Erstes Blatt MM, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen 154* Jahrgang |ä()d aukschl. Bestellg. Annahme von Anzeigen ’üt die iageönurmnet biS oormtttagS 10 Uhr. ßeilenpreiS. lokal 12VBU LuSwärlS 20 Psg, verantwortlich fül den poltt und allgem. r?il P. W'ttko. für .Stadt und Cnnb' und .lÄerichtsjaal-: August Goetz, für den An» ^ctgenleil: Han8 Beck. Air. 303 ©fffettot täglich außer Sonntag*, D«m Gießener Anzeiger werden im weckiei mit dem Kesfifchen kandwiri die Gießener Lamtlien. Glatter viermal in bei Woche beigelegt Rotattondbrucf il Verla« de» Biühl'lchen Unwer1..vuch-u.Gteia- dructeret^ «. tzang^ IUM hem, ÖTPebttUNi und T'ttjrferet: Echnlstroße 9. Eldreß» füt Depesche»; Anzeiger Gtehe». FernfvrkchanichlußAr 51 Saursrag 24. Dezember 1904 /«?& Be.ag»pret»t W monatlich 7b Pf., oiettel» t xth. » xi Ehrlich DU. 2.20; durch ^>A Ab ho le- it Zwergstellen M monatlich 65 93L; durch M W W d W disPoN Ä^r.2.-me-Uel- Aus der Arühzeit der .Ludoviciana. (Schluß.) Interessant ist auch das Kapitel über die Gehälter der Professoren. Tie Tabelle irrt ersten Entwurf der Statuten zeigt Gehälter von 120 bis 500 Gulden. Die Beträge wurden aber bald herabgesetzt. Aw meisten hatten die Theologen, am wenigsten die Professoren der phrlo- iophischen Fakultät. Nach einer Tabelle im Jahre" 1614, die allerdings erst als Vorschlag tzilt, sind die Gehälter der philosophischen Professoren auf je 136 Gulden an gesetzt, Tie Theologen sollten 250, die Juristen 160 bis 240, die Mediziner 200 bis 265 Gulden erhalten. Dazu kamen Naturalbesoldungen in Getreide, Hühnern und Holz. Der am meisten begünstigte Theologe Mentzer hatte 10 Malter Korn, 2 Hammel, 8 Gänse, 20 Hübner, 10 Hähne, 2 Wagen Heu, 40 Bund Stroh, 15 Zentner Holz. . Im allgemeinen müssen die Gehälter ausreichend gewesen sein, was man aus einer Vergleichung mit Frank- ffurt schließen kann, wo in derselben Periode die Lehrer der Lateinschule aitfgebessert wurden. Dort hielten sich die ^Besoldungen ungefähr im gleichen Nahmen wie hier, und dort war doch das Leben wohl teurer als in Meßen. Die Nebeneinnahmen bestanden in Bezügen aus Privatkoltegien, deren Höhe die Professoren von Fall zu Fall festsetzen trennten^ aus Prüfungen, Disputationen, Promotionen, Outachten und aus den Einnahmen von Kost- und Trsch- gängern. Tie Artszahlung der Gehälter erfolgte damals nicht regelmäßige es gab viel Klagen, und 1624 fehlte den Winter hindurch im pädagogischen Lehrsaal das Holz, sodaß boic Lehrtätigkeit eingestellt werden mußte. Sehr interessant sind die K o m p e t e n z - K o n f l t1 tc inner Zeit zwischen den akademisch.'n und den landgräslichen Behörden hier, besonders in Fällen, wo es sich um die Gerichtsbarkeit handelte. Geheimrat Siebeck wußte WeihnachtsHimmung. b.UrrdLVnJere Beit ein Zug von Pessimismus, ??^6kert, Gleichgrlttgkeit; ein Zug von Oberflächlichkeit, der Tenge der Welt nicht ernst nimmt und deren Vertreter den Rest von Ernst, < den sie nicht loswerden tonnen, an nebensächliche, unbedeutende Dinge von Tages- wert verschwenden, die eine ernsthafte Behandlung kaum verdienen. Großes ist ihnen nichts, aber manches Kleine I? Yr?r<$e,r‘ Aufmerksame Beobachter wollen freilich sestgestellt haben, daß diese unerfreuliche, aus schief ver- ftanoenen Unregungen erwachsene Disposition, die sich hier und da Geltung verschafft hat, bereits wieder im W trauert begriffen sei, eine Modekrankheit, eine Modenarr- hert, wie so manche andere Erscheinung auch auf geistigem Gebrete. Sie ist der Todfeind der echten Weihnachts- strmmung, die nur auf dem Boden. freudiger, hofsnungs- ^oller Lebensbejahung gedeihen kann. Jene Kraft . der ^ebensbejabung, die das Kind ungestüm vorwärts drängt und die dein Genius den Mut gibt zu weltbewegenden Gedanken rtnd Taten. So ihr nicht werdet wie die Kinder...! Darum i)t das Weihnachtsfest das Fest der Kinder. Sie stnd die Nehmenden und doch weit mehr die Gebenden. Sie lehren rrns die rechte Weihnachtsfreude, die wahre Weihnachtsstimmung. Die Lichter, die in dem Dunkel der Weihnacht aufleuchten, sie sollen uns Sterne sein neuen Hoffens, Führer zu neuem Tun. Trotz allem! Tas ist der allgemein menschliche Kern der Weihnachtsbotschaft, daß sie die Verzagtheit menschlichen Dingen gegenüber, daß sie den Pessimismus bekämpft, daß'sie einen großen Optimismus und Idealismus predigt, oer von der Liebe zur Menschheit getragen ist, der uns zwingt, das Menschenleben und die Menschenseele höher zu bewerten. Und gerade in dieser Offenbarung der Liebe und ihrer Betätigung hat unsere Zeit einen gewaltigen Schritt vorwärts getan, trotz aller liefert Schatten, die ihr Bild verdunkeln. Die N ä ch st e n l i e b e ist nicht mehr lediglich der Ausfluß schönen Mitleids, christlicher Barmherzigkeit; es ist als eine soziale und politische Pflicht erkannt, Leid und Not zu lindern, die Armen und Schwachen zu schützen. Tie Verwirklichung der Erkenntnis dieser Pflicht rückt mehr und mehr in den Mittelpunkt staatlichen Lebens. Nur die christlichen Völker haben Fortschritte in sittlicher Kultur gemacht, und wenn man auch zugestehen muß, daß das Ideal sittlicher Kultur, welches das Christentum aufstellt, bei weitem noch nicht erreicht ist, und daß manche bittere Bemerkung, die darüber fällt, Berechttgung hat, so kann doch nicht verkannt werden, daß wir unablässig bemüht sind, uns der Erreichung dieses Ideals zu nähern. Nur das Christentum hat die Forderung aufgestellt, daß alle Menschei? berufen seien, in Frieden miteinander, in gegenseitiger Liebe und Hingebung dem Ziele der Vollkommenheit zuzustteben, das allen gestellt ist. Goethe hat wenige Tage vor seinem Hinscheiden die Worte gesprochen: „Ueber die Hoheit und sittliche Kultur des Christentums, wie es in den Evangelien schimmert und leuchtet, wird der menschliche Geist nicht hinauskommen." Derselbe Goethe, der über die Geschichte der christlichen Kirche das sttenge Wort hatte, daß sie ein Mischmasch von Irrtum und Gewalt sei, fand, daß von der Person Christi eine Hoheit ausgeht, von „so göttlicher Art, wie nur auf Erden je das Götttiche erschienen ift". Ein glänzendes Ruhmesblatt aber in der Geschichte des neuen Deutschen Reiches wird es bleiben, daß es in dem Wandel der Anschauungen über Wesen und Aufgabe des christlichen Staates und ihrer Betätigung kühn vorangegangen ist und zur Nachfolge gezwungen hat. Freilich mögen auch hier nur die ersten schwankenden Kinderschritte getan worden sein; dennoch ist die Erkenntnis bei allen Einsichtsvollen vorhanden, daß es auf dem Wege des sozialen A u s a l e i ch s kein Zuräck gibst denn es wäre eine Bankerotterklärung der menschlichen Gesellschaft, ein Be- kenntnis der Verzweiflung an der Möglichkeit einer Vervollkommnung, einer aufsteigenden Bewegung, einer fortschreitenden Entwickelung. Ob auf diesem" Wege in fernen, fernen Zeiten einmal die frohe Botschaft des Weihnachts- festes „Friede auf Erden" ihre Erfr.llung erfahren wird, wer vermag es zu sagen! Aber trotz des fürchterlichen Völkerringens im fernen Osten, trotz unserer deutschen Kümpfe im krankh eitsv erstuchten Wist'..-sande des schwarzen Erdteils, deren wir heute mit besonderer Wehmut gedenken, — trotz alledem: hoffen müssen wir auf die Erfüllung der Weihnachtsbotschaft immerdar unwandelbar, denn nach unserem Erkennen ist der Ausgleich, der hier an geb ahnt wird, die einzige Brücke über den Abgrund, der die menschliche Gesellschaft in vernichtender Weife zu zerklüften droht. Und denen, dir ans engem Gedankenkreise heraus nicht genug jamm ent können, daß die Menschheit mehr und mehr entchristlicht werde, denen darf man mit Fug und Recht zurufen, daß in jenem Streben des modernen Staates, der modernen Gesellschaft mehr Christentum und Christensinn steckt als in aller Ketzerrichterei und Ketzerverbrennung, als in aller tötenden Buchstabengläubig- keit, in aller pharisäischen Selbstgerechtigkeit. Hier gelängt der Gedanke des Weihnachtssestes, der Weihnachtsbotschaft zu einer so großartigen praktischen Betätigung, wie er sie in den Jahrtausenden der Mcnschengeschichte noch niemals erfahren hat. Er tritt heraus aus dem kleinen Kreise der Familie, des Hauses, der persönlichen Barmherzigkeit und wird zum bewegenden, beherrschenden Prinzip des öffentlichen Lebens, der Menschen- und Völkergeschichte der Zukunst. Und in diesem Verstehen ist das Weihnachtsfest nicht nur ein kirchliches, nicht nur ein Familienfest, sondern ein Volksfest im wahrsten Sinne, das das Leben erhöhen, den Menschen aus dem Jchtum seiner Hütte ziehen und ihm das Herz für Menschentum und Bürgertum, für Staat und Vaterland erwärmen soll. In diesem Geiste mögen die Weihnachtskerzen durch die Finsternis strahlen jetzt und allezeit, als Symbole des Lichts und der Wärme, der Erkenntnis und der Liebe, und mögen mit ihrem Scheine die rechte Weihnachtssttmmung wach erhalten auch über die Tage festlichen Gepränges hinaus als,die Grundstimmung echter Lebensweisheit und mutiger Lebensbejahung, die auch in dunkler Nacht die Sterne glänzen sieht und, Großem nachstrebend, über die Hindernisse hmtnegschreitet, die Kleinlichkeit, Engherzigkeit und Unverstand allem Schönen und Edlen entgegenstellen. Wirf ab, Herz, was dich kränket — Und was dir bange macht! Natiüsche Taaceschan. Parteitag der preussischen Sozialdemokratie. Auf der Tagesordnung des -wischen den Feiertagen und Neujahr stattfindenden preußischen Parteitages der Sozialdemokratie stelstn Themata wie der Wohnungsgesetzentwurf und die Bestrafung des Kontraktbruches, die im allgemeinen einen ruhigen Verlauf des Partcitages erwarten lassen. Auch der Referent über den Schulgesetzentwurf, Tr. Arons, gehört nicht zu den Excrltados der Partei. Eine sehr lebhafte Diskussion kann sich jedoch an das letzte Referat „Tas L cr n d t a g s w a h l r e ch t" anschließen. Mehring hat in der „Leipz. Volksztg." hierfür schon das schöne Stichwort „parlamentarischer Kretinismus" geprägt und Parvus wandelt in denselben Spuren, indem er in dem Leipziger sozialdemokratischen Blatte das „parlamentarische 6ktue" der Fraktion verhöhnt. Ter Artikel sucht den bekannten Schandarttkel der „Leipz. Volksztg." vom 3. Dezember durch eine möglichst knotige Sprache noch zu übertrumpfen. Die Reckte im prenüischen Landtage, die über Herrn v. Hammersteins Bemerkungen über die russische Studentin Berson sich köstlich amüsiert habe, wird als eine „schurkische" Gesellschaft bezeichnet: „Die Schweinebande im preußischen Landtag wälzte sich in ihrem eigenen Kot." Ta es sich hier um Vorkommnisse im preußischen Abgeordnetenhause handelt, ist es nicht unmöglich, daß bei der Frage der Beteiligung art den Lanotagswahlen auch der „gute Ton" sozialdemokratischer Parteiorgane in der Agitation für die Landtagswahlen zur Sprache kommt. Tann allerdings würde ein; recht dramatischer Verlauf des Parteitags zu erwarten feilt Die künftigen Pensionssähe für die Offiziere. Nach der dem Militärpensionsgesetze beigegebenen Begründung soll künftig der Jahcesbetrag der Pensionen in folgender Weise festgesetzt werden (die bisherigen Sätze sind in Klammern danebengestellt): Pens. Dienstgrad Dienst- ' einf. j nach Dienst- iahren: Pension nach Dienstjahren: Komm. General . . . (21 990), 39 (16 493) 21 990 16 494 Gen.-Ltn. als Div.-Kom. (15 455), 37 (10 812) 15 455 11 592 Brig.-Kom. als Gen.-Maj. (12 008), 33 (7 606) 35 (9006) 12 008 8 607 9006 Regimentskommandeur . (9 354), 3V (5 457) 35 (7016) 9 422 6 282 7068 Stabsoff. als pat. Oberst- Leutn. der Znsant. usw. (8 163), 27 (4 354) 35 (6123) 8 714 5 376 6537 Stabsoff. als Batt.-Kom. (7 013), 25 (3 507) 35 (5260> 7 564 4 413 5673 Hauptmann I. Klasse. , (5 363), 10 (1 341) 30 (3129) 5 614 1 872 3744 Hauptmann II. Klasse . (4 163), 10 (1 041) 23 (1943) 4 414 1473 2430 Oberleutnant. .... (2 550), 10 (638) 15 (850) 2 860 954 1194) Leutnant ...... (1950), 10 (488) 12 (553) 2 260 756 831 ----1 Aiib Äiacrt und Gießen, den 24. Dezember 1904. ** Weihnachts g l o ckb n ! Durch die Luft zieht es schwirrend, summend, dröhnend, leise lockend, mächtig mahnend. Ueber die Dächer und Giebel hin trägt der Wind den Schall. Und wem er ins Ohr klingt, der horcht auf und trinkt die Töne in sich. Weihnachtsglocken! Süßer, holder Klang! Dem Kinde wie dem Greise trägt er die frohe Botschaft zu, läutet er das Fest ein, das weit undi breit begangen wird. Wer schlösse sich aus von feiner, Feier, wer gäbe, sich nicht gern seinem Reize hin? Jni allen Häusern prangen die Christbäume, durch alle Zimmer zieht würziger Kiefernadelduft. ~ Und darüber hoch in* der Luft summen und brummen die Weihnachtsglocken. Die Leute auf den. Sttaßen scheinen ihre Schritte zu beflügeln, wenn sie die Feiertöne hören. Zimmer näher rückt die Stunde der Bescherung und noch ist dies und jenes zu besorgen und einzuholen. Zn den Läden drängen sich die Kauflustigen und warten ungeduldig, bis ihnen das Verlangte hübsch eingepackt ist. Dann hinaus und nach Häusel Und wenn nun die Dämmerung herniedersinkt, auf bertj Straßen die spärlichen Gasflammen aufblitzen und unser Bahnhof in stolzer Einsamkeit im Glanz des elekttischenf Lichtes ersttahlt, dann beginnt überall in dem Zimmer, das in den letzten Tagen sorgsam verschlossen erhaltew wurde, ein seltsam's Rauschen und Hantteren. Vor der Tür kauern die Kinder und lauschen mit fleudebangen Seelen. Es ist da, das Christkindchen, es ist da. Was! trird es bringen, welche von alt den zaghaft gestammelten mancherlei amüsante Vorkomnmisse zu berichten. Besonders streng scheint der landgräfliche .Hauptmann Hans Wolf von Weitels hausen, genannt Schrauten- bach, ins Zeug gegangen zu sein. Ter hat. wie es in einer Beschwerde an den Landgrafen hieß, „sich sogar heraus- genommen, die Professoren und Dekane zu sich ins Haus zu fordern und da solche es verweigerten, weil es gegen die akademftchen Privilegien sei, dieselbigen bei Ew. Fürstlichen Gnaden ziemlich ins Salz ge- h a u e n." Besonders bei Raushändeln, bi? damals zahlreich vorgekommen sein müssen, waren die Streitigkeiten über die Kompetenz groß. Zn einer Beschwerde des damaligen Rektors über den Hauptmann Schrautenbach wurde nebenbei auch ein Langes und Breites vorgebracht über ein Hühnchen, das die beiden hochgestellten Herren persönlich miteinander zu pflücken hatten. Ein Huhn des Rektors war nämlich unter die Hühn er sch ar des Hauptmanns geraten und von des Rektors Fran wieder znrückgeholt worden, wogegen der Hauptmann es wieder für sich in Anspruch nehmen wollte. Die Entscheidung des Landgrafen über diesen Fall ist leider nicht bekannt. Während der Kriegszeit wurden die Professoren auch mit Einquartierungen belegt, und es gab darüber lebhafte Klagen, da man die „Privilegien" für sich in Anspruch nahm. Es zeigte sich immer mehr die Not der Zeit. Schließlich haben die Professoren 100 Gulden zu- sammengeworsen, um sich von der Last der Einquartierung loszu kaufen. Um diese Zeit war es um die Sittendisziplin natürlich nicht gut bestellt. Besonders die Festgelage bei Promotionen ?c., den Hochzeits- und Kind tauf feiern arteten oftmals sehr aus. Man hatte eben daö Bedürfnis, für den Drang und die Gräuel der Zeit sich einigermaßen zu entschädigen. Die Fastnacht namentlich wurde mit großem Pomp begangen Tas studentische Leben war sehr ungebunden, dal man immer fürchten mußte, daß die jungen Leute bei Einschränkungen, die man ihnen auferlegen würde, von tier Universität fortgehen würden. Tie „Freizügigkeit^ unter? den Studenten war in damaliger Zeit ja so groß! Hinsichtlich des Mittagstischcs wurden 4 Stufen unter* schieden. Schon damals gab es über das Essen sowohl wie das Trinken viel Beschwerden der Studenten, obgleich int Grunde wenig Veranlassung dazu da war. Auch über die Luft in Gießen führte man laute Klagen; die. Kanalisation lag eben noch in großer Ferne. Wenn nun vollends, wie 1613, die Pest ausbrach, die in der Neustadl ihren Herd hatte, war zeitweise alles zu Ende. Die Professoren zerstreuten sich und die Sttidenten verzogen zum großen TeLl. nach Marburg. Für die Bedürchisse des studentischen Lebens war reich* lich gesorgt. Es gab ein Reitinstitut und auch Fecht- u n t e r r i ch t. Einen viel beregten Gegenstand bildet in den Akten der Universität die akademische Disziplin. Ter sogenannte Pennalismus zeittgte viele Ausschreittrngen. Die jüngeren Studenten wurden von den älteren mißhandelt und ausgebeutet. Viel Anlaß zu Klagen gab auch, wie bereits erwähnt, die Gießener Fastnacht. Aber auch sonst waren Maskenscherze und Mummenschanz nichts seltenes. In den Akten besinoet sich ein Schriftstück von 1617, wonach die Studenten bitten, wieder einmal eine „Tragödie" (d. h. Komödie und Zicg durch die Straßen) aufführen zu. dürfen. Mit dem Kriege nahm dieser Unfug immer mehr zu. Man muß bei diesen Zeugnissen- so schloß der Redner, nur immer bedenkm, daß einmal die .Kriegszeit notwendig eine Verwilderung der 'itten mit sich bringen mußte, unb ferner, daß naturgemäß in den Akten die Schattenseiten mehr hervortreien, als die Lichtseiten, die die ernste Lehv- tatigkeit uub stilles Studium wohl auch aufweisen mögem Wochenbericht der Kuxeuabteilung des Bankhauses H. S. Oppenheimer jr. Hannover, 23. Dez. Christnacht Wieder mit Flügeln aus Sternen gewoben Senkst du herab dick, o heilige Nacht; Was durch Jahrhunderte Alles zerstoben — Du noch bewahrst deine leuchtende Pracht! Ging auch der Welt schon der Heiland verloren, Der sich dem Dunkel der Zeiten entrang, Wird er doch immer aus's Neue geboren, Nahst du, Geweihte, dem irdischen Drang. Selig durchschauernd kindliche Herzen, Bist'du des Glaubens süßester Nest; Fröhlich begangen bei schinnnerliden Kerzen, Bist du das schönste, das menschlichste Fest. Leerend das Füllhorn bcglückeiider Liebe, Schwebst von Geschlecht zu Geschlecht du vertraut — Wo ist die Brust, die verschlossen dir bliebe, Nicht dich begrüßte mit innigstem Laut'? Ulid so klingt heut' iioch das Wort von der Lippe, Das einst ui Bethlehem preisend erklang, Strahlet noch immer die liebliche Krippe, Tönt aus der Feriie -er Hirten Gesaiig . . , Was auch im Sturme der Zeilen zerstoben — Senke herab dich m ewiger Pracht, Leuchtende öu, ans Sternen gewoben, Frohe, harzdusieiidc, heilige Nacht! Ferdinand v. Saar. der Zukunft. ♦♦ Ob erb syrische s Bauern-Theater. Wie roirl schon mitgeteüt, beginnt am Donnerstag, dem 29. Januar, das zweitägige Gastspiel des großen Oberbayrischen Bauern- Theaters in Steins Saalbau. Das Ensemble, unter der Direktion Michl Dengg Schliersee ist aus dem bekannten Schlierseer Bauerntheater hcroorgegangen und in den Städten, Berlin, Wien, Breslau, Hannover, Magdeburg, Stuttgait, Mainz, Wiesbaden u. j. w. mit großem künstlerischen Erfolg aufgetreten. Näheres wird durch die folgenden Inserate be- Wünscben wird eS erfüllen? Ob der kleine Ernst sein edmu trlpferb erhalten wird und Hrlddsen bas hübsche Buch L^eriblättchenS Zeitvertreib" und Hänschen den „großen Soldaten mit den Wander dein en", Jlschen die j^uchenern- richtuna und klein Erica den großen Tuschkasten'? Oder ob das Christkirrdchen gehört bat, was sie alle für dumme Streiche gemacht haben, wie faul sie gewesen ftnd und wie widerspänstig und ungehorsam und unartig, wre unvorsichtig ilnd unbedacht mit ihren Kleidern re. re. Wenn das llhrislkinbchen dies alles loeiß, dann hat es vielleicht doch statt der heißersehnten Wunderdinge nichts werter unter den Tannenbamn gelegt, als die Rute! Den Kleinen tvird es bänalich ums Herz; sie laufen zur Mutter, um sich bet ihr Trost zu holen und ihr die heiligsten Versprechungen Lu geben. Und die Miitter beruhigt sie und heißt sie geduldig übwarten. Geduldig! Als ob man das konnte, wenn einem das Erwartungsfieber in allen Gliedern zuckt und prickelt! Endlich, endlich ist's ganz dunkel geworben uüd Mutter heißt ftie, das Weihnachtslied anstimmen „Stille Rarcht, heilige Nacht!" Das alte, viel gesungene Lied, von dem es wie ein ewiger Zauber ausgeht, klingt frisch au-> den Kehlen. Und in den Sang hinein tönt — Bim, bim! — ein seines Glöckchen. Die Tür geht puf. Schimmernder dichter glanz! Ter Weihnachtsbaum in Pracht iind Hcrr- Lichkeit und unter ihm — Hurra! — das Schaukelpferd und Herzblättchens Zeitvertreib und der große Soldat nut den Wanderbcinen unb die Mcheneinrichtmig mtb der Tuschkasten. Und obendrein Llepfel und Nüsse, Lebkuchen mid Marzipan, ganze Teller voll. Mit großen, glanzenden Augen mit Backeri, so rot wie die Weihnachtsapfel, geht das junge Volk auf die Herrlichkeiten zu und ergreift feierlich Besitz davori. Und die Eltern stehen dabei unv sehen zu, ftoh über das Glück ihrer Kinder. Sie denken der Zeit, wo sie selber von Vater und Mutter unter den Lrchter- baurn geftchrt wurden, wo sie jubelten und fangen, wie jetzt ihre Sprößlinge. Eine Freudenträne rinnt wohl von der Wimper der Ntutter, vor dem geistigen Auge des Vaters ziehen die Bilder der Vergangenl-eit vorüber, er gedenki der eigenen Kindheit und der Freuden, die treue Elternliebe ihm einst bereiteten. O, es waren gar schöne, selige Zeiten, die nimmer wiederkehren — nur nach empfinden taiui man es heute den Kindern, verstehen kann man die Helle Freude, die ihnen aus den .Augen leuchtet. ,,£! du fröhliche, o du selige, gnadenbringenoe Weihnachtszeit" und „Vorn Himmel hoch da komm' ich her und bring' Euch oute neue Mar" klingt es und singt es im Lichtermeer. " - - ......_ __r__9 ..... Xah "'Tany< die 93ie[roeibc«i gdtattet )et. Din geromer »a xronimn war wegen Bigamie angeklagt und zu einer ®etangm6firafe von zwei Monaten verurteilt worden. Er legte gegen dieses Urteil Berufung ein, und sein Verteidiger führte aus: Die Monogamie sei jetzt allerdings von den Juden allgemein angenommen, aber die jüdische Religion fordere von ihren Anhängern keineswegs die Einehe, sondern lasse auch Biel, weiberei zu. Ais Beispiele können die Könige David, Salomo u. a. dienen, die viele Fraiien hatten. Die den Juden ver- wandten östlichen Völker, z. B. die Aethiopier und die un Kaukasus lebenden Bergjuden leben noch heute in Vielweiberei. Richtig sei, daß vor 6OO—7OO Jahren der Nabbl Gerschon । bic Monogamie angeordnet habe; das sei aber nur die Ansicht eines Gelehrten und keine Grundlage des Glaubens. Die Juden Europas und besonders Westeuropas haben sich der Verordnung GerschonS gefügt, weil sie im Mittelalter heftiger Verfolgung ausgesetzt ivaren. Aber auch das verändere ihre Glaubenslehren nicht. Ta der Verteidiger aus diesen Gründen nichts finde, woraus eine Verantivortlichkeit des Tronstein folge, bitte er, einen Rabbiner als Sachverständigen darüber zu vernchnlen, ob nhch jüdischem Gesetz eine Vielehe zulässig sei oder nicht. Der Gerichtshof gab vermischte». »Verlangt der juois^e Glaube die Einehe? Wir lesen in den „Odess. Nowosti": Vor dem Odessaer Bezirksgericht wurde jüngst die Frage erörtert, ob den Juden Wie immer findet der Weihnachtsaufbau im Muschelsaal ' des Neuen Palais statt. Früher wurde mit ber Bescherung früh begonnen Wenn die ersten Sckwtten des Abends stch herabsenktcn, dann imirdcn die kleinen Kruder, die so lebendige Prinzessin Viktoria Luise, der immer noch etwas -arte Joachim O'ranz I Humbert, der so lustige und aufgeräumte Prinz Oskar, recht unruhig, sie tonnten, icic alle kleinen SHnbcr, die Zeit nicht I erwarten; jetzt ist die Prinzessin bereits 12 Jahre all, ^oachrm Humbert ist am Samstag 14 Jal>re geworden; die Bescherung kann also weiter lstnausgeschoben werden. Ein Tiner des engeren Hofstaates wird auch in biciem Jahre der Bescherung vorausgehen. Zu diesem Trner werden die drei Chefs des Zivil-, des Militär- und Mannekabmetts, Wirkt Geh Rat von Lucanus, Generalleutnant Graf Hülsen- Häsclcr und Admiral Freiherr v. Scud.n-Bibran zugezogen; sic werden ebenfalls vorn Kaiserpaar reichlich besckfenkl. Tie Weihnachtsbäume werden imttrdftscn angezundet; hinein i begeben sich in den Muschelsaal der Kronprinz mit seinen Brü- bern- voran stürmt die Prinzessin. Jedes der kaiserlichen Kinder erhält seinen iKabontisch, Tannen. Ostpreußische Luft in den Wäldern Romintens, umrauschte sie ernst; es sind ausgesucht I sckwne Bäume, kerzengerade. Tie sechs Tannen stufen sich etwas ab Tie größte steht auf dem Gabentisch des Kronprinzen, dw kleinste aus dem der Prinzessin Viktoria Luise. Wenn bei dem hellen Kerzensästin der Jubel ertönt, die jüngeren kaiserlichen Kinder vor Freude aufjauchzen und den Eltern ihren Dank abstatten, „das stille heilige Nacht erklingt" und der Kaiser mit seiner kräftigen Stimme, innig bewegt, dies die Herzen ergreifende Lied mitsingt, dann liegt auf dem Gesicht der Kaiserin mit ihren ftirw rosigen Zügen und dem lämeeweißen Haar hellster Sonnenschein, innigstes Glück. In keiner bürgerlichen Familie kann das Weihnachtsfest inniger, herz- ersrischender, poesievoller begangen werden. Ter Kaiser pflegte! I in den letzten Jahren vor der Versicherung, wenn es zu dunkeln anfing, einen etwa einstÄndigen Spaziergang durch den Park I von ä-ansscuci zu machen. Blitzblanke Fünf- und Zweimarkstücke I stchrte er in großer Anzahl bei sich, armen Frauen und Männern, oie den Kaiser ost nicht erkennen, überreicht er ein Geldgesck)ent. I Wenn der Dank erllingt und Helle Freude aus den Augen der armen Aienschenkinder blipt, die so unerwartet von ihrem Kaiser I 5cjU)ert irurocn, dann ist auch der 5kaiser tief bewegt. Wenn die alten hohen Bäume des i'Hünen Parkes erzählen tonnten, dann würden sie laut jene um'-iderstehllche, geheimnisvolle Poesie des WeibuachtSs'esteS verkünde,dem Kaiser innigsten Dank zollen, der in das sreudwse Dasein so vieler^ armer und geplagter I jicnia)cntiubet mit einen' Mal Hellen Sonnenschein ergoß. diesem Anträge nach. * kleine Tages chronik. In K a t t o wi d waren vor zwei Monaten acht Angelstirige der L.sitzerssamilie Stolletzki von einem Affenpivschcr g° bissen 'Eden. Tie Bisse wurden von den Betroffenen unbeachtet gelassen ^tzt Uno der Later und zwei Kinder an den Folgen dcr Bisse gestorben, wöl/rend die übrigen an Toll w u t nkraukt — Ein Gc ° väckzug von London en t g leist e, als er m die ^tatton Aulesdurv einsuhr. Der Lvkonwtivführcr wurde schwer verletzt, der Heizer und zwei Eisciibahnbeamte, die sich un Zuge befanden, wurden getötet. — In Nurn b er g gerieten im Ge- richlsgebünde der Bader Georg Poll und seine frühere■ liebte, die Lackiererin Anna Döring, jn Streit, in dessen i Verlaus Poll der Döring fünf l e b en s g e s a hr 11 ch e e 11 in den linken Arm. Rücken und Unterleib versetzte. Poll tzt das Verhältnis mit der ihm angeblich untreu gewordenen Donns gelöst und diese aus Rückgabe der, gemachten Geschenke verklagt. Poll wurde festgenommen. — Die schw arz e n Po^cken wurden bei einem an der A^osel-Kleinbahn beschäftigten Italiener ui Traben-Trarbach festgestellt. Ein zweiter pockenverdachtiger Arbeiter ist entflohen. — In K o w (Polen) crichosz ein Offizier deS 19. Tragonerregiments Namens Glowaczcwski fei n c 17jährige Braut und dann sich selbst, weil die Eltern ber Braut die Einwilligung der Eheschliestung vertoeigerten, da der Osftzicr nach dem ^'kriegsschauplatze abgchen sollte — Die Anssindung einer Frauen leime in den Anlagen des cl)€nialigen Hamburger Bahn Hoss in Berlin gob^ Anlaß zu Gerüchten von einem Akorde. KTirninalpolizci und ^taati-ansvaltichaft wurden aufgeboten, um an dem Fundorte die ersten Feststellungen zu machen Tie Frage, ob ein Mord an der etwa 40 Jahre alten noch unbekannten F-rauensperson begangen tvorden ist oder ob sie nachts vielleicht von Krämpfen befallen und verstorben ist, muß noch als unentschieden bezeichnet werden. — Jn Eisenach sinb bei dein Zusammenstöße der beidcii Güterzuge v i e r 3 u g * I beamte umgekommen. — In Co11b us lauerte der öo- iälmge 5)ausdiencr Emst Lehmann 1 einer tr u he r en Br aut, ber Knoterin Pauline Lenke, auf, als diese von der Arbeit kam, und lötete sie durch zwei Revolverschüsse durch den Kops; er selbst brachte sich einen IcbcnsgesährlicksLn Schuß in den Kops bei. Das Alotiv zur Tat ist verschmähte Liebe. Die außerordentliche seste Tendenz, welche seit einiger Zeit auf dem K a l i - K ux e nmarkt e herrscht, hielt auch m der zu Bericht stellenden Woche nxiter an. Am lebhaftesten gestaltete »ich die Bewegung in Ausbeutewerten, HMi denen, nanieittlich Hercvnia bis 24 000 Mk., Wilhelmshall dis 13 iOO Mk., 9!eu- staßsurt bis 16 600 Mk. und Bürbach bis 9800 Mk. bezahlt wurden Von mittlere» Werten übernahm Kaiseroda in der Auft nättsbcwegung die^Führung und wur^n postenweise bis 8800 Mark von erster Seite aus dem Markte genommen. Da^selb gilt von Beienrode, Hohenzollern und Carlssund, indenen alles verfügbare Material bis 8700 Mk., bezw. 77v0 und 8250 Mk. schlank ausgenommen wurde. Ter Grund ^^die starkeli Steigerungen liegt in der Verteilung der WeihnatAsausbeute, bezw. der Erlröhung der rcgelmäßigeii Quartalsausbeute, was jefion un laufenden Quartal zum ^Ausdruck kommm wird. Lebhaft gefragt ivaren ferner Johanneshall bei ^^50 Mk Desdcmmia bi Mark, Großherzog von wachsen bei 6600 Mk., Justus I. bei «dOO Mark und Wintersl)all bei 9250 Mk., ohne daß ledoch tn diesen Werten die großen Umsätze vorhanden geiveseii waren, wie.bei ben erstgenannten. Ho Hensels lagen bei 10 90O Bries flau. In Alcxandershall machte sich letzttagig euiiges ^nteresse bemerk- bar, woraushin der KMrs bis 6,50 Mk, anzlehm konnte. Bon Herzogin bei 590 Mk. urw Sigmunbslwll-Akt. bei 1115 Mk. bezw. 1825 Mk. Die übrigen Werte zeigen bet wenig veränderten Kurien durchweg feste Teiidenz. Die Vorgänge auf dem K v hl c ii - K n z e u m a r kt c wurden durch das große Interesse, ivelches die Spekulation den Kaluverten inmanbtc weniger beadjlct. Gesragt sind nur König Ludwig unÄAtxS unb ivuvben bierfür 2-300• WJerc W- bewilligt Von Mittelwerten waren Ettitracht, Tiefbau, Graf SdMTin, Johann Teimclsbcrg unb D-mnch bei vcrcmzelten Staufen etwas gclntssert, wohingegen .Herknles uitb ilugnfta Bik- toria unoCTaubcrtc Notizen anstocijen. Treinonia imb Sicken- uta ietcn geluannen gleichialls ca. 100 Mb, wayrenb «chuckailk unb Ehartottcnburg, Bo-rusjia Dahlhauser Tiefbau unb lyret 'Uoget unb Unvcrlwfft Verunberungen iticht auszuivetscn haben. kann! gegeben. ** Fährverbindung zwischen Gießen unb Lroj borf. Vorgestern abeno fanb,_ivie man uns aus Krojbors fdjieibt, int Jreunbschcn Saale dort eine gut bejuchte Verjammlung ftatt, die sich mit der Erzielung einer regelmäßigen Fährverbindung zwischen Ärosdor, und Gießen beidjaitigte. Nachdem die Unzwcctmutstgieii der verschie- denjien Einrichtungen dargeian war, entmann sich etne lebvaste TlSkusjion über eine event. elett rii dje Bahnver- binbuna Selbst das riutcmvbii, ba5 dieser uotarbcüctw den Weg bahnen sollte, crwreS sich nach ein« kurzzugigen Ren- tLbilitätsberechnuug als unrentabel. sich uit elektrische Verbindung geiaalten soll, bleibt erne Fiage uer falls ist ein SchienengAeiS alö Grunv^age emes fill^ercn und rentablen Verkehrs mibedtngl.es ^riordernis. uanb man vor der Frage, oo die je^rgerr ^.rru^^.oeryatt- nijje öic Aufnahme eines GcckeijeS ge.-arten, ^rotzüem von unterrichteter Seite miitßctcilt wurde, daß nach behördl- lichen Verhandlungen der neue Weg gegebenenfalls einen i3diienenn>cq ermögliche, wurde diese Frage allgeniern verneint. Tiefe Eventualität (besser „Notfall") darf uns nacht aenüaen. Etwas Gaiizes ober nichts, neue Weg ont- spricht, wie mit Recht hervorgehoben wurde, seiner geringen Brette lvegen, nicht den Bebürftnssen der Bevoltcr- una. Solange bie F-elbbereinigung noch nicht bcpiiüio zum Abschluß gekommen ist, erscheint es als ein Leichtes, eine Spurbreite lcuigs bes Weges ab^utrennen, wahrenb bres I später zur Umnöglich keit wirb. T ie 9iotwenbig kett cmer Berbessermig des Weges oberhalb des ^iabittts, der mit einem Schlag seiner lästigen Knrveu- und Steigungs-Ber-. bältnisse entboben werben kaim, unterliegt Eeincni Zweifel. Mit Freubcn würbe bie Albsicht ber Gießener Stabtoertret- unn begrüßt, ihre Vororte, unter denen sie Krofdorf mdjt vergessen darf, durch elektrische Bahnen zu verbinden Die Rentabilität einer solchen Bahnverbindung steht nicht m Jxage, zumal bie Anglieberung des Posd- unb Güterverkehrs ein Leichtes wäre. w. Nibba, 22. Dez. Gestern abend hielt unsere Kleinkinderjchule ihre diesjährige Christbescherung! ab. Die Sonntagsschüler eröffneten die Feier mit einem geistlichen Lied; bie Kinber sagten ihre L-prüche her unb I langen ihre Weihnachtslieder. Pfarrer Werner, als Vorsitzender des Vorstands, hielt eine Ansprache über bas Wort: .Seht welch' eine Liebe hat uns ber Vater erzeiget, daß wir selber Gottes Kinder heißen.- Danach wurden 65 Kinde r, öie Armen mit warme Kleider und Spielwerk, die anderen mit Spielsachen beschenkt. Sie sprachen nachher den Gebein ihren Dank in gebundener Rede aus. — Der Bauplatz für eine neue Kleinkinderjchule ist gekauft und der Bau wird im neuen Jahre begonnen werden. — ^eit zwei Tagen fyabcu wir Winter und eine prächtige Eisfläche. w. Wetzlar, 23. Dez. Jn der letzten Stadtverord- neten-Versainrnliuiig surnd u. a. auu) die Beschlußfassung über b ie Aufbringung ber noch nicht gedeckten 10 000 Mk. des Kostenbetrages des Neubaues der e v a n g e I. Kirche Wetzlar-Niedergirmes auf ber Tagesordnung. Nach ben bisherigen Beschlüssen uno Genehmigungen stehen für ben Bau der evangel. Kirche in Wetzlar-Nieber- girmes außer bem Bauplatz 50000 Mk. aus bem Barvermögen ber früheren Gemeinde NiebergirmeS zur Verfügung. 1OWO Mk. sind vom Konigl. Konsistorium in Slussicht ge- y~v ---- —o-------, w , k [ teilt Ter Gesamttosumberrag stellt sich nach bem Vor- Es ist etwas wundersames um den Zauber de^ -^ortc^: Lnjchiaq des Architekten Hofmann auf .O OO0 Mi. Der Re- Weihnachten! Friede, Hofftiung, Glücrseligkeit und Zu:bc q^rungspräsibem fordert nun, daß über die Beschaffung verbinden wir damit. Wir sind jetzt gern bereit, das noch fehlenden 10 000 Mk. dem Stadtvcroronelentolle- Schmücken des Weihnackftsbaumes für eine uralte deutsche . Vorlage gemacht und von diesem ein Beschlug hier- Sirte zu hallen, ebenso wie den Brauch, Verwandte und herbeigefuhrl werde. Ter Finanzausschuß schlägt vor, Freunde durch Geschenke zu erfreuen. Und doch ist *>cr kje ~feh(cnbe Summe dur ch Entnahme aus dem Niedcr- Weihnachtsbaum seit etwa einem halben Jahrhunderr. erfi airmejCE Kapital aufjnbringen. allgemein in Tcutschland verbreitet, und auch das Ansehen ü,____■--------------\------------” des Festes als Bescherungstag ist erst verhälmismagig Das Weihnachtsfest ber Hofe. neueren Datums. Nikolousiaa (6. Dezember) unb Neujahr Berlin, 13 Dez. aallen urfprunglich in Teutschlanb als Bescherungstag. Das Tie Wcihnachtsvorbcreitungen bei Hofe sind beendet. Die Beitreben ber vndie, bie an diesen Tagen üblichen Brauch. Kaiserin liebt es, ihre^Einkäse rocht frühzeitig. »n beginnen unb aut bal Sm zu tonyntueren, hauen nur alb bereits in ben Xa8ohlem Tand ist die Martinszweiges — wer benft heute noch an bie|e Bebeut- tcme ^eundm, siir iie entscheidet hauptsächlich der ung der Dirtenreiser. AIS bic Geschenke an Umfang unb I Ü^ttifche Wert In langen und ausgedelmtcn Konferenzen mit Aienge zunahmen, und das Bündel nicht mehr ausreichcn I Oberhojmcisterin wird daS Progiamm für die Weihnachts- wollte, stellten bic jtinbci: in ber Ehristtiacht leere Schüsseln cmräufe sestgelegt ... .. ß... . , aUr den Tisch, um sie am frühen WeihnachtSrnorgen mit In biejem >zahre galt cy für bie Kaiserin auch wsosirn breiten. In ber Kirche yiey der Werhnachtsi.ag fruhw ! uuD nützlichen Tingen gefck/ickt werden mußte. Ihr Trüter dies lumicariam, der Tag des Lichts. Daher pflanzte sich t t ja ;(^on inchrsach das Weihnachtsfest im Auslande verlebt; der Brauch fort, Lichter zur Freude zu brennen, Wachs stocke erstemal iwdj als Seekadctt auf dem SchulschiN.„Eharlottc^ äu schenken, die rnaii sich wechselseitig verehrt. Nach dem Und das Mutterherz wird ja nicht mehr so bewegt wie beim ersten Berichte des Presbyters Alfjo hat jeder, der Weihnachten Male sein, als brr so schmucke und fnsche Prinz Adalbert am der Erneuerung des Herdfeuers am Jahresanfang ein» gemündet. Noch in Goethes Tagen gehörten Lickft und Geschenk eng zusammen. Als er Kastner Kleiderstoss für | dessen kleine Schwäger sendet, schreibt er: „Stellt ihnen ein Wachsstöckchen dazu und fußt jie von mir." 1799 schenkte man sich in Leipzig gegenseitig Wachsstöcke zu Weihnachten. Noch vor ca. 30 Jahren war es in Norodcutschland beim Wech- nachtsbaum Sitte, dem unerwartet eintrctenden Gaste, für den man kein Geschenk bereit hatte, wenigstens einen Wachsstock anzuzünden, den man als ihm geschenkt betrackftete. Ohne Tannenduft und Lichterglanz können wir uns heute das Weihnachtsfest gar nicht mehr recht vorstellen. In dem Weihnachtsbaum erhält das Fest feinen Mittelpunkt. Aus der Erinnerungsfeier an eine ehemalige Begebenheit ist eine Gegenwarll^eier geworden, das Fest der Kinder, das Fest der auswachjenden Generation, das Fest X’w« Lkn» **5’5 1,*?* !ub,n7n; Ti° orbere lQfie °” u,,b bie im xüSJ ? bb| Mion b" nuc di-An" ' bes ®kuben§ 'tW doben sich . “,uS|.b»S »et. ''etl«bijet aus ^rantlvortljchkeit 7°!lZ°ch°-c! l“b|litm Gesetz ®et*l)of gab :ü n>i) warm bor ? •> ?!. Bisse , ■ linb ber gestorben, fr m die Station ichwer verletzt, 11 M Zuge be- kneten im 'nm frühere (& iu^ besten “.*)rli6t Stiche 'Ne. M hat bas jCDoibenen Töring < schenke verflogt •'• Porten würben -• ti Ztaleener in . .'^.iwerbächtiger :’2?r B ein Offi- ' Newski seine '■i- wcll bie Eltern verweigerten, ba — Tie -fgm b;: ehemaligen • «- Gerüchten von anMtichast würben Zeststellungm zu 40 Zahre allen :xdxn ist ober ob iiEb verstorben ist, ' — Zn Eisenaw i.Tjügt vier Zug« ■ - - jiuene ber Ä ruheren Braut nh ber Arbeit lau, durch ben Ni; cr i.; in den LopfK Me vankhusrs r. noöcr, 23. A yjje ißt ärrAr Zeit M auch m der ^'testen göuAtttt xnci nallMich tf» M bezahlt W . 'Tjhc in der L>? Ä «■ atrit fänta ®t«F I “ b-M * ■ • ' MS sbM I* 'SA . ' -^Mch m di^ . bal^[ "■* .'it lounte. «®r‘ - J nennen, i» iw ar? •VniÄ»* sä»-** ^^4 .v -S-L i-oe» , VroV ■■ 0^ 2:«^ -r L: 5rti * •y-'- rlftT8id » ;Ä iW Eberhard Metzger 1 — Seltersweg 70 ----- • Beste Bezugsquelle für* Weine Liköre Delikatessen D*' Cigaretten Cigarren Delikatesskörbchen in geschmackvoller Ausstattung Kaffee! gte L Erlra Wki!,lichtM!stzilg Gegründet 1836 S BO l empfiehlt Adolf Lenhard Nachf. Uber 8857 Telephon 337. 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