Nr. 303 Zweites Blatt Samstag 24. Dezember 1904 GW«« Anzeiger General-Anzeiger, Amts- und Anzeigebiatt für den Arris Eichen. Redaktion. Expedition u Druckerei @d)ufftt.f# XeL 91t. 6L Xelequ-UUui GretzM. 154. Jahrgang Erichen« tL-Nch mit Ausnahme des Sonntags, Die »Gießener KamilienblStter- werden dem bAn^e'qei viermal wüchenlltch beigelegt. Der dhtlstich» tanöioUF ericheNU monaUlch einmal Rotationsdruck und Verlag btt Brühl 'ich« UnwerittatSdruckerel 91 Lange, ®ie&au Kirche unb Schule. — Zum Theol o g enman g el in Hessen. Längst hat sich herausgestellt, das; die evangelische Kirche im Grobherzogtum Hessen unter einem bedenklichen Mangel a n t h e o - logischem Nachwuchse zu leiden hat. Um einen eil der vakanten Stellen zu besekeu, mußte das Oberkonsistorium nicht- hessisclie Theologen anfMIen, so einen Hilfsprediger aus Bremen und einen seither in Liverpool tätigen deutschen Pastor. Eme Anzahl vakanter Stellen konnte überhaupt nicht besetzt werden, sondern muß einstweilen durch die Nachbargeistlich^u perseh?n werden, ein auf die Dauer für die Gemeinden unleidlicher Zu- ftmib Trotzdem beharrt die hessische Kirchcnbehörde in erfreulicher Weise bei ib^m seitherigen Standpunkt, nur wlche Theologen anzitstellen, die die vorgeichriebene Gumnasialbildung nach- neisen und ein regeireckNes akademisches Studium absolviert haoen. Man will bei uns in Hessen nicht, wie es in Baden geplant zit, Leute mit mangelhafter wissenschaftlicher Vorbildung MM.Kirchendienste zulassen und, indem man ein Prinzip durchbricht, das Jahrhunderte lang in Geltung war. Geistliche erster und zweiter Kategorie schaffen. , . . m NoNi, 23. Dez. Wie der Secolo meldet, fehle in der -15 e r» waltnng der f r a n z ö s i s eh e n K i r ch e n st i f t il n g e n i n Rom 800,0 00 Tranes. Die französische Negierung bade trotz des Protestes der französischen Kardinale, die die Angelegenheit ans eigene Taust untersuchen wollten, eine Regierungs» Kommisston'zur Enquete nach Ruin gesandt. Das fürchterliche Aa^rmarktsbild. th. Gießen, 24. Dezember. Die Hinrichtung von Groß und S t a f f o r st und der Drang ein richtiger Verbrecher zu werde n, so versicherte gestern vor der Strafkammer der frühere Schmiede- geselle F K., ein geborener Oflpreuße, beides Zusammen habe ihn aufs'neue ins Verderben gebracht. Der erst 26jährige Mensch hat bereits früh die Bahn des Verbrechers betreten, er ist einmal 5>te Welse der Krästn Mantisinoso setzt unausgesetzt ganz Sachsen in höchste Erregung. Bei ihrer Abfahrt von Dresden sperrte ein großes Polizeiaufgebot den Vahnhvssplatz ab. Die Polizei hatte unendliche Mühe, die stürmisch an den Wagen drängende Menge zurückznhalten Man wollte der ehemaligen Kronprinzessin die Pferdfe ausspannen und den Wagen im Triumph durch Dresden fahren. Nur mit Gewalt konnte die Polizei dieses Vorhaben verhindern. Rufe wie: „Hier bleiben", „bleibe hier" und nicht endenwollende .Hochrufe durchbrausten die Luft. Unter Tränen dankte die Gräfin für die Kundgebungen. König Friedrich August ist erst am Donnerstag abend um 6 Uhr von der Jagd nach Dresden zurückgckehrt. (5r ließ sich sofort über die Anwesenheit seiner früheren GemahUll in Dresden einen Vortrag halten. Kurz darauf parlamentarisches aus Kessen. Der Vorstand des Rbein-Main-Gastwirte-Ver- b an des richtete an die II. Kammer die umständlich begründete Vorstellung um: 1. Herabsetzung des Umzugs st empels auf */10 des ursprünglichen Stempels und Anwendung der Ermäßigung bei einem innerhalb einem Jahre nach Aufgabe des seitherigen Be° triebs innerhalb des Großherzogtums erfolgten Umzug. 2. Anwendung dieses ermäßigten Umzugsstemvels auch bann, wenn ein bereits in Hessen konzessionierter Wirt sein Geschäft in ein Lokal verlegt, in welchem seither Wirtschaft noch nicht betrieben wurde. 3. Nichterhebung des Stempels, wenn die Wirtschaft a. von einem verstorbenen auf den überlebenden Ehegatten übergeht; b. von dem Vater oder der Mutter auf ein Kind oder den Ehe- gatten eines Kindes übergebt; c. wenn eine Wirtsnütwe sich wieder verheiratet; d. wenn eine bestehende Wirtschaft durch Hinzunabme eines oder mehrerer Zimmer vergrößert wird. Als Maßstab könnte hier dersenige angenommen werden, den man bei Neuerrichtung einer Wirtschaft zur Teststellung der Höhe des Kouzessionsstempels aimimmt, d. h., wenn die durch Hinzunahme von einem oder mehreren Zimmern vergrößerte Wirtschaft den Rahmen eines Geschäfts, für welches bei' der Neukonzessionierung nur der gewöhnliche Stempelsatz erhoben wird, nicht übersteigt, so wird für die Vergrößerung der Wirtschaft ein weiterer Stempel nicht erhoben. Sinngemäße Anwendung dieser Bestimmung beim Umbau einer Wirtschaft. , 4. Herabsetzung desStempels furTanzerlaub- rt i s auf die früheren vor Erlaß des Gesetzes vom 12. August 1899 in Gültigkeit gewesenen Sätze. 5. Gänzliche Auf he bu nqdesKlavierstempels. 6. Ermäßigung des Stempels auf Automaten und Musikwerke auf jährlich Mk. 3 für die Landorte und kleineren Wirtschaften und auf Mk. 5 für die größeren Geschäfte. Der Zweite Ausschuß hat sich im wesentlichen mit dem Entwurf eines Gesetzes, die Errichtung und Leitung von technischen Privatunterrichtßanstalten betreffend, einverstanden erklärt. Die Abgg. Dr. Heidenreich und Breimer, sowie auch em Komitee beantragen: Hohe Kammer wolle beschließen, Großh. Regierung zu er- suchen, dem Landtage alsbald eine Vorlage zngehen zu laßen, welche die Erbauung und den Betrieb einer normalspurigen Nebenbahn v o n H i r f cd h o r n nachWald -Michelbach im Anschlüsse an die Nebenbahn Wahlen - Wald-Michelbach— Mörlenbach einerseits und der Vollbahn Heidelberg Eberbach Würzburg andererseits auf Kosten des Staates bezweckt. Der Unterverband der Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften- der Provinzen Starkenburg und Oberhessen bittet die zweite Kammer bei Artikel 8 der Regierungsvorlage des neuen Gemeindeumlagen - Gesetzes („Von der Steuer sind befreit") noch einen Punkt 5: „Erwerbs- fcunb Wirtschaftsgenossenschasten, welche unbeschadet der-Feiheit, auch von Nichtmitgliedern Kapitalien oder Spareinlagen ent- geqenzunebmen, die ihrem Zweck entsprechende Tätigkeit statutenmäßig und tatsächlich auf den Kreis ihrer Vereinsnnt- glieder beschränken" hinzuzufügcn. Die Abg. Köhler und Genossen beantragen zum Kapitel 36 (Landes-Universität), Titel 2, Ziffer 40, (Landwirtschaftliches Jnstitu t) des Hauptvoranschlags pro 1905: nach dem Anlage des Direktors des landwirtschaftlichen Instituts und entsprechend der in der Sitzung vom 15. Dez. 1904 erfolgten Befürwortung weitere 6800 Mk. in Ausgabe einzustellen. Tie Abgg. Korell und Genossen beantragen: Die zweite Kammer wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, alsbald der zweiten Kammer eine g r a p H i s che Darstellung über die Einteilung der Ober für ft er et en und For st warteten unter Kennzeichnung der Staats-, Gemeinde- und Privatwaldungen zugehen zu lassen. Der Abg. Leun beantragt: Hohe Kammer wolle beschließen, die Regierung zu ersuchen, tu veranlassen, daß auch nach Anlegung des neuenGrundbuchs m den Orten, wo sich weder ein Amtsgericht noch em No armt befindet die Großh. O r t s g e r i m t e kompetent bleiben, G r u'n d st ü ck s v e r k ä u f e bis 500 M k. W e r t g e g e n st a n d rechts g i l l i g zu p r o t o k o l l i e rem vorgegangen sind, dafür liefern zwei Briefe einen neuen Beleg, welche die Kapstadter Zeitung ,,Ons Land" enthält. Ter eine Brief ist von Frau E. I. Bothma: Am 10. Oktober kamen 60 bis 70 bewaffnete Wi'bo'ks nach Zwartmodder (dem Platze von H. Smith verlangten die Wissen, nahmen die Männer ungefähr 100 Schritte vom Hause mit und schossen H. Smit tot; danach wurden auch E. I. Bothma, H. van der Westhuisen Sr. und Jr., Joh. Potgieter und andere totgejschossen. Zwei Söhne des alten Wesd- huisen flüchteten nach dem Hause, aber ehe sie es erreichten, wurden sie auch totgeschossen. Als die Männer tot waren, kamen die Witbois nach dem Hause, stießen die Türen ein und trieben die Frauen und Kinder aus dem Hause. Ta die Frauen sich fürchteten, hincms^ugehen, ergriffen die Hottentotten die Jungen und warfen sie förmlich zur Tür hinaus. Draußen wurden sie totgeschossen: ein Knabe von Frau Bothma, 10 I'ahre alt, von Frau Westhuisen, 12 Jahre alt, einen Potgistter. 18 Monate, einen Smit, 4 Jahre alt; ein Söhnchen von Potgieter ward von 5 Hottentotten ermordet, sein Schädel war völlig weggeschossen. Ein Sohn Wefthuisens erhielt zwei Schüsse durch den linken Arm. Tann wurden alle ein Stück weggeschleppt. Nach ein paar Stunden hatte sich der siebenjährige Junge wieder erhoben und lief aus das Haus zu. Ta sagte der Führer der Witbois zu der Mutter: „Nun könnt ihr ihn wieder nehmen, wir werden ihn nicht mehr schießen." Tann sagte der Anführer Jzak, sie machten keine Frauen tot, doch trieben sie alle aus dem Hause und verboten ihnen, in dasselbe zurückzukehren. Sie begannen nun, auszw- packen und zu rauben, was vorhanden war. Nm 1 Uhr mittags wurde ein kleiner Wagen bespannt, den die Frauen besteigen mußten, sieben Frauen und 19 Kinder wurden darin nach Kalkfontein gebracht. Nachts mußten wir ohne Tecken schlafen und am nächsten Morgen wurden wir nach Rietmont und dann nach Mariendal gebracht. Tort trafen wir Frau Steyn und Frau Fourie, durften uns ihnen aber nicht nähern. Weiter schreibt Frau Jacobus Steyn: Am 5. Oktober erhielt mein Mann von Hendrik Witboi den Befehl, mit seiner ganzen Familie und dem Vieh nach Kalksontein zu kommen; sie wurden dort entwaffnet. Danach erschienen sechs Reiter und ein Fußgänger, die sofort auf unsere Männer zu schießen begannen (H. Fourie war auch da). Jacobus Stehn entfernte^sich etwa 25 Schritte, dann schossen sie ihn nieder. H. Fourie floh ungefähr 100 Schritte, da trafen ihn 3 Schüsse. Die Hottentotten schossen dann meinen 12jährigen Sohn in den Arm. Tas Kind kroch zwischen die mrderen Kinder und flehte nm Erbarmen, ooch ein Witboi ergriff ihn bei den Füßen, schleuderte ihn von mir weg und gab ihm 5 Schüsse. Am Ende des Briefes werden noch als tot anfgezählt: F. Smera, W. Eelliers, 2 Knondse, Kuhn, E. Kotze, W. van Lel, Moller usw. 15 Leichen lagen auf einem Platze. Am Typhus sind gestorben: Sergeant Oskar Kügler und Gefteiter Rudolf Koeplin. Neuer Truppentransport. H a m b u r g, 23. Dez. Mit dem Dampfer „Prinzregent" verließ heute nachmittag der vierte Truppentransport, bestehend ans 24 Offizieren, 680 Unteroffizieren und Mannschaften und 92 Pferden den hiesigen Hafen. Die Verabschiedung erfolgte durch den kommandierenden General Bock von Polach in der üblichen Weise. Zur Verabschiedung von seinem Sohne, der sich als Offtzier mit nach Südwestafrika begibt, war der Präsident des Neichsmilitärgerichts v. Massow mit Gemahlin erschienen. Tie Verteilung der Liebesgaben des Senats wurde in der gewohnten Weise durch die 5Mmburger Kolonne des Roten Kreuzes vorgenommen. Oberst Leut wein wird mit dem Ta.mpfer^,Mcre Woermann" voraussichtlich am 30. Dezember von Südwestafrika in Hamburg eintreffen. Aus £>ühweftafrdia Maherero. Berlin, 23. Dez. Ter kaiserliche Generalkonsul von Kapstadt meldet, daß nach einer amtlrchen Mrtteckuna Samuel Maherero nach B e t s chu a Nlg lan d übertrat und die Erlaubnis zum Verbleib en auf prr-^ t i s ch e m T e r r i i o r i u tu nachsuch t e. ^er Magistrat für Nhgamiland erhielt Instruktionen, daß die aus deutschem Gebiete kommenden Flüchtlinge von dem Uebertrckt auj englisches Gebiet tunlichst angehaltt:n rmd, salls sw es gleichwohl tun, unverziiglich entwaffnet und verhindert werden, auf deutsches Gebiet znrückzukehren, um weiteren Anteil an den Feindseligkeiten zu nehmen. Sre sollen m genügender Entfernung von der Grenze festgehalten werden, und es sollen legitimierte deutsche Beamte bei Fstt- stellung von Vieh, dessen Diebstahl ^Z6^uommen wird, unterstützt werden. Samuel Maherero wrrd benachrrchiigl, daß er mit einer beschränkten Anzahl seiner ^^wssen nur unter den gleichen Bedingungen wie andere Flüchtlinge auf britischem Gebiete bleiben kann. Ein neuer Kampf. Berlin, 22. Dez. General v. Trotha meldet aus Windhuk vom 21. Dez.: Eine Osfizicrspatromlle steMe bei Stamv-Rietfontein östlich von Kalt ontein 80 Witbois sest. Major^ Meister griff sofort überraschend mit der 4- Kom- voanie und 2 Geschützen an. Der Feind ließ 2 Tote mit Gewehren liegen, die weiteren Verluste sind nicht sestge- stellt. Bei der Erstürmung von Koes am 15 Dezember sind gefallen: Gejreiter Hermann üolm Reiter August Schmeißer. Leicht verwundet. Sergi ant Wilhelm Müller, Schuß in-die rechte Huste, E^- freiter Ludwig Mausberg, im rechten Unterarm, Reiter Richard Friedling. Ö:< K Vers Nr. 07; Z X Ml üg 45351 । CD 5 8? Gießen, 24. Dez. Mark! bericht. Auf heutigem Wocbenmarkt kosteten: Buller pr. Pid. 1.10—1.20 Mk., Hühnereier 1 St. 8—10 Big. 2 Ltcl. 15—00 Big., Gänseeicr 00—00Psg., (nitencicr 7—0 Pig., Haje pr. Llck. 6—8 Pf., Kasematte 2 Srck. 5—6 Pig. Erbsen pr.Liter 21 Pig., Lmfenpr. Liter 32 Pig., Lauben pr.Paarv,80 -O,v0Mk., Hühner pr.St. 1 00—1,60 Atk., Hähne pr. Stück 0,80—1,80 Mk., Enten pr. Stück m ro ° ° ro - ständ. Betten. IMan verlange | ausdrücklich die Originalmarke H „Dr. Hominel’s“ Haemato en und lasse sich Nachahmungen nicht auii ien. S^b|< Heb Kovdel und Ke,Kehr. KotLswirtschaft. Nationalbank für Deuts chlan d. Tie Gründung einer Banque b’Cticnt durch die Nationatbank i|t an der Börse mit ziemlich geteilten Gefühlen ausgenommen worden. Man erinnert sicy daran, IMS infolge der griechischen pinaiizwirtichast in Deutschland allein verloren ivurde, und daß jetzt erst, durch das Wirren der europäischen FinanzLommission, der Weg der Besserung beschritten wurde. Zu bedenken ist auf der anderen Seite, das; die Verkehrswege nach Grieclsenlcnrd erweitert smd uni) noch iriujr erweitert werden. Damit ist auch die Mögltchkett eitles rentablen deutschen Bankgcs'clsäfts in der Levante gelegen. Die neue Bank rvird Filialen in Kotisdantinopel. Saloniki, Smyrna und Alexandrien errichten, also direkt in der Türkei Verbindungen suchen In Hamburger Blattern nrirb aber dem neuen Institut der Borwurf gemacht, das; es einen großen Fehler dadurch beging, vaß es iiidyt gleich Anschluß an Hamburg suchte. Man wird daher auch nia>t «erwarten dürfen, daß dec in Hamburg konzentrierte Handel mit dem Orient sich ganz oder zum groben Teil der Vermittelung des neuen Unternehmens bedienen lvtrd, umsoweniger, ixi das Geschäft, das die Bank in Deutschland machen kann, vornehmlich in einer Finanzierung des Warengeschäftes beruht, das zum ganz überwiegenden Teil in den Händen Hamburger Firmen liegt. , ~ „ Preu bisch-hessische Eisenbahnen. Im November wurden aus dem Personen und Gepäckverkehr 29 417 000 Mark vereinnahmt, gegen den gleichen Monat des Vorjahres mehr: 1467 000 Mk. Der Güterverkehr betrug 92 534 000 Mk. und ergab ein Plus von 5 815 000 Mk. Daraus fann man nur schließen, daß sich das industrielle Leben in aufsteigender Richtung &'« 2 15 5 • 3 — ° ro cf /O Vcrtnnoie». • Moskau, 22. Dez. Die Studenten beschlossen i)cute in einer Versammlung, den Besuch der Vorlesungen bis nach Weihnachten ein zu ftc11 en und dem Rektor der Universität ihren Univillen und ihre Veracht u n g dafür auszusprechen, daß er ihnen verboten habe, Versammlungen abzuhalten. In der von den Studenten angenommenen Resolution heißt es, als Bürger des zukünftigen, wiedergeborenen und freien Rußlands seien sie erfüllt von dem gemeinsamen Ideale wirtschaftlicher, politischer und bürgerlicher Freiheit und leisteten den Eid, mit allen Mitteln und aller Anstrengung dafür zu kämpfen, daß die Verwirklichung der demokratischen und der sozialen Organisation erreicht werde, die das unterdrückte Vaterland befreien und die Gewalttätigkeiten beseitigen würde, wie sie sich bei der grausamen Niedern,etzelung der Teilnehmer an den Kundgebungen vom 18. und 19. Dezember gezeigt haben. Wenn die Teilnehmer an der Versammlung bestraft werden sollten, heißt es in der Resolution schließlich, würden die Studenten die Kundgebung unter Teilnahme der Arbeiter ins Werk setzen._____________________ . C it eurer * to'*’» ' dl» , es - (2 70—80 Pfg., Kuh- und Nindsleifch pr. Pfund 62—68 Pfg., Schwemv- flcifch pr. Mund 60—72 Pfg., Schweinefleisch, gesalzen, pr. Pfund 76 Ma Kalbfleisch pr. Pfd. 70—74 Pfg., Hanrrnelfleisch pr. Pfund ö0-74 Pfg Kartoffelii pi* 1OO Kg. 6,00-6,50 Mk,, Zwiebeln pr. Ztr. 8,00-10,00All., Milch per Liter 18 Pfg Aeplel per.Zentner 5 bU 8 Alt., in Körben 00-00 Pfg. Ruße 100 St. 2o-30 Pfg. ftwetschen per Zentner 0.00-0.00 Alk. Birnen per Zentner 6 biS 0 00 Ml. Welßlraul 0.10-0.15. ^.'arklzeu 8-2 llbr. het) ^c< trtgen Körperve^letzima unb achtmal wegen DievstablS vorvestran. *Äadjöcm er am 1. Juli b. I. wegen EigentumSverbrechen un Rückfall zwei Jahve Zuchthaus verbüßt, will der Angeklagte in Kinern Handwerk keine dauernde Arbeit mehr haben bekommen können Er versichert, daß, sobald ein Arbeitgeber, der ihn beschäftigte, erfuhr, mit wem er cs zu tun hatte, er ans der stelle entlassen wurde. So will er dazu gekommen fein, sem Fortkommen, mit fall eben Papieren ausgerüstet unter anderem Namen zu luchen- er bat, von Ort zu Ort ziehend, als Gelegenheitsarbeiter sich durch)uschlagen ersucht. Das Unglück voollte es, daß der Angeklagte am Tage ixs Kathar i n e n marktes nach Butzbach kam, wo ein Schaubndenbesitzer vor feiner Bude mit bereöten Worten das Neueste vom Allerneuesten ankündigte. Bon Neugier getrieben, so versichert der Angeklagte, betrat Inch er, nie viele andere Sckmickustige, das P a n o i a m a ,um die Sens a- tionsnummer, die „Hinrichtung von Groß und Stafforst", zu betmditen. K. will Über die Zurschan|tellmig der blutigen Szene sich fürchterlich geärgert und aufgeregt haben, unb dadurch sei bei ihm der Gedanke gereift, das schreckli ch c Bild zuzerst ö r c n und für feinen Zweck untauglich zu rnackien. Er bat den Plan auch in der Nacht zur Ausführung gebracht, indem er sich Eingang in die Bude damit verschaffte, bn?j er die Leinwand des Zeltes mit einem Messer aufschititt. Auch die Hinrichtungs-Abbildung wurde mit d e m M e । f e r zerschnitten. Nach Beendigung des Werkes, so versichert der Angeklagte, fei ihm der Gedanke gekommen, ein richtiger Bei drecher zu werden. Dicht an dem Panorama stand ein Wagen der Eigentümer. Leise öffnete er die Tür zum Wagen, in dem vier Manner ahnmigslo^ sckstiefen, geräuschlos bemächtigte sich der Gauner der Garderobe der Schläfer, belud sich damit und gewann das Freie. Tie Untersuchung der Kleidungsstücke, iveldje der 4.ich im Dunkel der Nacht auf offenem Markt vornabm, ergab als Beute eine Uhr mit Kette und Medaillon, ein Päckchen Zigaretten, einen Dolch, ein Tasck)eiimesser und einen Betrag von 2 Mk. Damit suchte der Angeklagte daS Weite. Die Kleider ließ, er zerstreut au| dem Markt liegen. Alsbald merkte man den Dieb- |Lhl, unb da man erfuhr, daß ein verdächtig aussehender Mcn|ch eine Fahrkarte 4. Klasse nach Gießen gcU>)t habe unb auch tvohl im zur Mährt bereit iWitben Zuge Platz genommen habe, ging man schleunigst auf die Suche. Ter AngeNagte wurde verfolgt und gab dabei einen Schuß auf seinen Verfolger ab, ohne inbenen §u treffen. In der Nähe von Ostheim ^gelang es, den Gauner testzunehmen Er behauptet, bei 1 einer Flucht auf den Bahnhof Butzbach nicht die Absicku gehabt zu haben, den Verfolger zu treffen: err habe nur einen Schreckschuß abgeben wollen, -ter Angeklagte wurde wegen Diebstahls im wiederholten viücksall und <5ad>bciG>äbigung, wegen Bedrohung und Führung eines falldk*n Namenc' zu drei Jahre vier Monate Zuchthaus und zu einer durch die Untersuchungshaft verbüßten Haststrase von 14 Tagen oerurtciLi. Es wurden ihm die bürgerlidien Ehrenrechte suf die Taner von zehn Jahren aberkannt mtb die Zulässigkeit von Polizeianfficht ausgesprochen. — Ein 14 Zahre alter Burfche aus Eichelsachsen stand gestern wegen schweren Dieb fta h l s vor der Strafkammer, und seine Mutter, die Wittve R. ton Eichelsachsen, hatte sich gleichzeitig wegen Hehlerei zu ver- antrc orten. Tas Bürschchen war wegen einfachen Diebstahls bereits mit einem Verweis brfrraft. Er war geständig, in ein Haus ein- gestiegen zu fein, während dessen Bewohner abwesend waren, und einen Geldbetrag von 4,42 Mk. gestoUen zu haben, wovon er 80 Pfg. für Bier, Brötchen ustv. verausgabt hat. Den Jtcit lieferte er mit einem Geständnis der Mutter ab, welche das Geld nichr sofort an den Eigentümer znrückgab, sondern erst lvartete,^bis einen Tag später der Gendarm tarn und den Sohii Über den Fall verhörte. Der jugendliche Tieb erhielt eine Woche Gesäug- ni», die Mutter jedoch wurde von der Anklage der Hehlerei freigesprochen. Die feinsten Neuheiten in Uhren, Juwelen^ Gold-, Silber-, sowie versilberten Waren empfiehlt Juwelier Brück Kreuzplatz 8 nicht ie eiv, üb vorzüd fernang aller Ar Benzin Flecken Ein s--S r-« gro fste. fein mar Alnlversttäts-Aachrlchten. Berlin, 23. Dez, Von den 60 an der Universität Berlin studieren den Abiturientinnen ist eine Petition zur Erlangung der Immatrikulation an den Kultusminister ah- gegangen. Eine gleiche Petition haben bereits 14 Bonner Abiturientinnen und die Breslauer Abiturientiniien eingelegt. Die Hallenser unb Königsberger iverden deEochst,folgern Berlin, L3. Dez. In dem Prozeß wegen der Ermordung d es S ch u l m ä d ch e n s L u e i c Berlin wurde nach neimtaqigcr Lchivurgerlchtsverhandlung der Angeklagte Berger wegen ' Siltlichkeittwerbrechens und Totschlages unter Anschluß mildernder Umstände zu 15 Z a h r e n Zuchthaus und 10 Jahren Ehrverlust verurteilt. cc Wegen Zweikampfs mit tödlichen W a ffen wm> den die Kandidaten der Medizin Wilhelm ^-pteß und Siegfried Löwe oon der 2. Strafkammer des Lanogenchts 11. Berlin zu je drei Monaten Festungshaft verurteilt. Gegen den mitangeklagten rstechtstandidaten Adolf Bcorraner wurde wegen Kartellträgerei auf einen Tag Festungshaft erkannt. Es handelte sich um eine Studenten mensur mit Binden und Bandagen, die zwischen „Klosteranem" und der Landsmannschast Normannia" ausgesochteil wurde: als Waffen bienten Glockenschläger Die Mensur sand Ende F-ebmar d. I. in dem Saal eines Charlotterrburger Restaurants statt. Permanente Ausstellung der Gießener Rlübelfabrik (mit besteingerichtetein Draschinenbetrieb) Th. Brück, Ecke Schloßgasse, Kanzleiberg, Brandplatz, gegr. 1858. Größtes Möbellager, 100 Ziminer - Einrichtungen, 10 Schailfenster, 1200 qm Ausstellungsräume. Durch Selbstfabrikation Garantie für nur erstklassige vorzügl. Ausführung in geschmackvoll moderner Richtung. Lfrg. frko. jcd. Bahnstat. event. durcy cig. Fuhrwerk. Telef. 373. Teppiche, Vorhänge, Linoleum, Atetall-Betten, Patent-Piatratzen, Bettsedern, Daunen, voll- 15 CS) gj ro'-."" &2.S öo 0 54 Krw Cu P,' X - tf<> 1308 to ca B ISO Co & = = O ’Z ic - Betr.: I v "CT» S Betr.: Schivei worden. Gehöftspe Gießen g S S S ro —' 3 H 6-) -c •— o 5 er 2 ?o « Cf 2 « 110 5* c/S*- u er rr Gießen, den 21. Dezemln Großh. Kreisamt Gießen. I. B.: Hechle r. er s to to er tß - 4- rrmaßreqeln sind aufgehoben. S) o 5 ro CD ISO S o Z' & 2 § o ro Q ET § Es" 'S Bekanntmachung. Großh. Kreisamt Gießen. I. V.: Hechler. er ro to ö9 er CD O *- -ne ist verhängt. 5 CG SD C SS o S' Ä ro Bekanntmachung, em Schivemebestand des Hch. Müll roßherzogliches streisamt Gießen. I. V.: Hechler.__________ er Sg §1 er ro V-L CD O 4- 'S' s, 2 c, CO 'S' CL 3 5^ ro CD* ler I S L er 2 « — 07009 zu verkaufen. gerstraße 14,5 2. 8210 bach bei Herborn. 8887 slraße 62, II. 8726 hesjen). D20/12 7830 zu vermieten. Näheres Brauerei Textor. und Knochen bei 8239 Eintritt frei. __ 0756» Fleckenwasser 886' JBmil Fischbach uzplatz 8 vermieten. 6765 wozu ergebenst einladet Chr. Kruse. 07558 fort zu vermieten. 8757 pulvert aus guter Familie. 8917 (r Zimmer ] 8927 Parterre. 8622 Wallthorstraße. Alleiniger Fabrikant: JOS. 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Musikdirektors Herrn C« Krausse. Anfang nachmittags 4 I hr. Eintritt 35 Fig. Stadt Kassel. Am Dritten Feiertag: Frühkong er t FrßM: Leberklös mit Sauerkraut Schöne Aussicht. Am zweite« u. dritten WeiHnachts Feiertag: Gloßrs ^iniBfippgrii CVangdischcr Arbeiterverein W eihnachtsfeier am 27. Dezember (3. Feiertag), abends 7 Uhr in der Turnhalle unter Mitwirkung des gemischten Chors, deS Kinderchors und des Jugendorcheslers. Win tritt für Mitglieder u. Angehörige der! eiben pro Person 10 Pfg., tur Nuhimitglieder 30 Pfg. — Sohne und Töchter unter 17 Jahren» haben freien Eintritt. — Saalöffuuug */,7 Uhr. ▼ */„ FechtVerbnnd Giessen>£ahr (DohltatigkeitSvereio). Sonntag (1. Feiertag) den 25. Dezember 1904, abends 8 Uhr, Kroße WnijnachLs -ZZescherung in Louys Bierkeller. Lebende Bilder, Vorträge, Gesang, Theater. tiatritt frei. LMk" Tanz. Zu recht zahlreichem Bestich ladet ergebenst ein Der Vorstand. Giessener Zitherkitib (Wohltätigkeitsverein). Sonntag, de» 25. 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