Nr. 281 Gvftetat iSgttch autze, Honntags. Arm (Snefoener Anzeiger werden im Meeblel mit dem kesfischen Landwirt die Gießener Kamilien« Hätte, viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Der- lag der B r ü h l'schen Unwerf.-Buch-u. Stein- bruderet. 8t Banget Redaktion, ErpedMo« und 'Druckerei: Gchutpeaße 7. tlbrefle für Devescheur Anzeiger Gieße«. FerniprcchanichiußNr 61. Erstes Blatt. 154. Jahrgang Dienstag 2S. Novemlrerl804 Amts- und Anzeigeblatt für den Ms Sichen O ■ A vezagSpeeidt monatlich7b VU Dtettel* jährlich Ml. 2.20, durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Ui.; durch dir Poft Mk.S.— nierlel- jährt, ausichl. Bestellg. Annahme von Anzeigen jur die 'ingeßnummet bis vormittags 10 Uhr. ßetlenpretfl: lokal 12PH, auSroärtS 20 Pjg, Verantwortlich kW den poItL und allgem. Teil P. W'ttko, für .Stadt und Vand^ unb J^ertd,t6fQale; 2luaust Goetz. für den Anzeigenteil: £anS Beck. J»te heutige Kummer umfaßt 8 Selten. Ale neue Militärvorkage. Die entwurf Heeres. 8 1 „Nordd. Allg. Ztg." veröffentlicht den Gesetz- betr. Friedenspräsenzstärke des deutschen Artikel 1 umfaßt drei Paragraphen. besagt im wesentlichen: Ab 1. April 1905 wird die Friedenspräsenzstärke als Jahresdurchschnittsstärke allmählich derart e r h ö h t, daß sie im Laufe des Rechnungsjahres 1909 die Zahl 505 839 an Gemeinen, Gefreiten und Obergefreiten erreicht, und in dieser Höhe bis zum 31. März 1910 bestehen bleibt. Die Einjährig-Freiwilligen kommen auf die Friedenspräsenzstärken nicht in Anrechnung. In offenen Unterofsizier- stellen dürfen Gemeine nicht verpflegt werden. § 2: In Verbindung mit der Erhöhung der Friedenspräsenzstärke wird die Zahl der vorhandenen F o r m a t io n e n so vermehrt, daß am Schlüsse des Rechnungsjahres 1909 bestehen : Bei der Infanterie 633 Bataillone, bei der Kavallerie 510 Eskadrons. bei der Feldartillerie 574 Batterien, bei der Fußartillerie 40 Bataillone, bei den Pionieren 29 Bataillone, bei den Verkehrstruppen 12 Bataillone, beim Train 23 Bataillone. § 3: In den einzelnen Rechnungsjahren unterliegt die Erhöhung der Friedenspräsenzstärke nach Maßgabe des § 1 und die Verteilung der Erhöhung aui einzelne Waffengattungen, ebenso wie die Zahl der Stellen für Offiziere, Tlerzte, Beamte und Unteroffiziere der Feststellung durch den Reichshaushaltsetat. Tie „Nordd. Atlg. Ztg." veröffentlicht ferner den Gesetzentwurf betreffend die Aendeirunig der Wehrpflicht. Artikel 1 streich!! aus dem ersten Absatz des Art. 59 der Reichsverfassung die Bestimmung, wonach die ersten drei Jahre des Dienstes beim stehenden Heere bei den Fahnen zu leisten sind, fügt aber folgenden Absatz hinzu: „Während der Dauer der Dienstpflicht im stehenden Heere sind die Mannschaften der Kavallerie und reitenden Feldartillerie die ersten drei, alle übrigen Mannschaften die ersten zwei Jahre zum ununterbrochenen Dienst bei Fahnen verpflichtet. Artikel 2 des Entwurfs bestimmt: Im Falle notwendiger Verstärkungen können auf Anordnung des Kaisers die nach dem neuhinzugefügten Absatz zu entlassenden Mannschaften im aktiven Dienst zurückbehalten werden. Solche Zurückbehaltung zählt für eine Uebung im Sinne des letzten Absatzes des § 6 des Gesetzes vom 9. Nov. 1867. Die Mannschaften der Fußtruppen, der fahrenden Feldartillerie und des Trains, welche freiwillig, die anderen, welche gemäß der Dienstpflicht drei Jahre aktiv dienten, dienen in der Landwehr ersten Aufgebots nur drei Jahre. Die Mannschaften der Landwehrinfanterie können während der Dienstzeit in der Landwehr ersten Aufgebots zweimal zu Uebu'mgen tu besonderen aus den Mannschaften des Beurlaubtenstandes gebildeten Formationen auf acht bis vierzehn Tage, vom Tage^ des Eintreffens beim Truppenteil an gerechnet, einberufen werden. Die Landwehr kavallerie wird im Frieden zu Ueb- ungen nicht herangezogen. Die Landwehrm-annschasten aller übrigen Waffengattungen üben im selben Umfange wie die Infanterie in besonderen Formationen oder im Anschluß an die betreffenden Linientruppenteile.. In der Begründung des Gesetzes betr. die Frieldens- präse^zstärke heißt es: Tas Deutsche Reich werde auch zukünftig seine seit mehr als 30 Jahren bewahrte friedliche Politik fortsetzen. Hierzu bedürfe es nach wie vor eines starken, schlagfertigen tu ch- Ligen Heeres. Es könne und müsse gefordert ^erbeii, daß das Deutsche Reich in der Heranziehung der Volkskraft zum persönlichen Dienst in der Landesverterdtgung mit den Nachbarm ächten gleiche n S chrrtt halte. Tas sei bis jetzt nicht d e r F a l l. Bet wachsen der Bevölkerung könne Deutschland rucksra)tltch der Finanzkraft des Landes den Grundsatz der Flgemetnen Wehrpflicht in voller Reinheit niemals durchfuhren, sondern müsse sich eine Beschränkung auferlegen,, welche die Wehrkraft nachteilig beeinflusse. Fran kr er ch ül b er - slüaele Deutschland in der Gesamtzahl der Streitbaren. Dies werde nach der Einführung der Lweiiäbriaen Dienstzeit noch in ausgedehnterem Maße der Fall sein können. Man müsse danach streben, daß das in der Stärke der Bevölkerung lregende Machtelement in der Zahl der ansgebrldeten Mannschaft zum vollen Ausdruck gelange. Dre Erhöhung solle aber auch der Beseitigung solcher Schwächen und Lücken rn der Organisation gelten, welche die Fviedensausbrldung erschweren, den Uebergang in die Kriegsformatton verlangsamen und bei der Mobilmachung zu unhetlv ollen Verhältnissen führen können. Die Begründung wetst dann auch auf den Mangel an Kavallerie hm, der schon für die Friedensausbtldung zu etnem wahrhaften uevei- stand geworden sei. Der verhältnismäßig germge Stand der Kavallerie zwinge jetzt, sie im Mobilmachungsfalle erheblich zu vermehren. Es ist beabsichtigt, in die neuen Kavallerieregimenter die vorhandenen Es- kadrons Jäger zu Pferdie anfgehen zu 'lassen. Die Zahl der vorhandenen Fußartillerie- und Pto- niertruppenteile reiche ntcht mehr für dte gesteigerten Anforderungen aus. Die Verstärkung der Telegraphentruppen um vier Bataillone sei dringend geboten. Tie begründeten Maßnahmen bedingen eine Erhöhung der Frieden ^Präsenzstärke um 1 0 3 3 9 Mann. Tas Gesetz soll am 1. April 1906 in Kraft treten. Die vorhandenen Formationen sollen vermehrt werden um acht Infanterie-Bataillone, neun Kavallerie-Regimenter, zwei preußische Fußartillerie-Bataillone und ein preußisches Tele- araphenbataillon. . r Insgesamt betragen tue Mehrs orderungen 7 3 9*1 3116 N k., wovon 11 795 646 Mk. fortdauernde und 62 117 470 Mk. einmalige Ausgaben sind. Auf 1905 ent- fallen an fortdauernden Ausgaben 1461581 Ml., aus 1906 10 334 065 Mk. An einmaligen Ausgaben entfallen auf 1905: 12 642 280 Mk., auf 1906 bis 1911 49 475 190 Mk. Die „Norddeutsche" führt außerdem in der Begründung des Gesetzes betr. Aenderung der Wehrpflicht aus: Tie auf die Dienstzeit Bezug habenden Bestimnntngen der Gesetze betr. die Friedenspräsenzstärke von 1893 und 1899 sollen dauernd festgelegt werden. Die Regierungen entschlossen sich seinerzeit zur vorläufigen Einführung der zweijährigen Dienstzeit nur unter der Voraussetzung einer Reihe von Maßregeln, die sie zur Erleichterung des Dienstes bezw. zur Förderung der Ausbildung der Truppen als unentbehrlich erachteten. Ersterem Zwecke dienten die vierten Bataillone. Deren seitherige Abschaffung war zwar ein Gewinn für die gesamte Heeresorgani- satton, beseitigte aber auch das wesentlichste Mittel gegen Tiensterschwernisse, welche die zweijährige Dienstzeit bewirkt. Hierunter litt die Ausbildung und Behandlung des Mannes, sowie das Verhältnis zwischen Vorgesetzten und Untergebenen. Das Fortbestehen dieser Verhältnisse kann nicht geduldet werden. Auf die dreijährige Dienstzeit zurückzugreifen, verbietet sich. Bei der Negierung besteht allerdings nur eine auf Friedenserfabrung gegründete Anschauung, daß die zweijährige Dienstzeit der Fußtruppen genügt. Das Endurteil kann erst der Krieg fällen. Bis dahin kann nicht gewartet werden. Daher sind die. zur Erleichterung des Dienstes notwendigen Maßregeln einzuführen und die bereits zur Förderung der Ansbildung getroffenen zu erweitern. Tie kriegsmäßige. Ausbildung macht die Gewährung um so größerer Geldmittel nötig, je kürzer die verfügbare Zeit ist. Ohne die erwähnten Maßnahmen üstz eine end- giltige Einführung der zweijährigen Dienstzeit nicht angängig. Tie Begründung gibt alsdann eine Uebersicht des überschläglichen Geldbedarfs für die in den Jahren 1905 bis 1909 in diesem Sinne durchzuführenden Ausgleichsmaßnahmen. U. a. sind als fortdauernde Ausgabe eingestellt 159 873 Mk. für bessere Ausbildung der Offiziere des B e u r l a u b t e n st a n d e s bei der Jn- fanterte, den Jägern und Schützen. Hier wird also von nachteiligen Folgen der verkürzten Dienstzeit gesprochen, lieber ungünstige Erscheinungen, insbesondere Ueberbürdung des Auslildungsperso- nals usw. haben bisher die Kriegsminister auf parlamentarische Anfragen nach Bewäbrtmg der Zweijährigen Dienstzeit sich nicht geäußert. Es scheint das Bedenken auch wohl nur deshalb ins Feld geführt zu werden, um . den Reichstag für die Bewilligung der geforderten „Ausgleichs- Maßregeln" sowie ausgiebiger Geldmittel sirr eine kriegsmäßige Ausbildung geneigter zu machen. Tie Erhöhung der Friedenspräsenzstärke um 10339 Mann dürfte bei der Abneigung des Zentrums der Stein des Anstoßes werden. Deutsches Reich. Berlin, 28. Nov. Man meldet aus dem schlesischen Orte Neu deck: Ter Kaiser machte gestern einen Spaziergang durch den Park von Neudeck: hierauf fand Gottesdienst in der Parkkapelle statt. Gestern abend wohnte der Kaiser einer Theatervorstellung im Schlosse bei. Heute um 9y3 Uhr erfolgte die Abfahrt ins Jagdgelände; um 1 Uhr wird das Frühstück eingenommen. — Tas Abgeordnetenhaus hat den freisinnigen Antrag auf Erhöhung des Gehalts und E i n f ü h r u n g der Di en st a l t er s ft u f e n für die Richter und Staats- a n w ä l t e gegen die Stimmen der Rechten angenommen. Hierauf wurde der Zentrumsantrag auf Einstellung von Mitteln behufs freier E i s e n b a h n f a h r t für Beamte mit einem freisinnigen Zusätze angenommen. Ein Regierungs-Kommissar erklärte sich gegen den Antrag. — Tie Freisinnige Volkspartei brachte im 9lb- geordnetenhause in Sachen des Königsberger Anar- ch i ft e n p r o z e s s e s eine Interpellation ein, in welcher art' die Regierung folgende Fragen gerichtet werden: 1) Ob die Angaben des russischen Generalkonsuls in Königsberg über den Truckschrifteninhalt bestimmenden Einfluß auf die Einteilung des Strafverfahrens gehabt, 2) ob der Staatsregierung bekannt sei, daß die russischen Behörden den preußischen unrickstige Ueber- setzungen russischer Rechtsnornten geliefert imi> einschlägige Rechtsnormen mitzuteileu unterlassen haben, 3) ob die Stawsrcgier- ung gedenkt, auf dem Gebiete der Fremdenpolizei und der Aus- wetsungen und Auslieferungen von Ausländern auf Reformen hinzuwirken, sowie eine Minderung des preußisch-russischen Abkommens vom 13. Jattuar 1885 herbeizuführen. — Tas amtliche Resultat über die Reichstagsersatzwahl im Wahlkreise Schwerin (Mecklenburgs bestätigt, daß Stichwahl zwischeu dem Nationallib. Büsing und dem Sozialdem. A n t r i ck stattzufinden hat. Biising hat 3 Stimmen mehr erhalten als der Konservative Tade. Bei der Stichwahl wird ohne Zweifel Büsing gewählt, da die Konservativen für ihn eintrcten. — U eberrussische Fonds und Anlei heg e r üch t e schreibt der „Berl. Börsen-Eour." unterm 28. d. Mts.: Tie russischen Fonds waren an der heutigen Börse fest und höher, anscheinend auf Teckungen der Baisse-Spekulation. Man bringt den mit einer gewissen Absichtlichkeit und neuerdings von London verbreiteten Nachrichten über Verhandlutrgen betreffs einer neuen Anleihe von 52 Millionen Pfund Sterl. nicht den geringsten Glauben entgegen. Infolge unserer an ntaßgebender Stelle eingezogenen Erkundigungen sind wir in der Lage zu er- ktäreu, daß die in Umlauf gewtzten Gerüchte auf Erfind un gen und Kombinationen benihen. Metz, 28. Nov. Auf eine Eingabe des Verbandes für K a - n a l i s i e r u n g der M o s e l u n d S aa r hat der Statthalter von Elsaß-Lothringctl mitgeteilt, daß er Veranlassung genommen hat, die Förderung der P^oselkanalisierung bei dem Minister der Arbeiten angelegentlich zu besürworten mit dem Ausdrucke des Wuusches, es möge die Kanalisierung der Mosel, wenn jetzt noch irgend angängig, in daö große Kanalprojekt einbezogen werden. — T i e G c n o s s e n s ch a f t t .ü r Wc in- undSpirit u s handel in Lothringen bat eine Eingabe au den Bundesrat gerichtet, die sich mit erheblicher Schärfe gegen die seit einiger Zeit immer mehr um sich greifende Anti-Alkoholbewegung des sog. Blauen Kreuzes richtet. ES heißt darin: Tiefe Bewegung, die ein völliges Ausmerzen aller alkoholischen Getränke herbeiführen will, schieße über jedes vernimitmäßige Ziel hinaus. Auf d^r Grundlage einer ettglischen Statistik wird dann ausgeführt, daß eine dem menschlichen Organismus entsprechende Ouantität nur vorteilhaft auf das allgemeine Befiiwen wirken! könne. Infolgedessen möge der Bundesrat der garnicht zu he- gründenden,. noch vernünftigerweise zu verteLigenden, nach allen Seiten hin schädlich wirkenden Anti-Alkohol-Be- w e g n n g nach Möglichkeit entgegentrcten und damit dem Wein- und Spiritushandel die Lebenswege erhalten. ^er Krieg. Aus der Mandschurei Petersburg, 28. Nov. Genercrladjutant Kuropatkick meldet dem Kaiser vom 27. Nov.: Nach den im Laufe der Nacht eingegangenen Berichten gingen die Japaner bei Zinschetschen gestern bis vier Uhr nachmittags unentschlossen zum A n g r i f f ü b e r. Der Vormarsch wurde durch unser Feuer aufgehalten. Der Kampf dauert fort. Die Stimmung der Truppen ist sehr gut. Andere Berichte übep Kämpfe in der Nacht zum 27. Nov. sind nicht eingegangen. Petersburg, 28. Nov. Die „Birschewyja Wjede- mosti" meldet aus Mukden vom 27. November: In der letzten Nacht beschossen die auf dem Putilow- und Nowgorod-Hügel stehenden russischen Truppen die Stellungen der Japaner. Diese er widerten d a s Feuer nur schw-ach und griffen ihrerseits nicht an1. In Mukben treffen täglich neue Truppenabteilungen ein; es kehren auch zahlreiche Soldaten, die von ihren Wunden geheilt sind, aus Eharbin hierher zurück. Die Chinese^ behaupten, die Japaner hätten die ganze Bevölkerung eines Fleckens vei Kuandianstcm niedergemetzelt, weil sie angeblich Beziehungen zu den Russey unterhalten habe; es seien mehr als 200 Menschen^ auch Kinder, niedergemacht worden. Petersburg, 28. Nov. General Ssacharow meldet dem Gencralstab vom 27. ds.: Ter iapauische Angriff am 27. ds. gegen die Abteilung bei Tsingtetschen wurde durch unser Artillerie- und Gewchrseuer zum Stehen gebracht. Hastiger Schneesturm unterbrach den Kampf. Als nachmittags das Wetter sich ausgcllärt hatte, stellte sich heraus, daß unser rechter Flügel umgangen war. Doch zwang das erfolgreiche Feuer unserer vier Geschütze den Feind zum Rückzüge. Unsere Verluste sind unbedeutend. Tie gefangenen Japaner trugen Unters jacken unter den Uniformen und Mäntel aus Kamelhaarstoff mit Pelzkragen. — Am 27. ds. besetzten )vreiwilligenabteilungen daZ Dorf Namgantsi, das vor dem Putilowberge liegt, und behaupteten sich in demselben 20 Minuten lang trotz des heftiMeii Gewehrfeuers des Gegners, bis es ihnen gelungen war, ein festes Gebäude zu unterminieren. Nachdem unsere Abteilung sich zu-, riickgezogen hatte, wurde der Tempel in die Luft gesprengt.: Petersburg, 29. Nov. General Kuropatkin meldet dem Kaiser unter dem 27. ds. von der Abteilung bei Tsinhetschenf Gegen 7 Uhr morgens begann der Angriff auch gegen den linkes Flügel. Am 25. ünd 26. Nov. verlor die Abteilung 11 Xote rmtz 62 Verwundete. Ter Führer der 9Ü>teilung meint, daß die Ver-i luste der Japaner bedeutend seien. Wirerbeutetetr. über 100 Gewehre. i Port Arthur Mukden, 28. Nov. (Russ. Tel.-Ag.) Die japanischen! Besatzungen von Antung Takuschan Föngtzw^augtschöng, Jn- kou unb Liaujang wurden durch andere weniger kriegs- tüchtige ersetzt. Ihre Hauptanstrengungen sind ^jetzt gegen" Port Arthur'gerichtet, aber sie sind erfolglos. Tie Japaner schieben westlich der Eisenbahn demoirstrativ Kavallerie vor* Gestern nacht griffen sie Linschürpu an, wurden aber zurück- geschlagen. London, 28. Nov. Meldungen aus Tschistl besagens daß die Japaner, die wahre Wunder an Tapferkeit vollbringen, trotz verzweifelter Gegenwehr der russischen Belagerungs-Armee strategisch wichtige Stell-- un gen erobert haben. Wie es heißt, find oie Japaner von den viel umstrittenen Forts Erlungtschan intb Sung- tschutschatt bereits durch die Hauptgräben vorgedrungen und' haben die Eskarpen der WäNe genommen. Mit größter Erbitterung wird noch um die Brustwehren gekämpft. Auß beiden Seiten sind die Verluste enorm. London, 28. Nov. Nach einer Depesche aus Tschiftr tourt)e dort am Samstag schwerer Kanonendonner aus der Richtung von Port Arthur vermommen. ES verlautet, daß die Japaner wieder zurückgeschlagen wurden. Viele Schisse von Togos Geschwader sollen sich behufs Reparatur int Dock befinden, um für alle EvcnüAaliEe), gerüstet zu sein. ; Die Schwarze Merpotte. Paris, 28. Nov. „Herald" meldet aus Petersburgs Ter Befelüshaber der Schwarzen Meer-Flotte hat einem Tagesbefehl erlassen, worin alle Offiziere und M a n n- schäften, welche der Flotte angehöreit, unter die Fahnen gerufen Nwrden. Jftfolgedessen geht das Gerücht, daß die Scbwarze Meer-Flotte jr'dcnfasls mobilisiert wird. Es ist jedoch Nwhrsclxünttcb, daß die Offiziere nut) Mannschaften dazu tnrnwudet iverben solleu, die Mannschaften derjenigen Kriegsschiffe zu ersetzet^ toddie den Kern des 3. russischen Geschwaders bilden. KriegSmüdigkeit. Nack) russischen Stimmen haben die Japaner den Krieg satt, ist soaar in der Armee die Vcgeistennm sehr gesnn^n: mnnt man die Japaner hört, beherrscht die Russen die Krieqsmüdigkeit in unerträglichem Grade. Es sclunnt, daß auf leiden Linien ein gleich starker Ueberdruß an dem Mutigen Handwerk sich geltend macht. Ungeheure Opstr sind gebracht ivorben an Menschenleben und materiellen Mitteln, Heerfühp-r auf beiben Seiten hab - Taten vollbracht, die einen Ruhmestitel in der Ge- schichte verbürgen, aber es fehlte allen den Ereignissen auf dem Kriegsschauplatz i i r ; das 'n ne: die entscheidende Bedeutung. Einige Male senkte sich die Wagschale zu Gunsten Japans; rricht, 5 in K. H. der Großherzog haben cd ä f c r zu Darmstadt d Verdienstordens Philipps de Ter Amtsrichter in Ulrichstein, Eck teilen. ■tu Telephonischer Kursbericht namentlich die Frage nach der Entstehung des Mythus er- .4/11 U SeeBäg’8 kandierter 3> ce wr « v- Äl £ E . 101.50 . 90.10 . 101.35 . 90.05 . 100.00 kreuz 2. Klasse de mutigen verliehen. 4°/o Italien. Rente 41'2% Portugieser *°/ Portugiesen, . 1% C. Türken Türkenloso . . . Be - ver- 8% Mexikaner . . 4V2% Chinesen . . Electric. Schuckert . Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandii. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. StaaUbahn . Lombarden . . • Gotthardbahn . . . Laurahütte . . . . Bochum..... Harpenor . . . Schatzscheino . . . ** Personalien, dem Schriftsteller Lehrer Ritter- Groß- 104.30 64.30 62.85 """ Ter 8 Uhr-Ladenschluß für die Manufaktur-, Kurz- und Weißnmrengeschäfte wird jetzt angestrebt. Nach^ dem es nickt gelungen ist, für alle Geschäfte in Gießen )cn 8 Uhr-Ladenschluß durchzusiihren, wird jetzt der Ker- uch gemacht, bei den einzelnen Branchen dies zu erreichen. Ter Tetaillisten Verein will in den nächsten Tagen eine Umfrage halten bei den Manufnkftiristen und Knr^varen- händlern, ob sie mit einem 8 Uhr Ladenschluß, mit Ausnahme an den Samstagen vor Weihnachten re., sich einverstanden erklären. •* 7 0. Geburtstag. Geheimrat Prof. Dr. 2 a 8 p e y r e s eierte gestern seinen 70. Geburtstag. Der Rektor der Ländcs- univcrsität sprach ihn: nennens der Universität seine Glückwünsche aus. danken sie der Anregung unseres Oberbürgermeisters. *• Ein fataler Druckfehler ist in unserer gestrigen Politischen Wochenschau enthalten. In der dritten Zeile der zweiten Spalte ist anstelle des Samens Brauer der Name Braun zu setzen. § Nieder-Bessingen, 28. Nov. Bei der heute hier stattgehabten Gemeinderatswahl wurden folgende Kandidaten gewählt: Heinrich Walter I. mit 54, Johannes Schröder II. mit 47, Ludwig Olemotz mit 44 Stimmen wiedergewählt. Von 82 Wahlberechtigten machten 75 von ihrem Rechte Gebrauch. w. Binge n, 28. Nov. Bei der heute hier stattgesundenen Stadtratswahl siegte die Liste des Zentrums über die der vereinigten Liberalen und Sozialdemokraten. Worms, 28. Nov. Heute nachmittag fand in würdiger Weise die Enthüllung des dem früheren Oberbürgermeister und späteren Finanzminister Küchler vor der Bürgerschaft der Stadt Worms gesetzten Denkmals statt. Der Groß-/ Herzog ließ sich durch den Kabinetsrat Römheld vertreten. Anwesend waren ferner Finanzminister Gnauth, Provinzial- direktor Geheimrat Dr. Breidert und andere zahlreiche Gäste, Vertreter des Corps Teutonia-Gießen (dem Küchler angehört hat) und Rhenania, die städtischen Behörden und Vereine. Von der Familie Küchlers war seine Gattin mit den Kindern und Verwandten erschienen. Die Festrede im Namen des Denkmalskomitees hielt der Stadtverordnete Rauch. Frhr. Heyl von Herrnsheim übergab das von dem Bildhauer Hirth meisterhaft ausgeführte Standbild an den Oberbürgermeister von Worms, der es in Erinnerung an den Mann, der das Gemeinwesen von Worms zur Blüte brachte, zu hüten versprach. Darauf rühmte Geh. Oberbaurat Hoffmann Küchlers künstlerisches Wirken für die Stadt. Mit weihevollen Gesängen und Vorträgen dec Militärkapelle schloß die Feier. w. Wetzlar, 28. Nov. Die Stadtverordneten beschlossen die Anbringung einer Gedenktafel am Geburtshause des verstorbenen Ehrenbürgers der Stadt, des Leibarztes Kaiser Wilhelms I., v. Lauer, welcher das Brauneck'sche Haus unterhalb des Kornmarktcs als seine Geburtsstätte bezeichnet hatte. Gießen, 29. Nov. Marktbericht. Auf heutigem Wockenmarkt kosteten: Butter vv. Pfd. 1.20—1.25 All.. Hühnereier 1 St. 8—10 Mg. 2 Stck. 15—00 Pfg.. Gänseeier 00—00 Pfg.. Enteneier 7—0 Pfg., Käse pv. Stck. 6—8 Pf.,' Käsematte 2 Stck. 5—6 Pfg. Erbsen pr.Liter 21 Pfg., Linsen pr. Liter 32 Pfg., Taubenpr.PaarOFO-0,90 Mk., Hühner pr.St. 1,00—1,60 Alk., Hähne pr. Stück 0,60—1,20 Mk., Enten pr. Stück 1,80—2,20 Mk., Gänse vr. Pid. 55—63 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 70—80 Pfg., Kuh-und Rindfleisch pr. Pfund 62—68 Pfg., Schweinefleisch pr. Psund 60—72 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Psund 76 Pfg., Kalbfleisch pr. Pfd. 70—74 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—74 Pfg. Kartoffeln pr. 100 Kg. 6,00—6,50 Mk., Zwiebeln pr. Ztr. 8,00—10,00 Mk., "Milch per Liter 18 Pfg., Aepfel per Zentner 5 bis 8 "JJtf., in Körben 00—00 Big. Nüsse 100 St. 20-30 Pfg. rZivetschen per Zentner 0.00-0.00 Mk. Birnen per Zentner 6 bls 0.00 Mk. Markt^eit 8—2 Icke. •’W/ü 3Vo HV.% 3% 3V2°/o vermischtes. Luzern, 28. Nov. Heute begn a digte dec Luzerner^ Große Rat den zum Tode verurteilten Raubmörder Hofstetter, dec im April d§. Js. in Hochdorf den aus Oesterreich gebürtigten Braumeister Anthofer ermordet uud beraubt hatte, mit 93 gegen 36 Stimmen zu lebenslänglichem Zuchthaus. Damit dürfte die Bewegung zur Abschaffung der Todesstrafe nun auch im Kanton Luzern Erfolg haben. * Auch-Poesie. Man schreibt der „Rh. W. 3t/ aus dem Oldenburgischen: Ein oldenburgischec Untertan hat am Geburtstag des Großherzogs seinen patriotischen Gefühlen in . 33.40 . 90.95 . 121.00 . 107 30 . 213 60 . 193.25 . 144.30 . 156.90 . 16570 . 189 50 . 17.90 . 192.50 . 259.50 . 233.00 . 218.50 Aus Stadt und Land. Gießen, 29. November 1904. •* Se. K. Hoh. d er Groß herz og ist heute vormittag per Sonderzug von Darmstadt kurz nach 10 Uhr in Gießen eingetroffen und um 10.16 Uhr nach Lich weitergesahren, wo er zur Teilnahme an den fürstlichen Jagden cingetroffen ist. I. I. D. D. die Prinzessinnen Eleonore und Dorothea sowie Fürst Karl und Fürstin Emma sind gestern nachmittag um 1.40 Uhr im Bahnhof Gießen cingetroffen und um 2.05 Uhr nach Lich weitcrgcreist. Der Groß Herzog gedenkt, wie uns aus Darmstadt gemeldet wird, morgen nachmittag in Offenbach mehrere Fabriken zu besichtigen und beim Kreisrat v. Hom bergt das Mittagessen cinzunchmen. z-Konzert hatte dec Pianist Xoni-». Mr-Mer Vollkommenster Kaffee-Ersatz. 1/2 Pfd.-Packet (= 30 Tassen) 20 Pfg. „Hymne an die Nacht" von Beethoven wirkten wunderbar mit einem ganz aparten Klangkolorit. Die Männerchöre mit Zitherbegleitung erwiesen, daß der Verein über leistungsfähige Männerstimmen verfügt. In Anerkennung seines Verdienstes ehrten die Aktiven des Vereins ihren Dirigenten durch Uebcrrcichlmg eines mächtigen LorbeerkranzeS nach dem Zithersolo „Grindclwalder-Ländlcr". ** G i s e l a S ch n e i b c r, die am Donnerstag im hiesigen Theater gastiert, veranstaltete bunte Theaterabende in„ der lebten Zeit in einer ganzen Reib' von Großstädten. Tie,.Köln. Zeitung" berichtete über ilr Austreten in Köln mit folgenden Worten: „Einen bunten Theaterabend veranstaltete in der Philharmonie die ausgezeichnete Diseuse Gisela Schneider. An. irgend eine Ueberbrettelei darf man dabei nicht denken, denn es fehlte alle die nicht überflüssige Pose, mit der das echte Ueberbrettel so belustigend Bedeutnng und Originalität markierte. Tas Schnei- dcrsche Gastspiel gab sich äußerlich- ganz schlicht, im übrigen mar der Abend selw tmterhallend und bot stellenweise wahre Kabinetts- Leistungen der Vortragskunst. Wird Gisela Schneider im Spreck- gcsang mit der Französin Anette Guilbcrt verglichen, so geschieht das in der Tat nicht zu Unrecht; demt, unterstützt von einem ausdnicksreichen Mienenspiel und fähig der fast unwiderstehlichen Uebcrtragung aller seelischen Vorgänge auf den ihr stets gespannt lauschenden Zuhörer, wirken ihre Vorträge mit der ungeschminkten Kraft des innerlich Erlebten und man empfängt, in den knapven Rahmen des Vortragsbilds zusammcngedrängt, 'elbst von ihr die Illusion eines momentanen Erlebnisses, mag 's sich um erschütternde nnd rührende Tinge handeln, Ivie in >cm schönen Gedickt von Arno Holz, oder um heitere Sächelchen. Zn einigen alt-östreickischcn Banentlicdern von Rosegger, die ie in entsprechendem Kostüm vortrug, gab sie wahrheitsgetreu >en köstlich ursprünglichen Geist ihrer Heimat wieder." ** Reuter-Abend. Aus Veranlassung des Kaufmännischen Vereins und des Ortsgewerbe- vereins findet morgen im Neuen Saalban ein Reuter- Abend statt. Ter dafür geworbene Rezitator August Junker mann hat wiederholt mit großem Erfolg hier gesprochen; auch diesmal wird eo wohl ein volles Haus geben. Bezüglich des Programms verweisen wir auf den Inseratenteil und fügen an, daß Eintrittskarten abends am Saaleingang verkauft lvcrden. Tie Mitglieder der genannten Vereine Haban für sich und eilte Tarne freien Eintritt, weitere Angehörige zahlen die Hälfte des Kassenpreises. ** D i e Eröffnung des Testaments des ermordeten Pfarrers T h ö b e s fand am vorigen Freitag statt. An Barvermögeir waren etwa 30 000 Mk. vorhanden. Ta die Gemeinde Heldenbergen schon bei Lebzeiten des Ermordeten größere Zuwendungen erhalten hat, so ist sie in dem Testament nur mit 500 Mk. bedacht; das übrige Vermögen erhalten die katholischen Gemeinden Bad- Nauheim und hier je zur Hälfte. Tas Mobiliar, welches einen Wert von annähernd 10 000 Mk. besitzt, — es besteht aus der vollständigen Einrichtung von 10 Zimmern ic., darunter wertvolle Gemälde — erhält die Haushälterin. Tie Bibliothek wurde dem Baromäusverein vermacht. Die 1000 Mk., die ein umbekanntec Wohltäter dem Ermordeten zu wohltätigen Zwecken zugestellt hatte und die man bisher als gestohlen angesehen hatte, haben sich übrigens in einem Geheimfach ' vorgefunden. — >Der wegen des Heldenberger Mordes steckbrieflich verfolgte 26 Jahre alte Metzgergeselle Oskar Hudde aus Schalke in Westsalen ist noch nicht ergriffen. Er hält sich vermutlich in Frankfurt aus und ist, wie ein Berichterstatter meldet, noch am Samstag von Personen, die ihn kennen, in Frankfurt gesehen worden. ** S chne e entsernnng. Zum ersten mal wurde am Samstag der Schnee von den Marktplätzen mit Hilfe der Kanalisation entfernt. Der Schneeschacht am Brandplatz erfüllte sehr zufriedenstellend seine Ausgabe. Mittels besonderer Schieberstellung war eine direkte Verbindung der unterirdischen Entwässerungsleitung mit dec Lahn hergestellt und das kräftig einfließende Lahnwassec riß in wenigen Minuten den Schnee mit fort, welcher den Schneeschacht füllte. Außer am Brand sind zwei weitere Schneeschächte am Kreuz und am Kirchenplatz vorhanden, mittels deren die Innenstadt schnell von Schnee befreit werden kann. Diese Einrichtung, welche erst in wenigen Städten in Deutschland besteht, war ursprünglich in unserem Kanalisationsprojekt nicht vorgesehen; wir verlange, nnd bte Müllen Ritten Tn uüerwarteter Weise ihre Position, gefährlich, in unhaltbar erschien, zu bessern verstanden. Int Grunde genommen sind die Chancen die al ei ck en wie < u Beai n n des Krieges. F ä l l t Port A rtHur, so ist auck damit für Japan nicht viel gewonnen. Ter Kampf mit der baltischen Flotte must ansgefockten werden, der Winterfeldzug sckaftt nach Eintreffen der russischen Verstärkungen ganz nette Situationen. So reiht tick eine Aufgabe an die andere, ohne das; ein Ende abzusehen ohne daß einem der Gegner der Preis dieses heftigen Ringens winkt: dem Unterlegenen die Bedingungen des Friedens diktieren zu können. Je länger der Krieg dauert, ttmso größer niri) die Neigung der Zuschauer England iutd A tu e r i k a einen Anteil ohne bcso ndere Kosten zu erlangen, in dem Augenblick sick einzumischen, wo beide Gegner aufs äußerste erschöpft von ihren Anstrengungen sind und nicht die Kraft buhen, Mächten, die mit aller Frische in den Kreis der Kämpfer hin ein treten, den Hinzutritt energisch zu wehren. Es ist die trostlose Aussicht eines Krieges „bis zum Weißbluten", die tick Rußland wie Japan eröffnet, eines Krieges, dessen Ettde keinem von beiden solchen Gewinn verspricht, daß auch nur entfernt der kolossale Einsatz eingeholt wird. Immerhin hat sich Rußland ttoch mehr als Japan von vornherein auf einen sich in die Länge ziehenden Krieg eingerichtet. Japan glanbte mit einem kühnen Elan seinen Gegner überrennen zu, können. In ganz Japan herrschte die Ueberzeugung, Sieg auf Sieg toerbc folgen und in kurzer Zeit die Russen zwingen, ihre Sache verloren zu geben. Wie immer in solchen Fällen, richtet sich turn in Japan die Enttäuschung gegen die Heerführer: sie verstünden die Erfolge nicht auszunutzen. Im Krieg gelten aber nur die durchgreifenden, die entscheidenden Erfolge. Ter Feind muß bis ins innerste Mark getroffen sein, nur das kann ibn zum Eingeständnis der Unterlegenheit zwingen. So steht es um Rußland twck lange nickt. Kuropatkiit rechnete mit einer jahrelangen Dauer des Krieges.^ Viele hielten diese Annahme für eine Uebertreidung. Indessen scheinen die Tatsachen Kuropatkin Reckt zu geben. stein, wurde in den Ruhestand versetzt, uackdem das Oberlandesgericht aus Grund des Art. 64 des Gesetzes, di? Rechtsverhältnisse der Richter betreftend, vom 31. Mai 1879 durch Plenarbeschluss vom 11. November 1904 bestätigt hat, daß die Voraussetzungen des Art. 10 des Gesetzes, be treffend die Revision der Bestimmungen über Versetzung der Zivilbeamten in den Ruhestand, vom 27. November 1874 vorliegen. Der Rechnungsrat N e u s ch ä f f e r zu Darmstadt wurde auf sein Nach such en in den Ruhestand versetzt. Der Stcuerkontrolleur Ob wenn in Friedberg wurde vom Tage seines Dienstantritts an zum Revisionsinspektor bei dem Hauptsteueramt Mainz ernannt. Der Hauptsteueramtsassistent Dörr in Mainz und der Hauptsteuerarnisassistent Amelung in Darmstadt wurden zu Steuerkontrolleuren ernannt. In den Ruhestand versetzt wurde der Rangiermeister in der Hess.-Preuß. Eisenbahn- gemeinschaft B i e d e n b e n d e r zu Büdesheim. Ter Kreis- schulmspektor Karg in Bensheim ist vom 1. Tcz. d. I. an in den Ruhestand versetzt worden, in besonderer Anerkennung seiner Verdienste durch die Verleihung des Titels Schulrat. *• Hessische Vereinigung für Volkskun de. Bei dem gestrigen zweiten Niitgliedecabend dec Ortsgruppe Gießen hatte Prof. Dr. Bet he die Genugtuung, seine Lln- sichten über Mythus, Sage und Märchen vor dicht besetztem Hause zu entwickeln. Tie Worte Achthns, Sage und Märchen, so etwa führte der Redner aus, bezeichnen im Grunde dieselbe Sache. Es sind alte Begriffe, die ihren Uvfprumi dem Bestreben verdanken, die Kausalität zu erklären. Die Worte sind erst durch die Romantiker geschaffen nwcden. Die Ansicht I. Grimms, daß das Märchen ein gesunkener Göttermythus sei, laßt sich nicht halten. Es gießt Fälle, die die Vermutung nahe legen, daß eher der Mythus das Märchen^notiv benutzt hat. Das Märchen ist frei von Zeit, Ort und Namen, es wandect durch alle Zeiten und alle Länder. Tas wird durch die Märchensammlungen in er- üaunlichem Maße festgestellt. Tas Märchen ist eine Geschichte beliebiger Art, die ein eng begrenzter Kreis sich in seiner Weise zurecht gemacht hat. Ein besonderer Grund liegt nicht vor, das Märchen dann als Sage zu bezeichnen, wenn es an einen bestimmten Ort, eine beftimmte Person angeknüpft wird. Tie Heldensage entsteht im Zeitalter der Novellen, der Zeit, wo die wirkliche Geschichte beginnt. Sie ist mündlich überlieferte Geschichte, also wirkliche Geschichte mit Märchen vermischt. Am leichtesten läßt sich dieser Sachverhalt an dec deutschen' Heldensage aufzeigen, weil ihr parallel die Geschichtschreibung geht. Der Mythus entsteht aus dem Bedürfnis, den vorhandenen Kult zu erklären. Er nimmt die Novelle, die Heldensage 311 Hilfe. — An den Vortrag schloß sich eine lebhafte Diskussion, bei der 2rugft du dock, wie einst die Väter, Würdig stets die Fürstenkron'. Was vor dir der alte Peter Zielbeivußt begonnen schon, Ward durch dich, 0 Mann der Pflicht, Ausgeführt zum klaren Lickt. Hast gebracht zur steilsten Höh' Land und Volk, und die Armee. 9!och schöner aber ist die folgende Strophe: Aecker, Wiesen, Schaf' und Rinder Blühn empor zu mächt'gem Ruhm, Durch dich, deine Landeskinder Blüht dein ganzes Herzogtum. Handel, Kunst und Wissenschaft Blühen durch Lust und Glaubenskrast Und das S ch ö n st e auf der E r d' Beichsanleiho do. Konsols . do. . . Hessen einem Hymnus Lust gemacht, aus welchem wir den für un* mitfreiwilligen Humor empfänglichen Lesern einige Perlen Sehr schön heißt es in der dritten Strophe: Ist das Oldenburger Pferd. Kleine Tageschronik. In München ist der r n fs f e u er w e h r m a n n Geith unter dem Verdacht, haftet worden, seit einer Reihe von Jahren verschiedene Eindrücke in Theatern begangen und Kassen beraubt zu haben. Die Verhaftung erfolgte auf die Anzeige seiner Frau. — In Passau erschoß sich der 18 jährige Oberprimaner Bauer, h“v Sohu des dortigen Juslizgerichtsdircktors; die Ursache des Selbstmordes ist unbekannt. — Die Memminger Staatsanwaltschaft erließ gegen den katholischen Pfarrer Kühle aus Jllereichen bei Altstadt torgen Unterschlagung und Sittlich keitsverbre ch en s einen Haftbefehl. — Aus V 0 ntivh sNapolöonville) wird berichtet: Während der ^Wesenheit der Eltern spielten die Kinder des Ehepaars Picot mit Feuer, und setllen das Haus in Brand. Nachbarn drangen in die Wohnung ein und fanden die verkohlten LeicknamcderKind e r. Durch die Feuersbrunst ist ein ganz-r Häuserkornplex ein Raub der Flainni"« geworden. 3'/? % Oborhosscn . . . —♦— 4% Oesterr. Goldrente . . 101.80 4‘/6% Oesterr. Silberrento 100.20 4% Uncrar. Goldrente . . 99.95 örtert wurde. — Für den dritten Mitgliederabend, dec am 19. Dezembec abgehalten werden soll, hat Professor Dr. Schwally einen Vortrag über die mohammedanische Gesellschaft in Aegypten in Aussicht gestellt. •* Dec Weichensteller- und Bahnwärterverein in Gießen beging am Sonntag abend, wie er uns mitteilt, eine Feier dec Verlobung und des Geburtstages Sc. Königl. Hoheit des Großherzogs im Cauer'schen Lokale an Oswalds Garten. Ec sandte ein Glückwunsch-Telegrannn nach Darmstadt und erhielt folgende telegraphische Erwiderung: Für die freundlichen Glückwünsche herzlichsten Tank. E r n st Lndwi g. •• Ter Evangel. Arbeiterverein hatte am Sonntag nachmittag eine Besichtigung der neuen Universitäts- Bibliothek veranstaltet. Tie in großer Zahl erschienenen Tell- rehmer wurden von Oberbibliothekar Dr. Heuser durch bic Räume getestet und mit allen Einrichtungen bekannt gemacht. W-rkfübrec Schufst sprach im Namen des Vereins dem freundlichen Führer seinen Dank aus. Hr. Julius Hahn die Klavierbegleittrng übernommen, welche allgemeinen Beifall fand. Nach dem Konzert sand im Neuen Saalbau für die Mitglieder des Vereins ein Essen statt, welches viele Teilnehmer noch eine Zeitlang froh vereinigte. *• Der Marinen erei n Gießen feierte am Samstag auch den Geburtstag Sc. Kgl. Hoheit des Groß Herzogs und erhielt auf ein nach Darmstadt gesandtes Glückirrnnsch- elegramm eine telegraphische Antwort. *♦ Das Konzert des Gernhardt's chen Zithec- und Mand olinench ores verlief in den überfüllten Räumen de§ „Einhorn* in bester Weise. Von den Darbietungen eien an Ehorsätzen besonders das klangschöne und stimmungsvolle „Waldesrauschen" von Puph und die flotte Konzert- Ouvertüre von Swoboda erwähnt. Die Lieder mit Zitherbegleitung, gesungen vom Mitglied Lottis Belloff, fanben den größten Beifall. Die Lieder nannten sämtlich als Kottt- .mniften den Dirigenten des Vereins, Mttsiklehrer Gernhardt. Der Komponist scheint besondere Vorliebe für die Gedichte unserer Johannette Lein 51t haben, da wiederum ztvei Texte au§ dec Feder der verstorbenen Gießener Naturdichteriu ftannnten, während ein reizendes Kinderliedchen schon früher im Drucke erschienen und attch wiederholt gesttngen mürbe. Doch attch die Damen deL VereiitS, welche die „Herzenstöne" von Hattstein mit seltener Präzision vortrugen, verdienen volles Lob. Die von den jetzt so beliebt getvordenen Mandolinen gebrachten Stücke gefielen sehr. „Abendlied" unb 129.80 4°/o <1 riech. MonopoL-Anl. 48.10 47,% äussere Argentiner 00.00 'Pendenz : behauptet. Neueste Meldungen. Berlin, 29. Nov. Eine nach der Tonhalle einberufene Pückler-Bersainmlun g, zu der der Graf persönlich erschienen war, verfiel der polizeilichen Auflösung, nachdem die Ausführungen des als Redner auftretenden Arbeiters Weißenborn einen großen Tumult verursacht hatten. München, 29. Nov. Während der Nacht ist eine sehr empfindliche Kälte eingetreten. Tas Thermometer zeigte 10 Grad unter Null. Rotn, 29. Nov. Der Krater des Vesuv ist halb tnit Schnee bedeckt, ebenso die Bergkette von Eastellamare nach Sorent. London, 29. Nov. Tas Reutersche Bureau erhielt indische Berichte aus Kabul vom 23. Oktober, die am 6. November von Peschawur weitergegeben wurden. Nach diesen Berichten meldet der Gouverneur von Bolak dem Emir, daß eine neue russische Armee bei Hisark- wengar eintraf. Der Gouverneur von Saisabad meldet ebenfalls, daß der russische Posten auf der anderen Seite des Flusses Kokscha auf 4000 Mann verstärkt wurde. Der Gouverneur von He rat berichtet über eine ungewöhn> liche Militärische Tätigkeit der Russen. Den letzgenannte verlangte 20 000 Mann Verstärkungen, die ihm vom Emir bewilligt wurden. Der Emir sandte dem Gouverneur von Saisabad Karten von der Grenze und ermächtigte ihn, eventuell jeder Grenzverletzung durch die Russen Einhalt zu tun. Der Kommandant von Saisabad erhielt Befehl, die Stadt durch Festungsgräben und vier neue Türme in Verteidigungszustand zu setzen. Der gleiche Befehl erging an den Gouverneur von Maiinna. Zwei Brüder des Emirs werden Afghanistan bereisen. MM Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei unserem schweren Verluste sagen wrr allen, insbesondere Herrn Dekan Strack für die trostreichen Worte am Grabe, innigen Dank. Im Namen der Hinterbliebenen: J. Kess XXIV. Leihgestern, den 29. November 1904. 8612 Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Kabelverlegungsarbeiten wird die Markt st raße von heute an bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrradverkehr gesperrt. Gießen, den 28. November 1904. Großherzogtw'e^ 'iwlizeiamt Gießen. Herberg. Bekanntmachung. Donnerstag den 1. Dezember 1904, vormittags 11 Nhr, /ollen im Bürqermeistereigebäude — Zimmer Nr. 15 — 8 städtische Plätze zum Perkauf von Christbäumchen meistbietend verpachtet werden. Gießen, den 29. November 1904. _ B20/11 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Mecum. Bekanntmachung. Die Rechnung der Armenkasse und der Plocki'schen Stiftung für 1903/04 liegt von morgen ab 8 Tage auf unserem Bureau Neuen Bäue 25, Zimmer Nr. 2, zu jedermanns Einsicht offen. Gießen, den 29. November 1904. B29/11 Die Armen-Deputation der Stadt Gießen. Curschmann. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Rodheim a. d. Horloff für das Jahr 1905 liegt vom 1. Dezember 1904 an acht Tage lang am dein hiesigen Bürgermeisterei-Bureau zur Einsicht offen. Rodheim a. d. Horloff, den 28. November 1904. Grobherzogliche Bürgermeisterei Rodheim a. d. Horloff. ' Schaefer. 8609 Für die Ball-Saison empfehle ich garl Nowack Mo de Warenhaus. halbfertige Kleider in Jupon-Seide, Seiden-Tüll Wasch-Tüll und Chiffon ganz besonders preiswert. Lose zur 5. Hksstsch-Würinffilch-n Htaals-^otterie Ziehnng 1. Klaffe am 6. und 7. Dezember empfiehlt II« Ee Jnghardt9 07044 Wilhelmstraße 5. 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