Nr. 132 Erscheint W-Nch mit Ausnahme des Sonntags. Die „Siebener KamMenblätter" werden dem „Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der -hejfische tan&wlrt“ erscheint monatlich einmal. Drittes Blatt. 155. Jahrgang Giehener Anzeige Mitttvoch Jnni 1905 Notationsdruck unb Verlag der Brühl'ich« UntversttätSdruckerei. 9t Lange. Dietz«. Redaktion,Expedition u. Druckerei: Schulstr.V. TeU Nr. 61. Teiegr^Adr,^ Anzeiger Dietzen. General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Die Aeform der hessischen Kemeindeumlagen. R. B. Darmstadt, 6. J!uni. Tie Umgestaltung der hessischen Gemeindeumlagen ist bekanntlich bedingt morden durch die allgemeine Revision des staatlichen Besteuerungswesens, die im Jahre 1899 vollzogen wurde. Tas Gemeindesteuersystem beruhte bis dahin auf dem Grundsätze von Zuschlägen zu den staatlichen Steuerkapitalien, die durch diese Reform in Wegfall kamen. Tie Folge Mar die Schaffung eines provisorischen Gemeindesteuergesetzes unter Weglassung aller prinzipiellen Grundfragen, dessen definitive Gestaltung bis zum 1. April 1905 erfolgen sollte; der Dermin zur Einführung eines endgil- tigen Gemeindeumlagengeset'.es ist inzwischen um ein Jahr verlängert morden. Während man die staatliche Besteuerung nach dem Gesetz Von 1899 lediglich auf dem Grundsatz der Leistungsfähigkeit der Steuerpflichtigen aufbaute, ist dies Prinzip auf die Gemeindeumlagen nicht übernommen worden. Die Regierungsvorlage hat sich vielmehr dem System zugemandt, daß einer Leistung der steuernehmenden Körperschaft auch eine entsprechende Gegenleistung des genießenden Steuerpflichtigen gegenübergestellt werden müsse und zwar ohne Rücksicht auf die Leistungsfähigkeit des Steuerzahlers. Der Ausschuß für die Gemeindcsteuerreform hat sich mit allen gegen zwei Stimmen (die Abgg. Schönberger und Ulrich) diesem Grundprinzip der Regierungsvorlage angeschlossen und präzisiert dasselbe dahin: „Gemeindebesteuerung nach der in Einkommen und Vermögen dargestellten Leistungsfähigkeit, jedoch gleichzeitig unter Heranziehung des Bruttovermö-gens und damit steuerlicher Entgeltung der besonderen Ansprüche, die von den Gemeindegenossen an den Haushalt der Gemeinde gestellt werden und der besonderen Vorteile, die sie von der Gemeinde haben." Darüber, ob durch diese stärkere Heranziehung des Vermögens dem Gedanken der steuerlichen „Leistung um Gegenleistung" alsbald ein ganz korrekter Ausdruck gegeben sei, mögen — so meint der'Ausschuß — immerhin Zweifel bestehen, die jedoch auch bei jeder Anlegung eines anderen Maßstabes nicht ausbleiben werden, solange man nicht jeden Steuerpflichtigen nach, rein individueller Schatzung heranziehen will. Die Vorlajge hat auch! eine nach Ansicht des Ausschusses ausreichende Korrektur etwaiger Mängel des Besteuerungsmaßstabes in' verschiedener Weise ermöglicht. Jedenfalls konnte der Ausschuß nicht verkennen, „daß bessere Vorschläge, als der Entwurf inbezUg aus die grundsätzliche Gestaltung der Gemeindeumlagen sie macht, von allen aufgetretenen Kritikern nicht gemacht worden sind, und daß mit der Annahme des Entwurfes eine Praxis eingeleitet werden wird, die einer allmählichen Besserung, wo sie sich, als nötig erweist, bald die Wege ebnet". Der neue Gesetzentwurf ermächtigt die Gemeinden des Landes zur Erhebung von direkten Steuern (Gemeindeumlagen) vom Grundbesitz, vom Gewerbebetrieb und vom Kapitalvermögen (Realsteuern), sowie vom Einkommen der Steuerpflichtigen. Dem vielfach vom Publikum und der Ausscbußminderheit geäußerten Verlangen, auch bei den Gemeinoeumlagen die Grundsätze der staatlichen Besteuerung zu akzeptieren, sind Regierung und Ausschuß nicht nachgekommen. Auch wurde die in den Beratungen aufgeworfene Frage, ob man das Steuerwesen der Gemeinde ganz ihrer Autonomie überlassen solle, allerseits verneint; dieser Weg habe in Sachsen zu einer nicht nachahmenswerten bunten Mannigfaltigkeit der Systeme geführt und er sei auch an' sich bedenklich, weil die Organe der Gemeinde den Personen und Dingen zu nahe stehen, der Staat auch ein Interesse habe, autonomische Uebergriffe der Gemeinden in die Steuerquellen, die für ihn selbst fließen, $u verhindern. Die Verhältnisse Hessens seien auch hinlänglich übersehbar, um durch die steuerliche Gesetzgebung des Landes beherrscht werden zu können. Einen besonderen Vorteil der Vorlage erblickt der Ausschuß noch darin,daß durch die Stellung der Gemeindeumlagen auf annähernd gleichen Boden mit den Staatsumlagen eine gründlichere, den gemeinsamen Interessen von Staat und Gemeinden entsprechende Veranlagung und Kontrolle der Steuern ermöglicht wird, wie dies die Erfahrung mit der Einkommensteuer seit der neuen Staatssteuerresorm ergeben habe. Zum besseren Verständnis der praktischen Wirksamkeit der vier gemeindlichen Besteuerungsarten sei hier zunächst noch ein Blick auf die finanzielle Gesamtlage Hesiens geworfen. Während der staatliche Umlagebedarf sich 1905/04 auf 11665000 Mk. belief, stellten sich die für die Gemeinde- bedürsnisse aufzubringenden Umlagen in demselben Jahr auf 18 722 000 Mk., also 60 Prozent mehr. Für die Aufbringung dieser 183/4 Millionen sind im Großherzogtum 995 Gemeinden vorhanden, von denen 8 in der glücklichen Lage sich befinden, keine Umlagen erheben zu brauchen. In den übrigen Gemeinden ist, wie aus einer von der Regierung ausgestellten umfangreichen Tabelle hervorgeht, die Höhe der Umlage pro Kopf außerordentlich verschieden. Der Ausschlag auf die doppelten Grundzahlen und die staatliche Einkommensteuer wechselt in den Gemeinden von 11 bis 256 Prozent, darunter Darmstadt mit 88,2 Proz., Mainz mit 91,8 Proz., Worms mit 95,2 Proz., Gieß en mit 120 und Ofienbach mit 122,1 Proz., woraus übrrgens hervorgeht, daß unser Gießen zu den mit den höchsten Steuern belasteten Orten des Großherzogtums gehört. Natrwgemäß weist auch der Vermögens-und Schuldenstand große Versehre- heit auf, ebenso das Vermögen der steuerpflichtigen Einwohnerschaft selbst, das 1903/04 auf 4100 Millronen berechnet wurde. Selbst wenn die ja nur vorübergehend erhobene erhöhte Vermögenssteuer wieder auf den Normalsatz von 55 Pfg. zurückginge, würden von den 995 Gemeinden immer noch 16 455 000 Mk ummlegen sein, die bei der Verschiedenheit der Bedürfnisse und Umlagesätze der Gemeinden und der Vermögen und Einkommen ihrer Angehörigen in au,zerst ungleicher'Verteilung in allen diesen Gemeinden aufiu- bringen wären, darunter auch in vielen armen Gemernden mit großen Aisschlagskoefsizienten. Mit Zuschlägen zur staatlichen Einkommensteuer — so meint der Ausschuß ließen sich also die Gemeindebedürfnisse nur bei drückender Heranziehung der unbemittelten Bewohner aufbringen, da die --Weichende solidarische Mithilfe der anderen Gemem- den, wie sie im Staate wirksam ist, im Haushalt der einzelnen Gemeinde fehlt, die fid). auck nur wenig mit eigenen Vermögen oder gar Anleihen helfen kann. Der Ausschußberichterstatter hat in dankenswerter Weise aus Grund dieser Tabelle eine praktische Anwendung auf das Verlangen der AuZschußminderheit nach Zuschlägen zur Staatseinkommensteuer gegeben, wodurch die Unmöglichkeit der Durchführung dieses Verlangens zur Genüge dargetan wird. Darnach brauchte Darmstadt fiir 1903/04 an Gemeindeumlagen 1901000 Mk., an Staatssteuern kamen 1617 000 Mk. zur Erhebimg. Offenbach bedurfte an Ge- meindeumlageir 1839000 Mk, Staatsumlagen 1010 000 Mk., Gießen 800000 gegen 443 000, Main'z 2479 000 gegen 1817 000 und Worms 993 000 gegen 689 000 Mk. Würde man die Gemeindeumlagen als gleichmäßige Zuschläge zu den Staatssteuern ausschlagen, so würden an solchen Zuschlägen zu erheben sein in Darmstadt 117,5 Proz., in Offenbach 182 Proz., in Gießen 180,2 Proz., in Mainz 186,4 Prozent und in Worms 144 Proz., also außerordentlich viel mehr, als zurzeit erhoben wird. In Offenbachs wo hiernach bei einfachen Zuschlägen zur Staatssteuer die Erhöhung von 122,1 Proz. auf 180,2 Proz. stattfinden würde, müßte ein Arbeiter mit 800 Mk. Einkommen von 10,80 Mk. auf 16,20 Mk. Gemeindesteuer erhöht werden, ein Mann mit 1000 Mk. Einkommen würde anstatt 17,40 sogar 26,10 Mark zahlen müssen. Diese Zahlen sprechen für sich selbst unb lassen sich auch nicht durch die vielerlei Vorschläge der Herren Ulrich und Schönberger aus der Welt schaffen, welche angesichts dieser enormen Steigerung der Gemeindeumlagen auch hier Meder mit dem alten Steckenpferd einer stärkeren Progression bei den höheren Einkommen usw. angeritten kommen. Die vielumstrittene Frage des Schuldenabzugs und die vier Besteuerungsarten selbst werden wir in einem weiteren Artikel näher erörtern. Die Ermordung des Pfarrers Thöbes in Heldenbergen vor dem Schwurgericht. (Unberechtigter Nachdr. verboten.^ H. F. Gießen, 6. Junt. Zweiter Tag! der Verhandlung'. Nach Wiederaufnahme der Verhandlung wird Witwe Diehl (Frankfurt a. M.) als Zeugin aufgerufen: Sie gewisse genau, daß Hudde in! der Nacht vom 10. zum 11. November in ihrer Wohnung bei Abele genächtigt habe. Die Schneider Stelzer'schen Eheleute (Frankfurt a. M.) bekunden übereinstimmend: Sie betreiben einen Mthandel. Am 9. November 1904 habe ihnen Hudde eine silberne Uhr verkauft. — Auf Befragen des Vorsitzenden bemerken beide Zeugen: .Sie wissen genau, daß es am 9 November gewesen sei. — Kriminal- schutzmann G einitz (Frankfurt a. M.): Als der Mord tit Heldenbergen der Frankfurter Polizei gemeldet wurde, habe sich der Verdacht sofort auf Hudde gelenkt. Er (Zeuge) hatte in Erfahrung gebracht, daß Hudde in der Gastwirtschaft von Thielhausen verkehrt habe. Er habe deshalb die Wirtschaft observiert. Nachdem er lange Zeit Posten gestanden, sei ein Mann, namens Abele, an ihn herangetreten und habe ihw gesagt, er kenne Hudde. Dieser hckbe ihn aufgefordert, mit ihm zu kommen. Er wolle in katholische Pfarrhäuser einbrechen, er brauche dazu einen Genossen, der die erforderliche Tapferkeit besitze. Er (Abele) habe Hudde bis zur Hanauer Chaussee begleitet, fet aber alsdann wieder umgekehrt. — Kellner Johann Büttner: Hudde habe Anfang November 1904 in der Thielhausenscheu Wirtschaft tn Frankfurt mit Abele zusammen verkehrt. Er habe sich Oskar genannt. Als der Mord in Heldenbergen bekannt wurde, sagte Abele: der Mörder ist Oskar, der hier verkehrt hat. Er hat mich aufgefordert, mit ihm zu gehen, er hat aber so viel dummes Zeug zusammen geredet, daß ich wieder umgekehrt bin. Hudde auf der Wanderschaft nach Heldenvergen. Danach wird Metzgermeister Schäfer (Dorselden b. Frankfurt) als Zeuge vernommen: Im November 1904 habe ein Handwerksbursche bei ihm angesprochen. Der Mann fet so elegant gekleidet gewesen, daß er ihm sagte: ein Mensch, der so fein geksctdet ist, braucht nicht anzusprechen. Da es aber ein Metzger geselle war, habe er ihm 5 Pfennrg- und ein großes Stück Wurst gegeben. Ich sagte zu dem Mann, so fährt der Zeuge wörtlich fort, bei mir ist keine Arbeit, aber etn Metzgermeister in Heldenbergen sucht einen Gesellen. Ich 'wollte dem Mann die Adresse des Heldenberger Meisters aufschreiben, noch ehe ich aber dies getan hatte, sagte der Mann „Adieu" und lief zum Laden hinaus. (Allgemeine Heiterkeit.) — Vors.: Ist das der Mann? — Zeuge: Er war schlanker und nicht so wohlgenährt.,— Hudde lacht. — Vors.: Woher wußten Sie, daß der Meister in Helden- bevgen einen Gesellen suchte? — Zeuge: Der Heldenberger Meister befuchte mich und sagte mir: Sein Geselle habe Streik gemacht, toemt ich einen Gesellen weiß, soll ich ihn ihm zuschicken. — Frau Metzgermeister Schäfer bestätigt die Bekundung ihres Gatten, sie vermag aber ebenfalls nicht, Hudde wieder zu erkennen. — Gastwirtin Bender und Dienstmädchen Dorn (Dorselden) geben die Möglichkeit zu, daß Hudde am 11. November nachmittags in ihrer Wirtschaft war, genau können sie ihn aber nicht toieber erkennen. — Danach tritt die Mittagspause ein. Hudde auf dem Wege nach Heldenbergeu. Nach Wiederaufnahme der Verhandlung wird Gastwirt Melchior (Ilbenstadt) als Zeuge aufgerufen. Hudde muß sich den Kragenschoner anlegen, den Ueberzieher anzieheu und den Hut aufsetzen. Der Zeuge bekundet danach: Er kenne den Angeklagten Hudde mit aller Bestimmtheit wieder. Dieser fet Freitag, den 11. November 1904 nachmittags zwischen, 2—3 Uhr in seiner Gastwirtschaft gewesen. Er erinnere sich mit voller Bestimmthett, daß es Freitag, den 11. November war. — Vors.: Ihre Aussage ist von größter Wichtigkeit. Wenn Sie also Ihrer Sache nicht ganz sicher sind, dann ist es Ihre Pflicht, es zu sagen. Ebenso ist es aber auch Ihre Pflicht, wenn Sie es genau, wissen, es zu sagen. Denken Sie einmal genau nach, ist es vielleicht doch ein anderer Tag gewesen. — Zeuge: Nein, es war Freitag, den 11. November, ein Irrtum meinersetts rst ausgeschlossen. — Vors.: Wann haben Sie erfahren, daß in Heldenbergen Pfarrer Thöbes ermordet worden ist? — Zeuge: Das habe ich sofort Samstag, den 12. November, vormittags erfahren. — Vors.: Nun. Hudde, Sie Habben gehört, was der Zeuge sagt, wollen Sie noch behaupten, daß Sie niemals in Ilbenstadt waren? — Hudde: Jawohl, außer dem einen Mal wo ich nach Ilbenstadt transportiert wurde, bin ich niemals in Ilbenstadt gewesen. — Vors.: Der Zeuge hat hier unter seinem Eide mit,voller Bestimmtheit bekundet. Sie und kein Anderer seien Freitag, denn 11. November nachmittags zwischen 2—3 Uhr in seiner Wirtschaft „Zum Jlbenstadter Chausseehaus" gewesen. — Hudde: Ich bin es aber nicht gewesen. — Vors.: Herr Melchior, als Sie von dem Morde in Heldenbergen hörten, hatten Sie da Verdacht auf Hudde? — Zeuge: Nein, der Mann war zu fein gekleidet. — Vors.: Ist Ihnen die Sprache des Hudde ausgefallen? — Zeuge: Jawohl, die Stimme des Mannes war belegt. — Vors.: Sie; haben Hudde jetzt sprechen gehört, erkennen Sie ihn auch an der Stimme wieder? — Zeuge: Jawohl. — Vert. R.-A. Dr. Jung: Herr Melchior, können,Sie sich wirllich nicht irren? Einige Zeugen haben bekundet, sie hätten Hudde am 11. November mittags in Frankfurt gesehen. — Zeuge: Ich irre mich nicht. — Es wtrd danach festgestellt, daß mittags! 12.57 Uhr von Frankfurt ein Zug abging, der 1.47 in Ni^>er- Wöllstadt ankam. Von dort legt man den Weg nach der Wirtschaft zum „Jlbenstadter Chausseehaus" in etwa 20 Minuten zurück. Straßenwärter Heinrich Weiß:: Am Freitag, den 11. Nov., nachmittags gegen 3 llfir habe ihn ein junger Mann in feinem, dunklem Anzug mit einem Stöckchen in der H«md auf der Chaussee nach dem Wege nach Heldenbergen gefragt. Er sei der Meinung, der junge Mann sei etwas schmäler als Hudde gewesen. — Taglöhner Ang. Reng er: Freitag, den 11. November, kurz nach 3Uhr habe ihn auf der Chaussee ein elegant gelleideter junger Mann gefragt,, wie er am besten nach Heldenbergen komme. Er wisse genau,' daß es Freitag, der 11. November war. Er körme aber nicht mit Bestimmtheit sagen, daß der junge Mann der Angeklagte Hudde war. — Auf Antrag des Verteidigers, N.-A. Dr. Jung, wird beschlossen, Metzgermeister Sei fr red (Heldenbergen) telegraphisch als Zeugen zu laden. — Lehrer Prinz (Windecken): Am Freitag, den 11. November, nachmittags zwischen 3—4 Uhr begegnete mir auf der Chaussee ein elegant gelleideter junger Mann mit einem Spazierstöckchen. Der junge Mann ging schleunigen Schrittes nach Heldenbergen zu. Er fiel mir durch sein feines Aussehen auf, sodaß ich ihn genau ins Auge faßte. JH legte mir noch die Frage vor: was mag dieser junge Mann, der so eilig auf der Chaussee nach Heldenbergeu zuging, wohl für einen Beruf haben. Nachdem Pfarrer Thöbes in HeldenbergeN ermordet war, erschien etwa acht Tage später im Fronkfurtert „General-Anzeiges die Photographie des angeblichen Mörders. Ich habe in dieser Photographie sofort den hingen Mann, der mir auf der Chaussee begegnete, wiedererkannt. —, Vors.,: Können Sie sich nicht irren? — Zeuge: Nein, ich bin meiner Sache ganz sicher. — Vors.: Hudde wurde Ihnen ja später vorgestellt? — Zeuge: Jawohl, ich habe ihn sofort wieder erkannt. Hudde in Heldeubergen. Ein weiterer Zeuge ist Taglöhner Johann Benz! (Heldeni- bergen): Freitag, den 11. November, abends gegen 61/? Uhr ging ich m Heldenbergen tn die Wirtschaft „Zur Krone". An einem Tisch saß ganz allein etn fein gelleideter junger Mann mit frischem Gesicht. Er hatte etn Glas Bier vor sich stehen und eine Zeitung in der Hand, tn der er sehr eifrig las. Ich erkenne in diesem jungen Mann den Angeklagten Hudde, mit vollster Beftimmtheit wieder: ich hätte, wenn Hudde mir nicht vorgesteM worden wäre, ihn unter Hunderten herausgefunden. — Bors.: Wodurch wissen Sie so genau, daß e£' Freitag, den 11. November, war? — Zeuge: Weil es am Vorabend des Mordes int Pfarr-» Hanse zu HeBenbergen war. — Vors.: Hatten Sie, nachdem der Mord bekannt geworden war auf den jungen Mann, den Sie in der „Krone" sahen, Verdacht? — Zeuge: Nicht int1 geringsten? der junge Mann sah zu fein aus. Es wurden alle Leute von der Polizei aüsgefovdert, alle verdächtigen Wahrnehmungen an- zugeben. Da ich hörte, daß es ein Metzgerstich war, der Herrn Pfarrer Uhöbes getroffen hatte, so teilte ich der Polizei mit: ich habe am' Tage vor dem Morde einen fremden Metzger gesehen, der nach Erbstadt zuging. Es wurde aber festgestellt, daß dieser Metzger in der Mordnacht in Erbstadt geschlafen hatte. — Landwirt Klient: Er habe, Freitag, den 11., November,^ in der Wirtschaft „Zur Kiwne" in 'Heldenbergen einen elegant' gelleideten jungen Mann sitzen sehen. Es war ant Nachmittag, die Zeit könne er nicht genau an geben; er könne auch nicht mit voller Bestimmtheit sagen, daß der junge Mann der Angellagte Hudde war. — Der 19jährige Maurergeselle Blumenthal be- ll.mdet dagegen: Er erinnere sich ganz genau, daß der Angellagte Freitag, den 11. November, abends zwischen 6—7 Uhr tn der Wirtschaft „Zur Krone" in Heldenbergen war. Der Ängecklagte^ habe eine Bettung vor sich gehabt und suchte mit dieser fein Gesicht zu verdecken. Er (Zeuge') habe sich aber das Gesicht ganz genau gemerft. — Apfelweinfabrikant Tobias Pauly (Helden--^ bergen): Etwa 8—14 Tage vor der Ermordung des', Pfarrers Thöbes habe ihn ein elegant gelleideter junger Manw mit frischem Gesicht nach dem Pfarrhaus gefragt Er habe sich die Frage vorgelegt, was mag wohl der junge Mmtn int Vfarrhause wollen. Freitag, den 11. November, abends zwischen 6—7 Uhr habe er einen jungen Mann in der Wirtschaft „Zur Krone" sitzen sehen. Als der junge Mann ibn sah, sei btefer ganz' blaß geworden imlb suchte sich fernen Blicken zu entziehen. Später habe er sich erinnert, daß das der junge Mann war, der ihn 8 oder 14 Tage vorher nach dem Pfarrhause gefragt habe. — Vors.: War das der.Angellagte Hudde? — Zeuge: Jawvhl, Hu.dde ist mir schon einmal vorgestellt worden, ich erkenne thn mit voller Bestimmtheit wieder. — Vors.: Der Angellagte hat ein eigentümliches Organ — Zeuge: Jawohl, ich erkenne thn, auch an seinem Organ mit aller Bestimmtheit wieder. Hudde auf der Eisenbahn in Heldenbergeu. Ein fernerer Zetige ist Stationsvorsteher M i l v s (Helden- bergen): Freitag, den 11. November, abends, wenige Minntew vor 9 Uhr — der Zug nach Hanau war gerade, ob^gefahren —, kam ein gut gekleideter junger Mann in ziemlich aufgeregter' Weise in den Wartesaal. Der junge Mann trug einen dunklen' Ueberzieher. Jch^ sagte zu dem jungen Mann: Sie haben wohl den Zug versäumt? Nein, versetzte der junge Mann, ich erwarte jemanden. Der junge Maur, setzte sich an den Ofen und schien zu schlafen. 10 Uhr 46 kam der letzte Zug an, es stieg aber nientanb aus. Der junge Mann schlief ruhig weiter. Nachdem der Zug abgefahren war, weckte ich den jungen Mann und sagte ihm, der letzte Zug sei soeben abgefahren, es sei aber ntemanv ausgestiegen. Der junge Mann verließ darauf den Bahnhof. Ich kann mit voller Bestimmtheit sagen: der junge Mann war der Angellagte Hudde. — Vors.: Ihre Aussage ist von der größten Wichttgkeit. Können Sie sich nicht irren?, — geuge: Ich erkenne den Angeklagten mit voller Beßrmmtheit wteder, ein Irrtum ist ausgeschlossen. — Vors.: Wissen Ste auch genau, daß Hudde einen dunllen Ueberzieher an jenem Abend trug? — Zeug«: Jawohl, ganz bestimmt. — Bahnsteigschaffner Korber schlteßt sich vollinhaltlich der Bekundung des Vorzeugen an. — Hudde bleibt bei seinen Behauptungen. Vors.: Nun, Hudde, treten Sie einmal vor. Sie haben gehört, was eine ganze Anzahl Zeugen unter ihrem, Eid ausgesagt haben. Wollen Sie immer noch behaupten, daß Sie Freitag, den 11. November abends mit einem Handewrksburschen Namens Willv von der Hanauer Chaussee tcach Heldenbergeu gekommen sind? — Hudde: Jawohl. — Vors.: Sie sagten, Willv habe sich in der Kegelbahn in der Nähe des Bahnhofes schlafen gelegt und Sie hätten ihn mit Jhrent Ueberzieher zugedeckt. — Hudde: Dabei bleibe ich. — Vors.: Nun haben zwei einwandsfreie Zeugen mit voller Bestimmtheit bekundet: Sie haben zur Zeit, alZ nach Ihren Angaben Willy geschlafen hatte, den Ueberzieher getragen. Hatten Sie denn zwei lleberzieher? — Hudde: Nein. Vors.: Wollen Sie eugeftchts btefcr vielen erdrückenden Zeugenaussagen nicht cnblu!) Ihr Gewissen erleichtern? — Hudde: Ich habe die Wahrheit gesagt. Drahtgeflechte Loßw. Wichichr u. Aerz»iqer H> Schön Schlosserei, Giessen* 2930 .v,; CTETHrasmrEa Billige Lebensmittel direkten Einkauf aus den Produktionsländern riesig billig und gut Durch 11 tobet Psd. 19 Pfg. bei 5 Pfd. Psd. 21 bet Pfd. 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Adolf Bieler, Viktoria-Drogerie, Marktstrasse 5. als Vertreter des Landeskonsrstoriums Konsistorialrat Dr. Knaur- Vor Eintritt in die Hauptverhandlung machte der Vorsitzende den Parteien den Vorschlag, die leidige Sache auf dem Vcralerchs- tocflie zn beseitigen. Nachdem von dem Angeklagten bte Zurück- nlalmre der Beleidigungen verlangt wurde, und dieser erklärt hatte, er könne sich dazu nur bereit finden, soweit eS bte Wahrheit, seine Ehre und seine Ueberzeugung zuließen, wurden wettere Vergleichsverhandlungen als absolut erfolglos abgelehnt. Der Eröffnungsbeschlust, auf Grund dessen gegen Pastur Ebeling verbandelt wurde, lautete im wesentlichen tote folgt: Der Pastor Ebeling erscheint verdächtig, den Geh. Rat Professor Dr. Wach, den Pfarrer Rausch und den Geh. K'irchenrat, .Professor Dr. Rietschel in Leipzig, öffentlich beleidigt und zugleich öffentlich in Beziehung auf diesen nicht erweislich wahre Tatsachen behauptet und verbreitet zn haben, welche denselben verächtlich zu machen und in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet sind, insofern er erstens in dem von ihm verfassten und in der Zeitschrift „Der Hausvater" unter der Ueberschrift „Der Dom zu Meisten" veröffentlichten Artikel das Verfahren des Professors Dr Wach als „im höchsten Grade rücksichtslos" bezeichnete und weiter hervorlwb, dast gegen Professor Dr. Wach hrlsher von dritter Seite der Vorwurf des „Hochmuts" und „provokatorischen Auftretens erhoben worden fei* ferner einer von ihm verfasstest und an eine gröbere Anzahl Personen verteilten Schrift in Beziehung auf das Verhallen des Pfarrers Rausch gegen ihn (den Angeklagten^ in einer Angelegenheit bemerkte, dast auf dieses „ein recht bedenksiches Licht gefallen sei" und Rausch „ein unwürdiges Dovpelspiel" zum Vorwurf machte: zweitens insofern er schriftlich und mündlich den Geh. Kirch en rat Prof. Dr. Rietschel als einen u n z u v e r l ä s s i g e n und ung laub- würdigen Zeugen bezeichnete, ihn der Unwahrhafttgkeit, des Stimmenfangs (für die kirchlichen Gemeinden,ahlenl: eines brüsken Auftretens sowie der Erhebung leichtfertiger Anklagen gegen ibn lden Angeschuldigten), die er nicht habe aufrecht erhalten können, des Sichdrangens zur Eidesleistung in einem . 12 14 18 12 14 13 49 70 00 120 39 eine neue Mischung, die sich immer größerer Beliebtheit erfreut, hervorragend kräftig und seinschmeckend Kunst und Wissenschaft. Rom, 5. Juni. Der König empfing heute in besonderer Audienz als Vertreter des Exekutivkomitees für die unter dem Ehrenvorsitz des deutschen Botschafters stattgebabte Schiller-. feier den Grafen San Martino, die italienischen Schriftsteller Baffieo, Lucio, Ambra, Oliva Falena und Cortese, sowie die deutschen Journalisten Barth (93eil. Lagebl.), Zacher (Frkf. Ztg.) und Philipp (Wolssbureau). v Mk. 5 5 5 5 5 5 5 5 5 5 22 28 35 27 18 12 12 13 15 18 Prima Apfelwein (Borsdorfer) im Zapf. 2493 Lonys Bierkeller, il^armeBaden Aepsel Psd. 30 Erdbeeren 45 Kirschen „ 40 Aprikosen 45 Zwetschen „ 35 Stachelbeer 35 Rheinisches Apfelkraut . Psd. 35 5 Psd. 34 Pfg. Sonnenstratze 25. Die Hälfte Caffe erspart Trsusr'r (afft-Surrogat 9 ’’ c’-* es der feinste und ergiebigste Caffe-Zusatz ist. Den Rest meines Lagers in Ema Seuling Wetzsteinstraste 45. Billigste Ausrratzmepreise für: h. WkWlcch-Wechiiiieii blank u. lackiert, in all. G3röyen, la. verziilkte WaschtSpse, Wannen re. 2688 Wahrnehmungen im Pfarrhof am Vorabend des Mordes. Lehrerin Fräulein Elisabeth Meinhardt bekundet, daß sie am Mcnddes 11. November im Pfarrhof verdächtiges Ge- Die^nntsh^ttrin des ermordeten Pfarrers, Fräulein Sulzbach hat dieselben Wahrnehmungen gemacht. Letztere erzählt, dast sie in der Rackst einen Schrei gehört habe. Sie sei tut» dem Bett gesprungen, habe das Fenster geöffnet: da sie aber nichts weiter gehört, habe sie sieb wieder zu Bett gelegt und bis zimt folgenden Morgen geschlafen. Da8 AngenscheinSprotokoll. Es wird danach das Augenscheinsprotokoll verlesen. — Alsdann werden noch einige Zeugen vernommen, die nach Entdeckung der Mordtat ins Pfarrhaus gekommen sind — fcteTCiuf wird die Verhandlung auf Mittwoch, vorntittags 9 Uhr, vertagt. (Fortsetzung im Ersten Blatt.) aUerci-fte Fabrikate, durch flotten Absatz stets frisch. Pfd. 48 b. 5 Psd. 45 und Pfd. 70 b. 5 Psd. 68 Pfg. „ 60 b. 5 „ 58 „ „ 80 b. 5 „ 77 „ Palmin in 1- und Vz-Pfd.-Packeten „ 6a „ Fiissbodeii-Anslriehlarben aller Art Bohnerwachs. Linoleumwichse Stahlspäne, Pinsel Staubbindendes Fussbodenöl wohlriechenden Ofenlack empfiehlt 1696 August Noll Bahnhofstrasse 51. M. Kann —. gegenüber der Stadtkirche. — Disziplinarverfahren gegen ihn (den Au geschuldigten), um damit sich selbst zu nützen, des Mangels an Gewissenhaftigkeit und Pflichtgefühl sowie sonstigen unlauteren d o ppel zü ngt-! gen und überhaupt sittlich verwerflichen Ver>- haltens beschuldigte überdies aber betreffs Rietschel insbesondere behauptete, dieser habe, bei seiner in,dem Disziplinarverfahren vor der Kircheninspektion erfol,'ten eidlichen Vernehmung als Zeuge einen fahrlässigen Kalscheid geleistet und gegenüber der daraufhin wider ihn en gereichten Strafanzeige die Strafverfolgungsbehörden durch unto hre Angaben und Entstellungen zu seinen Gunsten getäuscht und zu unrichtigen Auffassungen verleitet, ihn (den Angeschuldigten) aber aus diesem Anlast in unverantwortticher Weife verdächtigt und herabgesetzt. Wir werden das Urteil mitteilen. b. 5 Pfd. 88 I extra Pfd. 1.00 b. 5 Pfd. 98 b. 5 „ 1.17 | extrafein „ 1.40 b. 5 „ 1.35 G-iu sensationeller BeleidigungSprozetz. Leipzig, 6. Juni. Seit Mitte der 90 er Jahre waren in der Kirchmg-memde zu St Nikolai in Leipzig M e inun gsv erschiedenheiten entstanden, die im c>aufe der 3eit zu' grüsteren Auseinandersetzungen führten. Schlststlich hattt sich auch die Staatsanwaltschaft mit der Materie zu befassen. Eine Folge dieser Auseinandersetzungen war dew gegenwärtige ex officio 9egen den Diak0nus an der Niknlaiaemeinde Pastor Ebeling eingeleitete St r a s- verfahren wegen Beleidigung, dem sich Geh. Ktrchen- rw Rietschel, 'der derzeitige Rektor magnisieus unserer Universität, Geb. $?ofrut Dr. W a ch, und Pastor R a u s ch als Nebenkläger anqeschlossen haben. Den Ersitz führt Landgertcht-direktor Dr Müller Als Verteidiger Pastor Ebelings fungieren die Rechtsanwälte Dr. Drucker-Leipzig und Giese-Dresden, als Vertreter ür den Nebenkläger Rietschel Rechtsanwalt Dr. Mtttel- städt ür &ucb Justizrat Dr Peter. Der Verchandlung wohnt Kakaopulver Pfd. 1.05 Schokolade „ 0.75 Kummers Kuchenmasse Pfd. nur 65 Pfg. 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(Ohne Gewähr.) 6 16 92 94 213 25 55 315 46 67 457 77 96 555 75 856 [100] 67 913 24 99 1004 13 21 47 133 63 78 91 202 33 39 40 74 304 ‘419 508 [100] 32 69 75 97 [100] 734 40 821 .23 71 78 2072 136 47 82 202 92 368 414 94 525 62 91 95 623 28 39 83 96 723 42 63 906 26 90 3021 33 90 146 95 216 20 95 378 600 53 796 860 933 4064 93 111 18 80 82 224 309 67 71 75 93 428 77 522 682 85 837 61 97 909 26 84 5000 101 18 33 [100] 422 72 508 [ 100) 600 46 73 87 713 35 47 92 94 839 940 45 47 59 87 6039 94 113 50 80 208 46 51 77 348 85 502 34 70 89 635 783 807 19 27 36 906 23 7000 20 154 80 [100] 87 214 55 87 547 667 705 41 69 96 826 95 920 40 48 65 8066 154 235 44 63 316 87 432 43 533 45 97 622 30 63 73 [100] 729 88 819 29 927 31 92 9260 64 74 84 350 95 453 58 80 641 42 46 88 99 708 15 42 58 838 42 48 56 10014 257 304 32 35 670 80 762 67 90 833 957 96 11005 20 64 84 225 97 374 95 465 519 64 611 12 735 60 80 871 953 91 12010 63 85 93 100 30 91 269 413 48 [100] 519 45 608 76 701 75 847 52 13003 114 210 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