155* Jahrgang Samstag 4. Februar 1905 Erstes Blatt a Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Netzen «r Die Heutige Wummer umfaßt 14 Seiten 50 = L 1L 3000 8000 10V0 -- 500 -- 100 -- ^arkt lo. •;U W BU i “* Wu9«6 tz-lik»bei» terfest Rv. 80 •rfticiet ««glich außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden tm Weckiel mit dem Hessischen Landwirt die Giehener Famtiien« Wut viermal in der Woche beigelegt. Notationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Umvers.-Buch-u. Stern- druckerei. 9L Lange. Kedaktton, Lrvedttton und Druckerei: Schul st ratze 7« Adresie für Depeschen: Anzeiger Gietzeu. FernsprkchanlchlußNr.51. we ^ohiUligkeli«. Geld-; «titiKwSintihurgi-E. ku< ii kurzer Zeit ICQ Birgewinne M m ohne Abzug 70 000 len «!? A mittlere irdux ^utdeuplatz 12 die Expedition zu besuchen. Tier Firi cm Minister bemerkte bet < diesem Anlaß, daß die Expedition dieses Zeichen hoben Wohl- i wollens verdiene. Ten Arbeitern wurde, darauf gestattet, das \ Große Palais zu besichtigen: auch wurde ihnen von der Schloß- , Verwaltung ein ^nbT Geboten. j 2te Getöteten der Petersburger Unruhen. Petersburg 3. Febr. Nach einer heute veröffentlichten amtlichen L i st e der Personen, die bei den Unruhen am 22. Januar getötet wurden, bezw. an den erhaltenen Wunden } in Petersburger Krankenhäusern verstorben, sind im ganzen 130 Menschen ums Leben gekommen: unter diesen sind nur 11 nicht rekognosziert worden und ihre Namen also nicht anzugeben. Die Lage im Lande. Petersburg, 3. Febr. (P^ersb. Tel.-Ag.) Amtlich wird bestätigt, daß in ganz Rußland die Ruhe w i e£ e r e i jv tritt. Tie Arbeiter nehmen die Arbeit wieder auf. Tte Kundgebungen auf den Straßen haben aufgehört.. Schwimig bleibt die Lage nur noch Im Weichselgebiet, aber die kritische Zett! für Warschau ist vorüber: allmählich geht auch hter alles wieder seinen geordneten Gang. Warschau,^ Febr. Dem Polizeibericht zufolge smd wah rend der Unruhen 57 Personen getötet worden oder infolge erhaltener Verletzungen gestorben, btmmier sechs Fra u e n und drei Kinder. — In allen polnischen Zuckerfabukm und ebenso in den Kohlenbergwerken von Tnmbrowa sind die Arbeiter in den Ausstand getreten: die Kohlenförderung wurde eingestellt. Tie Kohlenpreise in Warschau steigen. Warschau, 3. Febr. (W. B.) Der bei den letzten Unruhm getötete Student Dseribitsky wurde heute mittag irntcr der Beteiligung einer groben Volksmenge, namentlich vieler Lädierender, beerdigt. Dabei wurde eine Anzahl von Verhaftungen vorgenommen. _ , Odessa, 3. Febr. (W. B.) Die Hockschulkurse sur Frauen wurden wegen der Sttdmtniimrnhen geschlossen. Der neue Minister Bulygin. Bulygin ist 55 Jahre alt: er ist ein Zögling der Petersburger Rechtsschule und hat eine Reihe iuristischer Aemter bekleidet, bis er 1887 Gouverneur von Kaluga und später unter dem Groß- fürsten Sergius Gouverneur von Moskau wurde. Aus ieiner dortigen Tätigkeit ist er als eng konservati v bekannt. Kattowitz (Schlesiens 3. Febr. Tie 30000 Arbeiter, die unmittelbar an der russischen Grenze streiken, verfolgen nur zum kleinen Teil wirtschaftliche Zwecke. In der Hauptsache handelt es sich bei ihnen um eine politische Demonstration. Tas Arbeiterkomitee hat bisher Zerstörungen^ von Eigentum nicht geduldet, hält eine eigene Polizei und stellt Posten zur Bewachung der Fabriken ans. Von einer eigentlichen Leitung des Streikes ist trotzdem nicht die Rede, wenigstens kennt mau die Führer nicht. Heute morgen wurden mehrere, deutsche Ve- triebsbeamte von den Ausständigen in Sosnowice aus den Betten geholt und notdürftig bekleidet nach den Zeckensälen gebracht, wo man fruchtlos gebliebene Verhandlungen mit ihnen führte. Tiefer Auftritt hat in den Betroffenen so unangenehme Empfindungen ausgelöst, daß sie mit dem nächsten Zuge über die Grenze fuhren; vor der Hand dürften sie kaum nach Rußland zurückkehren. Im übrigen wird feder Mann drüben, auch die Polizei, gezwungen, sich an den Protestaufzügen wider den Zaren und Rußland zu beteiligen. t r Riga, 3. Febr. Während der letzten drei Tage haben noch verschiedene Zusammenstöße zwischen den Kundgebern und den Soldaten stattgefunden, wobei 40 Personen getötet und 100 v erletzt worden sind, darunter 12 Studenten und 5 Soldaten getötet. Tie Ruhe ist noch nicht wieder her- gestellt. In Petersbirrg hat der Empfang der A r b e 11 e r d e l e- gation seitens des Zaren nicht den erwarteten Erfolg gehabt. Tie Mehrzahl dar Delegierten soll, wie behauptet wird, ver- kleidete Polizisten ans Mmnoks gewesen sein. W a r s ch a u , 3. Febr. In der Vorstadt Budki wurden mehrere plündernde Individuen von Arbeitern erschlagen. Lodz, 3. Febr. Auf dar Fabrik von Kunitzer wurde vom Militär eineSalve abgegeben, wodurch sechsPersonen getötet und 48 verwundet wurden. Ein Teil der Arbeiter nahm die Arbeiter wieder auf. In der Fabrik von Mer wurden die Arbeiter von der Menge an der Arbeit gehindert. Tas Militär gebrauchte die Schußwaffe. Kielz, 3. Febr. In dem hiesigen Gymnasium fanden Ruhestörungen statt. Tie Sckmler der oberen Klassen verlangten von dem Tirektor Unterricht in der polnischen Sprache, Ernennung ausschließlich polnischer Lehrer und Abschaffung des Verbotes bett, die Zulassung i ü bischer Sch ul e r Tie Schüler begaben sich in großer Zahl zur Mädchenschule und verlangten Einstellung des UnterricbtS. In der Stadt herrscht große Unruhe. Die Läden sind geschlossen. £ e w qung. Essener Meldungen zufolge sind am 1. Februar 4218 Wagen gestellt worden, gegen 3987 am 31. v. M. Weiter wird gemeldet, daß im Kieler Hafen innerhalb weniger Tage 12 große Kohlendampfer eingelaufen sind. Die ungehinderte Benutzung des eisfreien Nordostseehafens erleichtert die beschleunigte Kohlenversorgung sehr. Nackte frage nach nordenglischen Kohlen m Newcastle hat zugr- nommen.^o^ Drgnn Zechenbesitzer wird daraus bin- Aer Krieg. Gripenberg. Petersburg, 3. Febr. (Petersb. Tel.-Ag.) General Gripenberg bat aus Gesundheitsrücksichten den Oberbefehl über die zweite Mandschureiarmee an den Korpskommandeur General Myloff übergeben.. Tokio, 3. Febr. (Reuter). Aus einem ausführlichen. Berichte des Marschalls Oyarna über die Kämpfe vom 2 5. dis 2 9. Januar, die er unter dem Namen der Schlacht von Heikoutai zusammensaßt, geht hervor, daß die an den Kämpfen beteiligten Streitkräfte zahlreicher und der Kampf selbst weit heftiger als bisher gemeldet waren. Die Schlacht ging in einem starken Schneesturm vor sich, der jeden Ausblick erschwerte. Die Nächte waren bitter kalt. Der Kampf hing, wie berichtet wird, einige Zeit in der Schwebe und die Lage der Japaner war kritisch. Dreißig russische Geschütze, die geschickt rund um Heikoutai nufqeltcdt waren, bestrichen die Stellungen der eingreifenden Japaner. Der linke Flügel der Japaner erlitt schwere Verluste; der äußerste Teil desselben wurde zum zeitweiligen Zurückgeben gezwungen und eS kam darauf zu erbitterten Kämpfen Mann gegen Mann, doch gelang es den Japanern schlieblich, die Russen zurückzu- s ch l a g e ii. Die russischen Abteilungen, die sich in einer ver- borgenen Stellung bei Sumapao auftsielten, feuerten am Morgen des 38. Januar gegen die Nachhut der Japaner; diese umgin gen die Russen, griffen sic dann an imd rieben 'sie 'fast völlig aus; nur 200 Mann von den Ruffen ergaben sich. Da die Japaner überall an Zahl schwächer waren, beschloß Oyama, einen allgemeinen Nacht- an griff aller Abteilungen zusammen zu Unternehmern Mehrere Angriffe wurden gemacht, wobei die Japaner te- doch schwere Verluste erlitten. Nach wiederholtem Angriff der Japaner begannen die Russen zurückzugehen. Am 29. Januar um 5 Uhr früh unternahmen die Japaner einen Sturmangriff auf Heikoutai und waren um 9 Uhr tm völligen und festen Besitz des Platzes. Das werte russische Infanterie-Regiment wurde so gut tote ganz ansgeriebe n. Die Schlacht bei Heikoutai oder Sandepn. London 3 ,t br Ter Korrespondent biv jiLittcr|Ci)in Bureaus in dem ussischeu >?ou, quartier meldet aus Muk- den vom 1. Februar: Ne Russen schreiben tlyre roaupt- Sosnowiee, 3. Febr. Die Zahl der Ans ständigen beträgt etwa 40 000. Heute sand eine Versammlung statt. Ste verlangten den Achtstundentag, Msckaffung der BeamsicMigung der Arbeiter beim Verlassen der Fabrik, das Recht bei Sntennung üon Werkführern mitzureden und eine Aufsicht über die Krauken- fa«en und gesundheitlichen Arbeitereinrichtungen ausübeu zu dürfen Ferner fordern sie für Männer einen Minimallohii von 1 Mbel 50 Kopeken, für Frauen einen solchen von 1 Rubel 20 Kopeken, eine Altersversicherung und Entfernung der polizeilichen Aufsicht aus den Fabriken Nach Schluß der Versammlung zogen 12 000 Arbeiter in großer Ordnung über Berdme bt.s nach Dombrowo, wobei sie überall die Einstellung der Arbeit veranlaßten Später zerstreuten sie sich. -Tank den von der Polizei getroffenen Maßnahmen ist es zu Ruhestörungen nM gekommen. Die Schulen sind geschlossen. Patrouillen durch- ziehen ^bic Straßen.^ „Information" aus Petersburg berichtet wird, bat die Untersuchung über den EiU- sturz der über den Fontan k a - F l u ß füllenden H an gehr g Z e ergeben, daß es sich Nickt um einen Zufall handelt, solidem um eine T a t d e r R e v o l u t i on ä r e._______ Eichener Anzeiger ** General-Anzeiger 5>te Ereignisse in Uuiland. Ter Zar und die Arbeiter. Petersburg, 3. Febr. (Petersb. Tel.-Ag.) Kaiser Nikolaus empfing heute in Zarskoje Sselo s ü n f A r b e i t e r aus der Zahl der Vertreter, die die Arbeiter der Werkstätteii und der Expedition zur Herstellung der Staatspapiere gewählt haben. Tie Arbeiter wurden in einem Hofwagen von dem Bahnhofe nach dem ehemaligen Lyeeumsgebäude und von da nach dem Alexanderplatz gebracht, wo sie von dem Kaiser in dem großen Empfangszimmer empfangen wurden. Finanzminister Kv- kow,°w.un» ber Vorstand dor Wteilung für Swatspapicre, Fürst Golitziu, waren hierbei anwesend. Ter Kaiser befragte leben ber ShMtcr eingchond übet dir Art scincr Arbeit und die Tauer seines Dienstes in der Expedition. Zum Schlüsse der Unterhaltung sprach der Kaiser den Arbeitcrverttetern seine Zufriedenheit darüber mis, daß sie ihre Pflickien ehrlich und gewissenhaft erfüllt hätten, und beauftragte sie, in seinem Namen ihren Kameraden zu danken. Ter Kaiser sprach auch den Wunsch aus, tu - M. 8000 r,ew M. W00 Tew. <11 Lose 10 •Porto a-Liitei11! „Mdistoenl-Deb1 tu'rmer.sn*«1 Wdler. u verleihe»'^ r" ° abenöo *SKS Sonn' 10 Uhl' otf - wL*f, loh. «and. ^.'0» N8?de9leutn^S er llllti#, y M vezag-preiAr monatlich 75 Ps^ viertel- jährlich Ml. 2.20; durch Abhole- il Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch die Post Mk. 2.—viertel- jährt, ausfchl. Bestellg. Annahme van Anzei'eu ntr die Tr rSmamner 's öomittags j ’Uit» 3e',ermrei3: auswärts -'9 3'j. Verantwortl'ch fü< den polit und Teil: P. Wittto' für w©tabt und Sanb* und ^Gerichtssaal": August Goetz; für den Anzeigenteil: Hans Beck. upl^ew. M.20000 M.IOOOO Sen.M. 5000 H M. 3000 KroßÜerzog Krnst Ludwig und Kotki. Englische Zeitungen behaupten, die Freilassung Gorkis bestätige sich nicht. Von den Verhafteten sei nur Prof. Hessen freigelassen worden. Professor Karejew werde wahrscheinlich ebenfalls freigelassen werden. Gorkis Freund, Kopiatnitzky, hätte Gorki besucht. Gorki befinde sich in Einzelhaft in einer schlecht geheizten kleinen Zelle mit steinernem Fußboden. Filzschuhe würden ihm verweigert. Er müsse Gesangenenkleidung tragen und hat auch kein Schreibmaterial. Gorki bat seinen Freund um englische und französische Bücher, sowie um Bücher über Biologie und Physiologie, da er wahrscheinlich un° bestimmte Zeit in Haft bleiben werde. Er wisse nicht, ob er vor Gericht komme oder administraüv verbannt werde. Von anderer Seite wird dagegen berichtet: Die Freilassung Gorkis erfolgte aus einen direkten Befehl de§ Zaren, welcher durch die Zarin infolge eines vom Darmstädter H^ofe zugegangenen Brieses veranlaßt war. Wir Hessen haben wahrlich guten Grund, dieser letzteren Nachricht Glauben zu schenken und die englischen Meldungen in das Reich gehässiger Phantasie zu verweisen. Unser Großherzog Ernst Ludwig also hat die Freilassung des genialen russischen Dichters erwirkt! Ihm gebührt dafür der begeisterte Dank der gesamten Kulturwelt, und wir Heflen blicken erneut mit besonderem Stolze auf unseren Fürsten und seine kaiserliche Schwester. Wieder einmal dürfen wir mit herzlichster Genugtuung vor aller Welt verkünden, daß der hessische Großherzog unter den gekrönten Häuptern unserer Zeit hervorragt durch wahre Humanität, durch Größe der Lebensbetrachtung, durch edelmütige Achtung allen Menschengeistes, durch hochsinniges Verständnis für die Weltauffassung ehrlich Andersdenkender. Der hessische Großherzog Ernst Ludwig war es, der dem Vorkämpfer der Freiheit eines fremden Volkes, einem Dichter, dessen Werke ein unverlierbares wertvolles Besitztum der ganzen Kulturwelt sind, die Tür zur Freiheit geöffnet hat. Daß unter den ^Krallen eines gewalttätigen Regiments, dem der Zar, dieser zartsinnige und sanftmütige Fürst, dessen weiches, mitfühlendes Herz eigentlich nur die Bewohner unserer hessischen Landesresidenz kennen, ganz gewiß im Innersten recht abhold ist, es aber für unerläßlich hält, ein Mann von so tiefer Religiosität, von so unbeirrbarer Christlichkeit wie der Dichter des „Nachtasyls^ verbluten solle, empfand Großherzog Ernst Ludwig als eine ungeheuerliche Fceveltat. Darum vewandte er sich für den Geknebelten bei dem ihm herzlich so nahestehenden russischen Kaiserpaare. Und daß der von Darmstadt nach Zarskoje Selo gelangte Brief Erfolg hatte, daß Zarin wie Zar den Vorstellungen unseres Hessenfürsten gegenüber nicht unverschlossen blieben, dieser Erfolg der Großherzigkeit unseres Großherzogs bringt dem Herzen der Welt auch das Zarenpaar wieder um ein Erkleckliches näher. Der berühmte Dichter ist zweifellos dem russischen Selbstherrschertum unbequem, ja gefährlich. Das steht außer Frage. An Tatsachen-Material, um ferne Verurteilung oder Verschickung nach Sibirien zu begründen, fehlte es gewiß nicht. Und dennoch hat das Zarenpaar ihn freigegeben, dennoch ist es davon zurückgetreten, diesen Gegner unschädlich zu machen. Das Zarenpaar hat sich dem tieferen Feinsinn, der besseren Einsicht unseres GroßherzogS gebeugt. Die Jntellektualität triumphiert über die Brutalität. Maxim Gorki aber wird in Zukunft gut tun, den Bogen nicht zu sttass zu spannen. Handlungen, die sich nach den Gesetzen des Landes als Hochverrat qualifizieren, kann eine Regierung ausnahmsweise einmal ignorieren, auf die Dauer jedoch nicht ungestraft lassen. Wer eine Revolution macken will, muß sich darüber klar sein, daß es dabei ohne gewaltsame Maßnahmen nicht abgeht, und daß nicht bloß hinüber, sondern auch herüber geschossen wird. Sollte Maxim Gorll durch seine Taten der russischen Regierung nochmals eine plausible Handhabe zur Verhaftung bieten, so wäre es sehr zweifelhaft, ob zum zweiten Male die öffentliche Meinung für ibn mobil zu machen wäre. Die öffentliche Meinung würde sich setder ibm entgegenstellen müssen. Fühlt er sich also durch seinGewissm gedrungen, seinerevolutionäre Tätigkeit ftrtzusetzen, so gebietet ihm die Klugheit, sich zuvor ins Ausland zu begeben. gewiesen, daß eine längere Tauer des Streiks schwere ted> nische Schädigungen mit si'ch bringen werde und infolgedessen nach Beendigung des Streiks eine erheblich geringere Anzahl Bergleute angenommen werden würden. Weiter ist zu melden, daß sich die Werke, die zur Be» triebseinstellung gezwungen finb, mit jedem Tage» mehren. Die belgische Kohle können die Walzwerke nicht verwenden und die englische kommt um 80 bis 90i Mk. teurer als die einheimische; die Betriebe^ werden deshalb eingestellt und die Arbeiter auf bessere Zeiten vertröstet. Die „Köln. Ztg." erfährt aus maßgebenden Kreisen dep Zechenbesitzer, daß nach deren Auffassung Mißstände allgemeiner Art nicht vorhanden seien, über deren Abstellung mit den Arbeitern verhandelt werden könne, sodaß sie auch weiterhin an dem Standpunkte festhalten, sich^auf keinerlei Verhandlungen mit den Ausstän- d i g e n einzulassen. Jedes von den Zechenbesitzern gemachte! Zugeständnis führe zur Erhebung weiterer Forderungen^ und diene nur zur Verlängerung des Ausstandes. Andererseits werden es die Zechenverwaltungen nicht ablehnen,, einzeln mit den "betreffenden Belegschaften zu verhandeln- wenn diese wegen Wiederaufnahme der Arbeit an sie heran- tteten. Maßregelungen sollen nicht vorgenommen werden^ bindende bezügliche Erklärungen werden indessen abge- lehnt. „ . In Essen traf am Freitag Minister v. Hammerstern, Tberpräsident Nasse, Regierungspräsident Schrewer und ^,wei Negierungsräte ein. Sie fuhren nach den Zechen Herkules, Graf Beust und Gustav, dann über Altenessen brs Horst und kehrten dann nach Essen zurück. Es fand nuri im Landratsamt eine Kon feren z statt, an der dre Herrenj vom Bergbauverein nicht teilnahmen. Es wurden dre poll- ?eilichen Maßnahmen besprochen, die der Mrnrster brllrgte und für ausreichend erachtete. Alsdann begab sich derk Minister nach Dortmund. .. . Eine in Essen von dem Hirsch-Tunker,chen Gewerkverern einberusene Fr auenv er s ammlung nahm eine Ev- llärung an, die die Frauen aufforderte, die Männer zu unterstützen. Der Saal war so dicht besetzt, daß einige Frauen ohnmächtig wurden. In den 18 Bergwerksrevieren des Oberbergamtsbezirks Tortmrlnd und auf der Zeche Rheinpreußen fuhren am Freitag von der Gesamtbelegschaft von 2159 446 902#^: unter und über Tage 62361 Mann an gegen 245 957 beM 52 089 Mann am 1. Febr., aber ohne Reinpreußen gerechnet: mifl Rhein Preußen sind heute 2992 von 4506 Mann ungefährem Tie 4800 Mann starke Belegschaft der nichtstreikenden Zechstt des Dortmunder Bezirks sind vollständig angefahren. Ein scharfer K o n s l i k t ist zwischen den Angehörigen der verschiedenen Arbeiterverbände ausgebrochen. Wahrend die christlichen Verbändler beschlossen, die Arbeit wieder aufzunehmen, beschlossen die sozialdemokratischen Streikenden, im Aus stände zu beharren. Der christliche Gewerkverein soll geneigt settl, den Streik für beendet zu erllären, wenn die preußische Regierung die Berggesetznovelle baldigst vorlegt und di6 Garantie übernimmt, daß der Landtag sie annimmt. chen ^oifrägeit 629 Ter Vorstand. ieieeie® und ferner PrwlU' 6* Derlustc bei Sauchiapu beit japmnschen Batterien! *yi, die hinter den Hauptverteidigungswerkcn ver- ‘bonit'n nxtren. Tic in Verschanzungen befindliche ja pansche Infanterie etlmt'3 sich ouf5 neue der russischen Rei^ tttrei mein* als gewaclisen. Petersburg, 3. Febr. Tic Petersb. Tele- »raphen-Agentn r meldet ans Sachetun vom Fe- bntor: Auf dem äußersten rechten Flügel dauert das Ar Mlerieseuer fort, auch finden 1 »eiter kleine Zusammenstöße bei verschiedenen Dörfern statt. Tic Kämpfe bei Sandcp-u hotten den Erfolg, daß unsere vordere Linie auf >ent rechten Flügel bis 511 den Dörfern Holantai, Futs- ^atscknantsi, Tsintschotun und Beitadsi vorrückte. Durch t>ie Besetzung dieser Positionen erhielten unsere Truppen die SPu^gtidifcit das Artilleriefeuer auf die Befestigungen von Sandepn und Lidiatim zu konzentrieren. Auf den neuen Posittonen werden Batterien aufgestellt. Tie letzten Kümpfe jroltcn dem Besitz des Dorfes Tschantanhenau aus dem linken Ufer des Hrmho. Ter Angriff in der s)tad)t vom 1. £um 2. Februar wurde mit bedeutenden Verl u st e n zurück geschlagen ; unser Verlust betrug gegen 100 Mann. Am Tage beschossen die Japaner das Dorf und besetzten es, indem sie uns zurückdr än g ten , wurden aber von uns aus einem großen Teil des Dorfes wieder verdrängt. Ter Kanonendonner dauert auf dem fernen rechten Flügel cm, während es auf den anderen Punkten ruhig ist. Die japanische Artillerie beantwortet in den letzten Tagen unser Feuer links von der Eisenbahn fast gar nicht. P e t e r s b u r g, 3. Febr. General Kuropatkin meldet dem Kaiser: In der Nacht vom 1. zum 2. Februar griffen die J apaner Tsch an t an s ch en au, am linken Ufer des Hunho, Schantau gegenüber, an und nahmen das Torf, wurden aber unter großen Verlusten wieder daraus vertrieben. 'Unsere Verluste übersteigen 100 Mann. Infolge der ergriffenen Maßnahmen sind trotz der Kälte Frostbeulen selten. Nach der Etappenstation Mulden wurden bis heute 133 Gefangene und zwei unverwundete "Offiziere gebracht. Ich besuchte heute unsere letzten Verwundeten; ihre Stimmung ist ausgezeichnet; sie sind wohl versorgt. Tie Mehrzahl der Verwundeten haben Kugüschusse. Vom 2. Februar meldet Kuropatkin: Nach Meldungen griffen die Japaner nach vorhergeaan- -gener starker Beschießung mit Artillerie unsere Abteilung bei Tschantanschenan an. Mittags erhielt ich eine neue Meldung, daß unsere Truppen sich zuerst zurückziehen mußten und dann das Dorf wieder eroberten ; nur einige Gehöfte sind noch in den Händen der Japaner, llnsere 'Verluste sind unbedeutend. London, 3. Febr Der Korrespondent des Rcuterschen Duoeaus bei der Armee des Generals Oku meldet unter dem 30. Januar: Der Versuch der Russen, die linke Flanke des General Oku zu umgehen, mißlang vollständig. Da sich dies Mißlingen dem jüngsten Angriffe der russischen Reiterei anschließt, werden die Russen dadurch jetzt wahrscheinlich veranlaßt werben, den Angriff der Japaner abzuwartcn. Ter Versuch wurde weder durch 'Angriffe oder auch nur durch 'Geschühseuer an anderen Punkten der russischen Linien, noch auch toirch eine Kavalieriebcwegung um die japanische Flanke unterstützt. Dadurch war er von Anbeginn an zum Fehlschlägen verurteilt. Die Japaner hefteten Pekantai, zogen aber ihre kleine Truvve^wieder aus diesem Platze zurück, und überließen ihn den Russen, um abzuwarten, bis sie genügend Mann schäften zur sicheren Wiederbesetzung desselben verfügbar hätten. "Die Wiederbesetzung nmrde leschr durckgesührt, obgleich der Verlust im ganzen aus 3000 Mann angegeben wird. Die Russen verfügten in der Richtung auf Pekantai über fünf Abteilungen. Es gelang aber weniger als zwei japanischen Abteilungen, dieselben zurückzuschlagen. An diesem Kampfe waren mehr als 100000 Mann beteiligt, die ru ssischen Verluste • werben aber auf nicht mehr als 4000 Manu geschätzt. Die Japaner verloren bet diesem Kampfe nur etwa 200 Mann, da sie in ihren festen Verschanzungen blieben, während die Russen über das offene Gelände gehen mußten, das so lwrt ge- f rot en war, daß sie keine Verschanzungen aufwerfen konnten. Auch war es für den russischen Angriff sehr nachteilig, baß die Mannschaften auf dem wetßen Hintergründe der schneebedeckten .Landschast schon von ferne ein gutes Ziel boten. Dem gleichen '.Nachteile waren die Javaner bet dem Angriffe auf Pekantai, der mit der Einnahem dieses Platzes endete, ausgesetzt. Tokio, 3. Febr. Eine Depesche Marschalls Oyama vom 2. Febr. besagt, daß die Russen ihre Tätigkeit gegen den linken japanischen Flügel wieder anfnahmen und daß beständig Scharmützel stattfanden. Ein hestiges Geschützfeuer fand an der Front »Her beiderseitigen Armeen statt. Die Japaner beschuldigen die Russen aufs Neue der Verstümmelung der Verwundeten. 3*tt Akrmäglung des Krsßyerzogs .ist überall im Hessculand festlich begangen worden. Zahl- 'lose Glückwunschtelegramme sind dem Fürstenpaare natürlich von Nah und Fern zugegangen. Der Depeschenwechsel zwischen dem Kaiser und dem neuvermählten Paar hatte folgenden Wortlaut. D e r K a i s er telegraphierte: »Ich sende Dir und der Großherzogin meine Herz, lichsten Wünsche, auirichlig bebauemb, dieselben nicht selbst überbringen zu können. Möge der heute beschlossene Bund Dir und Deinem Lande glück- und segenbringend sein. W i l h e l m." Die Antwort daraus lautete: „S. Mas. dem Kaiser in Berlin: Wir danken Dir recht herzlich sür Deine so lieben Glück- und Segenswünsche und haben nur das eine Bedauern, daß Tu an unserem Freudentag nicht hast teilnehmen können. Eleonore. Ernst Ludwig. Die kurze Erwiderung, die S. K. H. der Großherzog dem warmherzigen Toaste Sr. K. H. des Prinzen Heinrich bet der Dermählungstafel folgen ließ, hatte folgenden Wortlaut: »Eurer Königlichen Hoheit berufen bie Großherzogin und ich für die lieben, ireundlichen Worte, bie Sie an uns gerichtet haben. Auch wir bedauern von ganzem Herzen, daß Seine Majestät heute nicht zugegen sein konnte. Hatten wir uns dock sehr über sein Stemmen gefreut. Jedoch begreifen wir vollkommen, daß die Besorgnis des Vaters uni sein Kind ihm vor allen Festlichkeiten vor- ging und ihn hinderte, hier an unserer Freude teilzunehmen. Bitte, sagen Euere Kgl. Hoheit Seiner Majestät, wie das Hessenvolk in Leid und Freud zu seinem Herrscherhause gehalten hat, so hält es auch als echte Deutsche zu seinem Kaiser, was auch kommen mag. In diesem Namen fordere ich Sie alle auf, mit mir in den Rui einzustimmen: Seine Majestät der Kaiser und König Hurrah, hurrah, hurrah!" Wie wir zu unserem Bericht über die Vermählungsfeier «och ergänzend und berichtigend hinzufügen wollen, waren Hochzeitstafel auch Pfarrer Schroeber-Hohensolms und StiftSdechant Klingelhäffer aus Lich, die beide bei -er Äranung assistierten, zugezogen worden. Folgende Vereine re. haben uns Meldung gemacht von ^ewt Einlauf von Antworttelegrammen des Hohen Paares auf abgesandte Glückwunschadressen: Die beiden Freiwilligen Feuerwehren in Gießen, der Krieger- verein Gießen, dec Turnverein Gießen, die Obertertia des Realgymnasiums Gießen, der Kricgcr- verein Wieseck und der Kriegervcrein Hausen. lieber die Veranstaltung besonderer Feierlichkeiten sind unk folgende Nachrichten zugegangen: h. Steinbach, 3. Febr. E§ ist für Steinbach unvergeßlich, weid) freundliche und aufopfernde Hilfe seinen Einwohnern bei dem schrecklichen Brande des 28. Juni 1842 durch den damaligen hochherzigen Fürsten zu Solms-Lich, den Großvater unserer Gr0 ßh erzogin Eleonore, zu teil geworden ist. Ganze Wagenladungen von Brot, Lebensmitteln und Kleidern sandte der Fürst; er war selbst bei der Hilfeleistung überall gegenwärtig, ließ Kessel zur Speisung der Hungernden aufstellen und gewährte Obdachlosen sogar im eigenen Schlosse Unterkunft. Seine Hochherzigkeit ist dem edlen Vorfahr unserer neuen Regentin nicht vergessen worben. Als bie Stabt Lick) mit den übrigen Solmsischcn Gemeinben sich rüstete, ihrem verewigten edlen Fürsten ein Denkmal zu errichten, da beteiligte sich auch Steinbach unaufgefordert an dec Gelbsammlung und ließ bem Denkmalkomitee auch seinerseits eine größere Gclbsumme als Beitrag überreichen. Daß Steinbock) es sick) md)t nehmen lassen konnte, ber Enkelin beS hochverbientcn Fürsten an ihrem höchsten Ehrentage seine besonberen SegenSwünsche darzubringen, liegt aus der Hand, galten diese SegcnSwünsdw doch zugleich nud) Sr. Kgl. Hoh. unseren geliebten Landcsiürsten. Bürgermeister und Pfarrer sandten im Nomen der Gemeinde ein Glückwunsck)telegramm on das hohe Paar, worauf ein freundliches Antworttelegramm eingelaufen ist. § Klein-Linden, 3. Febr. Aus Anlaß ber Vermählung des G r 0 ß Herzog s hielt ber K r ieger--- 0 er ein gestern abend im „Deutschen Hof" eine kleine Feier ab, bi? einen recht schönen Verlauf nahm. Präsident Jung verlas das Telegramm, das er im Auftrag des Vereins abaesandt hatte, und die telegraphische Antwort vom Großher^og und seiner yohen Gemachen persönlich unterzeichnet. -i- Leusel, 2. Febr. Heut-e feier-e der Krieger- verein die V»e r m ä n l u n g S. K. H. des i-r 0 ß Herzogs in weihevoller Summnng. Herr I. I. G. Klein hatte einen Fest-Prolog zu Ehren d.s Großh. Paares verfaßt, den er vortrug Hub der vom Verein mit Begeisterung anfgcnvm- nicii wurde. Der Präsident des Kriegervcreins brachte dann auf das Großberzo^liche Paar ein dreifaches Hoch ans. Danach wurde das Lied „ib if Dir im Sieae'-franz" gejungen und so verlief der imöne Abend nur -u rasch. aAhb £tnDt und Gießen, den 4. Februar 1905. " Auszeichnungen. DoS Komturkreuz 1. Klaffe bc§ PhilippSordenS erhielt der diensttuende 51ammcrherr Mori- milian Freiherr v. Bellersheim, die Krone zum Ritter- kaeuz II. Kl. des PhilippSordens: der Hofmusikmeister Karl An ton, dos Ritterkreuz II. Klasse des PhilippSordens: der Hossekretär Adolf Seeling, der PoloiSmspektor Gg. Doch- nahl zu Mainz, der Hofgorteninspettor Fiicdrid) Göbel, der Schloßinspektor Georg Schön, der Iogdzeuginspektor Daniel Germann und der Silbcrvenvolter Konrad Ickes, das Silberne Kreuz dcS PhilippSordens: der Hausvenvalter Valentin Seibert zu Auerbach und der Hausverwalter Franz Witt zu Seeheim, dak allgemeine Ehrenzeichen: die Oberhoflakaien Jobs. Kempf, Karl Brand, Peter Reiß und August Seipp, d>e Hofgartcnanfscher Peter Küster zu Kranick)stein und Christian Zubrod zu Auerbuck) und der Gartenwärtcr Georg Kinkel. — Folgende Arbeiter der Gail- schon Zigarrenfabrik in Gießen erhielten das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift für treue Dienste: Zigarrcnsortierer Kaspar Fnch k, Werkführer Schmitt, Zigarrenmacher Joh. W i ß n e r, Werkführer Georg Mandler, Tagelöhnerin Katb. Jung. •* Hessisch-Thüringische StaatSlorterie. Am heutigen zweiten Ziehungstoge der 3. Klasse fiel bie Prämie von 75 000 Mk. auf Nr. 59569, welche mit einem Gewinn von 10 000 Mk. gezogen wurde, ein Gewinn von 1000 Mk. auf Nr. 13991 und Nr. 27097, ein (Gewinn von 400 Mk. auf Nr. 21244. (Ohne Gewähr.) ** Die w(KontenHa" veranstaltet am morgigen Sonntag abend im Neuen Soalbau einen Maskenball, der wegen seinen muntern Darbietungen von vorigem Jahr her bekannt sein dürfte. § Ober-Mockstadt, 3. Febr. Der Holzhauer Weip- recht Klaus von hier, der im Nanstädter Wald beschäftigt ist, wurde gestern nock)mittog von einer sollenden Buche getroffen. Er ist schwer verletzt in die Klinik nach Gießen gebracht worben. tv. Offenbach a. M., 3. Febr. Die sozialdemo- k r a t i s ch e F r a k t i 0 n der S t a b t v e r 0 r b n e t e n v e r s a w in - lung wirb noch bem „Cffcnb. Abenbbl." den Antrag einbringen, für die städtischen Arbeiter vom 1. April 1905 ab bie 9 - stünbige, vom 1. April 1906 ab bie 8 - stünbige Arbeitszeit einzuführen. Die Soziolbemokroten hoben in ber Stobtverorbnetenversommlung belonntlich bie Mehrheit. Gießener Landwirtschaftlicher Wetterdienst. Vo^ausstchtliche Witterung in Hessen für Sonntag ben 5 Februar 1905: Auiheiternb, milcer, keine lienneiiswerte Nieder' schlage. Näheres durch bie Wienener Wetterkarte. Krieftrasten der Wdalttioli. f9lnoitt;me Anttagen bleiben nuberülLsichtigt.) Student. Zeil 65 in Frankfurt. (b.) Gießen, 2. Febr. Die Strafkammer hatte heute fünf Schöffengerichtsurteilc zu prüfen, Die sämtlich» ihre Bestätigung fanben. Im eilten Falle hanbelte es sich um ein Urteil des Schöfsengerichts Alsfeld, bas von bem Lumpensammler Wilhelm Roth von Leusel angefochteii war. N. wurde dabei ertappt, als er fick in bas Lager bes Lumpenhänblers Rothschilb zu Alsfelb schlich unb sich eine Partie sortierter Lumpen im Werte von 3.50 Mk. an eignete. Er wurde zu drei Monaten Gefängnis verurteilt. — In der weiteren Sache hatte ber Müller Friedrich Diehl von Villingen gegen ein Urteil des Schöffengerichts Laubach Berufung erhoben. Er hatte seinem Hausgenossen Johannes Böcher ein Türschloß demoliert und wurde zu 40 Mk. Geldstrafe verurteilt. — Tie übrigen drei Sachen waren Privatklageurteile des Schöffengerichts Alsfeld, in denen der gerichtsbekannte Schneider Heinrich Korell von Alsfeld eine Rolle spielte. Erstens hatte er gegen ben Hospitalverwalter Welker wegen Beleigung Privatklage angeurengt. Dieser wurde in beiden Instanzen sreiaesprochen. Tann war er nebst seiner Ehesrau von der Helene Kniericm verklagt. Er wurde zu vier Wochen Gefäug- uis unb feine Frau zu 20 Mk. Gelb strafe verurteilt. Dabei' blieb cs. Ziiletzt war die Helene Knieriem auf Korells Eintrag wegen Beleidigung zu 12 Tagen Gefängnis verurteilt worden.^ Auch diese Beruftmg wurde zurückgetvieseu. () Marburg, 4. Febr. Ein falscher Krimifrlal- schutzmann stand heute in der Person des schon vielfach vorbestraften Arbeiters Wilh. Hoppe aus Treisbach bei Limburg vor Der hiesigen Strafkammer. Ter raffinierte Gauner befand sich int November v. I. in der Arbeiterkolonie Ncu- Ulricbstcin, von wo er als Kutscher nach Homberg a. Ohm ging. Zu Weihuachteu verschwand er unter Mitnahme verschiedenere Sachen nach Wehrda und Marburg, wo er als „Frankfurter Ge- beimschntzmanu" beit Raubmörder Hndde suchte, und bet dieser Gelegenheit sechs Wirte gehörig prellte. Hoppe wurde $ui oi', Fabian ßlef'ip/iris i,nd Ebrversust verurteilt. 11 nulle Itlelimiiarn. Oviaiualdrahtmcldnnüeu des Gießener Anzeiger». Essen, 4. Febr. In einer in Recklinghausen gehaltenen Rede führte Reichötagsabg. Hu6 aus, der Streik sei schon so gut wie gewonnen, aber sich dem Wunsche der Regierung zu fügen unb die Arbeit wieder aufzunehmen ' gehe i'licht eher an, als bis man Bürgschaften für die' gesetzliche Festlegung der Arbeitsforderungen erhalten habe. Paris, 4. Febr. „Petit Parisien" berichtet aus Petersburg: Nach in militärischen Kreisen zirkulierenden! Gerüchten soll Kuropatkin krank, entmutigt, erschöpft und unzufrieden infolge der Nichtverständigung mit seinen Generalen beim Kaiser um die Enthebung von seinem Posten nach gesuch t haben.. Die zwischen ihm und seinen Offizieren bestehenden Differenzen sollen auf die U e b e r a u st r e n g u n g e u zurück- zusühreu fein, beiten sich Kuropatkin mit seinen Truppen fett Monaten unterwerfen mußte. Zu seinem Nachfolger, soll General Lino wirsch ausersehen sein. Die Borgänge in Rußland. Moskau, 3. Febr. In einer Versammlung der.AdelZ- gen 0 ssenschaft gelangten heute drei an ben Kaiser m richtende Adressen zur Verlesung. In der ersten heißt es: In den gegenwärtigen schlechten Zeiten ist der Augenblick schlecht gewählt, eine fundamentale A e n b c r 11 n g der Regierungsform herbeizuführen. Auch werde Rußland Mittel und Wege finden, um im Innern ein geordnetes Leben wieder herbeizuführen, sobald des Krieges Sturm und Unrul>en beendet sind. — Die zweite Adresse besagt, daß während der kriegerischen Schwierigkeiten und der inneren Unruhen ein einziges Wort des Kaisers, durch welches bie frei gewählten Vertreter des Volkes ^zur Teilnahme am der Regierung berufen würben, Rußlaiib auf ben rechten Weg sülwen könne. Die Unterzeichner bicser Abresse erklärten sich im> Laufe ber Debatte bereit, für eine vernüttelnde Adresse emzn- treten. In dieser dritten Adresse heißt es, der Abel erwart, in voller Uederzengung, daß Rußlanb wieberiim biefc neue Prüfung überstehen und aus bcriclbett mit vollem Ruhme und voller Macht hervorgehen werde, sehnsüchtig ein Wort des Kaisers, welches zeigt, baß das Vanb, welches ben Kaiser mit dem russischen. Volke verknüpft, nicht zerrissen ist tmd daß der Kaiser, sobald er für nötig befindet, vom Volke gewählte Ver-i tretet berufen wird, um an ben Aufgaben des Staates mitzuarbcitcn. Die Versammlung wird morgen darüber Beschluß! fassen, welche Adresse überreicht werden soll. Wien, 4. Febr. lieber bie Zustände in Warscha n erfahrt ein Korrefponbent von einem Beamten, ber bie Totenlisten ge- sehen hat, baß a l l e i n e i nc L i ste mehr als 300 Mann enthalt Außerbem gab es eine Liste mit einer ganzen Anzahl von Nicht agnoszierten Leichen. Die Toten würben alle gestern nacht ber ^Warschau, 4. Febr. In Lodz, wo der Generalstreik am 26. Januar begonnen hatte, kam es zu einem Zusammenstoß zwischen streikenden Arbeitern der Fabrik von Kunitz er und Militär. Das Resultat war 6 Tote, 48 schwer nnd 20 leicht Verwundete. 10 Personen sind nachträglich gestorbem Gestern trafen aus Warschau Verstärkungen in Höhe von 250 Kosaken unb 600, Mann Infanterie ein. _ München, 4. Febr. Eine von den Professoren Brentano, Hirth und anderen einberufene Protest-Versammlung gegen die. Petersburger Vorgänge gestaltete sich zu einer imponierenden, Kundgebung. In einer Reso lution rtmrbc die Aufhebung' ber Auslicfcruiigsverträge Bayerns und Preußens mit Rußland ii -’ortert. Telephonischer Kursbericht« F neikfnrt ». 4. Februar. 3Ve°/n IteichBanleiho . . 102 20 3 7o do. ... 90.65 11/ o/o Konsols .... 102.50 3°/n do.....90.65 Heßsen .... 100.40 3Obnrhesgen . . .. 99.70 4% Oesterr. Ooldrente . . 101 90 4‘ 5%OeBterr. Silberronte 100.80 4% Unirar. Goldrente . . 100.40 4”/ Italien. Rente , . . 105.60 4’2% Portugieser » . . 66.00 v{3wivcfr un3 2cti an“ st.sit. i.75, 6t. st. ent.ia. gon.-Portweln 3333,6, Weingeilt 160,6, CllrouonBch. 2,6, PoeereneeMcb. 2 0. Flieder 1 (k Ettmmel, Anle, Wacholderb., C«aaden, Bezirk Koblenz. Bestandteile: Zum Einneh- Einreibung: 250 gr 80®/o Alkohol? men: 200 gr feinster Dampf- m. äther. 0,5% Auszug v. Lavendel, trau, 50 gr Kalk, durch Thymian, Nelken, Zitronen, Muskat- Tanz-Unterricht. Mein neuer Kursus beginnt wieder Montag den 6. Ievriiar 1905. Gest. Anmeldungen erbitte möglichst vorher in meiner Wohnung, Sonuenstraße 5, zu machen. 0624 Privat-Nnterricht erteile zu jeder Tageszeit. Joseph 8$üöM, TMcliM. MllPmitmAdmDdkr Meiner werten Kundschaft hierdurch die ergebene Mitteilung, daß ich mein Ladengeschäft Neustadt 11 unverändert weiterführe. — Wolle wird jederzeit zu den höchsten Tagespreisen m Umtausch genommen. Habe den Mal - Unterricht | wieder ausgenommen. 0623 a FkN 0. Kowarzik. Hofmauustratze 8. 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Februar 1905, abends 8 Nhr: Große Inder-NorjikÜNg V des Sosköllßltts BeHachini x mit einem wunderbaren Programm. Unter anderem: Alls dem Reiche der alten Egypter. Bei dieser außergewöhnlichen Darstellung werden dem Zn* fichauer die geheimen Künste der alte» Egypter, sowie das Reich ier Märchen unb der Sagen verkörpert vor Augen geführt. AuHerdem: Das Lieblingöftück der Kaiserin PompöS. Eintritt: L Platz 1 DU., 2. Platz 50 Pfg.; im Vorverkauf: 1. Platz 80 Pfg., 2. Platz 40 Pfg. 638 -Hs labet zu dieser Vorstellung ergebens! ein H. Sclierb. 15000 Mark als II. Hypothek, auch geteilt, zu verleihen. Offerten unter 0583 an die Expedition b. Bl.________ wünsch. 2 Lchwest.,alleinst. 'J/ullli »l. ca. 300OUU Di. Verm. Herren, w. a. ohne Verm. jed. gut. Ehar.Off..lle6li29^6fI.n8.4.s81'°? 11 a m t Mir reisende HOSDIZ Damen 8 in> evang. Schwesternhaus, Giessen, lohannesstr 1. MI schloß,' oertre 2. Bw georöne. /rum) t Aög. D trat für sreismni daß sei 2. 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