Nr. 282 Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulst*. K, Lei. Nr. 6L Letegr.-Adr. i An-etger G letzen» Zweites Blatt. 154. Jahrgang Mittwoch 30. November 1904 Wdjetnl «glich mü Ausnahme bei Sonntags. T A^ RoiattonSdruck und Verlag der Vrühllch« Die „Gießener LamiNendlStter- werden dem | M W *fln*e' ®‘eÖÄ ^Anzeige, viermal wöchentlich beigelegt. Der W N U U. WW i UN. W 13 M W K tz), Ä W M Whrlpjche Landwirt" erjcheuu monaUtch einmal. v Nar g ^8r KZ Sr m v SZ H SZ General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Der Krieg. Ans der Mandschurei Tokio, 29. Nov. Das kaiserliche Hauptquartier veröffentlicht folgende zusammen fassende Mitteilungen über die letzten Vorgänge in der Mandschurei: Am 27. November abends unternahm der Feind eine schwache Beschießung von Santaokuntsu und versuchte von 6y2 Uhr an einen Nachtangriff, der um 8i/2 Uhr zurückgeschlagen wurde. Während dieses Angriffs beschossen bei Weichialoutsu stehende feindliche Mörser' Santaokuntsu und Kanchiawotsu, sowie die Umgebung dieser Plätze, haben jedoch keinen Schaden angerichtet. Won Sonnenuntergang an beschossen die feindlichen Mörser und Feldgeschütze, die westlich von der Bahnlinie aufgestellt waren, unaufhörlich die Umgebung von Kuchiatsu. Gleichzeitig besetzte die feindliche Infanterie ein Dorf nordwestlich von Non- kuantsu und feuerte in der Richtung auf das nördlich von Kuchiatsu gelegene Dorf Siakochinfu. Am Abend um 81/2 Uhr hörte das Feuer nach und nach auf. Abends um halb 11 Uhr eröffnete feindliche Infanterie, die westlich der Eisenbahn am rechten Sch>ahoufer stand, ein unregelmäßiges Feuer, das um halb 12 Uhr nachließ. Es fanden mehrere Patrouillen-Scharinützel statt. Sonst ist die Lage unverändert. Petersburg, 29. Nov. General Ssacharow meldet dem Generalstab unterm 29. Nov.: Gestern nachmittag begann der Feind, der unsere Stellung bei Tsischet- sch en angriff, sich langsam zupückzuziehen. Unsere Vorhut verfolgte ihn. Sie wurde aus dem Dorf, das vier Werst vor der Position liegt, beschossen. Unsere Artillerie zwang den Feind, das Dorf zu räumen. In der Nacht zum 29. November liefen icine Meldungen über Kämpfe ein. Petersburg, 29. Nov. Generaladjutant Kurost a t t i n meldet dem Kaiser unterm 28. Nov.: Der am 28. Nov. wieder aufgenommene Kampf bei Tsischet- schen endigte gegen 11 Uhr mittags. Unsere Truppen sind eben dabei, in der Nähe unserer Stellungen im Zentrum und aus dem rechten Flügel die Gefallenen zu beerdigen. Bis 12 Uhr mittags wurden 2 30 japanische Leichen gefunden, die alle zum siebenten Reserveregiment und zur neunten Reserve-Brigade gehörten. Wiele Gewehre, Schanzzeug und andere Ausrüstungsgegenstände wurden erbeutet. lieber andere Kämpfe liefen am 28. Nov. keine Meldungen ein. Petersburg, 29. Nov. Der „Nuss. Tel.-Ag." wird aus Huanshan vom 29. ds. gemeldet: Die Japaner griffen gestern bei Tagesanbruch die Wteilung des Generals Rennenkampf an, wurden aber unter großen Verlusten zurückgeschlagen. Die Umgehung der rechten Flanke der Russen durch drei Kompagnien der Japaner wurde von einer russischen Batterie vereitelt. Tie Russen sammelten und beerdigten «3 0 0 gefallene Japaner und erbeuteten viele Waffen. Die Lage vor Port Arthur ist nach neuester japanischer Darstellung folgende: Was die Forts von Sungschuschan und ostwärts davon betrifft, haben wir auf den Kontreeskarpen und in deren Nähe die Kämme der Glacis stark befestigt, doch ist der Zeitpunkt des Angriffs noch nicht gekommen. Wir zerstören jetzt die Grabenkästen. Auf dem 203 Meter-Hügel gelang es uns, durch mehrere Angriffe die feindlichen Schutzgräben des Gipfels zu erobern. Wir halten jetzt diese Stellung besetzt und sind bemüht, das ganze Fort zu nehmen. „ . , . Petersburg, 29. Nov. Der Korrespondent der „Birschwija Wjedomosti" in Mukden telegraphiert am 29. November: Ein Kosaken-Offizier, der aus Port Arthur, wohin er vom Generalstab der Armee in Mukden gesandt worden war, wieder in Mukden eingetroffen ist, sagte ihm, er stieß in Port Arthur überall auf einen vortrefflich e n Ge i st. Alle seien dort der Ueberzeugung, daß Port Arthur nicht genommen werde. General Stössel sagte ihm persönlich: „Ich bin überzeugt, daß Port Arthur nicht genommen wird. Wir werden auf Entsatz war'ten." „ a , . t . Rom, 29. Nov. „Italia Militare" zufolge haben die Japaner mittels Dynamit den nördlichen Teil des tyons Erlungschan in die Luft gesprengt. Hrerb^ wurden 1 Russen getötet u.nd 20 Geschütze außer (^fecht gesetzt. 300 japanische Geschütze konzentrieren angenbhmicg ü)r tfeua iuf das Fort, dessen Fall stündlich erwartet wird. Friedensverhandlnrrgen? London, 29. Nov. Gerüchtweise verlautet, im Auswärtigen Amte erkläre man, daß, obgleich augenbllckluh eine Vermittelung zur Beilegung des ostasiatischen Krieges unangebracht sei, doch zwischen F^ukrerch und England Verhandlungen gepflogen werden, dahmgeherw, eine günstige Gelegenheit für eine Intervention abzuwarcen. Vorläufig handle es sich darum, dem Zaren die Absichten' desMikado mit zu teil en ; dieser werde nach dem Falle von Port Arthur eine Proklamation erlassen, worin er mitteilt, daß die Japaner auf jeden Besitz der Mandschurei verzichten. Sobald diese Prorla- matton erschienen sei, würden England und die Vereinigten Staaten sich mit derselben einverstanden erklären, unter der Bedingung, daß die russische Regierung jede Annexion der Mandschurei aufgibt. Nachdem dies geschehen, wurde die Basis für direkte Unterhandlungen auf diplomatischem Wege geschaffen sein. Die Untersuchung des Hüller Vorfalles. Baris 29. Nov. In denn heute abgehaltenen Minister- rate machte der Minister des Auswärtigen, Telcassö, von dem Wunsche Englands und Rußlands Mitteilung daß ein französischer Admiral als Mitglied des Schiedsgerichts zur Entscheidung M»? den Vorfall in der Nordsee ernannt werde Von der Reg'rung ist Admiral Fournier für diesen Posten bestimmt Mr die Verhandlungen des Schiedsgerichts wrrd das Palais hU Ministeriums des Aeußeren zur Verftigung gestellt werden. M Varis 20 Nov. Die Regierung der Vereinigten Staaten den Vizeadmiral Chadwick, Ofef der südatlantischen Motte zum Vertreter in der Hüller Kommission, uotf'xm 9CbmiraI Dcwe v abaelehnt hatte. Nüssen unterwegs. AuS dem französischen Hafen B r e ft kommt folgende Meldung vom 29. b. Mts.: Dos russische Torpedoboot „Pronzi- te l n y" ging heute nachmittag in das hiesige Arsenal. Das Schiff hatte^ im Aermelkanal einen heftigen Sturm zu bestehen, wobei der Schiffsrumpf an mehreren Stellen durchlöchert und das Steuer^ schwer beschädigt wurde. Die Havarien sind derartig, daß sie eine Gefahr für die Be- s a tz u n g bilden, sodaß die Reparatur im hiesigen Arsenal völkerrechtlich zulässig ist. Das Leben in Mukden. Von befreundeter Seite wird uns ein Bries, der a u s M u k d e n am 28. Oktober abgegangen ist, zur Verfügung gestellt. Ein höherer russischer Offizier, der den Feldzug im Stabe des 10. Armeekorps unter dem General Siutschewskii mitmacht, hat ihn geschrieben, tiefer das Leben und Treiben in der alten Hauptstadt der Mimdschu entnehmen tvir ihm nachstehende fesselnde Schilderung: Noch vor einem Mon^t herrschte in Mukfen die Stimmung eines halb in Ausbruch besindlickxm Feldlagers. Auf den Straßen und in den Läden drängten sich Soldaten. Mehr als die Hälfte der Geschäfte der Riesenstadt war aber geschlossen und jeder Handel wurde zaghaft und eilig abgeschlossen. Tie Schaufenster, wenn man diesen europäischen Ausdruck gebrauchen darf, waren geräumt, wertvolle Sachen in Kellern vergraben oder ganz fort- geschasft, das bessere Publikum über alle Berge: statt der Equi- pagen sah man auf den Straßen nur noch zweirädrige Baueim- gefährte und russische Trainkarren. Tie Chinesen glaubten ittcfe, daß der japanische Elan an unseren Feldbeftstigunaeu abpralleu werde und sahen uns im Geiste schon auf dem Rückzug nach Tjelin. Auch die Schätze des chinesischen Kaiserpalastes imirben nach Norden geflüchtet. Nun sind wir in den letzten Wochen um zwanzig Werst nach Süden vorgerückt und halten, statt am Hunho, am Schabo unsere Positionen. Oku, der „eiserne Soldat", hat uns nickt übermocht. Und sofort haben die Chinesen ihre Schlüsse daraus gezogen: die allgemeine Liquidation wird rückgängig gemocht. Als ich gestern hier ankam, erkannte ich Mulden kaum wieder. Alles ist von neuem so, wie cs vor unserem Rückzug nach Liaujang gewesen sein muß. In den Auslagen hängen mächtige Tigerfelle, Wildkatzen-, Zobel- und Blaufuckspelze, prächtige seidene Kleider. Jacken und Kaftans: man sieht kunstgewerbliche Sacken aus Marmor, Onyx, Jaspis und Bronze: auf den Ladenstufcn stehen Körbe voll Birnen, Weintrauben. Kastanien und Erdnüssen. Ta- zwischen bewegen sick fliegende Händler mit ihren Traglasten und rufen in tiefen Kehllauten, halb chinesisch, halb russisch. Zigaretten oder sonstige schöne Tinae zum Kaufe aus; Schubkärcner schreien und schiefen sich durch die Mmge, eine Herde Rindvieh wird getrieben, ein Berg von Kohlköpfen oder von Kauliang mitten Auf der Straße aufgehäust. Ein chinesischer Mandarin reitet auf einem mit unzähligen Schellen bimmelnden Esel, so gut es in diesem Tohuwabohu geht, in,die Innenstadt, hinterdrein auf einem großen Maultier mit kupfernem Behang eine reiche Chinesin in einer Art Sänfte, aus der sie zuweilen das bemalte Gesicht, die Pfeife im Mundwinkel, ferausstreckt. Vor dem Palast des mandschurischen Statthalters des Tsjan-Tsjun, stehen WäMer, in prächtigen, orangefarbigen Gewändern drängt sich die chinesische Beamtenschaft. Ein Bild von bestrickendem Reiz, trotz allen Verfalls und Schmutzes, dieses gemeinsamen Hintergrundes, von dem sich alles in China abhebt. Auf den Straßen sieht man zuweilen die possierlichsten Gruppen, wenn ein russischer Soldat und ein chinesischer Händler sich verständigen wollen. Tie Chinesen sind sehr sprachfertig und eignen sich schnell e in paar fremde Brocken an, da sie aber das r nicht aussprechen können, sondern statt dessen sich immer mit einem l behelfen müssen, gibt es fortgesetzt komische Mißverständnisse. Statt eines Samowars sollte so mein Bursche eine Buddhastatuette bekommen, bis ein Dolmetscher ihn zum rechten Laden führte. Gut Ist es, daß wenigstens die Sprache des baren Geldes Überall verstanden wird. Ter Rubelkurs ist gestiegen, und die unverschämten Preise sinken seit unserem Abmarsch nach Süden. Vor der russisch-chinesistfen Bank ist eine ganze Wagenburg zusammengefahren nnd alle geschäftlichen Operationen sind in vollem Gange. Tas Hauptquartier ist von Mukfep nach Chnanschan übergesiedelt, aber die Hauptetappenstation, die Proviantämter und die großen Lazarette sind liier geblieben. Tiefe sind in den mächtigen Kasernen der Schutztruppe.untergebracht. Tie Schwestern arbeiten dort, angetan mit Männerjacken schwedischer Art; Krankenträger gehen fortgesetzt mit ihren Bahren von den Lazaretten zur Bahn, wo die transportfähigen Verwundeten in die Sanitätszüge verladen und nach Eharbin und Irkutsk gebracht werden. Im übrigen ist das ftüher so lebhafte Treiben auf dem Bahnhof erloschen. Ter von Norden kommende Ersatz von Offizieren und Mannschaften fährt glatt durch, bis zur Hauptstellung der Armee am Schaho. Auf dem Lande sieht man die Chinesen in langen schwarzen Linien ihren zerstörten Törfern zustreben. Sie schneiden vom Kauliang, was noch zu retten ist, reparieren die Kazigs (die flachen Heizkörper, Ofenbänke) in den Häusern, kleben neues Papier über fee Fensterböhlen, spannen ihre Eselchen mit verbundenen Augen in die Göpel auf dem Hofe, lesen Erbsen aus und bereiten sich in jeder Art vor auf den Winter. Nach den Männern kommen die Frauen, die alten mit einem von Natur zimtfarbigen runzeligen Gesicht, die jungen, wie überall in China, stark geschminkt. Auch fee Bilder kommen wieder, aufgerollt, an die Wände. Man ist erstaunt, wie obszön die meisten der Darstellungen sind — und das bei einfachen Bauen:, während in Europa nur die Lebemänner der Großstadt dergleichen in ihren Schubfächern haben. Auch mein Quartierwirt ist wieder heimgekehrt. Seine Kinder treiben Handel mit den Soldaten, verkaufen ihnen Zucker und Tabak. Ich roch 'schon den üblen Genlch seines Mittagsmahles. Er brachte mir zwei Birnen und fünf Eier in seinen fettigen Fingern und sagte grinsend: „Madame ist wieder da!" Auf dem Hofe stand sogar ein junges Chinesenmädchen, angepinselt natürlich und mit Papierblmnen im Haar. Nur eine felbe Werst weiter hinaus aber Platzen fee japanischen Shrapnels in der Luft. . . . Deutsches Reich. Berlin, 29. Nov. Man meldet attS Slawentzitz: Der Kaiser ist heute nachmittag von Neudeck hier eingetroffen und wurde vom Fürsten Hohenlohe-Oehnngen empfangen. In Begleitung des Kaisers befindet sich der Gesandte v. Schön (von dem wir kürzlich berichteten, daß er ein geborener Wormser ist. D. Red.) — Der neue deutsch-serbische Handelsvertrag wurde heute hier durch den Staatssekretär des Auswärtigen Amtes, Freiherrn v. Nichthofen, und durch den hiesigen secblschen Gesandten Militschewitsch unterzeichnet. — Dem Vizepräsidenten des Abgeordnetenhauses, Freiherrn v. Manteuffel, wurde aus Anlaß feines 80. Geburtstages der Titel Exzellenz verliehen. Minister Frei- Herr v. Hammerstein überbrachte persönlich das ErnennungS- diplom. Altona, 29. Nov. Im Ain'trage dcS französischen Ministers des Auswärtigen sprach der französische Generalkonsul in Hamburg dem evangelischen Militär-Obcrvfarrer Zierach vom 9. Armeekorps in einem Schreiben den Dank der französischen Negierung aus für die von ihm privatim bewirkte Wiederherstellung der Denkmäler und für die Pflege der Gräber der 1870/71 in Altona und Hamburg gestorbenen französischen Soldaten. Eisenach, 29. Nov. Zur Beratung der Bedenken und Wunsche des jungen Herzogs von Koburg-Gotha zum D o m ä n e n - dl b ko m m e n ist heute hier eine Konferenz znsammeugetreten. Außer dem bisherigen Staatsministcr Hentig sind noch vier andere Mitglieder anwesend. Kattowitz, 29. Nov. Während der gestrigen Kaiserjagd in Neudeck wurde der Kaiser von seinem Gastgeber in die Nähe der russischen Grenze geleitet, wo der russische Kammerkapitän von Nehbinder aus Wymyslow mit 18 berittenen Grenzsoldaten den Kaiser und das Iagd- gefolge mit einem dreimaligen Hurrah begrüßte. Der Kaiser war über die Ovation sichtlich erfreut und ließ allen Mannschaften ein neues silbernes Zweimark stück durch den Adjutanten überreichen. Kapitän Rchbmder dankte dem Kaiser, der sich mit ihm länger unterhielt Kirche und vEute. Straßburg, 29. Nov. Durch Entscheidung des Be- zirksprästdenten in Metz ist der Bürgermeister von Fameck angewiesen worden, dem Anträge auf konfessionelle Trennung des Friedhofes keine Folge zu geben. In der Begründung wird ausgeführt, daß in Fameck lediglich der katholische Kultus ausgeübt werde, daß es sonach an der Voraussetzung fehle, unter welcher Art. 15 de? Prairial- Dckrets die konfessionelle Trennung vorsehe. Aus anderen Gründen könnte eine konfessionelle Trennung nur zugelassen werden, wenn diese im Jntereffe des konfessionellen Friedens läge und die Beteiligten damit einverstanden seien. Dies sei aber nicht der Fall, da im Vorverfahren ausdrücklich Einspruch erhoben worden sei. Ans Ziüdl ur.d Land. Gießen, 30. November 1904. ** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den Ministerialsekretär und Vorstand der Registratur beS Großh. Ministeriums des Innern, RegienmgsraL Rößler zu Darmstadt auf fein Nachstichen unter Anerkennung feiner langjährigen treuen Dienste in den Ruhestand versetzt und ihm die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipp des Großmütigen verliehen. — Dem BezirkSkassier N ahrgang in Lich wurde der Titel Rendant verliehen. "Auszeichnung. Der Firma C. Staudinger Rachs. (Inh. Wilh. Spoerhase) hier wurden auf der Weltausstellung in St.Louis folgende Auszeichnungen zu erkannt: in der Abteilung für Präzisionsmechanik, Gruppe Wissenschaftl. Instrumente, Goldene Medaille; Gruppe Forst- wissenschaftlicher Unterricht, Goldene Medaille; Gruppe Chemie, „Vereinigte Fabriken für Laboratoriumsbedarf^: Beteiligung am Grand Prix. ** Ein Kauf. Hotelier Gustav Mund, der früherr Besitzer des Hotels Victoria hier kaufte für 400000 Mk. bett seither bein Hoflieferanten Krieger in Bingen gehörigen „Starkenburger Hof" mit ber wegen ihres wunbervollen Ausblicks auf ben Rhein unb ben Nieberwalb bekannten Großherzog Ernst-Lubwig-Terraffe unb wirb baZ Hotel in einigen Tagen schon übernehmen. ** Gemälbeversteigerung. Auf bie im gestrigen Inseratenteil unseres BlaiteS angekünbigte Gemälbcverstetge- rung, bie heute im Seltersweg 79 stattfindet, sei auch an dieser Stelle hingewiesen. " Sein 25jährigeS Geschäfts!ubilaum begeht morgen ber Kaufmann E. G. Klein Henn, nachdem xr am 8. Juni b. Js. mit seiner Frau, Anna geb. Vogt, bereits seine silberne Hochzeit feiern konnte. Am 1. Dezember 1897 fing er fein Geschäft im Seltersweg 21 an, verlegte es 1883 nach Kreuzplatz 1, von wo er 1889 in sein jetziges eigenes Heim überftebelte. ** Konzert der ein. Indem lvir auf den Anzeigenteil verweisen, sei, so schreibt man uns, nochmals an dieser Stelle aus das Konzert am nächsten Sonntag, den 4. Dez.,^ nachm. 51/4 Nhr hin gewiesen. Fast erübrigt es sich, über das vortrefflich zusammen gestellte Programm ein Wort zu sagen. Es ist fürwaihr ein Mufterprogoamm. Hch sei sein Tun überaus gemeingefährlich, und um deswillen besonders schwer zu bestrafen. Strafmildernd habe man berücksichtigt, daß der Sohn vielleicht auf Veranlassung des Vaters den Brief geschrieben l)abc, im andern Falle wäre die erkannte Strafe weit höher bemessen worden. Der Streit um die „Echtheit" eines Kindes. Tie Klage des Prinzen Friedrich von Schönburg- Waldenburg, ber wie gemeldet, nach der Scheidung seiner Ehe mit ber Prinzessin Alice von Bourbon, der Tochter des spanischen Kronprätendenten Ton Carlos, die „Echtheit" seines während dieser Ehe geborenen, gegentvärtig fünfjährigen Sohnes anfocht, ist, wie aus Dresden gemeldet wird, vom Landgericht kostenpflichtig a b g cwi e se n worden. Nach der „Post" hat die unterlegene Partei die Msicht, die Sache bis in die höchste Instanz durchzuführen. Ftniverstläts-Aachrichlen. Ein königlicher „A l t e r H e r r". Anläßlich der Feier des Leipziger R e k t o r a t s w e ch f el s war vom Lehrerkollegium der Universität au den König Friedrich August von Sachsen ein Huldignngstelegramm gesandt worden, in dem um den Besuch des Königs gebeten wurde. Friedrich August hat darauf folgendermaßen geantwortet: „Ich bringe dem Lehrerkollegiun! für seine freundlichen Grüße meinen königlicher! Tank dar. Nicht bloß in meiner jetzigen Stellung zu unserer lieben Alma Mater, sondern auch als alter Herr der Universität erfüllt es mich mit aufrichtiger Genugtuung, für s i e sorgen zu können. Meine Wünsche für ihr ferneres Gedeihen und Blühen fasse ich in den Worten zusammen: vivat, creseat, ftoreat! Friedrich August/'. Kunst und Wissenschaft. Berlin, 29. Nov. In einer zahlreich besuchten Versammlung in der Aula des Wilhelmgpmnasinms wurde nach einem Vortrag des Professors Harnack eine Vereinigung' begründet, die eintreten will für das humanistischeBild- uugsideal und der Mittelpunkt sein will für alle, denen der Fortbestand und die Weiterentwicklung des Gvmua- siums in seiner durch das Griechische bestimmten Eigenart ein allgemeines vaterländisches Interesse bedeutet. . Zum Vorsitzenden wurde Professor Scholz, Pfarrer an der Marienkirche, ge- wählt. _______ ßisenöahn-Zritung. Berlin, 29. Nov. Tie Budgetkommifsion des Abgeord» netenhauses nahm einstimmig die vom Eisenbahuminister und voni Finanzminister im wesentlichen gebilligten Anträge Friedberg und Zedlitz an, welche einen kr ä f t i g e r e n .Au s b a n des Staatsbahn netzes fordern, wobei die fiskalischen Ruck^ sichten hinter die verkehrspolitischen zu stellen und auch Privat Unternehmungen zuzulassen seien, wo der Staat -um Ausbau nicht bereit sei. Schließlich sollten die notleidenden Landstria)-e besonders berücksichtigt werden. Die Kommission benet sodann den Antrag Wiemer nm Aufhebung der RücksahrTarten und Herabsetzung des Preises dereinfachenn a r k t s v e r r e w i e d e r a u f g e h o b c n ist, beim ber Auftrieb von Rindvieh belief sich nur etwa ans 500 Stück. DaS vorigemal war es fast die doppelte Zahl. Da schon gestern ein reger Vorverkauf geherrscht hatte, war ber Markt heute bald geräumt. Auch auf dem Swchei nein ar kt herrscht bei mittleren Preisen ein flottes Geschalt. fc. Frankfurt a. M., 30. Nov. «Orig.-Telegr. deL „Gieß. Anz.") S ch w e i n e m a r k t. Zum Verkauf standen 1403 Schweine. Schweine: 1. Qualität 59-60 Psg., Lebendgewicht 47—00 P'g., 2. Qual. 57—58 Pfg., Lcbeudgewicht 46-00 Psg.. 3. Qualität 62—55 Pfg., Lebendgelvicht 00—00 Pfg. Geschäft schleppend, Ucborftmit) nnbedentoud. Eingesandt. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Gießen, 30. November. „Großstadtluft" ging am gestrigen Abend über die Bühne Unseres Stadttheaters — „sibirische Lust" ging durch den Zuschauerraum! Verlangenden Blickes hingen die Augen der Zuschauer an den vorhandenen Oefen, aber kalt und öde starrten diese in das frierende Publikum hinein. Derjenige, der diese Unterlassungssünde auf dem Gewissen hat, wird nicht die Sympathien des Theaterpublikums haben. Die Direktion unseres Stadttheaters betrifft dies nicht. Einer für Viele. Neueste Meldnnaen. Berlin, 30. Nov. Zu der Affäre des Mechanikers Meibuhr in Jena, der am 15. November unter dem Verdacht des Verrats militärischer Geheimnisse verhaftet wurde, berichtet der Vorwärts, daß auch dessen Schwager Th. in Frankenhausen verhaftet wurde.. Th. soll der Mittäterschaft verdächtig sein. Nachdem man denselben seinem Schwager gegenübergestellt hatte, wurden beide nach dem Landgerichtsgefängnis Weimar überführt. Stockholm, 30. Nov. Ein wertvoller Altertumsfund wurde in Westgothland gemacht. Zwei goldene Ketten, je 20 Zoll lang, im Werte von 20 000 Kronen, die zusammen 14 Pfund wogen, wurden bei Ausgrabungen gefunden. London, 30. Nov. Die Lage der Weißen in Deutsch-Sndwestafrika wird, wie „Standart aus Kapstadt meldet, in Teregrammen an der Grenze der Kolonien als sehr ernst geschildert- Ein Telegramm aus Upington meldet, daß die ausständigen Farbigen 50 holläudischr Ansiedler ermordeten. Die weßen Frauen und Kinder flüchteten nach der Kapkolouie, wo man Vorbereitungen trifft, die im größten Eleud Eintreffenden aufzunehmen. Mehrere Massenmetzeleien auf deutschem Gebiet sollen vorliegen. Paris, 30. Nov. Die Gerüchte erhalten sich, wonach der deutsche Kronprinz in Cannes zum Besuch seiner Braut, der Herzogin Cecilie von Mecklenburg, erwartet wird. Das Erscheinen des zukünftigem deutschen Kaisers auf französischem Boden soll bereits eine Reihe von Vorsichtsmaßregeln veranlaßt haben. Paris, 30. Nov. Kriegsminister Berteaux hat die Korpskommandeure durch ein Rundschreiben aufgefordert, alle Soldaten, welche nicht die nötige Widerstandsfähigkeit besitzen, und insbesondere diejenigen, die von der Schwindsucht bedroht erschienen, von den Acrzten genau untersuchen zu lassen und eventuell heimzuschicken. Die Zahl der zu Entlassenden wird auf 7000 geschätzt. St. Louis, 29. Nov. Auf die Mitteilung des Ausstellungspräsidenten Francis an den deutschen Kaiser, daß Präsident Roosevelt bei dem Besuche der Ausstellung die deutsche Abteilung besichtigte, antwortete ihm der Kaiser: „Ich danke Ihnen für Ihr Telegrannn und bin erfreut, zu hören, daß die deutsche Ausstellung so erfolgreich gewesen ist und eine so liebenswürdige Anerkymung des Präsidenten Roosevelt gefunden hat. Ich bin überzeugt, daß dies ein wertvolles Erinnerungszeichen sein wird für die gute Freundschaft zwischen dem amerikanischen und dem deutschen Volke." ♦ Vom Kriege. Tschifu, 29. Nov. (Reuter.) Aus hier eingelaufenen Na'ch^ richten geht hervor, daß vom 24. bis 27. November bei Port Arthur heftig gekämpft wurde. Der Angriff hatte offene bar zunächst den Zweck, die Schanzen der Russen auf dem ganzen Glacis zu, nehmen, und richtete sich nickt gegen die einzelnen Forts. Die japanischen Stellungen bei Erlungtschan und Kik- wantschan sollten dadurch günstig gestaltet werden. Am 24. nachmittags. ging, nach vorhergehender Beschießung eine Abteilung d-r 11. japanischen Division gegen die Schanzen vor, durch welche •vr Zugang zu dem Südostforts von Kikwantschan gedeckt wird. Währenddessen nahm die Artillerie die Forts Erlungtschan und Antuschan unter Feuer. Fünfmal wurden die Japaner ab g e s ch l a g'e n. Dann trieben sie die Russen auS den S ch an z e n. .Diese wurden z e r st ö r t. Unter dem Schutze mitgebrachter Sandsäcke gruben sich'die Japaner in ihre neuen Stellungen ein. In der Nacht unternahmen die Russen Ausfälle, wurden aber nach einer japanischen Meldung zurück- g e s ch l a.g e n. Die Japaner haben eine noch stärkere Linie von Schanzen vor sich. London, 30. Nov. „Daily Telegraph" meldet aus Tschifu von heute: Tie Japaner sollen bei dem Sturm um die Zugänge des Kikwanschanforts innerhalb einer Stunde 4000 Tote gehabt haben. Tie Japaner behaupten, die zwei Nordost^ forts und den dritten Teil der Festungswerke von Westkik^anschan genommen zu haben. Gegenwärtig wird heftig gekämpft mit Verlusten, die als übermäßig zugestanden werden. Aber die Japaner bestehen darauf, die Festung müsse innerhalb 20 Tagen fallen. In der Taubenbucht trafen am 29. November japanische Verstärkungen ein. Weihnachts-Ausverkauf Kreuz 13 13 Kreuz Dw/h SS Brarmkohlen-Brikets Frielendorf. Bitte meine Sdiaiden^er zu beachten Fulda 1W)4 Cilbme MMe. Fächer, Ketten Gürtet Die noch in reichhaltiger Auswahl in allen Grössen vorrätigen Damen - Faletots in Tuch und Plüsch, Abend - Mäntel, Capes in schwarz und farbig, Kostüme, Kostüm-Köche, XJnterröcke und fertigen Blousen, sowie sämtliche Kinder-Konfektion geben wir, um ganz damit zu räumen, weit unter Preis ab. Carl Schwan II. Müusburg 16 Täfllich frische Zufuhr der nner- kannt allerseiuste» 07192 Schellfische Cablhu,Zander,Rolzungen.Salm etc. Immer nur das allerbeste bei C. G. Kleinhenn Delikat.-, Fisch- u. Geflügelhandlg. Bahnhosstr. 59 — Telephon 66. 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Delikatessbohnen 77 33 Paniermehl ; io Kaiserlinsen 35 Italienische Brüneilen „ 70 Kochgraupen » 12 Hellerlinsen n 18 kalifornische Aprikosen „ Birnen Neue Wallnüsse . 55 „ 65 > 25 Eier-Hausmacher-Nudeln , 35 Mittellinsen 7» 15 Klosternudeln . 50 Neue Haselnüsse . 35 Hausmachernudeln » 37 vorteilhaftes Sekz* abzugeben zu für meine Artikel daher Jedem die nie wiederkehrende Gelegenheit geboten, seinen Winter- und Weihnachtsbedarf in nur aneikannt besten Qualitäten so günstig einzukaufen. Infolge der weit vorgerückten Winter-Saison und des anhaltend ungünstigen habe ich mich entschlossen, die grossen Vorräte in Erscheint Mgllch mir VuSnahms bei Sonnta-L. iHe „öte^ena ^amUhnblöttcr“ werden bett' ,Vn)etai ote*mc wöchenütch deigekegt. De •MM /* €anb tr • ertoetm aumaMch ttmmi sssks^sm^ä B MM |L RrbakMm. Exvek»Mon L Druckerei: GchuMe.A. V ▼ y V H V W M V JgJf V feL IfcM. leugv’ß^i ün-etg« Otetz«' General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eiehen. Parlamentarische Verhandlungen. Nachdruck o ne Vereinbarur g nicht gestattet. Deut Ichor Ueichs»K^. Sitzung vom 29. November. 2 Uhr. Tas Haus ist gut vefctzt. -lm ..Bundesratstisch: Kommissare. ^ßcäfWent Graf Ballestrem eröffnet die Sitzung mit den Worten: Ich eröffne die 101. Sitzung des Reichstags und begrüße nach der langen Geschäftspause die Herren Kollegen auf das herz- Ilchste. , M. H! j-ec Reichstag wird in der laufenden Tagung große und wichtige Gesetze zu entscheiden haben, welche das Wohl des deutschen Volkes auf das ernstlichste berühren. Ich richte Ihre Aufmerksamkeit außer dem Etat vor allem auf die Militärgcsetze, die gesetzliche Festlegung der zweijährigen Dienstzeit, die Festsetzung der Friedenspräsenzstärke für die nächsten 5 Jahre, die Pensionsgesetze und zuletzt — aber nur zuletzt der Reihe, nicht der Bedeutung nach — auch auf die Handelsverträge, welche für die nächsten 10 Jahre das materielle Wohl der Einwohner kräftig zu beeinflussen geeignet sind. Um diese großen und wichtigen Gesetze durchzuführen, muß ich die Bitte an die Herren Kollegen richten, eifriger wie in den letzten Zeiten sich an den Verhandlungen des Reichstags zu beteiligen (Beifall), daß der schreckliche Absentismus, der uns in den letzten Jahren verfolgt hat, aufhört. Jeder, der ein Mandat übernimmt, muß sich auch dessen bewußt fein, daß er verpflichtet ist, hier zu erscheinen. (Beifall. Zurufe: Diäten!) Auch für die Redner ist cs eine ganz andere Sache, wenn ihre Reden von einem vollbesetzten, als von einem leeren Hause angehört werden. Ich fühle mich als Ihr Präsident zu diesen Ausführungen verpflichtet, und bitte Sie nochmals, an den Sitzungen sich eifriger als bisher zu beteiligen. sBeifall.) Hierauf verliest der Schriftführer Dr. HermeS (freis. Vp.) die eingegangcnen Drucksachen, worunter sich auch der Etat befindet. Präsident Graf Ballcftrem: Ich habe sodann dem Hause von den schmerzlichen Verlusten Mitteilung zu machen, die uns in der Zwischenzeit betroffen haben. (Die Mitglieder erheben sich von ihren Plätzen.) S. M. der König Georg von Sachsen, der ruhmreiche Heerführer des sächsischen Armeekorps aus großer Zeit, ist am 15. Oktober gestorben. Ich habe im Namen des Reichstags dem König Friedrich August die herzlichste Teilnahme des Reichstags ausgesprochen. Derselbe hat hierauf in einem an mich gerichteten Schreiben seinen herzlichsten Dank ausgesprochen. Am 26. September d. I. starb auch der Graf Regent des Fürstentums Lippe, Graf Ernst. Aus unserem Kollegenkreise starben die Herren, Deppe, Für st Herbert Bismarck und Schmidt- Magdeburg. Wir aedenken dieser schmerzlichen Verluste. (Die Anwesenden erheben sich.) Sie haben sich von Ihren Plätzen erhoben, ich stelle das fest. Hierauf tritt das Haus in die Tagesordnung ein. Zunächst kommen Petitionen zur Beratung. Eine Petition betreffend Aenderung des Gesetzes über die Schlachtvieh - und Fleischbeschau dahin, daß Därme nicht mehr unter dies Gesetz fallen, und daß das Verbot der Einfuhr ben Pöckelfleisch im Gewichte von weniger als 4 Kg. aufgehoben werde, beantragt die Kommission dem Reichskanzler als Material zu überweisen. Dasselbe beantragt sie bezüglich einer Petition auf Aenderung der Gebühren- und Prüfungsverordnungen in Betreff des genannten Gesetzes, während sie über einige Petitionen auf Aufhebung des ganzen, Fleischbcschaugesetzes oder seine Außerkraftsetzung für die Landgemeinden Uebergang zur Tagesordnung beantragt. Abg. von Staudy (kons.) beantragt, über sämtliche Petitionen zur Tagesordnung übcrzugchen. Abg. Scheidemann (Soz.) führt aus, Laß seine Freunde in dem Fleischbeschaugesetz nur ein sanitäres Gesetz sähen, während die Agrarier sich nur mit Hilfe dieses Gesetzes die ausländische Konkurrenz vom Halse halten wollten. Die Agrarier sagten immer, daß das nationale Vieh gesund und nur das ausländische krank sei, nach dem Spruch: Das fremde Vieh bringt uns herein Vakteri.'N und Finnen, , Dem deutschen Ochsen, deutschen Schwein Kommt so was nicht in Sinnen. (Heiterkeit.) Tie Arbeiter hätten ein großes Interesse daran, daß ihnen das Fleisch nicht noch mehr verteuert werde. Bezeichnend sei die Art, wie die Agrarier die Sache im Abgeordnetenhause behandelt hätten. Dort suchten sie das, was sie im Reichstag nicht erreichen könnten, durchzusetzen, indem sie für die Freizügigkeit des Fleisches eingetrcten wären. Ties bedeute aber nichts anderes, als die Freizügigkeit der Filmen, Tuberkeln und Trichinen! Eine solche Unverschämtheit sei noch nicht dagewcsen. Eine Stelle, wo minderwertiges Fleisch verkauft werde, nenne man eine Freibank. Eine politische Freibank, in der nicht ladcnreine, volksfeindliche Gesche gemacht würden, sei das preußische Abgeordnetenhaus. Präsident Graf Ballestrem ruft den Redner wegen dieser Aeußerung zur Ordnung. Abg. Scheidemnnn fährt fort, sich ausführlich über daZ Fleisch- beschaugeseh zu verbreiten und tritt namentlich für eine Untersuchung der Hansschlachtimgen ein. Leider sei das deutsche Volk den agrarischen Unverschämtheiten gegenüber von einer unglaublichen Langmut, die Sozialdemokraten würden aber mit der Junkersippe schon fertig werden. (Gelächter rechts.) Aba. Graf von Ncvenllvw (Antis.) meint, die Geschäftslage des Hauses verbiete es, auf all das einzugehen womit der Vorredner eben zur Unzeit niedergekommen sei. (Heiterkeit.) Der Vorredner scheine überhaupt grundsätzlich nur über das zu reden, wovon er keine Ahnung habe. Ter Widerstand der Bürgermeister gegen die Freizügigkeit des Fleisches geschehe „nur ans stadt- fiskalischen Gründen, sie wollten die Stadtfäckel füllen auf Kosten der Konsumenten. Abg. Tr. Wallau (nat.-lib.) geht auf die landwirtschaftlichen Verhältnisse in Oberheßen ein und weist nach, daß die Ernährung der hessischen Landarbeiter eine sehr gute sei. Gegenteilige Bemerkungen in der Broschüre eines Herrn Dr. Katz entsprächen nicht den Tatsachen. Abg. Herold (Zentr.) verteidigt die Beschlüsse des preußischen Abgeordnetenhauses in der Frage des Fleischbeschaugesetzcs. Abg. Held (nat.-lib.) polemisiert gegen den Abg. Scheidemann. Tic Landleute verlangten heute nur, daß sie bestehen könnten und nicht unter Produktionskosten arbeiten müßten. Tas im Lande produzierte Fleisch müßte seinen Preis behalten. ?lbg. Graf Schwerin (kons.) befürwortet den Antrag von Staubt), über alle Petitionen zur Tagesordnung überzugehen. Eine bessere Begründung für diesen Antrag als die agitatorische Rede des Abg. Schcidcmann könne e§ gar nicht geben. Ohne diese Rede würden die Konservativen vielleicht für den Kommissionsbcschlui; gestimmt haben. Die Art und Weise des Abg. Scheidemann werde vom ganzen Hause gemißbilligt. Abg.Gothein (Freis. 93er.) meint, der Abg. Staudy hätte seinen Antrag am 11. Juni gestellt, der Graf von Schwerin hätte doch damals noch gar nicht wissen können, was der Abg. Scheidemann sagte. (Große Heiterkeit.) Hierauf tvird entsprechend dem Antrag von S t a u d y über sämtliche Petitionen zur Tagesordnung übergegangen. Abg. Dr Uüller-Sagan (Freis. Vp.) beantragt hierauf, eine Anzahl von Petitionen betreffend Einführung des Besäht- g u n g s n a ch w e i s e s für das Handwerk, und betr. Unterdrückung schlechter Literatur und Kunster- zeugniste, von der Tagesordnung abzusetzen, da diese wichtigen Gegenstände nur bei einem vollbesetzten Hause beraten werden könnten. Abg. Erzbcrger (Zentr.) erhebt Widerspruch gegen triefen Antrag. Abg. Singer (Soz.) meint, die Petition betreffend Einführung des Befähigungsnackwestes könnte man heute noch erledigen. Abg. Tr. Müllcr-Sagan (freis. Vp.) bezweifelt hierauf die Beschlußfähigkeit des Hauses. Ta das Bureau im Zweifel ist, muß der NamenS* a u f r u T erfolgen Derselbe ergibt die Anwesenheit von 200 Mitgliedern. Tas Haus ist also beschlußfähig, da zur Beschlußfähigkeit 199 Mitglieder gehören. Tas Resultat des Namensaufrufs wird mit großer Heiterkeit begrüßt. Tie Verhandlung wird fortgesetzt. Die Kommission beantragt, eine Anzahl von Petitionen um Einführung des allgemeinen Befähigungsnachweises f urdas Handwerk durch Uebergang zur Tagesordnung zu erledigen, Petitionen um Einführung deS BefähigungS- n a ch w e i s e S für die B a u h a n d w e r ! e r dagegen dem Reichskanzler zur Erwägung zu überweisen. Abg. Erzbcrger (Ztr.) befürwortet hierauf einen Antrags 1. die Petition um Einführung eines allgemeinen Befähigungsnachweises dem Reichskanzler nach der Richtung zur Berücksichtigung zu überweisen, daß in Abänderung des § 129 der Gewerbeordnung in Handwerksbetrieben nur denjenigen die Befugnis zur Anleitung von Lehrlingen zusteht, welche den Meistertitel zu führen berechtigt sind; 2. die Petitionen, soweit sie sich auf die Einführung des Befähigungsnachweises für die Bauhandwer- tcr erstrecken, dem Reichskanzler zur Berücksichtigung zu überweisen. Abg. Raab (Antis.) beantragt dagegen, die Petitionen betreffend den allgemeinen Befähigungsnachweis dem Reichskanzler zur Er- Ivägung, die Petitionen aber, die die Einführung des Befähigungsnachweises für die Maschinisten und Heizer, sowie, für die Bauhand- Werker verlangen, dem Reichskanzler zur Berücksichtigung zu überweisen. Abg. Dömelburg (Soz.) tritt dafür ein, sämtliche Petitionen durch Uebergang zur Tagesordnung zu erledigen, denn nicht durch die mangelnde Befähigung der Bauhandwerker, sondern durch pflichtwidrige Nachlässigkeit der Unternehmer entständen die meisten Unfälle. Hieraus vertagt sich das Haus auf Mittwoch 1 Uhr (Re- solntionen u a. über den unlauteren Wettbewerb und über ein Rcichsvergoesetz ) Schluß 6M Uhr. . . > Der Reichskanzler über die dentsch-errglischen Beziehungen. In der Zeitschrift „Nineteenth Century" (19. Jahrh.) veröffentlicht Herr Bashford (der frühere Berliner Korrespondent des Daily Telegraph") ein Interview mit dem Reichskanzler Grafen Bülow über die deutschenglischen Beziehungen. Ter Reichskanzler sagte u. a., daß ein Teil der e n g l i s ch e n Presse von Bedeutung deutschfeindlich beeinflußt zu sein scheine, was er aufrichtig bedauere. Es mache den Eindruck, als wenn eine gewisse Schule den Zeitungskrieg mit Deutschland als Lebensaufgabe betrachte. Den beiderseitigen Interessen werde durch Beseitigung der Mißstimmung sicherlich besser gedient. Er freue sich jedoch, zu sehen, daß eine Gegenströmung eingesetzt habe und eine Anzahl englischer Blätter in der letzten Zeit den Ton der Werbis sen - h e i t a u f g e b e n, der irritierend gewesen sei. Graf Bülow kommt dann auf die Behauptung zu sprechen, Deutschland habe versucht, das Ti b e tab kommen zu verhindern. Er sei überzeugt, daß man in England heute wisse, daß diese Meldung unbegründet war. Baron v. Mumm habe sich nicht in diese Frage eingemischt. Der Reichskanzler sprach dann vom Verhältnis zu Rußland. Die Behauptung, die b a l t i s ch e F l o t t e sei d u r ch W ar n u n g e n n e r v ö s gemacht worden, habe in England erbittert. Die russische Regierung habe die Aufmerksamkeit Deutschlands auf die Möglichkeit eines Angriffs vom deutschen Boden aus gelenkt. Deutschlands Pflicht als neutrale Macht sei es gewesen, Maßnahmen zur Verhinderung eines deutschen Angriffs zu treffen. Deshalb habe man die deutschen See- und tzafenbehörden angewiesen, aufmerksam zu sein. Dasselbe habe Dänemark getan. Gras Bülow betonte dabei ausdrücklich, daß Deutschland nicht (darauf artsgehe, Unfrieden zwischen England. iu.nd Rußland zu stiften, weder in Asien noch in Europa. Deuts chl an d wü ns ch e ke in en Zusammenstoß beider Mächte. Niemand könne sagen, wie weit ein derartiger Krieg um sich greifen würde. Mit einer solchen Brandfackel dürfe Deutschland im Hinblick aus die eigeue Ruhe nicht spielen. Deshalb habe Deutschland auf die Begrenzung des augenblicklichen Krieges hingewirkt und die Neutralität Chinas sei Deutschland im ersten Grunds zu danken. Wcun englische Journalisten ein gutes Einvernehmen zwischen Rußland und England besürworten, so habeDeutsch- land nichts dagegen, besonders wem: damit der Sache des Friedens gedient werde. Aber wenn Deutschland ein solches Einvernehmen mit Rußland wünsche, so entstehe ein Aufschrei in England, daß Deutschland ein Bündnis gegen England schmiede. Deutschland habe keine speziellen Abkommen in it Rußland ; aber cs wünsche mit seinem östlichen Nachbar in Frieden zu leben. Deutschland werde nach wie vor seine Neutralität streng bewahren und dabei Freundschaft mit Rußland pflegen. Der Reichskanzler erwähnte auch die Beschuldigung, daß Deutschland Zwietracht zwischen Frankreich und En gl and, zu säen versuche. Gras Bütow bezeichnete jedes derartige Vorgehen als eine Dummheit. Jedenfalls bekundete Deutschland in Egypten eine korrekte Gesinnung gegenüber der britischen Regierung, indem es dem Uebereinkommen mit Frankreich keine Hindernisse in den Weg legte. Auf die Bemerkung Bashfords, daß er glaube, in England herrsche die Ansicht, Deutschland sei Englands eigentlicher Todfeind und er, der Reichskanzler, hege herzliche Abneigung gegen England, erwiderte Bülow: Als Politiker und deutscher Staatsmann bin ich der Meinung, daß cs verbrecherisch wäre, eine Politik zu machen, die darauf gerichtet wäre, Feindschaft zwischen Deutschland und England zu nähren, die beide der zivilisierten Welt unentbehrlich sind. Als Mensch kann ich versichern, daß nichts meinen Gedanken ferner liegen könnte, als Abneigung, geschweige denn Haß oder Feindschaft gegen England. Ich bewundere dieses Land, sein Volk und seine Literatur uno weise mit größtem Nachdruck die Beschuldigung zurück, daß ich persönliche Abneigung gegen England oder Engländer empfände, eine Beschuldigung, die mir neu und völlig unverständlich ist. Es ist auch nicht billig, Treitschke Feindschaft gegen England nachzusagen. Es wird oft gesagt, daß Fürst Bismarck ein E n g l a n d h a s s e r gewesen sei. Das ist n i ch t wahr. Was wir auch sonst von seiner inneren Politik sagen mögen, ich kann mit einiger Kenntnis von Bismarcks Politik sprechen, ich weise mit äußerstem Nachdruck die Anschauung zurück, daß er ein Feind Englands war oder Pläne gegen Englands Stellung in der Welt hegte. Bezüglich der Behauptung, daß unsere Flo ttenpo litik auf die Vorbereitung eines Krieges mit England abzielt, kann ich gewissenhaft sagen, daß wir nicht im Traum an einen solchen Krieg dienten. Es würde ein ungeheures Verbrechen sein, wenn wir dies täten. Ein Krieg bis aufs Messer zwischen England und Deutschland wäre politisch nur gerechtfertigt bei der Annahme, daß Deutschland und England die einzigen Konkurrenten auf der Erdoberfläche wären und daß die Niederlage des einen die vollkommene Herrschaft der andern bedeutete. Heutzutage ist aber eine Anzahl von Mächten vorhanden, die dieselben Ansprüche erheben. Ter russisch-japanische Krieg zeigt, daß ihre Zahl noch eine Vermehrung erfahren kann. Wie die Tinge liegen, würde ein Krieg zwischen D e u t s ch l a n d u n d E n g l a n d ein G l ü ck s f a l l sein f ü r alle Rivalen beider Mächte; denn da ein solcher Krieg den deutschen Handel zerstören und den englischen Handel ernstlich schädigen würde, so würden die anderen die Gelegenheit benutzen, sich die Märkte der Welt zu sichern, ohne einen Schuß abzuseucrn. Würden beide aus einander losschlagen, so würde ein ganzer Hause tertiorum gandentiuiu vorhanden sein. Unsere Flotte ist nur für Werteidigun gszwecke bestimmt. Ihr Zweck ist, unsere Gewässer gegen irgend einen Angriff zu sichern und den notwendigen Schutz für unsere Interessen im Auslande zu leisten. Wir werden natürlich stets dafür sorgen, daß sie schlagfertig ist, wenn es nötig ist. Tie fremden Länder müssen sich mit der Tatsache aussöhnen, daß der deutsche Kausmaün kein armseliges Geschöpf mehr ist, das sich damit begnügen muß, vom Tisch hesallene Brosamen aufzulesen; er nimmt jetzt seinen Platz neben seinen Kollegen ein. Wir sind durchaus befugt, zur Wer- teidiguug von Rechten aufzutreten, die wir gemeinsam mit/ den Bürgern anderer Nationen besitzen. ..........■!"=—». ■■■■■ I, Politische Tagesschau. Aus dem Reichstag. Mit einer Ansprache des Präsidenten Grafen Ballestrens an die anwesenden Parlamentarier begann die erste Sitzung der neuen Neichstagstagung, mit einer Ansprache, der die anwesenden Volksvertreter kräftig Beifall zollten. Und das ließ sich verstehen. Tenn der ehrwürdige, in alter Rüstigkeit feines Amtes waltende Präsident ermahnte die Erwählten des Volkes in ernsten, eindringlichen Worten zum fleißigeren Besuch 'der Neichstagsjitzuugen, unter Himueis auf die der Erledigung harrenden bedeutungsvollen Aufgaben. Ob die Mahnung helfen wird? Ter auch in Gießen sattsam bekannte Abg. Scheidern an n (Soz.) beispielsweise, der erste Redner der heutigen Sitzung, trägt nicht dazu bei, die Verhandlungen anziehend zu gestalten. Er benutzte die Beratung einer Position zum Fleischbeschaugesetz, um dieselbe endlose Rede zu halten, mit der er schon im Februar d. I. den Reichstag beglückt hatte. Neu war in seiner heutigen Rede lediglich eine grobe Kritik des preußischen Landtages, den er als eine „politische Freibank"' bezeichnete, in der schlechtes Material verkauft werde. Ter 'Erfolg war ein Ordnungsruf. Tie Antwort aus dem Hause wurde Herrn Scheidemann doppelt und dreifach erteilt, knapp und scharf besonders von seinem und unserem hessischen Lands^ mann Abg. Tr. Wallau-Lauterbach. Im übrigen zeigte der Reichstag das alte Bild. Tic Parlament tarische Garde, mit Ausnahme des Abg. Richter, war vollzählig zur Stelle, und Gegenstand allseitiger Bewunderung war die Frische, mit dcr^ sich speziell der greise Wg. v. Kardorff im Saale bewegte. Sein engerer politischer Freund und ehemaliger Nachbar im Parkett, Fürst Herbert Bismarck, weilt nicht mehl' unter den Lebenden, aber in den „Erinnerungen", mit deren Mfassuug Herr v. Kardorff beschäftigt ist, dürfte der Niederschlag der häufigen vertraulichen Besprechungen,zwischen beiden Parlamentariern zu spüren sein. Ten Vorsitz der national' liberalen Fraktion scheint ?ldg. ult. Sattler zu behalten. Urspr-ünglich glaubte man, er werde ihn dem Abg. Basser- maiui wieder überlasten. Im Verlaufe der oibung fand sich übrigens Gelegenheit, die Beschlußfähigkeit des faules auf die Probe zu shcllen. Es kam über einen geschäftsordnungSmäßigcn Antrag Tt. Müller-Sagau (Fr. Volksp.) zur Auszählung des Hauses, nm bei die Anwesenheit von 200 Abgeordneten fest- gestellt wurde. Triumph auf allen Seiten! parlamentarisches. Berlin, 20. Nov. Tcm Reichstage sind u. a. folgende ^iniaqm zugegangen: der Gcletzerrtwnrf bctr. die Pensionierung von Offizieren und detr. die Versorgung der Personen der Unter- Halfen des ReichSdeeveS und in der Marine und der ^chutztruppen, detr. die Friedenspräsenzstärke deS deutschen Heeres, betr. die Blenderung der Wehrpflicht, bctr. die Feststellung des ReichshauS daltSetatS, betr. den zweiten -Nachtrag zu dem Reichshaushaltsetat für 1904, betr. dcn Haushaltsetat für die Schutzgebiete, betr. den zweiten Nachtrag zum Hausbaltsetat für die Schutzgebiete aus 1904. . — Te r Senioren!o nv ent deS R ei.ch Stag es nahm den Vorschlag Graf BallestremS. den iS' t a t und den N a ch rragsetat, wie die Vorlagen betr. die Friede n spräse n z und die zweijährige Dienstzeit in gemeinsamer T'iö lüssion zu beraten, an. Graf Ballestrem teilte mit, der Reichs- kan zier habe ihm versichert vorbehaltlich der Zustimmung des Bundesrats, daß die H a n d e l s v e r t r ä g e jedenfalls schon ui der e r st e n T> e z e m der hä l f t e dem Reichstage zugeheu wurden, möge der Vertra g mit O ester re i chUn garn zustande kommen oder nicht. Tiefe Frage werde sicli in ÄLieit innerhitlb der nächsten drei Tage entscheiden. Gras Ballestrem schlug vor, die Beratung des Etats und der oben erwähnten Entwürfe vom 3. bis zum 10. Dezember abzuhalten. Danach würden entweder die H a n d e l sve r t r ü g e oder die P e n s i o n s- Novelle für Offiziere und das V erso r g un g s g e s e tzi f ür M a u n s ch a f t e n in erster Reihe beraten werden. Wenn irgend möglich, möge die erste Lesung der neuen H a n d c l s v e r - träge schon vor W e i h n a t e n e r l e di g t werden. 3h ^er jetzigen Woche wäret! rückständige Resolutionen zu beraten. Die Vorschläge Ballestrems fanden die Zustimmung der Melwhcit. — Die Justizkommission des Herrenhauses hat in ihrer heutigen Sitzung die Vorlage betr. die Errichtung eines Ober- lau d e S g e r i chtes in Düsseldorf angenommen. Ans Stadl und Land. Gießen, 30. November 1904. ** Personalien. S. K. H. der Großherzog haben den evangelischen Pfarrer Heinrich MattheS zu Nicder- Beerbach zum Oberlehrer an dem Seminar für Volksschullehrerinnen zu Darmstadt ernannt. ** Provinzial-Ausschu Hs itzung. Am Mittwoch, oen 7. Dezember l. Js. von vormittags ll2 9 Uhr ab findet eine Sitzung des Provinzial-Ausschusjcs der Provinz Oberhessen mix folgender Tagesordnung statt: 1. Gesuch deS Wilhelm Watz in Großen-Lindcn um Genehmigung einer Tampskesielanlage. 2. Gesuch des Heinrich Luft III. zu Hartmannshcun um Erlaubnis zum Kleinhandel mit Branntwein. 3. Wiederherstellung des ehentaligen burgsriedbergischen AmtShauses (altes Schulhaus) zu Kaichen. ♦* Einen feinen Apselkunden hatte Heuer, so /chreibt man uns, bei den Obstversteigerungen die Gemeinde Rodheim a. d. Bieber. Als die Aepfel anfingen zu reifen und an den Bäumen versteigert wurden, kamen zwei Leute aus dem Westfalenland in die Gemeinde und betrachteten sachkundig Baum für Baum, weil sie angeblich nur edle Sorten kaufen wollten. Als die Versteigerung vor sich ging, erwiesen sich die Fremden als überaus gute Kunden; sie boten so draus los, daß die Herren vom Gemeinderat ihre Helle Freude daran hatten bei deut Gedanken, ivelcher Segen an klingender Münze trotz der diesjährigen schlechten Obstpreise in die Gemeindekasse fließen würde. Allerdings, die anderen Steigerer ärgerten sich nicht wenig über die hohen Preise, welche die Fremden boten, denn um ihren Bedarf an Aepseln zu decken, mußten auch sie tapfer bieten. Die Gemeinde war den fremden Einkäufern gegenüber sehr entgegenkommend, sie stundete ihnen den nicht unerheblichen Gesamtsteigpreis und gestattete das sofortige Brechen des Obstes, das inzwischen in eine gerade leer stehende Gemeindescheuer gebracht toiirbe, um nach Westfalen gesandt zu; werden, sobald von dort das Geld eingesandt würde. Die Fremden nahmen Leute zum Brechen der Aepfel an und verschwanden dann aus der Gegend, ohne wieder was von sich hören zu lassen. Nach längerem Warten auf den Eingang des Geldes für die Aepfel holte man eine Auskunft über die Käufer ein und erfuhr nun, daß mit einer Klage nichts zu ulachen sei: „wo nichts ist, hat der Kaiser fein Recht verloren". Inzwischen waren die Aepfel in der Scheuer angefault und man mußte froh fein, sie für 30 Mk. an einen „Aepfelweinsabrikanten" in der Nachbarschaft billig loSschlagen zu können. Die Gemeinde hat zwar durch den Handel keinen Schaden gehabt, denn die Fremden hatten die Preise für die übrigen Käufer sehr in die Höhe getrieben. Diese Käufer, meist Gemeindeangehörige oder aus der Umgegend gekommene, hatten den Schaden. ** Silberne Hochzeit feiern heute Schneidermeister Wilhelm Heß und Frau, (Brandgasse). — E ichelsachsen, 29. Nov. Unser altes Schu lh a n§ soll durch ein neues ersetzt werden; die Arbeiten werden im nächsten Frühjahre beginnen. — Das in der hiesigen Gemarkung liegende Hofgut „Zwiefalten" hat nun auch Anschluß an die hiesige Quellwasserleitung erhalten. Durch ein „Widder" wird das Wasier in ein auf der Höhe liegendes Reservoir gebracht. Kirchliche 'Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Donnerstag, den 1. Dezember, abends 8 Uhr, im MarkuSsaal, Kirchstraße 9, Bibelstunde. 1. Korinth. Kap. 2. Pfarrer Schwabe. Familien Nachrichten. G e st o r b e n: Herr Hermann Jakob Simon in Friedberg. «Lanounrlschust. l. Ober-Hörgern, 29. ZLov. Auf Einladung des Iv reftord des Bezirkszuchtvereins Gießen sür Stm- mentaler Vieh, Kreisamtmann Hechler, fand gestern in ter Wirtschaft von "?ldam Diehl hier eine Generalversammlung statt, die aus Ober-Hörgern und Umgegend ziemlich zahlreich besucht war, und in welcher neben einer Anzahl geschäftliä)er Erledigungen von Oekonomierat Leit Higer in 2llsseld em Vortrag über Leist un gs Prüfung en gehalten wurde, -ter Referent ging von den Aufgaben aus, die den in dem Verein ver- sammelten Vtehzüchtcrn für die nächste Zeit zu löten gestellt sind, und berichtete sodann über die in den letzten Jahren in Ober-Hörgern angestclltcn Probemelkeu und bereit Ergebnisse. Es sind lsternach 9 Kühe auf ihre Milchleistung geprüft worden, und diese Prüfungen haben folgendes Resultat gehabt: Name pZ> Name C) er Berech- c en 5 8S der e des K netc Milch- en an 0 Lfd. jQ menge eo 0 c Kuh K Viehbesitzers S c Liter W CQ % Liter t nur Marke auf der Sohle. Nur echt [mit Dreieck FPiarihi. .......wwwmiw1" v- reieriDurnpHfi 1. Fanny 1348a Konr. Düringer III. 341 2719,48 3,69 7,98 2. Bertha I. 4196 Zoh. Hch. Atüller II. 367 3537,88 3,40 9,64 3.' Alma 1342a Bürgermstr. Heller 318 5523,66 3,59 17,37 4. Bertha I. 3429 Krd. Jak. Dürillger 341 3297,47 3,65 9,67 5. Lacticvfa 4190 Wilhelm Fenchel 449 3816,50 4,48 8,50 6. Gäbel I. 4197 Bürgermstr. Holler 382 4595,46 3,93 12,03 7. Ealixta 2513 Heinr. Müller II. 573 7760,14 3,41 13,54 8. Harmonika 2563 Zoh. Gg. Alles IV. 434 7609,43 3,90 17,40 9. Gäbel 2574 Bürgerntstr. Holler 554 10465,06 4,19 18,89 Die Leistungen einzelner dieser Kühe seien geradezu außergewöhnlich. Ta die Kühe aber unter Kontrolle geprüft wurden, sei an deren Richtigkeit nicht zu zweifeln. Sie bestätigten außerdem die Richtigkeit des Urteils aus den Tierschauen: denn sämtliche Tiere seien auf oberhessischcit schauen prämiiert worden. Der Referent wünscht, daß die Nachzucht so leistungsfähiger Tiere in erster Ltnie zur Zucht benutzt werde, und daß besonders männliche Nachkommen in rationeller Weise aufgezogen würden und alS Gemeindebullcn Verwendung finden möchten. Im Anschluß an den Vortrag wurde besonders die Fütterung der fraglichen Tiere sestgestellt. Bei der Beratung der Abänderung der Vereins- satzungen wurde beschlossen, daß als Vereinsbeitrag von jedem MitgUcdc pro Herdbuchtier 25 Pfg. erhoben werden sollen, und daß der Ausschuß des Vereins sich aus den Mitgliedern des Vorstairdes und dem Vorsitzenden der Ortszuchtvereine zusammen- setzcu soll. Außerdem sollen von auf Ausstellungen erzielten Preisen 20 Proz. in die Vereinskasse fließen. In den Vorstand wurden gewählt: Bürgermeister H o l l e r - Ober-Hörgern als zweiter Direktor und Landwirt Fenchel-Ober-Hörgern als Schriftführer. Erster Tirektor ist Kreisamtmann Hechler- Gießen, der schon in der letzten Sitzung gewählt worden war. Für das nächste Jahr wurde in Aussicht genommen, die in Mainz stattiindende Landesausstellung zu beschicken. Tic rege verlaufene Versammlung berechtigt zu der Hoffnung, daß der 53 er ein die große Zahl der ihm gestellten Aufgaben nunmehr energisch in die Hand nehmen und zum Segen der heimlichen Viehzucht arbeiten wird. , 07(0 07 CO 67 co oq CO CO 6) & & A e O er ~ cf c -. ' S 2' s U S rr. er 67 s er-2. S L « A em 67 2" 5" o O' O S- % cr_ 3 *’*' o § S S. S' S S co cm er & 0. —♦! o 3 c er 3 3 <~t <50 13 ;? £ i 67 z er o ~ Ä 3 6, 2 Zg CT 3* Z § 6)^ E S <2 o _ Ü7- er er c- 2 ö - Sr ~ S er er 3 S < X o — 3, **- * e/ o 2 "5 er c’ o 3 O S 5 § 5, CO —' _L, 3 qO 2 @O - cr^ £ 7? — —. 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