Nr. 284 Montag, 4. Dezember 1905 155. Jahrg. te*mre»(*W wta Mr •n^ev •**- nc •6<®e«rfli4 t x «MG fr «GG-M «wwdtit (WM Gießener Anzeiger tttafftA tpfW» * l'nufml U »i U Cbt. R^MM» »"OE Keneral-Anzelger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis rieften. fallt ivahl, btfit ö, 2,50 M n Mnil* Mirigt Neuheit, 98 Vf- unb tjfc ,lerd( o, 4^o, 5,- i ), 5,50 Sil. unb V mabi, non 6,95 an t 65, 75, 96 Ps. n '-Wtz mit lumm »)Ä iafltn w a sik» i mente 15, 2b, ft, », « uü^p. 98 Ps. bil 3,50 M inettea Pf. und höher. 5 M ionika )f„ 1,25 bis 3,501 jO, 65,85,98 ff. |L und höh«. 3^0 Ml. and W onika$ ^,8,50,9^^ i0, 6,50. 9,50 W. alten, W >w^eö Parlamentarische Perhan-lnugen. K a d) b r u d ohne Vereinbarung nicht gestattet. Deutscher Reichstag. 6. Sitzung vom 2. Dezember. 1 Uhr. DaS Haus ist > ch w a ch besetzt. Am Bundesralstische: Prinz z u Hohenlohe, Frhr. ton Nichthofen, Frhr von Stengel u. a. Zunächst werden die Uebersichten der Reichsausgaben und «Annahmen für 1904, der Einnahmen und Ausgaben des Schutzgebiets Kiautschon für 1904, die allgemeine Rechnung i her den Reichshaushalt für 1904 r.ebst den dazu gehörigen Spezialrechnungen, einem Vorberickü und den Bcmer- krngen des Rechnungshofes, d,e Rechnungen über den Haushalt b~fl Schutzgebietes Kiautjchou für 1900, 1001 und 1^02 der Rechnungskommis jion überwiesen. Tie Denkschrift über die Ausführung der seit dem Jahre 1875 er-lassenen Anleihegesehe wird durch Kenntnisnahme erledigst. /Der Entwurf betr. die Kontrolle des Reichshaus- h«alts, des Landeshaushalts von E l f a ß # L o t h - r« n g e n und deS Haushalts der Schutzgebiete für 1005 wird in erster und zweiter Lesung angenommen. ES folgt die erste Beratung des Gesetzentwurfs betr. die Fest- ft-Dung eines zweiten Nachtrags zum Reichshaushalt srr 1905 in Verbindung mit der ersten Beratung des Gesctzent- trrirfS betr. die Fesistellung eines zweiten Nachtrags zum Haus- ha:Itsetat für die Schutzgebiete für 1905. Es werden 5 050 000 2hirl für den Bau einer Bahn Lüderitzbucht — Kubub u rlangt. Leiter der Kolonialverwaltung Erbprinz zu Hohenlohe. Langenburg: Nachdem ick erst vor einigen Tagen die Stcllver- twtung des beurlaubten Direktors der Kolonialverwaltung übernommen habe, werden Sic nicht erwarten, Hatz ich schon über alle Einzelheiten der Kolonialvcrwaltung Auskunft geben kann, da es bi i dem Umfang der Tätigkeit, welche sie entfaltet, undenkbar ist, h so kurzer Zeit sich eine umfaßende Uebcrsicht über die Geschäfte Ü! verschaffen. Ich werde mir daher erlauben, die Räte der Knlonilaabteilung zunächst zu beauftragen, mit Bezug auf Einzel- hkiiten den Herren Rede zu stehen. Heute aber handelt es sich um eine Vorlage, welche nach meiner Ueberzeugung von einer derartigen Wichtigkeit ist und auch verhältnismäßig so klar liegt, datz ich eS für meine Pflicht erachte, 1«• Ihnen selbst mit einigen Worten warm ans Herz zu legen. ES bandelt sich um den Eisenbahnbau von Lüde ritz - biucht nach Kubub, welcher Ihnen als zweiter Nachtrag zu dmn Etat für daS südwestafrikanischc Schutzgebiet für daS Esatsjahr 1>«05 zugegangen ist. Die ganz enormen Aufwendungen, welche für den Transport von Fourage und Proviant gemacht werden mutzten für denjenigen Teil der Schutztruppe, welcher im Süden g^gen die Hottentotten kämpft, haben die Erwägung nabegelegt, ob ft nicht notwendig wäre, hier eine Abhilfe zu schaffen. Zwar boben sich die Verhältnisse im Schutzgebiet in letzter Zeit gebessert. Durch den Tod des Hendrik Witboi und durch die Unterwerfung seines Nachfolgers ist Aussicht vorhanden, datz der Aufstand all- mnhlich abflaut, Jnrmerhin kann nicht abgesehen werden, wie diese Ilmtcrwerfung auf die im Süden deS Schutzgebietes noch selbständig pkidlicbencn Hottcntottenstämme einwirken wird. Wie Ihnen bekannt, stehen sie unter dem energischen und geschickten Führer Ä'nrenga, und der Kampf kann dort noch keineswegs als beendet an# griefien werden. Dazu kommt, daß unseren letzten Nachrichten ttlfolge auf dem sogenannten Baiwcge von Lüderitzbucht nach Kubub die Rinderpest eingcschlcppt ist. ES ist zwar sofort Anordnung gc- irroffen, datz sämtliche scuche»verdächtigen Tiere getötet werden icRen, und es ist hierdurch die wohlbegründete Aussicht vorhanden, doitz eine weitere Verbreitung der Seuche hintangehalten wird. Tirotzdem sind durch die Einschleppung der Rinderpest die Schwierig- leisten ganz außerordentlich erhöht worden. Durch die notwendig ,1affenheit unb selbst daS Vorkommen der unterirdischen Wasserläufe sind wir noch vollkommen im Unklaren. Das wird von der amtlichen Denkschrift selbst zugegeben. sHört, hört!) Von einem Ackerbau in nennenswertem Umfange ist bisher noch nicht die Rede gewesen. Nun hofft man, daß der Bergbau etwas eintragen wird. Aber bisher hat man, wie der Abg. Eugen Richter, von dem ich mich freuen würde, wenn er bald wieder im Hause erscheinen könnte, mitteilt, nur ein einziges winziges Goldklümpchen in der Budgetkommission vorzeigen können. Bewiesen ist es noch nicht, daß der Bergbau dort rentabel ist. Leider fehlt es auch an der ganzen Küste an brauchbaren Häfen; das berühmte Swakop- munb ist total versandet, das wird jetzt auch an amtlicher Stelle zugegeben. Das Privatkapital hat den Bau der Bahn von Lüderitzbucht nach fiubub nicht in die Hand nehmen wollen, weil eS den Bau unb die Erhaltung der Bahn mit Rücksicht auf bie Wander- büne für unausführbar hielt. Wie steht es denn mit diesem Bedenken? Selbst der Bau einer Landstraße für diese Strecke ist durch die Wanderdüne sehr erschwert worden. Nachdem man uns in zwei Denkschriften mitgeteilt hatte, daß er „vollendet" sei, mutzte man in der dritten zugeben, daß er infolge der Wanderdüne „nicht fertiggestellt" werden konnte. sHört, hörtl) Ich möchte auf Grund dieser Tatsache für die Zukunft doch um etwas mehr Sorgfalt bei der Abfassung der Denffchriften bitten. Wir toiffen auch nicht, was wir von dem Kostenvor an schlage für die verlangte Bahn zu halten haben. Bei der sogenannten Eselsbahn von Swakopmund nach Windhuk sind die veranschlagten Kosten um nicht weniger als 300 Prozent überschritten worden. sHört, hörtl) Die bisherige Begründung der Vorlage genügt uns nicht, um sie zu bewilligen; das ganze Projett bedarf noch einer eingehenden Prüfung. Ich komme jetzt auf die mir bekannt gewordenen Nachrichten über Durchstechereien, die in Südwestafrika vorgekommen sein sollen. Es sollen ganze Transportsendungen, die für die Truppen bestimmt waren, nach Argentinien zu Schleuderpreisen verkauft worden sein. In argentinischen Blättern ist darüber geschrieben worden. Ich habe mich in der Sache sofort an die entsprechende Behörde gewandt und diese hat mir geschrieben, die Sache sei zwar nicht gänzlich aus der Luft gegriffen, aber sehr stark übertrieben. Man werde sofort telegraphisch in Südwestafrika anfragen. Ich richtete dann an die Kolonialabteilung die Frage, welcher Bericht auf bie telegraphische Anfrage eingegangen sei, und ich war sehr verwundert, zu erfahren, daß nicht sofort von dort wieder ein Telegramm zurückgekommen war. Sonst wird doch bei jeder Kleinigkeit telegraphiert. Warum ist es denn in diesem Falle nicht geschehen? Der Reichstag muß das wissen, denn es handelt sich hier um eine Frage, die mit der Ehre des Deutschen Reiches auf3 engste verknüpft ist. Wir müssen zeigen, daß im Deutschen Reiche solche Dinge vor der breitesten Leffentlichkeit verhandelt werden. Dann möchte ich noch fragen, ob es richtig ist, datz dem Auswärtigen Amt von dieser Angelegenheit auch noch von anderer Seite Mitteilung gemacht worden ist. Ganz unbegründet ist der Vorwurf, daß der Reichstag nicht die erforderlichen Mittel für Kolonialzwccke bewillige. Seit 1895 sind nur 3,8 Proz. der Rcgierungsforderungen abgestrichen worden, und diese sind auch zum Teil nachträglich bewilligt worden, so daß fich im ganzen die Abstriche auf 1,5 bis 2 Proz. belaufen. Der Kriegsminister und der Marinesekretär würden sich freuen, wenn sie bei ihren Vorlagen so gut wegkämen. Man sollte also endlich mit dem Vorwurf aufhören, daß der Reichstag gegenüber den Kolonien übergroße Sparsamkeit ausübe. Leider müssen uns manche Mitteilungen aus den Kolonien mit großen Bedenken gegen unsere Kolonialpolitik erfüllen. Ich erinnere daran, daß em Professor im Orientalischen Seminar, der früher in Südwestafrika war, den . geradezu ungeheuerlichen Ausspruch getan hat: Hch sehe in jedem Deutschen in der Kolonie, ehe man mir nicht oen Gegenbeweis liefert, einen gegebenen Feind der Mission. sHört, hört!) Einer solchen Kolonialpolitik müssen wir kühl bis ans Herz gegenüberstehen. Wir können daher auch an die Bewilligung dieser Vorlage nicht eher denken, als bis uns absolut zwingende Gründe für sie beigebracht werben. Wir enthalten uns jeglicher Vorschläge für ihre geschäftliche Behandlung. sSchwacher Beifall im Zentrum.) Bevollmächtigter zum Bundesrat Oberst Deimling: Ich war 1*4 Jahr in Südwestafrika und dort mit der selbständigen Leitung der Operationen gegen die Hottentotten beauftragt. Dao Hauptfeld meiner Tätigkeit liegt also im Süden deö Schutzgebietes und ich bin daher ein Augenzeuge für die Verhältnisse, bw dort für den Bahnbau in Betracht kommen. Unsere Truppen sind bezüglich der Verpflegung auf die Zufuhr angewiesen, die sie auf dem Bavweg Lüderitzbuei t-Keetmanoboop erreicht, oder die aus dem Kaplande durch englische Händler zu ihnen kommt. Gefällt es einmal der englischen Kapregierung, wie c5 tatsächlich im Januar unb Februar passierte, als ich die Operationen gegen bie KaraS- berpe vorbereitete, die Grenze zu sperren, so ist die Truppe und jeder Weiße lediglich angewiesen aus den Bavweg, und der genügt in keiner Weise für die Zufuhr. Lüderitzbucht selbst ist ein ausgezeichneter Hafen, der wegen seiner Tiefe und seiner seifigen Ausbuchtung nicht versanden wird, so lange die Erde steht (Hört! Hört), während i-wakopmund und auch manche englische Häfen in absehbarer Zeit versanden müssen. Hinter Lüderitzbucht nun beginnt der 120 Sim. lange Bavweg, der durch die Flug- und Wanderdünen stets gefährdet ist. Diese Dünen sind wie ein hochwogendes Meer. Wo heute ein Berg ist, iü morgen ein Tal und umgekehrt. Und durch dieses schwierige Gelände geht Der Verkehr mit Ochsen und Eseln. In der heißen Jahreszeit — dort November bis April -— verbrennen oft die Hufe der Tiere, wodurch ihre Leistungsfähigkeit natürlich stark herabsinkt. Noch ärger leiden die Tiere unter Dem Durst. Auf der ganzen 120 Km. langen Strecke von Lüderitzbucht bis Siu bub ist nur ein einziger Brunnen, die Wasserstelle Ukama. Sie ist aber durchaus ungenügend für den Betrieb. Die Ochsen fallen massenhaft dem Durst zum Opfer. Ich habe selbst einmal nicht weniger als 571 Ochsenkadaver nahe bei Ukama liegen sehen, die die Luft verpesteten. Von Lüderitzbucht kann fein Mensch den Weg verfehlen. Man braucht nur im buchstäblichen Sinne der Nase nach zu gehen. Daß unter solchen Verhältnissen die Verpflegung der Truppen außerordentlich schwer und ungenügend ist, liegt auf Der Hand. Als Truppenbefehlshaber in Keetmanshoop habe ich die Nation pro Mann auf % herabsetzen müssen. Die Leute haben sich die Koppeln 3 Löcher enger schnallen müssen. Es gab nur Reis und Mehl. Alle Genußmittel: Wein, 91 um, Tabak, Konserven und Gemüse habe ich ausschließen müssen und muhte froh fein, das Notwendigste zu haben. So liegen die Verhältnisse. Wenn eS nun der englischen Negierung einfallen sollte, die Grenze zu sperren, dann tritt direkt Hungersnot ein, Dann können die Truppen einpacken. Sie müssen nach Norden marschieren und alles Blut im Süden ist umsonst vergossen worden. Deshalb meine ich, und jeder, der Die Kalamität mit eigenen Augen gefdjaut hat, muß es mir bezeugen, nur eine Eisenbahn kann helfen und sie ist auch ausführbar. Es ist eine Trace gefunden mit einer granitenen Unterlage, an welche die Flugsanoregion nickt heranreicht, ebenso hat man Wasser für den betrieb Der Bahn gefunden. Mir ist damals von einem Ingenieur dort die bestimmte Mitteilung gemacht worden: Wenn ick heute vom Neichstag das Telegramm bekomme, datz ich anfangen kann, so ist am 1. November die Bahn fertig bl5 Kubub. Dann hätten wir also die Bahn heute schon. Nun ist vorhin die Frage aufgeworfen, wer wohl daran schuld wäre, daß die Dahn nock nicht gekaut ist. Ich bin kein Parlamentarier, ich verstehe das nicht. (.Heiterkeit) Soll aber die Truppe deshalb hungern, bis die Frage geklärt ist? Tie Not ist groß, und jeder Tag, um den die Bahn früher genehmigt wird, ist wichtig für die Truppe. Mit Freude und Dank habe ich Sie vorhin Bravo rufen hören, als Seine Durchlaucht die Trupocn lobte. Zeigen Sie Ihr Wohlwollen dadurch, daß Sie als Weihnachtsgeschenk die Bahn bewilligen, telegraphieren Sie noch heute hinaus, sie ist bewilligt! (Heiterkeit! Es ist vorhin gesagt, wofür sollen wir die Bahn noch bauen, denn Hendrik Witboi ist ja tot, und die Hottentotten fangen an, sich zu ergeben. Es haben sich bis jetzt ergeben 74 Hottentotten. Diese haben 84 Gewehre abgeliefert Es ist das die alte beliebte Spanier der Hottentotten, sie gehen ihre alten Donnerbüchsen aus dem vorigen Jahrhundert ab, und die neuen Gewehre vergraben sie sHeiterkeit), nm sie bei Gelegenheit wieder auSzugraben und uns towuschießen. Cs bleibt aber auf alle Fälle ungebrochen als Gegner im Felde stehen Morenga mit 4—500 Ge- wehren, und der will erst niedergeworfen fein. Wie lange daS dauert, bleibt abzuwarten, lind selbst wenn es gelingt, Frieden zu machen auf Grund der Leistungen der Truppe, so ist doch immer noch auf lange hinaus eine stark: Besetzung des Südens erforderlich, um ein etwaiges Wiederaufleben des Aufstandes im Keime zu ersticken. Hierfür aber ist die Bahn nach wie vor LebenS- bebingung. Ich kann also als Augenzeuge unb im Interesse meiner Kameraden draußen nur nochmals bitten: Bewilligen Sie die Bahn, bewilligen Sie sie sofort! (Lebhafter Beifall.) Abg. Ledcbour sSoz.): Die Angaben der Kolonialverioaltung haben sich verschiedentlich schon als so unzuverlässig erwiesen, daß da immer große Vorsicht geboten ist. Der Vorredner hat ja nun zweifellos eine reiche Erfahrung zu Gebote. Aber trotz seines schönen Pathos hat er sachliche Gründe eigentlich auch vermisien lassen. Seine Angaben stehen zum Teil im Widerspruch zu denen der Denkschrift. Der Herr Kommissar hat den Bau der Bahn als so einfach hingestellt, aber die Denkschrift spricht von Tunnelbauten von 2 Kilometer Länge! Ja, das ist doch etwas ganz anderesl Redner Verbreiter sich sodann über die ganze Kolonialverwaltung, die er scharf kritisiert. Das Telegramm über die Rinderpest sei ja nur bestellte Arbeit. Namentlich beschäftigt er sich mit bem Vorgehen des Generals von Trotha, dessen bekannten Erlaß er eine Infamie nennt sUnruhe.) Vizepräsident Gra; Stolberg: Sie dürfen den Erlaß eines preußischen Generals nicht als eine Infamie bezeichnen. Abg. Ledebour sSoz.) fährt in seinen Darlegungen fort. Er verlangt Auskunft über die Anweisungen, die Der Reichskanzler gegeben habe. Tas ganze System kennzeichne unsere borussischen Zustände! sGelächrer rechts.) werden kann. Die \ Ma- Graf Arnim (Rp.): falsche Sparsamkeit hat uns m Afrika schwere Lektion erteilt. Der ganze beklagen». mi die Firma Lenz u. Cie. verpachtet, vorbehaltlich der Zustimmung des Bundesrats rind dieses hohen Hauses. Und das Ergebnis der Vetricbsführung dieser Firma ist: daß der Betrieb für April bis September 70 000 Rupien Einnahme geliefert und 46 000 Rupien gekostet hat. Wir tvcrden also, wenn der Betrieb sich in dieser Weise weiter steigert, Einnahmen aus der Bahn ziehen. Nun zu den angeblichen U n t e r s ch l e i f e n! Ms der Kolonialverwaltung im Mai dieses Jahres die Nachricht zu- ging, daß ein argennnischcö Blatt die Mitteilung gebracht habe, es würden Uniformstücke und Waffen in Menge in Argentinien verkauft, die aus Südwestafrika stammen, wurde alsbald das Kommando der Schutztruppe zur Aeutzcrung veranlagt. Inzwischen hatte die deutsche Gesandtschaft in Buenos-Aires die Sache auf; genommen und Erhebungen veranstaltet. Es hat sich herauSgestcllt, daß die ganze Angabe auf einen einzigen Mann zurückzuführcn ist, es konnte nicht fcstgcstellt werden, daß irgend ein anderer derartige Tinge verkauft batte. Von großen Unterschleifen kann nicht die Rede sein. Nun ist cs ein merkwürdiges Zusammentreffen, daß ein paar Monate vorher die „Gertrud Woermann" gescheitert war, sic hatte eine Menge AusrüstungSgcgcnständc für die Schutz- truppc, war aber vollständig versichert, unb bic Sachen sind ersetzt worden. Man darf sich doch wirklich nicht wundern, wenn bei dieser Gelegenlxit, wo alle möglichen Leute an die Küste kommen, der alte Brauch, gestrandetes Gut zu nehmen, angewandt wurde. Das geschieht an der ganzen Westküste. Wenn da ein Dampfer strandcl, sind sofort die Neger bei der Hand und plündern ihn aus. Darauf, ob die Anschuldigungen begründet sind, oder nicht, will ich hier nickt cingehen. Sind sie, begründet — cli bien, dann nehme man die Beamten und stelle ne vor den DiSziplinarrichtcr oder den Strafrichter; aber man darf wegen dieser angeblichen Sünden nicht unsere Truppen in Südwestafpika leiden lassen. (Beifall.) Oberst Deimling: Die Ausführungen des Mg. Ledebour werden von ärmerer Seite beantwortet werden. Ich möchte nur zwei Krregserlebnrnc erzählen. Einige Tage vor dem Gefecht am Watcrberg wurde eine Patrouille von einer großen Ueberzahl H^ero angegriffen und nach zäher, verzweifelter Gegenwehr bis auf den letzten Mann niedergeschossen. Wir fanden die Leicken nackt, ausgczogcn, nebeneinander, sämtlichen die Hände und Füße abgehackt (Hort, hort.), einigen die Nasen aus dem Kopf gedrückt (Lebhaftes Hort, hort einem Mann nach Urteil des Arztes der lebendigem Leibe das (Semd abgedreht. (Hört, hört!) Ich erinnere ferner daran, tote Hauptmann von Burgsdorf den Kapitan Lamucl Jiaacohne Waffen begleitete und plötzlich von sechs Hottentotten, die sich bereit gehalten hatten, niedergeschosien wurde. (Hort, hort!) Und gegen solche bestialischen Feinde hätten wir, wie bic ^'aldcmokratcn wünschen, mit Glacehandschuhen Krieg fuhren sollen ' Dann verlangen Sic Uebcrmcnsckl'ches von uns. aber wir ,ind München .tt Herz und Seele. Wenn man hier in Berlin an /"nem Biertisch iipt,3 mag manches anders erscheinen. (Sehr wahrl) Milde gegen die Eingeborenen ist Grausamkeit gegen die eigenen Leute. (Lebhafter Beifall.) Mg. von Böhlendorff-Kölpin sions.): Die Notlage in Südwestcrftika zwingt uns, die, Vorlage baldigst: zu verabschieden. Wir wünschen, daß die Kommission^dcr dw ^orlagc zu überweisen ist, ihre Arbeiten so befchleunigt, daß Wir den Entwurf noch vor Weihnachten erledigen können. Die -ran-por - losten betragen jetzt Millionen pro Monat. M ^eme, auch angesichts dieser Tatsache dürfen wir den Bau der Bahn nicht tajigcr verzögern. Eine vernünftige Kolonisation istohne Awn^hnen uiidenkbar. Ich beantrage die Ueberweifung der Vorlage an die Abg. Erzberger (Ztr.): Meine Freunde hatten keine Veranlassung, die llcbetlveilu^ der Vorlage an eine Kommission zu beantragen. Nachdem^ aber von anderer Seite geickehcn ist, werden wir keinen Wlderspn- erheben. Tie Vorlage ist nicht, wie Herr Dr. Semttr metnt«: Kriegsvorlage. Wäre sie es, danii bedeutete es einen schweren Vortvur gegen die Regierung, daß sie sie nickt früher cingebrad)t hat. * trachtet man die Vorlage als Kriegövorlage, dann fetzt man m Regierung auf die Anklagebank vor dem ge,amten deut,m Volk. Uebcrraschend ist eö, daß in demselben Augenblick, »w wir uns mit der Vorlage beschäftigen, die Nachricht komm^datz^ Widerstand der Herero gebrocke.i 'st- Der Vorwurf, daß ick> Bezug auf die Bahn Swakopmund-Windhuk falsche Zahlen mi- geteilt habe, ist unbegründet, ick stütze mich auf amtliche 3 * Die Frage der Unter,ckleife wird in der Komnn„lon genau gqm- werden. Ich frage nochmals, ob nicht dem Auöwartigeii Amt au» die Anzeige zugegangen ist. Staatssekretär Frhr. v. Richthofen: Daß die Bahn Swakopmund-Windhuk gebaut ist, rechne mir zum Verdienst an. Es ist das das glänzendste. W jemals die Regierung in den Kolonien gemacht bot.^Läred nicht gebaut, ,o hätten wir unsere Autorität in Afrika nickt ausr erhalten und den Transport nickt bewältigen tonnen. Gegen vic merkuna des Vorredners über den Kolonialdirektor ^r. er in seiner ersten Rede gemacht hat, mutz ich energisch^ einlegen. Wir erwarte,i die Beweise deS Vorredners mit der Ruhe wie wir die Beweise für die Anschuldigungen erwarten, Herr Erzberger in der Presse und in Versammlungen gegen Kolonialverwaltung erhoben hat. (Beifall). Nach weiteren Bemerkungen der Abgg. Ledebonr «Or Böhlcndorff (lons.) und Erzberger (Ztr.), der für d,e Etatsbeiati g der nächsten Woche die Vorlegung deS BeweiSmaterialS für lcu Bchauptnngen in Aussicht stellt, erklärt Staatssekretär Frbr. v. Richthofen daß der Reichskanzler sich niemals in die Verhandlungen dem General Trotha und Morenga eingemsicht hat. tun. (Beifall.) Mg. Lattmanil (Antts.): Die große Mehrzahl der Mitglieder der Wirtschaftlichen einigung begrüßt den Plan dieses Bahnbaus mit großer Jack und wird der Vorlage mit Vergnügen zuftimmcn. Im war: Verfolg seiner Ailsführungcn verbreitet sich Redner nan« über die Terrainspekulationen und schließt sich dem Wunsche » Mg. Scmlcr nach Vorkehrungen dagegen an. Bedauerlich ,ei * auch, daß die Regierung noch immer nicht an die Losung Der w sellschaftsfrage getreten fei. Erwägenswert sei übrigens auch vic Bedeutung der Bahn bei internationalen Verwicklungen, w erliste Hinweis in der Thronrede sollte das deutsche Volk mabntr. in diesem Punkt seine Pflicht und Schuldigkeit zu tun. Geheimrat Scitz: Das für den Bahnbau erforderliche Land ist natürlich von br Gesellschaftcn unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden. Dic Kolonialverwaltung hat aber auch zweitens von vornherein daran fcstgehalten, daß unter allen Umständen Landspekulattonen bei dem Bahnbau verhindert werden müssen. Sie hat ferner Bedacht gt« nommcn, auch diejenigen Plantagenbesitzer usw., die von d« Dahnbau Vorteile haben, zu entsprechenden ^Ü^tn broanp ziehen. Selbstverständlich ist sie zunächst mit den Gesellscha^ in Verhandlungen getreten, um zu sehen, wie weit sie fre« Leistungen auf sich nehmen wollen. Aber das ist sicher, daß die«' waltuug unter allen Umständen die Gesellschaften zu enffpvM den Leistungen heranziehen wird, sei cS auch durch eine Jjw- rnng der Wertsteigerung von Grund und Boden durch Den W bau. (Lebhafte Zustimmung.) Budgetkommission. . Mg. Dr. Semlec (natl.). Ich stehe im wesentlichen auf dem Standpunkt des Vorredners. Wenn wir dem Wunsche,. btc Vorlage Budgetkommission zu überweisen, nicht widersprechen, soiolldies ni i bedeuten, daß wir nickt der Meinung sind, daß d« Vorlage auch schon jetzt ohne Kommisiionsberatung begossen werden konnte. Vir halten sic für eine Kriegsvorlage Daraus ergibt sich Dann auch der berechtigte Wunsch, daß btc Budgetkommission die Vor läge so behandelt, wie es eine Kricgsvorlage verlangen kann daß sie dieselbe schleunigst erledigt. Von dem, was der Abg. Erz- bcrgcr vortrug, kann man vieles an sich für berechtigt halten, m muß cs doch im gegenwärtigen Augenblick bekämpfen Hier Hande sich nicht me6t um di- grase. sind die Wasi-rv-rhaltms . wie sind die wirtschaftlichen Verhältnisse, da-- kann man alles m anderem Zusammenhang fragen. In diesem 3u,ainmcnhang aber kommt es nur auf die Frage an: Können und dürfen unsere Truppen verlangen, daß sie ordentlich verpflegt wer^n. Können sic das bedangen, auch in Zukunft, wenn Frieden geschMen ist. Ist cs notwendig, daß auch nach Bcendigung des Krieges ein bestimmter Truppenbestand dort bleibt? Und wenn da_> alles b alst wird: Ist die Vorlage für diese Tinge ein zweckmäßige^ Mittel? Ob man Kolonial,chwarmcr ist oder Nicht, das istfür diese Frage ganz gleichgültig. Es ist doch klar, daß wir 1000 Mann und 1000 Pferde im Süden der Sioloruc auch nach Beendigung des Krieges erhalten müssen. Sonst bekommen Ww den Krieg noch einmal. (Sehr richt,gl) Wenn Herr Erzberger sich den südwcstafrikanischen Etat ansieht, welche Unsummen Tur Transporte bisher ausgegeben sind, dann mutz er zugeben, dasz die Millionen für den Bahnbau dagegen gar nicht in tracht kommen (Zustimmung.) Nun glaube ich, genau zu wißen, daß der Kollege Erzberger in biefer Sache noch nicht das lichte Wort gesprochen hat. (Heiterkeit, Wiberspruch im Ztr.) Nein, eine Ablehnung der Vorlage würben Sie garnicht verantworten können, denn die Begeisterung, mit der hier der Oberst b. Deunlnig fwaj, «u überzeugend. (Zuruf bei den Soz.) Für Sie natürlich nicht! Ick teile aber die Entrüstung darüber, daß man uns die Erlüge nicht schon früher vorgclegt, sondern un» Hals uberKopf nach Hause geschickt hat. Dadurch, daß die Schice in Swakopmund nicht gelöscht werden konnten, sind für viele Millionen Waren Geh. Rat Gollinelli: . Es lag uns nicht daran, an den Reichstag nut einer ^rtschastlichcn Begründung der Vorlage heranzutreten, da ww cbcnso wic der Mg. Scmlcr klar und deutlich und patrwtisch ausgcftihrt har, auf dem Standpunkt stehen, daß ohne die Bahn eine gedeihliche Beendigung dcS Aufstandes nicht erzielt werden kann, und die ^.rup- pen ohne sie ein menschenwürdiges Dasein nicht fuhren können, ohi e di- Bahn auch nicht die notwendige Sicherheit ^r die Ordnung ,n der Kolonie gegeben ist. Ich möckste mit cm,gen Worten^daslaa c Schutzgebiet Südwcftafrika gegenüber den hier geäußerten fejr abfälligen Urteilen in Sckutz nehmen. Ich spreck-e hier nicht als Schriftgelchrter, auch nicht als übertriebener Kolonialphantast, sondern als Beamter, der fünf Jahre ununterbrochen m Südafrika tätig gewesen ist, auf britischem Gebiet und auf unserem Schutzgebiet, und ich stimme in meinem Urteil burebau» uberem nut den Anschauungen von Professor Rchbock; Professor Tove, Ma,or von Francois und andern Schriftstellern, die Überein,t'mme,id erklären: das Schutzgebiet ist nicht schleckst. Höher als dw Urteile der Gelehrten stehen mir aber die Musterungen der Mi glieder der An- sicdlerdcpiitation. Diese Leute waren vom Unglück gebeugt, sic hatten alles verloren, aber den Mut unb bas Vertrauen zu bem Lande hatten sie nickst verloren. Einer sagte ch'r: Ich habe zweimal mein Vieh verloren durch die Rinderpest, ich habe dcmn alle- verloren durch den Krieg, aber gebt mir nur das Notwendigste an die Hand, so will ich gern zum vierten Male meinen Wirtsckaft-.- betricb dort einrichtcn. Auch in der Südwestafrikanisckien Zeitung finden Sie fast in jeder Nummer das vollste Vertrauen auf die Entwicklungsfähigkeit des Landes zum Ausdruck gebracht und die Zuversicht ausgesprochen, daß dieses Schutzgebiet wohl geeignet ici, das Vaterland noch mit dem Gefühl der Freude zu erfüllen, ^n der Kavkolonie hat man feit 1886 nickst weniger als 26» -ig- lisckc Meilen Bahnen gebaut. Unser Land aber ist nicht schlechler. 'I^ic der fetzige Gouvcrnciir bon Liiidequist urteilt, wird unser Sck'.ltzgebici nur von dem besten Teile der Kapkolome geschlagen. ,uhei Je in w Hättet le.i ^.yudru-S1^ IbinX":v « LanS°. brj^rfl' GTpebtnöB u^jfndn, •T'.. Abg. Lebcbour (Soz.) beantragt Vertagung bet S tzung, um bem Abg. Erzberge legenheit zu geben, am Montag seine Beweise zu bringen. Präsibeiit Bcillestrem bemerkt, der Mg. Erzberger könne bei Beratung der Estcno Vorlage nur über baS reben, was damit in Verbindung Abg. Erzberger (Ztr.) erwidert, datz er bei dec ersten Uh ., beit, wo er ununijchränkt zu Worte komme, seine Beweise werde. Bei Beratung des NachttagsctatS dürfe er nur reben, was mit der Bahn im Zusammenhänge stehe. Die Debatte ist geschlossen. Die Vorlage geht an die B u d g e t k o m m i s s i o n. Das HauS b e r t a g t sich. ^.fotitf* Nächste Sitzung: Mittwoch 1 Uhr. (1. Etat, - ,XKll., Vorlage, 3. Gesetz bett. Schuldentilgung des Reichs nn c„c Vorlagen unter Reservierung der Bier- und s.cnat|tcucr i besondere Debatte.) Schluß 6} Uhr. fQortfor lacken Sie? .Haben wir keine borussischen Zustande. Allerdings könnte ich auch sagen: rusiische Zustände! Denn dutth das „Tua res agiturl" des preußischen Ministers haben die deutsch, und die rusiische Regierung ihre Jntercsiensol'daritat bekundet. Geheimrat Seitz: Ich will mich auf eine rein sachliche Beantwortung der Frage beschränken, die hier gestellt worden sind. Mer e’!'8^0 t $ ich doch einen Vorwurf zunickweifen, der hier gegen die Beam en und den bisherigen hochverdienten Chef der /°lonialve^ltung Rubel erhoben Lorden ist: den, als ob .bet seine Beamten es an der Anerkennung für die -e'stungenu Tapferkeit unserer Truppen in Afrika hatten fehlen lasien Im Gegenteil, sie ist von niemand so warm Erkannt gerade von Stübel. In der Sitzung „vom 25. Mm btefrf war es Stübel, der hier den Angriffen gegen den General von Trotha entgegengetreten ist. Pu {)Cr Frage, weshalb dieser Nackstragsetai erst fetzt ein. SS b6err8«TÄ.C"| Bfcr'ane» '«ctan. «°s überhaupt mfaß« *«. beä R-ich-s in Anspruch zu um !°wrt dcm B-ru »er Bahn beginnen zu lonncn, s-dald der Reichstag die -Wittel oe ^^^Tatz das Telegramm von der Rinderpest bestellte Arbeit ge- tveseu sein soll, mutz ick entschie^n SU^ckwersen. In Bezug auf die militärische Bedeuttlng der Eisenbahn kann ich mich aus ine Ausführungen des Herrn Obersten Deimling berufen, der fa in dieser Frage kompetent ist. Es ist gefragt, wer garanhett denn, daß die Bahn wirklich in 8 Monaten fertig ,ein wird? Wir haben wwcit baa möglich ist, Garantien verschafft. Zunächst liegt eine Garantie darin, daß die Eisenbahn gebaut wird von einer Firma, bic seit lange im Bau tropischer Eisenbahnen Erfahrungen hat der ein geschultes Personal zur Verfügung steht und die die Leitung des Baues demjenigen Ingenieur übertragen wird, der erfolgreich die Fortsetzung der Usambara-Bahn gebaut hat. Wir haben aber auch versucht, uns durch den Bauverttag möglichste Garantien zu verschaffen. Allerdings waren wir nicht in bet Lage, dem Unternehmer eine Marimalzeit zu setzen, die er mch überschreiten darf, allein wir hohen den gleichen Zwe°- dadurch erreicht daß wir, wenn die 8 Monate überschritten werden, für jeden Tag eine Konventionalstrafe von 3000 Mk. für ben Uüjter* neßmer vereinbart haben. Wir haben neuerdings Telegramme von Lüdcritzbucht erhalten, daß der Vertreter der Firma, nachdem er bic Trace bereist hat, zu der festen Ueberzeuguug gekommen ist, daß er spätestens in 8 Monaten die Bahn betriebsfähig l)er- stellci, kann. Ter Abg. Erzberger bemängelte das gehlen einer Rentabilitätsberechnung. Ja, wie oft soll denn noch ll^?g werden, daß Rcntabilitätsbcrccknungeii bei Kolonialbahnen nicht möglich sind. (Hört! Hört! links.) Wenn aber für eine Kolonialbahn die Rentabilität für -etzt und lange feststeht, so ist cs eben die Bahn Ludcrihbucht—Kubub. Gegen die in der Denkschrift gegebene Gegenüberstellung der xtz'geu Osten des Transports und der Kosten nach dem Bau der Bahn laßt sich nichts einwenden. Es wird auch nicht möglich fern, spater die Truppen unter 1000 Mann herabzusetzen. General von ^vttha hat dw Ansicht ausgesprochen, daß auch iiack Niederwerfung des Aufstande-. für die nächsten Jahre mindestens 6000 Mann im Schutzgebiet gehalten werden müssen, davon mindestens 1000 Mann tm Süden. Das ist eine sehr vorsichtige Berechnung. Es ergibt sichi barau daß wir, wenn wir die Bahn bauen, fahrelang allfahrlich eine Million sparen, während des Aufstandes naturM) noch viel mehr. Der Abg. Erzberger hat durchblicken lasien, als verhülle die Denkschrift oft die Tatsachen. Er hat auch auf Widerspruche in ber ^nkschrift hingewiesen. Mer gerade diese Widerspruche zeigen doch, wie peinlich und gewissenhaft die Zentralverw^ttmg die Berichte der Lokalbehörden prüft. (Lachen links.) Gewiß konnten alljährlich Denkschriften ausgearbcitet werden, die konsequentsind, aber ob Sie dann auch die Wahrheit Horen werden, /st ftaglich. Ucber die Mole von Swakopmund ist schon unendlich Mel ge^r'ebeii worden. Es ist seinerzeit, bevor mit dem Bau dieser Mole begonnen wurde, in gewissenhafter Weise geprüft worden, wo man am besten die Landungsstelle anlegcn solle^ Man war 'w Anfang zweifelhaft, ob nickst die Gefahr einer Versandung bestehe, aber lie Beobachtungen haben ergeben, daß.^ese Gefahr nickst behänden ist. Tas tonnte niemand wissen, daß die Ablagerungen des Stvakop- flusies die Versandung herbciführen würden Bei dem Bahnprojckt Lüderitzbuch-Kubnb hat sich gegeigt,.daß die Ueberwindung der Bodenschwierigkeiten dort erheblich leichter ist als bei früheren Bahnen, die Wasserftage allerdings wird schwere Arbeit erfordern. Es ist aber vorgesehen worden, daß solche Be- ttiebsmittcl angewandt werden, daß ohne weiteres das durch die Kondensatoren gewonnene Wasier auch mit der Bahn sofort nach Kubub hingefahren werden kann. Die älteren-Mitglieder werden sich erinnern, daß seinerzeit der Bau der Bahn Swakopmund-Windhuk provisorisch vorgenommen ist. Es mußte Darauf losgebaut werden. Erst später wurde der Kostenanschlag geändert und gegenüber einem zweiten Kostenanschläge ist eine Ueberschreitung von höchstens einer Million erfolgt. Das ist für eine afrikanische Bahn von solcher Länge nicht allzuviel. Also braucht der Abg. Erzberger diese Balm nickt aI5 abschreckendes Beispiel anzuführen. Ware die Bahn Swakopmund-Windhuk nicht vorhanden gewesen, so Ware es nicht möglich gewesen, den Herero-Aufstand in der Zeit niedcrzu- toerfen, in der es geschehen ist. Wir wären nicht in der Lage gewesen, Die Menge von Truppen hinunterzuschicken und zu verpflegen. Wenn immer betont wird: „Ach was, die Kolonialbahnen l Tie werden ja doch nie und nie Betriebsergebnisie liefern, sondern immer Zuschüße erfordern, so ist auch das nicht richttg. Wir haben zwar bisher immer Zuschüsse gebraucht. ' Das lag aber an Verhältnissen, die ick jetzt im einzelnen nicht auseinandersetzen kann. Wir haben indessen die Usambarabahn seit April dieses Jahres Run'ist UNS, wenn di- Stalin gebaut ist, die Möglichl-st g°. boten, im Noffalle in der Lüderchbucht im Süden .die Schiffe löschen zu können. Mw ist von einem Kapitän erklärt worden, der .Hafen sei brauchbar und wir sollten Gott danken daß ww ibn hoben Die Nottvendigkeit für bic Bahn ergibt sich aus den militärischen Verhältnissen. Solange nicht befttitten werden kann, daß im Süden soundsoviele Soldaten stehen und stehen müßen, nützen alle Erörterungen darüber nichts Die Mittel müßen bewilligt werden. Dem Friebensbettieb der Bahn lege ich keine große Bedeutung bei. Ich.mochte aber an ben Je:ctrct<:r ber Kolonialverwaltung doch wenigstens bw Frage richte«.. Ist daftir gesorgt, daß in Lüdcritzort, dem Endpunkt ber Grundstücksspekulation einsetzen kann, wie wir e8 anderwärts erlebt haben? Wir wissen ja, wie unangenehm e-.war al- my an anderer Stelle einmal ein Platz, den wir unbedrn^ brwlchten durck englische private Händler entzogen wurde. Im ubrigmi hoffe ick daß wir Ursache haben, in der Budgetkommifsion die Vorlage leicht erledigen zu können, denn es handelt sich be. ,hi: um eme Ersparnis des Reiches. Bewilligen Sie die Bahn, damit ^n Worten der Aiicrkennung im Weiten Saale auch bald die ^.at fo.gt. (~cb- Hafter Beifall.) Abg. Kopsch ffreif. Vag.): V(TOib - zu-eryal I -( jo iwit gköt' UN Ä ’gt ftotibm zu lasst c ic i;n!> ein M aut * ivcrn aua b-r fnnen V tttsck^ I rrckie", un2 W* ■ Ta, w e auch fr-emt würbe, bet D y .hbtn ist'kbeiiSpol' it tine Gegnerschaft e.mrm« ® bs-lüchvmcftndni rd litte Ä'ütz-te übrig, •y n. von diesen -3, dem t-riben übe 5 an, die bandelSy' .-nxrs °ls durch fti1 be MS w m dam bie st ^^uführm, e S'^n^ooiler Q11 i’SÄS fein, v’ ^ntÜ^krung E':ef s ^demst, h^er# ***