Rotationsdruck und Verlag der Brühl'schm UntoerfitälSbrudereL R. Lange, Gießen. Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulstr. A» Tel. 9h. 5L Telegr.-Adr., Anzeiger Gieß«. Nr. 27V Zweites Matt. 154. Jahrgang Donnerstag 34. November 18V4 Die „Gletzener KamllienblStter^' werden dem M MM 0 MM gU^ rl || |ö>‘ W f @ !.,£^ M M M ßLr 11 »Amelger viermal wöchentlich beigelegt. Der UM F UH K | 0, XJ! F O U U UV N ^efstsche Landwirt' erscheint monatlich einmal. v'V' U V | W V General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Gießen. Hassan ^«TOsiswaöäEss KariamtlNanschcs aus Ke^rn. Ter sehr umfangreiche Entwurf eines Gesetzes die Gemeindeumlagen betreffend ist soeben der zweiten Kammer zugestellt worden. Abg. Reh stellt folgende Anfrage: Tie zweite Kammer hat einstunmig einem Ersuchen zuge- stimmt, welches auf meinen Antrag am IG. Tezember 1902 an die Großh. Regierung gerichtet lvurde und welches die Vorlage eineS Gesetzentiourfs zum Gegenstand halte, durch welä-en über das Unfallfürforgegesetz von 1902 hinausgehend auch für solche Unfälle Entschädigung gewährt werden soll, welche ein Beamter in einem Betriebe erleidet, welcher der reick^gesetz- lichen Unfallversicherung nicht unterließt. Ich frage ergebenst an, ob die Großh. Regierung gesonnen ist, diesem Ersuchen zu entsprechen. Abg. W e i d n e r beantragt: Tie Kammer wolle bescylcesten, die Großh. Regierung zu ersuchen, dem Landtag baldmügliM eine Gesetzesvorlaae zu^ unter» breiten, wonach: 1. das Gesetz vom 22. Dezember 1900, die A b - änderung des Dundesteuergesetzes vom 12. August 1899 betreffend, aufgehoben, 2. der Schlußsatz des Artikels 3 des Gesetzes vom 12. August 1899, die Hultdesteuer betreffend, gestrichen werde. Tre Antwort der Großh. Negierung auf die Anfrage der Abgg. Köhler unb Genossen, betressend das Landwirtschaftliche Institut der L a n d e s u ni v e r s i t ä t lautet wörtlich fol- jroh, als eine Depesche nuiDctc, Daß die Kaiserin Frwd- rich ohne Zwischenfall von Calais nach England abge- aereist sei. Sperr de Labruyöre aber faßte den kühnen Entschluß, den Kaiser selbst über die gescheiterte Ver- sühnung mit F-rankreich zu befragen. Der französische Bot- chajler Jules Sperbette sollte die Audienz vermitteln; er versprach es auch, hielt aber den sensationslüsternen Journalisten drei Wochen lang hin, und schließlich laut eö ans Licht, daß er das Interview nicht nur nicht vermittelt, sondern im Gegenteil vereitelt hatte, indem er feinen Landsmann als einen gefährlichen Revolutionär schilderte. Nachdem Herr de Labruyöre das alles durch den „Bruder des Romandichters Robert Linden" (gemeint ist offenbar Paul Lindau. D. Red. d. „Gieß. Anz.") erfahren hatte, wollte er betrübt seine Koffer packen und nach Paris zurüclreisen; ein glücklicher Zufall verhalf ihm aber doch noch zu der Unterredung mit dem Kaiser. Konrad Uhl (hier ist wohl der Maler Uhde gemeint) war der Retter in der Not: er machte den Franzosen, der als Landwehrosfizier sich in der besten Gesellschaft sehen lassen konnte, mit dem General von X . dem ersten Flügeladjutanten des Kaisers, bekannt, und der General, ein sehr jovialer Herr, nahm es auf sich, den Kaiser von dem Wunsche des Herrn de Labruyöre in Kenntnis zu setzen. Zwei Tage später wurde der französi che Zeitungsschreiber eingelaven, der Ablösung der Schloßwache und der Paroleausgave im Schlvghoj bei» zuwohnen. Mit Bewunderung scyttvcrt Herr de Labruyöre das glänzende militärische Schauspiel, das sich jeuicn Blicken darbot. Der Kaiser erschien mit dem General von L und mit seinem Schwager, dem .Herzog Günther. Als' die Parade zu Ende war, schritt der Monarch direkt auf Herrn de Labruyöre zu; der Journalist hatte ehr- inrchtvoll sein Haupt entblößt, und es wurde iljin etwas nebelhaft Vor den Augen. Der Kaiser blieb vor ihm stehen und redete ihn an: „Sie sind Offizier, mein Hessischer Landtag. R. B. Darmstadt, 23. Nov. Ain Ministertisch: Staatsminister Rothe, Finanz- Minister G n a u t h, Ministerialräte Braun, B e ck e r u. a. Präsident Haas eröffnet die Sitzung um 9i/4 Uhr und teilt mit, daß von Sr. Kgl. Hoheit dem Großherzog folgendes Telegramm aus Lich, 22. Nov., eingegangen ist: „Wir danken der zweiten Kammer herzlichst für ihre Glück- und Segenswünsche. Ernst Ludwig. Eleonore." Tas Haus beginnt darauf die Beratung der Regier- Lmgsvorlage, betreffend die stüatliche Schlachtviehverfichernng. Ter zweite Ausschuß hat sich bekanntlich seit längerer Zeit mit der Vorberatung dieser Vorlage beschäftigt und beantragt unter Vorschlag einer Abänderung verschiedener Artikel des Eesetzenhwurss, der 30 Artikel enthält, mit allen gegen eine Stimme die Annahme der Vorlage. In der Generaldebatte legt zunächst Abg. Tr. Buff die Gründe für die im allgemeinen vom Ausschuß vorgenommenen Abänderungen dar. Er bemängelt, daß in der .Versicherung nicht nur Schlachtvieh, sondern auch notgeschlachtetes Vieh mit einbegriffen werben soll. Es sei auch nicht angängig, daß die Kosten für die Versicherung von den Metzgern getragen werden sollen, denn diese würden sie doch wieder aus das Publikum abschieben. Redner spricht sich im weiteren für die Annahme der Ausschußanträge aus. Ministerialrat Braun entgegnet, die Annahme des Vorredners, daß das Publikum wohl im wesentlichen zur Tragung der Versicherungsprämien in Anspruch genommen werden würde, sei wohl nicht unzutreffend. Von dem Landwirt oder dem Metzger turnte man doch das nicht wohl Verlangen. Wenn das Publikum für die Deckung der Kosten mit herangezogen werde, so habe es dafür auch dte Garantie, nur mit gesundem Fleisch versorgt zu werden. Abg. Wolf ist nicht damit einverstanden, daß auch im Falle von Nolschlachmngen die ganze EntschÜdigungs- sumnie gezahlt werden soll. Eine solche Bestimmung sei in keiner anderen Schlachtviehversicherung zu finden. Ministerialrat Braun bemerkt, die volle Entschädig- ung für Nolschlachmngen sei notwendig; geschähe das nicht, so würden sehr bald auch die tzausschlachttmgen in die Kategorie der Nolschlachmngen einbezogen werden. Es werde für NotschlachMngen die volle Prämie gezahlt, schon deshalb müsse auch Die volle Entschädigung gegeben werden. Abg. Schönberger wendet sich gegen die Ausführungen des Abg. Wolf und bespricht in längeren Ausführungen verschiedene Details der Vorlage, welche teilweise vom Ministerialrat Braun widerlegt werden. Abg. Weidner spricht sich da,ür aus, daß auch die Schweine mit in die Versicherung aufgenommen werden, was namentlich im Interesse des kleinen Landwirts liege, der die Schweinemast in seiner Wirtschaft nicht entbehren könne. Ministerialrat Braun erwidert, die Schweine wären als Bundesgenossen hier sehr erwünscht gewesen, aber dann hätten sich große Schwierigkeiten hinsichtlich des Be- schanzwanges ergeben. Durch den Wegfall der Schweine- Versicherung werde eine erhebliche Entlastung des iBer- sicherungsgeschäfts und damit auch der VerwalMngskosten erreicht. Nach einer kürzet: Pause erfolgt zunächst d:e Bildung des Sonder-Ausschusses zur Berichterstattung über die Regierungsvorlage, die Gemeinde st euerrefor in betreffend. Durch Stimmzettel iverben gewählt die Abgg. Tr. Gutsleisch, Häusel, Möllinger, Leun, Schönberger, Tr. Buff, Tr. Frenay, Ulrich, Hirschei und Motthan. Bei Fortsetzung der Debatte über die Schlachtmeh-Ver- sicheruug bringen die Abgg. Wolf und Schönberger noch ver- schcedene Wünsche vor, ans welche Obermedtzmalrat Lorenz und Ministerialrat Braun näher eingehen. (Während der Rede des letzteren hat Abg. Köhler em B t l d der P r i n z e s s i n B r a u t auf den Tisch des Hauses ausgestellt, wo es von den einzelnen Abgeordneten mit Interesse betrachtet wird; die private Unterhaltung wird darnach so Direktors entsprechend, in den seitherigen Räumen des botanischen Instituts untergebracht werden wird, ist dem Raumbedürsnis zunächst Genüge geleistet. Was die Erweiterung der landwirtschaftlichen Versuchsarbeiten durch die Einrichtung umfangreicherer Feldversuche angeht, so waren die Beteiligten darüber einig, daß mit einer solchen Einrichtung ein greifbarer Erfola nur dann zu erzielen sei, wenn für diesen Zweck namhafte Mittel aufgewcndet werden könnten. Teshalb war in den ersten Entwurf des Voranschlags der Landesuniversität für 1905 eine Anforderung von 6800 Mk. „Für Feldversuche des Landwirtschaftlichen Instituts eingestellt worden; die Vorsehung eines so beträchtlichen Ausgabepoireus mußte jedoch bei der der- maligen Etatsgestaltung mit Rücksicht auf andere unabweisbare Bedürfnisse unterlassen und von der Einstellung so namhafter Vttttel für Versuchszwecke des landwirtschaftlichen Instituts zurzeit leider abgesehen werden. Von der Errichtung einer zweiten Professur für Landwirtschaft glaubt die Regierung im Einverständnis mit dem Direktor des landwirtsckwftlichen Instituts mit Rücksicht auf die Möglichkeit der Heranziebnng eines tüchtigen P r i v a t d o z e n t e n als Lehrkraft vorerst Abstand nehmen zu sollen. Tie Regierungsvorlage, betreffend den Gesetzentwurf, die Au f- hebung des Artikels 48 des Fifchereigesetzes vom 27. April 1881 (Freiheit des Angelns in schiffbaren Flüssen und Strömen), hat auf demselben keine Erledigung gefunden. Abg. Reinhart beantragt daher: Tie Kammer wolle beschließen, die Großh. Regierung zu ersuchen, noch diesem Landtage entsprechende Vorlage zugehen zu lassen. Der Ortsvorstand von Freiensteinau wünscht die Er- richtung eines Amtsgerichts dott. , Komische Tagesschau. Von der hessischen Landesverficherungsanstalt. Tie „Deutsche Keauleutaf,euzig." schreibt: Das kleine Hessenland verfügt über eine Laudesversicherungsanstalt, die andere größere Anstalten weit in den Schatten stellt. In den drei Provinzen Starkenburg, Oberhessen und Rheinhessen wird das Einzugsverfahren Dem § 134 des J>B.-G. entsprechend durch die 84 Ortskrankenkassen, 106 Bettiebs- kasfen, 390 Gerneindeverjichernngen, 318 Jnvalidenverjicher- ungsstellen ujw. besorgt. Wie sieht es dagegen im benachbarten Hessen-Nassau aus? Da muß die Post und die Polizei die Riesenarbeit leisten, damit ja neue Mtllionen in Kassel aufgehäust werden können! Nach dem Geschäftsbericht der Anstalt für das Großherzogtum Hessen pro 1903 wurden im Lause des Jahres allein „2873 Arbeitgeber veranzeigt", weil sie es „vergessen" hatten, Beitragsmarken zu verwenden, meistens seien es die „unständigen" Arbeiter gewesen, denen man keine Markes „gepappt" hatte! Tie Zahl der Rentenanträge ist merkwürdigerweise gegen das Vorjahr zurückgegangen, während andere An- patten, die nicht genug an Heilverfahren sparen können, immer über die „steigenden Kosten" klagen! Im Jahre 1903 sind 2804 Jnvalideurentenanträge eiugegangen, gegen 32ö8 im Vorjahre. Hiervon wurden erledigt durch Renten- sestsetzung 2384, durch Ablehnung 226 Anträge. Am Schlüsse des Jahres waren 10 263 Invalidenrenten vorhanden. Dagegen hat erfreulicherweise die Zahl der Attersrenten- untiäge zugenommen! Es sind 300 Anträge, gegen 278 im Vorjahre, neu eingegangen, von denen 242 Anträge anerkannt wurden. Am Jahresschluß waren 2397 Altersrenten! noch vorhanden! Etwas zurückgegangen ist auch die Zahl der Anträge aus Erstattung der Beitrage bei Heirat. Während im Vorjahre noch 3505 derartige Anträge gestellt wurden, beträgt die Zahl im Berichtsjahre nur 3373. Tie „Flucht" aus der Versicherung ist also auch in Hessen nicht so groß, als tu den anderen „sparsamen" Anstalten! Es behalten in Hessen also auch die Frauen lieber ihre Mitgliedschaft, hauptsächlich des Heilverfahrens wegen! Tarin leistet diese kleine Anstalt wahrhaft Musterhaftes. Iw Berichtsjahre sind 2057 Anträge auf Uebernahme des Heilverfahrens gestellt, wovon 1555 Anttäge angenommen wurden. Erledigt wurden im Jahre 1903: 1382 Heilverfahren, welche 687 Lungenkrankheiten und 595 „andere Krankhetten" betrafen. Es betraf dies: 955 Männer und 427 Frauen. ~ie behandelten Personen gehörten an: 55 der Land- und Forstwirtschaft, 940 der Industrie und Gewerbe, 123 im Handel und Verkehr, 42 Lohnarbeiter verschiedener Art, 64 im Gemeindedienst, 158 im Gesindedienst. Tas Heil- Herr ?" — „Majestät, ici) bin als Journalist hier". — „Nun ivohl, mein §err, General v. X. . . hat mir gesagt, was Sie von mir erhofften. Es ist unmöglich... Man hat mich beleidigt... Ich komme mir vor wie ein Unter«- leutuant; ich habe vor Frankreich den Hut gezogen, und Frankreich hat seinen Hut fester aufs Haupt gedrückt!..." Das kam ruckweise hervor, kurz, schneidend; das blaue Auge glänzte in unheimlichem Feuer, der Schnurrbart zitterte leicht, aber Der Körper, der Kopf, hatten ihre königliche Haltung bewahrt. Herr de Labruyöre war sehr blaß geworden und blieb stumm, aber in der militärischen Haltung, die er instinktiv angenommen hatte, lag tiefster Respekt, der Respekt eines jungen Offiziers, der von einem General heruntergekanzelt wird. Der Kaiser wandte sich zum Gehen, drehte |id) aber noch einmal um und sagte: „Sie kehren jetzt nach Paris zurück, mein Herr? Sagen Sie Ihren Malern, Daß sie unrecht haben, wenn sie nicht zu uns kommen. Wenn Sie sie bis zum 1. Mai doch noch dahin bringen, will ich Ihnen die von Ihnen gewünschte Unterredung gewähren. . . Am Abend desselben Tages versprach der Jranzvse dem General v. & . . über die Szene im Schlußhof das tiefste Schweigen zu bewahren. Tags daraus fuhr er nach Frankreich zurück, mit der festen Absicht, bei den französischen Malern im Sinne des Kaisers zu wirken. Aber sein Brotherr, der Herausgeber des „Matin", untersagte es ihm, und es war von der Sache nicht mehr Die Rede. Jetzt, nachdem zwölf Jahre verflossen sind, glaubte Herr de Labruhöre, sich selbst von seinem, dem General v. X. . . gegebenen Versprechen entbinden und einen wahrheitsgetreuen Bericht über seine Unterhaltung mit dem Kaiser ver».^ senil ich en z" dürsen. Ta er eine ,,Di- näherung zwischen Deutschland uuo Franko ich aufrichtig tvünscht, Ml spricht er sich nur Gutes von dieser Veröffentlichung." gendermaßen: . , Tie diegierung gebt mit den Interpellanten bahm einig, daß ein weiterer Ausbau des Landwirtschastl. Instituts der Landes- uniüerjitat sowohl im Interesse der letzteren, als auch zum Nutzen der Landwirtschaft erroünschi ist. Sie hat diesem Gedanken auch bereits Ridurch Neck-nung getreten, daß sie am 12. August l. I. eine umfassende „Prüfungsordnung für die Abhaltung von Prüfungen in der Landwirtschaft an der Großh. Landesuniversität", an der es bisher gefehlt hatte, erlassen und damit den Studierenden der Lanowittichaft dic Niöglichkeit eines ordnungsmäßigen Abschlusses ihres landwirtschastl üben Studiums gcwährleiitet hat. Ferner sind bereits Vorkehrungen getroffen, um dem landwirtschaftlichen Institut größere und zweckmäßig e r e R ä u m e als bisher zur Verfügung zu stellen. Tn- durch, daß das landwirtschaNliM Institut, Dem Wunsch seines lebhaft, daß Vizepräsident Tr. Schmitt wiederholt um Ruhe ersuchen muß.) Ministerialrat Braun legt seine Bedenken dar über den Vorschlag des Abg. Schönberger, dem Gesetz nur einen provisorischen Charakter zu neben, etwa auf 3—5 Jahre. Abg. Ulrich bedauert, daß die Schweineversicherung nicht in das Gesetz mit ausgenommen wurde und glaubt, daß die Landwirte selber bald auf eine Erweiterung des Gesetzes dringen würden. Eine provisorische Einführung des Gesetzes auf 3—5 Jahre müsse er entschieden avlehnen. Abg. Müller ist gleichfalls für die Ausdehnung des Gesetzes auf die Schweine. Abg. P i 11 h a n bemerkt, daß das Zuftundekommen des Gesetzes im Interesse der Landwirtschaft dringend notwendig sei. Abg. Windecker meint, daß er die Bedenken gegen eine provisorische Einführung des Gesetzes nicht teilen könne. An eine Wiederaushebung desselven werde niemand denken können, es würden nach 5 Jahren höchstens Abänderungen in Betracht kommen; man habe dann auch genügend Zeit, die Ausdehnung auf die Schweineverficher- ung in Erwägung zu ziehen. Abg. Dr. Buff ist gegen den provisorischen Charakter des Gesetzes. Nach einigen Bemerkungen schließt die Generaldebatte. In der Spezialdebatte wird Art.1 der Vorlage an genommen, welcher lautet: „Für das Großherzogtum wird eine staabliche Schla.chtviehversicherungsanstalt auf Gegenseitigkeit mit Versicherungszwang errichtet." Artikel 2 stellt Den Ilmsang der >Versicherul:gspslicht dahin fest, daß alles im Großherzogtum zur Schlachtung kommende Rindvieh im Alter von über drei Monaten der Versicherung unterliegt, sowohl für gewerbliche, wie für Haus- und Notfchlachlungen. Der Ausschuß beantragt hier einen Zusatz, nach welchem die N o t s ch l a ch t u n g e n vom Gesetz ausgeschaltet werden solleu. Da sich über diese Frage eine längere Teabtte entwickeln dürste, wird auf Antrag des Abg. Weidner die Weiterberatuug vertagt. Nächste Sitzung: Donnerstag früh 9 Uhr. Kleines Aeuilleton. lieber eine angebliche U n t e r r c b it rt g mit dem Deutschen Kaiser, die vor zwölf fahren statt- geftmden haben sott, berichtet Jorges de Labruysre un „Gil Blas". Der wohl mit einer starken Portton Vorsicht aufzunehmende Bericht über Gefchrchte und Inhalt der Unterredung enthält im wesentttchen folgendes.. 1 war im März 1892, gelegentlich des sogenannten „mcident des peintres", der beinahe (?) einen neuen Krreg zwischen Frankreich und Deutschlands herbetge- führt hätte: J:L Berlin sollte am 1. Ma: eme rutir* nationale Kunstausstellung eröffnet werden, und D:e sran- zösifchcn Maler waren aus Befehl des Ka:scrs :n bcsouoers chlneichelhasten Briefen emgeladen worden, bie . au5» teilung zu beschicken. Ja, der Kaiser tat niZi)j mehr: er chick'te seine Mutter, die Kaiserin Friedrich, die Den Franzosen von jeher sympathisch war, nach Paris unD bat s:e, die offizielle Einladung durch persönliche Bemühungen zu unterstützen. Die Kaiserin-Witwe besuchte die Atetters der berühmtsten Akaler. Die luciften Maler nahmen d:e E:n- labung gern au, unb ber „Matin", ber Herrn de La- bruyöre als Berichterstatter nach Berlin geschickt hatte, ber- össentlichte, die Auuahmeschreiben Der Künstler. Plotzncy cdwbiu aber die „.professionellen Patrioten in Frankretch, die Leviten des Tempels Der Zwietracht, die das he:l:ge Lämpchen des Hauses nicht erloschen lassen dürfen", em aroßes Geschrei und veranstatteten Protestkundgebungen aeaen die berlinischen Gelüst ber französischen Maler, teincu Augenblick lang fürchtete man hüben und drüben irneub eine Demütigung ober Beschimpfung der. ka:ser- Hnu-u LDemiltterin, und das wäre der Kr:eg gewesen. (?) Mau n>ar daher in Benin, wo an dem kritischen Tage au, der Sttci e „Unter den Lmben" em Gewoge yerr,chte, wre tyn dem unvermittelten Ausbruch c:neS Krieges, reckt verfahren batte Erfolg in 1166 Ritten gleich 84,4 Proz., in 216 Fällen gleich 15,6 Pror., keinen Erfolg. ^Von den 687 Xiimqtmfraiucn wurden 563, gleich 82,0 Pro-., mit Erfolg und 124, gleich 18 Proz., ohne Erfolg behandelt. Noch günstiger n*ar das Resultat bei den sonstigen Krankheiten. Hier waren von 695 Fällen, gleich 86,8 Proz., mit Erfolg und nur 92, gleich 13,2 Proz., ohne Erfolg behandelt worben. Welche Entwicklung das Heilverfahren bei dieser Versicherungsanstalt durchgemacht hat, beweist nachstehende Zusammenstellung. Dcö Heilverfahren erforderte und verursachte: 1900 57 733 Mk. Megetage ^SS Mk. 1901 73 219 Mk. 1902 74 282 Mk. 1903 83 307 Mk. Kosten 164 497,89 246 094,45 867 947,76 380 507,11 421 757,73 pro Fall 227,52 246,83 297,93 296,11 305,18 Tie Versicherungsanstalt war also gewiß nicht „sparsam" gegen die Vorjahre gewesen. Auch die Krankenkassen haben ihren Anteil an diesem Aufschwung in den Heilverfahren; da sie es sind, die in erster ^üiie die Anregung gaben und das Krankengeld aus die Tauer des Heilverfahrens der UnterstützungSzcit der «Versicherungsanstalt zusichern. Nach dem Bericht zahlten die Krankenkassen im Jahre 1899 : 24 009,03 Mk., 1900: 42 616,85 Mk., 1901: 51 702,23 ML, 1902: 60 892,91 Mk. und 1903: 70 692,52 Mk. der Versicherungsanstalt für das Heilversahren zurück! Für die Lungentuberkulose wurden im Jahre 1903 33 446,20 Mk.« mehr ausgewendet! Ein Pflcgerag kostete der Versicherungsanstalt 5,06 Mk. gegen 5,12 Mk. im .Vorjahre und 3,69 Ml. im Jahre 1899. In der Ernst Ludwig-Heilstätte waren 470 Kranke, in Reichelsheim 214 Lungenkranke untergcbracht. Kranke ferner in Lindenfels, Bad-Nauheim, Wiesbaden, Bad-Wildungen, Bad-Neuenahr, Bad Orb, Bad Salzschlirf, Bad Soden usw. Tas Gesamtvermögen der Anstalt betrug Ende 1903 20169 087,24 Mk., davon sind 4 898 400 Mk. in Wertpapieren und 13 074147,55 Mk. in Drrrlehen angelegt. Man legt den kleinen Gesckstistsbericht mit größerer Befriedigung aus der Hand, als die umfangreichen Berichte der größeren Anstalten, die mit Stolz ihr Riesenvcrmöaen, erwähnen, für ihre Mitglieder jedoch nur Brosamen übrig haben." Kolitischk Tagesschau. Professor Tr. Max Weber in Heidelberg schreibt im .Archiv für Sozialivissenschaft* u. a. fol- gendes: .Für viele sind diese st u d e n t i s ch e n B e r b i n d n n g c n ja keineswegs in erster Linie Pstegeslatten studentischer Ehre und Sitte, sondern einfach Avancements-Versicherungsanstalten. Die kümmerlichen Sprößlinge deutscher Geheimrännnen oder auch Kommerüenrätinnen müssen darin den bei der heutigen Praxis recht bescheidenen .Mut" prästieren, sich, durch einige Narben ab- stempeln zu lassen, weil — mir sind selbst solche Falle wiederholt von den betreffenden besorgten Eltern geklagt worden — es für die .Konnexionen" unentbehrlich ist. Aber schlimmer ist, daß dies Treiben nunmehr die Techniker und, wie es fast scheiiit- wenigstens Anfänge dazu sind bemerkbar — auch die Zöglingen der Handelshochschulen ergreift . . . Daß wir uns mit einer Entwöhnung von der intensiven Arbeit, wie sie dies .akademische" Treiben heute regelmäßig mit sich bringt, als Macht neben deii großen Arbeitsvölkern der Erde, speziell den Amerikanern, auf die Daiier behaupten, ist mehr als fraglich. Feudale Prätensionen ersetzen den Geist rücksichtsloser bürgerlicher Arbeit Nicht". Sprechjaal. föur den Inhalt der unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Sehr geehrte Redaktion! Für eine Aumayme dieser Zeilen in Ihrem sehr geschätzten Blatte wäre ich Ihnen sehr verbunden. Ich weiß mich eins mit allen Freunden echter Kamst, mit allen, die es mit ihrer Vaterstadt Gießen gut meinen und den Mut haben, einen tüchtigen Schritt zu ihrer Entwickelung vorwärts zu tun! Wer mit unserer Aeit fortgeschritten ist, wer mit seinem Herzen dabei gewesen ist, wie jetzt jenseits des Meeres auf der Weltausstellung in 3t Louis deutsche Kunst gerade auf dem Gebiete der harmonischen künstlerischen Gestaltung in moderner Ar chite ktur und Innendekoration die größte Bewunderung aller Völker gefunden hat, der begrüßt das Tülfersche Projekt für den Saal- und Theaterneubau mit seinen wärmsten Sympathien! Wir sind Gott sei Tank hinaus übßr die Zeil und sollten es auch in Gießen sein, wo wir gefrorene, in unsere Zeit, unter unseren Himmel nicht mehr passende Nachahmung einer vergangenen .wenn auch 'gewaltigen Kulturepoche als die einzig zulässige Architektur für Prosanbauten anzusehen pflegten. Ein frischer fröhlicher Zug geht durch unsere Tage und wir haben uns bereits wieder selbst gefunden, uns, unsere deutsche Kunst! Tefsen ein Wahrzeichen wird ohne allen falschen äußerlichen Prunk der Tülfersche Bau werden. Wer durch die bei I. Hirz ausgestellte Skizze zu solchen Urteilen geführt wird, lvie sie dieser Tage in Ihrem lokalen Teile zu lesen waren, der weiß nicht, daß die Moderne heute nicht mehr eine Tageslaune, eine Mode ist, sondern ein sieghaft fortschreitender, ja schon zum Charakter erstarkter neuer Stil! Vielleicht hat er auch die Skizze nicht als Skizze zu lesen verstanden: dazu gehört Phantasie, die hinzudenkt, was auf der Skizze nicht wiedergegeben ist: die freie Umgebung, Baume, Natur usw., dazu gehört ein Farbensinn, der die Andeutungen der Skizze zu erschöpfen weiß, Erfahrung, bic sich sattgetrunken hat an den schönen Beispielen froher Färber- gebung gerade in der äußeren Architektur! Vielleicht ward auch übersehen, daß diese Skizze gewissermaßen aus der Höbe, aus der Vogelperspektive gesehen ist und aus technischen Gründen so gegeben werden mußte, während das fertige Gebäude sich dem Blick des Beschauers von unten in umgekehrter Verkürzung barbieten wird. Alles in allem ist dieser Plan ein in icber Hinsicht erfreulicher Beweis des Könnens unserer Zeit! Seine Ausführung wird der aufstrebenden Stadt Gießen ein leuchtendes Beispiel vor Augen stellen, wie man ohne unechtes Material, ohne Fälschung echtester Kunst auch bei gemessenen Mitteln künstlerisch und gediegen bauen kann. Möge es in Zukunst sich bewahren! Nun ist es sicherlich sehr erfreulich zu hören, daß bereits 200 000 Mk. gezeichnet sind,, und wir alle wissen denen Tank, die zu großem. Zwecke eine offene Hand gezeigt [Taben und zeigen werden. Höchst bedauerlich aber wäre eine Halbh.it in falfdjer Sorge darum, daß das Ganze nicht zu erschwingen sei. Wer hat noch nicht an sich erlebt, daß er Jahre darum hat klagen müssen, weil er den rechten Schritt zur rechten Zeit versäumte! Tiefe Gefahr ist auch jetzt herauf beschworen aus Sorge vor unseren ja allerdings unhaltbaren Theaterzuständen, aus einer Furcht, die leicht gegen andere weit größere Hebet blind macht! Wahrlich, es wäre besser, das ganze Projekt würde nochuals vertagt, als daß man jetzt die Halbheit ausführt, bie_ uns Generationen hindurch nickts als gereuen wird. Gießen ist eine ausstrebende Stadt der Künste und der Wissenschaften; es ist eine sehr gesunde Stadt schon chne Kanalisation gewesen, cs liegt an einem Eisenbahnknotenpunkt ersten Ranges und an einem schönen Fluß, in angenehmer, ja schöner Lage umgeben von Wäldern und Beraen1 Hätten wir eine würdige Stätte für Theater und Konzerte, /inen -aal für große politische Versammlungen, in denen Die Biele der Zett — einer Zeil, die sich . en Musikwesen kennt, an der äußersten Grenze ber Leistungsfähigkeit angelangt sein; schon legt ihm die Anstalt für Verlagsrecht neue Opfer auf und überall sind die Opfer gestiegen. Nur ein Raum, der es ermöglicht, breitere Schächten ber Bevölkerung für ein billiges Entgelt zum Besuche heranzuziehen, kann hier I/clfcn. Ties Publikum ist ba, nur bic jetzt uotwendip hohen Preise verschließen ihm ben Zutritt; seit Jahren Huben bic Opfer* freubigen Veranstaltungen des evangelischen Arbcitervercins regste Anteilnahme unb leicht könnte ba mehr geboten werben, wäre ber geeignete Raum ba. Tiefer sott nun in bem bereinigten ©aal* unb Thcaterban geschaffen werben unb ieber ßrcunb unserer Stadt muß das mit Freuden begrüßen. Wahrlich, cs soll dem Theater hier nicht zu nahe getreten werben — wer aber barf die edelste der Künste, die ebelste ber Freude verkennen unb hinter bem Theater mit seinen boch gar oft unechten Steinen zurücksetzen?! Geklärtes sittliches Bewußtsein wirb nicht verkennen bürfen, baß das moderne Theater vielfach auf falschem Wege wandelt; stets bient es ber sittlichen Läuterung, ber Erhebung ober Erbauung an den Werken edelster Kunst, sondern vielfach einem aanz falschen Kitzel, dem ys sogar seine besten Einnahmen verdankt. Wer dürfte auch nur auuähcrnb ähnliches von unserem Konzertwesen, von unserer deutschen Musik zu sagen wagen? Ter Bau eines Thrakers allein, darüber sich Hinwegtauschen zu wollen, wäre ein Verbrechen, würde auf Generationen hinaus den Bau eines Saales unmöglich machen; denn schon nach kurzer Zeit muß sich die Unrentabilität des Theaters allein erweisen, und uns Opfer auferlegen, die nicht wieder gut zu machen sind. Tie Steuerlast würde über alles Maß hinaus wachfen und das Gegengewicht bliebe aus. Ja, unser musikalisches Leben würde nicht nur nickst auf der erreichten Höhe erhalten werden können, es würde notwendig zurückschreiten, weil dann weder die Mittel überhaupt, noch der Raum ba sein würbe um wirtschaftlich Weiterarbeiten zu können! Caveant consules! Ihr alten und Ihr neugewählten Stadt- Väter, Euch allen gilt der 2lppell! Bewahrt Gießen vor einem nicht wieder gutzurnachenben Unheil, bas eine verfehlte Entschcib- ung biefer Frage bes Saal- unb Theaterbaues mit sich brächte! Einer, ber in Gießen sein Leben zu verbringen gedenkt. Theater und Saalbau und daö Dülfer'sche Projekt. Tie Bestrebungen zur Errichtung eines Theater- und Saalbaues scheinen bereits wieder in ein bedenkliches Fahrwasser gelenkt zu werden, lu»rib zwar burch bie theater-partikularistischen Strömungen. Ein Teil ber „Theaterpartei" agitiert ganz offen für Errichtung eines Theaters ohne Saalbau, ein anderer glaubt letzteren vorläufig noch als Vorspann für ersteres verwerten zu können. Tie Uebrigeit, soweit sie sich bis jetzt überhaupt für bic Sache interessieren, gelten im allgemeinen als „Konzertpartei". Mag sein, baß unter letzteren solche sind, bie in erster Linie ben sehr berechtigten Wunsch haben, unserem im schönsten Aufblühen begriffenen Musikleben geeignete Räume zu schaffen, bie vor allem auch groß genug sind, daß entfpredjenb der Anzahl der Plätze die Eintrittspreise wesentlich herabgesetzt werden können, und damit auch weniger bemittelten Kreisen ber Besuch ermöglicht wirb. Auf den Einwand, den man neuerdings diesen Interessenten entgegenhält, daß nämlich der projektierte neue Saalbau des Aulagebäudes für solche Konzerte geeignet sei, ist zu erwidern, daß zunächst biefer Anbau noch gar nicht genehmigt ist, wenn er aber ausgeführt und für diese Zwecke zur Verfügung gestellt wird, nur für ca. 600 Personen ausreichen, somit an Größe kaum einen Fortschritt gegen anoere hiesige Säle bedeuten wird. Nun war aber mit dem Saalbau etwas ganz anderes beabsichtigt; er sollte für alle gesellige Zwecke, für die es an geeigneten Lokalen fehlt, dienen und damit der ganzen ElluvoHuerschaft, nicht nur den speziellen Theater- und Konzert-Interessenten. Eben diese Bestimmung wird leider nicht richtig erkannt und deshalb fehlt es noch an dem einmütigen Zuge, der Sache zur Durchführung zu verhelfen. Haben beim nicht alle Kreise lebhaftes Interesse daran, daß alle die Veranstaltungen, die jetzt in den unzulänglichsten Räumlichkeiten abgehalteu werden, geeignete Unterkunft finden? Tas Projekt fielst möglichst verschieben benutzbare Räume vor, großen ©aal, kleineren Saal, Nebenzimmer, bie je nach Bebars einzeln ober zusammen von ber Restauration, bie zugleich als geräumige Tagesreftauralion gedacht ist. versorgt werden können. Oder sollte der Argwohn bestehen, daß sich bad Etablissement zu einem Institut für einzelne exklusive Kreise ausbilden könnte? Hiergegen spricht doch, daß die Stabt beabsichtigt, dasselbe zu übernehmen, die an sich schon für eine gleichmäßige Berücksichtigung aller Kreise Sorge tragen wird und auch das größte Interesse an recht hoher Verzinsung hat, die nur bei möglichst vielseitiger Benutzung erreicht werden kann. Tie Zusammenfassung der beiden Bauten, Theater und Saal- bau, zu einer Gruppe hat nun so unverkennbare Vortelle für seine Teile unb bad Ganze, baß man füglich von allen Jntcr- cssenten eine möglichste Förderung des (^esamtprojektS erwarten sollte. Baulich liegen die Vorteile darin, das; sich die Kosten deS Baupmtzes unb bes Baues bei bem Gesamtprojekte imsentlich billiger stellen, ald bei getrennter Ausführung. Für zwei Einzelbauten wäre vielleicht ein Drittel mehr Baufläche nötig. Veideal Bauteilen kann bei ber Zusammenfassung, wie cs auch ber Tülfersche Projekt Vorsicht, ein gemeinsames Vestibül dienen; die äußere Architektur iuiri> billiger, weil eine Fassade — und zwar eine Hauptsassade — gespart wird. Ter Betrieb wird dadurch ökonomischer, daß bie ©aalbaurestauration zugleich bie Theatcrbufsets versehen kann. Bei großen besonderen Veranstaltungen können die gesamten Räume, Säle, Foyer, event. Zusck>aucrhaus, in einer großen Gruppe benutzt werden. Wie würde die Sache nun, wenn man beispielsweise zuerst daS Theater ausführen wollte? Ta kämen zwei Alternativen in Frage. Entweder man führt das Theater als Teil eines Gesamtprojektes in ber Aussicht auf späteren Anbau des ©aalbaucs auf, ober man baut ein Theater (ür sich unb läßt ben Saalbau Saalbau fein. Im ersten Fall müßten für eine solche stückweise Ausführung nicht unbebeutenbe provisorische Bauteile zugesügt werden, und trotzdem würbe ber Bau für lange Zeit ald Torso dastehen. Tenn wemi sich Gießen jetzt nicht zur Ausführung des ganzen Baues ausschwingt, dann wird es ihn wohl auch noch in vielen Jahren nicht zustande bringen. Tann hat es eben sein Pulver für ein in erster Linie den besser Bemittelten zugute kommendes Theater verschossen unb alle anderen Jntercsienien haben das Nachsehen. Will man aber ein für sich abgeschlossenes Theater errichten, für das dann selbstredend ein anderes Projekt zu fertigen wäre, )o fragt es sich: wohin stellen wir dieses Theater? Auf den SchÜlerschen Garten kann es kaum Anspruch machen, nachdem er seinerzeit gerade mit der Bestimmung der Stadt überlassen wurde, daß er für Errichtung eines Saalbaues reserviert werden solle. Wo hat nun Gießen einen anderen geeigneten und den Kosten nach in BetracA kommenden Platz für ein Theater? Was nun die Nentabüitätsfrage — den Kernpunkt des Unternehmens — betrifft, so spricht auch diese dafür, Theater und Saalbau zusammen zu bauen; denn ersteres wird ganz unzweifelhaft eine viel geringere Verzinsung erzielen, als der Saalbau mit Restauration. Letzterer wird nach Ansickft von Männern, bie hierüber als kompetent angesehen werden können, bald schon sich selbst erhalten können, spater aber auh bem Theater zur Verzinsung bchülslich sein. Wie erwähnt, wirb aber bei einem gemeinsamen Bau ein wesentlich geringeres Anlagekapital zu verzinsen sein. Unb um bie Verzinsung allein hanbelt es sich bod) bei bicsem Unternehmen. Tie absolute Höhe ber Bausummen ist Nebensache, sobaib sie sich im gewünschten Maße verzinst. Daher würbe sich bie Stabt mit einem Theater allein eine größere Last auflaben, als mit einem Toppeibau. Nun ist noch zu beadtfen, baß einige sehr namhafte Beiträge nur für ben Tvppelbau in Aussicht gestellt sinb. und zwar nur, wenn Theater unö Saalbau gleichzeitig ausgefüyrt werden. Nun zum Tülftrschen Projekt: Ter Grundriß darf wohl als eine ausgezeichnete Lösung deS Programms betrachtet werden, inbem bie Raumanorbnung nicht nur praktisch, fonbem auch hochkünstterisch ist. Tie künstlerifd>e Anlaae bes GrunbrisseS .von ber bie Raumwirkung abhängt, ist ein Punkt, der nur zu oft übersehen wird. Eine nüchterne, rechteckige Aneinanderreihung der Raume kann wohl einen brauchbaren Grundriß abgeben, aber man vermißt später in einem solchen Bau, wenn aud) oft unbewußt, nur zu sehr ben höheren Schwung. Raumgruppierung spricht bei der Archllektur oft ein viel gewichtigeres Wort, als bie einzelne formale T-urchbilbung. Die Außenarchitektur hat sich bereits abfällige Beurteilung gefallen lassen müssen. Ter Geschmack ist bis zu einem gewissen Grabe Mobesacke. In biefer Hinsicht ist bie Baukunst übel bran, benn hier bildet sich bie Geschmacksmobe deS Publikums leiber burch bie „Architekturwerke", bie in Masse an bie Straße gebaut toerben. Wer sich ben Geschmack an tiefen gebildet hat, ist für eine Kunst, wie bie Tülfersche, freilich verloren. Aber ein Bau, wie der projektierte, der der monumentalste der Stadt unb eine Stätte ebler Künste werben soll, muß eine besondere, eigenartige, feierliche Sprache reden; nichts schlimmeres konnte ihm geschehen, als wenn ihm eine jener mittelmäßigen, jeder Eigenart baren Fassaden angezogen würbe, wie sie leiber nur zu oft, clbft bei größeren öffentlichen Bauten, zu sehen sinb. Hiergegen fallen von selbst die Einwände ab, wie: solche Architektur passe nicht für Gießen. Wenn überhaupt der Bau für Gießen paßt, bann paßt auch bie einbruckSvvlle eble Formengebung eines Architekten, wie Prof. Tülfer, beffen Kunst in Künstler kreisen längst die verdiente Bewunderung gefunden hat. Tülfers Kunst hält sich trotz des modernen, individuellen Zuges so fern von allen sezessionislisd)en Auswüchsen, ruht vielmehr auf so klassischer Basis, daß ihr wohl eine lange Tauer im Wandel des Geschmackes jugcfprxKben werden kann. Gießen kann sich nur gratulieren, wenn es das Projekt zur Ausful-rimg bringt, dem sich ein großer Künstler uni) erfahrener Praktiker mit ganzer Hingabe gewidmet hat. Wenn nicht, wird man es wohl demnächst in den Fachblättenn als neue Illustration dafür wieder finden, baß sich 'bebeutenbe Kunstwerke leider zu oft nicht durchzuringcn vermögen. Wenn aber zunächst nur die Erkenntnis durchdringt, baß eine solche Anlage überhaupt eine Epoche in Gießens Entwickelung bedeutete, und damit auch der ganzen Bürgerschaft Nutzen bringen würde! . Soll denn, nachdem bereits von vier Bürgern etwa der inerte Teil der Baukosten gedeckt ist, das ganze übrige Gießen nicht fertig bringen, soviel beizutragen, daß die Stadt die Verzinsung des Restrs übernehmen kann? Becker. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Donnerstag, ben 24. November, abends 8 Uhr, im Matthäus- Gemeindesaal, Kirchstraße 9, Bibelstunde. Psalm 111. In der Stadtkirche. Freitag, den 25. November, vormittags 11 Uhr: FestgotteS- dienst zur Feier des Geburtstages Sr. Ligl., Hoheit bes Groß- herzogd, für Ntltttär- unb Zivllgemeinbe gemelnjam. ' Pfarrer Euler. Die auf Freitag, den 25. November verabredete Zufammen< kunft der konfirmierten Mädchen der Lukasgemeinde fallt aus. __Pfarrer Euler. Israelitische Neligionögesellschaft. ^oltesdleust. Sabbathfeier am 2 6. November 1904. Freitag abend: 4.00 Uhr. ©amdtag vormittag. 6.30 Uhr. , Feier des Geburtstages Sr. Königl. Hoheit deS Großherzogs. Samstag nachmittag: 3 30 Uhr. Sabdalhaudgang 5.15 Uhr. Wochengottcsdienst: morgens 7.00, abelidS 4.00. Israelitische ReligionSgemeinde. Hottesdlena in der Synagoge i^üdaalage). Samstag, den 2 6. November 1904: Vorabend 4.80 Uhr. Morgend 9.00 Uhr. Nachmittags 8.30 Uhr. Schrifterkläruug. SabbathauSgcmg 5.15 Uhr. 8äVU Vorzüglichster Kaffeezusatz. Seelig8 feinste Kaffee-Essenz 50% Kaffee-Ersparnis. m 2.1 5 2. = 3- a Todes-Anzeige unser guter, innigst geliebter Gatte und Vater, Sohn, Brudei Herr Johannes Th Ö rne r tiefbetrübt anzeigen. Giessen (Grabenstrasse 9), den 24. November 1904. Die Beerdigung findet Samstag den 26. d. Mts., nachmittags 4 Uhr, von der Kapelle des neuen Friedhofes aus statt. ■ Lk Sthlfffuk 26 B"Ai Haag. 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Materiallieferung für die Erweiterung des BahnhofsHungen sollen lm Wege des schriftlichen Angebots öffentlich verdungen werden. Die Zeichnungen und Angebotsunterlagen liegen im Bureau der unterzeichneten Be- lriebsinspeklion zur Einsicht aus. Tie Angebotsunterlagen können auch von da gegen 1,50 Mark „in Bar" bezogen werden. Die Angebote sind verschlossen und mit der Aufschrift „Erweiterung des Bahnhofs Hungen" versehen bis zum Eröffnungstermine am 12. Te- zember 1904 vormittags 11 Uhr postfrei hierher einzurelchen. Zuschlagsfrist 4 Wochen. Gießen, den 23. Novbr. 1904. Großh. Eisenbahn-Betriebs- Jnspektion 2. sB" 11 morgens von 10 Uhr an: Wellfleisch mit Kraut. Häringe Dutzend Schirme 7343 in großer Auswahl 26 Bahnhofstraße 26 a84/11 Bienen-Honig, Qualität Otto Schaat, Adler-l)i ogerie 8473 Selters weg 39. mästet Schweine kolossalk Sämtliche Schweinezüchter,welche „Sui“ verwenden, bestätigen die vorzügliche Wirkung. Packet 50 Big. 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I Aergeöung von Nauaröeiten. Die bei dem Neubau eines Zellenflügels zu Landeszuchthaus Marienschlotz (nächste Bahnstation Rockenberg- ©ciebcl) vorkonunenden Fundamentierungsarbeiten sollen unter Hinweis auf den Ministerialerlaß vom 16. Juni 1893 durch öffentlichen Wettbewerb vergeben werden. Zur Vergebung kommen nachstehende Arbeiten, für die entweder getrennt nach den einzelnen Losen oder zusammen Zuschlag erteilt werden kann. Los I: Erdarbeiten rd. 5300 cbm Erde auszuheben und zu planieren. Los II: Maurerarbeiten 1800 cbm Fundament und Kellermauerwerk aus Bruchsteinen, 942 qm Isolierung mit Jsolierplatten, 320 qm Gudronanstrich der Kellermauern. Die Angebotsunterlagen, sowie Zeichnungen und Bedingungen können bei uns eingesehen werden. Die Angebots- Unterlagen werden gegen Erstattung der Selbstkosten abgegeben. Die Angebote sind verschlossen, postfrei und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum Eröffnungstermin, dem die anbietenden Unternehmer beiwohnen können, einzureichen. Eröffnungstermin: 17. Dezember 1904, vormittags 11 Uhr. Zujchlagsfrist: 6 Wochen. Friedberg, den 17. November 1904. Großh. Hochbauamt. KleMverdmMlW Am 1. Dezember 1904, vormittags 10 Uhr, wird im diesseitigen Geschäftszimmer Kaserne I der Bedarf an Fleisch- und Wurst- waren für die Garnison Gießen auf die Zeit vorn 1. Januar bis 30. Juni 1905 verdungen. Die Lieferunys - Bedingungen liegen im Geschäftszimmer aus; dieselben können auch gegen Zahlung der Selbstkosten bezogen werden. Schriftliche und versiegelte Angebote sind im Geschäftszimmer vor Beginn des Termins mit der Aufschrift: „Angebot auf Lieferung von Fleisch- und Wurstwaren" versehen abzugeben. D15/u Garnifonverwaltirrrg. Bon heute ab fast täglich (frisch) sciiiste Micherte Empfehle mein großes ^232 bei vorkonunenden Sterbefällen. Dasselbe enthält eichen polierte Särge und tannen lackierte m hell und dunkel in jeder Preislage. Kinder-Särge in jeder Große. 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