Nr. 97 Dienstag, 26. Avril 1904 154. Jahrg Glchener Anzeiger «Lrjchetw tigltd) mtt 9Iu6no6m# bei vmrntagS General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. tote für das frühere Projekt, fremd) fet eS schwer, sich von den dar- wandeln und zwar, da es sich um eine Frage der Prosperität Han Frhr. frir den t, sowie U »P die ine tigcn Verhältnissen ein Bild zu machen. Der Zeitpunkt, eine neue Belastung des Reiches herbeizuführen, sei so ungünstig wie möglich. , Satt-N'E? »lbtti’6 »axttubün^er tamWl« w Baumwachs Ziuktiutk Lelsarbe und Lacke re.». dler-Trogerw-eliersw-gL Ltio Schaas^^ Eisenbahn von Dar-es-Salaam nach Mrogoro. Der Entwurf bestimmt, daß das Reich einer zu bildenden ostafrikanischen Eisenbahngesellschaft eine Garantie von 3 Prozent für ein Kapital von 18 750 000 Mk. gewährt, während die Gesellschaft den Bau und den Betrieb der Bahn übernimmt. Kolonialdirektor Dr. Stuebel: In der vorigen Session haben die verbündeten Regierungen diesem hohen Hause den Entwurf zum Dau einer Bahn bereits vorgelegt. Sie halten diese Eisenbahnverbindung für Ostafrika für eine unbedingte Notwendigkeit. Leider ist der damalige Entwurf über die Kommissionsberatungen nicht hinausgekommen. Wir haben ihn daher erneut einbringen müssen, doch haben wir eine wesentliche Aenderung gemacht und zwar die, daß wir die Spurweite von 1,06 Meter auf 0,75 Meter verkleinert haben. Dadurch ist es uns möglich geworden, gegen das vorjährige Projekt 3 Millionen zu ersparen. Die Bedenken, die in der vorigen Session geltend gemacht sind, lagen ja hauptsächlich auf finanziellem Gebiete und lediglich aus diesem Grunde haben wir uns entschlossen, in dem neuen Gesetzentwurf die geringere Spurweite einzuführen. Ich weiß, daß diese geringere Spurweite für manches Mitglied des hohen Hauses ein Stein des Anstoßes ist. Sie ist aber lediglich eine Konzession an unsere Finanzlage und an die Sparsamkeit des hohen Hauses. Sollten wir uns aber geirrt haben, sollte der Reichstag freigebiger sein und die weitere Spurweite bewilligen, dann wird die Kolonialverwaltung dies mit Dank entgegennehmen. Indessen darf dies nicht etwa so geschehen, daß die Linie der Bahn verkleinert wird, denn eine weitere Strecke mit geringerer Spurweite ist uns immer noch lieber, als eine kleinere Strecke mit größerer Spurweite. Die Bahn ist von der größten Bedeutung für die Entwicklung unserer ostafrikanischen Kolonie. Unser Ostafrika umfaßt ein Gebiet, das zweimal so groß ist, wie daS Deutsche Reich. Ist es so an und für sich unmöglich, ein Gebiet von solcher Ausdehnung ohne Eisenbahn zu erschließen, so kommen hier noch ganz besondere Umstände hinzu. In Ostafrika fehlen diejenigen Verkehrsmittel zweiter Ordnung, die anderwärts die Eisenbahnen zum Teil ersetzen können. Ich berufe mich auch hier auf das Urteil zweier hervorragender Sachverständiger, des Professors Hans Meyer und des früheren Oberrichters Ziegler. Beide haben sich dahin ausgesprochen, daß man erwarten kann, daß der Bau der Bahn segensreich für das Land wirken wird. Der Bau der Bahn wird auch dringend verlangt von einer Eingabe des Verbandes deutscher Baumwollenfabrikanten. Abgesehen von den ökonomischen Gründen sind auch Gründe allgemeiner und militärischer Natur sehr ausschlaggebend. Die Bahn ist dringend notwendig, um Ruhe und Ordnung in der Kolonie auftecht erhalten zu können. Ein englischer Minister hat schon gesagt, das beste Mittel gegen den Ausbruch von Unruhen sei die Eisenbahn. Man braucht dann nicht erst viele Truppen zu unterhalten, wenn man sie so schnell befördern kann. Die Lokomotive verdient im Wettkampf mit dem Maximgeschütz ganz entschieden den Vorzug. Wenn wir in Südwestafrika eine ordentliche Bahn hätten, Jo hätte der Hereroaufstand niemals diese Ausdehnung gewinnen können. Auch in hygienischer Hinsicht bietet die Bahn viele Vorteile. Sie dient dazu, auch diejenigen Punkte allgemein zugänglich zu machen, die hygienisch wertvoll sind, wie es die Engländer getan haben. Man könnte Bergsanatorien errichten usw. Ich kann Ihnen also den Bau der Bahn nur auf das aller- wärmste au5 wirtschaftlichen, sittlichen, nationalen und hygienischen Gründen empfehlen. DaS sind große Vorteile der Bahn für unser Schutzgebiet. Persönlich können wir diese Vorteile nicht von vornherein auf Heller und Pfennig berechnen und eine genaue Rentabilitätsberechnung in diesem Sinne aufttellen. Ich brauche aber bloß daran zu erinnern, wie eS auch in Deutschland früher kluge Leute gegeben hat, die meinten, eine Bahn könne sich überhaupt nicht rentieren. Hätte man auf diese gehört, dann wären wir in Deutschland jetzt noch ohne Eisenbahn. Die ostafrikanische Bahn würde aber auch günstig auf die Finanzen der Kolonien selber einwirken. Sie würde uns manches ersparen, was jetzt sehr teuer kommt, z. B. mindestens eine Schutztruppenkompagnie. Nach meiner persönlichen Ueberzeugung wird die Bahn nach 20—25 Jahren so weit sein, daß sie das hineingesteckte Geld verzinst und sich ordentlich rentiert, so daß weitere Zuschüsse dann nicht mehr erforderlich fein werden. ES soll jedenfalls einmal ein Anfang gemacht werden und zwar nicht nur mit dem Bau von Eisenbahnen in größerem Umfange, sondern auch gerade damit, das deutsche Kapital mehr für unsere Kolonien heranzuziehen. Nur wenn wir die Verkehrsverhältnisie Unserer Kolonien verbcsiern, besteht die Aussicht, daß die Kolonien aufblühen, daß das deutsche Kapital dort werbend angelegt wird. Dann wird die Kolonie in absehbarer Zeit nicht mehr dem Reiche Kosten verursachen, sondern eine wirtschaftliche Stütze des Reiches werden. Abg. Graf zu Stolberg (lonf.): Wir sind keine Kolonialschwärmer. In Südwestaftika haben wir jetzt eine schwere Krisis, die unS viel Geld kostet. Da müsien wir unS die Frage borlegen,' wollen wir Kolonien oder wollen wir keine? ES gibt viele Leute, die meinen, es wäre bester, wenn wir keine hätten. Aber nun haben wir die Kolonien erworben, die Erwerbung ist auS dem Innern des Volkes hervorgegangen, selbst die Sozialdemokraten würden nicht den Antrag stellen, unsere Kolonien zu verkaufen. Aber auf dem bisherigen Wege geht es nicht, entweder müssen wir mehr tun, oder die Kolonien aufgeben. Auf alle Fälle müsten wir für bessere Verkehrswege sorgen. Der beste Verkehrsweg ist sicher ein großer schiffbarer Fluß. (Zuruf links: KanalI Große Heiterkeit.) Da wir nun aber Flüsse nicht haben, müsten wir für eine Eisenbahn sorgen. WaS den Entwurf anlangt, so bedauere ich sehr, daß uns nicht der Entwurf der vorigen Session nach den Beschlüsten der Budgetkommission vorgelegt ist. Die Ersparnis durch die geringere Spurweite wird die Gegner nicht gewinnen, dagegen ist die Bahn mit einer geringeren Spurbreite viel weniger leistungsfähig. Wir müssen von den Engländern lernen, die sogenannte Kapbahn hat 1,06 Meter Spurweite, da müßten wir den praktischen Engländern folgen. Die Vorlage hier macht einen etwas krämerhaften Eindruck. In erster Linie wollen wir eine Bahn, erst in zweiter Linie eine schmalspurige. Abg. Dr. Müller-Sagan (fteis. Vpt., sehr schwer verständlich, da er der Tribüne den Rücken kehrt) meint, daß eine Rentabilität für die Bahn Dar-eS-Salaam—Mrogoro ebenso ausgeschlossen sei, tl Ls >- -'M ***pi tHeda!tton, Grpefrttton u. Druckerei vchukflr.1. Tel. 9a. DL Xelegt^tlbt. r Bjuetaa (Btefetn Die „Glefttnet Äatnlltenblätter“ werden oen Anieu,. otennc wöchentlich betgelegt D» JselftL k Canö tr * erschein monatlich einmal Rnftmonebmef anb Berkan Der Brü hi fetzen LlntrmttätSöruderet. !M Sanne. Gies«. Parlamentarische PerllanMnmien Nachdruck ohne Vereinbarung nicht gestattet. Äeutkcher LLem-stag. 75. Sitzung vom 25. April. 1 Uhr. Das Haus ist äußerst schwach beseht. Am Bundesratstisch: Möller, Dr. Stuebel, von Stengel, Frhr. von Nichthofen u. a. Auf der Tagesordnung steht zunächst der Snttour1 Uebernahme einer Garantie des Reichs f delle, dann nicht mehr unter Garantie des Reichs, sondern lediglich auf Kosten der Interessenten. Damit schließt die Erörterung. Die Vorlage geht an bte Budgetkommtsston. Es folgt die erste Beratung des Gesetzentwurf? betr. bte Auf nähme einer S^projentigen Anleihe von 8 Millionen für baS Schutzgebiet Togo von welcher Summe zu Lasten bes Gebietes Togo eine , e n b a h n von Lome nach Palime gebaut werben soll. Tie Anleihe soll nach einem bestimmten Plane in breifeig Jahren getilgt werden. Das Reich übernimmt die Garantie für Tilgung und Verzinsung der Anleihe. Die Beträge dafür sollen aus den Einnahmen des Schutzgebietes Togo genommen werden. Kolonialdirektor Dr. Stuebel: Wir führen hier zum ersten Mal mit einer Anleihe ein neues Moment in unsere Kolonialpolitik ein. Es hat zwar die bisherige Praxis mit unverkennbarer Vorsicht eine Belastung der Kolonialbudgets für längere Zeit vermieden, aber sie stellt Anforderungen an die Schutzgebiete, denen diese unmöglich gewachsen sind. Es ist auch nicht einzusehen, weshalb gerade bei unseren Kolonien der Weg der Anleihe uns verschlossen bleiben soll, den andere Kulturvölker wie namentlich England und Frankreich sich seit langem zu Nutzen gemacht haben. Alle Bedenken müssen schwinden, wenn von vornherein ein bestimmter Tilgungs- plan für die Anleihe festgesetzt ist und wenn die Kolonie die Zinsen und Amortisationsquoten aus den eigenen Einnahmen deckt. Togo hat von Anfang an eine andere Stellung unter unseren Kolonien eingenommen als die übrigen Schutzgebiete, denn Toga hat sich stets selbst erhalten. Es hat nur ein einziges Mal einen Reichszuschuß bekommen und auch den einen nur zu produktiven Zwecken. Nachdem jetzt die Landesgrenze von Togo festgesetzt und das Land im Zustande ruhiger Entwicklung begriffen ist, ist eine erhebliche Steigerung der Ausgaben für die Verwaltung nicht mehr erforderlich. Dazu kommt, daß sich die Einnahmen der Kolonie in dauerndem Aufschwünge befinden, der sich insbesondere infolge der Erhöhung der Einfuhrzölle auf Spiritus wesentlich steigern wird. Einzelne Zeitungen haben eS versucht, die Togoanleihe von vornherein durch den Hinweis auf die im Jahre 1892 versuchte Anleihe für Kamerun zu diskreditieren. Ein Vergleich zwischen den Verhältnissen in Kamerun vom Jahre 1892 und den Verhältnissen in Togo im Jahre 1904 ist aber ganz untunlich. Dort handelte eS sich um ein Land, dessen Küstenstrich noch nicht einmal völlig er* schloffen war, während es sich hier um ein Gebiet handelt, oeffen Entwicklung bis zu einem gewissen Grade bereits abgeschlossen ist. Bezüglich der Form der Anleihe sind drei Wege denkbar: die Reichsanleihe, die Anleihe durch das Schutzgebiet selbst, und die vom Reiche garantierte Anleihe zu Lasten des Schutzgebietes. Der letztere Weg tft gewählt worden, weil er von sachverständigem Urteil als der billigste und zweckmäßigste bezeichnet wurde. Die Anleihe bezweckt den Bau einer Bahn von Lome nach Palime. Es handät sich um eine Strecke von 122 Kilomtr., deren Gesamtkosten bei einer Spurweite von 75 Zentimtr. rund 8 Millionen betragen werden. Für eine rationelle Weiterentwicklung und Ausnützung der Baumwollenkulturen in Togo ist der baldige Bau der Bahn die unerläßliche Vorbedingung. Dbg. Dasbach (Ztr.) macht Bedenken gegen den Bau dieser Bahn geltend. Die Kommission möge sich einmal die Sache sehr gründlich überlegen! Es komme hier nämlich auch wahrscheinlich eine Landerwerbungsftage in Betracht. Dbg. v. Siandy (kons.) bezeichnet die neue Form, die Aufnahme einer Kolonialanleihe, als einen erfreulichen Fortschritt. Unsere Kolonien befinden sich noch in den Kinderschuhen und bedürfen kräftiger Förderung. Man dürfe hierbei nicht kleinlich fein. Wenn wir nur die Hälfte von dem, was uns jetzt der Hereroaufstand kostet, für Eisenbahnbauten und sonstige Meliorationen dort ausgegeben hätten, wir wären besser gefahren und hätten obendrein sparsamer gewirtschaftet. Reichsschatzsekretär Frhr. v. Stengel legt die finanztechnischen Gründe, dar, Die die verbündeten Regierungen gerade zur Wahl dieses neuen Anleihethpus veranlaßt hätten. Die Kolonien seien in vermögensrechtlicher Hinsicht vollständig gesonderte Persönlichkeiten. Der Etat für die Schutzgebiete hänge mit dem Reichshaus- haltsetat überhaupt nicht zusammen ober vielmehr nur noch durch die Reichszuschüffe. Aus diesem Grunde empfehle sich auch eine absolute Trennung und damit die Schaffung dieses neuen Koloniol- Anleihetypus. Abg. Ledebonr sSaz.) meint, daß von vermögensrechtlicher Selbständigkeit der Kolonie gar nicht geredet werden könne, denn wenn irgend ein Unternehmen dort schief geht, dann müsse daS Reich ja doch einspringen. Wie man sich von der Bahn einen Uebergangsbandel von Togo auf englisches Gebiet versprechen könne, verstehe er nicht, für eine Lokalbahn aber liege kein Bedürfnis vor, und deshalbe stehe feine Partei der Vorlage von vornherein ablehnend gegenüber. 2lbg. Dr. Müller-Sagan (freif. Vp.) bemerkt, man habe den betretenen neuen Weg gewiß nur deshalb eingeschlaaen, um nicht das Odium einer weiteren Reichsanleihe auf sich zu laben; in praxi komme aber die Sache auf das gleiche heraus, denn die Kolonie habe keine selbständige juristische Persönlichkeit. Dbg. Dr. Paasche (natl.) weist Darauf hin, daß es sich hier um eine Kolonie handle, die sich selbst erhalte. Die Notwendigkeit des Baues der Eisenbahn brauche nicht näher nachgewiesen zu werden. Die sozialdemokratischen Vorwürfe, daß mit der Bahn Spekulation getrieben werde, seien unbegründet; insbesondere habe Graf Douglas das Terrain in Togo zu einer Zeit gekauft, wo an den Bau der Bahn noch garnicht zu denken gewesen, und die übrigen Ländereien liegen 6 Kilometer von der Bahntrace entfernt. Er bitte, die Mittel für den Bahnbau im Interesse der Daumwollindustrie zu bewilligen. Die finanzielle Seite der Frage könne in der Budgetkommiffion geprüft werden. Nach weiteren Auseinandersetzungen zwischen dem Schatzsekretär Frhr. v. Stengel und dem Abg. Dr. Müller-Sagan (fteis. Dp.) über die finanztechnische Seite der Vorlage gibt Abg. Dr. Arendt (Np.) der Ansicht Ausdruck, daß die Freisinnigen eigentlich für die Anleihe stimmen müßten, da die Deutschen Steuerzahler dadurch nicht belastet würben. Hierauf wird die Vorlage der Dudgetkommission überwielen. Das Haus vertagt sich. Nächste Sitzung: Dienstag 1 Uhr. Dritte Beratung des Abkommens betr. das internationale Privatrecht, Krankenfürsorge für Seeleute, Novelle zum Börsengeseh und Börsen st empelgesetz. Schluß 6% Uhr. Abg. Schwarze-Lippstadt (Zentr., fast unverständlich) scheint zu meinen, daß in unserer ganzen Kolonialpolitik eine Aenderung eintreten müsse. Man dürfe das Land nicht mehr den großen Gesellschaften überladen, und müsse nur allererste Kräfte dorthin schicken, mit der extensiven Politik hätten wir gründlich Fiasko gemacht, wir müßten deshalb zu einer intensiven Politik übergehen. Wir müßten den ernstesten Versuch machen, aus unseren Kolonien herauszuschlagen, was nur herauszuschlagen sei, sonst könnten wir sie nur lieber verkaufen. Die Vorbedingungen für die Bahn seien sehr günstig, so günstig, wie sie nur in Afrika sein könnten, Holz und Steine seien da. Wenn Herr Dr. Müller sich gegen die extensive Politik ausgesprochen hätte, müßte er logischerweise auch zu dem Entschluß gekommen sein, die Bahn zu bewilligen. Denn diese ermögliche ja gerade den Uebergang zu intensiver Kultur. Statt dessen sei er aber gegen die Bahn aufgetreten. Mit dem Stande der Kon- sols habe die Bahn nichts zu hin, denn die Reichsgarantie werde in wenigen Jahren aufhören. Das Geld, das man in die Sandwüste von Südwestafrika gesteckt habe, hätte man lieber für das zukunftsreiche Ostafrika aufwenden sollen. Abg. Graf Arnim (Rp.): Der Abg. Müller-Sagan hat gesagt, es sei sehr schwer, sich ein Bild von den Verhältniffen in Afrika zu entwerfen. Er hat vollkommen recht. Es ist sehr schwer. Aber Sie sehen, daß der nachfolgende Redner ein solches Bild hat entwerfen können, und zwar ein sehr gutes und sehr lehrreiches. Die englische ostaftikanische Bahn ist auf weniger günstigem Terrain gebaut, als es für Die unserige in Betracht kommt, und hat bereits Ueberschüsse ergeben. Das ist doch ein Beweis dafür, daß der Bahnbau in Ostaftika sich lohnt. Erfreulich ist es, daß der Neger, wenn er auch an und für sich faul ist, durch die Gemeindebildung schon mehr zur Arbeit angehalten wirb, und mit der fortschreitenden Kultur wird er es noch mehr werden. Ich halte Ostaftika für unseren kolonialen Schatz, den wir pflegen müssen. Es ist ein Land mit 7% Millionen Einwohnern, das auch fruchtbar genug ist, um reiche Erträge zu liefern, insbesondere durch die Baumwollenkultur. Eine breitspurige Bahn würde sich viel früher rentieren. Zweimal haben wir hier die Bahn staffieren, zweimal hat das Tropenklima die Trace mit Gras bewachsen lassen. Deutsche Gründlichkeit ist sehr schon, aber sie darf nicht zur Unentschlossenheit führen. (Beifall.) Abg. Dr. Paasche (natl.): Meine Freunde sind überzeugt, daß eine leistungsfähige Bahn zur Hebung der Kolonie notwendig ist. Wenn wir einmal Kolonien haben, dann ist es auch unsere Pflicht, für sie zu sorgen. Die Annahme, daß aus der Kolonie Ostafrika nie etwas werden könne, trifft nicht zu; die Verhältniffe liegen dort weit günstiger, als in Südwestaftika. Wir haben schon einen Posten Kulturarbeit geleistet durch Aufhebung der Sklaverei und anderes, aber wir Dürfen nicht auf halbem Wege stehen bleiben; es muß vor allem Den Verkehrsbedürfniffen genügt werden, und dazu ist die Bahn erforderlich, und nicht nur Die Bahn allein, sondern die Eingeborenen werden auch angehalten werden müssen, Wege anzulegen. Wir müssen uns bezüglich der Baumwolle vom Auslande möglichst unabhängig zu machen und zu Dem Zweck Den Baumwollenbau in unserer Kolonie wesentlich zu heben suchen, das aber ist ohne ausreichende Verkehrsmittel nicht zu erreichen. Auch für den Kakaobau ist die Bahn von Wichtigkeit. Wenn wir die Kolonie mehr Durch Bahnen erschließen, dann wird sich auch das Unternehmerkapital mehr der Kolonie auroenDen. Auch wir würden eine breitspurige Bahn vorziehen. Aus jährlich 100 000 Mk. Zinsgarantie mehr oder weniger kann es für eine Kolonie nicht ankommen, in die wir soviele Millionen schon hineingesteckt haben. Auch wir meinen, daß sich eine breitspurige Bahn schneller rentieren wird. Deswegen sind wir dafür, daß die Vorlage nochmals in der Kommission ernsthaft geprüft wird, und geben wir es Der Erwägung anheim. Die Bahn mit breiterer Spurweite, so wie die Kapbahn, zu bauen, damit wir eine auch wirklich leistungsjähige Bahn erlangen. Wenn durch das Gouvernement und durch die Kommunen bann weiter für gute Zugangswege zu der Bahn gesorgt werden wird, dann wird sie sich auch rentieren und unserer Kolonie die besten Dienste leisten. (Beifall.) Abg. Schrader (fteis. Vg.): Wir haben bis jetzt, bis auf eine Ausnahme, keine Opposition gegen das Projekt gehört, allerdings fehlen Herr Bebel und Herr Richter heute hier, und deren Op- vosition dürfte bei der zweiten Lesung nachkommen. Jedenfalls ist das Fehlen des scharfen Widerspruches, Der früher bei solchen Gelegenheiten stets vernommen wurde, sehr charakteristisch. In der .Tat: haben wir einmal die Kolonien, so müssen wir sie auch halten und vernünftig unterhalten und entwickeln. Und da gibt es im wesentlichen nut ein Mittel, um die Kultur solcher Ländereien zu heben, das sind Verkehrswege; für weitere Entfernungen kommen da einzig Eisenbahnen in Betracht. Abg. Ledebour (Soz.) erklärt, seine Freunde hätten gar nichts dagegen, daß Bahnen in Afrika gebaut würden, sie hätten nur sehr viel Dagegen, daß sie auf Kosten der deutschen Steuerzahler gebaut würden. Abg. DaSbach (Ztr.): Ich will Dem Abg. Schrader, der das Fehlen der Opposition konstatiert hat, nur bemerken, daß der Abg. Schwarze lediglich in seinem eigenen Namen gesprochen hat; die Zentrumsfraktion hat sich diesem Projekt gegenüber noch nicht schlüssig gemacht. Ich bin dagegen, daß das Reich die Garantie für die Bahn übernimmt. Die Eingabe DeS Verbandes der Baum- wollfabrikanten kann mich nicht rühren. Wenn die Baumwollfabrikanten sich gegen die amerikanische Konkurrenz durch den Bau afrikanischer Bahnen schützen wollen, so sollen sie doch die Bahn auf eigene Kosten bauen! Abg. Dr. Arendt (Rp.): Bei den seht intereffanten Ausführungen des Herrn Abg. Schwarze sah ich schon im Geiste die erste Lokomotive auf der Bahn von Dar-es-Salaam nach Mrogoro fahren und den Kollegen Schwarze-Lippstadt als Lokomotivführer voller Begeisterung die Bahn einweihen (Heiterkeit), aber unglücklicherweise ist wieder der Kollege Dasbach als Bremser erschienen. (Erneute Heiterkeit.) Nun, ich hoffe, der Zug wird sich nicht aufhalten laffen. Ich halte oen Bau Der Bahn für absolut notwendig. Schon allein aus dem Grunde, weil sie auch das Schicksal der künftigen afrikanischen Zentralbahn entscheidet. Dagegen muß ich es entschieden tadeln, daß die Kolonialverwaltung sich zu der geringeren Spurweite entschlossen hat. Sollten hier Rücksichten auf Privatinteressen maßgebend gewesen sein? Kolonialdirektor Dr. Stuebel: Der Vorwurf deS Herrn Dr. Arendt ist unberechtigt. Die Spurweite ist nicht durch Rücksichten auf irgend welche Privatinteressen verringert worden, sondern, wie ich schon in meiner ersten Rede bemerkt habe, ausschließlich, weil die Kolonialverwaltung von der Ansicht auSging, daß sie damit den Finanzen deS Reiches und der Sparsamkeit dieses hohen HauseS entgegenkommt und Daburdi das Zustandekommen der Bahn wesentlich erleichtert. Wir sind übrigens der Ansicht, daß, wenn nach einer Reihe von Jahren es sich herausgestellt hätte, daß diese Spurweite den wachsenden Anforderungen deS Verkehrs nicht genügt, es außer Ordentlich leicht sein dürfte, die Spurweite in eine breitere umzu 3858 Zer UrSstdent von Arankrcich in Yom Rom, 25. April. Präsident L o u b e t begab sich beute vormittag 11 Uhr nach bcm Pantheon und legte Kränze auf den Särgen der Könige Viktor Emanuel und Humbert nieder. Msdann besuchte der Präsident die Königin-Mutter Margherita. Nach diesem Besuche begab sich der Präsident nach der französischen Botschaft beim Quirinal, wo ihm zu Ehren ein Frühstück stattfand, an welchem die Botschafter Barriöre und Nifard, die Mitglieder der Botschaft mit ihren Damen, sowie hervorragende Persönlichkeiten der französischen Ko- tonie teilnahnien. Er empfing nach dem Frühstück im Botschaftshotel die französische Kolonie, sowie mehrere Abordnungen und kehrte im Laufe des Nachmittags nach dem Quirinal zurück. Der Trinkspruch des Königs. Heute abend war int Quirinal zu Ehren des Präsidenten Loubet G a l a t a s e l, bei der der König folgenden Drinkspruch in italienischer Sprache ausbrachte: Herr Präsident! Das Herz ganz Italiens schlägt mit dem meinigen, indem ich in Ihnen, den willkommenen Gast, die hochherzige französische Nation, begrüße. Unsere Regierungen haben sich leicht in Uedereinstimmung gefunden, indem sie gemeinsam arbeiteten an der Aufrechterhaltung des Friedens, des höchsten Gutes, das alle Staaten immer mehr zu befestigen erstreben, und indem sie einen Schiedsgerichtsvertrag und Ar- beitsvertrag unterzeichneten, haben sie dem politischen Frieden die Kräftigung des sozialen Friedens garantiert. Italien mit) Frankreich sind beide hervorgegangen aus dem alten latinischen Rom. Sie haben sich durch Jahrhunderte die Traditionen unauslöschlicher Verwandtschaft bewahrt und heute bekräftigen sie von neuem ihre Freundschaft int ewigen Nom, von dem der nationale Geist der beiden Völker so viele Einwirkungen erhalten hat. Herr Präsident! Indem ich Ihnen die Hand drücke, erfüllen die ruhmreichen Erinnerungen meine Seele und bewegen sie sehr. Mit diesen Gedanken und Gefühlen erhebe ich das Glas und trinke auf das Wohlergehen Frant- reichs und sein würdiges, edles Oberhaupt. Nach dem Drinkspruch, den die Gäste stehend anhörten, spielte die Musik die Marseillaise. Der Trinkspruch des Präsidenten Loubet. Loubet erwiderte: Sire! Es wird mir schwer, meine Rührung und Dankbarkeit auszudrücken, die ich dieser schmeichelhaften und edlen Sprache Ew. Majestät uno diesem großartigen, unvergleichlichen Empfange gegenüber empfutden muß, bei dem ganz Italien sich mit seinem erlauchten Souverän vereinigte, um Frankreich zu ehren. Die Worte Ew. Majestät werden morgen in allen fianzösischen Herzen wiederklingen. Zwar erwarteten Frankreich und Italien nicht diesen Tag, die verwandtschaftlichen Beziehungen, welche sie einander nähern und von welchen sie wünschen, daß sie zu ihrem Glücke stets freundschaftlich feien, laut zu vertünden, aber wie Ew. Majestät ist es auch mir eine große Freude, die Freundschaft beider in dem ruhmreichen Nom bekräftigen zu hören, in welchem Franzosen und JtaUener ihre gemeinsame Mutter und diejenige verehren, ioel^e sie zu ihren großen Taten begeistert. Unsere Negierungen erkannten, von wie großer Bedeutung es ist, die unteres,eu ihrer Länder mit den Sympathien in Eiiillang zu bringen, die sie einander nahebrachten. Aus dem gtüulichen Zusammenarbeiten beider i|t erst kürzlich das Schiedsgerichtsübereinkommen und der Arbeitsvertrag hervorgegangen, worin ich gleich Ihnen ein neues Unterpfand des politischen Friedens und ein fruchtbares Werkzeug des sozialen Fortschrittes erblicken darf. Sire! Erfüllt von den großen gemeinsamen Erinnerungen vereinige ich in meinem Drinkspruch auf die Größe und das Wohlergehen Italiens mit den Wünschen, die ich für das Glück seines erhabenen Herrschers hege. Nach dem Trinkspruche Loubets spielte die Musik den Königsmarsch. ♦ Die römische „Tribuna" kommentiert in einer Extraausgabe die heutigen Toaste wie folgt: Sie scheinen die Wärme des Volksempfanges zu reflciticren und ein jebei die Paraphrase des anderen zu sein. Beide Regierungeii arbeiten für den Frieden Europas, dessen erste Basis Frankreich und Jtalieu durch den Schiedsgerichtsvertrag und Arbeitsvertrag legten. Beide Toaste,, die feierlich die auf alte Traditionen begründete Freundschaft preisen, bilden einen würdigen Epilog zur Wiederherstellung der guten Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Die römische „Patria" hebt hervor, daß bei den Festen sich etwas noch nie Dagewesenes ereignet habe. Au den Festen hätte nämlich entgegen allen Herkommens auch die Bevölkerung teilgenommen. Der französische Minister Delcasse hatte wichtige Unterredungen mit dem italienischen Minister des Auswärtigen D ittoni. Zweck und Inhalt dieser Unterredungen werden geheim gehalten. 2>er Krieg zwischen Aapan und Aukland. Ein japanischer Meuchelmordversuch. Aus Petersburg meioet vom 25. d M. Reuter: Zwei als chinesische Bettler verkleidete I a p a n e r versuchten den General Kuropatkin bei dessen jüngstem Besuche in Niutschwang zu ermorden. gelang ihnen, jich Kuropatkin zu nähern. Einer der beiden Kosaken in Küropatkins Begleitung bemerkte, wie einer der Männer seine Hand ins Kleid |tedte, worauf er ihn zu Boden schlug. Man durchsuchte die Männer, welche falsche Zöpfe trugen und fand in ihrem Besitz Messer. Der Hafen von Wladiwostok ist fast vollkommeit eisftii. eine große Anzahl japanischer Panzer und Kreuzer bereiten den Angriff gegen den Platz vor, bei dem vier russische Kreuzer und Torpedoboote zur Verteidigung bereit sind. Ter ^rp attische Plan soll darin bestehen, daß das Wladiwostok-Geschwader selbst um den Preis großer Opfer verhindert werde irgend eine Rolle zu spielen, bevor die vier Tivisionen des Generals Kuroki, des Momnianbanten der 1. Armee den Iain überschritten haben. General Oku, der Kommandeur der 2. Armee, die bisher 3 Divisionen zahlt, erwartet noch Verstärkungen besonders von Artillerie. Es geht das Gerücht, das Geschwader von Wladiwostok habe zwei japanische Transportschiffe, denen es begegnete, beschlagnahmt. Tie Japaner hatten großen Widerstand geleistet. Ein japottisches Schlacht-Geschwader sei zu Hilfe gekommen, die Rusten hätten aber die Transportschiffe niedergefeuert. Der größte Teil der -Mannschaft habe sich au, Boote gerettet, einige seien ertrunken. Streik in Ungarn. Budapest, 25. April. Namens des Komitees der Aus ständig en wird an die Eisenbahnangestellten eine Proklamation gerichtet werden, sofort die Arbeit wieder aufzunehmen, um nicht eine weitere Verschärfung der Maßregeln der Regierung herauf zu beschwören. — Wie von kompetenter Seite verlautet, verkehrten schon heute sämtliche Eisenbahnzüge fahrplanmäßig mit Ausnahme einzelner Nachtschnellzüge. Tie Staatsanwaltschaft erhob gegen sieben der verhafteten Mitglieder des Streikkomitees Anklage wegen Aufforderung zur Verweigerung der Amtspflichten. Ingenieur Komlofsi, welcher Mitglied des Streikkomitees ist, stellte sich selbst. Der Beamte Potincze wurde verhaftet, ferner wurden 39 Beamte des Rakospalotaer Rangierbahnhofes, welcher den Ausgangspunkt des Ausstandes bildete, der Staatsanwaltschaft vorgeführt.. Das Abgeordnetenhaus wurde durch ein königliches Handschreiben vertagt. (Wahrscheinlich, weil die Regierung befürchtet, daß die Reden der heißblütigen Opposition im Parlament die Aufregung im Lande vermehren könnten.) Großwardein, 25. April. 15 000 organisierte Arbeiter traten heute in den Ausstand und zwangen die Ladenbesitzer, die Läden zu schließen. Die Ausständigen bezogen ein Lager, das von Militär umzingelt ist. Aarlauurrtarisches. Berlin, 25. April. Im Abgeordneten hause teilte Minister Budde heute mit, daß eine Depesche des Königs eingegangen sei, in welcher der Finanz Minister und der Eisenbahnminister ermächtigt wird, dem Hause eine Vorlage zu machen, durch die den Eisenbahnen d r e i M i 11 i o n e n gegeben werden, um auf dem Gebiete der Arbeiter-Wohlfahrt weiter vorzugehen. Die dritte Etatsberatung wurde heute fortgesetzt beim Etat für das Berg-, Hütten- und Salinenwesen. Im Abgeordnetenhause sieht man einer langen Debatte über die wasserwirtschaftliche Vorlage entgegen. Es wird angenommen, oaß die Verhandlungen diesmal im Gegensatz zu den Beratungen in früheren Sessionen einen sehr fachlichen Charakter tragen werden. Wenn der Minister- präsidettt überhaupt das Wort ergreift, so wird es voraussichtlich nur sein zu einer kurzen sachlichen Ausführung. — Auf Veranlassung von Abgeordneten aus dem Mosel- und Saar-Revier fand heute im Abgeordnetenhaus eine Besprechung über die Frage der Kanalisierung d er M o f e l un d Saar statt, an der sich der Verband für Kanalisierung der Mosel und Saar und die wirtscha,tljchen Körperschaften des Mosel- und Saar-Gebietes beteiligten. Die Besprechung wurde v n Abgeordneten der ve.schieden- sten Parteien besucht. Es wurde der Vorschlag behandelt, in b er Kommission folgenden Antrag einzub lugen: das Haus der Abgeordneten wolle beschließen, die königliche Staatsregierung zu ersuchen, einen Gesetzentwurf betr. die Kanalisierung ber Mosel und Saar dem Landtage fo- bald vorzickeg u. buy c Förderung des Mosel- u d Saar- Kanals gleichzeitig mit der Fertigstellung des Hannover- Rhein-Kanals gewährleistet ist. * Wlannfyetm, 25. April. Bei der am 21. April stattgehabten Reichstagsersatzwahl im 14. badischen Wahlkreise wurde Landgerichtspräsident Z e hn ter- Offenburg (Zentrum) mit 9840 von 9924 Stimmen wiedergewählt. Keer und LioUe. — Das Militärwochenblatt meldet: Major v. Claer, kommandiert als Mrlitärattachee zur Gesandtschaft in Peking, von seinem Kommando zur russischen Armee enthoben. Generalleutnant v. Linde, Kommandeur der 4. Division zum kommandierenden General des 11. Armeekorps ernannt; v. Bock und Polach, Generalleutnant, beauftragt mit der Führung des 9. Armeekorps zum kommandierenden General dieses Armeekorps ernannt. Zu Generalleutnants sind befördert: 21 Generalmajore, darunter v. Hoepsner, Kommandant von Berlin, v. Loewenfels, General a la suite beauftragt mit der Führung der ersten Gardedivision, unter Ernennung zum Generalavjickauten des Kuisers und zum Kommandeur der ersten Divistou, v. Pawlowski, Kommandant von Straßburg (Elsaß), v. Dresky, Kommandant von Metz, v. R o h r s ch e i d t, aus der ost- asiatischen Besatzung ausgeschieden, in der Armee wieder angeftellt und zum Kommandeur der zehnten Jnfgnterie- brgiade ernannt. Zu Generalmajoren sind befördert: 23 Obersten, darunter v. Pritzelwitz, bisher Flügeladjutant des Kaisers, Sommanbeur der vierzigsten Jn- fanteriebrigabe; Oberst Kettler, Kommandeur des Infanterieregiments Nr. 60, zum Kommandanten von Mainz ernannt. Oberst v. Ballet des Barres, beauftragt mit den Geschäften des Direktors des Vorsorgungs- und Justizdepartements im Kriegsministerium und v. Wachs, Oberst, beauftragt mit den Geschäften des Direktors des Zentratdepartemcnts im Kriegsrnmisterium, zu deren Direktoren ernannt. Der Rang eines Brigadekornmandeurs wurde verliehen 9 Obersten; zu Obersten wurden befördert 23 Oberstleutnants; zur Disposition gestellt 15 Generalmajore in Genehmigung ihrer Abschiedsgesuche. c.ii'j Aladt und Land. Gießen, 26. April 1904. * * Person alien. S. K. H. der Großherzog haben dem Wasserbauasseffor Bauinspektor Wilhelm Becker zu Mainz den Charakter als „Baurat" erteilt. — Der Oberförster der Oberförsterei Wahlen, Ludwig Schreher zu Wahlen wurde in gleicher Diensteigenschaft in die Oberförsterei Seligenstadt versetzt. — Am 8. April d. I. wurde der Stellenanwärter Kanzleigehülfe Julius Pick zu Darmstadt zum Ministerialkanzlisten bei dem Ministerium der Finanzen ernannt. — Der Bauassessor Bauinspektor Burkhardt Kaibel zu Bad-Nauheim rourbe unter Belastung des Titels und Rangs eines Baulnspektors zum Technischen Assistenten bei der Badedirektion und dem Tiefbauamt Bad-Nauheim ernannt. — Der Ministerlaikanzlist bei dem Ministerium der Finanzen, Georg Schneider zu Darmstadt, wurde auf fein Nachsuchen unter Anerkennung seiner langjährigen treu geleisteten Dienste in den Ruhestand versetzt. — Am 19. April ds. Js. wurde der Brückenwärter zu Oppenheimer Fahrt, Mathias Kissel, in gleicher Diensteigenschaft an die fliegende Nähe bei Gernsheim versetz!. : * 3 ur £ a 1) n f a na i i j a t i o n äußert sich ein Artikel ves „Rü K." folgeildermaßen: Ter Lahnkanal-Vereiu hatte am 17. _.iai 1903 zu Limburg seinem Vorstände durch eine einstimmig angenommene Resolution folgende Direktive gegeben: „Die Selbsterhaltung der im Gebiete, der Lahn und Dill angesiedelten industriellen Unternehmungen fordert gebieterisch auch die Kanalisierung der Sahn. Durchdrungen von der Ueberzeugung, daß eine Nichtberücksichtigung dieser Forderung bic 23er ni d) tun g der Iahr» Hund erte alten Industrie des Lahngebiets und damit die Verödung eines blühenden Landesteiles zur Folge haben muß, gibt die Versammlung einmütig der Erwartung Ausdruck, daß die hohe Staatsregierung die Berechtigung dieser Forderung anerkennt und das Projekt der Laynkanalisation nachträglich in den Plan der wasserwirtschaftlichen Vorlage auf» nimmt." Seitdem scheint dem Vorstände diese Richtschnur etwas abhanden gekommen zu fein, weil er in seiner Sitzung vom 5. d. M. sich der Ansicht des preuß. Land- tagsabg. Eahensly angeschlossen zu haben scheint, die dahin ging, man möge um Gotteswillen die große Kanalvorlage nur ja nicht noch mit der Lahn bepacken. 'Weshalb, weiß keiner. Tie Zeiten ändern sich und mit ihr die Ansichten, aber wir sind anderer Meinung. Die Lahn ist ein kanalisierter Fluß, allerdings ein mangelhaft kanalisierter. Die preußische Staatsregierung hat die Pflicht, ihn auszubauen, und aus dieser Erkenntnis heraus hatte sie schon vor 30 Jahren 6% Millionen in den Etat eingestellt, die leider wieder gestrichen wurden. Diese Summe, seitdem verzinst, genügt für den Ausbau der ganzen Lahn. Deshalb muß diese ganze Summe in die große wasserwirtschaftliche Vorlage hinein, sonst ist die ganze Kanalisierung der Lahn „ad calendas graecas* verschoben. Sache der nassauischen Abgeordneten ist es nun, dafür zu sorgen, daß die Lahn vor diesem Schicksal bewahrt bleibt. Schon rühren sich die Interessenten aller Orten selbst, und Petitionen und Eingaben an das preußische Abgeordnetenhaus und dessen Mitglieder smd in Vorbereitung und zirkulieren in Menge zur Unterschrift. Möchten diese Bemühungen einer rührigen Gruppe von Erfolg begleitet fein. — Der Gewerbeverein zu Ems hat für die Ende Mai in Nassau pattsindende Generalversammlung der nassauischen Gewerbevereine den Antrag eingebracht, man möge sich für die Dringlichkeit der Lahnkancllisterung aussprechen und den Zentralvorstand um eine sofortige Eingabe an das preußische Abgeordnetenhaus ersuchen. R -B. Darmstadt, 25. April. Von behördlicher Seite aus St. Goarshausen wurde heute an die zuständige Stelle hier die telegraphische Mitteilung gemacht, daß im Rheine in der Nähe des Ortes eine Leiche gefunden worden fei, auf welche das Signalement des flüchtig gegangenen Bankiers Schade passe. Der Trauring, den die Leiche trug, und die Wäschezeichnung C. 8. bestätigten diese Vermutung. Da die Leiche schon lange im Wasser gelegen hat und starke Spuren der Verwesung trug, so erscheint es sicher, daß Sch. alsbald nach feiner Flucht von hier im Februar dss. Js. das seiner Gattin von Mainz aus mitgeteilte Vorhaben, den Tod im Waffer suchen zu wollen, auch ausgeführt hat. Die Leiche ist dann von Mainz aus vermutlich bis St. Goarshausen den Rhein hinunter getrieben worden und jetzt durch einen Zufall dort gefunden, resp. ans Tageslicht getrieben worden. Der zweite, nicht verhaftete Sohn Sch.'s rst heute nachmittag zur Rekognoszierung seines Vaters nach dem Fundorte abgereist. vermitzchte». • Kattowitz, 25. April. Als der Arbeiter Wozniak ohne Paß die Grenze bei Myslowitz nach Preußen überichreiten wollte und sich schon inmitten des Grenzflusses Przemsa befand, wurde er von einem russis chen Grenzposten durch drei Schüsse getötet H.richtssaal ® l o g a u, 25. April. Graf Pückler begab sich beute aus dem hiesigen Gefängnis auf das Gerichts wo er sich vor der Stra'kammer wegen Beleidigung des Stationsvorstehers in Klein-Tschirne zu verantworten batte. .Graf Pückler hatte u. a. gejagt : In ganz Deutschland wurde man über die Behandlung, die ihm in Glogau zu Teil wurde, reden. Hunderttausend Reichsfeinde wurden mehr entstehen. Er ziehe jetzt mit scharfem Schwert gegen Regierung und Behörden los. Graf Pückler wurde zu 50 Mk G e l d st r a f e verurteilt. Gießen, 26. April. Der Fehlbetrag, den die land« w i r ts ch a i t l i ch e A u S st e l l u ti g un verflossenen Jahre ergeben hat, beträgt nach endgültigem Abschlüsse 'Ulf. 9830. Auf welche Art das Deflzit gedeckt tverden soll, ist noch nicht entschieden; es soll in erster Linie die Regierung ersucht tverden, einen Teil zu decken. Markte. fo. Frankfurt a. M., 25. April. (Orig.-Telegr. des „Dietzen. Anz.") AmtlicheNotierungen der heutigen Fruchtmarktpreise: Weizen Alk. 17.50—00.00, Kurhessischer All. 17.75—00.00, La Plata Mk. 17.50—18.50, Kansas Alk. 17.50—18.50, dioggen (hiesiger) Mark 13.75—14.00, Gerste (Wetterauer) 9)IE. 14.50—15.00, Franken. Selber Alk. 00,00—00,00, Hafer Alk. 13.00—14.50, Mais Mk.0 12.0-o0.00, Weizenmehl 0 Alk. 26.75—27.25, 2. Qualität Alk. 24.75 bis All. 25.25, 3. Qualität Alt. 22.75—23.25, Roggenmehl U Alk. 22.50—23.00,1. Qualität Alk. 20.00—20.50, Weizenkleie 'M 8.7o bis Alk. 9.00, Noggenkleie Alk. 9.25—10.00, Matskeime All. 10.50 bis All. 10.75, Franken, Pfälzer, Ried All. 00.00-000.0. AlleS pei 100 Kg. ab hier. tc. Frankfurt a. M., 25. April. (Tetegr. Orig.-Bericht bet „Gieß. Anz."). Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarki- preise. Zum Verkaufe standen: 483 Ochsen, 188 aus Leitreich, 49 Bullen, 5 aus Oestreich, 680 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, aus 1 Oestreich, 210 Kälber, 149 Schafe und Hämmel, 1628 L-chweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahlt wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht. Ochsen 1. Qualität 71—73 'M, 2. Qual. 64-67 Alk., 3. Qual. 59—63All.; Bullen 1. Qual. 01 bis 63 Alk., 2. Qual. 58-60 Alk.; Kühe 1. Qual. 61-63 Alk., 2.Qual. 58—60 Alk., 3. Qual. 45—47 All, 4. Qual. 42-44 Alk., 5. D-uaL 00-00 All. Kälber: 1. Qual. 87—88Pfg., Lebendgewicht 51-o3'N-, 2. Qual. 80—84 Pfg., Lebendgewicht 48—50 Pfg., 3. Qua. 00-00 Pfg., Schlachtgewicht 64—66 Pfg., Schafe: 1. Qual. 68- 2. Qual. 60—62 Pfg., 3. Qual. 00-00 Pfg.; Schweine 1. uuf. 53-00 Pfg., Lebendgew. 42 Pfg., 2. Qual. 51-52 Pfg., Lebeubgemicyl 41—00 Pig., 3. Qual. 44—46 Pfg., Lebendgewicht ü0—00 Pfg. Geschäft: bei Hornvieh mittelmäßig, unbedeutend; Geschäft ve Kleinvieh gut, kein Ueberftanb. __________ Briefkasten der Ukdalilian. (Unouyme Anfragen bleiben unberücksichtigt.) L. Ter § 8 des Kirchengesetzes über die Vornahme bei kirchlichen Trauung vom 24. Dezember 187o bestimmt. T'rauung geschieht im Gotteshaus und in Gegenwart von mmo 1 - zwei Zeugen. Dispensationen von der ^l^ren Beil hat das Großh. Oberkonsistorium S".^b>len. Vorbeha nachträglichen Anzeige an dasselbe bars ber Geistliche m Haus traun ng ohne vorherige Dispensation vornehmen. An* srftrf SÄ« * Ä .ISS derlin, 2K Mi Venedig: $PoifeIA 5 ssr« s-"äs Dege Blose M venezimilsüenPm foflüTnterten Noftt und die MnsckMmenge ve llbr an der Voje Salut der SescdH vaZ md das Hand stand auf dem Obe kostbare Mmenar Ter Kaiser böcke f)i labinetles Grafen ! der Mer in der ff der Gräfin Morosi reich beflaggt. Vo riesige italienische \ und an den ilfmi' pfang in Venedig b der schönen Re und da aus ber gc und auf Sizilien, m der liebenSwüi dem ©erlaufe sein finden und s- Gestern besichtigte und SkiWn, die Fahrt gemalt hat orden vierter Kl zollern" waren fy Komtesse Morosim Liotti, Sindaco un „Friedrich fall" u Sine TlufiffaptUe t ’crbigm 2ampn ff renade dar, möhren zollern" umfuhren. - Ter Reichst, dieses Monats zun ruhe begeben. , ~ Der „Mix Haftbefehl gege: Jomagrahfi ur Mutwn aufgeho t .London, 26. < e i beutschei, \ Fom her Ver I ¥ ru besichtf, fei“ fc nlti : ST' i*n Bnl« änfrnJ 08 seien Aeralz : erflärt RfSÄ ?*<£•* s 5 tot1seit R'.und 22 « der 26. Upr ^^Qmhfer ^egsni Boa fi- ber t;1? iste^riall ! t *