6Un aus Lckcrr^ °°uKlrchenbü^ 111* nnta-Ko®mana Sfr* ■ : ”“S- von uei liefen. 7 Nov- 1-1n I b 141‘ Lahmer - - ■tri^chnckL,rk ' X pner Bergwerk- ■ ^1 heute früh 8.18 U_5r tr esnuenzug stietz h r Uebergong einer ' entg1 is d'm Gleis geroorrtn L'W nicbt verletzt, te(?:- J c5 Frankfurter G!ci? ic beteilig W rts" fernen flicht k*1 n sechs R-'dikte!.' stantes V.t r" .. V.t A- ’öic tr-M' c\wn dessen M-'' orstanbes und nnbm' 1 aufgeleynt Lltnisse wisse, teg w icken Regiment Iw ernt lieben Mitglied te 11er imb ^inocr, sfsire sämtliche McitM ytfc jedes Mitglied mrc itf,li5enGründen? s mirb heute ebenW- nbn(t iit, H er fi® ■ •n Linie E'sner nut V Gr wisse, bin blt; >ieit und daß maE - nSae ibm recht b l « -»t[ tc “rbtennen WZ fort beuch't ■ x nha gtiiffb3'"1 \n 1?:' $>’’* ■ lahntte- - ' ' '. B S Jsdter Ba^ • ■ ' oji1 SeBsnk • ' > int-Bank • t5 .. fnmmanait’ • 21V rkenl°5e' 4BW<* >: Unterfertigter C. C. erfüllt hiermit die traurige Pflicht, seine liehen E. M. E. M. a. II. a. H. und i. a. C. B. i. a. C. B, von dem zu Giessen erfolgten Ableben seines lieben E. M. Hermann Span&ei Eüttendirektor a. D. geziemend in Kenntnis zu setzen. o-/,. Giessen, den 7. November 1905. Der C. C. der Teutonia L A.: Ahl eJg/ (XXX) x 5731 5740 Gießen, den 6. November 1905. langen zu lassen. Der Borstand. A Wem Woemn 6. L Gebrüder Berdux Giessener Seefisehmarld gs Bahuirofstcatze 27. Liudcuplatz 12. Gießen, den 6. November 1905. Ter Borsitzende. 'S Statt besonderer Anzeige. Die glückliche Geburt eines kräftigen Jungen zeigen hocherfreut an AuS der Minna Keil-Bogt-Stiftung find für das Jahr 1905 drei Gaben fbon je 70 Mk. an drei in Gießen wohnhafte, würdige und bedürftige Handwerksmeister oder Witwen von Handwerksmeistern evangelischer Kon- Zession, zu vergeben. Bewerbungen find bis längstens 30. November d. I. Ibcun städtischen Armenamt, Neuen-Bäue 25, einzureicheu. Nur selbständige Handwerker oder Witwen selbständiger Handwerker können berückfichttgt werden. Käuflich in Gieße» bei: Jakob Häuser, Ludwigstr. 36, ?(. Lcuhardt Nacht. (I. Dtaternus) I. Seeler, Ludwigstraße y e&Sphhe, Glashütte! Zu beziehen duith alle feineren Ohren geschäftet 28 Prai Carl Georgi nnd Frau Anna, geb. Ottens. Giessen, 6. November 1905. Carl Seibel, Frankfurter Straße 76. I. M. Schulhof, Markistr. ____— AuS den Zinsen der Labroisse-Stiftung und der Echternach-Stroh- Etistung sind Anfang Januar kommenden JahreS Kohlen für arme fiamilieh zu vergeben. Anmeldungen werden aus dem Armenamt, Neuen- Bane 25, Zimmer 2, während der GefchästSstunden bis 30. November 1905 entgegen genommen. [B‘/n Gießen, den 3. November 1905. Die Armen-Deputation der Stadt Gießen. C u r s ch m a n n. Sängerkranz. Da die Teilnehmecltstc zu dem gemeinschaftlichen Essen am Sonntagabend frühzeitig geschlossen wird, bitten wir noch etwaige Anmeldungen bis längstens Donnerstag, den 9. d. M., mittags 12 Uhr, an unseren Vorsitzenden ge- Zurrh Tee Zteucste Ernte — Eigene Einfuhr ä Mk. 2,50, 3,—, 3,60, 4,—, 6,— per 7, Kilo b»r Thompsons Seifenpulver (FcAuxan? . , .. spart Arbeit Qäsld Bekanntmachung. Aus der Louis Scheid-Stistung find am 11. Dezember die bteS- {Jährigen Zinsen in Gaben nicht unter 20 Mk. an Witwen und Waisen .iner Kaufleute, oder an arme Kaufleute selbst, sofern sie unverschuldet in 'Not gekommen sind, ohne Unterschied der Konfession zu verteilen. Nieldungen nimmt daS Arinenarnt, Neuen-Bäue 25, Zimmer Nr. 2, tbiS 20. dS. ÄitS. während der GeschäftSstundeu entgegen. Danksagung Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem uns betroffenen schweren Verluste unserer lieben Mutter Kathilkille Jäger Wive. und die liebevolle Pflege der evangelischen Schwestern, sowie für die überaus zahlreichen Blumenspcnden sagen innigsten Dank Die trauernden Hinterbliebenen. Familie Jäger und Rödigcr. .§cntc Iiciistiig Üliicnö etile Scnönng ein.reütni): Prima Backfisch. Prima Portious-Schellfisch. Prima großer Holland. Augel-Schcllstsch. Prima großer jütläud. Augcl-Schellftjch. Prima Uabliau ohne Uopf. »'/» Kieler Sprotten, Bücklinge, Heilbutt, Aale, Flcckhcriuge, Lachsheriuge. Nollmopö, Bismarckheriugc, marinierte Heringe, Bratheringe, Sardinen, rusi. Aal in Gelee re. Verdingung. Die Herstellung der elektrischen Beleuchtungsanlage für die Klärbeckenanlaqe der Stadt Gießen soll Montag, den 13. November d. I., vormittags 11 Uhr öffentlich vergeben werden. Die Zeichnungen und Bedingungen liegen bet uns auf Runmcv Nr. 1 zur Einsicht auf und sind daselbst gegen Erstattung der Selbstkosten erhällltch. Auskunft erteilt außerdem das städtische Elekirtzttätswerk. Angebote sind spätestens bis zum vorgenanntett Zeitpunkt verschlossen und mit eittjprechender Auifchrtft versehen an uns ein- zureichen. — Zuschlagsirist 3 Wocheiu Gießen, 6. November 1905. & u Städtisches Tiefbau amt. B ra ubach. C'iiiiittsgeld 1 Mk.,Jahresbeitrags Mk. *\ Derselbe wird vom Vcreinsdiener Adolf y §chwan im Laufe dieser Woche erhoben. Jeder Quittung wird eine Beikarte bcigefügt; gegen Aufstellung des mitfolgenden Bezugsscheines und ^ntrichiung von 50 Pfg. per Stück können weitere Beikarten geforden werden. Bcikarlcn können nur für die Hausstands- mitglteder der engeren Famllie verlangt werden und sind nicht übertragbar. Mißbräuchliche Benutzung dieser Karten zieht zunächst den soforügen Ausschluß aus dem Beretu nach sich und wird gegebenen Falles gerichtlich verfolgt. Die Bezugsscheine und Eintrittskarten sind beim Bereinsdleuer 'oder auch beim Bercinsrcchner Herrn Alexander Kuhr, Hensel- straße 1, erhältlich. v /u At. Knw ß eTSnhpmfu’r 1005 Psstpaket-Adressen m« $irma MW Diu.»« vrühl'iche Uviversitäts-Vruäerei. Sieben ! 2^frankfurt ^Rühmlichst SS 13'1 z -------------------------- • _______ X TÜRK PABST auce. Mayonnaise.1 T. & P’s. W.-Saucc gibt graten, Fischen, Sanken ec. pikantesten Geschmack. „ Mahounaiss n. Rcmouladcn-Sance sind n. anageieitneter ©nie 3nlaid-£iiiolro«-j{e5te Muster durch und durch gehend. 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