Z)ie öeutige Dummer umfaßt 8 Keilen. Nikestr.) | Loden* ÄCapes in * grösster Auswahl Menend* stets vorrätig. :n bestens danke, 4507 Politische Tagesschau. Zum Marokkostreit. Ein nach Madrid gerichtetes Telegramm auS Tanger besagt, der Sultan weigere sich, auf die französischen Forderungen eine befriedigende Antwort zu geben und habe die Absicht, die Frage einer internationalen Konferenz vorzulegen. Frankreich lehne diese Zumutung energisch ab. Die Gesandtschaften bereiten sich vor, Fez zu verlassen. Dagegen gibt der in Tanger lebende Belgier Moritz Romberg folgendes prickelnde Entrefilet: Wie vorherzusehen war, wird der Sultan ja schließlich jn Streit mit Frankreich nachgeben, aber — den äußersten Augenblick wartet er ab, bis an die letzte Grenze der französischen Geduld wird er gehen, um festzustcllen, was an der Gunst Kaiser Wilhelms schließlich daran ist. Vielleicht läßt er auch den französischen Gesandten ruhig von Fez abreisen, aber nur die erste Etappe, allenfalls bis Tanger. Dann aber schickt er ihm verhängten Zügels eine Stafette nach, mit der Botschaft, er sei zu früh gegangen, es handle sich nur um „Protokoll-Fragen", alles sei schon in Lester Ordnung. Dazu gibt R. einen geradezu ergötzlichen Vorfall, Ler allerdings vor über zehn Jahren gespielt hat, zum Besten: Ein französischer Vertreter hatte beim Sultan eine große Summe reklamiert, und von ihm einen Ferman verlangt, Karlsmh it nm Giessen, entsprechend. ms?nmr,TtMistnktr. :h M Speisen lalität Dorfeld. Are Interessengemeinschaft zwischen Stadt nnd Dorort. Uns wird geschrieben: In einer immer größer werdenden Reihe deutscher Städte und ihrer Vororte bestehen recht gespannte Beziehungen zu einander, ja in einzelnen Kommunalkomplexen besteht ein gereizter, wenn nicht gar feindseliger Zustand, der um so intensiver in die Erscheinung tritt, je weniger der Vorort das Glück hat, speziell die wohlhabenderen Klassen aus der Stadt heranzuziehen. Man möchte in solchen Vororten die naheliegende Stadt so weit als möglich zur Mittragung der eigenen Lasten heranzwingen. So kommt c5, daß viele Vororte die Stadt, die ihnen Existenz, Vodenwerte usw. erst geschaffen bat und ihre eigentliche Nährmutter ist, als Stiefmutter betrachten und die Hand über die Gebühr ausstrccken, um noch mehr von ihr herauszuschlagen. Statt die lebendige und befruchtende Interessen - G em ei n sch a ft, die überall zwischen Stadt und Vororten besteht, verständig zu erfaßen und folgerichtig auszubauen, werden künstliche Interessen gegen- sätze geschaffen, die zu den unerquicklichsten Reibungen führen. Bei der Betrachtung der wechselseitigen Interessen von Stadt und Vorort ist zunächst eins notwendig: sich von der Kirchturmpolitik loSzumachcn, die in ihrer Kurzsichtigkeit nicht weiter reicht, als der heimische Turmknopf zu sehen ist. Vielmehr ist jeder engherzige Gesichtspunkt vom Uebel. In erster Linie soll die Gemeinsamkeit der wirtschaftlichen Interessen maßgebend sein. In der Praxis ist das auch bereits vielfach der Fall. Hunderte von Vororten sind an die städtischen Wasser- und Kanalisationswerkc angeschlossen, weil sie allein nur unrentable Anlagen geschaffen hätten, und bilden so bereits eine Großgemeinde, ebenso auch in gewerblicher Beziehung, trotz des Fehlens der politischen Eingemeindung. Aber gerade deswegen sollten Stadt und Vorort in allen Fragen, die die einzelne Kvnrmune nur unvollkommen zu lösen vermag, zusammengehen, und zwar nicht gelegentlich, nicht von Fall zu Fall, sondern prinzipiell und systematisch auf sorgfältig vereinbarter Grundlage. Man greife nur das schwierige Problem der Schaffung guter Bauordnung und leistungsfähiger Kanalisationssysteme heraus. Wieviel Schäden sind schon daraus erwachsen, daß hier jede Gemeinde nach ihrem eigenen Kopfe ging. Wieviel Unsummen sind schon verschleudert worden, die man bei einem rechtzeitigen, einheitlichen Vorgehen hätte ersparen können. Dazu nehme man das brennende Kapitel der B o d e n p o l i t i k. Tie Vororte hinken fast überaN der städtischen Bodensteuerpolitik nach. Ihre Bodenwerte sind durch die Stadtnahe, durch das Anwachsen der Stadt und durch das Ucberwandern städtischer Erwerbselemente gestiegen. Wir wollen den Grundeigentümern der Vororte diese Gewinne nicht mißgönnen. Mer wer trägt am Ende die Kosten der Zeche? Tie Vorortbewohner selbst und die dortigen Gcnwindckassen, weil die Bewohner allmählich an ihre Gemeindeverwaltung dieselben Ansprüche aus moderne kommunale Einrichtungen (Straßenplaster, Beleuchtung, Kanalisation usw.) stellen, wie sie in der Stadt unter großen Opfern geschaffen worden sind oder geschaffen werden. So geraten die Vororte langsam aber sicher in eine unerträgliche Steuerwirtschaft hinein, und mit einem Male soll dann die Stadt einspringen und für die Verwaltungsfehler da draußen die sauer erhobenen städtischen Steuergroschen hin- aeben. Leider kommt die Erkenntnis meistens zu spät. Es ist dann schwer, ja oft unmöglich, die entstandenen Dissonanzen in der Kommunalwirtschaft wieder auszugleichen. Daher halten wir für notwendig, daß die Verwaltungen der Stadt und ihrer Vororte mit einander in allerengste, nachbarlich-freundschaftliche Fühlung treten, ehe es zu spät ist. Ter Gerechtigkeitssinn, der in den modernen Stadtverwaltungen stärker anzutresfen ist, als in den abgelegenen, sozial wenig berührten Bauerndörfern, wird schon dafür sorgen, daß jedem das Seine und allen das Ihrige wird. Horrido« labeue Zagdpatrooeu, j dirccn^utoer unb W aL 16, per Stuck 6 M l-dn» „7a">icute Tiger. M. gnsl KilW , w* MgMML rinn1** aDEs-Pr3^en‘!£ erlaubt. dt w*3Mk. Prospe« iat,ich Vor^nd: M da vom V°7 ntifart »- M' Appoldi^^L^ "ÄKS 10 2.20 B daß die Behörden in Tanger, deren Frankreich „habhaft werden" konnte, die Sache regeln sollten. Zu dem Zweck mußte er dem Maghzen ein Ultimatum stellen, das bis zur letzten Minute hinausgezögert war. Der Franzose begab sich nun zu dem damaligen Vezir, heute Großvezir, Si Fedul Garwit, der ihm erklärte, der Ferman sei fertig, nur das Sheriffsche Siegel fehle noch. Am anderen Tage — keine Zeile. Nunmehr kündigte der Diplomat seine Abreise und den Bruch der Beziehungen an — erheuchelte Bewegtheit des Vezirs: „Du bist doch unser Freund", sagte er, „reise nicht ab, der Brief ist beim Sultan, morgen bekommst Du ihn, trink heut' abend bei mir den Tee". Es kam der Morgen, es kam der Uebermorgen, „dieselbe Sauce". Endlich am dritten Tag schlug der ftanzösische Abgesandte den Tee aus und erklärte den Bruch. Da tauchte plötzlich mein Vezir mit leisem Lächeln seine Hand in daS große Lederportefeuille, das an einem Steigbügel von Gold mit einem seidenen Faden befestigt war, und eine „schöne Farbenwirkung auf seinem weißen Hemde hervorbrachte". Er zog einen versiegelten Brief hervor und sagte: „Was willst Du denn, Du brauchst Dich doch nicht aufzuregen, der Brief war doch schon vor fünf Tagen fertig!" Nach Informationen auS politffchen Kreisen sind in der Unterredung, die der französische Botschafter Bihourd am Montag mit dem Reichskanzler Fürsten Bülow hatte, die Differenzen erörtert worden, welche zwischen Frankreich und Deutschland noch hinsichtlich der marokkanischen Polizei bestehen. Deutschland wünscht, daß die Organisation der Polizei durch die Konferenz selbst erfolge. Frankreich macht geltend, daß hinsichtlich der Polizei 1901 und 1902 besondere Arrangements mit Marokko getroffen worden seien. Ueber den Ort der Konferenz ist noch keine Uebereinstimmung erzielt. Deutschland hält an Tanger fest, Frankreich macht Einwände wegen der Unsicherheit dieses Hafens und spricht sich für eine spanische Stadt aus. Der „Petit Parisien" hebt hervor, daß Deutschland auf die Mitteilung der französischen Regierung hinsichtlich der Mole von Tanger und der Anleihe keine Antwort erteilt habe. Der Besprechung, welche Herr von Rosen mit Rouvier haben wird, legt man die größte Bedeutung bei. Are Unterzeichnung des Iriedensvertrages erfolgte, wie das Reuter-Bureau aus Portsmouth meldet, unter tiefem Schweigen. Hierauf streckte Witte über den Tisch hin den Arm aus und ergriff Komuras Hand, und seine .Kollegen folgten unverzüglich seinem Beispiel. Während die Russen und Japaner über den Tisch hin die Hände fest verschlungen hielten, brach Baron Rosen zuerst das Schweigen, indem er in Wittes Namen die japanischen Bevollmächtigten als wahre, vollendete Gentlemen feierte und die Hoffnung aussprach, daß hinfür feste und freundliche Beziehungen zwischen beiden Reichen bestehen möchten. Komura antwortete für die Japaner in ähnlichem Sinne. Tie russischen Bevollmächtigten zogen sich sodann nach ihrem Geschäftszimmer zurück und blieben dort 10 Minuten allein. Tann kehrten sie zurück und nahmen am Buffet das Frühstück ein, bei dem man auf gegenseitige Gesundheit trank. Wie dem Pariser „Mätm" aus Portsmouth gemeldet wird, sagte Rosen zu Komura nach Unterzeichnung des Friedensvertrages: „IM Namen des ersten Bevollmächtigten der Russen, im Namen des Zaren und im eigenen Namen habe ich Ihnen zu sagen, wie glücklich wir sind, daß es uns gelungen ist, dieses Dokument zu unterzeichnen, das für Sie und für uns das Ende eines Krieges bedeutet, der unseren Völkern und der ganzen Welt soviel Schaden zugefügt hat." Komura antwortete englisch, jedes Wort langsam artikulierend: „Ich danke Ihnen für Ihre Worte, ich bin ebenso glücklich wie Sie." Ein humoristisches Intermezzo besteht darin, daß sämtliche Stahlfeder-Fabrikanten zur Verwendung bei der Unterzeichnung ihre Ware eingxsandt hatten, weshalb schließlich Neiherfederkiele verwandt wurden — der ganze „Streit wegen der Sekt flasche" zwischen Söhnlein und Moet Chandon lebt in diesem Yankee-Streich wieder auf. Und ebenso ist's mit dem Tisch, auf dem die Unterzeichnung erfolgt ist, der für 800 Mk, die Stühle für 160 Mk. das Stück veräußert sind. Wer jemals im Berliner Reichskanzlerpalais den rohen Webertisch aus dem Dorfe Bellevue gesehen hat, an dem Bismarck mit Napoleon dessen Gefangennahme vereinbarte, den wird auch dies etwas „eigentümlich" berühren. Interviews. Martens, der infolge Unwohlseins dem feierlichen Akte im Konferenzsaal nicht beiwohnte, sagte im Laufe eines Interviews, der Friedensvertrag zeige unbestreitbar, daß Rußland zurzeit alle Gedanken an eine groß- artigeWeltpolitik in der Richtung auf die entlegenen ungewissen Gebiete des fernen Ostens aufgegeben habe. Er sei persönlich überzeugt, daß Rußland nicht der Vergauaenheit nachhängen, sondern alle Kräfte sam- me'ln werde für einen neuen großen Kampf, nicht auf dem Schlachtfeld, sondern auf dem Felde frucht" bringender Arbeit sozialen, sowie politischen Fortschritts. 1 Ein in Bologna erscheinendes Blatt veröffentlicht em Interview, welches ein römischer Korrespondent mit einem „hervorragenden Diplomaten", dessen Namen geheim gehalten wird, hatte. Man vermutet unter diesem Diplomaten den früheren römischen Gesandten in Wien, Grafen Nigra. Von dem Journalisten befragt über die Mögliche keit des Bestehens einer geheimen Klausel ira russisch-japanischen Friedensvertragx, anb wortcte dieser: So unwahrscheinlich ist das nicht. Derartige Klauseln seien häufig bei Friedensverträgen zur Anwendung gelangt. Als Bestätigung seiner Aussage fügte der Tiplomat hinzu, daß Italien seinerzeit mit dem Negus Menelik einen geheimen Vertrag abgeschlossen habe, durch den Italien 100 Millionen Lire an Negus Menelik zu zahlen hatte. Diese Summe sei in verschiedenen Raten bezahlt worden, die letzte im Jahre 1904. Diese Mitteilung ist sehr überraschend, da bis jetzt nichts von einer so hohen Summe bekannt war, die an den Negus entrichtet worden war. Die Abreise. Die Abreise der japanischen Delegierten von Ports» mouth nach Boston und der russ Delegierten nach Newyork ist bereits erfolgt, nicht ohne daß noch eine kleine Reibung über den Schlußpassus zwischen Japanern und Russen erfolgt wäre: Die Japaner wollten schreiben, Japans Fassung, Witte, des Zaren Ultimatum sei angenommen. Die Russen haben Recht behalten. Die schriftliche Ausführung wurde von den betreffenden Sekretären selbst gemacht, amerikanischerseits an gebotene Hilw wurde abgelehnt. Die Stimmung in Rußland und Japan. In Petersburg wurde die Nachricht von der Unter* Zeichnung des Friedens in später Abendstunde bekannt und rief unter der Bevölkerung nicht die geringste Erregung hervor. Der Petersburger Gemeinderat aber beabsichtigt jetzt, einer Straße der Stadt den Namen Wittes beizulegen. Auch in Nagasaki wurde, nach Reuter, die Nachricht vom Friedensschluß „ohne besondere Freuds ausgenommen. An den Hcmvtplätzen der Insel Kiuschiu ist die allgemeine Empfindung das Bedauern, daß Japan der Früchte feiner Siege beraubt worden fei. Die Enttäuschung ist besonders darüber ausgedrückt, daß man keine dauernde Sicherheit gegen russische Angriffe durchgesetzt habe. Der diplomatische Mißerfolg Japans wird dem Umstande zugeschrieben, daß die Verhandlungen verfrüht eingeleitet seien. In Tokio protestierten die Teilnehmer einer am 5. d. M. abgehaltenen Versammlung gegen die Friedens- bedingungen, griffen das Bureau des Regierungsblattes „Ketamin" an, beschädigten es und begingen weitere Ausschreitungen. Mehrere Personen wurden verletzt, mehrere verhaftet. Der Krieg ist noch nicht zu Ende! Aus dem Kriegsschauplätze ist immer noch kein« Ruhe eingetreten. General Linewitsch sandte an den Zaren folgendes, vom 5. September datiertes Telegramm: Am 4. September versuchten die Japaner längs der Mandarinen st raße vor zu dringen und begannen Verschanzungen zu errichten, wichen aber nach einigen Schüssen von unserer Seite zurück. In Korea ergriffen die Japaner am 3. September, morgens 5 Uhr, die Offensive gegen die Linie Scherien-Nansau- Schegu in einer Stärke von einigen Bataillonen undj Schwadronen mit ArtiUerie. Anfangs wurden die Hauptstreitkräfte der Japaner gegen den linken Flügel und diy Stellung bei Nansau gerichtet. Um 11 Uhr vormittags besetzten mehrere andere japanische Bataillone, mit Artillerie den Zwischenraum zwischen Nansau unk» Schebu Nabon. Kaiser Wilhelm und die gelbe Gefahr. Nach einer Meldung oer „Times" erklärte der deutsche Kaiser amerikanischen Kongreßmitgliedern, die Japaner würden voraussichtlich die offene Tür Chinas schließen. Die Kaukasier müßten vereint der gelben Gefahr entgegentreten. Man wird indes gut tun, diese englische Meldung für eine Erfindung zu halten. . Neue Unruhen in Rußland. Die am Montag in Ki sch i n e w vorgekommenen Straßen Unruhen trugen einen ausgesprochen judenfeindlichen Charakter und sind zweifellos durch die sog. „Beffarabische patriotische Liga", einem Verein, dem von den Behörden die Aufgabe gestellt ist, gegen die Revolutionäre und Juden vorzugehen, in Szene gesetzt worden. Als Veranstalter der Greuel ist Kruschewan anzusehen, der in seiner neubegründeten Zeitung gegen die Juden aufhetzte. Die Unruhen sollen mit Wiffen der Polizei vorbereitet worden sein. Deshalb waren Kosaken und Militär sofort bei Ausbruch der Unruhen zur Stelle und schlugen ohne weiteres auf die unbewaffneten Arbeiter ein, während die ihnen bekannten Mitglieder der Liga ungehindert die Geschäftsläden der Juden plündern konnten. Unter den Verhafteten befinden sich nur Arbeiter, zum größten Teil Juden. Von den Mitgliedern der Liga ist niemand verhaftet worden. In der Stadt herrscht Panik; alle Läden sind geschloffen. In den HoSpitälern befinden sich gegen 100 Verwundete, darunter viele Frauen und Kinder. Tot sollen 50 Juden und viele Sozialisten fein. Am Abend versammelten sich vor der Zeitungsredaktion Kruschewans viele Arbeiter, schlugen die Fenster ein und wollten Kruschewan züchtigen. Dieser bat telephonisch um Hilfe und bald trafen Kosaken ein, welche die Menge auseinander trieben. Viele Bürger sind geflüchtet, da neue Unruhen erwartet werden. Der „Standard" meldet, daß sich neue Judenhetzen in Warschau ereignet haben. Eine Volksmenge griff das Donnerstag 7. September 1905 GrfteS Blatt. 155. Jahrgang Nr. S10 Erscheint täglich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit »em hessischen Landwirt die Gießener Zamilien- blätler viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Univers.-Buch-u. Steindruckerei. 9t Lange. Redaktion, Erpeditio« und Druckerei: Schulstratze 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprcchanschluß Nr. 51. JW e > Air G moÄÄt- Gletzener AMgerW ** General-Anzeiger 5 *•' den polit. und allgem. Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen MW zeigenteil: Hans Beck. ^Strasse 13 Judenviertel an und tötete eine Anzahl Juden. Diele Häuser wurden beschädigt und viele Wohnungen ausgeplündert. Die Polizei begünstigte die Vernichtungsarbeit deS Mob. Telegramme aus Baku berichten, daß die Kämpfe zwischen Armeniern und Tataren fortdauern. Das Militär hat zwar Verstärkungen aus Tiflis ermatten, aber die Truppen sind nicht imstande, die Ruhe wieder herzu- stellen. Mehrere Londoner Firmen, welche in Baku Vertreter haben, erhielten die Mitteilung, daß die Lage sich von Tag zu Tag verschlimmere und Handel und Verkehr stockten. Die gesamte Naphtaindustrie Bakus ist in Gefahr. 300 Bohrtürme sind ausgebrannt. Die Verluste beziffern sich auf viele Millionen Rubel. Nach Meldungen aus Eli'abethpol überfielen Tataren die Häuser der dort wohnenden Armenier, ermordeten zahlreiche Personen und plünderten sie aus. Die Polizei verhält sich auch dort passiv. In der Ortschaft Ginntet ist ein ernster Konflikt zwischen Bauern u n b Großgrundbesitzern aus- ,gebrochen. Bisher wurden 11 Personen getötet oder verwundet. Der frühere Posener Arbcitersekretär Kaz- przak, 1901 sozialdemokratischer Reichstagskandidat, war in Warschau wegen „revolutionärer Umtriebe" verhaftet worden. Hierbei erschoß er vier Geheimpolizisten. Das Gericht verurteilte ihn darauf zum Tode mit dem Strang. Das Urteil ist bereits vollstreckt. Allen diesen greulichen Nachrichten zum Trotz tragt Herr Trepow seinen alten Optimismus zur Schau. In einem neuerlichen Interview erklärte er, daß die innere politische Lage Rußlands sich wesentlich gebessert habe! Er sei der Ansicht, daß die günstige Wirkung des Friedensschlusses fraglos auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens rasch eintreten werde. Für die Regierung fei es zwar zurzeit „unmöglich, sämtliche Wünsche der verschiedenen Bevölkerungsschichten sofort zu erfüllen und alle Gegensätze auszugleichen, sie habe aber die ernste Absicht, alles zu tun, um das angestrebte Ziel zu erreichen! Er ist ja nun der rechte Mann dazu... . « Großfürst Michael Nikolajewitsch wurde zum Ehrenpräsidenten des Reichsrates, Graf Solski zum Präsidenten des Reichsrates ernannt. Englische Hstseetage. Flensburg, 6. Sept. Das Festmahl, das die Stadt Flensburg zu Ehren der Offiziere der hier cingetroffenen englischen Torpedobootsflottille gestern veranstaltete, nahm einen stimmungsvollen Verlauf. Die englischen Gäste wurden in >zwölf Galawagen vom Hasen durch die mit englischen und deutschen Flaggen reichgeschmücktc Stadt nach der Harmonie gebracht, wo Oberbürgernreister Tr. Todsen sie begrüßte. -Bei der Tafel brachte Dr. Todsen den Toast auf die beiderseitigen Herrscher aus. Die Beziehungen zu England, so führte Todsen u. a. aus, find gerade in diesem Teile unseres deutschen Vaterlandes von -der ältesten und bedeutsamsten Art. Hier hatte einst der Stamm der Angeln seinen Sitz, von denen ebenso wie unsere Nachbar- landschast Angeln dos große England noch heute seinen Namen hat. Das Blut der Angeln und Sachsen rollt in unseren Adern, wie in denen der Engländer. Todsen schloß: „Daß die fr eun d- schaftlichen Beziehungen zu England immerdar erhalten bleiben, daß unser ganzes deutsches Volk und das englische sich immer nähertreten mögen in gegenseitiger Anerkennung und Rücksichtnahme, in gegenseitigem Verständnis und Vertrauen, das ist der aufrichtige Wunsch, mit dem wir Sie, Herr Admiral, und Ihre Offiziere willkommen heißen!" Admiral Winsloe dankte für den warmen Willkomm, woriiber er und seine Offiziere sehr erfreut seien, und dessen sie sich immer dankbar erinnern würden. Der Admiral schloß mit dem Wunsche für weiteres Gedeihen der Handelsstadt Flensburg. Heute morgen um 5 Uhr ging die englische Torpedo- bootsflottille nach Kopenhagen ab. Deutsches ReSiH. Potsdam, 6. Sept. Da§ Kaiserpaar ist heute abend 10 Uhr 50 Min. von Wildparkstation nach Homburg v. d. H. abgereist. Das Kronprinzenpaar und Prinz Eitel Friedrich waren abends 10 Uhr 16 Min. mittels Sonderzuges von hier nach Homburg v. d. H. abgereist. Berlin, 6. Sept. Der Kaiser konferierte heute im Auswärtigen Amte mit dem Staatssekretär Frhr. v. Richthofen und Härte dann den Vortrag des Chefs des Militär- kabinets, Grafen Hülsen-Häseler. — Wie die „Bert. Ztg." von besonderer Seite hört, ^ammt das von der „Nordd. Allg. Ztg." gebrachte DeS- avouö des Martinschen Buches über die russischen Finanzen, das angeblich zu einem Disziplinarverfahren gegen den Autor geführt hat, nicht etwa von dem unmittelbaren Vorgesetzten Martins aus dem statistischen Amt oder aus dem Reichsamt des Innern, sondern ist vom Reichskanzler persönlich verfaßt. Die südafrikanische Totenliste wächst von Tag zu Tage. Heute meldet ein Telegramm aus Windhuk: Reiter Josef Fiebig, auf einer Patrouille südlich Kosos gefallen, Reiter Johannes Behm, durch einen Unglücksfall vom Zug überfahren und sofort gestorben, Reiter Gustav Schulz, an Herzschwäche nach Typ hus gestorben. Ausland. Madrid, 6. Sept. Die Barcelonaer Presse veröffentlicht heftige Artikel wegen der Vernachlässigung des staatlichen Sicherheitsdienstes. Die Kaufmannschaft will eine eigene Polizei schassen und eine große Protestkundgebung veranstalten. Die Regierung befahl den Behörden, an dem heutigen Leichenbegängnis der Opfer teilzunehmen. Die Bcmülmngen der Polizei, die Schuldigen ausfindig zu machen, waren bisher fruchtlos. Barcelona, 6. Sept. Es herrscht Panik. Zahlreiche Fremden verlassen die Stadt. Die Zeitung „La Lucha" ist infolge eines Artikels, in welchem sic das Attentat zu recht- fertigen versucht, beschlagnahmt worden. Budapest, 7. Sept. Die sozialdemokratische Partei hat bereits den für den 15. September vor dem Parlament geplanten Massenaufzug polizeilich angcmeldet. Der Aufmarsch soll in 6 Kolonnen zu 10 000 Mann erfolgen. Aus der Umgebung Und der Provinz sind aus etwa 30 Ortschaften Anmeldungen wegen Teilnahme an dem Aunnarsch eingelangt. Die Arbeit wird am 15. September wahrscheinlich in allen Betrieben ruhen. Por dem Parlament sollen Reden gehalten und eine Abordnung mft bee Forderung des allg. Wahlrechtes zum Präsident des Abgeordnetenhauses entsendet worden. Konstantinopel, 6. Sept. Am 29. August tötete in Vince, Bezirk Kumanowa, Wilajet Uesküb, eine mohammedanische Bande neun Christen und verwundete drei. Am 29. August femb in Morkovce, zwei Stunden von Uesküb entfernt, ein Kampf mit einer bulgarischen Bande statt, wobei ein Gendarm, ein Komitadschi und eine bulgarische Frau getötet wurden. Die Bande flüchtete. Während des Kampfes ließ der Truppenkommandant die Häuser mit Petroleum begießen und zehn Häuser wurden verbrannt. Auch fanden Plünderungen unb Mißhandlungen statt. Der Schaden wird auf 3500 Pfund geschätzt. Aur Jleischleuerung. Berlin, 6. Sept. Die Versammlung deutscher Fleischermeister, die von Berlin einberufen worden ist, um sich mit der herrschenden Fleischteuerung zu beschäftigen und gegen diese Protest zu erheben, wurde am Mittwoch in den Konkordia-Sälen eröffnet. Dem Aufruf, den 19 Berufsvereine aus Berlin und Umgebung erlaßen hatten, waren die Angehörigen de§ Fleischergewerbes aus allen Teilen Deutschlands in großer Zahl gefolgt. Die Konkordia-Säle, die 2500 Personen zu fassen vermögen, waren vor Beginn der Verhandlungen bereits gefüllt. Als besonders bezeichnend wurde von den Berufsgenoffenschaften betrachtet, daß diejenigen Städte, in denen das Fleischergewerbe durch seine industrielle Betätigung, wie in Braunschweig und Gotha, hervortritt, besonders stark vertreten waren. Der erste Hauptredner zu dem einzigen Gegenstände der Tagesordnung „Vieh- und Fleischteuerung" war der zweite Verbands-Vorsitzende der deutschen Fleischermeister, Wiegand-Nord Hausen. Er verwahrte die Fleischer dagegen, daß sie leichtsinnig eine Oeffnung dec Grenzen verlangen. Fern liege es ihnen, zu fordern, daß die zur Erhaltung des deutschen Viehbestandes notwendigen hygienischen Maßregeln beseitigt würden. Nach weiteren statistischen Darlegungen, in denen er nachzuweisen suchte, daß Herr v. P o d- bielski und seine Räte mit ihren Angaben nur die große Masse irreführten, rief er der Regierung zu, sie möge die Fleischnot lindern, nicht nur im Interesse der Schlächter, der Wurstindustrie, sondern der gesamten Bevölkerung. — In der Diskussion wurden meist scharfe Töne angeschlagen. Ahlert-Berlin führte aus: Tausend Tiere wogen früher so viel wie jetzt 1300, denen man die Fleischnot am eigenen Körper ansieht. (Große Heiterkeit.) Mühpetz-Hamburg: Es heißt immer, das Ausland sei verseucht; im Gegenteil, wir sind verseucht. Unser Rindvieh ist krank, und wie soll ein krankes Stück Vieh ein gesundes erzeugen? (Zustimmung.) Nitter-Rohrbeck: Wir bitten die Negierung jetzt nicht mehr, jetzt fordern wir. (Stürmischer Beifall.) Wir sind treue Staatsbürger, aber wenn alle Stricke reißen, wird auch da§ Handwerk wissen, was es zu tun hat. (Stürmischer Beifall.) Marx-Frankfurt a. M., Vorsitzender des Fleischerverbandes, konstatiert, daß auch der Verbands-Vorstand die Not anerkenne. Nachdem noch eine Reihe weiterer Redner im gleichen Sinne gesprochen haben, nahm der freisinnige LandtagSabg. Cassel das Wort: Herr v. Podbielski hat gesagt, die Stadt Berlin solle Schweine züchten. Ich kann das nicht ernst nehmen (Heiterkeit, Zuruf), aber er sollte sich in so ernster Lage nicht mit Späßchen zu helfen suchen. (Lebhafter Beifall.) Kein Unbefangener glaubt mehr, daß die Seuchenmaßregeln nur hygienischen Zwecken dienen; sie sollen die Preise hochhalten im Jntereffe der Agrarier, darum sind sie ein Pflänzchen Rührmichnichtan. (Lebhafter Beifall.) Ich will keine Parteipolitik treiben, aber wenn Sie etwas erreichen wollen, muffen Sie bei den Wahlen richtig vorgehen. (Stürmischer Beifall.) — Verschiedene Redner sprachen ihr SBefremben aus, daß die Berliner Fleischer- Innung nicht vertreten sei (Zuruf: die üben sich im Reiten für Einzugsfeiern! Heiterkeit). Zum Schluß wurde einftinnnig folgende Erklärung beschlossen: Mehrere tausend Fleischermeister aus allen Teilen des Reiches erklären, daß nach ihrer genauen Kenntnis des Viehbestandes im Reiche, sowie nach den Zahlen des Auftriebes und der Schlachtungen auf den Vieh- und Schlachthöfen ein großer Mangel an Schlachtvieh und namentlich an Schweinen besteht. Sie halten es für eine nationale Pflicht, daß die Grenze geöffnet und damit der Fleischnot ein Ende bereitet werde. München, 6. Sept. Der Stadtmagistrat beschloß, wegen der Fleischteuerung einen Antrag an die Regierung auf Oeffnung sämtlicher Grenzen zu richten. Für die Dauer des Notstandes sollen Zollvergünstigungen, eventuell sogar völlige Aufhebung der Zölle gefordert werden. Leipzig, 6. Sept. Der Stadtrat beschloß, das dringende Ersuchen an die Regierung um sofortige Maßregeln gegen d ie Fleischnot zu richten. Vom Manöver des 18. Armeekorps. Gieße«, 7. Sept. Die Divisionsnranöver haben am gestrigen Mittwöch bei der 21. Division, am Dienstag bei der 25. hessischen Division ihren Mschluß gesunden. Die 25. Division hatte am Samstag im Beisein des kommandierenden Generals, v. Eichhorn ein großes Gefecht um Hennetal; dabei war die 50. Brigade verstärkt durch das Regiment 116. Das Gefecht dauerte bis 5 Uhr nachmittags. Am Montag fand das Gefecht bereits früh um 4 Uhr um Wehen, Neuhof, Wingsbach seinen Abschluß; die Unteroffizierschule Biebrich war der 50. Brigade (117 und 118) zugeteilt. Das Gefecht schloß schon um 81/4 Uhr, und nun begannen weite Märsche in die Quartiere östlich von Wiesbaden und in Wiesbaden. Dienstag ging die ganze Division unter dem Befehl des Divisions-Kommandeurs gegen einen markierten Feind, den die 116 er (Gießen) stellten. Diese nahmen unter dem Befehl des Obersten v. Lindenau aut einer Anhöhe zwischen Diedenbergen und Wallau Aufstellung, ihnen waren zugeteilt die 6 er Dragoner (Mainz) und 61 er Artillerie. Diese hatte eine sehr günstige Position am Galgenberg. Ms Kriegslage wurde an- genommen, daß eine feindliche Armee bei Mainz über den Rhein ginge, welche aufgehalten werden sollte. Um 9 Uhr rückten die Regimenter 115, 117, 118, 168 gegen den markierten Feind, es entspann sich ein heftiges Gefecht, an dem sich die Artillerie lebhaft beteiligte, während die Kavallerie nicht in Tätigkeit trat. Um V2I Uhr war das Gefecht beendet. Armeeinspekteur v. L i n d e q u i st und Oknerat v. Eichhorn wohnten bei. 65eftem, Mittwoch, hatte die 25. Division Marschtag. — Tie 21. preußische Division hatte erst gestern ihr Schlußgefecht, das sich in ähnlicher Weise wie bei der 25. Division abspielte und zwar auf dem Gelände östlich Vilbel, zwischen Main und Nidder. Den markierten Feind bildete das Regiment Nr. 80, die 6 er Ulanen und die 27 er Artillerie. Aus der Anhöhe zwischen Vilbel, Kilianstädten und Hochstadt .stand der markierte Feind am Walde, Große und Kleine Lohe genannt. Die Regiment«, 81. 87, 88 und 166 kamen aus der Richtung Bergen, Frankfurt, Bischofsheim, geführt von Generalleutnant v. Kettler. Um 11 Uhr war das Gefecht beendet. Eine große Zahl Zuschauer hatte sich aus der Umgegend, namentlich aus Frankfurt, Offenbach, Vilbel eingefunden. Der Division war cs trotz mehrenr Sturmangriffe nicht gelungen, die Anhöhe einzunehmen. Prinzessin Friedrich Karl von Hessen und General v Eichhorn wohnten dem Gefecht bei. Während der letzten Manövertage Hatter: auch die Pioniere mehrere Uebungen im Brückenbau am Main und an der Nidda. — £>eute ist nun der große Ruhetag vor der Kaiserparade. Er gilt der Erholung von den seitherigen Anstrengungen und soll den Soldaten neue Straft zu den bevorstehenden Strapazen geben, die die Kriegsmärschc mitbringen. Doch Korporal und Korporalschast sehen solchen Ruhetagen vor Paraden und Besichtigungen stets mit gemischten Gefühlen entgegen, denn da hei^t es: Putzen, Flicken, Nähen und Appell folgt auf Appell. Das ganze 18. Armeekorps ist gestern um die Orte Homburg, Friedrichsdorf, Friedberg, Vilbel, Offenbach, Frankfurt, Heddernheim mit dem Zentrum am Paradeplatz konzentriert worden, und die Gegend wimmelt von Soldaten aller Waffengattungen. In Homburg trafen gestern wieder mehrere Züge ein mit kaiserlichen Equipagen, Gepäck, Pferden, Dienern und Offizieren, ferner sind eine starke Abteilung von Feldgendarmen und gegen 200 Geheimpolizisten gestern abend von Berlin angekommen. Der Paradeplatz ist etwa 20 Minuten lang und 15 Minuten breit, das große Viereck ist durch Drahtzaun eingefaßt, ant besten gelangt man über BonameS oder Holzhausen nach dem Paradeplatz, die Eingänge sind sämtlich'von Nieder-Eschbach aus. Von Bonames ist eine Omnibusverbindung eingerichtet. Auf bet Dveikaiserpappel, die von der Parade 1883 und 1897 bekannt ist, winkt von weitem eine hessische Flagge, die den Besuchern als Wegweiser dienen kann. Unter der Mitte der Tribüne ist ein kaiserliches Postamt eingerichtet, von dem Telephon- und Telegraphenleitungen nach Homburg führen. Auf dem K'aiserweg ist nahe der Sttaße Ober-Erlenbach ein Pavillon errichtet, bis dorthin fährt der Kaiser von Homdurg per Automobil, dann steigt er zu Pferd. Die Tribünen sind mit Fahnen und Guir- landen schön geschmückt. —1 Viele Krieg erverein e aus Oberhessen werden Freitag früh über Gießen, Butzbach. Friedberg nach Bonames, bezw. Holzhausen fahren. Die Krieger« t>ereine aus der Umgegend Gießen bis zum Streife Alsfeld, treffen teilweise schon Donnerstag abend in Gießen ein und erhalten in der Zeughauskaserne Freiquartier. Der Extrazug geht in Gießen um 3.50 Uhr morgens ab nach Bonames. Keröst-McrderrrarkL zu Küßen. Gießen, 7. Sept. Zum -gestrigen Herbstpferdemarkt waren zirka 300 Pferde und Foh len ausgetrieben worden. Das prächtige Wetter hatte schon am frühen Morgen viel Käufer und sonstige Interessenten auf den Platz gelockt. Der Handel ging sehr flott, namentlich war der Antrieb von den Pferdezüchtern sehr groß, und das hierbei vorgeführte Material war, wat später auch dec Vorsitzende des hessischen Pfcrdezuchtvereins, Müller vom Neuhof, in seiner Rede anführte, außerordentlich gut. Um 8V2 Uhr begann bereits die Prämiiecung^, und von 10 Uhr an entwickelte sich auf dem Platz beim Konzert der Feuerwehrkapelle ein fröhliches Treiben der Macktbesucher und em eifriges Galoppieren von Pferden aller Art. Die Restauration machte gleichfalls gute Geschäfte. Um 12 Uhr mittags begann die Vorführung der im Pcivatbesitz befindlichen Reit- und Wagenpferde unter dem Reiter und int Geschirr, wobei zahlreiche Zuschauer sich eingefunden hatten. Lohnkutscher Juncker erhielt für das Vorfahren zweier mit sehr schönen Pferden bespannten Coupses einen Ehrenpreis. Hoflohnkutscher Huhn führte außer Konkurrenz ein jwxcä. Coup6 mit Gummirädern vor; sein Sohn erhielt für ein Selbstkutschierphaeton einen Preis., Um 12h» Uhr wurden sämtliche prämiierten Pferde vorgeführt. Die Prämiier-- u n g hatte folgendes Ergebnis: i. Abteilung, Reitpferde: Gg. Konrad Strasheim, Griedel, 2. Preis. II. Abteilung, Wagenschläge (paarweise): S. Michel, Gießen, 2. Preis, Gebt. Leopold, Nidda, ehrende Anerkennung und 40 Mk. in tu Abteilung Schwere Arbeitsschläge (paarweise): Simon Kaufmann, Nieder-Weisel, 1., S. Michel, Gießen, 2^ Ang. Frensdorf, Gießen, 3. Preis. Illb. Abteil ungLeichteArbeitSschläge (paar weise): S. Michel, Gießen, 1., Ang. Frensdorf, Gießen, 2., A. Bing, Lich, 3. Preis. IVa. Schwere Arbeitsschläge, einzeln: S. Kaufmann, Nieder-Weisel, 1. und 3., A. Frensdorf, Gießen, 4. Preis. IVb. Leichte Arbeitsschläge, einzeln: Isidor Strauß, Ober-Mockstadt, 1., Aug. Frensdorf, Gießen, L, A. Bing, Lich, 3., Isidor Meier, Ober-Mockstadt, 4. Preis. Va. Arbeitsschläge, einzeln: Jak. Klippel, Nieder-Weisel, 1., Hch. Großhans IL, Gießen, 2., Konr. Krausgrill, Nieder-Weisel, 3. Preis, Hans Konr. Werner, Fauerbach, Anerkennung und 10 Mk. Vb. Arbeitsschläge, paarw eise: Gg. Ronr. Strasheim, Griedel, 1., Wenzel Haffer III., Nieder- Weisel, 2., Ph. Müller, Oberhörgern, 3. Preis, Daniel Schäfer H., Holzheim, Anerkennung und 10 Mk. Via. Dreijährige Fohlen, Wagenschläge: W. Göbel, Pohlgöns, 1., Hch. Ludw. Dreut, Griedel, 2., Ph. Rock, Hattenrod, 3. Preis, Konr. Weitz IV., Dorf Gill, Anerkennung und 10 Mk. VIb. Dreijährige Fohlen, Arbeitsschläge: Friedt. Fenchel, Griedel, 2„ Karl Hofmann, Wetterfeld, 3., Hch. Schmidt, Münch-Leusel, 4. Preis. Vila. Zweijährige Fohlen: Wilh. Faber, Kirchgöns, 1., Heinr. Wagner, Allendorf an bet Lumda, 2., Ph. Rock, Hattenrod, 3., R. Esau, Großen-Buseck, 4. Preis, Karl Geisel, Reibertenrod, Anerkennung und 10 Mk. Vllb. Zweijährige Fohlen: Joh. Faber X., Lechgestern, 1., PH. Schwan, Gießen, 2., Gg. Bert, Londorf, 3. und 4. Preis. vnia. Zuchtstu 1 en mit Fohlen: Herrn. W. Strasheim, Griedel, 1., Hch. Will). Müller, Griedel, 2.v K. Dieges II., Fauerbach a. d. H., 3., Hch. Bender, Hofgut Griedel, 4., Friedr. Fenchel, Griedel, 5., Julius Philippi, Wohnbach, 6. Preis, Phil. Schwan, Gießen, Anerkennung und 10 Mk. Vlllb. Zuchtstuten m i t Fohlen: Joh. Aug. Heinz, Nieder-Weisel, 1., Moritz Bender, Hosgut bei Griedel, 2., Jak. Klippel, Nieder-Weisel, 3., Ludw. Keßler V., Großen-Linden, 4., Wenzel Haffer HI., Nieder-Weisel, 5., Hans Konr. Werner III., Jaiierbach, 6. Preis, Christoph Hauser IV., Nieder-Weisel, Anerkennung und 10 Mk^ Jak. Fay IV., Langsdorf Anerkennung und 10 Mk., Peter Richter, Nieder-Weisel, Anerkennung und 10 Mk. Um IV2 Uhr nachmittags fand die übliche Mittagstafel im „Prinzen Karl" statt. Aus gttnDi und Land. Gießen, 7. September 1905. ** S. K. H. der G r 0 ß h e r z 0 g traf, wie uns aus Friedberg gemeldet wird, gestern nachmittag per Automobil über Frankfurt in Friedberg ein, um von seinem dortigen Schlosse aus an den Kaisertagen in Homburg und dec Kaiserparade teilzunehmen. Die Stadt Friedberg ist reich beflaggt, auf der Kaiserstraße und namentlich in der sF. G.-A.) Schäferschen Diebstahl verhaftet. r 4% 3=7 Portugiesen. HI 4°/6 äussere Argentiner Tendenz: sehr schwach. Lombarden fest Ungar. Goldrente Italien. Rente . Litteratur 911, Versdichtungen Völkerkunde 26, qraphien 36, Technologie 58, Gesundheitslehre Wissenschaft 7, 3Va”/0 yio 3Vto/o 3°/n 3V2% 97.90 105.80 68.90 68.55 90.90 139.80 3% Mexikaner . A1lsr'/h Chinesen . Electric. Sehnckert Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . Diskonto-Kommandit Darmstädter Bank Dresdener Bank . Berliner Handelsgeg Oesterr. Staatsbahn Lombarden , . Gotthardbahn , , Laurahütte . . Bochum . . . H arpener . . . Staatschatzscheine . 267.50 . 254.00 . 291.40 . 100 40 nicht zu finden. Mainz, 6. Sept. Unter dem Vorsitz des Abg. Molthan fand gestern eine zahlreich besuchte Zentrumsversamm lung statt, in welcher der neuernannte Generalsekretä der hessischen Zentrumspartei, Neuwiem, über den Straß burger Katholikentag berichtete. Der Vorsitzende berichtete dann über die bevorstehenden Landtagswahlen und den hessischen Katholikentag in Mainz. Für letzteren werden umfassende Vorbereitungen getroffen. Abg. Molthan beleuchtete dann die politische Lage in Hessen, indem er namentlich die Bekämpfung aller Gegner de§ direkten Wahl- rechts bei den nächsten Wahlen als oberstes Ziel setzte. Auch Abg. Prof. Schlenger beleuchtete die Taktik der Gegner des direkten Wahlrechts. Der neue Generalsekretär wird in der nächsten Zeit in einer größeren Zahl von Landgemeinden 1 % Unif. Türken . . , Türkenlose...... 4% Griech. Monopol.-Anl. das 5 Mill. Fr. aufgebracht haben soll, hofft man indes, drei Fortführung be3 Betriebes sichern zu können. Der Uckermärker Tabak hat sicherlich seine Verehre^ die ihn zu schätzen wissen. In ihrer in Schwedt a. O. abgehaltcnm Aussichtsrats- und Vorstandssitzung stellte die Uckermärkische Tabak- Venvertungs-Genosscnschaft den zu erwartenden Iabresgewrnn auf etwa 53 000 Mk. fest, wobei der Wert der vorhandenen Tabakbestände zu Preisen eingesetzt wurde, die bei dem wirklichen Verkauf noch einen weiteren Nutzen mit Sicherheit erwarten lassen. E r z - K u x e. F e r n i e. Angebot 4800, Nachfrage 4750. Ausbeuten und Zu» büßen 1903: 225; 1904: 300. Märkte. e. Groß-Umstadt, 6. Sept Ter im Jahre 1904 inS Leben gerufene Pferde - und Fohlen markt wird in diesem Jahr am Donnerstag, den 21. Sept, abgehalten werden. Gleichzeitig findet der seit Jahren hier eingebürgerte Herbst-Fasel- u n d Z u ch t v i e h m a r k t statt. Die Anmeldefrist für Pferde und Fohlen läuft am 12. Sept, ab Der Markt ist für Züchter aus Starkenburg, für Händler ist er unbeschränkt. H ö ch st a. M., 6. Sept. Der Arbeiter Narcis Kl a i b e r aus Nied und der in Kriftel wohnende Arbeiter Gustav Schröder hatten sich gestern abend solange in den Kneipen umhergetrieben, daß Schröder den letzten Zug versäumte. Auf den Vorschlag Klaibers ging er darum mit nach den Weiden am Mainüfer, um dort zu übernachten. Als Schröder nun ein geschlafen war, fiel Klaiber über ihn her und suchte ihn zu ermorden, indem er ihm eine 15—20 Zentimeter lange Schnittwunde am Halse und eine Stichwunde am Hinterkopfe beibrachte. Auf das Hilfegeschrei des Ueberfallenen eilten Leute herbei, worauf Klaiber davonlief. Gr wurde heute morgen verhaftet. Man glaubt, daß es sich um einen Raubmordversuch handelt, da K. wußte, daß Sch. noch 14 Mk. bei sich hatte. Die Verletzungen des Sch. sind nach dem Höchster Kreisblatt lebensgefährlich. fc. Kassel, 6. Sept. In der Kastenalsgasse spielten Kinder mit einer aus dem 3. Stock herabhängenden Leine, an der Waren emvorgezogen wurden. Aus Scherz legte sich ein fünfjähriges Mädchen die Leine um den Hals, und ein Knabe zog es bis zum 2. Stock empor, da er nicht sehen konnte, was an der Leine hing. Das Mädchen fand dabei den Tod. ** Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Auf dem Hauptbahnhof Frankfurt werden ant Fweitag, dem Tage der K'aiservarade, 70 Sonderzüge abfahven oder einlaufen. — Wie der ,,Ztg. f. d. Dilltal" mitgeteilt wird, ist der Feldhüter Friedrich Hof von Mandeln, welches am 9. Juli von einem wutverdächtigen Hunde gebissen wurde, an Tollwut erkrankt. Hof war seinerzeit trotz eifrigen Zuredens nicht zu bewegen, sich zum Zwecke der Schutzimpfung nach Berlin zu begeben. — Ein schöner Fund wurde in einer Familie zu Wetzlar gemacht. Beim Verspeisen einiger Austern sand man in einer von ihnen eine prächtige Perle. Der Fund dürfte einen nicht unansehnlichen Wert darstellen. . 68.70 . 98.00 . 137 80 . 134.70 . 212.40 . 195.40 . 151.20 . 165 70 . 172.80 . 144 30 . 22.20 Kunst und Wissenschaft. — Gerhart Hauptmann und der Münchener Theaterintendanturpvsten. Eine seltsame Meldung bringt, angeblich „aus verläßlicher Quelle", ein Wiener Blatt. Darnach habe noch bis vor kurzem zu denen, die den Ehrgeiz fühlten, Nachfolger Possarts zu werden, auch Gerhart Hauptmann gehört. Dein Dichter batte daran gelegen,, seine „ästhetischen und dramaturgischen Ideen" nun auch „in die Praxis" umzusetzen, und nur durch die energischen Vorstellungen seiner intimen Freunde sei er Von feinem Vorhaben wieder abgebracht worden. — Diese Nachricht klingt so unwahrscheinlich, daß wir ihr zunächst keinen Glauben schenken. — InRiva (Südtirol) ist am 6. September der Schriftsteller Karl voUi Heigel gestorben. (Heigel, geb. 25. März 1835 in München, hat sich als Verfasser von tüchtigen, recht lesenswerten Romanen bekannt gemacht, in denen ein starkes Künstwissen und feines Kunstempfinden zu tage trat. Ihre Tendenz war öfter kulturkämpferischer Art. Er ist lange Zeit einer der Vertrauten des Königs Ludwigs II. gewesen und hat zahlreiche Dramen geschrieben für die vielbesprochenen Separat- Aufführungen vor Ludwig II. D. Red.) Burg hatte sich viel Publikum angesammelt, welches den Fürsten mit lebhaften Hoch- und Hurrarufen begrüßte. Der Großherzog bleibt bis Somstag in Friedberg. ** Person alten. S .K. H. der Großherzog haben den Kreisamtsgehilfen bei dem Kreisamt Bensheim, Löffler, auf sein Nachsuchen unter Anerkennung seiner treu geleisteten Dienste in den Ruhestand versetzt. — Der Kreisamtsgehilfe bei dem Kreisamt Schotten, Wingefeld, wurde zum Kreisamtsgehilfen bei dem Kreisamt Bensheim, und der Bureau- gehülfe Rüffert aus Höchst i. O. zum Kreisamtsgehilfen bei dem Kreisamt Schotten ernannt. •• Auf der Durchreise. Heute früh um 7.51 Uhr passierten I. K. Hoheiten der Kronprinz und die Kronprinzessin vonPreußen sowie Prinz Ei tel Fried ri ch von Preußen im Sonderzug auf der Reise von Berlin nach Homburg die hiesige Station. Den hohen Herrschaften wurde von der Bahnhofsrestauration ein vorher bestelltes Frühstück in den Wagen gereicht. Im fahrplanmäßigen Zug 8.02 Uhr befand sich S. K. H. Prinz Heinrich von Preußen auf der Reise von Kiel nach Homburg. *• Die Kaisertage in Homburg und Koblenz. Der Kaiser und die Kaiserin werden am Sonntag, 10. d. M., 3y4 Uhr nachmittags von Homburg nach Koblenz Weiterreisen, wo die Ankunft um 6*/4 Uhr abends erfolgt. Das Kasserpaar und der Kronprinz werden im dortigen Schlosse Wohnung nehmen, dagegen wird die Kronprinzessin weder nach Homburg noch nach Koblenz kommen. Auch der Großherzog von Hessen kommt nicht nach Koblenz. Die Prinzen Eitel Friedrich und Adalbert werden beim Geheimrat Spaeser, Prinz Albrecht von Preußen im Hotel Bellevue und der Generalfeldmarschall Prinz Leopold von Bayern beim Kommerzienrat Oswald Wohnung nehmen. Heber die Abreise des Kaiserpaares von Koblenz, die für den 16. September geplant ist, sind definitive Bestimmungen noch nicht getroffen. — Oeffentliche Lesehalle. Im August wurden 1655 Bände auSgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Zeitschriften 282, Jugendschriften 234, 29, Litteraturgeschichte 7, Länder- und Kulturgeschichte 11, Geschichte und Bio- Kunstgeschichte 7, Naturwissenschaft und Seewesen 10, HauS- und Landwirtschaft 7, 8, Religion und Philosophie 6, Staats- Sprachwissenschaft 6, Fremdsprachliche? achter es a!5 ihre Pflicht, die Grund- und Hausbesitzer in ihren Forderungen nach gerechter Besteuerung nnd in ihren Bestrebungen nach zunehmender 'Entschuldung bezw. einer Gesundung des Jm» mobiliar-Kreditwesens nachdrücklich zu unterstützen: die Vereinigung hat die Pflege der Interessengemeinschaft zwischen städtischem und ländlichem Mittelstand als eine ihrer wichtigsten Aufgaben anzusehen/ Frankfurt, 6. Sept. Oskar Käser, der gestern verhaftete Einbrecher, scheint einen guten Magen zu haben. Bei seiner Visitation wurden ihm drei Trauringe, ein Brillantring, ein Klümpchen Gold und Geld im Betrage von 5—6 Mark, Silbergeld und Kupfergeld, abgenommen. Der Beamte legte alles in den .Hut des Einbrechers, der ge- esselt war. Als ihm der Beamte einen Augenblick den Rücken Zehrte, benutzte Käser den Moment und verschluckte eine ganze Anzahl dieser Gegenstände. Er muß das blitzschnell gemacht haben. Der Beamte war maßlos erstaunt, als er den Hut zur Hälfte leer fand. Käser aber lächelte sehr vergnügt. — Während seiner Flucht hat er schon einen Ring verschluckt. — Die Polizei hat Pfandscheine beschlagnahmt, welche hier verkauft worden sind und aus Gießen stammen. Es wurde festgestellt, daß dort aus dem Schäferschen Einbruch stammende Uhren und Ringe versetzt worden sind. — Heute vormittag nun wurde ein fünfter Verdächtiger beim Reichsanleihe . . 100.80 do. ... 89.80 Konsole .... 100.80 do......89.70 Hessen .... 100.— sprechen. Wiesbaden, 6. Sept. Der deutsche Verband für das kaufmännische Unterrichtswesen hat heute morgen seinen diesjährigen Kongreß hier begonnen. Der Kongreß ist zahlreich besucht. Heute finden nur Ausschuß- Sitzungen statt. Der eigentliche Kongreß beginnt morgen. Wiesbaden, 6. Sept. Auf der Chaussee nach Schlmrgen- dab wurde dem hiesigen „Generalanzeiger" zufolge durch das Automobil Nr. 1320 ein schwerer Unfall herbetgeN-IUt Ter mit zwei Herren und drei Damen besetzte Wagen fuhr direkt auf das Fuhrwerk eines Gemüsehändlers zu, das Pferd fcheute und rannte mit dem Wagen die steile Böschung tznunter. Der Wagen wurde zertrümmert und die Ladung vernichtet. Der Besitzer des Fuhrwerks und dessen Tochter trugen an Köpf und Armen schwere Verletzungen davon.. Auch das Pferd wurde nicht unerheblich verletzt. — Gestern nachmittag rannto em Auto- mobil in der Rheinstraße gegen einen Straßenb ahn fragen. Der Chauffeur blieb unverletzt, doch wurde das Automobil fo schwer beschädigt, daß es ßiira) ent Droschkenpferd fortgebracht werden mußte. Frankfurt, 6. Sept. Die Generalversammlung bet deutschen Mittelstandsoereinigung nahm über die Entlastung des Haus- und Grundbesttzes folgende Resolution an: .Die wirtschaftliche Grnvve der Haus- und Grundbesitzer m Stadt nnd Land, welche an sich nnd m Ansehung 'brer engen Begehungen zum nnttelstandlichen Erwerbsleben znrn Mittelstand zu rechnen ist, leidet unter drückender steuerlicher Belastung und durch' Ichnittlich zu hoher Verschuldung; die Mittelstandsvereinigung er- 40/0 _______________ 3% Portu(ries°r I i> M w 1* 7. 6^*6«-! 3tei§. >e (paarweise): Leopold, Nidda, ehttnk Irbeitsschläge S. Michel, Gießen, 2, 6I5ge(pa«n»eil#j i rf, Gießen, 2., A. M oe, einzeln: z., 2L Frensdorf, Gie^ ae, einzeln: ja. Frensdorf Gießen, 5 - ckstadi, t. Preis. 2bans U-, ^Kns Konr. Kerner,. arweift. Hofmann, Wer, AU" Vst, ü&SsS 31/, % Oberhessen . . . —.— 4% Oestorr. Goldrento . . 101.75 4l/s% Oestorr. Silberrente . 101.30 Nniverstläls-Hlacsirichlen. hc. Darmstadt, 6. Sept. Dem Privatdozenten für Geodäsie und astronomische Ortsbestimmung an der Technischen Hochschule zu Darmstadt, Dr. phil. Paul Gast aus Wiesbaden, wurde die Abhaltung der Vorlesung ^Praktische Geometrie für die Studierenden der Architektur und des Maschinenbaues" bis auf weiteres übertragen. — In Rohrbach bei Heidelberg starb nach langem Leiden der ordentliche Professor der alttestamentlichen Theologie an der Berliner Universität Dr. Friedrich Baethgen. 10 Bände. Nach auswärts kamen 31 Bände. ** Tie Onckensche Bibliothek. Soeben erhalten wir die Nachricht, daß die hinterlassene wertvolle und umfangreiche Bibliothek unseres jüngst verstorbenen verehrten Mitbürgers, des Geh. Rat Professor Dr. Oncken, käuflich in den Besitz der hiesigen I'. Rickerschen Universitätsbuchhandlung übergegangen ist. Auf die wertvolle und interessante Bibliothek später noch einmal zurückzukonrmen, behalten wir uns vor. •• Bibliothek und Archiv deS Klosters Arnsburg. Gegenwärtig weilt in Laubach, wie uns von dort geschrieben wird, auf längere Zeit der Unioersitätsbibliothekar Dr. Ebel ans Gießen. Er beschäftigt sich mit dem Studium des gräflichen Archivs zum Zwecke der Bearbeitung von „Kloster Arnsburgs in dem Sammelwerke „Die historischen Kunstdenkmäler Hessens-, in welchem er, gemeinschaftlich mit Prof. Dr. Sauer, den Kreis Gießen übernommen hat. Bekanntlich sind aus Kloster Arnsburg die dortige Bibliothek und das Archiv seinerzeit in das Laubacher Schloß verbracht worden. Darmstadt, 6. Sept. Der sozialdemokratische Parteivorstand hat in seinem Bericht für den Parteitag in Jena die Taktik der Genossen in Mainz und Darmstadt bei den Stadtverordnetenwahlen im Herbste getadelt unb „die Kompromisse mit den Gegnern bedenklich« genannt. Der Reickstagsabg. Cramer hat nun an den Parteivorstand ein Schreiben gerichtet, in welchem er be st reitet, daß die Darmstädter Genossen außer dem Spott auch noch den Schaden gehabt hätten. Bei der vorletzten Wahl hätten sie auf Grund desselben Kompromisses zwei Kandidaten durchgebracht, auch bei den letzten Wahlen habe ihre Stimmenzahl zugenommen. Für eine rein sozialdemokratische Liste sei in Darmstadt die nötige Anzahl Kandidaten Telephonischer Kursbericht, Frankfurt » H., 7. Septbr. 1905. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Boranssichtlichc Witterung in Hessen für Freitag, beft 8. September 1905: Wolkig, kühler, stellenweise Gewitter. Näheres durch bie Gießener Wetterkarte. Kriqinat-Dralitmeldnngen. B erlin, 7. Sept. Der „Verl. Lok.-Anz." meldet au« Dar* es-Salaam: Die M i s s i 0 n s fta t i 0 n Massassi itnirbe nach Mzug der Missionare von Mba unb Mursel mit Hilfe treuer Wavao gehalten, wobei 28 Rebellen getötet wurden. Die Aufständischen, die Vieh aus der Station Kilossa geraubt hatten, wurden von dem Oberarzte Brunn mit nur zehn Soldaten geschlagen. Das Vieh wurde zurückerobert; 50 Feinde wurden getötet. , . ~ Kassel, 7. Sept. In der Segeltuchweberer Fröhlich und Wolff streiken 150 Weber wegen Entlassung eines Arbeiters. Hamburg, 7. Sept. Eine Versammlung der aus^ ständigen Glasergesellen beschloß den Generalstreik. Hamburg, 6. Sept. Bei einem auf Raboisen wohn» haften, kürzlich aus der sittenpolizeilichen Kontrolle entlassenen Frauenzimmer, welche wegen Brechdurchfalls in das Eppendorfer Krankenhaus übergeführt wurde, ergab die bakteriologische Untersuchung, daß es sich um Cholera handelt. Sämtliche Personen, mit welchen die Erkrankte während der letzten Tage in Berührung gekommen war, wurden unter ärztliche Kontrolle gestellt, ihre Wohnungen desinfiziert und alle Vorsichtsmaßregeln getroffen. Die Ermittelung über einen Zusammenhang mit den bereits gemeldeten Erkrankungen sind noch nicht abgeschlossen. Weitere verdächtige Erkrankungen sind nicht vorgekommen. Paris, 7. Sept. Nach einer Meldung, die der „Matin" aus Newhork erhält, befindet sich unter den Passagieren des in Newtwrk eingetroffenen Dampfers „Kaiser Wilhelm" Herr Flint, welcher von der russischen Regierung mit dem Ankauf von K'riegsschiffen beauftragt sein und über den Verkauf der argentinischen Kriegsflotte an Rußland verhandeln soll. Wien, 6. Sept. Die Gesamtzahl der in Galizien' biSher beobachteten Cholerafälle beträgt sieben, von denen drei tödlich und drei mit Genesung verliefen unb ein Kranker noch in Behandlung ist. Budapest, 7. Sept. Infolge eines Wortwechsels zwischen' dem Gutsbesitzer Alexander I e s z e n s k v und seinem Pächter, einem früheren Offizier namens Ludwig Müller, fand ein Siäbelduell statt. Müller wurde an Kops, Hals und.am Bauch verwundet. Auf das Halt der Sekundanton ging Müller dennoch auf Jeszensky los und verwundete ihn durch einen Hieb auf den Kopf schwer. Gegen Müller wird Strafanzeige erstattet. Petersburg, 7. Sept- Durch einen kaiserlichen Erlaß wurden Kontreadmiral Neboaatow und die Kapitäne, welche die Panzerschiffe „Imperator Nikolai I", „Admiral Ssen- jawin" und „Oleneral-Admiral Apraxin" befehligten, unter Verlust des Dienstgrades und unter Anwendung der Bestimmungen des Marine-Strafgesetzbuches ans dem Dienste entfernt. Auf den Bericht über die U'eberaabe der genannten Panzerschiffe unb des Panzerschiffes „O r el" schrieb der K'aiser den Befehl, alle anderen Offiziere dieser Schiffe bei ihrer Rückkehr nach Rußland v 0 r G e r i ch t zu stellen. Betreffs des Kommandanten deS „Orel" soll die Ausführung des Befehles aufgeschoben werden, bis ein genauer Bericht emgeaangeit ist über die Umstände, unter denen der Kapitän den Befehl über den ,.Ovel" von dem schwerverwundeten Kapitän, der vorher das Schiff befehligte, übernahmt Baku, 7. Sept. In Bala'ch'anh sanden nacht? heftige Straßenkämpfe statt. Unter den (Getöteten beftnbat sich viele Russen und einige Deutsche. In Balachanv und Bibi-Bybad stehen die Häuser in hellen Flammen. Die Reservoire von Rothschild sind niedergebrannt. Das Zeughaus wird von Tataren gestürmt. Athen, 6. Sept. lHavas.) Wegen einer hier erfolgten" Beschlagnahme von vier Koffern, in denen sich kleine Bomben befanden, war eine Untersuchung eingeleitet. In ihrem Verlanw wurden in dem Keller einer kleinen armenischen Kirche zahlreiche Bomben, Gewehre und wichtige Schriftstücke entdeckt. Es' handelt sich um eine große revolutionäre Vereinigung von Armeniern, deren Ziel es ist, ein Einschreiten der Mächte zu gunsten ber Armenier herb ei zu führen. Man glaubt, daß noch andere Niederlagen bestehen. Eine Anzahl von Ver- Haftungen wurde vvrgenommen Tanger, 7. Sept. Ein Beamter der französi^ scheu Telegraphengesel'lschäft wurde gestern früh, als er am Meeresstrande mit der Ausbesserung eines schadhaften Stückes eines Kabels beschäftigt war, von Leuten des Angorastammes angefallen, die ihn mißhandelten und ihm die Kleider vom Le.be rissen und ihm sein Maultier und sein bischen Geld, das er bei sich trug, raubten. Tiflis, 6. Sept. Der Gouverneur in Elisabetpol be- richtete, daß Einwohner des Torfes Minkond von herum- ziehenden Tataren nieder gemacht wurden. Auch andere Dörfer würden von ihnen belagert. Der Gouverneur erbat die Entsendung von Truppen, um die Ruhe wiederherzustellen. Kerichtssaak. # öanau, 6. Sept. Vor dem Schöffengericht hatte sich gestern ber sozialdemokratische Stabtoerorbnete Hoch wegen Beleibigung von elf bürgerlichen Mitgliebern ber Stadtverordneten Versammlung zu verantworten. Die Anklage gründet sich auf die in einer Sitzung des Stadtverordneten- kollegiums ausgestellte Behauptung Hochs, die betreffenden Stadtverordneten hätten bei einer Vorlage wider besseres Wissen abge-> stimmt, ferner auf zwei nach der Vermutung der Kläger von Hoch verfaßten Artikel der Frankfurter „Volksstimme", in denen die gleiche Beleidigung enthalten war. Die Debatte in der Stadtverordnetenversammlung, wobei die beleidigenden Aeußerungen gefallen sind, betraf eine Vorlage über den Bau von Arbeiterwohnungen. Hoch gab zu, die betreffende Aeußerung in der Stadtverordnetenversammlung getan zu haben. Er sei von der Wahrheit seiner Worte überzeugt und habe sich als Stadtverordneter zu ber Aeußerung verpflichtet gehalten. Dagegen bestreitet er, bie in Frage stehenben Artikel der „Volksstimme" verfaßt zu haben. Jlsstizrath Uth, der juristische Beistand der elf Stadtverordneten, beantragte Vertagung der Verhandlung und Ladung des verantwortlichen Redakteurs der „Volksstimme", eventuell Ladung des gesamten Personals dieses Blattes. Das Gericht beschloß Ber- tagung der Verhandlung auf unbestimmte Zeit und Zurückgabe ber Akten an die Staatsanwaltschaft zur Feststellung über den Urheber der inkriminierten Artikel. (H. Z.) Lande: lind Verkesir. Uolkswirtschaft. Deutsche Rei'ch'sbank. Der in den ersten Tagen des September erhoffte Rückfluß ist nicht eingetreten: cs find sogar zu Beginn des Monats weitere erhebliche Ansprückto an die Bank herangetreten, sodaß dec Status ziemlich ungünstig gegenüber dem Voriahr sich stellt und die Notenreserv'e niebrtger als damals ist Aller Voraussicht nach wird noch zu Schluß dwser Woche oder zu Anfang der nächsten eine Einberufung des Zentral- aussck'usses stattfinden, und diesem dürfte die Diskonterhöhung um ein volles Prozent in Vorschlag gebracht werden. Raffinerie Say und Cronier. Es bestätigt sich, daß die Raffinerie für große Spekulationen, die Croniers als Präsident der Gesellschaft unternommen hat, aufkommen muß. Die Verluste hieraus werden auf etwa 20 Mill. Fr. geschätzt. Durch die bereits erwähnte Bildung eines Garantieshndikats, mt. . A w -HK ZLtz "'NM imn5Q,n5bet, der 2"^ ?oIbQten Lb,Dn6^ -As ■a"9 unb 159»S " e -rachem als vtz ^uknM, bann e a^n und Guir, > agervereme ani i^AuAch, Fried, i Taten. Jtc Zriegw MeDsseld, Hessen 1 Eüen ,ein unb erhaltet °rtier. $ 2^^>OonomÄ i Hießen. ließen, 7. Cyt. waren zirka 300 worden. Dos präch» i Morgen viel Küfer , Platz gelockt. Dei ch war der Antrieb ß, unb das hierbei auch der Vorsitzende ller vom Neuhof, is h gut. Um 8V2 Uhr ) von 10 Uhr an ent» nzerr der Feuerwehr« •[ iarktbesucher und eii ler Art. Die Resten- ; e. Um 12 Uhr mittags ttvatbesitz besindliihw || eiter und im Geschirr, funden hatten. Ähr- torfafyren zweier er k8 einen Gren«-. । onknrren; ein v für rä| xm W. 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