Nr. 135 Zweites Blatt. 154. Jahrgang Dtensrag »i. wrm i»v4 Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Giehener ZamiNenblStter" werden dem ^Anzeiger viermal wöchentlich betgelegt. Der »hesfische Landwirt" erscheint monatlich einmal. Giehener Anzeiger Rotationsdruck und Verlag der Brü hl'scheu UniversttätSdruckerei. ÖL Lange, Gießen. Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.R. Tel. Nr. 5L Telegr^-Adr. i Anzeiger Gießen. General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen. i. r«,jungen Manu, )ule bis Lberlertia °ird Lehchelle aus mijchen Kontor ge* ^rlen unter 4723 Iton d. Bl. ^cu lut fiiidje und P-loUtetie. Ah. rauu,Taminslr.Iö. '-Vlllkßllg von edmeyer KdlNtiti »itglap nach 4787 irllra^ 35 Hotel Rappen). top lefuM 03036 ' Vobirfti'iiBC 3. itr.Ehausjieruuo, I ganz, zu vergeben. , LieiMM 49, t* 50109.- sE larliC?500000-1' SWS ein ** t-ortcbcn i Die heutige Mmmer umfaßt 8 Seiten. Bekanntmachung. Betr.: Rotlaufseuche zu Inheiden. Bei einem Schweine des Karl Albus zu Inheiden ist Rotlaufseuche festgestellt worden. Gehöftsperre ist verhängL Gießen, den 30. Mai 1904. Großherzogliches Kreis amt Gießen. I. V.: Hechler. Dolitische Tagesschau. Enten. Die Zeit für unverbürgte Meldungen — eine höflichere Bezeichnung für „Enten" — kommt heran, diesmal früher als in anderen Jahren. Da weiß soeben eine Information Mitteilung zu machen, daß Kaiser Wilhelm ein „ziemlich umfangreiches Handschreiben" an den russischen oberkommandierenden General Kuropatkin gerichtet habe. Es bedarf nicht erst eines offiziösen Dementis, um die Unwahrscheinlichkeit dieser Nachricht, die wie wir gestern schon erwähnten, der Zeitschrift „Asia" entstammt, darzutun. Im übrigen klingt ja die gestrige Meldung, Kaiser Wilhelm bringe dem Krieg das größte Interesse entgegen und informiere sich darüber täglich sehr genau, ganz wahrscheinlich Zu den minder haltbaren Tagesleistungen gehört ferner eine vom Bureau Lasfan gestern weitergegebene Erzählung des „Newyork Journal" aus Washington, von der wir gestern gar keine Notiz nahmen, daß der Kriegssekretär der Ber. Staaten den deutschen Botschafter längere Zeit im Vorzimmer warten ließ und ihn alsdann in Gegenwart anderer Personen, u- a. Journalisten, empfangen habe- Selbst die „Tagesztg", die von der Liebenswürdigkeit des Frhrn- Speck v. Sternburg gegen die Herren Amerikaner nicht entzückt ist, hält den Bericht für eine Erfindung. Herr v. Sternburg würde unseres Erachtens bei einem solchen groben Verstoß geaen Höflichkeit'und Herkommen kurzen Prozeß gemacht haben- Die „ungewöhnliche Behandlung des diplomatischen Vertreters des deutschen Kaisers" ist eins von den Stückchen der gelben Presse, dumm ersonnen zum Ruhm amerikanischer Furchtlosigkeit und Unabhängigkeit- Der Kampf um den Ozean. Eine Wirkung der Weltausstellung in St. Louis, die bis jetzt die hinsichtlich des Besuchs gehegten Erwartunaennicht ganz zu rechtfertigen scheint, macht sich bereits bemerkbar, nämlich in der Verschärfung des Wettbewerbs unter den nordatlantischen Dampferlinien- Eine Liverpooler Meldung bringt da zunächst den Morgan- schm Schisfahrtstrust in Erinnerung- Sein Begründer ist in nebelhafte Ferne verschwunden, und das Gefüge des Trusts hat sich so gelockert, daß der Zerfall eine Frage kürzester Zeit sein dürfte. Als Hecht im Karpfenteich wirkt die englische Cunardlinie. Sie erfreut sich der Unterstützung der Londoner Regierung und ist überdies umsomehr in der Lage, für die Ueberfahrt nach Amerika niedrige Tarife aufzustellen, als ihr auf Grund des Vertrages mit der ungarischen Regierung die Beförderung der dortigen Auswanderer zufällt, was einen erklecklichen Verdienst abwirft. Der einfache Selbsterhaltungstrieb nötigt also die Konkurrenzlinien trotz der Zugehörigkeit zum Morgan-Trust, die Passagepreise der Cunardlinie zu unterbieten, wenigstens ür diq .dritte Schiffsklasse. Dagegen protestiert nun der Präsident des Trusts- Doch er wird schwerlich etwas erreichen oder verhindern. Besser niedrigere Passagepreise und Fahrgäste, als höhere Preise und keine oder nicht ausreichend Fahrgäste. Die Geschäftsunkosten der Rhedereren wachsen ohnehin infolge der größeren Dimensionen und der vollkommenen Ausstattung der Schiffe- Wenn also ein Kom- pagniegeschäst nicht rentiert, so löst man es aus und sucht auf eigene Faust oder auf Grund einer aussichtsreicheren Koalition sein Fortkommen. So wird es auch mit dem Moraantrust geschehen- Vielleicht gehen aus dem ver- chärften Wettbewerb neue Inter essenverbände hervor, die besonders für die deutschen Großryedereien sich vorteilhaft erweisen. Es sei beiläufig bemerkt, daß die Hamburg- Amerika-Linie mit dem Verkauf von Schnelldampfern an Rußland ein gutes Geschäft gemacht haben muß, ein besseres jedenfalls, als sich für sie ergeben hätte bei Belassung der Dampfer auf der nordatlantischen Fahrt jetzt zurzeit der Weltausstellung. Schon das läßt erkennen, wie schwer es unter den heutigen Verhältnissen selbst bei günstigerer Konjunktur den Schiffahrtsgesellschaften wird, ihren Betrieb gewinnbringend zu gestalten. Schlimmer noch als um die Passagepreise ist es um die Seefrachten bestellt. Eigentlich der niedrige Stand der letzteren hat ja die deutschen Großrhedereien zum Anschluß an die Morgansche Gründung veranlaßt. Und nun gar die Segelschifssrheder! Der letzte Jahresbericht der Hamburger Handelskammer stellt fest, daß es im vergangenen Jahre für Segelschiffe vielfach unmöglich gewesen ist, Frachten zu erlangen, die auch nur die baren Auslag. der Reise ohne jede Verzinsung und Abschreibung deckten. Unter solchen Verhältnissen muß ein Erwerbszweig dem Ruin entgegensteuern. Ta ist es denn begreiflich, daß die Interessenten sich zusammenfanden in dem Bestreben, eine Besserung der Lage der Segelschisfs- rhederei herbeizuführen.durch eine Verständigung über die Mindestfrachtsätze. Die zu diesem Zweck gegründete Internationale Vereinigung von Segelschiffsrhedern umfaßt deutsche, französische, englische und niederländische Firmen. Um die Organisation der deutschen Gruppe haben sich besonders bemüht die bekannten Rheder Sloman-Hamburg und Waetjen-Vremen. So zeitigt der erschwerte Existenzkampf auch zur See immer neue Gebilde, und es läßt sich schon aus diesen knappen Darlegungen entnehmen, welche Bedeutung die als Vorbedingung für einen blühenden Ausfuhrhandel unentbehrlichen Handelsverträge für die tzee- wirtschaft haben. Kolonialpost. D i e Hauptversammlung der Deutschen Kolonialgesellschaft in Stettin, die in diesen Tagen stattfand, eröffnete der Präsident Herzog Johann Albrecht von Mecklenburg mit einer bemerkenswerten Rede, in der er unter anderem ausführte: Den hohen Wert richtig erschlossenen Kolonialbesitzes für die Allgemeinheit wird heute niemand in Deutschland mehr bestreiten. Und Stimmen, die früher etwa laut geworden sein mögen, daß unser Kolonialbesitz uns keinen Nutzen brächte und wir am besten täten, ihn möglichst vorteilhaft an andere Interessenten abzutreten, könnten heute kein Gehör mehr finden, wo das Ansehen und die Ehre des deutschen Namens es erfordern, nicht ein Unternehmen feige und mutlos zu verlassen, an das viele tausende unserer Volksgenoffen, und wahrlich nicht die schlechtesten, ihr Leben und ehr Vermögen gewagt haben. Aber fragen muffen wir uns, auf die jetzt zwanzigjährige Entwickelung zurück- chauend, ob die Nation, ob auch der Einzelne bisher hm- reichend den Verpflichtungen gerecht geworden ist, die uns unser kolonialer Besitz und unsere überseeischen Interessen auf- erlegen. Wollen wir ehrlich gegen uns selbst sein, so können wir diese Frage nicht schlechthin bejahen. Wohl haben unsere Schutzgebiete jährlich Zuschüsse des Reiches erfordert, wohl ind bisher etwa 300 Millionen Mark an PrivaUapitalien in ihnen angelegt worden, aber eS fehlt in unserer ganzen kolonialen Entwickelung noch der große Zug des kühnen Kaufmanns, der veranschlagt, wessen ein Unternehmen bedarf, um prosperieren zu können, und trotz augenblicklicher Opfer und vorübergehender Enttäuschungen alles daran setzt, um zum Ziele zu gelangen. In unseren Schutzgebieten hat man bisher sich ängstlich bemüht, nur dasjenige zu fordern, was augenblicklich erreichbar schien und unbedingt erforderlich war, um den Zusammenbruch zu vermeiden. Daß halbe Maßnahmen nicht zum Ziele führen, und daß es sich darum handelt, für unseren Kolonialbesitz alles daran zu setzen, wenn wir nicht die verhängnisvollsten Ueberraschungen erleben wollen, lehren die jüngsten Vorgänge in Deutsch-Süd- westafrika. Die Deutsche Kolonialgesellschaft ist der lieber* zeugung, daß das Deutsche Reich moralisch verpflichtet ist, denjenigen, die im Vertrauen auf den Schutz des Reiches Leben und Gut eingesetzt haben, die erlittenen Verluste zu ersetzen und sie nicht mit einem Almosen abzufinden. Sie hofft, daß auch der Reichstag sich diesen Erwägungen nicht verschließen und zu einer entsprechenden Beschlußfaffung kommen wird. Keer und Illotte. — Bedeutung der Artillerie. Aus Marine- kveisen wird uns geschrieben: Der Verlauf des Seekrieges in Ostasien zeigt, daß die deutsche Marine Verwaltung auf dem rechten Wege ist, wenn sie beim Ausbau der Flotte das Schwergeloicht auf die Schlachtschiffe legt- Kreuzer und Torpedoboote leisten im Gefecht gute Dienste, die Entscheidung aber liegt bei den Linienschiffen, und hier wieder bei der Artillerie. Die der Japaner ist zu Wasser und zu Laude d^er russischen überlegen, und es erscheint zweifelhaft, ob die Minderwertigkeit der japanischen Kavallerie hier ausgleichend wirken wird. Es ergibt sich für Deutschland die Notwendigkeit, der Vervollkommnung seiner Artillerie zu Lande und zu Wasser das Hauptaugenmerk zuzuwenden. Bei ersterer wird es sich handeln um die Einführung der Rohrrucklaufgeschütze, ohne die eine moderne Armee nicht mehr auskommt. Bei der Schiffsartillerie ist in Betracht zu ziehen der Uebergang zu einem stärkeren Kaliber der Schnellfeuergeschütze. Er bietrifst speziell die Mittelartillerie, für die zurzeit das 17 Ztm.-Kaliber sestgelegt ist. Von fachmännischer Sette wurde vor einiger 'Zeit in der „Marine- Rundschau" dargelegt, daß als kleinstes Mittelartillerie-. Kaliber das 21 Ztm-Geschütz den voraussichtlichen Anforderungen eines Kampfes gewachsen sein wird, und daß das alte Batterieschiff in modernisierter Form wieder auf der Bildfläche erscheinen muß. Ob die maßgebenden Stellen Sidney-Singapore via Aeutsch-Aeu-Kuirrea. Reise-Notizen von E. T. (1904). (Fortsetzung.) jedoch findet auch durch Nichtverschulden der Weißen eine leider gar zu häufige Auflehnung de r Papuas statt, denen vor kurzem ein Angestellter von Hernsheim st. . Co. auf der Durour-Jnsel (Nordküste von Neu-Gumea) sowie einige Chinesen Slu^^der^^nördlich von Herbertshöhe gelegenen reizenden kleinen Insel Ma tu Pi befindet sich die Handelsniederlassung s-r Hamburger Firma Hernsheim u. Co., deren liebenswürdigen und gKrettn Chef, Herrn. M T. ... „aus Köln gebürtig wir die angenehmsten und interessantesten Stunden im Archipel verdanken Von der Terrasse seiner Privatwohnung bietet sich ein herrlicher Fernblick bis nach Herbertshöhe hinaus; es kommt mir nicht zu und es Ware vergebliche Mühe, all' die großen und kleinen Aufmerksamketten, die echt rbcmhche und fröhliche Gastlichkeit und die vielen persönlichen Verdienste des Sultans von Matupi, wie Herr T. fcherzhafi benannt ist, in das gebührende Lickt' au stellen. Bemerkt sei nur noch der vergnügte und interessante Bierabend, den Herr T. den Passagieren des „Prinz Sigismund" gab, wozu der Korvettenkapitän K. mit fernen Lifttieren von S. M. S. „Condor" ebenfalls erschien. Faßbier von unserm Schiff, Musik der Kapelle des „Condor" sowie em Eingeborenen-Tanz bei Fackelbeleuchtung hieltdie Gesellschaft bei herrlicher Abendlust bis tief in die Nacht hinem zusammen, und es kam die einstündige Ruderfahrt zu unserm im Simpson- Hasen liegenden Schiff manchem erhitzten Kopfe als willkommene ^^Am^Sonntag den 13. März verließen wir die bergbekränzte schöne Bucht von S i m p s o n h a f e n, um zu Entladungszwecken unmittelbar vor den Kontor- und Lager-Häusern der Firma Hernsheim u. Co. auf Matupi nochmals Anker zu werfen. Vom naheliegenden „Condor" klangen deutschen Märsche herüber und aus Einladung des Kommandanten vereinigte uns ein Nachmittagskonzert und Kaffee an Bord seines Schiffes nochmals mtt dem Gouverneur Dr. Hahl und seiner liebenswürdigen Gemahlin sowie mit Herrn T. und anderen Bekannten. Nachher erfolgte nochmals ein Rundgang über Matupi, ein Ansammeln, von Speeren, Boaeu Pfeilen, Schmucksachen der Eingeborenen wie z. D. Halsbänder ans Eber- und Hmrde-Zähnen, Muschel-Armbänder, Muschelgeld (Dewarra) usw., das man vielfach gegen Taschenmesser, Tabak und Streichhölzer eintauschen konnte. Hiermit schloß der nur unvergeßlich bleibende Aufenthalt aus diesem kleinen aber idyllisch schönen Fleckchen Erde (Matupi), das leider aber seiner dauernden Existenz Nicht ganz sicher zu sein scheint, denn ein Erdstoß erinnerte — wie schon häufig vorher — so am Tage unserer Anwesenheit, an die zahlreichen Vulkane der vorliegenden Nordküste von Neu-Pommcrn. Den berühmten Duk-Duk-Tanz bekamen wir leider nicht zu sehen. Dieser ursprünglich, als religiöse Feier betrachtete und meist nur einmal im Jahre zur Ausführung aelangende Tanz ist eine Nachahmung der Bewegungen des Kasuars ulid dient heute mehr als Gelegenheit zu einem Festgelage und zur Einnahme von Muschelgeld seitens des Häuptlings als tote zur Abhaltung einer mysteriös religiösen Feier, welche das Erscheinen der Geister versinnblldeii soll. Der Körper solcher Duk-Duk- Tänzer ist vom Hals bis an die Knie mit einem dichten Blätterrock bedeckt, den Kops verhüllt eine bemalte Maske und die Tänzerei dauert oft wochenlang, nur von Männern ausgeführt und vom männlichen Publikum besucht, während Weiber scheu im Hintergrund bleiben. ,, Die Anwesenheit des alle 6 Wochen fälligen Norddeutschen Lloyddampfers ist für die denllchen Ansiedler stets ein frohes Ereignis und bis zur letzten Minute vor Abgang wurde an Bord der lieben deutschen Heimat beim Gläserllang und fröhlichen Geplauder gedacht. Der Bismarck-Archipel soll gesunder als Neu-Guinea sein; jedoch herrschen Mala r i a und selbst Schwarzwasse r - Fieber noch gar zu häufig daselbst und dieser Umstand bildet eine dunkle Wolke am sonst heiteren Horizont dieses Tropenbesitzes. Besonderer Erwähnung bedarf die Tätigkeit der Missionar-Gesellschaften im Archipel. Die einflußreichste scheint die in Herbertshöhe zu sein (Mission vom heiligen Herzen Jesu), bereit doppeltürmige katholische Kirche auf sonniger Anhöhe liegt unb weit vom Meere aus sichtbar ist. Die protestantische Mission liegt auf der nördlichen Seite des Ortes, doch ist es bebauer- lich, baß an einem. Platze zwei Missione n oerschiebener Konfessionen tätig sinb unb sich gegenseitig ihre Anhänger abspenstig machen; sie verfeinden dadurch indttekt nicht nur Mitglieder desselben Stammes oder selbst einer Familie untereinander, sondern oft ganze Stämme gegeneinander und geben häufigen Anlaß zu Streitig- leiten unter den dem Christentum erworbenen Eingeborenen. Ich bin weit entfernt davon, die segensreiche Tätigkeit und die Aufopferung der Missionare zu bekritteln, jedoch erscheint es rationeller, daß jeder M i s s io n eine bestimmte Inselgruppe angewiesen würde, sodaß nicht zwei verschiedene Konfessionen an einem und demselben Orte gegeneinander wirken und oft vor den Eingeborenen „von der christlichen Liebe und Eintracht" ein eigenartiges Bild entwickeln! Ich erwähnte schon vorher, daß jeder Stamm auf dem Bismarck-Archipel seine eigene Sprache hat; als Umgangssprache dient das sog. Pidjin-Englisch, was als Verkehrssprache aus dem Malayischen Archipel herübergekommen ist und eine Mischung von englischen und anderen Sprach-Elcinenten sein soll. Recht komische Ausdrücke und öiedewendungen gibt es darin; ber Herr und Gebieter wird durch „big sellow master", die Herrin durch „big sellow Mary" ausgedrückt. Ter „Kops" wird mtt „coconut" bezeichnet und Tr. Pflüger erzählt in seinen Reise- plaudereien, wie ein derzeitiger kahlköpfiger Landeshauptmann in Neu-Guiiiea von den Eingeborenen genannt wurde: „big fellow master, plenty too much coconut belang him, groß no stop", b. * der Herr mit ber dicken Kokosnuß (Kopf), worauf kein Gras wuchs. . , r . . ~ , Am 16. März hielten wir vor Peterhafen auf der H-rench- Jnselgruppe an unb bekamen als Passagier eüien an den Füßen gefesselten gutmütig drein schauenden Kannibalen, der an den jüngsten obenerwähnten Europäer-Morde beteiligt war und nun fünf anderen Genossen ins Gefängnis nach Friedrich Wil- helmshafen folgte, wo sie wohl zum Tode durch denStrang abgeurteilt werden. (Fortsetzung folgt) * — Friedrich Hahn, Dämonen, Erzählung, geheftet 2 Mark. Verlag von Albert Langen in München. Der junge Men er Autor gibt in dieser Erzählung ein psychologisches Wieisterwerk, das bei allen Lesern Interesse erregen wird. Er hat sich ein Thema gewählt, das schon öfter behandelt worden ist, selten aber wohl mit solcher Treue und Sachkenntnis wie hier. Er schildert, wie einen durch Vererbung und durch schwere Schicksale belasteten jungen Mann die Ketten des Wahnsinns immer fester umschlingen, bis der schreckliche Ausbruch erfolgt. Zuletzt nimmt sich der Held im Jrrenhau.se das Leben. Was uns der Dichter gibt, ist eine peinliche treue Studie über den Verfolgungswahn, es ist aber zugleich eine spannende, stimmungsstarke und künstlerisch bedeutende Erzählung, die das Interesse des Lesers nicht einen Augenblick ermatten läßt und ihn von der ersten bis zur letzten Seite fesselt — Knut Hamsun, Abendröte, Schauspiel in drei Aufzügen. Geheftet 2 Mart". Verlag von Alb. Langen in München. Mas Hamsun in der „Abendröte mtt wehmütiger Ironie behandelt, ist die Komödie des Al« t e r n s. Er zeigt uns, wie die Jahre, die Lebensumstände, die Familie, der wachsende Wohlstand aus dem über« zeugungstreusten Feuertops, der alles für seine Idee opfern möchte, schließlich einen Utilitarier und Philister machen Es liegt eine bittere, aber helläugige Lebensweisheit in diesem Stücke, die sagt: nicht in ttgend welchen anderen Zwecken liegt der Sinn des Lebens, sondern im Leben selber. Und das gibt dem Ganzen einen ttöstlich ernsten^ versöhnenden Ausllang ttotz allem bitteren Spotte, mtt dem das Stück schließt. — Süddeutsche Monatshefte unter MittmrV ung von Paul Nikolaus Coßmann, Josef Hofmttler, Fried rich Naumann, Hans Pfttzner, Haus Thoma herausgegeber von Wilhelm Weigand. Nack einem Aufsatze von Fried rich Naumann über den Liberalismus alsPrin- zip folgt einer des württembergischen Pfarrers Csenwett über die Psychologie des württembergischer Bauern; ihm schließt sich die Geschichte eine' schwäbischen Weißzeu gnäherin, eine liebevolll Studie aus dem süddeutschen Volksleben an, die der kürzlich verstorbenen Dr. Schnapper-Arndt zum Verfasser hat. In bedeutsamer Weise sind einige Größen der in der Mcrrineverwaltung diese Auffassung sich aneignen, ist einstweilen nicht bekannt- Als sicher ist anzunehnren, daß bei dem nächsten Linienschiffs-Klassentyp — die Geschwader sind bekanntlich gleichartig gehalten — ein höheres Mittelartillerie-Kaliber gewählt werden wird- Schließlich nötigen die durch den russisch-japanischen Krieg gegebenen Erfahrungen auch, auf die Vervollkommnung der Strandbatterien bedacht zu sein, deren Bedienung der Matrosenartillerie zufällt- Da diese Batterien feste Ziele darstellen, sind sie von vornherein im Nachteil gegen ein von der See her operierendes Geschwader. Um nicht vorzeitig zum Schweigen gebracht zu werden, müssen daher die Batterien ausgesuchtes Geschützmaterial und ferner Mannschaften haben, die im gefechtsmäßigen Schießen auf schwimmende Ziele den höchsten Grad der Leistungsfähigkeit erreichen. Wie es um die russischen Strandbätterien bestellt ist, das wird der bevorstehende Kampf um Port Arthur mit besonderer Deutlichkeit erkennen lassen- Kirche und Schule. Verhältnis von Schule und Kirche. Da auf dem Königsberger Allgemeinen deutschen Lehrertag das Verhältnis von Schule und Kirche behandelt und dadurch wieder ins allgemeine Interesse gerückt worden ist, bittet man die „Darmst. Ztg.", daran zu erinnern, welche Stellung der Hessische evangelische Pfarrverein auf seiner Hauptversammlung in Mainz am 27. v. M. in dieser Frage eingenommen hat. Nach begründendem Referat von Pfarrer Wahl-Langen nahm man einstimmig folgende Resolution an: „Die Hauptversammlung des evangelischen Pfarrvereins im Großherzogtum Hessen würdigt die geschichtlich gewordenen Beziehungen zwischen Kirche und Volksschule, verkennt aber ebenso wenig die Entwickclungsfähigkeit dieser Beziehungen, wie sie die sich ergebenden Bedenken unterschätzt, zu denen die derzeitige Stellung der Pfarrer im Schulvorstand Anlaß geben kann. Wenn sie trotzdem ihrerseits auf eine Aender- ung der zurzeit geltenden gesetzlichen Lage nicht hindrängt, ist sie von der Ueberzeugung geleitet, daß die evangelischen Pfarrer auch mit Selbstverleugnung zu dienen bereit sein müssen, wo und so lange man ihre Dienste begehrt, und daß es nicht ratsam ist, gerade bei dem eigenartigen Verhältnis von Kirche und Schule dem ruhigen Gang der Entwickelung gewaltsam vorzugreifen. Angesichts der mehrfach öffentlich geäußerten, völlig ungerechtfertigten Unterstellung dagegen, als ob die evang. Pfarrer sich an die Behauptung des Vorsitzes im Schulvorstand herrschsüchtig, ehrsüchtig, oder aus wie sonst immer gearteten persönlichen Gründen anklammerten, hält sie es für eine Forderung der Selbstachtung von feiten des Pfarrerstandes, zu wünschen, es möchte von seilen der leitenden, staatlichen Stelle klar und unmißverständlich zum Ausdruck gebracht werden, daß der Staat zurzeit die Pfarrer von der Verpflichtung zur Uebernahme des Vorsitzes im Schulvorstande nicht befreit wissen, daß er auf die Dienste der evang. Pfarrer im Schulvorstand nicht verzichten will, wie sie anderseits erwarten muß, daß die Stellung der Geistlichen als Vorsitzender im Schulvorstand gesetzlich dahin geregelt werde, daß die Pflicht persönlicher Aufsichtsführung über die Lehrer beseitigt, und' daß dem Pfarrer als Vorsitzenden des Schulvorstandes von feiten der Behörden die Rücksichtnahme widerfahre, die ihm als gebildetem Manne und Diener der Kirche zukommt." Bezirkstag des Wezirksvereins Weide Kessen /und Nassau im deutschen Aleischerveröande". s. Lauterbach, 29. Mai. Das freundliche Städtchen Lauterbach prangte heute im festlichen Schmucke. Die Straßen waren mit frischem Grün geschmückt und fast jedes Haus beflaggt. Galt es doch, den echt deutschen Männern aus allen Kreisen des Groß- Herzogtums Hessen und der Provinz Hessen-Nassau einen Willkommens grüß zu bieten, welche zu ernsten Beratungen in Berufsfragen zusammengekommen waren. Es waren wohl insgesamt etwa 300 hessische Metzgermeister erschienen. Vormittags fand festlicher Empfang der auswärtigen Delegierten am Bahnhof statt und danach ein Frühkonzert im „Saalbau zum Johannisberg". Die Verhandlungen begannen nachmittags 3 Uhr im Kasinosaal. Als Ehrengäste waren die Herren Reichstagsabgeordneten Dr. W a l l a u und Landtagsabg. Döbler erschienen. Der Bezirksverband Baden-Pfalz hatte zwei Vertreter entsandt. Jin Namen der Fleischerinnung Lauterbach hieß Obermeister Duchardt die Anwesenden herzlich willkommen und brachte ein begeistert aufgenommenes Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und Se. Kgl. Hoheit den tembergischen Literatur des vorigen Jahrhunderts vertreten; nämlich Friedrich Theodor Vischer durch seine Briefe aus Italien, die sein Sohn, Professor Robert Vischer, hier zum erstenmal veröffentlicht und Eduard Mörike durch einen schönen Blütenstrauß ungedruckter Briefe, mitgeteilt durch Archivrat Dr. Krauß in Stuttgart; auch enthält das Heft die Gedenkrede, welche Dr. Otto Güntter, Professor am Stuttgarter Polytechnikum, bei der Jahrhundertfeier für Mörike gehalten hat. Von Hugo Wolf werden die ungedruckten Briefe an seine schwäbischen Fveunde, welche sich bekanntlich so große Verdienste um ihn erworben haben, zum Abdruck gebracht. Die zeitgenössischen Dichter des schwäbischen Landes, wie Isolde Kurz, die Brüder Weitbrecht, Karl Schönhardt, Eduard Paulus, Otto Güntter, Otto Gittinger, Theodor Mauch, August Reiff, Gertrud Ingeburg-Klett, Ernst Krauß, Hermann Hesse, Therese Köstlin sind durch ungedruckte Dichtungen vertreten; Chefredakteur Dr. Ernst Jaeckh in Heil- bromt gibt einen Ueberblick über das, was Württemberg zur Zeit auf poetischem Gebiete leistet, und Professor Richard Weltrich würdigt den schwäbischen Bauer und Philosophen Christian Wagner. Alle Buchhandlungen nehmen Vierteljahrsabonnements zu 3.50 Mark entgegen. Der Jahrespreis beträgt 12 Mark, das einzelne Heft kostet 1.50 Mark. — Intendant Emil Claar, der Leiter des Frankfurter Schauspiels, feiert, wie wir schon mitteilten, am 20. Juni sein 25jähriges Jntendanteiu-Jubiläum. Aus diesem Anlaß sind größere Festlichkeiten geplant und zu den künstlerischen Veranstaltungen soll auch die Aufführung einer der Bühnendichtungen des Jubilars gehören, vielleicht die romantische Dichtung „Königsleid", oder das moderne Schauspiel „Die Schwestern", das lange auf dem Spielplan der deutschen Schauspielhäuser stand. Es ist ein hübscher Gedanke, an diesem Tage nicht nur den erfolgreichen Theaterdirektor und Künstler, sondern auch den Schriftsteller zu ehren. Da sich Claar in weiten Kreisen der Bevölkerung Frankfurts der größten Beliebtheit erfreut und seine tterschützlerischen Agitationen, sowie die zahlreichen Beweise warmherziger Menschenfreundlichkeit ihm auch die Verehrung von Leuten sicherten, die sonst dem Theater fernstehen, wird das Jubiläum besonders herzliche Formen annehmen. Was Claar in den verflossenen 25 Jahren als Intendant geleistet, kann bei dieser Gelegenheit nicht erschöpfend genug gewürdigt werden: gerade die letzten Jahre mit ihren problematischen Verhältnissen haben seine außerordentlichen Fähigkeiten wieder ins hellste Licht gerückt. Großherzog Ernst Ludwig von Hessen aus- Der Bezirks Vorsitzende, Obermeister Lautz-Darmstabt, erklärte so dünn den Bezirkstag für eröffnet. Der Redner hieß im Namen des Vorlandes die Erschienenen, namentlich die Ehrengäste, willkommen und gab der Hoffnung Ausdruck, daß die diesjährige Tagung einen gedeihlichen Verlauf nehmen möge. Im Namen der Gäste dankte ReichstagKabgeordneter Dr. Wällau für die freundlichen Begrüßungsworte. Als Vertreter des Bezirks Baden-Pfalz übermittelte Herr Mö- singer-Mannheim der Versammlung herzliche Grüße. Der Vorsitzende widmete sodann dem verstorbenen Vorstandsmitglied Goldmann-Worms einen ehrenden Nachruf. Die Versammlung erhob sich zu Ehren des Verstorbenen von ihren Sitzen. Alsdann wurde in die Tagesordnung eingetreten. Aus dem vom Vorsitzenden erstatteten Jahresbericht geht hervor, daß der Bezirksverein im vergangenen Jahre wieder einen erfreulichen Zuwachs erhalten hat- Am Ende des Berichtsjahres gehörien dem Bezirksvereine 37 Innungen mit 1809 Mitgliedern und 21 Einzel- meistern an. Die Tätigkeit des Vorstandes bestand in der Ausführung der Beschlüsse des vorigen Verbandstages. Der Bericht wurde debattelos zur Kenntnis genommen. — Obermeister Schnell-Kassel referierte über die Pensionskasse des deutschen Fleischerverbandes. Der Redner wies auf die eminente Bedeutung der Kasse hin, welche namentlich für solche Kollegen bestimmt ist, die vom Glück weniger begünstigt sind- Die Versicherung umfaßt 3 Gruppen: Alters- und Invalidenversicherung, Mtwenversicherung und Waisenunterstützung. Leider habe sich bis jetzt eine verhältnismäßig geringe Anzahl Kollegen der Kasse angeschlossen. Der Redner ersucht darum die Anwesenden, in den beteiligten Kreisen für einen Beitritt zur Kasse zu agitieren- — Ueber die Ab änderung desReichsvieh- seuchengesetzes referierte Weidmann-Wiesbaden- Er führte aus, die durch das Reichsviehseuchengesetz bedingte Grenzsperre habe einen Mangel an gutem Schlachtvieh und gesundem Fleisch hervorgerufen. Um diesem Mangel abzuhelfen, hat der Minister verschiedene Abänderungsvorschläge gemacht, und diese dem Fleischer- verbande zur Begutachtung überwiesen. Der Berbands- vorstand hat seinerseits mehrere Abänderungsvorschläge gemacht und die Bezirke ersucht, sich über diese Abänderungen zu äußern. Der Redner beantragt, den Abänderungsvorschlägen des Hauptvorstandes zuzustimmen. Nach unerheblicher Debatte wird der Antrag angenommen. Ueber die Forderungen der M i l i t ä r b e h ö r d e bei der Vergebung der Fleischlieferungen referiert L a u tz - Darmstadt. In ausführlicher Weise verbreitet er sich über verschiedene in neuester Zeit militärischerseits erlassene Verordnungen, wonach bei Fleischlieferungen von den betr. Lieferanten verlangt wird, daß sie besondere Wurstküchen erbauen und Fleischabnahmestellen eigens für das Militär errichten, sowie die Wurstwaren nach besonderen von der Militärverwaltung erlassenen Rezepten herzustellen. Derartige Verordnungen seien geeignet, den Meistern unnötige Scherereien zu machen und im Publikum unbegründetes Mißtrauen hervorzurufen. Der Redner beantragt darum die Annahme folgender Resolution: „Der Bezirkstag stellt fest, daß die Militärbehörde,im Gegensatz zu anderen Behörden des Reiches und der Bundesstaaten durch ihre Maßnahmen die dringend gebotene Unterstützung des kleinen Handwerkerstandes nicht in dem Maße zu fördern bestrebt ist, wie dieses im Interesse dieser großen Erwerbsgruppe zu wünschen ist. Insbesondere sind die Anforderungen, die bei der Vergebung der Fleiscylieferrmgen gestellt werden, derart, daß sie verteuernd auf die Lieferung wirken müssen, und jede allgemeine Bewerbung ausschließen." Die Resolution wurde einsttmmig angenommen. — Reichstagsabgeordneter Dr. Wallau versprach, bei der Beratung des nächstjährigen Militäretats diese Angelegenheit im Reichstage zur Sprache zu bringen. — Nach einem Referate von Schwarz-Fulda über das preußischeSchlacht- hausgesetz beschloß der Bezirkstag folgende Resolution: Der Bezirksverein nimmt mit Bedauern Kenntnis davon, daß zwar die gebührenpflichtige Nachbeschau in den preußischen Schlachthosgemeinden vom 1. Oktober aufgehoben werden soll, während auf der anderen Seite von einer allgemeinen Revision des preußischen Schlachthausgesetzes, insbesondere des § 5 betr. Gebührenerhebung (in Verbindung mit § 11 des preußischen Kommunalabgabengesetzes) zunächst Abstand genommen worden ist. Er spricht die bestimmte ^Erwartung aus, daß wenigstens der § 11 des preußischen Kom- munalabgaben-Gesetzes alsbald aufgehoben wird, und alle Ueberschüsse aus dem Schlachthausbetriebe nur zu Schlachthauszwecken Verwendung finden dürfen. Für die Gründung von Jnnungs fach schulen sprach sich in einem längeren Referate Schilf-Mainz aus- Die Metzgerlehrlinge bedürften einer vielseitigen Bildung, und biefe sei nicht in den allgemeinen gewerblichen Fortbildungsschulen, sondern in besonderen Jnnungsfach- schulen zu erlangen. Obermeister Lautz-Darmstadt referierte sodann über die staatliche Schlachtviehversicherung. In eingehender Weise führte Redner aus, daß von der staatlichen Schlachtviehversicherung nichts zu erwarten sei, und es sich empfehle, daß die Innungen eigene Schlachtviehversicherungen ins Leben riefen. An dieses Referat schloß sich eine lebhafte Debatte. Hiernach erstattet Kröcker-Offenbach den Kassenbericht. Die Einnahmen betrugen im vergangenen Geschäftsjahre 2483 Mk., die Ausgaben 1427 Mk., sodaß ein Bestand von 1055 Mk- vorhanden ist. — Die Versammlung wählt zwei Herren zur Prüfung des Kassenberichts. Diese prüften den Bericht und erklärten ihn für richtig, worauf dem Kassierer Entlastung erteilt wurde. Bei der nun folgenden Vorstandswahl wurden die ausscheidenden Herren Lautz, Kröcker, Lanz, Schindler, Duchardt, Cellarius wiedergewäblt und für den verstorbenen Herrn Goldmann wurde Goldschmidt-Worms gewählt- — Ferner wählte der Bezirkstag Obermeister Lautz-Darmstadt als Delegierten in den Verbandsvorstand. Die Wahl der Delegierten zum Verbandstage^wurde dem Vorstande überlassen und als Reisekosten eine Summe von 500 Mk. bewilligt. Als Ort für den nächsten Bezirkstag wurde Kreuznach gewählt. Unter Punkt „Verschiedenes" hielt Schilf- Mainz einen Vortrag über „Unsere Pflichten zur Berufs- genossenschaft". Der Redner erläuterte die wichtigsten Bestimmungen der Berufsgenossensck)aft und die Pflichten der Kollegen gegenüber der Berufsgenossenschaft; besonders müßten die Unfallverhütungsvorschriftcn erfüllt werden, damit die Unfallgefahr vermindert werde, was von großem Einfluß auf die Höhe der Mitgliederbeiträge sei- Auch die Führung des Lohnbuches sei unumgänglich notwendig zur Feststellung der jährlichen bezahlten Löhne, weil danach die Höhe der Beiträge fixiert wird- Uebrigens wäre es müßig, auf Bezirkstagen mit Vorwürfen oder Klagen zu kommen. Der richtige Weg sei bei allen deratigen Angelegenheiten eine schriftliche Eingabe an den Vorstand. Der Vortrag wurde mit lebhaftem Beifall ausgenommen. Damit ist die Tagesordnung erledigt und der Vorsitzende erklärte den Bezirkstag für geschlossen. Abends fand ein Festessen mit nachfolgendem Kommers im „Saalbau zum Johannisberg" statt- — Der folgende Tag (Montag) war Ausflügen in die Umgebung Lauterbachs gewidmet. Aus Stadt und Land. Gießen, den 31. Mai 1904. Personalien. Se. Kgl. Hoh. der Großherzog haben den Diplom-Ingenieur Otto Rayß zu Darmstadt zum Assistenten bei der Dampfkessel-Inspektion ernannt. — Das Ehrenzeichen für Mitglieder freiwilliger Feuerwehren wurde verliehen durch Allerhöchste Entschließung Sr. Kgl. Hoh. des Großherzogs vom 4. Mai ds. Js. den Mitgliedern der freiwilligen Feuerwehr zu Gau-Algesheim Jakob Vischel, Peter Metz und Quirin Stegmayer. — Se. Kgl. Hoheit der Großherzog haben den Techniker Georg Teichmann aus Passendorf zum Hauptlehrer an der Gewerbeschule in Michelstadt i. O. ernannt. Das Großh. Hess. Regierungsblatt (Beil. Nr. 14) enthält: 1. Bekanntmachung, betreffend die Ausführung der Verordnung, die Bildung einer Ministerial- abteilung für Landwirtschaft, Handel nnd Gewerbe betreffend, vom 17. Januar 1900. 2. Bekanntmachung, die Ergebnisse aus der Rechnung der Staatsschuldenverwaltung für das Etatsjahr 1900/1901 betr. 3. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern genehmigten Umlagen zur Bestreitung der Kommunalbedürfnisse der Stadt Gießen im Rechnungsjahre 1904. 4. Uebersicht der von Großh. Ministerium des Innern für das Rechnungsjahr 1904 zur Bestreitung der Kommunalbedürfnisse in den Landgemeinden des Kreises Gießen genehmigten Umlagen. 5. Dienstnachrichten. 6. Erhebung in den Fürstenstand. 7. Charaktererteilungen. 8. Konkurrenzeröffnungen. 9. Berichtigung. '* Extrakonzert des Konzertvereins. Die ver- ehrten Mitglieder des Konzertvereins werden hiermit darauf aufmerksam gemacht, daß die Jnterimskarten, welche bereits gelöst sind, gegen die Konzertkarten jederzeit bei Herrn Ernst Challier (Musikalienhandlung) umgetauscht werden können, und daß die Liste zum Einzeichnen der Konzertvereinsmitglieder behufs Preisermäßigung für die Sperrsitzkarten bis spätestens Sonntag, 5. Juni, 1 Uhr daselbst aufliegt. * * Boettge-Konzert. Zu dem am 10. Juni abends im Neuen Saalbau stattstndenden Konzert ist vorauszuschicken, daß die Kapelle es unternommen hat, dem Publikum ein getreues Bild von der historischen Entwickelung der National- musik aus aller Herren Länder zu geben. Man wird dazu die Mitwirkung besonderer Instrumente beobachten können. * * Der Evangelische Kirchengesangverein beabsichtigt, wie uns mitgeteilt wird, am Sonntag den 19. Juni, abends 8 Uhr, in der Stadtkirche ein Konzert zum Besten der evang. Gemeinde Judenburg in Steyermark, des besonderen Pstegekindes der hessischen Landeskirche, zu veranstalten. Herr Pfarrvikar Göttert, der von Hessen dorthin geschickt worden ist und der nun nach jahrelangem Harren endlich die Erlaubnis zum Predigen erlangt hat, hat dringend gebeten, der armen Gemeinde, die schon so viele Opfer gebracht hat und nun endlich sich ihrer neuen Kirche erfreut, auf diesem Wege zur Beschaffung von Glocken behilflich zu sein. Der Eoangel. Kirchengesangverein hat geglaubt, sich dem nicht entziehen zu dürfen, und rechnet nun auf die werktätige Unterstützung der evangelischen Gemeindeglieder. Er hofft, obwohl seine Kräfte für die auf den 24. Juli geplante Aufführung aus Anlaß seines 25jährigen Stiftungsfestes sehr in Anspruch genommen sind, mit Hilfe hiesiger und auswärtiger musikalischer Kräfte den Besuchern des Konzertes etwas bieten zu können. Das Eintrittsgeld wird sehr mäßig bemessen werden. ” Aus dem Militär-Wochenblatt. Beamte der Militär-Justizverwaltung: Platz, Kriegsgerichtsrat vom Gouvernement Mainz zum Oberkriegsgerichtsrat ernannt und dem Generalkommando des II. Armeekorps überwiesen. — Linck, Koch (Wilhelm), Bramm, Kriegsgerichtsräte von der Großh. Hess. (25.) bezw. der 8. Div. bezw. vom Gouvernement Straßburg i. E., zu den Gouvernements Mainz bezw. zur Großherzogl. Hess. (25.) und zur 8. Div. versetzt. * * Hessischer Richterverein. Die Hauptversammlung des Heffischen Richtervereins fand am 28. Mai unter Vorsitz des Oberlandesgerichtsrats Keller-Darmstadt zu Frankfurt a. M. in der „Rosenau^ statt. Eine zahlreiche Beteiligung der Mitglieder legte Zeugnis ab von dem lebhaften Interesse, mit welchem die Tätigkeit und die Bestrebungen des Vereins begleitet werden. Nach Erledigung der regelmäßigen geschäftlichen Angelegenheiten wurde cm Stelle eines durch den Tod ausgeschiedenen Vorstandsmitglieds Landgerichtsrat Lang-Darmstadt in den Vorstand neu gewählt. Aus den Verhandlungen ist hervorzuheben, daß eingehende Erörterungen über die Haftpflichtversicherung der Mitglieder stattfanden, und daß der Verein nach reger Besprechung x in einer einmütig angenommenen Resolution Stellung nahm gegen die Bestimmung eines hessischen Gesetzentwurfes über die Ruhestandsversetzung von Richtern mit Eintritt eines bestimmten Lebensalters, die sich nach Ansichl der Versammlung mit der Tendenz und den Vorschriften des Gerichtsoerfassungsgesetzes nicht vereinigen läßt. — An den geschäftlichen Teil der Verhandlungen schloß sich ein gemeinsames Mittagsmahl und hierauf eine zwanglose Vereinigung im Palmengarten an, so daß auch der freundschaftliche und kollegiale Verkehr unter den Mitt'rdern zu seinem Rechte kam, und zum ernsten Worte sich der heitere, herzerfrischende Scherz gesellte. Man nahm von diesem Tage Abschied mii der Hoffnung, daß der anregende Verlauf der Versammlung dazu beitragen werde, der Einladung zur nächstjährigen Tagfahrt nach Frankfurt einen vollen Erfolg zu sichern. • • Prüfung für Apotheker. Aus der vom Bundesrat beschlossenen neuen Prüfungsordnung für Apothoker entnehmen wir folgendes: Der Meldung zur phaarmazeutischen Vorprüfung ist u. a. beizufügen: der Nachweis der erforder- i lichen wissenschaftlichen Vorbildung durch das von einem Gymnasium, einem Realgymnasium oder einer Oberrealschule j Johanna Ehrnke, geb. Johannes Ehmke, 69 Jt starben an: Schwierig ist hier die Beitritt zur Genossenschüft erklärten. getroffen, die Fortsetzungen der dem Lande zu beiden Seiten Die hiesige gemeinnützige auf heute eine Versammlung Anzahl der Anwesenden ihren Wendungen für Bewachung der Wege 120 000 Mk., iuuegaoen uno Versicherung gegen Unfälle, 8000 Mk. für jede der zehn Firmen, 80 000 Mk, Allein die französischen türmen hätten danach für ihre Probefahrten nacht weniger als 1400 000 All. aufzubringen. Niederlegung der Wälle vom MilitärsiskuS zur Verfügung gestellt wird. Indessen hofft man, daß insbesondere für den hier in Rede stehenden gemeinnützigen Zweck ein Geländeabschnitt zu mäßigem Preise abgegeben werden wird. Worms, 30. Mai. Der nationalliberale Verein des Wahlkreises Worms-Heppenheim-Wimpfen hielt gestern nachmittag im unteren großen Saale des Kasinos eine äußerst zahlreich besuchte Vertrauensmännerversammlung ab, worauf Reichstagsabgeordneter Freihcr Heyl zu Herrnsheim einen zweistündigen Vortrag über die Arbeiten des Reichstages und über die brennenden Tagesfragen hielt, unter denen begreiflicher Weise die hessische Wahlrechtsvorlage einen entsprechenden Raum einnahm. Die Darlegungen gipfelten in dem Vorschlag, daß der Regierungsentwurf in seiner vorliegenden Form in Verbindung mit dem Antrag Gutfleisch abzulehnen sei und zwar wegen mangelnder Kautelen, ohne die zweifelsohne der Sozialdemokratie und dem Zentrum Vorschub geleistet werden würde. Landtagsabgeordneter Reinhart begründete seinen bekannten entgegengesetzten Standpunkt, indem er u. a. die Vermehrung der Mandate und die dreijährige Staatsangehörigkeit für völlig ausreichende Kautelen gegen das direkte Wahlrecht erklärte. In ähnlichem Sinne, wenn auch nicht ganz so unbedingt, sprach sich Herr C. Weißheimer-Osthofen aus, während Herr Franz Best, gleichfalls aus Osthofen, sich völlig auf den Standpunkt des Freiherrn von Heyl stellte. In einer sich anschließenden Auseinandersetzung zwischen dem Landtagsabgeordneten Reinhart und Redakteur Hans von Trützschler rechtfertigte dieser kurz das bisherige Verhalten der „Worms. Z." in der Wahlrechtsangelegenheit. Das Gesamtergebnis der Versammlung läßt sich im Großen und Ganzen nach der „Worms. Ztg." dahin zusammenfassen, daß die nationalliberalen Vertrauensmänner des Wahlkreises Worms-Heppenheim-Wimpfen übereinstimmend einverstanden sind mit dem vom Wormser Lokaloorstand vor Kurzem dem Landtagsabgeordneten Reinhart übermittelten Beschluß, wonach der Antrag Gutfleisch zu verwerfen sei. Einschließlich des Abgeordneten Reinhart erschien der Versammlung die Einführung des Reichstagswahlrechtes in Heffen für nicht zulässig. Frankfurt, 30. Mai. Die beiden Söhne eines in der Kronprinzenstraße wohnenden Weinhändlecs stießen gestern nachmtttag in der Wohnung beim Spielen gegen einen mit heißem Wasser gefüllten Kessel, so daß dieser umsiel und der Inhalt sich über die beiden Knaben ergoß. Der ältere, im Alter von 12 Jahren, erlitt schwere Verbrennungen an der Brust, am Rücken und den Armen, so daß er nach dem städtischen Krankenhaus verbracht werden mußte. Mannheim, 30. Mai. Ein schreckliches Unglück ereignete sich heute vormittag kurz nach 9 Uhr in der mechanischen Werkstatt von Andreas König, Dalbergstraße 6/8. Es geriet ein Schlosserlehrling, der erst an Ostern in die Lehre trat, in das Schwungrad, wodurch dem bedauernswerten Jungen das Genick eingedrückt wurde und der Tod sofort eintrat. Aschaffenburg, 30. Mai. Ein Grabdenkmal für den verstorbenen Bürgermeister v. Medicus soll errichtet werden. Auf das Ausschreiben des Stadtmagistrats an die hiesigen Bildhauer und an verschiedene auswärtige Architekten sind Modelle und Zeichnungen über Grabdenkmäler in reichlicher Zahl eingelaufen. Zur Auswahl der besten Entwürfe wurde eine Kommission ernannt. auch werden Veranstaltungen ehemaligen Römerbrücke auf des Flusses zu konstatteren. g. Kastel, 29. Mai. Baugenossenschaft hatte einberufen, in welcher eine Grund st ücksfrage, weil zur Bebauung in der Hauptsache nur das Gelände m Betracht kommt, welches infolge - der Annu: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie vie der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke kommen. Wöchentliche Wttflcht der Todesfälle m der Stadt Eießen. 17. Woche. Vom 17.—23. April 1904. Einwohnerzahl: angenommen zu 27 500 linkt. 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 18,90 nach Abzug von 6 Ortsfremden: 7,56 °/cc. • Frisch eing'etrofleu: Schwarze und rote Kirschen, sowie frische Apfelsinen. Cara Scfowaabj Hofdelikatessenhandlung. Telephon 265. 324 Seltersweg 23. iS* 6tt des Deutschen Reiches ausgestellte Zeugnis der Reife für Prima. Inhaber eines Zeugnisses einer Oberrealschule haben außerdem den Nachweis zu erbringen, daß sie bereits bei Zulassung zur Apothekerlaufbahn in der lateinischen Sprache diejenigen Kenntnisse besessen haben, welche für die Versetzung nach der Obersekunda eines Realgymnasiums erforderlich sind. Dieser Nachweis ist durch ein auf Grund stattgehabter Prüfung ausgestelltes Zeugnis eines Gymnasiums oder Realgymnasiums zu führen. Zulaffung zur pharmazeutischen Prüfung ist bedingt durch den Nachweis einer nach bestandener pharmazeutischer Vorprüfung und vor Beginn des Universitätsstudiums in Apotheken des Deutschen Reiches zugebrachten Gehilfenzeit von mindestens einjähriger Dauer und eines durch ein Abgangszeugnis bescheinigten sachgemäßen Studiums von mindestens vier Halbjahren an einer Universität des Deutschen Reiches. Dem Besuch einer Universität steht der Besuch der Technischen Hochschulen zu Stuttgart, Karlsruhe, Darmstadt und Braunschweig gleich. + Kirch-Göns, 30. Mai. Unsere Haltestelle an der Main-Weser-Bahn besteht erst seit Dezember 1903 und seit 1. Mai ds. Js. halten jetzt mit Ausnahme eines Zuges alle Personenzüge, im ganzen 23, ein Zeichen, daß der Verkehr sehr gut ist. Die Straße nach dem Bahnhofe geht ihrer Vollendung entgegen. Die Gesamtkosten für Errichtung der Haltestelle und die Anlage der Straße belaufen sich auf etwa 15 000 Mk. Man hofft, daß in einigen Jahren auch eine Güteroerladestelle eingerichtet wird. — Um die ausgeschriebene zweite Schul stelle haben sich zwölf Lehrer beworben. c. Gleiberg, 29.Mai. Anläßlich seiner 40jährigen Betriebstätigkeit veranstaltete heute der Schuhmachermeister Johs. Schäfer aus Kinzenbach mit seiner Kundschaft in Gleiberg ein Fest, welches bis zur späten Abendstunde bei Gastwirt Feuser mit Gesang rc. gefeiert wurde. Seinem Sohne übertrug er als Nachfolger von diesem Tage an sein Geschäft. § Butzbach, 29. Mai. In der am Ende der Weiseler Sttaße gelegenen kleinen Kirche wurde während des Gottesdienstes der interessante historische Wendelin sch rein gezeigt, welcher vormals die Reliquien St. Wendelins enthielt. Letzterer, einer Königsfamilie in England entstammend, soll einer alten Ueberlieferung zufolge als Einsiedler in Deutschland, dann als Abt des Klosters Thaley segensreich gewirkt haben und dort gestorben sein. Da sein Grab wiederholt auf unerklärte Weise offen gefunden worden war, fuhr man die Gebeine mit einem von Stieren bespannten Wagen in der Richtung nach Wendelins Klause in Deutschland; unweit der oben erwähnten Kirche brach ein Rad, was die begleitenden Mönche veranlaßt habe, die Reliquien bei der Hospitalkirche zu bestatten. Diese Legende ist auf der einen Seite des heute geöffneten kunstvollen Schrankes hübsch illustriert; auch andere sind darauf gemalt. rm. Burg-Gräfenrode, 26. Mai. In würdiger Weise brachte man heute dem hiesigen Ortsgeiftlichen, Geh. Kirchenrat v. Kalb Henn, der am 25. ds. Mts. in Hirschhorn sein 50 jähriges Amtsjubiläum gefeiert hatte, eine Nachehrung dar. Um 9 Uhr morgens begrüßten die Schulkinder unter Lehrer Vetter den Jubilar mit Choralgesang; Herr Vetter hielt eine Ansprache, mit einem Hoch auf den Jubilar schließend. Herzlichst dankte der Jubilar. Auch die Kirche war durch die Schulkinder in anmutiger Weise mit Tannen-Guirlanden und Blumen geschmückt worden, so daß sie einen weihevollen Eindruck machte. In der Predigt dankte der Jubilar in bewegten Worten für die ihm von der Gemeinde hier und in Hirschhorn zuteilgewordenen Ehrungen und Aufmerksamkeiten, in der Hoffnung, auch ferner noch in der Gemeinde wirken zu können. Am Abend erschien der Kriegerverein im Pfarrhofe, durch zwei Liederoorträge den Jubilar begrüßend. Sein Dankcswort schloß der Jubilar mit einem Hoch auf den Großherzog. + Gedern, 30. Mai. Se. Durchl. der Fürst zu Stolberg-Wernigerode weilt gegenwärtig auf hiesigem Schlosse und gedenkt 6 Wochen hier zu bleiben. g. Mittelgründau, 29. Mai. In der Nacht vom 27. auf 28. ds. Mts. wurde auf der hiesigen Haltestelle ein frecher Ernbruchsdiebstahl verübt. Die Diebe waren durch das Fenster, das sie nach dem Eindrücken einer Scheibe geöffnet hatten, in das Dienstzimmer gelangt. Hier durchwühlten sie alle Schubladen und erbrachen eine eiserne Kassette gewaltsam mit Hülfe einer Axt. Sie erbeuteten jedoch nur ca. 13 Mk. und eine dem Haltestelleverwalter gehörige Kiste mit Zigarren. Außerdem nahmen sie noch zwei Regenschirme mit. — In derselben Nacht wurde, anscheinend von denselben Dieben, in das Haltestellegebäude zu Lieblos eingebrochen. Hier mußten die Diebe jedoch mit leeren Händen abziehen. Von den Tätern fehlt jede Spur. — Bei dem in verflossener Nacht niedergegangenen schweren Gewitter schlug der Blitz in die Scheuer der Fr. Neininger Wtw. ohne jedoch zu zünden. Das Gebäude wurde aber durch die Gewalt des Blitzstrahls fast vollständig demoliert. Offenbach, 28. Mai. Flußbaubeamte aus Hessen und Preußen veranstalteten vorgestern nachmittag von Seligenstadt aus eine Strombereisung auf dem Maine biH nach Frankfurt. In ihrer Begleitung befand sich Ministerialrat Soldan aus Darmstadt. Hervorragendes Interesse beanspruchten nach der „O. Ztg." bei dieser Gelegenheit die Ueberceste einer Römerbrücke, welche bei Klein-Krotzenburg den Mainstrom rechtwinklig durchquerte und zwischen dem „Römerbrunnen" und dem „Römerkastell" bei Groß- Krotzenburg das jenseittge Mainufer erreichte. Diese römische Verbindungsstraße dürste auf 6 bis 8 Land- und Strompfeilern geruht haben. Die meisten derselben wurden im Herbste 1903 gehoben. Elf dieser interessanten Pfähle werden demnächst nach der Saalburg verbracht, während der Rest verschiedenen Museen einoerleibt wird. Die drei neuerdings entdeckten Pfeiler sollen in Kürze ebenfalls gehoben werden; * betreffend. I» te Ergebnisse altun9 für das )er von Großh. ' M Bestreitung ,m Rechnungs- Ministerium des Bestreitung bet en bes Kreises Achten. 6. lungen. 8. Kon- Kinder Zusammen: Erwachsene: im vorn 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr Nuiversttäts-Hlachrichteu. (n.) Marburg, 29. Mai. Dem Marburger Landgerichts- direktor I e ß ist die Stelle des Universitätsrichters an der dortigen Universität nebenamttich übertragen worden und zwar als Nachfolger des bisherigen Universitätsrichters Staatsanwallschastsrat Ganslandt. Landwirtschaft. X Friedberg, 30. Mai. Bei der gestrigen Hauptver- sammlung des Oberhessischen Obstbauvereins wurde mit allgemeiner Zufriedenheit die äußerst günstigen Aussichten auf eine reiche Obsternte in allen Teilen Oberhessens betont; von fachmännischer Sette erwartet man ein Obstjahr wie 1893; Zwetschen, Pflaumen, Birnen und Aepsel haben sehr gut angesetzt. Professor Reichest von der Obstbauschule Friedberg schätzt den Wert der Kirschenernte auf ca. 150 000 Mark. Die großen Kirschbaumanlagen . bei Rosbach und Ockstadt versprechen eine reiche Ernte. (b.) Gründerg. 28. Mai. Auf dem heutigen Wochenmarkt wurden verkauft: 72 Zentner Kartoffeln, ü Zentner 2,40—2,50 Mark. Butter kostet ä Pfund 90 Pfg. Eier 5 Pfg. das Stück. )( Vom oberen Vogelsberge, 30. Mai. Die seitherige günstige Witterung hat den Pflanzenwuchs ungemein gefördert. Tie Wiesen haben einen reichen Grasansatz; die Som- merftucht zeigt Aehren von vielversprecherrder Länge; eine ebenso schöne Entwicklung zeigen die Hackfrüchte. Seit langer Zeit tragen die Obstbäume, besonders die Birne, keinen so reichen Fruchtansach, wie in diesem Jahre. Wenn der Himmel günstig ist, steht ein gutes Erntejahr bevor. Kornhäuser. Auf Grund eines mündlichen Berichtes der Herren Caron und Rcxerodt wurde in der letzten Vorstandssitzung der Landwirtschaftskammer für den Reg.-Bezirk Kassel beschlossen, an den Herrn Minister eine dringende Eingabe zu richten, daß über die Gestaltung der Verhältnisse, der Kornhäuser in Hessen in kürzester Zett Klarhett geschaffen werden möge, da andernfalls die Erfolge des genoffen- schastlichen Getteideverkaufs infolge der Unmöglichkeit, die nötigen Dispositionen rechtzeitig treffen zu können, stark herabgedrückt würden. Auch den hessischen Abgeordneten soll die Angelegenheit unterbreitet werden. Hinsichtlich des Hanauer Kornhauses «ist, wie wir kürzlich melden konnten, Klarhett insofern vorhanden, als es käuflich an die Kornhausgenossenschaft übergehen wird. eins. Die oer hiermit baraui welche bereits eit bei Herrn getauscht werben !r Konzertvereins. I >ie Sperrsihkarten1 1 Uhr daselbi;' vermischter. * Breslau, 29. Mai. Bei dem heutigen Zweirad-Stunden- rennen um den großen Preis von Breslau ereignete sich ein schwerer Unglücksfall. Ein Kellner überstieg, in beiden Händen Bier tragend, die Schranke, und wurde von dem Schrtttmacher- Motorrad des Rennfahrers Robl erfaßt, überfahren und schwer verletzt. Robl wollte ausweichen, kam zu Fall, und wurde am Bein verletzt. Der Führer des Motorrads verstauchte sich den Oberarm. Das Rennen um den Preis von Breslau siel aus. * Ludwigsburg, 30. Mai. Heute nacht wurde die Wirtsfrau Grabherr „zum Hirsch" hinter dem Schenktisch durch einen Sttch in den Unterleib ermordet. Der Schwerverbrecher. „Haben Sie vor Ihrer Hinrichtung noch einen Wunsch?" — „Ja, i' möcht no' so lang leb'n, bis der bayrische Landtag g'schlossen wird!" (Wenn man die endlosen Berichte in den bayrischen Blättern liest, kann man diesen Scherz der „Münchener Jugend" gut verstehen. Die Red.) Sp-rt. Radsport. Zu der Zuverlässigkeits-Motor-Zweiradfahrt Frankfurt a. M.—Hannover haben sich bisher 120 Fahrer gemeldet. Tie ersten Fahrer werden zu vieren am Samstag den 4. Juni morgens um 5 Uhr den Start verlassen und kurz vor 6 Uhr die Kontrollstation Gießen (Restaurant Kaltwasser) passieren. Tie folgenden Fahrer werden in Pausen von 4 zu 4 Minuten abgelassen werden und bei Kaltwasser zwischen 6—8 Uhr vorbeifahren. Rudersport. Sett einigen Tagen sehen wir den Altmeister des Rudersports, den bekanntlich bereits zweimal sieggekrönten Meister von Deuffchland, Albert Rübsamen, fleißig im Skiff auf der Lahn trainieren. Zu bewundern ist bei dem bewährten Kämpen, der in den letzten Jahren kein Ruder mehr in der Hand batte, die vorzügliche Form und Technik, sowie dessen ausgezeichnete Wasserarbett. Bei sehr schönem leichten Ruder nimmt das Boot sehr guten Fortgang. Ob Rübsamen heuer an dem Kamps um die Meisterschaft in Deutschland auf dem Mainzer Wasser teilnimmt, ist noch nicht entschieden, die Absicht scheint er aber nach seinem ernstlichen Training zu haben. Darmstadt, 30. Mai. Unter dem Protettorat S. K. H. des Großherzogs von Hessen häll die Darmstädter Lawn- Tennis-Vereinigung in den Tagen vom 10. bis 13. Juni ihr erstes offenes Turnier ab. In den früheren Jahren hat die Vereinigung wohl auch schon Turniere abgehalten, doch waren sie nur interner Natur. Es ist deshalb mit Freude zu begrüßen, daß nun in Darmstadt ein offenes Turnier stattfindet, und es verspricht nach den bis jetzt in Aussicht stehenden Meldungen sehr interessant zu werden. — Ein kostspieliges Vergnügen sind die Automobil-Wettfahrten, wie sie jetzt wieder um den Gordon Bennet-Pokal veranstaltet werden. Der Direktor einer der ersten französischen Motorwagenfabriken hat kürzlich erklärt, er hoffe, daß die jetzige Wettfahrt die letzte sein werde. Abgesehen von den Ausgaben müßten sie fünfzig ober sechzig ihrer besten Leute fortschicken, die für die Wagen unterwegs zu sorgen hätten. Die Unglücksfälle während der Fahrt Paris—Madrid hätten außerdem bewirkt, daß die Wettfahrt mehr Schaden als Stutzen brachte, da Leute, die kaufen wollten, durch die anscheinende Gefährlichkeit des Sports adgeschreckt wurden. Die Industrie brauche solche Schaustellungen nicht mehr. Die Kosten der Probefahrten, die zur Auswahl der französischen Wettbewerber um den Gordon Bennet-Cup in dem Ardennenbezirk stattfinden, stellen sich nach der Schätzung eines Sachverständigen wie folgt: Treißg Rennwagen, die besonders für die Wettfahrt gebaut, für andere Zwecke ganz unbrauchbar und deshalb nachher ganz unverkäuflich sind, je 40 000 Mk., zusammen 1 200 000 Mk.; Aus- Beerdigte. Matthäusgemeinde. Den 19. Mai. Ludwig Kliffmüller, Schuhmacher, ein Witwer, 78 Jahre alt, starb den 19. Mai. — Lukasgemeinde Den 20. Mai. Karoline Bundt, Witwe des Rittergutsbesitzers , Jahre alt, starb den 18. Mai. — 23. Elisa- bethe Walther, Witwe des Schmiedes Philipp Walther, 71 Jahre alt, starb den 23. Mai. — 24. Katharine Mäht, geb. Pfeiffer, Ehefrau des Schaffners i. P. Johannes Mahr, 54 Jahre alt, starb den 24. Mai. — Johannesgemeinde. Den 23. Mai. Luise Labroisse, Tochter des verstorbenen Kaufmanns Louis Labroiffe, 73 Jahre alt, starb den 21. Mai. Auszug aus Le« Kirchenbücher» der Statt Kießeu. Evangelische Gemeinde. Getraute. Markusgemeinde. Den 22. Mai. Rudolf Peter Johannes Rietze, Architekt in Elberfeld, und Else Regine Franziska Steinhäuser. Tochter des Buchbindermeisters und Schreibmaterialienhändlers Konrad Steinhäuser zu Gießen. — Lukasgemeinde. Den 21. Mai. Otto Paul Hoffmann, Kaiser!. Landrichter in Zabern, und Elisabeth Schäcker, Tochter des verstorbenen Steuerrats Jakob Wilhelm Schäcker zu Gießen. — 25. Friedrich Karl Hermann Werner, Großh. Lehramtsaffeffor zu Laubach, und Johanna Krauße, Tochter des Musikdirektors Karl Krauße zu Gießen. — Johannesgemeinde. Den 22. Mai. Gottlieb Daniel Keßler, Lagerist in Offenbach a. M., und Karoline Laura Gerndt, Tochter des verstorbenen Stations-Assistenten Julius Adolf Gerndt zu Gießen. Getaufte. Matthäusgemeinde. Den 21. Mai. Dem Schreinermeister Karl Beil eine Tochter Irma Minna, geb. den 7. April. — 22. Dem Taglöhner Georg Prinz ein Sohn Wilhelm, geb. den 21. April. — Dem Taglöhner Philipp Spuck eine Tochter Anna Marie, geb. den 21. Mär§. — Dem Bureaugehilfen Heinrich Arnold eine Tochter Elly Elisabeths Auguste, geb. den 7. April. — Dem Heizer Karl Hupfeld ein Sohn Werner Philipp Wilhelm, geb. den 5. Febr. — Dem Portier zu Friedberg Hugo Herbert ein Sohn Hugo Wilhelm Fritz Karl, geb. den 9. Mai. — 23. Dem Fabrikarbeiter Karl Strack ein Sohn Heinrich, geb. den 5. Mai. — 24. Dem Fabrikanten Karl Georgi ein Sohn Hermann Ludwig Eduard, geb. den 20. Febr. — Markusgemeinde. Den 22. Mai. Dem Schuhmacher Wilhelm Schmidt ein Sohn Friedrich Wilhelm, geb. den 19. März. — Dem Glaser Theodor Schäfer eine Tochter Else Anna, geb. den 23. April. — Dem Lokomotivhilfs- Heizer Karl Hoelk ein Sohu Rudolf, geb. den 27. April. — 23. Dem Korbmacher Johann Georg Althaus ein Sohn Friedrich, geb. den 4. Mai. — Dem Drechsler Wilhelm Walther ein Sohn Heinrich Georg, geb. den 3. April. — 25. Dem Restauratenr Wilhelm Dreher eine Tochter Ella Auguste Lisette Karoline Frieda, geb. den 13. April. — Lukasgemeinde. Den 23. Mai. Dem Former August Müller eine Tochter Elisabetha Eleonora Margareta, geb. den 10. April. — Johannesgemeinde. Den 22. Mai. Dem Dachdecker Theodor Rohrbach ein Sohn Georg Heinrich, geb. den 19. April. — Dem Bäckermeister Heinrich Muller ein Sohn Adolf, geb. den 6. April. — Dem Spenglermeister Georg Dahmer ein Sohn Richard, geb. den 9. April. — Dem Dr. phil. Wilhelm Orth eine Tochter Mathilde Elisabeth Luise, geb. den 25. März. — Dem städtischen Straßenwärter Kaspar Becker eine Tochter Luise Katharine, geb. den 18. März. — Dem Brauer Wilhelm Rentmeister ein Sohn Karl Wilhelm Ludwig, geb. den 19. März. — 23. Dem Taglöhner Konrad Schneider eine Tochter Anna Juliane, geb. den 5. Mai. 10. Juni abenb; vorauszuschicken im Publikum ein j mg der National- Man wird baji bachten können, i iangverein be- tag den 19. ftur, !rt zum Beste-: i Steycrmark, Landeskirche, zu i der von Hessen : hü, hm i| die schon so viele ! ihrer neuen Sira: 4 wn Glocken beh^ | rem hat geglaubi, echnet nun aus bii I i Gemeindegliedri. den 24. Juli g-- | ährigen Stiftung- mit Hilfe hiesig Zesuchern des Kor Mgeld wird sch att Beamte d" gsgcrichtsrat «r hjZrat ernannt un. ■ überwiesen. - lerichtsräte von w. vom GouvM üs Mainz bezw. ?- ■ versetzt. Die fiauptversamr „ 28. ®«i* i ■It 6® 1*' e*iten „««lieben. » . *in"?9hk bieHSt W »4"S urf# * iteunlKV eite«. Ai-d/ I • Ä -ch'^oon 4 1904 LL-L "annt. _ S KLL ???'■ Hu 'S -"'chniann ^"beschule in BHlatt (Beil. « die Aus- Tuberkulose der Lungen 1 1 — —— Krebs 2 (2) 2 (2) —_ Knochenmarkentzündung 2(2) 2(2) _ _ Schlagfluß Eingekl. Bruch 3(1) 3(1) — —— 1 (1) Kl) — — Bronchitis 1 — 1 Summa: 10 (6) 9(6) — 1 Todes-Anzeige Herr Christian Nickel in fast vollendetem 27. Lebensjahre heute morgen 9x/4 Uhr plötzlich nach eintägiger Krankheit sanft entschlafen ist. Die trauernden Hinterbliebenen: Giessen, Partenheim, Wetzlar, den 30. Mai 1904. 4778 Die Beerdigung findet Mittwoch den 1. Juni, nachmittags 4 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt. ■ 1 Familie Familie Familie Scheuer. v. Roth n Huster. Familie Johannes Nickel. Grethchen Scheuer, Braut. Susanne Dippel, geb. Nickel. Johann Dippel. Wilhelmine Wellhöfer, geb. Nickel. Julius Wellhöfer. Teilnehmenden Verwandten, Freunden und Bekannten hiermit die schmerzliche Mitteilung, dass unser innigst geliebter Sohn, Bräutigam, Bruder, Schwager und Onkel Die Beerdigung findet Mittwoch den 1. $uni, nachmütagS 4 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt. •< -«5 _______________________________________________' __________________\ ■ -M^Lrieger-Vereill Wir erfüllen hiermit die traurige Pfiicht, unsere Mitglieder von dem x A Ableben des Kameraden ~ä Christian Aichal geziemend in Kenntnis zu setzen. 4776 Der Vorstand. Billig, kräftig, wohlschmeckend sind für 2 gute Teller Suppe. In großer Sortenauswahl und stets frisch vorrätig bei Wilh. Mayer, Grünbergerstraße 27. Das von mir geführte 3018 Mamzer Adienbter beliebt wegen seines angenehmen, milden Geschmackes, bekommt vorzüglich, weil es aus feinstem Hopfen und Malz gebraut und gehörig abgelagert ist. Es kostet die 7i Flasche 18 Pfg., y2 Flasche 9 Pfg. Wiederverkäufer erhalten Rabatt. Gotthilf Röhrle, “«T Telephon Nr. 344. 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