Erstes Blatt. 154. Jahrgang Montag 84. Oktober 1904 viertel- Amis- und ZnzeigeblÄi für den Kreis Gießen Wr. 850 tttlOetiit tügltch «über Sonntags. Dem Gießener Anzeiger werden tm Wechsel mit dem besfischen Landwirt V die Gießener Familien« U blätter viermal in der Woche beigelegt. Notalwnsdruck n. Ber» lag der Brühl'schen lln wers.-Biich-u. Stern« bruderet. 8t Laag«, Redaktion, Ervedtttoo iäbrlich TU. 2.20; durch Abhole« u. Zweigstellen monatlich 65 Pf.; durch diePost Mk. 2.—viertel« jährl. ausschl. Bestellg. Annahme von Anzeige« für bie TageSnummer bis vormittags 10 Uhr. ZellenpreiS: lokal 12 Pf* auswärts 20 Pfg. Verantwortlich für den voltt und allgem. teU: P. Witiko; für .Stadt und Land" und .Gerichtsfaal": August Goetz; für den Anzeigenteil: Hans Beck. Hchulstratze T» Hbiefie für Devefchen: Anzeiger Gtetze«. FernsprechantchluyNr 51 «WLMWMWMSWS Pie heutige Nummer umfaßt 10 Kette« Aer Krieg zmisrZen Aapan und Zrußland. Vom Kriegsschauplätze Petersburg, 23. Ott. Ein Telegramm von General S s a ch a r o w an den Generalstab meldet unter dem 22. Oktober: Heute fanden bei der ersten Mandschureiarmee keine Zusammenstöße mit dem Feinde statt. Einzelne Schüsse wurden im Lause des Tages gewechselt. Unsere Batterien beschossen den von den Japanern besetzten Teil des Torfes Linschinpu, die Station Schahe und das Torf Lamatun. Der Feind beschoß den von uns eingenommenen Teil des Torfes Linschinpu und das Dors Sahepu. Tokio, 22. Okt. Dem Reuterschen Bureau wird berichtet: Die Russen konzentrieren sich gegen die Armee des Generals Kuroki; eine russische Kavallerieabteilung habe den Taitse-Iluß östlich von Pensihu überschritten. London, 23. Okt. Der Korrespondent des Reuterschen Bureaus bei der östlichen Armee der Russen meldet aus Shenknig vom 22. Oktober: Beide Heere bleiben im wesentlichen untätig. Die Russen nahmen Tanupudza wieder. Die Japaner haebn die Stellung auf der Hochebene inne, die nach dem Schaho zu abfällt. Fortwährend finden Vorpostengefechte statt; man hört zerstreutes Gewehrfeuer; von Zeit zu Zeit beschießen sich einzelne Batterien. General Mischtschenko hatte im Westen am 20. Oktober ein heftiges Gefecht. Die Russen machen in dieser Richtung Fortschritte. Es verlautet, japanische Geschütze seien genommen worden. Es sind Anzeichen vorhanden von einer baldigen Wiedereröffnung der Fe find? seligkeiten, da die Russen augenscheinlich beabsichtigen, zum Angriff überzugehen. Das Wetter ist kalt. Nach einer annähernden Schätzung belaufen sich die Gesamt Verluste Der Russen in der letzten Schlacht auf 45 0 0 0 Mann, darunter 10 000 Tote. Dem Reuterschen Bureau wird von der Armee des Generals Oku vom 19. Oktober gemeldet: Die Russen bleiben immer noch in der Offensive, ihre Angriffe werden aber mit großen Verlusten zurückgewiesen. Okus Verluste werden bisher auf 5100, von denen die meisten Verwundete sind, geschätzt. Die Gesamtverluste der Russen in den Kämpfen mit Okus Armee hrmmen fast einem Armeekorps gleich. Tokio, 22. Okt. Die Heere Kuropatkins und OHamas stehen sich noch immer Front gegen Front gegenüber, ohne daß einer von beiden zum Angriff übergeht. Ein Bericht aus dem japanischen Hauptquartier in der Mandschurei, der gestern hier ein ging, meldet, daß dem .Vernehmen nach die Russen eine große Truppenmacht gegen das japanische rechte Heer zusammenzögen. Zwei Bataillone russischer Infanterie ständen bei Kaokwanchai. Es verlautet ferner, daß sich 20 000 Russen bei Kaotailin sammelten. Der Feind beschießt, heißt es in dem Bericht weiter, von Zeit zu Zeit die mittlere und linke Armee zum Teil aus 15-Zentimeter-Mörsern. Der bei Susangtai stehende Feind begann am Nachmittag des 20. Oktober die Station Schahe zu beschießen. Die Japaner erbeuteten in der Nacht vom 20. Oktober bei Changliangpao 120 Gewehre. , „ Petersburg, 23. Okt. Wie der Rufs. Telegr.-Ag. aus Eharbin unter dem 22. Oktober gemeldet wird, smd seit dem 6. Oktober gegen 26 000 verwundete Russen nach Norden gebracht worden. Tokio, 23. Okt. (Amtlich.) Marschall Oyam!a berichtet über das Ergebnis der bis zum 22. Oktober angestellten Nachforschungen über die Verluste der Russen in der Schlacht am Schaho wie folgt: Gefangen wurdm etwa 500 Mann, Leichname von Russen wurden 10 550 gefunden, erbeutet sind etwa 45 Kanonen, 6920 Grcmctter^ o474 Gewehre und eine große Menge Pulver. Die russische Lerchen sind mit militärischen Ehren begraben worden. Dre Ver- Kleines AernLeton. N' vollständig «ruf dem Bicken der mentlichen Pwphetrsrnus,er le 1 ~ und Ziel. Nicht tue toeftfccne Ver- geswllt, die heute im offiziellen — Was wollte Jesus? Diese Frage behandelte Prof. Weinel-Bonn zu Köln. Willig gcck'der Rckner von twrn- herein zu, daß feine 7n^e Kraf: aHer Sittlichkeit, nicht die Liebe atä Mitleid, wie Nietzsck>e sie verachtet hat, sondern die Liebe als swenkende Lebensfreude. Mrt dieser lebenssreudrgen Liebe tie dem Glauben an Gott als an den Vater enüspringt. lüfte der Russen werden insgesamt auf 60 000 Mann geschätzt. Die Nachforschung wird fortgesetzt. Petersburg, 23. Okt. Aus Mukden wird berichtet: Am 20. Okt. . griffen die Japaner bei einer Rekognoszierung drei Kompagnien des russischen 35. Regiments an. Der Kampf war blutig: die Russen richteten ein mörderisches Feuer gegen die Javaner, lvorauf letztere in Unordnung zurückwichen. Tie Russen verfolgten sie und erbeutete n dabei eine Menge Patronen, Werkzeuge und Konserven, sowie ein Geschütz. Petersburg, 23. Okt. Nach Privattelegrammen aus führt* den überschritten die russisckpen Vorhuttruyven den Schaho, rückten allmählich vor und nahmen die von den Japanern unter dem Truck der russischen Truppen verlassenen Positionen ein. Tie Japaner errichten in aller Eile Befestigungen nach rückwärts und Nachhutpositionen. Port Arthur. L o n d on , 23. Okt. Tie Blätter veröffentlichen ein Telegramm aus Tokio vom 22. Okt., demzufolge Port Arthur vom 18. bis 21. Okt. bombardiert worden sein soll und die Tätigkeit der ^Japaner zugenommen habe. Tie Rusten haben ihre Kreuzer in Spitäler umgcwandelt, da sie nicht länger am Kampfe teilnehmen. Spione aus Port Arthur behaupten, einige russische Proviantdepots seien durch Bombardements z e r st ö r t. .Kolossale Minen seien unter die Forts von Liaotischan gelegt, um sie in dem letzten Augenblick in die Lust sprengen zu können. Petersburg, 22. Okt. Tie Mannschaft einer gestern aus Port Arthur in Tschsfu eingetroffenen Dschunke berichtet, daß die Beschießung seit sechs Tagen starker geworden ist und nun u n un terbro ch en, auch bei Nacht andauert. Inder Sta-dt sind viele Gebäude zerstört. Tie Hauptmacht der Belagerungsarmee ist bei Likiatun im Norden der Festung konzentriert. In Tsebifu leben 2000 Japaner, die sich am dortigen Hafen ohne jegliches Hindernis bewegen, als ob es ein javanischer Hafen wäre. Ununterbrochen halten Schiffe von Tschifu und Weihaiwei die Verbindung mit der japanischen Blokadestotte vor Port Arthur. London, 22. Okt. Eine Depesche aus Tsckist besagt, die Verschärfung des Bombardements auf Port Arthur werbe die Stadt und die Schiffe vielleicht in Trümmer legen, aber die Forts schwerlich genügend beschädigen, um den nächsten Sturm. erfolgreich zu gestalten. Mangel an Munition und Proviant seien der Garnison viel gefährlicher. Ein russisches Prisengericht. Petersburg, 23. Okt. Heute fand unter dem Vorsitze des Admirals Avelan im Beisein von vier Admiralen, von Professor Martens und Vertretern der Justiz als höchste Instanz des Prisengeritchs die Verhandlung wegen der Beschlagnahme desenglifcben D a m p se r s , ,A l l a n t o n" durch das Wladiwostok-Geschwader statt. Es wurde folgender Spruch abgegeben: Ter Dampfer „Mcmton" und dessen Ladung unterliegen nicht der Konfiskation und sind dem Besitzer zurückzugeben. Zur Beschlagnahme lag genügende Ursache vor; bei derselben wurden alle notwendigen Bedingungen beobachtet. Ter Beschluß des Prisengerichts in Wladiwostok ist in den entsprechenden Punkten abzuändern. Das baltische Geschwader. Cherbourg, 23. Okt. Tas rustische Transportschiff „Ko- rea" und die Torpedoboote „Blestiafchty", ,Bravy" und „Vezu- pretschny", die zur Stillen Meerflotte gehören, sind hier ern- getroffen; sie werden nach der Erneuerung der Vorräte an Kohlen und Wasser wieder in See gehen. Dover, 23. Okt. Das russische Baltische Geschwader passierte uvt 1 Uhr nachmittags Dover. Kiel, 23. Okt. Ter in den hiesigen Hafen eingelaufene Dampfer „Ruf" ist ein russisches Transportschiff, das infolge Wassermangels am Kessel eine kleine Havarie erlitten haben soll. Heute geht das^ Schiff durch den Nordvstseekanal und stößt rn der Nordsee zur russischen Flotte, die es nach Ostasien begleitet. Ein Zwischenfall bei Hüll. London, 23. Okt. Ein Telegramm aus Hüll meldet: Tie russische Ostseesiotte rannte zwei Fischerboote aus Hüll an und brachte sie zum Sinken. Achtzehn Fischer sind ertrunken. Es verlautet, das russische Geschwader habe auf die Fischersiotte gefeuert. Ein englischer Kapitän wurde getötet. Paris, 24. Okt. Tie Nachricht, daß das russische Kviegsgefchwader auf der Höhe von Hüll eine englische Fischerflottille bombardierte, macht hier einen ungemein peinlichen Eindruck, wenn man auch annimntt, daß lediglich ein Mißgriff vorliegt, den Rußland schleunigst hat Jesus einen Grundgedanken gesunden, der in seiner Urkrästig- keit die Welt umzugestalten und zu erlösen vermag. * Eine interessante Kaiser-Anekdote wird den „Ttzukschen Sttmmen" aus ihrem Leserkreise bericUet: An einem Gpmnasium im Westen Berlins liegt der deutsche Unterricht der Prima in den Händen eines Oberlehrers, der von jeher eine gewisse Vorliebe für burleske Aufsatzthemata bekundete. So erteilte er im Frühjahr dieses Jahres den Auftrag, die Frage: „Jnwiswett läßt sich aus der Beinstellung der Hohen- zollern in der Siegesallee auf den Charakter der dargesteNten Persönlichkeiten schließen?" in Aufsatzform zu behandeln. Tie Primaner mühten sich im Schweiße ihres Angesichts ab, der absonderlichen Aufgabe mehr oder weniger gorÄst zu werden. Damit war die Angelegenheit zunächst erledigt. Durch Zufall gelangte sie aber zur Kenntnis des Kaisers. Es war auf der Nott>landfahrt, als das scharfe Ohr des Monarchen an der Tafel das Gespräch zweier in seiner Nähe sitzender Herren der Begleitung mit anhörte, die durch den Vater eines der gesagten Primaner von jenem Aufsatzthema erfahren hatten, und nun ihre Verwunderung dari'tber austauscksten. „Was erzählen Sie da, X.?" fragte der Kaiser den einen der beiden Dettiligttn. Herr v. T. konnte nun natürlich nicht anders, als den Vorfall in aller Ausführlichkeit darzulegen. Ter Kaiser machte ein sehr ernstes! Gesicht und drtickt auf den elektrischen Knopf au seiner Seite. Ordonnanz erscheint: Telegramm an den Kultusminister, das sofortige Uebersentumg der Aufsatzheste an Bord der Jacht „Hohenzvllern" beftehlt. Tr. Sttldt bekam ob solcher Störung seiner Sommerruhe einen argen Schreck, setzte sich aber schleunigst mit dem Ghmnasialdirektor ins Benehmen. Ter erfiärte jedoch der entsetzten Exzellenz, daß zurzeit Hundst-agsserien und die Primaner in alle Micke zerstreut seien; es sei also schlechterdings unmöglich, die Hefte zu beschlfffen. Ter Minister befiehlt trotzdem, das Menschenmögliche zu versuchen, um dem üiiferlichen Befehl nachzukommen. Der arg geängsttgte Direktor telegraphiert also nach allen Himmelsrichtungen, soweit er die Yldressen der mit ihren Eltern im Seebad oder im Gebirge befindlichen Schüler wieder gut machen wird. Wie verlautet, geriet noch ein französisches Boot in dm Bereich der russischen Kanonen. Es soll mit Mühe neck, Cherbourg entkommen fein. Lianjang und die größten Schlachten seit hnndert Jahren. Der Pariser „Matin" gibt folgende interessante Statistik übet die größten Schlachten in den letzten hundert Jahren, die Zahl der Sieger und Besiegten, sowie die Verlustziffern, die von beiden ©eiten zugegeben wurden: Schlachten Stärke Sieger Besiegte Verluste Sieger Besiegte Austerlitz 70 000 84 000 12 000 26 000 Jena 40 000 70 000 4 000 27 000 Moskau 120 000 125 000 23 000 51 000 Leipzig 300 000 171 000 47 000 60 000 Waterloo 116 000 78 000 22 000 29 000 Solserino 124 000 163 000 15 000 22 000 Sadowa 141 000 150 000 9 009 24 000 (ttravelotte 270 000 126 000 85 000 27 000 Sedan 190 000 124 000 80 000 38 000 Lianjang 145 000 140 000 80 000 80 000 Deutsches Reich. Berlin, 23. Okt. Der gestrige Geburtstag der Kaiserin sah im Neuen Palais eine große Anzahl von Fürstlichkeiten versammelt. Vormittags nahm die Kaiserin die Glückwünsche der königlichen Familie, der fürstlichen Gäste und des Hofes entgegen. Die Kapellen des Regiments der Garde du Korps und des Garde-Jägerbataillons brachten eine Morgenmusik dar, die mit dem Niederländischen Dankgebet begann. Mittags fand eine Familientafel statt, an der die Großherzogin von Baden und Prinzessin Feodora von Schleswig-Holstein teilnahmen. — Gestern abend fand im Theatersaale des Neuen Palais eine Fe st Vorstellung statt, bei welcher Oskar Blumenthals ^Wenn wir altern" und Mozarts Schauspieldirektor" aufgeführt wurden. Der Bühne gegenüber in der ersten Loge hatte das Kaiserpaar Platz genommen. Hinter derr Majestäten saßen der Kronprinz mit Braut und die anderen Fürstlichkeiten. An die Festvorstellung schloß sich ein Souper in der Jaspisgalerie. — Der ,Reichsanz." schrieb gestern abend: Der Bundesrat versammelte sich heute zu einer Plenarsitzung. Vorher hielten der Ausschuß für Handel und Verkehr und der für Rechnungswesen, sowie die vereinigten Ausschüsse für Zoll- und Steuerwesen und für Handel und Verkehr, für das Justizwesen, für das Seewesen und für das Landheer und die Festungen Sitzungen ab. Weiterhin berichtet das Wolff'sche Bureau: Der BundeZrat hat die Vornahme einer Viehzählung am 1. Dezember beschloffen." Daß man sich auch mit Lippe befaßt habe, wird mit keiner Lippe angedeutet; obwohl noch im gestrigen Abendblatt die ^Kreuzztg," gesagt hatte: ^Der BundeSrat wird sich heute mit der Lippischen Angelegenheit beschäftigen." Wenn man sich damit beschäftigt hat, so sind offenbar noch keine Veschluffe gefaßt worden. Nach Auffasiung der „Hamb. Nachr." wird übrigens der Bundesrat keine Entscheidung fällen, sondern die Erbfolgefrage einem schon bestehenden Gericht oder einem ad hoc zusammengestellten Schiedsgericht überweisen. Ebenso wird Preußen und werden die anderen Bundesstaaten von der Stellung eines besonderen AnttageS absehen. — „August Scherl und Dr. Cornelius Loewk, Lotterie und Sparkasse. Aktenmäßige Auseinandersetzung und Klarstellung über das sogenannte Sch erlösche Sparsystem, seine Geschichte und Aussicht. Von Dr. jnr. Cornelius Loewe." Das ist der Titel einer soeben erschienenen Schrift, in der der Verfaffer behauptet, nicht Scherl, sondern er selbst sei der Urheber des „Sparsystems" und der Schriften „Das Ministerium Eulenburg und das Scherl'sche Sparlystem^ und „Die Ausschreitungen der Spielsucht", Schrfften, unter die Scherl seinen Namen gesetzt habe. Loewe, früher Mitarbeiter überhcmpt in Erfahrung bringen kann. Ter Erfolg ist aleichwohl höchst gering. Trotzdem, an 90 Mark für Porto verbraucht waren, hatte man rm ganzen mit — drei Auffatzhefle herbeiznsckaffen vermocht. Tiefe wanderten mm mit Extrapost an Bord der „Hohenzvllern". Tvrt hatte inzwischen Herr v. T. ob feiner Unvorsichtigkeit schwere Gewissensbisse empftmden; und er richtete beim Eintreffen der Hefte, alÄ sich eine passende Gelegenheit dazu bot, an den Kaiser die Bitte, doch mit dem Telingnente« gnädig zu verfahren. Er, v. X., hätte doch gar nicht die Absicht gehabt, die Angelegenheit zur Kenntnis des Kaisers zu brinaen, mtb er sei nun sehr bedrückt, durch tue Aussicht, daß durch seine Schuld dem betreffenden Gymnasium so schwere UnmmehmlichFetten erwüchsen. „Seren Sie unbesorgt, lieber X., den Leuten soll nichts geschehen", lautete die Antwort des Monarchen. Damr machte sich der Kaiser an die Lettüre der Auffätze selbst. Seine Züge wurden freunblidxr, und sie hellten sich vollends auf, als er am Schluffe des dritten Aufsatzes den Primaner seine Gedanken in folgende Worte zusannnenfasfen sah: „Kgentttch aber sollte man meinen, daß der Charafter her Hohenzollern in der Siegesallee besser aus ihren Gesichtszügen, aU chulznt aufbewahren mag. Ter Pr-ofeffor aber, brr so großes Unheil an« gerichtet hatte, soll beilfroh geioesen fein, so.fllimWub davonzukommen, und ein Gelübde abgelegt Habern in Zukunft bet ber Wahl der Aufsatzthemata etnxls größere ^rgfalt anMveni^n. — E i n H e l d e n t e n o r von imgewöhnlrck^r fttmmhfFier Begabung soll in Hernr R. Oeser entdeckt twrden sem, der bisher alS jugendlicher Held und Liebhaber bedeutenden Bühnen tn Berlin, Hamburg, Riga ufiv. mmebörte. Intendant Jensm nerrfntiiete sofort den jungen Sänger der in Berlin von Alffcri (bem Lebrer unsere 'n.risö n > enors Strätz und deS Buffo Albert Rciß) auenTebitoct wird, ab 1905 auf drei Jahre ans Frank-- für ter Stadt-Theater. des Herrn August Scherl, behauptet, daß dieser das Sparsystem nachträglich verballhornisiert und zu einer ins Ungeheuerliche übertragenen Lotterie, zu einem inS Ungemessene gesteigerten Lotterietauniel umgestaltet habe. Kiel, 23. Cft. Zu den fortgesetzten Meldungen über die neue Marinevorlage erfahren die »Kieler N. 9V auS authentischer Quelle, daß die nächstjährige Forderung sich zweifellos in den Grenzen bisheriger Flottengesetze halten werde. Für später sollen Forderungen für je drei grotze und kleine Schiffs bauten alljährlich beibehalten werden, bis da3 Bautempo die Forderung eines weiteren Geschwaders mit Zubehör bedingen wird. Slnslaird. Haag, 22. Cft. Wie verlautet, wird das Innere des Friedens pa la ste§, zu dessen Erbauung der amerikanische Millionär Carnegie das Kapital gestiftet hat, nach dem Muster des Brüsteler Iustizpalastes auSgestattet werden. Der Bau wird etwa 8 Millonen FrcS. erfordern. Wie eS beißt, werden die Großmächte angegangen werden, eine Million Francs zur Unterhaltung des Palastes zu zeichnen. Paris, 22. Cft. Gegen den Kommandanten des 111. Infanterieregiments in Toulon wurde wegen eines Zwischenfalles, welcher sich unlängst dort ereignete, eine Untersuchung cingeleitet. Ein Sergeant soll nämlich gelegentlich einer Prüfling geäußert haben: »Wir haben zwar eine Regiments sahne, doch sie befindet sich beim Cbersten, wo sie zum Putzen der Fenster und Treppen benutzt wird*. — In der gestrigen Kammersitzung, in der die Debatte über die religiöse Frage fortgesetzt wurde, kam es zu stürmischen Auftritten. Ministerpräsident CombeS wurde während seiner Rede, in welcher er erklärte, daß es unmög- lich sei, das Konkordat aufrecht zu erhalten, wiederholt dlirch wbtende Zwischenrufe der Rechten und des Zentriuns unterunterbrochen. Er erklärte, es sei unwürdig, wenn die französischen Bischöfe von der Laune Rolns abhingen. Man sei gegen den Bischof von Laval vorgcgangen, weil er der republikanischen Regiening seine Ergebenheit gezeigt habe, während Papst Leo XIII. Anklagen, welche sich auf verdächtige Beziehungen deS Bischofs zu einer Karmeliterin bezogen hätten, zu den Akten gelegt habe. Ribot sagte, alle früheren Ministerpräsidenten hätten die kirchliche Frage mit Ruhe und Würde behandelt. Bourgeois würde CombeS, der nur ein in die Politik verirrter Theologe sei, verboten haben, so zu sprechen, wie er hier getan habe. Eine Zurechtweisung Combes, seinen Ton zu ändern, weißt Ribot mit den Worten zurück: »Man wird doch hier noch frei reden hülfen*, worauf Combes erwidert: »Frei, ja, aber nicht frech"! Diese Worte entfeffelten einen kolossalen Tumult. Die Deputierten sind aufgesprungen und bedrohen sich. Baudru d'Aflon bewirft CombeS mit einem Paket Papierbogen. Endlich erklärt Brision, daß der Ministerpräsidenl das Wort, das er gesagt, zurück nehme. Rach weiterer Debatte wird schließlich mit 325 gegen 237 Stimmen eine Tagesordnung angenommen, durch welche der Regiening das Vettraucn der Kammer ausgesprochen wird. Aie 6. Derbandsversammlung der Arbeitsver- mittlungsstellen des Main- und Ziheingebicts wurde, wie wir in der letzten Nummer bereits mitteilten, am Samstag Dorrn. 11 U!)r nn Stadtverordnetensitzungssaale in Gießen ^obgehalten. Die Einladung hierzu waren vom Arbeitsnachweis Gießen ausgegangen. Auf Vorschlag des Beigeordneten Cur schm an n, der im Namen des derzeitigen Vorortes die Tagung eröffnete, wurde Ober- bürgermeister Mecum $um Vorsitzenden der Versammlung gewählt. Nach dessen einleitenden Worten folgten zunächst die Berichte der dem Verband angehörenden Arb eits - nachweis st eilen in Darmstadt, Frankfurt, Gießen, Kreuznach, Mainz, Mannheim, Offenbach, Wiesbaden, Worms und der Naturalverpfleg- ungsstationen in Friedberg, Butzbach und Groß- Karben. Aus diesen Berichten war im allgemeinen zu entnehmen, daß die Entwickelung der genannten Anstalten durchweg eine aünstige ist, wenn auch im besonderen fest- gestellt wurde, oaß der Aufschwung in den letzten Jahren in einem etwas langsameren Tempo vor sich gegangen sei, als man beim Beginn der Arbeitsnachweis-Bewegung vor etwa 8—9 Jahren annahm. Es wurde dabei auch — und zwar mit verschiedenem Ergebnis — die Frage erörtert, ob die Statistik der Arbeitsnachweisstellen, besonders in den großen Städten, einen zuverlässigen Gradmesser für den allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwung oder Niedergang darstellten. Der Vertreter der Arbeitvermittelungs- 1 teile in Frankfurt, der auf sozialpolitischem Gebiete bekannte Stadtrat Dr. Flesch, war der Meinung, daß bei der verhältnismäßig geringen Inanspruchnahme der Arbeitsnachweise es zurzeit noch nicht möglich sei, aus der Inanspruchnahme der lokalen Arbeitsnachweise eine Ueber- sicht über den allgemeinen Arbeitsmarkt zu geben. Demgegenüber betonte Beigeordneter Dr. Wevers-Worms, daß der Arbeitsnachweis auch in seiner jetzigen bescheidenen Ausdehnung eine Beobachtungsstation für den allgemeinen Arbeitsmarkt bilde. Er stellte durch zahlenmäßige Vergleiche fest,, daß das Verhältnis zwischen Arbeitsangebot stets und sicher durch die allgemeine wirtschaftliche Lage besttmmt werde. Der nächste Punkt der Tagesordnung: „Wanderarbeitsstätten und Arbeitsnachweis für wan- dernde Arbeitslose" wurde eingeleitet durch ein Referat des Vorsitzenden der Kreuznacher Arbeitsvermittel- ungsstelle, Steuerinspektor Lotz, der von der Auffassung ausging, daß Arbeits- und Wohnungsnot, weil im engsten Zusammenhang miteinander stehend, auch gemeinsam zu bekämpfen seien. Man müsse zunächst allgemein bestrebt sein, die wandernden Arbeitslosen etwa nach den bekannten v. Bodelschwinghschen Vorschlägen seßhaft zu machen durch Errichtung von Arbeiterbesiedelungsstätten in der Nähe der größeren Städte und Arbeits Zentren. Erst dann, wenn es gelungen sei, den Wandernden ansässig zu machen, solle man ihm dauernde Arbeit zuweisen, nötigenfalls durch Errichtung von Arbeitsstellen seitens des Staates, der Kommunen oder gemeinnützigen Gesellschaften. In der sich anschließenden Diskussion wurde die Frage lebhaft erörtert, in welcher Weise die zahlreichen Arbeitslosen zu behandeln seien, weiche die Naturalverpflegungsstationen in Anspruch nehmen, denen auch Arbeit nachgewiesen werde, ohne daß sie von jenen angenommen würde, und die weitere Frage, in welcher Weise die ungenügende Arbeitsvermittelung auf die Naturalverpsleg- unasstationen i'n engere Verbindung mit den öfsentllchen Ahdens nach weisen zu bringen |et. An der Aussprache hierüber beteiligten sich u. a. Stadtrat Dr. Flesch-Frankfurt, Pfarrer Dr. Schlosser und Provinzialdirektor Dr. Vreidert- Gießen, Bürgermeister Dr. Schmidt-Mainz, Beigeordneter Andriano-Kreuznach. Ein für alle gangbarer Weg ließ sich allerdings nicht finden, doch hat zweifellos der Austausch der Erfahrungen dazu beigetragen, daß über htr# oder lang völlige Klärung der schwebenden Fragen zu erhoffen ist. Der folgende Verhandlungsgegenstand: „Dars der Arbeitsnachweis unter bestimmten Voraussetzungen seine Vermittelungstätigkeit einschrttnken oder einstellen?" war ganz bejanders für diejenigen von Interesse, denen die eigentliche Arbeitsvermittelung obliegt. Die^ Satzungen der meisten Mbeitsnachweise besttmmen, daß die sämtlichen (^snche in )cr Reihenfolge des Eingangs zu erledigen sind, eine Be- timmung, deren Dnrchsührung in der Praxis ans die größten Schwierigkeiten stößt und die ost geung überhanpt nicht innegehalten werden kann Dem Reserat des Bürgermeisters Dr. Schmidt-Mainz lag ein Fall ans der Praxis zugrnnde, in welchem gegen diese erwähnte Bestimmung verstoßen worden war, und der deshalb beim Arbeitsamt Mainz zur Entscheidung tam. Im Laufe der Erörterung ergab sich, daß man üebreinstimmeud der Meinung war, der leitende Grundsatz für {Die Tätigkeit der öffentlichen Arbeitsvermittelungsstellen dürfe nicht eine rein mechanische Vermittclnng von Angebot nnd Nachfrage streng nach der Reihenfolge des Eingangs der einzelnen Gesuche fein, son- >crn cs habe bei der Erledigung der letzteren eine sorg- ältige Individualisierung einzutreten, natürlich ohne Vcr- etzung der Neutralität und der Parität der Arbeitsnachweise. Schließlich wurde Kreuznach zum Vorort für das laufende bezw. nächste Verbandsjahr gewählt. Tort wird auch die. nächste Verbandsversammlung abgehalten. Eine Besichtigung des Volksbades und ein gemeinsames Mittagsmahl im Hotel „Großhcrzog von Hessen" bildeten )en Schluß der diesjährigen Tagung. Aus Stadl und Fand. Gießen, 24. Oktober 1904. Meßbuch iicr AM und des KM Siritii. Am Dienstag wird die Brühl'sche Druckerei durch die Träger de8 Gieß. Anz. die Zettel zur Personenstands Aufnahme ur Teil Gießen deS KreiS-AdreßbucheS 1905 verteilen lasten. Im Interesse der Zuverlässigkeit bitten wir, die Zettel selbst orgfältig auSzufnüen. Vom gleichen Tage an haben wir in unserer Geschäftsstelle ein Adreßbuch aufgelegt, in welchem gewünschte Aenderungen betr, Firmen- nnd Branchen Register rc. gewahrt werden können. TaS Sinsammelu der Zettel wird von Donnerstag ab erfolgen. — Auf her Durchreise passierten gestern abend 9y4 Uhr I. I. K. K. H. H. der Groß Herzog und Prinz Heinrich von Preußen nebst Gemahlin mit Begleitung in 2 Automobils unsere Stadt durch die Cst- anlage, Licherstraße nach Lich. Die hohen Herrschaften werden )ekanntlich zum Besllche deS Fürsten von SolmS-HohensolmS- Lich einige Zeit dort verweilen. •• Theaterverein. Frau Irene Triesch, die am 1. November eine 14täqige Gastspielreise antritt, wird am Mittwoch, dem 9. Novbr. zu unS kommen und in zwei Stücken von Schnitzler austreten, zuerst als Christine in der „Liebelei* und daraus als Schriftstellerin in der Einakter- Novität »Litteratur.* Diesem hochinteressanten Abend geht als erste TheatervereinsvorstelllMg am Freitag dem 4. Nov. die TraumuluS-Kommödie von Holz uud Jerschke voraus, in der die Titelrolle von Arthur Bauer auS Frankfurt a. M. gespielt wird. Nach dem großen Erfolge, den dieser vorzüq- iche Darsteller in Frankfurt hat, wird man der hiesigen Anführung mit großem Interesse entgegensehen. TaS Stück ist nach seiner in Berlin vor drei Wochen erfolgten Erstausführung von so vielen Bühnen angekaust worden, daß Buch- und Rollenmaterial vergriffen war und ein sofortiger Neudruck stattfinden mußte. Ausgesührt ist daS Stück aber erst von drei großen Bühnen, weil zwischen den Verfassern und dem Verlag ein Streit auSgebrochen war, der erst in den letzten Tagen durch gerichtliches Urteil geschlichtet wurde. Auch daS Darmstädter Hoftheaier hat den TraumultiS erworben. — Die dritte TheatervereinSvorstellung wird unS wahrscheinlich mit Keyserling's sinnigem Schauspiel »Ein FrühlingSopfer" und mit einer hervorragenden Vertreterin der Rolle der Orti, mit dem Frl. Centa BrS aus Hamburg bekannt machen. — Die AbonnementSbillets können von jetzt an bei Herrn Challier abgeholt werden, der auch noch Anmeldungen neuer Mitglieder entgegennimmt. **Die Gemäldeausstellung am Brand wird, wie wir erfahren, am kommenden Sonntag bestimmt den Besuchern wieder geöffnet sein. **Der Gesangverein Heiterkeit feierte gestern abend im Gass Leib sein 26. Sttftungsfest intt einer hübschen Mendunterhaltung, dw trotz des schönen Wetters gut besttcht war. Das muftkalische Progrennw war sehr reicM^trg, und besonders Konzertmeister fönife tat steh mit seinen meisterhaften Vlolinvortrügen sehr hervor. Der zweite Teil des Programnrs bot eine heitere Theater-Mfstihrung, „Die Patientin", wobei Damen und Herren des Vereins recht gute schauspielerische Begabung zeigten. Den Schluß der Feier bildete ein Tanz. *• Zum ersten Winterkonzert unserer Regimentskapelle hatte sich gestern im Neuen Saalbau trotz des schönen Wetters ein außerordentlich zahlreiches Publikum eingesunden. Das mit Geschmack gewählte Programm sand in seiner künstlerischen Wiedergabe recht freundliche Aufnahme. Namentlich gelang es einer neu erworbenen Kraft, Herrn Gieß, als Solist sich die besondere Gunst der Zuhörer zu erwerben. Als Violinsolist leistete er wirklich Bedeutendes; aber auch sein Pistonsolo zeigte große Fertigkei. Die Kapelle hat sich mit ihrem ersten Konzert wieder recht gut eingeslihrt. •* Erhöhung der Eisenbahnfahrkartenpreise. Mit dem 1. Januae 1905 wird, wie verschiedene Blätter mitteilen, der Preis der Rückfahrkarten dritter Klasse in allen den kurzen Verbindungen des Staatsbahnbezirks bis einschließlich 2VZ Kilometer, der bisher 15 Pfg. betrug, auf 20 Pfg. erhöht. C. Verhaftung. Der vor einiger Zeit nach Unterschlagung von Kundengeldern zum Nachteil eines hiesigen Fabrikanten flüchtig gewordene Reisende ist am 22. l. Mts. in Offenburg verhaftet worben. * * Von der Biebertalbahn. Bei der Verwaltung der Viebertalbahn hat die Gießener Handelskammer das Anhalten der Züge auf der NodHeimerstraße an der Abzweigung nach der Hardt ^Brauerei Bichler) angeregt. Hieraus hat die ylllgemeine deutsche Kleinbahngesellschaft in Berlin mitgeteilt, daß sie im nächsten Sommer versuchsweise die Züge nach Bedarf, ähnlich wie am Weg Krofdorf-Kinzenbach, dort halten lassen würde. Als Fahrpreis käme für den neuen Haltepunkt der gleiche Betrag wie zwischen Gießen und Heuchelheim zur Erhebung. * * Drahtverbindung. Zur Zeit wird eine direkte Telephonoerbindung Berlin—Koblenz über Gießen gelegt. Welche Summen da in der „Luft schweben", hört man daraus, daß die Teilstrecke Lollar—Gießen bis zur Grei^ze Kleinlinden mit 8000 Mk. in Anschlag gebracht ist» Dabei sei bemerkt, daß diese Summe nur für Arbeitslohn- Kupferdraht und Jsolierglocken gilt. Eine andere Strecke Lollar—Vilbel ist auf 112 000 Mk. berechnet. Ta eine Ueberlastung der Telephonstangen an den Chausseen durch die vielen Neuanlagen bevorsteht, ist bereits beschloffen, Hauptleitungen längs der Bahn zu legen. * * Die Obsternte in der Gemarkung Gießen beträgt: Aepfel 750 Doppelzentner, Birnen 465 Doppelzentner, Pflaumen (Zivetschen) 650 Doppelzentner, Wallnüsse 5 Doppelzentner. In der Gemarkung Schiffenberg: Aepfel 450 Doppelzentner, Birnen 25 Doppelztr., Pflaumen (Zwischen) 50 Doppelzentner, Wallnüsse 4 Doppelzentner. * * Verband Hessischer Verkehrsvereine. Vor einigen Tagen erfolgte in Darmstadt die Gründung eines Verbai^deS Hessischer Verkehrs-Vereine. Es waren Vertreter amvesend auS den Städten Darmstadt, Mainz, Worms, Rad- Nauheim. doch steht zu erwarten, daß sich noch anschließen: Offenbach, Gießen, Schotten, Butzbach, Friedberg, König i. O. und Bingen, Hauptzweck und Ziel deS Verbandes soll darin bestehen, bei Eingaben van Behörden, Eisenbahn-Direktionen, Ministerien n. dergl. größeren Einfluß auszuüben, als dies bisher von einer Stelle geschehen konnte, und ganz besonders, um im Eisenbahnbeirat Sitz und Stimme zu erlangen, damit auf bestehende Mängel im Verkehrswesen direkt hingewiesen werden kann. * *Von der Eisenbahn. Zur Zeit finden Vorträge über Hilfe bei Eisenbahnunfällen und über Verwundeten- tranZport für die Angehörigen der hiesigen Station durch einen Bahnassistenten statt. Die Mannschaften bringen den Vorträgen lebhaftes Interesse entgegen. Zeitung t ragende Kinder. Nach dem neuen Kinderschutzgesetz dürfen schulpflichtige Kinder mit dem AuS- tragen von Zeit^mgen nur beschäftigt werden, wenn sie das zwölfte Jahr zllrückgelegt haben. Es ist dabei einerlei, ob die Kinder ihren Elterm helfen, also eigene Kinder sind oder mcht. Eigene Kinder, die den Eltern bei den von diesen übernommenen Arbeiten als AuStragen von Zeitungen, Milch und Backwaren helfen, sind den fremden Kindern gleichgestellt, sie muffen wie gesagt ein Alter von 12 Jahren haben und die Beschäftigung darf erst eine Stunde nach der Beendigung des Nachmittagsunterrichts ihren Anfang nehmen. * * Der unfreiwillig-komische Wahlagitator, der in der Wählerversammlung am Freitag abend sich durch besondere Beredsamkeit auSzeichnete und zur Heiterkeit der Versammelten beitrug, war, wie wir vernehmen und mitteilen wollen, kein ^Sozialdemokrat. Ob er einer anderen politischen Schattierung angehört, wiffen wir nicht, ist auch gänzlich belanglos, da in jedem Garten verschiedenartige, auch ungewöhnliche, Pflanzen vorkommen können. (X) Lollar, 21. Oft. Die Gemeinderatswahlen haben die Bestätigung deS Großherzogl. KreiSantteS gefunden. — Vorgestern verschied nach kurzer Krankheit Stationsvorsteher Köllner von hier, ein allgemein beliebter Beamter, dessen Ableben von den Bewohnern unsere) Ortes lebhaft bedauert wird. -t. Allertshausen, 22. Oft. Unserer seit 22 Jahren hier tätiger Lehrer KlooS geht krankheitshalber am 1. November nach Bad-Nauheim. Die Stelle konnte wegen Lehrermangels nicht besetzt werden und Lehrer der Nachbarotte müssen an deffen Stelle treten. •• Lauterbach, 22. Oft. An der hiesigen höheren Bürgerschule wird vom Montag ab auch für das Winterhalbjahr der 5stündige Vormittagsunterricht einge- sührt, wie seither im Sommerhalbjahr. Die Neuerung geschah auf Wunsch der überwiegenden Mehrheit der Eltern. R. B. Darmstadt, 22. Ott. Trotz der melstentellS sehr berechtigten Klagen der reellen Geschäftswelt über oie unzulänglichen Bestimmungen des Gesetzes über den unlauteren Wettbewerb ist doch auch schon bet ber bestehenden Gesetzgebung Gelegenheit gegeben, wemgstens den gröbsten Vergehungen dieser Art erfolgreich entgegenzutreten. Der Kaufmann Lipfi auS Kreuznach hatte tm fperbft 1902 beim Ausverkauf der Konkursmasse seines Schwagers Mayer mitgewirkt und diese von ihm selbst auf ca. 5000 Mk. bewertete Masse erworben. Er hatte aber auS fernem Kreuz- nacher Lager noch etwa vier mal so viel andere Waren im Wert von 19800 Mk. hinzugefügt und das Ganze dem Publikum als Konkursmasse angepriesen, so daß man im Glauben sein mußte, eS handle sich hier gemeinhin um dte billig von ihm erworbenen Waren auS der Mayerschen Kon- kurSmaffe. Auf Anzeige aus Jntereffentenkreisen war gegen Lipki auf Grund deS § 4 des erwähnten Gesetzes Anklage erhoben, der Beklagte aber vom Landgericht zu Mainz frei- gesprochen worden. Die von der Staatsanwaltschaft beim Reichsgericht war von Erfolg, dieses wies die Sache zur onbcrweilen Aburteilung an die hiesige Strafkammer. DaS heute gefällte Urteil lautete auf 6 00 Mk. Geldstrafe, da der Angeklagte nicht nur einen unerlaubten Ergänzungsnachschub von Waren auSgeführt, sondern den vierfach so großen Warennachschub nur zur Täuschung des Publikums als Konkursmasse bezeichnet habe. Lipki ist auch kürzlich in Koblenz wegen eines ganz ähnlichen Vergehens zu 500 Mk. Strafe verurteilt worden. Mainz, 23. Okt. Heute vormittag wurde hi^r unter dem Vorsitze von Dr. Rautert die Generalversammlung des Goeth ebundes abgehalten. Der Vorsitzende sand es unbegreiflich, daß auf dcm letzten Delegtertentag des Gothebundes der Kampf um die Schule in Preußen nicht diskutiert worden fei. In Hessen hätten wir j.a die Kommunalschulen, führte er u. a. au5, doch jeden Deutschen berühre der Kampf um die Schule in Preußen auf daS tiesfle. Im nächsten Frühjahr (et hier der Delegtertentag und eö werbe speziell der Schulkamp'f als .Hauptfrage auf die Tagesordnrmg gesetzt. Tie Schulsrage bilde zurzeit dio. brennendste aller Fragen. Nachdem bfuB Progravyn pWW kommende Saison festgesetzt war, wurde der bisherige Vorstand wiedergewählt; an Stelle eines Zimmer | 79731 Schöne 5-Zimmerwohn. mit Gartenanteil u. Bleichplatz zu verm. Bleichstr. 31. Karl Geffert. 7974] Mansarden - Wohnung, .'5 Zimmer mit Kloseteinrichtung, -zu vermieten LLberstraße 5. Liebigstraße 31, 2. Stock, 5 Zimmer mit Bad per 1. Jan. 1905 zu vermieten. 8058 Näh. Frankfurter Str. 62, II. 7083] Schöne 5-Zim.-Wohn. zu verm. I. Weinert, Neuenweg 9. | 4- Zimmer | Riegelpfad 38 4-Zimmerwoh- nung und Liebigstratze 27 Vier- Zimmerwohnung per sofort zu vermieten. „ „ 8059 Näh. 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Bom Kriege. Berlin, 24. Okt. Mit der Lippeschen Frage hat sich der Bundesrat in seiner Sitzung am Samstag drei Strinden lang beschäftigt. In den Erörterungen soll namentlich bei den Vertretern der Kleinstaaten lebhafter Widerspruch gegen das Kaisertelegramm laut geworden sein. Man kann schon jetzt mit aller Bestimmtheit annehmen, daß die Regentschaft des Grafen Leopold von der weit überwiegenden Mehrheit des Bundesrates als zu recht bestehend anerkannt werden wird. Shanghai, 23. Oft. Ter Dampfer „Cotten", welcher Shanghai verlassen hat, durchbrach die Blotade von Wladin Wostok. Tokio, 23. Oft. Die japanischen Verluste in der Seblacht am S ch a h 0 werden auf 12—13 000 Mann veranschlagt. Die Affäre von Hüll. London, 23. Okt. Tie Anwälte der Rheder von 50 Fischerbooten aus Hüll setzten das Auswärtige Amt und die Admiralität von dem Angriff des baltischen Geschwaders in Kenntnis. Die erste Abteilung der rnff. Flotte passierte die -Fischerboote um Mitternacht vom 21. zum 22. Oft. Der Rest des Geschwaders, welcher später folgte, richtete feine Scheinwerfer auf die englische Fsscherflotte und eröffnete zu gleicher Zeit das Feuer. Das^ Boot „Crane" wurde zum Sinken gebracht. Tie Leichen des Kapitäns und des ersten Offiziers, denen der Kopf weggerissen wurde, wurden geborgen und nach Hüll gebracht. An Bord der englischen Schiffe befinden sich noch mehrere Verwundete. Tie Boote „Moulwein" und „Mino" kamen- durch das Feuer der Russen schwer beschädigt, in Hüll an. T«as Boot „Mino" hatte 16 Lecke. Man befürchtet, daß noch ein weiteres Fischerboot mit feinerMannfchaftgefunkenist. Paris , 24. Oft. Dem „Matin" wird aus London gedrahtet: Bei dem Angriff der Sckiiffe der Baltischen Flotte aus englische Fischerboote bei Hüll sind noch 18 Fischer verwundet worden, die in Hüll eingetroffen sind. Ter Vorfall hat in London die größte Erregung hervorgerusen. Auf der rufst Botschaft in London ist erklatt worden, daß das Vorkommnis zweifellos^ irgend einem unbegreiflichen Mi ßverftündnisse zuzufchreiben fei. Die Russen würden jedenfalls geglaubt haben, daß die Boote int Dienste der Japaner gestanden und feindselige Absichten gehabt hätten. Telephonischer Kursbericht. 3*/2°/o Reicheanleihe . . 101.80 3% do. . . . 89.25 8Vt°/o Konsole . . . . 101.40 3% do......89.35 8Va% Hessen ...» 99.95 3*/,% Oberheseen . . . —.— 4% Oeeterr. Goldrente . . 101.80 4^5% Oesterr. Silberrente 100.30 4% Ungar. Goldrente , . 100.05 40/0 Italien. Rente , . . 103.80 41/,% Portugiesen , . . 63.10 BO/o Portugiesen. . . . . 62.70 1% 0. Türken . . . . —.— Türkenlose......128.— 4% Grieoh. Monopol.-Anl. 48.00 4läussere Argentiner 43.80 3% Mexikaner 4Chinesen . Electric. Sohuckert Nordd. Lloyd • • Kreditaktien . . Diskonto-Kommandii Darmstädter Bank Dresdener Bank . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatabahn Lombarden . . Gotthard bahn „ . Laurahütte . • , Bochum ...» Harpener . . . Schatzscheine . . Tendenz : ruhig. , 80.30 . 90.10 . 119.56 . 107,80 . 110.10 . 191.70 . 141.10 . 1540.0 . 161.00 . 139.80 . 1740 . 188.50 . 252.70 . 2152.0 . 217.20 . 99.80 ervorrage n o*5 b ewlh rt be I Darmkatarrh, r Dia rrl B re c h durch fa l l e ufeke Acht. Mmcheil für die Renovierungsarbeiten am Dombau sofort gesucht. ]8054 Fr. Schneider & Co., ________Baugefchäft, Wetzlar. ZMrWge Levte mit guter Handschrift für einige Tage gesucht. Brühl'sche Nniv.-Druckerei. Kutscher O^^Diezstraße 7. Hauslrursche tüchtiger, gewandter, vom Lande sofort gesucht. Wo? sagt die Expeditton d^Bst__8086 8087] Kräftiger HauSbursche zur Aushilfe gesucht. ________Grünberger Straße 1. Jll!M 2. SaMMll sucht Georg Wallenfels,Markt21 Lüüsbmslhlhkil gcsücht. H. Kühn, Papierhandlung, 8091______SelterSweg 36.______ 8050] Ein jg. Hansbürschchen ges. Hch. Delloff, Alicestraße 20. ßMOMe Mäusburg 12. 06360] Junge kann die Brot- ttnd Feinbäckerei erlernen. 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