gawMW tjfitiMv*1 «L- '5^ s-ZW MW ^töts^rudettLjW! Lackschrif1 »re« *tf fefi! chiä. k"'«,MüleM S5*i*; Äni n den^A-TsHKmA Nr. 26Ä OrfActet ILgltch auf)er Sonniags. Siem ffiickener Anzeiger «»erden im Wechsel mit Lern Hessischen Landwirt Ne siebener Lamllien- •löittr utennol in der Woche bcigclegt Rotationsdruck u. Verlag der Brüh lachen UntDcrj.-yucb-iL Stein- l ruderet. R. Lange. Redaktion, Eroebiuoa und Truderet: Echulstratze 7. Redaktion 113 Verlag u.Expeb.s^ß-51 Adresse für Depeschen: Anzeiger «letzen. < l Dienstag 7. November 1905 _ vez«g»pre»»r C"3 monatlich 75 Pf» viertel» V jährlich Dkk. 2.20; durch AA Abhole- u. Zweigstellen monatlich 60 Bf.; durch |v die Post Pik. 2.— vtenel- läbrl. ausschl. Beftellg. J Annahme von Anzeige« ur die Tagcsnuminer ts vornnttags 10 Uhr. ^eilr'vteid: lokal 12Ps^ n6mdrt5 20 Plg. eri twortltch htr Oe. poliL und allgem. Erstes Blatt. GieK 155. Jahrgang ner General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Teil: P. Wtltko. tüt »Stadt und Land' und „Giend)iviaale: Ernst Heß, für den An- zeioenteil: Vans Beck. Die veutige stummer umlahl 8 Seiten. Jh*r Ädntfl von Spanien in Deutschland. Ein Freund deS Gießener Anzeigers schreibt uns aus öem detttsch-französischen Grenzorte Dt.-Avricourt, 6. November: Gestern (Sonntags Abend 10 */, Uhr kam hier der König Alfons von Spanien mit Gefolge an, auf der Durchreise nach reutschland. Er wurde empfangen vom Statthalter von Ellaß- Lalhrinaen Fürst Hohenlohe-Langenburg und dem kommandierenden •teneral deS XV. KorpS im festlich geschmückten Bahnhof. Eine U>renkomvanie stellte da? Lothring. Inf.-Reg. Nr. 97 au5 Saar- burg t. Lothr. mit ReaimentSmtisik. Der König ging die Front ab and sah beivunbernb den tabellosen Parabemarsch ber Kompanie auf dem Bahnsteig an, liebenswürdigst mit dem Fürsten und den Generalen sprechend, sichtlich erfreut über den ersten Empfang ans dkntschent Boden. Die Musik spielte bei Ankunft und Abfahrt des tzoszuges die spanische Nationalhymne. In dem französischen Orte Javisy war der König bereits von dem deutschen Botschafter in Paris, Fürsten Madolin, begrüßt worden, und er hatte dort zum Fürsten si'ne Freude geäußert, Berlin und ,bic schönen deutschen Truppen' kennen zu lernen. In Di ag de bürg traf der Sonderzug mit dem König grsiern um 12 Uhr 55 Min. nachmitt. ein. Auf dem Bahn- Hoss' war eine Ehrenkompanie vom 3. Magdeb. Infanterie- rtgiment Nr. 66 mit Fahne und Musik aufgestellt. Außerdem waren der kom. General v. Beneckendorff und v. Hinden- burg und das gesamte Offizierkorps deS 66. Jnfanterie- rtgiments zur Begrüßung erschienen. Der König verließ den Zug und schritt die Front der Ehrenkompanie ab, worauf ein Vorbeimarsch derselben erfolgte. Nach einem Aufenthalte von 10 Minuten setzte der König die Netse fort. Auf dem Potsdamer Bahnhof zu Berlin traf der König um 3 Uhr ein und wurde vom Kaiser auf das herzlichste empfangen. Ferner waren anwesend sämtliche Prinzen des köniql. Hauses, sowie die Generalität und Admiralität. Auf bem Bahnsteig war eine Ehrenkomp. vom 2 Garderegiment aufgestellt. Nach der Begrüßung wurde vom Kaiser und König die Ehrenkompagnie abgeschritten, während die Musil die spanische Königshymne spielte. Tann brftiegen die Herrscher einen offene.! Wagen, dec von einer Schwadron Garde-Kürassiere eskortiert wurde. Tie Fahrt gilng durch die Siegesallee nach dem Brandenburger Tor. 2 er Pariser Platz war in den spanischen Farben geschmückt. 9£om Brandenburger Tor bis zum Schloß bildeten die Regimenter der Garnison Spalier. Auf dem Pariser Platz hatten diie Mitglieder des Maigistrats und der Stadtverordneten- ^ rsammlung, an ihrer Spitze Oberbürgermeister Kirschner trab Bürgermeister Dr. Rcicke, Aufstellung genommen. König Alfons trug die Uniform seines Magdeburger Jnfanterie- Negiments, der Kaiser spanische Generalsuniform. In der Mitte des Platzes V; iclt der Wagen. Oberbürgermeister Kirschner trat heran, vom König mit Händedruck begrüßt, und hielt eine herzliche Begrüßungsansprache, auf die der König erwiderte: Er habe schon seit zwei fahren kommen sollen, wie ja der Kaiser wisse, aber es s'i damals nicht möglich gewesen. Desto mehr freue er such jetzt, Berlin kennen zu lernen. Mit Dankesworten für den freundlichen Empfang schloß der König, worauf sich der Wagen wieder in Bewegung setzte. Er fuhr durch die mit spanischen Farben geschmückte Straße Unter den Linden ginnt königlichen Schloß. Gelbrote Guirlanden und spanische mb deutsche Flaggen zieren die Feststraße. Die Privat- k auser Unter den Minden sind mit Teppichen und Tannengrün reich dekoriert. Um 3Vr Uhr trafen der Kaiser und der König im königlichen Schlosse ein, wo eine Ehrenwache ausgestellt war. Nach deren Besichtigung traten bie Monarchen nach dem Lustgarten hinaus und ließen sämtliche an der Spalierbildung beteiligen Truppen defilieren. Die gjlonardjen kehrten darauf tn das Schloß zurück. Am Abend stattete König Alfons ber Kaiserin einen Besuch ab. Demnächst begaben sich die Herrschaften nach dem Weißen Saale zur Gala täfel. Der König führte die Kaiserin, der Kaiser die Prinzessin Friedrich Leopold. Bei der Tafel saß der König zwischen dem Kaiser und der Kaiserin, gegenüber saß der Reichskanzler. Unter den Geladenen befanden sich da? Gefolge des Königs, die Staatsininisler, Botschafter v. Radowitz und Oberbürgermeister Kirschner. Die Monarchcntoafle. Der Kaiser hielt einen Trinkspruch, welcher lautete: Ew. Majestät heiße ich ans tiefster Seele wärmstens will" kommen. Ew. Majestät werden sich überzeugt haben durch den Empfang seitens der Bürgerschaft meiner Residenz, wie warm und innig die Herzen meiner Untertanen Ihnen entgegenschlagen Es ist auf Eure Majestät die warme S v m p a t h i e, die mein Volk für Ihren durchlauchtigsten dahinaesst-iedmen Vater gezeigt hat, übertragen worden. Mit innigstem Anteil und regem Interesse hat mein Volk die Entwicklung Eurer Majestät von Jahr zu J->hr verfolgt, und mit Jubel begrüßt es heute iden König von Spanien. Eure Majestät sind in dem Gnnande des Chefs eines preußischen Regimentes eingezogen und meine Garde-Regimenter sind stolz gewesen, Proben ihrer Tüchtigkeit vor Ew Majestät Augen abzulegen. Sie begrüßen in Ew. Majestät _bcn Chef des 66. Regiments und zu gleicher Zeit den allerhöchsten Kriegsherrn des spanischen Heeres, das von großer Vergangenheit und der Hort ritterlicher Tugenden ist. Und so bitte ich Ew. Majestät, hier nochmals meinen herzl. Dank annehmen zu wollen für die hohe Ehre, die Sie mir angetan, indem Sie mir ein spanisches Regiment verliehen und zu gleicher Zeit mir die Würde eines Generalkavitäns übertrugen. Ew. Majestät dürfen versichert sein, daß ans den Herzen meiner Untertanen sowohl, wie meines Hauses und aus meinem stets Gebete zum Himmel aufsteigen werden für das Wohl Ew. Majestät, des spanischen Volkes und Ew. Maj. erlauchtem Königshnise. Aus dieses Gebet und auf diesen Wunsch 'leere ich mein Glas. Auf den Trinkspruch des Kaisers erwiderte König Alfons tn spanischer Sprache: Settor! "Noch bin ich bewogt ton dem schmeichelhaften, glanzenden Empfang, den das mächtige Deutsche Reich mir bereitet hat, und nichts konnte in meinem Geiste diesen angenehmen mnd tiefen Eindruck besser vervollständigen, als die beredten Worte, die von dem erlauchten Herrscher gesprochen wurden, der so weise und hingebend diese ruhmvolle Nation leitet. Mit Ihren erhabenen Gesinnungen stimmen gänzlich mein eigenes Verlangen und die wiederholt von dem spanischen Volke ausgesprochenen Wünsche überein, das mit dem Deutschen Reiche herzliche und sehr fr e u u d scha ftl i che ^Beziehungen bewahren will. Ich beglückwünsche Sie, Sonor, zu dem außerordentlichen Fortschritt, den sowohl die Kultur, als die moralische als materielle Wohlfahrt in Ihren Staaten erreichen, sowie zu der Manneszucht, dem Gehorsam und den gesamten Eigenschaften eines Heeres, welchem ich mir fdjmcidjle als Obersten anzugehören, und mit der aufrichtigsten Dankbarkeit trinke icb auf das Wohl Euerer kaiserl. Majestät, aus das Ihrer Majestät der Kaiserin, auf das der ganzen Kaiserfamilie und auf das dauerndste Glück des Deutschen Reiches. Bei dem Galadiner war die Tafel mit einem großen goldenen Tufelgerät geschmückt. Der Kaiser und König Alfons pflogen bei der Tafel eine lebhafte Unterhaltung. » Unser Berliner ü.-Korrespondent schreibt uns: Der König von Spanien hat heute dm Berlinern gefallen. und die 93er! in er scheinen ihm auch gefallen zu hab < D .ß er in deutscher Sprache auf die Anrede des Oberbürgermeisters Kirschner cntTvort're, nickt, wie erwartet r. or- den war, auf franz,, sisch, wurde viel bemerkt, rasch verbreitet und trug dazu bei, di-' an und für sich fast südländisch lebh'.sten Kundgebungen des Publikums zu steig-rn. DK allcd.'m werden die Beamten der politischen und der Kriminalvoli'ei aufgeatmet haben, als der Empfang Unter den Linden sich glücklich vollzogen hatte. Eine so ungeheure Menschenmenge, wie sie heute die Straßen erfüllte, — bei solchen Gelegenheiten scheint icber in Der! in Zeit und Muße im Uoberflnß zu haben — m leidlicher Ordnung zu h'lten, ist schon außerordentlich schwierig; diese Massen zu übenvachen, mit jeder Garantie, ist unmöglich. Jedenfalls hatte die Erinnerung cm den Pariser Anschl.'a vor der Großen Oper, d^m König Msons ausgesetzt war, in Berlin der Schaulust keinerlei Wbnich getan. Die Frage nach dem be- jonberen Zweck des Besuches wurde natürlich sehr eifrig erörtert. Daß es nur ein Eleani besuch sein soll, die KSt Harting ist dem großen Publikum zu schlicht und eiuf.ich. Das Publikum liebt die romantischen, gefühlvollen Deutungen. König AlfonS werde sich mit einer deutschen Prinzessin verloben, brrnim hauptsächlich sei er gekommen. So versicherten die „unterrichteten" Leute mit geheimnisvoller Miene und fügten hinzu, des ganze Programm des Besuches lasse solche zarten ?lbsichten erkennen. In Engla-d sind die Werbunasplane des ingend- ück-en Herrsi'ers trotz sehr hob-w Unterstützung, fehlgeschlagen. Es sind ebrr anck. we.s die englische Diplomatie mehr Iverdrießen mußte, die Bestrebungen fehlgeschlagen. Alfons ftir eine ftan- zösisch-englische Dereinianng mit der Spitze gegen Deutschland zn gewinnen. Die offiziöse „Nordd. Alls,. Ztg." hat in ihrem Begrtißi'n^'s'rtikel auf dies Fiasko ziemlich deutlich angespielt. Dir gteiiltzrn nicht, daß die deutsche auswärtige Politik sich da- Ziel gesetzt hat, Spanien für einen Anschluß zu gewinnen,, ob nun Alfons XIII. eine deutsche Prinzessin heimführt oder nicht. Spaniens .Herz wird immer Frankreich gehören. Es genügt, daß Sb'nicn bei etwaigen ernsten Konflikten sich neutral hält und daß es in ber Marokko frage mit Festigkeit seine eigenen Interessen w'hnnmmt, die in mancher Hinsicht nicht im Einklang mit den cnigen Frankreichs und Englands sich desiuden. Wenn für Deutschland der Erfolg des Besuchs das Zustandekommen eines Handelsvertrags ist, so ist alles erreicht, was man wünschen kann. pglitiffhe ^ngcGrdinn. Englische Liebenswürdigkeiten im Konqolande. Recht interessant sind Mitteilungen de§ eigenen Berichterstatters des „Enthalte Herald* aus dem Kongostaate übev da? Tun und Treiben der englischen Missionare daselbst. Diese Missionare machen ein Gewerbe daraus, die! Eingeborenen gegen die Zahlung der Steuern aufzureizew und sogar sie zu Angriffen auf bie Truppen der Regierung zu hetzen, um sodann, wenn blutiger Kampf daraus erstanden ist, lange Berichte über „Mord und Greuel* in die Heimat zu senden. Wir möchten, so schreibt das genannte Blatt, einmal sehen, wie die ösientliche Meinung in England sich äußern würde, wenn einmal die augenblicklichen Geschehnisie auS Nigeria mit den Hunderten von niedergebrannten Dörfern und den Tausenden getöteter oder verwundeter Eingeborenen als Mord und Greuel dar- gestellt würden. ES ist unzweifelhaft, daß der Neger deS Kongostaate- viel bester daran ist, als sein Bruder in Lagos oder Südnigeria. Aber von den Nigeria-Greueln findet man keine Zeile in einem Blatte dieses frommen, gottesfürchtigen und so überaus gerechten England. e Kussisch s Sludenlenlum. Ein in Gießen studierender junger Russe schreibt uns: Bei den politisck>en Wirren, die zur Zeit in allen Teilen C-5 russischen Reiches toben, spielen die Studenten eine I-'bciitcnbc Rolle. Denn sie haben es für gerecht und würdig eradftet, ebenfalls in diesen Kampf zur Erringung politischer rnd menschlicher Rechte mit Nachdruck einzutreten und zur sieg- r-'ichcn Durchführung d-'s Aeußcrste zu wagen. Es dürste^ daher Interesse bieten, Einches über diese Freiheitskämpfer zu erfahren. W>as bei den russischen Studenten dem Fremden zunächst auf» 6211t, ist ihre gemeinsame Kleidung. Sie unterscheiden sich dadurch schon äußerlich von ihren deutschen Kvmmllitonen, bei iienen gemeinsame Tracht längst nicht mehr existiert. Die ge- Tficifii-me Kleidung der russischen Studenten besteht zunächst aus Ift-m sog. Mundir, einem bis auf bie Knie reichenden Frack von i-iink-lblauer Farbe. Er ist vorn mit zwei Reihen von Messing- knöpftn besetzt, auf denen der zweiköpfige russische Reickzsadler cingenräqt ist. Dieses Kleidungsstück wird jedoch nut bei feierlichen Awässen angelegt, sonst trägt der russisch« Student eine fi>g. Kurtka, einen kurzen Nock, der unserem Jagdrock ähnelt, Jedoch hellgfue Farbe bat und ebenfalls mit zwei Reiben Knöpfen Me'>t ist. Die Hosen sind von dunkelblauer Farbe. Der Mantel hneift irgegen schwarze Farbe auf, nur der Kragen ist blau. Stott eines HuteS wird eine Mühe mit blauem Streifen getragen. Dies ist die für die Studenten an den russischen Universitäten worgesckriebene Uniform, die sie stets, selbst in den Ferien, an» Mlegen h ben. Die Studierenden an trn technischen HockchÄulen fr'gen ander' Uniformen. Der Mundir unterscheidet sich bei i -ncn dnrck schwarzen Samtkregen. Auch die Mütze weist einen Samtstr'ifen von dieser Farbe auf. Die Polyteckmikcr tragen ferner Epmletten. die in bm einzelnen Städten, wo sich technische K>oehsck'.'len befinden, verschieden sind. Durch diese gemeinsame Kleidung ^oird die russische Studentenschaft zwar äußerlich, ober tod) nicht innerlich von dem übrigen Bürgertum geschieden, □m Gegenteil. Studenten und Bürger suck'en gerne bie Gelegenheit ruf, mit einander Verkehr zu pflegen. Besonders interessant sind b-'e Lebensgewohnheiten ko.'s russisck>en Studenten. Die Mehlzeiten nimmt er meist in den Speisesälen ein. die von vielen Universitäten für die Stubieren- teen erricktet sind und deren gute Kvst bei geringen Preisen ksihr beliebt ist. Ueberhnipt sucht der russische Stubent selten Wirisch ften auf; fh b. Trinkgelage kennt er cbensowema. Meist trinkt er Tee, im G gen setz zu bem übrigen Volke. bia3 den Alkohol keineswegs verschmäht. Beinahe täglich fucht et irgend einen Studiengenossen in seiner Wohnung auf, wo er aufs freundlichste empfangen und bewirtet wirb. Umgekehrt bietet auch ber Besucher alles auf, um die (Säfte, bie zu ihm kommen, zu befriedigen. Auf diese Weise entstehen unter den einzelnen Studenten so engt und herzliche Beziehungen, wie sie selten gepflegt werden. Noch deutlicher zeigt sich diese Heimlichkeit in folgendem Umstande. Die Bemittelten zahlen ftei^nllige Beitrage an eine Studentenkasse, von der bie Aevmeren Unterstützungen erhalten, ohne baß jeboch "bamit Mißbrauch getrieben wird. Auch manche Professoren unterstützen ihre ärmeren Zuhörer dadurch, daß sie ihnen das Honorar für ihre Vorlesungen erlassen. Diese armen Studenten sucken sich ferner auf verschiedene Weise b?n Lebensunterhalt zu beschaffen, indem sie z. B. für Geschäfte die Korrespondenz nach dem Auslände übernehmen oder eine Hauslehrerstelle neben ihrem Studium versehen. Eine iwitere Einnahmequelle für die armen Studenten ist d^s Stunden geben. Doch erteilen merkwürdigerweife nicht nur die Armen Unterricht, sondern auch die Wohlhabenden, die letztere frHHrf> meist, ohne Honorar zu verlangen. Ueberhaupt ist das Stundengeben in Rußland sehr verbreitet. Der Grund hierfür liegt in b’m Umstande, daß man, um auf einer russischen Hock.fchule studieren zu können, nicht eine neunjährige erfolgreiche Vorbildung auf einem Gymnasium u. dgl. nötig hat, sondern daß Leute, bic vorher nur Privatunterricht genossen haben, auch zu der Maturitätsprüfung zugelassen werden, die bann allerdings eingehender ist, als bei denen, die auf bnn Gymnasium vvrgcbildet wurden, und nahezu fünf Wochen dauert. In dem größten Teile der Lngesi'hrten Punkte zeigt sich somit ein großer Unterscksied zwischen dem raff. Stubentenlum und dem Stu» bent en tum in anderen Säntrrn. Der wichtigste Urteif.r ieb ab-r besteht brrin. baß bic russischen Studenten ber Gegenwart im öffentlichen Leben eine betwutenbe Nolle spielen. Sie firb es. bie in geistiger Hinsicht cm Werke der Aufklärung im russischen Volke rege mit’rbaiten, bie in politischer Hinsicht nach einer Negierung in modernem Sinne streben und deshalb heute vereint mit Proletariat und Bürgertum den Kämpf gegen den herrschenden Absolutismus führen. A. N. — Wie man uns mitteilt, erschien soeben ein einstimmiger S ch ü l e r ck o r nut Klavierbegleitung von A. Mendelssohn in Darmstadt, ,Ö e s f e n f ck w n w betitelt Dieser Festgescmg wird ivohl zum bevorstebenden GroßherzoglickenGeburls- tage an vielen hessischen Lehranstalten zur Aufführung kommen, io auch, fo weit uns bekannt ist, am Gießener Gymnasium und an der Gießener höheren Mädchenschule. Den Tert zur Komvosition hat der Gießener Obervrimaner Adalbert Eck, Sohn des llniversitatsprofessors Eck, gedichtet. Wir lassen die Dichtung nachstehend folgen: Hefienschwur. So lang ein deutsches Wort erklingen Nock wird im Hesienland, Und noch des Rhemstroms Wogen dringen Zcim rebengrünen Straub, Schwor' ich Dir täglich neu: Ernst Subrotq, beutsche Treu l So lang Gesetze gülben schweben Als Hort bem Untertan, Wie einst noch Volk nnb Fürsten beben Vor ihrem hctl'gen Bann, Schwör ich Dir täglich neu: Ernst Lubwig, beutiche Treu! So lang noch mächtig strahlt bie Krone Von Deinem Füisitenhauvt, An Hulb nnb Lieb' vor Deinem Throne Der Hesse blmb noch glaubt, Schwör ich Dir täglich neu: Ernst Lubwig, deutsche Treu! So lang noch Harfen froh erklingen, Vereint znm Brnberbunb Em Lieb noch beutfehe Manner singen, Tönt bell ans jebem Miinb: Wir schwören täglich neu, Ernst Lubwig, beutfehe Treu! Berlin, 6. Nov. Professor Julius K o s l e ck, Meister bet; TroinDetcrfimft, Giünber des Kaiser Kornettguartetts unb beS, beulschen Bläserbiinbes, ist, 80 Jahre alt, gestorben. — Von einem ber erfolgreichsten Bücher biefes Jahres, bent »Tagebuch einer Verlorenen. Von einer Toten", überarbeitet und bergnsgegeben von M. Bohrne, brachte soeben bie Verlagsbuch- hanblung F. Fontane u. Co. in Grnnewalb bei Berlin bas 53. Tau'enb in ben Öanbel, nachbein feit Erscheinen ber ersten 9luflaoe ca. 20 Wochen verstrichen sind. Jebewalls ein außer- gewöbnlieher En'olq an'bem bentscken Bücherniarkt. lleberfetzungen be5 Werkes ins Französische, Dänische, Russische, Polnische, Ungarische rc. werben z. .Zt. vorbereitei. Gegen den Brauch. Tie Erfahrungen, die der Zentrumsabg. Erzberger mit seinen kolonialen Enthüllungen in der „Köln. Volksztg." imachte, hätten ihn veranlassen sollen, seine weiteren Auseinandersetzungen mit der Kolonialverwaltung sich für den Reichstag auszusparen, wo den Angegriffenen die sofortige Entgegnung möglich ist. Statt dessen erhebt Erzberger in einer Berliner Kvmmunalwählerversammlung des Zentrums neue und noch schärfere Anklagen gegen das Ressort Stübels, die Beibringung des Beweismaterials für die Reichstagsverhandlungen in Aussicht stellend. Dergleichen war bisher nicht Brauch bei den Parlamentariern, und es macht keinen guten Eindruck, daß Abg. Erzberger als das jüngste Mitglied des Reichstages wiederholt jvon dieser Gepflogenheit abweicht. Dem Zentrum, der „regierenden Partei", kann das am ivenigsten angenehm sein, und es ist zu erwarten, daß der Führer, Abg. Tr. Spahn, den jugendlichen Stürmer aus Württemberg, nachdrücklich zur Ordnung ruft. Auch Abg. Gröber dürfte seinen Landsmann schwerlich mit anerkennenden Worten bedenken. Deut-ches NeLc-. Berlin, 5. Nov. Der Kaiser besuchte heute den ^Reichskanzler Fürsten Bülow und hörte den Vortrag des «Chefs deS Zivilkabinetts Wirklichen Geheimen Rats Dr. von LucanuS. — Ein Geschenk Kaiser Wilhelms an den Mikado befindet sich gegenwärtig auf dem Wege nach Japan. Es besteht in sechs Rapphengsten aus dem Königlichen Landgestüt Trakehncn. — In der am Samstag stattgehabten Sitzung des ^Staatsministeriums haben der Allg. Fleischer-Ztg. zufolge Erhebungen darüber stattgefunden, inwieweit dem Anfrage auf Oeffnung der oberschlesischen Grenze ffür das erhöhte Schweine-Kontingent aus Ruß- Land heute schon stattgegeben werden kann. Preußen wird infolgedessen, wie das genannte Blatt weiter erfährt, beim Reichskanzler Fürsten Bülow beantragen, die Erhöhung des Kontingents von jetzt ab nach und nach eintrelen zu lassen. Pr. Holland, 6. Rov. Amtliches Wahlresultat. Bei Iber Reichstags-Ersatzwahl im Wahlkreise Pr. Holland- Mohrungen wurden insgesamt 9902 Stimmen abgegeben. Davon erhielten Rittergutsbesitzer H. O. Gluer-Gergehnen (kons.) 8682 Stimmen, Schneidemühlbesitzer Hermenau- lAllenstein (frs. 93p.) 740, Rendant Braun-Königsberg i. Pr. /Soz.) 406 und Amtsgerichtsrat Krebs-Liebstadt 64 Stimmen. tGluer ist somit gewählt. Braunschweig, 6. Rov. Eine hier stattgehabte Versammlung von Tabakintercssenten nahm eine Resolution gegen jede Mehrbelastung des Tabaks an ,unb wählte eine Kommission zur Einleitung der Agitation Lagegen. Ausland. London, 6. Nov. Ungefähr 6000 Frauen und ^Töchter von Arbeitslosen sammelten sich heute mittag, um eine Frauendeputation zu dem Premierminister Balfour zu geleiten. Die Frauen trugen ein Banner mit der Aufschrift: „Tie Frauen verlangen das Stimmrecht. Bei Balfour wurde eine Lldresse verlesen, in welscher die Einberufung des Parlaments zu einer besonderen ^Session dringend gefordert wird, um über die Arbcitslosen- frrage zu verhandeln. Mehrere Frauen wiesen Balfour daraus hin, was hungrige, verzweifelte Leute zu tun im- fstande seien, wenn ihre Wünsche nicht befriedigt werden. iDalfour erwiderte hierauf, die Regierung erkenne und be- sklage die Leiden, die dur,ch bte Arbeitslosigkeit verursacht lwürden, betrachte aber den Vorschlag einer besonderen Session des Parlaments als inopportun. Er sei überzeugt, daß die in der letzten Session genehmigte Arbeitslosentakte zu einer Milderung des Arbeitslosennotstandes beitragen werde. Die Antwort Balfours befriedigte die Deputation nicht. Paris, 6. Nov. Die deutsche Kvlonie veranstaltete heute abend ein Abschiedsessen für den bisherigen Militär- vttachee der deutschen Botschaft Oberst von Hugo. Der Botschafter Fürst Radolin brachte einen Toast auf den Scheidenden aus, wobei er lehr lebhaft seiner Befriedigung über die Herzlichkeit der gegenwärtig zwischen Derctschland und Frankreich bestehenden Beziehungen Ausdruck gab unb die Hoffnung aussprach, daß dieses mit der jetzigen Regierung bestehende Einvernehmen fortdauere. Herr v. Hugo erhielt vom Präsidenten Loubet eine hohe OrdensauSzeichnung. Budapest, 6. Nov. Obgleich die Koalitionsführer noch immer mit großem Terrorismus gegen das allgemeine Wahlrecht agitieren, werden in allen Teilen des Landes «große Volksversammlungen für das allgemeine Wahlrecht vorbereitet. L"-' ■ -----J-JJ-L- _______ Abg. Kohter-^anqsdorf vor Hericht. (Unberechtigter Nachdruck verboten.) S. u.H. Gießen, 7. Nov. Vor der hiesigen Strafkammer hat sich heute der Land- ^agsabgeordnete Köhler-Langsdorf in einem interessanten Beleidigungsvrozesse zu verantworten, den die Großh.Staatsanwaltschaft im Auftrage des hcssischcu Justizministeriums gegen «ihn angestrengt hat. Abg. Köhler wird beschuldigt, 1. den Droßh. hessischen Staatsanwalt Reuß, 2. den Untersuchungsrichter Landgerichtsrat Sandmann, beide am Landgericht Gießen, 3. den Medizinalrat Dr. Haberkorn und >4. den Geheimrat Professor Tr. Pfannen stiel beleidigt ^u haben und zwar in einer Interpellation an den Landtag die vor ihrer Beratung in Der 2. Kammer in der „Landpost" veröffentlicht ttnirbc. Wegen dieser Veröffentlichung ist bekanntlich der Redakteur Holzinger dieses Blattes bereits zu 500 Mk. Geldstrafe verurteilt worden. Gegen den Abg. Köhler konnte damals nicht verhandelt werden, weck er unter Berufung ruf seine Eigenschaft als Landtagsabgeordneter zu dem Termin nicht erschienen war und das Gericht den vom Oberstaatsanwalt gestellten Antrag pus Verhaftung des Älbg. ablebnte. Der Prozeß hat folgende Vorgeschichte: Anfang v. I. war auf dem Friedhof dec hessischen Ortschaft Eoerstadt die Leiche eines neugeborenen Kindes mit cingeschlagenem Schädel aufgefunden worden. Tie aufgeregte Bevölkerung bezeichnete ganz allgemein eine vornehme Dame als die Täterin, die jedoch ihre Schuldlosigkeit durch ein Gutachten -ihres Hausarztes dartun tonnte. Inzwischen war bei der Großh. Staatsanwaltschaft ta Gießen eine anonhme Denunziation eingelaufen, nach welcher entweder die Gattin ober die Tochter des in Eb.nita>. r. ahnenden Maurermeisters föocrlad) das ermord . geboren und erschlagen Laben sollte. Für die Unschuld dieser beiden Frauen ver- Mrüten sich nun deren Hausarzt. Dr. mcd. Schaad auS Lich, der Bürgermeister des Ortes und ebenso der Ehemann Goerlach, und als trotzdem die Gießener Staatsanwaltschaft die Untersuchung weiterführte und sogar eine erneute ärztliche Diagnow seitens des Med.-Rats Dr. Haberkorn und des Geh. Rats Prof. Tr. Pfannen- fti e l einforderte, reichte der davon benachrichtigte Abg. Köhler die erwähnte Interpellation ein, in der behauptet wurde,daß der Gießener Staatsanwalt R e u ß unter Mitwirkung des Gerichtsarztes Dr. Haberkorn die 25jährige Minna Goerlach und die 39 Jahre alte Ehefrau Marie Goerlach, geb. Kneipp, unter der Wucht der grauenhaften Anklage durch Drohung und Ueberredung zur Duldung einer Leibesuntersuchung veranlaßt hätten. Ebenso habe der Untersuchungsrichter, Landgerichtsrat Sandmann, zwei Tage später trotz eines ärztlichen Zeugnisses des Dr. Schaad-Lich, welcher die Minna Goerlach auf Veranlassung ihres Vaters untersucht lyatte, wobei als Resultat sich gänzliche Schuldlosigkeit des Mädchens ergab, die Goerlach verhaftet und ohne weiteres wieder den Aerzten Prof. Psannenstiel und Dr. Haberkorn zur LeibeSuntersiichung überantwortet, welche diese mit modernen Folterwerkzeugen, anscheinend unmenschlich, vorgenommen hätten, robaß diese ihrem Vater gegenüber, der sie auf dem Wege von der Klinik nach dem Gerichtsgebäude zu sehen bekam, weinend die Worte zu- gerufen haben soll: Vater, was habe ich schwer ausgehalten ! Als das Resultat des Vorgehens der Staatsbehörde erklärt die Interpellation: Tre Beschimpfung der weiblichen Ehre der Ehefrau Goerlach und der ihres Ehemannes und Die Vernichtung des Lebensglückes der nach Kühlers Meinung unschuldigen Minna Goerlach, eine gewaltige Aufregung Der Bewohner von Eberstadt und Umgegend und das gänzliche Absterben des Rechtes von Glauben an öffentliches Recht und Gerechtigkeit. Die Interpellation enthält dann sechs Fragen an die Großh. Regierung. Unter anderem heißt es in Frage 3: „Welche Maßregeln gedenkt die Gr. Regierung zu ergreifen gegen diejenigen Beamten, die die geschilderten, empörenden ärztlichen Eingriffe angcorbnct und ausgeführt haben, die in der Meinung aller Vorurteilslosen als Verbrechen gegen die persönliche Freiheit und die allgemeine Sittlichkeit sich charakterisieren." Köhler verlangt dann eine Anweisung der Regierung an die Staatsanwälte, daß diese anonyme Anzeigen unberücksichtigt lassen soUen und fragt an, warum der Untersuchungsrichter Die Minna Goerlach immer noa) in Untersuchungshaft hielt, trotzdem „der praktische Arzt Tr. Schaad die gänzliche Schuldlosigkeit als seine wissenschaftliche Erkenntnis zu beschwören sich erbietet und antb Professor Dr. Pfannenstiel von der Schuld Minna Goerlachs nicht überzeugt ist." , In diesen Ausführungen erblickte das Justizministerium eine Beleidigung der ihm unterstellten Beamten, umsomehr, als späterhin Minna Goerlach eingestanden hat, ein Kind geboren und umgebracht zu haben. Es erhob deshalb Die Anklage, die nach dem Schluß des Landtags nunmehr auch gegen den Abg. Köhler zur Verhandlung gelangt und ein für Die Presse interessantes Gesicht noch dadurch erhält, daß von der Verteidigung eingewendet wird, die Veröftent- lichung einer solchen Landtagsinterpellation sei nach § 12 des Str.-G.-B. straflos. Bekanntlick bestimmt dieser Paragraph, daß wahrheitsgetreue Berichte über Verhandlungen eines Landtages ober einer Kammer von jeder Verantwortlichkeit frei bleiben. Demgegenüber verweist die Großh. Staatsanwaltschaft jedoch darauf, daß die Veröffentlichung der Interpellation am Tage vor ihrer Ueberreichung an die zweite Kammer erfolgt ist. Neben den beleidigten Amtspersonen sind u. a. die beiden Frauen Goerlach, der prakt. Arzt Tr. Schaad-Lich, der Bürgermeister von Eberstadt und die mit der Untersuchung in der Kindesmordaffäre betrauten Beamten als Zeugen geladen worden. Den Vorsitz im Gerichtshof führt Landgerichtsdirektor Prätorius, die Anklage vertritt der Ob er staats anvmlt Theobald. (Fortsetzung in Matt 2.) Ans AUiöt nuö Land. Gießen, 7. November 1905. "Der neue hessische Reichsgerichts rat. Der „NeichSanz.E veröffentlicht die Ernennung des Oberstaatsanwalts Schmidt in Mainz zum Reichsgerichtsrat als Nachfolger des zum Justizminister ernannten Reichsgerichtsrats Ewald. ** Schwurgericht. Behufs Bildung der Spruchliste für die am 4. Dezember vormittags 9 Uhr beginnende Sitzungsperiode des Schwurgerichts Gr. Landgerichts der Provinz Oberhessen wurden die Namen folgender Hauptgeschworenen aus der Jahresliste für 1905 gezogen: 1. Hvhann Heinrich Storch, Pferdehändler in Trais-Münzeuberg. 2. Wilhelm Spamer, Buchhändler in Homberg a. d. Ohm. 3. Georg Sartorius I., Landwirt in Merlau. 4. Heinrich Karl Wolf, Bürgermeister in Effolderbach. 5. Heinrich Welter, Landwirt in Holzhausen bei Vilbel. 6. Heinrich Lißberger IV., Müller in Groß-Felda. 7. Johs. Bork II., Rentner in Schotten. 8. Johannes Stock, Landw,rt in Blitzenrod. 9. Albrecht Freiherr Riedesel zu Eisenbach, Rentner in Sickendorf. 10. Richard Breidenbach, Landwirt in Beienheim. 11. Johann Wilhelm Moscherosch, Beigeordneter und Landwirt in Burggräfenrode. 12. Otto Diegel, Kaufmann in Alsfeld. 13. Heinrich Weber VIII., Landwirt in Eschenrod. 14. Heinrich Adam Köhler, Kaufmann in Hungen. 15. Karl Skühler, Landwirt in Hainbach. 16. Heinrich Walter II., Landwirt in Stumpertenrod. 17. Karl Vogt, Landwirt in Altenstadt. 18. Heinrich Weber II., Land- wirt in Hartmannshain. 19. Gottlieb König L, Oekonom in Ober-Mörlen. 20. Jakob Die hm H., Kaufmann in Lauterbach. 21. Johannes Schmidt VH., Landwirt in Dauernheim. 22. Georg Lerch, Bürgermeister in Allmenrod. 23. Max Trapp, Fabrikant in Friedberg. 24. Konrad Schepp IX., Landwirt in Pohl-Göns. 25. Wrlhelm Germer II., Landwirt in Klein-Linden. 26. Georg Hensel I., Bürgermeister in Schwalheim. 27. Wilhelm Roth I., Beigeordneter in Bettenhausen. 28. Heinrich Sames IX., Landwirt in Dorf-Gill. 29. Friedrich Zöller II., Fabrikant in Schlitz. 30. Ferdinand Lauckert II., Landwirt in Staden. " Jahrb undertausstellung. Herr Professor Dr. B. Sauer schreibt unS: Die Aufforderung, Werke von Malern deS 19. Jahrhunderts (genauer der Zeit von etwa 1775 bis etwa 1875) dem Gießener Kunst verein zu einer Ausstellung im Turmhaus am Brand zu überlasten, ist überraschender Weise fast ohne Wirkung geblieben. Wüßte man es nicht bester, man könnte glauben, es sei in Gießener Privatbesitz nichts der Art vorhanden. Vielleicht denkt mancher zu gering von seinem Besitz; auch scheint sich die 'Dieinung gebildet zu haben, es handle sich um spezifisch hessische Kunst und Künstler. Es sei deshalb noch einmal betont, daß die Ausstellung Gemälde bestimmter deutscher Meister jener Zeit vereinigen soll. Es ist kaum zu zweifeln, daß manches Wertvolle und Jnterestante dabei anS Licht kommen würde, das auch in der großen Berliner Jahrhundertausstellung seinen Platz beanspruchen dürfte; aber natürlich bleibt eS dem Ermesten der Aussteller überlasten, ob sie ihre Bilder — direkt ober über Darmstadt — auch nach Berlin schicken wollen. Tas überaus rührige Zentral- fomitee, dessen Seele der hervorragende Kunsthistoriker und Museumsleiter Lichtwark-Hamburg ist, wird nächstens die verschiedenen Lokal- oder Vorausstellungen bereisen lasten — es wäre doch schade, wenn es dann in der Universitätsstadt Gießen nichts zu sehen gäbe. Wie viele Porträts z. B. von Trautschold mögen hier und in der Umgegend vorhanden sein, wie manche? ältere Düsseldorfer, Frankfurter, Münchener Bild. Darum noch einmal die dringende Bitte: zu dem halben Dutzend Bilder, die bis jetzt eingegangen sind, möge Gießener Gemeinsinn und Kunstintereste noch ein paar Dutzend beisteuern, damit nächste Woche eine wirkliche Jahrhundert- ausstellung im Kunstverein sich auftun kann. Lang-Göns, 4. Rov. Mit Freuden begrüßt man hier» daß Zigarrensabrikant Nattmann-Gießen in der geräumigen Hofreite deS Anliegers Spieß eine Zigarren fabrik gegründet hat. Mit einer stattlichen Anzahl Arbeiter und Arbeiterinnen nimmt die Fabrik am 6. d. M. ihren Betrieb auf. Arbeiter von Watzenborn, Steinberg, Großen-Linden usw. werden in ihr tätig. b. Rodheim a. d. Bieber, 4. Nov. Die gewerbliche Fortbildungsschule, zu der durch OrtSftatut alle jungen Leute bis zu dem 17. Lebensjahr verpflichtet sind, ist in ihr zweites Unterrichtsjahr eingetreten. In Ermangelung ländlicher Abendschulen in den benachbarten Gemeinden be- suchen diesmal auch von außerhalb mehrere jungen Leute unsere Abendschule. ? Gedern, 5. Nov. DieWasserleitungsarbeiten nehmen ihren ungestörten Fortgang und man ist gegenwärtig mit dem Legen der Seitenstrange beschäftigt. 9(uf dem sog. „Schloßberg" gestaltet sich die Sache etwas schwierig, da hier Basaltfelsen zu sprengen sind. Jedenfalls wird die ganze Leitung erst mit Beginn des Frühjahres fertig gestellt sein. — Bei dem zuletzt am „Oberfeemer Berg" dec neuen Nebenbahnlinie ausgeführten Durchstich fand man starke Quellen. Diese sind jetzt gefaßt und finden zur Speisung einer nach der hiesigen Station im Bau befindlichen Leitung Verwendung. Frankfurt a. M., 6. Rov. Die Direktion der Diskonto-Gesellschaft teilt mit, daß der Prokurist der Frankfurter Filiale, Friedrich Panse, der sich grobe Unregelmäßigkeiten hat zu Schulden kommen lasten, seiner Stellung enthoben und der Prokura entkleidet worden ist. Eine Schädigung der Gesellschaft ober Dritter Personen liegt nicht vor. Wegen deS groben Vertrauensbruches ist Anzeige zur strafrechtlichen Verfolgung gemacht. Wie ein Berichterstatter meldet, handelt eS sich um Unter- schl agun gen im Betrage von 8 5 000 Mk. Panse wurde bereits verhaftet. Er hat sich selbst gestellt und die Veruntreuungen bereits zugegeben. (Kl. Pr.) „tiobef urd werkel r. Molksrvirtschall. Gießen, 4. Nov. Marktbericht. Auf heutigem WockemncnN. kosteten: Butler pr. Pfd. 1.10—1.15 Mk., Hühnereier I St. 8—9 Via. 2 Stck. 00—00 Pfg., Gänseeier 15—00 Psg., Enteneier 6—7 Ptg., Raje. vr. Stck. 6—8 Pf., Käsematte 2 Stck. 5—6 Pig. Erbten vr. Liter 21P1g^ Linsen vr. Liter32 Pfg., Taubenvr.Paar0,80—0,90Mk., Hühnerpr.St. 1,00—1,60 Mk„ Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Mk., Enten pr. Stück 1,80—2,20 Mk., Gänse vr. Pid. 60—75 Pfg., Lchsensteisch pr. Md. 72—82 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 70—72 Pfg., Schweinefleisch pr. Pstmd 80—90 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 94 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 70—80 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund- 50—76 Pfg. Welsche per Pfund —.— Kartoffeln vr. 100 RgJ 5,00—5^0 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 5,00—6,00 Mk., Milch per Liter 20 Pfg., Aepiel per Pfund 10 bis 25 Pfg„ in Körben 00 Pfg./ Rüste 100 Stück 30—40 Pfg., kirnen per Zentner 8 bis 10 Mk.: Weißkraut 0.07—0.10 Mk. Marktzeit 8—2 Uhr. Die Marktpreise für Dietz und Frucht und die Gießener Fleisch- und Brotprcise am 6. November 1905. Höchste Schlachwiehpreise in F r a n t f u r t a. M. Fleischpreise in Gießen Ochsen Kälber Schweine 50 Kg. Schlachtgewicht 78-80 Mk. Kg. Schlachtgem. 86—90 Pf. „ 79-00 „ V, Kg. 72-82 Pfg. »/, , 70—80 , »/, „ 80 90 , Getreidepreise in Mannheim Brotpreise «in Gießen Weizen 100 Kg. 19.00 Mk. Roggen 100 Kg. 17.50— 00.00 Mk. Weißbrot 2 Rg. 52 P'g. Schwarzbrot 2 Kg. 48 Pfg. Bank für Handel und Industrie, Depositenkasse Gießen in Gießen. Es ist noch vielen Lesern unterer Zeitung unbekannt, daß dieses Institut eine Zweigniederlassung der in Darmstadt im Jahre 1853 gegründeten allgemein, besonders auch in den Kursblättern, „Darmstädter Bank' genannten Bank für Handel und Industrie ist. Da, wie wir misten, die Aktien dieser Großbank in unserer Gegend stark verbreitet sind, io haben wir seither auch in unserem Blatte oster über die Geschäfte der Geiamt- bank in der Regel unter dem kürzeren Namen „Darmstädter Bank^ berichtet und wir halten es für angebracht, gerade über die hiesige Niederlassung einiges zu sagen, weil wir annehmen, daß es nicht allein die Aktionäre, sondern auch viele unserer Mitbürger in Stadt und Land mteressiert. Die hiesige Abteilung, die sich, wie wir hören, in den letzten Jahren ganz bedeutend entwickelt hat, wird von den Herren Gustav Müller und Conrad Tietz geleitet; sie hat im Jahre 1903 eine Agentur in Herborn und im Juni d. I. eine solche in Alsfeld errichtet und bejchä'tigt zusammen 22 Personen. Wir haben oft wahrgenommen, daß die hiesige Bank vom Publikum mit „Süddeutsche Bank' bezeichnet wird und wir verfehlen nicht, darauf hinzuweiien, daß die „Süddeutsche Bank^ seit 1. Juni 1902 aufgelöst tft. Dieses Institut hatte als Notenbank nur einen beschränkten Wirkungskreis, während die „Bank für Handel und Industrie" oder kurz genannt .Darmstädter Bank" alle Baukgesckafte macht. Tas Kapital der Gefamtbank beträgt zuzüglich der Reserven 181 Millionen Mark und kann das Jnstitrck somit als drittgrößte Privatbank Deutschlands genannt werden. verinnchtes. * Ein Doppelraubmord erregt in Ostroms (Posen) großes Auffehen, der von zwei Inf an er ist en verübt wurde. Ter in Mielcarek wohnende Händler Glapa und dessen 20jähriger Sohn begleiteten Gäste zum Ostrowoer Bahnhof. Auf dem Nachhausewege wurden sie von zwei Infanteristen überfallen und mit den Seitengewehren niedergeschlagen Glapa war auf der Stelle tot, tväbrcnd der Sohn schwer verlest ist. Als er zur fBcfinnum, gekommen war, Tonn'.: er ?.? -.:r bezeichnen. In der Kaserne wurde foioct eine Untersuchung der Seil eng wehre oorgenommen, wobei die Schuldigen ermittelt und sestgenommen wurden^ L-eMo' 2 .‘.t* E U |5Viy*ta frtaui.'b.K f>Aä4? Mw her n. ■n Mflis’ Mgendc »ft.. Mm» ff ''°°> ein, IS I roiiffiäc ».£'M | kann 3** liqotr'n'fff'""* [’*ä: rbttä' ®*4 $ie I* “*W find. Ix/1'. Ermangeli, Fb»*« I ">chrm jungen «tti l’rUitungSarbeih- |nb ™«u ifi gegen«. “Wgt Aus bt ,W ein>«5 fr»« 'O- jedenfalls wird d Frühjahres fertig gch- 'erseemer Berg' de 1 Durchstich sand nie gefaßt und finden 5r Hon im Bau befindlitbr Die Direktion bi ’t daß der Prokur' iedrich Panse, ber \v. t zu Schulden foinmr >d der Prokura enlte Tefellschast oder dritte de? groben ^ertrauen?- hen Bersolgung qeitiüi idelt cs sich um Untr> n 86000 Mk. Pir ich felbft gestellt und te E Pr.) Fleischpttise in Tietz« '/, Kg. 72-82 PH. ' n . 70-80 , Mfotttfe ä S © K XD 6^ C cv o & E en © >5'.*2 © en G 6? tsa en =c cv © *8* CO N-N- Q CO C71 «n e 5 C3^> CO an c><» Ä § <□» C?c cr-pg en ' c L-SJ g CD LS N ö ort a © *ü en 03 K G Oft E 2 a O rs »b'b -G V CO Ä en T~* ß oft Ü N^ ZN o ti s@ "2® o 2 = o: & ■-»". >E % oo — tH C LZ W CD . KL AZ en s f a> 03 • co 03 — ° s «*■ © M 53 ?o V ■•« - ° S . ,-a- n 5 o^Ö) 'S s Ä2i C c *ä 2 5 s 'Jo £© 2 •- Betr.: Herbstk V -J c c l . c = tc 5 *2 E L =3 £ E Pelzkolliers in allen Preislagen von 1.20-100 Mk. Damen-Iacketts von 4 SIk. an Capes R » v » w Abendmäntel Q » ö » » Kinder-Jacketts 9 JJ “ „ 5Ü Kinder-Capes » 2.50 „ „ Kostüm-Röcke „ 2 ^5 „ „ Blusen jj 1*50 „ Kindergarnituren von 1.50 Mk. an Grosse Auswahl Grosse Auswahl - Garnierte Kleider in reinwolL Stoßen, reich verziert ä 18 lk, 20 Mk„ 25 Mk., 35 M. früherer Preis 35—65 Mk. a*/u - Frau flachbarfn, nehmen Sie B Sirkus Otto Klark £r®ln5®nki B7/, Fasclochsenfleisch 52 Pf. TM, Cijotölsbe, <11(61 Eeinr. Eäberlein’s 5737 echte in diversen Sorten bei billigsten Preisen. JL 07585 Es ladet ergebenst em Dresden. TelKhorolAde HotelS, Restaurants und Pensionate verwende,, C7/ii pro Liter Original-Literflaschen mit empfiehlt Centrale für ChemWscliaiistaltGebrRÖvgrFarberei. 3. 4. Mannheim. 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