Redaktion, Expedition ».Druckerei: Schulstr.A, TeU Nr, 6L Telegr.-Adr. i Anzeiger Gieße», Erscheint tSglich mit Ausnahme des Sonntags. Die „«letzener tfamilienblätter“ werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der Landwirt" erscheint monatlich einmal. * RotattonSdruck und Verlag der Brühl'scheu /v Untversitätsdruckerei. R. Lange, Gieße», Mr. 255 Zweites Blatts 154. Jahrgang Samstag LS. Oktober LNO4 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Sichen. TOS. Schalzhe QTaJdatatsze Tatas W JtartJnst.Ber2in.SV. die 2&kunp Appell an die Linke. Wenn die Regierung heute stürzt, so wird die ganze Mehrheit zerfallen und ein unheilvolles Chaos eiltstehen. Kriegsminister Andre erklärt, er habe keine Kenntnis von diesen Briesen und verlangt nähere Mitteilungen über dieselben. (Lebhafte Bewegung.) iBilleneuve setzt seine Rede fort und führt die Namen geborene Gräfin von Seinühcim, Exzellenz, auf ihr Nachsuchen, in Ailerkennung ihrer fünfzigjährigen treu gdciftctcii Dienste, mit Wirkung vom 1. November 1904 an von den Funktionen einer Oberhofmelsterin ju entbinden «cruljU Tie weitere Debatte zeitigt vier Tagesordnungen. Die Regierung nimmt die Tagesordnung Maujan a n, welche lautet: „Die Kammer tadelt die in der Debatte en>tt- hüllten Tatsachen, falls sie wahr find, und kst ü b e r z e u g t, daß die Regierung sie korrigiieren wird." Jin Hause wächst die Erregung immer mehr, weil erzählt wird, daß hinter den Kulissen eine Mehrheit gegen die Regierung geschmiedet ist. Jü der Tat besteigt D o u m e r von die Tribüne und erklärt sich gegen die Tagesordnung Mau- Fusan, 28. Okt. (Reuter.) Die Japaner nahmen gestern den einzigen Hügel südlich vom Sch aho den die Russen noch besetzt hielten, und erbeuteten« Zwei Maschinengeschütze. Die Japaner hatten 20 Vote und 80 .Berlnundete, die Russen 30 Tote. Ein erfolgreicher Angriff auf Port Arthur. Ans MM Ullö LMS. Gießen, den 29. Oktober 1904. ** Personalien. S. Lt. H. der Großhcrzog Haden Schlüsseldame Anna Westerweller von Anthoni, 20__________36 Man schreitet zur Abstimmung über die Priorität für die Tagesordnung Maujan. Tie Priorität tvird mit 282 gegen 278 Stimmen angenommen, die Regierung hat also nur vier Stimmen Mehrheit. Der erste Satz der Tagesordnung Maujan wird darauf mit Handansheben einstimmig angenommen, lieber dell zweiten Satz, welcher das Vertrauen in den Kriegömillister ausdrücki erfolgt namentliche Abstimnlnng, die eine Auszählung uötiQ macht. Xer Satz wird mit 278 gegen 274 Stimmen angenommen Schließlich wird die. gesamte Tagesordllnng Maujml mit Lazarettmit 100 Betten einzurichten und das nötige Per- lonal dazu zu stellen. Wenn hort keine geeigneten Räumlichen vorhanden wären, erbietet sich das deutsche Rote Kreuz emige -öaraaen zu erbauen. Es ist ferner bereit, einen Sanitäts- zug von 25 Wagen aus seine Kosten zu erhalten, sowie scUieß- uch verwundeten russisck)en Offizieren im Bedarfsfälle Vergünstig- ungen auf den deutschen Eisenbahnen zu erwirken. . . ^nne Materialwaren Handlung in Kiel erhielt vor emrger Bett einen bedeutenden Auftrag zur Lieferung von Le- £ «c? i11 Wc ?n nac^ Nagasaki. Ta die Lebensmittel unzweifel-- Ycht jur Oie japanische Armee bestimmt waren, so hat die m BeobackKung der deutschen Neutralität die Ausführung das Auftrages abgelehnt. Irr Krieg zwischen Japan und Rußland. Aus der Mandschurei. Petersburg, 28. Okt. Der „Mrschewija WjedoMostt" wird aus Mukden telegraphiert: Gestern feuerte die japanische Artillerie den ganzen Tag. Ein ernster Kanrpf wurde erwartet, blieb jedoch aus. Die pauer beobachten hie Russen von vorgeschobenen Stell- ungen aus. Die russischen Abteilungen stehen karnpfbereit. Petersburg, 28. Okt. GeneralSsach arow meldet dem Generalstab unter dem heutigen Datum : Am 26. Okt. unternahm unsere Kavallerie eine Erkundung mit bedeu- Anderen Kräften in der Richtung auf das Dorf Chekentai. Eine Abteilung nöttgte den Gegner, sich, beim Dorfe !Z>cr frenzöstsche Kriegsminister in der Klemme Tie französische Deputiertenkammer war am Freitag dicht besetzt. R o u s s e t (Nationalist) interpellierte über die Verhältnisse an den Kriegsschulen von St. Cyr und St. Maixeut und beschuldigte den Kriegsminister, daß er die pflichtvergessenen Offiziere zum Nachteil der patriotisch gesinnten Offiziere bevorzuge. Er spricht insbesondere von dem früheren Kommandanten von St. Maixeut, der Angebereien unter den Schülern organisierte, in der Schule eine gegen das Heer gerichtete Zusammenkunft gestattete und der dann zum militärischen Kommandanten des Palais Biourbon ernannt wurde. Redner schließt mit einem Protest gegen das System der gegen Offiziere gerichteten Angebereien. Kriegsminister Andrö ernndert, daß die angeführten Tatsachen unrichtig oder verkehrt wiedergegeben seien; er stellt dieselben unter dem Beifall der Linken richtig und weist die Anschuldigung zurück, daß er der Beförderung von Offizieren wegen ihrer religiösen Ansichten hinderlich gewesen sei. Ter Kriegsminister schließt, iiißem er betont, !daß die einzigen Prinzipien, welche er in der Armee zu verbreiten sucht, seien: Unterwerfung (unter das Gesetz, Achtung vor der Republik und Gehorsam gegen die Regierung. Villeneuvc (National.) führt aus, die Zerrüttung des Heeres müsse General Andrö und den Freim aurerlogen zugeschrieben werden. Diese stellten Zeugnisse aus, von denen die Beförderung der Offiziere abhänge. Hierfür wurde eine Abteilung im Kriegsministerium eingerichtet. Ter Redner verliest Briese vom Hauptmann Mottin, der mit diesem Dienst beauftragt war. 294 iQiegett 263 Stimmen angenommen und die Kammer, vertagt sich auf Donnerstag. Tie Situation des Kriegsministers war so gefährdet^, daß sich während der letzten Auszählung im Hause bie, Vertrauensmänner der Mehrheitsparteien vereinigten, um für den Fall einer Niederlage des Generals eine anderer Tagesordnung vorzubereiten, welche Combes und den; übrigen Ministern gestattet hätte, im Amt zu verbleiben In den Kouloirs der Kammer rechnete man nach der Sltz^ ung mit der Möglichkeit einer freiwilligen Demission des Kriegsmini st ers, doch ist noch ntchtL Bestimmtes darüber bekannt geworden. Wahrscheinlich Wirtz Combes jede Krisis vermeiden. Shanghai, 28 Okt. (Reuter.) In einem Privat-Ider Offiziere an, welche der Loge Grandorient Berichte schreiben aus Port Arthur vom 21. Oktober an einen euro-!über Offiziere lieferten, päischen Kaufmann heißt es: „Stössel telegraphierte an " - ~ den Kaiser und den Hof: „Ich sage Ihnen allen nun adieu aus immer. Port Arthur wird mein Grab" Der Brief beschreibt sodann die Zustande als die schlimmsten. To kio, 28. Okt. (Reuter.) Nach hier eingegangenen, amtlich allerdings n 0 ch n r ch t be stü t i g t en Meldungen eröffneten die Japaner am Morgen des 26 Oktober einen affßemeinen Angriff auf die Rikwanforts ^ort Arthur uno brachten die russischen Bvtterien zum jan. Ter Sozialist Jaurös aber richtet einen zündenden Schwelgen. Eine Granate sprengte ein russisches^'-------- - ------ - d““ULnüLn Magazin i,u die Luft; gleichzeitig griffen die Japaner die Forts aus deni Erlung und Sungtschu an, brachten die russischen Batterien zum Schweigen, erstürmten und b e - setzten die Forts vor dem Erlung und Sung- tschu. In der Nacht zum 27. Oktober stand Alt-Port- Arthur in Flammen. Mn 27. Oktober traf eine Granate das russische Schlachtschiff „Sewastopol". Ein anderer russischer Dampfer wurde von zlvei Granaten getroffen und sank. Ker Aufstand in Aeulsch-SüdwestafriKa. Zur Lage wird von kolonialer Seite gefchriebe»r Tie Meldung des Generals v. Trotha, tafc bie Herero er* mattet und wider st andsunfähig find, hat von eüteor Alpdruck befreit. Bereits am 28. September berichtete eine Depesche, daß ihr Widerstand gebrod>en fei. Tie Großen ließen nicht nur ihr Vieh im Stiche, sondern auch ihre Wecher unb Kinder und suchten nur fick) selbst zu retten. Tie daran geknüpfte Hoffnung, daß der Aufstand vor seinem unmittelbaren Ende stände, envies sich aber insofern als trügerisch, als die flüchtigen Banden, in die sich die Masse der Herero aufgelöst batte, immer wieder der Verfolgung entschlüpften. Torans entstand bk! erklärliche Befürchtung, daß sich die Verfolgung in dsm unwegsamen Lande noch so lange hinziehen könnte, wie der Krieg schon jefrt gedauert hat. Tie neueste Meldung hebt diese Besorgnis. DaS Ende ist in nächster Zeit zu erwarten. (Wir fitzen- auf dieser „Wartburg" nun lckwn recht lange und haben uns nachgerade so dttn eingewöhnt, daß wir meinen, es noch länger, als hier „enuartet" wird, aushalten zu müssen. D Red. d. „Gieß. Anz.") Ein deutliches Zeichen für diese Aussicht war schon die Reise des Kommandeurs nach Windhuk und die Uebergabe des Oberbefehls im Norden an einen Stabsoffizier. Ueber die Stärke der Herero nach ihren großen Verlusten sind wir heute noch ebenso völlig int Unklaren, wie im Anfänge. Tem (£ n t »■ weichen der Häuptlinge nach Osten wird durch bte' Verlegung einer weiteren Kompagnie nach Go-, babis vorgebeugt. Unsere Aufmerksamkeit muß sich ntmf nach dem Süden hin richten. Tie H o t t e n t o t t e n stehen zunächst an Stärke hinter den Herero weit zurück. Einzelne Stämme' haben sich dem Aufstande noch nicht angeschlossen und schönen sckMankend, zu sein. Unzweifelhaft wird die Unterwerfung der Verero auf diese beruhigeitd einwirlen. Toch darf man nicht vn> gessen, daß die Bodenverhältnisse in den betrefffenbe» Landstrickmt von Großnamaland für eine Kriegführung mit europäischen Truppen no ch schwierig er sind, als in Tamararland. Vor allem fehü das Wasser fast ganz z. B. im Karasgebirge, bte Karaskoma ist berüchtigt. Eine sehr schwierige und aufreibende Aufgabe steht den Truppen dort bevor, und wir müsset uns mit Geduld wappnen. Wie aus mehreren über Kapstadt zu uns gelangten Tepeschen zu ersehen ist, haben die Beamten uud dre Truppenführer im Süden erkannt, daß die Bewachung der Grenze zur vollen Unterdrückung des Aufstande- von höchster Oe- beutung ist. Bei dem jetzigen Stande der Tinge ist es erklärlichi daß eine Heranziehung von Buren in größerer Zahl als Hilfstruppe gar nicht in Betracht kommt. Tie „Tische. Taaesztg." meldet, daß für den mühsamen Kleinkrieg, der uns noch unzweifelhaft dort lange beschäftigen wird, Buren brauchbarer als europäische Soldaten find, weil sie darin seit undenkltchen Zeiten geschult sind, während unseren Truppen eme solche Kriegführung ganz fremd ist. Unser gestriges Telegramm, das von ausfichtsvollen Verhandlungen sprach, ist noch unbestätigt, und wird es wobt bleiben. Generalleutnant v. Trotha meldet aus Windhuk vom 28 Oft- Leutwein besetzte mit 60 Gewehren Nomtsas und Malt höhe. Für Gibeon, wo 90 Gewehre find, besteht keine- Gefahr. Chailaios auf dem rechten Ufer des Hunho, gegenüber dem Torfe Cheaentai, in Schlachtordnung aufzustetten. Die feind- -liche Abteilung bestand aus ungefähr 1600 Mann Infanterie mit vier Geschützen und zwei Schwadronen. Eine Sottrie unterstützt durch baß Feuer einer zweiten, ritt eine Attacke gegen die feindliche Infanterie, die! in das Dorf Chaidakosa flüchtete. Auf unserer Sette drei Mann tot, zlvei verwundet. An demselben Tage unternahm auf unserem rechten Flügel eine Freiw illigen ab Leitung eine Erkundung. Nach 1 Mündiger Beschießung durch Mörser und Schnellfeuerbatterien gingen unsere Abteilungen gegen 11 Uhr abends gegen das Torf Tschan- laupu und ein namenloses Dorf, das westlich von jenem ttegt, vor. Aus letzterem verdrängten unsere Fireifwilligen den Fe ind und besetzten es. 20 Offiziere sind verwundet. Am japanischen Lager, westlich vom Schnie- halinpaß, stieg ein Luftballon empor, der nach einigen von unseren Freiwilliaen abgegebenen Salven sich wieder zur Erde niederließ.. Am 27. Oktober beschossen von 7 Uhr früh bis zum Eintritt der Dämmerung zwei feindliche Batterien den Hügel mit dem Götzen tempel, der zwei Werst südlich vom Dorfe Janssintun liegt und uns zu BeobachtungUvecken diente. Gegen 4 Uhr nachmittags machten die Japaner einen Angriff gegen den Berg. Unsere Truppen wehrten sich heftig und zo §en sich auf die Hauptstellung zurück, nachdem sie vorübergehend zwei dcGvischenliegende Stellungen besetzt hatten. Darauf eröffnete unsere Artillerie von der Haupt- [ stellung aus das Feuer gegen den Berg und zwang die I Japaner, ihn zu räumen. ; Kleine Meldungen. Ta" deutsche Role st i e u» hat 6er russischen Regierung da- Ann:bltten gemadji, aus eigenen Mitteln üi Irkutsk -in Deutsches Reich. Berlin, 28. Okt. Der Kaiser wird am 7. Dezember in Schwedt a. d. O. anwesend sein, um an dem Galafest des 2. Dragoner-Regiments Nr. 2 teilzunehrnen, welches zu Ehren des Prinzen Albrecht von Preußen, Regenten von Braunschweig, anläßlich seines 22jährigen Jubiläums als Chef dieses Regiments stattstndet. — Der Kaiser begab sich heute mittag nach Döberitz, um an der Parforeejagd teilzunehmen, der auch die Kaiserin, der Kronprinz und dessen Braut, Prinzessin Cecilie von Mecklenburg, beiwohnen. — Gegenüber einer Notiz des »Lipp. Tagebl.", wonach dem Lippischen Hofe von Dresden aus keine Meldung über das Hinscheiden des Königs Georg gemacht worden sei, wird der ,Deutsch. Tagesztg." auL Dresden mit* geteilt, daß von den am sächsischen Hofe üblichen Gepflogenheiten auch in diesem Falle in keiner Weise abgewichen worden sei. Essen, 28. Okt. Der Verband christlicher Bergarbeiter wurde beim Handelsminister wegen der durch den anhaltenden Wagenmangel für die Belegschaft des Ruhr- bezirks geschaffenen Kalamität telegraphisch vorstellig. Dortmund, 28. Okt. (Amtlich.) Bei der im Wahlbezirk V, Arnsberg, stattgehabten Landtags-Ersatz- wähl entfielen von 2625 abgegebenen Stimmen 2366 auf den Fabrikanten Hermann Franken - Gelsenkirchen - Schalke (natlib.), Bürgermeister Dr. Haarmann-Wttten (natlib.) er* hlelt 153 Stimmen. Franken ist fomit gewählt. M ä n chen, 28. Okt. Die Korrespondenz Hoffmann meldet oonr Königsee: Der Prinzregent leidet feit einigen Tagen an Neuralgie im rechten Bein und hat deshalb die Rückkehr nach München auf den 2. November ocr choben. cTaktattszt. cTian^chütLOjcrts s e tüoküzTurts ze ScTwtavn. Vüisfl ZiitcharL o öörT*tazis cfutpuist e chxnurrt tsz. ms ’Lsiatfätitsz vWimtao TantcTii QXbuAztJtiGts o ‘'Loorrting ^ckötotfue -tsze rato Sc) Ts6 tzejuzo iHnputsze Wers >Tscä sc7tär X Atsch ■cnHui. --*QTa Ltientai — Post-Paketadressen. Wie unS von amtlicher Seite mitgeteilt wird, verwenden manche Geschäftsleute in, Post-Paketverkehr Begleitadressen, die noch die Grütze der früheren amtlichen Formulare haben, obwohl seit Einführung der neuen kleineren Forinulare zu Post-Paketadressen bereits über 2 Jahre verflossen sind. Da die Postanstalten angewiesen sind, darauf zu halten, datz auch die von der Privatindustrie hergestellten Begleitadreffen in der Größe mit den amtlichen übereinstimmen, ist den Interessenten zu empfehlen, hieraus bei der Neu-Beschaffung von Begleitadreffen Rücksicht zu nehmen. **4prozentige Gießener Evangcl. Kirchenge meinde-Obligation en können noch bis zum DienStag, den 1. November, zur Abstempelung in 3 i/i Prozent ige bei der Bank für Handel und Industrie, Depositenkasse Gießen, ewgereicht werden. Wir wollen nicht verfehlen, solche Besitzer, welche noch nicht unterrichtet sind, hiermit darauf aufmerksam zu machen. * • Promenadenkonzert findet morgen 12 Uhr in der Südanlage mit folgendem Programm statt: 1. Ouvertüre zur Oper „DaS eherne Pferd" von Auber, 2. Balje 'bleue von Margis, 3. Jnwrtellenkranz auf Lortzings Grab! Fantasie von Rosenkranz, 4. Armee-Marsch Nr. 10 Prinz August 1806. • • Laube'S „KarlSschüler" gingen gestern im Stadt- Lheater in Szene. Die Darstellung des bekannten, nur durch das Auftreten des Dichterfürsten Schiller über den gewöhnlichen Rahmen hervorragenden Schauspiels war als recht gelungen zu bezeichnen. Regie und Darsteller waren bemüht, eine möglichst abgeschlossene Leistung zu geben. Herr Linzcn schuf eine lobenswerte Figur des gefürchteten Herzogs, wobei ihn seine Stimmmittel wirksam unterstützten. Anerkennung verdient ferner Herr Lüttjohann als „Schiller", der mit edlem Feuer seine Rolle durchführte und dcssen^Maskc besonders in den beiden letzten Akten wohlgclungcn war. Eine vorttesfliche Leistung gab vor allem auch-Herr Andreas als „Spiegelberg". Charakteristische Figuren von derber Komik schufen Herr de Georgi und Herr Conradi als „General Rieger" und Sergeant Bleistift"; auch Fräulein Dülfer al§ „Laura" verdient lobende Erwähnung, wenn auch die Darstellung noch manches zu wünschen übrig läßt. Der Besuch der Vorstellung war verhältnismäßig gut, namentlich auf den besseren Plätzen. -r. * * Die Gemälde-Ausstellung am Brand ist /iunmehr nach langer Pause wieder geöffnet und hat nahezu 100 Gemälde auszuweisen. Die Besucher der Ausstellung werden sich freuen, wieder einer Reihe von Bildern der hier schon wohlbekannten Münchener Richard Scholz und Richard Kaiser zu begegnen. Scholz führt uns ein großes Gemälde „Junge Wanderer" und Kaiser, der bekanntlich der Münchener Secession angehört, wieder 6 Landschaften „Motive vom Boden- und Chiemsee" vor. (Von den Gemälden, welche Kaiser im Mai d. Js. hier ausgestellt hatte, sind bekanntlich 5 Gemälde käuflich in hiesigen Privatbefitz übergegangen). Die Ausstellung haben noch mit sehr beachtenswerten Bildern beschickt: K. Gehrhardt, A. Rieper, M. Lüty, A. Rau und E. Schuch-München, H. Deiters und W. Hambüchen- Düsseldors, W. Krause-Dresden, F. Goepfert-Weimar, L. Leyenne-Charlottenburg, O. Ubbelohte-Goßfelden, H. Giebel, Elise Tauber und Auguste Pfeffer-Marburg, sowie unsere einheimische Künstlerin Marie Fclchner. Ferner sei noch erwähnt, daß der Vorstand des Kunstoereins für die Studierenden der hiesigen Universität, Halbjahres-Abonnements, für ein Semester gütig, eingeführt hat. Diese Karten sind in der Ausstellung erhältlich, wo auch das weitere zu erfahren ist. * * Hessische Vereinigung für Volkskunde. Wir wollen auch an dieser Stelle darauf aufmerksam iuachen, daß die Hessische Vereinigung für Volkskunde nächsten Montag ihre diesjährigen Mitgliederabende eröffnen wird. Dec angekündigte Vortrag über „Tod; Sitten, Gebräuche und Anschauungen im Lumdatal" verspricht äußerst interessant zu werden, da Lehrer Lentz eine Fülle zum großen Teil ganz neuen Materials gesammelt hat. * * Zur Stadtverordnetenwahl. Entsprechend den Ausführungen im „Gießener Anzeiger" vom 25. d. M. tagte gestern im Gasthaus zum Löwen die von der ersten Wahlversammlung eingesetzte Kommission gemeinsam mit den eingeladenen Vertretern der politischen und der namhaftesten wirtschaftlichen Vereinigungen. In einer sehr sachlichen und fruchtbaren Besprechsing wurde auf Grund einer vorläufigen Kandidatenliste eine Verständigung angebahnt. Die Zusammensetzung der Versammlung berechtigt zu der Hoffnung, daß der Wählerschaft in Kürze ein der Gesamt-Bevölkerung genehmer Wahlzettel vorgelegt werden kann. * * Sanitätskolonne. Es wird uns mitgeteilt, daß für die Canitätskolonne ein Wiederholungs- und Erneuerungskursus am 6. November d. I. beginnt. Die Sanitätskolonne in im Laufe dieses Sommers wiederholt in Tätigkeit getreten. Ihre Zuziehung bei allen größeren Festlichkeiten und ihr wirkungvolles Eingreifen insbesondere gelegentlich des Jugend- festes beweist, daß ihre Gründung einem vorhandenen Bedürfnis entsprach^ Wir wünschen, daß sich Männer aus allen Kreisen unserer Stadt an dieser so gemeinnützigen Einrichtung beteiligen werden, zumal es für jedermann nur nützlich sein kann, einen sachentspccchenden Unterricht in der ersten Hilfeleistung bei Unglückssällen zu erhalten. Solche Kenntnisse sind überall zu verwerten, nicht zum wenigsten in der eigenen Familie. Tie Ausbildung der Kolonne hat wieder Herr Stabsarzt Tr. Ehrlich übernommen. Das nähere wird in den nächsten Tagen durch Inserate bekannt gemacht. * * Kriegerverein Gießen. In der Oktoberversammlung sprach Gerichtsassessor und Leutnant d. L. Keller über das Thema: Wie mache ich mein Testament. Ausgehend von den ältesten Formen behandelte er die verschiedenen Entwicklungsstufen, die das Rechtsinstitut im römischen und gemeinen Recht durchgemacht hat. Tie ausführlichste Darlegung fanden die Vorschriften des B. G.-B., wobei auch einzelne Bestimmungen über eheliches Güterrecht in zweckmäßigster Meise eingeflochten mürben. Der Redner verstand eS, tn klarer allgemeinverständlicher Weise den Stoff zu behandeln und das Interesse seiner Zuhörer zu fesseln. Die Versammlung mar gut besticht. Auch unser BezirkSkommandeur, Oberstleutnant v. Mosch, hatte sich eingefunden. Tie Versammlung beschloß für nächsten Sommer einen Ausflug nach dem Kyffhäuser, und eS wurde alsbald eine Reisekasse ge- grilndet, um den Vereinsmitgliedern die Teilnahme zu erleichtern. -t- Groß-Zimmern, 27. Okt. Hier hat sich eine Anzahl gemeinnützig gesinnter Männer, darunter der Bürgermeister, der Vorsitzende deS Ortsgewerbevereins, mehrere Fabrikanten und Geschäftsinhaber zusammengetan, um eine Baugenossenschaft zu gründen. In einer am 26. d. M. stattgehabten Sitzung, der auch der Landeswohnungsinspektor beiwohnte, wurde daß Statut beraten und die Wahl von Aufsichtsrat und Vorstand vollzogen. [] Marburg, 28. Okt. Unter der Bezeichnung „Forensisch-medizinische Vereinigung" hat sich hier eine Gesellschaft gebildet, bereit Zweck die Besprechung solcher wissenschaftlicher und praktischer Fragen ist, welche den Grenzgebieten zwischen Jurisprudenz, Medizin und Philosophie' angehören. Vorsitzender ist Landgerichtspräsident v. Heusinger, Stellvertreter Direktor der LandeSheilanstalt, Professor Dr. Tuczek. [] Homberg a. d. Ohm, 28. Okt. Die langersehnte direkte und durchgehende Personen- und Gepäckabfertigung im Verkehr mit der Ohmtal-Bahn Kirchhain- Schiveinsberg ist jetzt genehmigt worden. Man erhofft durch diese Maßnahme eine Erhöhung der Rentabilität der Ohmtalbahn, die bekanntlich teils vom Großherzogtiun Hessen, teils vom preußischen Kreise Kirchhain gebaut wurde. • Wilhelm, vergiß doch die Aepfel nicht! Tiese Worte rief am Donnerstag Prinz Heinrich von Preußen seinem Bruder, dem deutschen Kaiser zu, als dieser bei der Enthüllung des Kaiser Friedrich-Denkmals in Werder a. H. das Zelt verließ. In dem Zelt hatten nämlich die Werderschen Obstzüchter verschiedene Körbe mit besonders prächtigen Aepfcln und Birnen als Spende für die Damen des Hofes aufgestellt. Prinz Heinrich nahm selber einen Korb davon mit, Prinzessin Heinrich den zweiten und einen dritten die kleine Prinzessin Viktoria Luise. Als dieser ein Lakai den Korb abnehmen wollte, verbat sie sich dies mit den Worten: „Nein, ich trage ihn selber zur Drama." * Ein Geschenk Kaiser Wilhelms an englische Jägerinnen. Als der Kaiser vor zwei Jahren als Jagd- gast seines Oheims, König Eduards "VIL, sich auf dessen Landsitz in Sandringham aufhielt, nahmen am Waidwerk auch drei Tarnen Anteil, die alle drei schon Großmütter sind: Die verwittwele Gräfin von Dudley, die Gemahlin des Mi- nisters des Auswärtigen Marqueß of Lcmsdowne, Schwester des Hezogs von Abercorn, und die Gattin des Marqueß of Ormonde, die aus dem Hanse der Herzöge von Westminster stammt. Alle drei Damen, deren Alter — wir wollen so höflich sein, eS hier nicht genau zu verraten — zwischen 60 und 45 Jahren schwankt, widmeten sich dem Vergnügen deS Iagdsports so lebhaft und frisch, daß der Kaiser seine helle Freude an ihnen hatte. Er versprach damals, ihnen Stoff zu Jagdkleidern zu schenken, wie dieser ausschließlich für ihn hergestellt wird. Er hatte sein kaiserliches Wort inzwischen gehalten und auf den diesjährigen Herbstjagden der britischen Aristrokratie sind die au§ so erlesenem Material hergestellten Kostüme der drei munteren Großmütter der Gegenstand allgemeiner Aufmerksamkeit und Beivunderung. So berichten wenigstens glaubwürdige Augenzeugen. * Einen heiteren Nachdrucks-Reinfall berichtet der „Regensburger Anzeiger" in seiner Nr. voni 19. Oktober. Das Blatt bezichtigt den „Bayerischen Volksboten", ihm, dem „R. 91.", „nicht nur Provinznachrichten, Telegramme, telephonische Mitteilungen und Dienstesnachrichten ohne Quellenangabe nachzudrucken, sondern diese Nachdrucke auch noch mit Korrespondenzzeichen zu versehen", und um ihn einmal aufs Eis zu führen, brachte der „R. A." unter Telefonnachrichten die folgende erfundene Mitteilung: „Heidelberg, 18. Oktober. Bei dem Abbruch des weitbekannten alten Gasthauses „Zum Hirschen" wurde eine Menge wertvoller historischer Funde gemacht. Unter anderem hat man datz Original der goldenen Bulle Kaiser Karl IV., in einer silbernen Kapsel verschlossen, wohl erhalten, sowie ein feines Damaszener Schwert des Generals von Rodenstein und mehrere wertvolle Münzen aufgefunden. Dlan hofft, noch weitere bedeillende Funde zu machen. Der berühmte Archäologe Professor Dr. Lese ha die Echtheit der Funde bereits festgestellt." Den handgreiflichen Unsinn in dieser Mitteilung, auch den in dem Namen des gelehrten Professors verborgenen Esel hat der „B. V." nicht gemerkt, sondern die Mitteilung schnell und korrekt neben anderen Telefonnachrichten ohne Quellenangabe unter seinen eigenen Telegrammen abgedruckt. ' Ein Seiten stück zur Prinzessinsteuer in Mecklenburg gibt es in Bayern. Dort existiert nach dem „Würzb. Journ." ein Wochenbettgelb für Königinnen. Die beiben letzten Könige, Ludwig II unb Otto, waren nich verheiratet, der Landtag blieb also davon verschont, Kindbett- geld aus Staatsmitteln etwa in derselben Höhe zu bewilligen, wie die SDkcflcnburger Prinzessinsteiler. Unter den drei ersten Bayernkönigen figurierten solche Posten in der Staatsrechnung. • Keine Enttäuschungen mehr in derEhe. Eine amerikanische Zeitung hat endlich das Mittel gefunben, um unglückliche Ehen aus ber Welt zu schaffen. Es plädiert nämlich für die Einrichtung eines Ehegerichtshofes. Männer unb Frauen, bic beabsichtigen, eine Ehe einzugehen, sollen sich in ein dort ausgelegtes Register eintragen und eine schriftliche, an Eidesstatt geltende Beschreibung ihrer Persönlichkeit abgeben. So muß eine Frau z. B. beschwören, daß ihr golden glänzendes Haar nicht gefärbt ist, daß die zwei Reihen Perlenzähne ihr von der Natur zu ihrem persönlichen ausschließlichen Gebrauch verliehen worden sind, daß ihre Figur durch keinerlei künstliche Nachhülfe verschönert worden ist. Sollte sich nachträglich Herausstellen, daß er oder sie falsche Eingaben gemacht haben, so ist dies für den Gerichtshof Grund genug, um die Ehe für null und nichtig zu erklären. * Kleine Tages chronik. Im südlichen Teil von B r o k l y n (im Staate Newyock) brach Feuer aus unb zerstörte die Lagerhäuser der Bush Terminal Company, sowie die Dampfer „Nebraskan", „American" unb „Arizonan" von der Amerika- Hawaii Tampsschissahrigesellschall und ferner den Dampfer „Citla bi Palermo" lieber das Schicksal der Besatzungen ist nichts bekannt. - In 95 an b ud) bei Stahlkammer (Schlesien) wurde eine 70jährige 91 rb' terfrauuon »in em ft arten Rothirsch ange- allen, aufgespießt und so zugerichtet, daß sie bald Darmt- t a r b. Von den zu Hilfe eilenden Bauern wurde einer am Ober- cbentel und an der Brust von dem wütenben Tiere schwer oer* em. — Infolge Einsturzes des Leopoldschachtes des Goldbergwerks Nägydanya bei Szatmar in Ungarn wurden 4 2 Bergleute verschüttet. Acht Leichen sind geborgen, 34 Bergleute lebensgefährlich verletzt. — In der Umgegend von H e r s f e l d grassieren Masern und Scharlach. In Heenes liegen von 97 örtjul- Einbern 74 an den Masern darnieder. In Kathus sind 31 'saiul- finber an Scharlach erkrankt. Herichtslaal. (th.) Gi eßen, 28. Olt. Tie Frage, ob es eine „Feuer- oder Branottankheit" gibt, unter besten Zwang etwa Menschen han- beln, welche sich der mit Vorsatz ausgesührtcn Brandstiftung schuldig machen, wurde Henle vor der S t r a f k a m m e r vom Sachverständigen, Atedizinalrat Tr. Haberkorn, entschieden verneint. Anlaß zu dieser Frage gab eine Anklage, welche sich gegen den 24 Jahre alten Bäckergesellen Karl Koch wegen fahrlässiger Brandstiftung und gegen die in Wien geborene 15 jähr. Tienstmagd S. H. wegen mehrfacher vorsatzliä>cr Brandstiftung und Jnbraiidjetzmig eines von Rlenschen belvohnten Hauses richtete. Beide Angeklagte waren in B a d - N a u f) e i ni beim Bäckermeister Gustav Aletter beschäftigt. Am 8. Juni d. I. erklärte Koch einem Meister, daß der von ihm zu bedienende Konditorofen leinen Zug mehr habe unb einer Reinigung bedürfe, worauf ihm der Auftrag wurde, die Reinigung vorzunehmen. Ter Angeklagte ging dabei sehr gründlich zu Werke, und nachdem er den Ofen gesäubert hatte, steckte er den Kamin ordentlich voll Stroh und zündete ihn an, obgleich diese Arbeit vom Kaminfeger vorzunehmen ist. hierdurch entstand am First des Daches ein kleines Schadenfeuer, welches voni Angeklagten alsbald bemerkt und gemeinsam mit dem zu Hilfe gerufenen Meister gelöscht wurde. Seit diesem Brande hat es im Aletter'sck>en Anwesen fast täglich gebrannt, ooch konnten alle diese Feuer alsbald nach ihrem Entstehen ohne 'onderlichen Schaden anzurichten, gelöscht werden. Sonderbarerweise war es in den meisten Fällen stets die H., welck-e zuerst den Brandgeruch im Hause wahrnahm und die auch wacker half, die Flammen zu löschen, indem sie Wasser herbeischleppte. Am 1. Juli machte die Angeklagte H. eine Hausbewohnerin wieder einmal auf Brandgeruch aufmerksam, ohne daß diese davon etwas merkte. Später fand man aber auf dem Gange einen angeb rannten Wattebausch unb einige angebrannte Streichhölzer auf der Erde vor. Ebenfalls am 1. Juli nachmittags teilte die Angeklagte mehreren Hausgenosfen mit, daß sie einen grauen Mann habe die Treppe hinausgehen sehen, der ihr verdäck-tig vorgekommen sei. In Gesellsckjaft von zwei Zeugen begab man sich in den eme Treppe hoch gelegenen Saal des Hauses, um sich vergeblich nach dem Unbekannten umzusehen. Tie beiden jungen Mädchen begaben sich darauf, die Angeklagte allein im Saal zurücklassend, wieder an ihre Arbeit in den Parterrestock des Hauses. Später verließ auch die H. den Saal unb erzählte einer ihr begegnenben Hausbewohnerin, diese möge aufpafsen, es werde wohl wieder brennen; es sei ein fremder Mann im Hause, dieser werde wohl wieder Feuer anlegen. Gleich darauf brannte im Saal eine Tischdecke lichterloh. Am gleiden Tage brach auch im Schweinestall des Aletter ein Feuer aus, welches aber einen größeren Umfang annahm unb nur mit Hilfe der Feuerwehr gelöscht werden konnte. Auch dieser Brand wurde von der Angetlagten von dem grauen Mann angelegt, den sie kurz vorher gesehen haben will, den Hausbewohnern gegenüber hmgestellt. Ter Dienstherr aber hatte Verdacht, daß die H. die Brände sämtlich angelegt habe, worin er noch bestärkt dadurch wurde, daß er sie kurz vor Ausbruch des Feuers im Schtveinestall von dort her hatte kommen sehen. Tie Angeklagte bestritt in der Verhandlung die in Frage kommenden Brandstiftungen begangen zu haben. Sie erzählte das Märchen von dem großen Unbekannten, den sie im Hause gesehen haben will und der nach ihrer Ansicht der Brandstifter ist. Sie will in den Schweinestall, aus dem sie ihr Tienstherr kurz vor dem Aufflammen des Feuers hat kommen sehen, gegangen sein, lveil sie der Ansicht gewesen sei, daß der graue Mann vielleicht in dem Stall sich verborgen gehalten habe. Tic Angeklagte gesteht zu, sie habe, well es im Stalle schon dunkel gewesen sei, ein Streichholz angezündet, um damit zu leuchten und da könne es möglich sein, daß durch das noch glimmende Hölzchen der Brand im Stall entstanden sei. Tie Beweisaufnahme ergab, daß die H. eine reckst mangelhafte Erziehung genossen hat, sie ist unter den denkbar ungünstigsten Verhältnissen ausgewachsen. Tie Mutter der Angeklagten starb 1896, der Vater wurde wegen zweier Sittlichkeitsverbrechcn 1897 in Wien zu längerer Kerkerstrafe verurteilt. Tie damals kaum neunjährige Angeklagte kam dann in Fürsorgeerziehung. Tie Angeklagte wird von den Zeugen als eine verlogene Person geschildert, die aber überaus intelligent und mit der auch bei ihrem schlechten Charakter schwer etwas anzufangen sei. Medizinalrat Tr. Haberkorn erflärt, er habe die Angeklagte während ihrer' langen Untersuchungshaft beobachtet; sie sei geisttg vollkommen normal und zurechnungsfähig, und für ihr Tun nach dem Gesetz verantwortlich. Als Motiv der angeschuldigten Tat sei nur anzunehmen, daß die H. entweder am Feuer oder an der Angst und dem Schrecken der Bewohner ihre Freude hatte. Es sei sehr wohl denkbar, daß der Kaminbrand, welchen der Mitangeklagte verichuldete, bei der H. bic Sucht, Feuer anzulegen, gezeitigt habe. Wolle er diese Sucht der Angeklagten, Brandstistungen zu begehen, als einen krankhaften Zustand bezeichnen^ so müsse er als Gerichtsarzt feststellen, daß ganz bestimmte Symptome gewisser Krankheitsformen bei der Angeklagten vorhanden seren, welche darauf Hinweisen, daß die Täterin schwachsinnig oder Epr- lepttkerin sei, und hiervon könne bei der Angeklagten nicht die Rede fein. Ter Gerichtshof verurteilte die H. zur geringsten zulässigen Strafe von 1 I a h r G e f ä n g n i s unter der Annahme, daß nur ein Fall der versuchten und ein Fall der vollendeten Brandstiftung eines von Menschen bewohnten Gebäudes der Angeklagten zur Last falle. Von der Strafe wurden zwei Monate der erlittenen Untersuchungshaft in Abrechnung gebracht. Ter Angellagte K. ging straffrei aus, weil er den fahrlässig entfachten Brand, bevor er entdeckt wurde, wieder gelosckst hat. Ter Gerichtshof war auch der Ansicht, daß es sich im vorliegenden Fall ganz gleich bleibt, ob K. das Löschen des Brandes allein vorgenommen, oder sich hierzu seines. Meisters als Hilfe bedient habe. c£an6rout(($aft. Eine Ausschußsitzuiig und die Hauptversammlung des landwirtschaftlichen Vereins für die Provinz Oberhessen findet Tonnerstag deii 10. November d. Js. im Neuen Saallmu in Gießen mittags um 1 Uhr resp. 2 Uhr statt. In der Hauptversammlung wird der Jahresbericht durch den Präsidenten erstattet werden. Professor Tr. Giscvius in Gießen wird voraussichtlich über Saatgutzüchtung, Beschaffung von Saatgut und über Errichtung von Saatgutstellen sprechen. Darmstädter Möbelfabrik. Großh. Hesi. Hof-Möbellleferanten Darmstadt. 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