Rotationsdruck und Verlag der Brühl'sch«, Universitätsdruckerei. 5L Lange, Gieße«. Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.A» Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr. r Anzeiger Gieße»- Nr. Z03 Zweites Matt. 1^4. Jahrgang Dienstag 3V. August 18V4 Erscheint tSgllch mit Ausnahme des Sonntags. ? /X X Die „Gießener ZamilienblStter" werden dem E| WM M DD Q W W »Anzeiger üiennol wöchentlich betgelegt Der WP M ® 1k, U M B W R, W R. M U MM ^L, JL. «yesfische Landwirt' erscheint monatlich einmal. “g v General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gießen. Politische Tagesschau. Die Nationalliberalen und die Schule in Preußen. R. Berlin, 29. August, Dem Schulkompromißantrag der preußischen Konservativen und Naltonallibevalen erstehen unverkennbar Anhänger, Neuerdings hat sich der nationalliberale Jugendverein in Hannover für das Kompromiß ausgesprochen. In der Debatte dort bezog man sich auch auf den gtegetidburgei; Katholikentag, und da war dte Bemerkung eines Reoners interessant, der da meinte, gewisse Zeichen der Zett ließen es zweifelhaft erscheinen, ob ein Proteststurrn gegen ein mit Hilfe des Zentrums unter gänzlicher Ausschaltung der Liberalen zu- standegebrachtes Schulgesetz an maßgebender Stelle die gleiche Berücksichtigung finden würde, wie vor zwölf Jahren. Deshalb dürften bei der unausbleiblichen Schulgesetzgebung die Liberalen sieb nicht ausschalten lassen. Diese Erwägung greift in der Tat mehr und mehr auch in Lehrerkreisen platz, und führt so ber denest, die es angeht, zu einer freundlicheren Beurteilung des Schultamprorniß- antrags. * Englische Deutscheuhetze. Die Londoner „Fortnkghtly Review", die neuerdings ihre Monatshefte mit Aufsätzen eines Herrn zu schmücken pflegt, der sich bezeichnenderweise „Ealchas" nennt und die deutsche Politik stets nach den verschiedensten Richtungen hin zu verdächtigen sucht, veröffentlicht in ihrer letzten Nummer ein solches Machwerk, das man nur als eine sinnlose Hetzerei auf Deutschland bezeichnen kann. Er beginnt damit, seinen Lesern auseinanderzusetzen, daß die Japaner vollkommen recht hätten, wenn sie behaupteten, daß die Deutschen nichts anderes, als sogenannte Feuerräuber seien, daß heißt Diebe, dre die Wertsachen aus brenneinden Häusern fortschleppen unter dein Vorgeben, sie retten zu wollen. Der gegenwärtige Krieg in Ostasien biete ihnen eine gute Gelegenheit, diesem ihrem Geschäft nachzugehen. Das Ziel der deutsch>en Politik sei, den E n g- län dern die Herrschaft zur See zu rauben; zunächst liege ihnen darap, das englisch-franzäsische Abkommen zu vernichten und iede Annäherung z-vischje)r Großbritannien und dem russischen Reich unmöglich zu machten. „Ealchas" prophezeit, der nächste Schiritt Deutschlands werde wahrscheinlich sein, in dem Kriege'zu intervenieren, angeblich, um weiteres unnützes Blutvergießen zu verhindern. Frankreich werde sich, einem solchen Vorschlag anschließen, denn die Republik sei bereit, alles zu tun, um nicht die russische Allianz zu verlieren. England würde sich dann in einer schwierigen Lage befinden, denn entweder müsse eS die Freundschuft mit Frankreich brechen, oder aber die japanische Allianz aufgeben. IN jedem Falle müsse Deutschland gewinnen, England aber verlieren, Noch schlimmer würde es natürlich sein, wenn Deutschland es unternehmen würbe, Japan dre Friedensbedingungen zu diktieren, in Gemeinschaft mit Rußland und Frankreich, wie es seinerzeit schon einmal geschah. Die Herren Engländer schließen gar zu gern von sich auf andere. So schlaue Diplomaten wie jenseits des Kanals hat das brave Deutschland nicht. Aus Stadt Md Land. Gießen, den 30. August 1904. . ** Geschworenenliste. Zur Bildung der Spruch- liste für die am 26. September vormittags 9Vs Uhr beginnende Sitzungsperiode des Schwurgerichts des Großh. Landgerichts der Provinz Oberhessen wurden die Namen folgender Hauptgeschworenen aus der Jahresliste für 1904 ausgelost: 1. Johann Heinrich Küchel, Gerbereibesitzer in Butzbach, 2. Gustav Hublitz, Beigeordneter in Trais-Horloff, 3. Milh. Lamp sen., Fabrikant in Vilbel, 4. Heinr. Balser IL, Schneider in Albach, 5. Adolf Veith, Landwirt in Heuchelheim ber Nidda, 6. Jvhannes Mb IIL, Müller in Merken- fritz, 7. Balthasar Linkmann Iv Landwirt in Queckborn, 8. Gustav Preicher, Rentner in Friedberg, 9. Philipp Feist, Landwirt in Betenheim, 10. Moy Hensel, Landwirt rn Dortelweil, 11. Friedrich Schultheiß I., Landwirt in Echzell, 12. Mlh. Pitz L, Zimmermeister in Steinbach b. Gießen, 13. Karl Pf an u stiel, Gutspächter in Angenrod, 14. Julius Zimmer, Müller in Lauter, 15. Heinrich. Lenz IIL, Landwirt in Atzenhain, 16. Hermmrn Heß, Kausprann in Schotten, 17. Karl Elbs, Professor in Gießen, 18. Georg Heinrich Rausch, Landwirt in Rebgesham, 19. Hr, Krd. Bommers- heim, Landwirt in Obbornhofen, 20. Heinr. Geißler IV., Landwirt in Kirchberg, 21. Karl Mehl, Landwirt in Münch- Leusel, 22. Philipp Fritzel, Beigeordneter in Dorheim> 23. Georg Viftia IIL, Landwirt in Bodenrod, 24. Karl Henzel, Rentner in Büdingen, 25. August Draudt, Pächter in Büdesheim, 26. Heinr. Phil. Pulh, Bürgermeister in Massen- heini, 27. Heinrrch Schuch Landwirt in Kvichen, 28. Karl Wallach Bierbrauer in Alsfeld, 29. KaAprrr Kratz L, Bürgermeister in Ober-Ohmen, 30. Heinrich Bender V., Landwirt in Dorf-Gill. ** Pro f. Kossel. Als Nachfolger des Geh. Medizrnal- rats Professors Dr. Georg Gaffty, der betanntlick) anstelle i5ober, Kochs die Leitung des /tgl. Preußischen Jnstrtuts sür In j e kl i o no lcan theiten in Dsrttn Übeunmimt, ist, wie wir meldeten, der Reaierungvrat meb Mitglied des Kaiser!. Gesundyeiiscunts in Berlin, Prvf. Dr. mcd. Hermuun Kvsfel zum oibentlul>en Professor der Hygiene und Direktor des hygienischu Instituts an der llrriverfltät Gießen berufen toorbai. Kassel, ein Bruder des Heiöckb«rger Pül-siologie- Professor . Albrecht Kassel, ist 1864 zu Siostock geboren, fiMbicric dort, in Tübingen mub Berkin urch promovierte 1887. 1888 besluno er das StuatHexamen. 1888/89 war ei Ässistexl iiii Ellsab'-U^Wtuder-Hosplral, 1890/91 am ftädti- fenen Mi .lkcuhause Moabit in Bnlru, 1891--1890 am In trautheiten unter Robert Koch. 1898 ■ Professor titel. 1899 wurde er Regierungs- cd und Mitglied deS Kaiserl. Gesundheitsamts. Kossels Publikationen betreffen u. a. Cholera, Tuberkulose im Kindesalter, Pyocyaneuöinfektion bei Kindern, Dtphtherie- gitt, die Anwendung und Erfolge des Diphtherieheilserums beim Menschen, Einwirkung von chemischien Bestandteilen der Zellen auf Bakterien, Btutparasrten bei Affen. 1895 erschien seine Monographie: ^lieber die Behandlung der Diphtherie mit Vehring's Heilserunr." Kossel unternahm wissenschaftliche Reisen 1898 im Auftrage des preußischen Kultusministeriums nach Italien zum Stirdium der Malaria unter Robert Koch und 1899 im Auftrage der Reichs- regierung nach Finnland zum Studium der Hämoglobinurie der Rinder, sowie nach Porto zum Studium der Pest. ** Vortrag. Heber oie Bedeutung des Handels und Verkehrs unserer Stadt Gießen wird am 3. September abends 8V2 Uhr im Neuen Saalbau Herr Syndims Herrn. Pilz aus Leipzig sprechen. Da der Vortrag für die Kaufnramlschaft ganz Gießens das größte Interesse hat, ist auf zahlreichen Besuch umsomehr zu rechnen, als auch "Damen Zutritt haben. ** Pferd emartt-Lotterie. Die Ankaufskomis- sion für die Gewinne der am 8. September stattsiirdenden Verlosung hat ihre Tätigkeit bereits begonnen. Den ersten Hauptgewinn, ein viersitziges Halbverdeck (Mylord) liefert die Wagenfabrik von August Kilbinger, das zugehörige silberplattierte Geschirr Sattlermeister Spies; den zweiten Hauptgewinn, ein viersitziger Jagdwagen, liefert ebenfalls August Kilbinger, das zugehörige Juckergeschirr Sattler- meister Groß; den dritten Hauptgewinn, ein Lauterbacher Wagen, liefert Wagnerineister Louis Faber, das zugehörige Kummetgeschirr Sactlermeister Groß. Die zugehörigen und sonst zur Verlosung kommenden Pferde werden auf dem Markt gekauft. Landwirtschaftliche Geräte, Fahrräder, Nähmaschinen, Silbergegenstänoe, darunter ein sehr wertvolles Mffee- und Teeservice und Mobiliargegenstände, werden von den Firmen Rosenthal, Kvogmann, I. F. Schaaf, August Schwab, Karl Brück, Th. Brück und Oßmann geliefert. Sämtliche Gewinne werden in hiesigen Geschäften getauft Bei den guten Gewinnchancen erfreuen sich die Lose wie immer eines guten Abfatzcs und werben voraussichtlich ausv erkauft ’• Zur Wohlfahrt der Arbeiter geschieht in den hiesigen Fabriken so viel als irgend möglich. Musterhaft in oieser Beziehung sind die Einrichtungen der großen Fabriken Gail, Heyligenstaedt, Schuchhardt rc. Aber auch in den anderen geschieht zum Besten der Arbeiter gar viel. So ist z. B. die Badeeinrichtung nachahmenswert, die in dem Gabriel- schen Kalkwerk m Abendstern geschaffen worden ist. Dieses Bad kann von den Arbeitern zu jeder Zeit benutzt werden. Es besteht aus mehreren Zellen mit je 2 gemauerten Badewannen, Brausen und allem erforderlichen Badezeug. Außerdem ist dort ein großes Znmner zur Ruhe nach dem Bade, mit 12 Matratzen auSgestattet, vorhanden. (b.) Kinzenbach, 29. Äug. In unserer Gemeinde wurde am Sonntag nachmittag ein würdiges Missionsfest gefeiert Die Kirche vermochte kaum allen Festteil- neymern Sitzplätze zu bieten. Nach Pvsaunenschall und einem Kinderchor hielt Pfarrer Knieper eine Missionspredigt, welcher er daS gestrige Sonntags-Evangelium Mark. 7, 31—37 zu Gpunde legte. Missionar Alt und Pfarrzer Vömel sprachen in der Nachversammlung im Freien zu einer großen Zuhörerschaft Missionar AU wußte in fesselnder Weise über seine sechszehnjährige Missionstätig- teii unten den Dajaken auf Borneo im Anschluß an die Schriftstelle Jes. 43, 1 und L, zu berichten. Zum Schlüsse sprach Pfarrer Vömel über die Aufgaen und ^Verheißungen einer rechten Misstonsgemeinde nach dem Schriftworte: 1. Joh., 5,4 „Unser Glaube ist der Sieg, der die LSelt überwunden hat'. Zur Verherrlichung unseres Festes wirkte der Rodheimer Posaunen- und gemischte Chor mit Die Kollekten ergaben einen namhaften Betrug. *V Lich, 28. Aug. Heute wurde das Jugendfest unter allgemeiner Beteiligung der hiesigen Bevölkerung gefeiert. Um 3 Uhr bewegte sich der Festzug, bestehend aus Musikkorps, Schuljugend, Pcäparailden, Vereine pp. auf den Hardtberg, wo die Zeit bis zum Abend unter Ausführung von Jugendspielen verbunden mit Prämiierung, Tanz at(nx allzu rasch verflog. Auch die hier im Quartier liegenden Artilleristen, Offiziere wie Mmrn- schaften beteiligten sich lebhaft an dem frohen Treiben. Die Stadtverwaltung, welche die Kosten der Veranstaltung trägt, und die Lehver uni) anderen Herren, welche die Spiele leiteten, sind des Dankes der Eiryvohuer sicher. Allgemein bedauert wurde, daß man die günsöige Gelegenheit entgehen ließ, die Artillerietapelle zur Festmusik zu engagieren. -c-. Groß-Felda, 29. Aug. In einer am Figgeschen Lohberg abgehaltenen und zahlreich besuchten Versammlung der Interessenten sür Erbauung einer Bahn durch das Feldatal wurde 'nachstehende Resolution einstimmig angenommen M ^Die am 28. August 1904 in Groß-Felda tagende allgeineinc Versammlung aus den Orten Ermenrod, Groß-Felda, Kestrich, Stumpertenrod und Zeilbach spricht sich mit aller Entschiedenheit gegen das Bahnprojekt Alsseld — Utrichsteill— Schotten aus, da bie geplante Bahnlinie den Bezirk Groß. Felda nur auf einem großen Umwege mit seinem Hanptverkehrö- und Absatzgebiet, Gießen und seinem weitveruveigten Bahnnetz 311 verbinden imstande ist und somit zu einer Erschliepung des Bezirks nicht führen tarnt Zugleich beschließt die Verjaninilinig Festhalten am bisherigen Projekt mit Anschluß cm Station Rieder- gemünden oder Eh rin gä kauf en, wodurch find) dem weniger wichtigen Verkehr mit Älsfeld genügend Rechnung getragen wirb." Voritehentze Resolution soll von dem Komitee noch näher begrülidet mib den maßgebenden Stellen vorgelegt ivevben. Aus dem Taunu s, 29. Aug. Die Ausgrabungeil am Feldbergkästell, ivelche seitens der LimcSkvm- mif)ivn vor,genommen werden, haben dieser Tage nebst anderen Getpnstärrden auS römijclM Zeit auch zlvci gut- erhaltene Lilbevmünzen zutage gefördert, voll denen die eine das ^.ildnis des Kaiser^ Antonius Pius (138—161), die letzte dasjenige ber Kaiserüi Julia Matliaea (235—238) zeigt; besonders die letztere Müllte soll llach ben Aeußer- ungen der Fachkenner einen hohen Wert besitzen. In dex nächsten Zeit werden die Ausgrabungen fortgesetzt, um einige außerhalb des Kastells befindliche Brunnen frei» zulegen. Babenhausen, 29. Aug. Ein kleines Malheur mit dem Auto passierte hier dieser Tage S. K. H. dem Groß Herzog von Hessen bei seiner Rückfahrt vorv Bayreuth. Als sein Wagen die vor der Stadt gelegene Artilleriekaserne passierte, «prang plötzlich ein Hund aus dem Kasernenbose heraus und direkt vor das Fahrzeug. Er wurde auf oer Stelle getötet Der Landesherr konnte im Augenblick nicht halten, da er zur Truppenschau nach Mainz eilte. Von dort aus ließ er jedoch sofort Erkundigungen nach dem Besitzer des Hundes hier einziebenr und versprach völlige Entschädigung. Der Eigentümer oes Hundes, Leutnant Geppert von der hiesigen Garnison, erklärte aber, er erhebe keinen Anspruch. (N. Pr.) Kassel, 28. Aug. In der Rhön hat man abermals wichtige archäologische Funde gemacht. Auf dem Stallberge bei Rasdorf wurde ein Steinwall in wunderbar erhaltener Form aufgedeckt. Die unregelmäßig geformten Basaltblöcke und Säulen sind in geschickter Werse unter einander verbunden; Mörtel und Holzkonstruktionen fehlen gänzlich. Ferner wrrrde auf dem Oechsen bei Vach,a ein großer Steinwall entdeckt, der dadurch besonders interessant ist, daß cm ihm die erste SNauerschichtung (cyclopisches Mauerwerk) festgestellt werden konnte. Auf dem Geiskopf und auf der Diesbupg legte man einen Wohlerhaltenest Ringwall frei. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Dem Forstwarien Ludwig Dreisbach zu Raunheim wurde aus Anlaß seiner mit Wirkung vom 1. September d. Js. erfolgenden Versetzung in den Ruhestand der Charakter als „Förster" verliehen. In den Ruhestand versetzt wurde der Weichensteller in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschast Kaspar Döring mrt Wwkung vom 1. Oktober an. — Das König!. Theater zu Kassel bringt zur Feier der 400jährigen Wiederkehr des Geburtstages des Landgrafen Philipps des Großmütigen am 13. November das historische Schauspiel »Anna von Hesien^ von Professor Birt in Marburg zur ersten Aufführung. Der 21. Kongreß des Deutschen Vereins für Armen- pftege und Wohltätigkeit. (Origmaldericyt des „Greß. Anz.") n. Danzig, 25. August. Die Versammlung tritt alsbald in die Tagesordnung ein, auf der als erster Punkt „die Beratung Bedürftiger in Rechtsangele.genheiteu" steht. Das erste Referat darüber tzaU Stadtrat von Frankenberg aus Brauuschweig. Redner weist darauf hin, daß es in der Tat für Bedürttige in vielen Fällen sehr schlvierig sei, Recht zu fmden, weil sie den rechten Weg dazu nid# kennen. Diesem Notstand könne auf zweierlei Wegen begegnet werden. Der eine sei die Einrichtung besonderer Ausluuf.ts- und Rechtsschußstellen, der andere der, daß den betreffenden Behörden gesetzlich die Unterstützung der Rechtsuchenden zur Pflicht gemacht werde. Redner bevorzugt den letzteren Weg, erkenm aber den hohen Wert der besonderen EinriaKungcu für Rechtsuchende, ime sie zuerst in den von katholischer Seite seit dem Jahre 1890 eingerichteten Volksbureaus, die dann aitch auf evcurgelischer Seite Nact>chmuirg gefunden haben, in Erscheinung getreten seien. 9teben triefen seien die von polckischen Gruppen, von den Gewerkschaften eingerichteten Rechtsdureaus zu nennen. Beide haben ihre großen Verdienste, ab^er sie entgehen doch nicht dem Verdacht, datz sie Sonderinteressen verfolgen. .Dieser Gefahr entgehen die von gemeinnützigen Vereinen eingeridjtuten Recvtsschutzitellen. Obenan steht unter diesen die ^Frankfurter Austunftsstelle für Arbeiter- angelegeztheiten, eine Gründung des rühmlichst bekannten „Instituts für Gememwohl", die jetzt von dem dortigen ^Sozialen Museum" übernommen worden ist. Daneben steht die Rechtsschutzstelle für weibliche Personen. Beide Einrichtungen Haven an triekn Orten wirksame Nachfolge gefunden. Redner legt in warmen Worten besondere, die 9iot der Frauen dar, die der Beratung dort Frauen oft so bedürftig seien. Endlich sind die von den Städten und sonstigen öffentlichen Korporationen eingerichteten Reästvschutzstellen zu eru-ähnen. Votbstdüch dafür ist das städtische Auvkunftsdureau in ViüiHausen im Elsaß. Es sind nod) nicht viele Städte aus diesem Wege gefolgt. Es wäre aber dringend zu wünschen, daß es immer allgemeiner als eine selbstverstäMikve Aufgabe städtischen Gemeinweiens angesehen werde. Es bedürfte dazu gar nicht der Einrichtung besottderer Bureaus. Die Atlskunfts- erteilnng könnte Beamten übertragen werden, die sonst schon viel mit dem Publikum zu tun hadert, die Sekretäre der Geioerve- gerichte, des Arbeitsnachweises uslv. Weniger geeignet seien die Arntenümter. Neben all deut fei aber ernstlich darr ach zu ftreben, unser deutsches Recht volkstümlicher zu gcftnlten, u. a. durch Verrneidung von Fremdwörtern und unverstäitdliären "'lusdrücken. Auch ntüssen alle Wege benutzt werden, um dem Volk die ^enntneJ der Gesetze allgemeiner zu vermitteln. Die Prozeßfichrung müßte besclsteunrgt urrd verein uralt roerden, wofür die GewerbegencAe allerlei Erfahrungen bieten. Unsere Arbeiterveriicverung bedarf einheitlicherer .und durchsichtigerer Gestaltung. Durch all diese Einrichtungen müsse es in deutschen Landen dahin kommen, daß Mer Recht font, auch Recht findet. Der Dtitberichterftatter, 5er Vorsteher des städtischen AuSkunftsbureaus in Mülhausen t E., Ernst Krug, .steckt die seit 1897 in Mülhausen bestellende Einrichtung und ihre segensreiche Wirkung dar, und sucht ihre Vorzüge vor den durct) freie Vereinigungen gegründeten Aus kunftSstellen zu ertoeqen. Die städtischen Aemter lvsäßcn heute eine wläst Fülle von Erfahiungen auf allen ^bieten, Ivsonders den bet Arbeiterversicherung wie eS in gleichen: Maße vn keiner airderen Stelle vvrhtUlden sei. Durw Verdindnng der städtischen Aencker unter einander könne in vielen Fällen nw>t nur Auskunft erteilt, sontnrn auch Hilft gestrafft verflossenen Jahre seien in Mühlhausen 33 6/8 Au^nfte erteilt wvwen, darunter nicht lven^cr .als 14 S<8 an grauen (von i-i bis 98 Jalwen), lvodei es |i berausg. steckt habe, ,rrau‘n meist den Fafl vitl klarer darzustelwn vermögt^ als mc WÄtner. Olnvohl das Auskunsloburcau von allen Stalri^'n m ^nstnua gcnoninten ivrrbc, j» seien dos; 75 Prozent daiAntcr Beculrstme. Die Wirlüug der AuSkunftSMe hänge von der^'ilönlEtt des Leiters ab, der volles kftrtrauen in allen D'e^en bei -r<- Döltaning geniesten. viel uku nuch Die Erfolge d.; .»! ft> 11 üb; ev|i ul ulk ; aniciu . luck werde \\xi Belehrungen über Rechts- und Gesttz^srag,u noch ..itungSartikel Sorge getragen. In ber Brjprechimg unU Amt-gericht-vat Stö bn e auS^Berlin Stadt unb \unb, urrb nneberum größere und kleinere Städte unterschieden n-Mcn ?\n kleinen Verhältnissen sei eigentlich der Amtsrichter bcrureo, der Berater in NechtSangelegenheiten zu sein. Da- sei utUcÄinjltcb der (Grundgedanke de- Y^erichtSverfassunü-yesede-. Pa$u gehöre freilich, das; der Richter sich in seinem Bezirk ein* lebe, und nuhi so rasch ivie möglich, nach arüherer Stelle strebe. Vlud) müssen bei mehreren Richtern die oleschajte nicht nach Materie», lonbcrn lokal geschehen. Für mittlere Städte seien die gemeinnützigen AuskunftSsteUen baä Rechte. Wer sie errichte, sei einerlei. Es tomme nur darauf an, iwr ba5 meiste Vertrauen gt-mef* Cb solche Emrickckungen für gn'ße Städte au-reichtcn, sei zweifelhaft. Dort seien vielleicht die Anmeldestellen der Gerichte au-zudilden. Dii-ektor Kn o pS-Siegen empfiehlt auö seiner Erfahrung die städtischen Auskunftsstr Uen. Fräulein Meyer auö Danzig stell vertret eiide Vorsitzende der Canz.g^r Recküssckmtzstelic für Frauen legt bur, wie der Erfolg dieser Eiirrichrung ibn* Notwendig keil euviefen habe. Die Haupt aufgabe sei die Vermeidung von RkchtSstreitigreiten. Die Hilfe der Stelle werde fast nur von den Aermsteu ausgesucht. Die RechröanEte leihen d^r Stelle ihren Beistand. Der tn Dresden erfolgte Zusammenschluß zu einem Rcchtöschudverband lasse eine weitere Ausbreitung der RectüSschudstellen für Frauen erhoffen. Von anderer «veile nmrde darauf bingewielcn, daß in beit mittleren Städten auch je# schon Einrichtungen bestehen, die biefe Aufgaben erfüllen, z. B. die Gerichts) chreibereicn der Gc- nterbcgtndue, wäl-rend andere bat Arbntönachweisen den Vorzug aaben. Frau Schncidewin aus Magdeburg gibt dagegen der Bedeuten Ausdruck, die der RcdUsauskunfterlcilung seitens der Städte enkgegenstebe, da Z. B. in ^rutoisachcn die Stadl Partei fern könne. Mehr zu empfehlen sei die Angliederung an eine Zentralstelle für DodtfahrtSenirichtungen. Natürlich nnrb au- dem Kreis der Vertreter der Städte dieser Bezweifelung der vollen Unparteilichkeit der Städte entschieden gebeten. Frl. Zelter auö Danzig enveift durch ein sehr brastisckzeS Beispiel die dtottvendigkett der RcckUsschutzstcllen. Die Versammlung eignet sich einstimmig die Leitsätze ber Referenten an: 1. ES ist aus allen Gebieten des RechtSlebenS und der Verwaltung dahin zu streben, daß reck^suchcndcn unbemittelten Per fonen bie Erlangung von Auskunft, Rat und Mfe erlcicl-tert werde. 2. Die- Ziel ist 'zunächst durch entsprechende- Verheilten tm unmrttelbM?en Verkehr dcr zuständigen Behörden mit den Beteiligten, durch Vereinfachung, BerbiUigung und Beschleunigung des Prozeßverfahrens in bürgerlichen Rcchtsstrettigkeiten, stüoeit über dieselben nicht btc Landgerichte in erster Instanz zu entscheiden haben, durch übersichtliäx'rc, zweckmäßigere G<- füilnnig der Arbciterversickerungs- und Geweibegefedgedung und sachdrenliche Belehrung der betreffaibcn Kreise über ihre Rechte und Pflichten zu verfolgen. 3. Zur Ergänzung ist eS erwünscht, wenn diejenigen Ein- Lichtungen, welche sich in unparterischer Weise die Gewährung von Auskunft und Beistand an unbemittelte Rechtsuchende angelegen sem lassen, je nach den örtlichen Verhältnissen unterstützt, insbesondere durch die staatlichen, die Kreis- und die Gcmeinde- LTgcne gefördert werden. vodann erhält Dr. Llshausen aus Hamburg das Wort uun Referat über die Fürsorge für Ausländer in Deutschland. Er wast darauf hm, daß sich seit Erlaß nuferer Arm enges e^gebung bie Za^ der in Deutschland sich aus- haUcnden Ausländer bedeutend vermehrt habe. Damals waren es ca_ Prozent der Bevölkerung, jetzt seien es im Durchschnitt 1,38 Prozent, eine Zahl, ^die in Elsaß-Lothringeu aus ö,8O ProzeQ, m Sachsen auf 3,17 Prozent, in Hamburg und Sck'ieswig-Holstem sogar auf über 4 Prozent steige. Insgesamt leben eben in Deurstyland unter den 56 Millionen Tcuischen 778 000 Ausländer. <^11 kommen nun diejenigen Dcursche, bie infolge der verstyicdenen Gejetzgebung in einem andern deutsch« Staat als Ausländer gelten, wie es zwisäicn Bayern und Elsaß- lwlhrurgcn euerseits und den Staaten, in denen das Unterstutz- ungSwo-hchitzgcfetz gilt, andererseits besteht. Durch Staatsverträge, besonders den Golfer Vertrag vom Jahre 1851, und die neueren zwischen Elsaß-Lothnngen und einem Teile der übrigen Staaten geschlossenen, ist sicher gestellt, haß Ausländer nn Fall der Hllfs- dedürftigieu für den Augenblick ebenso unterstützt werden, wie Inländer. Da aber ein Ersatz für Oie gemachten Aufwendungen nicht, wie im Geltungsbereich encheitlicher Gesetzgebung, entweder mdx ober nur mU erheblicher Mühe zu erlangen ist, müjlen Ausländer bei bauernder Hllfsbebürftikett in ihre Heimat ausgewiejen werden. So geschieht es auch zwischen Bayern und den stbrigen Staaten. Es ist dringend erwünscht, daß darin Wandel herbeigeführt werden tonnte. Sehr schwierig ist die Frage der Unterstützung .der Ausländer besonders da, .wo sie als Saisonarbeiter oder sonst m Massen auftreten. Eine wesentliche Zunahme der Einwanderung von bedürftigen Ausländern ist zunächst mcht zu erwarten, da die Grenzbewachung sehr streng ist, wie ia auch Nord-Amerika sehr scharf gegen die Einwanderung Mittelloser vorgehe. Redner hat übrigens durch genaue Umfrage festgestellt, daß die Fürsorge der Konsuln für ihre armen Landesangehörigen sehr bedeutend ist, daneben die von den Ausländem selbst gebildeten Hilfsvereine. Pfarrer Tr. Schlosser aus Gießen beantragt folgende Resolution: Der su Danzig tagende 25. Kongreß des Deutschen Vereins für Armenpflege und Wohltätigkeü spricht den dringenden Wunsch cmä,JXLV> es durch Ausbildung der Gesetzgebung und der bestehenden Staats:?ertrage gelingen möge, im Verhältnis zwisd>en Bayern und Elsaß-rwthringen einerseits und dem Bereich des Unterstütze ungSwohwitzes andererseits, attgemein eine solche Behandlung der beioerfeiiigen Armen herbeizuführen, wodurch die Notwendig' kert der Ausweisung bedürftiger deutscher Staatsbürger aus einem in das andere Gebiet auf das geringste Maß beschrankt werde. Er begründet sie damit, daß es je länger je mehr für bas nationale Empfmden und nicht minder für die Menschlichkeit verträglich sei, daß deutsche Inländer aus Bayern nach dem Bereich, des Utfteritützungswohnsitzes und umgetohrt im Falle der Hilfsbedürftigkeil ausgewiesen werden müssen, nur deshalb, toeii He einem Gebiet mit anderer Gesetzgebung angehören. Bürgermeister Eappe^lmann aus Erfurt stimmt dem zu tmd weist noch auf die Schwierig keilen, bie die Zigeuner bereiten, hin. Zandesritt Schober- Breslau macht auf die Härte auf» merpam, bap, von der durch die Novelle zum Unfallversicher- ungSge^l vom 30. 3uni 1900 geregelten Versicherung von Ge- mngener. gegen Unfälle, Ausländer von der Wohltat dieses ®e» fetzeS- ausaeichtos,en leien. -lt. SU ü n n e r b e r g spricht dem Referenten den Dank des Vereins rur leine hervorragende Arbeit aus. ^taunfelutär Keßler aus Ziegen berichtet von einem Beispiel ans lemer Erfahrung wie durch Uebernahme eines Zigeunerkindes rn Fürwrgeerziehung den Zigeunern die Gegend verleidet worden sei. 0 bit Rbsolulwn emftimmia angenommen. Bei den Wahlen zum ZemralauSschuk werden s-lmtliche aus- toeioenoe Milglicaer 'barunter Pfarrer Dr. ÄhlofieEetzcn, wieder, und die Herren Professor Tr. Hirschbe r g- Berlin un^ Rat Tr OlShausen - Hamburg neu aeioählt. Nach einem kurzen Rückblick des Bor'^denden auf die Verhandlungen woraus hie Versammlung dem Vorsitzenden, Sladttat Ludwig Wolfs au3 Leipzia, den Dank für seine Leitung ausspricht, wurden tue Verhandlungen geschlossen. Allgemeiner Tentscher Innung»-- und Handwerkertag. II (Nachdruck verboten.) S. u. H. Magdeburg, 29. Aug. Tv erste Hauptversammlung nahm heute vormittag ihren Mirvmg. Ter orfttzende, InnungS-Hb rmeistei 93er narb* fr*v'rt*, -nFte bv ßerbanotungm mit folgender Ansprache: „Wir leben in einer Zeit, wo eS dringend notwendig ist, daß sich ine einzelnen Berufsstände zusaimnentun, um ihre Iitteresscn zu wadren. DaS beutfdK Handwerk al S .staatvcryaltender Faktor ist bedroht von oben wie von unten. Die Warenhäuser und die Großindustrie scknnülern seine ErwerbS- verh^tttnisse. Von unten wird der Handlverkerstand bart bedroht, insbesondere von der Sozialdemokratie. Hiergegen Stellung zu nehmen, ist die Ausyabc betf Allgemeinen Deutsctwn JnnungS- und HandtoerkertageS. D-aS Innungsgesetz von 1897 hat unü der* scknedeneS Gute gebracht, so die festere Organisation deS Handwerks durch die Handloerkerkammern und die Verstärkung der JnnungS- uerbänbe. Damit ist die Organisation des selbständigen Hand- loerks bedeutend fortgeschritten. Die Handwerkskammern haben da- Bestreben, sich populär zu machen, und sie weiter auSzugcstalten, muß unsere vornehmste Ausgabe sein. Aber auch die Innungen müssen fortschreiten, insbesondere müssen »vir nach wie vor auf die Festlegung des Meistertitels dringen. Wenn nnr jetzt im geeinigten deutschen Reiche solche Handrverkcrtage ein» iubcruftn in her Lage (mb, so haben wir daS stolze ^)qiUe und Lehrling verloren gegangen sei. Sie habe ferner das LehrlingSlvesen vollständig vernickstet, obwohl cs doch nichts höhere- und edlere- für dao Handiverk gebe, al- die Pflege deS Lehrlingswesen-, drittens sei die Autorität deS Meisters gegenüber dem Gesellen, dem Lehrling unb ^iii Arbeitet ucrlorei dem deutschen Handlverk nickt genommen worden, so hatte die Sozialdemokratie niemals den gewaltigen Umiang annehmen können, der sie heute zu einer so großen Gefahr für Staat und Volk madx. Man stelle sich vor, nm- der Meister früher n>ar. Tie natürliche Autorität gegenüber dem Gesellen, dem Lehrling und dem Arbeiter. Ohne Autorität gehe es in keinem Staate. Unb durch die Gewerbeordnung von 1869 sei diese Autorität so untergraben worden, daß die ^ozialdenwkratcn Kbr bald bie lachende erbm jahrhundertelanger Arbeft sein weide. AlS schlimmste Folge der Gewerbeordnung sei die zunehmende Proletarisierung de- Handwerk- und damit Hand in Hand gehendes Sinken seines sozialen Ansehens zu lxtracksten. F-ruhn habe der Sohn des Handlvcrksmcisteis den Nacknvuchs de- Stande- gebildet, heute denke fein Mensch mehr daran, seinen Sohn wieder Handtverker werden zu lassen, well die Zukunft dunkel unb unsicher kl Die Proteste de- Handwerk- gegen bie Oleiuerbcuuotbnung von 1869 seien niemals verstummt, und den Protestlern von 1869 folgten heute die von 1904. Zwar sei 1897 da- Handwerker- OrgauisationS-Gcsetz gekommen, allein man habe allgemein den Eindruck, daß da- die Gebenden nickst gern gegeben und bie Empfangenden nicht gern genommen hätten. Es sei alle- Flickwerk geblieben, unb weder dem einen noch den anderen Teil fei mit den 189 ten und lahmlegten. Heute bekomme nur der etwas in Deutschland, der schreien könne. Also jdjrcien wir! Reickisragsabg. Pauli- Potsdam verlangte bic Abgrenzung von Fabrik und Hanbwerk unb bic Sicherung ber Handwerkerforderurigen. Heyn- Liegnitz vom Bund der Handwerker teilte mit, daß dieser alle von dem Referenten ausgestellten Forderungen in sein Programm ausgenommen habe. Em Beschluß wurde zu dieser tfrage nicht gefaßt. Zum folgenden Punkt ber Tagesordnung: Arbeitgeber- und Arbeitswilligcn-Schutz, Verbot des Streikposten stehens, sprach der Obermeister der BaugetocrkSinnung Hamburg, Lom- mert-Hamburg. .Er forderte einen nack-haltigen Schlitz der Arbeitgeber gegen frivole Sck-äoigungeri fettens ber Arbeitgeber- Organisationen bei Arbeitseinstellurigen, Betriebssperren unb Boykott, den Schutz der Arbeitswilligen, bic Bestrafung bes üou- traktbruchs unb bie Verpflichtung ber Verufsvereine zum Ersatz des Sck-adens,^welcher bei Gelegenhett ober aus Anlaß von Ausständen und sperren durch deren Beamte unb Mitglieder bezw. durch von denselben geftelltc Streikposten verursacht lvordcn ist. Sck-ließlich verlangte der Redner ein Verbot deS Streikpostcnstehcns. Er legte hierzu folgende Resolution zur Annahme vor: „Die zum allgemeinen Innung-^ und Hairdwerkertag in Magdeburg versammelten Vertreter de- organisierten Handwerks erklären, vaß angesicksts der bei zahlreichen Lohnbewegungen zutage getretenen Ausschreitungen ein wirksamer Schutz gegen den Mißbrauch der Koalitionsfreiheit zu verlangen ist. Sie richten daher an Bundesrat unb Reichstag die Bitte, diesem Wunsche nach folgenden Richtungen zu entsprechen: 1. Ergänzung des 8 153 G.-O. dalchnaehend, baß bestraft wirb, wer die Arbeiter zur widerrechtlichen Einstellung der Arbeit öffentlich aufforbert, sowie derjenige, der durch öfsenlliche Kundgebungen das Publikum ober einzelne Devölkerungskreise zur Meibung bestimmter Geschäste ausfordert: 2. Annahme des Antrages von Tirksen unb Genossen: „Der Reichstag wolle beschließen: die verbündeten Regierungen um baldige Vorlegung eines Ge- sctzrntwurfes zu criudjcii, im Interesse der Ausrecht- erhattung ber Rech: arvnung bei gctverblid)cit Lohn- unb ArbeitS- kämpfen die Arb^,tswiUlgcn wirksamer wie bibber gegen Be» brobunnen, G^'walttätigk.iten unb Zwang geschützt iverben." 3. 3n der Erwägung, ba& § 124 b G.-O. » ber Praxis lebig» lick' eine Berpflidstung für den Arbeitgeber barstellt, den Arbcit- iiciymcr aber nicht bindet: Bestrafung des nontraktbruches. 4. Verbot des Strcikpvstenstehens. Sollte den Verusövereinen ober Verbändi'n die RechtSfal-igkeit verliehen iverben, so müßten sie zum Ersatz oeöjcnigen Schadens lycrangcjOL n werden können, ber durch sie, bezlv. ilyre Beamte oder Mitglieder anläßlich von Lohnbewegungen verursadt worden ist." G c r tz- Eharlottenburg beantragte folgenden Zusatz zu bet vorgelegten Resolution: „Jeder Boykott ist strasrecht- lidy zu vcrhindcrn." Bei der Abstimmung wurde die Reso- lution Lomrnert mit diesem Zusatz einstimmig angenommen. Es folgte die Beratung über Die Zugehörigkeit der Innungen zu den Arbeitgeberverbänden. Hierzu lag zunack^t ein Antrag des westfälischen Innungs- Verbandes aut Schulung eines besonderen Handwerker- Ministerium- vor. Ferner unterbreitete der Referent, Obermeister B 1 i n k m a n n - Hamburg der Versammlung nachstel-ende Resolution: „Der Allgemeine Jnnungs- und Handiverkertag in Magdeburg hält einen Klien Zusamnnnschluß aiier Arbeitgeber gegenüber den tcrrüniicrenbcii Machtgeluiien bei sozialoenwkraiischen Gelvertsck-aitcn tut brnigenb criorDerlid). AuS diesem Grunde ist es auch für das deutsche Handloerk von grober Bedeutung, daß, soweit eS nach Ort uub Beruf zweckniäßig erscheint, Innungen sick) in ihrer Gesamtheit Arbeitgeberverbänden an* sck-ließen können und auf Gruiid von Mehrheitsbeschlüssen Gelder auS der InnungSiasse zu diesem Zn-ecke verwenden dürfen. Der Handwerk.nag v.dauert beSl-alb bic Entscheidung des preußischen Ministers für Handel unb Gewerbe vorn 20. Januar 1903, wonach Der Minister eine Anfrage des Zenttalvorstanbcs des Iiinungsverbandes Bund Deut>cixr Selüicidcr-Innungcn bahin beantwortet, „daß der Beitrttt von Schneider-Innungen zuni Allgemeinen dcuticken Arbeitgeberverbande für bas Schneider- gciuerbc uidjt znläsiig sei". Der Handwerkertag erblickt in dem Beitritt von Innungen zu Arbeitgeberverbänden leinen Verstoß gegen, § bl a, Zister 2, ber Geiverbeorbnung, ba aud) bie Arbeitgeberverbände als joldyc ein gedechlid-es Verhälttns zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer zu sördem gerne bereit sind, leider aber burdj bas Dazwischentreten politischer Agitatoren uno sogar sehr oft burch nicht dem betreffenben Beruf an* gclyörenben Personen zum Kampse gezwungen werben. Auch Innungen, ivelche mit ihren Gesellen im besten Einvernehmen leben, sind oft ge-wungen, namentlich in solchen Gewerben, lvo da- verwerslick-e Rllttel bes Boykotts Anweisung firibet, die Hilfe der Arbeitgeberverbände zum Schutze ihrer Mitglieder und deren Gehilfen in Anspruch zu nehmen. Bei solchen Kampsen mürben aber vielsach die in Innungen zusammengeschlossenen Handwerker wegen ihrer geringeren Widerstandskraft ungerechtfertigt unterliegen müssen, wenn ihnen nidx der gesamte Arbeit- geberftanb als Gegenstück der gesamten jozialbemolratischen Ge* iverkschaftSorganisation zur Sette steht. .Auch ber Grunb, baß uidyt alle Innungsmttgliedcr Arbettgcbcr sinb, kann als stich- l-allig nickst erachtet roci'bcn, da die Innungen auch aus bleien arideren Gebieten ihre Wirksamkeit entfalten, woran nicht alle Mitglieder ein birefted Interesse haben. Da aber ein wirksamer Zusammenschluß in obengebadytem Sinne durck) Einzel-Bettritt der Innung-Mitglieder nicht zu erzielen ist, hofft der beutfdje JnnungS- unb hanbwerkertag, baß bic zitierte Entsck-eibung des preußischen Ministers für Handel und Gewerbe als nicht dem Willen des Gesetzgebers erttspreck-end, balbigft eine Aenbcrung erfahre." Ohne Debatte nahm der Handwerkertag die Resolution mit allen gegen die Stimme deS Obermeisters Möller-Dortinuud an. Dieser begründete Isterauf den Antrag des westfälischen Jnnungsverbaiides auf Schaffung emesbesonderen Hanbwcrks- Ministeriums, bezw. einer besonderen Zentralstelle mit dem Hinweise darauf, daß aud) die Landwirtsd-aft ein besondere- Ministerium habe und da, viele-, rva- dem Handel fromme, den Interessen des handw.rls tnrett erttgegenstehe.^ Man könne nickst einer nuh dasselbe Futter geben wie einem ^ixveiii, unb wenn da- Handwerk trotz aller Nackenschläge nicht jo absolut königs- treu wäre, so würde ihm angesichts der mancherlei schädigenden Plaßnahmen des Handelsministeriums die Soziawemokralie längst die Ohren vom UDpfe geftesfen haben. (Heiterkeit und Beifall.) Der Anttag deS Redners gelangte sodami in folgender Fassung zur Annahme: „Der Allgemeine deuttsche Innung-- unb Hanbwerkertag fordert die Errichtung einer befonberen Zentralstelle für daS Handwerk im preußischen StaatSministeriu m." Obernieistcr Schmidt- Hannover verlangte eine Abänderung der 126 unb 129 der R.-G.-O. in dem Sinne, baß nur ber- jenige befugt fein soll, Lehrlinge zu halten und anzuletten, toeldtcr den Meistertitel in Vcrbinbung mit der Bezeichnung eines Handwerk- zu führen beredstigt ist. Ferner forberte er bic Verleihung bes M e i st e r pr ü f u n g s r e cht e s an bie Innungen. (rm Antrag in diesem Sinne gelangte ebenfalls zur Annat-mc. Der folgende Punkt bei Tagesordnung betraf bie Heran- ziehung von Fabrikbetrieben, welche handwerksmäßig ausgebildete Leute bcschäftigeii, zu den Kosten ber Wohlfahrts- einrichtungen der Innungen. Der Referent, Cbermciiter Recht- Berlin, vom Bunde der deutschen Tischler-Innungen legte dazu folgende Resolution vor: „In Ettvägung, daß iveder btc Verwaltungsbehörden, noch bic ordentlichen Gerichte bisher zu einer befriedigenden Definition deS Begriffes „erahnt" gekommen sind und nach den Ertllirungen der Rcichsregierung eme alle Delle befriedigende Auslegung der schwciiviegcnden Fiagc: „Was ist oabrik und waS ist Handwerk'?", aud> wohl memalö gefunden wirb, be]cblicut der Dcutsd>e Innungs- und handtverkertag zu Magdeburg, bie gesetzgebenden Körperfchaften, |owic dft Reichsregiernng zu ei- fudyeii, gesetzliä)e Bestimmungen dahttlgehcird zu erla|sen, daß alle Groicheiriebe, ivclcke handiverlsmäßig vorgebttbete Arbetter besd-äftigen, zu den Wohlsahrtseinrichtungen ber Innungen, aU Fack-fchulen, Herbergswesen, Arveltsnachwefte unb sonstige Ein* rid)tungcn für Lehrlinge unb Gesellen, Beiträge usw. zu leisten haben." Die Resolution wurde einstimmig angenommen. Die strengere Handhabung, bezw. bie Verschärfung des G esetzes gegen ben un- lau t e r e ii Wettbewerb forderte Tapcziererrneisler T e d e r - Berlin. Er beklagte es, baß das Vertrauen der Handwerker in eine entsprechende YlliLlegung des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb getäuscht worden fei und daß das Gesetz heute nicht mehr den Handwerrer, sondern den Pfuscher und Schwindler schütze, |vcil die Ridster sick) nicht genügend im Sinne und Geist deS Gesetzes vertieften. Ganz vesvnderS arg tonnten es die Warenhäuser unter diesen Umständen treiben. .Jlste Ankündigungen in den Zeitungen, die durchn-cg SdMndcl seien, blieben unbeanstandet, iveil kein Staatsanwalt Anklage zu erheben wage. Er bitte daher, folgendem Anträge zuzuftiinmen: „Zu Punkt 7. .Das Gesetz zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs vom 27. Mai 1896 hat die Erwartung an einen besseren Schutz des reellen Gewerbe st ande - nicht erfüllt. Der sefst-afte Dandiverker- und Käufmannsstanb leibet nach nnc vor gani empfindlich unter den schwindelhaften Lockungen, bic man viel zu mllbe als unlauteren Wettbewerb bezcickynet. Das Gesetz ist, W die Erfahrung gelehrt hat, zu ivcitmaschig, sodaß der Scküpindel mit Erfolg hindurckischllips^'n faiut. Der Dcutsdx ZunungS- und Handwerkertag in Magdeburg ist deshalb dcr ^isicht, daß eine Revision des Gesetzes unbedingt erforderlich ist- um den ünlautcren Wettbewerb and) wirklich mit Erfolg aus der Welt zu schassen. .Gleichzeitig fotbern wir ben Erlaß mueS Gesetzes gegen da- AuSvevkaufSwc|cn und zwar nach ber Richtung hin, das ScheinansvevkÜust', ssivie unbcrcdXigter Nack)' schick von Waren beseitigt loird." Aud) dieser Antrag gelangte nad) kurzer Debatte zur Annahme. Bum Sckstuß der Sitzung legte der Vvxsitzcnde de- Vcrt'ojk'e- Deutscher.Gtofer'Itnimvgcn I«itz-ll-Berk1n einen zehr um^angrerchcn Wochenbericht über Futtermittel. trotz der bisherigen Höhe noch weiter steigen. Erdnußkuchen und Erdnußmehl do. do. 6.40-6.60 62—58 28—: N- 6.70—7.10 5.75-6.60 5.25—5.40 4.90—5.10 6.50-6.80 5.20—5.60 5.80—6.00 5.40—5.60 5.30—5.40 4.90-5.50 3.50-3.75 22—26 38—44 38-42 18-24 40—45 30—40 24—30 Daudet und Verkehr. Volkswirtschaft. ZurHibernia-Ver staatlich un g. Zu der Frage, was die preußische Regierung jetzt zu tun gedenkt, erfährt nach in einen Brunnen, der versiegt war, um die Ur- ache zu erforschen. Keiner von ihnen kehrte zurück; ie fanden alle drei den Tod durch das Einatmen giftiger Gase. * Tätlicher Unfall eines Marineoffiziers. Bei Ableistung einer Hebung als Leutnant d. R. zur See verschwand vor einigen Tagen in Cuxhaven der Fabrikant Neumerkel aus Gera. Nach eifrigen Nachforschungen von fetten der Militärbehörden ist jetzt der Leichnam des Unglücklichen im Hasen von Cuxhaven gelandet worden. Es scheint, daß der Offizier in der Dunkelheit einem Unfall zum Opfer gefallen ist. Neumerkel ist auch schriftstellerisch heroor- getreten; am Geraer fürstlichen Theater kam ein Einakter von ihm zur Aufführung. Ein größeres historisches Schauspiel von Neumerkel ist als Buch erschienen. Vor ein paar Jahren war die hochgeachtete alte Firma Neunterkel infolge des Leipziger Bankkraches in Konkurs geraten. Malzkeime ....... Haferhülsenmehl (gemahlene Haferschalen) . Reisfuttermehl 24—28 % Fett und Protein in egaler Packung Reisfuttermehl ohne Gehaltsgarantie . Reiskleie (gemahlene Reishülsen) Weizenkleie . Roggenkleie Gerstenkleie Erdnußkleie (gemahlene Erdnußschalen) Die Preise verstehen sich per 50 Kilo brutto Ouai-Waggoy, Hamburg. ifaüiium r ‘jrmuti o, inbouli» ckk rrul brr Nnivcrfitals-Aachrrchten. — Der Senior der theologischen Fakullät an der Mar- b u r g e r Universität, Professor der Dogmatik, Dr. theol. phil. et. jur, Herr m a n n feiert heute (30. August) das 25 jährige Jubiläum als ordentlicher Professor m Marburg. Ter ausgezeichnete Theologe steht im 57. Lebensjahre. vermischte». • Heidelberg, 29. August. Gestern abend erstachen zwei von der Kirchweihe in Wiebelingen heimkehrende Italiener einen verheirateten 38jährigen Mann namenS Joh. Peter Simmer von Wiebelingen. Die Täter sind verhaftet. * München, 29. Aug. Rittmeister Freiherr v. Horn, der kürzlich vom Kriegsgericht zu mehreren Jahren Zuchthaus verurteilt worden ist, hat auf Berufung verzichtet. • Budapest, 29. Aug. Bei einer Sachsenversammlung tn Neustadt vergiftete sich ein Teil der Gäste, etwa 120 Personen, an genoßener Mehlspeise. Man glaubt, daß die Vanille verdorben war. Gegen den Kronstädter Zuckerbäcker, der die Mehlspeise lieferte, wurde eine Untersuchung eingeleitet. * Moskau, 29. Aug. Die drei Söhne des Geistlichen Goretowski, von denen der eine Ingenieur, der zweite Student, der dritte Gymnasiast war, stiegen der Reihe Mk. 6.50-6.85 „ 6.75-7.25 „ 4.60-4.75 „ 4.00-4.20 „ 3.25—3.50 ,, 4.8o—5.10 „ 5.10-5.40 „ 5.10-5.45 „ 2.50-3.00 inkl. Sack ab Mehl do. do. do. do. s btn h* 11 A”. PL Mi,. . Pningz. Tfnt' Lber, Mrunbt "nüen an, 'len GcLrr Men. Ter uar 1903, dahln «um lu« in wn Lechotz 3 Lrbeii- -wischen dncu sinh, ^gilatoren Ltnis an» ■^en. Tuch 'vernehmen - ^Werben, ilinS findet, [ Mgliedei Wi Lämpsen W41bfientn 1 ungerecht- 2Me Ärbeü- Äe- lSrund, bas nn gIS nifo ch aus vielen 3i »ichr alle :is luuksawN Wl’Öätnn öcr drulsche rLaduig he- 3 nitbi der t iabttun; 62-54% 53-58 „ Entwurf für eine Regelung des Submissfivnswesens vor, der ebenfalls zur Annahme gelangte. Staatssekretär Graf PosadowAky beschäftigt sich zurzeit angelegentlich mit der Handelsvertrags- frage, und der preußische Hundelsminister Möller sieht sich durch den Verlauf der Hiberniu-Affäre in die Notwendigkeit versetzt, der Ausarbeitung eines Gesetzes über die Syndikate näherF-utreten, um dem Staat Einfluß auf das Kohlensyndikat zu verschaffen. Beide Herren lehnten daher, infolge dieser Obliegenheiten, wie wir gestern berichteten, es ab, auf dem Jnnungstage zu erscheinen. Gleichwohl erregte das Fernbleiben der beiden Regierungsvertreter unter den Versammelten Verdruß, und es läßt sich voraussehen, daß im Parlament wieder einmal Klage geführt werden wird über das geringe Interesse der Regierung für Angelegenheiten des Handwerks. Am Ende wieder mit Hinweisen auf das Gordon-Bennet^ Rennen und die Kieler Woche. Tatsächlich haben ja die Vertreter des Handwerks Grund, einigermaßen unzu- ftieden mit der Regierung zu sein. Die Enquete über die Lage des HandwerD ist erst auf Betreiben des Reichstags in die Wiege geleitet worden. Graf Posadowsky erklärte zu Beginn d. I. im Reichstage, es fehle an Geld für diese Veranstaltung, und er mußte sich daraufhin entgegenhalten lassen, daß es zweckmäßiger gewesen wäre, für diese Enquete und nicht für die Weltausstellung in St. Louise eine Summe zu etatrsierM. Im übrigen aber werden die in Magdeburg versammelten Handwerker darüber schwerlich im Zweifel sein, daß die Regierung chren vorwiegend zün f tleri sch en Standpunkt nicht teilt Das hat besonders Gpaf Posadowsky im Reichstag so nachdrücklich erklärt, daß er von einer Wiederholung auf dem Haud- werkertag immerhin Abstand nehmen durfte. Die Entsendung eines Geheimrats von der sozialpolitischen Abteilung der Verwaltung aber wäre der Bedeutung des Handwerkertages angemessen. Daß auch ein solcher nicht zur Stelle war, muß befremden. Einer dieser Herren wäre doch gewiß auf wenige Tage abkömmlich gewesen. man, daß dieselbe auf diesen Ausgang gefaßt war. Aller Voraussicht nach Wird sie dem'Landtag eine Vorlage unterbreiten, derMfohe der Staat die ihm bei der Dresdener Bank zur Verfügung stehenden Aktienmengen erwerben solle. Stimmt der Landtag zu — was unseres Erachtens sehr wahrscheinlich ist — so habe die Regierung einen Hauptzweck erreicht; sie habe dann die Macht, die Hibernia- Gesellfchast unter allen Umständen vor dem Aufgehen in irgend eine Kombination jn schützen. Interessant ist noch, daß die Regierung eine Mlärung dahin abgegeben hat, laut welcher sie keinesfalls gewillt ist, ihre Offerte zu erhöhen. Auf die Börse hat die Ablehnung der Verstaatlichung einstweilen keinen sonderlichen Eindruck gemacht. Es würbe sogar versichert, daß in den letzten Tagen die Dresdener Bank ihre Käufe von Hiberiria-Aktien fortgesetzt habe und auch gestern als Käuferin erschienen jet Die offizielle Notiz von der Frankfurter Börse lautete vom 27. August 264 und vom 29. August 264. Viel diskutiert wurde an der Börse auch die Frage, ob der Register-Richter den Kapitalerhöhungsbeschluß trotz der zahlreichen Proteste eingetragen oder ob er das Ergebnis der Anfechtungsklage abwarten wird. Davon hält man vielfach die weitere Entwicklung der Angelegenheit abhängig. Im übrigen sind nicht allein die Hibernia-Aktieu, sondern auch die übrigen Kohlenwerte zum Teil auf ihrem Standpunkt geblieben und teils tendierten sie nach oben, obwohl speziell bei Hibernia wegen Absatzmangel gestern eine Freischicht eingelegt werden mußte und auch sonst die Nachrichten vom Kohlen- wie vom Eisenmarkt fortgesetzt unerfreulich lauten. 56-62 ■34 % v Hamburg, den 27. August 1904. Die Erweiterung des Ausfuhrverbots auf Gerste, Mais und Hafer in Rumänien übte eine zunehmende Befestigung aus, sodaß das übrige Ausland a tempo die Preise für alle Futterartikel erhöhte. Ganz besonders sind alle Sorten Kuchen gefragt und würde der Absatz im allgemeinen einen größeren Umfang annehmen, wenn die Wasserwege zu Gebote ständen. Argentinien hat seine Preise für Wei^enkleie auf niedrigere Gebote sogar erhöht und weil gegen früherer Schlüsse hiesiger Fixer noch Deckungsbegehr vorhanden ist, so dürften die Preise Kerichtssaal. Prizren, 29. Aug. In dem Prozesse gegen vier Bulgaren, die beschuldigt waren, am 2. Mai in der Kaserne von Goslivar Dynamit gelegt m haben, wurden zwei Angeklagte steigesprochen, die anderen zu 15 Zähren Gefängnis verurteilt. Die Lerurteilten legten Revision ein. Es ist schwer zu begreifen, daß so viele Mütter ihren Säuglingen schon im 4.-5. Monat unverdünnte Milch geben, die sie nicht vertragen können, weil die Kuhmilch den doppelten Gehalt an Käsestoff eiithält als die Muttermilch. Erst die richtige Verdünnung der Kuhmilch und der Zusatz von Äufeke's Kiudermehl, welches die grobstockige Gerinnung der Kuhmilch im Plagen des Kindes vermindert, macht die Kuhmilch zu einem geeigneten Nährmittel für Säuglinge. Das Kufeke-Kmdermehl wirkt auch sehr günstig bei solchen Kindern, welche durch unzweckmäßige Ernährung mit unverdünnter Milch Plagen- und Tarmstörungen erlitten haben. ss3% Die Gemüse sind sehr teuer. Die umsichtige Hausfrau wird deshalb froh fein zu wissen, daß sie bei der Zubereitung berfelben wenigstens die kostspielige Fleischbrühe sparen kann, wenn sie an bereit Stelle kochendes Wasser nimmt und das Gemüse dann beim Anrichten mit einigen Tropfen der altbewährten Maggi's Würze durchzieht. Baumwollsaatkuchen und Baumwollsaatmehl Baumwollsaatkuchen und Baumwollsaatmehl Kokoskuchen- und Palmkuchen- und Rapskuchen- und Leinkuchen- und Maisölkuchen- und Getrocknete Schlempe do. do. do. Treber o ^3 5 t* 2 S 2 O G 2 öp ro" tH S Z 2. Ö3» % 3 es 6 ffn 8 2, n 27 12 ä C9 öl ü5 äß er d 3 es (5 t n CT Uto ÄH 2 O 3 ® E 3 5 en -ta3 6t ö ro l g bä y r?.er E UD Uti 7$ S±: E 6) . 82 J'P w 2 » 8- 5. o 2. 5 2. Uu I 3 — o 2 3 GP S , w 2 n btt btrci a--' 3 3 « 3 3 S d beß mir ö au I jorbta tr ( ar bit !\ fr* SÄ» k 23^ Tbmnt, btn L’nnt Nicht , uib ®tnn shaiu ab Bäja- iba sassn- unb V- cfiibetti reiiis-tk 2 NN 3 $* E? er v> V) o • T5S' V b<8 iV **, 5et*5 I - ns» j, 5^ zdcdur-, du 'M ^tevtn, muM01'.11“ 6t A G5? S (y) or OT w,c§ es S ® ’ 5 ö r 3 V3 2 - Uti UV uu Ui) «0 Z 5 Cv7 ~ gS S 63 ■* Ä o 2 w 0 • - • LZ. "^8 ^> c -op ® CO «2. 71 3 ~ ro 5 cz t hi ex p .. co OS co 9 w hutlilose rationell FrSoleiii Marie Wettläufer Tie trauernden Hinterbliebenen 100 Dießen, den 29. August 1904. 04909 vielen Blumenspcnden sagen herz 100 Dietzen, den 04916 ML 04920 ML Gießen, den 80. August 1904. geb. Wmnecker. ML geschloffen v-/. D'/. empsehle billigst. 7078 Mittwoch u. Freitag 6691 iv ab. Eintritt 80 Pfg. Anfang 8 Uhr. Lchtiler 10 Pfg. oll, Mäusburg. 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