irr. A79 0*1 Artnt «»glich auüet Sonntag*. t'em G,ebener Anzeiger werben im Wechsel mit dem 6effifd)en Landwirt die' Gictzener Familien. Hättet viermal in der Woche beigdegt RotattonSbrud u. Verlag bet Brühl schen Unwertz-Buch-u. Siem« btudttei, 9t ßonge, fUbaftton, (Spiebutae und Trunetet: Schulst ratze 1, Hbrefle füt Depeschen: Änzetger Siegen, ^frritprrrbanldiluB'Jh 51. Erstes Blatt. 154. Jahrgang Samstag 26. November 1904 I I yezng»peet-t monatlich 7ö Bi.. oterteU jährlich Mk. 2.20; durch Abhole- u. Zweigstellen monatlich 6o Pf.; durch dirdoft L.—- »texlel- fährt, ausschl. Beslellg. Annahme von Anzeigen tüt bie TnqeSnummer brS vormittags 10 Uhr. ßeilenprcts. lokal 12Pf» MiSivättS 20 Pfg. Verantwortlich fflt den poHt und allgem. Teil P. Witiko, für »Stabt und Vnnb" und .GenchiLsaeü": August Goetz. füi den Vln- xetaenteil: HanS Beck. Abonnenten. Aüfls-k ISLih Sbrr 115®® Eq>. ^ie yentige Mnrvrcr «mfaßt 18 SeitcR. Z>ie IeinlichLcit?« zum Kevurtslage Sr. Königlichen Koheit brs Hroßgerzogs. Gießen, 26. November. Der „Darmst. Ztg." zufolge hat der Kaiser nachstehendes Telegramm an den Großherzog gesandt: „Deines Geburtstages gedenke ich mit den besten Wünschen für Dich und Deine Braut. Möge sich das kommende Jahr zu einem reichgesegneten für Dein ganzes Leben gestalten. W i l h e l m." Der hiesige Gesangverein „Liederkranz", welcher im Jahre 1897 bei der Feier seines 60jährigen Stiftungsfestes von Sr. Königl. Hoh. unserem Großherzog mit dem Silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen ausgezeichnet wurde, sandte folgendes Telegramm nach Darmstadt ab: Sr. Königl. Hoheit Ernst Ludwig von Hessen. Der Gesangverein „L i e d e r k r a n z" - G i e h e n erlaubt sich, feinem geliebten Landesfurften die herzlichsten Glückwünsche zum Geburtstage und zur Verlobung darzubringen. I. A.: E. A. F a b e r, Vorsitzender. Darauf lief folgendes Telegramm ein: Darmstadt, 25. Nov. Gesangverein „Liederkranz", E. A. Faber, Gießen. Se. Königl. Hob. der Großherzog lassen für aufmerksamen Glückwunsch bestens danken. gez. Kabinetsrat R ö m h e l d. Auch der Stammtisch zur „Alten Post" in Gießen erhielt auf ein Glückwunschtelegramm folgendes Antworttelegramm : Stammtisch „Alte Po st", Gießen. Se. Kgl. Hob. der Großherzog lassen für aufmerksamen Ge° burtstags^Glückwunsch' bestens dankend. Geh. Kabinetsrat N ö m h e l d. Die Feier in Li ch* gestaltete sich, wie man uns von dort schreibt, ganz besonders feierlich. Auf Kosten der Stadt wurde im Heilandschen Saale ein großer Komm ers gefeiert, dem die Aufführung des Theaterstückes „Hase man ns Töchter" durch die Theatergesellschaft G i t t e r m a n n vorausging. Die Kapelle des Infanterie-Regiments Nr. 116 konzertierte. Das Festessen fand im Holländischen Hofe statt. Aus Darmstadt wird uns geschrieben: Das Militär veranstaltete Zapfenstreich mit Fackelbeleuchtung und die Kapellen des 115. (Leib-Grenadier-)Regirnents und des 23. Dragoner-Regiments konzertierten vor dem Neuen Palais. Morgens früh blies die Infanterie-Kapelle Neveille und brachte darnach dem verlobten Fürstenpaar ein Ständchen. Choräle von der Plattform der Stadtkirche, Festgottesdienst, Schulfeiern, Paroleausgabe, die Abfeuerung von 101 Salutschüssen und Festesten vervollständigten die Feier. Die Technische Hochschule hatte in der Aula einen Festakt, dem die Minister und viele andere Ehrengäste beiwohnten. Prof. Dr. Rösler hielt die Festansprache und später einen wissenschaftlichen Vortrag über „Mikroskopische Metalluntersuchungen". Der akademische Chor trug mehrere Gesänge vor. — Bei dem offiziellen Festessen im prächtig dekorierten Saalbau hielt Staatsminister Rothe die Festrede; er betonte, daß wir diesmal den Geburtstag des Landesherrn im Hinblick auf die heiß ersehnte und hochwillkommene Verlobung mit doppelter Freude feierten, und wünscht unserem allgeliebten Fürsten und seiner künftigen Gemahlin Gottes reichsten Segen. — Am Abend war Galavorstellung im Hoftheater, wo Smetanas Oper „Dalibor" zur Aufführung kam. Sämtliche Fürstlichkeiten, daS hohe Brautpaar, Prinz und Prinzessin Heinrich, Prinz und Prinzessin Friedrich Karl, die fürstlich Solmsschen und die fürstlich Erbach-Schönberg- schen Herrschaften wohnten der Vorstellung bei. Als der Großherzog mit Braut in der Hofloge erschien, brachte ihm das festlich gekleidete Publikum ein dreifaches Hoch dar Die Musik spielte die Flirstenhpmne. Nach dem ersten Akt fuhren die Herrschaften ins Neue Palais, wo Festtafel ltattsand. Zum Besuch am Groszh. Hofe trafen gestern Se. Hoheit der Prinz und I. Kgl. Hoh. die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, Ihre Hoheiten der Prinz und die Prinzessin Chlodwig von Hessen-PhilippStal- Barchfeld, Ihre Durch!, der Fürst und die Fürstin zu Erbach-Schönberg nebst Prinzessin-Tochter Edda und Ihre Durchl. der Erbprinz und die Erbprinz ess in zu Erbach-Schön berg im Alten Palais em. Heute früh um V,10 Uhr sind S. K. H. der Groß- bec/oa mit sämtlichen Fürstlichkeiten, auch den Damen, per Automobil nach Stoekstadt zu den Jagden des Frhrn. o Heul gefahren, wovon sie heute Abend zurückkehren. Ier Krieg. General Kuroki t ? Mulden, 25. Nov. Das russische Hauptquartier erhielt von Chinesen die Nachricht, die Leiche General Kurokl's sei in Jnkou eiugetroffen. Falls sich diese, vorerst freilich sehr unzuverlässige Rach- richt bestätigen sollte, so hätten die Japaner durch den Tod dieses ausgezeichneten Generals einen unersetzlichen Verlust erlitten. Meldungen von seiner schweren Erkrankung sind bereits wiederholt verbreitet worden, indeß weiß man, daß die von Chinesen den Russen zugetragene Nachrichten sonderliche Glaubwürdigkeit nicht verdienen. Port Arthur Washington, 25. Nov. „Associated Preß" erfährt aus bester Quelle, die japanische Armee erhielt Befehl, heute den Angriff auf Port Arthur zu erneuern und die .Hauptbefestigungen um jeden Preis zu nehmen. Tokio, 25. Nov. (Reuter.) Die Laufgräben der Verschanzungen der Forts Erlungschan und Sung- schusan sind genommen, den Russen blieb nur der Besitz der Brustwehren. Die japanischen Kanonen begannen später zu feuern und richteten großen Schaden an. Die Einnahme dieser Forts werde in kurzer Zeit erwartet. Wenn sie genommen sind, scheint die E i n n a h m e P o r t Arthurs in nicht langer Zeit gesichert. London, 24. Nov. Ter Korrespondent des „Tailp Telegraph" bei Okus Armee drahtet am 22. Nov.: Man erwartet, Port Arthur werde gestürmt werden, weil politische Gründe den schleunigen Fall der Cita- belle erheischen. Beträchtliche Berstärkun gen, meist junge Soldaten, treffen in Dalny ein, wo Hospttäler für 10 000 Mann errichtet werden. Tas durfte indes recht schwer fein. Denn Lebensmittel hat Port Arthur genug, Munition scheint auch 'da zu sein, das Artilleri efeuer der Japaner macht gar keinen Eindruck mehr, lieber die Stärke der noch vorhandenen Besatzung ist Genaueres freilich nicht >u erfahren, da 'Sie Angaben, die von in Port Arthur gewesenen Leuten gemacht tvotben sein sollen, unzuverlässig erscheinen und den Anschein erwecken müssen, daß diese Leute wenig Ahnung von den militärischen Verhältnissen dort haben. So wollen sie alle General Stössel mehr oder weniger genau kennen, dann Nock seine Frau, aber niemals hört man von der Tätigkeit der anderen Generale, ia nicht einmal ihre Namen werden erwähnt! Und sie sind doch da, wohlbekannt und so tapfer wie Stössel. In Port Arthur befehligen unter Stössel noch acht Generale, deren Namen auch verdienen, genannt zu werden: Nosnarowski ist Stabschef Stöffels, bei den beiden ost- sibirischen Schützendivisionen Nr. 7 und 4 befinden sich die Generale Kondratenko, Zervitzki, Gorbatowsli,^ Fock, Andrö de Bui und Nadjäin, »und die Festungstruppen befehligt General Sstni- ronow. Vom Kriegsschauplätze am Schaho. London, 25. Nov. Tas Reutersche Bureau meldet aus dem .Hauptquartier des Generals Kuroki über Fusan vom 24. Nov.: Die Russe n Zeigen an der Front der Armee. Okus einige Tätigkeit. Bei Tagesanbruch griffen Abteilungen an zwei Stellen die auf dem linken der Feind im 3entrinn stehenden Divisionen an. Während der Feind im Zentrum uach kurzem Kampf zu rückgeworfen wurde, hatte der Angriff auf dem linken Flügel das Ergebnis, daß die Japaner nach heißem Kampf Pu- tuen nahmen. Die Russen ließen viele Tote aus dem Sch lacht selbe. Tokio, 25. Nov. (Reuter.) Ein Telegramm aus dem .Hauptquartier der mandschurischen Armee vom 24. November besagt, daß am 23. November von morgens 1 Uhr ab feindliche Infanterie eine Reihe von Angriffen gegen die japanischen vorgeschobenen Stellungen bei Lametun machte sich aber vor dem Feuer der Javaner nördlich zurückzog. Gleichzeitig feuerte die russische Artillerie' auf die Umgegend bei der Eis en bahn brücke über den Schaho dreißig Schüsse ab, ohne Schaden anzurichten. M u k d e n, 25. Nov. (Nuss. Tel.-Ag.) Auf der ganzen Front dauern die S ch a r m ü tz e l fort. Die Japaner überschritten in der Stärke von einigen Kompagnien und einer Eskädron die Brücke bei Sigosyr und wurden mit bedeutenden Verlusten in der Nacht vom 23. November zum Rückzüge genötigt. Der Hunho und der Tattseho sind zugefroren. Der flache Wasserstand des Liaoho verhindert die Zufuhr von Lebensmitteln von Inkan. Der Mangel an Eisenbahnwagen verzögert die Zufuhr der Munition und die Fortschaffung BeNvundeter nach Licmjcmg und Dalny. Deutschland und Frankreich. Paris, 25. Nov. Anknüpfend an einen in der deutschen Kolonialgesellschaft gehaltenen Vo rtrag über die den deutschen Interessen in Ostasien von japanischer Seite drohenden Gefahren bemerkt das „Journal des Debats": Was in der deutschen Kolonialgesellschast gesagt wurde, ist für unsere Nachbarn nichts neues; es ist nur die genauere und vollständigere Darlegung dessen, was wir seit langem wußten: die deutsche. Regierung hat lediglich dieser Situation Rechnung getragen, indem sie die bekannte Haltung von Anbeginn an beobachtete. Nach Ansicht der deutschen Regierung kämpft Rußland für die weiße Rasse gegen die gelbe und vertritt bie materiellen Interessen aller Europäer in Ostasien; darum hat sich die deutsche Regierung, wenngleich sie eine strikte Neutralität beobachtet, den russisck)en Interessen so günstig gezeigt, daß man von einer deutsch-russischen A n - Näherung sprechen konnte. Wir haben schon hervvrgehoben, daß Deutschland durch dieses Vorgehen allen andcreneuro- päischen Regierungen ein Beispiel weitblickender Politik gab. Eine rujsisch-dcntsche Annäherung dieser Art ist weit entfernt davon, unö zu beunruhigen, und würde vielmehr unseren Beitritt verdienen, wie damals, als Rußland, Deutschland und Frankreich gemeinsam über die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts der Kräfte in Ostasien wachten. England und Rußland. Petersburg, 25. Nov. Tas Abkommen, bett, das Schiedsgericht zur Entscheidung der Angelegenheit von Hüll wurde heute von Graf Lcrmsdorff und dem englischen Botschafter Hardinge unterzeichnet. London, 25. Nov. (Reuters Aus Petersburg wird gemeldet, das heute dort abgeschlossene Abkommen betr. den Vorfall in der Nordsee werde Montag in Petersburg veröffentlicht. Tie Form, in welcher die Einladungen an Frankreich und die Vereinigten Staaten ergehen sollen- stehe jetzt zur Beratung. Die baltische Flotte. Suez, 25. Nov. Zwei Schlachtschiffe, drei Kreuzes und neun Transportschiffe des russischen Geschwaders sind wohlbehalten auf den Bittcrseen ein getroffen, wo sie während der Nacht ictnfern werden. Sieben Torpedvbvvtszer- störer sind, aus dem Kanal kommend, hier etn getroffen. Suez, 25. Nov. (Reuter.) Gleich nachdem die russischen Torpedobootzerstörer den Ankerplatz erreicht hatten, gingen zwei von ihnen zur Rekognoszierung fort und kehrten nach einer Stunde zurück. Sie sind sämtlich mit Apparaten für drahtlose Telegraphie aus gestattet. Die englischen und die russischen Seeoffiziere besuchten sich gegenseitig. Während des Passierens durch den Kanal waren Mannschaften cm den Geschützen und Tor- pedolanzierrohren postiert. Der Ankerplatz wird durch die Polizei und Küstenwachtschiffe bewacht. Nach neueren Instruktionen sollen die neun Transportschiffe bie Bitterseen verlassen und beim Licht elektrischer Scheinwerfer nach Suez obgehen, wo sie um 2 Uhr morgens eintreffen sollen. Die Linienschiffe und Kreuzer bleiben in den Bitterseen bis Tagesanbruch. Berlin, 25. Nov. Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Gegenüber einer Meldung des Reuterschen Bureaus aus Kiel vom 14. November ist na'chf Erhebungen der zuständigen Behörden festzustellen, daß der russische Dampfer .,Ledekol" den Kaiser Wilhelm?an al nicht passiert; hat. _____; j. Russische Mobilmachung. London, 25. Nov. Nach Depeschen aus Odessa ertöntet hon autoritativer Seite, b-oü bie russische Regierung beschlossen babe, e ine allgemeine Mobilmachung in sämtlichen europäischen Provinzen auszusühren. im Januar beginnen. Russische Deserteure. Lemberg, 25. Nov. Von hier sich aushaltenben.800 mfff- schen Militär-Flüchtlingen, die größtenteils mittellos sind, wurde gestern abend die Hälfte über Krakau nach Wien expediert. Sie sind mit Schiffahrtskarten nach Amerika versehen. 300 andere russische Deserteure haben sich nach Krakau geflüchtet. Mehr als ’OOO Militär-Flüchtlinge haben bereits Krakau sirassiert und reisen nach Hamburg und Bremen, nm sich daselbst einzusch-iffen. PajkfMe Taoetzsämu. Wichtige Der'andernngen im diplomatischen Dienste 5$ Reiches sind, wie man hört, in nicht ferner Zeit 51$. erwarten. Im Zusammenhang hiermit soll die Berufung des Kopenhagener Gesandten v. Schoen ins Hoflager stehen, zur Begleitung des Kaisers auf seinen gewohnten! Iaadausflügen? Herr v. Schoen gilt längst als einer der geschultesten, aufgeklärtesten Köpfe unserer Diplomatie und als der Anwärter des nächst frei werdenden Botschafterpostens. Und man behauptet, ein solcher werde demnächst frei werden, da Graf Alvensleben in St. Petersburg — mit 68 Lebensjahren der Doyen der ,Vertteter Deutschlands im Auslande — sich mit Mckttittsgedariken trage. Obwohl Graf Mvensleben beim russischen Kaiserpaare sich besonderen persönlicher! !Vertrauens erfreut, wäre in Anbetracht der gegenwärtigen außerordentlichen politischen Verhältnisse die Verttetung der Interessen des Reiches am Zarenhof durch eine jüngere Kraft empfehlenswert.. Es heißt, darum werde Graf Monts als Botschafter von Rom nach St. Petersubrg übersiedeln. Und damit dürste einem allgemeinen „Revirement"', tote man in der Diplomatensprache sagt, die Bahn geschaffen sein. Denn auch von Herrn v. Radowitz, der seit 12 Jahren im deutschen Botschaftspalais zu Madrid residiert- sagt man, daß er in die deutsche Heimat zurüchukehren tvüusche. Wenn der älteste General aus dem Dienste scheidet, rückt der jüngste Leutnant aus. Im diplomatischen Korps ist es nicht anders. Verschwindet der bejahrteste Botschafter, so er» lueitert sich der Zukunstshorizont des jüngsten Attaches. Der Geh. Legationsrat Wilhelm v. Schoen ist ein Hesse von Geburt. Er wurde 1851 in Worms als der Sohn des Fabrikanten August Schoen und einer geb. Heyl, einer nahen Verwandten des Frhrn. v. He.ylznHerrn.s- heim, geboren. Er hat die militärische Karriere als Vorstufe zur diplomatischen benutzt, indem er zunächst Offizier im Darmstädter 2. Hess. (Leib-) Dragoner-Regiment Nr. 24 wurde und sich dann zum Auswärtigen Amte kommandieren ließ. Ms LegationSsekretär in Paris erhielt er 1885 von unserem Großherzog den Mel. In Paris rückte er bi§ zum Botschaftsrat auf und galt als die rechte Hanb des Grafen Münster, ja als der eigentliche dirigierende Geist in der Botschaft zu Paris. Für einige Zeit schied er dann aus der Diplomatie aus, um als Oberhosmarschall an die Spitze der Hoftialtung deS Herzogs Mfred von Koburg z.'u treten. Nach dessen Tode kehrte er zu seinem früheren Berufe zurück und übernahm die (5k'fanbtfd)aft am dänischen Hofe. Herr v. Siffoen, der mit einer Tochter des verstorbenen belgischen $efinibtcn de Groote vermählt ist, $0 hört zu den begütertsten deutschen Diplomaten. Er besitzt n. a. das Hofgut Friesenheim in der bahcrifdbtm Pfalz und die prächtige "Villa ..SckwnhänSchen" in Berchtesgaden, in der er öfter die Söhne des .Kaisers während ihres Aufenthaltes in den bayerischen. Bergen als scinc Gäste bcycr« bergen durfte. ‘ ‘ Gewinnbeteiligung der Arbeiter. NnS Jena schreibt man: Die optische Werkstätte -on Kar? Zeitz in Jena gewährt ihren Beamten und Arbeitern. laut Mitteilung der Geschäftsleitung vom Mittwoch, aus die im verflossenen Geschäftsjahre verdienten Löhne und Gehalte eine Gehalts- und Lohnnachzahlung (Dividende) von fünf Prozent. Diese Art der Gewinn- beteiligung der Geschäftsangehörigen des ZeitzwerkeS ist durch § 98 de§ Stiftungsstatuts geordnet; die Nachzahlungen betrugen in den Jahren 1896 bis 1902 zwischen 5 und 10 Proz., im Durchschnitt 9 Proz., nur im Jahre 1903 konnte eine Nachzahlung nicht gewährt werden. Kirche und Schule. Berlin, 24. Nov. Die Stadtverordneten-Vcrsammlung nahm die Magistrats-Vorlage, betreffend die Einführung der PflichtiortbildungSschule. an. ^Landtagsabg. Iouh Nimmt eine absprechende Zeitungsnotiz über seine Walst zum Mitglied der Handelskammer in Friedberg zum Anlaß, auf seine Affäre beim Bahn bau Bußbach—Lich zurückzu- kommen. Er schreibt dem „N. H. Vbl.", die die erwähnte Notiz auch abgedruckt hatten, in einem offenen Brief n. a. folgendes: „Ich hatte bereits fast ein Jahrzehnt an einem Bahnbau Butzbach—Lich gearbeitet. Viele Kosten, Arbeit und Aergernis mit diesem Projekt gehabt, ohne auch nur an eine Entschädigung zu denken, wie ich auch die Bürgermeisterei Butzbach unbezahlt 10 Jahre verwaltet habe. Als ich in der Bahnbaufirma Lenz u. Eo. eine Firma gefunden hatte, welche, trotz dem damaligen hohen Gcldstand, geneigt war, die Bahn zu bauen unter der Bedingung der späteren Aus-' zahlung des bereits bewilligten StaatszuschuffeS und daß ich ein Drittel der Baukosten privat ausbringe, wurde mir freiwillig von dieser Firma versprochen, daß ich für Vermittlung dieses Kapitals und für gehabte Kosten und Auslagen auS deren eigenen Tasche sechs Prozent als Provision erhalten solle. Geldgeschäfte zu machen steht in meinem Gewerbepatent, und als LandtagSabgeord- neter mein Geschäft nicht zu vergessen ist nicht nur mein Recht, sondern meine Pflicht. Ich hatte versucht, auf verschiedene Weise daS Kapital zusammenzubringen, aber infolge der ungünstigen Geldverhältniffe jener Zeit ohne Erfolg. Ich wandte mich nun an die größte der mteressierten Gemeinden, die Stadt Butzbach. In einer zusammenberufenen Etadtvorstandsfitzung erklärte ein Gc- meinderat, anscheinend unter Zustimmung verschiedener, die Stadt möge 100 000 Mk. ä Fond perdu geben, damit muffe aber die Sache für die Stadt erledigt sein. Damit hätte sich nun bei 550 000 Mk. die Sache in anderer Weise erledigen lassen, wenn es mir nicht widerstrebt hätte, meiner Heimatgemeinde ganz unnötig dieses Opfer aufzuhängcn, sondern ich schlug vor, es für die Stadt nochmals mit einem größeren Bankhaus zu versuchen. Es schrieb mir nun am 17. Januar 1902 Gemeinderat Melchior, daß der Gemcinderat bereit sein werde, nach meinem Vorschlag 10—15 Prozent unter pari einen Kursverlust zu tragen und an demselben Tage die Bürgermeisterei. daß die Stadt 10 Prozent Kursverlust tragen wolle (Briefe jedermann zur Einsicht). Ich ging auf diese teuren Vorschläge nicht weiter ein, trotzdem ich dabei persönlich eine recht erheblirbe Summe hätte verdienen können, denn es hätte das bei 15 Prozent, die ja genehmigt worden wären, den Gesamtgcmeinden ein Opfer zugemutet von über 80 000 Ml. Ich wollte dieses Opfer nicht für mich, noch ein Bankhaus gebracht sehen, da dazu doch keine Ursache vorlag, sondern beredete nunmehr erst die Landgemeinden und dann die Stadt Butzbach, bei einem Versprechen von 4 Prozent Zinsen, die Obligation selbst zu übernehmen und es wurden am 1. Okt. 1904 die ersten halbjährigen Zinsen auch bezahlt. Nun hätte mir für diese ehrliche Behandlung der Gemeindeinteressen eher ein Orden, als ein Undank gehört, denn was mir die Firma Lenz u. Co. versprochen, sollte ja nicht einmal eine Gratifikation sein, sondern eine Entschädigung für gehabte Auslagen und geschäftliche Handlungen, die jeder Geschäftsmann vergütet, der, wie hier die Firma Lenz u. Co. an dem Bahnbau ein Geschäft machen will." Aus Stadt und Sand. Gießen, 26. November 1904. *• Hessische Vereinigung für Volkskunde. Montag, den 28. November abends 81/* Uhr findet, wie auch aus dem Inseratenteil ersichtlich ist, im unteren Saale des Cafe Ebel der zweite Mitgliederabend statt. Ter Vortrag deS Prof. Dr. Bet he über „Mythus, Sage und Märchen" verspricht hochinteressant zu werden, da Pros. Dr. Bethe als Autorität auf diesem Gebiete gilt. ** Oberhessischer Geschichtsverein. Wie wir hören, wird auch der zweite Vortrag, den der Verein in diesem Winter halten läßt, Gießener Verhältnisse behandeln. Herr Geh. Hoftat Pros. Dr. Sieb eck wird nämlich am 22. Dezember über die Aeltere Geschichte der Universität sprechen und zwar vornehmlich über kulturell wichtige und interessante Erscheinungen, die in der Frühzeit der Ludoviciana zu Tage traten. ** Den Tag derVermählung Sr. Kgl. Hoheit b eS Gr oßher zogs mit I. D. der Prinzessin Eleonore glaubt ein Berliner Blatt bereits nennen zu können. Es sei, so behauptet. es, der 15. Dezember. Wie wir indes aus Lich aus bester Quelle erfahren, sind Bestimmungen darüber noch nicht getroffen worden, auch über den Rahmen der Ho ch^eits fei erlich ketten liegen noch keinerlei Entschließungen vor. ** Weihnachtssendungen. Tie Reichspoftoerwaltung richtet auch in diesem Jahre an das Publikum das Ersuchen, mit den Weihnachtssondungen bald zu beginnen, damü die Paketmassen sich nicht in den letzten Tagen vor dem Feste zu sehr zusammendrangen, wodurch die Pünktlichkeit in der Beförderung leidet. Bei dem außerordentlichen Anschwellen des Verkehrs ist es nicht tunlich, die gewöhnlich::: Bc fördern ngssristen einzuhallen und namentlich aus weitere Entfernungen eine Gewähr für recht- artige Zustellung vor dem Weihnachtsfette zu üb»rn-hmen, wmn die Pakete erst am 22. Dezember oder noch später eingeliefert werden Die Pakete sind dauerhaft zu verpacken. Türnr Papp- faüen, schwach? Schachteln, Zigarrenkisten usw. sind nicht zu be- nutzm 7i Anschrift der Pakete muß d"''tlich, vollständig und fottbr-r f^rr -rann die Aufschrift nicht deutlicher Weise aus \:r.i i'r.f t । v.-'r wt’t tonr.-n, so empfiehlt sich die Verwendung ’tv5 -statte- rvei!,m Papiers, welches dcr ganzen Fläche nach fest aufgeklebt werden muß. Bei Fleischsendungen und sonstigen" Gegenständen in LeinwiMd Verpackung, die Feuchtigkeit, Fett, Blut usw. absetzen, darf die Aufschrift nicht auf die Umhüllung geklebt werden. Am zweckmäßigsten sind gedruckte Aufschriften auf weißem Papier. Dagegen dürfen Formulare zu Postpaketadressen für Paket- aufschriften nicht veinoandt werden. Ter Name des Bestimmungsortes muß stets recht groß und kräftig gedruckt oder geschrieben sein. Die Paketauffchrift muß sämtliche Angaben der.Bcgleitabresse enthalten, zutreffendenfalls also den Frankovermerk, den Nach- nalnnebetrag nebst Namen und Wohnung des Msenders, den Vermerk der Eilbestellung usw., damit im Falle des Verlustes der Postpaketadresse das Paket doch dem Empfänger ausgehändigt werben kann. Aus Paketen nach größeren Orten ist die Wohnung des Empfängers, auf Paketen nach Berlin auch der Buchstabe des Postbezirks (C., W., SO. nsw.) anzugeben. Zur Beschleunigung des Betriebes trägt es wesentlich bei, wenn die Pakete fr anfiert aufgeliefert werden. Tie Vereinigung mehrerer Pakete zu einer Begleitadresse ist für die Zeit vom 10. bis 25. Dezember im inneren deutschen Verkehr (Reichs-Postgebiet, Bayern und Württemberg) nickst gestattet. Auch 'für den Auslandsverkehr empfiehlt es sich int Interesse des Publikums, während dieser Zeit zu jedem Paket besondere Begleitpapiere auszufertigen. ** Die Rechnung der städtischen Armenkasse verzeichnet, wa8 wir zur Vervollständigung unseres gestrigen Berichts noch bemerken wollen, an Ausgabe au§ Stiftungen für Pflege und Erziehung armer Kinder 2045,14 Mk. Der Ausgabeposten in der Rechnung der Plock'schen Stiftung beträgt 5218,78, nicht 52218,78 Mk. ** Zum Held en berg er Raubmord. Von der hiesigen Staatsanwaltschaft wird ein Extrablatt zum „Südd. Polizei-Telegr." verbreitet, worin der Metzgergeselle Oskar Hudde aus Schalke (Westfalen) zweimal abgebildet ist. Er hat folgende Einbnlchsdiebstähle verübt: Am 11. Oktober ds. IS. in dem katholischen Pfarrhause zu Heppenheim a. d. B. 2. In der Nacht vom 25. auf 26. Oktober d§. Js. in dein katholischen Pfarrhause zu Herdorf (Bahnlinie Gießen—Deutz—Köln). ,,Gegen den flüchtigen Hudde", so heißt cS in dem Blatt, „ist wegen der vorbezeichneten Verbrechen durch den Großh. Untersuchungsrichter in Darmstadt Haftbefehl und Steckbrief erlaffen worden. Hudde ist weiter der Täterschaft in Bezug auf den in der Nacht vom 11. aus den 12. November d. Js. in Heldenbergen verübten Raubmord dringend verdächtig. Es wird um eifrige Fahndung auf Hudde, Verhaftung, Durchsuchung und Dratnachricht ersucht." Die Personalbeschreibung giebt folgendes an: Oskar Hudde, geb. 21. Juli 1878 in Schalke (Westfalen), Mchgergeselle, ca. 1,67 Meter groß, kräftige Statur, rundes Gesicht mit Sommersprossen, insbesondere einen größeren Flecken an einem Auge, dunkelblondes üppiges Haar, Scheitel, etwas neben der Mitte, Anflug von Schnurrbart, spricht rasch, hält aber von Zeit zu Zeit ein, so, als ob ihm der Atem auSginge, dabei geht die Stimme in die Höhe und klingt bedeckt. Möglicherweise Tätowierungen auf dem Arm (ein Herz). Kleidung: trug Mitte Oktober unter dem Rock gestrickte dunkle Jacke, später dunklen Anzug von elegantem Schnitt, modernen Stehumlegkragen, Kragenschoner, ziemlich langen Mantel mit schrägen Taschen, dunkelbraunen weichen Filzhut mit ziemlich hoher Krempe. Hudde nannte sich eine Zeit lang Alfred Anton Berg, Rasierer, auS Ungarn, hielt sich längere oder kürzere Zeit in Homburg v. d. Höhe, Alzey, Bad-Nauheim, Mannheim, Ludwigshafen, Neustadt an der Haardt und Köln auf; scheint viel gereist, auch in der Schweiz bekannt zu sein. Er lieft eifrig Zeitungen. * • Das Promenadenkonzert am morgigen Sonntag fällt auS. — Unsere Regimentsmusik konzertiert morgen nachmittag im Saale des Philosophenwaldes, wohin ein Spaziergang jetzt sehr reizvoll ist. * * Silberne Hochzeit feiern an: 27. ds. Mts. der Fuhrmann Justus Benner II. hier und seine Frau. "Das hessische Hinterland. Oberlehrer Flach in Perleberg, Bezirk Potsdam, bearbeitet z. Z. das Kapitel „DaS hessische Hinterland (Kreis Biedenkopf)" für das Werk: „Hessische Landes- und Volkskunde" von Heßler (Marburg, Elwert). Kleinere Notizen, die Landeskunde des Hinterlandes betreffend, werden von Herrn F. noch gern bis Mitte Januar angenommen. ** Spiritismus und Zauberei. Ter Inhaber des Neuen Saalbaues hat, wie man uns schreibt, den Asttimystiker und Spiritisten-Entlarver Stuart Lancourt, welcher seinerzeit das berüchtigte Schwindel-Medium Anna Rothe in Chemnitz, ihrer Vaterstadt, öffentlich entlarvte und zur Flucht nach Berlin zwang, wo sie verhaftet wurde, für Dienstag den 29. Nov. und Donnerstag den 1. Dez. zur Abhaltung zweier Wvstellungenr veranlaßt. Herr Lancourt wird, so schreibt man uns, zum ersten Male tatsächlich alle die angeblich übernatürlichen, unbegreiflichen Erscheinungen und Vorgänge rücksichtslos enthüllen, die noch immer von den Spiritisten und den sogenannten „höheren" Zauberern in der dreistesten Weise zur Täuschung ber Menschen in betrügerischer Absicht angcwendet werden. Ist Chemnitz wurde Herr Lancourt seinerzeit seitens ber Bürger mit ber yolbenen Mebaille und Ehrendiplom ausgezeichnet. Letzteres ist im Fenster der Zigarrenhandlung von Lindau u. Winterfeld ausgestellt. Zum Zutritt zu diesen ^Veranstalt- ungen sind schon heute, wie mun uns mitteilt, Vergünstigungskarten an die hiesigen Geschäftsinhaber zur Matis- abgabe an die Kundschaft verteilt worden. Wer eine solche Karte im Vorverkauf bei Lindau u. Winterfeld, Zigarrenhandlung, Seltersweg, oder an der Abendkasse vor^eigt, erhält Billeis für alle Plätze zu halben Preisen. Kruder haben keinen Zutritt. Im übrigen sei auf das heutige Inserat verwiesen. • • Das Bildnis derzukünstigen Großherzogin. Nach einer ausgezeichneten Photographie I. D. der Prinzessin Eleonore, der Braut S. K. H. unseres Großherzogs, hat die Bruhl'sche Uniuerfitöt§brucferei einen Druck Herstellen lassen, der das hübsche Bildnis in allen Teilen sehr sauber und wohlgelungen reproduziert. Auf feinem Illustrations-Papier einzeln hergestellt, ist das Bild zu dem billigen Preise von nur 10 Pfg., soweit der Vorrat reicht, in der Expedition unseres Blattes zu haben. Wieseck, 26. Nov. Beint Holzfällen verunglückte gestern ber Arbeiter Heinrich Rodenhausen. Er erlitt beim Abwerfen eines Stammes einen schweren Beinbruch. § Erbach, 25. Nov. Im benachbarten Dorfe Günter^ fürst spielten gestern abend in einem Hause mehrere Kindes mit Feuer. Erwachsene waren momentan nicht zugegen. Die Kleinen setzten Holzspäne in Brand, wobei die Kleidet eines zweijährigen Kindes Feuer fingen. Da§ Kind wurde furchtbar verbrannt und erlag nach einigen Stunden seinem qualvollen Leiden. Mainz, 25. Nov. Der MainzerKarnevalSverein teilt dem Magistrat mit, daß er mit Rücksicht aus seine ungünstige Finanzlage im nächsten Jahre keinenNosen- montagSzug veranstalten könne. Frankfurt, 25. Nov. Zti dem Verschwinden einet Dienstmagd, Sofie Mogler aus Böckingen, teilt der Polizeibericht mit, daß das Mädchen zuweilen geistig nicht normal ist. Es wird ein Mord, Selbstmord, oder Unglücksfall vermutet. Das Mädchen ist von großer, starker Figur, hat blaugraue Augen, dunkelblonde Haare und trug ein dunkelblaues Kleid mit weißseidenem Einsatz, blauen Hut mit blauer Feder, veilchenblauen Unterrock, graue Unterhosen, weißes Hemd, gez. S. M., schwarze wollene Strümpfe und Lederschnürstiefel. Hanau, 25. Nov. Unter dem Verdacht, jener Unbekannte gewesen zu sein, der anr Morgen nach dem Morde in Heldenbergen nahe bei Heldenbergen im sog. Hinter- Alüllersgraben seine Stiefel wusch, wird jetzt von der Polizei auch ein Arbeiter namens Meininger ans Mfttelgründen bei Gelnhausen gesucht. Bei den durch die Gendarmerie in Meiningers Wohnung veranstalteten Nachforschungen soll auch ein Paar Stiefel gefunben worden fein, an dem man deutlich sehen konnte, daß Straßen- und Ackerschmutz vor kurzem davon abgewaschen worden war. Es ist festgestellt, daß Meininger am 11. November in Heldenbergen gewesen ist, um Arbeit zu suchen. Sein jetziger Aufenthalt ist unbekannt. Kleine Mittcilurtgen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Die Stadt Marburg beabsichtigt ein großes Gemälde von Marbura anfertigen zu lasten, das dem kronprinzlichen Paare als Hochzeitsgeschenk überreicht werden soll. — Der Zoologe und Geograph Dr. med. et phil. hon. causa Wilhelm Kobelt zu Schwanheim erhielt den Titel als Proseffor. Kobelt, der 1840 zu Alsfeld geboren ist, redigiert das „Nachrichtenblatt der deutschen malakozoologischen Gesellschaft." — In Michelstadt wurde eine gemeinnützige Baugenossenschaft gegründet. — In Frankfurt a. M. verschied der Kommandeur der 21. Feldartilleriebrigade Generalmajor Schneider im Alter von 56 Jahren. vermischte». * Sonderbar! Im Kreisblatt des preuß. Kreises Koesfeld lvird nu§ der Kreistagssitzung aus Maus berichtet: ! Ter Antrag des Amtmannes und des Pfarrers vonr Ottensteilr um Gewährung einer Kreisunterstützung an zwölf durch Brandunglück geschädigte Familien wurde mangels verfügbarer Mittel abgelehnt^ Ter Kreisausschuß wurde jedoch beauftragt, den Antrag bei dem Provinzialausschuß und bei der königlichen Re^ gienmg zu befürworten. Außer der Tagesordnung teilte der Landrat den Erlaß des Oberpräsidenten der Provinz Westfalen betr. die Beteiligung des Kreises an einem Prunkgeschenk bei der bevorstehenden Hochzeit des Kronprinzen' mit, worauf der Kreistag den Kreisausschuß ermächtigt, nach Maßgabe des ergangenen Erlasses Bewilligung ein treten zu lassen. * Algier, 25. Nov. Der bekannte Antisemiten- führer Max Rögis heiratet in den nächsten Tagert eine junge Jüdin Namenis Sarah Jais. * Kleine Tageschronik. In -Rostow am Tvn hat sich eine schrecklick:e Eisenbahnkataftrophe ereignet, lieber das Eijenbahngeleise waren von Verbrecherhand schwere Eisenblöcke gelegt worden. Ter Nachtschnellzug entgleiste und begrub sämtliche Passagiere unter seinen Trümmern. Eine große Anzahl Leichen wurden bei den Aufräumungsarbeiten geborgen, viele Hunderte sind schwer verletzt. Die Krankenhäuser der Stabt sind überfüllt. — In Mühlburg (Baden) verbrannte ein Kind, das von der Mutter in der Nähe des Ofens zum Schlafen niedergelegt worden war. Als die Mutter von einem Ausgange zurückkehrte, war das Kind bereits tot. — In Berlin ist der dirigierende Arzt der chirurgischen Abteilung am Augusta-Viktona- KrankenHause vom Roten Kreuz, Dr. Otto Bode, an den Folgen einer Blutvergiftung, die er sich bei einer Operation am Anfang dieser Woche zugezogen hatte, gestorben. Alten-Essen warf eine Bergmannsftau in einem Airsalle von Geistesstörung ihr vier Monate altes Kind aus bem 8tr>enen Stock in den Hof und sprang selbst nach. Mutter und Kind sind tot. — Londoner Blättern zufolge hat der Milliardär Carnegie das Terrain des verstorbenen Whiteacker Withleaparc für 3 /2 Mül. Mark erworben, um es der Regierung als Geschenk für ein dort zu erbauendes Sanatorium anzubieten. —- Dem ,-6ngaro zufolge haben die Steuerbehörden von dem Kontrolleur des Vermächtnisses ber Familie Humbert 170 000 Francs verlangt als Entschädigung für die abaeschickten Telegramme bet Verfolgung der Flüchtigen und als Kosten für die Geheimpolizei, die mit der Verfolgung beauftragt worden war. — Tas Dochwa sser des Issonzo riß die kolossale im Bau begriffene Eisens bahnbrücke der Karawanken-Bahn vollständig weg. Ter Schaden ist bedeutend. — Dem „Lerpz. Tagebl." zufolge wurde der entlassene Geschäftsführer des Leipzig-Konne- w i tz e r Konsumvereins in Liquidation, der frühere Stadtverordnete Bock, verhaftet. — Ter dem Jnf.-Regt. Nr. 117 angehörende Leutnant Salmann hatte nch vor etwa acht Tagen aus seiner Garnison entfernt. Aus Winterthur (Kanton Zürich) kommt nun die Meldung, daß sich Salmann in entern dortigen Hotel erschossen hat. Tie Beweggründe find unbekannt — Englische Blätter veröffentlichen Einzelheiten über die S ch n e e ft ü r m e im Norden Englunds. Ter Schnee liegt stellenweise so hock, daß die L e i ch e n n i ch t b e e r d i g t w e r d e n können. Ter Bahn- nub Telegravhcnverkehr ist vielfach unter* Kunst und Wissenschaft. — Ter1 von uns bereits erwähnte, in London erschienene Roman von Fisher: „Das Privatleben Wilhelms II. und seiner Gemahlin. Geheimgeschichte des Berliner Hofes" ist auf Anordnung ber Staatsanwaltschaft konfisziert worden. Nach den Mitteilungen eines Berliner antisemitischen Organs beginnt das Buch mit ber Geburt des Kaisers und dem Zeugnis ber damals assistierenden Hebamme, Krau Stahl. „Ist es ein seiner Junge?" hatte damals Königin Viktoriai von England an ihren Schwiegersohn, den Kaiser Friedrich, telegraphiert. Der Kaiser hat viele Jahre später das Telegramm unter den Papieren seines verstorbenen Vaters gefunben. Wir erfahren, daß die höchsten Damen des Hofes den Grafen Herbert und Wilhelm Bismarck (Söhnen des ersten Reichskanzlers) nicht sonderlich wohlgesinnt waren und namentlick) die Entfernung des Weiteren lebhaft wünschten. Weiter wird mitgeteilt, daß, als im März 1892 nach dem Fallenlassen des Volksschulgesetzes Minister v. Zedlitz zurücktrat und auch der R ü ck t r i 11 Caprivis bevor- stand, die englische Königin telegraphierte: „Hier verlautet. baß Caprivi resignieren wM. Verhindert b a# um jeden Preis. Es wäre gerade jetzt eine Kalamität": daß der Kaiser gerade auf der Jagd war und eine hochgestellte Dame Caprivi bat, im Amte zu verbleiben. Zwei Jahre später habe aber gerade die Kaiserin die Ernennung des Fürsten Hohenlohe gewünscht, als eines Verwandten und guten und sanften Menschen, während Caprivi als „streitsüchtiger und widerspenstiger Diener" angesehen wurde. Weiter, daß „Onkel Chlodwig" die Entscheidung über Annahme oder Nichtannahme des Amtes seiner Frau Marie überließ, die von Aussee aus ihre Zustimmung schickte: daß aber gleich nach Hohenlohes Ernennung die 56 anderen Hohenlohes, unterstützt von etwa 160 Großmüttern, Müttern, Tanten, Frauen und Töchtern, den Hof mit Beschwerden überfluteten, daß das Gebalt des Reichskanzlers soviel geringer sei als, sein Gehalt, als Statthalter von Elsaß- Lothringen, und daß ein Mann mit so vielen Verwandten ein derartig ftnanzielles Opfer weder bringen, noch es ihm zugemutet werden sollte. —■ Tatsache tft, baß das frühere Einkommen der Reichskanzlerstelle seit Hohenlohe auf 200 000 Mk. gebracht worden ist. Berlin, 25. Nov. Eine aus allen Teilen des Reiches besuchte Versammlung von Aerzten trat heute im Ge- fnndheitsamte zusammen, um gegenseitige Erfahrungen auf dem Gebiete der Tuberkulose auszutauschen. OberstabsarztNietner berichtete über die Vorbereitungen zu dem im Oktober 1905 in Paris stattfindenden Kongreß, der zugleich auch eine Versammlung des Großen Rates des internationalen Zentralbureaus bilden werde. Hierauf hielt Stabsarzt Weber einen Vortrag über den gegenwärtigen Stand der Forschungen über die Beziehungen der menschlichen und Tiertuberkulose. ,L e i p z i g , J?4. Nov. Max Klingers großes Oelgemälde re blaue Stunde", das erste Freilicht^emälde, das der geschaffen, ist für 60 000 Mk. aus Privatbesitz für das städtrsche Museum erworben worden. Tas Bild wurde Ende der 80er Jahre konziviert und 1890 ausgeführt. Tamals verkaufte es Klinger für 3000 Mk. an einen Kunsthändler. Aniversttäts-Machrichten. -^Prof. Robert Koch 'beabsichtigt, in der nächsten oder übernächsten Woche eine neue Forschungsreise nach O st- a f r i k a anzutreten. Kandel und HkerKeKr. Wolkswirlschast. Märkte. Gietzeu, 26. Nov. Marktbericht. 9(uf heutigem Wochenmarkt kosteten: Butter vr. Pid. 1.20—1.25 Mk., Hühnereier 1 St. 8-10 Big. 2 Stck. 15—00 Pfg., Gänseeier 00—00 Psg., Enteneier 7—0 Psg., Xt'äfe vr. Stck. 6—8 Pf., Kasematte 2Stck. 5—6 Pfg. Erbsen vr. Liter 21 Pfg., Linsen pr. Liter32 Pfg., Taubenvr.Paar0,80- 0,90Mk., Hühnerpr.St. 1,00—1,60 Mk., Hähne pr. Stiick 0,60—1,20 Mk., Enten pr. Stück 1,80-2,20 Mk., Ganse vr. Pfd. 55-63 Pfg., Ochsenfleisch pr. Pfund 70—80 Pfg., Kuh- und Rindfleisch pr. Pfund 62—68 Pfg., Schweim- fteisch pr. Pfund 60—72 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 76 Pfg., Kalbfleisch pr. Psd. 70—74 Pfg., Hammelfleisch pr. Pfund 50—74 Pfg. Kartoffeln pr. 100 Kgr. 6,00—6,50 Mk., Weißkraut per Stück 8—10 Pfg., per Zentner 4.00—4.00 Mk., Zwiebeln pr. Zentner 8,00—10,00 Mk., Milch per Liter 18 Psg., Aepfel per Zentner 4 dis 7 Mk., in Körben 00—00 Pfg. Nüsse 100 St. 20-30 Pfg. Zwetschen ver Zentner 0.00—0.00 Alk. Bnmen per Zentner 6 bis 0.00 Mk. Marktzeit 8—2 Uhr. ke. Frankfurt a. M., 26. Nov. Heu- itnb Strohmarkt. Heu kostete heilte Mk. 3.40—3.80, Stroh Mk. 2.10 bis Mk. 2.30. Alles per 50 Kilo. Tendenz: fest. Kriefkasten der Redaktion. (Auonpme Anfragen bleiben nnberückstchtigt.) X. X. Das Wort „purenziscb" ist un§ unbekannt. Vielleicht meinen Sie „purillent", was „eitrig" bedeutet. — Das Wort „mutterseelenallein" ist popiilä'r durch das von Tenner Mitte der 40er Jahre des vorigen Jahrlmnderts gedichtete und von Braun, Esser it. a. komponierte Lied „Es blickt so still der Mond mich an". Jedenfalls aber ist sein Ursprung viel älter. __________ Neueste Meldunnen. Berlin, 26. Nov. Wie der sozialdemokratische Abgeordnete Eduard Bernstein im Vorwärts mitteilt, hat das von ihm herausgegebene Montagsblatt sein Er sch ei nen e i n g e st e l l t. Stockholm, 26. Nov. Wie verlautet, soll Hendrick Ibsen schwer erkrankt sein. London, 26. Nov. Der Tokioer Korrespondent der Times schreibt: Die gegen Deutschland ausgestreuten Verdächtigungen, daß es mit Rußland gemeinschaftliche Sache mache, hätten eine Reaktion zu Gunsten Deutschlands in Japan hervorgerufen. Man nimmt an, daß jene Behauptungen von Petersburg aus lanziert wurden, um die Japaner zu einer feindseligen Stimmung gegen Deutschland zu veranlassen. Infolgedessen betonen die japanischen Blätter jetzt ausdrücklich, daß Deutschland seine Neutralität in befriedigender und gerechter Weise wahrt. London, 25. Nov. In einer Rede erklärte der Unterstaatssekretär des Aeußeren: Tie Behauptung, daß man gegen Deutschland und Amerika keine Gegen- zölle einführen könne, weil die englische Ausfuhr dorthin größer sei, als der Export dieser Länder nach England, sei nach seiner Ansicht nicht überzeugend. Amerika und Deutschland hätten schon die englischen Waren mit dem Maximalzoll belegt, und sie würden durch eine weitere Erhöhung des Zolles die eigene Bevölkerung mehr schädigen, als England. Der englische Export nach Deutschland betrage 34 Pro^ der ganzen deutschen Einfuhr, während die deutsche Ausfuhr nach England nur 9 Proz. der gesamten englischen Einfuhr ausmacht. Wenn also Deutschland Vergeltung gegen englische Waren üben wollte, so müßte es den bedeutend größeren Teil seines gesamten Importes belasten und würde damit den Konsumenten im eigenen Lande den größten Schaden zufügen. Paris, 26. Nov. Der Rennfahrer Brecy, der bei einem Record-Versuch auf der Prinzenpark-Bahn stürzte, ist seinen Verletzungen erlegen. Paris, 26. Nov. Das „Journal" berichtet aus Petersburg: In Marinekreisen zirkuliert das Gerücht, der Kreuzer „D f ea* vom 2. baltischen Geschwader werde nach Libau zurückkehren, um sich einer großen Reparatur zu unterziehen. Es heißt, dieser Kreuzer sei im großen Belt $r*en roor^en und habe Havarie erlitten. Eine Bestätigung dieses Gerüchtes fehlt. Petersburg, 26. Nov. Aus der Provinz werden dauernd Unruhen von Rekruten gemeldet. In Sewastopol meuterten dieselben. Die Tumulte nahmen einen derart ernsten Charakter an, daß Militär einschreitm mußte, um bte Ordnung wieder herzustellen. Man spricht von Toten und Verwundeten. Telephonischer Kursberichts BV^/a Reicb«anleihe , , 3V9 do. . . . Konsols , . . . 3