Erstes Blatt. 154. Jahrgang Samstag 31. Dezember 1804 Gchulstratzs 7. ttbrefle für Deveichenr Anzeiger Gtetzea. KtrnsprechanichlußNr 61. Nr. 308 •»Meint ttzglich ander VonntagL. •em Gießener Anzeigen werden im Wechsel mir dem Hessischen Landwirt die Siebener Zamttien- hlätter viermal m der Woche beigelegt. Rotationsdruck il Verlag der Brühl 'schen Unlvers.-Buch-n. Stern- drucke ret. St. Sange. Gichener Anzeiger Senml.ilnjtiger ” ** ~=5£ Amk- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen MW x.u, zeigenteil: bans Beck. Die Heutige Mummer umfaßt 16 Seiten Zum IaSreswechsel. P. W. Gießen, 31. Dezember 1904. Nehmet den heilige n Ernst mit ins Leben hinaus; 'TEnn der Ernst, der heilige, macht das Leben zur ... r, M Ewigkeit !" Diese schonen Worte schrieb der verehrungswürdigste Greis, den ich kenne, cm einem für mich bedeutungsvollen Tage in mein Stammbuch. Der gute und weise 'Spruch, dessen Verfasser mir unbekannt ist, kommt mir heute in den Sinn, da der Neujahrstag naht. Ist der Weihnachtstag der fröhlichste Tag im Jahre, so ist der Neujahrstag der ernsteste Tag im Jahre; und so nahe beide beisammen liegen, so nahe beisammen liegen auch im Leben Freude und Ernst. Heilige Freuds, das war die Stimmung der Weihnacht, von der wir Herkommen, und heiliger Ern st, das ist die Stimnr.üng des Neujahrstages, in den wir eintreten. O daß mit der vergangenen Weihnacht doch die heilige Freude nicht verginge, daß sie uns erhalten bliebe und wir sie mit hinübernähmen in die kommenden Tage des neuen Jahres! Daß das neu'e Jahr uns ein Jahr der Freude würde! Jst's nicht heute der gegenseitige Wunsch aller derer, die's treu miteinander meinen? Tausende drücken sich heute daraufhin die Hand und blicken sich dabei in die Augen oder schreiben's einander, wenn sie räumlich getrennt sind. Wer es ist eine ernste Sache um die wahre Freude. Es gehört ein tiefer Ernst dazu, sich wahrhaft z-u freuen. Viele suchen heute auf künstliche Weise sich in die rechte Freudenstimmung zu versetzen, sie kennen keine Freude ohne Lärm und Geräusch, freilich nur um dann, wenn der Lärm verrauscht ist, desto freudeloser und freudeleerer zu erscheinen und dann wieder um so mehr unter dem Joche des Lebens zu seufzen; ja selbst den Ernst der stillen Nacht suchen sie zu übertönen durch lautes Geschrei und wüsten Lärm, denn es wird ihnen unheimlich zu Mute bei der stillen Sammlung und ernsten Einkehr,. zu der gerade diese Nacht die Menschen so laut aufruft. Und doch sind gerade diese Stunden stiller Selbsteinkehr die rechten Fr enden stund en, und wer im neuen Jahre sich wahrhaft freuen will, der muß immer wieder von Zeit zu Zeit seine stille Stunde haben, die ihm zum Quell des Segens und innerer.Freude wiro. Aber nirgends doch macht sich das Bedürfnis nach stiller Selbsteinkehr bei allen ernst Gesinnten so sehr geltend, als gerade am Schlüsse, beim Wechsel eines Jahres. Man steht wieder einmal an einem Grenzstein seines Lebens und hält Umschau, rückwärts und vorwärts, einwärts und auswärts. Rückwärts zuerst: Zu den bereits zurückgelegten Jahren ist ein neues hinzugekommen, man ist wieder ein Jahr älter geworden, und da steigen alle die Erlebnisse freud- und leidvoller Art im vergangenen Jahre von neuem vor der Seele auf und werden noch einmal erwogen und besprochen. Wohl uns denn, wenn uns. die verflossene Zeit unseres Lebens mit ihren Wegen, Um- und Abwegen, mit ihren Darreichungen und mit ihren Versagungen im wesentlichen wie ein einziges großes Gnadenjahr, ein einziges großes Jahr des Heils erscheint. Ein paar Verse kommen mir in den Sinn, Verse eines bärenhaft Starken, eines bärenhaft Gesunden, eines Mannes, der da schwur, daß die Erde die beste sei der Welten, der in seiner robusten Kraft das Ringen mit allem Bösen als höchsten Segen empfand zur Stärkung des Hirns und zur kühnen Erprobung seiner stählernen Muskeln, dem alle Last eine Lust war, dem ob seines heiligen Ernstes das Leben zu einer schönen Ewigkeit ward, der sich alle Zeit g ar wohl gefallen hat auf unserem Stern, und den nach vieler Not, Mühsal und Trübsal in seinem langen Leben das verfließende Jahr in einem patriarchalischen^ Mter von uns genommen hat, Verse von Wilhelm Jordan: „In tiefer Inbrunst muß ich danken-- Dem Schöpfer für des Lebens Schranken, Für jedes Leidens Fegefeuer, Für jeden Kampf und jede Last, Womit der etoge Welterneurer Begnadet seinen Erdengast." Welches üb er quellende Kraftbewußtsein spricht aus diesen Worten, die sich jeder zur Nachachtung zu Herzen nehmen mag, den das zur Neige gehende Jahr hart angepackt hat. Ein solcher heiliger Ernst macht wahrlich das Leben zur Ewigkeit. Zum andern cuber richtet sich heute der Blick vorwärts. Es werden an den Wendepunkt des Jahres allerlei Erwartungen und Hoffnungen geknüpft; wo einer sich in trauriger Lage befindet, daß seine Aussicht sich bessere, daß sein Geschäft sich hebe, die Arbeit wieder ihren verdienten Lohn findet, und wo es gut gegangen ist, daß das neue Jahr nicht hinter dem alten zurückbleibt; wo man krank ist, daß Genesung Wiederkehre, wo man gesund ist, daß man es bleibe; wo aber einer hoffnungslos darnieder- liegt, daß das neue Jahr ihm ein seliges Ende beschere. Jeder hat hier seine Gedanken und Wünsche für sich, bei der Rückschau wie bei der Ausschau. Das neue Jahr kann Krieg und Frieden, Tränen und Freuden, Mangel und Fülle, Herzeleid und Jubel, Leben und Tod iif sich schließen. Stille ist es um seine Pforte, dunkel sind seine Tage, der Fragen sind viele, aber keiner kann Antwort geben. Ist man älter geworden, so erwartet man vom neuen Jahre nichts sonderlich neues mehr. Die Zeit ist vorüber, wo wir an ein neues Jahr große Erwartungen knüpften und bedeutende Veränderungen für uns selber erhofften. Wichtige Entscheidungen und Lebenswendungen bringen neue Jahre für gewöhnlich nur der Jugend. Da kann man noch einigermaßen dem Leben seinen Gang vorschreiben, da ist man noch seines Glückes eigener Schmied. Nun schreibt das Leben uns den Gang vor, und wir sind's zufrieden, wenn es ohne gewaltsame Erschütterungen abgeht. Im großen und ganzen haben wir uns daran gewöhnt, daß das neue Jahr uns nichts anderes bringt, als was seine Vorgänger au* gebracht haben. Freude uno Leid, Erhebung und Abspannrrng, Gesundheil. und Krankheit, Gelingen und Mißlingen wechseln in diesem Erdenleben so ziemlich regelmäßig miteinander ab, wie denn auch die Gestirne, die diesen Erdenlauf beherrschen, aufgehen und niedergehen, balo hell strahlen, bald von Wolken verhüllt werden. Auf Regen folgt Sonnenschein, und auf Sonnenschein folgt Regen. Nach den Gewittern lacht die Sonne besonders. Tie Reihenfolge der Jahreszeiten wiederholt sich Jahr aus und Jahr ein, und immer wieder beginnt der gleiche Kreislauf. Aber wer den heiligen Ernst mit ins Leben hinausnimmt, wer sein Glück nicht sucht in den Gütern und Gaben dieses Lebens, sondern in dem inneren Auftechtsein, in mannhafter Stärke ohne Ueberheblichkeit, in dem starken Bewußtsein innerer Gediegenheit und Kernhaftigkeit, in der eigenen Tüchtigkeit und Leistungsfähigkeit, in dem wackeren Wirken für das Wohl der Seinen und,'der Gesamtheit, nach besten Kräften, für den sind die wechselnden und doch immer gleichen Ergebnisse jedes Jahres von bleibendem Lehrwerte, sie gewinnen für ihn eine Ewigkeitsbedeutung. Wer den heiligen Ernst sich zu eigen gemacht hat, der lenkt seinen Blick einwärts in die geheime Werkstatt des Herzens, der trägt sein Geschick, wie es auch sich gestalte, ob gut ob böse, mit gleicher Würde, der findet in sich selber Hilfe in der Not, Licht in der Dunkelheit, Trost in der Traurig», keit, Sieg im Unterliegen. Rückwärts und vorwärts lenkt der Jahreswechsel uw seren Blick von selbst; daß er ihn auch einwärts und aufwärts lenke, das ist der beste Neujahrswunsch. Uarleitag der preußischen Sozialdemokratie. Berlin, 30. Dez. Heute wurde zunächst die Debatte über das Kontrakt» bruchgesetz beendet und die dazu vorgeschlagene Resolution! angenommen. Auf Antrag des Abg. Haase wurde ein Zusatz angenommen aus Errichtung von Schiedsgerichten für bte Streitigkeiten der Landarbeiter und des Gesindes unter Mitwirkung von Richtern, welche von den Landarbeitern auf Grund des allgemeinen, gleichen, geheimen, direkten Wahlrechts zu wählen seien. Ledebour referierte über das preußische Landtagswahlrecht. Er sprach über den Ursprung und die Eigenart des preußischen Staates, der durch „Verheiratung, Erbteilung/ Erschwerung, Erbettelung, Ergaunerung und Eroberung" zusammengefügt worden sei. Weiter kam er auf die Ursachen des Mißerfolges der Sozialdemokratie bei den letzten Landtagswahlen zu sprechen, machte den Liberalen Vorwürfe, daß sie das von den Sozialdemokraten angebotene Bündnis für diest Wahlen abgelebnt hätten und zollte den fteisinnigen Outsiders Anerkennung, die wie Barth eine Verständigung wünschten, ©r empfahl folgende Resolution: Ter preußische Landtag hat keinen Anspruch darauf, als eine Vertretung des preußischen Volkes anerkannt zu werden, da das erkünstelte Gebilde des Herrenhauses durch seine Mehrheit von erblichen und ernannten Gesetzgebern nur der Herrschaft der Junker und Bureaukraten als Rückhalt dient, während das Dreiklassenwahlsystem durch Bevorrechtung des wohlhabenden Siebentels der Wähler mit einem Zweidritteleinfluß auf den Ausgang der Abgeordnetenwahlen die große Masse des Volkes tatsächlich entrechtet und das Abgeordnetenhaus selbst zu einer Geldsackvertret- # ung herabwürdigt. Eine fortgesetzt reaktionärer sich gestaltende, den wahren Interessen des Volkes zuwiderlaufende Gesetzgebung ist die Frucht dieser Zusammensetzung des Landtages. Herrenhaus und Abgeordnetenhaus sind nach ihrem Ursprung — der ein durchaus ungesetzlicher ist, weil auf Oktroiierung beruhend — und nach ihrer Zusammensetzung dre Verkörperung nackter Klassen-! Herrschaft und vollendeter Volks- und Arbeiterfeindlichkeit. Der Parteitag der Sozialdemokratie in Preußen protestiert deshalb auf das Nachdrücklichste gegen die Vergewaltigung und Rechtlos» machung, die der ungeheuren Mehrheit des preußischen Volkes durch das Vorhandensein einer solchen Klassenvertretung zu- gefügt wird. Ter erste und notwendigste Schritt zur Nieder- zwingung der Reaktion in P reu ße n ist deshalb die Um ß e-, staltung des preußischen Parlaments zu emer wahrhaften Volksvertretung. Wir fordern sonnt die völlige Beseitigung des Herrenhauses und für das Abgeordnetenhaus die Erteilung des allgemeinen, gleichen und direkten Wahlrechts mit geheimer Stimmabgabe an alle Staatsangehörigen^ Männer und Frauen, die das 20. Lebensjahr überschritten haben, nach Maßgabe des Proportionalwahlsystems. Wir fordern alle Parteigenossen auf, durch unablässige Agitation in Wort utch Schrift dafür zu wirken, daß dieses Ziel erreicht wird. Mit außerordentlicher Schärfe bekämpfte Ledebour seinen Partei- und Fraktionsgenossen Bernstein, der folgenden Zusatz a n t r a g zu der Resolution gestellt hat: Insbesondere fordert der Parteitag die sozialdemokratische Parteipresse in Preußen auf, jedesmal, wenn im preußischen« Landtag Anträge zur Verhandlung gestellt werden, die irgend welche Abänderung des bestehenden Landtagswahlsvstems foroerur oder in sich schließen, an hervorragender Stelle wiederholt Pro-, testartikel zu peröffentlichen, dre in schärfster Weise den reaktionären Widersinn und die empörenden Ungerechtigkeiten des Treiklasseuwahlsystems bloßlegen und die arbeitenden Volksklassen zu erneutem energischen Protest gegen dieses Machwerk einer brutal enReaktion und zum unablässigen! Kampf für das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht aufrufen. Desgleichen fordert der Parteitag die^ Genossen in Preußen auf, bei solchen Anlässen in allen Großstädten und. Industriezentren Nässen dem onstrationen größten Stils Kleines Ieuisseton. — Wilhelm II. und Leon cav allo. Der „Kreuz- Ztg." wird aus Rom geschrieben: „Ehe Leoncavallo Berlin verließ, hat er einen wahren Hymnus auf Berlin, Deutschland, die D eutschen und vor allem die deutsche Kunst an gestimmt, hatte aber bemerkenswerterweise in der italienischen Presse damit nicht das leiseste Echo hervorgerufen, weil es allgemein bekannt ist, wie feindlich er trt Wahrheit allem, was deutsch ist, gegenübersteht. Inzwischen hatte er im „Giornale d'Jtalia" seine wahre Meinung nreder- gelegt und seine deutschfeindliche Gesinnung zum Ausdruck gebracht, was umsomehr beftcmden muß, als man annehmen durste, daß er der mit vollen Händen über rhn ausaeschütteten kaiserlichen Gunst nicht ganz unerngedenk geblieben wäre. Er erzählt zunächst einiges über dre Auf- . nähme seines Werkes. Ein Teil der Krrtrk scr auch nach der Aufführung nicht zur Erkenntnis der gewaltigen Bedeutung seines Werkes gekommen, ein anderer habe sich „ge- fieunt" denn „der Deutsche ist im Grunde ein ehrlicher Mensch". Dann folgen die Ausfälle gegen deutsche Komponisten. Der letzte bedeutende Meister war Richard Wagner- was nach ihm gekommen, sind ausschließlich Leute ohne die -geringste musikalische Intelligenz. Eine zung^ deutsche Schule? Sie ist überhaupt nicht vorhanden, falls man nicht einer Bande weniger als mittelmäßiger Musiker diese Bezeichnung beilegen will. Für sic alle ist dre menschliche Stimme nur ein Instrument, der Gesang ist tot während man im Orchester nichts als eine Folge unlogisch aneinander gefügter Mißtöne vernimmt. sei übrigens d"e Anttcht °des intelligenterer, Teils der Deutschen selbst. Während seines Aufenthalts in Berlin hätte ein hervorragender Verleger ihm erklärt, daß die deutschen Bev- l a g s h ä u s e r s i ch glücklich schätzten, wenn c s r n aan, Deutschland einen einzigen Tondichter von £ e r e b c u t u r g eines italrenrschen Melodrsten unter «geordneten. Ranges gäbe. Dem Kaiser, der ein ausgezeichneter Musikkenner ist, konnte diese nationale Armseligkeit nicht entgehen. Vis jetzt hatte er die deu'tschie Kunst unterstützt; d" i st d e r Kaiser begeistert. Nach der ersten Aufführung sagte er mir: „Diese Musik vermag nur ein Mitbürger Romeo und Julias zu ersinnen — (wozu iibri- gens bemerkt werden mag, daß Leoncavallo einer ein gewanderten jüdischen Familie entstammt), das alles ist ganz shakespearianisch." — Franz Ondricet. Es wird unseren Lesern angenehm sein, über den Lebenslauf und Entwicklungsgang des Künstlers, dessen Konzert für den Januar bevorsteht, einiges zu hören. O. ist 1859 zu Prag, der Hauptstadt des musikalischen Böheims, geboren. Sein Vater war Leiter einer kleinen Kapelle, in der unser Künstler schon im ftühesten Mter mitwirkte. Ms siebenjähriger Knabe war er das Wunderkind in Prag und blieb es dort bis zu feinem 14. Lebensjahre, da die häuslichen Sorgen nicht gestatteten, ihn anderwärts studieren zu lassen. Endlich aber kam er auf das Pragex Konservatorium, auf dem er nach dreijährigem Studium sein Prüfungskonzert mit L. van Beethovens Violinkonzert absolvierte. Jvp ersten Konzert, das er dann öffentlich, «gab, hatte er das Glück, unter seinen Hörern einen der größten Geiger, Wie-- niawsk, zu haben, der von dem Können des jungen Anfängers so begeistert war, daß er ibn einem Kunstmäcen! empfahl, der nun Ondricek die Mittel gewährte, nach Parisia».!fs Konservatorium zu gehen. In Paris wurde ihm bei seiner seltenen Begabung die Klasse Massarts^ des Lehr ex s Wieniawskis, geöffnet und hatte nach dem Urteil der dazu eingesetzten Kommission alle Aussichten bereits im ersten Jahre seines Studiums den großen Preis^ zu erwerben; um das zu Hintertreiben, wurde ein (Statut erlassen, wonach kein Fremder vor Ablauf des zweiten! Jahres zur Bewerbung um den ersten Preis zugelassen werden darf. Ondricek hat dann auch nachher diesen! Preis iu'nbestritten davongetragen und wurde damals als ein zweiter Wicniawski gefeiert Fortan hat Ondricek die ganze Welt bereist. Zwei. Jahre blieb er noch in Frankreich, dann in London, später in seiner engeren und weiteren Heimat, endlich in Wien, das damals an der Spitze aller musikalischen Städte stand. Nach zwei höchst erfolgreichen Konzerten im Berliner! Opernhaus sah er sich dann auch! in Dresden, Leipzig;. Hamburg, Frankfurt rc. als erstklassiger Geiger anerkannt und hat dann England, Italien, Rußland, Schweden rc., den Oreint und Amerika wiederholt besucht.. Seine virtuose Wiedergabe Paganinischer Werke hat zu einem Freundesbunde Öndriceks mit dem Sohne Pagarnnis geführt, der in Parma lebt. In den letzten Jahren hat er wiederholt mit dem allerglänzendsten Erfolge in unserer engeren Heimat' Hessen, speziell in Dawnstadt, gespielt, so 1903 und Oktober 1904. Frei von jeder Virtuosenwillkür, aber auch entbundew von aller akademischen Mchternheit, ist er vielleicht der impulsivste Geiger der Gegenwart, auch Sarasate nictyt ausgenommen. Mädchen wurde schwer verletzt inS Krankenhaus gebracht. — | In einer Wirtschaft in Sachsenhausen wurde ein junger Mensch durch die Kriminalpolizei verhaftet, der einem Trödler vier gestohlene Fahrräder zum Verkauf anbot. Er erbot sich ferner, noch zwölf Räder zu liefern, die er bei einem Freunde eingestellt habe. Der Dieb ist der erst vor Kurzem auS dem Gefängnis in Wiesbaden entlassene Arbeiter Willi Kruppeck aus Schlesien, der wegen Hehlerei und Diebstahl mehrmals bestraft ist. Die Räder wurden auf das Frankfurter Polizeiprästdium verbracht. — Bei der gestrigen lWahl eines Abgeordneten zum Kreistag wurde für den^ Bezirk Grün berg Bürgermeister Zimmer einstimmig wiedergewählt. — In Lauter ist ein Handwerksbursche in einer Scheune erfroren. Die Staatsanwaltschaft zu Gießen stellte den Tatbestand und die Personalien fest. — liebet dad Vermögen des nach Unterschlagung beträchtlicher Summen von Kuchengeldern und Privatgeldern flüchtig gegangenen katholischen Pfarrers Karl Goldbach ans Hauswurz (Kreis Fulda) ist das Konkursverfahren eröffnet worden. Der flüchtige Pfarrer wird steckbrieflich verfolgt. Aniversttäts-Yachrichten. Heidelberg, 30. Dez. Wie man dem „Heidclb. Tagebl." mitteilt, bat das badische Unterrichts Ministerium ein- neuen Jahres! - Personalien. Se. Kgl. Hoheit der Großherzog paben Allergnädigst geruht, am 28. Dezember den ordentl. Professor der Geschichte und Literatur an der Technischen Hochschule, Dr. Otto Harnack zu Darmstadt, auf sein Nachsuchen, mit Wirkung vom 1. April 1905, aus dem Staatsdienst zu entlasten (Prof. Harnack ist bekanntlich nach Statt-1 gart berufen worden) und den 2. Veterinärarzt bei dem Kreisveterinäramt Mainz Wilhelm Knell zum Kreisveterinärarzt des KreiSveterinäramteS Bingen, mit dem Wohnsitz in Gau-Algesheim, den veterinärärztlichen Hilfsarbeiter bei der Abteilung für öffentliche Gesundheitspflege des Ministeriums des Innern Dr. Karl Beiling aus Karlsruhe zum 2. Vete- | rinärarzt bei dem Kreisveterinäramt Mainz, mit dem Range! emes KreiSveterinärarztes, beide mit Wirkung vom 16. Januar 1905, zu ernennen. — Den, Lehrer Wilhelm Bechtold aus Rieder-Mockstadt wurde die 2. Lchrerstelle seines HcuuatS- borfeS übertragen. •• Von der Landes-Universität. Sicheren» Vernehmen nach wird der ordentliche Professor der inneren Medizin und Direktor der medizinischen Klinik zu Greifswald Dr. Friedrich Moritz dem an ihn ergangenen Ruse als Nachfolger des Geh. Medizinalrats Prof. Dr. Riegel Folge leisten und seine Tätigkeit ^nit den» 1. April k. Is. dahier Buche von beinahe einem Meter Durchmesser zu werfen, im-I panierte ihnen die Leistung derart, daß sie sofort eine Anzahl Maschinen für Java in Auftrag gäbe»» und weitere Aufträge in Aussicht stellten. ES ist erfreulich, daß diese Erfindung eines unserer hessischen Forstwarte auch im AuSlaude Aner- kennung gefunden hat, roo sie zur Abrodung der Urwälder und gitr Urbarmachung des Bodens, insbesondere auch in I unseren Kolonien, weitgehende Verwendung finden dürste. ** Fünfziger Feier. Ter Bericht in vor. Nummer ist bezüglich deS zum Ausschank gekommenen Bieres dahin zu berichtigen, daß den ..Stosst' die Bichler'fche Brauere» lieferte Darmstadt, 29. Dez. In» Restaurant „Kaisersaal" fand beute die Generalversammlung deS Landwirtschaftlichen Provinzialvereins für Starkenburg I statt, der von zirka 200 Interessenten besucht war. Der Präsident des Vereins, Geh. Rat Haas, machte davon Mitteilung, daß der ermordete Ingenieur Döring dem Verein 1 2 000 Mk. zur Förderung der O bst bäum - zücht testamentarisch vermacht habe. Prof. Dr. BackhauS- Berlin referierte über „Geregelte Wasserwirtschaft, insbesondere Bewässerung des Ackerlandes in Landwirtschaftsbetrieben", und Dr. Krüger-Darmstadt über ,Mllchgewinnung und Milch- veriverttmg". I Mainz, 29. Dez. Dieser Tage sollte Aschenbrödel in Szene gehen. DaS Haus harrte der Wunderdinge, und hinter den'Kulissen saß Aschenbrödel schon in feinem grauen, ärmliche»» Kleidchen, schritte»» die stolzen Schwestern einher. Doch der Vorhang wollte sich nicht hebe»» — denn die böse Stiefmutter hatte die Influenza und konnte nicht erscheinen. AIS die Not am höchsten war, erinnerte sich der Regisseur, daß zu Shakespeares Zeiten Männer Fra ueur ollen spielten — und was in England der Königin Elisabeth möglich war, sollte daS nicht auch in Mainz gehen? Resolut, wie ein echter Mann der Tat, legte er daS Kostüm der Gräfin Monteeontecuculorurn an und rauschte hii»a»lS, peinigte den Gatten, ebenso das brave Aschenbrödel, wie es im Buche steht. Und das Publikum klatschte Beifall, ohne zu ahnen,! daß eS einer gar absonderliche»» Rollenbesetzung beiwohnte. Kleine Mitte >»»i» o e n aus Hesse»» und den Nachbarstaaten. In Hanau wurde der 36jähr»ge I Iilberschinied Johann Josef Schön auf de»»» Friedhof mit ! zwei Schußwunden im Kopfe aufgefunden und in hoffnungslosem Zustande in daS Krankenhaus verbracht. ES handelt sich um einen Selbstmordversuch. Schön war über den Tod seiner drei Kinder in Schwermut verfalle»» und hatte wiederholt seine Frau zu bestimmen gesucht, mit ihm in den Tod zu gehen. — In Großgeran »nachte» der Fabrikarbeiter Friedrich Veh»neier einen Mordversuch auf seine Geliebte, indem er ihr sieben Stiche beibrachte. DaS beginnen. -r-fi Stenographie. Man schreibt uns: Es sei auch an dieser Stelle auf den am 3. Januar, abends 8* 2 Uhr, »m kaufmännischen Pereinshause, Lehriaal 1, unter Leitung des Gabelsberger Stenographen-Vereins beginnenden Aniangerkurms in der Gabelsbergerschen Stenographie, zu dem schon jetzt eine größere Anzahl Meldungen vorliegt, bingewiesen. Tas swntnge ?ln- wachsen der Gabelsbergerschen Slenogravhenvereine Gießens und der vorzügliche Besuch der .Kurse beweisen am besten, wie sehr das Interesse von der Kunst des Meisters Gabelsberger zunimmt, und wie die Unterrichtsleiter es verstehen. die»es Interesse zu heben und zu fördern. Am kommenden Montag abend 9 Uhr findet eine Besprechung wegen Neueinteilung der tforb bildungs- und Redeschristkurse ebenfalls im kaufmanniichen V r- einshauie statt, worauf die Mitglieder des Stenographenvereins aufmerksam gemacht werden. ** Der hessische gemeinnützige Verein zur Vermittelung von Land- und Kuraufenthalten! in Darmstadt ist zur Zeit mit den Vorarbeiten behufs Neudrucks des Verzeichnisses der Sommerwohnunge»» im Odenwald, Vogelsberg und benachbarten Gebieten beschäftigt. Wir machen Interessenten hierauf besonders aufmerksam. Wer also im kommenden Jahre Erholungssuchende. Kinder ohne Begleitung und Ferienkolonien ausnehmen will, wende sich an den Geschäftsführer dieses Vereins, Rechnungs- und Kaffe- führer Harth in Darmstadt, Wilhelminenstraße 34, der über alles WiffenSwerte Auskunft gibt. Ta die Ausgabe deS grünen Heftes für 1905 bereits anfangs März n. IS. statt- finben soll, so ist umgehende Meldung erforderlich. "Die Baun»winde. Wie in Fachkreisen bekannt, wird neuerdings von der Firma Heyligenstaedt u. Co. in Gießen nach den Ideen des Forstwarts Büttner in Langd und auf Grund vielfacher, von diesem ausgeführter! Versuche eine sogenannte Baumwinde, ein Apparat zum gefahrlosen Fällen von schweren Bäumen, hergestellt, »velche in Holge ihrer Leistungsfähigkeit und bequemen Bedienung in Fachkreisen großen Anklang gesunden hat. Dieselbe ist nicht nur in vielen hessischen Cberförftereien in zahlreichen Exemplaren eingeführt, sondern hat auch bereits über d»e hessische Grenze hinaus bei den Pflanzern in Java Anerkennung und Würdigung gefunden. Kürzlich waren nämlich 2 Pflanzer auS Java hier, um Probeleistungen mit dem Apparate Dorv.mehmen und als es einem der Herren gelungen war, bei verhältnismäßig geringer Kraftanwendung eine schwere AvsM svs den Aisv-rsamlsreilstkru der Stabt Gießrv. Aufgebote. Dezember. 27. Soll») Loeb, Kaufmann dahier, mit Bertha Katzenstein in Rotenburg. Eheschließungen. Dezember. 24. Friedrich Hermann Oehm, Ober-Telearaphen- assistent in Frankfurt a. M., mit Auguste Josephine Schmidt dahier 27. Heinrich Otto Oertel, Reifender dahier, mit KaroUne Simon hierfelbst. 28. Heinrich Ernst Lucius, Oberlehrer dahier, mit Luise Meyer Hierselbst. Geborene. Dezember. 7. Dem Kaufmann Heinrich Heyne eine Tochter, Sophie Elisabeth. 16. Dem Kaufmann Wilhelm Bach eme Tochter, Agnes. 17. Tem Schneider Konrad Bob eine Tochter. Bertha Barbara Else. 22. Dem Bureaugehilfen Friedrich Luh ein Sohn, Gilbert Heinrich Werner Wilhelm. 22. Dem Kaufmann Friedrich Ecearius ein Sohn, Kurt Mar. 23. Dem Schlößer Martm Fischer eine Tochter. 23. Dem Wagenwärter Werner Krug cm Sohn, Georg Konrad Friedrich Werner. 25. Dem Schmied Johannes Schmandt eine Tochter, Erna Marie. 25. Dem Stabsarzt Dr. Alfons Friedrichs ein Sohu, Walter. 27. Dem Bahnarbeiter Otto Wlttkopp ein Sohn, Rudolf Walter. 28. Dem Kaufmann Paul Seeger eme Tochter. 30. Dem Schmied Karl Hofmann ein Sohn, Karl. Gestorbene. Dezember. 24. Johanna Horn, 6 Monate alt, Tochter des L'autcrcrS August Horn dahier. 25. Fischer (noch ohne Vornamen), 2 Tage alt, Tochter des Schlossers Martin Fischer dahier. 28. Katharine Bruchhaufer, 63 Jahre alt, Ehefrau des Bureau- oorstehers Heinrich Bruchhäufer dahier. 29. Albertine Jmahe Brandes, 32 Jahre alt, ohne Beruf dahier. etgeit die zNasstHwnbl Md für da« bemotTatifäej 8edanken zu versckleien». '?0>n- zucken Sie (zu Belustentt dock» mckst zurück, alS toären Sie ein Feigling! Ich habe nichts gegei» iLtrasten- demonstrationen, wenn sie a»is der Situation herauswachsen Uber wir können uns nicht darauf iit Resoluttonen festlegen. Die für bic Parteigenossen im ganzen Lande maßgebend sein sollen. Die Tiskuffion über Punkt vier findet morgen statt. Ansatz ans brn ßirrfirnbüdifrn brr Stabt Gießen. Evangelische Gemeinde. Getraute. Lnkasge mein de 17. Tez.: Wilhelm Karl Heil, Kaufmann zu Gießen, und Franziska Heil, Tochter des verstorbenen Braumeisters Wilhelm Heil in Newyork, Amerika. 28. Tez^: Heinrich Ernst Lucius, Oberlehrer zu Gießen, und Margarete Luise Meher, Tochter des verstorbenen Hmiptmanns Konrad.Friedrich Otto Meyer zu Brandenburg. — Johanne s g e m e i n de '. 22. Dez.: Friedrich Wilhelm Söhnel, Kaufmann zu Gießen, ein Witwer, und Johanna Tina Lina Schliephake, geb. Harms. — Militärgemeinde: 17. Dez.: Hermann Schulze, Hilfshovo»« zu Gießen, und Katharina Sckmeider, Tollster des Bahnarbeiters Johannes Schneider zu Gießen. 23. Dez.: Johann Ko»irad He r- mann, Sergeant zu Gießen, und Margarete Herpel, Tochter de" verstorbenen Steinhaners Jakob Herpel zu Cappel. Getaufte. L u k a s g e m e i »i d e : 18. Tez.: Tem Schneider Karl Heiiv rich Roth ein Sohu. Karl Georg, geboren den 25. Noin 25. Tez.: Tem Werkmeister Wilhelm Schmidt ein Sohn. Ernst Ludwig, ged. ; 27. Nov. Tem Kutscher Karl Pflüger eine Tollster, Karola, geb 2 Tez. Tem Ladeineister Ludwig Molph ein ^>ohn, Heinrich Willi, geb 29. Nov. Tem Sattler Franz Seidl ein Sohn, Wilhelm Franz Joses Anton, geb. 22. Sept Dem Vahnarbetter Johannes Hofmann ein Sohu, Wilhelm Karl, geb r^.00- 26 Tez.: Tem Kaufmann Wilhelm Eidmami eine Tollster, Mina Frieda Emma Otatrui), geb. 28. Nov. Dem Hotelbesitzer Heinrich Berndt eine Tochter, Olga Luise, geb. 23. Nov. Tem Schreiner Ludwig Erb eine Tochter, Elisabeth Marie Emilie, geb. 21. Nov. Tem Schaffner Balthasar Tapper eine Tollster, Luise Johanna Helene Mathilde, geb. 14. Oft. Dem Kaufmann Ludwig Nickel eme Tochter, Emmy Ernestine, geb. 5. Tez. 27. Tez^ Dem Wagen- I Wärter Karl Schneider ein Sohn, Karl, geb. 15. Nov. -9. ^ez.. T-em Hotelier Zacharias Haubach ein Sohn, Hans Ludwig Karl, geb 21. Okt. — Johanne s gemeinde: 18. T«ez.: -^em Taglölmer Wilhelm Leib eine Tochter, Katharina, geb 3. Ort. Tem Kaufmann Georg Ritzel eine Tollstin:, Mathilde Sophie Elisabeth, geb. 18. Nov. Dem Universitätsprofessor Max £ebred)t Strack ein Sohn, Paul Richard Lebrecht, geb. 2. Ott. 25. Dez.: Tem Schmied Heinrich Herbert ein Zwillingspaar, Otto und Johanna, geb. 7. Okt. Tem Musillehrer Mbert Kasten ein ^ohn, Heinrich Reinhard Emil Hans, geb. 11. Nov. Dem Johann Arnold ein Sohn, Heinrich, geb. 13. Sept. 26 ^ez.. Tem Taglöhner Heinrich Schmidt eine Tollster, Emilie Katlsarma Maria, geb 23. Ang. Tem Hausdiener Johann .Konrad Hecrrotv ein Sohn, Friedrich Johann, geb. 12. Nov. Dem Tapezier Karl Walter ein Sohn, Willi, geb. 1. Ott. — Mi litär gemeinde: 18. Dez.: Dein Feldwebel Heinrich Horst eme Tollster, En»s, geb 6 Nov 25. Tez.: Tem Sergeant Wilhelm Jakov Lost ein'Sohn, Friedrich Wilhelm, geb. 21. Ang. Tem*Zahlmeister- Aspirant Johailnes Milller eine Tochter, Anna Lina, geb. 11. Nov. 29. Tez.: Tem Sergeant Willy Springwald eine Tollster, Karol« Anna Marie, geb. 23. Nov. Beerdigte. I o h a »i »i e s g e m e i n d e: 21. Dez.: Greta Hein, geb. Asch, Witwe des Hotelbesitzers Karl Hein, 11 Jahre alt, starb den 18. Tez. »Man verlange I ausdrücklich die Originalmarke „Dr. Hommel’s“ Haematogen und lasse sich Nachahmungen nicht autreden. ■ Dermifcbtc». * Eine MeSaliance und ihre Folgen. I»» Er-1 aänzung der kürzlich von unS veröffentlichten Mitteilungen über die Heirat deS Grafe»» Luitpold v. WolffSkeel mit der früheren Ballettänzerin an der Münchener Hofoper und jetzigen Berliner Schauspielerin Olly wird auS Augsburg noch folgendes gemeldet: Die Heirat hatte im Januar dieses Jahres in England stattgefunden, und zwar ohne Zustimmung deS Vaters deS Grasen L»»itpold und ohne Einholung deS Konsenses des Offizierkorps des erste»» schiveren Reiterregiments. Graf L»»itpold WolffSkeel nahn» deshalb be-1 re»ts am 15. Januar einen einjährige»» Urlaub, der nunmehr, i nachdem der Graf gegen die n»ilitärischen Vorschriften^ bei Eingehung einer Ehe gefehlt hat, in schlichten Abschied über- gehen dürfte. Gras Luitpold v. WolffSkeel ist auch tatsächlich behuss Dienstleistung in die japanische Armee übergetreten. Ta Gras Luitpold v. WolffSkeel in japanischen Diensten steht und zur Zeit der Belagerungsarmee vor Port Arthur angehört, während die Gräfi»» in Berlin in ihrem Benise tätig ist, kann von einem ehelichen Zusammenleben »»icht gesprochen werden; es ist a»ich, wie »»»an der „A»»gS- burg. Abendztg." von wohlinformierter Seite mitteilt, seitens der Gräfin bereits der erste Schritt zur Trennung der Ehe- gemeinschaft unternommen worden. * Guter Rat Professor Schmidtlein (zum neuernannten । Dozenten): Nun, lieber Striesower, ist Ihr Kolleg schon flnsng besucht^ — Professor Striesower: Seiber noch gar nickst,, bis setzt hat sich immer nock feiner blicken lasten. — Proseffor Schmidtlein: Wisten Sie »vas, schaffen Sie sich 'n Telephon an. — Professor Striesower: Telephon, wieso? — Prosesfor Schmidtlein: Na, da haben Sie wenigstens Mnen Hörer * Würdevoll A.: Ick habe öie lange nicht gesehen: wie geht es Ihnen? - B.: Danke gut; Sie wissen doch daß ich jetzt zu den Vätern dieser etabt gehöre? 7- A.: Sind Sie in den Stadtrat gewählt worden? — B.: Nem, das nicht, aber »vir haben ein kleines Mädll)-.m bekommen! * Kleine Tageschronik. Im Postbureau zu Minsk lRußlarrd) erplodierte I>cute ein mit Pulver gefülltes Palet Der Wachdienst und ein Beamter wurde»» illstver »xrletzt. __ In Duisburg entstand während der Aufführung im Stadttheater infolge Kurzschluß a u f d e r B ü h n e F e u e r das einen Teil der Dekorationen vemillstete. Im Publikum entstand eine Panik Das F-eue» wurde rasch gelöscht. — In B arme»» Imt sich auS Lebensüberdruß ein 87jähr. Gre»s entleibt. Er I hatte sich mit einem Rasiemiesser am rechte»» Oberarm eine I tiefe Schnittwunde bei gebracht. Aus Stadt und Land. Gießen, 31. Dezember 1904. ** Sylvester — wieder ist eine Jahreswelle dahin gerauscht in den endlosen -Ozean der Zeiten. Wie ist doch die Zeit so flüchtig, und wie unauflialtsan» treibt jeher von uns seinem Ziele zu! Freud und Leid hat uns allen das alte Jahr in Fülle beschieden: rauh und undarm- herzia hat der Schnitter Tod seine Sense geschwungen daß mancher unter uns um teuere Verstorbene schmerzlich klagen muß; aber auch versöhnend hat frisll)es Leben seinen» Einzug gehalten, daß june»nattk und Naturwinenschatten, 2136 (gegen 3084) evangelische und 1678 (gegen 1404) katho- lische Rheologie, 1387 (gegen 1214) Pharmazie, 1055 (gegen 883) Landwirtschaft, 1024 (gegen 413) Staats- oder Forstwissen- schaft, 596 (gegen 282) Zahnheilkunde und endlich 149 (gegen 70) in Gießen Tierheilkunde. Bei dieser Fachstatistik iinö allerdings die Zahlen für die Philologen und für die Mathematiker etwas zweifelhaft: es ist an den preußischen Universitäten eine neue Statistik ein geführt worden, die nur als eine I Verschlimmerung bezeichnet werden kann, und zwar durch eine Sammelrubrik „sonstige Studienfächer der philosophiichen Fakultät"' mir haben diese Zahlen, mit denen man sonst nillsts an- fangen kann, einfach den Philologen beige-ählt, wodurch al)o diese Zahl etwas zu hoch gegriffen sein wird. Im allgemeinen tntt die Entwicklung der verschiedenen Fächer deutlich hervor, insbesondere die starke Abnahme der Zahlen bei den Medizinern und bei den evangelischen Theologen, andererseits die starke Zunahme bei den I u ri st e n, bet den Philologen und Historikern wie bei den M a 11) c m a 11 - fern und Naturwissenschaftlern.