Nr. »81 Zweites Blatt. 154. Jahrgang Dienstag 2V. November 1904 Erscheint täglich mit Ausnahme de- Sonntag-. Die „Gtefiener Samlttendlatter" werden dem ^Anzeiger otermal wöchentlich beigelegt. Der «hrjstsche Landwirt- erschevu monatlich einmal. Giehener AKZetzer Rotationsdruck und Verlag der Brühl Ichen Unwersitätsdruckeret. ÖL Lange. Gietzen. Redaktion. Expedition ».Druckerei: Schulftr.1. Tel. Nr. 6L Lelegr^Ädr. * Än-eiger <ßie&en. General-Anzeiger, Amis- und Anzeigeblatt für den Kreis Eietzen. Erster deutscher Mittelstaudstag. (Nachdruck verboten.) , S. u. H Berlin, 28. Nov. In der Berliner „Tonhalle" begannen heute vor überfülltem Saal die geschäftlichen Verhandlungen der ersten Generalversammlung der neuen Deutschen Mittelstands,-Vereinigung. Der Vorsitzende des geschäftsführenden Ausschusses Baumeister Kü st e r- Hannover eröffnete die Tagung mit einer Begrünung. Man sei zusammengekommen, um die Sammlung aller zum Mittelstand gehörigen Gruppen zu bewirken. Wir wollen uns von keiner politischen Partei fernerhin mehr ins Schlepptau nehmen lassen, sondern unbekümmert um rechts und links unseren Weg vorwärts gehen. Wir treten heute noch mit keinem festen wirtschastlich«en Programm vor Sie. Tiefes soll sich vielmehr aus der freien Aussprache ergeben. Tie allgemeinen Forderungen und Wünsche des Mittelstandes sind bekannt. Und so er mit dem Rufe: Deutscher Michel, wache auf! (Stürm. Beifall.) Nach ein-m Hoch auf den Kaiser wurde ein Huldigungstelegramm abgesandt. Es folgte eine Begrüßungsansprache des Vertreters des Reichsamts des Innern Geh. Oberreg.-Rats Spielhagen- Berlin. Tie Staatsregierung habe den lebhaften Wunsch, so führte er aus, daß die Bestrebungen der neuen Deutschen Mittelstands- Vereinigung einen erfolgreichen und günstigen Verlauf nehmen möchten. (Lebh. Beifall.) Weiterhin begrüßte Obermeister B ern ard-Berlin die Tagung namens des Zentral au sschusses der vereinigten Innungs- Verbände Teutschlands. Das deutsche Handwerk erwarte von der Versammlung eine Verwirklichung des Mittelstandsproaramms in seinem Sinne. (Lebh. Beifall.) Schon lange habe ein Zusammenschluß der verschiedenen deutschen Mittelstandsgravven in der Luft gelegen, denn dieser Zusammenschluß sei ein Gebot der Selbsterhaltung. (Beifall.) Wir sind bisher die Stiefkinder der Regierung gewesen, weil wir es nicht verstanden haben, wie andere Erwerbsgruppen zu schreien und wieder zu schreien. (Sehr richtig.) Tas muß jetzt anders werden. Wir wollen nicht eine neue Partei bilden,, nicht die Herrschaft an uns reißen, aber wir wolle:: schreien, damit man uns endlich hört. (Lebh. Beifall.) Nachdem Baumeister K ü st e r - Hannover und Obermeister B ern a rd-Berlin in das Präsidium der Versammlung gewählt worden waren, sprach als erster Referent Obermeister Rahardt- Berlin über: „Tie Deutsche M i t t e l sta n ds b e we g u n g, ihre Berechtigung und Notwendigkei t". Ter Referent suchte zunächst den Nachweis zu führen, daß die bürgerlichen Parteien bisher nichts für die Interessen des Mittelstandes getan hätten. Beweis dafür sei, daß die Lasten der Sozialgesetzgebung fast ausschließlich auf die Schultern des deutschen Handwerks gelegt worden seien, daß die Sozialdemokratie heute die Oberhand in den Krankenkassenvorständen habe, daß die zur Hälfte von den Arbeitgebern gezahlten Gelder zur Invalidenversicherung für den Bau von Gewerkschaftshäusern verwendet würden und daß man jetzt sogar daran gehe, dem Mittelstand auch noch 'die Kosten der Arbeitslosenversicherung aufzuerlegen. Dazu komme das A u f - blühen der Konsumvereine unb der Warenhäuser, alles Zeichen dafür, daß Regierung und Parteien aus der .Haut des deutschen Handwerks Riemen zu schneiden suchten. Man brauche eben die Stimmen der Arbeiter, weil die des Handwerks leider durch dessen eigene Lässigkeit bisher nicht zu haben waren. Tas müsse anders werden. Ter Redner bedauerte dann den fortgesetzten Rückgang des Detailhandels, das Scheitern der Zuchthausvorlage, und schloß mit der Aufforderung an alle Mittelstandsgruppen, bei den Wahlen energisch vorzugehen, nur mittelstandsfreundliche Kandidaten zu unterstützen unb tmn den bürgerlichen Kandidaten die Aufstellung von -^ndwerker-Kan- didaten zu verlangen. Tvß wir als deutscher Mittelstand noch einmal zu einer achtunggebietenden Macht werden, das walte Gott! (Stürm. Beifall.) „ , Es folgt eine sehr ausgedehnte Debatte. Rerchstagsabgeordneter H a m m e r - Charlottenburg gab der Meinung Ausdruck, daß die Organisation der Sozialdemokratie mit ihren Verrufserklärungen gegen organifationsfeindliche Verufsgenossen, vor allem aber mit ihrer Opserfteudiqkeit vorbildlich jein sollte für den neuen Mittel- standsbund. (Beifall.) „ t „ . . ... Sodann sprach 'als zweiter Referent Handwerks kämm ersekretar Dr. W i en b e ck-Hannover über: „Wirtschaftliche Ziele derdeutschen Mi ttelstandsvereinigung . Er forderte u. a. Beschränkung der Konsumvereine, auch der Beamten-Konsumvereine, eine schärfere Anwerbung de^ Warenhausgesetzes, die Sicherung der Forderungen der Bauhand- werker, die Regelung des S u b m i s s i o n s w e s e n s , die Erw ichränkung der übermäßigen Koalitionsfreiheit und Beseitigung des Streikposten stehens, die .Heranziehung der ^Großbetriebe zu den Kosten der Fachschulen, die Beseitigung der Gefängnis- und Zu-ht- Haus-Konkurrenz und den Llbschluß guter H a n d e l s v er krag. Auch hierzu entspann sich eine ausgedehnte Debatte. Rnchs- iagsabg. Bruhn-Berlin wandte .sich scharf Ssgen dre Rabat t- sparvereine und gegen die Warenhäuser. Tre letzteren uament^ich sollten mit allen Mitteln bekämpft werden und wenn man sie mit diesen Mitteln schließlich erdrosseln würde,, so wäre das auch kern Fehler. (Stürm. Beifall.) Sekretär H a r N e u-st e tr forderte dazu auf, die konfessionellen Unterschiede in dem Kampfe für die Interessen des Mittelstandes v e r g e s l e n ur vor allem den Kampf gegen die Belastung des Mittelstandes mit wr Arbeüslosenversicheruna auftunehmcn. fBeuaU.) ^v^r- Gießener MMtiMler, Ein Abend in Frankreich.*) Ter ungeheuerliche „Tote Löwe" Blumenthals er- 'chien uns Hing ft als ein so fürchterliches Schreckgespenst, )aß wir schier erstarrten, das; uns die Haare zu. ^zerge landen und wir wünschten, die Stimme möge rhmI im Halse fortan stecken bleiben, damit wir seiner oramatstchcn Muse nimmermehr teilhaftig würden. Als er sich aufs Glatteis der großen dramatischen Dichtung wagte, da purzelte er schon beim ersten spanischen Tritt. Ais et aber ins französische Rokokoland tänzelte, als er sich neckisch als Rotol'oschäfer verkleidete, da war man beinahe drauf und dran, ihm einige seiner vielen Sünden zu vergeben. Herr Blumenthal hatte den Einfall, an der kantigen Fans- 8a"kcke sich s- ber zu bewitzeln. Er spürte das fc nahen unb nahm die unangenehme Entdeckung von der Weiteren Seite In einen Wersciuakter „Mann wir alters aoü er^seine paar munteren Altersempfindunyen. Es ist ja natürlich nicht viel Persönlichkeit in dieser gereimten Plauderet, sondern eine ftanzüsicrmtde, spielend über der Oberiläche der Dinge wcggleitcnoe Weltanschauung, mancher leichte, gefällige Wie, manches Pröbchen rednerischer sfechter- kun t, aber minig innere Wärme und von dem, was wir Gemüt oder irr eigentlichen Smue Humor nennen^,,Bluette hätte man diesen mastigen Versuch tn der Gr-Menphtlosophre •) Wegen Namnmangels verspätet. meister Burg- Berlin wandte, sich gegen die A g r a r i e r , die sich als Bauern und Angehörige des Mittelstand«'s bezeichneten, aber in Wirklichkeit auch zu den Feinden des Mi ttelstan- des gehörten. (Hört! Hört!) Widerspruch erregte Tr. Dietze- Groß-Lichterfelde mit seiner Bekämpfung, daß man hier nur ein rea kti onäres Handwe^ekerprogramm entwielelt.. für Kaiiflente, Beamte und andere Angehörige des deutschen Mittelstandes aber nichts übrig habe. Nachdem der Referent Obermeister Schn a-Berlin in seinem Schlußwort dem entgegengetreten war, wurde die Begründung der neuen Mittelstandsvereinigung einstimmig gut- g ehe iß en, und den vorgelegten Satzungen des ne"en Bundes zu gestimmt. Tiefe Satzungen besagen in § 1: Tie Vereinigung führt den Namen ,Deutsche Mittelstands-Vereinigung" und hat ihren Sitz in Hannover. Sie bezweckt durch ben Zusammenschluß der einzelnen, aus Angehörigen des Mittelstandes bestrhenden Vereinigungen die Wahrnehmung der Berufs-. und Standes- Interessen des deutschen Mittelstandes,, vornehmlich bei d"U politischen und Gemeindewahlen, sei es innerhalb der bestehenden Parteien, sei es erforderlichenfalls neben diesen." In den Vorstand wurden gewählt Baumeister und Büraervorüeher Küster- Hannover, Ohlenschläger-Frankfurt a. M., Rahardt-Berlin, Tau- mer-Spandau, Fritsch-Leipzig, Begtin-Haunover und Donner- Berlin. Die Kichener Hyeatcr- und StratSausrage. i. P. W. Gießen, 29. Nov. 1904. Die Gießener Theater- und Saalbaufrage! Wie viel ist schon darüber in den letzten Jahren gestritten und gesprochen, geschrieben und gespottet worden! Die öffentliche Ausstellung der Dülfer'schen Pläne hat die Erörterungen über die Frage neuerdings in besonders lebhaften Fluß gebracht. Herr S. erachtet nach Herrn Prof. Frommes finanziellen Angaben das Dülfer'sche Projekt bereits für abgetan. Das ist es jedoch, nach zuverlässigen Mitteilungen, keineswegs, und darum ist eine ästhetische Beurteilung der Dülfer'schen Plane auch heute noch sehr am Platze. Der erste Sprechsaalartikel in unserer Nr. 277 wie der erste Artikel des Herrn Ballinspektor Becker zeigten sich voll uneingeschränkten Lobes über die Zeichnungen, die man im Hirzschen Schaufenster sah. Der erste Artikel sprach in Jubel- tönen von der modernen Baukunst, deren vollkommenste und schönste Blüte die Dülfersche Skizze darstelle. Was er im Allgemeinen über die Fortschritte in der deutschen Kunst, von ihren neuen Ideen und neuen Zielen sagte, das war sehr richtig und sehr schön, nur paßte daZ u. E. leider nicht sehr auf die Dülfersche Skizze. Herr Becker spricht von der „eigenartigen, feierlichen Sprache", in der Dülfer hier rede. Gewiß, eigenartig ist sie, auch nicht unfeierlich. Was „modern" im guten Sinne, im Sinne der Pankok und Billing, Olbrich und BehrenS rc. ist, das ist nicht sehr viel. Die lächerlich klein geratene, gedrückte, laubhüttenartige Auffahrt wahrhaftig nicht. Höchstens da§ hübsche Sternmotiv unter dem Gesinls der Fassade, das aber auch keineswegs modern im eigentlichen Sinne ist. Mehr noch daS Fehlen einer Giebelgruppe und der plötzliche, wohl allzu unvermittelte Aufstieg des Saalauffatzes. Namentlich aber die großllnige Durchführung von Vertikalmotiven, an denen auch die Fenster teilnehmen. Die Fassade und der hinter ihr sich aufbauende Saalbau haben gewiß einen Zug des Weiten und Hohen, der von allen bürgerlichen Zweckmüßig- keiten entfernt, andere Ziele anstrebt. Es ist dem Künstler offenbar darum zu tun, daß man von seinem Werke vor dem Eintritt auf den ersten Blick den Eindruck des Starken und Mächtigen erhält. Indem jedoch der Architekt nur die unglückselige nach hinten gedrückte Hauptfassade mit einigem wenigen, aber nicht unwirksamen Zierwerk versah und die beiden Seitenfronten ganz nackt ließ, giebi ihnen die mächtige Linienführung etwas ungemein Schwerfälliges. Man möchte meinen, der Architekt habe gar nicht daran gedacht, daß es in dem Harffe auch eine heitere Kunst geben soll, und daß dem Bauwerke, auf deffen Empore er selber Apollo seine Roffe lenken läßt, doch auch Grazien nicht fern sein können. Es ist, als ob da drinnen nur Shakespeare und Hebbel, Beethoven und Bach, nicht auch Moliere und Fulda, Mozart und Millöcker zu Worte*kommen sollten. Hauptsächlich verfehlt aber scheint es, daß die beiden großen plumpen Flügel dicht an die Straße gerückt werden sollen, anstatt daß das Ganze in den Garten hinein mit der Hauptfront nach der Südanlage zu gesetzt werde, mit einer früher überschrieben Mr onkelhaften Tone des beliebten Fannlienpoeten erzählt der alternde Herr Blumenthal im Kostüm eines Marquis des 18. Jahrhunderts, wie die still Geliebte ihm voll niederträchtigen Wertrauens die Liebe zu einem arideren beichtet und ihn dann als höchst ungefährlichen alten Freund sich erhalten will, und, wie er dabei allmählich inne wird, daß sein „Probepfeil" aus AmorS Köcher nur einen „toten Löwen" des Salons traf. Rudolf Herzog hat dieses Thema in seinem schönen Frankfurter Roman „Ein Lebenslied" (Cotta in Stuttgart) weit tiefer und gemütvoller angefaßt, und weit feiner und zarter behandelt. Aber auch Herr Blumenthal hat diese hübsche Idee, wenn auch ohne'eigentliche Handlung, ganz niedlich ausgesponnen. Sein Geschichtchen schließt ä la Graf von Gleichen platonisch variiert. Der Marquis gibt sich angesichts der winkenden tzoäMit von Jung und Alt resigniert zufrieden mit .bet Stellung eines schnurrenden und schnurrigen Haus-und Kamin-Laren. Tie Grazien im Stücke tragen freilich schlarrende Pantoffeln, und die Reime kann man, wenn sie auch die des toten Löwen weit übertreffen, mit geringem Scharfsinnsaufwand vorher erraten. Aber schließlich macht auch einmal der Wwechslung halber em solches harmloses Gesellschaftsspiel Freude. Der Einakter ist bei uns so stilgerecht als möglich aus- gestattet. Man sieht ein paar Nippes h la Sövres als Zeitmerkmale und plastische Analoga zu Blumenthals Bonmots und klingenden Reimscherzcn. Ta^zu die ganz glaubhaft vorgetäuschten zirpenden Klänge eines Spinetts und Terrasse davor und einer schmucken Säulenhalle. In de^ Gegend der Bibliothek ging man bisher an den neuen Mietshäusern unachtsam vorüber und hielt sie unbesehen für ganz niedlich, bis die imposante Monotonie des Büchermagazins auf das Gegenüber acifmerksam machte und sie in ihrer ganzen kleinlichen Nichtigkeit erkennen ließ. Und doch ist die verlängerte Bismarckstraße wohl als eine elegante Straße gedacht, an der hoffentlich in absehbarer Zeit sich Villen erheben werden von jenem vornehmen neuzeitlichen Stil, der als charakteristisch für die Darmstädter Schule angesprochen werden darf. Und es wird eine Zeit kommen, in der man dann den großen eintönigen Vücherbau als Vis- ä-vis gerade nicht schätzen wird. Aehnliches wäre der Fall bei der Verwirklichung des jetzigen Dülfer'schen Projektes. In der Umgebung der Ecke der JohanneSstraße und deS Neuenweges finden wir heute kein monumentales Bauwerk. Dadurch entstünde im Verhältnis zum Theaterbau etwas mit Bauformen Spielendes in der Umgebung. Es würde sich an dieser Stelle ein zu bedeutender Gast einstellen. DaS Auge gewöhnt sich schwer daran, ein bedeutendes Bauwerk da zu finden,' wo es eigentlich nicht in der richtigen Gesellschaft ist. Das Gebäude gäbe aber an dem Platze auch von keiner Seite ein irgendwie abgerundetes Bild und würde, wie schon angebcutet, direkt an die schmalen Straßen gerückt, durch seine Massigkeit die ganze Umgebung erdrücken und unübersichtlich wirken. E§ gilt heute schon als veraltet, an eine glänzende Fassade eine flache langweilige Rückseite zu setzen. Die neuere Klmstauffassung verschmäht das. Herr Dülfer aber will nicht etwa hinter, sondern sogar neben die Hauptfassade einen architektonisch gar nicht damit zusammenhängenden unschönen Koloß anwälzen, der seinen Diagazincharakter mit einer gewissen Frechheit zur Schau trägt. Es ist das um so bedauerlicher, als sich dieser Anbau nicht etwa gegen eine Winkelgaffe oder gegen eine Fabrik und bergt, wendet, sondern gegen eine, neue Straße mit hübschen Häusern, die es wohl verdiente, daß der Theaterbau just auf der Seite, die für dies Straßenbild Bedeutung hat, künstlerisch durchgeführt werde. Von dem Dülferschen Grundriß behauptet Herr Bau^ inspektor Becker als Fachmann, daß er „ausgezeichnet^ sei, was natürlich nicht bestritten werden soll, wenn es auch, falls die überaus flüchtig gezeichneten Plane zuverläffig find, auffallen muß, daß vom zweiten Rang das Foyer entweder aar nicht oder nur auf großem Umwege zu erreichen ist. Herr Dülfer will dadurch vielleicht eine größere Menschenansammlung an einer bestimmten Stelle aus Sicherheitsgründen vermeiden, gleichzeitig aber auch die Theaterbesucher in zwei von einander streng geschiedene Gruppen sondern. Das würde von den Besuchern des zweiten Ranges nicht mit Unrecht als kränkend empfunden werden. Indessen das würde der Güte der Grundrisse keinen! wesentlichen Abbruch tun und ließe sich wohl auch leicht abündern. Aus den obigen Gründen jedoch ist das ganzL Projekt verwerflich. Deswegen soll aber über die Dülfersche Kunst an sich keineswegs der Stab gebrochen werdens Prof. Dülfer ist zweifellos ein hervorragender Theater- architckt, Das von ihm erbaute Meraner Stadttheater ist eins der schönsten, das wir kennen. Schade, daß er hierher riach Gießen eine so miserable SkiM davon geschickt hat, die nicht nur ein total schiefes, sondern höchst unvorteilhaftes Bild davon bietet. Wenn vorläufig nur der Theaterbau allein zu stände käme, eine Frage, die im einzelnen später behandelt werden soll, so ließ sttzch keineswegs etwa der Saalbau abschneiden und nur das Theater nach den vorliegenden Plänen ausftihren, obschon man davon an tonangebender Stelle spricht. Tie Front hängt ja jetzt nur direkt mit dem Saalbau, nicht aber mit dem Theater zusammen, es müßten also ganz neue Pläne crusgearbeitet werden. Doch behalten wir vorerst noch die JHee zweier zu» sammengebauter Häuser im Auge. Für deren Errichtung gibt es' außer der vorliegenden Dülferschen noch drei Lösungen: entweder die Konstruktion zweier Säle unter einem einzigen Dache, oder die Parallelstcllung des Theaters und des Saalbaues und dann ^Berbindung durch einen quer dazwischen liegenden Mittelbau, oder endlich^ was das einfachste wäre, die Beibehaltung des geplanten Winkelbaues unter dessen Umsetzung nach der Ecke der Süd-' elegante Kostüme von Damen und Herren. Das Sviel aber, war leider ein wenig zu schwer für die (£ auf eine. Frfl Gartner gab sich zwar Mühe, den leichten Plandertonj zu treffen, aber es gebrach ihr an Humor wie an Wärme- und Herr L ü 11 j o h a n n verzichtete gan$ ans die kleinen liebenswürdigen Effekte eines die Herzen der schönsten und klügsten der Frauen durch stürmische Alrgendleidenschaft und tadellose Allüren brechenden eleganten Salonhelden. Es ist nicht tzanz leicht, in unserer Zeit geschmackloser Märmertracht^ der röhrenförmigen langen Hose, die unS allen ja viel Steifheit, Unbeholfenheit und Plumpheit gegeben hat, mit Geist und Grazie Kniehosen zu tragen, fitr bic man übrigens wie es heißt, neuerdings in England wieder Propaganda macht. Herr de Giorgi versteht das weit besser. Tr nuancierte auch den 9Na'rquis, toa§ das jüngere Paar zu luenig tat, er war ein empfindungsvoller alter Herr und vornehmer, feinsinniger Galcmthomme alter Schule. Noch etwas mehr Weltmann und sein Marquis wäre vollkommen gewesen. Gllt, daß Blumenthals Spielsächelchen zum Lever de rideeu nach französischer Art, gewählt worden war. Hätte eS den Beschluß des Abends gebildet, man wäre mit einem Lächeln wohllauniger Langeweile selig entschlummert. Dem deutschen Rokoko-Imitator folgte MoliörcS berühmte Grotcskkomüdie „Der eingebildete Kranke", deS großen französischen Komödien-Dichters Schwanensang. Engen Zabel erinnert in dem zweiten, dem ausländischen anioQt, sodaß die schönen Daumtzruppen des Garten S erhalten bleiben. Gegen die Idee des T o p p e I h a u s c s unter eine m Dache machen jid) so schwerwiegende örtliche und ästhetische Bedenken angesichts des Erstehens einer so kolossalen lang* gestreckten Gebäuoemasse auf dem in Aussicht genommenen ^errain geltend, daß sie weiter nicht in Betracht kommen. -Tie Paral le l st eUun g der beiden Häuser mit einem dazroischenliegenden, pon zwei Seiten freistehenden Ver- oindungSgebaude würde int Schnlerschen Garten eher angebracht sein. Die Fassade des Gesamtbaues mutzte natürlich nach der Sndanlage zu gerichtet sein, während )idi die beiden nur wetng 51t ornamentierenden Seitenflügel wie der Hinterbau der Bibliothek nach hinten zu zu verlieren hätten. Im Falle eines Brandes oder einer Panik batte man bei dieser Bauart den Bor teil, daß die Ausgänge des von allen Seiten freistehenden offenen Bierecks dem Publikum leicht erreichbar sind und die Feuer- lvchr schneller und unbcengter arbeiten kann. Sitzung des Provinzial-Ausschusses. Gießen, 28. 9Zoü. In der öffentlichen Sitzung des Provinzialausschusses vom 26. d. M. kam als erster Gegenstand der Tagesordnung das Gesuch des Martin Langsdorf um Erlaubnis zum _ Betrieb einer Gastwirtschaft zur Verhandlung. Ter Gesuchstcllcr n?il£ mit seiner Metzgerei, die er bereits in seinem Hause Crednerstraßc 34 betreibt, eine Wirtschaft verbinden. Bereits im August 1902 hatte Langsdorf ein gleiches Gesuch eingereicht, baä_ jedoch die Stadtverordnetenversammlung sowohl als auch das Großh. Polizeiamt iricbi befürworteten, weil die ft'agliclie Gegend genügend mit Wittschaften versehen fei. Auch der Kreisausschuß kam in seiner Sitzung vom 15. Hiovember 1902 zu »einem ablehnenden Bescheid. — Am 5. Januar 1904 kam Langsdorf dann wiederholt um Erlaubnis zum Gastwirtsämftsbetrieb ein. Zur Begründung seines Gesuches rührte er an, daß in der fragliäien Gegend eine rege Baurätigkeft herrsche, wie auch der Verkehr überhaupt täglich n-achse. Auch letzt loieder verneinten Stadtverordnetenversammlung und Polizeiamt die Bedürftiisfrage mit derselben Begründung, wie bei dem ersten Gesuch. Ter Kreisausschuß bestätigte diese Auffassung durch Urteil vom 19. März 1904. Hiergegen legte der Bertteter des Gesuchstellers Rekurs ein, der in der heutigen Sitzung verhandelt wurde. Ungeachtet dessen, daß die vernom- menen Zeugen ein Bedürfnis zur Errichtung einer Wirtschaft in der Crednersrraße für vorliegend betrachteten, konnte sich der Provinzialausschuß in Uebereinstimmung mit der Vorinstanz von dem Vorhandensein eines solchen Bedürfnisses nicht überzeugen und verwarf den Rekurs. Gegen die Bürgermeisterwahl zu Nieder-Florstadt, die am 9. Juli d. I. stattfand und aus der der seitherige Bürgermeister Alles mit Stimmenmehrheit gewählt heroorging, war seilens des Gemeinderats Iohs. Ludwig Scherer reklamiert worden. Ta diese Reklamarron sich iedoch nicht gegen die Gesetzlichkeit der Wahl oder die gesetzlichen Eigenschaften des Gewählten, sondern gegen die Persönlichkeit desselben richtete, wies der Kreisausschuß des Kreises Friedberg in seiner Sitzung vom 29. Juli 1904 die Reklamation als unzulässig ab und erklärte die Wahl für gültig. In dieser Verhandlung versuchte Scherer zwar auch noch Unregelmäßigkeiten^ bei der Wahl naa zuweisen. Sein Vorbringen mußte jedoch außer Betracht bleiben, da cs nicht innerhalb der dreitägigen Lffcnlegungsfrist der Wahlakten geschehen war. Wegen mehrerer, in der Reklamationsschrift enthaltenen Beleidigungen des Gewählten, wurde von diesem Sttafantrag bei der Großh. Staatsanwaltschaft gestellt. Gegen das Kreisausschutzurteil verfolgte der Vertreter des Reklamanten Berufung an den Provinzialausschuß. Ter letztere bestätigte jedoch das angefochtene Urteil und verwarf die eingelegte Beschwerde kostenfällig, aus denselben Gründen, die den Kreisausschuß zur Abweisung der Reklamation geführt hatten. Aer Krzöergvau in Kberyeffen in Beziehung zur «Laynkanalisation. (Schluß.) Ter Redner kommt dann auf die manganhaltigen Erze in der Lindener Mark. Auch diesem Erz aus dem Ferniewerk mache das Ausland Konkurrenz, und doch versende man jährlich 100- bis 150 000 Tonnen, welche dem Wasserweg, wenn hie Lahn kanalisiert sein wird, zufallen würden. In der Lindener Mark liegt noch für manche Million Erz, und 'elbst wenn die Ausbeute gesteigert nriirbe, könne man, ohne zu übertreiben, dann auch für 25—30 Jahre hinaus auf einen ungeschwächten. Betrieb dort rechnen. Hierzu kommen die neuen Auftchlüsse bei Oberrosbach, welche dartun, daß dort dereinst eine zweit- Lindener Mark erstehen wird. Ebenso sind bei Oberkleen und Kirchgöns starke Manganlager. Günstige Frachtbedingungen werden Veranlassung geben, daß auch dott der Bergbau mit lohnendem Erfolg betrieben wird. Zur Gewinnung von Brauneisenstein gibt es nur zwei große Betriebe in Oberhessen, welche Interesse erregen und dartun, daß selbst unter den heutigen sHvierigen Verhältnissen der Bergbau in Oberhessen mit Erfolg möglich ist. Es sind dies die Grube Ilsdorf bei Stockhausen und Luise bei Nieder- Ohmen. Tiefe beiden Betriebe haben alle Schwankungen überdauert und haben mit Mühe und Kosten stets darauf Bedacht ge- nommen, Verbesserungen einzuführen. Mit Energie und Ausdauer hat man in beiden Betrieben die Sache erfolgreich ange= packt. In rationeller Weise hat man durch planmäßiges Vorgehen es fertig gebracht, große Mengen Erz zutage zu schaffen. Tie Erfahrungen in den genannten Betrieben in bergmännischer Hinsicht haben ihre große Bedeutung für die in Frage kommenden Gebiete in Oberhessen. Ist es doch dadurch möglich geworden, daß der Geologe und der Bergbeamte sich eine Regel bilden konnten darüber, wo und wie die Erze in Ober Hessen vorkommen. Falls der Landtag die weiteren Mittel bewUligt, was wohl zu hoffen ist, so wird man diese Arbeit vollenden und genaüe Festlegungen machen können. Heute schon könne man sagest, wie die Evze gelagert sind; man hat die Richtungen verfolgt, sodaß man sagen kann, wo Erze zu ftnden sind und wo es lohnt, Bergbau zu treiben. AuS der Erkenntnis der letzten Jahre schöpfend, erklärt Ehelius, daß int Vogelsberg noch ganz gewaltige Eisen erz- m enge n vorl-anden sind. Tie Annahme der Interessenten, daß jährlich 20—30 000 Tonnen gewonnen werden könnten, sei viel zu bescheiden; bei einigermaßen günstigen Tarifen reicht dies Quantum nicht aus, sondern es wird sich vermehren von Jahr zu Jahr durch neue Aufschlüsse in Oberhessen. Man dürfe sich nicht selbst täuschen, aber die nücbdcrnc Betrachtung der Verhältnisse lehrt und zeigt uns, daß von Mücke und Nieder- O h m e n bis Stade n und F l e n s unge n eine Reihe von Erzadern strahlenförmig durch den Vogelsberg lausen, und selbst wenn von den vergebenen Feldern Hunderte als nicht zur Ausbeute geeignet fortfallcu, so bleiben doch noch genug übrig, bei denen der Abbau Gewinn bringt und der Gegend zum Segen gereicht. Es sei ganz außer Zweifel, daß der vberhessische Erzbergbau der kanalisierten Lach: auf eine lauge Reihe von Jahrzehnten eine große Menge Fracht bringen und dazu beitragen würde, daß die Aufwendungen für dies Projekt sich bezahlt machen. Aber nicht allein die Erze Oberhessens sind es nur, die des Kanals bedürfen, sondern auch die anderen Naturprodukte unserer Gegend haben einen Vorteil von dem Wasserweg, der von Gießen aus zum Rhein fuhren soll. Tie überaus wertvollen Säulenbasalte, der Testen- und Strombasalt unseres Gebirges sind überaus wertvoll und nicht überall zu haben in dieser ausgezeichneten Qualität. Ter Aufschwung der Steinbrücki-e bei Oberwiddersheim beweist, wie sehr das Material geschätzt wird; der Betrieb dort dehnt und reckt sich immer mehr aus. Mit billigen Transportbedingungen hat unsere Steinhauerindustrie die rheinische Konkurrenz nicht zu fürchten; sie wird sich in Ober Hessen entwickeln, wie man es heute nicht ahnt, da alle Bedingungen dazu vorhanden find, wenn die Lahn schiffbar fein wird und die Produkte in (Regen verladen werden können» Auch die Gießener Tone, der Marmor und Kalk bilden ein wertvolles Material, wenn das letztere auch wohl nicht per Wasser verfrachtet lverden wird. Professor Tr. Ehelius erklärt, er glaube, daß er die Angriffe, die gegen die vberhessischen Erze gerichtet seien, gründlich widerlegt habe, und versichert, daß das Bild, welches er der Versammlung über den Erzreichtum Oberhessens gegeben habe, nicht übertrieben sei. Tas Bedürfnis der Schiffbarmachung der Lahn sei alt. Schon früher habe man den Fluß kanalisiert, leider sei inan dabei nicht gründlich genug verfahren. Selbst Münzen hat man schon zur Feier des Schiffahrtslveges auf der Lahn geprägt. Ter Redner ließ dann eine in der Versammlung zirkulieren. Wenn man die Schleusen und Wehre entlang der Lahn sicht, wenn man bei Weilburg wahrnimmt, wie man nicht davor zurückgeschreckt sei, hohe Berge za durchaueren, solle man sich durch die Abweisung der Lahnlanalisativn im preußischen Abgeordnetenhaus nicht irre machen lassen. Tie SchiffbarmackMug des Flusses wird wieder kommen, bis sie gelöst ist. Vielleicht ist her Gedanke zur Ausführung noch nicht ganz reif, darum muß man dafür sorgen, daß die Idee reifer luiro, damit der Kanal endlich gebaut wird. Ter Redner schloß seinen überaus beifällig aufgenommenen Vortrag mit einem Glückauf auf den oberhessischen Bergbau und die Hoffnung, daß das Projekt der Lahnkanalisation weiter gefördert werden möge. Tie M ünze, welche mit Interesse bei den Versammelten von Hand zu Hand wandelte, im Besitz des Zahnarztes Koch, ist in Silber in der Größe eines Markstückes geprägt und hat folgende Aufschrift: Eröffnung der Lahuschisfahrt bis Weilburg 12. Oktober 1810. Unter der Regierung Friedrichs I. Herzog zu Nassau und Friedrich Wilhelms Fürst zu Nassau. 5>ie Berufs-Hrganisation der hessischen Kg. 70-80 Pfg. Ochsen Da hast du Die schmecken Kälber Schweine 50 Kg. Schlachtgewicht 70-73 Alk. ,Kg. Schlachtgew. 82—84 Pf. ; „ „ 59—60 ,, Maina schüttelt den Kopf: „Bonbons c Magen und sind für Kinder gar nicht gut. ___ drei Fay's Sodener 9)hiiern^» Pastillen. ' 5 gut. bekommen vortrefflich urw piiNen, als alles Zuckerwerk. gut, bekommen vortrefflich und nützerl mehr gegen deinen , als alles Zuckcrwerk. — Nun leg’ dich und schlaf' süß!" 'Für 85 Pfg. in allen Apothekeii, Drogerien und Ä1 uierallvafferhd 1. erhälllich. hv16/^ Brotpreise in Gießen Weißbrot 1 Kg. 26 Pfg.fg; Schwarzbrot 1 Kg. 24 P „Müde bin ich, geh' zur Kuy''' > spricht das Kilidchen beim Schlafengehen. — Dann betteh es: „Muttchen, gib mir einen Bonbon". Die verständige ...... '• 1 ** c - Bonbons verderben den , 70—74 , „ 60 -72 , Braut- und Hochzeit- Seidenstoffe, neueste Genres in schwarz, weiss und farbig. Verlangen Sie Muster. C”/t Seiden-Grieder-Zürich. Getreidepreise in Mannheim Weizen 100 Kg. 18,85 'Mk. Roggen 100 „ 14,70 „ Theater gewidmeten Bande seiner Studien und Kritiken „3ur modernen Dramaturgie" daran, daß bei den drei ersten Ausführungen des „Eingebildeten Kranken", die im Palais Royal zu Paris vor länger denn 230 Jahren stattfanden, Molißre selbst den Argan, den „eingebildeten Kranken" spielte. Den schon längere Zeit kränkelnden Dichter befiel bei der dritten Wiederholung des Stückes ein Brustkramps, den er durch eine komische Mimik vor den Zuschauern zu verbergen fiichte. Nach der Vorstellung wurde er totkrank in einem Sessel nach Hause getragen, wo er bald daraus den Geist ausgab. Noch heute, so erzählt Zabel, begeht das Theätre tran^ais in Pans den Todestag Molißres als einen besonderen Ehrentag durch die Aufführung feines „Malade imaginaire“. Dieses Stück, war wie Molißre selber in dem ersten von Schmeicheleien triefenden der beiden Prologe zur Komödie schrieb, nur „in der Absicht ersonnen, der Diajestät (Ludwig XI V.) nach ihren Strapazen eine Erholung zu bieten." Obwohl also eigentlich nur ein Gelegenheitsstück, so ist „Der eingebildete Kranke" doch die nie „alternde" Schöpfung eines echten Lichters. MolioreS Komik hat stets einen ernsten, herben Sinn. Er geißelt die Schwächen der Nlenschen klar und einschneidend und entwickelt dabei eine wundervolle plastische Charakteristik. Der eingebildete Kranke existierte zu des Sonnenkönigs Zeiten ebenso, wie wir ihn heilte leider nur zu oft vor Augen haben und wie er immer existieren wird, zw itc Frau, die wahr liebende, rochier, das vorlaute und geschehe Dienstmädchen, den ignoranten und arroganten Arzt re. sehen wir noch heute häufig vor uns. Die Hauptsache ist bei Moliöre immer die meisterhafte Charakteristik, die Erfindung ist ja meist schwach und schematisch. Hier werden an den Glauben der Zuschauer große Zumutiingen gestellt, die natürlich durch eine gute Darstellung verschleiert werden können. Daß die kluge und schlaue Veline Argans Totenkomödie ernst nimmt, setzt eine starke Portion von Naivität des Publikums voraus, von anderen Kuriositäten in der Handlung abgesehen. Aber den Darstellern, vornehmlich dem Vertreter 2lrgans gibt auch dieses Lustspiel Mollißres vollauf Gelegenheit, ihre Gestaltungskraft zu erproben und ihre Charakterisierungs- und Jndividiialisierungskunst zu entfalten. Herr de Giorgi schuf als Argan eine überaus komische Gestalt. Er hat zu dieser Rolle zweifellos die intimsten Studien gemacht. Jedenfalls zeigte feine vortreffliche Leistung von feinfpüriger Durchgeistigung. Dieser Tropf von ^lrgan war keine Schablone, sondern Herr de Giorgi zeichnete scharf eine lebensvolle Persönlichkeit voll der lächerlichsten Schwächen mit größtem Aufwand von natürlicher Komik. Gleich in der ersten, der Soloszene, in der er die Rechnungen des Llpo- thekers prüft, gab er ein jol'oses Charakterbild, hier schon zeigte er, daß er von feinem Nuaneenreichüim (lug Gebrauch zu machen versteht, daß er allem Ucbertriebencn aus dem Wege zu gehen weiß, wenn der Dichter selbst so viel dazu gegeben hat, daß starke Wirkungen nicht auSbleiben können. Der talentvolle jiingeKünstler darf den „EingeblldetenKranken" zu seinen besten Leistungen zählen, er dürfte mit ihm auch auf einer weit bedeutenderen Bühne als der unseren reichen Beifall finden. Frl. Rus gab das feste unerschrockene Dienstmädchen, das seinen Herrn mit den guten alten Hausmitteln der Sympathie kuriert, mit einer Verve, die ihr alle Ehre macht. Es steckt in ihr zweifellos ein reicher Humor, eine temperamentvolle Komik. Schade, daß ihr Organ so spröde und wenig klangvoll ist. Frl. del 9lora zeigte im Backfischkleidchen nicht nur ein hübsches Gesicht, sondern ließ auch ahnen, daß in ihren Adern warmes Theaterblut rollt. Goethe, der überhaupt eine hohe Meinung von Molißre hatte, ist entzückt darüber, wie dieser das Kind auftreten läßt. Dem Fräulein Gartner merkte man die Erbschleicherei nur zu sehr an. Fräulein Dülser zeichnete den festgeschlossenen Charakter der Angöliqne mit ein paar charakteristischen Strichen. Sie aber und Herr Lütj 0 hann, der dem Cleant warme, herzige Töne lieh, hätten mehr stummes Spiel treiben, er zudem noch im fremden Hause gesellschaftlich korrekter fein müssen. Die Szene des Dr. Diasoirus und Sohn war in der Darstellung der Herren Lippert und Eckhardt an Grottskheit kaum überbietbar. Der ganze französische Abend hatte unter der Regie des Direktors einen schönen Erfolg, die Darsteller mürben am Schluffe lebhaft vor die Rampe gerufen. Ein Sonderapplauö auf offener Bühne ward Frl. Ruf zu teil, P. W» © © b» © r! 83 o 35 03 5 *0 o o* l£Q. w b o 3 3 Z X> c «* l» s O en O ' O> ■- 3 §.# ° 3 S.s 61 p 3 5-> C O £ o xT ’ö’Ü ~ g<0 « <53 <53 l5”‘F § . °8Z 155 5 8Q 2 S 9* u an Ä -rs 3 .3 2 *8* o S en 3 ©? « 'S 3 SS 73 £ . 05 Tf to o *» s‘2 £ o ~ ■2 a c 3 e — *T7 ^, <43 , _ O .33 o Ä'S O © 22 ü 5 §.? J3~ O 3) £ . o « X> :<5 en £ G» «IO Cl> VD o <53 tfc *w Q 3 «33. 3 3 3 Jo R - --- Ä- K ■*» a(D 3™(9j3 LZ^ Ä' S ♦* *• V M ? V ^8 «33. an X> 3 <53 'S Lo 33 :3 • C 3 <53, 5 <5 II *ö — 2 3 .UL 31 3 3 Sc. S'-S^ X3 A 3 . >b 33’2 § JA 6? tH o 03 3 <53 3 tf? <5 an S 3 32. S . 3 SS Cb> rogorie, Selters weg 39, Otto Schaaf. Liebigstratze 9. 07167 Mittwoch den 30. November Metzclsnppe. ? Morgens: Wellfleisch mit Kraut. für Knaben und Mädchen befindet sich nur Sonnenstrasse neben dem Gesellschaftsverein. in s. unas-Ausverkauf rensao Bahnhofstrasse, Ecke Neustadt Giessen Bahnhofstrasse, Ecke Neustadt Ferd. 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