Nr. 151 Zweites Blatt. 154. Jahrgang Donnerstag 30. Juni 1904 Erscheint täglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „Gießener ZamilienblSIter- werden dem .Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^hessisch« Landwirt erscheint monatlich einmal Gießener Anzeige Rotationsdruck und Verlag Der Brühl'sehen Universitätsdruckerei. R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.?. Tel 9lr. 61. Telegr.-Adr.: Anzeiger Gieße». General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Siehe«. Aie heutige Kummer umfaßt 8 Seiten. Keuscher Landtag. Zweite Kammer. R. B. Darmstadt, 29. Juni. Ani Ministertisch: Staatsmmrfter Rothe, Geh. Staatsrat Krug von Nidda und mehrere Minisierialräte. Präsident Haas eröffnet die Sitzung 10,25 Uhr, das Haus tritt sofort in die Beratung des Gesetzentwurfs, betr. die L a n d st ä n d e, ein und beschließt, zunächst eine Generaldebatte in Verbindung mit Art. 4 der Vorlage, ab- zuhalten, welcher bestimmt: „Sie zweite Kämmer geht aus direkten Wahlen mit geheimer Abstimmung hervor." Zunächst ergreift das Wort Staatsmiuister Rothe: Es sind schon über drei Jahre ins Land gegangen feit dem Tage, an welchem die Vorlage über die Landstände in der zweiten Kammer eingebracht wurde. Sie kam im Juni und Juli 1902 zur Verhandlung. Die erste Kammer konnte sich aber bei der Kür-e der Zeit nicht mehr damit beschäftigen, denn der Landtag mußte in Rücksicht auf die Neuwahlen geschlossen werden. Die Regierung hat dann am 5. Januar 1903 einen neurevidierten Gesetzentwurf zugehen lassen, worin einige Wünsche des Hauses berücksichtigt wurden; in allen prinzipiellen Punkten aber ist die Vorlage unverändert geblieben. Die Frage, warum die Großh. Regierung die gescheiterte Vorlage ohne prinzipielle Aenderungen und trotz der Erfahrungen bei der erBeratung wieder eingebracht habe, könne er nur duyin beantworten: Aus Gründen der Loyalität. (Bravo.) Redner sucht dann die Behauptung in der Presse zu widerlegen, daß die Vorlage ungenügend vorbereitet gewesen sei. Wie aus seinen Ausführungen vom 7. Juni 1902 hervorgehe, habe die Regierung sich seit langen Jahren mit der Prüfung und gründlichen Bearbeitung der Wahl- rechtssrage beschäftigt; eS sei kein Vorschlag, keine Einwendung ungeprüft geblieben seit dem Jahre 1872. Er habe sich bei Aufstellung des Entwurfs auf das Sorgsamste bemüht, alles das zu erhallen, was nur zu erhalten möglich war und nur das zu ändern, was einer fortschreitenden Entwicklung absolut hinderlich war. Der Entwurf sei vollständig objektiv gehalten und lasse alle doktrinären Erörtermigen bei Seite, die in der Kammer zu ebensolchen Debatten fuhren würden. Die Gründe für die Einbringung der Vortage waren, daß das Haus mit immer stärkerer Majorllät die Einführung des direkten Wahlrechts verlangte. In Bayern war bereits in der Thronrede 1870 das direkte Wahlrecht in Aussicht gestellt worden und wenn man sich bei der Beratung 1874 nicht darüber einigte, so lag die Schuld daran doch nicht am direkten Wahlrecht. Er habe schon 1902 ausgeführt, daß die Regierung mit der Vorlage des Gesetzentwurfs dem Lande den Kamps um das Wahlrecht ersparen wollle. Derselbe Gesichtspunll fei auch jetzt bei der Einbringung der Vorlage maßgebend, besonders in einer Zeit, in der die politischen Kämpfe und sozialen Gegensätze mehr wie je vorhanden sind, würde es vom größten Nachteil sein, auch noch in einen Kampf um die Verfassung einzutreten. Wenn nun einmal die Initiative zur Abänderung des Wahlrechts ergriffen sei, Jo kömre man nicht auf halbem Wege stehen blerben, sonoern müsse die Sache auch zu Ende führen. Er werde sich in seinem Vorgehen nicht beirren lassen, sondern dem Lande gegenüber seine Pflicht tun, möge man ihn auch darüber angreifen. (Bravo.) Sei die Kammer anderer Ansicht über die Wahlrechtsvorlage und lehne sie dieselbe ab, so sei die Versassungs» frage im negativen Sinne entschieden, aber sie sei entschieden, wenn auch nach seü^r Ueberzrugung nur zunächst. Redner geht nun auf zwei Hauptpunkte der Vorlage näher ein: Zunächst das direkte Wahlrecht. Da müsse ein Unterschied gemacht werden zwischen der Stellung der einzelnen Parteien und der Stellung der Regierung zur Wahlrechtsfrage. Die Regierung habe sich objektiv zu verhalten und über den Parteien zu stehen. (Bravo.) Sie vertrete den Willen des Landtags und somit des ganzen Landes. Die Regierung sei sich wohl bewußt, daß die jetzige Vorlage eine sehr wichtige Verfassungsänderung bedeute, und sie erkenne an, daß das direkte Wahlrecht Folgen haben kann, welche dem indirekten Wahlrecht nicht in gleicher Weise anhaften. Gleichwohl habe sie sich aber kür das direkte Wahlrecht entschieden, aber nur unter den erforderlichen Kautelen. Diese habe sie so vorsichtig abgewogen, daß der Vorwurf unberechtigt sei, der Entwurf sei ein kautelenloser. (Zustimmung.) Redner führt nun die bekannten Kautelen der Art. 6, 7, 18 usw. an. Der zweite Hauptpunkt sei die Frage der Zusammensetzung der Kammer. Die Regierung habe auch im neuen Entwurf an Art. 3, an der Vermehrung um 5 städtische Mandate festgehalten, weil sie in dieser Forderung einen gerechten und sachgemäßen Ausgleich erblickt. Seit der Verfasfungsurkunde von 1820 sei die Zahl der Abgeord- neten von 50 nicht geändert worden, es wurden keine Schritte unternommen, die Zusammensetzilug in Einklang mit einer entsprechenden Vertretung der Wahlkreise zu bringen. Im Laufe der Zeit sei die Bevöllerung auf das Doppelle angewachsen und auch die gesamten wirtschaftlichen Verhältnisse hätten sich vollständig verändert. Die Städteeinwohner hätten sich um 240 000 vermehrt, es käme jetzt auf 40 000 Städteeinwohner nur ein Ab geordneter, auf dem Lande dagegen schon auf 21000. Die Städte mit besonderem Wahlrecht zahlten 51 Prozent der gesamten Steuern und da liege die Vermehrung ihrer Mandate im Interesse der Gerechtigkeit und in wohlverstandenem Interesse des ganzen Landes. Durch den R.'gierungsvor- schlag würde diese Ungleichheit wenigstens so weit ausgeglichen, daß ca. 25 000 Städter einen Abgeordneten wählen. Die Zahl von 50 Abgeordneten entspreche im all^meinen ganz den Verhältnissen, zu der Erhöhung der Mandate auf 55 habe die Regierung sich nicht ahne gründliche lleberlegung und Bedenken vollzogen. Baden solle, trotzdem es ein halb mal größer sei, nach dem neueren Ällwurf erst 73 Abgeordnete erhalten, Württemberg 93 und Bayern 163; wollte Preußen auf derselben Grundlage seine Abgeordneten wählen, wie Hessen, so müßte es 1600 Abgeordnete haben, während es tatsächlich nur 433 besitzt. Auch den kleineren Staaten sei eine natürliche Grenze gezogen, wobei auch die Zeitdauer der Tagung und die Kosten eine Rolle spielten; es liege im Interesse des Landes, daß der Auswcuid an Zeit und Kosten im richtigen Verhältnis zur Größe der Geschäfte des Landes stehe. Er erachte für Hessen 55 als die höchst zulässige Zahl und könne der Erhöhung auf 60 Abgeordnete nicht beistimmen. Tie Regierung werde aber ihre definitive Stellungnahme zur Sache so lange verschieben, bis die beiden klammern ihre Entscheidung darüber getroffen haben. (Beifall.) Abg. v. Brentano führt als Ausschußberichterstatter aus: Wenn in der Presse dem Wahlrechtsausschußbericht große Dürftigkeit vorgeworfen werde, so bemerke er, daß der Ausschuß sich schon früher über die meisten Fragen eingehend geäußert habe und eine Wiederholung doch nicht nötig war. Es werde auch in den Blättern getadell, daß sich der Ausschuß gar nicht mit den meisten anderen Fragen, wie Ver- mehrung der Abgeordneten zur I. Kammer rc. beschäftigt habe; auch darüber sei schon früher verhandelt worden. Es sei ja sehr erklärlich und richtig, daß sich die Presse mit diesen so tief einschneidenden Fragen befasie, aber sie müsie objektiv darüber berichten und nicht den Anschein Hervorrufen wollen, als handle es sich hier um die Einführung des kautelenlosen direkten Wahlrechts. Das Privilegium der drei kleinen Städte bestehe schon seit 80 Jahren und deshalb habe man es nicht beseitigen wollen. Der Protest aus Rheinhessen sei unverständlich, und der Vorwurf, daß Zentrum und Sozialdemokratie Vorteile durch ^>ie Wahlkreiseinteilung hätten, nicht gerechtfertigt. Er erkläre namens des Ausschusses, daß derselbe mit der größten Objektivität und Gewissenhaftigkeck bei der Wahlkreiseinteilung zu Werke gegangen sei. Abg. Reinhart erklärt namens eines Teils seiner politischen Freunde, daß sie zunächst für die Regierungsvorlage eintreten würden. Sie würden das direkte Wahlrecht mit den Kautelen der Regierung bewilligen, auch die Vermehrung der städtischen Mandate. Sollte aber die Regierungsvorlage fallen, so würden sie auf dem Boden des Antrags Gutfleisch eine Verständigung zu finden suchen. Redner führt dann bittere Klage über die ungerechtfertigte Kritik in der Presse imb wendet sich namentlich gegen die Wormser Zeitung, die es fertig gebracht habe, Männer, die objektiv und gewissenhaft an die Wahlkreiseintellung heran- traten, mit Vorwürfen zu überhäufen und von Wahlschacher rc. zu reden. Ec lasse sich auch von Niemand den Vorwurf machen, daß er im Ausschüsse nicht seine Pflicht im Interesse seiner Partei getan habe. Er sei niemals konfessionellen Einflüßen zugänglich gewesen und werde es auch in Zukunft nicht sein. Abg. Dr. Heidenreich erklärt namens mehrerer Parteifreunde, sie würden gegen die Vorlage stimmen, zunächst schon, weil sie Gegner des direkten Wahllechts seien; sie könnten sich gegen den verderblichen Einfluß der Folgen dieses Wahlrechtes nicht verschließen. Für dasselbe würden sie nur stimmen, wenn mit demselben die Wahlpflicht verbunden wäre. Man werde diesen jetzt fallen gelassenen Antrag Haas- Reinhart bei der Beratung wieder aufnehmen. Auch der Vermehrung der Mandate auf sechzig, wie sie der Antrag Gutfleisch wolle, stimme er nicht bei. Nachdem sich die Vor- Die Keisetzung Wilhelm Jordans. Frankfurt a. M., 29. Juni. Nun haben wir den greisen Recken zu Grabe getragen. In dem Hause Nr. 20 am Taunusplatz, wo Wilhelm Jordan seit 1848 in stillem Frieden gewellt und gewirtt hat, stand eit Samstag sein Sarg. Eine junge Frankfurter Bildhauerin, die die Totenmaske des dahingeschiedenen Dichters abnchmen wollte, kam leider zu spät, der Sarg war bereits verlötet. Vor der Ueberführung in die Pauls- kirche wurde gestern nachmittag eine Familienandacht ab- gäalten, bei der Pfarrer Otto Jordan aus Halle, ein jüngerer Bruder des Verstorbenen, eine Ansprache hielt. Daun wurde der Sarg nach der Paulskirche geschafft. Die Stürme des Jahres Achttinddierzig haben aus der Kirche der Paulsgemeinde das Haus gemacht, in dem die erwählten Vertreter des deutschen Volkes ein deutsches Reich aus eigener Kraft schaffen und festigen tooltten. Auf der linken Seite des Hauses saß damals Wilhelm Jordan der Vertreter von ■Dfce-rbarmm ... Die Rotunde von St' Paul ist aber längst wieder für kirchliche Zwecke eingerichtet worden und die Totenfeier für Wilhelm Jordan, den Dichter und Volksmann, die erste kirchliche Feier eines Toten, die die Stadt Frankfurt gesehen hat, trug einen ausschließlich kirchlichen Charakter. Vor dem Alt-^, auf dem zwei mächtige Kerzen ein hohes KruzM beleuchteten, stund der Sarg, bedeckt mit weißen Linen und roten Rosen Eine Krone, aus Blättern und Blüten geflochten, erbob' sich über dem Aufbau. Dunkler Lorbeer gab den Hintergrund. Durch die hohen Fenster flutete das Sonnen- Acht. Es übertönte den matten flatternden Kerzenschimmer mit seinem ruhigen klaren Glanz. Auf den Bänken drängte sich eure überaus zahLreiche Versammlimg, darunter die Vertreter der staatlichen und städtischen Behörden, der wissenschaftlichen und Künstler- welt. Oberbürgermeister Adickes, Stadtkommandant General v. Stülpnagel, Polizeipräsident Scherenberg, der Arzt des Kaisers Wirkt. Geh. Rat Exz. Pros. Dr. Schmidt, Dr Rößler als Vertreter der Stadwerordnetenverpimm- lung, die Landtags Abgeordneten Funck urö Ovjer, Intendant Claar, der Dichter Ludwig Fulda. Vor allem aber eine Anzahl von Graubärten aus, alle Achtundvierziger, die dem großen Sturmgesellen die tttzte Ehre er- wüsen. Daneben saßen die Primaner der höheren Lehranstalten. Vergangeicheit und Zukunft. Orgelklang ertönte, als die Angel)origen bc^ ^oten, feine drei Töchter, der Schwiegersohn, der beiarmte Ber- l^er Auskünfte mann Schimm lp.e.,g und dest.n Kinder u,w. nabmeu D>rnn betrat Pfarrer Werner Die Kanzel. A s^Motto für seine Gedächtnisrede Halle er das Wort aewäblt Gott sprach: ,Es werde Licht!' und es ward Licht" Er" feierte den Entschlafenen in ichonen Worten von Geist und Kraft als einen der tapfersten deutschen Kämpfer für Licht und Freiheit und nationale Größe. Unter den Klängen der Glocken von St. Paul würbe sodann der Sarg auf den Leichenwagen gehoben, worauf sich der imposante Leichenzug nach dem Frankfurter Friedhof in Bewegung setzte. Nach 11 Uhr kam der Trauerzug auf dem Friedhof an. Das Grab Jordans liegt dem von Dr. I. D. Behaghel, „dem unermüdlichen Kampfer für Frecheit und Recht, dem langjährigen Präsidenten des Montagkränzchens und Mitglied der konstituierenden Versammlung", gegenüber. Unter den Klängen eines Chorals wurde der Sarg in das von einer unübersehbaren Menge köstlichster Blumenspenden geschmückte Grab gesenkt. Pfarrer Battenberg hielt in tiefer Ergriffenhell die Grabrede. Es gilt Abschied zu nehmen von dem, was sterblich war an Wilhelm Jordan. Er war ein edler Mensch, ein großer Sohn unseres Volkes, sein Leben war reich an Mühe und Arbeit, aber auch reich an Ersolgen und Früchten. Tas Wort ersüllt sich, das sich Jordan selbst als Grabschriit erwählte: ^Ankre fest im letzten Hasen, um in Frieden auszuschlasen." Wer ihn kannte im Kerne seines Wesens, der verehrte und liebte diese ungewöhnliche, überragende Persönlichkeit, von der ein unwiderstehlicher Zauber ausging, der wußte, daß der große Tote ein Gottsucher war, der seinen Gott gesunden hat. Er hat sich, wie sein Ahnherr prophezeit halte, eine eigene Kanzel gebaut, von der er in seiner Weise das Dasein Gottes bewies. Wie ein goldener Faden zieht sich durch alle seine Schriften daS tief Religiöse seiner Natur. Als deutscher Dichter sl'chlte er sich als em Diener Gottes, als ein Priester, Prophet und Seher, bestimmt sein Volk zu führen zum Heiligen, Göttlichen, die deutschen Herzen zu veredleu, zu läutern und zu erbauen. Er mußte sich selber rein und edel und groß und hielt verächtlich von sich fern alles Frevle und Unedle, alles Niedrige und Genreine. Und wie herzlich und freundlich war er in seinem Hanse zu allen, die ihm nahelraten und ihn verstanden, wie hat er auf sie veredelnd und befruchtend geivirkt! Sein Leben machte alle reich, die mit ihm umgingen, und nichts Verehrungswürdigeres gab es für seine Familie und die Freunde seines Hauses als ihn, den tiefen Kenner der Menscheicherze». Ging er auch von »ms, jo lebt doch seine große Seele unter uns, die unvergessen bleiben wird wie seine Werke. Oberbürgermeister Ad ick es legte einen Kranz nieder mit folgenden Worten: Dem sp^achgewÄtckgen, tiefgründigen, eckst deutschen Dichter und Denker, dem hochgermllen, .kampfesfrohen, edlen Bsr- kämpfer, Herold und Propheten des neuen deutschen Reichs, dessen Auferstehung und erste Entwicklung er noch mit Begeisterung und inniger Teilnahme verfolgen durfte, dem hervorragendsten Bürger d ie s e r Stadt bringt in unauslöschlicher Dankbarkeit die Staadt Frankfurt, die dem Meister zum Gedächtnis schon zu Lebzeiten eine Marmorbüste in der Stadtbiolioryer ausgestellt hat, diesen Kranz und letzten Gruß. Unvergeglich wird sein Andenken der Bürgerschaft dieser Stadt bleiben I Der Bruder des Verstorbenen, Pfarrer Jordan, hielt eine letzte Ansprache am Grabe, in der er erwähnte, daß die hochbetagte Schwester des Verstorbenen aus Blumen und Zweigen des Gartens, m dem Wilhelm Jordan als Kind gespielt hat, einen Kranz gewunden und zum Grabe entsandt habe. Dieser Kranz der Heimat gehe mit dem Sarge in die kühle Gruft zu dem herrlichen Bruder, dem treuen Vater und dem frommen Gernüte. Direktor Curti von der »Frkf. Ztg." sprach im Namen der Berliner Presse und des Frankfurter Journalisten- und Schriftstellervereins, der einen Kranz widmete, „dem Angedenken des hochragenden Mannes, in dem er fein Ehrenmitglied verehrte und in dessen Hut er, als Wilhelm Jordan fein Vorsitzender war, Jahre hindurch gestanden hat". Rektor Georg Lang legte für den deutschen Schriftstellerverband, der m Wilhelln Jordan einen Mitbegründer ehrt, einen Kranz nieder. Verlagsbuchhändler Emil D i e st e rw e g spendete im Ailstrage des Börsenvereins der deutschen Buchhändler, des Mitteldeutschen Buchhändlerverbandes und des Vereins der Frankfurter Buchhändler Kränze. Ferner erfolgten Blumen- und Kranzspenden durch den deutschen Flottenverein, den Alldeutschen Verband, den Marine-Verein und Kaufmännischen Verein rc. rc. Im Namen des Freien deutschen Hochstifts widmete Professor Heuer „dem einzigen Ehrenmllgliede des Hochstifts" einen Lorbeerkranz. Geheimrat Hartwig sprach für die Frankfurter Schulen. Unter den zahllosen Blumen- wundern, die rings in weiter Runde die Gänge um die Gruft füllten, bemerkte man solche von Ludwig Fulda, Ernst Scherenberg, von den verschiedenen Familien Rothschild, solche aus allen Weltteilen. Mit einem Gebet des Pfarrers Battenberg und einem Choral fand die Trauerfeier ihr Ende. * Beileidsschreiben sandten u. a. die philosophische Fakultät der Universität Königsberg, der Magisttat der Stadt Insterburg, deren Ehrenbürger Jordan war, und die dortige Altertumsgesellschaft, der Magisttat der Stadt Tilsit, W. Flindt- Wiesbaden, 1848 Privalsekretär von Gagerns und Simsons. Von Hermann Sudermann traf folgendes Telegramm ein: Mittrauernd cm dem offenen Grabe des großen Dichters und Landsmanns sende Ihnen, hochverehrter Herr (das Telegramm ist an den einzigen Sohn Jordans gerichtet, der seit Jahren als Stranfer in einem Sanatorium zu Neckargemünd weilt) und den verehrten Ihren den Ausdruck meiner wärmsten Teilnahme. Möchte es Ihnen wohltun, daß ganz Deutschland Ihren Verlust als den seinen mitempsindet. läge nicht nur als eine „Revision^, wie der Herr Staats- minister meine, sondern als eine grundlegende Verfassungsänderung darstelle, müffe auch ein möglichst gerechter Ausgleich herbeigeführt werden; es könne aber nicht als gerecht gelten, wenn ivir fortan Staatsbürger in den privilegierten Städten mit einem fünfmal größeren Wahlrecht haben sollen. Den nationalliberalen Mitgliedern des Ausschusses wolle er feinen Vorwurf machen, er erkenne an, daß sie im guten Glauben bei der Wahlkreiseinteilung gehandelt hätten. Er müsse sich aber das Recht des selbständigen Urteils vorbehalten. Wenn in der Presse über das Ziel hinausgeschossen wurde, so sei das auch auf gegnerischer Seite geschehen. Das Haus vertagt darauf die Weiterberatung auf morgen 9 Uhr. Landwirtschaftliches Merlei. (Original-Artikel des „Gieß. Anz.") Ein ereignisreicher Sonntag für die Landwirte der Provinz war der jetzt verflossene. Man konnte sich schwer entfdjeibcn, wohin man reifen wollte, um an Versammlungen, Besichtigungen, Besprechungen teilzunehmen. In Friedberg tagte der landwirtschaftliche Bezirksverein, in Hungen fand die Landesversammlung des Bundes der Landwirte statt, in Limburg bemühte man sich um die Kanalisation der Lahn, und wer an der Besichtigung der Hutweidenmeliorationen im hohen Vogelsberg terlnehmen wollte, mußte Lauterbach oder Schotten schon am Sonntag mit der Bahn erreichen, um am anderen Morgen frühzeitig zum Abmarscy bereit zu sein. Tie Wahl war nicht ganz leicht. Wir beschlossen, das gebotene tunlid/it auszunutzeu, und beschlossen, das, was uns doch in der näd/iteit Zeit immer wieder geboten wird, für diesmal fahren zu lassen: das sind unseres Erachtens die Reden über die Lahnkanalifation und die Reden über die Lage der Land- nrirtldyift durü) die Vertreter des Bundes der Landwirte. Tie kommen wieder, sie gehen uns nicht verloren. In Friedberg fanb die Hauptversammlung des landwirtschaftlichen Bezirksvereins und Zuchtvereins statt. Aer Sekretär Dr. v. Peter erftatiete den Iahres- berid/t Professor Gisevius-Gießen hielt einen mit großem Beifall aufgenommenen Vorttag über Sortenanbauversuche und ©aatgutivirtidjaften. Der Vortrag gipfelte darm, den t_aiibromcn zu empfehlen, nia>t em buntes oortingimenge von Getreidearten anzubauen, niu/t blindlings eine angepriesene Varietät nad) der anderen für schweres Geld zu erwerben, um sie nacy einigen Jahren wieder fallen zu lassen, sondern die fünf besten Sorten ans der großen Zahl herauszusuchen, die sich für die Provinz, für das Land eignen und diese dann fortenrein zu kultivieren. Außerdem ist die praktische Turchsührung dieser Gedanken bereits im ganzen Lande im Gange und wird unter der Oberleitung des Redners auch zum guten End? kommen. Tie Tagesordnung konnte nicht erledigt werben. Ter Vortrag hatte das Interesse der Versammelten so in Anspruch genommen, daß bie sich daran knüpfen- den Auseinandersetzungen öiti Zeit Wegnahmen. Nach dieser Sitzung w--rde es für uns Zeit, aufzubrechen, um den Anschluß nach La utero ach in Gießen nicht zu verfehlen. Die Züge waren stark besetzt von Ausflüglern. Das änderte sich auch über Alsfeld hinaus nicht. Eine groi,e ^ahl von Ausflüglern hatte Fulda in dieser Nacht noch zu erreichen. Zur Verbesserung der Hutweiden im hohen Vogelsberg, die die oft verschrieene Einzelhut zum tsegen der dortigen Bevölkerung berbrängen soll, besteht eine Kommission, der acht sJJiitglieber aitgehören. Sie ist zusammengesetzt -aus den jL'reiSräten der Kreise Schotten und Lauterbach, aus Landwirten, Technikern, höheren Forstbearnten. Auch Se. Erlaud)t Graf Otto zu Solms-Laubad) gehört der Mommiffion an. War doch sein Erlauchter Vater zber leider zu früh Heimgegangene Gras Friedrich, der erste, welcher in feiner Menschenfreundlichkeit auf bie große Bedeutung der Meliorationen im hol-en Vogelsberg hinwies. linfere Staatsregierung unterstützt die Arbeiten dieser Kommission aufs nachdrücklichste. Tas bewies auch in diesem Jahre wieder bie Teilnahme an der VesMigung burch Ministerialrat Braun. Mll den Hutweidenmeliorationen begann man im Jahre 1896. In einzelnen Gemeinden, die fid) dafür intern feierten, meliorierte man zunächst nur einige Morgen. Tie MatznalMen be.-.ehen darin, daß die Felsblöcke beseitigt uno bie Ameisenhaufen und Erdhügel berebnet werben. Es luiro nach Bedarf bewässert und miwäfiert, unb vor allen Dingen werden che seit Iahryunoerten ausgesogenen Flächen endlich einmal und fortgesetzt planmäßig gedüngt. Tazu dient das bcalifalj, das uns ans dem verrufenen Nordosten des deutschen Reiches billig zugeführt wirb, und bas Thomasmehl, roeldjed uns bie Eisenschrnerzui liefern, die phosphorhaltige Eisenerze heute verhütten, welche in früheren Jahren als unorauchbar zur Herstellung guten Eisens unbenutzt blieben. Diese beiden Düngemittel, angewandt auf den wie beschrieben oorbereiteten, ausgehungerten Wecheflächen des hohen Vogcls- dergcs, brad)ten eine geradezu üppige Vegetation hervor. Die durch die Melioration wunden Flächen wurden natürlich mit Gras- und Kleefamen besät, aber bie unyerrounbeten, Heide, Gras und Moos in erster Linie tragenden Flachen brachten nun auf einmal wie durch Zauber eine üppige Vegetation von Gras-, -Klee- unb Wicken arten Ijeroor. Tiefe kleinen meliorierten Flachen .lohnten das aufgewendete Meliorationstapllal, das etwa 400 Mark pro Hektar beträgt, in den ersten Jahren bis zu 50 Proz. Diese kleinen Beispiele mußten bei den Vogelsberger Bauern wirken — aber man glaube ja nicht, daß sie rasch gewirkt hätten. Ter Bauer wahrt aud; in solchen, ihn überzeugenden Dingen jene vorsichtige Zurückhaltung, die ihm nicht selten als Starrsinn, Hartnäckigkeit, ats auch Dummheit angerechnet wird. Mißtrauisch geht er um so etwas Neues herum, wie der Fuchs um: den gelegten Köber. Er ist eben mißtrauisch gemacht, schlimme Erfahrungen in verflossenen Jahrhunderten haben das verschuldet, bas hat sich vererbt, es steckt im Blute. — Seit 1896 ist es dem landwirtschaftlichen Provinzialoerein gelungen, 1350 Morgen Wüstungen in üppige Wiesen und Weiden im foulen Bogclsbcrge urn- zuwandeln. ‘28 Gemeinden sind dabei beteiligt. Einsichtige Männer in bieien Gemeinden haben kräftig mitgewirtt und ihre Gemeinde- Mitglieder für diese Meliorationen zu gewinnen gewußt. Ter Geldaufwand betrug 1140JO Mk., wovon bie kleinere Hälfte bie Gemeinden beifteuerten, um dies vorgelegte Kapital in wenigen Jahren burch bessere Viehhaltung, durch Grasverkäufe zuruck- zugewinnen. Von feiten der Regierung ist man noch weiter gegangen. Es ist ein Generalkulttirplan aufgestellt, um im großen die Hebung der Ernteerträge in Feld und Wald im ljohen Vogclsberge zu sichern. Wo der Feld- und Wiesenbau nie. t rentabel ist, soll der Wald bie kahlen Höhen wieder bedecken. alb soll wieder die dem Sturme ausgesetzten Dörfer fdjüljen. Tas heute rasch zu Tal rinnende Wasser soll aufgehalten und wo ttinlich zu Bewässerungen ausgcnntzt werden. Das den Dörfern näher gelegene Gelände soll in ausgedehnterem Maße melioriert unb so ergiebiger gemacht werben. Ter Generalkulturplan wlll nicht etwa bie Gemeinden zwingen, gutes Land, gute Weideflächen herzugeben, um sie aufforsten zu lassen. Im Einvernehmen mit den Gemeinden wird das Gelände aiisgeschieden werden, welches sich nicht zu landwirtschaftlichen Zwecken eignet. Auf ber verbleibenden kleineren meliorierten Fläche wird sich Mensch und Tier Wohler fühlen, als auf ber heute größeren Fläche, auf ixer bie Tiere kaum das Erhaltungsfutter finden. Tie Kommission besichtigte die vor Jahren bereits meliorierten Flädjen bei Eichenrod, bic zum Teil als Jungviehweiden benutzt werden, diejenigen in den Gemeinden Nösberis und Berrnuths- hpiu, welche auch als Jungviehweiden in Aussicht genommen sind. Ferner die meliorierten Weideflächen im Kreise Schotten. T-ie Erfolge der Meliorationen sind ganz überraschende. Aus Stcin- Wüsten, bie oft bis unmittelbar ans Toi, h.ranrcichten, sind erttagsreiche Wiesen geworden. Trotz des Futterreichtums in diesem Jahre konnten einzelne Gemeinden im hohen BogÄsberge für 700—1400 Mk. Gras verkaufen auf Flächen, bie sonst sehr wenig ober gar nichts einbrachten. Inder Sitzung, bie nach Schluß ber Besichtigung in Grebenhain abgcljalten wurde, besprach man bie bisherigen Erfolge, bie zu fortgesetzten neuen Untersuchungen gerabezu herausf ordern. .Im kommenden Jahre soll im Kreise Schotten mit den begonnenen Meliorationen in den Gemeinden Hartmannshain, Sichenhausen, Burkhardsfelden, Feldkrücken fortgefahren werden. Ebenso im Kreise Lauterbach, in Bermuthshain unb Salz, eventuell in zwei anderen Gemeinden. Es fehlt leider für bie dringendsten Meliorationen an Arbeitern ttotz bes Zuzuges fremder Arbeiter aus aller Herren Länder. Gegen abend reiften die Mitglieder ber Kommission über Lauterbach und Schotten wieder ab. Man war im Laufe des Tages in den Waldtälern bes Vogelsbcrges einigentale naß bis zum Knie unb aud) wieder trocken geworben. Aber das hat den Genuß, den bie Wanderung über Berg unb Tal und die Besichtigung ber wohlgelungenen Arbeit macksten, nickst verkümmert. Die (Gemeinden 1 verben durch die vorzüglickjen Beispiele den Meliorationsprojekten immer geneigter werden, unb nach 50 Jahren wird sich das Bild der Vogelsberger Landschaften wesentlich geändert haben zum Heil ihrer Bewohner unb zum Ergötzen des Naturfreundes. Aus tzindt und Land. Gießen, den 30. Juni 1904. *• Herr Prof. Dr. Sticker schreibt uns: „Sehr geehrter Herr Redakteur! Ihre Nachricht in Nr. 149 des „G. A." über „die neue Kinderkrankheit" und die „sehr interessanten Beobachtungen eines Wiener Arztes über das hochaktuelle Leiden" hat im Kreise Ihrer Leserinnen, soweit es sich um Mütter handelt, eine kleine Beunruhigung verursacht. Wenigstens haben sich bereits mehrere Frauen bei mir erkundigt, wie weit ihre Kinder Gefahr laufen von diesem „schönsten aller Exantheme", dessen Färbung so reizvoll wechseln soll, ergriffen zu werden. Vielleicht ist es gut, wenn Sie zur Beruhigung der grundlos erregten Gemüter den einfachen Sachverhalt mitteilen. Es handelt sich bei der „neuen Kinderkrankheit" um eine harmlose Ausschlag- kr ankheit, die bis zum Jahre 1899 unbekannt, vielleicht schon von einzelnen Aerzten beobachtet, aber mit falschen Namen: Rötheln, Scharlach u. s. w. bezeichnet worden war. Im Jahre 1899 herrschte bie unbekannte Kinderkrankheit in Wetzlar, Lich, Hasselborn und Umgebungen. Durch die Nachricht meines Kollegen Halbey in Wetzlar unb durch die freundliche Beihülfe anderer Kollegen wurde ich in den Stand gesetzt, die Krankheit, welche sich als eine zwar auffallende, aber in den allermeisten Fällen gänzlich bedeutungslose erwies, genau zu studieren, sie von den gleichzeitig an anderen benachbarten Orten herrschenden Masern, Rötheln und Scharlach zu sondern und darüber in einem Fachblatt zu berichten. Mein Schüler, Dr. Berberich in Wiesbaden, hat mit mir die Krankheit studiert, 45 Fälle derselben in seiner Dissertation beschrieben unb meine Abbildung des Ausschlages beigefügt. Die bis dahin nirgends benannte Krankheit nannte ich Erythema iniectiosum acutum. Für den Hausbedarf möchte ich den in diesem Jahre von Dr. Plachte in Berlin vorgeschlagenen Namen „Großflecken" empfehlen. Das Erythema iniectiosum wurde seit dem Jahre 1899 auch in Graz, Eoblenz, Berlin u. s. w. beobachtet unb unter ber besagten Bezeichnung ober auch mit neuem Namen wiederholt in Fachschriften beschrieben. Erst in diesem Jahre hat ein Wiener Arzt, dem das Glück zu Teil wurde, vier Fälle der Krankheit zil sehen, die Krankheit neu entdeckt und bie Tagesblätter mit seiner aufregenben Entdeckung erfüllt. Andere Aerzte versuchten ihn zu überzeugen, daß es sich bei seinen Beobachtungen um nichts anderes als um das „Erythema intectiosum Sticker“ handle; daher der Lärm von der „neuen Krankheit", bie gegenwärtig nirgendwo herrscht, die aber, wenn sie wieder auftreten sollte, voraussichtlich ihre Gutmütigkeit nach wie vor bewähren wirb. ** Akademischer Gesangverein. Zur würdigen Begehung seines 85, Stistungsjahres hat sich ber Akademische Gesangverein eine Reihe von Vokalwerlen gewählt, bie bei anderen Gelegenyellen bisher hier in Gießen, abgesehen von der Rhapsodie noch niast zu Gehör gebracht worden sind, es sei denn vor vielen Jahren. Es sind deren auch allerneueste Werke darunter, denen man gewiß gern begegnen wird. Es ist erfreulich, daß so auch einer größeren Abwechslung Raum gegeben wurde, was nach Zell und Umständen ber geplanten Aufführung ben passenderen Charakter verleiht. Möge kein Musikfreund die gebotene Gelegenheit ungenutzt vorÜbergchen lassen. Nach einer Einleitung durch den Handel schon Jubildtechor „Frohlocket in dem Herrn" folgt eine Abteilung, die den Manen des Meisters Johannes Brahms geweiht ist. Neben Liedern, die die Solisten des Abends singen, steht in erster Linie des Meisters „Naenie" für gemischten Chor. Vor einigen Jahren wurde vom Verein die Goetz sche Komposition gesungen, und wer sich derselben noch erinnert, wird zwischen beiden Werken interessante Vergleiche ziehen können. Auch Götz gehört zu den herben Künstlernaturen, die alles daran setzen, um Vollendetes zu gestalten, schwer mit Andern, am schwersten mit sich selbst zufrieden sind. Aber von keinem gilt dies fo sehr, wie eben von Brahms, dessen Werk diesmal aufgeführt wird. Es ist eines der späteren Werke schon, gewidmet de« Mutter seines Freundes Anselm Feuerbach zu dessen Gedächtnis. Die Wahl des Textes zu diesem Zweck war umso angemessener, als sich Schillers Geist mit dem Feuerbachs in der Hingabe an das reinste Ideal der teile darin begegnen. Nach längerer elegischer Einleitung setzt der Chor ein und erhebt sich allmählich zu dem feierlichen majestätischen Mlltelsatz, um dann zur Einleitung zurückzukel)ren und in einem sausten, wehmütigen dreimaligen „Herrlich" zu verklingen. — Tie bekanntere Rhapsodie für Altsolo und Männerchor beschließt diesen Teil des Konzertes; cs hieße wahrlich Eulen nach Athen tragen, wollten wir hier zum Ruhme dieses einzigschönen Werkes ausfül-rlichcres mitteden. Der ivahrhaft allbezwlngenden Macht fomint in ber gesamten musikalischen Literatur nur weniges gleich! lieber Wagners Preislied aus den Meistersiliaern gelangt der Chor dann wieder mit Jul. Spcngels „Zwicgesang", Gedicht von Falke, zu Wort. Es ist ein frisches, liebenswürdiges Werk, das den Tust ber sommerlichen Rosennächte atmet, von denen das Gedicht singt. .Spenge! ist hier wohl noch von seinem Konzert vor einigen Jahren noch in gutem Angedenken. Zum Schlüsse bringt der Chor Max Bruchs Komposition aus neuester Zell: Damajanti, Szenen aus der bekannten indischen Achtung. Dem romantischen Texte folgend gibt Bruch hier mehr als sonst der Schurnannschen Kunst nach, diesem ersten Meister ber Romantik. Tas Werk ist besonders interessant durch den doppelt, ja zum Teil dreifach geteilten Mannerchor im mittleren Teil. Dieses Werk Bruchs kennen zu lernen, sollte man nicht versäumen. 8 Ob er-Ohmen, 29. Juni. In unserer neu hergerichteten, großen, geräumigen Kirche findet nächsten Sonntag ein Missionsfest statt. Der Feflgottesbienst beginnt nach- nnttags um 1 Uhr, Fe . ift Pfarrer Becker aus Nieber-Ohmen. Da der au ngverein von Grünberg seine 2)litwtrfung zugesagt hm verspricht der Jestgottes- bienst ein recht würdiger zu werden. In dem auf dem Kirchberg, einem unmittelbar an das Dors stoßenden Waldeshain, stattfindenden Nachfeste spricht em Missionar aus Indien über seine dortigen Erlebnisse. § Ruppertenrod, 29. Juni. Von welchem großen Vorteil für die Fischereipächter bas Einsetzen von Forellenbrut burch bie Großh. Oberförstereien ist, zeigt ber Unterschieb im Fischreichtum zwischen zwei Gemarkungen eines unb desselben Bachlaufes. Hier, wie in der Gemarkung Ober-Ohmen, waren vor mehreren Jahren junge Forellen, die in der Forst- akademie zu Gießen gezüchtet, ausgesetzt worden. Seit dieser Zell war die Forelle heimisch in genanntem Gewässer. Nun wurde in dem Ohmlaufe zu Ober-Ohmen wellerhin Forellen- brüt ausgesetzt, nicht aber zu Ruppertenrod. Die Folge zeigt sich in einem viel größeren Forellenreichtum in der Gemarkung Ober-Ohmen, während die Forellen im hiesigen Bachlaufe auffällig gegen früher an Zahl zurückgegangen sind. Hoffent- lich werden auch hier wieder von Großh. Oberförsterei Anstalten getroffen zur Aussetzung von Forellenbrut, da sich diese Veranstaltungen eben außerordentlich bewähren. Eins aber müßte dabei geschehen, nämlich das Einhalten ber Enten von ben mit Forellenbrut besetzten Gewässern während des Einsetzungsjahres. 6. Seibertenrod (bei 2llsfeld), 29. Juni. 50 Jahre find es nun, daß unser Lehrer, D. Würtenberger, im Schuldienste tätig ist. Er hat es verstanden, während seiner 14jährigen hiesigen Wirksamkeit die Liebe und Achtung sämtlicher Einwohner zu erwerben. Dian hat beschlossen, zu Ehren des Jubilars an seinem Geburtstage, den 27. Juli, im Deutschen Haus zu Alsfelb eine Feier zu veranstalten. Hoffentlich wirb es bem Jubilar vergönnt sein, noch eine Reihe von Jahren in unserer Mitte zu weilen. g. Bübin gen, 29. Juni. Gestern brachte der jugendliche Sohn des hiesigen Arztes B. seinem älteren Bruder mit einem Messer sechs Stiche bet. Der Tat war ein kurzer Wortwechsel vorausgegangen. Der Zustanb bes Verletzten ist nicht unbedenklich. X Vom Vogels berg, 29. Juni. Ein solcher Honigreichtum, wie ihn die Bienen in diesem Jahre eingetragen haben, gehört zu den Seltenheiten in der Imkerei. War auch das vorausgegangene Jahr kein honigarmes, so wirb es doch bei weitem jetzt übertroffen. Schade nur, daß bie meisten Bienenstänbe Lücken aufweifen, ja, manche ganz entvölkert sind. Die vielen schlechten Jahrgänge für die Bienenzucht, die aufeinander folgten, haben die Anzahl ber Bienen- liebhaber stark geschmälert. Eine so vorzügliche Honigernte, wie bie jetzige, bringt erfahrungsgemäß auch der Imkerei wieder neue Interessenten zu. Mainz, -8. Juni. Die Unterschlagungen der Kon- toriftin Else Fretwurst sucht seit einigen Tagen ein gerichtlich beeidigter Bücherrevisor scstzustellen. Aus Grund der Bücherrevisionen ist man der Ansicht, daß die Fretwurst im ganzen ungefähr vierzigtaufend Viark veruntreut hat. Tas „M. Tgbl." schreibt dazu: Somit würde die gefck)ädigte Firma Fett voraus- sick-tlich keinen allzu großen Ausfall erleiden, da sie durch die beschlagnahmten sieben vollgepackten Koffer mit der mehrere hurwert Acark betragenden Ausstattung und den gefundenen 36 000 Mark fast ganz Deckung findet. Die 36 000 Mk. befanden sich in einer Kasette in barem Gelde und Scheinen und waren unter der Wäs.'i-e versteckt. Bei ihrer Verhaftung bat die Fretwurst, auf eine Kasette in einem von ihr besonders bezeichneten Koffer Acht zu geben, weil sie ihre Ersparnisse enthielte. Als man dann später die Koffer und auch die Kassette öffnete, fand man oie „Ersparnisse" von 36 000 Mk. .Die Art, wie die Fretwurst chre Unterschlagungen bewerkstelligte und dann wieder zu verschleiern wußte, ist geradezu von einer verblüffenden Einfachheit. So Jrug sie zum Beispiel große Posten Sprit, die gegen bare Zahlung verkauft worden waren, ganz richttg in das Verkaufsbuch ein, unterschlug aber das gezahlte Geld und unterließ natürlich auch die Auszeichnung dieses Bettages im Kassenbuch. Dadurch war sowohl der Lagerbcstand, wie auch der Kassen- bestand richtig .verbucht und die Entdeckung der Unterschlagung wenigstens vorderhand beseitigt. Dann wieder verbuchte sie ganz richtig die eingegangenen Geldsendungen, die sie unterschlagen hatte, nur mit dem Zusatz, dav sie direkt dem Banktonto des Geschäfts überwiesen worden seien. Zu diesem Zweck fälschte sie die Bück-er und die llnterschrist ihres Prinzipals. Ferner erfährt man, daß sie in dem Fetischen Geschäft fast alle Briefsck-asten und Abschnitte von Postanweisungen, die mit ihren Unterschlagungen im Zusammenhang standen, vernichtet hat. Ihr ansäng- li^s Leugnen, das die Fretwurst, nachdem sie ihr erstes Geständnis zurückgezogen hatte, für gut fand, soll sie jetzt zum Teil wenigstens ausgegeben haben. .Ihre Verhaftung geschah übrigens, als es gerade höchste Zeit war. Sie hatte bereits ihre Koffer fertig gepackt, die 36 000 Mk. darin gut verborgen und alle Vorbereitungen zu einer gemeinschaftlichen Flucht mit ihrem Bräutigam nach Afrika getroffen. Darauf ist es auch zurückzusühren, daß der junge Mann, der sonst jeden Sonntag von Antwerpen nach Mainz kam, am letzten Sonntag hier vergeblich von den zahlreichen Polizeibeamten, die unauffällig alle in Betracht kommenden Straßen und die Bahnhöfe bewacht hiellen, erwartet wurde. Ter Tag war anscheinend für bic gemeinsame Flucht bestimmt und der Bräutigam harrte in einer bis jetzt noch nicht ermittetten Stadt auf seine Gefährtin. Bis jetzt konnte aber nicht mit Bestimmtheit nachgewiesen werden, ob er um die Verfehlungen des iNädct-ens, das sich ihm und anderen Leuten gegenüber als wohlhabend ausgab, gewußt hat. Wie sicher sich die Fretwurst fühlte, geht auch daraus hervor, daß sie sich nach ihrer ersten Hastentlassung mit der Absicht trug, Berichtigungsartiket mit Beschwerden über ihre Festnahme an bie Zeitungen zu schicken. BESEH’® Brechdurchfall Diarrhoe Darmkatarrh Vorrätig in Apotheken, Drogerien, Coionialw.» 5349 Anerkennungsschreiben vorzüglicher Lieferungen aus allen Kreisen wurden an dieser Stelle von der Möbelfabrik und Lager Th. Brück, Giessen, Ecke Schlossgasse—Kanzleiberg zur Veröffentlichung gebracht. Diese sowohl wie eine weitere Serie noch nicht verbreiteter Referenzen stehen Jedermann gratis und franko nebst einigen photographischen Aufnahmen der besteingerichteten labnk- und Verkaufsräume zur Disposition und dürfte es sich empfehlen, vor Ankauf von Möbeln, Betten, Teppichen, Vorhängen etc. sich zu wenden an das 1858 gegründete Möbelfabrikations- und Ausstattungs-Geschäft 7h. 'ßrüefc, Giessen, Ecke Schlossgasse- Kanzleiberg—Brandplatz. — 10 Schaufenster. — 100 Zimmer-^ einrichlungen. — Lieferung franko jeder Bahnstation. Telefon 373. — Höchste Auszeichnung: Oberhessische Gewerbe-Ausstellung. ot r— »«—* s '.'S 00 . E O Tf O -7- « 0 - lO r-r •c « 8 CD C i E ISO e s ®’g »"•‘Ö C?# 5 o> O -O O 'S«. c CD CD^ :C L CD 5? Ja o s D jQ C G e « ** 1ÄL U e N G <2 o c -_. o «3 = Q X P o 3 O c?L :® 5- "S C ° z ■'-• 0S> s c <-> JQ CD C "g'S c — c c E SP § *e" c-> • -° Sä o 5-# 2 3 j o o .. S> » o O __Q — Q C » o .2? io o O 3 ?» Lq üCM ,J - -G P VD y o’CS'S — 1c-^ - — CD 53 i* *o C » ° o >p » - CD c -O E ss4 Z'.Z- —■* M « C ,U_. SE O E ^3® ,= x> :5 L 3 5 c — •5* o -__, X> C ___ .. D o = o i* O sw S *2.» N<» A -c LE 3: e® o> s-» oi <© C S E CDjO - 3 s » s - cd rj - ö v r— 4 Ä35 o L 3 jO £? % » -L © *2 ä Ji4? s -M 'cH^ E E „ “ u d E 2 55=^ T* ag c 'E-g- . “<öÖw£c «-hNn«§ o o C .5« <3-^ T r* ^ '"■ Q Q Ögs ^N- S ■S e © >= <= *±*> tzo x S Äg 2 © 5 o cs 1£7 /P = *2. = © ’^ 5 's E 2‘E’ Z LAZ taG 2 *^- C E >ti as ■te - ® @ jO E E -U-±i -2 ö "e C C) " " — » O o fflns=“ s^L \ - *2 >C _ M Ä-O .~ c .2* o ©Soi" sötten C. Röhr & Co jeder Art 44 Bahnhofstrasse 44. li y2E8 Der Schwarzwald. I ^ZJLMMMZ!ZMMMMZMUZ>ZMMZVMMZMMMWJMM^ ssgi’ÄÄg g- Geschäfts-Empfehlung. « »tinp ausaedebnie Hochwälder, romantische Taler und Fels- J \ JS^ V * !i » 17 Lahnhlklndustrie Gr.-Linden Giessen NB. Den verehrlichen Vereinen und Vorständen steht ein Bereinszimmer zur Verfügung. 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S ...„Wegen seines erfrischenden I Freimutes möchte ich das Buch I allen Pädagogen in die^iand geben, I die in ihrer Prüderie eine unheil-1 volle Vogel Strauss Politik treiben.“ H Dr. Otto Henne am Rhyn, I Sankt Gallen. . . . .Ich bedenke I mich keinen Augenblick, das Werk i als ein geradezu ausgezeichnetes C an die Seite von GoethesWahrhcit ■ und Dichtung, Wilhelm Meisters S Lehrjahre und von Gottfried 8 Kellers Grünem Heinrich zu setzen. ■ Rudolf Presber, Berlin. (Im M Frankfurter General-Anzeiger).. . B „Es liegt Erzieherisches in dem B Buch. Hier ist ein Leben, hier m ist seine Beichte. Durch das Ganze B braust, Blumen undglitzerndeSteine B mitreißend, ein Strom von Jugend.“ B Deutsche Tageszeitung, ■ Berlin. . . Wir fassen unser Ur- ffl teil dahin zusammen, daß der Ro- ja man als Kunstwerk einen entachie- denen Wert io An sprach nohn.cn ■ darf Letzte Mläligkeils- Geld-Lotterie des SirassbnrHend. ArbeiterlieiBiß Ziehung sicher am 23. 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