ykr. 7 Grfchetnr «gNch mit vuSnahmr de« Sonntag-, Die ^Sietzener Familienbiatter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich betgelegl. Ti", ^tzrlstjche CanOölrr erlchevu monaUtch einmal Rotationsdruck und Verlag der Brüh lachen UnwersttätSdruckerei. ÖL Lange. Dietz«. Redaktion. Expedition u. Druckerei: Schulstr. k. DeL Nr. 6L Telegr.-Adr. i An-eiger Dietzen» ^Weites Vlatt. löö. Jnl;rnn;rg Montag Januar Gießener Anzeiger General-Anzeiger. Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Sichen. Politische Wochenschau. Gießen, 9. Jan. 1905. Der erste Tag des neuen Jahves brachte dem deutschen Heere eine Ueberraschunq durch die Ernennung von vier neuen G e n e r a l f e l d m a r s ch ä l 1 e n. Man hat sich, vielfach darüber gewundert, und die „Deutschen Stimmen" des nationalliberalen Mg. Dr. Patzig schrieben: „Der eine der vier neuen G-neralseldmarsckälle, v. Hahnke. hat die Stufenleiter -zu den höchsten Würden als Militär in aller Hauptsache abseits von der Truppe erklommen. Im Jahre 1870 war er als Major beim Generalkommando des 3. Armee? vs, an der Spitze eines Regiments hat er nur kurze Ende der 70er Jahre gestanden, sonst war er fast ! ernd mit Wahrnehmung von Verwaltungsgeschäften etraut, von 1888 bis 1901 war er Ehef de? Militärkabin lts, in dessen vier Wänden nicht gerade die Armeebefehlshaber ihre Ausbildung zu empfangen pflegen. Seine Ernennung zum Generalfeldmarschall kann also lediglich als persönliche Gunstbezengung des Kaisers verstanden werden. Und hierzu mag ein Wort der Kritik gestattet sein. Wir richten es an den Kriegsminister, dessen Mitwirkung bei diesen Ernennungen ja vorausgesetzt werden darf. Bei aller geziemenden Ehrfurcht vor dem Throne hätte er dem Kaiser doch vorstellen sollen, daß es ratsamer wäre, einer hehren Tradition in der Armee treu zu bleiben und. — wenn schon in Friedenszeiten Gcneral- feldmarschälle ernannt v erden sollten, so doch mit dieser Würde nur solche Militärs zu betrauen, die im Kriege den Anforderungen an einen Armeebefehlshaber gewachsen wären." Andere deutsche Vorkommnisse, charakteristisch für die heutige Zeit, waren der S ch w a b e n st r e i ch in Heidelberg und eine Photographie Hüsseners. Aus Anlaß einer Theaterkritik hatte das Korps „Su-evia" in Heidelberg dem Kritiker und dem Chefredakteur eines Heidelberger Blattes schwere Söbelforderungen zugehen lassen. Daraufhin sah sich der Staatsanwalt veranlaßt, sich mit der. Angelegenheit zu befassen. Hüssener, der auf Ehrenbreitstein seine Festungshaft verbüßt, hat seinen sonntäglichen Kirchurlaub benutzt, um sich in Eoblenz an einem fidelen Trinkgelage zu beteiligen, worüber eine Photographie ausgenommen ist, die in sozialdemokratischen Blättern veröffentlicht wurde. Darauf steht zu Füßen Hüsseners eine ganze Batterie Weinflaschen, zum Zeichen, wie angenehm es isst, Festungshaft abzubüßen. Der Kriegsminister hat eine strenge Untersuchung eingeleitet. Der Fall dürfte im Reichstag zur Sprache kommen. Es dürste der Vorschlag gemacht werden, daß das Recht des Gouverneurs einer Festung, den Festungsgefangenen die Abstattung von Besuchen in der von den Festungswerken umschlossenen Festungsstadt zu gestatten, aufgehoben werde. Tie Pflege der deutsch-amerikanischen Freunidschlaft ist jetzt in ein neues Stadium getreten: Es soll nun ein Professorenaustausch zwischen hüben und drüben stattfinden, deutsche und amerikanische Wissenschaft soll gegenseitig ausgewechselt werden, um so das Verständnis der beiden Völker für einander mehr zu entwickeln. Der „Hann. Eour." erfährt, daß zwischen der Harward-Universität und der Berliner Verhandlungen angeknüpft sind. Die Absicht geht dahin, daß jährlich 1 bis 2 Professoren in Berlin und Harward auf einige Monate beurlaubt würden und je auf der anderen Universität Vorlesungen hielten. Man muß abwarten, wie sich die Idee verwirklicht. Recht bemerkt wurde, daß Amerika dasjenige Land ist, welches zuerst eine Schill er feier veranstaltete. Es geschah das in der Universität E a m- bridge in Massachusetts. Jeder Versuch intellektueller Annäherung ist mit Freuden zu begrüßen. Aber was können solche Freundschaftsbeteuerungen nützen, wenn man fleht, wie die wirtschaftliche Konkurrenz immer schärfere Formen annimmt. So beabsichtigt man in den Vereinigten Staaten die Einführung einer Tonnagebesteuerung für ausländische Schiffe. Was nützen akademische Freunoschasts- beteuerungen, wenn die Tatsachen so aussehen, wie in der Wrrtschafts- und Handelspolitik der Vereinigten Staaten? Immer noch unerledigt ist der deutsche Handels- bertrag mit Oesterreich. Die Verhandlungen werden zurzeit in Berlin fortgeführt und sollen angeblich rm Lause dieses Monats beendet werden, nach einer Meld- ung sogar bis zur Wiedereröffnung des Reichstages. Die Gerftenzoll-Differenzen dürften inzwischen behoben sein und neuerdings wird in Wien versichert, daß eine Annäherung auch in der Veterinärftage stattgefunden hat, sodaß nunmehr mit aller Bestimmtheit auf eine baldige Verständigung gerechnet werden kann. In Berliner Finanzkreisen war sogar am Samstag das Gerücht verbreitet, die Verständigung sei bereits zu stände gekommen. An der Wiener Börse gingen e n Samstag Eisenwerte zurück, weil verlautete, d'aß Oesterreich-Ungarn in eine Herabsetzung der Eisenzölle eingewilligt habe. Im R u h r r e v i e r hat am Samstag ein S t r e i k d e r Bergarbeiter begonnen. Auf der Zeche „Bruchstraße" war nur ein geringer Teil der Belegschaft angefahren. Tie Behauptung, daß den Bergleuten die Deputatkohlen für ihren Hausbrand verweigert worden seien, und daß deshalb 'der Ausstand ausgebrochen sei. wird vom Bergbauverein als falsch bezeichnet und erklärt: In normalen Zeiten werden von 1600 Wagen Förderung noch nicht 30 Wagen täglich für Teputatkohlen verlangt, während in den letzten Tagen 40 Wagen täglich dafür geliefert wurden und heute jeder siebente Wagen, also über 200 Wagen für diesen Zweck für die nächsten Tage angeboten waren. Die Belegschaft verlangte deswegen eine schriftliche Zusicherung, daß sie bis nächsten Dienstag mit Kohlen für diesen Monat zu versorgen wäre. Diese Zumutung wurde abgelehnt. Die gleichfalls als Beschwerdegrund angeführte. Dauer der Seilfahrt von einer Stunde ist auf der Mehrzahl der großen Zechen von jeher tn Hebung. Eine in Neumühl abgehaltene von 2000 Personen besuchte Bergarbeiter-Versammlung erklärte sich mit der Belegschaft von Zeche Bruchstraße solidarisch und beschloß, keine Ueberschichten mehr zu verfahren. Tie Versammlung beschloß, vor allen Dingen solle ein eigenmächtiges 'Vorgehen vermieden werden. Es wurden drei Vertreter gewählt, die mit der Direktion der Zechen behufs Älbstellung der Mißstände verhandeln soll. In einer Versammlung der Belegschaft der Zeche Bruchstraße versprachen die Vertreter anderer Bergarbeiter-Organisationen materielle Hilfe. Die Führer erklärten nachdrücklich, der Ausstand solle lokal bleiben. Der Sekretär Husemann des sozialistischen Vereins machte bekannt, daß die Streikbureaus Montag eröffnet werden würden. Er bat alle Bergleute, der Zeche fern zu bleiben und schloß mit einem wurmen Appell an die Streikenden. Er forderte sie auf, die Achtung vor dem Gesetz und seinen Beamten unter keinen Umständen zu vergessen und die Beamten weder durch ein böseS Wort noch eine hämische Miene zu reizen. Eine Konferenz der leitenden Kreise des Syndikats und des Bergbau-Vereins glaubte feststellen zu können, daß der Ausstand belanjg- l o s sei. Die Kohlenvorräte und die Organisation verhinderten den Erfolg. Im Essener Revier ist alles ruhig. Ferner brachte die vergangene Woche mehrere Minister krisen. In Dänemark traten vier Minister zurück. Sie verlangten kürzlich, daß der Marineminister Jähnke gleichzeitig mit dem Kriegsminisber Modien zurücktrete, da angeblich der Zwiespalt Mischen beiden den Kriegsminister zum Rücktritt veranlaßte. Der Ministerpräsident Deuntzer weigerte sich, den Marineminister zu diesem Schritt zu zwingen. Darauf gaben die anderen Minister ihre Entlassung. Besondere Beachtung begegnete dem Minister- wechsel in O e st e r r e i ch, Ast Stelle Körbers hat Herr v. Gautsch die Ministerpräsidentschaft übernommen. Die deutschen Parteien beginnen Vertrauen zu dem neuen Manne zu gewinnen. Gautsch will allen Nationalitäten gegenüber neutrales Entgegenkommen zeigen. Die Parteien wollen vorläufig abwarten, wie die Regiernngsmaßnahmen aussehen, smit denen Herr v. Gautsch sein Regiment eröffnen wird. Es hat den Anschein, daß Herr v. Gautsch mit den gegebenen Faktoren rechnen und keine einseitige Politik treiben wird. Er verhandelt ununterbrochen mit Parlamentariern. Das Arbeitsprogramm des Reichsrats, dessen Tagung vom 23. Januar bis 15. April in Aussicht genommen ist, soll hauptsächlich besprochen worden sein. In der Erledigung des Budgets, der Notstands- und Ne- fundierungsvorlage, der italienischen Hochschulfrage, des Rekrutengesetzes und der Delegationswahlen, sowie der Ausarbeitung dieses Materials sollen von keiner Seite ernste Hindernisse in den Weg geleigt, insbesondere soll tschechischerseits dem neuen Regierungschef Zeit und Gelegenheit gewährt werden, die friedliche Lösung der deutsche tschechischen Fragen anzustreben. Dementiert wird die von der „Wiener Mlg. Ztg." gebrachte Nachricht, der deutsche Kaiser habe an Herrn v. Körber ein längeres Telegramm mit dem Ausdruck seines Bedauerns über die Demission des Ministerpräsidenten gerichtet. Die Kabinettskrisen in Griechenland und Rumänien haben keine weitere Bedeutung. Das bedeutungsvollste Ereignis vollzog sich im fernen Osten. Der Fall Port Arithukrs kam, trotzdem er als bevorstehend gelten konnte, überraschend-plötzlich' Nach einer neuen Meldung aus Tokio hat die Zahl der Gefangenes von Port Arthur eine wichtige offizielle Korrektur erfahren. Es waren 326 Offiziere und 9481 Mann, die Kranken und Verwundeten natürlich nicht inbegriffen. Nach allem, was bekannt wird, hätte die Nebergabe noch hintangehalten werden können, wenigstens bis zu dem Augenblick, wo es gewiß war, daß die baltische Flotte ihre Fahrt aufgegeben habe oder sonstwie nicht in der Lage sei, ihren Zweck zu erfüllen.' Ter Mangel einer einheitlichen Heeresleitung macht sich hier wieder für die russische Kriegsführung bemerkbar. Angesichts der Besetzung der ganzen Halbinsel Liaujung durch die Japaner wurde die Blockade aufgehoben, allein gegenwärtig keinem Schiffe außer beuen, die in Diensten der japanischen Regierung stehen, gestattet^ in den Hafen von Port Arthur einzulaufen. Englische und amerikanische Blätter wußten im Anschluß an den Fall Port Arthurs von Friedensvorschlägen zu berichten. Tie russische Militärpartei hofft aber unentwegt auf Siege und will darum keinen Frieden. Inzwischen schläft die NeforMbewegung in Rußland täglich höhere Wellen, und die Zahl der Attentate gegen verhaßte absolutistische Beamte mehrt sich. So wurde am 6. Januar auf den Polizeimeister von Jeka- terinoslaw, Tager, ein Anschlag verübt. Der Edelmann Jvanitchy, der als Bittsteller erschien, gab auf den Polizeimeister einen Schuß ab, der aber fehlging. Der Täter wurde verhaftet, verweigerte aber jede Erklärung über den Beweggrund zur Tat. Das Ministerkomitee bereitet unterdessen Maßregelungen zum Schutze des Loses der Fabrikarbeiter vor und will in den nächsten Tagen über die Frage der Beteiligung von Vertretern der Semstwos an Negierungsanbelegenheiten und über die Abschaffung der für die Presse bestehenden Beschränkungen beraten. Es S, ein neues Manifest des Zaren sei in Vorbereitung. weilen aber hat der Erzreaktionär Pobjedonoszew noch das Heft in Händen und besitzt das volle Vertrauen des Zaren. Politische Tagesschau. Dom Arbeitgeberverbande. Wie erinnerlich, warneben der Hauptstelle Deutscher Arbeitgeberverbände für diejenigen Verbände, die sich dieser vom Zentralverband Deutscher Industrieller ins Leben gerufenen Hauptstelle nicht anschließen zu können erklärten, eine „freie Vereinigung von Arbeitgebern und wirtschaftlichen Verbänden" unter Führung des Gesamt - Verbandes deutscher Metall - Industrieller gegründej worden. Sie nahm später den Namen „Verein deutscher Arbeitgeber-Verbände^ an und verfolgt dieselben Ziele wie die Hauptstelle, wenn auch teilweise auf anderen Wegen. Von Anfang an war hiernach diese Trennung nur eine formelle, in den Zielen herrschte jederzeit volle Ueberetn» stimmung, ebenso darüber, daß erforderlichenfalls beide Verbände gemeinsam zu handeln bereit sein würden. Deshalb war bereits in den Satzungen der Hauptstelle die Möglichkeit des Abschlusses von Kartellverträgen vorgesehen worden und von dein Verein von Anfang an ein solcher Kartellvertrag mit der Hauptstelle in Aussicht genommen. Erfreulicherweise ist dieser Kartellvertrag nunmehr zu stände gekommen und vollzogen worden. In dem Vertrage wird die gemeinsame Förderung der in den beiderseitigen Satzungen bereits sestgelegten Ziele ausgesprochen und zur Durchführung dieser Zwecke der Austausch der gesammelten Materialien und Nachrichten, sowie gemeinsame Hilfe für die von unberechtigten Streiks oder Boykotts betroffenen Arbeitgeber beschlossen. So ist denn da? Ziel, die gesamte deutsche Ar- Medca, Tragödie von Franz Grillparzer. nv, ?^e// Mittwoch hier zur Aufführung kommende Tragödie „Medea, bildet den letzten Teil einer Trilogie, die Franz GriA- parzer^im Jahre. 1822 unter dem Namen „Tas goldene ~Ve jL' krjtnQtiJcfye3 (ftebidjt in drei ylbtcilunqen, erscheinen ließ. Sie reiht sich der Wallenstein-Trilogie Schillers, ohne sie zu erreichen, m vielen Beziehungen würdig an: eine bedeutende Kraft tritt uns hier, besonders in den leidenschaftlichen Szenen der „Medea' entgegen, die ohne Gewaltsamkeiten tragisch erschüttert. Als em wahrer Dichter hat sich Grillparzer in der ganzen Trilogie bewährt, die in ihrer Heldin Medea eine wirklich groß empfundene Gestalt enthält. Der erste Teil „Ter Gast freund" schildert die Ankunst von Phrvrus mit dem aus dem Delphischen Tempel geraubten goldenen Vließ im Kolcherland und feinen Tod durch den König Aietes, der unter Verletzung der Gastfreundschaft den Phrvxus tötet, um seiner Schätze und des goldenen Vließes habhaft zu werden. Der erste Teil schließt mit den Worten von Aietes Tochter Medea: Vater! Was hast Tu getan? Ten Gastfreund erschlagen! Weh Dir! Weh uns allen! .... Medea verläßt das ihr nun Abscheu einflößende väterliche Haus und lebt iu der Wildnis, Zauberkünste übend. Dort trifft sie Jason, den Führer der Argonauten, der auszog, das wundertätige goldene Vließ nach 'Griechenland zurückzubringen. Den Aufenthalt der Argonauten in Kolohis schildert der 2. Teil der Trilogie, betitelt „T't e Argonauten", Tragödie in vier Aufzügen. Jason gewinnt die Liebe der Medea, sie verhilft ihm zur Gewinnung des drachenbehüteten goldenen Vließes und folgt ihm nach Griechenland. Ihr Bruder Absvrtus, den Jason als Geisel vorläufig behalten wollte, um einer Verfolgung durch Aietes' zu entgehen, gibt sich durch einen Sprung ins Meer selbst den Tod, und AieteS schleudert Medea seinen Fluch nach: „Ausgestoßen sollst Tu sein, wie das Tier der Wildnis, sollst in der Fremde sterben, verlassen, allein. Folg' ihm, dem Buhler, nach in seine Heimat, teile sein Bett, sein Jrwsal, seine Schmach? Leb' im fremden Land, eine Fremde, verspottet, verachtet, verhöhnt, verlacht! Er selbst, für den Tu hingibst Vater und Vaterland, wird Dich verachten, wird Dich verspotten, wenn erloschen die Lust, wenn geMlt die Begier: Dann wirst Tu stehen und die Hände ringen, sie hinüber breiten nach dem Vaterland, getrennt durch weite, brandende Meere, deren Wellen Dir innrmelnd bringen des Vaters Fluch!" Im Beginn des 3. Teils der Trilogie, der „M e d e a", finden Mir Jason und Medea in Griechenland, vor den Mauern von Korinth, Scbutz suchend bei dem König Kreon. Die Ausführung der Trilogie füllt, wie bei dem Wallenstein, zwei dkbende. Während aber bie beiden ersten Teile seltener gegeben werden, hat sich der dritte, dramatisch wirksamste Teil von Anfang an auf den Bühnen behauptet. Tie schwere Rolle der Medea war stets eine Lieblingsrolle der großen Tragödinnen, wie der Fanny I a n a u f ch e k und namentlich der Klara Ziegler .deren Medea allen, die sie gesehen haben, unvergeßlich ist. In Gießen ist „Medea" einmal im Winter 1897, in einer Theatervereinövorstellung durch A n n a F ü h r i n g , in dein damals noch sehr engen Rahmen der ursprünglichen kleinen Bühne gegeben worden. Tie erhebliche Vergrößerung der Bühne und die Verbesserung der gesamten szenische Verhältnisse seit 1897 wird der Mifsührung am Mittwoch wesentlich zugute kommen. Ter Tarstellerin der Medea, Fräulein Riza Bajor, gdit ein guter künstlerisclier Ruf voraus. Tie fünf Akte der Tragödie sind auch bei uns, wie üblich, in vier Akte zufammengezogeu. Seit der Freigabe von Grillparzers Werken ist übrigens die „Medea" in allen Buchhandlungen für wenige Pfennige cr- hältlich Gute Grillparzer AuSg^n sind bei Eotta in Stuttgart und Hesse iu Leipzig erschienen. Luch ole Ausgabe in den Meper schm Volksbüchern (pro Heft 10 Pfg.) ist empfehlenswert. — Neber Wilhelm II. und Ludwig Pietsch, den 80jährigen Jubilar der „Voss. Ztg.", schreibt Marimilian Harden in der „Zukunft", und man muh ihm leider Recln geben: „Ter Kaiser telegraphierte ihm: „Herzlichste Glückwünsche und Gottesl reichsten Segen dem lichtvollen Historiographen und alten, treuen Kriegskameraden meines VaterS zu seinem 80. Geburtstage. Mög? der Himmel ihm einen gesegneten Lebensabend bescheren! Wilhelm." Herr Pietsch 'hat als Berichterstatter den Krieg mitgemacht, aber nie nach 'Kriegerart mitgefochten. „Lichtvoller Historiograph": Tas erinnert ein bißchen an die „Reitende Artilleriekaserne". Lichtvoll soll doch wohl die Pictschische Historie fein, nicht der Geschichtschreiber. Ms Kollegen der Buckle, Ranke, Mommsen, Treitschke kannten wir den alten Reporter aber überhaupt noch nickst. Das einzige historiographische Werk, das ich von ihm kenne, trägt den Titel: „Ter Kaiserkeller, ein Gasthaus ohnegleichen", und hebt mit dem folgenden Hvmnus an: „Ein Gasthaus ohnegleichen: dies viel mißbrMlchte und ost sehr unberechtigt angewendete Beiwort gebührt mit desto besserem Recht und Grund dem im Oktober 1899 in Berlin eröffneten derartigen Institut, das seitdem eine der größten, meistbesuchten Sehenswär>igkeiten der Re'chshauptswdt bildet: dem Ka.'ser Keller in der Fi'iedrichsk'aße 178." So gebts auf 27 kleinen Seiten weiter: auf der 28. steht daun: „Mau konnte mit ziemlicher Sicherheit Voraussagen daß es einem folcfam Institut an starkem Besuch nicht fehlen könnte: aber bei- Erfolg geht doch weit über jede Erwartung hinaus! öftrer mich die tad^uos bereiteten Speisen, die guten Weine und die mäßigen Preise tragen nicht iren-.g zu diesem Erfolg bei. L. Pietsch" Tas ist der lichtvolle Hntono- or*“ m Paris, 8. Jan. Heftern verftar b der A |t r o u o m Js a u l H e n r l>. S'iu Bruder ist vor einigen Tagen in den Alpen infolge eine8 Unfälle-.' um Leben gewmmeN. Beide Brüder haben zusammen 11 Planeten entdeckt. Vertret»ng ihrer gcmeinfamtn Irrte rossen zu einem festen Zusammenschlüsse zu -bringen, hierdurch wieder um einen wesentlichen SchrÄt ge- ’förbert worden. Das Zusammenwirken der vereinigten weiten -Kreise der Arbeitgeber wird zwar dazu beitragen, der Industrie in erster Linie freundschaftliche und friedliche Beziehungen zu ihren Arbeitern zu ermöglichen und zu erhalten. Sofern dies aber nicht möglich sein; sollte, wird diese bedeutsame Vereinigung ein festes Bollwerk bilden gegen unberechtigte übermäßige Machtsorderungen dersozialdemokratisch organisierten Arbeiter. Somit wird der abgeschlossene Kartell- Vertrag zum Besten der deutschen Arbeitgeberschaft und damit zum Besten der gesamten deutschenzWohlfahrt dienen, die ganz wesentlich mit vom Gedeihen des deutschen Unternehmertums nnd der deutschen Industrie abhängt. * General v. Trotha Hat sich neuerdings zu den Beschwerden über das angebliche Verbot derKriegsberichterstattung für die Mitglieder de§ südafrikanischen Expeditionskorps geäußert. In einem Briefe an ein rheinisches Blatt stellt der General fest, ec, habe selbst dahin Sorge getragen, „daß alles, was sich auf dem Kriegstheater ereignet, sei es eine kriegerische Aktion, eine Verschiebung der Kräfte, Nachrichten über die Eingeborenen oder der Tod eines jeden Reiters, sofort und zwar tele- -graphisch gemeldet wird." Dann fährt er fort: „Ich habe nur den in der preußischen und wohl auch in den ' /anderen deutschen Armeen für Frieden und Krieg zu Recht be^ stehenden Grundsatz wieder in Erinnerung gebracht, daß kein Aktiver Soldat ohne Erlaubnis seiner Vorgesetzte,i etwas in dcie Presse bringen darf. Daran habe ich angekmipst, daß »LH alle meine Untergebenen aufgefordert habe, sich m ihren Briefen an Angehörige der g r ö tz t e nW a h r h e i t zu befleißigen, imd nichts zii schreiben, worüber sie und ich bei Veröffentlichung su erönen hätten. Auf die Nichtveröffentlichung von Briefen burci) Ke Angehörigen habe ich weder einen Einfldtz ausüiben wollen, Noch steht dies in meiner Aiacht. Ich kann unmöglich annehmen, Laß dem deutschen Publikum mit einer Wiederholung der für die .deutschen Truppen so beschämenden, saft durchweg aus groben Lügen bestehenden Hunnenbriefe aus Ehina gedient sein tonne. Als irur ganz verschwindend Veröffentlichungen ans der sTruppe heraus eriolgten, mar ich für meine Person hocherfreiit 'darüber und hoffte, daß sich die Truppen die Worte unseres Nationalsten Dichters, Friedrich Schiller, die ich jeder Kompagnie i'u. s. w. bei Besichtigungen zugerufen, zu eigen gemacht hätten, 'nämlich die aus Wallensteins Lager oder Tod; „Die Tat ist sHu mm." Mit der sofortigen und ausnahmslosen telegraphischen Mitteilung der Vorgänge im Aufstandsgebiete hat es denn (doch wiederholt stark gehapert, und gar manche wichtigen Dinge hat man erst nachträglich aus Briefen von Kriegsteil- ^hmern erfahren. Kttche und SaMe. a Evangelische Vereinigung. Die „National- Mitung" veröffentlicht den Entwurf einer programmäßigen Erklärung, mit der die evangelische Vereinigung (kirchliche Mittelpartei) heroorzutveten beabsichtigt. An der Aus- arbeiümg beteiligten sich die Professoren Kahl und Scholz und Abg. Hackenberg. Im Entwurf heißt es: Wir scheiden uns einerseits von denen, die den Inhalt des evangelischen Glaubens an einmal gegebene Fornien und Formeln gebunden erachten, andererseits von denen, welche in Glaubensaussagen früherer Jahrhunderte nur em belastendes Erbe der Vergangenheit^ sehen. Wir treten für eine Kircheiiverwaltung ein, welche die Selbständigkeit des evangelischen Pfarramts zu voller Geltung kommen laßt. Wir hallen jede rechtliche Einschränkung der F r e i h e i t der theologischen Lehre un eigenen Interesse der evangelischen Kirche für ausgeschlosseii, widersprechen namentlich der Beteiligung des Generalsynodalvorstandes an der Berufung der Professoren. Tie sogenannten Lehrprozesse der Gelstlicheii dürfen nicht int Rahmen des gewöhnlichen Disziplinarverfahrens entschieden werden; vielmehr ist ein selbständiges Verfahren zu eri'ircben, wonach Geistliche ihres Amtes enthoben werden fönnen, ohne daß ent sittlicher Makel auf sie fällt. Unsere Abgrenzung gegen die römische Kirche suchen wir n t eh t durch Angriffe festzustellen, sonderii durch positive evangelische Arbeit, namentlich durch die Bekämpfung eines katholisierenden Wesens innerhalb unserer eigenen Kirche. Ate Hess, ^anoesverfammlung des Itunves der Landwirte. Alsfeld, 8. Jan. Heute nachmittag sanden sich zahlreiche Landwirte im Saale des Gasthofes zum beutsch-en Hause ein, indem sie der Einladung des, Landesvorsitzenden des Bundes der Landwirte, Abteilung Hessen Gutsbesitzer Karl Frttsch-Tilshofen, folgten. Ter große Saal^war buchstäblich bis auf den letzten Platz gefüllt. 2>cr Vorsitzende eröffnete kurz nach 3 Uhr die Versammlung. Er begrüßte den Direktor des Bundes der Landwirte Tr. Karl Hahn-Berlin, den stellvertretenden Vorsitzenden des Bundes Karl Lucke-Patershaufen, ferner das jüngste Mitglied des Bundes, den Reichstagsabgeordneten Kreisrat xx. Wallau - Lauterbach, tie zahlreich erschienenen Landtagsab geordneten Köhler, or c Ü Hirschel und die übrige Versammlung. Am Schlupe feiner Begrüßungsworte brachte der Vorsitzende ein Hoch aus auf Se. Mas. den Kaiser und auf Se. Kgl. Hoheit ■ den Groß Herzog, das begeiferten Widerhall fand. Dann erhielt Tr. Hahn das Wort, der in glänzender Rede U&er die tnnerpolitische Lage mit besonderer Berücksichtigung der Handelsverträge sprach Selten vohl hat man in unseren landwirtschaftlichen Kreisen einer Rede mit solcher Spannung und mit solchem Interesse gelauscht Der : Redner schilderte die Entwickelung der Industrie- und der 'später auftommenden Getreidezölle. Wie der Altreichskanzler vom Freihandel zur Schutzzollpolitik überging, immer als praktischer Mensch den Zeitverhältnisfen und der Eutwickelung des Handels und der JnbufttiC im Vaterlande und den konkurrierenden Ländern folgetid. Unter dem Schutzzoll für die Eisenindustrie entwickelte sich besonders die Eisenindustrie in Amerika und Deutschland Beche Länder hatten großen eigenen Bedarf, ihre Eisenindustrie überflügelte die bis dahm alles beherrschende Industrie Englands Tie Produktion bei uns bildete sich zu einer Ueberprodnttioti aus, daraus entstand im Jahre 1890 der Ruf der Jnduprie nach Handelsverträgen. Die bekannten .Handelsverträge wurden so führte Tr. Hahn aus, abgejchlosfen aus Kosten der Landwirtschaft, die Ni jener Zeit Mißernten hatte und infolgedessen eine Steigerung der Gctreideprefte, von der man kurzerhand annahm daß sie dauern würde, und die Herabsetzung der Getreibezölle daher ohne Rachteil für die Landwirtscha,t geschehen könne Für die deutsche Landwirtschaft war der östr.-uug. Handelsvertrag in hohem Maße nachteilig, in ähnlichem Maße der russische und noch schlimmer wirkte die Zubilligung der Meistbegünstigung für Amerika mW Argentinien, ohne da» man von diesen Staaten eine Gegenleistung forderte. Zum Dank dafür erhöhte Nordamerika seine Zollschranken für Industrie artittl fort und fort Durch die Handelsverträge wurde der deutschen Industrie reichlich gegeben, der Landwirtsckjaft genommen. Die Jndustriezolle tarnen den Industriellen voll zugute, indem die Industrie int Julande 3oUl’an auf ihre Waren schlug. Sie exportierte uud tonnte un Auslande konkurrieren, indem sie den Zollsatz in Abzug brachte ftüt die Landwirtschaft kann der Zollsatz, well zu itiebng, fetten uun Aufdruck durch den um den Zollsatz höheren Preis. Tazu kamen zum Nachteil der Landwirtschaft die immer bebeutenber werdenden Verkehrserleichtertmgen. Vergleicht man die Unter- cksiede der Probuktioiiskosbcn von Jnduftrieerzeugnissen ftemder Lünber mit benen Deutschlands, so stellt sich heraus, baß jene mckst lvesentlich auseinandergehen. Dagegen sind bie Probuktionsrosten landlvirtschaftlicher Erzeugniffe zwischen Deulschlanb unb ben freni- ben konkurriereiiden Landerm gerabezu ungeheuer, ^cr Viehzüchter in Amerika braucht, um tausenbe von ^Lindern sett zu wciben, um große Fleisckjmasseti zu produzieren, nur einige Hirten. Ähnliche Verhältttisse greifen Plcft; bei der Getreideprobnktion. Ter Redner bedauert, baß der von den beutschen Lcuibwirten im Weftcn unb Osten geforderte 7,50 Mk.-Zoll fallen gelassen würbe, baß man für Weizen auf 5,50 Mark Ijcräbging, ein Zollsatz, der bereits entwertet ist durch die immer billiger werbenden Verfrachtungsgel egenheiten. Der deutsche Landwirt sei daher gezwungen, intensiv zu wirtschaften. Die höhere Produktion gestalte sich aber immer teurer durch hohe Löhne unb die sozialpolitische Gesetzgebung nsw. Schließlich könne boch ernst- lich nicht verlangt werden, baß der Konsument weniger für bie laiidwirtschaftlilljen Erzeugnisse bezahle, als die Gestehungskojlen betragen. Der Groß- und Kleinbesitz flehen sich nicht im Wege, ie haben gleiche Interessen, und die Landwirte mochten sich hüten, sich gegeneinander Hetzen lassen. (Lebhafter Beifall.) s))Uu habe Leiber zu fürchten, daß bie neuen Hanbelsverträge bie Wünsche der deutschen Landwirte nur zum kleineren Tell erfüllen würden. Man solle sich daraus gefaßt machen, daß man weiter kämpfen müsse für die berechtigten Wünsche der Laubwirtsckjaft. Die 'Richtkündigung des öft|treicijifd>=ungarifefjen Handelsvertrages am 1. Januar d. I. sei ein Fehler unb lasse schlimmes ahnen. Der Redner schließt mit der Riahnung an die hessischen Landwirte, fest zusamnienzustchen unb sich in dieser Beziehung ein Beispiel zu nehmen an der Organisation der Arbeitnehmer. Diese setzten der Reichsregierung gegenüber ein Verlangen nach dem anderen durch uud lvürden von allen Bundesregierungen beachtet unb gehört, während bie Landwirte, oft uneinig unter sich selbst, in ben wichtigsten Lebens- unb Existenzfragen wenig oder nichts durchzusetzen vermöchten. Nur fester Zusammenschtutz unb eifrigste Agitation tonne die wichtigsten Forderungen der Landwirte cuuiid) zur Geltung bringen. Der Redner sprach außerordentlich sa. stich, vermied atte Schlagworte. Man hörte so gekannt zu, bui; nur bei wenigen Gelegeicheiten Beifall laut werben konnte. Als er geendet hatte, brach ein Beifallssturm los, der sich einigcmale wiederholte unb Zeugnis gab, baß bie Worte bes Redners bic Herzen seiner Hörer gepackt unb sie überzeugt hatten. Daraus nahm bas Riitgiied bes Bundes, Reichstagsabgeorb- neter Kreisrat Dr. SB al lau bas Wort. Tie Rebe des Direktors Hahn sei nach Form und Jnyatt gleich vortrefflick) gewesen. Er 0 o f f e, bie Hanbelsverträge würben günstig a u ch s u r üic Landwirtschaft ausfacken. Die Reichsregierung werde es nicht wagen für bic Landwirtschaft ungünstige Handelsverträge abzuschließen. Sollten sie es boch tun, fo würben er unb seine Fveunbe solche Hanbelsverträge ablehnen. Komme es barüber zur Auflösung deS Reichstages, so würbe baS Land der Rcichs- regierung bic gebührende Antwort geben. Es sei tiesvedauerlich, baß ber östr.-ung. Hanbelsverkrag von der Reichsr^gicruug am 1. Januar 1905 nicht gekündigt sei. Unsere Viehbestuube müßteii unbedingt vor ber Einsajleppung von Seuchen aus dem Auslanbe geschützt werden. Aua) diese Worte fanden lebhaften Beifall. Ter Wahltteis Alsfeld-Schotten-Lauterbach und ber Bunb der Laub- wirtc können sich zu diesem Vertreter im Reichstage gratulieren, Der in so überzeugender Weise sein Interesse für bie Wünsche ber Landwirte zum Ausbruck zu bringen weiß und von bent auch jeder überzeugt sein muß, daß er gegebenenfalls feine Worte in Taten umsttzen wird. Run ertjiett der stellvertretende Vorsitzende bes Bunbes Karl Lucke-Patcrshausen das Wort zur Erörterung der Gesetzesvorlage betr. die Einführung der Landwirt- fchaftskammer im Groß Herzogtum. Seine Ausführungen gipfelten darin, daß die Gesetzesvorlage in dieser Form in einigen wichtigsten Punkten unannehmbar sei. Die Art der Wahl zur Lcmdwrrti'ch-aftskammer sei durchaus zu beanstanden. Tie Bezirtsoerbände hätten nach dem Entwurf allein die Macht in Händen, die Provinzialverbände unb die Lanbwirtschaftskammer elbst seien machtlos, letztere habe die unangenehme Aufgabe, die Erhebung der Beitrage zur Landwirtschaftskammer zu beschließen. Auch die Aufnahme der Freunde der Lcmbwirtschaft in bic Kammer gegen einen Beitrag von fünf Mark fei untunlich. Man könne voraussehen, welche Freunde der Lanbwirt- chaft bann an bie Spitze der Bezirtsverbandc gelangen würben. In die Kammer gehötten nur Landwirte. In viel schärferer tfonn äußert sich der Abg. Köhler, welcher auch eine Resolution einbringt, die er auf lebhaftes Zureden des Direktors Karl Hahn zurückzieht zu gunften der Resolution Lucke. Reichs- tagsabgeordnetcr Wallau gibt dem Kollegen Köhler Recht in ber Bemängelung ber Gesetzesvorlage für bie Lanbwirtschaftskammer. Der Schwerpunkt müsse in der Kammer selbst, bann in ben Provinziaiverbänben unb nicht in ben BezirkSverbänben liegen. In demselben Sinne sprechen sich die Abgg. Hirschel und Brauer, die sich außerdem vor der Versammlung beklagen über die Vertreter ber Regierung in der Kammer, etwa in dem Sinne, baß in der 2. Kammer bie Sozialdemokraten Trumpf seien. Rebe ein Sozialdemokrat, so hörten bie Regierungsvertreter achtungsvoll zu, prechc einer von ihnen, so sei man am Regierungstisch oft so laut, daß man auch mit einem guten Organ nicht immer burch- b rin gen könne. Schließiich bespricht Pfarrer Schick von Burggemüubcu bic Nachteile, die dem hessifchen Staate erwachsen durch den Bau der preußischen Kanäle. Durch diese würden bie Bahnen leiben, ihre Rentabilität würbe finken unb damit auch der Anteil, den Hessen durch die preußisch-hessische Eisenbahngemeinschaft habe. Tr. Hahn-Berlin bringt darauf folgenbc Resolution ein, die einstimmig angenommen wirb: „Tie in Alsfelb tagenbe Lanbesversammlnng des Bunbes der Lanbwirte für bas Grobherzogtum Hessen spricht bas lebhafteste Bedauern darüber aus, baß bie Kündigung bes ö st reichisch -ungarisch en Handelsvertrages wiber alles Erwarten am 1. Januar 1905 nicht erfolgt ist. Sie fürajtet, daß das Ausbleiben der Kündigung ein Mangel an Energie in ber Geltenbmachung unserer berechtigten natürlichen wirtschaftlichen Interessen bedeutet und sieht mit schwerer Sorge den kommenden neuen Handelsverträgen entgegen. Tic Lanoesverjammlung erwartet von ben Rciajstagsabgeordneten des Großherzogtums, baß sie ben neuen Handelsverträgen nut bann ihre Zustimmung geben, wenn barin ein im Sinuc bes Bunbes ber Lanbwirte ausreichenber Zollschutz für ihre wichtigsten landwirtschaftlichen Produkte unb ein vollkommener Schutz der Gesundheit unserer Viehbestände gegen Einschleppung von VichseuaMi aus deyi Auslanbe gewährleistet sei." Lucke-Patcrshausen bringt folgenbc Resolution ein, welche gieiaffalis einstimmig angenommen wirb: „Ter hessischen Staatsregierung spricht bie Lanbcsvcrsamm- lung bes Bundes ber Lanbwirte im Großherzogtum Hessen ben Tank der Hessischen Lanbwirte aus für bie Einbringung eines Gesetzentwurfes in bie zweite Kammer ber Stäube, betreffenb bic berufsstänbige Vertretung der Landwirtschaft. In dem Bestreben, das historisch Geworbene zu erhalten, bittet die Lanbesvcrsanimlung die hessische Staatsregierung, die landwirtschaftlichen Organisationen aller Art ht ihrer bisherigen Verfassung besteheii zu lassen ohne Einordnung in bas Gesetz als wertvolle Hilfskräfte der zu errichtenben Landwirtschafts kämmet, schon um beSwillen, bannt auch ferner bie Freunde bet Lanbwirtschaft ihre cr- fpießliche Tätigkeit zum Besten betselben ausüben können. Eine gesetzliche Einordnung dieser Organisationen in die berufsstän- dische Vertretung wurde diesen Körper ungewöhnlich schwerfällig und unbeweglich gestalten und einem miliebsameu Bureau- ltatismus in_bic Arme treiben. Tie Versammlung bittet daher bic hessische Staatsregicrung, bic Lanbwirtschaftskammet bahin auszugeftalten, baß die Landwirte, welche ciu Vermögen von 30uU Mk., luic vorgeschlagen, an (Üruud und Boden besitzen, ober als Pachter als Betriebskapital, in jedem Amtsgcrichtsbezirt einen Vertreter in He »u haben. Ms Wahlmodus wird al l 9 1 gelten, wer irt S’ÄÄ’Äln-ative ttk auf sich vercuugt" «„„„„nünben wird bic Rcsolu. » ............. w:„» I. »*» 1 pruch gegen bic PjeuBj'• ? .„jt geschlossenen Lerirag bieie unvereinbar Em?En Lisenbaünen, 'unb der so geeignet betr. bie preubnch-hcfiiscsen U-tlcnoaflnc , . Ijd JU £iiricn/. ist, bic hessifchen ivnenbaln den von auswärts Oekonomicrat Manien/bpr Lanbesversammlung erschienenen Rednern unb lebbart ausgeuommenes Hoch herzlichen Dank ^^ unb bti g ein Patershausen erwidert Lui7 und b“r Sorii^nbe schließt bic ungewöhnlich angeregt verlaufene Versammlimg. ——■———» vermijcyres. . Unwetter Tie leisten Tage der vergangenen Wocht , , ,nro “J fiberhriien fast dem gesamten Mitteleuropa Ä Stürme gebracht 2« d» ^eud von^^s f^ ging /. ^anuar ein I) c rt i ge » zo 1 n 1 1 . < n E lTi-iil-patiiaem Sicaeu und furchtbarem ^turm nuaei. ~n^jrran «roßen Schaden an. In Wilhel m s h o 1) c mürbe eine Buchen entwurzelt. Stu« bet lonjhge «chaben ist bedeuL Tie Fulba fuhrt Waller Schnee- schmel-'.e iuib auhaltenbem Regen finb p r e c mw H a v e 1 sttllen veiieüber bie Ufer getreten und haben wette strecken über- chwemmt - Von ben deutschen Stuften liegen Nachrichten über eine Sturmflut vor Ter Elbdeich bei Twrebenfleth brohte zu burchbrechen Im Augenblick der höchttm Not trafen^ 400 Mauu MUitär aus Stabe ein und dichteten provtfotnch Hu ^etch, sodaf; bie Gefahr bes völligen Unterganges des -rorfe^ ^wr<.oc.L- fteth abgciucnbct sein dürfte. Mehrere Ewer wurden bei ber Hochflut vom Sturm so rocit. auf den straub geworsen^ daß fie neben den Bauernhäusern zwischen ben -oaumen liegen -pre Lan- bnngsbrücke von Helgoland i|t größtenteils ^^öllofchlagen, bre Düne stark beschädigt. Selbst bic Poftdampser haben hier ben Hafen nicht verlassen. Auch schwere ^rckjisfsunfatte haben fich creignct. Aus Borkum erfährt man, daß das FC u er] epi t T „Borkumriff" mit 14 Mann Besatzung abgetrieben fei. Rach einer Melbuiig aus Bremen ist der 9teptundampfer „Merkur , von Iiotterdarn nach Bremen^ uittcrwegs, auf Texcl geftrandet. Die Mannschast bcsindet sich nock> an Borb. -— ^61 ^)y ine* münbe ist der norwegische Dampfer „Adlcrgrunb gesunken. Ter Kapitän und vier Aiann sind ^c r t r u n E e n. Ein Schiffbrüchiger wurde von einem Harnvurger Schleppdampfer auf* genommen. — In Rotterdam wurden in kurzer Zeit ganze Stadtteile unter Wafser gesetzt. Im Hasen rissen sich Dampfboote los. In ea>eoeningeu droht das Tenrmai zur Erinnerung an die Ausschiffung König Wilhelms I. in das Meer zu feürzen. Bei Egmonb hat bic Flut eine Billa weggerissen. Mehrere Hotels beginnen dort au 3 ein a nb ct?, u f al Ten und werben eiligst geräumt. Im Zuibersce ist ein Schiff gesunken; bie sJJiannid}aft ertrank. Bei Tclfzyl straudelen zwei Schleppdampfer. Ter englische Tampfer „Emma" ist fcstgciahren und konnte bis jetzt nicht freigemacht werden. — In Toulon zerstörte der Sturm mehrere Gebäude unb richtete beträchtticyen Schaben an. Zahlreiche Familien sind ohne Obbach; mehrere Hanbelsschifsc find in gefährlicher Lage, einige Menschen wurden verletzt. — Aus ben Alpen unb ans Oberöfterreich, Wien > T i r o 1, Galizien nsw. laufen Melbungeii über enorme Niederschläge ein. Es herrscht Regen mit orkanartigem Sturm und Gewitter. Zahlreiche Trahtlcituugen sind zerstört. In vielen Gegenden besteht Hock)- wassergefahr. In den Tiroler Alpen gehen Lawinenstürze nieber. Tic Llrll>ergbahn mußte auf mehreren Strecken den Verkehr einstellen. Einige Züge sind überfällig unb cmfcheinenb im Schnee stecken geblieben. Tas Stäbtchen Glarus steht unter Wasser. — Zwiscyen Audcrmaunb Goschent.en ist der Posiverkehr unterbrochen infolge der Lawinenstürze. Ter Fluelpaß ist voll-' ständig unpassierbar. Es fahren keine Poften. * Kleine Tages chronik. In Unna erschoß bei Landwirt Habdes sein 18jähriges Küchenfräulein unb bann sich selbst. — Ter Bürgermeister Wiesinger von Ischl erschoß f i ch aus Kränkung wegen Tiffcrenzeii mit der Gemeindevertretung. — Am 7. Januar stieß auf dem Bahnhof Wietstock (Ponimern) der von Stettin kommende Personenzug mit einem von Swinemünde kommenden Zuge zusammen. Ein Eisenbahii- bcamter wurde gelötet »brei Reisenbe verletzt. Tie Maschinen beider Züge wurden stark beschäbigt. Mehrere Wagen entgleisten Von Stettin ging ein Hilfszng mit Rcttungspersonal ab — In London trug sich ein entsetzlicher Unfall in dem neuen Ver- gnügilngsetablissemeirt Kollofeum zu. Es lvurbe ein Terbyrcnnen auf der Bühne dargestellt, wobei zwei berittene Pferbe zu jammen-. stießen. Das eine Pferd fiel in den Orchcstcrraiim, loobei ber Reiter unter das Pferb zu liegen kam. Er würbe derartig ne* quetscht, daß er auf ber Stelle vor den klugen bei entsticken Zuschauer verschieb. Tas Pferb mußte getütet werden. Der Reiter bes anberen Pferbes würbe schwer verletzt. — In ber Station guHein iheß ein ausfahrender Perfonenzng auf mehrere leere’ Waggons, wobei a Reisende verletzt wurden. — Jii Ebrzanoni entwendeten auf dem Posmmte iniMmuite Täter zwei Postsäcke welche außer Briefen unb Wertstnbungcn auch eine Barsumme von IdOOtt Kronen enthielteii. - In Paris fand man in eiX Sacke eine Frauenlciche. Die Ermorbcre ist 20-4 Brust .imÄ Unterleib fehtten. Der Gcrichtsar t ist bc"r Ansicht tzak /er Mord vor einigen Tagen begangen worde.i ist In dem Hote^„Änglcterre" rn Rom wurde der Direltor Berthold Eisman^ xw Teutscher, von emem italienischen Kellner, ben er attS butte durch einen Me,,erstich lebensgefährlich verletzt Ter W ‘KB2 '«r ■ ÄÄ schleckst. Tas Publikum blieb uuhi«. Borhaug fimftiomeiTi 6ci»«r«9e,u Wc Kaufee ist'sicher n’uicn^h"9«??8 T°°k°nk.,n« ÄÄÄJ* .Mc-m-i. iM Ä Kirchliche -.achrtHist' -------------------- . Mrrer (1 u let’" gpielplaK der vereinigten Frankfurter Ztadttheater. _. Dpernhaus. 11. Su".iu" < /Blondelfcheii". Abends 7 Uhr- 3um ^alb 4 Ul^v hierauf: vßa cabrera/’ Sonntag den iä A I ci c; »Helena", halb 4 Uhr: „Blondelfchen. Abends 7 ))^ ' ^^"lar, nachmittags „La cabrera." Pchntag den 16. herauf. Dienst«-, dm 10. , ... den 11. Januar: „Minna von' Logenbrrcher." Mittwock 12. Januar, abends halb 8 Upr- An”1* f -Donnerstag der 13. Januar: „Faust", 2 Teil' '^^mnuluS. Freitag den „Tie Biederleute." ^oxmtaa L bcu 44' ^anuarl Uhr- „Sie Logenbttider." Abends '?'n 11,."°^^' 2. -teil. Alontag den Iß 1. / tihr. Faust/ dm 17. Jannnr: „F a u \i‘‘, 2? J e“ L i'EÄbmd"^'" Dlenrlaj - '' 'Nch-^nnders bm.erkt, abmds mn 7 Uhr.