ErfteS Blatt. ISS. Jahrgang Donnerstag 8. Juni 1905 Hchulstrabe 1. Ndrefie für Depeschen: Nuzetger Gtetze». FernsprechantchlußNr 51 Nr. 133 •»fettet Helte außer Sonntags. Dem (Btefeenei Anzeiger «erden im Wechsel mit dem KeWchen Landwirt die Giebeser SamilUn* Hattet viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Vrühl'schen Untverh^Vuch-n. Stein» bnufettL «. Bang«. jt&SpSF d O monatftATO&'tied». GletzenerAnzergerW U General-Anzeiger ** . den poltt und tjjem. Ami§- und Anzeigeblaii str den Kreis Gießen WGZ ____________ ” zeiqenteil: tzanS Beck- Pi, heutige Kummer umfaßt 8 Seite». niflt n Luise nrelten beut' neuen Hausstcmd ein. ( Das Volk hat seine ** ----■’ r,Jt Die hohen Vorbilder, " L von beredtem große Festsaal bot ein farbenprächtiges Bild, unten die Studentenschaft, auf den Galerien ein Kranz schöner Frauen in herrlichem Gewände. Der Vorstand wurde von der Landsmannschaft Guilelmia (stud. jur. Krohn), der Verbindung Alcmia (cand. jur. de Martincourt), dem Verein Deutscher Studenten (cand. theol. Lorentzen) und dem Aka- demischen Turnverein Berlin (stud. Phil. Buch) gebildet. Gegen V2IO Uhr eröffnete stud. Phil. Buch den Kommers. Die Schläger blitzten und es ertönte das gemeinsame Lied: „Komm Bruder, trinke froh mit mir." Dann brachte stud. in einen Nachklänge zu den Berliner Aestlagen. Der Trinkspruch des Kaisers bei der Zeremonientafel im königlichen Schlosse lautete: „Meine liebe Tochter Cecilie! Gestatte mir, daß sch, Dich in meinem Hause und in, meinem Familienkreise zugleich im Namen meiner Gattin und meines ganzen Hauses von Herzen willkommen heiße. Du bist bei uns ein gezogen, wie eine Königin des Z-rühjahrs unter Rosen und Gurrlauben, unter beispiellosem Jubel des Volkes, wie ihn meine Residenz seit langem nicht mehr erlebt hat. Ein Ktanz erlauchter Gäste hat sich eingefunden, um dieses hohe Freudenfest mit uns zu feiern. Aber die Nichtanwesenden,auch diejenigen, die leider nicht mehr sind, sie sind im Geiste heute bei uns. Dein erlauchter Vater und meine Eltern. Als einzrge Repräsentanten der damaligen Zeit sehen wir noch meine erlauchte Tante und meinen Onkel von Baden; sie fetten uns zu den vergangenen Zeiten über, und wenn auch in der Festesfreude unsere Herzen höher schlagen, soll auch der ernste Ton nach guter deutscher Art nicht fehlen. Himderttauseude freudestrahlende Gesichter haben Dir entgegen- gejubelt. Sie haben aber nicht nur aus Freude geleuchtet, sondern wer tiefer in die Seele der Menschen zu blicken vermag, hat auch in den Augen dieser eine Frage gelesen, eine Frage, die einer Antwort bedarf, durch Euer ganzes Wesen und Leben, die Frage: Wie wird es werden? Ihr tretet zusammen Der Brautkranz der deutschen Kronprinzessin ist ein schlichtes, schmales Gewinde aus lebenden Myrtenzweigen mit achtzehn künstlichen Blüten, das sich um den unteren Rand der Prinzeffinnenkrone schmiegte und sich in den Haarwellen unter dem herabwallenden Schleier verlor. Der Brautkranz mußte vorher aufprobiert werden, wozu die Herzogin Cecilie von dem Wiener Friseur, der ihr an ihrem Ehrentage das Haar ordnete, „Probe coiffiert" werden mußte. Als alles zur Zufriedenheit der Braut und ihrer Mutter ausgefallen war, — es war am Tage vor der Trauung —, wurde der Kranz wohlverwahrt durch eines der Zimmer getragen, in dem der Kronprinz auf seine Braut wartete. Er bat darum, den Kranz besichtigen zu dürfen, und blickte gespannt nach dem Karton, der die „grüne Zier" einschloß — eine Dame der Umgebung der Herzogin verhinderte jedoch die Besichtigung mit dem Hinweis auf einen .alten Aberglauben, wonach der Bräutigam den Brautkranz zuerst auf dem Haupte der Braut sehen dürfe. Lachend fügte sich der Kronprinz den Wünschen der Dame und wendete sich schnell ab, um nur kein Zweiglein der Myrte zu erblicken. Man sieht, daß auch an Fürstenhöfen all die kleinen Sagen von Mund zu Mund gehen, die sich im bürgerlichen Leben an Feste und Zeremonien knüpfen. In jedem Lande wechseln sie ein wenig die Form, der Kern bleibt überall derselbe. Das Brautbukett der Kronprinzessin bestand im wesentlichen aus schönen Exemplaren von schneeweißen Nelken, den Lieblingsblumen des Kronprinzen. Orangeblüten und Myrten springen zwischen den weißen Blüten hervor. Weiße Bänder umwinden in künstlerischer Weise das Arrangement. In seiner schlichten und doch so entzückenden Einfachheit stellt daS Bukett, das im LouiS« Seize-Stil gehalten ist, ein Meisterwerk der Blumenbindekunst dar. Fürst Bülow im Glanze der Bundesfürstenhuld. Der Großherzog von Mecklenburg-Schwerin schenkte zum Andenken an die Vermählung seiner Schwester mit dem Kronprinzen dem Reichskanzler Fürsten Bülow seine Büste in Marmor. In dem begleitenden Handschreiben gedenkt der Großherzog auch der alten Beziehungen, die den Reichskanzler mit dem Lande Mecklenburg verbinden. Der Großherzog von Oldenburg besuchte den Reichskanzler und verlieh ihm die Kette und die goldene Krone zum Oldenburgischen Hausorden. Der Kommers der Berliner Studenten. meine Tochter, bei uns ausgenommen, gehegt und gepflegt sollst Du werden. Euch Bechen gemeinsam wünsche ich von ganzem Herzen Gottes reichsten Seg-en. Gegründet seiEuerHaus- stand auf Gott und unfern Heiland. Wie er die bedeutendste Persönlichkeit gewesen ist, die ihre feuchtenden Spuren bis zum heutigen Tage auf der Erde hinterlassen bat, welche in den Menschenherzen wachsMagen und sie zwingen, ihnen nachzuleben, so möge auch Euer Lebenslauf dem seinigen nachstreben, bann werdet Ihr »auch den Gesetzen und Traditionen unseres Hauses entsprechen. Möge Euer Hausstand ein glücklicher sein und ein Beispiel werden für die junge Generation gemäß dem schönen Satze, den einst Kaiser Wilhelltt der Große als junger Mann als sein Glaubensbekenntnis ntederschmeb: „M eine Kräfte gehören der Welt und demVaterlande!" Nehmt hin meinen Segen für (Sirren Lebensgang! Ich trinke auf das Wohl de§ jungen Ehepaares!" Die Glückwünsche Roms. Der „Norddeutschen" zufolge überreichte Kardinal D. Kopp in einer Audienz dem Kcriser ein eigenhändiges Glückwunschschreiben des Papstes. Das iBermählungs'geschenk des Papstes, welches Kardinal Kopp der Herzoginbraut überreichte,. ist eine Mosaikdarstellung der Aurora, des berühmten großen Deckengemäldes im Palaste Rospigliori zu Rom, von Guido Rem auS der päpstlichen Mosaikfabrik. Das Bild stellt den Sonnengott auf einem mit vier Pferden bespannten Vagen von den Horen umgeben dar, wie er die Nacht vertreibt. Bei dieser Audienz hielt Kardinal Kopp eine Ansprache, in der er sagte, er überbringe im Auftrage des Papstes den Ausdruck jener innigen Gefühle der liebevollsten Teilnahme, mit der der Papst heute des Kaiserhauses gedenke und für die hohe Braut bete. Der Hinblick auf Millionen katholischer Unter- tcnren, die in treuer Liebe zu dem Kaiser als einem gütigen und gerechten Landesvater emporblicken, die erhabene Stellung des Kaisers, dessen Einfluß von einem Pole zum andern sich geltend mache und mit fester aber auch sanfter Hand den Verkehr der Völker auf die ewigen (Grundsätze christlicher Ordnung zurückzuführen bestrebt sei das Band der versöhnlichen und vertrauensvollen Beziehungen, die der Kaffer in seiner Würdigung der segensvollen Bedeutung des kirchlichen Friedens zu dem früheren wie zu dem jetzigen Papste pflege, alles dies dränge den Papst zu der innigen Teilnahme an der heutigen Feier. Kardinal Kopp fuhr fort, er überbringe auch die Glückwünsche des preußischen Episkopates und der )vl dem Fuldaer Bo nifa eins-Jubiläum versam- J "ttschen Bischöfe, Aebte und Prälaten, die betend Brautpaares gedenken. Zu der Herzogin-Brant Die Frau Schwiegermutter. In Berliner Hofkreisen fällt -s auf, daß di- Groß. Herzogin Anastasia, di- während der Hochzeitsfeierlich, leiten im Schlosse wohnte, am Mittwoch nach dem Hotel Bristol übergestedelt ist. des hoben Brautpaares geöenten. ZU oer yerzogin-Maiii aewendet, sagte Kardimft Kopp: Htnnmlsücht und Himmels- & möae nach dem Wunsche des Papstes ihrer Laufbahn vrnrnüeften wie die Morgenröte dem Tagesgestirn auf Renis SRHh unb gleich dem Beispiele der Kaiserin und ihrer be/den Vorgängerinnen mögen die Hünde der Braut Rosen tarne” auf den Lebensweg ihres Gemahls und in bte E des deutschen Wolle?. In der Weihegabe wolle der^Bapst sein Ideal der künftigen Königin und Kaiserin versinnbildlichen, welches die Braut mit «Lottes Gnade und Beistand verwtrftichen werde. .... Eailer dankte mit wärmen und gnädigen Worten indem er seine Freude über die Aufmerksamkeit des fS üud se^e BerVhruug für die Person des Vavstes cmssprach. Er dankte zugleich yerzlicy ftir die Glückwünsche des preußischen der deutschen Bischöfe, Aebte uno Prälaten. Auch dw Kr onpr insesjin dankte für die Freude, die der Papst ihr bereitet habe. Vorbilder, nach, denen eS sich richtet, die Dir, liebe Cecilie, voraugegangen fir Munde heute schon genannt worden: i.- _______ und die anderen Fürstinnen auf dem preußischen Thron, sie bilden den Maßstab für bre Beurteilung Deines Lebens seitens des Volkes, während, mein teurer Sohn, Dein Leben und Wirken gemessen werden wird an den großen Vorbildern, die Dir in Deinem erlauchten Großvater undUrgroßvater von der Vorsehung gegeben sind. Mit offenen Armen bist Du, In der Brauerei Friedrichshain veranstaltete die Studentenschaft der Berliner Universität anläßlich der Vermählung des kronprinzlichen Paares einen Festkommers. Etwa 90 farbentragende Verbindungen mit fast 2000 Studenten hatten sich eingefunden. An der Ehrentafel bemerkten wir u. a. Geh. Rat Prof. Dr. Schwarz, Privatdozent Dr. v. d. Goltz und einige jüngere Lehrer. Der farbenprächtiges Bild, unten die Galerien ein Kranz schöner Frauen Phil. Buch das Hoch auf den Kaiser aus. Nach dem Liede: „Der Gott, der Eisen wachsen ließ" erhob sich. cand. theol. Lorenhen zur Festrede. Wahrhaft frei ist — so führte er aus — nur der, der in starker Pflicht sich bindet an die Aufgaben für sein Volk. An und mit den Hohenzollern ist unser Volk erwachsen. Daß wir heute staatlich klar umrissen denken, danken wir unseren Fürsten. Jtt dem Kampf der Parteien aber wollen wir uns das köstliche Gut der Jugend nicht nehmen lassen, unseren Blick auf das Ganze zu richten. Die sozialen Spaltungen lasten schwer, noch nie so tief wie heute. Da lenkt sich unser Blick auf unsere Monarchie, die stets ein offenes Ohr für alle berechtigten Forderungen gehabt hat. Eine starke Dynastie über den Parteien verhindert, daß die stärkere Partei die schwächere vergewaltigt. Unsere Jugend gehört nicht der Partei, sie gehört dem Baterlande und dem Herrscherhause. Einer soll herrschen, damit alle sich in ihrem Werte behaupten. Und dies möge weiter gelten in der Zukunft, wo im letzten Hintergründe das Schwert steht. Gewiß, das Volk soll in seinen einzelnen Gliedern sein letztes geben, aber wann diese Kraft eiusetzt, das soll ein Wille entscheiden. Der Weg führt über die See. Möge unseres Kaisers Oberleitung uns noch lange erhalten bleiben, wenn dereinst die Rohre der Flotte ihre scharfe Sprache reden. Aber von der Meeresküste kommt auch heute unseres Thronfolgers Braut, wie unsere Kaiserin und wie die Königin Luise. Die Liebe, die zur Königin Luise int Volke noch lebendig, legen wir der Urenkelin zu Füßen. Ein Salamander dem Thronfolger und seiner hohen Braut! Die Versammlung sang die Nationalhymne. Es erklang dann die alte Weise „O alte Burschenherrlichkeit". Weiterhin begrüßte cand. jur. de Martincourt (Verbindung Alania) die Vertreter der Dozentenschaft, der Presse, die zahlreichen Damen und alle übrigen Gäste. Noch manches Lied erklang, erst nach Mitternacht trat die Fidelitas in ihre Rechte. Im Auslande. In Madrid gab am 6. Juni die deutsche Kolonie unter außerordentlich zahlreicher Beteiligung ein Festmahl. Mit großer Begeisterung wurde eine Rede des deutschen Botschafters v. Nadowitz auf den König von Spanien und Kaiser Wilhelm, sowie eine Rede des Pfaue cs Albrecht auf das kronprinzliche Paar ausgenommen. An den Kaiser und das kronprinzliche Paar wurden HuldigungZ- und Glückwunsch-Telegramme abgesandt. In Belgrad fand in der deutschen Gesandtschaft ein feierlicher Empfang beS diplomatischen Korps statt. Der König sandte einen Adjutanten auf die Gesandtschaft. Am Abend war die deutsche Kolonie zu einem Gattenfest im Park der deutschen Gesandtschaft eingeladen. Der welsische Hof in Gmunden hat dem kaiser» lichen Hof anläßlich der Hochzeit des Kronprinzen ein Glückwunsch-Telegramm, das erste seit 1866, übersandt. Zur Vorgeschichte des Sturzes Z-elcassös. Durch den unfreiwilligen Rücktritt Deleassss hat bie französisch-englische Freundschaft und Verbrüderung ihre wertvollste Stütze verloren. Delcasss war es, der nicht müde wurde, den Anschluß an Englaich zu empfehlen, als eine Art „Rückversicherung" für den Fall, daß eines Tages das Vundesverhältnis mit Rußland unhaltbar werden würde. Jtt Petersburg hat mau diese Absicht der Sicherung, worin zugleich eine Geringschätzung Rußlands lag, von Anfang an ertattttt; man wußte dort nur zu gut — auf Grund der höchst sorgfältigen Beobacht- tungen, welche die russische Regierung allen ftanzös. Staatsmännern durch ihre Agenten widmen läßt — daß Delcasss, vor die Wahl zwischen England und Rußland gestellt, unbedenklich für das erstere sich entscheiden würde. Die ruff. Regierung hat Delcassö, solange er im Amt war, nie recht über den Weg getraut. Seine Begeisterung für das Bündnis mit Rußland, Die er von Zeit zu Zeit an den Tag legte, wenn dies die Umstände zweckmäßig und populär erscheinen ließen, galt nie für echt. Was aber Delcasss ganz besonders bei der russischen Diplomatie verhaßt machte, war seine furchtbare Starrköpfigkeit. Delcasss behauptete immer. Recht zu haben, den richtigen Blick für die Ereignisse zu besitzen. Er ging nur soweit mit der russischen Diplomatie Hand in Hcmo, wie es seiner Laune beliebte. Als die maccdonischeu Wirren spielten, spottete Deleasss geradezu jedes freundschaftlichen Winkes der russischen Regierung. Es gefiel ihw, eine Balkanpolitik auf eigene Faust zu tzreiben, nur um lauf seine Selbständigkeit zu pochen, mit dem Erfolge, daß in Bulgarien die Ueberzeug- ung Platz griff, Frankreich werde im Notfall über Bulgarien! den Schild halten. Hierdurch kühn gemacht, ließ die bulgarische Regierung immer offener den Aufständischen ihren Schutz angedeihen, durch Duldung der Agitation, der Waffenlieferung usw. Däese rücksichtslose Durchkreuzung, der russischen Balkanpolitik ist Delcassö in Petersburg nie verziehen worden. Wir wissen bestimmt: nicht von Berlin aus ist auf die Beseitigung Delcass6s gearp beitet worden, aber unablässig vott-russi- scher Seite. Delcasss wird davon gewußt Häven. Daß er in neuerer Zeit versuchte, Rußland sich gefällig zu erweisen durch Nichtsehenwollen offenbarer Nentralitätsverlehung, bat ihm nicht geholfen. Japan und dadurch wieder England ttrurben durch den nicht genügend ü6 erlegten Schach- zug in Harnisch gebracht. Frankreich geriet durch die höchsh persönliche Politik Delcassös in die Gefahr, in alle möglichen Konflikte hineingezogen zu werden. Das voll st än- d ige Fiasko der Marokkopolitik schprg dem Fatz den Boden aus. Man erkannte mit Schrecken, daß Deutsch-. land es auf den äußersten Fall ankommen lassen würde. Delcasss hatte sich mit seinen großen Worten viel zu weit gewagt. Er mäßigte sich nur auf kurze Zeit, nachdem König, Eduard unwidersprochenermaßen bei seinem Besuch in Paris Delcasss trockenen Tones hatte wissen lassen, daß Frankreich int Marokko-Konflikt nur auf diplomatische, keinen- falls auf Waffenhilfe Englands rechnen könne. ES scheint, daß Delcasss sich neuerdings wiederum anschickte, über Deutschlands Ansprüche zur Tagesordnung überzugehen, unbekümmert um die Folgen — da endlich zogen die besonneneren Ministerkollegen den Trennungsstrich. Delcasss hat Frankreich, hart an bett Rand einer Kata> strophe gebracht. Wenn von seinen Verdiensten gesprochen wiro, so steht auf der Gegenseite diese kolossale, unverzeihliche Torheit. Denn Frankreich hätte in einem etwaigen Kriege mit Deutschland, ohne Unterstühung, weder von Rußland noch von England, mit mattematifdjer Gewißheit eine zerschmetternde Niederlage erlitten. Es steht fest, daß Rouvter das Ministerium deS Aeußern definitiv behalten wird. Auch darf man annehmen, daß er Verhandlungen mit Berlin sofort zu eröffnen versuchen wird. Rouvier empfing am Mittwoch die diplomatischen Vertteter des Auslandes, die vollzählig erschienen waren. Die Nachricht von einer liebenswürdigen' Auszeichnung, womit Kaiser Wilhelm am Mitt- toixfy in Döberitz die französischen Offiziere behandelte, erweckte in der parlamentarischen Welt Frankreichs, wo sie sofort verbreitet wurde, wahre Freude und wirkte nach der letzten Panik wie eine erleichternde Erlösung. Bemerkenswert ist, daß die „Nordd. Allg. Ztg." mit keinem Wort Telcassss Rücktritt erörtert. Es ist ebenso klug wie großmütig, nicht einen „Triumph-" über den Gegner festzustellen. Der „Temps" bespricht eingehend die Demission Del- cassss. Er hebt zunächst lobend dessen Politik hervor und, die Annäherung an die Mttelmeermächte Italien, Spanien und England. Bedauerlicherweise hätten jedoch unlluge Freunde Telcassss dieser Polittk eine drohende Spitze gegen Deutschland zugeschriebeu. Delcasss tat, um die durch die marokkanische Frage hervorgerufene Spannung zwischen Deutschland und Frmü^ reich zu beseitigen, lediglich solche Schritte, loelche uw, fruchtbar bleiben mußten, weil die deutsche Regierung nicht lediglich äußere Rücksichten, sondern eine greifbare IDcr- sichernng haben wollte, daß die französische Politik incht gegen sie gerichtet ist. — "Tas Blatt spricht seine Befriedigung darüber aus, daß -er Ministerpräsident Rouvrer die Leitung der auswärtigen Angelegenheiten in die Hand genommen hat und wünscht, daß er der Regelung der schwebenden Fragen vorstehen möge. In R o m wird der Rücktritt DelcassSs sehr bebaue r t. Mehrere Blätter, besonders die „Tribuna", bringen heftige Ausfälle gegen Deutschland. MlMlche Tagesschau. Die Tabak8beruf8genoffenschaft und der Deutsche Tabakverein tagen zurzeit in Berlin. Am ersten Tage fand die Jahreshauptversammlung des Deutschen Tabakoereins unter starkem Besuch von Vertretern aller Zweige des Tabakgewerbes aus allen Gegenden Deutschlands statt. Als Vertreter der Handelskammer Berlin war deren Vizepräsident Dr. Gerschel und als Vertreter der Aeltesten der Kaufmannschaft-Berlin Vizepräsident Stadtrat Dr. Weigert erschienen. Aus dem von Syndikus S ch l o ß m a ch e r erstatteten Geschäftsbericht ist hervor- zuheben, daß der „Deutsche Tabakverein" sich fortgesetzt mit der Vorbereitung einer Abwehr der zu erwartenden neuen Steuerforderderungen. für das Tabakgewerbe beschäftigt und auf Grund überzeugenden Materials, welches er zur rechten Zeit an maßgebender Stelle vorzulegen gedenkt, der Ueberzeugung zum Durchbruch zu verhelfen hofft, daß man bem Tabakgewerbe, ohne es auf Jahrzehnte hinaus schwer zu schädigen und namentlich die Erwerbsverhältnisse der darin beschäftigten rund 200000 Arbeitskräfte erheblich zu beeinträchtigen, neue Lasten nicht zumuten darf. Redner trat auch der Behauptung entgegen, daß die Vertretungen de§ Tabakgewerbes sich bis jetzt stets gegen jede Besteuerung gewehrt hätten, indem er darauf hinwies, daß die jetzigen Zoll- und Steuersätze und das jetzt in Kraft befindliche Steuergesetz im Jahre 1879 in der Hauptsache nach den Vorschlägen der Vertretung des Tabakgewerbes gestaltet worden seien. Unter den Fragen, welche aus der Tagesordnung standen, war von besonderem Interesse diejenige der Einführung des 31 u i- gebot-Verfahrens im Warenzeichen-Recht. Präsident Haus trat den Gründen, welche Syndikus Schloßmacher für, diese Forderung vorgetragen hatte, entgegen und gab zu bedenken ob man nicht damit das Gegenteil von dem errei werde, was man erhoffe, nämlich: eine weitere Verlangsamung des Verfahrens, größere Arbeit für das Kaiserliche Patentamt und möglicherweise auch eine Verteuerung des Warenzeichen-Rechtes. Der Standpunkt des Präsidenten Haus wurde von einigen Vertretern des Tabakgewerbes unterstützt, von der Mehrheit der Versammlung jedoch beschlossen, an die Reichsregierung das Ersuchen zu richten, bei der Erneuerung des Warenzeichengesetzes die Einführung des Aufgebot-Verfahrens für das deutsche Warenzeichenrecht in Erwägung zu ziehen. Am Schluffe der Verhandlungen hielt Architekt Köster aus Herford einen Vortrag über den Bau und die b a n I i d) e n E i n- richtungen von Zigarrenfabriken, welcher zu dem Beschlüße führte, die Ausführungen des Redners in Druck zn legen und den Mitgliedern des Deutschen Tabakvereins zur Verfügung zu stellen. Zur sozialen Fürsorge der Unterbeamten. Für den 1. April 1906 ist eine Aufbesserung des Wohnungsgeldzuschusses von der Re i ch s r e g i e r- ung in Aussicht genommen. In der postoffiziösen „Deutschen Verkehrsztg." lesen wir: „Zu dem Zweck beben kürzlich zwischen den beteiligten Ressorts vorbereitende kommifiar-sche Beratungen stattaefunden, bei denen zur Gewinnung einer Grundlage für die künftige Bemessung der WohnungSgeldKuschüsse die Veranstaltung von Ermittlungen über die Wohnungsverhältnisse der in den Reichsressorts etatsmäßig angestellten Unierbeamten beschlossen worden ist. Dre Ermittlungen sollen sich auf alle Orte der Servisklassen A, 1, 2 und 3 Und die an diesen Orten etatsmäßig anqestellten Unterbeamten erstrecken, die zur Miete wohnen und mit Familie („Familie" im Sinne der Bestimmungen r über Gewährung von Umzugskosten) einen eigenen Hausstand bilden. Außer Betracht bleiben bei diesen Ermittlungen jedoch die Unterbeamten, die nicht am Amtsorte und solche, die im eigenen Hanse wohnen, die Dienstwohnungen innehabm, Wohn- oder Schlafräume an After- mieter usw. abgegeben haben oder — weil sie für den Hauswirt besondere Leistungen, B. Pförtner, übernommen haben — gar keine, bezw. nur eine geringere Miete zahlen. Bei den hierbei noch vorzunehmenden umfangreichen Erhebungen handelt es sich darum, auf Grund der Angaben der Unterbeamten für jeden Servisort die Gesamtzahl der Wohnungsmieter, den Gesamtbetrag der von ihnen zu zahlenden Jahresmieten sowie die Gesamtzahl der gemieteten Wohii- und Schlafräume zu ermitteln und danach den Durchschnittsbetrag der von einem Mieter jn zahlenden Jahresmiete, die Durchschnittszahl der Wohn- imb Schlafräume und den durchschnittlichen Preis für einen Wohn- vder Schlafraum für jeden Or. festzusetzen. Für den Bereich der Reicks-Postverwaltung sind die Obervoßdirektoren, wegen Vornahme der Ermittlimgen, deren Ergebnis dem Reichs-Postamt bis Ende Juni vorlieg-en soll, mit Anweisung versehen." * Tie Verwendung weiblicher Personen im Snbalterndienst besonders im Fernsprechdicmst der Reichspost - und Telegraphenverwaltung — z». Zt. werden fast 9000 Damen rm Posttelegraphendienst beschäftigt —, hat in fortschrittlichen Frauenvereinen den Wunsch nach Freigabe der Sekretärprüfung für weibliche Postbeamte entstehen lassen, um auf diesem Wege Mädchen und Frauen, ähnlich wie in der Schweiz, in England und Skandinavien, den Zugang zu den mittleren und höheren Stellen des Postdienstes zu eröffnen. Hierzu bemerken die „B. P. N.", anscheinend als Sprachrohr der Reichspostverwaltung: „Nach Lage der Dinge in Deutschland könnte es sich nur am die mittleren Stellen, wie Oberselretüre, Kassierer, Postmeister, Buchhalter, Vureaubeamte. handeln, da nur zu diesen Stellen die Anwartschaft durch das Bestehen der Sekretärprüfung begründet wird. Der Verivaltung stehen aber für diese stellen so viel männliche Anwärter yur Verfügung, daß es Schwierigkeiten macht, sie in angemessener Seit in den bezeichneten Stellen unter- zubringpn. Dazu kommt noch, daß den als Gehilfen eingetretenen Männlichen Beatmten ohne Ausnahme das Recht zusteht, die Sekretärprüsung abzulegen und damit die Anwartschaft auf sämtliche Stellen der mittleren Laufbahn zu erwerben. Ferner ist zu berücksichtigen, daß drei Siebentel aller Stellen für Assistenten bei der Post- und Telegraphenverwa'ltung mit Militäranwärtern besetzt werden müssen, und daß auck diese Militäranwärter sämtlich das Recht zur Megung der Sekretärprüsung haben. Würde durch Zulassung des weiblichen Elements in diese Stellen die Zahl der Anwärter nody größer werden, so wäre es für die Verwaltung geradezu unmöglich, alle Anwärterin die oberen Stellen der mittleren Laufbahn zu befördern. Aber auch grundsätzliche Bedenken stehen den weitergebenden Wünschen der weiblichen Postbeamten entgegen. Für weite Zweige des körperlich anstrengenden technischen Po st dien st es sind die weiblichen Beamten Nicht geeignet: Früh- Spät-und Nachtdienst könnte ihnen kaum' übertragen werden. Für den Bahn post- unb bett Bahnhofsdienst, in dem ein beträchtlicher Teil des Personals verwendet wird, kämen sie überhaupt nicht in Betracht, ebensowenig für bien Briefabsendungsdienst bei größeren Postämtern, der ein 'tundenlangos, ununterbrochenes Stehen bei hastiger, anstrengender Tätigkeit erfordert. Eine Zulassung weiblicher Beamten zu den oberen Stellen mittlerer Laufbahn wäre also nur denkbar, wenn dst Dienst-Zweige, deren Ausübung mit mehr oder weniger großen llnbegueml Meilen und Anstrengungen verbünd n ist, aus- chließli'' dem männlichen Personal Vorbehalten und dieses aus >en begehrteren Dienststellen zu Gunsten der weiblichen Beamten verdrängt werde. Ein solches Verfahren aber bertrüge sich nicht mit den ^Grundsätzen der Gerechtigkeit und Billigkeit. Endlich könnten solche Dienststellen, mit denen eine Au fsi cht übe r ältere männliche Beamte verbunden ist, tote z. B. Post- meisterstellen und fast alle Oberfekretärstellen, weiblichen Per- onen füglich nicht übertragen werden. Alle diese Erwägungen, icrcn Ergebnis durch minder günstige Erfahrungen betreffs der körperlichen Widerstandsfähigkeit und Ausdauer der weiblichen Beamten noch bestätigt und verstärkt wird, lassen es nicht angezeigt erscheinen, den weiblichen Beamten den Zugang zu den Dienststellen der höheren Laufbahn oder auch nur zu den oberen Stellen der mittleren Laufbahn frei- zugeben." Kirche und Schute. Zur Gesundheit der deutschen Jugend. Man schreibt uns aus Oberhessen: Die Erörterung über die Einführung von Spielstunden in den Lehrplan legt es inir nahe, eine andere, die Gesundheit unserer Jugend betreffende Schulfrage öffentlich zur Erörterung zu stellen. Meine zweite Tochter ist seit Ostern in den zweituntersten Jahrgang der Volksschule aufgerückt. Seither war die Schule für sie ein Vergnügen, hatte sie doch nur zwei Stunden täglich. Auch jetzt geht sie noch gern zur Schule, aber wie lange wird die Freude daran noch anhalten? Obgleich sie wohl den kräftigsten Körperbau von ihren Kameradinnen hat, hören wir sie am hellichten Tage schon manchmal klagen: „Ich bin so mübV Der lieber* gang zu den Schulpflichten des zweiten Jahrganges ist offenbar daran schuld, brachte er doch für die Siebenjährige den Schulanfang schon um 7 Uhr und an vier Wochentagen fünf Stunden Unterricht täglich; an den zwei übrigen zusammen sechs Stunden. Wenn man sieht, wie das Kind morgens oft nur mit Gewalt wach zu bringen ist, obgleich es abends um 8 Uhr zu Bett kommt, kann man nicht anders, als den Schluß ziehen: es ist überlastet. Dabei bekommt es nicht viel Hausaufgabe und kann sich fast die ganze schulfreie Zeit im Garten tummeln. Meines Erachtens soll man ein siebenjähriges Kind noch nicht um V27 Uhr morgens aus dem Bette jagen. Dazu kommt, daß die Kameradinnen zum geringsten Teil schon so frühe zu Bett kommen unb über so viel Lust- unb Bettraum bei Nacht verfugen wie meine Kinder. Man hat bie Stunben bes Fortbilbungsunterrichts so früh gelegt, baß ben Jungen bie Augen noch nicht zuzu- sallen brauchen, aber man sollte auch bie kleinen ABC- Schützen von 7 Jahren noch nicht aus bem Bett jagen, wenn sie noch im festen Schlaf liegen. Was Hilst es, später für Gesunbheit besorgt sein, wenn beten Gefährbung schon im zartesten Alter anfängt. In einem mebizinischen Buch finbe ich, baß man kleine Kinber schlafen laffen soll, so lange sie selber wollen, unb baß siebenjährige eines elfftünbigen Schlafes bebürfen unb „so lange ber Körper wächst, wirb genügenber Schlaf nur mit Schäbigung ber Gesamtentwicklung entbehrt/ Diese Schäbigung wirb schon in greifbare Nähe gerückt, wenn man sieht, baß ein zu stütz aus bem Bett geholtes Kinb durchaus abgeneigt ist, vor dem Schulegehen etwas zu effen. An Bildung ist nichts verloren, wenn man die Stundenzahl beschränkt — im Gegenteil: wenn drei bis vier Jahrgänge zusammensitzen,. lernen die Kleinen doch nur die Unaufmerksamkeit. So viel ich weiß, ist in den anderen deutschen Bundesstaaten die Anspannung der kleinen Würmer nicht so scharf. Sch. * — Im Anschluß an das 75jährige Jubiläum der Evang. Gesellschaft in Stuttgart wird die Sübwestdeutsche Konferenz für innere Mission am 19. unb 20. Juni bort ihre Jahresversammlung abhalten. Die Konferenz, bie sich in 6 Lanbesausschüffe (Baben, Elsaß-Loth- ringen, Frankfurt-Wiesbaben, Hessen, Pfalz, Württemberg) gliebert, ist eine freie Vereinigung ber auf biesem Gebiet arbeitenben Persönlichkeiten unb Vereine, bie ihre Erfahrungen austauschen, bie vorhanbenen Notstänbe erforschen unb Mittel unb Wege zur Abhilfe suchen wollen. Der erste Gegenstanb, ber auf ber TaqeSorbnung ber bevorstehenben Versammlung steht, ist „bas Zusammenwirken ber Pfarrer unb Gemeinbe- glieber in ber Vereins- unb Gemeinbearbeit/ Das Referat über biesen Gegenstanb ist anvertraut bem Profeffor Dr. Wurster in Friebberg. Das zweite Thema ist „ber Ausbau bes Verpflegungs- unb Herbergswesens". Als Referent über biese Frage ist Pastor Mörchen-Bielefelb, ber Vorsitzende bes beuischen HerbergSverbanbes unb Mitarbeiter BobelschwinghS, gewonnen worben. Die Ermordnug des Pfarrers Thöbes in Heldenbergcn vor dem Schwurgericht. (Unberechtigter Nachdr. verboten.) H. F. Gießen, 7. Juni. Dritter Tav: der Verhandlung. Ein Brief an den Verteidiger. Nach Wiederaufnahme der Verhandlung befiehlt der Vorsitzende, den Metzgermeifler August Reis (Ems) als Zeugen aufzurufen. — Verteidiger N.-A. Dr. Jung: Vor Vernehmung des Zeugen muß ich mitteilen, daß mir soeben ein Brief ei'neZ Josef Schreiber, aus Frankfurt a. M., Sendling erstraße 35, zugegangen ist. Ich beantrage, den Brief zn verlesen. Der Brief, der sofort zur Verlesung gelangt, lautet: Herrn Rechtsanwalt Dr. Jung, Gießen. Ich habe gestern in Sachsenhausen gehört, wie ein Mädchen zu einem jungen Mann auf der Straße sagte: „Ich werde Dich jetzt anzeigen, Du hast den Pfarrer ermordet. Ich werde dafür sorgen, daß Hudde Deinetwegen nicht auss Schaf- fott kommt." Der junge Mann lief zunächst^ erschrocken fort, kam aber bald wieder und schlug auf das Mädchen ein. # Ein Schutzmann war nicht zur Stelle." Auf Antrag des Verteidigers wird beschlossen, den Josef Schreiber telegraphisch als Zeugen zu laden. Ein nicht aufzufindender Zeuge. Auf Antrag des Oberstaatsanwalts wird danach die protokollarische Aussage des 17 jährigen Handlungsgehilfen R e cf e r t verlesen, da dessen Aufenthalt nicht zu ermitteln sei. Dieser hat bekundet: Ende Dezember 1904 sei er dem Hudde auf der Landsttaße begegnet. Letzterer habe sich „O t t o H ü d d e m a n n" genannt. Er habe ihm erzählt, daß er mit einem Otto Walter, der inzwischen verhaftet sei und einem Jakob Fricke in katholische Pfarrhäuser Einbruchsdiebstähle unternommen habe. Von einem Morde und auch von einem Willi) habe ihm Hudde nichts erzählt. Er habe ihm nur gesagt: ,W enn ^der P farrer, bei dem er eingebrochen sei, sich gerührt hätte, würde' er ihm sofort den Hals ab geschnitten haben. (Beq wegung im ZuschaucvraumO Die früheren Meister de8 Hudde als Lenmnndszeugeu. ES werden danach die kommiffariscken Aussagen der früheren Meister des Hudde verlesen. Danack ist.Hudde ei'nigemale wegen llnredlichkeiten und auck toteren nächtlichen NmhertreibenS entlassen worden. Ein Meister schildert Hudde als einen lehr soliden! Menfcken. Fast alle Meister haben übereinstimmend bekundet, daß sie bei Hudde keine Gemütsroheit wahrgenommen haben. —, .Hierauf erscheint als Zeuge Metzgermeister Kahn (Kalk bei Köln): Hudde habe bei ibm Kundengelder unterschlagen, er habe ihn deshalb verhaften lassen. Hudde war verlogen und sehr eitel. Sobald er (Zeuge", durchs Zimmer ging, habe Hudde am Spiegel aestandeu und sich mit Wohlgefallen betrachtet. (Heiterkeit tm Zuhörerraum.) — Metzgermeister Reis (Bad Ems) bekundet: Hudde sei zwei Monate bei ibm in Stellung und sehr fleißig gewesen, er habe ihm aber 5 Mar/ unterschlagen, deshalb habe er ihn entlassen. — Metzgermeister Wolff II. (Bad-Nauheim): Hudde sei sehr streitsüchtig gewesen. Er sei schließlich einmal auf die anderen Gesellen mit dem Messer losgegangen, deshalb habe er ihn entlassen. Die Persönlichkeit de8 Josef Schreiber. Oberstaatsanwalt The ob ald: Ich will noch mitteilen, daß ick mir die Akten vom Amts-Gerickt Laaback werde kommen lassen, um die Persönlichkeit deS Josef Sckreiber festzustellen. Wie mir msigeteilt wird, ist Schreiber Zuhälter, der vom Schoffen- genckt zu Laubacb wegen Beleidigung mit einem Jahr Ge- f ä u g n i § bestraft worden ist. — Es tritt danach die Mittagspause ein. Obwohl noch immer em furchtbarer Regen herniederrieselt, ist der Andrang des Publikums zu der Nachmittagssitzung noch bedeutend stärker als am Vormittag. Ein neuer Zeuge. Nach: Wiedereröffnung der Sitzung wird der telegraphisch geladene Metzgergeselle Heinrich Maaß (.Heldenbergen) als Zeuge oufgemfen: Er sei zwei Tage nach her Ermordung des Pfarrers Thöbes, also am 14. November 1904 bei dem Metzgermeister Seyftied in Heldenbergen eingetreten. Der frühere Geselle sei am 7. November ausgetreten Auf Befragen des Verteidigers R.-A. Dr. Inna bemerkt der Zeuge: In der Mordnacht habe er bereits bei Sevfned aus'geholfen. Bestrafung des Hudde wegen vorsätzlicher Körperverletzung. Auf Antrag des Oberstaatsanwalts wird hierauf ein Urteil des Schösfengerickts zu M^ev verlesen. Danach wurde Hudde am 29. Avril 1904 vom Schöffengericht zu Alzey wegen vorsätzlicher Körpetverletzung mittels eines gefährlichen Werkzeicgs zn drei Monaten Gefängnis verurteilt. Das Urteil hat Rechtskraft erlangt. Mit Rücksicht auf die große Brutalität mit der der Angeklagte gehandelt, wurden demselben die Zubilligung mildernder Umstände versagt. Josef Schreiber. Der Vorsitzende teilt danach mit, daß der heute vormittag erwähnte Josef Schreiber unter der angegebenen Adresse nicht aufzufinden sei. — Auf Antrag deS Verteidigers, R.-A. Dr. Jung, soll nochmals der Versuch gemacht werden, Josef Schreiber zu ermitteln. Leichenbefund. Es werden danach die Sachverständigen bewnritttW. Kpeis-Assistenzarzt Dr. Bötticher (Gießens: Er habe in' Gemeinschaft mit dem Sanitätsrat Dr. Becker den Leichnam untersucht, alS er noch im Bett lag. Die Leichie lag guer über dem Bett, die Hände und Beine hingen herunter. Das Bett war in ziemllchier Unordnung'. Die Leiche war nur mit einem Hemd bekleidet, die AerNiel deS Hemdes waren derartig zngeschnitten, daß der Ermordete nur geringen Widerstand leisten konnte. Die Bettdecke wieS viele Blutflecken auf. Der Täter habe wahrscheinlich mit blutigen Händen die Bettdecke cm gegriffen. Unterhalb des BetteS in der Gegend deS Kopfendes lag eine große Blutlache, aus dem Bettvorleger ein großer Blittklumpen. Letzterer sei augenscheinlich durch Herabstreifen des Blutes /om Messer auf den Bettvorleger gekommen. ES fanden sich auperdem Blutspritzer am Hals, der Brust, den beiden Mundwinkeln des Ermordeten: endlich fanden sich Blutspuren am Waschtisch. Der Ermordete habe 9 Stichwunden gehabt. Der erste Stich habe den Hals getroffen und den Kehlkopf durchschnitten. Fünf Stiche gingen in die Brust, zwei trafen die Lunge, einer den rechten Lungenlavven und einer das Herz. Auch die Rippen^ waren zum Teil durchstochen. Der Tod sei durch Verblutung eingetreten. An den Knieen und an den Händen befanden sich! Kratzwunden. Die Stiche müssen dem Ermordeten von einem starken Menschen mit großer Gewalt beigebracht worden sein. Augenscheinlich sei der Pfarrer, der trotz seines' Mers ein vollständig gesunder, sehr muskulöser Mann war, durch Geräusch aufgewacht: er habe sich erhoben und den Versuch gemacht, ans dem Bett zu springen. Der Täter, der offenbar darauf vm^reitek war, habe sofort den Ermordeten mit Gewalt zurückgedrückt und mit dem in der Schlafstube Vorgefundenen großen Messer heftig in den §bals gestochen. Dieser Stich war aber nicht tödlich, der Pfarrer konnte noch schreien und hat ja auch, wie eine 3eirgtn bekundet hat, geschrieen und sick auch migenscheinnch gewehrt. Der Mörder hat darauf seinem Opfer den Meiten Stich in den Kovf versetzt; dieser Stich war aber ein vollständiger FE'Z^b- Erst die weiteren Stiche in die Lung'e, das Herz usiv. führten zum Tode. Gegen die Annahme, daß der Pfarrer im Schlafe getötet word^en sei, spreche bie ganze Lage ber Leiche, die Unordnung des Bettes und ber Umstanb, daß das Hemd des Pfarrers bis zum B-auchttabel aufgerollt war. Bert. R.-A. Dr. Jung: Herr Sachverständiger, Sie sagten: Der Mörder war offenbar auf das' Aufwachen des Ermordeten vorbereitet; es ist daS doch! nur Ihre Vermutung? — Sachv.: Jawohl. War der Ermordete schwerhörig? Bors.: Haben Sie festgestellt, ob der Ermordete schwerhörig war? — Sachv.: Nein. — Haushälterin Katharinck Sulzba ch bekundet aus Befragen des Vorsitzenden: In der Letzten Zeit horte ber Pfarrer zeitweise nicht gut, er war aber im eigentlichen Sinne des Wortes nicht schwerhörig. — SanitätSrat Dr. V?cker (FrA- berg) schließt sich vollinhaltlich dem Gutachten des Dr. Bötticher an. Er sei auch der Meinung, daß ein heftiger Kamps statt- gefunben habe und daß der Tod durch Verblutung ein getreten sei. — Gerichtschemiker Dr. Popp (Frankfurt a. M.) h^i die Fußspuren im Garten und bttf 'Vorgefundenen Finaerawrutte gemessen und photogravhierr. Die Metzger haben die.A^obnheit, das Blut von bem Messer, zumeist in ganz mechanischer Weise, mit den Fingern abzustreichen. DaS Blut auf dem Bettvorleger muß von dem Messer abgestrichen worden sein, als das Blut noch nicht geronnen, sondern erst zN gerinnen begonnen habe. Ein tiorgefnnbener Fingerariss auf der Leiche könne nach der ganzen Äichlage nicht von bem Opfer, sondern müsse von einer zweiten Person herrühren. Auf dem Nachttisch stand die Lampenglocke, auf dieser befanden sich zahlreiche Blutspntzer und zwar auch an der Innenseite. Die Spritzer an der Innenseite können nicht gleichzeitig mit den Außenspritzern entstanden sein Die ^inen- spritzer lassen sich am ehesten daraus elfteren, daß der Mörder durch ein Geräusch gestört, einen Augenblicr von seinem Opfer abließ, lauschte, alsdann die Lampe anzündete und seinem Opfer der Sicherheit halber noch einige Stiche versetzte. Er komme mm bezüglich der von ihm gemachten Wahrnehmungen zu den Beziehungen des Angeklagten Hudde. Er erkläre, datz er sich der Tragweite seiner Verantwortlichkeit voll b'wußt sei. Er habe aucb in Erwägung gezogen, ob nickt nach eine zweite Person in Betracht kommen könnte. Die Fußspuren, bie er gemessen und in Gips gegossen habe, stimmen genau mit der ver- Kursbericht Frankfurt s. M.» 7. Juni. Offizielle Schlusskurse. . 67.60 456 Oesterr. Goldrente . 476 56 Oesterr. Silberrente . 101.30 Tendenz: behauptet. M dem Von sind . 264.20 . 241.50 . 212 90 . 100,50 456 4o/o 456 3°/ 156 Ungar. Goldronte Italien. Rente . Portugieser I . Portugiesen. III Unif. Türken B% Mexikaner 4,/2% Chinesen . Electric. Sohuckert Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . Diskonto-Komm andi Darmstädter Bank Dresdener Bank . Berliner Handelsges Oesterr. Staatsbahn Lombarden . . Gotthardbahn . . Laurahütte . • Bochum . . . Harpener . . . Staatschatzscheine 99.60 67.05 67.40 88.50 136.40 55.— 45.90 3Ve% 3«/o 3V,% 8% 57 37256 101.45 90.35 101.35 90.25 100.05 99.- 102.10 Reichnanleihe do. Konsole . do. . . Hessen . Oberhessen • Das zweiundzwanziczste Kind wurde Steinbruchsarbeiter Krikonski in Gommern geboren, den zweiundzwanzig Kindern, die das Ehepaar besitzt, vierzehn gestorben. * Ein ärztlicher Wohltäter. Der in Tilsit . 96.50 . 135.50 . 123.50 . 208.30 . 187.50 . 140.80 . 154 40 . 168 30 . 142.70 . 18.70 Pfeiffer&Dillers Kaffee-Essenz m V esen Handel und Verkehr. Nolkswirlschast. NeneBrauerei-Fnsionen inSicht. Air der Frankfurter Börse waren Gerüchte in Umlauf, laut welchen die Brauerer- qesellschaft norm. Heinrich Henninger u. Söhne in Frankfurt a. M. Verhandlungen wegen einer Angliederung eingelertet habe. Von der einen Seite wurde nach dieser Richtung bte Brauerei Kempfs, von der anderen die Röderberg-Brauer ei, genannt. Ob die Gerüchte den Tatsachen entsprechen, war für$ erste nicht zu erfahren. Russische Rentenwerte. Die Bewegung der piffti scheu. Renten hat sich wieder etwas gebessert. Nach der Niederlage der Flotte haben die interessierten Banken drei.Mühe gehabt, um das an den Markt kommende Material nur einigermaßen zu halten. Jetzt hat die Baisseströmung schon wieder soweit nachgelassen, daß größere Aufnahmen nicht mehr notwendig sind. Die russische Staatsanleihe von 1905 notiert wieder 94,20. Jedenfalls stehen derartige Kurse in keinem Verhältnis zu den durchgemachten Katastrophen. Märkte. (l.) Friedberg, 7. Juni. Airs dem heutigen Vieh» markt waren 768 Schweine aufgetrieben, davon 560 Ferkel und 208 Läufer. Die Preise waren verhältnismäßig noch höher, als am vorigen Markt. 1. Qual. Ferkel kosteten 58—64 Mk., 2. Qual. 45—50 Mk. und 3. Qual 30—38 Mk. pro Paar. 1. Qual. Läufer 70—78 Mk., 2. Qual. 86—100 Mk. und darüber. Die Kauflust war sehr stark, und es waren Käufer von weither erschienen. ■ Türkenloso . . . . . 456 Grieoh. Monopol.-Anl. 471% äussere Argentiner MngesaM. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artik^ übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gießen, den 7. Juni. Sehr geehrter Herr Redakteur! In dem gestrigen 'Blatte Ihrer geschätzten Zeitung führen Sie diejenigen Erwerbszweige an, die den 8 U h r°L a d e n s ch l u ß eingeiührt haben, was ich im Interesse der Käufer und der betr. Geschäftsinhaber nur begrüßen kann. Aber wie sieht es in Wirklichkeit mit dem festgesetzten „8 Uhr-Ladenschluß" aus? — Viele, ja die meisten Geschäftsinhaber, sorgen dafür, da es nun einmal sein soll und muß, daß auch pünktlich geschlossen wird, ja, sie be- trachten dies als Ehrensache. Andere wenige aber wißen nie, wann es 8 Uhr geschlagen hat, ziehen ihren Ladenschluß recht lange, oit bis 8V4 auch 87, Uhr hinaus und laßen die Käuferauch nach 8 Uhr eintreten und bedienen. Diese Firmen wißen anscheinend nicht, daß sie durch ihre unrechte Handlungsweise die anderen Geschäfte schädigen und sich selbst strafbar machen. Viele Geschäftsinhaber haben schon öfters in Unterredungen über diese Angelegenheit ihrem Unwillen Ausdruck verlieben und wären Ihnen dankbar, wenn Sie in Ihrem geschätzten Blatte auf diesen „8 Uhr-Ladenschluß" Hinweisen wollten. Größe uni> Breite der Huddeschen Füße überein; jedenfalls sei ketnerlei Anhalt vorhanden, daß noch eine andere Person tm Garten gewesen sei. Aus dem Fingerabdruck auf dem Hemd des Ermordeten habe er festgestellt, daß die Länge und Breite genau mit den Fingern der linken Hand des Hudde über etn stamm en. Andere Fchgerabdrücke stimmen mit den Fingepn der rechten Hand des Hudde genau überein. Der Sachverständige erläutert diese Feststellungen an der Hand der Photographien. Es fet sehr auffallend gewesen, so etwa fährt ,Dr. Popp fort, daß das eine Glied des gemessenen Fingers außergewöhnlich kurz- sei. Er habe nun festgestellt, daß die Hand Huddes an dieser Stelle eine Verkrüppelung aufweise. Der Vorsitzende befiehlt, Hudde vor die Gcschworeneubank zu führen. Dr. Popp ^eigt darauf den Geschworenen die Verkrüppelung des Fingers. Die Abdrücke stimmen also nicht bloß mit der Handfläche, sondern auch mit der Größe und Breite der Finger genau überein. Der Sachverständige erläutert den Geschworenen hie anderen Fingerabdrücke, die in geradezu verblüffender Meise mit der Breite und Länge der Finger des Hudde überelnstimmen. Die Blntspuren an den Kleidern des Hudde. Der Sachverständige bemerkt im weiteren Verlauf: An einem bereits stark abgetragenen wollenen „Jägerkstmd^ des Hudde habe er verschiedene Blutkörperchen vorgefunden. Da Hudde Metzger sei. habe er untersucht, ob das vorgesintdene Blut Menschen- oder Tierblut- sei. Nach genauer Untersuchung habe er fest- Vestellt, daß -eis Menlchenblut sei. Ferner habe er auf Huddes Kra gen s ch0ner einen Blutfleck gefunden. Dr. Dopv schließt: Es stimmen also die Fingerabdrücke auf dem Messer, mit dem der Mord vollfübrt worden, auf dem Lampenschirm, auf dem Hemd des Ermordeten usw. vollständig mit den Fingern des Hudde überein. Es stimmen die gemessenen Fußspuren mit denen Huddes überein. Außerdem steht es fest, daß an den Kleidern des Hudde Mensch-enblut enthalten war. Ich will keine Behauptung mit Sicherheit ausstellen, sondern es den Herren Geschworenen anheimstellen, wie weit sie die Täterschaft des Hudde für wahrscheinlich halten. Nach noch längeren Au sein anderst üungen zwischen dem Sachverständigen und dem Verteidiger, N.-A. Dr. Jung, wird die Verhandlung auf Donnerstag vormittags 9 Uhr vertagt.. Morgen finden die Schlußvorträge statt; das Urteil ist tn später Nachmittagennde zu erwarten. (Fortsetzung im Zweiten Blatt.) portiert. • Fünf Personen im Rhein ertrunken. Am letzten Sonntag hat der Rhein fünf Opfer gefordert. Ein auf dem Nheindampfer „Neptun" bediensteter Kellner fiel in der Nähe des Kaiserdenkmals bei Koblenz in diesen Strom. Bei Weißenturm ertrank beim Baden ein 21jähriger Schreinergeselle, desgleichen in Niederlahnstein ein zwölfjähriger Knabe, während bei St. Goar ein Schiffer, unterhalb Remagen das Kind eines Schiffers vor den klugen der Eltern den Tod in den Fluten fanden. Von den fünf Leichen ist bisher keine geborgen. * Ein Unwetter hat Schlesien, besonders das Riesengebirge und die Kreise Bunzlau, Lieqnitz, Löwenberg und Grünberg heimgesucht. Mehrere Personen wurden vom Blitz getötet und zahlreiche Gebäude eingcäschert. Bei Grünberg wurde der Hauptbahn eine Unterführung weggespült. Durch die Umsicht eines Bahnwärters wurde aber großes Unglück verhütet: 20 Meter von der weggerissenen Brücke wurde der Schnellzug zum Halten gebracht. Für den Bahnwärter sammelte man rin dem Zuge eine namhafte Summe. Auf der Nebenbahn Christianstadt-Grünberg ist an drei Stellen der Bahnkörper kilometerlang 'fortgerissen und unterspült worden. Der Personenverkehr auf der Haupt- und Nebenbahn wird durch Umsteigen aufrecht erhalten, der Güterverkehr wird über Glogau geleitet. storbene Sanitätsrat Dr. Goburrek hat ein Vermögen von 1100 000 Mk. zu einer Reihe hochherziger Stiftungen bestimmt: für notleidende Arztwaisen widmete er 200 000 Mk. ebenso viel für die Versicherungskaffe der Aerzte Deutschlands, 100 000 Mk. für die ärztliche Unterstützungskaffe Ostpreußens, 250 000 Mk. zur Gewährung zinsfreier Darlehen an Medizin studierende Frauen, 200 000 Mk. zur Durchführung von Wohlfahrtszwecken in der Stadt Tilsit und 150 000 Mk. zur Errichtung eines öffentlichen Volksbrause- und Warmbades. * Tragisch verlaufenes Offizierduell in Italien. Der 28jährige Kavallerie-Leutnant Florestan Mattei von Capua hatte vor einigen Monaten in Rom die neunzehnjährige Elena Camerani, Tochter eines Artillerie- Obersten, kennen gelernt und im März d. I. geheiratet. Zu den Offizieren, die in Capua im Hause Mattei's verkehrten, gehörte der Unterleutnant Alessandro Ettorre. Mattei und seine Gattin schienen sehr gut mit einander zu leben, bis vor etwa vierzehn Tagen eine von einer Frau geschriebene und an den Offizier gerichtete Postkarte pöbelhaften Inhalts in die Hände der jungen Ehefrau gelangte. Frau Mattei machte ihrem Gatten eine Eifersuchtsszene und drohte ihm, sich nach dem Gesetze der Wiedervergeltung rächen zu wollen: der Unterleutnant Ettorre, der ihr mit rührender Ausdauer den Hof machte, un8 sie schon einmal habe vergewaltigen wollen, werde gern die Rolle des begünstigten Liebhabers übernehmen. Ettorre, zur Rede gestellt, leugnete alles, aber da Mattci's Gattin ihre Behauptungen wiederholte und der Skandal immer größer wurde, leitete der Schwadronskommandeur, Rittmeister Felippa, eine Untersuchung ein. Mattei und Ettorre wurden in Gegenwart anderer Offiziere einander gegenübergestellt, und Ettorre wurde so in die Enge getrieben, daß er schließlich Alles zugab und dem Rittmeister ein Bild, eine Haarlocke und mehrere Briefe der Frau Mattei aushändigte; er sei aber, so fügte er hinzu, nicht der Verführer, sondern der Verführte gewesen, da die Frau sich ihm geradezu angeboten habe. Es wurde darauf ein Pistolenduell vereinbart. Der Zweikampf sand statt und verlief nach zehnmaligem Kugelwechsel resultatlos. Da Mattei erklärte, daß er mit dem Ausgange des Duells nicht zufrieden sei, wurde der Zweikampf zwei Tage später fortgesetzt, und zwar zuerst wieder auf Pistolen. Nach dreimaligem Kugelwechsel aber legte man die Pistolen fort und vereinbarte ein Säbelduell mit Hieb und Stich. Beim ersten Ausfall schon griff Mattei so ungestüm an, daß er in die zur Abwehr ausgestreckte Klinge seines Gegners, der als ausgezeichneter Fechter bekannt ist, hineinrannte und von ihr durchbohrt wurde. Man brachte den Schwerverwundeten rasch in das Militärhospital, wo er wenige Minuten nach der Einlieferung verschied, nachdem er dem Schänder seiner Ehre und der untreuen Gattin verziehen hatte. * Ins Stammbuch. Eine Leserin schreibt der „Tägl. Rundschau": In einer Gemeindeschulklasse entdecke ich eben Folgendes, das die kleine Anna ihrer Freundin Erna ins „Poesieatbum" geliefert hat: „Das Lämpchen, das brennt Trübe, Es vehtt sie an das Fett; Den Jüngling, den ich Liebe, Der liegt schon lang ins Bett. Das wünscht Dir Deine treue Freundin Anna. Aus Stadt und Land. Gießen, 8. Juni 1905. •• Personalien. Uebertragen wurde am 31. Mai d. I. dem Schullehrer Natale zu Ober-Hilbersheim, im Kreise Oppenheim, eine Lehrerstelle an der Gemeindeschule zu Gundheim, im Kreise Worms. ** S. K. H. der Großherzog Ernst Ludwig empfing, wie uns aus Berlin vom 5. d. Mts. geschrieben wird, in Anwesenheit der Großherzogin Eleonore im königl. Schloß zu Berlin den Gesamtvorstand des Kriegervereins ehe mal. Kameraden der Großh. Hess. 2 5. Division zu Berlin, bestehend aus Dr. Schaefer 1. Bors., W. Weiß 2.. Bors., E. Fischbach 1. Schriftf., K. Kuhn 2. Schriftf., K. Gebler Rendant, K. Krüger Kaffierer, Leutn. v. Carnap, Leutn. Schmidt, Dr. Binnecker, Beisitzer. Dr. Schaefer sprach im Namen des Vereins Sr. Königl. Hoheit den Dank aus für die Uebernahme des Protektorats, den der Großherzog huldvollst entgegennahm. — Die I. Kammer. Heute wird aus Darmstadt gemeldet, daß die L Kammer am 21. Juni zusammentreten wird. *• Der Hessisch-Nassauische (Main-Rheingau-) V erband Gabelsbergerscher Stenographen, zu dem auch das Großherzogtum Hessen und Frankfurt gehört, hält am 16. Juli in Marburg seinen diesjährigen Verbandstag ab. •* Brieftaubenklub Gießen. Das Preisfliegen am vergangenen Sonntag fand, zwischen hier und Wittenberg, in einer Entfernung von 310 Kilometer Luftlinie statt. ** Hessische Handwerkskammer. Die am 5. l. Mts, stattgehabte IX. Plenarversammlung nahm nach eingehender Beratung der Frage des Befähigungsnachweises einstimmig die folgende Resolution an: Die Hess. Handwerkskammer hält fest an der Forderung der Einführung des Befähigunqsnachwetses für bi e Baugewerbe, sowie an der Ausgestaltung des Meistertitels. 1. Ausbildung der Lehrlinge soll nur denjenigen gestattet sein, welche berechtigt sind, den Meistertitel zu führen. 2. Den Gleichwert der Leistungsfähigkeit vorausgesetzt, sollen bei öffentlichen Arbeitsvergebungen und Lieferungen, sowie bei der Aufforderung zu Arbeitsleistungen und Lieferungen diejenigen den Vorzug erhalten, welche berechtigt sind, den Meistertitel zu führen. 3. Zu gerichtlichen und sonstigen Sachverständigen sind in Angelegenheiten des selbständigen Handwerks nur solche Personen zu be- stellen, welche zur Führung des Meistertitels berechtigt sind. Das Gleiche gilt für Mitglieder von Vorständen und Kuratorien staatlicher und städtischer gewerblicher Schulen. le. Mainz, 7. Juni. Weil die Angehörigen gegen tine eheliche Verbindung waren, nahmen sich hier der 17 Jahre alte Kommis Heinrich Dauth und die 25jährige Lina Hupp aus Offenbach, die zusammen dort in einem Portefeuillegeschäft tätig waren, das Leben. Frankfurt a. M., 7. Juni. Wenn im Augenblicke in Deutschland auch keine besondere große Aktion in der Wohnungsfrage im Gange ist, so sind die auf diesem Felde tätigen Kräfte doch nicht müßig. U. a. hat vor kurzem eine besondere Kommiffionssitzung des Deutschen Vereins für Wohnungsreform (Verein Reichs-Wohnungsgesetz) stattgefunden, in der über die Reform des ländlichenBau- ordnungswesens beraten wurde. Die Angelegenheit wird voraussichtlich von dem genannten Verein durch Eingaben an sämtliche Landesregierungen Deutschlands gebracht werden. Bezüglich der von den neuen preußischen Kanälen zu durchschneidenden Landstriche besteht der Plan eines gemeinsamen Vorgehens der für Betreibung einer sozialen Boden- und Ansiedlungspolitik bei dieser Gelegenheit sich interessierenden Gruppen. Endlich hat der schon eben genannte Deutsche Verein für Wohnungsreform vor kurzem eine Eingabe um stärkere Heranziehung der Fonds der Jnvaliditäts- und Altersversicherung zur Unterstützung der Erbauung von Klem- wohnungen an das Reichsamt des Innern, das Reichs- Versicherungsamt und die Landesversicherungsanstalten gerichtet und gedenkt, diese Angelegenheit andauernd weiter zu verfolgen. * Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbar st aaten. Der Schmied Sch 0 m der m E tt\ n gs° hausen machte sich an der Bohrmaschine zu schassen^ Er geriet mit der linken Hand in die Maschine, die ihm zwei Finger zer- auetschte. — Der Schaden, beit ber Fuld a e r D 0 m bra n d verursacht hat, st von Sachverstänbigen aus 30 000 Mk. geschätzt worben. die älteste und allein echte Originalmarke mit dem .Kaffeeonkel,“ ist und bleibt der beste Kaffeezusatz. — Kein Cichorienpräparat , x kann jemals diese Essenz ersetzen. Vermischte*. * Eine Verhaftun g im Wiesbadener Kurgarten rief dort großes Aufsehen hervor. Es handelt sich um einen aus Schweden stammenden, älteren und sehr reichen Herrn, der sich erst vor einigen Tagen in einem Fremdcn- pensionat Wiesbadens einlogiert hatte; seine Festnahme er- olgtze auf Requisition der Hamburger Staatsanwaltschaft, er oll sich eines Verbrechens im Sinne des § 175 R.Str.G.B. chuldig gemacht haben. In seinem Besitz fand sich in barem Gelde imd Wertpapieren ein Bestand von nahezu 400 000 Mk. vor. Der Verhaftete wurde alsbald nach Hamburg trans- * kleine Tages chronik. In Mannheim setzten frevelhafter Weise zwo: Matrosen namens Gerber und Winkler ihr Leben aufs Sviel. In angeheitertem Zustande wetteten sie um einen Liter Bier, über den Neckar zu schwimmen. Während Gerber glücklich Hinüberkanu verließen den Winkler die Kräfte und er ertrank Er war verheiratet und Vater von vjar Klnd-'ni. — In der Brennerei zu Gr o ß-M archwi & ber Nams,an (Schlesiens entstand eine Feuersbrunst. Die Mutter eines Arb«>r- ters und dessen achtjähriger Sohn kamen dabei tu den Flammen um. — In der Nacht entgleiste rn der Nabe der Station Balabanow aus der Strecke Moskau-Klew-Wi^o- uesch ein gemischter Zug, wober ziwcr 'Personen getötet und neun verletzt wurden. AniversitäLs-Ma-Srichten. Marburg, 7. Jun;. In der philosophischen Fakultät bet hiesigen Universität habilitiert sich Privatdozent Dr. phil Hans Koppe aus Gießen mit einer Antrittsvorlesung über „den kollektiven Arbeitsvertrag als Gegenstand der Gesetzgebung^. Die Habilitation sindet am Freitag statt. — Der Professor der romanischen Philologie an der Wiener Universität, Mussafia, ist am 7. dss. Mts. in Florenz gestorben. Lunk und Wissenschaft. — Berliner Blatter melden, daß sich die Regierung ange^ legentlich mit der Errichtung eines Menzel museums in Berlin beschäftige und daß voraussichtlich schon dem nächsten Landtage eine Vorlage für das bereits ausgearbettete Projekt in der ungefähren Höhe von einer Million Mark zugehen wird. Es oll keiii eigener Ban für das Museum errichtet werden; man denk; vielmehr an eine Angliederung an die Nationalgalerie. Das wird richtig sein. Es hat vor einiger Zeit in dieser Angelegenheit bereits eine geheime und streng vertraulich behandelte Sitzung der Budgetkommission des Abgeordnetenhauses tattgeflmden, in der sich die Regierung wahrscheinlich der Zustimmung der Mehrheit des Hauses vergewissert hat. Bremerhaven, 7. Juni. Ueber den Bau e i n e b Theaters und einer Fe st halle sprach gestern abend im Einwohner verein Architekt Atters nnd legte gleichzeitig eine Skizze vor. Nach dieser sott der Volksgarten, der in zentraler Lage in den drei Unterweser-Orlen sich befinbet, durch Um-, bezw. Erweiterungsbau ein Theater wieder erhalten, das für 950 bis 1000 Personen Raum bietet. Der Einwohnerverein nahm eine Resolution an, in der der Stadtrat um eine Prüfung des Projektes gebeten wird. Paris, 7. Juni. Die Mitglieder der Süd polar-Expedition Charcot kamen beute hier an und wurden auf dem Bahnhofe von dem Marineminister Thomson imb Delegierten der Geographischen Gesellschaft empfangen. Thomson hob in feiner Ansprache die reichen wissenschaftlichen Resullate der Expedition hervor und überreichte dem Leiter derselben im Namen der Regierung das Kreliz der Ehrenlegion^ , Waschkleider in Mousseline, Voile, Kattun und baumwoll. Mousseline von LZ bis 48 Mk. Carl IVowack, Spesialhaus für Damenmoden. -v. Bilz alkoholfreie Getränke »urben im Jahre 1904 in einet Quantität von ca. 25 Millionen Liter verkauft. ». Bilm-Brause wurden im Sommer 1904 täglich über 60000 Flaschen in Berlin verkauft, ss8/6 laut notarieller Bestätigung des Notar Fränkl in Berlin. Gutachten von ersten Autoritäten. Fabrikation unter ständiger Kontrolle von H. E. Bilz, Sanatorium I. Ranges, Radebeul-Dresden. Den Alleinverkauf an solvente Firma für Gießen und Umgebung haben zu vergeben und erbitten Anfragen Schuler & Däuble, Karlsruhe-Rüppurr General vertrieb von Bilz alkoholfreien Getränken für Süddeutsch land. --------- Bekanntmachung. Das 1. Ziel Gemeindesteuer ist innerhalb 8 Tagen bei Vermeidung des BeitreibungSversahrens zur hiesigen Stadt- kafse zu bezahlen. B7/6 Gießen, den 7. Juni 1905. Der Stadtrechner: Doepfer. Zur Saison empfehle moderne Schuhwaren in schwäre und farbig Als unstreitig bequemstes Sohuhwerk offeriere den von Prof. Dr. Lahmann empfohlenen porösen Reformstiefel Alleinverkauf fttr Giessen und Umgegend Wilh. Herbert Marktplatz 2 2893 LtkWWhen-WWiist Csbelsberger, Sielen. Am Donnerstag, den 15. Juni d. Js., abends gl/d Uhr eröffnen wir in unserem Unterrichtslokal (Frankfurterhof — 1. Stock —) einen Aufängerkursus in der Gabeisberger’schen Stenographie. DaS Honorar beträgt 6 Mk. v®/0 Anmeldungen werden bei Beginn des Kursus entgegengenommen. Der Vorstand. Schirme 105 in großer Auswahl von den billigsten bis zu den feinsten. Ueberziehen und Reparaturen schnell und billig in eigener WerkstLtte. Heinrich Sack, 19 MMrsße 19. w e M 71 die Perle Lindenfels Hotel OdenweiSd A.BVogel. Erstes a. grösstes Hotel am Platze. Elektr. Licht. Tel. No. 9. Volle Pension Mk. 4.—. Schone Säle fttr grOes. Gesellschaften. Angenehmst. Absteige-Quartier fnrTourist. VorztigL Verpflegung. Große Anzahl 2798 Muster- Sonnenschirme habe zu abnormen Preisen auSgesetzt. Weiße Spitzenschirme zu fast halben Preis. Rein Seid. EutouteaS in allen Farben (außer schwarz) von Mk. S.— an. Schirmfabrik Levi. Freibank. Heute von 4-8 Uhr, morgen von 8-11 Uhr: Ochsenfleisch E* Pfg. B e HammelNetlch 80 PfI. Kartoffeln magnum bonnm, prima Ware, empfiehlt billigst J. Wei**el, Sounenstratze 6. Telephon 235. 3040 K 83/04 Donnerstag den 29. Juni 1905, nachmittags 81/, Uhr, werden auf hiesigem Ortsgericht die Parzellen der Gemarkung Gießen B ”/6 10/149 — 8750 qm Acker am Steinborn aus den Leih- gesterner Weg, 12/16 — 4457 qm Acker im Rödern für die dem Karl Marx daran zustehenden "/^tel öffentlich meistbietend versteigert. Gießen, den 24. Mai 1905. Großh. OrtSgericht Gießen. ________GroS._________ K 6/05 Donnerstag den 29.J«ni 1905, nachmittags 8 Uhr, werden die vor dem Namen der August Wallenfels Witwe Erben stehendenParzellen derGemarkung Gießen B»/, 1/1200 ----- 272 qm Grabgarten hinter der Kirche, 1/1202 — 784 qm Hofratte daselbst, l/1203716 = 204 qm Grabgarten daselbst öffentlich meistbietend versteigert werden. Gießen, den 24. Mai 1905. Großh. OrtSgericht Gießen. ________GroS._________ Versteigerung. Freitag den 9. d. MtS, nachmittags 2 Uhr, werden im Pfandlokal Seltersweg 11 versteigert: 4 Wagen, Kommode, SoiaS, Schränke, Uhren, 1 Partie Bücher, Tische u. a. m. 2970 Gießen, den 2. Juni 1905. Johann, Gr. Pscrndmeifter. Bai Salzhausen! AngenehM WMgsWe. Gut bürgert. Allsechalt. Mäßige Preise. 3027 A. IKuppel Ww. Bahnhof Geiß-Nidda 10 Min. von Bad Salzhausen. Unheimlich sind alle Hautunreiuigkeiten u. HantauSschläge wie Miteffer, Finnen, Flechte«, Blütchen, HautrSte, Besichtspickel rc. Daher gebrauche man nur Radebeuler Teerschwefel-Deife mit echter Schutzm< ke:Steä>eipferb. 4 St. 50 Psg. bei: 1899 Adolf Bieler Viktoria-Drogerie, Marktftraße 5. Bekömmlichen Bowlen-Wein p. Fl. incl. 60 P!g., la. Tischweine weiß und rot, p. Fl. von 80 Pfg. an, W gorhruui p. Fl. 85 Pfg., 3080 Samos l griech. Wein), p. Fl. 85 Pfg. L Steinhäuser Neuen Baue 17. Stoss- M SoiKaht- Schaufenster- G Bonleanx in moderner Ausführung mit Schrift und Malerei liefert rasch und billigst 2637 Ernst Bloedner ________SelterSweg________ Prima Lpeistkartossel« (magnum bonum) 8001 Zakatlartosselll lMällSchen) Neue Sommer-Maltakartoffeln Italienische Kartoffeln empfiehlt zu den billigsten Preisen I. Hantel, Schloßgaffe 6. Weiss-u. Roiwein 7i Flasche von 55 Ff§. 2057] an ohne Glas empfehlen Gebrüder Adami 14 Mäusburg 14 J. M. Schulhof Telephon 119. Prompter Versandt nach ausr» -c, 8 8 *3 » rr rr tV ♦ *4 ? 8 J> 99 VI. Kesstsch-Würingische Staatswtteru -trhung L Klaffe. (2. Tag.) 7. Sunl 1905. Alle Anmmeru, neben welchen nichts bemerkt ist, stad mit 67 Mark ge zogen» 99 78 554 89 8L )9?8 3W 625 98 607 99 884 SLM 117 26 92 9 62043 4-7 83 126 59 63 86 M 22 343 78 88 909 22 72031 171 SM! 53 95 863 siM 650 722 811 $ )8 849 62 8302 oll 41 §7 AS 86 719 73 818 20 94 70040 58 246 304 473 85 50] 710Q2 30 68 72 1Y2 26 63 254 3E 450 744 75006 8 13 M4 295 9to 4 (Ohne Gewähr.) 7 14 78 77 83 191 235 87 [100] 845 695 755 835 65 951 1110 212 32 838 467 529 621 22 26 700 844 91 932 87 2014 236 72 373 419 27 57 58 61 596 640 70 778 857 66 3023 57 68 118 82 241 373 509 44 45 80 669 4021 22 47 110 69 344 492 588 632 737 820 52 [100] 64 5009 265 77 98 316 42 408 16 28 59 563 648 708 18 82 841 963 6002 116 92 98 259 75 349 82 674 756 862 7004 7 16 33 169 316 71 492 602 15 87 99 708 868 69 983 85 8018 41 76 126 59 76 440 54 672 720 27 830 9015 107 52 289 363 431 78 8tf 589 99 668 93 [200] 784 86 64 824 10122 56 200 12 15 34 425 88 627 77 759 73 886 [1000] 921 27 11129 352 54 437 69 87 511 56 684 748 [100] 810 21 81 938 86 44 54 55 98 12001 45 224 60 61 332 58 401 80 51 52 85 529 83 689 51 779 98 946 62 18126 46 59 61 98 254 85 329 414 21 58 505 18 64 680 96 808 97 964 65 14106 92 422 53 99 771 931 15113 51 67 80 96 226 42 889 492 566 70 78 81 83 610 770 842 904 71 16058 68 99 274 802 [100] 491 [25000] 655 873 75 89 91 929 17092 159 306 451 516 757 822 89 1 8028 1100] 201 6 38 76 88 599 617 46 817 57 75 986 19069 110 41 68 312 80 514 93 96 721 808 921 20208 23 79 593 701 62 815 84 981 2 1060 138 71 261 84 872 426 560 625 760 64 900 44 76 22078 186 270 [1001 78 827 94 438 652 730 846 901 23019 40 91 113 246 58 65 374 449 623 700 [1000 u. e. Pr. v. 75 000] 44 837 45 56 910 55 24126 27 44 209 12 60 340 41 48 68 74 406 518 29 71 92 626 51 75 719 822 49 55 72 904 25070 166 92 280 804 28 64 94 464 75 601 26 64 604 819 8L 26048 79 342 442 578 667 81 722 33 91 [4001 27037 68 140 84 86 417 533 46 630 34 767 815 946 48 28025 85 288 300 78 631 812 29 29068 139 64 240 60 66 848 64 427 45 561 659 89 94 828 42 961 73 30108 234 84 825 46 560 64 604 788 855 989 31035 66 96 107 12 50 77 406 620 94 683 84 98 710 49 85 921 22 32034 122 205 47 327 38 40 479 789 892 956 33191 228 66 381 88 545 54 672 86 794 866 942 61 34064 96 166 206 10 83 485 606 32 83 707 26 38 47 63 69 92 819 993 35177 206 12 83 66 57 59 304 79 438 47 98 723 56 88 803 36029 84 111 248 802 19 22 89 401 62 77 627 617 80 771 913 8 7093 141 85 94 281 87 344 426 29 527 616 820 918 32 62 79 3 8037 68 270 344 414 4J 92 564 616 58 59 719 21 826 39041 46 82 177 204 7 99 300 46 420 39 95 662 613 16 [200] 46 89 97 847 55 925 35 75 89 *0083 123 43 75 284 42 49 489 53 541 642 82 708 918 60 65 *104-, 82 186 226 59 70 71 88 99 300 69 549 687 90 754 63 977 89 [100] 42052 61 69 284 307 [100] 31 48 98 654 97 727 85 *3002 122 201 4 [400] 79, 372 444 550 77 661 88 761 884 954 **002 4 82 [100] 87 260 8o 30/ 19 21 65 99 410 [100] 614 19 96 782 35 71 829 73 986 , *3005 64 112 280 386 88 96 500 [100] 2 616 59 91 729 81 88 814 [10Q) 40 59 918 52 [100] 60 *6065 78 130 287 89 374 460 506 58 610 | 1001 15 [100] 83 836 46 58 957 88 *7149 69 822 66 74 421 569 95 [100] 936 55 *8006 125 232 360 70 408 14 538 641 737 864 912 *9135 202 37 60 78 404 5 27 557 725 70 75 84 842 91 96 923 50108 94 357 481 36 517 40 85 645 59 80 796 830 88 992 5106Ö; 242 Q5 94 97 442 73 [100] 82 517 [100] 30 47 600 96 733 52031 86 178 95 202 45 56 364 512 648 708 98 818 973 53108 32 58 60 76 247 307 4g? 5-3 36 603 18 735 73 839 93 983 54029 115 71 227 84 367 504 48 61087. 764 811 12 40 60 97b 86 , _ „ M 55118 78 206 90 99 318 39 48 56 683 98 615 23 26 54 715 25 27 [100] 31 828 56205 85 303 63 408 83 96 538 42 66 70 651 803 47 945 44 57098 U2 76 323 400 50 98 503 63 6Q6 26 47 79 K 829 58004 1[ 91 2S5 Ä 458 81 581 781 59199 293 404 10 532 39 [tOOf 95 628 33 < 82 67 90114 34 60 P 68 319 83 56 M 4AZ> f 91004 11 o5 Z08 836 55 536 41 684 MO 9W» 791 829 99u0f9 Nv M) 311 98 4N 33 86 &31 6E 42 48154W16®, 9*121 CTOÖ] 39 46 S9Ä 8 74 95140 399 364 89 460 71 640 •« 85 617'48H 317 74 419 013 799 80 850 956 HN »714473 20 ®8 48 702 15 73 «17 20 47 63 905 37 »S0»810 89 808 49 76 990N5 62 98 172 95 262 307 oÖ3 ( 017 21 35 62 wachste Ziehung- 4. Zull 1905.