Erstes Blatt. Jahrgang Mittwoch 27. Juli 1904 Nr. 174 Erscheint täglich außer Sonntag-. Dem Gießener Anzeiger werden im Wechsel mit dem Kesfischen Landwirt die Gießener Kamilien- Hätte? Dtermal in der Woche beigelegt. 9totartonSdruck ll Verlag der Brühl 'schon Unrvers.-Buch-u. Stein» druckerei. 8t Lang«. ÖUbafttxm, Erpedittoa und Druckerei: Schul ft raße 7. Adresse für Depeschen: Anzeiger Gießen. FerniprechanlchlußNr 51. O '■BST A vezngSprel-r jff TST ” KW HM monatlich 75Vf., viertel» GietzenerAnjeiger ’J ««ral-AnM,» ° « 2=®s* Amts- und »nzeigeblatt für den Kreis Sieben W?Z —___________________________ ____ zeigenteil: Hans Beck. Are heutige Kummer umfaßt 8 Seite«. Bekanntmachung. Betr.: Bläschenausschlag Großen-Linden. In verschiedenen Gehöften der Gemarkung Großen- Linden ist unter dem Rindvieh der BlaSchenausschlag ausgetreten. Die durch § 50 des Reichsviehseuchengesetzes vom 23. Juni 1888 bezw. 1. Mai 1894 und des § 117 der Reichsinstruktion vom 27. Juni 1895 vorgesehenen Maßnahmen sind angeordnet. Gießen, den 26. Juli 1904. Großher'.o glich es Kreis amt Gießen. I. V. Haberkorn. Bekanntmachung. Das Proviantamt hat den freihändigen Ankauf von Roggen und Roggenrichtstroh diesjähriger Ernte zu den gangbaren Tagespreisen ausgenommen. Der Heuankauf wird nach Maßgabe der verfügbaren Lagerräume fortgesetzt. Die Einlieferung der Naturalien — Roggen jedoch nur in Waggonladungen von 10 oder 15 Tonnen — kann an jedem Wochentage von 8—12 Uhr vormittags und von 2—4 Uhr nachmittags erfolgen. Gleich nach Beendigung der diesjährigen Haferernte beginnt auch der Haferankauf. Hanau, den 22. Juli 1904. Königliches Proviantamt. Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Pflasterarberten wird der Schiffenbergerweg zwischen Licher- und Bergstraße von heute an bis einschließlich den 28. ds. Mts. für den Fuhrwerksverkehr gesperrt. Gießen, den 26. Juli 1904. Gro ßherz«o g l'>'?s Kreis amt Gießen. _________________Herberg._________________ Bekanntmachung. Wegen Vornahme von Kanalisationsarbeiten wird die Südanlage, zwischen Frankfurter und Bleichstraße, von heute an bis auf weiteres für den Fuhrwerks- und Fahrrad- vertthr gesperrt. Gießen, den 27. Juli 1904. Großherzoglime-5 Gießen. Herberg. Der Krieg zwischen Japan unö Zivßland. Die Schlacht bei Taschilschtao. lieber die letzten Kämpfe ist nun eine amtliche russische Meldung zu verzeichnen. Petersburg, 26. Juli. General Kuropatkin meldet dem Kaiser vom 25. Juli: Erkundungen, die in letzter Zeit täglich in der Richtung auf Kaitschou und Siahotan aus- gesührt wurden, ergaben, daß der Feind den Kamm und die Abhänge der Höhen im Norden von Kaitschou zwischen der Eisenbahnlinie und dem Tale des Tsinsahe stark befestigt. Bei Hotsiatun ging der Feind am 25. Juli 5 Uhr morgens mit etwa zwei Divisionen aus der Front zum Angriff auf dem zwischen der Eisenbahn und dem Tale deS Tsinsahe liegenden Gebiete vor. Ferner entwickelte der Feind im Süden eine Division Infanterie zwischen der Eisenbahn und dem Dorfe Hotsiatun. Seine Hauptmacht zog er in der Richtung auf Datschapu, 13 Werst südlich von der Station Taschitschiao zusammen, während die japanische Reiterei sich auf dem linken Flügel bei der Eisenbahn befand. Der Vormarsch geschah ziemlich langsam und mit Unterbrechungen. 30 Geschütze deckten ihn mit ihrem heftigen Feuer, das von den Batterien unserer Nachhut erfolgreich erwidert wurde. Tas Feuer der japanischen Batterien war anfangs aus die Höhen bei Mahuntsuiki und Jaslinki, 10 Werst nördlich von Kaitschou, gerichtet, die allmählich von unseren äußeren Feldwachen geräumt wurden. Auf die vorrückende japanische Infanterie eröffnete unsere Nachhut Gewehrfeuer. Oberst Loesch führte die Nachhut rechtzeitig auf die neue Stellung bei Datschapu weg. Hierbei fuhren unscre Batterien, die mehrere m ale ihre Stellung wechselten, fort, das feindliche Arlillerieseuer zu erwidern und richteten ihr Feuer mtd) aus die Infanteriekolonnen des Feindes. Gegen 9 V2 Uhr morgend rückten zuerst drei Bataillone aus dem Tale deS Tsinsahe in der Richtung auf Taschitschiao vor. Auf dieser Linie hielt eine von unseren Abteilungen zwischen Tantschi und Taschitschiao eine befestigte Stellung besetzt, sowie eine Stellung sieben Werst südöstlich von Taschitschiao. Im weiteren Verlaufe des Kampfes entwickelten die Japaner in der Richtung auf Taschitschiao etwa eine Brigade Infanterie und außerdem ein Regiment längs des Tsinsahe nach Tantschi hin. Um 4 Uhr nachmittags stellte der Feind den Vormarsch ein. Die Hauptmacht zog der Feind bei Mahuntsuitsi zusammen. Am Abend bezogen unsere Truppen die ihnen angewiesenen Biwaks, nachdem einige Abteilungen aus einer befestigten ©tenimg zurückgelaffen waren. Unsere Verluste sind noch nicht festge sie l ltr wie gemeldet wird, sind sie jedoch unbedeutend. Am Tage war es sehr heiß und eS kamen Fälle von tzitzschlag und Sonnenstich vor. Bei Einbruch der Dunkelheit besetzte unsere Vorhut wiederum Tantschi. Ein anderes Telegramm des Generals Kuropatkin an den Kaiser vom 25. Juli besagt: Auf der Süd front erneuerte der Feind am 24. Juli den Vormarsch. Der Kampf begann auf dem linken Flügel bei Tagesanbruch in der Nähe von Tantschi. Hierauf unterhielt der Feind 15 Stunden hindurch ein sehr heftiges Artilleriefeuer. Das Artillerie- gefecht verlief günstig für uns. Die japanischen Batterien, 7 Werst südlich von Taschitschiao, verstummten um 4 Uhr nachmittags. Um dieselbe Zeit unternahm der Feind einen energischen Angriff bei Dafanschen, um das Zentrum unserer Stellung zu durchbrechen. Unsere Truppen schlugen alle Angriffe des Gegners zurück und alle unsere Stellungen wurden von uns behauptet. Der Kampf endete um halb 10 Uhr abends. Die Einzelheiten des Kampfes und die Verluste sind noch nicht bekannt. Der Abteilungschef, der den Vormarsch de§ Feindes zwei Tage lang auf- gehalten hatte, hat alle Angriffe der Japaner zurückgeschlagen und hat nach kurzer Rast, ohne vom Feinde behelligt zu werden, begonnen, allmählich nach Norden zurückzugehen. Die russische Telegraphenagentur meldet: Eingegangenen Meldungen zufolge nahmen an dem Artilleriekampfe um Taschitschiao am 24. Juli auf russischer Seite gegen hundert Geschütze teil, Ihr Feuer, da? sehr erfolgreich war, fügte dem Feinde ernstliche Verluste zu, und zerstörte viele seiner Geschütze und MuniüonSwagen. Im Zentrum der Aufstellung gingen die Japaner zum Angriff vor, wurden jedoch zurückgeschlagen. Am 25. Juli wurde den russischen Truppen befohlen, auf die Höhen sieben Werst nördlich von Taschitschiao zurückzugehen und diese zu besehen, was auch in voller Ordnung geschah. Die russischen Verluste am 24. Juli betrugen nicht über 50 Mann. Die japanischen Verluste in den Kämpfen am 24. und 25. Juli sollen 38 0 Mann b etra gen. Die Einnahme von Niutschwang durch die Japaner. Nach einer Depesche auS Niutschwang von heute sind 50 Mann von der japanischen Kavallerie dort eingerückt. Auf den russischen Gebäuden weht die französische Flagge. Die Vorhut der Japaner ist am 26. d. MtS. früh eingetroffen. In der Stadt ist alles ruhig. lieber bije Räumung von Niutschwang sendet der Kriegskorrespondewt des „Matin" eine aus Niutschwang datierte Depesche. Er meldet: Sonntag abend nahm die Kanonade an Stärke zu. Die im Zentrum begonnene Aktion schien sich von Süden nach Osten zu bewegen Von dem Taschitsiao dominierenden Berge, der mit Geschossen überhagelt wurde, gingen Flammenblitze aus. Man hatte alsbald den klaren Eindruck, daß die Russen eine Niederlage erlitten hatten Erst die Nacht unterbrach die Kanonade, die sechzehn Stunden gedauert hatte. Die Russen, die hartnäckig im Süden Widerstand geleistet hatten, schienen nach Osten zurückgedrängt. Es geht das Gerücht, sie wären im Norden abgeschnitten und umzingelt worden Die Russen haben dann Niutschwang verlassen. Die chirresischenWürden- trager haben die Leitung der Polizei übernommen, Patrouillen von Eingeborenen durchziehen die mit Chinesen gefüllten Straßen. Die Handelsflagge ist auf den russischen Gebäuden an Stelle der Militärstcnrdarte gehißt. Vom Bahnhof steigt eine dichte Rauchsäule auf; eine tropische Atm osph äre liegt über der Stadt. Die Russische Telegraphen-Agenttlr tneldet ans Muk- den vom 25. o. M. In Sicht von Jnkau kreuzt ein japanisches Geschwader, das zwanzig Trup- pentransportschiffe eskortiert. Beschlagnahme von Schiffen. Suez, 26. Juli. (Reutermeldung.) Der Dampfer ^Formosa" der Peninsular and OrientaMnie ist von den Russen jim Roten Meere aufgebracht worden und kam unter russischer Flagge und mit russischer Bemannung hier ent. Die Beschlagnahme erfolgte durch den Dmnpfer der russischen Freiwilligenflotte „Smolensk". London, 26. Juli. Nach einer bei Llovds eingegangenen Mitteilung erhielt die Reederei des Dampfers „C a l - ch a in Liverpool eht Telegramm aus Hongkong, nach welchem der Dampfer von der russischen Flotte beschlagnahmt wurde. „Calchas" war auf der Fahrt von Pugetsormd (Nordarnerika) nach Japan und Hongkong. Aus Petersburg meldet das russische Handelstele- graphenburemi vom 26. Juli: Die gestrige Mitteilung aus Petersburg betteffs der Resultate der unter Vorsitz des Großfürsten Alexei Mexandrowitsch stattgehabten Konferenz sind falsch. Die russische Regierung ist nicht gewillt, das Recht aufzugeben, Schiffe der Freiwilligen Flotte in Kriegsschiffe zu verwandeln, analog dem Verhältnis der westeuropäischen Regierung zu den von ihnen subsidierten Dampfergesellschaften. Gleichfalls kann keine Rede von einem Verbot für die genanjnten Schiffe fein? unter der Handelsflagge die Meerengen zu passie^ ren. Nach dieser Meldung sind die Zwischenfälle wohl doch noch niM ans der Welt geschafft. Russisches Kriegsmaterial. Essen, 26. Juli. Bei der Firma Krupp liefen derart große russische Aufträge auf Kriegsmaterial ein, daß in den betreffenden Werkstätten fortgesetzt Uebelfchich- ten stattfinden. Der Ausstand in Zeulsch-Südwestasrika. Berlin, 26. Juli. Zum Stand der Dinge in Süd westafrika wird vielfach der Befürchtung Auödnlck gegeben, die Einkreisung der Herero um Waterberg, die als Vorbedingung zum entscheidenden Schlage zu bettachten ist, werde dem General v. Trotha nicht gelingen, oder wenigstens nicht so rechtzeitig, um ein Entweichen de§ Feindes in unerreicht- bare Fernen zu verhindern. Kenner der Verhältniffe behaupten sogar, größere Trupps der Herero seien bereits auf nur ihnen bekannten Wegen, also unbehelligt, nach Norden abgezogen. Wenn dem so wäre, wenn infolgedeffen die mühsam vorbereitete Operation des Generals v. Trotha nicht vollen Erfolg haben sollte, wäre das gar so tief zu beklagen? Zunächst käme eine Schlacht, die nicht ohne schwere Verluste auch auf deutscher Seite ausgehen würde, in Wegfall. Andrerseits ist zu berücksichtigen, daß die nach Norden entweichenden Herero schwerlich geneigt sein dürsten, auf deutschem Terrain zu bleiben. Der Boden hier ist heiß geworden, die Zeit des freien ungebundenen Lebens in der deutschen Kolonie für die Herero endgiltig vorüber. Von ihrem Standpunkt aus erscheint demnach als das Zweckmäßigste der Ueber- tritt über den nördlichen Grenzfluß auf portugiesisches Gebiet. Dott können sie sich durchaus als Wilde fühlen und gebärden angesichts der Hilflosigkeit der portugiesischen Kolonialverwaltung. Letztere scheint übrigens mit dem Eintreffen der Gäste bereits zu rechnen. Sie erbat ans Lissabon militärische Hilfe, und sofott wurde eine Expedition abgeschickt, »um Angola gegen deutsche Uebergriffsgelüste zu schützen^, wie es in den offiziösen Zeitungen hieß. Diese lächerliche Verschleierling wird wohl selbst in Lissabon durchschaut werden. Vom deutschen Standpuntt ist es jedenfalls nicht zu beklagen, wenn die Herero über die Grenze ins Portugiefische gehen, selbst auf die Gefahr hin, daß dem General v. Trotha der kriegerische Lorbeer versagt bleibt. Am Ende kommt Alles darauf an, die Kolonie militärisch so zu sichern, daß die Lust zu neuen Anfftänden den Eingeborenen vergeht. * Berlin, 26. Juli. Sergeant Paul Schu bo th, l.Feltz- kompanie, geboren am 7. Dezember 1873 in Kliecken (Kreis Zerbst), früher im Infanterie-Reg. 93, ist am 21. Juli m Otjosondu am Typhus gestorben. Osnabrück, 26. Juli. Pater Nachtwey sandte aus Owikokorero eine Nachricht, in der es heißt: Der Typhus steht im Bunde mit der List und Tücke desFeindes. Der Krieg wird noch sehr lange dauern und wird mit jedem Tage schwerer. Politische Tagesschau. Der Königsberger Freisprnch. Fast von allen Seiten wird au dem Königsberger Zaren- beleidigungs- und „Hochverrats"-Prozeß nach dessen Beendigung scharfe Kritik geübt. Kein Rühmesblcüt in der Geschichte der preußischen Justiz, so lautet mit Uebereinstimmung das Urteil. Selbst die „Nationalztg.", die ihre Wotte vorsichtig zu wägen, pflegt, spricht von einer unbedachten Inszenierung des Prozefles, für die besonders auch das Justizministerium der Vorwurf treffe, da nach Minister Schönstedts eigenen Aussagen unter erheblich« Mitwirkung der Justizverwaltung das Bcwfahren cingdeitet worden ist. Wir glauben nicht, daß Derr Schönstedt noch in die Lage kommen wird, vor dem Parlament sich zu rechtfertigen; aber wir hätten einem sonst verdienten Staatsmann einen hefteten ^lbgang von der politischen Bühne gewünscht, als gerade dresen. Der^ Fall ist kaum dagewesen, daß erst im Verlauf der öffentliche Gerichtsverhandlungen, nachdem eine langwierig? Voruntersuchung slattgesiinden hat, das Gericht die Frage prüft, .ob überhaupt die Anklage die erforderliche rechtliche Grundlage besitzt. Alle die Erkundigungen, die durch Vermittlung des Auswärtigen Amtes über die Frage der russischen Gegenseittgkeit der Strafverfolgung eingezogen wurden, hätten ebensogut vor Monaten eingezogeu werden können. Ja, sie mußten im Interesse des Ansehens unserer Rechtspflege eingezogen werden. .Als der russische Botschafter in Berlin namens seiner Regierung den Sttafantrag gegen deutsche Staatsangehörige stellte wegen Zarenbeleidigung und Hockwerrats — verübt an Rußland —, da war der gegebene Augenblick, auf das genaueste nachZnforstben, pb das Gesetz der russischen Gegenseittgkeit vorhanden sei. Dazu bedurfte es nicht einmal eines großen Apparates: die arntlicke deutsche Neber- setzung des russischen Strafgesetzbuches gewähtte hinreichenden Auffchillß Zum mindesten lvären Zweifel erweckt worden, die durch Erkmrdigung bei der deutschen Botschaft in Petersburg alsbald ihre Bestätigung gesimden hätten. Dann gestaltete sich die Sache anders: die Staatsanwaltsckmft würde dem mssischen^Bvt- schastcr in Berlin kurzerhand mitgeteilt haben, daß dem Straft mittag nicht stattgegeben werden könne wegen Fehlens der russischen Gegenseitig kett, und übrig blieb allein die Anklage wegen Geheimbüirdelci zwecks Schriftenschmuggels naä> Rußlmid. In unbegreiflicher Weift sind diese Sicherungen, aus denen dvch^ das Verttauen sirr Rechtspflege mitberuht, außer Acht gelassen worden. Was der nissische Botschafter in Berlin, was der russische Konsul in Könittsverg erklärten, das galt absolut autoritativ. Noch im Plaidover dielt die Staatsanwlltslbaft die Meinung aufrecht, die Zusage des russischen Boffchafters her* bürge die Gegenseitigkeit. Zum Glück falt sich der Gerichtshof dieser Anffchsung nicht angcschlossen: lvir hätten sonst d.rs »venig erbauliche Sckwuspiel erlebt, daß die russisckren Justizbebörden, die es sich .gestatteten, ein deutsches Gericht durch Niä'tl^ant Wartung von Anfragen nbrr ärgste ^rzögerung der Erledictimg zn verhöhnen, den Triumph einer Verurteilung von Deutschen imdi russisckiem Muster ernteten Der nlssistbe Jasttzmmister loar so gütig, den s!Beg zur Verurteilung noch in letzter Stundi' zu weisen. Naä> seiner Ansiä'l ft' die (^genseittakert verbürgt. Das Gericht lehnte es ab, diesen Weg zu betteten. Die Sta.tts- anwiiltschast hätte gut darnn getan, ebenfa, wft sie die Am- klage wegen Zarrnbeleidignna schließlich fallen ließ, auch dir Anklage wegen „Hockwerrab^' w-ciSruwünm. Eine imholtbnrr Stellung zu räumen, ist nicht unrühmlich Was sagt denn unn der ReiiEinzler und Pttuiusch Ml- nisterpräsideut zu alledem? Die Stimmung in ber Crftcnflirtifiii ist seit dem Fall Mirbach ohnehin keme sirnndlich- Chaf Bülow'S Rückkel' von Rorderneh nach Berlin steht, wie hem mehreren Seiten gemeldet wurde, mit dem ruWchev SvmbfUt- Er nannte hier: vermischte». beiden Frauen, die für ihr Vieh Ofca# tupfen wollten, Unter zu of. bafi Me G»samt^ahl der Mitglieder de- Geschichtsvercins jich von 1600 auf 1700 erhöht habe. Im Interesse des Walde einen Selbstmörder. Herkunft noch nicht festgestellt ist, lying an einem Baume, mit seinen Füßen den Boden berührend. Den Schreck der verernv liege es, immer neue wrrranroer zu cnüerDCTr.i Der Riedner gedachte dann der Verluste, weichender Verrin Gießen, den 27. Juli 1904. — Bei der Beerdigung Sr. Erz. des Wirkt. Geheimrats Knorr von Rofenrotb in Darmstadt war die LandeSunioersität durch den Rektor Professor Dr. BraunS und die Dekane der drei Fakultäten vertreten, fe. AuS Franken, 26. Juli. In Reiersbach wurde gestern eine 27jährige Frau, die ein Kind auf dem Arme trug, vom Blitz getroffen. Das Kind wurde vom Arm zu Boden geschleudert, und auch die Frau blieb über zwei Stunden wie tot liegen. Einem Arzt gelang eS schließlich, Jayresverlammlanq des Bcrcivs für helstsche Heschichte und Landeskunde. M a r bu r g, 26. Juli. Unsere alte Hessenstadt hat wieder einmal, wie schon so oft in diesem Sommersemester, anläßlich der verschiedenen studentischen Festlichkeiten ihr Feiertags kleid cmziehen müssen. Diesmal gilt es, die treuen Hüter hessischer Ge-I schichte in Marburgs Mauern zu bewillkommnen, denn der Verein für hessische Geschichte und Landeskunde hat Marburg als £rt seiner 70. Jahresversammlung erkoren, um auch zugleich an geweihter Stätte, am altertümlichen Landgrafenschlosse, wo auch die Tagung stattfindet, den 400- jährigen Geburtstag des Gründers der Universität, des Landgrafen Philipp des Großmütigen zu feiern. Die bereits gestern abend eingetroffenen Freunde hessischer Geschichte und Landeskunde vereinigten sich, nachdem sie eine Vor-1 standssihung abgehalten, zu einem gemütlichen Beisammen- fein auf Lederers Terrasse. Heute früh besichtigten die nach ünd nach zahlreich eintreffenden. Fremden die Stadt und deren Sehenswürdigkeiten, z. B die Elisabethkirche, wo die Professoren Bauet und Landeskonservator v. Drach kunstgeschichtlichc &orträ{je hielten. Ferner statteten sie dem Rathause und der Universitätsaula mit den prächtigen Jansenschen historischen Wandgemälden Besuche ab. Gegen 10 Uhr besichtigte man das alte Landgrafenschloß, das aus dem 11. Jahrhundert als Burg stammend, malerisch auf Dergeshöhe die Stadt krönt. Kurz darauf begann im alten Rittersaal, der das gesamte Obergeschoß des Schlosses aussiUtt, die Jahresversammlung. Den Vorsitz führt Generalmajor Gisenttaut-Kassel, der auch in feiner Begrüßungsansprache seiner Freude darüber Ausdruck ver. lieh, daß man sich hier in einem historischen Saal be- finde, der ein gutes Stück hessischer (Geschichte rniterledt. Weitere Begrüßungsreden hielten namens der Stadt Marburg Beigeordneter Schimpf und namens des Gcschichis- Vereins Marburg dessen Vorsitzender Geh. Archivrat Dr. ffßrmetfe Generalmajor Gisen traut sagte allen Dank und betonte, daß diesmal die Jahresversammlung wegen der Philiopefeier nur in der Geburtsstabt und in dem ÄeburtS- hauf#* dieses Hessen fürsten hätte abgehalten werden können. kann man sich vorstellen. Was den Bedmternswertön — der gut gekleidet war —. in den Tod getrieben hat, ist unbekannt (M. Anz.) 7. Harbach bei Grünberg, 27. Juli. Hier setzte gestern nachmittag um 2 Uhr cm Blitzschlag eine Scheune mit 'lnbau des Wilh. Schäfer in Brand, so daß sie niederbrannten. g. arrnrcigrunoau, zro. . Aordernen hier eingetrofsen. — Ter preuß. Kr i e g s m i n r ste r v. E t n e nt tst von seinem Sommeranfenthalt Oberstdorf telegraplnsch nach Berlin zurückgerufen worden. . - Tu- ANg. 8t(l" fdirribt: Tcf Ck-T). CTicrtan. tat im Ministrrimii brr öffentlichen 'Xrhcitcn 1 rf> r r t ,ft .um Oberbaudirektvr mit dem Range eines Rates erster Klasse in diesem Ministerium ernannt worben. Jn bieser Erneinnrn«, die einem was chrnen technisch en Beamten znm ersten Male zuteil wirkt, tst gleuh^tttg eine verdiente Anerkentmttg für daS gesamte Maschinen- technische »u erblicken, baS irn Laufe bcrJXabrc rndyt inrr auf dem OK'&tete der Jttdnstrtc, sottdern aiicöi im tum Etefahr drohe, gleich jemand da sei, der den Vorstand benachrichtige. Bezüglich der Burg Spaiigeuberg wurde ., erwähnt, daß der drohende Verkauf dieser geschichtlich kin der »»»•;. bc. Um bie Burg nicht AcrfaTfcu ju Wen, wolle man Mt ber Kinder nicht wehr mit anhören können und deshalb An. deii Bezirksaus-schuß dafilr interessieren. Nach weiteren Dcit-'l zeige erstattet. . o r teiiimncn über bie Knssenvcrhültniffe bc« Verein«, btc ko. WormS, 28. Juli. Aus der Landsirahe zwstchen Sammlungen usw. wurde der alte Vorstand einstimmig Rhein-Dürkheim und WormS warf gestern nachmittag der wiedergewählt und Schlüchtern als nächstjähriger Versamm- Sturm eine mit 5 Personen besetzte Ehaisc um unb Iimgsort bestimmt. einen kleinen Abhang hinunter. Eine ältere Frau erlitt innere Der nunmehr beginnende Festakt zur Trinner- Pertetzungen und mußte hierher inS Krankenhaus gebracht ung an den 400jährigen Geburtstag bc9 rocrbcn Die Ucbrigcn tarnen bis auf den Kutscher, der beim Landgrafen Philipp d c S G roßrnütigen ge- . . Abschürfungen erlitt, mit dem staltete sich zu emer im hohen Grade- rmposanten denk- Dmrz vom «oae einig i) würdigri, Feier. Der sirohc Saal füllte sich bald bi« ans schrecken davon. AuS allen Teilen den letzten Platz mit F-cstteilnehmern aus dem ganzen Hessen ie. .^l uS i heluhess ,b- > ' rt ■ lande; auch RegierunüSPrSsident v. Trott zu Salz aus der Provinz treffen Nachrichten ein, daß der gestrige .Raffet war anwesend. An den Türen hielten altdeutsche »Wirbelsturm an den Obstbaumen ganz erycolichen Hcrolhc Wacht und an einem Seitencingangc ftatiben eine »Schaden angerichtet hat. _ .'lnzahl Fanfarenbläser in altdeutscher Tracht. Unter Fan-' - ~ I farenUangen zogen dann etwa 100 studentische Chargierte in Wichs mit Fahnen in den Saal ein und gruppierten sich an den Seiten. Die Liedertafel sang daim „Lobe den Herrn", worauf Gcncralmaior Giscntraut eine Begrüßungsansprache hielt. Nach ihm sprach ver Rektor der Universität, Prof. Mirbt, der auf die Bedeutung Marburg» als hessische llniversität hinwieS. Ettva 240 Studenten, der 6. Teil der Gesamtstudierenden, fei auS Hessen. Wer inS Hessenland komme imv die schönen Berge und Täler betrachte und bann das treue, biedere, seine alten (fkbräudic und Sitten festhaltende Volk kennen lerne, dem müsse das Herz aufgehen vor Freude. Die PhilippSfeicr hätte nicht besser eingeleitet werden können, wie durch diese Feier tm alten Schlosse — Marburg In etwa einstündigem Vorträge gab dann Pr Wiegand ein Lebensbild Philipps de» Großmütigen. Er schildert ihn als den bibelfestesten Fürsten seiner Zeit unb den einflußreichen Vertreter der dainaligen Zeitfragen. Zum Schluß trugen die Sanger noch das Lied „Tic Himmel rühmen usw." vor. Der mm folgende Umzug der Stu*] deuten mit den Fanfarenbläsern an der Spitze vom Rittersaal durch den Schloßhof und das gewölbearttge Schloßtor versetzte die Zuschauer in daS Mittelalter zurück. An historischer Stätte, mitten zwischen den altersgrauen Mauern »wurde hier am alten Landgrascnschlosfe ein Stück Mittelalter vor Augen geführt, daS die vielen Hunderte von Hessen, die hier standen, nie vergessen. In dem nnmittelvar I am Schlosse belegen en BückingS Garten fand dann Kvnzcrt ; unb Bewirtung der Festgäste durch die Stadt Marburg statt. Hieran schloß sich ein Festmahl im Museum mit ' nachfolgendem Olartensest Morgen begeben sich die Teilnehmer nach Haina zur Einweihung des PhilippsdenkrnalS. und Land. Ausland. «Bien, 26. Juli. Wie das „Neue Wiener ^bc'wblatf'be- rickttt. soll der König von Spanien im Laufe deS DerdUrS in Wien eintreffen. DaS Rriwvrogramm ist dalnn ab- Endete werden, daß der König zuerst dem Wiener Hofe und dann erst dem Berliner seinen Besuch adüattet. Haag, 26. Juli. Die Leicke des ehemaligen Prüsidertten von Transvaal, Krüger, ist beute hi^ emgcrronen Am Bahnhofe üb-rreickte im A-strage des ein vn^gsicher Saurmerderr der Familie Krügers einen Kranz, desien txtxeite Me Initialen der Königin und deS Prinzgemahls trug. Die Regierung war durch zwei Minister Dertrrtnu Deute abend tiiibtt die Trietfidr Beisetzung statt, welcher Ellwt, LeydS, Dr. Hevmans und Mitglieder des BurachilfSkomitees deren Ehrendoktor der Verstorbene war. Unsere gestrige Mit- teilung ist insofern zu ergänzen, als Herr v. Knorr im Jahre 1879 nach Fertigstellung deS neuen AuditoriengebäudcS zum Ehrendoktor der philos. Fakultät ernannt nmrbe; im Jahr» 1896 bei Eröffnung deS hngien. Instituts und nach Erbauung I mesfer auöfühtte. Wie grofte Witt txr Mann auf seine Frau d« neuen Kliniken wurde er ^endvtt-r der '"'diimischen « A» naö? Einritt Fakultät unb tm Jahre 1901 überreichte ihm d e juristische nne der ärztliche Befund erfrnnen läßt Nach ber Er- Fakultät anläßlich seines 50jährigen TienstjubtlättmS baßlmorbunn feiner ^011 fclwied Sander noch drei Briefe, die später Diplom eines Dr. jur. honoris causa. Herr v. Knorr hat laus dem Tische in der Wohnstube vorgesunben würben, alsbann 3-w.u™. .»UM»» Ä ® »WÄÄM w 'Ä'ÄÄ umoersitat gewirkt und seiner weisen .vursorge und Tatkraft ^nter tot in Säugen; ein noch grausigerer Anist eS mit zu verdanken, daß sich die Universität tn den letzten ^l(f 8Cigtc sich ihr aber, als sie nach ihrer im Bette liegenden Jahren so kräftig entwickelt hat. Mutter sah. Das erschrockene Kind rief sofort Hausgenossen — Polizeibericht. Gestern nachmittag gegen 6 UhrIherbei. ,, . 9fi rvn1i firfl ! wurde auf der Baustelle an den neuen n(inifbauten ein L.e des ^Gemeindevorstehers Schneider nach - voraufge- anderthalb Jahre altes Kind eine« italienischen Arbeiters, gangenem el?elick)en Zwist mit drei ihrer Kinder in welches sich dott ohne Aussicht aushiclt, von einem Fuhr- einem Wassertümpel ertränkt. Tic Frau hatte ihre werk überfahren und am rechten Oberschenkel verletzt. Den Kinder im ^lker^von 16 Wochen biS 3 Jahren mit einem Strick Fuhrmann trifft keine Schuld. Sc§waback, 26. Juli. Der Kommerzienrat Staed11ct- •• Die hessischen Taubstummenanstalten. Die\^z Gründer der toeltberühmten Nadelfabrik ist gestorben. Taubstummenanstalt in BenShetm wurde im Schuljahre * L 0nd0n , 26. Juli. DerS_ckwimmer Grcaslcy, welche« 1903/04 oon 73, diejenige in Fried berg von 56 Zöglingen im August dcu Kanal ju Jwrrfwrimmcri gedenkt, schwamm c L 1 ü u u gestern in vier Stunden 28 Minuten von Warchttngton nachdem defucht. Palast in Brighton, ohne andere Nahrung zu sich zu nehmen, •• Die fünf höheren Mädchenschulen unter staat-1 ^ls eine Tassi Bouillon und einen Biettcl Liter Bier, kicher Leitung im Großherzogtum wurden im Schuljahre ' Die Dienstmädchen langen auch schon an sich zn 1903/04 von insgesamt 2827 Schülerinnen besucht. Davon organisieren. nb.ic., I dikler Vereine unter dem vtamen w T e amwirkende banke gefunden- Berfchmelzung deS ehemaligen Brecher schen In- j, „ , s, v t e f o r c it i e e r Ä11 gründen. AIS Zweck des Der- I ttitutS einen Zuwachs von 215 Schülerinnen, der btc Er-1 b^rideS wurde bie Hebung und Verbesserung der Lebensbedingimgen nchtung von acht Parallelklaffen erforderlich machte. Die und der Stellung der Dienstmädchen innerhalb der Gesellschaft mit den Schulen in Dannltadt und Mainz verbundenen, bezeichnet, S'”64'D”b=n ttroäbnf: 1 Srnrfihmg I 1A1 cx/;f0rnin0n hriiifTU mnnnn ^.„c l lokaler Dienstmädchen-Vereine in den Städten und ans dem Lande: ^emmare wurden von 101 Cd)itjcniincn besucht, wovon auf 2 .Herstellung einer Verbindung zwischen diesen Vereinen und Darmstadt 69, auf Mainz 32 entfallen. gemeinsame Tätigkeit unter ihnen; 3. Abhaltung von Versamm- Duten Hofen, 25. Juli. Heute vormittag fanden langen und Dotträgen; 4. Herausgabe eine« MitgliedSblatteS als zwei hiesige Frauen in unserem nach Wetzlcrr zu gelegenen I Bindeglied zwischen den einzelnen Vereinen nnb den Mitgliedern; 5. I Walde einen Selbstmörder. Der Unglückliche, dessen I Errichtung von Dienstmädchen-Schulen zur Ausbildung junger Vläd- I Herlunst noch nicht festgestellt ist, Ising an einem Baume, shen in Hausarbeiten und Sprisederritung; 6 Errichtung von Heim- mit [einen ,rüsten den «oben berührend. Den Schreck der ^"en ,ür "''d °u«aedient° D.-nsi,nLdL-n. E« wnrd- I-rn-r hrihe i trauen, die für ,s,r Sieh Aras rnhfin luortten. 0,L^ i , Ift f, « V’l'" Sa"bC ,?'u 9 «.* t ‘ 's" " gegen das Dienstboten-Gesek zu entfalten. Außerdem wurde über eine Bewegung für Mschafsimg der schlechten Mädchenzimmer beraten. DaS bisher von ber Dienst- mädchen-Bereinigung in Kopenhagen allein herauS- gegebene „T i e n e ft e pi g e r ne s Bl ate^ würbe zum gemeinsamen Organ für alle a«geschlossenen Vereine gemach». Sächsische Höflichkeit. ,.Alx'r, Herr Dietche«, n»aS sollen denn immer bie Menge Buchstaben unter icber Seite Ihrer Briefe .A. ta .S. d. d. G.' uüv." rer sKconrr ncoanjn oann uvl Finnin, iuviWiT ^y... ijiny uw.............. ..... ’ , . ■ c behör zu vermieten. L. Huhi 3126 empfiehlt Hausmädchen 5468 aus. Mielgssuche zftllenÄktOe Verschiedenes (Offene Stellen Zu vevknufeu ussboden- Ä auf Gesuche 3u vermieten Lack- Farben Die Bibliothek ist geöffnet Dienstag und Samstag 8»/,—IO*/, Uhr abends, Donnerstag und Sonntag 1—2 Uhr mittags und wird den Mitgliedern eine fleißige Benutzung der reichhaltigen Bücherfammlung empfohlen. Illuslr. Zeitschriften, Zeitungen, Gesetzbücher u. f. w. liegen im Lesezimmer immer 6308] 2 unmobl. Zimmer mit Balkon z. v. Nah. Aliceslr. 22. 5643] 5-Zimmerwotmung mit Loggia, Badezimmer, Bleichplatz, i^artenanteil u. sonstigem Zubehör zu verin. Gr. «rtemiveg 28, 111. 6289] 1. Etage, b Zimmer in. Zub., Küche ui. l6as u. Bleichplatz zu pevmieteit Bleichstrage 13. Neuenweg 30 sind mehrere 3-1 ’ Zimmerwohnungen, der Neuzeit I du entfpr. einger., per Ch. zu verm s— Nah. bei p. 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