Erstes Blatt M Schulflratz« 7, tlbrcfie für Depeschen: Anzeiger Gießen. FernsprfchaulchluyNr 51. 154. Jahrgang Nr. Ä80 »Lgktch anher Sonntag». Dem Gtehvier Anzeiger werden im Wechsel mit dem Hessischen Landwirt die Lietzener Familien. Hättet viermal in der Woche l-eigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brüh l'sehen Univers.-Buch-n. Stein« drncteret. 9t ßong< Redaktion, Ernedilü» jähr!. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen sür die TageSnummer bis oormütagS 10 Uhr. ZetlenpretS: lokal 12 Pf^ auSwärtS 20 Pfg. Verantwortlich füt den polit. und allgem. Teil- P. Wittkoi für »Stadt und Lanin und »GenchtSsaal^: August Goetz; für den An« zeigenteU: Hans Beck. General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen Montag 28. November 1904 vezngSprei-, monatlich7L Pf., viertel- iäbrlrch Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch dieVost Mk.2.— viertel* Are heutige Mmmer umfaßt 10 Seiten- Dom Aeichsetat. Die „Nordd. Allq. Ztc>.« meldet: Der Etat derRsichS- schuld weist bei 6100 Mk. Einnahmen fortdauernde Ausgaben in Höhe von Mk. 113 609 950 auf. Dazu wird be- merkt, daß die höchste Umlaufsumme unverzinslicher Schahanweisungen bisher Mk. 270 Millionen betrug, wofür bis Ende Oktober 1Y04 an Diskont und Stempel Mk. 5 833 294 aufzuwenden waren. Eine weitere Ausgabe von etwa 2 Mill, stehr für 1904 noch bevor. Auch im Rechnungsjahre 1905 werden Schatzanmeisungen in erheblichem Umfange zur Diskontierung gelangen. Das Etats g ese tz stellt den Etat auf Mk. 2 241 560 900 fest, und zwar im ordentlichen Etat auf Mk. 1 762 658 556 an fortdauernden und Mk. 182 589 239 an einmaligen Ausgaben, sowie auf Mk. 1 945 247 795 an Einnahmen, ferner im außerordentlichen Etat auf Mk. 296 313 105 an Ausgaben und Mk. 296 313 105 an Einnahmen. Der Reichskanzler wird ermächtigt, zu einmaligen außerordentlichen Aus- gabrn Mk. 293 057 772 im Kreditwege flüssig zu machen, zur vorübergehenden Verstärkung'der Betriebsmittel Schatz - anweisungen bis zu Mk. 2 75 Millionen auszugeben, und die Erhebung von vorläufig gestundeten Matrikularbeiträgen auch für 1905 auszusetzen, bis der zur Deckung des Bedarfs nach den wirklichen Ergebnissen für 1904 und 1905 erforderliche Betrag fest- gestellt ist. Die fortlaufenden Ausgaben des Ordinariums sind gegen Sas Vorjahr um Mk. 64 313 702 höher, die einmaligen Ausgaben des Ordinariums um Mk. 10 727 398 höher angesetzt. Die Einnahmen des ordentlichen Etats sind mit Mk. 77 422 610 höher angesetzt; unter diesen Einnahmen sind unter anderem folgende Posten aufgeführt: Zuschuß des außerordentlichen Etats Mk. 51 000 000 (mehr Mk. 45 964 800), Ausgleichungsbeträge Mk. 19 123 067 (mehr Mk. 1 129 839), Matrikularbeiträge Mk. 213250094 (weniger Mk. 23 187 019). Die Ausgaben des außerordentlichen Etats sind um Mk. 126 825 072 höher als im Vorjahre angesetzt. Darunter befinden sich unter anderen folgende Posten: Südwest- afrikanische Expedition Mk. 48 743 110. Fehlbetrag im ordentlichen Haushalte für 1903: Mk. 2 039 814 (weniger Mk. 28 568 788). Die Einnahluen des außerordentlichen Etats sind mit Mk. 126 825 072 höher, gleich den Ausgaben, veranschlagt. Unter ihnen ist ein Posten: Aus Anleihe Mk. 293 057 772 (mehr Mk. 137 992 551). Die Den kschrift zum Etatgesetzentwurf hebt hervor, daß zur besseren Uebersicht zum ersten Male der ordentliche und der außerordentliche Etat vollkommen voneinander getrennt ausgestellt wurden. Zum Etat selbst bemerkt die Denkschrift: Die bisher dem ordentlichen Etat zur Last gelegten, überwiegend jedoch durch Zuschuß des außerordentlichen Etats gedeckten Mittel für die Südwestafrika-Expedition sind auf den außerordentlichen Etat übernommen worden. Dem Mehrbedarf des Ordinariums mit Mk. 75 043 100 steht ein Einnahmebetrag von Mk. 98 230119 gegenüber. DerUeberschuß mitMk. 23187 019 ist bei den Matrikularbeiträgen in Abgang gebracht Dem steht aber eine um Mk. 6J/2 Millionen verminderte Ueberweisung gegenüber. Auch sind, was bei der Vergleichung mit dem Vorjahre zu berücksichtigen ist, tn den Matrikularbeiträgen für 1904 Mk. 163/4 Millionen zur Beseitigung des geforderten Anleihe-Zuschusses enthalten. In den durch Anleihe zu deckenden Beträgen von Mk. 293057 772 ist ein Zuschuß zu den einmaligen Ausgaben des Ordinariums in Höhe von Mk. 51 Millionen enthalten. Darüber wird bemerkt: Da die Ungunst in der Entwicklung der Reichseiiinahmen 311 m großen Teil noch nicht überwunden ist, fehlen zur Gesamtausgabendeckung rechnungsmäßig Mk. 7491509 4. Davon werden durch iingedeckte Matriku larbeträge Mk 2391 5 094 gedeckt und der Rest durch den erwähnten Anleihezuschuß. Wenngleich eine weitere Stundung der zur Deckung Anleihezuschusses für 1904 den Reaierunaen auferlegten Matrikularbeiträge auch für 1905 vorgeschlagen wird, so miiß doch mit der Möglichkeit der Erhebung dieses Betrages »gerechnet werden. Wenn den verbündeten Negierungen, die vom Jahre 1899 bis 1904 über Mk. 119 Millionen ungedeckte Matrikular- beiträge leisteten, für 1905 höhere Beträge als in den Vorjahren ausgebürdet werden sollten, so müßten namentlich die finanziell schwächeren unter ihnen in eine ungemein schwierige und bedenkliche Lage geraten. DarailS folgt, daß das Reich ohne Besserung in seinen Einnahmen seine steigenden Bedürfnisse nicht bestreiten kann und daß bis dahin zur Herstellung des Gleichgeivichts nochmals auf eine Anleihe zurückgegrissen' werden muß, so unerwünscht eine solche Maßnahme ailch vom Standpunkte einer gesunden Finanzwirlschaft ist.__________ Aus Dem hessischen Etat für 1905. Ti- „T-mnki. Ztg." hat mit d-m Abdruck d-s „Hauptvoran- schlags für .1905 begonnen, von dem mir hier zunächst ine allgemeine Uebersicht, die Aufschluß gibt über die dermalige Finanz-! läge des Staates, folgen lassen: „Konnte schon vor Jahresfrist bei Einbringung des laufenden Hauptvoranschlags (1904) eine allmähliche Besserung der geschäftlichen und wirtschaftlichen Lage nach vorausgegangener längerer Depression und, hierdurch 'bedingt, eine bessere Gestaltung der im Budget zum Ausdruck kommenden^ finanziellen Verhältnisse des Staates festgestellt werden, so läßt sich heute erfreulicherweise sagen, daß die Besserung angehalten hat und fortschreitet. Dies hat naturgemäß amch in den Ziffern des vorliegenden Etats für 1905 und zwar in erster Linie hier ein weiteres Steigen der Einnahmen und gerade bei den wichtigsten Posten derselben zu verzeichnen; so konnte der diesseitige Anteil . an dem Betriebsüberschuß der Eisenbahn- ge meinschaft gegenüber dem Vorjahr um 1200 000 Mar? höher angesetzt werden, desgleichen der Ertrag der Einkommen- und Vermögenssteuer — unter Beibehaltung der dermalen gütigen Steuersätze — um 393 000 Mar? und die Einnahme aus Bau-, Nutz-, und Brennholz (HansdemönerO um 137 200 Mark. Leider ließ sich aber auch auf der anderen Seite eine weitere Steigerung der Ausgaben trotz Betätigung strengster Sparsamkeit bei Einstellung und Veranschlagung derselben nicht hintanhalten. Hierzu kommt, daß nach den Bestimmungen des im laufenden Jahr verabschiedeten Gesetzes, die Bildung eines Aus- gleichsfonds betreffend, ein erheblicher Teil der zu erwartenden Mehreinnahmen diesem Fonds zuzufließen hat. Infolgedessen schließt der neue Verwaltungsvoranschlag zwar noch mit einem Fehlbeträge ab derselbe ist jedoch geringer als der im laufenden Hauptvoranschlag festgestellte von 1 070 421.26 Mk., er beträgt 757 908.37 Mk. Wiewohl diese Besserung des Etats- abslchusses um 312 512.89 Mk. an und für sich nur freudig zu begrüßen ist, so erhellt anderseits aber auch aus ihr, bezw. aus einer Vergleichung beider Fehlbetragszahlen — 1904 gleich 1070 421.26 Mk. und 1905 gleich 757 908.37 Mk. —, daß es noch einer namhaften weiteren Besserung unserer Einnahmen und besonders auch einer strengen Zurückhaltung in der lleber- nahme weiterer Ausgaben auf die' Staatskasse bedarf, bis die von allen bei Aufstellung des Budgets beteiligten Stellen als nächstes Ziel ins Auge zu fassende Beseitigung jeglichen Fehlbetrages erreicht sein wird. Etwas günstiger gestaltet sich das Bild, wenn bei einer Vergleichung beider Etats außer den Fehlbeträgen auch die jeweils veranschlagten Ablieferungen an den Ausgleichsfonds —, 1904 gleich 150 000 Mk. und 1905 gleich 680 000 Mk. — mit herangezogen werden, es ergibt sich dann eine Besserung der Gesamtverhältnisse um 312 512.89 Mk. (Fehlbetragsdifferenz^ plus 530 000 (Differenz der Ablieferungen an den Ausgleichsfonds gleich 842 512.89 Mk. Auch der Vermögens-Etat zeigt eine günstigere Gestaltung des Vermögensstandes, welche neben andren später zu erörternden Umständen insbesondere dadurch hervorgerufen ist, daß die Verwaltungsrechnung des Etatsjahres 1903—04 nicht wie veranschlagt mit einem Fehlbeträge von 2 360 061.42 Mk., sondern nur mit einem solchen von 1 189 371.89 Mk. ab schließt, dem Vermögen also 1 170 689.53 Mk. weniger als veranschlagt zum Ausgleich jener Rechnung entnommen werden mußten. Infolgedessen kann denn auch der für 1905 ermittelte Fehlbetrag aus dem Vermögen bestritten werden und es verbleibt danach zur Deckung von Fehlbeträgen in 'päteren Etats immer noch der verhältnismäßig große Betrag von 1514 252.56 Mk. Nach Einstellung des uiehrbemerkten, zum Ausgleich der Ausgaben und Einnahmen für die Verwaltung erforderten Betrages von 757 908.37 Mk. als Einnahme aus dem Vermögen in die erste Hauptabteilung „Reste aus früheren Jahren" des Verwaltungs-Etats und in die Ausgabe der gleichnamigen Hauptabteilung des Vermögens-Etats schließen in Einnahme und Aus- Ausgabe der Etat für die Verwaltung mit 54 591 231.62 Mk., der Etat für das Vermögen mit 17 640 865.86 Mk. ab, der Hauptvoranschlag balanziert sonach mit insgesamt 72 232 097.48 Mk. Zu dein bei einem Vergleich mit den entsprechenden Zahlen des laufenden Hauptvoranschlags — Verwaltungs-Etat gleich 58 876 378.36 M?., Vermögens-Etat gleich '22 905 205.99 Mk., Gesamt-Etat gleich 81581584.35 Mk. — auffallenden Herabgehen der Abschlußziffern des neuen Hauptvoranschlags sei hier gleich bemerkt, daß solches beim Verwaltungs-Etat auf die sogenannte kleine Reichs-Finanzreform zurückzuführen ist, von der unter der 13. Hauptabteilung die Rede sein wird, beim Vermögens-Etat aber davon herri'ihrt, daß im laufenden Jahr für die Vermehrung des Aktienkapitals der Landes-Hypothekenbank und die Erhöhung der Staatsbetciligung an diesem Institut ein Betrag von 4 400 000 Mk. vorgesehen ist, die für 1905 sich nicht wiederholt, wogegen im übrigen an Ausgaben und .Kapitalaufnahmen für Eisenbahnztvecke und andere außerordentliche Staatsbedürfnisse zusammen annähernd gleich hohe Beträge vorgesehen sind wie für 1904. . . . Tie 2. Hauptabteilung: Domänen des Großherzoglichen Hauses ist mit einer Gesamt-Einnahme von 5 862 21.81 Mark und einer Gesamt-Ausgabe von 5 025 652.43 Mk. aufgeführt, sonach mit einem Einnahine-Ueberschuß von 837 269.38 Mark, oder 147 591.21 Mk. mehr als im lausenden Etat veranschlagt. Tie Besserung entfällt fast ausschließlich auf den wichtigsten Einnahmeposten dieser Hauptabteilung, die Einnahme aus Bau-, Nutz- und Brennholz, die mit 137 200 Mk. mehr, d. i. mit insgesamt 3 800 000 Mk. eingestellt ist. Deutsches Reich. Berlin, 27. Nov. Der Kaiser hat gestern Moschen verlassen und reiste nach Neudeck ab. Der Monarch wurde am Bahnhof Nowzionkau von dem Fürsten Henckel-Donnersmarck empfangen, der seinen Gast in das Schloß geleitete. Ter Kaiser wird am 5. Dezember in Dessau eintreffen. — Tie parteioffiziöse „Konserv. Korr." erklärt die Meldung, daß die überwiegende Mehrheit der Fral- tion sich gegen die Kan alv o rla g e ausgesprochen habe, sür nicht zutreffend. Eine definitive Beschluß- sassung habe überhaupt noch nicht stattgefunden. Schwerin (Mecklenburg), 26. Nov. Reichstagsersatzwahl. Am 23. November wurden gezählt für Tade (kous.) 7033, Büsing (natl.) 7036, Antrick (soz.) 10588 Stimmen. Danach würde Stichwahl zwischen Büsing und Antrick stattsinden, falls nicht die amtliche Zählung Abweichungen aufweist. Ausland. Haag, 27. Nov. Der Minister des Aeußern, Baron Lyden, kündigt einen Vertrag mit Deutschland an, der die Zulassung und Ausweisung Fremder regeln soll. Paris, 26. Nov. In der gestrigen Gemeinderatssitzung wurde ein Antrag angenommen, in Zukunft hervorragenden Persönlichkeiten erst zehn Jahre nach ihrem Tode öffentliche Denkmäler errichten zu lassen. Infolgedessen wurden die sür ein Waldeck-Rousseau-, Denkmal geforderten Kredite abgelehnt. — Tie Streichung des Kapitels, das die Forderung für die französische Gesandtschaft am Vatikan enthält, ist gestern in der Kammer ohne jede D^ebattel erfolgt. Es bedeutet dies einen großen Sieg Eombes'. — lieber Abänderungen, welche Finanzminister Rouvier an dem Gesetzentwurf über die Einkommensteuer vornehmen wird, wird berichtet, daß dieselben hauptsächlich ein Minimum des Einkommens betrifft, wodurch einer großen! Zahl der kleinen Arbeiter Steuerfreiheit gewährt würde. Abbazia, 27. Nov. Wie verlautet, wird Kaiser Wilhelm Ende Februar hierher kommen. St. Louis, 27. Nov. Roosevelts Reise hierher gestaltete sich, -zu einem großen Triumphzuge. In der Ausstellung besuchte er das deutsche Haus jals erstes von allen Staatsgebäuden. Bei seinem Eintritt in das Gebäude spielte das Berliner Philharmonische Blas« orchester den Einzug der Sänger in der Wartburg aus „Tannhäuser" und in dem Augenblick, als der Präsident das Haus verließ, das „Schwertmotiv" aus „Siegfried" Der Präsident trug seinen Namen in das für Besucher zum Einzeichnen bestimmte Buch ein. Als er sich nach dein! Frühstück mit dem deutschen Reichskommissar Lewald cm dem Mittelfenster des Hauses zeigte, wurde er mit jubelndem Zurufen begrüßt. Jin deutschen Hause trank er auf die Gesundheit Kaiser Wilhelms. ...... Der Krieg. Das englisch-russische Abkommen. Petersburg, 27. Nov. (Tel.-Ag.) Tas vorgestern abgeschlossene englisch-russische Abkommen betreffend dem Vorfall in der Nordsee lautet folgendermaßen: „Nachdem! die russische und die englische Regierung übereingekommen sind, einer internationalen Untersuchungskommission, biet gemäß den Artikeln 9 und 14 der Haager Konvention vomi 17./29. Juli 1899 für friedliche Regelung internationaler Konflikte zusammentritt, die Aufgabe anzuvertrauen, durch unparteiische und gewissenhafte Prüfung des Tatbestandes den Zwischenfall aufzuklären, der sich in der Nacht vom 21. zum 22. Oktober in der Nordsee zutrug, und in dessen' Verlaufe infolge Abgabe von Kanonenschüssen durch die russische Flotte der Untergang eines Bootes, der Tod zweier der englischen Fischerflotte angehörenden Personen, sowie Beschädigungen anderer Boote dieser Flottille und Verwundungen von Mannschaften einiger Boote verursacht wurden, haben sich die Unterzeichneten; die hierzu ermächtigt sind, über folgende Bestimmungem geeinigt: Artikel 1. Tie Unters uchungskommissionj wird sich aus 5 Mitgliedern zusammensetzen, 2 davom sollen Offiziere von hohem Rang aus der englischen) und russis ch en Marine sein. Ferner werden die französische Regierung und die der Vereinigten Staaten ersucht werden, aus ihren Marineoffizieren je einem von hohem Rang als Mitglied der Kommission zu wählen. Das fünfte Mitglied der Kommission soll durch Ueberein- kommen zwischen diesen vier Mitgliedern bestimmt werden. Im Falle, daß eine Einigung Mischen letzteren nicht zu stände kommen sollte, wird das fünfte Mitglied durch den Kaiser von O e st e r r e i ch ernannt werden. Jede der hohen vertragschließenden Parteien wird in gleicher Weise rechtskundige Beisitzer mit beratender Stimme und einen Algentem ernennen, die beauftragt werden, an den Arbeiten der Kommission offiziell teilzunehmen. Artikel 2. Die Kommission hat die Untersuchung vorzunehmen und einen Bericht aufzustellen über die auf den Vorfall bezüglichen Umstande, insbesondere über Fragen der Verantwortlichkeit und welcher Grad des Tadels die Staatsangehörigen der beiden hohen vertragschließenden Parteien oder eines anderen Landes trifft, für den Fall, daß die Werantwortlichf- keit burdb die Untersuchung festgestellt sein sollte. Artikel 3. Tie Kommission wird die Einzelheiten des Verfahrens festsetzen, das von ihr behufs Ausführung der Ausgabe befolgt werden soll, die sie zu lösen hat. Artikel 4. Die beiden hohen vertragschließenden Parteien verpflichten sich, der Kommission im weitgehendsten Maße alle Mittel und Erleichterungen zu gewähren, die notwendig sind zur vollständigen Erkenntnis und der genauen Abwägung der in Frage kommenden Tatsachen. Artikel 5. Die Kommission wird in Paris ^usammentretenx sobald sich dies nach Unterzeichnung dieses Abkommens aussühreu lassen wird. Artikel 6. Die Kommission wird beiden Parteien den Bericht einreichen, der duröy sämtliche Mitglieder der Kommission zu unterzeichnen ist. Artikel?. Tie Kommission wird alle Entscheidungen mit Stimmenmehrheit der 5 Kommissare treffen. Artikel 8. Die beiden Parteien verpflichten sich, jede für sich die Kosten der Untersuchung zu tragen, soweit sie von jeder Partei vor Zusammentritt der Kommission angestellt ist. Was die Unkosten anbetrisst, die entstehen von "bent Zeitpunkt an; an dem die Kommission zusammen getreten ist für die Installation und für notwendig werdende Nachforschungen/ so sind diese g em ein s a m beiden Regierungen zu tragen. Zum urkundlichen Betneise haben die (üldesuuter- zeichnetetc diese Erklärung ituterzeichnet, präsentiert und ihr Siegel darunter gedruckt. Paris, 26. Nov. Das Schiedsgericht in Angelegenheit der mnit Anfang Dezember feine Tätigkeit int hiesigen Ministerium des Aeußern. Das Schiedsgericht dürste iiitt wenigen Tagen die Angelegenheit erledigen. Petersburg, 26. Nov. In gut unterrichteten fite- sigen Kreisen nnrd erklärt, das; der Zusammentritt der Unter- suctnmgskommission beinahe überflüssig erscheine, da es bereits entsprechend den russischen Behauptungen aus;erfrage stehe, daß ein feindlicher Angriff auf die Schiffe der baltischen Motte geplant war, und daß tatsächlich zwei Torpedoboote gesehen wurden. AnS der Mandschurei Petersburg, 27. Nov. Kuropatkin meldet vom ds.: Arn 24. Nov. griffen die Japaner eine Abteilung bei Pinfietschen 'iu der Front imb im linken Flügel an. Monds war der Feind ü b e r a l l z n r ü ck g e w o r f e n. In der Nacht zum 25. versuchten die Japaner nochmals, die Abteilung anzugreifen, wurden aber durch das Feuer derselben zum Stehen aebracht. Arn 25. erhielt der Feind Vc r stärku n g e n. Nachdem aus Lsantchan .Hilfe einge- troffen war, begann um 11 Uhr vormittags der Kampf, zuerst aus deur rechten Flügel, sodann im Zentrum und auf bem linken Flügel gegen die Abteilung bei Pinhetscheu. Um 11 Uhr begannen die Japaner den Angriff, wurden aber zurückgeschlagen. Tie japanische Artillerie wurde von der unsrigen durch ein erfolgreiches Feuer zum Schweigen gebracht. ' Gegen 4 Uhr begann heftiges Schneetreiben bei starkem Nebel, was die Wirksamkeit der Artillerie beeinträchtigte. Unter dem Schube des Nebels gingen die Japaner wiederum zum Angriff über, doch behauptete unsere Abteilung ihre Stellungen. Um 7 Uhr abends endete der Kampf. Unsere Verluste sind gering. Mukden, 26. Nov. (Ruft. Tel.-AgZ Tie Japaner versuchten, am Tonnerstag einige Geschähe auf dem Suan- tahfiügel aufzustellen, wurden aber zur ü ck g e s ch ln g e n. Eine 'Abteilung russischer freiwilliger Jäger besetzte das Gehölz bei Nanhansv unweit des Putilowhügels. Petersburg, 27. Nov. (Rufs. Tel.-Aa.l Au« Mukden wird vor: heute gemeldet : Gestern wurde der f ü n i t e A n g r i f f einer japanischen B r i a a de auf Tsinchentichen zurück- a e s ch l a a e n. Ter Artilleriekampf dauert fort. Eine Abteilung General Rcnnenkamvss verlor an diesem Tage neun Tote und 57 Verwundete. Tie Umgehung unseres linken Flüaels ist mißlungen. TaS Ausbleiben von Siegen lähmt die Ener- gi e der Japaner. Gefangene, welchen scherzweise die Rück- kehr zu den ihrigen vorgesck'lagen wurde, antworteten: Bei den Russen sei es besser. Port Arthur Tokio, 27. Nov. (Reuter.) Gestern abend war ein allgemeiner Angriff auf Port Arthur im Gang.. Tie Generale Nakamuro und Saito führten Abteilungen von besonders im Fechten geübten Truvven sunt Angriff 'gegen, die russischen Forts. Es entspann sich ein blutiges Gefecht Mann gegen Mann. Tas Ergebnis ist noch unbekannt. Tokio, 27. Nov. 6i 2 Uhr abends. (Reuter.) Tas kaiserliche Hauptauartier macht soeben folgendes, bekannt: Nachdem die vorbereitenden Arbeiten für den Angriff auf Sungschuschan und die östlich 'davon liegenden Forts nal>ezu beendet sind, wurde seit gestern nachmittag ein allgemeiner Sturmangriff ausgefübrt. Infolge des hartnäckigen Widerstandes des Feindes wurde das Ziel jedoch noch nickt erreicht. Tcr Kampf dauertnochfort. Paris, 27. Nov. Tas ..Echo de Paris" bat bis jetzt 9950 Francs gesammelt für einen E hr e n de ge n für General Stössel. Außerdem soll der heldenmütigen Besatzung Port Arthurs eine Gedenkmedaille gestiftet werden. Alexejew. Petersburg, 27. Nov. (Rufs. Tel.-Ag.) Im Zusammenhang mit der Enthebung Alereiews vom Oberkommando in Ostasien wird heute ejn kaiserliches Reskript veröffentlicht, in welchem Alexejew Befriedigung über die von. ihm als Oberkommandierenden erworbenettVerdienste ausgesprochen und ihm der Georgsorden dritter Klane ncrlieheu nnrd. Russische Ankäufe. Triest, 27. Nov. Eine zum Ankauf von Schiffen und Kriegsmaterial entsandte russische Militärkommission, die Gfenerab Majore Prinz Bruck und Tvlgornow und ein Oberst, ist hier ein- getrofsen und hat die Schifiswerke besucht. Hroßöerzogs Kcöurtstag. Bei dem am 25. dS. veranstalteten Festessen hat der Rektor Geh. Rat Prof. Dr. Vossius folgendes Telegramm an Se. Königliche Hoheit den Großherzog im Namen der Teilnehmer abgeschickt: „Tie tum Festessen im Gefellschastsverein versammelten Vertreter der Stadt und Provinz, der staatlichen Behörden, der Geistlichkeit, der Universität, des Offizierskorps und der Bürgerschaft entbieten Euerer Köniql. Hoheit die untertänigsten Glück- und Segenswünsche zum neuen Lebensjahr. In deren Vetretung der Rektor Vossius." Taraus traf am SamStag mittag folgendes Tele- gramm ein: „Ter gestrigen Festverfammlung danke ich herzlichst für treues Bedenken und freundliche Wünsche. Ernst L n d m i g." Von der Festtafel wurde übrigens auch, wie unS mit- geteilt wird, dem früheren Obersten, jetzigen Generalleutnant v. Madai ein von vielen Teilnehmern unterzeichneter Gruß nach Dessau zugesandt, wofür der darüber erfreute frühere Mitbürger in einer Zuschrift sich bedankte. Der Kriegerverein Wieseck sandte anläßlich des Geburtstages Sr. Kgl. Hoheit ein Glückwunsch-Telegramm ab, worauf folgendes Telegramm einlicf: „Besten Dank für freundliche Glückwünsche. E r n st 2 u d w i g." Auch der Kriegerverein Rabenau in Londorf gratulierte und erhielt ein Danktelegramm. Aus Stadt und Sand. Gießen, 28. November 1904. '* Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde. Freitag, den 2. Dezember, abends 8 */4 Uhr, wird der dritte Vortrag der Gesellschaft stattfinden; Frau L. von Mosawetz- Dierkes wird über F in land sprechen und ihren Vortrag mit Lichtbildern begleiten. ** Ständchen. Der Bauer'sche Gesangverein brachte am SamStag seinem Ehrenmitglied Herrn Benjamin Atzbach am Vorabend seines 8 0. GeburStageS ein hübsches Ständchen. Der alte Herr, welcher dein Verein schon 31 Jahre als Mitglied angehört, dankte mit bewegten Worten und lud die Sängerschar zu einem Glase Bier ein, wobei noch manch muntere Weise ertönte. „Aich nehmS noch mit Euch uff", sagte der Achtzigjährige und hielt aus bis zuletzt. •• Konzert des „Sängerkranz". Das gestrige Konzert im Neuen Saalban hatte sämtliche aktive und passive Mitglieder des Vereins angelockt, so daß der große Saal bis auf den letzten Platz beseht war. Die Erwartung und das Jntereffe, das ganz besonders für die attniederländischen Kriegs- und Siegeslieder gehegt worden waren, er- ftlhren keine Enttäuschung: wieviel Kraft und Schönheit liegt in diesen alten Weisen der Niederländer, die darin die ganze Frische der patriotischen Bewegung einer großen Zeit ihres Volkes fühlen lassen. Herr Franz Bauer hat der schönen und dankenswerten Idee, diese Lieder wiedererwachen gu lassen, einen vollen Erfolg verschafft, denn der Vereinschor und das Orchester (ein Teil der hiesigen NegintentSkapelle) wirkten unter seiner, des Dirigenten Bauer, Leitung sehr exakt zu- ’anunen, und die wuchtige Sprache ttnd dennoch sehr reizvolle Abtönung dieser VolkSsänge kamen in vollem Maße zur Geltung. Ein Vereinsmitglied, Herr Lotz, der ein Bariton- Solo, das WilhelmSlicd, sehr hübsch vortrug, erntete den Bei- äll aller. Seine Stimme ist zwar nicht sehr umfangreich, aber ie ivar sympathisch, das heißt, sie ließ den Zuhörern die Nähe und Wärme deS künstlerisch Guten in der Komposition empfinden, ttnd daS muß bei jedetn Gelang die Hauptsache ein. Der Verein hatte aber für die gestrige Veranstaltung auch zwei wirkliche Künstler gewonnen, die bem Konzerte noch ein besonderes Interesse verliehen. Frl. Mi tau aus Frankfurt ist unS nicht unbekannt, und sie wußte sich durch ihren reinen und vollen Sopran in der Wiedergabe einiger hübscher Lieder von Carl Rorich und Peter Cornelius die volle Anerkennung aller Zuhörer zu gewinnen. Der Tenorist Herr Möller auS Marburg sang eine Cavatine au§ der Oper ^Margarethe" von Gounod unb ferner drei Lieder von Rich. Strauß, A. Bungert und E. Hildach. Gerade in den schlichten Liedern trat eS hervor, wa§ den gestrigen großen Erfolg deS Sängers auSmachte: die Weichheit deS Ansatzes und die Reinheit der Stimme in der Wiedergabe der leisen und intimen Stellen, während in den Höhenlagen die großen Mittel und der Umfang der Stimme die geschulte Weichheit um ein Weniges vermissen ließen. Herr Müller mußte sich auf den Wunsch der Zuhörer auf eine Zugabe verstehen. DaS Orchester erntete für eine Fantasie in G-moll von Franz Bauer reichen Beifall, lieber den Vortrag des gemischten ChorS mit Or- chesterbegleitung und Solopartien für Sopran (Fräulein Mi tau) (Finale miß der unvollendeten Oper „Loreley" von Mendelssohn - Batholdy) war man allgemein der Ansicht, daß die Darbietung von guter Einstudiernng zeugte und dem Dirigenten, Herrn Bauer, einen recht guten Erfolg einbrachte. Die ganze gestrige Veranstaltung hatte einen durchaus glücklichen und schönen Verlauf genommen. * • Zum Theater- und Saalbauprojekt. Man teilt uns mit, dckß der am SamStag abend versammelte Bau- und Finanzausschuß de§ Komitees auf Antrag des ProfefforS Dr. Fromme hin beschloßen hat, das; alle von Seiten eines Komiteemitgliedes etwa beabsichtigten Zeitungs-Veröffentlichungen vorher einem Ausschuß, bestehend au§ den Herren Heichelheim, Haubach, Spengel und Fromme, vorzulegen sind. * * Besitzwcchsel. Heute ging da8 Haus der Frait Ehr. Noll III. Wtw. hier, Kanzleiberg Nr. 5, an Herrn Heinr. Rusch zum Preise von 52000 Mk. über. • • Ein Ausreißer. Ein junger Mensch au§ Halle a. S. hatte ohne Grund das Elternhaus am 1. lf. MtS. verlaßen und sich, den Lockungen eines FreundeS folgend, zu diesem nach Frankfurt a. M. begeben. DaS von zu Hause mitgebrachte Kleingeld ging rasch zur Neige, der Freund, ein Aushilfskellner, hatte auch nichts mehr, und so suchten die beiden in verstoßener Woche in Gießen in einem Hotel Unterkunft. DaS von den; Hallenser telegraphisch erbetene Geld blieb auS, aber an deßen Stelle erschien gestern morgen der gestrenge Herr Vater und löste sein Söhnchen au§. Der Freund und Verführer deS jungen Mannes aber wurde verhaftet und hat sich wegen ZechbetrugS und Fühning falschen Namens zu verantworten. • * Verunglückt. Der städtische dlrbeiter H. Wall- bort erlitt am Samstag vormittag einen schweren Unfall. Mehrere Arbeiter waren an der städtischen Wasserleitung im Walde bei Annerod beschäftigt. Der Arbeiter W. sollte in einem Eimer in den etwa 10 Meter tiefen Schacht gelaßen werden. Unterwegs zerriß das Seil und W. stürzte in die Tiefe. E§ gelang mit vieler Mühe, den laut Jammernden aus dem engen Schacht zu bringen. Außer einem komplizierten Beinbruch und vielen Hautabschürfungen hat er schwere Beschädigungen erlitten. Seine Ueberführung in die Klinik erfolgte sofort. Der Verunglückte ist 33 Jahre alt, verheiratet und stammt aus Garbenteich. * *Ein Militärkonzert der Kapelle des Ulanen- Regimeuts Nr. 6 aus Hanau findet heute abend im Neuen Saalbau statt, worauf nochmals hingewiesen sei. • • Im Dusel. Am vergangenen preußischen Buß- und Bettag machten sich, wie man uns erst heute erzählt, einige Hessen-Nassauer zu Nutze, um in einer Stadt bei gutem Wein Erholung zu suchen. Auf ihren Irrfahrten gelangten sie in ein Lokal, wo getanzt und musiziert wurde. Es gefiel ihnen ausnehmend gut und Mitternacht war es schon, als sich ihre etwas ungleichmäßigen Schritte den heimischen Penaten zu- wandten. Vor ihrem Dorfe suchte der eine seinen Hausschlüssel in der Tasche deS Ueberziehers. Der Schlüssel fehlte, aber dafür stack ein unbekanntes Taschentuch darin. Bei einem aufflackernden Zündhölzchen gewahrte er, daß er einen falschen Ueberzieher auf dem Leibe hatte. Jetzt bemerkte auch der andere, daß er ebenfalls einen ihm unbekannten Ueberzieher, in dem sich ein Schlüssel befand, angezogen hatte. Rasch entschlossen nahmen sie den eine Stunde weiten Weg noch einmal zwischen die Beine nach dem Lokal zurück, wo sie sich die fremden Ueberzieher in der Eile angeeignet und sie die eigenen gelassen hatten. In dem Vergnügungslokal sahen sie beim hellstrahlenden Lichte, daß jeder des anderen Ueberzieher trug. Lachend fanden sie sich in ihr Geschick, tranken noch auf den Spaß hin einige Gläschen und ließen sich beim Morgengrauen per Chaise heimfahren. * * Die Gesetzsammlung für das Großherzogtum Hessen ist int Verlage von I. Tiemer in Mainz jetzt erschienen und zwar zunächst der 1. Band, umfassend die Jahre 1819 bis 1874 — gebunden zum Preise von 10 Mk. Die Sammlung bringt in dem jetzt geltenden Wortlaut alle im Hessischen Regierungsblatt, sowie im Kirck^en- verordnungsblatt veröffentlichten Gesetze, Verordnungen,, Bekanntmachungen usw. in zeitlicher Folge. Wie im Vorwort erwähnt, ist auf die Beziehungen der einzelnen Gesetze zu einander besonderer Wert gelegt. Zahlreiche Anmerkungen und Verweisungen bieten demjenigen, der die Sammlung in Benutzung nimmt, eine vorzügliche Unter- stützung. Schon längst war das Bedürftns nach einer solchen Zusammenstellung in allen Kreisen rege geworben. träge in der 2. Kammer wollten die Regierung veranlassens eine Durcharbeitung des umfangreichen Materials Vorzug nehmen. Auf gesetzgeberischem Gebiete wurde ja bei unS in Hessen im letzten Jahrzehnt großes geleistet; das Ver- "tändnis der Gesetze aber erschwerte durch die vielfachen Ergänzungen und Abänderungen. Tie Herausgeber der vorliegenden Sammlung Rechtsanwalt und Notar Reh, Slmts- richter Dr. Heyer und Gerichtsassessor Gros in Alsfeld haebn trotz der Fülle des Stoffs die Sichtung in! glücklicher Weise bewirkt. Wir können die Mschaffnng des Werkes jedem, sei er Laie oder Fachmann, nur empfehlen; er wird finden, daß die Sammlung das ist, was sie sein! soll, ein Wegweiser für die hessische Gesetzgebung. Gleiche Sammelwerke existieren bis jetzt, soweit uns bekannt, nur in Preußen kund Sachsen. -sv Watzenborn-Steinberg, 27. Nov. Unser neuetz Schulgebäude wurde heute in Gegenwart des Kreisamt- mannes Dr. Kranzbühler, des Kreisschulinspektors Kleinschmidt, des Baurats Diehm und de§ Kreisstraßenmeisters Rohrer ein« geweiht. Der Bau enthält vier geräumige Schulsäle. (!) Leihgestern, 27. Nov. Am Freitag früh starb der langjährige Bürg erm ei st er Joh. Heß und am selben Tage, abends, wurde sein 37 Jahre alter Sohn zum neuen Bürg er in eist er mit 140 Stimmen gewählt. Seit ca. 65 Jahren ist das Bürgermeisteramt in derselben Familie; der Großvater des jetziaen Bürgermeisters war zirka 30 Jahre, der Vater fast 36 Jahre Bürgermeister. Heute fand die Beerdigung des Bürgermeisters Joh. Heß unter großer Beteiligung statt. Vor mehreren Wochen legte er infolge schwerer Krankheit das Amt nieder; er war 69 Jahre alt. 8. Bingen, 26. Nov. In letzter Nacht wurde von einem Rangiermeister und dem diensttuenden Stationsbeamten im hiesigen Rangierbahnhof an den städtischen Lagerhallen verdächtiges Geräusch vernommen. Die Beamten entdeckten, daß sich jemand in dem Lagerschuppen einer hiesigen Firma zu schaffen machte. Der diensttuende Beamte sorgte sofort für Verstärkung, um die Halle von allen Seiten zu umzingeln. Inzwischen wurde der Einbrecher fertig, lud die geraubten Kisten u. s. w. auf seinen mitgebrachten Karren, um damit nach Hause zu fahren. Er wurde sodann festgenommen und der inzwischen herbeigerufenen Polizei übergeben. Der sehr dreiste Dieb entpuppte sich als ein Kaufmann von Bingerbrück, der früher bei derselben Firma beschäftigt war. Allem Anschein nach hat der Einbrecher dieser Halle schon mehr nächtliche Besuche abgestattet. RB. Darmstadt, 27. Nov. Der Landesausschuß der nationalliberalen Partei war heute im Saal der „Stadt Pfungstadt" zu einer längeren Beratung versammelt; auch zahlreiche Abgeordnete der Partei, auS Oberhessen waren die Herren Jean Kirch und W i m m e n a u e r - Gießen, Justizrat Dr. Windecker-Friedberg u. a. vertreten. Zunächst hielt Stadtverordneter Wolfßkehl eine sehr instruktive Rede über daß neue Kommunalsteuergesetz. Der Redner legte die drei Besteuerungsarten des Gesetz, Grundsteuer, Gewerbesteuer und Kapitalsteuer näher dar unp betonte, daß dem viesachen Verlangen nach dem Abzug der Schulden bei der Besteuerung nicht entsprochen werden könne, da hierdurch für die Gemeinden ein zu großer Steuerausfall entstehen würde, der dann auf andere Weise gedeckt werden müßte. Eine Verminderung iSrer Einnahmen auS den Steuererträgnißen könnten die Gemeinden angesichts der immer größer werdenden Lasten für Schulen, Polizei 2C. unter keinen Umständen ertragen. Es sei auch kein deutscher Bundesstaat vorhanden, in welchem bei der Gemeindebesteuerung die Schulden in Abzug gebracht würden. Redner beleuchtet dann die einzelnen Bestimmungen deS neuen Gesetzentwurfes näher und rügt g. B., daß bei der Gewerbesteuer keine Rücksicht auf den Ertrag de§ Betriebes genommen werde. Die Erhebung einer Wertzuwachssteuer sei sehr am Platze. Rechtsanwalt Ca lmann-Alzey schloß sich als Korreferent in der Erhebung einer Wertzuwachssteuer seitens der Gemeinden dem Vorredner vollständig an. Im übrigen enthielt die neue Vorlage so viele tiefgreifende Umwälzungen hinsichtlich der bisherigen Gemeindebesteuerung, daß eine sehr gründliche Prüfung ein dringendes Erfordernis fei. Ein altes Sprichwort sage: Alte Steuer gute Steuer, neue Steuer schlechte Steuer. Wenn man nichts besseres un seine Stelle zu setzen habe, sollte man lieber das alte Gesetz beibehalten, in da8 sich die Bevölkerung eingelebt fiabe.. Bei der Gewerbesteuer würden nach dem neuen Gesetz die kleineren Handwerks- und Gewerbebetriebe sehr entlastet werden zu ungunsten der Rentner, in Gonsenheim z. B. fast um Vs > die Besteuerung deS Gewerbes nach dem Bruttokapital sei ungerecht, denn darnach würden alle Betriebe mit wenig Kapital/ wie Kommissionsgeschäfte, Agenturen, Immobilienmakler 20. fast ganz steuerfrei werden, auch ein großer Teil der Mainzer Weinhändler, und daL seien doch gerade diejenigen Geschäfte, welche die Steuer am leichtesten ertragen könnten. Man sollte deshalb ähnlich, wie in Preußen, bei der Gewerbesteuer Kapital und Ertrag des Betriebes in Anschlag bringen. Mit besonderer Schärfe sprach sich der Redner gegen die den Gemeinden im Gesetz zugestandene Steuer-Autonomie an8, die zu den ärgsten Mißständen führen könne. — Nach den beiden, mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Referaten beschloß die Versammlung auf Antrag des ReichStagSabg. Graf Oriola, einen Ausschuß von sechs Mitgliedern zu wählen, welcher sich um drei Fraktionsmitglieder verstärken und die neue Vorlage einer gründlichen Beratung unterziehen soll. Zu Mitgliedern dieses Ausschusses wurden gewühlt' die Herren Wolfskehl, Calmann, Dr. Buff, Dr. Windecker, Bürgermeister Uhlmann- Nieder-Erlenbach und Koch-Neu-Jsenburg. Bei der Neuwahl des geschäftsführenden Ausschusses wurden die bisherigen Mitglieder wieder gewählt; verstärkt wurde derselbe noch durch die Abg. Dr. Buss und Stöpler. Die übrigen Gegenstände der Beratung, die sieh bis nach 3 Uhr ausdehnte, waren interner Natur. Frankfurt, 25. Nov. Auf Grund einer HeiratS- annoncc machte ein Mann, der angab, Hermann Rej^he zu heißen und Straßenbauinspektor in Fulda sein wollte, hier die Bekanntschaft einer vermögenden Dame. Bald folgte die Verlobung und der angebliche Hermann Reiche wußte seine Braut zu bewegen, für einen Hausankauf von ihrem Vermögen Mark 1 2 000 bei der Bank ab zu heben. Beide traten nach Erhebung der Summe gemeinsam den Weg zur Wohnung der Dame an. Unterwegs überredete er sie, den größeren Sicherheit halber ihm das Geld zum Tragen gu] übergeben. Kaum war dies geschehen, als 'der Mann einen günstigen Augenblick benutzte und unter Mitnahme deS Geldes verschwand. Er ist bis heute nicht gefunden, wird aber steckbrieflich verfolgt. — Auf dem Hauptbahnhof kam es gestern zu einer Eifersuchtsszene mit ergiebigen Prügeln. Ein Wirt aus Wiesbaden hatte sich mit der Frau eines dortigen Schreinermeisters verabredet, die von Berlin zurückkam. Der Ehemann hatte davon Kenntnis bekommen und griff den Nebenbuhler, als das Liebespaar gerade sich umarmen wollte, mit den Worten ort: „Gehst Du von den Kartoffeln!" Der betrogene Ehemann schlug mit einem schweren Schlüsselbund auf den Kopf des Gegners ein. Unterdessen rief die Frau verwundert: „Das ist ja mein Mann!" Die Polizei machte endlich der Prügelei ein Ende. Der Mann sagte zu seiner Frau: „Wir sprechen uns in Wiesbaden!" „Schon gut", erwiderte sie, „schon gut, ich bin dabei!" Mann und Fratt fuhren sofort nach Wiesbaden zurück, allerdings in verschiedenen Abteilen. Der überraschte Liebhaber benutzte einen späteren Zug, denn es datierte eine Stunde, bis er regelrecht verbunden war. Kleine M i t t e i l u n g e n aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der Wagenwärter Meininger aus Gießen teilt uns mit, daß seine Familie mit dem in der Heldenberger Mordaffäre verdächtigen und gesuchten Arbeiter Meininger aus Mittelgründen bei Gelnhausen nichts zu tun hat, obgleich auch er aus der gleichen Gegend stamme. — Aus Friedberg schreibt uns der praktische Arzt Dr. Best, daß er nicht zu den Nationalsozialen zähle, sondern keiner Partei angehöre und in wirtschaftlicher Beziehung die Forderung des „Bundes der Landwirte" anerkenne. vermischter. * Unwetter. In der Gegend von Triest und Venedig herrscht ein furchtbarer Sturm. Auch aus Unteritalien kommen von verschiedenen Orten Hiobs- posten, so aus Tarent, wo der Sturm, mit Hagel sch lag verbunden, die Ernte vernichtete. Das Handelsschiff „Margherita" strandete. Mehrere Matrosen verbrannten. Ber Eatazaro scheiterte das große Handelsschiff „Antonietta". — Hochwasser zerstörte eine Neichsstraße in Krain auf eine Länge von 300 Meter. Der Verkehr tnußte dort gänzlich eingestellt werden. Kleine T a g e s ch r o n i f. In der preuß. Klassen- lotterte fiel der Hauptgewinn von 500 000 Mark auf die Nr. 61083. — Der an den schwarzen Pocken erkrankte Studierende der Medizin Bergmann ist in Kiel gestorben. Er hatte sich bei dem Besuch einer pockenkranken Frau angesteckt. — Bei einer in der Nähe von W i t m a r s ch e n abgehaltenen Treibjagd hat ein Jäger aus Bentheim einen Treiber erschossen, einen zweiten schwer verwundet. Der Getötete ist verheiratet und Vater von 6 Kindern. — Zwischen N i e b er- scheiden und Gesenberg (Siegerland) wurde der Althändler Weber aus Niederschelden tot aufgefunden: der Hals war durchschnitten. Ob ein Mord vorliegt, ist nicht aufgeklärt. — Aus St. Louis wird berichtet: Der in Begleitung seiner Eltern die Ausstellung besuchende MillionärssohnSteffen P^et- ney verschwand plötzlich im Gedränge, ohne daß eine Svur von ihm aufzufinden gewesen wäre. Am 25. erhielt nun der Vater einen Brief, in welchem ihm mitgeteilt wurde, daß sein Sohn nicht eher freigelassen werden würde, bis eine bestimmte Summe an einem verabredeten Punkt niedergelegt werden würde. — In Kasch au wurde der Apotheker Salio von Wilderern erschossen. Tie Täter sind entkommen. — In Biarritz wurde die Exkönigin Natalie von Serbien das Opfer eines Wagenunfalles. Tic Pferde ihres Landauers wurden scheu, gingen durch und der Wagen prallte gegen einen Baumstamm. Ter Wagen wurde zertrümmert und die Königin blutbedeckt herausgezogen. Sie hatte eine tiefe Wunde an der Stirn und einige kleinere Verletzungen, die von Glassplittern herrührten. Hlniverfltäts-Yachrichten. 0 Marburg, 27. Nov. In diesem Wintersemester beträgt die Gesamtzahl der Studierenden der hiesigen Universität 1276, dazu kommen noch 71 Hörer, unter denen sim 10 Damen befinden. Alles zusammen sind es also 1341 Studierende, eine Zister, die noch in keinem Wintersemester erreicht wurde. , Ter Heimat nach stammen 455 aus Hessen-Nassau, aus dem übrigen Preupen 469, aus den deutschen Bundesstaaten 199 (darunter 30 aus dem Großherzogtum Hessen). Im vorigen Wintersemester waren es mit Hörem 1238 und im letzten Sommer rund 1500 Studenten. — Tie schwedische Akademie der Wissenschaften beschloß, ein Nobel-Institut für PhD s r ka l t.s che Chemie mit Professor Arrhenius als Dirktor emzu- richten, um diesen der Stockholmer Universität zu erhalten. (Prof. A. hatte bekanntlich einen Ruf nach Berlin erhalten. Ji. Red.) Kunst und Wissenschaft. — Otto Ernst's „Bannermann" hatte am Samstag im Wiener Burgtheater nach dem ersten und zwertrn Akt emigen Beifall. Tie groben Naivetäten des letzten Aktes wurden tettw . e mit Gelächter aufgenommen. Am Schlupe herrschte Zuerst lautlose Stille, bann gab es schüchternen Applaus und ber Verfaper erschien wieder. Auch in Frankfurt zog das Stuck ohne sonderliche Anteilnahme des Publikums vorüber. Kerichtssaal. Berlin, 27. Nov. Der Hochstapler Schiemangk, der sich den M ai o r«-Titel beigelegt hatte, wurde zu drei Jahren Zucht- Haus 2 Wochen Haft, 300 Mark Geldstrafe imb fünf Jahren Ehrverlust verurteilt. 6 Monate Zuchthaus und 2 Wochen Haft wurden als durch die Untersuchungshaft verbüßt erachtet. Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft. N ei chsbank ausweis. AuS dem jüngst erschienenen Ausweis ergiebt sich, daß der Metallbestand eine selten dagewesene Höhe erreicht bat. Das Deckungsverhältnis der Noten, das noch vor wenigen Wochen recht ungünstig war, hat sich nun sehr günstig gestaltet. Die Konstellation zeigt, daß die anfangs sehr angefeindete Diskonterhöhung sich als ein besonders wirksames Mittel erwiesen hat und gerade zur richtigen Zeit erfolgte. Mail erfährt weiter, daß ans London Gold wieder in recht beträchtlichem Umfang nach Deutschland gegangen ist und zwar sowohl in Sovereigns wie Barren. „yl, Zur Hiber nia-Vorlage. Die fortschrittlichen Blatter Berlins sind der Verstaatlichung der Hibemiagesellschaft wie überhaupt der Bergwerksgesellschaften feindlich gesinnt und nehmen daher auch gegen die Vorlage, die im preußischen Mgeordnetell- haus eingebracht mürbe, Stellung. In einer langen Abhaubluug setzt die „Voss. Ztg." auseinanber, baß bie Regierung auch bann nicht gesiegt hat, wenn sie int Abgeordnetenhause eine Majorität für den Ankauf der Aktien findet. Sie hätte sich 'dann als Großaktionär in allen wichtigen Punkten der Mstimmuna mit zu unterwerfen, unb sie wird unterliegen, wenn es der Maiontät ko vaßt Das ist es ja eben, daß es dem Handelsminister nicht Lfunflcn ist, bie Mehrheit bes Aktienbesitzes zu erlangen unb bie gegenwärtige Majorität will wie wir schon gestern nut- tcilten alles barmt setzen, um das Uebergewtcht zu behalten. Die Partei bei; Hiberniaverwaltung. an ihrer Spitze Herr Kirdorf, WochkuMt WerlW der Todesfälle in der Stadt Gießen 42. Woche. Vom 9. bis 15. Oktober 1904. (Einwohnerzahl: anaenommen zu 27 500 linkt. 1600 Mann Militär) Sterblichkeitsziffer: 11,34 nach Abzug von 2 Ortsfremden: 7,56 n/m. Kinder Es starben an: Zusammen: Erwachsene: im vom 1. Lebensjahr: 2.—15. Jahr Tuberkulose der Lungen 2(1) 2(1) — —— Krebs 2 2 — — Altersschwäche 1 1 --- -- Bauchfellentzünbuna 1 (1) -— — 1 (1) Summe 6 (2) 5 (1) — 1 (1) An ni.: Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenben Krankheit auf von auswärts nach Gliedert aebrachte Kranke kommen. Spielplak der vereinigten Frankfurter Stadttheater. Opernhaus. Dienstag ben 29. November, abenbs 7 Uhr: „Die Jüdin." Schauspielhaus. Dienstag ben 29. November, abenbs 7 Uhr: „Wallensteins Laaer/' Hierauf: „Die Piccolomini." Familien Nachrichten. Gestorben: Herr Fabrikant Antoit Finger, Lauterbach. — Herr Kommerzienrat unb Konsul Lucian Wolf, Mainz. — Frau Emma Sobernheim geb. Feitlter in Darmstadt. Kirchliche Kachrichlen. Evangelische Gemeinde. Montag, den 28. November, abends 8 Uhr, Bibelstunde im Konfirmanbensaat der L u k a s g e m e i n d e, Liebigstraße 56. Tert: Ofsb. Joh. 2, 18—29. Pfarrer E u l e r. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst. Voraussichtliche Witterung in Hessen für Montag, den 29. November 1904: Meist trüb, Schneefälle besonders im Norden, windig, Temperatur wenig verändert (leichter Frost). Näheres durch die (Rieftener Wetterkarte Knefkasten der Redakiian. (Rnoupme Anfragen bleiben nnberücksichtigt.s PH. S. in T. Das Städtchen Schmölln in Sachsen-Altenburg zählt etwa 10 700 Einwohner. Gießen. Unter den zu Großherzogs Geburtstag mit der Verleihung des Ritterkreuzes 1. Klasse des Ordens Philipps des Großmütigen Ausgezeichneten ist Oberlandesgerichtsrat Sandmann-Gießen durch ein Versehen nicht genannt worden. Auch er erhielt diesen Orden. Neuclte Mrldunaeii. Origi naldrahtmeldungen des Gießener Anzeigers. R. B. Darmstadt, 28. Nov. (Eigener Drahtbericht.) S. K. Hoh. der Groß Herzog mit Braut, Prinz und Prinzessin Heinrich von Preußen, Fürst Karl von Solms- Lich mit Gemahlin und Prinzessin Dorothea waren gestern mittag einer Einladung des Fürsten Leopold zu Psenburg-Birstein zum Mittagessen gefolgt. Am Abend blieben sämtliche Herrschaften im Neuen Palais. Heute früh um 9 Uhr ist Prinzessin Eleonore mit den übrigen fürstlichen Herrschaften wieder nach Schloß Lich zurückgefahren; der Großherzog erteilte heute eine Anzahl Audienzen und fuhr dann zur Jagd nach den Dornberger Waldungen. — Morgen stattet der Groß Herzog wahrscheinlich in Schloß Lich einen Besuch ab. Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen sind bereits am Freitag nach Frankfurt zurückgereist. Prinz und Prinzessin Chlodwig von Hessen-Philippstal-Barchfeld sowie die Erbach—Schön berg 'schen Herrschaften sind am Samstag abend wieder abgereist. Berlin, 28. Nov. Graf P ü ck l e r ist wieder nach Berlin zurückgekehrt, nachbem bie Untersuchung seines Gcisteszusta u- d e s in einer Münchener Heilanstalt günstig für ihn ausgefallen ist. Er will nun in ben Vororten, bie dem Berliner Polizei- Präsidium nicht unterstehen, von neuem ben Kampf gegen bas Jubentum ausnehmen. Tic Pückler-Vereinigung veranstaltet heute abend einen feierlichen Empfang. — Einen Mordversuch gegen seine Braut, die 25 jährige Unger verübte ber frühere Bereiter Groczek. Nach vvrauSgcgangenem Streit schoß Groczek aus das Mäbchen, baS schwer verletzt in ein Kranken haus geschafft wurde. Ter Täter verwundete sich beim Entladen der Waffe und wurde ebenfalls ins Kranken haus geschafft. MleN sich zu seht als' Machthaber unb wollen um keinen Preis sich bas Heft aus der Hand nehmen lassem Das ist allerbings nicht von der „Voss. Ztg." gesagt, sondern unsere Ansicht. Tie Einsicht in bas Getriebe des KoUensynbikats, meint bas eben zitierte Blatt, steht ia der Regierung jederzeit frei unb zwar burch bie Türe des Sttnbikats. Für bie Erreichung ihres Zweckes ist also die Verstaatlichung, auch 'wenn sie durchführbar wäre, durchaus nicht erforderlich. — Kurz, bie Führer des Kohlensyndikats und Kohlenkontors,, wie auch bie bes Stahlverbanbes wollen bie Aktionäre unb bie Konsumenten, eventuell auch bie Arbeiter in gleicher Weise in einer gewissen Botmäßigkeit halten und es paßt ihnen in keiner Weise, daß der Staat ein gewichtiges Wort mitreben möchte. Märkte. Gießen, 26. Nov. Vieh markt. Bei dem Markte am 22. unb 23. Nov. waren aufgetrieben 1175 Stück Rindvieh und 622 Schweine. — Der nächste Markt findet am 13. und 13. Dezember statt; am letzteren Tage auch Krämermarkt. ko. Frankfurt a. M., 28. Nov. (Telegr. Orig.-Vericht des „Gieß. Anz."). Amtliche Notierungen der heutigen Vie hm arkt- preife. Zum Verkaufe standen: 486 Ochsen, 195 aus Oestreich, 40 Bullen, 17 aus Oestreich, 760 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 3 aus Oestreich, 329 Kälber, 406 Schafe und Hammel, 1860 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 70—73 Alk,, 2. Qual. 65—67 Mk., 3. Qual. 58—61 Mk.; Bullen 1. Qual. 61 bis 63 Mk., 2. Qual. 57—59 Mk.; Kühe 1. Qual. 67-69 Mk., 2. Qual. 61—63 Mk., 3. Qual. 51—53 Mk, 4. Qual. 41—43 Mk., 5. Qual. 00-00 Mk. Kalber: 1. Qual. 82—84Pfq., Lebendgewicht 49-51 Pf., 2. Qual. 72—77 Pfg., Lebendgewicht 43—46 Pfg., 3. Qual. 00-00 Pfg., Schlachtgewicht 57-61 Pfg., Schafe: 1. Qual. 66-67 2. Qual. 54—56 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 59—60 Pfg., Lebendgew. 47 Pfg., 2. Qual. 57—58 Pfg., Lebendgewicht 46—00 Pfg., 3. Qual. 52—55 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. Geschäft bei Hornvieh gedrückt, Ueberstand bedeutend; bei Kleinvieh gedrückt, kein Ueberstand. fc. Frankfurt a. M., 28. Nov. (Orig.-Telegr. des „Gießen. Anz.") Amtliche Notierungen der heutigen Fruchtmarktpre is e. Weizen Nik. 17.00—18.00, Kurhessischer Mk. 18.00-00.00, La Plata Mk.'18.50—19.50, Kansas Mk. 18.50—19.50, Roggen (hiesiger) Mark 13.75—14.00, Gerste (Wetterauer) Mk. 17.25—17.75, Franken- selber Mk. 18,00—18,75, HaferMk.14.50—15.50, MaisMk. 12.25—12.50, Weizenmehl 0 Mk. 27.00—28.00, 2. Qualität Mk. 25.00 bis Mk. 25.50, 3. Qualität Mk. 23.00—23.50, Noggenmehl 0 Mk. 22.00—23.00, 1. Qualität Mk. 19.50—20.50, Weizenkleie Mk. 9.50 bis Mk. 9.75, Noggenkleie Mk. 11.00—11.25, Maiskeime Mk. 10.50 bis Mk. 10.75, Franken, Pfälzer, Rieb Mk.00.00-00.00. Alles per 100 Kg. ab hier. Freiburg i. B., 28. Nov. DaS Kriegsgericht oer- urteilte die Reservisten Lehmann und Kubach wegen Meuterei, begangen während des Manövers im Jahre 1903, zu je 5 Jahren Zuchthaus und Ausstoßung aus dem Heere. Der Reservist Nenn wurde wegen Meuterei und Meineids zu 3 Jahren 6 Monaten Gefängnis verurteilt.' Drei andere Soldaten kamen mit Gefängnisstrafen von 3 Monaten bis zu 1 Jahr davon. Wien, 28. Nov. M e hr a l s 10 000 Arbeiter sammelten sich gestern vor dem Ministerrats-Präsidium an unb riefen Vfui Körber, Pfui Härtel, Nieder mit Lueger unb den Pfaffenknechten unb Schulverberbern. —' Tic Arbeiter zogen bann vor das Ministerium des Innern unb auf den Nuntiaturhof, wo Los von Rom gerufen würbe. Als' bie Arbeiter versuchten, bas Gittertor des Rathauses zu er*' brechen, zog die Polizei blank und zerstreute die Menge durch Säbelhiebe, wobei, 5 Wachmänner und 3 Zivil-Personen verwundet und viele Verhaftungen vorgenommen wurden. Wien, 28. Nov. Heber ben Stand ber Handelsver-, trags-Verhandlungen mit Deutschland weiß die offizielle Montags-Revue zu melden, daß die beiderseitigen Kon- fereuzeu.bee n b c t seien, baß aber bie H au pt-Dif ser en- zen betreffenb die Veterinär-Konvention, die Vieh- Gerste- und Malzzöllc noch nicht beseitigt feien. Das deutsche Reich werbe sich bei ben bevorstehenden Konferenzen entgegenkommender zeigen müssen wie bisher, wenn bie Handels-Vertrags-Verhanblungen in kürzester Zeit kommen sollen. ■ Nom, 28. Nov. Von zuverlässiger Seite verlautet, baß bie beutfche Neichsregierung eine strenge Maßregelung bes Bischofs Benzler durch ben heiligen Stuhl fordert unb baß man ber Entfernung Benzlers von Metz zu bestehen scheine. Bei den guten Beziehungen dürfte eine zufriedene stellende Lösung nicht allzu schwer sein. Veuedig, 28. Nov.' Infolge Versagens einer Westinghouse- Bremse überrannte in der Station Venedig ber aus Mailand kommende Schnellzug ben Sicherheitsblock unb stürzte beit zwei Meter hohen Tamm herab. Die Maschine lief noch mehrere Meter weit in den Gepäcksaal. Bei dem Unfall wurden fünf Personen verwundet , darunter ein Deutscher namens Alfred. Lauer und ein Böhme Porseche. ♦ Vom Kriege. Dover, 27. Nov. (Reuter.) Arn Samstag abend späk gingen 5 Schiffe der baltischen Flotte und zwar zwei.' Kreuzer und drei Hilfskreuzer, denen später noch zwejifi Dampfer, offenbar Kohlenschiffe, folgten, drei Meilen v.ort^ der Küste hier vor Anker. Sre signalisierten gegenseitig.. > Tie Kreuzer machten häufig von ihren Scheinwerfern Ge-^ brauch. Es wird gemeldet, daß die Schiffe ankerten, weil' eines von ihnen seine Maschine reparieren müsse, tot! Sonntag waren die Schisse durch Nebel verhüllt, aber j Fischer melden, daß sie immer noch an ihrem Ankerplätze! liegen. Mukden, 26. Nov. (Reuter.) Die Gegend ist aus. 30 Mometer von der russischen Armee aus gey fangt. Das Militär requiriert alle, Korn- und Getreide- Vorräte. Aus der Zentralmandschurei wendet sich die Bevölkerung nach den östlichen Gegenden und nach Sinmin- ting. Die Dörfer verschwinden schnell vom Erdboden. Russische Spekulanten errichten Strohlager. Es wird über Er-. Pressungen der Armeeliefeiranten geklagt. Tschifu, 27. Nov. Reuter. Nach Meldungen aus dem Hauptquartier der mandschurischen Armee griff russig sche Infanterie in der Nacht vom 25. auf den 26. November die Japaner in der Richtung auf Sinlingun an, wurde aber zurückgeschlagen. Die feindliche Artillerie im Osten unterhielt eine heftige Beschießung, richtete aber keinen Schaden an. Am 25. machte russische Kavallerie einen Angriff auf dem rechten Hunho-Ufer, wurde aber zurückgewiesen, tot 24. brannten die Russem 5aSj Dorf Schangtschimen nieder. London, 28. Nov. „Daily Telegraph" meldet auZ Tschifit von gestern: Es wird berichtet, daß die Japaner Ende der Woche einen Angriff auf Port Arthur gemacht haben und mit schweren Verlusten zurück,-- geschlagen wurden. Ein mit Lebensmitteln beladener! Dampfer "wurde von den Japanern abgefangen. London, 28. Nov. Lord Lansdowne hat eine Zirkularnote an die Syndikate der Reeder, an die Handelskammern und Handelsgesellschaften geritchet, worin diesen; mitgeteüt wird, daß sie nicht berechtigt seien, ihre; Dampfer zu verchartern zu Zwecken, welche gegen die Neutralität verstoßen, wie z. B. die russische Flotte mit Kohlen z-u versehen. Die Artikel des Strafgesetzbuches würden, wie in der Note hinzugefügt toirt^i die Üeberschreitungen mit aller Strenge treffen. KchWnachrichten. Norbdentscher Lloyd. In Gießen vertreten burch Carl Loos, Kirchenplatz. Bremen, 24. Nov. tPer transatlantischen Telegraph.) Dee Dopvelscbrauben-Postbampier „Main", Kapitän E. v. Borell, vom Norbbeutschen Lloyb in Bremen, ist gestern 9 Uhr abends wohlbehalten in Newyork angekommen. Telephonischer* Kursbericht, F nnkfnrt a. .fl 28. November. s «i r1 f 3O/o Mexikaner -Anl. >ero Argentiner Tendenz: fest. 129.80 48.10 00.00 -IRQ . . . h. Monopol 41/a,/n Chinesen . . Electric. Sobuckert . Nordd Lloyd . . Kreditaktien . . 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