Nr. 134 Erscheint täglich außer EonntagS. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem besfischen Landwirt die Siebener Kamillen- blätter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brühl'schen Unwerj.-Buch-u. Stein- druckerri. 8L Lang«. Redaktion, Srpedittou und Druckerei: Schulstraße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. Fernsprechanschluß Nr. 51. Erstes Blatt. 154. Jahrgang Montag 30 Mai 1904 GieheimAnzeiger General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ve»ngSpr«t»r monatlich 75PH, viertel» jäbrlich Mk. L20; durch Avhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch diePost Mk.2.— viertel- jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen sür bie Tagesnummer bis vormittags 10 Uhr. ZellenpreiS: lokal 12Pf^ auSwärtS 20 Pfg. Verantwortlich für den polit. und allgem. Teil: P. Wtttko; für »Stadt und Land^ und „GerichtSsaal*: August Goetz; für den Anzeigenteil: HanS Beck. Politische Tagesschau. Die strafrechtliche Behandlung vermindert Zurechnungsfähiger. Die zehnte Landesverfammlung der Internationalen kriminalistischen Vereinigung, die gegenwärtig in Stuttgart tagt, beschäftigt sich u. a. auch mit dem Gesetzentwurf betr. die Behandlung der vermindert Zurechnungsfähigen. Der erste Berichterstatter, Geh. Justizrat Dr. Liszt-Berlin befürwortete eine Petition an die Regierung und gesetzgebenden Körperschaften zu richten, möglichst bald ein Gesetz zu erlassen, daS den Anschauungen der Vereinigung entspreche. Es stehe wohl eine Reform des deutschen Strafrechts bevor. Allein einmal könne mit mit den: Gesetz für minder Zurechnungsfähige nicht so lange gewartet werden, und andererseits stehe er der Reform des Strafgesetzbuches mit größter Skepsis gegenüber. Er sehe voraus, daß jeder Fortschritt bei Reform des Strafgesetzbuchs mit einer großen Anzahl rückschrittlicher Bestimmungen werde bezahlt werden müssen. Es komme hinzu, daß für das Gesetz betreffend vermindert Zurechnungsfähiger die ausschlaggebende Partei im Reichstag, das Zentrum, ohne weiteres zustimmen werde. Der Redner bezeichnete es als eine arge Härte, harmlose Geisteskranke der Polizeiaufsicht zu überweisen. Er erinnerte u. a. auch an den Fall Dippold. In solchen Fällen sei naturgemäß die Volksleidenschaft ungemein aufgeregt. Deshalb empfehle es sich, die Bestimmung über das weitere Schicksal des unzurechnungsfähigen Angeklagten der ruhigen Erwägung des Zivilrichters zu überweifen. Auch der Landes- Polizei dürfe man nicht anheimstellen, wie lange sie einen gemeingefährlichen Geisteskranken in einer Anstalt halten wolle. Schließlich schlug er folgende Beschlußfassung vor: I. 1) Vermindert Zurechnungsfähige sind milder «zu bestrafen. 2) Gegen die wegen ausgeschlossener Zurechnungsfähigkeit Freigesprochenen und wegen verminderter Zurechnungsfähigkeit milder Bestraften sind, soweit sie gemeingefährlich sind, geeignete Sicherungsmaßregeln zur Anwendung zu bringen. 3) Solche Sicherheitsmaßregeln sind auch denjenigen noch nicht verbrecherisch gewordenen Personen gegenüber notwendig, die infolge ausgeschloffener oder verminderter Zurechnungsfähigkeit gemeingefährlich sind. 4) Die Verhängung solcher Sicherheitsmaßnahmen erfolgt in einem besonderen Verfahren, das dem Entmündigungsverfahren analog ist. n. Der Vorstand wird beauftragt, den gesetzgebenden Faktoren des Reiches die Bitte zu unterbreiten, daß ein Gesetz, entsprechend den obigen Grundsätzen, ausgearbeitet werde. Dieser Anttag wird unverändert angenommen. — Geh. Oberregierungsrat Dr. Kröhne stellte in Gemeinschaft mit dem Medizinalrat Dr. Leppmann-Berlin folgenden Antrag: „1. Gefangene von verminderter Zurechnungssähigkert sind im Strafvollzug mit Rücksicht auf diesen Zustand zu behandeln unb der speziellen Aufsicht des Arztes zu unterstellen. 2. Bei diesen Gefangenen hat der Arzt die entscheidende Stimme sowohl bei Verhängung von Disziplinar- und anderen Strafen, als auch bei dem Anträge auf Ausscheidung aus dem Strafvollzüge." Auch diesem Anträge wurde einstimmig zugestimmt. Rach Referaten über die Reform des Vorverfahrens * wurde der Anttag des Landgerichtsrats Kuhlemann-Braun, schweig anaenommen, wonach die Voruntersuchung nicht abgeschafst, "sondern reserviert werden soll, und zwar u. a. dadurch, daß die Vorbereitung möglichst in eine und dieselbe Hand kommen und dem Untersuchungsrichter die Entscheidung über die Eröffnung des Hauptverfahrens übertragen werden soll. Sozialer An8bilduug8kursu8. Der erste soziale Ausbildungskursus, veranstaltet von dem Gesamtverband evangelischer Arbettervereine mit Unterstützung des Bureaus für Sozialpolitik, der sozialen Geschäftsstelle für das evangelische Deutschland, der freien kirchlich-sozialen Konferenz und der evangelisch-sozialen Kongresse wurde am 29. d. M. mit einer Eröffnungssitzung im Reichstagsgebäude in Berlin eingeleitel. Der Verhandlungsleiter ist Prof. Weber, der Vorsitzende des Gesamtverbandes. Die Sitzung wurde mit Gesang und Gebet begonnen. Daraus begrüßte Prof. Francke zunächst die Re- gierungs dertteter, darunter Geheimrat Spielhagen als Vertreter d?es Grafen Posadowskv, Geh. Admiralitätsrat Harms und Geheimrat Richter, sodann die Ehrengäste und die Lehrer, welche an dem Kursus teilnehmen. Weitere Ansprachen hielten Geheimrat Spielhagen, Prof. Harnack, die Mgeordneten Henning, Pastor Fritsch, Lic. Mumm und die Arbeiterdelegierten Behrens und Bern. Zum Schluß wurde ein Gesang intoniert und ein Begrüßungstelegramm an den Kaiser gesandt. Der Kursus dauert bis 9. Juli und ist in erster Linie für Arbeiter und zwar besonders für die von den Organisattonen entsandten, bestimmt. Tas Thema „Tie soziale Aufgabe der Gegenwart" wird durch Einzel- vorttäge von Fachmännern über die Geschichte des Sozialismus-, die Kranken-, Unfall- und Invalidenversicherung, die Gewerkschaftsbewegung, den Arbeiterschutz usw. erläutert. Jeder Teilnehmer hat über die Vorttäge Aufsätze anzufertigen, welche nach der Durchsicht und Rückgabe besprochen werden. Die Gesamtzahl der Teilnehmer beträgt 45. Die Vorttäge finden im Lehrsaal der Posthochschule statt. Der Krieg zwischen Japan und Iiußland. Erstürmung des Berges Raschau durch die Japaner. Tokio, 29. Mai. General Oku berichtet: Bei dem Angriffe auf den Berg Naschan bildete die 4. Division ben rechten Flügel, die 3. Division den linken, während die 1. Division das Zentrum bildete. Der Feind bestand aus einer Division der Feldarmee, zwei Batterien Feldartillerie, außerdem Festungsartillerie und Marinetruppen. Unsere 4. Division errang einen Vorteil über den linken Flügel des Feindes, welcher durch fbic Beschießung unserer Flotte von der Kintschoubucht aus mitgenommen war. Die beiden anderen Divisionen folgten unverzüglich, worauf sich das russische .Heer in Verwirrung zurückzog, indem es die Magazine bei Tafangshin verbrannte. Die Kriegsbeute belief sich auf 68 Kanonen, 10 Maschinenkanonen, außer vielem anderen Kriegsmaterial. Unsere Verluste betragen ungefähr 3500 Mann, während der Feind 500 Tote auf dem Schlachtfelde ließ. Der Ansturm der Japaner auf Raschau war, wie das Reutersche Bureau meldet, einer der wildesten und blutig st en in der modernen Kriegsgeschichte. Während des ersten Sturmes wurde jeder Offizier und jeder Mann weggeschossen, ehe er die russische Linie erreichte. Bei dem letzten Besuche, der durch das Feuer der Artillerie unterstützt wurde, gelang es, die russische Linie zu durchbrechen. Ein großes Glück für die Japaner war, daß die Minendrähte aufgefunden wurden. Wären die Minen explodiert, hätten die Japaner ungeheure Verluste erlitten und die Russen hätten ihre Stellungen halten können. Um 11 Uhr vormittags waren die Hauptbatterien der Russen zum Schweigen gebracht. Zwei russische Feldbatterien zogen sich nach Hankwangling zurück, von wo sie die Japaner bis zum Anbruch der Rächt beschossen. Japanische Infanterie ging vor. Als eine Oesf- nung gefunden wurde, ungefähr 200 Meter von der russischen Linie entfernt, gingen die Japaner zum Sturmangriff vor, wurden aber zurückgeworfen. Die japanische Artillerie eröffnete wieder das Feuer. Gegen abend nahm eine japanische Abteilung einen Teil der Verschanzungen. Die übrigen japanischen Truppen gingen, von diesem Erfolge ermutigt, gleichfalls vor, und waren bald darauf im Besitze des Hügels. Japanisches Pulver. Amtliche telegraphische Berichte aus Japan heben die furchtbare Gewalt des japanischen Pulvers hervor, dessen Bereitung ein Geheimnis sei. Die Explosion der mit diesem Pulver gefüllten Geschosse setzte die amerikanischen Attachees in Staunen. Die schwersten, panzerdurchschlagenden Geschosse, obwohl sie nur eine kleine Ladung Pulver enthalten, zerplatzten in zahllose spitze Stücke, die mit solcher Gewalt in die Luft geschleuoert werden, daß sie alles, was ihnen Widerstand leistet, zertrümmern. Das japanische Geschwader, welches an dem Angriffe auf Kinschou teilnahm, lief am Mittwoch in die Bucht ein. Die sttirmische See verhinderte das Geschwader, sofort einzugreifen, als das Wetter sich gebessert hatte, näherte sich das Geschwader am Donnerstag früh der Küste und beschoß die rustischen Batterien, während die Torpedobootslottille ihr Feuer auf die Eisenbahn bei dem Schaostusse richtete und Sohin gen vornahm. Die japanischen Befehlshaber. Admiral Togo hat die Blök ade über die Küste der Halbinsel Liaotung längs der Linie Pulantien-Pitsewo verhängt und warnt die neutrale Schiffahrt vor einer Verletzung der Blokade. — General Oku erließ an die Bevölkerung von Li au tun g eine Proklamation, in der er einerseits Schutz des Lebens und Eigentums verspricht, sowie Enstchädigung für die von der japanischen Armee geschädigten oder genommenen Häuser, andererseits aber sttenge Strafen androht, wenn sie die Rusten unterstützen. Das Vorrücken der Japaner. Aus M u k d e n meldet das Reutersche Bureau: Die Russen behelligen die Nachhut der Japaner, was das Vorrücken der letzteren erkläre. — Man glaubt, daß General Stössel die bei Kintschou geschlagenen russischen Truppen befehligte unb daß die Verteidiger Kintschous der Hauptbestandteil der Befatzung von Port Arthur waren. Deutsche und österreichische Offiziere. Zwei Vertteter der deutschen und zwei der östteich'ischen Armee befinden sich einer ,^erald"-Meldung zufolge im Hauptquartier des Generals Grafen Keller, welchen Kuropatkin damit betraute, dem ersten Ansttirm her gegen Siujen anmarschierenden sechs Divisionen des Generals Kuroki standzuhalten. Aus Tokio. Aus Tokio wird gemeldet, daß augenblicklich große Abteilungen Infanterie, Kavallerie und Artillerie, welche in der Division des Generals ?)amagukhi stehen und die dritte Armee bilden, nach dem Kriegsschauplätze aögehen. Trotz der großen Verluste an Schiffen und Mannschaften, welche Japan in letzter Zeit erlitt, herrscht unter der Bevölkerung nur wenig Niedergeschlagenheit. Der Sieg über die Russen bei Kintschou durfte infolge des Verbotes des Kaifers nicht durch öffentliche Umzüge gefeiert werden. Ein rnsfischer Verräter? Rach Privatmeldungen aus Petersburg erhält sich hartnäckig das Gerücht, daß Kontteadmiral Fürst Uchtomski in Port Arthur als Verräter durch den Strang hin- gerichtet worden sei Uchtomski soll aus Haß gegen die Großfürsten Wladimir und Cyrill sowie gegen Ma- karoff, welch letzterer ihn der Unfähigkeit bezichtet hatte, mittelst Höllenmaschine den Panzer „PetrowPawlow ks" zum Sinken gebracht haben. Reue Wafieninstrumente. Petersburg, 28. Mai- Der Oberst Perky hat der elektrotechnischen Gesellschaft wichtige Mitteilungen zur Herbeiführung von Explosionen der Seeminen gemacht. Damit lasse sich die Richtung der bereits in See befindlichen Torpedos ändern, verankerte Minen auf automatischem Wege zur Explosion bringen und festliegende Minen, die ohne Verbindung mit dem Hasen sind, bei der Durchfahrt eigener Schiffe untätig unb bei der Durchfahrt feindlicher Schiffe wieder gebrauchsfähig zu machen. Die Mitteilung macht in Marinekreisen den größten Eindruck. Der Oberst weigert sich, weitere Mitteilungen über seine Er- findung zu machen. Die Streitkräfte in SüdwestafriLa sind jetzt folgendermaßen gegliedert: Hauptabteilung in Okahandja unter Führung des Obersten v. Leutwein: Major v. Mühlenfels; 9. Kompagnie Oberleutnant Steinhaufen: 10. Kompagnie Hauptmann Wilhelmi; 11. Kompagnie Hauptmann Ganser. Major von der Heyde: 5. Kompagnie Hauptmann Puder; 7. Kompagnie Hauptmann Brentano; Artillerieabteilung Hauptmann v. Heybe- breck: 4. Batterie Oberleutnant v. Müller; 5. Batt. Hauptmann Stahl, 6. Batt Hauptmann Rembe. Witbois: Leutnant Müller v. Berneck; Maschinengewehrabteilung Hauptmann Dürr; Funkentelegraphenabteilung Oberleutnant Häring (am 24. Mai in Swakopmund ein getroffen). Nordabteilung: Oberleutnant v. Zülow, später Oberleutn- Volkmann; 8. Kompagnie Leutnant Frhr. v. Reibnitz; Halbbatterie Oberleutnant v. Madai; zwei Maschinengewehre Oberleutnant zur See Wossidlo. Abteilung Major v. Estorff: 1. Kompagnie Hauptmann Graf zu Solms- Wildenfels; 2. Kompagnie Oberleutnant Ritter; 4. Kompagnie Oberleutnant Epp; 6. Kompagnie Hauptmann von Wangenheim; vier Maschinengewehre Oberleutnant Graf v. Saurma-Jeltsch; Artillerieabteilung Hauptmann von Oertzen; 2. Batterie Leutnant Frhr. v. Hirschberg; 3. Batt. Oberleutnant Baußus; Bastards: Oberleutnant Böttlin. £) ft a Stellung (in Otjihaenena in Quarantäne): Führer Major v. Glasenapp, Kompagnie Hauptmann Fischel, Kompagnie Hauptmann Lieber: Maschineukanonenabteilung; ein Teil des Transports Muller. Detachiert sind: 13. Kompagnie Oberleutnant v. Winkler (Rest des Transports Winkler) sichert die Gegend von Gobabis'-Epukiro; Komp. Hauptmann Häring in Cut jo sichert die Etappenstraße Ka- ribib-Outjo, Kompagnie Schering in Otjosasu sichert die Etappensttaße Okahandja-Onjatti, Kompagnie Hauptmann v. Koppy befindet sich im Süden des Schutzbezirkes, Hauptmann Franke mit der Besatzung von Omcrruru und die 12. Kompagnie unter Oberleutnant Frhrn. v. Welck säubert die Gegend von Omaruru; Etappenkommandeur ist Wtajor v. Glasenapp. IerHroWrzog von WecklenSnrg-Strelitz f. Neu-Strelitz, 30. Mai. (Telegramm.) Der Großherzog ist heute nacht 12 Uhr 23 Miu. verschieden. Großherzog Friedrich Wilhelm stand im 85. Lebensjahre; er ist geboren am 17. Oktober 1819. Der Nachfolger des verstorbenen greisen Bundesfürsten wird der Erbgroßherzog Adolf Friedrich, der am 22. Juli 1848 geboren und vermählt ist mit Elisabeth, Prinzessin von Anhalt. Ueber den Tod des Großherzogs, der seine 82jährige Gemahlin, die Großherzogin Augusta, zurückläßt, sind noch keine näheren Nachrichten eingelausen. Deutsches Reich. Berlin, 29. Mai. In Anwesenheit des K a i s e r S und der Kaiserin, der Kabinettschefs, des Reichskanzlers Grafen Bülow, des Staatssekretärs v. Richthofen, der Minister v. Rheinbaben und von Hammerstein fand heute mittag die Enthüllung des Denkmals des jngendlichengroßenKurfürsten von Professor Janensch an der Lennesttaße statt. Der Kaiser unterhielt sich eingehend mit dem Künstler. Breslau, 29. Mai. Der schlesische Sparkassen, t a g nahm mit 42 gegen 8 (Stimmen einen Antrag an, nach dem das Scherl sch e P r ä m i e n-S p a r k ass en s h st e m als unvereinbar mit den gesunden Grundlagen des deutschen Sparkassenvereins abgelehnt wird. Mannheim, 29. Mai. Die „Neue Badische Landesztg." meldet: In Gegenwatt des Erbgroßherzogs und der Erbgroß- herzogin von Baden, des Ministers Dr. Schenkel, Exz. v. Eisenlohr, Exz. v. Dusch und vieler anderer hervorragender Persönlichkeiten wurde hier das Denkmal des badischen Staatsmanns A u g u st Samet) enthüllt. In dem an die Enthüllung sich anschließenden Festmahl feierte der Minister Dr. Schenkel die Verdienste Lameys um die liberale Verwaltungsgesetzgebung Badens. Siebenten (Schwarzwald), 29. Mai. Hier fand heute zur Feier der 300jährigen Zug ehörigkeit zu Württem- e r g in Anwesenheit des Königs ein großes Jubelfest statt. Nach der Uebergabe einer Huldigungsadresse auf dem Rathaus nahm der König im Kurpark einen großartigen Festzug ent» gegen. — Ausland. Brüssel, 29. Mai. Die Wahlen für die ausscheidende Hälfte der Mitglieder des Senates und der Repr äsentante n k a m m e r fanden heute stall und verliefen ruhig. Die Liberalen verzeichnen einen Zuwachs, doch erlitt die katholische Regierungspartei keinen ernstlichen Abbruch. Paris, 29. Mai. Der K o l o n i a l k o n g r e ß wurde heute unter dem Vorsitze des Deputierten Delonele eröffnet. In einem vom Vorsitzenden verlesenen Briese des am Erscheinen verhinderten Deputierten Etienne, schildett letzterer das Kolonialwerk Frankreichs während der letzten 20 Jahre. Etienne führt aus, Frankreich könne einen Vergleich mit England aushalten. Es könne mit Festigkeit handeln, ohne Furcht vor Verwicklunaen, in Marokko und am Mekhong. Die Zeit zur praktischen Arbeit in den Kolonien sei gekommen. Es sei vorzuziehen, daß Frankreich seine Einkünfte im Interesse der Kolonien verwende, als sic an fremde Völker verborge. Madrid, 29. Mai. Die deutschen Offiziere, die dem Könige im Auftrage des Deutschen Kaisers Uniform und im alten Ratwahrnehmbar Vormittag für neue Besuchs- wurde, so soll •* Museum. Der Besuch deS Museums bause war gestern in den Nachmittagstunden stärker, als sonst, wo die Sammlungen am den Besuch geöffnet waren. Bewährt sich die zeit, welche vorerst nur probeweise eingeführt sie beibehalten werden. vermischte». • Wettlauf französischer Soldaten. Die Zeitung „Le Matin", welche immer neue Rcklamemittel erfindet, veranstaltete oni 29. Mai einen Wettlauf von Soldaten, woran nahezu 2000 (Gemeine und Unteroffiziere aus ganz Frankreich teilnahmen. Die zu durchlaufende Strecke führte um den Bois de Boulogne und betrug 45 Kilometer. Die ersten Sieger legten sie in 5 Stunden zurück. Infolge der Hitze litten sämtliche Mittbewerber jedoch stark, und 240 Soldaten muhten in Ambulanzen aufgcnommen werden. Die Angabe, das; ein Soldat gestorben sei, ist offiziell noch nicht bestätigt. Mehrere Abendblätter erheben Protest gegen den Wettlauf, der vom Kriegsminister autorisiert war. Auch wird angekündigt, daß die Nationalisten eine Interpellation in der Kammer vorbereiten. Ar weiter. Karlsruhe, 29. Mai- Heber die Gewitter, verbunden mit Wolkenbrüchen und Hagelschlag, die vorgestern und gestern im badisckien Oberland niedergegangen sind, laufen erst jetzt ausführliche Meldungen _ein, die den angerichteten Schaden als überaus groß bezeichnen. Im Konstanzer Kreise, in den Bezirken Meßkircki und Stockach sowie in der Gegend von Sigmaringen hat das Unwetter am ärgsten gewütet. Im Dale von Zisenhausen-Hoppetenzell ging ein fnrckitbarer Wolkenbruch nieder. In Zisenhausen 'tieg das Wasser so schnell, daß Böllerschüsse abgefeuert werden mußten, um Hilfe herbeizurufen. ZweiWohn- häuser stürzten ein. In Stockach wurde ein ganzer Stadtteil unter Wasser gesetzt. Von den Wassermassen wurden vier Brücken fortgerissen. Die Bewohner konnten sich nur mit Mühe retten. In Meßkirch wurden die Straßen burtl) die Flut teilweise einen Meter tief aufgerissen. An vielen Stellen stand das Vieh bis an den Hals im Wasser. Eine Anzahl Schweine und Schafe ertranken. Mehrere Häuser sind dem Einsturz nahe. In Leibertingen ist durch Hagelschlag die ganze Ernte vernichtet. Mehrere Fahri t- betriebe haben die Arbeit eingestellt. Verschiedene Häuser mußten geräumt werden. Würzburg, 29. Mai. In Unterfranken, besonders Teilen der Rhön und des Spessart, gingen schwere Wolkenbrüche nieder, die bedeutenden Schaden anrichteten. Die Bahnverbindungen sind mehrfach unterbrochen. Der Expreßzug Ostende-Wien erlitt erhebliche Verspätung. Auch aus dem Isartal werden schwere Gewitter gemeldet. Speisenvorräte aller Art ausgepackt beobachten und dazu eine Flaschenbatterie Wein und Bier, die, da die Zahl der männlichen Teilnehmer an dieser kauenden Kampfgenossenschaft verhältnismäßig klein erschien, jedem Vorübergehenden wahres Grausen einflößen mußten. Ob man da noch etwas vom Gesang der Vögel und dem Rauschen des Waldes vernommen haben mag? **AltgermanischeNiederlassungbeiFellings- hausen. Der Direktor des römisch-germanischen Museums, Professor Dr. Schumacher-Mainz, weilte am Sonntag vor Pfingsten in Gießen und unternahm in Begleitung des Ratsdieners Ochs eine größere Exkursion von Gießen über Fellingshausen, Dünsberg bis in die Gegend von Naunheim bei Wetzlar. Man verfolgte gleich hinter dem Windhof, zwischen der Straße nach Rodheim und dem Vetzberg fortlaufend, von dort über freies Feld in den Wald einbiegend, nach Fellingshausen zu weiterlauftnd, eine alte Römer st raße, welche hinter Fellingshausen direkt sich bis auf den Gipfel des Dünsberges hinzieht. Man stellte genau fest, an welcher Stelle die Straße die Ringwälle des Dünsberges schneidet, von der Höhe wieder abwärts führt und dann in der Nähe der Rehmühle über das Bieberflüßchen hinüber immer im Walde seine Fortsetzung findet und zwar bis in die nächste Umgebung von Naunheim. Bei dieser Streiferei durch Feld und Wald, über Berg und Tal, stieß man in der Nähe Fellingshausens, inmitten des Waldes, auf ein ausgedehntes altgermanisches Gräberfeld. Profeffor Schumacher stellte fest, daß mit hoher Wahrscheinlichkeit ganz in der Nähe der Bestattungsstelle, in einer Talschlucht, unweit einer munter fließenden Quelle, die Stelle sei, wo die Wohnstätte der Menschen, die hier vor Jahrtausenden die ewige Ruhe gefunden haben, gelegen haben mag. ** Ein.Dampfschiff auf der Lahn bei Gießen landete am Freitag oben an der alten Klinikwäsche. Beamte der Wafferbauverwaltung hatten für den zukünftigen Kanalbau die Lahn besichtigt und waren von Dietz aus bis Gießen mit einem Dampfschiff stroman gefahren. Die Herren erklärten, daß die.Strecke Wetzlar-Gießen als geplanter Wasserweg sehr Abzeichen eines deutschen Admirals überbringen, wurden vom Könige empfangen. Rom, 29. Mai. Es wird versichert, daß der Pap st am 2. Juni aus Anlaß seines Geburtstages alle Kardinäle in Audienz empfangen wird. Er wird eine Ansprache halten über den Streit mit Frankreich. Es wird ferner versichert, day der Papst nicht geneigt sei, sichvonMerrydelVal zu trennen. .. m , , Budapest, 29. Mai. Aufsehen erregt hier die Verhaftung von sechs Vorstandsmitgliedern des Bäckergehilfenfachvereins, welche beschuldigt werden, gegen mißliebige Arbeiter Mörder gedungen zu haben. Tie Aullösung des Fachvcreins dürfte behördlich erfolgen. Das Ver- einsoerniögen wurde bereits in Sicherheit gebracht. Batum, 29. Mai. Ernste Ausschreitungen gegen die Armenier sind seitens der Kurden erfolgt. 4000 Personen, darunter zahlreiche Greise und Kinder, wurden getötet, 45 Dörfer zerstört. 15000 kurdische Soldaten sollen die Ausschreitungen begangen haben. Newyork, 29. Mai. Nach einem Telegramm aus Pa- nnama wurde in der dortigen gesetzgebenden Versammlung ein Gesetzentwurf, nach dem in Panama die Goldwährung eingeführt werden sollte, abgelehnt. Peking, 29. Mai. Ein kaiserliches Dekret ordnet die Er- ichtung einer Gesellschaft vom Roten Kreuz in China an, welche sich der internationalen Konvention anschließen wird. Das kaiserliche Schatzamt spendete für die Gesellschaft 100000 Taels. _________ Aus Stadt und Land. Gießen, den 30. Mai 1904. g'oetter hat für die Operette ein Personal zusammen- gestellt, das sich aus Mitgliedern der ersten Theater rekrutiert. Die Partien der ersten Sängerin werden von Frl. Herms gegeben, über deren jüngstes Gastspiel als Rosalinde am Mannheimer Hoftheater der „Mannheimer Generalanzeiger" schreibt: „Die Vorstellung durfte besonderes Interesse beanspruchen wegen des Auftretens eines Gastes, des Frl. Thea Herms, als Rosalinde. Die Dame hinterließ einen vorzüglichen Eindruck. Sie wußte darstellerisch durch ihr routiniertes temperamentvolles Spiel und gesanglich durch ihren geschmackvollen Vortrag zu fesseln und wurde durch warmen Beifall ausgezeichnet". Als erste Soubrette ist Frl. Emmy Polory vom Stadttheater Mainz gewonnen, die für übernächstes Jahr bereits an das Frankfurter Stadttheater verpflichtet ist. — Als erster Operettentenor fungiert Herr Karl Rohde vom Regensburger Stadttheater, der beim jüngsten Gastspiel am Theater des Westens Aufsehen erregte. Die Tenorbuffopartien gibt Herr Hans Arndt vom Stadttheater in Hamburg. Auch die weiteren Solokräfte kommen aus ersten Stellungen von Theatern wie Breslau, Hoftheater Oldenburg usw. — Mit welch großem Körper die Operette des Großh. Kurtheaters Bad-Nauheim arbeitet, mag daraus erhellen, daß in der ersten zur Aufführung gelangenden Operette, Millöckers beliebtem „Bette lstu d ent", über 30 Operettenkräfte (ohne Komparserie) mitwirken. Die Kosten dieser Aufführungen sind ganz außerordentliche, und es muß daher darauf gerechnet werden, daß sich die regste Teilnahme für das Abonnement, dessen Bedingungen in den nächsten Tagen bekanntgegeben werden, kundgibt. Die erste Operettenaufführung in Gießen findet Dienstag, den 7. Juni statt und bringt Millöckers „Bettelstudent". Die Zeit der Waldausflüge zeitigte, so schreibt uns ein Spaziergänger, gestern im Walde des Biebertales zwischen Bieber und Königsberg ein Picknick, wie man es, ob der eigenartigen Auffassung seiner Zweckbestimmung, kaum noch einmal finden wird. Zirka 15—20 Personen, offenbar Gießener, lagern da unter einer mächtigen Buche und aßen und tranken, was das Zeug hielt. Man konnte ungeheure billig herzustellen sei und deffen Ausbau sehr wenig Schwierigkeiten machen würde. *• Die Hauptversammlung des Deutschen Flottenvereins in Friedberg findet nicht am 5., sondern erst am 19. Juni statt. R.-B. Darmstadt, 30. Mai. (Eigener Drahtbericht.) Die Teilnehmer an der heute und morgen hier stattfindenden Versammlung der Kun st freunde derLänder am Rhein sind bereits gestern vollzählig hier eingetroffen. Gestern abend fand ein Konzert im Ausstellungsrestaurant statt, woran auch der Großherzog teilnahm und sich mit einzelnen Künstlern eingehend unterhielt. Heute nachmittag ist im Alten Palais die erste Beratung. Arn Abend ist Gala- tafel beim Großherzog zu Ehren der Gäste. Morgen sind sämtliche Gäste zu einem Essen beim Obersten ä la suite Frhrn. v. Heyl eingeladen, wozu auch Se. Kgl. Hoh. der Großherzog zugesagt hat. Zwingenberg, 28. Mai. Ein Dr. B. von Frankfurt kam bei Großh. Ministerium um Erlaubnis zur Erbauung einer Za hnradbahn auf den Melibokus ein. Dieses Gesuch wurde abschlägig beschieden und zwar aus dem Grund, weil durch Errichtung dieser Bahn die landschaftliche Schönheit beeinträchtigt würde und etwas derartiges unter allen Umständen vermieden werden müsse. Weiter suchte der erwähnte Dr. B. namens eines Frankfurter Konsortiums um Erlaubnis zur Errichtung einer elektrischen Zentrale für Orte der B ergstraße nach. Auch dieses Gesuch wurde abgeschlagen, weil die Errichtung eines derartig bedeutsamen Unternehmens Sache der Gemeinden sei. Im An- schluß an den letzterwähnten Bescheid fand in letzter Woche auf Anregung des Kreisrats Eckstein in Zwingenberg eine Besprechung statt, bei der die Gemeinden Zwingenberg, Bickenbach, Jugenheim, Seeheim und Alsbach vertreten waren. Zum Abschluß kam selbstverständlich die Angelegenheit nicht, immerhin aber wurde eine wesentliche Förderung erzielt. Als Ort für die Zentrale hat man den Bahnhof von Alsbach, als in der Mitte der Gemeinden liegend, in Vorschlag gebracht. hd. Mainz, 30. Mai. (Drahtbericht.) Heute *• Fürsorge für Lungenkranke. Einem Erlaß des Reichskanzlers zufolge haben sich die Kreisämter an die hessischen Städte gewendet, um sie zu veranlassen, aus städtischen oder Stiftungsmitteln Beträge bereit zu stellen, um lungenkranken Angehörigen ihrer Gemeinden den Aufenthalt in Lungenheilanstalten zu ermöglichen. *• Stadttheater Gießen. Die Direktion Steinauch auf minderbedeutenden Strecken ihren hohen Wert und alle Wünsche finden die Beachtung und das Entgegenkommen der Direktion im Bezirkseisenbahnrat, in welchem alle Interessentenkreise des Bezirks vertreten sind. Das Programm ür die äußere Tagesordnung war gut angelegt und kam in vortrefflicher Weise zur Ausführung. Durch die Teilnahme zahlreicher Damen an dieser äußeren Tagesordnung gewann ie erheblich an Interesse. Punkt 1 Uhr stand am Hauptbahnhof ein Sonderzug bereit, der die Teilnehmer an der Fahrt zur Besichtigung der neuen Bahnanlagen bei Mainz über Bischofsheim, die neue Mainbrücke, die neue Rheinbrücke und zurück nach Mainz führte. Das Mittagsessen fand im Kasino statt und wurde gewürzt durch eine Reihe von Tischreden. Bereits um 3 i/z Uhr brach die Gesellschaft bei prächtigem Sonnenschein auf zu einer Dampferfahrt nach Eltville. Am Abend zerstreute sich die Gesellschaft wieder in alle Winde. E^HonLünstrerfek in Frankfurt a. W. Zum erstenmale tagt der allgemeine deutsche Musikverein, der nun 43 Jahre lang besteht, in Frankfiirt a. M. Das Ton- künstlerfest, das in den Tagen vom 27. Mai bis 1 Juni in Frankfurt stattfindet, ist das 40., und ein reger Besuch seitens der Vereinsmitglieder und der Berichterstatter aus allen Gauen Deutschlands ist zu konstatieren. Kein Geringerer als Franz LiSzt ist der geistige Urheber dieses Zusammenschlusses der deutschen Musiker gewesen, und heute zählt der Verein mehr als 1000 Mitglieder. Seinen vornehmsten Zweck steht der Verein heute darin, daß er die Kompositionen junger, aufstrebender Talente zur öffentlichen Aufführung bringt, mithin den Tonsetzern die Hand bietet, mit ihren Werken in weiteren Kreisen Eingang zu finden. Alle Nummern zählen freilich nicht zu den Treffern, aber seit Jahren bilden die besten Kompositionen, die auf diesen Tonkünstlerfesten Erfolg falben und in Fachkreisen Anklang finden, die Novitäten für die größeren Konzertveranstaltungen. Diese Tonkünstlerfeste sind also in gewissem Sinne dasselbe, was auf anderen Gebieten die Ausstellungen, sind: die besten Erzeugnis,e werden prämiiert und angekauft, sie begründen den Ruhm ihrer Meister, die minderwertigen fallen der Vergessenheit anheim. Seit Jahren ist es Usus, daß diese Tonkünstlerfeste durch Opernaufführung eröffnet und beschlossen werden, und so wird es auch diesmal mit dem „Bundschuh", Musikdrama aus den Bauernkriegen von Waldemar von B a u ß n e r n im Frankfurter Opern- hause eröffnet. Darauf folgte am 28. d. M. das erste Orchester- konzert int Saalbau. Das Programm des Abends darf in gewissem Sinne als tppisch für die Gesichtspunkte gelten, die bet der Auswahl der Vortragsstücke bestimmend gewesen sem mögen. Eine allzu rigorose Einseitigkeit erschien ausgeschlosten. Neben den Anhängern der sezessionistifchen Richtung kamen auch einige Tonsetzer zu Worte, die, ohne sich den instrumentalen Errungenschaften der Neuzeit zu verschließen, doch deutlich genug erkennen lassen, daß sie mit den Formen der konservativen Richtung noch keineswegs zu brechen gewillt sind. Es ist klar, daß 1 die Berücksichtigung beider Richtungen den Vorteil der größeren Abwechslung und Anregung für die Zuhörer bietet. Nach einem Begrüßungsabend am Samstag im Ratskeller ver,ammelten sich die Festteilnehmer am Sonntag vormittag bereits um 10 Uhr 1 wieder im Saalbau, um dem ersten Kammermufik-Konzert bei» • zuwohnen. Kerichtsjaat. (w) Wetzlar, 28. Mai. Am Freitag vergangener Woche hatte haa Schöffengericht Wetzlar einen großen Tag, als gegen V210 Uhr vormittags die Strafsache gegen den Studiosus Hetze r. und Genossen aufgerufen wurde. Tie unter den 1^ Angeklagten befindlichen drei Gebrüder Heyer bunten fitzen, die andern Uebeltäter wurden rechts und links von dem Verteidigertisch gruppiert Auf den zahlreichen Bänken des Zuhörerraumes saß die gesamte wehrhafte Mannschaft des Dorfes Krofdorf und erwartete mit Spannung der Tinge, die da koinnien sollten. Nach der Feststellung der Personalien der 17 Angeklagten verlas der Gerichtsschreiber den Anllagebeschluß, demzufolge sich die Täter cm 16. Februar 1904 in Krofdorf schuldig gemacht haben sollen, indem sie 1. an einem öffentlichen Aufzuge in Krofdon, zu welchem vorher nicht die schriftliche Erlaubnis des Burger- meifters erteilt war, teilgenommen haben. (Tie drei Bruder Hetzer sowie der Angeklagte Süßkind sollen dabei als Ordner und Leiter tätig gewesen fein): 2. soll der Bürgermeister in Krofdorf dadurch beleidigt worden sein, dast bei dem PvuzeiliM nicht genehmigten Aufzuge einer der _ Angeklagten unter dem für jedermann erkennbaren Hinweis aus Vorgänge bei der Ver Haftung des Bürgermeisters L. im Dezember 1903, in der Uniform eines Polizeibeamten einen von dem Komplizen S. dazu geliehenen Simmentaler Ochsen führte, welcher an beiden Seiten von zwei der Angellagten, welche in der Uniform von Gendarmen steckten, gehalten wurde. Einer der Angellagten trug ein Schild mit der Aufschrift „der gefesselte Simmentaler , wahrend weiter int Zuge ein Karren mitgeführt wurde, aus welchem angeblich Akten lagen, welche die große Aufschrift ,,Beschlagnahmt" trugen. Neben diesen Akten ging ein Mann mit schwarzem Rock und Zylinderhut. - Der Angeklagte Studiosus H. bestritt, sich strafbar gemacht zu haben. Es habe ihm vou- ständig fern gelegen, den Bürgermeister zu beleidigen. Ter ganze Zug sei weiter nichts gewesen, als cm harmloser Fastnachtsscherz. Zn dem Zuge hätten die Krofdorfer Burschen die polizeiliche Erlaubnis gehabt. Wenn man im Zuge einen gefesselten Simmentaler Ochsen mitgeführt hat. so habe man damit diese Viehrasse verherrlichen wollen, die zu züchten in Krofdorf nach Lage der Korordnung nicht möglich sei Tic anderen Angeklagten erllärten dasselbe. Emer der Angeklagten protestierte mit aller Entschiedenheit Dagegen, daß man ihn um deswillen zu einem Leiter oder Ordner des Zuges stempeln wolle, weil er angeblich die Musikkappelle dirigiert falbe. Tiefe Annahme sei für ihn eine Beleidigung, denn er und die anderen Musikanten würden sich schämen, wenn es, um eine solche Katzen musik zu machen, wie sie tatsächlich gemacht worden ist, now eines Dirigenten bedurft hätte. Dem Vorsitzenden wird daran ein rechtzeitig eingefaßter polizeilicher Erlaubn'sschem der Bürgermeisterei Krofdorf überreicht, worin diese K r o s d or ' e r Burschen gestattet, nm 16. Februar von 2—3 Uhr nachmittags von der Moosschen Wirtschaft aus einen Zug ohne Unterbrechung zu veranstalten. Die Angellagten erklären, daß sie zu diesem Zuge eingeladen worden seien: in der Freuiid'schen Wirtschaft habe man sich zu der Sache vorbereitet. Als Zeuge erklär Gendarm Baumann von Wißmar, er habe den Zug nirtH gesehen, sei aber um 4 Uhr ins Dorf gekommen und habe dorl von unbeteiligten Personen, bereit Namen er sich nicht inehr erinnere, gehört, daß man im Zuge die Verhaftung des Bürgermeisters L. farrifiert hätte. Ter P o l i z e i d i e n e r Leib bie Worte, die Mü daß er „endlich n lveltlichen Her raumen'' wollen, s W von Staat und M, so sind doch t frasrdenten die Ms Herbertshöhe, mi "°cht de» KW LKr ung jtinn ttn ®>j SÄ» SJ Mo: 50 D SVW de, SG