sr*. 183 e»ie«et teeti* außer Sonntag». Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Vesftschen Landwirt die Kießener Kamillen- tiittet viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Der- Uig der Brü h l'scheu Nittvers.-Buch^». Stein« druckerei. «. Sauge. Redaktion, Lrv-dMoa imfc Druckerei: OSolVroße 7. ßlbresi» für Devescheu: Anzeiger Gießen. Krrnsvr^chanIchlußNr 51 Erstes Blatt. 155. Jahrgang tag 7. August 1905 Gießener Anzeiger General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen ve>ng«pr '* Hj-z. 'BetfjntrooiU’d, fift den poliL und -Jl ,eri. Teil: P. Wittlo: für , Stadt und Canlr und .Gerichtösaal': August Goetz, für den Anzeigenteil: tzanS Bech Ire heutige Dummer umfaßt 8 Seilen. Politische Wochenschau. Eine Hundstagsstimmung auf politischem Gebiete gibt es seit Jahren nicht mehr. Alle Tage bringen neue politisch« Ereignisse und daneben sorgen allerlei Gerüchte, Behauptungen und Widerlegungen dafür, daß noch mehr Mwcck'slung in die allgemeine Unruhe, das böse Zeichen einer bösen Zeit, kommt. Noch immer zehren englische und französische Blätter an Erinnerungen und Folgerungen, die mit der Kaiferbegegnung in Björkö zusammenhängen, aber die Aufregung hat sich doch schon gelegt. Wenn man auch merkt, wie sehr die Mißstimrn- ung gegen das rüstige, nach allen Rickrtungen und auf allen Gebieten sich rege umschauende und betätigende, die habgierigen Pläne anderer gern plump durchkreuzende Deutschland von dort aus genährt wird, so läßt sich doch ein Abflauen in den Verhetzungen, die noch vor acht Tagen ins Ungemessene zu gehen drohten, nicht verkennen. In Widersvruch freilich mit gehässigen Pariser Prcßäußerungen steht das Verhalten der französischen Regierung, bei der eine Wandlung zu äußerlich freundlicheren Anschauungen Deutschland gegenüber um sich greift. Immerhin ist dem konziliant und höflich uns anlächelnden Frankreich nicht zu trauen, und allenthalben lauert es nur darauf, uns irgendwo ein Schnippchen schlagen zu können. Die äußeren Formen aber im Verkehr zwischen Deutschland und Frankreich sind tadellos und nach außen hin das Verhältnis von vollkommenster Ausgeglichenheit. So hatte die französische Negierung vor einiger Zeit den Wunsch ausgesprochen, die Gebeine der in Deutschland verstorbenen Kriegsgefangenen sammeln und nach Frankreich bringen zu lassen. Der Kaiser hat jetzt, wie die „Grenzboten" melden, seine Zustimmung gegeben und zugleich angeordnet, daß die Uebergabe unter militärischen Ehren vollzogen werden soll. Also vor aller Welt scheinbar ein Herz und eine Seele! Die englischen Staatsmänner aber tragen, im Gegensatz zu der dortigen, die gesamte Volksstimmung ganz richtig wicdergebende Hetzpresse, Deutschland gegenüber eine wohlwollende, freundlich herablassende Miene uns gegenüber gütigst zur Schau, und im Unterhause hat neulich der kluge und vorsichtige Unterstaatssekretär Earl of Perch in seiner Rede über Englands auswärtige Politik sichtlich alles ferngehalten, was bei uns aufs neue verletzen könnte. Ueberraschen mußte die Nachricht von der bevorstehenden en g- lischen Geschwaderfahrt nach der Ostsee — aber auch diese Aufregung legte sich auf beiden Seiten rasch, nachdem von Berlin aus mit großer Geberde freundlichst behauptet worden war, daß keine politische Kundgebung großen Stils bezw. eine Abschwächung der Erfolge der Kaiserbegegnung von Björkö bezweckt sei, daß es sich dabei vielmehr um die Ausft'lhrung eines schon vor Monaten beschlossenen Planes, also um „olle Kamellen", handele. Ja, dadurch, daß das Publikum jetzt erst erfuhr, was die Negierung vielleicht längst schon wußte, wird die Sache aber doch nicht minder seltsam. Warum schickt Kaiser Wilhelm seine Schiffe nicht flugs einmal hinüber nach der Irischen See zum friedlichen Manövrieren und möglichsten Kennenlernen aller englischer! Hafenintimitäten? Natürlich ist auch die englische Presse jetzt bemüht, den heraufbeschworcnen Verschärfungen entgegenzutreten und die Harmlose zu, mimen. Die Petersburger „Nowoje Wremia" ist übrigens der originellen Ansicht, daß die engl. Flotten-Demonstration sich mcht gegen Deutschland, sondern gegen Rußland richte, das zum Nachgeben bei den Friedensverhandlungen gezwungen werden soll. Die Engländer sollten aber, so fährt das Blatt weiter fort. Acht geben, daß sich kein zweiter Hüller Zwischenfall ereignet, falls britische Schiffe ungebeten in den finnischen Gewässern erscheinen sollten. — Jedenfalls heißt es sowohl für uns Deutsche wie für die Nüssen, vor den Engländern, höllisch auf der Hut sein! Der Besuch des d e»u tsch en Ka isers in Kopen h a gen, der ebenfalls Gelegenheit zu manchem Lufthieb gegen Deutschland bot, ist vorüber. Es zeigt sich, daß die guten Beziehungen, die der Kaiser bei seinem letzten Besuche in Kopenhagen so betont hatte, weiter fortbestehen und auch eine weitere Dauer versprechen. Ob als Folge der Zusammenkünfte des Kaisers mit dem Zaren und den Königen von Schweden und Dänemark nun ein engerer Zusammenschluß der Ostseereiche bevorsteht, mit dem man in England und ^r^nkr<'ick> bereits rechnet, ist nicht unwahr- scheinlich. Zum mindesten dürfte die Frage der für uns recht wertvollen dänischen Neutralität im Falle eines Konflikts zwischen Großbritannien und dem Deutschen Reiche ihrer Klärung näher geführt worden sein. Inzwischen ist eine neue Nachricht aufgetaucht, nach der eine Zusammenkunft des deutschen Kaisers mit dem König von England demnächst in unserer Nackibarstadt Frankfurt am Main erfolgen soll. An der Tatsache einer nahen Begegnung zu zweifeln, liegt u. E. kein Grund vor. Die Begegnung würde im gegenwärtigen Zeitpuntte eine besondere Bedeutung erlangen, denn es liegt auf der Hand, daß sic nicht einzig und allein erfolgen würde um der rein verwandtschaftlichen und persönlichen Beziehungen der beiden Monarchen zu einander. Ob allerdings das Verhältnis zwischen den beiden überall einander scheel betrachtenden und heftig miteinander konkurrierenden Völkern dadurch eine Wandlung erhalten könnte, scheint uns doch sehr zweifelhaft. Dem weltgewaltigen Briten sind wir aufstrebenden Deutschen nun einmal ein Dorn im scharfblickenden Auge, der ihm recht unbeguem ist. Nach neuesten in Marienbad eingetroffenen Berichten kommt König Eduard am 14. August dort an. Ursprünglich war seine Ankunft für den 11. August festgesetzt; sie ist aber, wahrscheinlich mit Rücksicht auf eine Zusammenkunft mit Kaiser Wilhelm, um drei Tage verschoben worden. Woraus für uns nicht allzu günstige Schlüsse auf den Urheber des Entrevue-Gedankens zu ziehen sind. Die Lohnkämpfe dieses Sommers haben mit der großen Aussperrung der sächsisch-thüringischen Färber und Weber einen ganz außerordentlichen Umfang angenommen. Bei dieser Streik-Aussperrung handelt es sich um einen gewaltigen Kampf, bei dem schließlich die Zahl der Leidtragenden an die Hunderttausend herankommt. Ter Zeitpunkt, um mit Lohnerhöhungen an die Fabrikanten heranzugehen, war im Hinblick darauf, daß die sächsisch-thüringische Textilindustrie sich jetzt erst langsam von einer jahrelangen Niederlage zu erholen beginnt, jedenfalls nicht glücklich gewählt. Der Kampf im rheinisch-westfälischen Baugewerbe hat nach dem Scheitern der Einigungs-Verhandlungen an Schärfe zugenommen. Aus sämtlichen Bahnhöfen des Jndustriebezirkes sind Streikposten ausgestellt worden, die den Zuzug Arbeitswilliger fernhalten sollen. Die Essener Bauarbeiter-Organisation richtete ein Schreiben an die Unternehmer, sich bis heute, Montag, Mittag 12 Uhr darüber zu entscheiden, ob sie die erhöhten Stundenlöhne zahlen Uwllen. Erfolgt keine oder eine ablehnende Antwort, so soll in den allgemeinen Streik eingetreten werden. Eine Anzahl Bauunternehmer des Bochumer Reviers erkannte auf Vorstellung der Sechserkommission den neuen Lohntarif an. Die Mehrzahl verhält sich aber ablehnend. Eine dritte größere Aussperrung betrifft die schlesische Metall-Industrie. In Breslau waren die Eisendreher der Waggon- und Maschinenfabriken wegen Lohnforderungen in den Ausstand getreten; als ihnen darauf seitens der Industriellen em Ultimatum gestellt wurde, erklärten sich die übrigen Breslauer Metallarbeiter mit ihren Kollegen solidarisch, und die Folge war eine Aussperrung aller Organisierten. Nach neuesten Meldungen aber sind die Breslauer Differenzen jetzt glücklich beseitigt worden. Aus unseren südafrikanischen Kolonien, wo der Aufstand der Eingeborenen immer mehr Opfer an Gut und Blut fordert, kamen wieder mancherlei neue unerfreuliche Nachrichten. Wie amtlich aus Südwestafrika gemeldet wurde, ist nunmehr bestimmt festgestellt, daß H e n d r i k W i t b o i mit starken Kräften am Tsachcib, einem zwischen dem Hudup und dem Keisub nach dem Leberfluß führenden Revier, sitzt. Generalleutnant von Trotha gedenkt ihn dort anzugreifen und ist im Begriff seine Truppen zu sammeln. Am 28. Juli überfiel eine kleine Hottentottenbande die Station Gaimaichos, 25 Kilometer nördlich von Berseba. Nach einstündigem Kampf zog sich der Feind unter Verlusten nach dem nahen Hornkranz zurück. Auf deutscher Seite wurden ein Reiter schwer und drei leicht verwundet. — Nach einem Telegramm des Gouverneurs inDeutsch- Ost-Afrika sind zum Ueberfluß nun auch noch unter den Eingeborenen der Matumbisberge, nördlich von Kilwa, Unruhen ausgebrochen, deren Veranlassung noch nicht völlig geklärt ist. In dem an der Küste gelegenen Orte Ssamanga sind verschiedene Jnderhäuser von den Eingeborenen verbrannt worden. Zur Unterdrückung der Unruhen, bereit lokaler Charakter allerdings vorsichtig von dem Gouverneur betont wird, sind die beiden Kompagnien aus Lindi und Dar-eA-Salaam nach Kilwa beordert worden. — Leider svielen die Umtriebe Eine Dadfagrt nach der Schwalm und Kochwaldyausen. (Original-Artikel des Gießener Anzeigers.) (Fortsetzung.) Ein gar liebliches Ländchen ist die Schwalm. Der Wald, der hier prangt, die Dörfchen, die hier träumerisch im Verborgenen blühen, die Berge, die, die Landschaft einrahmend, in der Ferne thronen,—in Bildern mags der Maler wiedergeben, denn unbeschreibbar ist's. Es ist auch mehr Musik, mehr Volkslied. Leise schleicht der Abend durch den stillen Wald. Die untergehende Sonne streut Rosen über Himmel und Erde. Denn wie zarte duftige Röschen blicken die vom letzten Sonnenstrahl geküßten CirruSwölkchen auf uns hernieder, und wie von goldgelben Kapuzinerrosen leuchtets von den im schrägen Sonnenlichte stehenden beryllgrünen Buchenstämmen. Die scheidende Sonne gießt ihre schönsten Tinten aus. Von Zeit zu Zeit springt ein Reh über den Weg. Hier eine entzückende gelbgrüne Waldwiese, über die ein stämmiger Jäger schreitet, dem weit voraus sein Hühnerhund springt; dort goldene Garben, auf freiem Felde von fleißigen Händen zusammengehäuft und auf den noch sonnenbeschienenen welligen Stoppelacker tiefblaue Schatten werfend. Der Maler findet hier eine unerschöpfliche Menge von Motiven. Jeder neue Moment bringt neue Lichter in die Landschaft, jedes Stückchen Waldes und Feldes, jedes traulich in einen Wiesengrund gebettete Gehöft neue Reize. Unter den Umrissen der Berge, unter den sanften Win- -ungen der Hügel und der sich kreuzenden und dadurch die Landschaft merkwürdig abwechselungsvoll gestaltenden Gründe, unter den Gruppierungen dieser Bäume und Gebüsche laufen einfach schöne Linien hin; das Zufällige, durch Spiel der Natur heroorgebracht, erhöht unser Interesse an dem Charakter des Einzelnen; Anschauung und Gedanke wecken in uns Empfindungen und Ideen, die uns diese ganze Gegend so „malerisch" erscheinen lassen wi^ wenige. Unsere Rüder tragen uns bald hügelanf, bald hügelab. Jetzt kommt eine lange, lange, obendrein ziemlich jähe Senkung. MitVogelfluggeschwindiakeit rollen wir sie hinab. Ta, nach einer Wegbiegung, rattert gemächlich ein mit Klee beladener Bauernwagen vor uns. Schon sind wir ihm ganz nahe. Ich drücke ein wenig meine Vorderbremse, doch nur wenig wird des Rades stürmender Lauf gehemmt. Mein Vordermann biegt auf dem schmalen Wege, der nur auf einer Seite Raum zum Vorbeifahren bietet, aus, und in demselben Moment bringt er das Rad durch Benutzung der Freilaufbremse zu langsamerer Fahrt. Ich folge ihm unmittelbar, die Stellung meiner Pedale ist gerade so, daß zum Anziehen der Freilaufbremse eine halbe Umdrehung nötig ist. Kurz, ich kann dem Laufe des Rades nur wenig Einhalt tun. IN einer Sekunde überlege ich mir, daß ich, wenn ich dem Vordermann folge, ihn und mich zu Fall bringe; so können wir vielleicht beide unter die Pferde oder den Wagen geraten. Weiche ich nach der anderen Seite aus, dann liege ich sofort im Graben, vielleicht mit gebrochenem Genick. Das einzige ist, ich lasse das Rad gegen den Bauernwagen laufen. Vielleicht falle ich weich auf den Klee. Ter Zusammenstoß erfolgt und im nächsten Moment liege ich, vom Rade auf den Wagen und vom Wagen auf die Erde gefallen, am Boden. Ich erhebe mich und schaue zuerst nach dem Rade. Mein Mitradler eilt hilfbereit herzu, ebenso die Insassen des Wagens, Vater und Sohn, die Klee geschnitten haben. Ich war gegen die Beine des jungen Bauern geprallt, der hinten auf dem Wagen stand. Die Lenkstange ist arg verbogen und lädiert, das Hinterrad ein wenig verschiest, sonst ist das Rad intakt. Ein Hosenbein hat einen kleinen Riß; sonst ist mir nichts geschehen. Oder doch? Ich fühle Leisten schmerz. Jedenfalls ist die Lenkstange gegen die, übrigens ein wenig angesplitterte Langwiede des englischer Händler der Kapkvlonie, die nicht gefaßt werden können, eine recht verhängnisvolle Rolle und auch das Verhalten der britischen Kapregierung erscheint recht zweideutig. Der stellvertretende Premierminister in Kapstadt sieilich ermächtigte das! Reuter'sche Bureau zu erklären, daß Waffenhandel zwischen der Kapkolonie und dem Damaraland nicht stattgesiinden habe. Er erklärte, daß die Regierung ausnahmslos alle Waffen aufhalte, welche in der Kolonie cingcbracht oder ausgeführt werden sollten. Sollen wir's ihm glauben? In Ungarn ist die Krifis zu einer ständigen Einrichtung acivorben. Tie Koalition hält an ihren Forberungen fest, die Krone will nicht mehr Trottligen, als sie schon getan hat,, und so verschärfen sich die Gegensätze von Tag zu Tag, verschlimmern sich die gesamten staatlichen Verhältnisse immer weiter. Sogar die Frage der Ausiechterhaltung der Solvenz Ungarns nimmt nach und nach ein ernstes Gesicht an. Zweifellos,kann die Zahlungsfähigkeit des Staates auf die Dauer nicht un- erschüttert bleiben, wenn die Steuerzahlung vollständig st o ck t und selbst die freiwillig gezahlten Steuern der Staatskasse nicht zugeführt werden, lieber kurz oder lang muß der Staat vor die Frage gestellt toerben, entweder die äußeren oder inneren Zahlungen zu reduzieren oder einzustellen. Wahrscheinlich werden die auswärtigen Staatsgläubiger befriedigt, dafür aber die inneren Zahlungen, darunter zunächst die Beamtengehälter, herabgesetzt oder ganz eingestellt werden. An ein Nachgeben des Kaisers in der Frage der ungarischen. Kommandosprache ist in keinem Fall zu denken. Die große liberale Partei aber ist völlig zersplittert, weil die einen einlenken, die anderen weiter opponieren wollen. Die Herren Banffy und Stita drassy sind über diesen Zerfall froh; denn jetzt, so meinen sie, werde man in Wien zu der Einsicht tontnten, daß eine Entwirrung ohne die Koalition unmöglich sei. Die Ralliierung der 67 er Parteien sei bloß im Rahmen der Koalition denkbar, die unbedingt aufrecht erhalten bleiben müsse. Auf amerikanischem Boden haben soeben die Friedens» Verhandlungen begonnen. In dem Orte Oysterbay trafen am 5. August die japanischen Fricdensbevvllrnächtigten als die Ersten an Bord eines Kriegsschiffes ein. Dort wurden sie durch den Unterstaatssekretär Pejrce dem Präsidenten Roosevelt vorgestellt, der sie in kurzen Worten im Namen der Regierung der Vereinigten Staaten begrüßte. Dann erschienen die russischen Delegierten Baron v. Rosen und Witte, der am Tage vorher ein sehr freundliches, 'eigenhändiges Schreiben des Zaren Roosevelt überreicht hatte. Darauf fand ein gemeinsames Frühstück art Bord der Jacht „Mavflower" statt. Präsident Roosevelt brachte folgenden Toast aus: „Ich bringe einen Toast aus, auf den keine Antwort erfolgt und welchen ich'Sie ersuche, stillschweigend und stehend anzuhören. Ich trinke auf bie Wohlfahrt der beiden Souveräne und der beiden großen; Nationen, deren Vertreter sich auf diesem Schiffe begegneten. Ich hoffe aufrichtigst und es ist mein Gebet, daß im Interesse nicht nur dieser beiden großen Mächte, sondern im Interesse der gesamten Menschheit ein gerechter, dauern-, der Friede zwischen Ihnen bald abgeschlossen wird." Auf dem ostasiatischen Kriegsschauplätze sind inzwischen die Japaner unbestrittene Herren der Insel Sachalin geworden. In der Mandschurei stehen sich die beiden Niesenheere nach wie vor gegenüber. Die Front des Generals Linewitsch! erstreckt sich auf eine Entfernung von 500 Kilometer und zwar umfaßt diese Linie den Tumenfluß, den Amur und die Küste bis Wladiwostok. Die Ankunft neuer Truppen aus Europa gab Anlaß zu Differenzen zwischen Linewitsch und feinem Generalstabe. Linewitsch verlangt,. wie es heißt, daß alle Truppen an die Front gebracht werden, um eine größere Tätigkeit zu entfalten, während der Generalstab für starke Reserven eintritt. Immer wieder wird aber gemeldet, daß die russ. Generale auf dem Kriegsschauplatz einhellig vom Friedensschluß nichts wissen wollen, da sie: jetzt überzeugt seien, siegen zu können. Warum sie aber dann, trenn ihnen eine solche Ueberzeugung zur Seite steht, noch immer mit dem siegversprechenden Angriff zögern? ---------■ .....■■■_■■ .......... । ■■■' '.■ & Keer und Motte. — Die wehrpflichtige Jugend Bayerns wirb allmählich mehr von der städtischen als von her1 wesentlich landwirtschaftlich tätigen Bevölkerung. Wagens gestoßen, umgeknickt und mir in die Leisten gefahren. Tie schmerzende Stelle wird untersucht. Sie ist bereits stark geschwollen. Tie beiden Bauern sind zu jeder Hilfe bereit und gehen auf den Vorschlag, mich über ihr Dorf, Reibertenrod, nach Alsfeld auf der Kleesichre zu bei fördern, ein. Große Niedergeschlagenheit, moralischer Kollaps. Doch man muß die Flinte, d. h. das Rad nicht gleich ins Korn werfen. Also hinauf auf den Klee mitsamt dem Rade. Wer das Barometer der Reiselust ist doch rapid gesunken. Meine arme Radlerseele taucht unter in dem Sumpfe pessimistischer Grübelei, und als Ergebnis brodelt der philosophische Satz empor: Die Dumme der Tourenlust ist geringer als die Summe des Tourenleids .... Inzwischen geht die rumpelnde Fahrt gen 'Alsfeld zu. Ter alte Bauer ist abgestiegen und trottet neben dem Wagen her. Nicht für 10 Mark, meint er, würde er sich je auf ein Rad setzen. Ich glaube, es würde sich auch keiner finden, der ihm 10 Mark gäbe. In Reibertenrod, einem kleinen, idyllisch in einer! Mulde gelegenen Dörfchen, ladet vor einem Hause der alte Bauer die Hälfte Klee ab. Um den Wagen sammelt sich staunend die Torfiugend. Der junge Mann ift ins HauA gegangen, um sich anzuziehen zur unvorhergesehenen Fahrt nach der Stadt. Drinnen erzählt er seiner alten Mutter das Erlebnis, und tränenden Auges eilt sie zu mir an den Wagen, und mit rührend mütterlichem Ausdruck in der Stimme raunt sie mir zu: „Ach, lieber Herr, fahren Sie doch nicht mehr Rad, cs ist das Leben!" Es wird mir schwer, die liebe alte Frau zu trösten; so sehr ich auch versichere, daß ich nur geringe Schmerzen habe und morgen wohl alles wieder gut ist, ihr Blick ruht voll immer gleichen Kummers auf mir. Ich glaub's sieilich selber nicht, was ich der alten Frau da sage. . . Und weiter geht's nach 'Alsfeld. Wenn unterwegs erstaunt ein entgegenkommender Bauer meinen Fuhrmann gestellt. Aber die Wehrfähigkeit der letzteren überwiegt die der Städte, wie neuerdings der frühere Chefarzt des bayrischen Sanitätskorps, Dr. v. Vogel, dargelegt hat. Dafür, daß die Bayern hinter dem Durchschnitt des Reiches hinsichtlich der Militärtauglichkeit zurückstehen, macht v. B. vor allem eine falsche Ernährung bczw. Pflege der Kinder und die Tuberkulose verantwortlich. Es ist erschreckend, zu lesen, daß 60—70 Prorcnt der von den Mittelschulen abgegangenen Jungen später als dienstuntauglich befunden werden, v. V. schreibt dem Klima und der Bodenbcschaffcn- heit mit Recht einen bedeutenden Einfluß auf Volksgesundheit und damit Wehrfähigkeit zn. Mit ernstem Bedenken sehen aber auch Aerzte und Sozialpolitiker eins der wertvollsten Mittel zur Erhaltung eines gesunden VolksstaunneS namentlich in Bayern, leider aber auch in allen anderen deutschen Landen, niehr und mehr schwinden: die Fähigkeit der Frauen, ihre Kinder zu stillen. Es ist klar, daß künstlich ernährte Kinder wenig widerstandsfähig heran- wachsen, selbst leicht der Tuberkulose anheimfallen und das um so eher, wenn sie selbst sich wieder dem Alkoholmißbrauch hingeben. Ist auf der einen Seite die Zahl der Herzkranken Rekruten in Bayern in besorgniserregendem Maße Jahr um Jahr gestiegen, so hat man auf der anderen Seite überall da, wo der Alkoholkonsum der Bevölkerung zurückging, auch eine Zunahme der Militärtauglichkeit erhalten. So ist diese beispielsweise in Schweden, dem früher so trinkfesten und jetzt so nüchternen Lande, von 20,4 auf 36,4 v. H. gestiegen. — Für die bevorstehenden Kaisermanöver, an denen bekanntlich das 8. und 18., sowie einzelne Truppenteile des 14. und 16. Armeekorps teiluehmcn, wurde soeben durch die Kartographische Abteilung der Königlich preußischen Landes-Aufnahme eine Wegekarte für das Kaiser Manöver 1905, 1: 300 000 in mehrfarbigem Buntdruck — Gelände braun, Eisenbahnen rot, Gewässer blau — veröffentlicht. Diese Karte bringt das amtliche Material. Sie umfaßt einen großen Teil der Rheinprovinz, von Hessen-Nassau und des Großherzogtums Heffen mit den angrenzenden Landesteilen und kostet 0,50 Mark (R. Eisenschmidt, Berlin NW. 7, Dorotheen- straße 70a). Airs Htaöt und Land. Gießen, 7. August 1905. ** Oeffentliche Lesehalle. Im Juli wurden 1595 Bände auSgeliehen. Davon kommen auf: Erzählende Litteratur 831, Zeitschriften 233, Jugendschristen 213, Verdichtungen 40, Litteraturgeschichte 9, Länder- und Völkerkunde 42, Kulturgeschichte 19, Geschichte und Biographien 64, Kunstgeschichte 5, Naturwissenschaft und Technologie 66, Seewesen 13, HauS- und Landwirtschaft 10, Gesundhcitslehre 8, Religion und Philosophie 17, Staats- wisienschaft 12, Sprachwissenschuft 5, Fremdsprachliches 6 Bände. Nach auswärts kamen 18 Bände. **DasKorpsHassia feiert, so wird uns geschrieben, WWWWWWWWMWWMWWWWW j V. _ ../ :\vi;' ■'■ ?^'l4- I 3LM M ■ MF MÄ D M O P ßE- W ,H M Todes-Anzeige. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, unsern lieben Gatten, Vater, Sohn, Schwiegersohn, Schwager und Onkel ferrn Buchhalter BllSteV HälHflliy durch einen sanften Tod von langer Krankheit zu erlösen. Giessen, den 5. August 1905. Namens der trauernden Hinterbliebenen: Adele Hammig geb. Hublitz. Die Beerdigung findet in Markneukirchen statt. Alle Bau- EÜBBei ÜlSMMBII SaJÜni.'2£«>..?- -i ■. »au-1 rtikel Bekanntmachung. In der Zeit vom 29. Juli bis 5. August lf. Js. wurden in hiesiger Stadt gefunden: 1 Portemonnaie mit Inhalt und 1 graue Schutzbrille; verloren: 1 blau und weiß gestreiftes Vorhemd mit zwei gleichen Manschetten, 1 braunledernes Portemonnaie mit 4 Mk. Inhalt, 1 goldene Halskette und 1 goldene Brosche, 1 schwarzer Damenschirm mit Stahlgriff, 1 rotledernes Portemonnaie mit 20 Mk. Inhalt und ein Zwanzigmarkstück. Zugeflogen ist: 1 Kanarienvogel. Die Empfangsberechtigten der gefundenen Gegenstände belieben ihre Ansprüche alsbald bei uns gellend zu machen. Gießen, den 5. August 1905. Großh. ^ouzemmt Gießen. §> e r b e r g. Bekanntmachung. Betr.: Warnung vor gefährlichen Spielen. In den letzten Tagen ivurde wiederholt wahrgenommen, daß Kinder oder jugendliche Personen ungelöschten Kalk in eine Flasche füllten, Wasser dazu gossen, die Flasche verschlossen und dadurch eine Explosion herbeiführten. In einem dieser Fälle erlitt ein Junge äußerst schwer«. Verletzungen im Gesicht und am Hals, in einem anderen Falle wurden durch die Explosion die Anwohner in Schrecken versetzt und erfolgte Anzeige wegen groben Unfugs. Es ergeht deshalb die Aufforderung an Eltern, Erzieher u. s. w., die ihnen anvcrtrauten Kinder vor diesen äußerst gefährlichen Spielen eingehend zu warnen, ebenso werden die Bauunternehmer, Leiter von Neubauten :c. aufgefordert, Vorkehrungen zu treffen, um zu verhüten, daß Kinder in Besitz von ungelöschtem Kalk kommen können, und auch ihr Personal mit entsprechender Weisung zu versehen. Gießen, den 4. August 1905. Großh. Polizeiamt Gießen. Herberg.________________ Bekanntmachung. Das städtische Ttcfbauamt ist Mittwoch, den 9. und Donnerstag, den 10. August geschlossen. Bon Freitag, den 11. August an befindet sich dasselbe Neucn-Bäue 22. Gießeii, den 4. August 1905. B /» Großherzogn^ meisteret Gießen. _________________Mecum. Versteigerung. In der Konkurssache über den Nachlaß des Schreiner- und Glaser» meisterS Hch. Keßler in Lollar kommen daselbst in besten Wohnung und Holzlagerplatz Mittwoch, den 9. August 1905, vormittags V-10 Uhr im Auftrage des Konkursverwalters zur Versteigerung: 16 Stück Eiche:.stämme, zirka 20 Meter Kubikinhalt, Hol) erster Klaffe, zum Teil mehrjährig lagernd und vollständig trocken, 6 Stück Pappel- und Tannenstämme, ein geräumiger Holzschuppen, Hobelbänke mit dem sämtlichen Schreiner- und Glaserwerkzcug, Vager in Bohlen und Dielen, Bilverleisten, Fenster- und Möbelbcschlägcn, Drahtstifte, 1 Glaserdiamant, 1 Stoßkarren, 1 Drehbank usm. 4070 Die Versteigerung findet bestimmt statt. Born, Gcrichlsvollzieher in Gießen. Vergebung von Bauarbeiten. Die zur Herstellung der evangelischen Kirche zu Hungen erforderlichen Maurer- u. Steimnetzarbeiten, veranschlagt zu 6717,75 Mk. Zimmerarbeiten, „ ,, 433,75 „ Dachdecker- u. Klcmpnerarbeiten, „ „ 420,65 „ sollen an durchaus zuverlässige Unternehmer zur Vergebung kommen. Bedingungen, Kostenanschlag und Zeichnungen liegen bei denr Unterzeichneten zur Einsicht aus, an welchen auch die schriftlichen Angebote bis zum 10. August d. I., vormittags 10 Uhr, einzureichen sind. Zuschlagsfrist 8 Tage. Hungen, den 3. August 1905. D5/8 Der evangelische Kirchenvorstand. Hainer, Dekan. ltes kttms Kognak E Spezialmarke, garantiert, franz Verschnitt, ärztlich empfohlen, per Litcrflasche 2 Mk., ist der preiswerteste und beliebt wegen seines 6ür vorzüglichen Geschmackes. Fernei ab- 9clten weine französischen Kognak unter Originalverschlnß als hü jupcbcn l besten, welche der Markt bringt Karl ScLOtt, VJrÜHVCrg. E. Dort, Walltorstraße 45. Ein größeres Quantum c eichen Bauholz noch sehr gut verwendbar Möbel und Bauzwecke hat Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Berta Fresemus geb. Dornseiff. Für die Beweise herzlicher Anteilnahme bei unserem schweren Verluste sagen wir innigen Dank. WWMW» Konkursverfahren. Ueber das Vermögen des Kaufmanns Karl Zimmermann in Lollar wird heute am 5. August 1905, vormittags IP/, Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Der Kaufmann Julius Dobermann in Gießen, West-Anl. 64 wird zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 23. August 1905 bei dem Gerichte anzumeldcn. Es wird zur Beschlußfassung über die Beibehaltung des ernannten oder die Wahl eines anderen Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläubigerausschusses und eintretenden Falls über die in § 132 der Konkursordnung bezeichneten Gegenstände und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf Samstag, den 2. September 1905, vormittags 9 Uhr, vor dem unterzeichneten Gerichte, Zimmer Nr. 18 Termin anberaumt. Allen Personen, welche eine zur Konkursmasse gehörige Sache in Besitz haben oder zur Konkursmasse etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Gemeinschuldncr zu verabfolgen oder zu leisten, auch die Verpflichtung auferlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 23. August 1905 Anzeige zu machen. B7/s Gießen, den 5. August 1905. Großherzoglichcs Amtsgerich zu Gießen. _______ Visitenkarten liefert rasch and billigst Brühl'scbe Oniv^Druckerel. DanSxsagunga 4112 Heute nicht 1 Uhr entschlief sanft unsere liebe, gute Gattin, Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter, Schwägerin und Tante Todes - Anzeige. Verwandten, Freunden und Bekannten die traurige Mitteilung, dass es Gott gefallen hat, unsere liebe, gute, unvergessliche Mutter, Schwiegermutter, Gross mutter und Schwägerin Frau Philippine Kaes w*e. verwitwete Sonntag, geb. Ramspeck von ihrem schweren Leiden zu erlösen. Die trauernden Hinterbliebenen: Familie Gnstav Sonntag Familie Richard Wcndrich Familie Heinrich Sonntag Anna Kaes Familie Heinrich Knoch Franz Reuter Familie Christian Arnold Giessen (Marktplatz 5), München, den 5. August 1905. Die Beerdigung findet Dienstag, den 6. d. Mts. nachmittags 6 Uhr vom Portale des neuen Friedhofes aus statt. 05217 Danksagung. Giessen, den 7. August 1905. Todes-Anzeige. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme an dem schweren Verluste, der uns betroffen, sagt innigen Dank Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Ella Retter geb. Stein. Giessen, den 6. August 1905. 4117 Frau Pfaff geb. Euler im Aber von 63 Jahren. Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: Christian Haff» Die Beerdigung findet Mittwoch, den 9. August, nachmittags 5 Uhr vom neuen Friedhof aus statt. — Blumenspenden auf Wunsch der Verstorbenen dankend verbeten. Giessen (Walltorstrasse 49), den 7. August 1905. 1055 liefert zu billigsten Preisen Emil Horst, Gießen, Liebigstraße 51, Riegelpfad. 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