Erstes Blatt. 154. Jahrgang Donnerstag 28. April 1904 olizeikom stritt in ixiS Die Bgm. Bgm. Bgm. Bgm. Kompagniebesichtigungen des Regiments haben am Donnerstag, Freitag und SvmStag stattgefunden im Beisein der Brigade-, Division- und Korpskommandeure. Gestern, bezw. beute haben die einzelnen Kompagnien einen Ruhetag. Am Montag und Dienstag fand Felddienst bei Klein-Linden, Großenlinden, Allendorf, Lützellinden und Dutenhofen statt. Gestern hatte das zweite Bataillon Felddienst in der Gegend nach Annerod und Reiskirchen. Das Exerzieren in der Vom Kaiser Wilhelm-Regiment. Politische Tagesschau. Gegen den preußischen Lotteriegesehentwurf wird eine Petition an daS Abgeordnetenhaus vorbereitet, die darauf hinweist, daß durch ein solches Gesetz zahlreiche Handlung?- und Fabrikationszweige geschädigt werden würden. Die überwiegende Zahl der staatlichen Lotterieverwaltungen und der offiziellen Verwaltungen außerpreußischer privater Lotterieunternehmungen decke ihren Bedarf in Berlin. Unter anderem heißt eS in der Petition: „Mußten nach dein bisherigen Stande der Gesetzgebung die beteiligten Firmen, welche auf ihren Ruf halten, ihren Betrieb aufs strengste überwachen, um nicht durch die Unvernunft eines Angestellten sich Mißdeutungen und eventuell strafrechtlichen Verwickelungen auszusetzen, so wird diese Gefahr bei Ausnahme der von der königlichen Staatsregierung vorgeschlagenen Strafbestimmungen so gesteigert, daß kein vorsichtiger, auf seinen Rus haltender Kaufmann sich den mit dem Fortbetriebe der bestehenden Unternehmungen verbundenen Gefahren aussetzen darf. Die Petition ersucht um Abänderung des Lotteriegesctz- entwurfeS und bittet die Negierung, mit den außerpreußischcn Lotteriestaaten zwecks Erstrebung einer Lotteriegemeinschaft weiterhin zu verhandeln. Aus Stadt und Land. Gießen, den 28. April 1904. ** Amtsgerichtsrat Zimmermann f. Gestern verschied infolge eines Herzschlags im Alter von 39 Jahren der Großh. Amtsgerichtsrat Zimmermann. Er war geboren am 20. August 1864 und studierte hier in Gießen von W.--S. 1882/83 bis W.-S. 1885/86. Während dieser Zeit gehörte er der jetzigen Landsmannschaft Darmsbadtia an. Im Herbst 1886 bestand er die juristische Fakultätsprüfung, im Frühjahr 1891 die Staatsprüfung. Den größten Teil seiner dienstlichen Tätigkeit hat er in unserer Stadt auS- geübt. Er war seit 17. Oktober 1894 Staatsanwalt am his- sigen Landgericht, bis er im März 1902 zum Amtsrichter an unserem Amtsgericht ernannt wurde. Am 30. September 1903 erhielt er den Charakter als Amtsgerichtsrat. Zimmermann war in weiten Kreisen Hessens als Mensch und Beamter beliebt und geachtet. Er hinterläßt in seinem Freundeskreise eine schmerzliche Lücke. — lieber die 23fr erdigung findet man nähere Angaben im Inseratenteil. L. U. Dem Assistenten am chemischen Laboratorium der Landes-Universität Dr. phil. Johannes Schroeder, wurde die venia legendi für das Fach der Chemie erteilt. — Seine Habilitationsschrift handelt über: Chemisches und physikalisch-chemisches Verhalten des Pyridins und von Metallsalzen zu und in Pyridin. Ausland. London, 27. April. Wie der Admiralität aus Aden drahtlich gemeldet wird, nahmen die Besatzungen der englischen Kriegsschiffe „Hyacinth", ,.For" und" „Mohawk" mit 125 Mann britischer Infanterie die Stadt Illig am 21. April nach heftigem Kampfe. Die Derwische wurden nach entschlossenem Widerstande verjagt und erlitten schwere Verluste. Die englischen Verluste sind drei Tote und sechs Verwundete. Die italienisch eundenglischeFlagge ist Seite an Seite gehißt. Da der Sultan Osman Mahmud nach Einnahme von Illig sich weigerte, den Platz besetzt in halten, kamen der englische Kommandant Atkinson und der italienische Kommandant Lorecchio vom „Volturno", der an der Unternehmung teilgenommcn, überein, die Stadt dem Midjartschnstamme anzuvertrauen, der das italienische Protektorat anerkannt hat. Marseille, 27. April. Der Vorstand des Syndikats der Schiffskapitäne hat die aus ständigen Offiziere um Mitteilung ihrer Forderungen ersucht. Die Ausständigen verlangen die sofortige Wiedereinstellung dreier abgesetz^er Offiziere, ferner die Unterbreitung jedes neuen Streitfalles zwischen Offiziere und Matrosen bei dem Verwalter der Marineinsvektion. sowie die strikte Beachtung des bestehenden Schiffahrtsgesetzes. Alicante, 27. April. Infolge des gestrigen Anschlages auf den Eiscnbahnzug, in welchem sich der Ministerpräsident M a u r a befand, wurden 15 Personen verhaftet Nr. 99 Orf»ei«t ISgttch außer Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem kekfischea Landwirt die Siebener Kamillen« Mütter viermal in der Woche beigelegt. Rotationsdruck u. Verlag der Brü b l'schen Umvers^Buch-u.Slein- druckerei. 9L Lange. Redaktion, Expedition und Druckerei: Schnlstraße 7. Adresse für Depeschen: «uzeiger Gießen. Fernfprkchanichluß Nr 51. Wien, 27. April. Kaiser Franz Josef sprach sich heute beim Besuch der Spiritusausstellung sehr anerkennend über die Trainautomobile mit SpirituS- betrieb der deutschen Armee aus und bat Generaik Werneburg, dies Kaiser Wilhelm mitzuteilen. — Abgeordnetenhaus. Nach drei namentlichen Abstimmungen will der Präsident die auf der Tagesordnung stehenden Wahlen, darunter diejenige der Quotendeputation, vornehmen lassen. Als Choc dagegen protestiert, setzt das Haus die Verhandlung der DringuchkeitSanträge fort. Der Präsident erteilt dem Aba. Steinwerder, welcher bei dem Protest Chocs gegen die Wahl der Quotendeputation dem Präsidenten zugerufen hatte: ,/Lassen Sie den dummen Kerl reden, was er will!" einen Ordnungsruf. Choc beantragt wegen dieses Rufes die Einsetzung eines Mißbilligungsausschusses. Konstantinopel, 26. Apm. Die griechische Gesandtschaft verlangte energisch Genugtuung für den Vor- fall in Smyrna. Die Pforte ist bernt, diese zu gewähren, sobald der Tatbestand genau festgestellt ist. Nach griechischer Angabe verweigerte ein griechischer Untertan die Bezahlung der Gebühr für den Gewerbeschein, welche Frage seitdem Kriege von 1897 kritisch ist. Der Sekretär des griechischen Konsulates Delyannis wollte mit zwei Kawassen das Geschäft der Griechen wieder öffnen, was die Polizei verhinderte. Als Delyannis sich entfernte, gab er fünf Revolverschüsse ab und verwundete * ckera'Werhand'" taten,.f|il Ä E Eisenba^^ Mn. Aus Deutsch-SüdurestafriLa. Die Verluste bei der Kolonne Glasenapp. Der Ausbruch einer Typhusepidemie bei unseren Truppen in Südwestafrika muß lebhafte Besorgnisse erregen. Die Truppe hat seit dem 13. März d. I. insgesamt einen Verlust von 63 v. H. ihrer Offiziere und von 35 v. H. der Mannschaften erlitten. Es wird vom 25. d. M. aus Otjihaenena gemeldet: „Da bei den schlechten Wasserverhältnissen in Onjatu die Typhuserkrankungen zunahmen, so marschierte das Detachement Glasenapp am 21. von Otjatu nach Otjihaenena, wo wir gestern eintrafen. Sofort wurde heliographisch die Verbindung mit Okahandja via Secis und Windhuk her- gestellt. Stabsarzt Wiemann richtet hier, wo die Verhältnisse besonders günstig liegen, ein festes Lazarett ein. Hier erwartet auch das Detachement Ersatz für die durch Gefechte und Krankhert ausgefallenen Offiziere, Mannschaften und Pferde sowie auch weitere Zufuhr von Proviant und Winterkleidung. Am 13. März früh, vor dem Gefecht bei Owikokoreo, war die Kopfstärke des Detachements 22 Offiziere und 476 Mann: davon fielen acht Offiziere und 56 Mann. Verwundet wurden 4 Offiziere und 18 Mann; an Krankheiten" starben 8 Mann. Krankheitshalber wurden zurückgeschickt 2 Ofsiziere und 62 Mann. Momentan typhuskrank sind 44 Mann. In der letzten Woche sind heftige Regengüsse gefallen; außerdem gab eS starke Nachtftöste, die sich in den Biwaks sehr fühlbar machten." Der von Major v. Glasenapp gewünschte Ersatz an Offizieren und Mannschaften dürfte ihm ohne weiteres bewilligt und mit möglichster Beschleunigung hinausgesandt werden. Daß unsere Truppen in Südewstafrika Verluste durch Typhus erleiden würden, ist von vornherein erwartet worden. Diese Krankheit zeigt sich dort regelmäßig nach Beendigung der Regenperiode und erlischt mit Eintritt der warmen Jahreszeit, welche die vielen, oft verun- r einigt en Wasserstellen austrocknet, sowie auch die für operierende Truppen sehr in Betracht kommenden Unterschiede zwischen Tages- und Nachttemperaturen ausgleicht. In diesem Jahre war die Negenperiode besonders intensiv und daher mußte eine vermehrte Gefahr des Ausbruchs einer Typhus epi d em ie ins Auge gefaßt werden. Tie durch Strapazen, unregelmäßige Ernährung, kalte Mwaknächte geschwächten Soldaten sind durch erhöhte Disposition und verminderte Widerstandsfähigkeit der Erkrankung an Typhus am meisten ausgesetzt. Hierin ist also die Erklärung dafür zu sehen, daß er ber der Kolonne Glasenapp zum Ausbruch gekommen ist. Es kann mit voller BestimmthE angenommen werden, daß der Höhepunkt der Epidemie erreicht ist; durch die ärztlichen Maßnahmen — namentlich Festsetzung und Kontrolle der Lebensweise sowie Wechsel des Aufenthaltsortes — darf das baldige Sinken und schließlich das Erlöschen der Erkrankungen als gesichert angesehen werden. Als Vorbeugungsmittel gegen die durch schlechtes Trinkwasser begründete TyphuSgefayr sind gleich den ersten nach Südwestafrika verschifften Transporten Wassersterilisier- ungs-Apparate mitgegeben worden. Diese bestehen in einem fahrbaren Destillationsapparat, in welchem das Wasser verdampft und unter Zusatz von Sauerstoff kondensiert wird. Diese Apparate können schon während des Marsches — also in der Bewegung — ungestört funktionieren und stellen in der Stunde 300 Liter reines und gesundes Trinkwasser her. Es kann wohl angenommen werden, daß auch >ie Kolonne Glasenapp einen solchen Apparat hat. Siu neuer Oberbefehlshaber? Zu allen Hiobsposten tauchen immer wieder Behauptungen auf über angebliche „Mi ß he lli g kei te n" unter den Führern. Oberst Dürr, der Kommandeur des Marine-Expeditionskorps, kehrt nach Deutschland zurück, weil er, wie man sagt, sich mit dem Gouverneur L e u t w e i n nicht vertragen kann. Der offizielle Grund der Rückkehr ist Erkrankung; indessen selbst die offiziöse „Köln. Ztg." erlaubt sich, die unvermutete Abreise „auffallend" zu finden. Mindestens erscheint die Sache nicht ganz aufgeklärt durch die lakonische Begründung. Nun verzeichnet Der „Lokalanz " als ein „mit voller Bestimmtheit in parlamentarischen Kreisen auftretendes Gerücht", Oberst Leut- rt>e in habe seine Entlassung als Truppenführer angeboten und vorgeschlagen, seine Tätigkeit auf die Gouvernementsgeschäfte zu beschränken. In anderen Blättern ist dieses Gerücht nicht erwähnt. Ebensowenig soll man an amtlichen Stellen von solchen Vorschlägen des Gouverneurs etwas wissen. Trotzdem hat das Gerücht eine gewisse Wahrscheinlichkeit. Schon vor einiger Zeit ging die Rede von einem Beinleiden des Obersten Leutwein; schon damals wurde die Hervorhebung dieses Leidens als eine Vorbereitung des Rücktritts betrachtet. Dann aber hieß es beschwichtigend, der Gouverneur werde m so schwerer Zeit so lange als irgend möglich ausharren. Bemerkenswert ist, daß in der neuen Meldung wiederum Generalleutnant v. Trotha als der ko m m e n d e. M a n n für Südwestafrika genannt wird. Herr v. Trotha werde als Oberbefehlshaber mit neuen, bedeutenden Verstärkungen hinausgehen. Verstärkungen unseres Truppenaufgebotes sind allerdings beabsichtigt; wir wiesen vor Wochen bereits darauf hin. Nur dürfte es einstweilen zweifelhaft fein, ob Herr v. Trotha, der Südwestafrika nicht aus eigener Anschauung kennt, das Kommando erhält. Sollte es aber gar um den Oberbefehl sich handeln, dann würde freilich Gouverneur LrntwsinS Demission als Truppenführer begreiflich fein. DaS ^.Berk. Tagebl." meldet: Die Krankheit des aus Südwestafrika heimkehrenden Obersten Dürr ist ein Herzleiden- kt. HeD° Gietzener AnzeiaerM w General-Anzeiger * 2» Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen ____hl-iiiJini,., __________________________ aetflenteU: HanS Beck. unb v^tn »}.. UW n'ebet ? *• nbi’ der 6infi n fillnb- u 4tin ft"« ° aetoo*' SäsSB In -er S * s#n garl m L,nftein am Sa?ra 7 Vele" (traft. TöeL,fflro6| l Pie Senihmfl.5 derien-gea rojrb rSzS &S.-S ®e,eifS 6t ®- 186-und pflSS btt Bel vergehens } -M- irier erwachsenen Auslagen venirieiu Lrod)en,bie$erun alb einer Woche n° äner Auslerlignng schlag an die Ortstalk Buseck während eine durch einmalige re m dem .Siebener 31 Kosten deS SlngM zu machen. Die Richtigkeit d der Urteilslomel roh und die Vollstreckbar teils bescheinigt. Sieben, den 20. A Braun, ®et»3 EerichtSschre deS Lroßherzogl. Li F. d. A. Älatenaar, Reck als Vertreter der Lhristoph Scheid I in Großen»? perts mündlich gegebenen Bescheide hervorhob, unter keinen Umständen zulassen. Ausschlaggebend für diese Stellungnahme des Gerichts dürfte die R ü ck s i ch t n a h m e auf d t e persönliche Sicherheit Hüsseners sein, denn in Essen hat sich, wie uns mitgeteilt wird, die Erbitterung gegen ihn, obwohl bereits mehr als ein Jahr seit der unseligen Bluttat, der der Kanonier Augusts Hartmann zum Opfer fiel, noch keineswegs gelegt. Auch sämtliche anderen Zeugen in dem Prozeß sind kommissarisch vernommen worden. Kompagnieschule ist jetzt beendet, und eS beginnen nun die Felddienstübungen und das BataillonSexcrzieren. Die Besichtigung der Bataillone wird voraussichtlich nach Pfingsten abgehalten. _ 1 ** Besitzwechsel. Herr. v. Münchow verkaufte sein Haus Wolkengasse 21 für 23 000 Mk. an Korbmacher Heinrich K u h l - Eheleute von hier. — Arbeiter-Impfung. Gestern nachmittag sind hier 68 ausländische Arbeiter durch zwei Aerzte geimpft worden. Seit einiger Zeit arbeiten hier weit über hundert Italiener, Kroaten und andere Südländer, zum Teil bei der Kanalisation der Bismarckstraße, zum Teil beim Gail'schen Thonwerk, wo ein Schienenstrang gelegt wird. Angesichts der Pockenfälle in einzelnen Orten deS rheinisch-westfälischen Jndustriebezirks, die bei ausländischen Arbeitern auftreten, ist es im Interesse des Gesundheitszustandes der Stadt für erforderlich erachtet worden, die ausländischen Ar- beiter hier einer Impfung zu unterziehen. Die Leute wurden wiederholt von der Polizei aufgefordert, zu diesem Zwecke auf dem Polizeibureau zu erscheinen, doch immer vergeblich. Schließlich wurde den Arbeitgebern aufgegeben, die Leute entweder an bestimmtem Termine zur Impfung auf die Polizei zu schicken, widrigenfalls die Arbeiter sofort über die Grenze geschoben werden würden. Diese Maßnahme hatte den gewünschten Erfolg. Es erschienen 68 Leute gestern auf dem Polizeiamte, wo die Impfung im Beisein einer Schutzmanns- Eskorte vorgenommen wurde. — Es sei darauf hingewiesen, daß alle Arbeitgeber und Schlafstellenvermieter die Pflicht haben, ihre Arbeiter, bezw. Schlafstelleninhaber binnen 24 Stunden polizeilich anzumelden. — Zuzug weiterer ausländischer Arbeiter nach unserer Stadt steht noch bevor. Offenbach, 27. April. Ein schweres Unglück, welches ein Menschenleben gekostet hat, ereignete sich in der verflossenen Nacht. In der Geleitsstraße Nr. 10 wohnte in dem an der rechten Hofseite gelegenen Nebenbau im Parterrestock die 63jährige Frau Margarete Müller, die als Mtwe eines städtischen Angestellten eine kleine Pension bezog. In ihrem Schlafzimmer entstand in der Nacht gegen 2 Uhr aus bisher noch nicht aufgeklärte Weise Feuer, durch welches das einfensterige Zimmer völlig ausbrannte. Der Brand wurde um 2 Uhr bemerkt und von den Hausbewohnern und Nachbarn bald gelöscht, ohne daß die Feuerwehr einzugreifen brauchte. Als man dann in die Stube eindrang, fand man die Frau unbekleidet und halb verkohlt vor dem Bette liegend. Ob die Frau, die stark an Asthma litt, in einem Anfall von Atemnot das brennende Licht umgeworfen hat oder auf welche Weise sonst das Unglück geschehen sein mag, wird sich schwerlich ermitteln lassen. Die Leiche der verunglückten Frau wurde in das Leichenhaus verbracht. (Ofsenb. Ztg.) Mainz, 27. April. Bei der Brückeneinweihung, zu welcher auch der Reichskanzler Gras Bülow hierher kommen wird, werden vor der Stadt 40 große, reich geschmückte Rheindampfer Aufstellung nehmen, und zwar werden an dem rechtsseitigen Ufer auf der 1800 Meter langen Sttecke zwischen der Mainmündung und der Sttaßen- brücke 16 Dampfer jn einer Entfernung von etwa 100 Meter auf fahren. Die übrigen Dampfer werden an dem linken Rheinufer Aufstellung nehmen und sich von dem Winterhafen bis zur neuen Brücke verteilen. — Ein Na ch - y,iel zum Karneval fand heute morgen vor dem chöfsengericht statt. Die Unsitte, mit den Pritschen den Sttaßenpassanten an den Fastnachtstagen die Hüte einzutreiben, hat sich hier seit einigen Jähren immer mehr eingebürgert. Ein Buchhalter hatte einer großen Anzahl von Herren mit der Pritsche die Hüte eingettieben. Er wurde zu einer Woche Haft verurteilt. — Ein Taglöhner, der eine Frau mit der Pritsche ins Gesicht geschlagen hatte, wurde zu fünf Tagen Hast verurteilt. Das Gericht war der Ansicht, daß nur durch exemplarische Strafen einem derartigen Unfug gesteuert werden könne. fc. Frankfurt a. M., 27. April. Der Hausierer Bender auS der Rothekreuzgasse, der seinen 2 Kindern die Hälse abschnitt, wurde heute morgen in die Irrenanstalt gebracht. Er gilt als geisteskrank. to. Hanau, 27. April. Infolge Genusses verdorbener Fleischwaren sind hier in den letzten Tagen zahlreiche Erkrankungen an Brechdurchfall vor- gefommen, besonders in dem Viertel jenseits der Kinzig. Vermischtes. * Berlin, 27. April. Nach Stellung von 30 000 Mk. Kaution ist gestern auch der zweite frühere Direktor der Pommerschen Hypothekenbank, Romeik, aus der Untersuchungshaft entlassen worden. * Stettin, 27. April. Nach Blättcrmeldungen wird der Mühlenverwalter der Ordshager Mühle vermißt. Die Revision der Bücher ergab einen Fehlbetrag von 50000 Mk. * Könitz, 27. April. Unter dem Verdacht des Gatten- morde s bezw. der Beihilfe sind die Besitzerswitwe S ch m i d t und der Schneidermeister GustavMilbrandt aus Neu-Batttow verhaftet und ins hiesige Gericbts- gefängnis eingeliefert worden. Die Frau hat die Tat bereits eingestanden. * Paris, 27. April. Im Theater Palais Roval machte gestern abend während der Vorstellung ein junger, wenig bedeutender Schauspieler Jules Gravier in der Garderobe den Versuch, sich zu erschießen. Er verletzte sich indessen nur leicht. Gravier war unglücklich in eine Kollegin verliebt. * Petersburg, 27. April. In dem chemischen Laboratorium in Kronstaot, wo große Dynamitvorräte lagern, brach Feuer aus. Ein großes Unglück wurde durch rechtzeitiges Löschen verhütet. * Schneefall wird aus der Ostschweiz und den Vogesen gemeldet. '* Rücksicht auf Hüssener. In dem Prozeß gegen den Redakteur der „Ess. Volksztg", Kappert, wegen Beleidigung des Marineoberkriegsgerichts zu Kiel, das am 6. Juli v. I. das Urteil über den früheren Fähnrich z. S. Hüssener aefällt hat, und des Kieler Offizier- korps, hat der Vorsitzende der Strafkammer, Landaerichts- direktor Dr. Laarmann den vom Angeklagten gestellten An- ttag, H ü s s e n e r als Z e u g e n zur Verhandlung am 4. Mai vorführen zu lassen, abgelehnt. Der Vorsitzende erklärte, daß das Gericht, falls sich die Stellung weiterer Fragen an Hüssener als notwendig ergeben sollte, bereit sein würde, die Sache zu vertagen, um Hüssener nochmals kommissarisch in Ehrenbreitstein, wo er zurzeit den Rest seiner zweijährigen Festungshaft absitzt, darüber vernehmen zu lassen. Eine persönliche Vorführung Hüsseners werde das Bericht, wie dser Vorsitzende in den dem Verteidiger Kap- MH Herichtsiaal R. B. Darmstadt, 27. April. Wegen Neberschreitnng d e S ZüchtigungsrechtS resp. Körperverletzung hatte sich hellte der 29jährige Lehramtsassessor 1l. ans Offen- dach vor der hiesigen Strafkammer zlr verantworten. Er hatte den Sohn Georg des Weißbinbermeisters Werner tn der Quarta der Offenbacher Oberrealschule wegen fortgesetzter Geborfams- verweigerung am 15. Januar ds. Js. nut einem langen Rohrstock derart auf Rücken und Schulter geschlagen, daß noch vier Sage darnach starke Striemen am Körper zu bemerken waren, ^re eigentliche Schuld an dem Ungehorsam des Knaben trug aber der Vater, der, nachdem ihnt sein Sohn in unwahren Angaben sein Vcib über den gestrengen Herrn Lehrer geklagt, die Anfertigung einer Strafarbeit verbot und dies auch dem Lehrer brieflich mit- teilte. Als dieser den Juilgen dann zur Rede stellte, lief er einfach aus der Schule weg. Am zweiten Tag kam er wieder; der Lehrer forderte den Schüler auf, aus der Bank vorzlltreten. Da schrie der Jlinge erregt: Ich lasse mich nicht züchtigen, wenn Sie was wollen, so reiben Sie sich mit meinem Vater rum! Darüber und über die fortgesetzte Gehorsamsverweigerung in Allfreglmg gebracht, ergriff der Angeklagte den Stock und schllig hastig aus den Jungen los. Staatsanwalt Schudt wies darauf hin, daß der Lehrer gegen das Miuisterialausschreiben vom 19. Mai 1882 gehandelt habe, nach welchem die Züchtigung von Schülern nur im Falle grober Widersetzlichkeiten, Lügenhaftigkeit rc. erfolgen dürfe, beantragte aber in Rücksicht auf die durch das Verhalten des Schülers heroorgerufene Allfreglmg nur eine Geldstrafe von 25 Mk. Ter Verteidiger, Rechtsanwalt Mark-Offenbach, wies auf die auch vor Gericht gezeigte große Lügenhaftigkeit, Rohheit und Frechheit des Knaben hin, der auch über andere Lehrer allerlei Unwahrheiten verbreitete und auf dessen widerspenstiges Benehmen der Angeklagte schon von seinem 9lmt5oorgänger aufmerksam gemacht worden war. Ter Gerichtshof stellte fest, daß der Angeklagte durch das freche Benehmen des Jungen gereizt^ worden war und deffen widersetzliches Benehmen eine kräftige Züchtigung verlangte. Der Lehrer sei aber über das erlaubte Matz der Züchtigung hinausgegangen und daher zu 25 M k. Geldstrafe zu verurteilen. R. B. Darmstadt, 27. April. Zwei Anklagen wegen Sittlichkeitsverbrechens wurden heute unter Ausschluß der Oesfentlichkeit vor der Strafkammer verhanbelt. Die eine betraf den 61jährigen oerioiliuetcn Privatier Fischer, die andere ben 56jährigen Hanbelsmann Ferbinaub Levi, beide aus Gernsheim. Beide Angeklagte hatten lange Zeit mit einem Mädchen unter 14 Jahren unzüchtige Hanblungen vorgenommen, ber letztere auch noch mit anberen Kinbern. Unter Annahme milberuber Um- ftänbe wurde Fischer zu 9 Monaten, Levi zu 1 Jahr Gefängnis verurteilt, wobei jedem vier Wochen auf bie Untersuchungshaft abgerechnet würben. Görlitz, 27. April. Der Zugführer Gust. Finke, ber im Dezember 1903 aus einem Packwagen Schmucksachen, Galanteriewaren und Lebensrnittel g e st 0 h l e il hatte, würbe von ber Strafkammer wegen Unterschlagung im Amte zu zwei Jahren unb sechs Monaten Gefängnis verurteilt. — DerB ürgermei st erssohnalsWeichell steiler. Eine ungewöhnliche Laufbahn hat der Weichensteller Karl Jordan durchgemacht, ber wegen Unterschlagung im Amte vor einer Strafkammer in Berlin ftanb. Der 25jährige unbescholtene Angeklagte stammt aus einer achtbaren Familie, sein Vater war früher Oberleutnant unb später Bürgermeister. Der Angeklagte hat bas Abiturienten-Examen gemacht unb feiner Militärpflicht als Einjährig-Freiwilliger genügt. Da starb sein Vater unb ba Vermögen nicht vorhanben war, geriet er in eine üble Lage. Er bewarb sich bei ber Eisenbahnbirektion um eine Anstellung, würbe als Weichensteller eingestellt unb führte sich anfänglich zur Zufriebenheit seiner Vorgesetzten unb würbe halb zum Vorbereitungsbienst als Weichensteller erster Klasse herangezogen. Er geriet bann in leichtsinnige Gesellschaft unb bie Folge war, baß man ihn von biefem Vorbereitungsdienst wieder zurückzog. Zu den dienstlichen Obliegenheiten des Angeklagten gehörte auch der Dienst an der Fahrkarten-Ausgabe in den Bahllhöfen Rummelsblirg-Ost unb Karlshorst. Bei einer Revision würbe in ber vom Angeklagten verwalteten Kaffe ein Manko von 216 Mk. entbeeft. Er war ge- ftänbig, zwei Hundertmarkscheine unterschlagen zll haben, bie er zur Deckung alter Schulben oerroenbet haben will. Der Gerichtshof verurteilte ihn zu sechs Monaten Gefäng- n i s unb Verlust ber bürgerlichen Ehrenrechte auf bie Dauer von einem Jahre. Arvettervewkgu n g. Budapest, 27. April. Der allgemeine Ausstand in D e b r e c 3 i n ist seit heute beendet. Sämtliche Arbeiter traten die Arbeit wieder an. Gießener landwirtschaftlicher Wetterdienst Vo>-anHsichtliche Witicrnng in Oberbeffen für Freitag den 29. April 19N4: Im Norden zeitweise wolkig, im Süden meist heiter, bei milderer Nacht tagsüber wärmer, nur zeitweise windig. _____'_______Näheres durch die Gienener Wetterkarte. Israelitische Religionsgesellschaft. ($ottesbienft. Sabbathfeier am 30. April 1904. Freitagabend 7.15 Uhr. Samstag vormittag 8.00 Uhr. Nachmittag 4 Uhr, SabbathauSgang 8.30 Uhr. Wochengottesdienst: morgens 6.30 Uhr, __________ abends 8.30 Uhr. tzlsenbatin-Z'ilung — Die Schnellfahr-Versuche, die von der Staats- bahnverwaltrlng auf der Militärbahnstrecke Marienfelde—Zossen mit Dampflokomotiven angestellt wurden, sind vorläusig zum Abschlnsie gelangt. Interesiant und nicht ohne eine gewisse Ueberraschung verliefen die Fahrversiiche der letzten Tage. Die Staatsbahnverwaltung hatte — lediglich zll Vergleichs- zwecken — auch eine unserer im Dienst befindlichen Schnell- zligSlokomotiven zu den Versuchen herangezogen. Diese vierachsigen (2/4 gekuppelten) Maschinen sind ziemlich leicht gebaut lind eignen sich in ihrer jetzigen Bauart wohl kaum für schnelle Dauerfahrten, weil die Keffel nicht genügend Dampf her- zugeben vermögen. Trotzdem zeigte sich ihre Leistungsfähigkeit steigerungsfähig, da sie ganz erheblich schneller fuhr als die Schnellzüge: bie Lokomotive beförderte den Sechswagen- zug mit einer Geschwindigkeit von 113 Kilometer per Stun de, unb zwar bei ziemlich ungünstigen Windverhältnissen, wahrend bei • nur drei Anhängewagen die Fahrgeschwindigkeit auf nahezu 12 0 Kilometer gesteigert werden konnte. So leistete unsere gewöhnliche Schnellzugs- lnaschine fast dasselbe wie die neue 2/b-gekuppelte Loko- motioe, die es bekanntlich auf 111, bezw. 118 (mit sechs Wagen) und 123 bezw. 126 Kilometer (mit drei Wagen) gebracht hatte. Dieses Resultat gestattet schon den Schluß» baß unsere Schnellzugslokomotiven eine mäßige Erhöhung ber Fahrgeschwindigkeit unbedenklich zulasten. Um aber ju Geschwindigkeiten von 120 Kilometer per Stunde übergehen zu können, wird man voraussichtlich überhitzten Dampf anwenden. Eine solche „Heißdampflokomotwe" ist von Borsig-Berlin nach den Angaben des Geh. BauratS Garbe gebaut und auf der Versuchsstrecke geprüft worden; sie erzielte 12 8 bezw. 137 Kilometer Fahrgeschwindigkeit, dürfte also für Dauerfahtten mit ea. 120 Kilometer pro Stunde völlig au8- reichen. April 1904. Barometer auf 0° reduziert Temperatur ber Luft Absolute Feuchtigkeit Relative j Feuchtigkeit I § 8 Winbstärke 1 Wetter 27. 9« 748,3 8,4 6,0 73 NE. 2 Sonnenschein 27. 9,s 749,4 5,2 6,1 92 E. 2 Heller Himmel 26. 7$6 750,8 4,7 5,6 87 W. 2 Sonnenschein T7- TF1 wii ..[I 3903 Der Vorstand. auf der Kronenmühle sein diesjähriges 3885 Brüder Schmidt 7"T- - UW 2. Man wolle Ausstellung In den Schaufenstern beachten. Emil Fischbach. Mk. 2.40. 3849 teils bescheinigt. 02441 in großer MassenauSwahl 1885 .geben werden. 3760 Pferd ca. 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Juli 1848, verheiratet, evangelisch, vorbestraft, wegen Beleidigung, hat die Strafkammer Großh. Landgerichts in Gießen am 22. Januar 1904 für Recht erkannt: Die Berufung des Angeklagten wird als unbegründet verworfen, derjenigen der Großh. Staatsanwaltschaft wird stattge^eben und das angefochtene Urteil dahin abgeändert, daß der Angeklagte wegen des Vergehens der Beleidigung im Sinne der §§ 185, 186, 187 St. G. B. in zwei Be- gangenschasten und wegen des Vergehens der Beleidigung im Sinne der §§ 185, 186 St. G. B. in einer Begangenschast in eine Gesamtgesängnisstrafe von vier (4) Monaten und in die Kosten der Berufungsinstanz, einschließlich der den Nebenklägern in dieser erwachsenen notwendigen Auslagen verurteilt wird. Den Verletzten wird gemäß § 200 St. G. B. die Befugnis zugesprochen, die Verurteilung innerhalb einer Woche nach Zustellung einer Ausfertigung der rechtS- kräsfigen Entscheidung durch Anschlag an die Ortstafel zu Großen- Buseck während einer Woche und durch einmalige Veröffentlichung in dem .Gießener Anzeiger* auf Kosten deS Angeklagten bekannt zu machen. Die Richtigkeit der Abschrift der Urteilsiormel wird beglaubigt und die Vollstreckbarkest oes Ur- dummen der .vorwärts" berichte!. ,u mann seit längerer Zeii idigungs -Verfahre« ^gestellt worden. >em Verdacht, an den Unter- er Kredit- und Spai> , wurde der Vater des sich der frühere Bankdirck- L er Vorsitzende des ferner iten in llalesund, Konsul 3 bie Sammlungen für nbigt sind. Aus gw n ein. Das hiesige HW n tzWaltion Tftit dem > ckmz D«»°»d« -x iteitiettag 6im 10® i (Hlriitiania Mermtefen, ■ [5 QnmMage zur Jttiyl- । welches ei« Wtfrii" |m T-m- $te Nqe »ü SSSfÄ* »'St, .r.tzl haben. 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