yrr. L8L aufte, Sonntag». Dem H'eßeier Anzetger werden im wechsel mit dem Kesfifchen Landwirt die Gtehener Kamillen- Hättet viermal in der Woche bei gelegt. Mala non-druck u. Ber» lag bet Brüh l scheu UnivetV©ucb-u. Stein- bmderrt. R. Lang«, fRehaftkm, Srpedilto« und Druckerei: Gchotstroh« le tlbrefle ffii Deoeschem Lvzeigee GietzetL. ßierniprechonichluy Nr 51. Erstes Blatt. 164. Jahrgang Mittwoch 8O.NovemberL8v4 Amts- Md Anzeigeblatt für den Kreis MW •tyr H K N I 9eiafl»pret8i monatnch 75 otertet* (ahthd) ML. 8.20; durch Vlbtiofe- il Zweigstellen monatlich 65 Bf.; durch die Post SFlt. ö.— Viertel- jährt ausfcht Bestellg. Annahme von Anzetgea für die Tage-nummer bis vormittags 10 Uhr. Zellenpreis: lokal 18 4u6mdrtS 20 Pfg. Verantwortlich fül den pohL und allgem. teil P. Wittko. für #©tabi und Land^ und „GerichtSfaal*: August Goetz; für den Anzeigenteil. HanS Beck. §ie heutige Wummer umfaßt 14 Seiten -wktyjawrerzaTKsaiMai Kleines Aenilleton aber hat sich im ganzen großen Deutschland nicht eurer, an die völlig bereit liegende Ausgabe herangew-agt. Bor lauter Theorie ist uns die Praxis, vor lautet! historischer Gere chtig keil der frische Antrieb, der; nach dem Wägen auch wagt, vor lauter Sachlichkeit die Persönlichkeit abhanden gekommen, und aus dem Tunket dieser unerfreulichen Perspektive dämmert noch kein neuer Tag. Tie rücksichtslose Offenheit und die Kampfes- freude für das Ideal, wie sie Präsident Roosevelt seinem Bolte empfiehlt, sie wären bei uns, in der Richtung auf sehr reale Ziele, dringend vonnöten. In dem Verlangens nach mehr Persönlichkeit können wir uns Roosevelts Wort zu eigen machen: „Groß kann ein Bolk nur werden, wenn es Tatkrast hat und wenn die Erinnerung an seine Vergangenheit aus gesunden Wurzeln genährt wird." An den gesunden Wurzeln für unsere nationale Erinnerung fehlt es uns zum Glück nicht; fein Bolk kann sich besserer rühmen. Um jo schmerzlicher gebricht es uns an Tat- kraft, cm Persönlichleiten für die Ziele der nationalen^ Große. erglänzt. _ Karlsruhe, 29. Nov. Im Markgräflichen Palais wurde heute das badische Tuberkulose-Museum eröffnet, in Gegenwart des Gäwßherzogs unb der Großherzogin als Protektoren des Erbgroßherzogs, der Erbgroßherzogin, des Prinzen Karl und Gemahlin, der DJlinifiicr usw. Auf die Ansprache des Lbcrregier- ungsrates sprach der Grvßherzog seinen Tank daftir aus, daß ihm und seiner Gemahlin das Protektorat angeboten wurde. Er dankte ferner allen, die an dem Zustandekommen des iDiufeumä mitgeardeitct haben, und toürtschte, daß das UiUernehmcn allen volle Befriedigung und die besten Erfolge bringen möge. Zum Schluß wandte sich der G r o ß h e r z o g a n einige Vertreter der Arbeiter, die seinerzeit das Charlottenburger Museum besucht hatten, und drückte ihnen seine Freude darüber aus, daß sie stadem wohltätigen Werke widmen wollen. Tarauf wurde ein Rund - gang durch die Ausstellung angetreten. — Tie Schauspielerin F a n n y Ianaus ch e k ist am 29. dsS. Mts. in Newyork im Alter von 74 Jahren gestorben. 1847 war fie 'JJlitßliei) des Stadtlheaters in Köln, 1648 kam sie nach Frankfurt. Später begab sich die Künstlerin nach Amerika, wo ftc von Triumph zu Triumph zog und nw |ic auch den Abend ihres merk- würdigen X.'cbeiiv verbrachte, zuletzt in großer Armut. Ihre künsd lerische Größe lag nt der plastischen Tarstellnng trägstcher Rollern ivic Klärchen, Gretchen, Teborah, Julia und so rverter. Politische Tagesschau. „Hibernia" im preutz. Abgeordnetenhaus. R. Berlin, 29. Nov. Es hat schon manchmal große Tage im preußischen Abge^ ordneteuhaus gegeben, aber selten land sich eine so interessante, gewichtige Hörerschaft dazu ein, wie heute. Tie Hibernia-Vor- lage machte die Kreise der Berliner Finanz mpbtl und rief aus den Kohlen- und Ersenrevieren des Westens fast alle mtsere bekannten Industriellen ^rbei. Tas Schauspiel, den hitzigen Kampf um das meistgenannte' und dadurch zu ungeahnter Popularität gelangte Kohlenbergwerk auf der erweiterten Szene des Paria- meitts fortführen zu sehen, wollte schwerlich'jemand missen, der Zeuge und vielleicht auch 'Teilnehmer genxfen der bisherigen zum Teil in der Verborgenheit geführten Gefechte zwischen der oerstaatlichungseisrigen Regierung und der sich verzweifelt wehrenden Hibernia. Ta saßen die Interessenten dicht gedrängt auf der Tribüne. Freunde und Gegner der Verstaatlichung in buntem Tnrcheinander. Hier ein Banldirettor, daneben ein Kohlenbaron, dann ein Börsianer, ein kühner Spekulant — alle waren ganz Ohr und wichen und wankten nicht, ob auch die Sitzung von elf Uhr mittags bis in die fünfte Nachmitaags^ st u n d e sich hinzog. Welches sachverständige Publikum und zugleich ein Publikum von Millionären oder über Millionen gebietender Personen! Tas Mienenspiel dieser Hörer zu beobachten, bot ungleich mehr Genuß, als den Reden zu folgen, die int wesentlichen wiederholten, was durch die Presse ge», gangen ist. Zugegeben, daß Handelsminister Moller in seiner fünf-, viertelstündigen einleitenden Rede recht glückliche, zum Teil witzige und schlagende Wendungen fand, z. B. wenn er bemerkte, er wisse, wie Geschäfte gemacht würden, oder wenn er an die Tadler des Aktienlaufs die Frage richtete, wie sie es Denn an seiner, des Ministers Stelle, anders hätten machen wollen, eine Gesellschaft auszukaufen, als sich durch Aktienerwerb eine Position für die Verhandlungen zu sichern? Aber die Meinungen, wie sie sich schon oben ausprugten in der ganzen Haltung des Auditoriums, dec stille und vielsagende Kommentar durch ein Kopfschütteln, ein sarkastisches Lächeln, eine diskret abwehrende Handbewegung, durch kurzen flüsternden Meinungsaustausch Gleichgesinnter: dies fortwährend wechselnde Bild mußte das Hauptinteresse in Anspruch nehmen. Unb dann der Triumph, wenn ein Abgeordneter, Ivie z. B. Herr Cassel von der fts. Bolkspartei, mit aller Schärfe die Vorlage bekämpfte, menn der Nationalliberale Schiffer dem Minister, dem ehemaligen Parteigenossen, allerlei unfteundliche Tinge über die Art und Weise der Transaktion sagte. Weit bogen sich die Hörer vor, keines solcher „trefflichen" Worte zu verlieren; von ihrem Antlitz leuchtete eine Befriedigung, wie sie nicht lebhafter und aufrichtiger sein kann nach einem bestens, gelungenen Geschäft. . ...... Indessen, das fast zweifellose Endergebnis stt, daß bet, preußische Landtag sich mit dem Ankauf der Hi- bernia-Aktien einverstanden erklären wird. TaS ließ sich troy einer Reihe von Bedenken, die mehr der Form der Transaktion galten, aus den Reden der Abtzg. Tr. Spahn ^Zentr.), tr. Kessel (kons.) und v. Woyna (fttons.) entnehmen. Tiefelbe nüchterne Meinung hatten auch 'die Tribünengaste, als sie sich anschickten, das Haus zu verlassen. Morgen wird noch ein Tag der Hibernia gewidmet werden. * ins Ungemessene, ja Wahnttützi^e in einem Mangel des Volkslebens, der auch von ruhig prüfenden Beobachtern immer schwerer empfunden wird. Mag Amerika an einer gewissen Hypertrophie der Persönlichkeit leiden, so laboriert unser Vaterland an ihrer Unterdrückunc;. Eine äußerlich tatenarme Periode hatte bei uns Persönlichkeiten in reicher Fülle herangereift, — als die größte unter ihnen den Mann, der Roosevelts Ideal entsprechend, Sittlichkeit und Kraft in reichstem Maße in sicy einte, und der darum unserem nationalen Sehnen eine Erfüllung, unseren nationalen Erfordernissen eine Gestaltung zu geben vermochte, die das deutsche Fuhlen als sittlich und groß zugleich empfindet. Ist es, wett er selber die Unterordnung seiner eigenen, gewaltigen Persönlichkeit unter die nationalen Ideale fyer Selbstzucht, der Vasallentreue, der Disziplin stets erstrebt und einem neuen Geschlecht als sein großer Lehrmeister dieselbe Unterordnung ins Blut gesenkt hat, ist es, weil die Natur unseres Volkes, nachdem sie manchen Großen und diesen Größten gebildet hatte, erschöpft war und Ruhe brauchte zu neuem Schaffen, daß unjere nachgeborene Generation an Persönlichkeiten jo bettelarm erscheint? Läßt bei uns eine Uebertreibung des alten germanischen Ideals der Gefolgstreue keinen Führer auf- tommen, oder fehlen die Staturen, die zu wirklicher Führerschaft berufen sind, tatsächlich so ganz und gar? Steht — um uns nicht in Konstruktionen zu ergehen, sondern ins Herz der Wirklichkeit zu bringen — die einzige starke Persönlichkeit, die wir in Deutschland in verantwortlicher — in verantwortlichster — Stellung erblicken, der Entwickelung anderer Persönlichkeiten jo sehr tm Wege, oder erschein: sie deshalb so stark, weil jene überhaupt nicht vorhanden sind? Trägt eine bis auf die Spitze getriebene Sachlichkeit in unseren Institutionen, die Disziplin im Militarismus das konstitutionelle Element im Parlamentarismus, die Objektivität unserer Rechts Verfassung, die Methodik unserer Wissenschaft, der akademische Kanon unserer Kunst die Schuld daran, daß nirgend in allen diesen Gebieten des öffentlichen Liebens die Persönlichkeit recht aufzukommesn vermag, und daß sie da, wo sie sich trotzdem zu regen scheint, von den Mächten des Beharrens mit eifern em Zwange nieder gehalten wird? Dem Politiker liegt das Staatsleben mit seinen Nöten und Notwendigkeiten besonders nahe: warum sinkt der geistige Gehalt der parlamentarischen iDcrhandlungen immer tiefer, warum rufen die dringendsten Aufgaben politischer uno sozialer Gestaltung vergebens nach Mannern? Scheint aus der einen Seite jd er P ar lauten taris mus der Betätigung der Persönlichkeit immer mehr Eintrag zu tun, so wohnt, auf der Kehrseite des staatlichen Lebens, seiner Nachtseite, wie die Verfechter der historischen Ordnung meinen, dem Sozialismus das gleiche Verhängnis inne; er schließt das persönliche Element geradezu bewußt aus, und die Mächte der Bejahung wie der Verneinung erjcheüten in ihren Wirkungeit nach dieser Richtung durchaus gleich geartet. Der immer noch in der Zunahme ßegrifjene Einfluß der Staatsverwaltung und der Staatsbetriebe mit ihrem teils bureaukratischen, teils milüärischen Zuschnitt tut das Seinige zur Ertötmtg freier persönlicher Initiative. Gewisse Problerne der nächsten Zukunft, deren Lösung das staatliche Leben aus der Versumpfung retten könnte, sind mit Händen zu greifen. Die wichtigste Aufgabe positiver politischer Betätigung, so führte der „Hann. Kur." dieser Tage sehr richtig aus, schreit geradezu nach einer Persönlichkeit; es ist die Einsetzung großer zahlreicher A r beiter bat aillo ne, die, längst gesammelt, unter tüchtigen Ossizieren des entscheidenden Nuss gewärtig sind, für die realen Güter dLs bestehenden Staates und gegen die zerstörenden Lehren der Sozialdemokratie. Die Scharen rufen vernehmlich nach einem Führer. Die politische Konstellation wäre mit einem Schlage umzugestalten, wenn oieses gewaltige Heer mit seiner vollen ^chlagfähigkeit unter die maßgebenden Machtfaktoren eingereiht würde. Die Ausgabe verlangt nur einen Mann, aber dieser Mann fehlt. Friedreich Naumann könnte der Mann {ein, wenn er zu handeln, nicht bloß zu reden wüßte. Außer ihm — Die 6. Jahresausstellung L Künstler im Kunstverein an der Iunghofstraße. Aus Fraukpurt Mrd geschrieben: Im ganzen treten uns bei der diesjährigen Ausstellung keine übevraiäiendrn neuen Persönlichkeiten entgegen. Tie älteren Landschaftler unseres Künstlerkreises bringen ichbne Bilder ihrer erprobten E germrt, Spessart- unb Taunus- bilder vou Mohr und Wucherer, ron Eyersdörfer besonders blühende Kirjchbäume. In mehr stilpietter F-orm treten uns Clemens Fränkel und Karl Piepüo mit einer „römischen Land- ick>ajt" unb einem ,Metonischen Torfe" entgegen. I. H. Limpctt ist mit einer alten Mühle, Ziegenrneyer mit einem Herbstrnoraen, Anette Bettel mit einem Spaziergang am Main, Rudolf Pichler mit einer Heuernte vertreten. Bon den Marinen sind Alfred Helbergcrs Seestück, Franz Grafs Fischerftauen und Morgensterns Nordseesttand hervorragend. Altton Burger, dessen achtzig- jährlger Geburtstag Mlgft ohne sonderliche Feierlichkeit vorüber- aegangen ist, hat ein feingetöntes Jaabbilb ausgestellt. Tann hat Paul Audorff, der intime Geschichtsschreiber des alten Frank- urt, eins seiner öesck-eib-ncn entzückenden Bildchen geschickt. Fesselnd sind einige Genrebilder inmitten frischer Landschaft von Emil Beithan und Jdi Teichmann; letztere zelgt drei tanzende Mädchen in antiken Gewändern auf grüner Wiese^ ein reizvolles, fein empfundenes Bild. Beithan brüujt eine l'Mich beobachtete „Ge- wisseuösrage" und das lebenswahre Gespräch vou „Zwei Krätscher". Auch Äiaria Mauiius fällt mit einem Mädchen aus, das einem Papagei Zucker reicht. Die Radierer dieses Künstlerkrcises sind Meister Niauield und feine Schülerinnen F. RedclShcimer und A. B er sei, ersterer mit dem Inneren von St. Peter, ein prachtvolles Blatt, dann Ettore Cosomati mit einer vorzügiichen Straße in Cronberg u. ci. Von ben 21 plastischen Arbeiten erwähnen ’ .viv ov'w .pausmamis Marmorbruunen Eva, ein ganz hervor- . ragendes Werk: ein zartes noch lindlmsteS Piadcheu steht au MrförrlichLeit. teilte der letzten Hefte von Hcrrdens „Zukunft" gibt eine Ausführung des vor kurzem nochmals zur Macht berufenen Präsldenten der Vereinigten Staaten, Thepdor Roosevelt, wieder, die in mehr als einem Sinne1 merkwürdig genannt werden kann. Sie ist in ihrem Kern ein unumwundenes, hochgemutes Bekenntnis des Vdannes, der von vielen für einen ausgezeichneten Typ des modernen Ameritanertums g'.ehalten wird, zum Idealismus, zu denjenigen Gütern des Daseins, deren Wert sich nicht in Dollars und Cents darstellen laßt und die nicht durch geriebene Geschäftspraktiken erworben werden. Unb Roosevelt preist die großen Männer der Vergangenheit vom Schlage eines Washrngton und Lincoln nicht sowohl um der realen Erfolge ihrer Taten willen, nicht für die Gesetze, die sie entioarfen und zur Geltung brachten, oder die Siege, die sie über mächtige Feinde davonrrugen, — obwohl man alles dies gar nicht hoch genug einschätzen könne, — als wegen des unberechenbar großen Einflusses ihrer Taten und Worte auf den Wolkscharakter. Von Männern solcher Art habe man nicht nur das Reich ererbt, das mit ihrer Hilfe errichtet und befreit wurde, sondern auch das Beste und Edelste, was ihr Charakter, ihr Leben zu Meten hatte, ben Ruhm, bie Ehre, bas Wunber, den Ideengehalt ihrer Taten. Indem er das landesübliche Persönlich teils ideal breiterer Schichten weit von sich weist, feiert der Präsident, als Wortführer der erleuchtetsten unb ethisch hochstehenben Kreise seines Volkes, einen erhabenereu Persönlichkeitsge- banken, bas Ideal der Tatkraft auf dem Grunde sittlicher Reinheit, das Wesen der „Aiänner, deren Handeln zu uns sprach oder deren Worte eine besondere Weihe und Bedeutung dadurch erhielten, daß sie von Männern der Tat gesprochen werden". „Groß kann" — so ruft er aus — „ein Volk nur werden, wenn es Tatkrast hat und wenn die Erinnerung au seine Vergangenheit aus gesmwen Wurzeln genährt wird." Es verlohnte sick) wohl, das Persöulichkeiisideal eines Mannes, der seinen Landsleuten und dem Ausland selbst als ausgeprägteste Persönlichkeit gilt, einer Musterung zu unterziehen. Vielleicht würde sich dabei Herausstellen, daß es seinen ethischen Inhalt nur dadurch erhält, daß die Umwelt Roosevelts nicht arm ist an Persönlichkeiten in jenem banaleren und robusteren Siime, den er ablehnt, an Leuten, die ihre Ellenbogen und nicht selten auch gefährlichere Waffen, körperlich wie geistig, zu gebrauchen wissen. Erst aus dem Boden eines sozusagen mehr phyfcschen erwächst das sittliche Persönlichkeitsideal als feinste Blüte der amerikanisch en Kultur, deren volle Eutfalttmg wohl erst späteren Geschlechtern zu schauen vergönnt sein wird. Steht es in der alten Welt, in Europa, und vor allem bei uns in Deutschland nicht vielleicht gerade um- aekehrt? Manner rücksichtsloser Energie lenken die Geschicke des immer noch jungen oder doch sich stets ver- lünqenben kolonialen Staatswesens jenseits des Ozeans; die Wahrnehmung von allzu viel Tatttajt, Geschäftigkeit, Beflissenheit gibt dem Manne an der Sprhe jenes Staats- weiens, dem der reichliche Besitz aller dieser Eigenschasten nachaerühmt — nicht einmal stets zum Ruhme nachgesagt — bie Sehnsucht nach der Erfüllung eines oftmals ruchlosen Treibens mit dem sittliche^ Ideal hochstehender Manner der Vergangenheit ein. Wir Dents che dagegen tragen immer noch schwer an dem Erbe tatenloser Seiten, in denen ber Gedanke alles und die Tat nichts, das Ideal Weltfremdheit und die Sittlichkeit Unmann- lickkeit war; uns von diesem Ballast zu befreien, tonnte der Denker, her, man mag über sein System urteilen ww man will, einer starken Sehnsucht der Zeit Gestattung lieh, das Idealbild des Herrenmenschen, der blorcken Bestie schaffen, des Siegers im Daseinskämpfe über tauseno minder au werdende Existenzen. t .. Auf der einen wie auf der anderen Sette beruht die Gestaltung des Ideals, und - bei uns ihre ^bb^^lbung _Der Siegeszug (Don „CHarleys Tante". Nach vierzehn langen Jahren ist „Charleys Tante" m berii al einigen Besitz il-rcs Erzeugers Brandon Thomas zurückgekehrt. Mit ickmerzlichem Lächeln Mrd «et die so lange Ansgebliebene, so viel Gefeierte empfangen haben, denn die Erfolge,., ine sie errungen, die n^eheuren Annahmen, die fie erzieltt sie Nicht dem Berfasser oeS Stuckes zugute gekommen, sondern W. D. HMiey, der sich auf 14 Jahre bas Verfügungsrecht über bas ^tuck ncjiäjcrt halte. Ter Siegeszug dieser Tante ist w noch immer lucht beendet. Erst in diesen Tagen erschien fie wieder einmal bei uns in Gießen. In ihr hat der konsequente Blödsinn triumphiert und einen Erfolg erzielt, wie ihn noch kaum re ein Theateriiück gehabt. Ta „Charleys Tante" es in einem ^Heater aus 1460 Ai'.ssührungen gebracht hat so bedeutet seine ^Msulirungs- zif er sicher ben Rekord unter allen Zugstücken der Welt. ~a3 Siück wurde in wenigen Wochen geschrieben und zuerst nt Bury St Edmund-Theater am 29. Februar 1892 aufgcführt und nach einer Tournee in den englischen Provinzen im Tezember imch Loudon gebracht. Einen Monat später drängte sich ganz Loudon es zu sehen, fodaß fäfließlich die Ladeninhaber der Newcastte-street dieo • di'cftion des Theaters verklagten, weil der Andrang iu ben Aussüöcungeu Ursache täglicher Verkehrsstörungen war. reiiinbc Gesellschaften spielten das Stück in ben Provinzen, unb in Amerika nahmen sich fünf Gesellschaften des Werkes an. Varis wurde c3 mehrere hundert Male gegeben, und iN fast nll u europäisch' n stabten lourbe „Charletzs Tante" vor auSver- . lauilen Haujeru gefpicll. Selbst ins Griechische wurde dies in Crolibera M^icrw-rk U Un.innS übcricvt. und brachte auch in oct einstigen war Fns Sprache des Sophokles ungeheueres Lachen hervor. 1 .uigenoo Frankfurter einen Baumstumpf, um ben sich eine Setzlauge windet, gelehnt, 1 jinnenb und zögernd, den Lipfel nieder rechten .Hand. Dann hat Gustav Herold eine lebens ftp che Statuette Prof. Ernst HäckelS ausgestellt, G. Bäumler, E. Rittweger unb Luise Schmidt lebenswahre charatteristische Porttätbüsten. Mehr von ben über 200 ausgestellten Arbeiten können Mr heute nicht verraten, nur daß an einigen schon das ftemidliche blaue Schildchen „verkauft" L also ein werden. Zu haben in Apotheken u.Drogerien. — Broschüre gratis u. franko von Bauer & Cie., Berlin SW.48. Nov. 14. Dem Friseur Friedrich Büttner eine Tochter Elisa* betl). — 15.Dem Universitätsquästor Adam Kauß eine Tochter.— Tcm Hitfswagemvärter Karl Schneider ein Sohn Karl. —17. Dem Hoboisten Johannes Vomend eine Tochter. — 18. Dem Kaufmann Georg Rißet eine Tochter Mathilde. — Dem Stationsassistenten Friedrich Wiegand eine Tochter. — 19. Dem Oekonomieverwalter Wilhelm Dingel ein Sohn Kurt Heinrich. - 20. Dem Gärtner Wilhelm Moser ein Sohn. — 21. Dem Zuschneider Heinrich Euler eine Tochter Marie Wilhelmine Dorothea. — Dem Kaufmann Repräsentanten kältester Düsternis. Zwei feindliche Pole bekämpfen sich hier, die sonst sich stets angezogen haben: dramatische Dichtung und Musik. Die Saalbau-Liga, die man wohl eine Antitheaterliga nennen könnte, erhebt den Kampsrtlf: Entweder alles oder gar nichts! Sie scheint drauf und dran zu sein, die keineswegs beneidenswerten gegenwärtigen Zustände lieber beizubehaltcn bis zu dermaleinstiger glänzenderer allgemeiner Finanzlage in Gießen, als sich mit dem .Notbehelf" eines gemeinsamen schönen Saals zu begnügen. Nachgeben ist indes stets der grüßte Triumph! Schlagen wir doch zwei Fliegen mit einer Klappe. Bezeigen wir bei Errichtung nur eines Saales Reverenz dem Geßler-! Hute der Konzertpartei unter möglichstem Entgegenkommen aller ihrer Sonderwünsche inbezug aus eigene Zimmer zu musikalischen Proben re. re. Mit geringen Kosten ließen sich ja mannigfache technische Vorkehrungen treffen, um die Bühne brauchbar zu machen zu Konzerten, wie deren Drehbarkeit । u. a., was Herr S. bereits in Vorschlag gebracht hat. Schließlich wird die Musikliga selber zugeben müssen, daß die Erfüllung ihres Hauptwunsches gar so dringend nicht ist. Herr Bauinspektor Becker behauptete neulich wieder, Konzerte in Theatern feien nur selten zu finden. Indes wissen die meisien Gießener, daß die Frankfurter Opernhauskonzerte mit größtem Recht weiten künstlerischen Ruf genießen. Die Konzerte im Berliner kgl. Opernhause aber gehören zu den allerberühmtesten, die man nicht nur in Deutschland, sondern die man in unserer Kulturwelt überhaupt genießen kann. Und in den Hof-Theatern vieler kleinerer deutscher Residenzen habe ich die schönsten Konzerte zu hören, die größten Gesangsiterne, ja sogar Klaoiervirtuosen zu bewundern Gelegenheit gehabt. Rubinstein am Klavier habe ich z. B. im Hoftheater zu Oldenburg gehört. Diedeutsch-osterr. Handelsvertrags-Verhandlungen gescheitert? Graf Pos adv ms kn erhielt, wie gestern abend aus Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Domierstaq, den D,r Aufstand in Peutsch-Südwcstasrika. Entschädigung der Ansiedler. Wien gedrahtet wurde, yvpw.* ~- pesckw, von deren Inhalt er am Racdimtttag dem Grafen Gvluchon'sku Mitteilung machte. Bon dem Ausfall dieser ttnteri-edung werde es, so lautet die Wiener Depesche weiter. heute nicht gedacht werde. Wollte man — so sagen sich viele ernste Kunstfreunde, Freunde des Theaters und der Musik — einem solchen Ideal jetzt nachjagen, so hieße das mchts anderes, als die Entscheidung der Baufrage aus die lange Bank schieben, denn wer zu viel aus einmal erstrebt, setzt sich der Gefahr aus, nichts zu erlangen. Den Besitz' zweier Häuser erkennt man in kunstliebenden Kreisen fast allgemein als wünschenswert an, sagt sich jedoch, daß man vernünftigerweise sein Augenmerk nur auf das mit den in Aussicht stehenden Mitteln in befnedtgender Wege wirklich Erreichbare richten solle; das ist aber unter den gegebenen Verhältmsien doch nichts anderes als die vorläufige Erbauung etneS für Theater und Konzerte in gleicher Weise benutzbaren SaalcS, den man unter Berücksichtigung der ursprünglichen Eine QuellederKraft für Alle die sich matt und elend fühlen, nervös und energielos sind, ist Sanatogen. Von mehr als 2000 Aerzten aller Kulturländer glänzend begutachtet. Von dem Verfasser des ersten Sprechsaalartikels war von den „doch gar oft unechten Steinen" unserer heutigen dramatischen ftimft die Rede, von dem „falschen Wege", aus deut „das moderne Theater vielfach wandele." 5>aA zeitigt denn die moderne Musik etwa feine Auswüchse? Ter verstorbene große Musikästhetiker Hauslick hat in den vielen Bänden, die er verfaßt hat, unendlich mehr von schlechter als von guter Musik geredet, sowohl was die Produktion als was die Reproduktion anbetrifst. Und ein Blick in die Musikkritiken bet Berliner und Wiener Mütter zeigt uns kaum ein anderes Bild als das, welches uns Hanslick in seinen Scl>riften über die moderne Konzertsaalkunst entrollte. Derselbe Herr Einsender sprach auch davon, daß unser Theater zurzeit stets nur mäßig besucht werde und zog daraus trostlose Schlüsse auf die. Zukunft eines Theater- neubaues. Wir meinen, daß unser Theater erst eine sinan- ! zielte Zukunft hat in einem neuen Hause. Heute halten I sich noch viele Kreise von unseren Theatervorstellungen! konstant fern in der Annahme, daß diese ihnen aus den verschiedensten naheliegenden Gründen doch nichts wahrhaft künstlerisch Erfreuliches zu bieten vermöchten. Unsere Bühne im Leibscheu Saale ist allerdings wahrlich nicht geeignet zur Befriedigung der Träume eines für die Meisterwerke unserer klassischen Dramatiker begeisterten Publikums. Die Direktion unseres Theaters bedauert es zweifellos ganz» außerordentlich, daß sie schon wegen des beschränkten Bühnenraumes auf die Aufführung unserer besten klassischen Tichtnngen verzichten muß, die allezeit und allenthalben die besten Kassenrapporte int Gefolge haben. Ju einem neuen Theater, dessen Buhne natürlich in weitsichtiger Weise so großzügig angelegt werden müßte, daß sie nicht nur momentanen Bedürfnissen, sondern auch einer etwaigen zukünftigen Ausgestaltung der Tinge und insonderheit allen I Konzertanforderungen entsfiräche, würden diese in durchaus beiden Flügel, desien einzige ästhetische Vorzüge mehr noch in den außerordentlich putzenden grünen Dächern als in der kurzen Front liegen, würde die Allgemeinheit gar bald als ’J fRrfyxVninpn I merkwürdig unschön empfinden. Alles Geniale ist zwar ein- ^örbcntna des Tctd) wie ein Sonnenstrahl, die Dülser'schen Seitenflügel aber o o •?. . sind mit ihrer strengen Verpönung jeglichen Schmuckes die Tie Konzertpartei sucht uachzuweisen, daß nur ein Saalbau ein sonst nach ihrer Ansicht unausbleibliches Defizit vermeiden könnte. Ja, würden' denn die wenigen A-onzerte unterer wenigen großen Musik- Jakob Hengst eine Tochter, vereine wirklich allein den Kohl fett machen können? Ohoße Gestorbene. K e . Gesellschaften würden in dem Saalbau doch nicht allzu häufig Nov. 21. Julie Schnelder, 6 Monate alt, Tochter deZ> Straßen- ftnfh'inbeii fnitncu Tie privaten Säle würden in jedem kehrcrS Konrad Schneider III. dahier. — 22. (SlijeJ5(urte§, gev. SlnbieVreifc^ und glänzendsten Lokale? toeituiüerbtctrn, sodaß die aller- Seivv, MW« cilt?M-irrer 'dadier. - 25. Katharine meisten nicht vom Konzert- oder vom Akad. GesangvereinLlrnoIb qcb< Rothcrmel, 63 Jahre alt, Witwe des Landwirts veranstalteten Konzerte doch nach wie vor in anderen Ran- C.hristian Arnold dahier. men staltsinden würden, bereit Inhaber ober Pächter ja' ———# auch leben wollen, zu benen bttnu vollwertig auch noch ber bes allabenblich zu habenben Leibschen Saales träte. — » ... Für eine nur geringe Zahl von Veranstaltungen würde i. Dezember 1904: Meist trüb, milder, besonders nachts, wmdtg, solcher teurer Prachtfaal heute geschaffen Niederschläge, besonders im nördlichen Gelnek. ' ■ 1 1 Näheres durch die Gießener Wetterkarte Ganz umsonst erhält Jedes sg ' S Nemontoir°Uhr, welches 400 leere Schachteln von Gioch's gemahlener Kernseife an den Fabrikanten I. Gioth, Hanau, einsendet, [hv19/* Bestimmung sofort mit Fug und Recht „Schauspiel-! arn .......... nm: uuvuu UUV|unb KonzerthauS" nennen könnte, unter ausdruck- c gestern mittag eine wichtige De kicher Beibehaltung des Projektes emeS Doppelhauses, " ' ■ " - " c"t I beffen zweiter Flügel in späterer Zeit anzugliedern wäre. Daß ein solches Projekt einen unglücklichen Torso iiTtteriTDunit ipciuv w, ,u iuuul vw . *,।miv .v....»,. barstellen müsse, ist keineswegs voll nölen. Nehmen abhtmgen, ob die Handelsvertra^5vcrhandlun'gen durch die I xn bcm heutigen Dülser'schen Projekt die beiden Fachrc^erenten tveitcrgefü^*t. werdet. Falls es nicht ge- cy.(üqc( M architektonisch ganz unzusammenhängende linat. die Disterenzen m freundschaftlicher Averse Einzelgebäude auS. Wie viele berühmte Bauten aber kennt tWt, 'NM'-du» Zeutsch land den yan. die durch spätere SluS. ober Anbauten b€« gebiert1 haben, daß ein Brest; oll von ihre ursprüngliche schöne Einheitstchkeit nicht emgcbüßt haben, 9 Mk für 100 Kv. vereinbart werde. Das entspreche nn Gegenteil. einem Stückzoll unter der Voraussetzung eines Gelvich- DaS Bild zweier zu einer architektonisch wirkungsvollen! res von 7 M etertzen tu er von 63 Mk. gegen 25^ I Gebäudegruppe verbundener Säle, die eine ntttstergiltige Pflege- Mark im geltenden 3 o HD er trug. x stätte beider Schwesterkünste zu sein berufen wäre, läßt sich Heute kommt nun das Telegramnt aus Wien, Graf . von ^^r Phantasie äußerst glänzend ausgestalten. Frei- Posadowskl) und die anderen deutschen .Handelsvertrags- . ^j^lrt, wie diese Idee in Nürnberg und Gera ver- Unterhändler reisten am 30. Novetnber fruv vott ^ten n a ch entspricht einer idealen Erfüllung dieses Gedankens tSSÄSS 3SÄ iS ä -■ — I Ä.tst Stiittgart bei Bergsträßer) sehr entschieden das mit einem Festsaal verbundene neue Nürnberger Stadttheater. Zu einem M # as- «wirklich repräsentativen Gebäude, auf das wir schon oit5 SJon tobotnaler Seite wirb gefiiineben. Sie Stnrcin ästhetischen Grünben stolz zu sein ba$ gute Recht hätten, von fünf MillionenMark IN ben Nachtragsetat sär ^bit mehr Gelb, als wir unter ben Sübwestafrika zur Entschädigung ber Ansiedler hat a^eEn Umstänben heute erwarten bürfen. Einen Ban nach umso größere Besriebigung hervorgen.sen bcr j.tzt uns vorliegenden Dülser'schen Skizze, von so nicht als Darlehen bargeboten, sonbern als voller Ersatz fürI b(, f Unf trjC( U01, fo p(lltnpcr Trivialität ber die durch ben Ausstand erlittenen^erluste^verteilt werderfinden Kliiael. besten einstae ästhetische Vorzüge mehr noch Damit wird man sich aber nicht begnügen, auch über bie amtlich festgestellten Schädigungen hinaus soll den Betroffenen geholfen werden. Die Ziehungen der W o h l f a h r t s l o t t c r i c sollen wieder ausgenommen werden; von sollen */s nach Südwestafrika und Vs v— u n,™ BaumwollenbatieS in den Kolonien verwendet werden. Dieser würdiger Gestalt erscheitten können und weiteste', sonst unH namentlich heute dem Theater ferne Streife, at',ch aus ben1 Nachbarorten anlocken. Vielleicht würbe sogar in absehbarer! Zeit infolge guter klassischer Dorstelltmgen ein großer Teil ber} heutigen Konzertpartei mit fliegenbett Fahnen in bas Lager ber heutigen Theaterpartei übergehen. Herrn Direktor Steingoetter ist eS unmittelbar vor Beginn dieser Spielzeit passiert, daß ein von ihm bereits fest engagierter Künstler mit hervorragenden Zeugnissen nach einmaligem Anblick der hiesigen Theater-Garderoben auf und davonlies, also vertragsbrüchig wurde, trotz einer ko straktlich vereinbarten Konventionalstrafe von mehreren tausend Mark. Er hatte hinterher die Naivetät, nicht viel mehr alß eine Handvoll Kupfermünzen statt dieser Summe dem Direktor anzu- bicten; durch nichts aber, so versicherte er, werde er sich zwingen lassen zum Verbleib in Gießen. AuS den gleichen Gründen sind die Damen Hellberg und Kellermaun trotz Verlängerung ihrer Kontrakte Herrn Direktor Steingoetter in letzter Stunde untren geworden, als sie andere, keineswegs 1 etwa günstigere, sondern im Gegenteil schlechtere Engagements erhielten. AuS demselben Grunde sind viele hervorragende Künstler zu Gastrollen in Gießen niemals zu bewegen. Allein schon bessere Garderoben würden un§ erhöhte künstlerische Leistungen im Theater und damit diesem erhöhte Einnahmen schaffen. Auch Musikenthusiasten sollten nie vergessen, baß breitere Schichten des Publikums heute schon gern und häufig bas Tl)eater besuchen, für Künstlerkonzerte aber auch in ber Zukunft sehr schwer zu gewinnen sein werben. Tas Theater kommt eben stets viel mehr bem Geschmack ber Massen entgegen, als je eine ber hohen musikalischen Kunst sich wibmenbe musikalische Gesellschaft mit ihren schönen Grunbsätzen zu vereinen vermag. Und sie sollten ferner nie vergessen, baß Friebrich Schiller in seiner akademischen Vorlesung „Die Schaubühne als moralische Anstalt" vor 120 Jahren nicht umsonst ber Nation bie Worte zugerusen hat: „Die Bühne ist mehr als jede andere öffentliche Anstalt des Staates eine Schule der praktischen Weisheit, ein Wegweiser durch das bürgerliche Leben, ein unfehlbarer Schlüssel zu den .geheimsten 1 Zugängen der menschlichen Seele. Sie ist ber ge- meinschastlicln Kanal, in welch>em von dem denkenden besseren Teil des Volkes das Licht der Weisheit beninterftrömt und von da aus in milden Strahlen durch den ganzen Staat sich ver- I breitet." Mit ber praktischer! Ausgestaltung bieses Schillersckien Ideals, bie sich barm hmbgibt, baß man zun äch st der hohen bramatischen Kunst eine stilgemäße und weihevolle Heimstätte bereitet, die dazu tauglich ist, auch bie schöne Schwesterkunst in liebevoller Weise zu beherbergen, toerbeit die heute maßgebenden Faktoren sich den Tank von Kindern und Enkeln erwerben und ruhmreich fortleben in den Annalen ber Stabt Gießen. Eine spätere, finanziell glücklichere Zeit möge bann! bie Erfüllung weiterer Wünsche bringen. Avsillg ans bin StMkgmIsrkMnu btt Stabt Sikßtv. Aufgebote. Nov. 18. Friedrich Hermann Oehm, Ober-Telegraphenassistent in Frankfurt a. M., mit Auguste Josephine Schmidt dahier. — Georg Heinrich Scborck, Fabrikarbeiter dahier, mit Margarete Schwab in Nieder-Eisenhausen. — 21. Wilhelm Schund, Hoteldiener dahier, mit Katharine Schieß, geb. Wiegel Hierselbst. — Karl Heinrich Noll, Schriftsetzer dahier, mit Soplne Werner in Burg-Gemünden. — 22. Valentin Günther, Schlosser in Frankfurt a. M., mit Elisabeth Franziska Arnold dahier. Eheschlietzungcn. Nov. 19. Hermann Jäger, Büchsenmacher m Frankfurt a. M., mit Elise Schäler dahier. Geborene. 8631 Die feinsten Neuheiten in Uhren, Juwelen, Gold-, Silbersowie versilberten Waren empfiehlt Juwelier JBrück Kreuzplatz 8 Hilfsfonds ist nicht gering, sowohl feiner Höhe nach, als gc* ' rabe deshalb, weil sich diese Hilfsquelle jährlich erneuert. Damit läßt sich vielen Anforderungen gerecht werden, die ’ außerhalb de§ Rahmens der Reichsentschädigung stehen. Aber fi auch nach anderen Richtungen hin muß mit öffentlichen Mitteln eingegriffen werden, um die unsäglichen Verwüstungen ' deS Ausstandes möglichst zu heben. Zur Bekämpfung ber ' Rinderpest sind 50 000 Mk. in ben Etat eingestellt. Durch den Hereroauffiand sind bie bisherigen Bestänbe an Serum- ( Rindern vernichtet. Da die Vermischung der Rinder infolge deS Aufstundes einen größeren Ausbruch der Rinderpest befurchten läßt, so müssen für bie nächste Zeit besondere Schutzmaßregeln getroffen werden. Für gesunde Rinder hat sich die von Prof. Dr. Koch gefundene Gallenimpsung als wirksam erwiesen, dagegen müffen die Rinderpestheerden mit Serum bekämpft werben. Die Absicht besteht, die notwendige Anzahl Versuchstiere im Schutzgebiet bereit zu halten. Wenn eS nicht möglich ist, die erforderlichen Serum-Rinder im Schutzgebiete selbst aufzubringen, so wird Rinderpest-Serum auS dem Kap- lande bezogen werden. Dies ist nur eine einzige wirtschaftliche Frage. Mmi sieht also, wie vieles zur Besserung ber trostlosen Lage im Schutzgebiete zu tun ist, und welche Aufgaben der Verwaltung obliegen, wenn erst völlige Ruhe hergestellt ist. Die Teuerungszulagen für bie Beamten gehören auch zu den Kosten der Aufstände. Neue Verluste. Am Typhus gestorben: die Reiter Maye und Broßmer. Verunglückt: Reiter Zickfeld in Swakopmund an einer Verwundung (Schuß durch ben Hals) durch Fahrlässigkeit eines Zivilisten gestorben. Air Hießruer ThraLer- und Saalöauftage. IL P. W. Gießen, 30. Nov. 1904. Die Parallel st ellung von Theater und Saalbau rn-ürde unseres Erachtens alle billigen Anforderungen er- füßen. Die zwei gegenüberstehenden Häuser wären durch einen breiten Mittelbau zu verbinden, der alle für Theater und Saalbau gemeinsam benutzbaren Verwaltungsräume, also die Garderobe- und Proberäume für die Schauspieler und Musiker, die Rüstkammer, Bibliothek deS Theaterdirektors und des Konzertvereins re., die Beamtenbureaus, die Billetschalter und vielleicht auch noch daS gemeinsame Foyer enthalten könnte. Es ergibt sich von selbst, welche Ersparnis eS bedeutet, ,evenn diese Räume zu gemeinsamer Benutzung für Theater- und Saalbauzwecke hergestellt werden. Daß mit einem Raum, d. h. mit einem als Theater- tmb Konzertsaal zu benutzenden Saale die Bedürfnisse zweier wenn auch verschwisteter, so doch heterogenen Künste nicht er-1 füllt werden können, ist richtig. Der Doppelbetrieb von Konzerten und Schauspielen in einem und demselben Raume gäbe neben den bereits von anderer Seite erörterten künstlerischen Mängeln auch bei den Proben Kollisionen. Bei zwei Häusern können zwei gesonderte Körperschaften getrennt von einander arbeiten, ohne sich gegenseitig zu stören. Auch die Kosten für Beleuchtung und Heizung, für das Arbeitspersonal und die Feuer- wehrmannfchaften würden sich bei einem getrennten Betriebe für zwei Häuser kaum höher stellen als für ein5. Soweit wir indes die in der Gießener Bürgerschaft herrschende Stimmung erlauschen konnten, besteht durchweg die Meinung, daß ein Doppelhaus zwar eine sehr schöne und allein die Ansprüche beider Künste vollkommen erfüllende Sache märe, daß aber unter den obwaltenden Umständen an eine baldige Verwirklichung eines so großartigen Planes besser Danksagung. Mr die liebevollen Beweise innigster Teilnahme beim Heimgange unseres teueren Entschlafenen sprechen wir unseren tiefgefühlten Dank aus. Frau Kreiling uud Kinder. Gießen, den 29. November 1904. [07179 Arbeitsnachweis der Stadt Gießen Gartenstratze 2 (Bürgermeifteretgebäude) Zimmer Nr. 14. Der Arbeitsnachweis hat die Ausgabe, zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern (Arbeitern jeglicher Art. Dienstboten und _ Lehrlingen) unentgeltlich Arbeit zu vermitteln. An den Werktagen von 8 bis 1 Uhr und von ü bis S Uhr geöffnet. Es können eingestellt werden: B30/11 2 Spengler, 2 schlosser, Eisendreher, Schreiner, 1 Hausschneider, 1 ®la et, 1 tyrtfeur, 1 Kanalarbeiter, 8 Dienstmädchen, 1 Kauffrau, 1 Lansmadchen. (Sö suchen Arbeit: 1 ®au- u. Maschinenschlosser, 2 Eisendreher, 1 Lackierer, 1 Bäcker, I Friseur, 1 Schneiderin, Fabrikarbeiter, 1 Packer, Ausläufer, 2 Fuhrknechte, 1 Kellner, 1 Kutscher, 3 Hausburschen, 1 Lauffrau, 1 jüngeres Dienstmädchen 1 Kellner. Lehrlinge: Äijdjcr WohniWUlhmis Wen. Gartenstratze 2, Zimmer Nr. 14. (Geschäftsstunden von 8—1 und von 3—6 Uhr.) Es find zu vermieten: 38 Wohnungen von 2—7 Zimmern, 2 möbl. Zimmer. Zu mieten gesucht: 44 Wohnungen von 2—6 Zimmern. Die Vermieter haben eine Einschreibgebühr zu entrichten und zwar sür eme Wohnung mit einem jährlichen Mietwert bis 300 All. einschließlich 0,20 Mk., von mehr als 300 Mk. bis 500 All. einschließlich 0,50 Mk., und von mehr als 500 All. 1 00 Mk.; außerdem ist sür jede Wohnungsanmeldung 1,00 Mk. zu hinterlegen. Für die Wohnungssuchenden erfolgt die Vermittelung unentgeltlich^b30/u Bekanntmachung. Im nächsten Sommer soll wieder eine Anzahl armer, skrophulöser Kinder, deren Eltern im Bezirke wohnen, auf Kosten der Bezirkssparkasse behufs Gebrauchs einer Badekur im Elisabethhaus zu Bad-Nauheim untergebracht werden. Anmeldungen, welche durch tue Pfarrämter oder Bürgermeistereien bis spätestens Ende Januar k. Js. hierher einzureichen sind, müssen mit ärztlichem Attest und einer Bescheinigung belegt sein, ivoraus hervorgeht, daß die Kur notwendig ist und die Eltern nicht in der Lage sind, die Kosten selbst bestreiten zu können. Gießen, den 29. November 1904. B30/lt Der Direktor der Bezirkssparkasse Gießen. __________________Wiener.__________________ Bekanntmachung. Es wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß wieder eine Prämiierung von Dienstboten des Sparkassenbezirks stattsinden soll. Prämien können von 5 zu 5 Jahren solche Dienstboten im engeren Sinne erhalten, welche bei der Herrschaft Kost und Logis haben und sich darüber, sowie über gute Führung durch Zeugnisse ausweisen können. Von Vollendung der 5, Jahre kann nur dann im letzten Dienstjahre abgesehen werden, wenn der Dlenstaustritt durch Einberufung zum Militär, durch Auflösung des Haushalts, oder durch Gründung eines eigenen Hausstandes erfolgt. Es werden hiernach alle diejenigen Dienstboten, welche nach diesen Bedingungen auf eine Prämie glauben Anspruch erheben zu können, aufgefordert, sich unter Vorlage der Dienstbücher, eines Zeugnisses der Herrschaft über gute Führung, sowie eines etwaigen Sparkassebuchs (die Angabe der Nummer des Buchs genügt ebenfalls) bei unserer Kasse oder der Bürgermeisterei des Wohnorts bis zum 15. Dezember I. I. zu melden. Gießen, den 29. November 1904. B30/n Der Direktor der Bezirkssparkasse Gießen. Wiener. Renten- ii. Mnö-LerfichernnB-AOlt zu Darmstadt. Die Anszahlung der Renten für 1904 findet im Dezember an jedem Dienstag und Freitag von 9 bis 12 Uhr und 2 bis 6 Uhr statt. Stammler, Ober-Postsekretär, 07178 Wilhelmstratze 1. Hmerak Versammlung. Mittwoch den 7. Dezember l. I., abends 8 Uhr, findet eine Generalversammlung des WmrWstlichen Msm-Vereins Men-Vnseck E. G. m. u. H. in der Wirtschaft des Kaspar Rau statt. 8623 Tagesordnung: 1) Ergänzungswahl des Vorstandes und des Aufsichtsrates. 2) Verschiedenes. Alten-Buseck, am 29. November 1904. Der Borstand. Rau. Döll. Die so beliebten echten Nürnberger Lebkuchen aus der ältester Lebküchnerei von Georg Goetz, Nürnberg unpsehleu zu den billigsten Preisen Gebrüder Adami MäuSburg 14, 8427 Spezialgeschäft. Seltersweg Steins Saalbau. Donnerstag 1. Dezbr. er. 8‘/t Uhr. Einlaß 77a Uhr. unwiderruflich letzte Vorstellung des bekannten Anti-Mystikers u. 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