sih?. 18» Zweites Blatt. 155. Jahrgang Samstag 5. August 1905 •rftetnl «Glich mtt vu-nahm» bei Sonntags. Die .Stellen« KmoMendlätter- werden dem .«nzetge, viermal wöchentlich betgelegt. Der ^«lstlch, Lasdwtrt- rrschetul monatlich einmal. SichWU Anzeiger Rotationsdruck und Verlag bex vrühk'lch«, UniversuLlSdruckeret. ÖL Lange, Bletze» Redaktüm, Expedition ».Druckerei.- Dchulsde.D Tel. Rr-Ll. Leiegr^Adr.» An-etge» Vietze»» General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Wieder eine Monarchen-ZufammenKunfL? Gestern gaben wir ein von Marienbad aus die Welt beglückendes Gerücht wieder, dem zufolge eine Zusammenkunft Kaiser Wilhelms mit König Eduard bevorstehe. In Wiener Hofkreisen wird seht nach einer neuen Herold-Meldung versichert, daß in Marienbad selber keine Monarchen-Entrcvue stattfinden wird. Möglich sei aber, daß König Eduard und Kaiser Wilhelm in Frankfurt a. M. Zusammentreffen. Das ist nichts neues, denn auch die gestrige Meldung sprach von einer Zusammenkunft in Frankfurt. Tie Ankunft des Königs Eduard in Marienbad ist auf den 14. d. M. festgesetzt. Ursprünglich sollte der König scbon am 11. August ein treffen, und man will nun wissen, daß diese Verzögerung mit der Begegnung mit Kaiser Wilhelm in Zusammenhang stehe. Tie Pariser, die sich den Kopf darüber zerbrachen, von wem die Anregung zu der Begegnung des Kaisers mit dem Zaren ausgegangen sei — und schließlich zu dem „unumstößlichen" Ergebnis gelangten, Teutschland habe den ersten Schritt getan — die Pariser können sich nun wieder in Vermutungen ergehen, ob König Eduard der Urheber der Zu- sammenkunft mit Kaiser Wilhelm ist. Ein politisch bewegter Sommer! Doch in den letzten Jahren sind fast alle großen Ereignisse im Leben der Völker in die „stille" Jahreszeit gefallen. Frankreich kommt aus derBeunruhigungüber die Zuverlässigkeit seiner Freunde nicht heraus. Es will sich ihres Mleinbesihes freuen und sieht sie, des Fürsten Bülow bekanntes Wort zu gebrauchen, immer wieder „Extratouren tanzen". JNst mit Deutschland, das ist das Beklemmende. Wo bleibt da das Ziel der Isolierung Deutschlands, Delcasses kühner Gedanke? Immer aufs neue findet die deutsche Politik Anschluß. Jetzt fehlt nur noch eine Begegnung des Kaisers mit Präsident Loubet, die ja wirklich einmal in die Wege geleitet war, um die Enttäuschung aller Patrioten und Rcvanchemänner vollständig zu machen. Im Grunde ist die Frage müßig, ob Kaiser Wilhelm oder ob König Eduard eine Zusammenkunft wünscht. England hat am meisten Veranlassung, eine Aussprache herbeizuführen. Das ist mit Händen zu greifen, daß sich die Lage Englands Deutschland gegenüber verschlechtert hat. Man braucht nicht einmal so weit zu denken, wie der verstorbene v. Witzmann, der oft im Freundeskreise erörterte, einen wie starken Druck Teutschland auf England ausüben könne dadurch, daß Teutschland Rußlands Blick auf Indien hinlenke, wo für Rußland die Chancen unvergleichlich günstiger liegen als im Krieg mit Japan. Man braucht nicht in Erwägung zu ziehen, ob der Zar für den Gedanken, die Einbuße an Macht und Besitz Rußlands durch einen solchen Feldzug wettzumachen, leicht gewonnen werden könnte. Was England zu einem weisen Einlenken veranlassen muß, das liegt auf einem anderen Gebiete. In London sind die Besprechungen unseres Kaisers mit den Herrschern Schwedens und Dänemarks sehr aufmerksam verfolgt worden. Eine wohlwollende Neutralität dernordischen Reiche in einem etwaigen deutsch-englischen Kriege, „wohlwollend" in der Art etwa, wie sie Deutschland für Rußland an den Tag legt, sichert uns nicht zu unterschätzende Vorteile zur See. Inwiefern, das braucht nicht näher ausgeführt zu werden. Genug, für die englische Flotte könnte die Ostsee zu einer sehr prompt funktionierenden „Mausefalle" werden, denn Dänemark hat den Schlüssel zur Ostsee. Man kommt, wie mit Recht gesagt worden ist, leichter in die Ostsee hinein, als wieder heraus. Die engl. Diplomatie hat stets die eine für sie nützliche Eigenschaft besessen: daß sie sich keiner gefälligen Selbsttäuschung hingibt. Da die englische Diplomatie nunmehr etliche Trümpfe in der Hand der deutschen Diplomatie gewahrt, so zieht sie daraus die nüchterne Folgerung, daß hier Falstaffs Wort zu beachten sein möchte: „Vorsicht ist das bessere Teil der Tapferkeit!" Einfach das Gebot der Vorsicht wird unsere guten Vettern veranlassen, eine kleine Schwenkung vorzunehmen und Teutschland Englands Friedensliebe zu versichern. Im englischen Parlament hat, wie wir gestern mitteilten, der Unterstaatssekretär des Aeußeren, Earl o;f Percy, England gegen die Annahme feindseliger Absichten verwahrt, wenn das Juselreich ein Uebereinkom- men mit einer anderen Macht schließe. Vermutlich erscheint KönigEduard, um die gleiche Verficht, na abzuaeben. König Eduard erscheint nämlich dann als der lebhafteste, herzlichste Freund des Friedens, der gar nichts anderes will, als der Welt die Segnungen ungestörter Ruhe sichern — sobald die englische Diplomatie mit ihren ganz anders gearteten Plänen gründlich fest sitzt. Daß vor den Begegnungen des .Kaisers mit den nordischen Herrschern und vor den Erfolgen der Zu- sammenkiinfte die Möglichkeit einer ernsten deutsch-englischen Verwicklung mehrmals sehr nahe gelegen hat, wird nicht bestritten werden können. Zum zweiten Mal ist das Retz gerissen, das England Deutschland überzuwerfen gedachte, nachdem der gleiche Versuch des Herrn Delcassß vollständig mißlungen war. Zum zweiten Mal hat die deutsche Politik ihren Gegnern ein Paroli geboten, durch Aufrichtung verständlicher Warnungszeichen. In der heutigen „Nordd. Allg. Ztg." wird die Meldung von der Begegnung nicht dementiert. Wie unser Berliner R.-Mitarbeiter auf Erkundigung erfuhr, liegt bisher keine amtliche Benachrichtigung vor. Doch sei dies kein Grund, die Meldung in Zweifel zu ziehen. — König Eduard liebt es, seine Dispositionen so lange wie möglich der Oeffentlichkeit vorzucnthaltcn. Auch das Gefolge des Schah von Persien wußte bei der Abreise von Paris noch nicht, ob und wo der Schah mit König Eduard Zusammentreffen werde. Volilische Tagesschau. Ein Mann der Zukunft. Man schreibt uns aus Berlin: In dem von der Kolonialabteilung zur Verwaltung der Anatolischen Eisenbahnen übertretenden Legationsrat Dr. Helfserich (um den sich wegen seiner „Flucht aus dem Staatsdienste" eine so lange als unfruchtbare Preßerörterung geknüpft hat. D. Red.) sah man hier und da den zukünftigen Kolonialdirektor. Run, es ist wohl nicht ausgeschlossen, daß Dr. Helfferich später in die Kolonialoerwaltung zurücktritt. Auch Frhr. v. Richthofen, der jetzige Staatssekretär, war als Verwaltungsbeamter im Orient, und zwar in Egypten, tätig, als seine Ernennung zum Kolonialdirektor beschlossen wurde. Im Herbst d. I. soll bekanntlich dem Reichstag eine Vorlage zugehen über die Umwandlung der Ko lo n i a la btei lu n g in ein selbständiges Reichsamt. Rach unseren Informationen gedenkt Dr. Stübel so lange an der Spitze der Kolonialverwaltung, an der er sich bewährt hat, zu bleiben, als der Kriegszustand in Südwestafrika besteht. Die Frage der Nachfolgerschaft für Dr. Stübel ist also einstweilen gegenstandslos. „Deutschenhasser". Man schreibt uns: „Wer zum ersten Mal das Böbmerland durchstreift, den interessiert es naturgemäß, das so viel bemängelte Verhalten der Tschechen geaeuüber den Deutschen aus eigener Erfahrung kennen zu lernen. Ich habe in diesem Sommer längere Zeit in Böhmen zuqebracht, u. a. auch in und bei Prag, und entsprechende Beobachtungen angestellt. Ich land die Behauptung vom Deutschenhaß der Tschechen nicht bestätigt, es sind mir im Gegenteil außerhalb Deutschlands selten so entgegenkommende und freundliche Menschen begegnet, wie in Böhmen." Das Urteil macht selbstverständlich keinen Anspruch darauf, als allgemein maßgeblich zu gelten. Zufälligkeiten wirken mit, auch kommt viel darauf an, ob der Fremde in einem Lande sich ohne Vorurteil gibt. Aber die Darstellung, als erblicke der Tscheche im Deutschen den Todfeind, gegen den er schroff Stellung nehinen muffe, verdient nachgeprüft zu werden. Die Mehrheit des tschechischen Volkes läßt sich von verhetzenden Agitatoren nicht beeinflußen. Der Deutschenhaß wird von den Politikern gepflegt, nicht vom Volk. In der Abneigung gegen das Deutschtum werden die Tschechen jedenfalls weit übertroffen von den preußischen Polen._______ Karrplversttmmlrma der Hessischen Vereinigung für Aotkskunde. (!) Friedberg, 4. August. Die hessische Vereinigung für Volkskunde hatte heute nachmittag im Hotel Trapp ihre diesjährige Hauptversammlung unter dein Vorsitze des Prof. Dr. Strack-Gießen. Auch Provinzialdirektor Geheimerat Dr. Breidert, Kreisrat Fey- Friedberg, die Vertreter der Stadt und der hiesige Ge- schichtSverein nahmen an den Verhandlungen teil. Dem Jahresbericht ist zu entnehmen, daß der junge Verein sich in ganz Heffen gut entwickelt hat und noch ständig an Mitgliedern zunimmt. Prof. Dr. Drews-Gießen hielt nach den Verhandlunyen einen sehr interessanten Vortrag über: „Das Abendmahl und die Dämonen". Unter Dämonen verstand man bereits zur Zeit Christi böse Geister, die in den Menschen fuhren und ihn zu schädigen und vernichten suchten. Die Dämonenfurcht war deshalb sehr groß und wurde von den Christen mit übei> nommcn. Sie sahen besonders in den abgesetzten Götzen der? Heiden böse Dämonen, die es auf die rechtgläubigen Christen abgesehen hatten, sie verfolgten und das Christentum zerstören wollten. Christus aber war über sie Herr, sie mußten fliehen, aber wie ein fliehender Feind schädigten sie die Getreuen des Heilandes, dessen Namen als Heilmittel galt und der ihnen einen Schutzengel sandte. Me schweren Krankheiten, Nerven- und Geisteskrankheiten, schrieb man den Dämonen zu. Am meisten stieß man mit ihnen beim heiligen Wendmahl zusammen, das sie schädigen und wirkungslos machen wollten. Die Abendmahls- elcmente galten als Schutz gegen Dämonen, als Heilmittel von Krankheiten und wurden als Talisman auf der Brust getragen. Die Dämonen suchten die heilige Handlung zu stören, sie sandten Fliegen, Insekten, Spinnen, die sich aus die Hostien setzten In dem kleinen Landstädtchen Neustadt, mit dein wir unsere eigentliche Schilderung aufnehmen wollen, fesselt uns auf unserer Nadfahrt außer dem neuen, am Bahnhofe errichteten schmucken helltönigen Kriegerdenkmal mit einer über» Als der junge Goethe die Universität Straßburg bezog, aus anmutigen Lorbeerspenderin, Junker Hansens Turm, ein da „segnete er mit Entzücken sein Schicksal, das ihm für in seiner kompakten Rundlichkeit geradezu ulkig aussehendes einige Zeit einen so schönen Wohnplatz bestimmt hatte". Wer Bauwerk, zu dem wir durch Klettern über ein paar Zäune heute als junger Bruder Studio nach unserem Gießen gelangten. Er wurde, wie Schneider in seinem „Führer kommt, etwa aus dem landschaftlich gänzlich reizlosen durch Oberheffen" (N. G. Elwert in Marburg) erzählt, einem Worms oder aus dem schlotreichen und hastig übergeschäf- ganz praktischen, aber leider aller Spezialkärtchen und Plänchen tigen Offenbach, den beseelen vielleicht ähnliche Gefühle, entbehrenden Buche, von dem mächtigen heff. Landhofmeister wenn er an einem schönen Frühlings- oder Herbsttage von Hans v. Dörnberg im 15. Jahrhundert erbaut. Dieser wilde der Textorschen Terraffe oder von der Höhe der Grünberger- Junker Hans soll mit dem Teufel im Bunde gewesen sein straße hinuntcrblickt auf die liebliche Flur und im zarten und in diesem Turm in einem Stübchen gewohnt haben, das silbrigen Sonnendunst die Stadt zu seinen Füßen ausgebreitet er von niemandem betreten ließ. Er selbst soll nur von sieht, hinter der sich dort reich bewaldete Höhen, hier bürg- außen den Turm hinauf- und hinabgeritten sein. Die massige gekrönte Berge und das imposante Dünsbergmassiv erheben. Behäbigkeit dieses Turmes, desien Unterbau steinern ist, er» Doch nicht nur dem leicht begeisterten jungen Studenten, sondern hält ihren malerischen Reiz durch den Oberbau aus Fachwerk auch dem reifen Manne, den das Schicksal vielleicht aus und mehr noch durch den schlanken, oben achteckigen im- weiter Ferne und vielleicht aus großen und großartigen Ver- posanten Helm mit seinen vier rechteckigen, auf Kopsbänder hältnissen hierher verschlug und dem es schwer ward, sich gestützten reizenden spitzen Erkertürmchen, die von ihrer sicheren hineinzufinden in die Enge unserer Stadt, geht's so an Position aus so neugierig und so verwundert und miß- manchem schönen Tag im Jahr. Wer aber ein Meister des billigend zugleich über die zappelige Welt zu ihren Füßen ins Kine Kadsah t nach der Schwalm und Kochwaldhausen. (Original-Artikel des Gießener Anzeigers.) Straße ist vorzüglich, fest und staublos chaussiert, allerdings etwas schmal — eine Eigenschaft, die mir bald gefährlich werden sollte. Tie Höhe ist erreicht, und rückschauend gewinnt nttnt einen schönen Blick auf den Kell er Wald bei Bad Wildungen, einen bis zu 673 Meter sich erhebenden mächtigen Gebirgszug, der ein 'Ausläufer des rheinischen Schiefergebirges ist und der hessischen Senke ein ftemdes Gepräge gibt. Und nun beginnt der Fall. Das Freilaufrad saust, vorsichtig gezügelt, pfeilschnell hinab. Doch den Blick fesselt bald eine wundervolle Gebirgsgruppe in weiter Ferne, der wenig bekannte vulkanische Knüll, dessen stattliche Höhen zum Teil üppig bewaldet sind, zum Teil licht beglänzt wie ein riesiger weingelber Bergkristall zu uns herüberschauen. Der Gießener Geographieprofessor Sievers macht in seinem überaus lehrreichen Heftchen „Frankfurt a. M.- Berlin" aus der Perihesschen Sammlung „Rechts und links der Eisenbahn" interessante Angaben über dies Gebirge. Einzelne, vielleicht von blühendem Raps bestandene Stellen scheinen aus der Ferne wie Schneefelder. Die Lust ist von vollkommener Klarheit, wie sie Trüb n er in seinen Landschaften liebt. Darum sind die Farben alle von jener Kälte, die uns so ftisch und gesund anmutet. Hier und da weiden wir uns an einer köstlichen Baumgruppe im Tal oder an einem aus saftiger Matte sich erhebenden einsamen Gehöft mit seinem reizvoll malerischen Fachwerk, in idyllischer Mgeschiedenheit. Ta ragt ein Kirchturm aus einem Gewirr entzückender Fachwerkhäuschen hervor. Wir sehen das liebliche Merzhaus e n nahe vor uns, aus dem der alte, einst so gerühmte, heute im hohen Greisenalter fast ganz vergessene Ludwig Knaus die Figuren zu seiner „Goldenen Hochzeit holte. Nun noch ein paar Serpentinen in einer Art breiten Hohlwegs hinab, und wir biegen ins Dorf Willingshausen ein, die weithin berühmte Malerkolonie. Das erste menschliche Wesen, das wir antreffen, ist eine dralle Maid, die, mit Verlaub zu sagen, an einem Garten^aun Mist gabelt. Ihre Wangen flammen wie das kecke rote Häubchen auf ihrem graziösen Köpfchen, und die langen weißen Strümpfe unter dem kurzen, rotumsäumten schwarzen Röckchen zeigen Spuren ihrer duftigen Tätigkeit. Eine alte Frau mit dünnem weißen Haar treibt ein paar Gänse durch eine Pfütze vor sich her. Sie hat's eilig, denn sie läuft in ihrem Eifer selber in die Pfütze, daß der Schmutz ihr bis zur schwarzen „Ketzekapp" emporschlägt. Das hindert sie aber nicht, uns auf unsere Frage den rechten Weg zur Gastwirtschaft des Herrn .Hase zu weisen. Sie deutet uns auf ein kleines Wirtshausschild, auf das ein Schimmelreiter über- Rades ist oder doch wenigstens ein solcher zu sein glaubt, Land hineinblicken. und wer gern eine Reihe arbeitsfreier Stunden zu Rad- Noch in der Stadt, deren Straßen — es ist Samstag — Ausflügen in die nähere und weitere Umgebung Gießens von vielen den Sabbath heiligenden Juden belebt sind, treffen benutzt, der wird von Gießens Gegend gewiß bald mit dem wir ein paar Schwälmerinnen in ihrem Nationalkostüm, gleichen Entzücken reden wie einst der junge Goethe von schlanke Gestalten mit braunen Augen und dunkelbraunem Straßburg. Haar. Sie scheinen zu trauern; wenigstens tragen sie Zu der Umgebung Gießens gehört, wenn man in Gießen schwarze Mieder und einen blauen Schleier, der ein Zeichen iebt und ein tüchtiges Rad und die rechten Beine dazu hat, dafür sein soll, daß sie den Verlust eines Lieben beklagen, natürlich auch Marburg nebst dessen herrlicher weiteren Auch der Oberrock ist dunkelblau, unter dem sie bis fünfzehn Umgebung. Schon eine Radfahrt dorthin bietet mannigfache weitere Röcke tragen sollen! Pikant ist, daß der vorletzte landschaftliche Reize, und der Freund der Frauen und der Rock unter dem obersten mehr als fingerbreit hervorschaut; uralten Volkstrachten hat feine Freude an den schmucken pikanter ober, daß die weißen Hemden noch ungefähr drei Mädeln in den faltenreichen lichtgrünen, graubraunen oder bis vier Finger breit unter den Nöcken hervorlugen! hellgrauen Nöcken mit den buntgeblümten Schnüren und den Und nun, nachdem wir das Bahngeleise überschritten koketten Miedern, die zwar den Busen halb frei lasten, der und an der munter klappernden Mühle rechts eingebogen aber non weißen Tüchern schamhaft verdeckt wird. sind, geht's bald mächtig und andauernd bergan. Die sonst °°nr walenschen Marburg bringen uns Eisenbahn TouÄunt°rmVn sollte, ba"ie die Höhen öber Rad über Kirchhain, von wo aus wir einen kurzen z-^fen die Wälder und die Entfernungen gewöhnlich Abstecher nach dem auf steilem Vasaltkegel trutzig gelegenen gan^ präzise cmgibt, verzeichnet seltsamerweise die Straße Amöneburg machen können, durch weiten, prachtvollen Neustadt—Willingshausen—Alsfeld als einen „zum Rad- Laubwald nach Neustadt und von hier bald auch nach den l fahren wenig geeigneten untergeordneten Verbindungsweg", gesegneten Gefilden der Schwalm. -'^'7 h4e> h1,rrh ^rh 1mh ^nTh fufirenj)e |Ul)kl)l a___B__________ „ „ aus plumv gemalt ist. Wir biegen um die Ecke und se^n Tas ist nicht richtig, die durch Feld und Wald führende das fteundliche Wirtshaus vor uns, das sich in Einern rot Vermiete*- Rheinisches | Technikum Bingen frei. SS 7t einen Blumenstrauß in Albert, hing. Andenken bis gehalten hat. Friedrich an fUr Maschinen- u. Elektrotechnik, verbunden mit ChautTeureohule. der Rechten; darum herum allerlei Szenen aus dem Volksleben, darunter der „Herr Maler", um den sich die neugierige Dorfjugend versammelt nebst Gänsen und Hunden und Kinderwägelchen, dann das Hase'sche Wirtshaus in lieblichem „Müde rauschen die Sicheln im Korn: Lang war der Tag seit der Frühe, Spitzig die Stoppet, holprig der Schorn, Tausendfältig die Mühe. Horch! da tönt aus dem Törslcin heraus Abendglocke den Frieden. Und den Acker zum Gotteshaus Wethen scheidend die Müden. Betend beim friedlichen Glockenschlag Ihre Reihen durchhallt es: „Herr, Tu schtrmlc-sl uns diesen Tag, Schirme uns weiter.... Golt walt' esI" (Fortsetzung folgt.) Itbewährte Nahrung für Kinder, Kranke,Genesende., Verhütet u.beseiUot:Di?rrho". ßrechdurch^l1, D^rmKatarrn. AosM svs ötn )rjsvdkssmlsrktzlLe:ll der Stahl Siktzev. Aufgebote. Juli. 29. Dr. Karl Vötsing, Grobh. Gerichtsassessor m Fürth j. Odenw., mit Julie Luise Wilhelmine Hellwig dahier. 29. Heinrich Karl Etter, Schaffner dahier, mit Elisabeth Horst hierjelbst. 31. Aalthaser Opper, Bäcker dahier, mit Johanna Neuhaus in Krosdori. August. 2. Johann Markert, Kellner dahier, nut Antonie Henze Hierselbst. Eheschließungen. Juli. 28. Julius Dreifuß, Kaufmann in Frankfurt a. M., mit Anna Kaan dahier. August. 1. Oskar Salomon Slipper, Kaufmann in Brüssel, mit Lilli Katz dahier. Geborene. Juli. 23. 2em Kutscher Christian Burk eine Tochter, Anna. 26. Dem Bierbrauer Franz Buchberger ein Sohn. 26. Dem expedierenden Weichensteller Eberhard Schmidt ein Sohn, Helmut Wilhelm Eberhard. 26. Dem Kaufmann $nfob Allhaus cm eohn, Karl. 27. Dem Schuhmacher Adam Töbus ein ^ohn, Friedrich Johannes Adam. 27. Dem Mechaniker Heinrich Fitzler ein Sohn. 28. Dem Hilfstelegraphisten Karl Geitz ent Sohn, Erich Konrad Heinrich Karl. 28. Tein Geschäftsreisenden Peter Kasper eine Tochter, Erika. 28. Dem Friseur Karl Hermann Schenk em Sohn, Karl Hermann. 30. Dem Fabrikanten Joseph Kreuter Zwillinge, Franz und Friedrich. 3u. Dem Lackierer Theodor oeipu ein Lohn. Gestorbene. Juli. 29. Andreas Krug, 36 Jahre alt, Taglöhncr dahier. August. 1. Arthur ©rollert, 30 Jahre alt, Braumeister dahier. 3. Karl Retter, 32 Jahre alt, Kaufmann dahier. mich in der Küche um. Sie ist groß und geräumig, blitz- auber, der Herd aus Steinen gemauert und nut Koch- Maschinen aller Art versehen, der Küchenschrank aus • Ein interessanter Brief der Kaiserin Friedrich aus den ersten Tagen jener Zeit, da sie noch Prinzessin Friedrich Wilhelm von Preußen hieß, wurde soeben in London öffentlich versteigert. Dies erscheint deshalb etwas wunderbar, weil der Brief an den Bruder der Kaiserin, König Eduard VII., gerichtet war und man doch eigentlich annehmen sollte, daß er nicht aus dem Besitze seines Adressaten hätte gelangen können. Der Brief legt ein schönes Zeugnis ab von der rührenden Liebe, mit der die Prinzessin Viktoria an ihrem Vater, dem Prinzgemahl Man weiß, daß sie ihn vergötterte und sein zu ihrem eigenen Ende stets treu in Ehren In diesem Briefe schreibt die spätere Kaiserin ihren Bruder, den damaligen Prinzen von Umstand, daß in der zweiten Sitzung der Einigungsromnusiton die Hauptwortführer der Unternehmer, die Herren Fritz uno Schmiedehaus, fehlten (für dieselben waren andere Herren ein» getreten). Hinterher wird bekannt, daß die bechen Herren toat)» reitb der Einigungsverhandlungen im Lande herumretsten und in Hessen und Hannover sich nach eventuellem Er 1 atz fur die ausgesperrten Arbeiter umsahen. ^wse Tatsache ist umso befremdender, als in der ersten Sitzung der Emtgungs- kommisfion abgemacht wurde, daß für die Dauer der Verhand- lunaen Waffenstillstand herrschen sollte. Augenblicklich liegt im Aussperrungsbezirk das Verhältnis folgendermaßen: Von den Unternehmern hinzugezogene Bauarbeiter, welche als Arbeitswillige dienen sollen, werden gleich bei ihrer Anmnst auf den Bahnhöfen von Vertretern der in Frage kommeichen Arbeiterorganisationen in Empfang genommen und mit Jtei|egelD_unö einem Fehrpfennig versehen wieder S u r u ck g e f ch i ck t. ^i.ese Maßnahme hat zurzeit noch Erfolg. Doch dürfte vielleicht eine Aenderung eintreten, wenn die Erntearbeiten erledigt find, weil bei diesen die abgeschobenen Bauhandwerker zurzeit iwch verdienstbringende Aushilfsarbeiten tun können. ^er Arbeitgeber- bund scheint anzunehmen, daß nach Beendigung der Erntearbeiten es den xDrganifattonen nicht mehr gelingen wird, den Zuzug in solchem Maße wie bisher fernzuhalten. Nicht unmöglich wird es fein, daß es alsdann zu Auseinandersetzungen zwischen den Arbeitsivilligen und den Streikerchen kommen wird, tfür oie)e Fälle ist eine Regierungsverfügung ergangen, nach _ der die Beschäftigung ausländischer Polen in der Industrie unzulässig ist und andere von den hiesigen Bauunternehmern etwa herangezogene ausländische Bauhandwerker aus gewiesen werden sollen, falls durch ihre Heranziehung Ruhestörungen zu erwarten sind. , Bochum, 4. Aug. Von den im.Aussperrungsgebiete befindlichen ausgesperrten 2196 Bauarbeitern gehören 1224 der freien, 972 der christlichen Organisation an. Beide Organisationen gehen, wie im Bergarbeiterstreik, geschlossen vor. Die Leitung ist einer Scchserkommission, bestehend aus freien und christlichen Gewerkschakflssührem, übertragen. Wales, u. a.: „Wie ich Dich darum beneide, daß Du in der Lage bist, mit unserem lieben Papa über alle Dinge zu sprechen, die vorgehen. Ach, laß mich, als Deinen besten Freund, Dich beschworen, Lieber, Nutzen zu ziehen aus dem, das er Dir sagt. Du weißt nicht, wie man sich nach einem Worte von ihm sehnt, wenn man, wie ich, fern von ihm ist!" Bei der Auktion dieses Briefes fand sich zufälligerweise niemand ein, der ihn seinem früheren Besitzer, dem Könige, hätte zurückgeben können, und so wurde er denn für den Preis von 7 Pfund Sterling, d. h. 140 Mk., irgend einem unbekannten Liebhaber von Autogrammen zugeschlagen. Habent sua lata epistolae! .... • Berlin, 4.Aug. Graf Pückler-Klein-Tschirne wurde gestern nachmittag in Berlin verhaftet. Die Polizei bewachte alle Bahnhöfe, da sie nicht wußte, wo der Graf, der gestern der ihm drohenden Verhaftung in Kottbus entgangen war, ankommen werde. Graf Pückler kam mit dem Berliner Schnellzuge an und wurde um 8/47 Uhr, als er ein Abteil zweiter Klasse verließ, von einem Polizeiofsizier verhaftet und nach der Wache gebracht. Die Verhaftung vollzog sich ohne Aufsehen. • Eine Maus als Brandstifterin. In emem Stalle deS Rittergutes Grüningen bei Weißenfee in Thüringen entstand vor einigen Tagen durch Kurzschluß der elektrischen Anlage ein Brand. Als man die Brandstelle näher untersuchte, wurde hinter der Platte, an der die Isolierungen angeschraubt sind, eine stark verbrannte Maus gefunden. Sie hatte beim Ueberlaufen der Drähte eine Verbindung derselben hergestellt, infolgedessen waren die Isolierungen durchgebrannt und das Feuer entstanden. * Kleine Tageschronik. In Bleicherode (Harz) wurde der Bürgermeister Preiß von der Berliner Kriminal- Polizei wegen Vergehens gegen § 15 des Strafgesetzbuches v c r - haftet. — Nach dem Genuß g i f t i g e r P i l z e v e r st a r Den in der Familie des Häuers vlezol in Cz erwion ka (Lbericht.) ’roei Söhne, ivährend die Ehefrau lebensgefährlich enrantt ist. — In Rotenburg Ort, einem Stadtteil von Hamburg ist bei der Gasanstalt ein Schacht eingestürzt, wobei fünf Menschen verschüttet wurden. Zwei davon sind tot. — Im ganzen P u st e r- t a l c sowie im Ampezzo-Tal hat ein 36 Stunden andauerndes Unwetter großen Schaden angerichtet. Tie tfiiißlaiifc smd über die Ufer getreten, besonders die Trau ist erheblich^ge- ftiegen, sodaß Katastrophen befürchtet werden. — Im cngl. ^Lee- Pad Ramsgate entgleiste ein Wagen der elettiischen Straßenbahn und stürzte von einer Klippe etwa haushoch auf den Strand herab. Der Wagenführer wurde zerschmettert. Tie Passagiere, eine junge Dame und zwei Knaben, erlitten schwere Verletzungen. Sie wurden rot, sie wurden warm Und ruhten atmend Arni in Arm, Juchhei Juchhe! Juchheisa! Heisa! He! Und Hüst an Ellenbogen." Hier ein junger Bauer „mit bunter Jacke, Band und Kranz", dort eine schöne Dirne, gleichfalls Reproduktion eines bekannten Bantzerschen Bildes in vollem Staat wie zur Hochzeit „gebrettert" oder „geschappelt". Wer versteht als Städter den Unterschied! Eins ist so kunstvoll wie das andere. Wer Lust hat, sich über diese Termini technici genau zu unter- »schien, lese darüber in der vortrefflichen Heßlerschen „Hessischen Landeskunde" nach, in der der Lehrer und Dorfpoet I. H. Schwalm aus Obergrenzebach sein Heimatland so hübsch und mit so warmer Liebe schildert, daß man dieses Kapitel als das beste des ganzen dickleibigen Buches bezeichnen möchte. Auch das nach meiner Meinung beste Bild Bantzers, das „Abendmahl in einer hessischen Dorfkirche" mit seinen prachtvollen Charakterköpfen, das in seinem einheitlich dunkelblauen Ton und seinem milden Doppellicht von Tag und Altarkerzen eine so weihevolle Stimmung auSströmt, hängt in kleinem Format an einer der Wände. Ein vielleicht hundertjähriger geschnitzter Brautstuhl, dessen Lehne sich nach oben hin verbreitert und der mit seinen Rosetten an norwegische Bauernkunst erinnert, bildet, neben allerlei anderen an den Wänden angebrachten geschnitzten Kuriositäten, eine weitere Zier des Zimmers. Am augenfälligsteii aber ist die Tur, die ganz mit kleinen Genrebildchen bemalt ist: in der Mitte, einander gegenüber, ein gravitätisch die lange Pfeife rauchender Hase (wohl in Anspielung auf den Rainen deS Wirtes und ein Bauer in der schmucken Volkstracht, dem langen Arbetterbew.gung. Gera, 4. Aug. Ter Stablrüt hat die Genehmigung einer öffentlichen Geldsammlung für b i c auSge sperrten Fabrikarbeiter versagt, weil man hierin eine Parteinahme erblicken müßte. Sofern Unterstützungsbedürftige vorhanden sind, die von keiner Organisation unterstützt toerben, sollen diese von der staatlichen Armenkasse in entgegcnkommenbcr und ausreichender Weise Unterstützung erhalten. Eichenholz. Endlich bringt unS eine alte Quätschkathereng, die uns 10 Jahre früher gewiß anmutiger bedient hätte, Kaffee und Kuchen. Die anderen Gäste aber scheinen schon das Beste uns vorweg bekommen zu haben. „Bo m'r sich net faat eßt, äckt m'r sich öch net faat." Doch »bester aut wie naut." Bald aber schwingen wir uns wieder auf unsere Räder und radeln gemächlich durchs Dorf mit seinem absichtslos durch- einander gewürfelten Häusergewirr. Reinlich kann man daS von der Antreff durchflostene Dorf gerade nicht nennen, aber die Häuser mit ihrem starten Holzwerk, ihren zum Teil ab- gesetzten Stockwerken, bei denen das obere über das untere ein wenig hinauSragt, sind doch vielfach recht malerisch, und hier und da fällt uns eine gereimte HauSinschrift auf. So der folgende Vers weltschmerzlicher Volksweisheit: „Sieh vor Dich, sieh hinter Dich, Die Welt ist gar so wunderlich: Tie Liebe ist gemein, Die Trauer gar zu klein." Jetzt haben wir die letzten Häuser hinter unS und hinaus gehts wieder auf eine Höhe. Wir blicken uns um und sind überrascht von dem reizenden Anblick. Da ist ja auch, ganz in Grün geborgen, das hochragende uralte Schloß derer von Schwertzell, dessen als schön gerühmten Park wir zu besuchen vergessen haben. Aus dem Felde sehen wir manchen fleißigen Landmann bei der Ernte. Es ist gegen Abend. Geben wir dem Dichter der Schwalm das Wort: — Die KU nst. Monatshefte für freie und angewandte Künst München (Der'.agsanstalt F. Bruck manu A.-G.). Preis vierteljährlich 6 Mark. — Die zweite Ausstellung des Dcutschen Künstlerbundes, die gegenwärtig in Ber l in ftattfinbet, wird in diesem Hefte durch zahlreiche Llbbildungcn hervorragender Werke, begleitet von einer M Handlung Hans Rosenhagens, vorgeführt. Eugen Kalkschmidt spricht mit ticf- bringenbent Verständnis über das Thema „Die Grotzstadt, das Naturgefühl und die Landschaftskunst". Endlich findet berjungft wieder heftig entbrannte Meinungsstreit über den Impressionismus, bei dem auf der einen Seite Henry Thode uno Hans Thome, auf der andern Meier-Gräfe und Max LieHermann fechten, eine objektiv chronistische Darstellung seines bisherigen Verlaufs. Ten dekorativen Teil füllt im wesentlichen eine textlich unb illustrativ gleich "interessante Darstellung des dritten Münck-ener KünsUerhcims, das sich denen der Lenbach und Stuck würdig anreibt, desjenigen Benno Beckers. Die streng klassischen Stilarten jener beiden anderen Dillen sind bei dieser neuen einer durchaus modernen Kunstauffassung von edelster Ginfad)bcit gewichen und das Haus dieses Künstlers kann als ein Meisterstück des Münchener Kunstgewerbes gelten. Geschäften ist das Haus von Paul Ludwig Trvost. — Ein russischer Militär-Roman. Dor einiger Feit drang die Nachricht auch m deutsche Blätter, daß bem russischen Schriftsteller A. Kuprin, dem Veriasser deS Militär-Romans „Das Duell", ans ben Kreisen des russischen Oifizierkorps eine Fustinnnungs- und TankeSerklärung iür die offene und ergreifende Art, in der sein Werk die Z u st ä n d e im russischen Heer schildert, Angegangen sei. Dieser Roman wird jetzt von der Deutschen Verlags-Anstalt in Stuttgart in deutscher Uebcrietzung herausgegeben. Er wird bei unferm deutschen Publikum das lebhafteste Interesse ftnden, ist doch Kuprin, waS nicht von allen Dersassem der in den letzten Jahren erschienenen Militär-Romane gesagt werden kann, ein Dichter, der seinen Gegenstand nicht nur mit elndringender Sachkenntnis und Wahrheitsliebe, nicht nur mit Patriotismus, sondern auch mit feinem Gefühl und mit psychologischer Meisterschaft behandelt und so em Werk geschaffen hat, dessen innerer Wert auch über die ihm heute betzutegende akiuelle Bedeutung hinaus den Leser anziehen und feffetn roivö. — Auf bet 9. internationalen Kunstausstellung zu München erhielt, wie uns mitgeteilt wirb, Prof. Martin S)ülfer in München die Medaille L Klasse. Grün 2C. 2C. Längst sitzen wir wieder in unserer Laube. Aber der bestellte Kaffee läßt gar so lange auf sich warten. Mit „dracke Brot on Aergernis" wollen wir uns nicht begnügen. Ich wandere also ins Haus zurück, und bald bin ich, da die den Korridor putzenden jungen munteren Mägde keinen vernünftigen Bescheid geben, in der Küche bei der Frau Wirtin. ‘ Eine auffallend hübsche junge Frau, groß und schlank, mit pechschwarzen Augen und rabenschwarzem Haar, odaß man gern gewillt ist, zu glauben, daß die Schwälmer, wie behauptet wird, Abkömmlinge der Römer oder doch vorgermanischen Ursprungs seien. Sie verspricht, daß das Bestellte recht bald zur Stelle sein werde. Ich aber sehe Sie ist groß und geräumig, blitzend in den Wein fielen, über hingesallene Tropfen des Werns aufsogcn. Dadurch wollten sie diese Gegenstände wirkungslos । machen. Es entwickelte sich deshalb in der ersten Christen eit - eine strenge Gesetzgebung. Um ben Wein nicht zu verfchutten ' tauchte man die Hostie in den Wem und genoß so Leib und Blut gleichzeitig, mit großen Wedeln wurden bie Insekten vertrieben. ; Die Priester wurden gewarnt, Brotkrumen auf die Erde fallen । zu lassen oder Wein zu verschütten. Der König von Aethwpien ordnete an, daß widrigenfalls der Priester 153 Geiselhiebe erhalte und drei Tage fasten müsse, der König felbft erhalte zur Sühne drei Geiselhiebe. Je mehr in der kachvlftchen Kirche sich der Glaube ausbildete, daß Leib und Blut Christi »mrNich vorhanden seien, um so größer wurde die Sorge. Bischof K'o l nm da der Jüngere verfügte, daß das Brot nicht an bie Zähne tontmen dürfe. Zum Schutze gegen die Profanierung der Abendmahlselemente forderten selbst die Laien Mittel, so z. B. die Verabreichung durch einen Löffel. Tie Hostie wurde Nicht mehr gebrochen, sie wurde ferner nicht in die Hand gegeben, 1 andern direkt vom Priester in ben Mund geschoben. Gr egor der Grotze schaffte bie Trinkröhrchen an, die sich lange erhielten. Im /. Jahrhundert wurde verordnet, daß ein Priester, der Wem verschüttet, 40 Tage Buße tun müsse. Ein Tuch, auf das em tropfen fiel, mußte vom Priester sofort abgeleckt, bann ausgcwaichen und verbrannt werden, Holz wurde abgehobelt.unb bie »pane verbrannt. Im 13. Jahrhundert wurden fogar. die ftleiberteile herausgeschnittcn und verbrannt, Insekten herausgenommen, verbrannt und ihre Asck)e unter ben Altar gelegt Bischof Ea, alis ganz besonders ließ es an Sorgfalt und strenge nicht fehlen. Die Kelchentziehung in der katholischen Kirche ist eme Folge bet Dämonensurcht, da sich viele Laien weigerten, den Kelch anzunehmen Die Lutheraner haben nach der ReformatiMi viele altkirchliche Bräuche beim Abendmahl beibehalten, bie mit Strenge und Sorgfalt die Entweihung der Elemente Brot unb Wem zu verhüten suchten. Luther hat Männer mit Barten getabelt, weil baburn) leicht Weiutropfen zur Erde fielen. Joh. Vagenburg berichtet, daß 1542 in Wittenberg m Gegenwart Luthers ein „Weibsbild" den Kelch umstieß, fodaß der Wem auf ihr Kleid floß. Er wurde abgeleckt, der Teil des Kleide- herausgeschnitten und verbrannt. Im 16. Jahrhuiidert wurden die Trinkröhrchen wieder in vielen Teilen Deutschlands emgefuhrt, so in Brandenburg, Hamburg und Heften ^B u tzb a ch) 1596 chaffte man sie in Kassel ab. Eine andere eittc war das Vor- balten eines Tüchleins, bannt Wem unb Brot nicht zur Erde fielen Diese Sitte kommt heute noch vereinzelt m Heften unb Sachsen vor. Der Glaube an Dämonen beim Abendmahl war in altkirchlicher Zeit allgemein und veranlaßte eine große Anzahl Sitten und Gebräuche, um sich zu schützen. Lebhafter Beifall wurde dem Redner von den zahlreichen Zuhörern für seinen spannenden Vortrag zuteil. Der Vorsitzende, Prof. Dr. Strack, sprach den Dank aus und wünschte der großen, wissenschaftlichen und nationalen Sache der Volkskunde auch weiterhin den besten Erfolg. Der Bauarbeiterstreik in Rheinland-Westfalen. Krefeld, 4. Aug. 1905. Heute begann hier bet allgemeine Streik der Bauarbeiter. Mur zwei Firmen haben ben Handlangern unb Maurern ben geforderten Lohn von 42 unb 52 Pfg. bis 1. April 1906 zugestandeu. Die Firmeninhaber wurden aus der Bauinnung auSge,chloften. In einer gestern abgehaltenen Versammlung wurde über bie Lage der Arbeiter berichtet, die als s c h r g ü n st i g bezeichnet wurde. Es wurde mitgeteilt, daß von G00 hier beschäftigten Arbeitern 23o Maurer und 145 Bauhilfsarbeiter streikten, die färntlich organisiert feien. Die noch arbeitenden Kollegen wurden meistens von kleineren Unternehmern beschäftigt. Essen, 3. Aug. Der Ausgang der Generalversammlung des Arbeitgeberbundes für das Baugewerbe, die am Sion tag in Witten stattfand, hat nicht den Erwartungen entsprochen, welche bie Einigungskommission auf ihn gesetzt hatte. Schon bei Beginn der ersten Versammlung von Vertretern der Arbcitnebmer unb Arbeitgeber in Essen, welche bie Emigungs- Verbanblungcn einleiteten, wurde seitens des Arbeitgeberbundes ine bündige Erklärung der Vertreter der Arbeitnehmer verlangt, ob letztere bindende Abmachungen treffen tönnten, was von leiten der Arbeitervertreter zugestandeu wurde. Dementsprechend hätte man erwarten müssen, daß auch die Vertreter des Arbett- geberbundcs bevollmächtigt gewesen wären, folto bindenden Abmachungen zu treffen. Es hat sich nun. aber herausgestellt, daß trotzdem in der letzten Sitzung der Einigungsverhandlungen die 'Vertreter des Arbeitgeberbundes sich bereit erhärten, die erzielten Ergebnisse in der Generalv^sammlung m Witten zu vertreten, dort einstimmig em schroff ablehnender Beschluß gefaßt wurde Dies ist kaum erklärlich. Merkwürdig ist auch der |bemalten .Holzsachwerk sel/r schmuck präsentiert. Aus bem, loeiBen Kittel und dem Dreimaster, Heinen Vorgarten tönen uns laute Stimmen entgegen Dort sitzt am Hause unter Linden bei fröhlichem Geplauder städtische Jugend, Männlein und Fräulein, um einen reich ^deckten Kaffeetisch. Auch wir finden noch ein Plätzchen in einer Laube. Zuerst aber lassen mir uns bas Maler- Äimmer zeigen, ein gemütliches Gemach nut zahlreichen Bilbchen an ben Wänben, teils flotten Hanbzeichnungen, nach ber Natur, teils Porträts, unter benen uns bas des finnenben bärtigen Knaus auf fällt, teils hübsche farbige Reprobuttioneu bekannter Schwälmer Gemälbe, darunter ber baechanalisch wilb wirbelnde Ban tz e r sche Dorftanz, ber neulich bei uns in Gießen zu sehen war unb ber uns an Goethes wunbervolles Aauerntauzlieb aus dem „Faust" erinnert, das Lassen so flott unb so mitreißenb pmckelnb graziös in Musit gesetzt hat: „Doch luftig in dem Kreise gings, Sie lanztcn rechts, sie tanzten links, Und alle Röcke flogen. t-* ö 1© © Ci 8t S « s sr iß o © >4 en en 2 e (9 v « A o J3> fi2 O 3 A O an XD V « s '"’ V ' 3 id X> <3. E •" C iä 3 s S" 55 § E E Q «D ö u CT) - o «d »# Z E N öQ to © E — S 3 "o .-e£ c 2 6 « Sc5 w X) E jO jü O _ C- c A- °6t t» • Tt o >o£ c O •eZ O U.J 2®a 33 X> 3 =Ö ?© ^X> . E CO E JD XD o o = a « ■Q S Jo wo f E - 3 5 E V E 1» s vo >b -3 erp>2 g® CD E ±L *7 <® UZT- « 3 © >b o Cl» CD en o £ S L ü 2- ’S' 2“ • ul® § Z ’&s© y® O 5* w XD o E -3 XD ro 2§ 73 P ©e G *- yo o XD LE XD x 3 5 E er?g er? *C.E = E'i e© a L L -25 e E .t= % Z M 'S" c S$S CD “ 8Ä® 2 tt,® t! U Q ZSs o ^Z° N Q) Q 3< c- o_ o. cd" '-.' T-i" CD O1 Cd GM CD CD ‘I c ~ -s ’S'9 LE o_LS., o, - 6% JE- . o XD XD E V o CD C xd E C C? Si XD 3 NO XD 3 ’H CO x o e c7 2 co XD p — 2 E OD sv:§. LZLE 3 ? tt 5- co «J E co c y^y..22 , , ■ STxd ä, — a a 1 S cs «r» ZZU CO H XD -3.3 5 » u— 3 co 3 CO x> ,. S tC « >*» -N- _ —''rS *3" CO 3 2 CO ° 3 4Ö>D 2 o 5D X -c 'Ä'._- p, 5S „-efQ-Z .a ffZLSsAZ ZZL .8^-2 Z ZI.Z V .ZL Z-»Z Z8-°s§^^ 6,„. W oßWZI=i efijljfl tt 'S w *•"* <3-3: :o X" o CD 3 ,-*-• 3 jq 3,x> “ oo u - c 3>n^XD u c 3 2 ZLZ ^MW^NMZZZ S^i-3 s xd ,3 cd xd fc> p co •— X? c 3 <-* 2,2 Z. A-» r-^ rjCJOo^Z-*-* >—j o Z3 ÖT5 3 «3. ii\ e cv1* - « h 3 g« *o2 co c 3 S..?^3 Effc*- • - „ - oo <-— ^vV CD 3 .2 ® E j 3 -j 3 ,q y 3 h U'LZRs^L s W tsff l'S^ §=7sl g=« f s| * 7ZHAZ §^silWl6f;s ßHWKsssK ZM »ZT Z^üG"ZZsZ8ZNZZZ-ZSZK^ZNZS e®8 < s§lsss3 । -f-l c6/s leistet Bei ^den hv*/f Sekretariat des Technikums in Ajchaffenburg. Parade m Kaiser bei Homburg v. d. B. 18. A. - Cps. 8. Sept im Verbind nur treten ^achnahoie. 4070 Einmach- und Konserven-Bläser zu den billigsten Preisen. 4079 B’/i 1 3 2 2 B7s Vcrdtugung von DramufleurOcitcn. Die Graben» und RohrvcrlegungSarbciten für die nach der diesjährigen Grumm.lernte zur AuSjührung vorgesehenen Dramagen der Wasscrgcn 0 ss en sch afl „In der Lach" zu Allendors a. Lahn, veranschlagt zu 506 Mark, sollen J reUag, -cn 11. August Vs. Js., vormittags S'/, Uhr auf Großh. Bürgermeisterei Allendors a. Lahn durch öffentliches Angebot vergeben werden. Die Berdingungsunterlagen liegen bei dem Genossenschaftsvorstcher Großh. Beigeordneten Joys. Binz II. zu Allendors a. Lahn zur Em» Technikum Aschaffenburg. A. Fachschule für Maschinenbau 11. Elektrotechnik mit Werk- meister-schule. B. Spezialfachschule für das gesamte Automobilwesen mit Ehauffeurschule. C. Baumeisterschule für Hoch- und Tiefbau. NetleintrNt am 5. November. Prospekte kostenlos durch das A Auf Anordnung des Kgl. Gen.-Kommandos wird un- mittelbar an der Aufstehung der Majestäten und der Fürstlichen Gäste eine offizielle Zuschauer-Tribüne «baut. Auf ders. bef. sich nur nummerierte Sitzplätze. W Vordertribüne (mit Rücklehne u. Sitzkissen) Mitte ä, 15 Mk., ffl Seite ä 1U Mk., I. Platz ä 6 Mk., II. Platz 5 u. 4 Mk. | Kartenverkauf ÄnneulT J- Schottenlels & Co. G Frankfart-M., Bethniannstr. 54 (F. 3385), hv*°/6 2lrbeitsnachweis der Stadt Gießen Gartenstratze 2 kBürgermeisteretgebäude) Zimmer Nr. 14» Der Arbeitsnachweis hat die Aufgabe, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern ^Arbeitern jeglicher Art, Dienstboten und Lehrlingen) unentgeltlich Arbeit zu vermitteln. An den Werktagen von 8 bis 1 Uhr und von 8 btl 0 Uhr geöffnet. ES können eingestellt werden: 1 landwirtsch. Arbeiter, 1 Schnued, 3 Spengler, 1 Bau- und 1 Kunstschlosser, 1 Strickerin, 9 Schreiner, 2 Wcctträgerinnen, 1 Friseur, Schneider, Erdarbeiter, jüngere Fabrikarbeiter, 3 junge Haus- burjchen, 1 Fuhrknecht, 1 Köchin (auswärts), Ttenstmädchen, drei Lauüraucn. Lehrlinge: 2 Schlosser, 2 Bäcker, 1 Frtseur, 1 Schuhmacher. „ES suchen Arbeit: ,. ?/• 1 Maschinenschlosser, Maschinist oder Heizer, 1 Buchbinder, I Schneider, 2 Wäscherinnen, 1 Installateur, Haus- oder Bureau- diener, Bureaugehilien, Au'seher oder Kassierer. sicht offen. Gießen, am 1. August 1905. Grohh. Kulturtnspektion Gietzen. Wißmanu. Städtischer Wsh'MilgMllchiveis Gießen. Hiarteustraste 2, Zimmer Rr. 14. (Geschäslsstundeii von 8—1 und von 3—6 Uhr.) 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Ph. Küayfarth & Co., Frankfurt a. M. B6/, Versteigerung. In der Konkurssache über den Nachlaß des Schreiner- und Glaser- Meisters Hch. Keßler in Lollar kommen daselbst in dessen Wohnung und Holzlagerplatz Mittwoch, den 9. August 1905, vormittags 7,10 Uhr Verdingung. Die zur Ausführung für die Feldbercinigung in der Gemarkung Hungen vorgesehenen Drainagen erforderlichen Arbeiten sollen im Wege schriftlichen Angebots vergeben werden und zwar: L Anfahren der Röhren . . . veranschlagt zu 1222,50 Mk. II. Graben- und Rohrverlegungsarbeiten „ „ 18900,— „ HI. Maurerarbeiten..... „ M 261,20 „ Die Verdingungsunterlagen liegen auf Großh. Bürgermeisterei Hungen zur Emstcht offen. Angebote haben in Prozenten deö Kosten- anschlagcs zu erfolgen und sind verschloflen, postfrci und mit entsprechender Aufschrift versehen bis spätestens Montag, den 14. d. Mts., Vormittags 9 Uhr, bei Großh. Bürgermeisterei Hungen einzureichcn, woselbst um die angegebene Zeil deren Eröffnung m Gegenwart etwa erschienener Bieter stattfindet. Znschlagsfrist 3 Wochen. Gießen, am 2. August 1905. Großh. Kulturinspektion Gießen. W i ß m a iin.__ 38 Wohnungen von 1— 7 Zimmern „ Die Vermieter hciben eine Einschreibgebühr zu entrichten und zwar für eine Wohnung mit einem jährlichen Alletwert bis 300 Air. eiuschliesilich 0,20 Mk., von mehr als 300 Mk. bis 500 Mk. einschließlich 0,50 Alk., und von mehr als 500 Mk. 1,00 Mk.; außer- de>n ist für jebe Wohiiungsanmeldung 1,00 Mk. zu hinterlegen. Für die Wohnungsfuchenden erfolgt die Vermittelung unentgeltlich^_________ _____________________ Vergebung von Bauarbeilen. Die zur Herstellung der evangelischen Kirche zu Hungen Maurer- u. Steinmetzarbeiten, veranschlagt zu 6717,75 Mk. Zimmerarbeiten, „ •• 433,75 „ Dachdecker- u. Klempnerarbetten, „ „ 420,65 „ sollen an durchaus zuverlässige Unternehmer zur Vergebung kommen. Bedingungen, Kostenanschlag und Zeichnungen liegen bei dem Unterzeichneten zur Einsicht aus, an welchen auch die schriftlichen Angebote bis zum 10. August d. I., vormittags 10 Uhr, einzureichen sind. Zuschlagsfrist 8 Tage. Hungen, den 3. August 1905. D A Der evangelische Kirchenvorstand. Hainer, Dekan. M A S ß 0 Wiirse 1 11 M 0 der Hausfrau u7schätzE e^Dienste,^m auf billige Art tPJWTII | Iw IIj« Zurb°^7Schch°r^^PL°'°l°nachg°!M, 26 SBaUtorftr. SeMMlet --------- GlaS- und Porzellan-Waren. —-- 6 Zimmer Louis Lotz. 8636 3 Zimmer *u peim- pauwmrave io,p. Mehrere Seltersweg «5. ,4091 8 vtzlisjlkllnLUNijM Maier-n.AchMergeWn ^nrtirrrrin 05122] 2 möblierte Zimmer | finden bei gutem Lohn dauernde! X/UUJllyl- vmUHUUI» Walltorstr. 51. 3969 LAden etc. 200 tüchtige 3855 14038 Leute zu vermieten. 4055 kamen. L? Zimmer "| -ZlM.»W. zu verui. Uoiti« | Hl. ^,u vermieten Wietgesuche (Offene Stellen als Rachtheizcr gesucht. [05193 Biebertalbahn. Kleiner Laden mit od. ohne 3-Zimmerw., 1. 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