Nr. 253 Zweites Matt. 154. Jahrgang Drmuerstag 27. Oktober 1904 Erscheint tLglich mti Ausnahme des TonnlagS. Die „Gtehener §amiNenb!Stter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der ^Helklkche Lavdvtrk- «scheint momttlich einmal Gießener Anzeiger Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schem Universitätsdruckerel ÖL Sangt, Gieße»» Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulstr. K. Del Nr. 6L Lelegr^Adr.« Anzeig« Gießen, Eeneral-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gietzen. Deich „Ah, Sie kommen im Auftrag anderer Personen?' „Nein, ich komme aus eigener Initiative." „Sie kennen meine Verwandten nicht?" „Ich habe nid# die Ehre." „Was verschafft mir denn das Vergnügen Ihres suches?" Das Haus geht Mr Interpellation Marx bett’, die Wahlbeeinflussung durch Beamte der Kgl. Berg- werksdirektion zu Saarbrücken über. Marx (Ztr.) begründet seine Interpellation mit dem Hinweis darauf, daß im Prozeß des Geh. Rats Hilgers, bisher in der Bergwerksdirektion in Saarbrücken, das.Vorhandensein eines Systems zur Wahlbeeinflussung an der Saar sich ergeben hatte. Haudesminister Müller erklärt, er könne sich nur an das Erkenntnis des Gerichts halten und müsse die Erforsch- „Ja, das pflegt man zu tun. Aber würden Sie sicher sein, daß ich^Jhnen den rüUigen Namen genannt hätte? Ich versichere Sie, daß mein Name durchaus nichts zur Sache tut." „Tas mag fein. Aber Sie werden eö mir nicht Übelnehmen können, daß ich unter diesen Umständen Sie nicht empfange und jede Auskunft verioeigere." „Ich würde das im Interesse einer deckten Person lebhaft bedauern." „Tas i)t sonderbar. Plan pflegt doch in diesem Falle seinen | Namen zu nennen." Air MirbaH-Interpellatron im preußische» Abgeordneterchanse. Berlin, 26. Oktober. Am Ministertische: Minister des Innern Freiherr v. Ha mm er stein und Kriegsminister v. Einem. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildet die Interpellation Traeger, betreffend die Inanspruchnahme der Oberpräsidenten durch den Oberhosmeister Frhrn. v. Mirbach für Sammlungen, deren Erträge dem Kaiserpaare am Tage seiner silbernen Hochzeit für evangelisch-kirchliche Zwecke, insbesondere für die Mosaikverzierung der Kaiser-Wilhelms- Gedächtniskirche, übergeben werden sollen. Die Tribünen sind überfüllt. Zur Begründung seiner Interpellation führt Abg. Träger (srs. Volksp.) aus: Durch das lange Schweigen der Regierung sei im Lande der Argwohn entstanden, man wolle in dieser Frage mit Hinterhalten vorgehen. So sei ein Preßkrieg entstanden, der die mannigfachsten unkontrollierbarsten Gerüchte gezeitigt hat, denen die Regierung zu widersprechen nie für nötig gehalten hat. In allen Zeitungen der verschiedenen Parteien habe die Art und Weise, wie Freiherr von Mirbach freiwillige Geldbeiträge gesammelt hat, eine Verurteilung erfahren. Für freiwillige Gaben solle man sich an den Zug des Herzens wenden; Freiherr von Mirbach habe sich aber an den Zug des Knopflochs gewandt, (Sehr gut. Heiterkeit) und damit die Sache entheiligt. Ferner habe Freiherr von Mirbach speziell für eine Sammlung zugunsten eines Geschenks an das Kaiserpaar den genannten Behörden-Apparat m Bewegung gefetzt. Das Eingehen kleinerBeträge durch Sammlungen von Landräten wurde aber inhibiert, weil sie unbeliebt seien und nicht zum Ziele führten. (Hört, hört, links.) Da die Benutzung der Behörden ohne Genehmigung der Negierung geschehen zu sein scheine, so sei es die Pflicht und das Recht des Hauses, Aufklärung zu verlangen, denn der Minister trage die Verantwortung für sein Ressort und er wie das Haus haben daraus zu sehen, daß keine unverantwortliche Neben-Regierung entstehe (Zustimmung links). Nnn aber solle der Minister selbst ein eifriger Förderer Mirbachscher Bestrebungen gewesen sein. Er solle Drucksachen Mirbachs an die Oberpräsidenten gegeben haben mit dem Anraten, sie in den Zeitungen zu veröffentlichen. Das sei aber ebenso schlimm, als ob der Minister Sammlungen gebilligt hätte. Einem Interviewer habe der Minister Mitteilung in dieser Hinsicht gemacht; diese hätte er aber schon vor Veäagung des Hauses machen müffen. (Sehr richtig links). Wie dem auch sei, dem Minister könne der schwere Vorwurf nicht erspart bleiben, daß er Unklarheiten hätte entstehen lassen, während die Regierung die Pflicht habe, nichts zu verschweigen und nichts hinzuzusetzen. Wenn nun Sammlungen einmal da waren, so durften die kleinen Leute nicht davon ausgeschlossen werden, ihrer Verehrung für das Herrscherhaus Ausdruck zu geben. (Sehr richtig). Eine solche Sammlung aber solle und könne nur aus dem Volke entstehen. (Lebhafter Beifall). Minister Frhr. v. Hammerstein erklärt: Der Vorredner hat sich bemüht, aus der Affäre Mirbach eine Affäre Hammerstein zu machen. Ich werde dem nicht folgen. Zunächst stelle ich fest, daß eine Beeinflussung der Oberpräsidenten nicht vorliegt. Im Jahre 1902 hat Frhr. v. Mirbach diese gefragt, ob sie bereit wären, einen Aufruf zur weiteren Ausschmückung der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis- kirche zu unterschreiben. Das war unanfechtbar, zumal die Oberpräsidenten Mitglieder der Kirchenbauvereine waren. Herr Traeger hat wohl nut dem Blick des gottbegnadeten Dichters gesehen und dieser hat ihm den Blick getrübt. Er erachte es so nicht für zulässig, die Autorität der Behörden den Eingesessenen der Bezirke gegenüber für Sammlungen zu benutzen. Bei diesen Sammlungen aber hat die Autorität der Behörden licht mitgewirkt. (Bewegung.) Eine vorherige Autorisierung „Tas Interesse, welches ia- an dem Schicksal der jungen Frau nehme, welche bei Ihnen wohnt." „Ah — sagen Sie lieber der Frau, bei welcher ich wohne." „Wenn Sie es so lieoer wollen — auch so." „Sie kennen Frau Marie Brandt?" „Ich glaube sie zu kennen/' „Und nehmen Interesse an ihr?" „Ein lebhaftes Interesse." „Treten Sie ein, mein Herr — unter diesen Umstünden bin . bereit, Sie zu empfangen." , Ter alte Herr öffnete eifrig die Tür und der Frernde trat mit einem leidet sarkastischen Lächeln auf den Lippen ein. „Ist das der Sohn der Marie Brandt, wie Sie die Frau nennen?" fragte er mit einem Hinweis auf den kleinen Richard. „Allerdings, mein Herr —" Ter Anusgericytsrat errötete vor Zorn. „Ich verbiete Ihnen, mein Herr, in diesem Tone von Marie Brandt zu sprechen!" rief er, „oder ich werde Ihnen überhaupt' keine Antwort mehr geben." Lhre?'■ „Ach. das tut nichts zur Sache. Ich möchte nur eine Er- iUndiguug bei Ihnen einziehen." Ae-chs-isenvahnm und Aierrieösgemeinschaste». Die deutsche Reichsverfassung vom Jahre 1871 enLHAL in ihrenp, siebenten Kapitel wichtige Bestimmungen Richtlinien für das deutsche Eisenbahnwesen, das ja damals noch im wesentlichen auf Privatunternehmungen aufgebaut war. Nach Artikel 41 kann das Reich Eifeubahu- timen im Interesse der Landesverteidigung oder int Interesse des gemeinsamen Verkehrs auch gegen den Widerspruch der von ihnen berührten Einzelstaaten für Reichsrechnung anlegen oder Privatunternehmern übertragen und das Expropriationsrecht ausüben. Da alle großen Durchgcmgs- linien „im Interesse des gemeinsamen Verkehrs" liegen, so könnte das Reich hiernach &. B. sofort ein Retz großer elektrischer Schnellbahnlinien von der russischen biS Mir. französischen und von der dänischen bis zur schweizerischen oder östreichischen Grenze auf eigene Rechnung anlegen und brauchte die Einzelstaaten nicht einmal zu fragen. Art. 42 verpflichtet Pie Bundesregierungen, die deutschen Eisenbahnen im Interesse Les allgemeinen Verkehrs wie ein einheitliches Netz verwalten ßu lassen, und nach den weiteren Bestimmungen sollten übereinstimmende Betriebs- und Sicherheitseinrichtungen geschaffen werden. Lluch sollte das Reich die Tarife kontrollieren und namentlich dahin wirken, daß eine möglichste Gleichmäßigkeit und möglichste -Herabsetzung erzielt würde (Art. 45, 2). Es lag im Wesen des Verkehrs die Notwendigkeit begründet, daß die Eisenbahnen im geeinten Reich auch vereinheitlicht würben. Aber die Neichseisenbahnidee scheiterte an einigen Mittelstaateu, deren Regierungen und Landtagen; diese Einbuße an Selbständigkeit zugunsten des. grotzerh Ganzen zu weitgehend schien. In finanzieller Hinsicht war das Festhalten der Süd- staaten an eigenen Staats bah neu auf die Darrer ein Mißerfolg. Während die preußische Staatsbahn als Großbetrieb stetig erfolgreicher wirtschaftete und die Rente des Anlagekapitals aus mehr als 7 Proz. stieg, konnten die süddeutschen Bahnen kaum soviel erzielen, daß das Eisen- bahn'apital verzinst wird. Sie müssen vielfach sogar noch zusetzen und die Selbständigkeit der Eisenbahnen als einKel- staatlichen Luxus zum Teil aus der Tasche der Steuerzahler bestreiten. Tas ist auf die Dauer und bei ohnehin knaMenj Finanzen ein unhaltbarer Zustand. Die Ablehnung der Reichseisenbahnidee von 1876 hat also zu einer Schädigung OttOCflHCl'' £)crrn An Aer Aing. Kriminal-Roman von O. Elster. (Nachdruck verboten.) (Fortsetzung.) „Sollten meine lieben Verwandten mich sogar des Nachts fibern>aü)en lassen?" murmelte der Rat lächelnd. „Mögen sie — mein Leben braucht niemandes Auge zu scheuen, wenn ich es auch nicht liebe, daß sich die Menschen in mein Tun und Treiben mischen. . ." Tann schloß er die Gartenpforte zu und begab sich in das Haus zur Ruhe. Der Anttsgerichtsrat war kein Frühaufsteher. Als er sich daher am andern Morgen erhob und in das gemeinsame Wohnzimmer trat, war Marie schon zur Fabrik gegangen. Er hatte gehofft, sie würde heute nicht zur Arbeit gehen, aber er wußte wohl, daß ihr Pflichtgefühl ihr keine Ruhe ließ; hatte sie eine Arbeit übernommen, so konnte sie nichts davon zurückhalten. Der alte Herr beschäftigte sich daher, wie jeden Tag mit leichten Arbeiten im Garten, während der kleine Richard mit seinem Hündchen um ihn herum spielte. Nach einiger Zeit fuhr der Hund bellend nach der Gartenpforte. Als der Rat hinsah, bemerkte er einen Fremden, in einfachem .ouristenanzug, welcher höflich den Hut lüftete. „Aha", dachte lächelnd der Rat, „der Abgesandte meiner lieben verwandten. Bielleicht ein Arzt, der sein Gutaäxten über tnienen ( > istesznstand abgeben soll. Nun hören loir, was der £)err will." Er trat auf die Gartentür zu. ist von mir auch nicht erfolgt, eine solche war auch rechtlich wohl tatsächlich nicht erforderlich. Erst im Jahre 1903 trat ich den Vereinen Mirbachs bei; daraufhin hat er mich gebeten, in meinen Kreisen für die Sache zu wirken durch Weitergabe von Aufrufen. Da ich von dem Vorgehen des Frhrn. v. Mirbach im Jahre 1902 nichts wußte, gab ich die Aufrufe an die Oberpräsidenten weiter, mit dem Anheimstellen der Weiterverbreitung. Was Frhru. v. Mirbach angeht, so meine ich, daß ihm aus feinen Sammlungen nicht nur kein Vorwurf zu machen ist, sondern daß im Gegenteil das ganze Land, und Berlin zumal, ihm Dank schuldet für die erfolgreiche Arbeit zur Linderung der Kirchennot. (Widerspruch links, Zustimmung rechts.) In seinen Sammlungen zeigte Frhr. v. Mirbach die Vornehmheit seines Charakters; ob er dabei immer politisch klug gehandelt und ob er vermieden hat, mit seiner Stellung am Hofe in einen unerwünschten Widerspruch zu geraten, ist eine andere Frage. Wenn hier eine Verwechselung möglich war, so ist dies behoben dadurch, daß der Kaiser den Frhr. v. Mirbach auf dessen Ansuchen von den Geschäften als Kabinetssekretär und Schatullenverwalter der Kaiserin entband. Gleichzeitig hat Frhr. v. Mirbach seine Stellung in den gemeinnützigen Vereinen niedergelegt. Damit wird klar, daß die Regierung keinen Druck ausübte. (Lebhafter Beifall.) Fischbeck (fts. Vpt.) führt aus, der Minister tue erst, als wisse er von nichts, dann zeige sich, daß er selbst mitgetan; das spreche für sich selbst. (Beifall links.) Dr. Porsch (Ztr.) erklärt, das Zentrum verzichte auf eine Erörterung der speziell evangelischen Angelegenheit. v. Heydebrandt (kons.) drückt sein Erstautten über die Aufbauschung der Angelegenheit aus. Es sei lächerlich, die Freiwilligkeit der Geber in Frage zu stellen, weil ein höherer Beamter sich mit der Sache befasse. Ob alle Schritte eines Hofheamten glücklich "gewäh lt sind, unterliege nicht der Beurteilung des H auses. Seine Partei müsse es ablehnen, in dieser Hinsicht eine Präjudiz von großer Bedeutung zu schaffen; denn die Ordensverleihung sei Allerhöchstes Kronrccht, an der seine Partei nicht tasten lasse. Was ferner Frhr. v. Mirbach angehe, so sei er der Meinung, daß dessen Ehrenhaftig.- keit völlig intakt ist. (Beifall rechts.) Dr. Friedberg (natl.) führt aus, was der M i n i st e r heute gesagt, hätte er auch vor der Vertagung des Hauses sagen können und weil er es nicht tat, trage er die Schuld an der Hetze gegen Frhr. v. Mirbach. Die Angelegenheit lehre, daß es n i ch t w ü n s ch e tu s we r t sei, wenn .hohe Beamte in großer Zahl anoieSpitzesolcher Veranstaltungen träten. Was die Ordensverleihungen mrgehe, so bedürften diese der Genehmigurrg des Ministers und darum sei das Haus kompetent, wenn hier M i ß st ä n d e sich her aus stellten, solche zur Sprache zu bringen. (Beifall links.) Freiherr v. Zedlitz (freikons.) hat gegen den Minister keinen Vorwurf zu erheben. Träger habe Übertrieben. Von, einer Nebenregierung könne keine Rede sein. Allerdings glaube er auch, daß der Minister durch die Verzögerung einer Beantwortung die Mirbachhetze mitverschuldet habe. Brömel (frs. Vgg.): Wir stimmen im wesentlichen den Ausführungen des Abg. Träger zu. Nicht nur die Freisinnigen, sondern auch die Heydebrandt nahestehenden kirchlichen Kreise verurteilten die Mittel, die Frhr. v. Mirbach an gewendet habe. Nach dem Schlußwort Trägers schließt die Bestechung. „Ich bitte um Verzeihung... ich wollte Sie nicht verletzen. Kann ich grau Marie Brandt sprechen?" „Nein —" „Weshalb nicht?" „Weil sie zur Arbeit in die Fabrik gegangen ist." „Also sie arbeitet in der Fabrik? Merkwürdig —" _ '.'3°' und sü.ist einer der fleißigsten und pflichtaetreueste« Arberrermnen. ^me hat bereits die Stellung einer Äuffcherin erhalt en." „In der Tat, sehr anerkennenswert. Ich mochte aber die Frau gerne sprecheri — in ihrem eigenen Interesse — wann kann dies geichehen?" „Heure abend. Aber ich muß dann um Ihren Namen bckten." rtl „ L Ji* nicht nötig, meinen Namen zu nennen. Wollen Sie bic' Gute haben, der Frau diesen Ring zu überweisen unb ihr lagen, daß der Besitzer dieses Ringes sie zu sprechen wünsche. Lie möge nach heute abend 7 Uhr euoarten." ■r-er Amtsgerichtsrat starrte mit erschreckten Augen den Ring an, den der Fremde ihm gereicht hatte. „Tas ist ja derselbe Ring, den Marie trägt?" stammelte er. . ,"^a- ~ Also trägt sie den Ring noch? — Nun, dann wud sie den Vergangenheit nicht vergessen haben und ich bin wM, daß sie mich empfängt. Weiter habe ich Ihnen nichts zu sagen, mein Herr, ich danke Ihnen für Vhre Gefälligkeit. Sollten ^te mir im Laufe des Tages etwas mckziiteilen haben, ich wohne m bem Gasthaus zum Kaiser Franz Joseph, Zimmer Nr. 3. Ich I)alic die Ehre, Herr Amtsgerichtsrat." Er lüstete wiederum höflich den Hut und entfernte sich, ohne dem bestürzten alten Herrn Zeck zu eurer Ernnderung zu ckrssin. Tiefer befand fiel) in der Tat in einer grenzenlosen Verroirr- nng. Er starrte d.u seltsam ans zioei verschlungenen Händen, die einen funkelnden bin bin hielten, gesinnten Ring noch immer an, als der Fremde schon den Garten verlassen hatte. (Forlietzung ivlatj „Wünschen ^ie mich zu sprechen, mein Herr?" „ch . bitte um die Vergünstigung einer kurzen Unterredung", der Fremde höflich, „sofern ich die Ehre habe, den -'U.rchttsrat Wernecke vor mir zu sehen." bin ich in der Tat, und mit nxui habe ich die „Und der Vater?" ~ „Sie scheinen rasch auf Ihr Ziel loözugehen, Herr Sv und en »r mit aller ihrer leider nicht geringen Macht, das gemeinsame volkssreundliche Wahlreformwerk der Regierung und der zweiten Kammer in der erstrn Kammer zu Falle zu bringen und behaupten trotzdem mit seltsamer Hartnäckigkeit, „liberal" zu sein. H'arlamcnlarischcs. Darmstadt, 26. Oft. Der Erste Ausschuß der zweiten Kantmer befürwortet die Regierungsvorlage Betreffen5 die Wieder y erstellun g t> e 9 f cn b it r n er Schlosses zu Offenbach und beantragt, die 44500 Mk. als tm Wege des Staatskredits aufzubrinaend zu bewilligen. — Der dritte Ausschusi beantragt: die Vorstellung der Mühlenbesitzer Jakob Schmidt IV. und Konrad Schmidt II. von Holz? hausen für begründet zu erklären und die Großh. Negierung zu ersuchen, die Petenten von der Verpflichtung einer .Hundesteuerzahlung zu entbinden. — Ter Erste Ausschuß beanttagt, der Vorstellung des Großh. Straßenmeisters i. P. Marn dttimrich zu Bensheim, betreffend anderweitige Regelung seiner PensGnsverhälttnsse keine Folge zu geben. — Die Regierungsvorlage betreffend Entwurf eines Gc- fetzes, die Ausfertigung von Schuldverschreibungen des Staates u n d der K o m m u n a l v e r b ä n d e findet die volle Zustimmung des 1. Ausschusses. Berlin, 26. Olt. Die „Fr. deutsche Pr." meldet, die freisinnige Volks Partei des Mgeordnetcnhaicses beschloß, die Angelegenheit der Verstaatlichung der Hibernia zum Gegenstände einer Interpellation zu machen, die den Landtag demnächst beschäftigen wird. — Wie verlau.tet, ist die Interpellation der freisinnigen Volkspartei zum S ch u l st r e i t zwischen dem Kultnsrnini- sterium und der Stadt Berlin im Mgcordnetenhause vertagt worden, weil noch weiteres Material zur Beurteilung dieser Angelegenheit gesammelt werden soll. Fircr und 3foftr. Berlin, 26. Oft. Das „Militärwochenblatt" meldet: Der König von Sachsen, bisher st la suite des Garde- schützen-Bataillons, ist zum Chef des Ulanenregiments Rr. 16 ernannt. Bei dem ersten Seebataillon wird er aucE) ferner st la suite geführt. — Der Stadtkommandant von Diedenhofen hat dem „Elsässer* zufolge unter Aufbietung militärischer Macht von dem Gelände neben der neuen Kreis-Direktion Besitz ergriffen, wegen deffen ein Besitzstreit zwischen Stadt und Militärverwaltung entbrannt ist. Ein Posten unter Gewehr sowie ein Leutnant überwachen die Gesteckung deS Geländes, die durch die Fortifikation vorgenommen wird. Die afrikanischen Aufstände. Oberst Leut wein meldet aus Reboboth vom 21. Oktober : In dem Kampfe gegen die aufständischen Witbois sind gefallen: Farmer — ehemaliger Reiter — Meinig. — Rach einer telegraphischen Meldung des Gouvernements aus Windhuk vom 25. d. M. beruht die Nachricht von dem Tode des Bezirks Hauptmanns v. Burgsdorfs, des Missionstechnikers .Holzapfel und des Farmers H u ß- feld auf einer Meldung des Leutnants Freiherrn von Maltzabn, der in Gibeon war. Nähere Nachrichten fehlen noch. Frau v. Burgsdorfs befindet sich in Gibeon in Sicherheit, desgleichen in Tsuhnis die Frau des getöteten Farmers FricciuS. Ter früher als tot -gemeldete Farmer Georg Bräuer befindet sich mit seiner Frau und zwei Kindern in Rehoboth in Sicherheit. Dagegen ist der Tod von Fräulein Bräuer amtlich bestätigt. — Die erfolgte Beerdigung des Gouvernementstierarztes Dr. Albrecht, der Farmer Hermann, Meinig und Friceius und des Fräulein Bräuer wird vom Tistriktschef in Rehoboth gemeldet. Aus jeder neuen Meldung, welche General v. Trotha über den Stand der Operationen gegen die Herero abstattet, geht mit immer größerer Deutlichkeit hervor, daß hier erhebliche militärische Leistungen nicht mehr zu erwarten sind. Der Feind hat sich zwar bis jetzt noch der Verfolgung unserer Truppen mit seinen Hauptmassen zu entziehen vermocht, aber zu aktivem Widerstand ist er nicht mehr fähig. Das bedeutet immerhin für die Krieg- flihrung gegen die aufständisch gewordenen Hottentotten eine wesentliche Erleichterung. Die neueste Meldung des Generals v. Trotha lautet wie folgt: „Major Mühlen fels hat Oberbefehl im Norden. Hauptmann Hu mb rächt sperrt mit 1. Bataillon 2. Regiments, 7. Batterie, zwei Maschinenkanonen, einem Maschinengewehr Wasserstellen am Epukirofiuß von Otjimanan- gombe bis Kanduwe, hält Sturmseld und Ombakaha besetzt und hat Postierungen in Eware, Okatjekuri und Okowaru- mende; 6. Kompagnie 2. Regiments geht nach Gobabis. Estorfs gelangte 30 Km. Eiseb-Fluß abwärts, fand zersprengte Herero aller Stämme an mehreren Wasser- löchern. Herero ermattet, wider st andsunfähig. Weggeworfene Gewehre, sehr viel verendetes Vieh ge- filndcn. Gefangene sagen übereinsttmmend aus, Samuel sitze an einer Wasserstelle vier Tage nordwestlich von letzterem von Estorfs erreichten Wasserloch, habe fast alles Vieh, Hälfte seiner Leute verloren. Estorfs bleibt zunächst in Gegend Owinaua—Naua. Im übrigen Absperrung wie bisher." lieber irrtümliche Beschießung von Deutschen durch Deutsche bei einem Zusammenstoß nach den Gefechten am Waterberg wird in Briesen eines Mitkämpfers in der „Schles. Ztg." berichtet: Kaum stand die Kompagnie in Omatupa zum Abmarsch bereit, und Leutnant v. Bojanowsky wollte gerade als Spitze vorgehen, als der Posten vom Baume meldete, daß drei Herero über die Pad gegangen seien. Um die Kerle aufzuheben, wurden sofort drei Reiter abgeschickt, ' och kaum hatten fie ihre Pferde abgegeben, als der % en meldete, es sind mindestens zehn Kaffem, worauf Leutnant v. Bojanowsky sich entschloß, mi't seinem 17 Mann starken Zuge vorzugehen. Kaum hatte er den Befehl zum Abaeben der Pferde gegeben, als ein furchtbares Schnellfeuer begann. Nun hieß es, „Pferde zurück und Schützenlinien gebildet!" Wildes Durcheinander. Tie Pferde wollen in den Dornen nicht laufen, da zu beiden Seiten feuernde .Herero, hinter uns aber die bereits ihr Feuer eröffnende Vattertc stand. Leider feuerte sie zu kurz, und einige Schrapnells krepierten über unseren Schützen. Ein Pferd bricht nach dem anderen zusammen. Leutnant Schmidt, der links von der Artillerie mit zwei Maschinengewehren Aufstellung genommen hatte, und gerade das Feuer eröffnen wollte, wird, da gerade vor ihm die Schützenlinie der 2. Kompagnie tvy ', nach dem linken Flügel der 2. Kompagnie dirigiert. T. r. "-nie war inzwischen durch eine von uns abgeschickt. ? rouille zum Schweigen gebracht worden, da sie stets zu krz schoß, und der Major befahl infolgedessen nach dem Gefecht, daß für den Fall, daß ein Truppenteil • inen anderen derselben Abteilung beschießt, der beschossene Tr: >->enteil erst das Signal des ihn beschießenden Teuppentei:'^ und daun „Du bist verrückt, mein sthib" blasen lassen solle. Die „Nordd. Allg. Z^tg." schreibt, die Mättermelbung' könne nur auf einem Mißverständnisse beruhen, nach welcher in Südwestafrika Sendungen an Mannschaften des Expeditionskorps nu? als Fe ld p o stp a ke t e zollfrei ein gehen, für Offiziere Hb'er auch als gewöhnliche Pakete. Die Norddeutsche fügt hi:tzu: Merdings wurde b'ei dem Regime des Aufstauens der Gouverneur zunächst telegraphisch angewiesen, Feldpostpakete für zollfrei zu erklären. Ein späteres Telegramm dehnte die Zollfreiheit auf sämtliche mitgeführteu und nachgesandten Ansrüstungs- und Bedarfsgegenstände der Truppen und der Truppenangehörigen unter ausdrücklicher Erwähnung von Tabat und Zigarren aus. , Ein Unterschied besteht nur in dem einen Punkte, daß in: Privatbesitze der Offiziere befindliche Waffen und Munition zollfrei find. Dieser Unterschied bericht darauf, daß die Mannschaften keine Privatwasfen mitführen. Selbst- verstäiidlich sind auch die Liebesgaben für zollfrei erklärt worden. Hamburg, 26. Okt. Heute nachmittag 4 Uhr ging der Dampfer „Gertrud Woermann" mit 25 Offizieren, 375 Unteroffizieren und Mannschaften, sowie 375 Pferden nach Südwestafrika ab. Der kommandierende General hielt eine AVschiedsansprache, die mit einem dreifachen Hurra auf den Kaiser schloß. Bei der Llbfahrt des Dampfers war auch Generaloberst v. Hahnke zur Verabschiedung seines Sohnes, des Hauptmanns Hahnke, anwesend. Ans und Km»-. Gießen, den 27. Oktober 1904. ** Stadtverordnetenwahl. Wir machen auch an dieser Stelle auf die Bekanntmachung der Bürgermeisterei im Inseratenteil aufmerksam, wonach die Liste der Stimmberechtigten vom 28. Oktober bis einschließlich 4. November zu 'jedermanns Einsicht offenliegt. Dem he^ltigen Blatte liegt ein 2lbdru k der Wählerliste bei. Nach Artikel 13 der Städteordnung sind wahlberechtigt: 1. alle in der Gemeinde wohnenden Ortsbürger, 2. alle männlichen Einwohner, welche die deutsche Rcichsangehörigkeit besitzen und seit zwei Jahren ihren Unterstützungswohnsih in der Gemeinde erworben haben, jedoch unter der Voraussetzung, daß sie zurzeit der Wahl 25 Jahre alt und vom 1. April des dem Rechnungsjahr, in welchem die Wahl stattfindet, vorhergehenden Jahres an in der Gemeinde kommunalsteuerpflichtig sind. Nichtortsbürger müssen danach 4 Jahre hier wohnhaft sein und seit 1. April 1903 Gemeindesteuern zahlen. Bayerische Staatsangehörige sind nicht wahlberechtigt, weil fie einen Unterstützungswohnsitz nicht erwerben können. Nach Artikel 14 der Städteordnung kann die Stimmberechtigung von denjenigen nicht aus- geübt werden, welche: 1. unter Vormundschaft oder Kuratel stehen, 2. über deren Vermögen Konkurs erkannt worden ist, während der Dauer des Konkursverfah-rens, 3. infolge strafrechtlicher gegen sie ergangener -rechtskräftiger Verurteilung von der Stimmberechtigung ausgeschlossen sind, 4. zurzeit der Wahl zu ihrem Lebensunterhalt eine nicht blos vorübergehende Armenunterstützung aus öffentlichen Mitteln beziehen oder in den letzten der Wahl vorhergegangenen zwölf Monaten bezogen haben, 5. mit der Entrichtung der Kommunalsten er zurzeit der Wahl länger als zwer Monate sich im Rückstand befinden. Die nach Vorstehendem Wahlberechtigten, welche ihren Namen nicht in ber Liste finden, haben das Recht, Einspruch bei der Mrger- meisterei zu erheben und ihre nachttägliche Aufnahme in die Liste zu b'eanttagen. Es empfiehlt sich, bei der Reklamatton eine Aufenthaltsbescheinigung des polizeilichen Meldebureaus und die Gemeindesteuerzettel von 1903/04 und 1904/05 vorzulegen. Wir erfahren übrigens, daß die Wahl jedenfalls nicht vor dem 21. November stattfinden kann. Aus Lehrer kreisen schreibt man uns: Tie in Nr. 251 des „Gieß. Anz." angezogcne Verfüqung, nach der die körperliche Züchtigung als Tiszivlinarmittel beim Unterricht in Wegfall kommt, bezieht sich nur auf die Fortbildungsschule. In der Volksschule ist dem Lehrer das Recht der körperlichen Züchtigung nicht nur nicht beschränkt worden, sondern es sind im letzten Jahre durch ministerielle Verordnung alle früheren einschränkenden Bestimmungen in Wegfall gekommen, sodaß auch bei Mädchen und Kindern in den zwei ersten Schuljahren die körperliche Züchtigung nicht mehr verboten ist. Unsere Ueberzeugung aber ist, daß in den hessischen Volksschulen künftig eher weniger als mehr „geprügelt" werden wird; denn der Lehrerstand weiß das ehrende Verttauen, das die Regierung mit dieser Verordnung in ihn gesetzt hat, wohl zu würdigen. Zu der Notiz, daß das Regiment Nr. 118 die Volksschnl- lebrer vom Offizier - Aspiranten-Unter richt ausgeschlossen habe, seien folgende Bemerkungen gestattet: Undere Regimenter haben öffenbar an der Zugehörigkeit eines Einjährig- Freiwilligen zum Volksschullehrerstand keinen Anstoß genommen. So ist uns bekannt, daß in verschiedenen hessischen Regimentern — nuefi im Regiment „Kaifrr SBitMm" in Kictz-n — schon »M. reiche VolUschuttehrer am Aspirantenunterrickt bis zum S«nß teilgenommen und auch die bett. Prüfung bestanden haben. Ans den Prozentsatz der „Zugelassenen" und „Bestandenen" dürfte vielleicht gerade der Lehrerstand in Hessen stolz fern im Vergleich zu anderen Ständen, lieber ihre Stellung zu der „Reserve- Lsfiuers-.Herrlichkeit", wie die „Hess. Schulblätter" sich aus- drücken, sind sich die Lehrer klar, und an dieser „Herrlichkeit" hängt ihre Seele übrigens gar nicht so sehr, als das genannte Blatt vielleicht amummt. Wenn die deutschen Volksschullehrer für sich den einjährig-freiwilligen Heeresdienst erstrebten, so geschah das in erster Linie mit der wohl ebenso erklärlichen Ivie berechtigten Absicht, ans einer militärischen Ausnahmestellung herauszukommen, unter der ihr Ansehen lang genug gelittzn hatte. Und die Beseitigung dieser Ausnahmestellung war vielleicht den militärischen Behörden ebenso erwünscht und angenehm als dem Lehrerstand selbst. ** Unglücklicher Fall. Ein auswärtiger Schüler des yiesigen Gymnasiums' siel beim Spielen auf dem Hofe der genannten Lehranstalt mit dem rechten Beine so unglücklich auf das eiserne Geländer, daß unterhalb des Knies eine große Wunde entstand, welche in der Klinik zu genäht wurde. C. Wäschedieb st a h,l. In der Rächt vom 25. auf 26. l. MtS. wurden von bis jetzt noch unbekannten Dieben au§ verschiedenen HauSgärten in der Liebig- und Hosmann- straße eine Anzahl zum Trocknen aufgehängt gewesener Wäschestücke gestohlen. C. Unehrliches Dien stm ädchen. Wegen eines zu Garbenteich verübten Gelddieb st ahl§ wurde gestern hier ein Dienstmädchen in Untersuchungshaft genommen. Es batte sich von dem entwendeten Gelde eine Uhr und sonstige Schmucksachen gekarcst. lHerichtssnak. Gießen, 26. Okt. Tie in dem Bericht vom 25. d. M. über die Kriegsgerichtsverhandlung gegen die Oberleutnants A. und v. d. H. und den Geftcitcn Sch. auf Grund privat geäußerter Zeugenbekundungen veröffentlichten Pinsel beite» uirCn von unterrichteter Seite erfahren, Homburg, 26. Okt. Vor dem hiesigen Schöffengericht /)urde _gegen den Chemiker I. H. Herzogenrath von verhandelt, welcher der unbefugten Führung m St. *1?Vortitels angeklagt war. Es begab sich aus dieser Verhandlung, daß der Angeklagte Sitzungen mit einer Som- na mb ul en abgehalten hatte, worin diese auf sein Befragen über die Gesundheitsverhältnisse seiner Patienten Auskunft gab, iielvit wenn tiefe nicht anwesend waren, sondern nur einige ■ «t Zacken abgeschnittene Haare einge- cÄlt Aus den bei ihm vorgefundenen zahlreichen Briefen Krauter ergab sich, daß die Dummen auch heute noch nicht alle werden. Im Hinblick auf die beabsichtigte Täuschung des Publikums zu betrügerischen Zwecken, die durch die Annahme des ^oktortitels unterilützt werden sollte, wurde gegen den An- geklagten auf eine Geldstrafe von 50 Mark erkannt. — Das Aus- falligit-e hierbei i|t aber, daß Aerzte es nicht unter ihrer Würde erachten, einen derartigen Schwindel zu unterstützen, wie sich auch wieder in diesem Falle zeigte; denn ein praktischer Arzt, Tr. I. Bergmann von Leipzig, hatte dem Angeklagten schriftlich bezeugt, , serner Sitzungen die somnambule die Gehirn- beichackenheit eines epileptischen Patienten genau geschildert und in k emCnt anderen r^alle eine richtige Diagnose auf das Herz- und Nierenleiden einer nicht einmal anwesenden Person gestellt yj™ are lranlhaften Berändernngeii im Innern ihrer Nieren zu- ..^^^an^habeU — Solange derartige Tinge noch slnd, ist auch die Hoffnung vergeblich, daß durch eine ge- seüigt^loe^^algung des Kurpfuschertums dieser Schwindel be- ' 29; ^kt. (Prozeß d'Autrich e.) d'Autriche gibt nähere Einzelheiten über seine Buchführung und räumt ein, daß er ewige N a d i,e r ungen gemacht habe, aber ohne irgend eine betrügerische Absicht. Hauptmann Marechal erklärt alsdann, er habe ui Bürich ernem Spion, der sich den Namen A u st e r l i tz beilegte, 25 000 Fres. übergeben, dieser habe eine Empfangs- beicheinigung ausgeferligt, die aber verloren sei. m ^^u^leilung eines früheren Rechtsanwalts. der 5. Strafkammer des Landgerichts Dresden hatte sich der Rechtsanivalt Pirngruber, 1869 zu Kronach in Bayern geboren, wegen Unterschlagung zu verantworten. P. übte bis 1899 bie Rech-tsanwaltspraxis in München aus, hatte dort in einem Weinlokal ein heftiges Renkontre mit Galten und benahm sich bei dieser Gelegenheit derart, daß das Ehrengericht der bayrischen Anwaltskammer gegen P. ein» schritt, ihn zu 1000 Mark Geldstrafe verurteilte und der Würde eines Anwalts für verlustig erklärte. Gleichzeitig erfolgte auch oer finanzielle Zusammenbruch des Anwalts, nachdem kurz vorher seme erst 1898 geschlossene Ehe wegen Geisteskrankheit der Frau geschieden worden war. 1900 siedelte P. nach Zürich über, begründete dorthin sog. Nechtsbureau und trat gleichzeitig zu einer verheirateten ^äpoeizerin in ein intimes Liebesverhältnis. Tas- selbe erlitt nach zweijähriger Tauer eine jähe Unterbrechung, als der ehemalige Münchener Rechtsanwalt plötzlich aus Zürich verschnxrnd. Er hatte nämlich von einem Züricher Glasermeister den Auftrag erhalten, eine Erbschaft in Höhe von 540 Mark gu beheben. Diese Ordre führte P. zwar aus, er ergriff aber mit dem Gelbe die Flucht, hielt sich eine Zeitlang in London aus und kam bann gänzlich mittellos nach Deutschland zurück. Nach mancherlei Kreuz- und Querfahrten, und nachdem die Züricher Gerichtsbehörde hinter dem Flüchtigen einen Steckbrief erlaisen hatte, tauchte der Gesuchte schließlich in Dresden auf und nahm Quartier in einem hiejsigen Gasthof. Bei einer polizeilichen Revision wurde er auf Grund des Steckbriefes festgenommen. Nach einem Uebereintommen mit den schweizerischen Behörden wurde P. vor dem hiesigen Landgericht abgeurteilt. Auf Grund seines' Geständnisses erkannte der Gerichtshof auf eine Gefängnisstrafe von acht Monaten. ______________ Kandel und DerKehr. Wolkswirlschaft. Reichsbank. Am 14. November wird in Arnsberg (Westfalen) eine von der Reichsbankstelle in Hamm abhängige Reichsbanknebenstelle mit Kafseueinrichtung und beschränktem Giroverkehr eröffnet werden. Russische Ber handlun g en. Erst gestern konnten wir mitteilen, daß ine russische Regierung vorerst nur einen kleinen 'Betrag ihrer in Paris aufgenommenen Anleihe an sich genommen hat und daher noch ausreichend versorgt zu sein scheine. Demgegenüber meldet nun der „Standard", daß Rußland eine 5 proz Anleihe von 54 Mill. Lstc. in Schatzbonds aufnehmen wolle, wovon die Hälfte von Deutschland und der Rest von Frankreich, Belgien und Holland aufzubringen sei. Der erste Teilbetrag von 40 Mill. Lstr werde jedoch md# vor Januar nötig sein. Andererseits meldet nun ein Korrespondent der „F.-Z." aus St. Petersburg, daß sich gegenwärtig die Herren Geheimrat v. Mendelssohn-Bartholdy und C. ^iichel von dem Berliner Bankhaus Mendelssohn u Co in Petersburg befinden und wiederholt Besprechungen mit dem Finanzminister hatten. Es handle sich, wie der betreffende Korrespondent auf Grund der allerbesten Informationen versichern kann, nicht um eine neue russische Anleihe. Zu gleicher Zeit rst Herr Direktor Rothstein von der Petersburger Internationalen Handelsbank in Paris, um über Angelegenheiten der russisch- chinesischen Bank zu unterhandeln. Auch hier soll feine neue russische Anleihe in Frage kommen. Um nun alle Nachrichten hier wiederzugeben, sei noch mitgeteilt, daß an der gestrigen Frankfurter Börse Pariser Tepescl-en verbreitet waren, laut welchen angeblich die Begebung neuer russischer Schatzbonds im Betrage von 1 Milliarde Frs. unmittelbar vor dem Abschluß steht. Von der Londoner Börse. Ten Meldungen zufolge beginnt jetzt erst der russisch-englische Zwischenfall den Londoner Markt erheblicher zu beunruhigen. Es werden von dort ermattete Kurse gesandt, sowohl für Konsuls und internationale Fonds, Urie für Amerikaner und Goldshares. Tie spekulativen Engagements sind auf den beiden letztgenannten Gebieten stark angewachsen. Jede unangenehme Störung wird daher sehr empfunden. Märkte. (th.) Gießen, 26. Okt. Ter gestrige Viehmarkt hatte einen Vorrat von etwa 40 Gangochsen und 900 Schweinen. Ein eigentlicher Handel in Fahrvieh fand wegen Mangels an Käufern nicht statt, doch handelten die Verkäufer unter sich; man tauschte aus; nur wenige Paare wurden für die oberhessische Landwirtschaft angekauft. — Ter Schweinemarkt war wieder recht flau und die Ware war nur zu recht gedrückten Preisen anzubringen. Erheblich schlugen besonders Ferkel im Preise ab, während Läufer, speziell kräftigere Tiere, eher noch auf ihren Preis kamen, aber auch nur zu weichenden Preisen zu verkaufen waren. Gesucht waren gute Einlegschweine, die von den Händlern in Hannöverscher Ware an den Markt gebracht worden war, und für welche auch angemessene Preise bezahlt wurden. Es wurden gehandelt pro Paar: Fahrochsen zwischen 700—800 Mk., Ferkel bis 10 Wochen alt, 25—32 Mk., bis 16 Wochen alt, 38—45 Mk., leichte Läufer 50—80 Mk., schwere Läufer 90—110 Mk., Einlegsckstveine das Stück 70—80 Mk. Ter Schweinemarkt blieb stark in Ferkeln und leichten Läufern überständig. Nächste Markttage 22. und 23. November d. I., am zweiten Tage auch Krämermarkt. (P.) Gießen, 27. Okt. Ter gestern abgehaltene zweite Zwievelmarkt war mit Ware noch knapper versehen als der Markt vor 14 Tagen, denn es standen höchstens 60—80 Zentner zum Verkauf. Tabei waren die gekommenen Käufer überaus zahlreich und entwickelten eine so rege Kauflust, daß die Preise der Zwiebeln noch höher wurden. Wetterauer Gewächs war der Zentner unter 10 Mark nicht zu haben, und der kleine Vorrat davon wurde bis Mittag abgesetzt. Auch die norddeutsche yn9OLm in die Höhe und erzielte 8—9 Mark. Zahl- reipe Hausfrauen und Hausväter kamen um Zwiebel zu kaufen gestern am Nachmittag vergeblich nach Oswaldsgarten, berat ber für den Bedarf viel zu kleine Markt war schon gleich nach 2 Uhr ausverkauft. ioa -2 „ «Landwirtschaft. Die W eizenausfuhr aus den Vereinigten Staaten scheint im laufenden Jahre den niedrigsten Stand zu erreichen, den der Ausfuhrhandel in einer Reihe von Jahren zu verzeichnen hat; die Ausfuhrziffern während der ersten neun Mvnate dEsJahres betrugen weniger als 10 Millionen Bushels gegen 55 Mill. Büchels in derselben Zeit des Vorjahres. Auch bei der Mehlausfuhr beginnen sich die Wirkungen ber für die Ausfuhr nur geringen verfügbaren Mengen Zn zeigen; für die neun ersten Monate dieses Jahres belief sich die Ausfuhr nur auf 5 Millionen Faß gegen 13y2 Millionen Faß gleichzeitig 1903 Um deutliche Angabe des Namens und Adresse wird höfl. gebeten. ABTEILUNG: E. T. THE AMERICAN CEREAL COMPANY, Kaiser Wilhelmstrasse 82, Hamburg. Quaken Oats wird am besten und vorteilhaftesten in einem Quaker Oats Kocher zubereitet. 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CO s O 0 O' iS er o «x. o 'es -i 2 er ? o O " S er LS«orÖ S Ä ° © s- S s ST es 22 .. s 3 CD 2 ’ .0- S 3 2 n er o JT. er s So5 = e&©cas ” 2 ®c ö •— 3 Ä O CD ° er u» CO o p Uv <2- <10 Z s 67Ö® 2 " ■ ro <0 <0 5 c_cp co 0 0 2.« 3 Co o 2. rL o" *3 @ rr <-i " e VT' Or ro' S c»-» bD L9Z o 3 CZ 2 MG 3 g' 5" Artikel für den flachen und plastischen Ticsbraud. Ltciiiilrast 68. VillL. NMer. LtciOiU 68. Strickwolle (Marke M. & K.) in allen Farben und Qualitäten zu billigsten Preisen Rockwolle. 5$ J. H. Fuhr-, Loirneiislratze 25. Stritten von Strümpfen, Röcken re. wird billigst besorgt ^"^h stehen Musterröcke zum Abstricken zur Beringung. 78ol (Inh.: Carl Haas jr., Gieße«) Ringjcfen-IHaEh werke. Gm- luii WeiMsilstalk i.~ 6t(M stet» vorrattg. D^e Telephon: Kaltwerke Rr. 200, Kontor Nr. 282. Rlesen-Wirfing, 6-8 Pf'd. schwer 1 , 20 . 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Konzert] ahr. v /to Sonntag den 30. Oktober 1904, abends SVt Uhr Im grossen Saale des Gesellschaftsvereins: Erstes Konzert (Erster Kammermusik-Abend). Ausführende: Gesang: FranHensel-Schwellzer,Opernsängerin, FrankfurtaM. die Herren: Adolf Rebner (Violine) aus Frankfurt a. M. Alfred Lorenz (Violine) aus Wiesbaden. Josef Netterer (Bratsche) \ an3 Frankflirt a. jt Johannes Hegar (Violoncell) ) 6. Trautmann (Klavier).