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Lippen, und trotz seiner Willenskraft entrangen sich ihm die' verstand sich der -etztere zur Einberufung
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Mission, die die Frage prüfen und Vorschläge machen sollte.
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des weltumspannenden britischen Handels anheimgegeben ist. Nicht zuletzt wohl unter dem Druck deS Wettbewerbs Deutschlands und der Vereinigten Staaten auf dem Weltmarkt. Die Regierung des verstorbenen Lord Salisbury wie die seines Neffen Balfour setzten diesen Forde-
ministerium abhinge, dann wäre es um diese Zukunft chlecht bestellt. Die Geschichte der Reform des Handelsamtes zeigt, daß man im gepriesenen Lande des Fortschritts mitunter noch tief in Rückständigkeit steckt. Seit Jahr und Tag verlangen die englischen Kaufleute eine Reorganisation jener Reichsbebärde, der die Pflege der Jntereffen
Worte: „Nicht das!" Dann war der Manu wieder Herr seiner selbst, und es herrschte Schweigen. Dicht neben ihm lag ein dent'schfprechender Russe, der durch Schulter und Kopf geschossen war. Was hatte ihn aus seiner polnischen oder litau,- schen Heimat hierhergebracht? Sein Geist wanderte zurück und sah wohl den Rauch, der kräuselnd aus seiner kleinen Hütte aufstieg, und die Frau in der Hütte, die in der Nacht für ihn betete und auf seine Rückkehr wartete. „M eine Liebe!" stöhnte er. Seine Stimme erstarb zu einem gemurmelten Gebet. Dann schreckte er empor und suchte sich zu erheben. „Wasser, Wasser!" ächzte er heiser und kaum hörbar. Ein japanischer Soldat lief, um ein Zinnkäunchen zu füllen, ein Irländer neben mir hob dem Manne so sanft, als ob er eine Frau wäre, den Kopf, das Wasser kam, und sofort ließ der Schmerz nach . . ."
Eile mit Weile.
Aus London wird uns geschrieben:
Wenn die Zukunft des englischen Hand-el-s von Umwandlung eines Handelsamtes in ein Handels-
Mit dem Ergebnis dieser Arbeit ist garnichiS anzufangen, weil die Kommission die praktische Seite der Sache völlig unbeachtet ließ. Es bleibt nun dem Parlament, und hier wieder den Geschäftsleuten von Beruf, nichts übrig, als selbst einen Reorganisationsplan zu entwerfen und für diesen unter den Abgeordneten zu werben. Man hat hier ein Gegenstück zur Frage der englischen Armee-Reorganisation, deren Verwirklichung ebenfalls nicht abzusehen ist. Mit der Schaffung eines britischen Handelsministeriums hängt die Konsularreform zusammen. Die Geschäftswelt fordert reffortmäßige Unterstellung der Konsuln unter das Handelsministerium und beschleunigte Veröffentlichung der Konsularberichte in einem von diesem Ministerium herauszugebenden Organ. So verfährt nämlich die Regierung der Vereinigten Staaten. Sie läßt die Konsularberichte täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage erscheinen, was für die amerikanischen Exporteure von großer Wichtigkeit ist. Ob man in England je dahinkommen wird, erscheint bei dem Verhalten der Regierung ftaglich. Immerhin bleibt den Engländern der Trost, daß die Konsularreform auch in Deutschland nicht recht vom Fleck kommt. Dieser Konkurrent würde anderenfalls noch gefährlicher werden.
geprägt, aber jeder .halbbewußte Gedanke ging unter in dem einen Entschluß, vor den Feinden seines Volkes diesen Schmerz nicht zu zeigen. Ein Japaner, der, .seiner Uniform nach zu schließen, eine hohe Stelle im Generalstab einnahm, kam zu ihm intb sprach sanft und mitleidig mit ihm in seiner Muttersprache. Ter Chirurg berührte das zerschmetterte Glied, und der Marm wurde von heftigen Schmerzen gequält. „Mein
Politische Tagesschau.
Der König von England.
hat Donnerstag abend seine Reise nach Kiel und Hamburg angetreten, und es wartet seiner ein gläneznder Empfang. Die „Nordd. Allg. Ztg." enthält gestern abend noch nicht den üblichen Bemillkommnnngsqruß; er wird wohl heute erscheinen. Auf Inhalt und Ton der Regier- ungskundge-bung wird man diesmal besonders gespannt sein. Die leitenden englischen Blätter drücken ihre Befriedigung aus und heben hervor, daß trotz der privaten Form der Monarchen-Zusammenkimft ein günstiger Einfluß der Begegnung auf die Beziehungen der beiden Länder und auf die friedliche internattonale Entwicklung nicht ausbleiben dürfte. Der Artikel des „Standard" ist ausgesprochen deutschfreundlich. Eine ernste oder dauernde Erbitterung habe niemals zwischen beiden Böltern bestanden. Also man will über frühere Verstimmungen hinwegkommen. Wenn der „Standard" schreibt, nichts würde der britischen Nation mehr gefallen, als das Wachstum einer freundlicheren politischen Stimmungin den deutschen politischen Kreisen beobachten zu können, so ist schon die Aeußerung eines solchen Wunsches alles mögliche unter den gegenwärtigen Verhältnissen. Vor noch nicht langer Zeit, als Chamberlain der leitende Mann der englischen Politik war, hätte kein Londoner Blatt sich gestatten dürfen, derartigen Empfindungen Ausdruck zu geben. Balfours Einfluß hat doch wesentlich beruhigend gewirkt, die Nervosität und Verletzbarkeit der Briten vermindert. Tie Gelassenheit entspricht 'ja auch mehr dem Nationalcharakter. Weniger entgegenkommend als „Standard" äußert sich „Daily Telegraph". Die Kieler Begegnung könne an sich den Grund ch ar alter der anglodeutschen Beziehungen nicht ändern, wohl aber den Ton zwischen beiden Völkern bessern. Nun, der Ton macht die Musik, nach dem bekannten französischen Wort. Aendert sich erst der Ton, und zwar dahin, daß Engländer und Deutsche sich gegenseitig mehr Gerechtigkeit wider- ahren, Vorurteile fallen und Vergangenes ruhen lassen, dann kommen die politischen Beziehungen von selbst in ein besser vor Erschütterungen geschütztes Geleife. König Eduard soll einmal gesagt haben, er wäre schon glücklich, wenn das gegenseitige .Herausfordern aufhören möchte, wenn das unfruchtbare Zeitungsgezänk verstumme. Wir wissen nicht, ob diese uns berichtete Bemerkung authentisch ist, aber toir haben von vortrefflichen gelehrten deutschen Kennern Englands versichern gehört, daß König Eduard van Herzen den Wunsch einer größeren Intimität zwischen England und Deutschland hege und daß er die Freundschaft Deutschlands und Rußlands keineswegs als ein Hindernis dieser Annäherung betrachte. Die „Daily Mail", die überhaupt konsiattert: „die brittsche imb die deutsche Politik stehen abgesondert von einander", will die dem König erwiesene Aufmerksamkeit, obwohl willkommen, feiner anderen Ursache als der internationalen Höflichkeit zuschreiben. Diese Vor- mrskennzeichnung eines Empfanges, den man noch gar nickt kennt, ist mindestens merkwürdig. Es kommt doch wohl ein wenig darauf an, wie König Eduard die ihm zugedachten Ehrungen und andere Beweise deutscher 85astfreundschaft au fronst und wie er darüber sich ausspricht. An Trink- prüchen und anderen Kundgebungen, die einen ScUuß xulassen auf die „Temperatur" der Begegnung, wird es auch bei dieser Gelegenheit nicht fehlen. Die deutsche Presse nimmt fast ausnahmslos den Standpunkt ein, daß ie ein dcachlasseu der Spannung zwischen England uno Teutschland aufrichtig wünscht.
Der König von England wird, wie nunmehr feststeht, Hamburg am 28. Juni besuchen. Der Zusammenkunft mit dem deutschen Kaiser soll übrigens im August eine solche mit dem östreichischen Kaiser folgen. König Eduard trifft am 11. August in Marienbad ein. Kaiser Franz Josef langt am 29. oder 30. August dort zum Besuche des Königs an.
Aer Krieg zwischen Japan und Anßkand.
Tschifu, 23. Ium. (Reuter.) Hier verlautet gerücht- weise, die Japaner hätten am gestrigen Tage und in ber vergangenen Nacht einen energischen Angriff gegen Port Arthur auf der Land- und auf der See feite unternommen. — Die Kapitäne zweier heute hier eingetroffener Dampfer, die heute früh in einiger Entfernung von Port Arthur vorbeifuhren, sagen aus, sie hätten zu dieser Zeit fein Geschützfeuer gehört.
London, 23. Juni. Das Bureau Reuter meldet aus Lmuiang vom^23. Juni, daß Kuropatkin nunmehr persönlich die Führung der Armee übernommen habe.
Ein weiteres De'legramm Kuropattkins an ßen Kaiser vom 22. d. M. meldet: Die japanische Armee, die von Kints ch ou vorrückt, setzte ihren Vormarsch nach Norden allmählich fort Die Arme e Kurokis habe ihren Vormarsch von Ssiujon eingestellt, mrscheinend, um die Vorhutabteilimgen der beiden Armeen i ’t eine Linie zu bringen. Die vorrückenden Streitkräfte der feindlichen Vorhut betragen in der Umgegend Ssinjons ungefähr eine Division mit mehreren Eskaorons, die durch zahlreiche Infanteriekolonnen verstärkt werden. Oestlich Saimutsi errichten die Japaner auf dem W!ege nach Kuan- diansien Befestigungen. Sie haben daselbst gegen 18 Ge- ' chi'che ausgestellt. Ferner hält eine starke feindliche Feldwache das Dorf Sapeigai, 40 Werst nordöstlich von Sai- mutii, besetzt, das durch Schanzen befestigt worden ist.
Petersburg, 23. Juni. (W.-B.) Ein Telegramm des Generals Sacharow an den Generalstab von gestern besagt: Am 21. Juni griff die japanische Vorhut um acht Nhr morgens unsere Vorposten an, die sechs Werst südlich von Sseniutschen auf beiden Seiten der Eisenbahnlinie Kben. Unsere berittenen Feldwachen zogen sich unter
Andrange des Feindes langsam nach Sseniutschen und weiter nach Kaitschou zurück. Um die Mittagszeit rückten gegen neun Eskadrons mit einer Batterie und bedeutenden Jnfanterieabteilungen nach Sseniutscken vor. Hierauf wurden nach und nach andere feindliche Kolonnen bemerkt und gegen abend wurde Sseniutschen von einer japanif chen Truppenabteilung ein genommen, die aus mehr als einer Division Infanterie, einer Brigade Kavallerie und 32 Geschützen bestand.
Ein ergreifendes Bild ans dem Kriege
eaittoirft der englische Kriegskorresporwent F. A. Mac Keuzie in einem ans Antung vorn.Mai dattettcn Bttefe, in dem er die Schlacht v on Kinlicntscheng schildert. Nachdem er den Hergang der Schlacht ausführlich dargestellt hat, .fährt er fort: ,'Tie japanische Fahne wehte über Kiulientscheng, .die Russen yigcn sich gegen Harnatan zurück, das sechs Meilen davon ent- femt liegt; acht Kanonen und viele Gefangenen waren in den Händen der Sieger. Es war noch vor neun Uhr morgens. Die Soldaten ließen ein ttefes „Banzai" ertönen, Chinesen kamen kttechend aus Löchern im Boden hervor und beteiligten sich an dem Siegesgeschrei; sie stießen die Leichen der Russen mit dem Tt-iifc, um ihre Verachtung für sie zu zeigen, und schickten sich an, t>5e Hyänen des Schla chts eldes zu spielen, sobald sie '. .m wachsamen Auge der Soldaten entgangen waren. Die Milttär- irzte waren eifrig tätig. Feldlazarette wurden aufgeschlagen, >äe von den DeuHchen geschulten Mediziner öffneten flink und fij^I Ihre Jnstrumentenkasten, und ihre schnelle Arbeit begann. Es war keine Zeit, sich zu gieren und zu zögern. Der FeDarzt !lMß schnell im Denken und .Handeln sein. Ringsumher starben Lüe Menschen, jeder Augenblick mußte mit Menschenleben bezahlt v nden: was geschehen mußte, war schnell zu tun. Hier fpürte nr.nt nichts von der Freude des Kampfes. Wer von den Wonnen >cr Schlacht singt, hat nicht in dem Krankenzelt gestanden, wenn bü Wunden, die der Mensch im Kriege dem Menschen beigebracht rat, behandelt roerden. Ein Kosak in grauem Hemd lag ruhig neben seinem früheren Gegner in blauem Rock. Die Japaner imrben auf der Tragbahre neben dem sibirifchen Fußsoldaten mrn.'beigetragen; der eine war durch das Bein geschossen, der Edere in die Sette. Der erste stützte sich auf seine Schulter, lächelte hoffnungsvoll intb tapfer und starrte auf den anderen, den mrr den Kopf wenden konnte. Seine Blicke suchten feine ^danken dem Manne klar zu machen, dessen Sprache er nicht s chänd. Wem: das Gesicht die Wahrheit sprach, so waren es M-rt Gedanken des Triumphes, sondern er schien froh darüber,
jetzt, wo der Körper nur noch ein Wrack war, die Pflicht pullt war. Hier lag ein junger Infanterist; sein Gesicht trug im- Tode einen Blick kindlickzer Bewunderung, sein Gewehr lag ist neben ilM, wo cs die schmerzhaft gelähmte Hand hatte :iO!(cn lassen. Seine Beine waren halb heraufgczogen, die Mus- felliit hatten sich von sl'M in dem Augenblick, nachdem er ge- : riffelt war, und ehe der Tvd ihn ereilte, zusammcngezogen.
::rt lag ein russischer Offizier: der Rock mit Sil- ivst'pitze war ihm ausgczogen und von den Aerzten leicht ihn geworfen; auf seinem Gesicht war der Schmerz aus-
Petersburg. 23 Juni. fW.-D.) Ein Telearamm des Genemladfutanten Kuropatkin an den Kaiser bom 22. d. M. besagt: Die Vorpostenlinie des Gegners eistteckte sich vom 19. bis 20. Juni südlich von Sseniuttcheri von der Küste bis zu einer schwer passierbaren gebirgigen Gegend an der Eisenbahnlinie. Die Vorpostenlinie besteht arts dichten Kavallerieabteilungen und Jnfmrteriefeld- wachen Die Pässe im Osten der Eisenbalm werden vom Gegner ebenfalls sorgsam bewacht. Am 20. d. M wurde um 5 Uhr nachmittags bemerkt, daß eine starke feindliche stavallerie- und Jnfanteriepatrouille sowie Infanterie und Kavallerie vorrückten. Wir hatten ht den Scharmützeln keine Verluste. Auf japanischer Seite wurden mehrere Mann getötet und verwundet. Ferner ist eine Vermehrung der japanischen Streitkräfte im Süden von Wannianpudsa festgestellt worden. Bei .Hathabei auf bem Wege von Ssnrjon nach Tantfchi wurden Befesttguna- «ausgeführt. Auf den von Ssiujon nach Kaitschou sührenoen Sttaßen besetzte die Vorhut des Gegners am 20. Juni auf der nördlichen Sttaße den Paß Pandsischen und Pan- ^schan, 15 Werst östlich von Siahotsan und auf der südlichen Sttaße den Tschapanlrnpaß, 15 Werst südlich von Siahotsan.
Deutsches Reich.
Berlin, 23. Juni. Der Kaiser besichttgte heute vormittag in Kiel die kaiserliche Werft und hörte auf der Werft, sowie auf der „Braunschweig" den Vortrag des Staatssekretärs v. Tirpitz. Die Kaiserin wohnte m-it dem Prinzen Ettel Friedrich in einer Pin ässe dem Start $n* Wettfahrt der Kriegsschiffboote bei. Um zwölf Uhr erfolgte der Start der Sonoerklasse. An der Wettfahrt der Sonderklasse nahm der Kronprinz auf der ^rcht „Angela"' teil. Bei starkem Weststurm und hohem Seegang liefen bei Laboe sämtliche Jachten der Sonderriaffe aus. „Angela", die Jacht des Kronprinzen, hatte dre Segel klein gerefft und hielt sich gut in der Reihe der anderen Fahrzeuge. Ein Torpedoboot folgte den Seglern, von denen die Berliner Jacht „®eorg" als erste vor „Samoa II" das Ziel passierte. Zu der Regatta der Kriegsschiffboote hatten 172 Fahrzeuge gemeldet, die in neun Abteilungen starteten. Das Regattafeld bot infolge der großen Zcchl der Konkurrenten und der Begleitdampfer ein interessantes, herrliches Bild. Die Kriegsschiffsboote hatten unter dem West- sturm stark zu leiden; mehrere Kutter und Barkassen stießen aneinander, kenterten und wurden an das östliche Ufer getrieben, von wo sie Bergungsdampfer und Pinassen in den Hafen schleppten. Die meisten Leute der gefenterten Fahrzeuge hatten vorsichtshalber Schwimmwesten angelegt. Von der Besatzung der G-ig ,Lviser Karl der Große" sind zwei Mann ertrunken. — Zur Mittagstafel bei dem Kaiserpaar an Bord der ,Loherizollenr^ toarcii geloben Prinz Ettel Friedrich, Staatssekretär v. Tirpitz und die Admrrale v. Bendemann und Mchsel. Heute abend 7 Uhr wohnte der Kaiser der Preisverteilung für die .Kriegs- chiffsboote in der Marineakademie bei. Zur Abendtafel ber den Majestäten waren geladen der Kronprinz, Prinz Eitel Friedrich, ferner vom „Meteott" Vizeadmiral z. T. v. Eisendecher, von der „$buna" Kapitänleutnant Karpff, von der Jacht „Nahma" Mrs. Goelet, Mrs. Thomson, Mr. Francis Rigas, Mr. Goelet, von der Jacht „Golden Eagle" Earl und Countesse Lonsdale, Earl und Countesse Mar and Kille, Mr. I. H. S. Pasley, Mr. Percevay, von der Jacht „North Statt' Marchioneß os Ormond, Mr. und Mrs. Cornelius Vanderbilt, von der Jacht „Utoivana Mfon" Armour.
— Eine große K-unhgebung des Kaisers an )ie Mar ine wird in Kiel für den 24. Juni erwartet. An diesem Tage treffen in Kiel zur gemeinsamen Feier ihres vor 50 Jahren erfolgten Eintritts in die Marine die Admirale v. Knorr, Kühm und Zirzww, sowie Kapitän Jung zusammen. Sie gehörten vor 50 Jahren zu dem ersten Stamm von Kadetten, welche in die Marine eintraten. Admiral v. Knorr hack sich 1870 als Korvetten- 'apitän und Kommandant des Kanonenbootes „Mtteott' nn Kampfe mit dem französischen Kreuzer „Bouvett" vor Havanna hervorgetan.
— Die Kaualkommtts'sio-n des Abgeordnetenhauses $at sich heute bis Oktober vertagt. Im ganzen zeigte ich in der Kommission eine der Vorlage e t w a-s gün- ti g^er e Stimmung, als vor drei Jahren.
— Der neue deutsch-belgische Hamdelswer- trag ist in Brüssel von dem deutschen Gesandten Grafen Wallwitz und dem Minister Baron Favereau uncker- ^eichnet worden.
— Der ehemal-ige Reichstags ab geordirete Ja-eobs- töt ter, der konserttativ en Partei angehörig, hatte -ich in Erfurt, als Vorsitzender der i)artigen Handwerkskammer, abfällig über den B u n d d er Ha n j) Werker geäußert. Die Bundesleitung hat darauf eine schriftliche Anfrage an den konservativen Parteivorstand gerichtet: wie er sich zu dem Vorgehen des Herrn Jarobskötter verhalten will? Von der Antwort des letzteren wird die zu- fünftige Haltung des .Handwerkerbundes" der konservativen Partei gegenüber abhängig fein.
— Am 21. d. M. fanden Versammlungen des Bundes der Handwerker in Arnswalde und Neuwedell (Wahlkreis des Rcichstagsabg. Bruhn) statt, in denen der Bundesvorsitzende Seiffert aus Liegnitz über die Bundes- bewegung sprach. In der darauf folgenden Diskussion kam es zu lebhaften Auseinandersetzungen mit der Antisemiten-Partei, die besonders in Neu- wedell durch einen Abgesandten des £>errn Bruhn vertreten war. Letzterer sah sich im Lause der immer heutiger werdenden Diskussion genötigt, den Saal — unfreiwillig zu verlassen. Für den Bund der Handwerker wurden in beiden Städten Ortsgruppen gebildet.
Mülhausen i. E., 23. Juni. Das Schlußergebnis des Wahlkampfes ist, daß der G e m e i n d e r a t der bald 100000 Einwohner zählenden oberelsässischen Industriestadt sich aus LOSozialdemokraten, 12 bürgerlichen Demokraten und 4 Zentrumskatholiken zusammensetzt.
Ausland.
London, 23. Juni. Das Kabinet Balfour hat beschloßen, den Effektivbestand des Heeres zu verringern. Es kommt dies dadurch zum Ausdruck, daß das Kriegsbudget um 500 000 Lstrl. herabgesetzt worden ist.
Paris, 23. Juni. Die Untersuchungskommission in der Kart Haus er-Angelegenheit vernahm heute den Deputierten von Grenoble, Pichat, der erwähnt, daß der Prior der Karthäuser ihm von dem Besuche einer Persönlichkeit Mitteilung gemacht habe, die ihn, den Prior, um 3 00 00 0 Francs für eine parlamentarische Gruppe ersuchte, sowie um zwei Millionen nach der zu gestandenen Genehmigung. Die Persönlichkeit gab vor, im Namen einer parlamentarischen Gruppe zu handeln. Der Prior habe ihm den Namen der Persönlichkeit mit der Verpflichtung genannt, ihn nicht bekannt zu geben. Ein Mitglied der Kommission tadelt in scharfen Worten, daß Pichat nicht die ganze Wahrheit sage. Pichat erklärt alsdann, er werde bei dem Prior darauf bestehen, den Namen der betreffenden Persönlichkeit nennen zu dürfen.
— Der sozialistisch-revolutionäre Verband des Seine-Departements hat den sozialistischen Abg. Deville aus der Partei ausgeschlossen und zwar wegen dessen unabhängigen Verhaltens, welches der Abgeordnete in der letzten Zeit an den Tag legte.
Budapest, 23. Juni. Abgeordnetenhaus. Im Laufe der Budgetdebatte brachte Graf Apponyi seinen oppo- sitionellen Standpunkt zum Ausdruck. Er bekämpfte die Höhe der Militärkredite, sowie die Art der Deckung durch Anleihen. Er kündigte ferner an, daß er eine Erhöhung der Zivilliste ablehnen werde, da der König von Ungarn kaiserlich österreichische Hofhaltung habe. Der Hofstaat müße in Ungarn ungarisch sein.
Konstantinopel, 23. Juni. Telegramme des Vali von Bitlis berichten von einem Kampfe mit einer a r m e n i - schen Bande in der Ebene von Musch, wobei 11 Mitglieder der Bande fielen. Ein russischer Untertan namens Mirza Deghew und seine beiden Diener wurden verhaftet. — Bei einem anderen Zusammenstoß mit einer armenischen Bande in der Ebene von Musch wurde die ganze, aus elf Personen bestehende Bande gefangen genommen. In der Ortschaft Tschelbur bei Bitlis wurde eine Fahne, Papier, Waffen und Munition von den Truppen in Beschlag gelegt.
Newyork, 23. Juni. Nach einem aus Port-au-Prince eingegangenen Telegramm verlangt die französische Regierung Genugtuung für einen gestern auf ihren Gesandten verübten Angriff, wobei der Gesandte von einem Palastwächter durch einen Steinwurf verletzt wurde. Die Ausschreitung ist ein Ausfluß der in Haiti herrschenden ftemdenfeindlichen Stimmung, da die Eingeborenen die Ausländer für ihre traurige finanzielle Lage verantwortlich machen. Die an der Nationalbank beteiligten Finanzhäuser erhoben Einspruch gegen die lange Gefangenschaft gewißer deutscher und französischer Bankbeamten, die der Beteiligung an der Ausgabe gefälschter Staatspapiere im Jahre 1903 beschuldigt sind.
Aus Stadt und Kaud.
Gießen, 24. Juni 1904.
Das Jahresfest der Landes-Universität wird am 1. Juli, vormittags 11 x/4 Uhr, stattftnden mit folgendem Programm: 1. Einzug der Gäste auf der Wartburg (Tannhäuser) von Wagner. 2. „Dl frohlocket in dem Herrn" aus „Jubilate" von Händel. 3. Festrede des Rektors. 4. „Ehre sei Gott dem Vater" aus „Jubilate" von Händel. 5. Marsch auS Herakles von Händel.
** Fe il e r. Als gestern abend um etwa 7 Uhr die Sturmglocke läutete, strömte eine große Menschenmenge nach der verlängerten Ederstraße, wo im Lumpenmagazin von Hermann Heß Feuer ausgebrochcn war. Der kleinere Anbau des Magazins, der mit Lumpen gefüllt war, brannte vollständig nieder. Die Feuerwehr unter der Leitung des Branddirektors Traber verhinderte das Uebergreifen des Feuers auf das Hauptgebäude. Die Lumpen glühten natürlich noch lange fort. Die Kriminalpolizei stellte bald fest, daß Kinder, die an einem unverschlossenen Fenster des Gebäudes ein kleines Feuer angezündet hatten, die Urheber des Brandes waren.
** Das gestrige Abonnements-Konzert der Militärkapelle war trotz der kühlen Witterung außerordentlich gut besucht.
” Sturz vom Wagen. Gestern nachmittag ging das Pferd eines auswärtigen Bäckermeisters mit Wagen in der Grünbergerstraße durch, wobei der Führer vom Wagen stürzte und sich dabei am Kopfe schwer verletzte.
e. Klein-Linden, 24. Juni. Der hiesige Kriegerverein unternimmt nächsten Sonntag einen Ausflug nach dem Niederwald.
§ Lich, 23. Juni. Ein Ri escnkin ema tograp h wird Sonntag hier eintreffen und die neuesten Sensationsstücke, u. a. aus dem ruffisch-japanischen Kriege, Straßen-Eisenbahn- szenen u. s. f. vorführen. Das Unternehmen hat in größeren Städten viel Beifall gefunden.
§ Alsfeld, 23. Juni. Da? Bahnprojekt Alsfeld- Ulrichstein wird z. Z. im Auftrag der Firma Lenz u. Co. Berlin abgesieckt. Die Strecke ist geplant über Liederbach, 'Strebendorf, Breitenbach, Storndorf, Windhausen, Köddingen,
Helpershain, Engelrod, Rebgeshain nach Ulrichstein. — Mit dem Bau eines Schlachthauses ist begonnen worden. — In Klein-Felda erschoß sich gestern der Landwirt Geiß mit seinem Jagdgewehr.
R. B. Darmstadt, 23. Juni. In der heute abend stattgehabten Mitgliederversammlung des hessischen gemeinnützigen Vereins zur Vermittlung von Land- und Kuraufenthalten wurde die Geschäftsübersicht für das erste Vereinsjahr bekannt gemacht. Hierbei wurde konstatiert, daß, während voriges Jahr nur 87 Anfragen cinliefen, dieses Jahr bereits über 700 Anfragen eingelaufcn sind. Von diesen letzteren wohnen 338 Anfrager in Hessen, 371 außerhalb Hessens, 264 sind Beamte und Militär, 189 Fabrikanten, Kaufleute und Gewerbetreibende, Private und ohne Berufsangabe. Die Mitgliederzahl betrug in 1903 272 mit einem Jahresbeitrag mit zusammen 426 Mk. Zur Zeit beträgt die Mitgliederzahl 402. Aus dem Rechenschaftsbericht ist der Schlußsatz noch besonders hervorzuheben: Zum Schluffe gedenkt der Vorstand noch des großen Entgegenkommens der Preße sowie der Förderung seitens der Behörden, namentlich auch der Eisenbahndirektion Mainz und Frankfurt und der Oberpostdirektion Darmstadt und Frankfurt. Man dürfe wohl sagen, daß die Erfahrung des ersten Vereinsjahrs gezeig hat, daß die neue Vereinsgründung, an die man nur zögernd herangetreten war, einem wirklichen Bedürfniße entsprach. Hoffen wir, daß es dem Verein gelingen wird, an der großen Aufgabe mitzuwirken, einen gesunden Ausgleich zwischen Stadt und Land herbeizuführen und dem schönen Vereinsgebiet immer zahlreichere Freunde und Besucher besonders in Norddeutschland zu gewinnen. Dem Einheimischen kann ein Sommeraufenthalt in den heimischen Bergen erst das rechte Verständnis für deren Vorzüge Anregung zur Erhaltung und Pflege der landschaftlichen Schönheit, der Eigenart der Bewohner und ihrer Bauweise, der Pflanzen- und Tierwelt verschaffen. So richtet sich die Vercinstätigkcit im weiteren Sinne auf den Heimatschutz. Der Verein will den Gebirgen ihre Bewohner und den Bewohnern ihren Wohlstand erhalten und ihnen in einer Zeit, in denen gar manche ihrer seitherigen Erwerbsquellen zu versiegen drohen, neue erschließen.
R. B. Darmstadt, 25. Juni. Der hessische Dom anialfiskus hat das Gräflich Berckheimschc Sckundo- Genitur-Fideikommiß im Kreise Erbach für den Preis von 900 000 Mk. angekauft. Die Besitzung hat ca. 760 Hektar Flächeninhalt und besteht hauptsächlich aus Waldungen.
Bensheim, 22. Juni. Ein gewißer Berg ans Bürstadt, der bei der Lorscher Mord- und Diebstahlgeschichte beteiligt sein soll, wurde gestern, von zwei Gendarmen begleitet, zwecks körperlicher Untersuchung dem hiesigen Kreisarzt, Herrn Medizinalrat Gros, gefeßelt vorgeführt. Im physikalischen Kabinett unseres Gymnasiums nahm Herr Prof. Dr. Hauff die Durchleuchtung des Körpers des Berg mit Röntgenstrahlen vor. Es konnte eine Verwundung der Brust durch Schrotkörner festgestellt werden. Ucbec die Entstehung der Wunde schweigt sich Berg aus.
Limburg, 23. Juli. Der Hotelbesitzer zur „Alten Post", Bielefeld, erhielt die Nachricht aus München, daß ihm ein Motorrad von drei Pferdekräften mit Magnetentzündung überwiesen worden ist. Ein Sportblatt in München hat nämlich demjenigen ihrer Leser den obigen Preis zugesichert, der bis zum 9. Juni am genauesten die bevorstehende Fahrzeit des Gordon-Bennett-Siegers, den Sieger selbst und den Fabrikanten des siegenden Wagens erraten würde. Herr Bielefeld berichtete bis zum angegebenen Datum: „Th6ry auf Brasier-Wagen in 5 Stunden 50 Minuten 4 Sekunden." Der französische Sieger brauchte am 17. ds. nur 1 Sekunde weniger.
Kassel, 22. Juni. Ein erheblicher Automobil- Unfall ereignete sich in der sogen. Rasen-Allee. Das Automobil, das über Wilhelmshöhe nach Kaßel fahren sollte, schlug beim Nehmen einer scharfen Kurve um und stürzte einen Abhang hinab. Der Chauffeur erlitt starke Hautabschürfungen, eine Dame erhebliche Beinverletzungen. Zwei beteiligte Herren kamen mit dem bloßen Schrecken davon. Das stark beschädigte Automobil wurde durch requirierte Pferde bis nach Wilhelmshöhe gebracht. Eine Stelle der Rasen-Allee ist durch eine Barriöre für den Fährverkehr gesperrt, daher müßen Fuhrwerke seitlich eine stark abfallende Kurve nehmen. Da die Automobilisten diese Notwendigkeit zu spät erkannten, erlitten sic den Unfall.
Kleine Mitten n ngcu o v. s H essen und den Nachbarstaaten. Die 2. Schulstelle in Kirch-Göns wurde bei 13 Bewerbern dem Lehrer Gunterloch aus Melbach übertragen. — Wie der „Neuen Bayer. Landesztg." geschrieben wird, ist Kaplan Hasenstab in Aschaffenburg aus der katholischen Kirche aus- und zum Protestantismus übergetreten, um in Marburg protestantischeTheologie zu studieren. Er soll bisher ein heftiger Gegner kirchlicher Reform und ein Vertreter der extremsten Richtung des Katholizismus gewesen sein.
Kin Aerörecher-Aoman.
d. Mainz, 24. Jmri.
Vor der ersten Strafkammer hat sich heute der Teilhaber der Einbrecher-Firma „Härmens u. Schröder", der zuletzt Genannte zu verantworten. Die Verbrecher hatten in einer Reihe deutscher Städte Hunderte von Einbrüchen verübt. Wie ein spannender Kriminal-Roman erscheint das seitherige Leben dieser raffinierten Verbrecher nach den Gerichtsakten. Am 16. September 1901, nachmittags zwischen 5 und 6 Uhr wurde die im 3. Stock des Hauses Fischtorplatz IG hier gelegene Wohnung von Hofrat Börckel während der Mwesenheit ber Bewohner gewaltsam geöffnet, der im Schreibzimmer befindliche Kaunitz erbrochen und ein darin aufbewahrter Blechkasten seines ganzen Inhalts — Kouponbogen und Bankscheine im Wert von 341 300 Mark — beraubt. .Auch wertvolle Goldmünzen, Schmuck- achen, Medaillen und Miniaturorden wurden aus den durch- vühlten Schubladen im Kaunitz entwendet. Bon den Tätern ehlte anfänglich jede Spur. Ta erhielt im November 1901 die hiesige Polizei ein anonymes Schreiben aus einem belgischen Ort, worin die genaue Adresse eines in Brüssel wohnhaften Deutschen namens Härmens als einer bei dem Einbrüche bei Hofrat Börckel Beteiligten mitgeteilt wurde. Ein Poli-eibeamter reiste darauf mit dem nächsten Zug nach Brüssel, wo er die richterliche Erlaubnis zu einer Wohnungsdurchsuchung bei Härmens erwirkte. Dieser, der mit seiner Maitresse Büßmann zusammen wohnte, galt in Brüssel als unbescholten. Tie Durch- iichung der Wohnung .Härmens fand durch belgische Beamte in Gegenwart des Mainzer Polizeibeamten statt, sie schien resnltatlos zu. verlaufen, als der Mainzer Polizeibcamte in'einem alten Portemonnaie einen einzigen der bei Hofrat Börckel gestohlenen Kou- pvns fonb. Kaum war dies fvstgestellt, als Horn«ns ins hintere
Dcrmifdjtcs
Zimmer eilte, das Fenster aufriß und vom ersten Stock hinab m den Hof sprang. Tort fanden ihn die nacheilenden Polizisten mit gebrochenem Fuß auf dem Pflaster liegen und schafften ihn ctnv= weilen ins Spital. Nack diesem Zwischenfall wurde die Turc!»- suchung der Wohnung des Härmens fortgesetzt, und es fand sich nun in einer dunklen Schrankecke ein Handkoffer, vollgestopft mit Wertpapieren, die teils von dem Mainzer Einbruch und teils, wie sich später ergab, von anderen großen Diebstählen herrührten. Während die Beamten noch in der Wohnung beschäftigt waren, brachte der Zufall eine zweite Ueberraschung: ein Dc- peschenbote trat ein und übergab ein Telegramm cn Härmens, das , ihn ausforderte. augenblicklich nach Rotterdam zu entfliehen, da ihm Gefahr drohe. Als Absender des Telegramms vermutete die jetzt in die Enge getriebene Büßmann einen „Freund" ihres „Mannes" namens Schröder, dessen Photographie auf einem Bilde mit seiner Geliebten Neubert, in der Wohnung sich ebenfalls vorfand. Tu Neubert war die anonyme Briefschreiberin an die Mainzer Polizei; sie soll aus Haß gegen Härmens diesen verraten haben. Ob das Paar sich in Rotterdam aufhielt, war ungewiß und seine Verhaftung dort nicht zu erreichen, dagegen gelang es, einen anderen Komplizen des Härmens in Brüsseler nannte sich Klug — zu ermitteln und in dem Augenblick festzunehmen, als er ein ähnliches Warnungstelegramm wie Härmens erhielt. Tie Büßmann und der Klug wurden nach Mainz ausgeliefert, später aber, weil sich ihre Mitschuld nicht nachweisen ließ, wieder freigegeben. Härmens kam am 10. tober 1902 vor die Mainzer Strafkammer. Außer dem hiesigen Einbruch wurde er überführt, mit Schröder im Mai 1898 bei einer Witwe in Hamburg Schmuckfachen und bare 2440 Mark, im November 1898 bei einem Buchbinder in Braunschweig Wertpapiere ca. 6060 Mark, int Dezember bei einen Rentner in Magdeburg Wertpapiere in Höhe von ca. 37 700 Mark, im März 1901 bei dem Oberlandmesser Klose in Kassel 3900 Mark, und am 8. April bei dem Eisenbahneire ftor Urban in Kassel 20 420 Mark, am 1. April bei einem Kassenbeamten in Braunschweig 21000 Mark und am 23. Juni 1901 bei dem Mathematiker Balzer in Köln 25 200 Mark gestohlen zu haben, alles zum größten Teil Wertpapiere. Tie Bc'tte hatten die Einbrecher' ge= wöhnlick auf Rennplätzen und in Badeorten mit Frauenzimmern verjubelt oder versvielt. Ihr elegantes Auftreten und ihre Spraäi- fenntniffe verschafften ihnen Eingang in die besseren Kreise. Härmens erhielt die höchstzuläffige Strafe von 15 Jahren Zuchthaus, die er zurzeit in Marienschloß absitzt. Tort Hot er aus eigenem Antrieb nachträglich n o ck> weit über 100 andere, mit Schröder gemeinsam ausgeführte Diebstahl' angegeben. Gewöhnlich führte Schröder die Einbrüche aus und Härmens stand „Schmiere"; das Ergebnis wurde dann geteilt Wo aber Schröder sich aufhielt, vermochte auch Härmens nicht anzugeben, er meinte, daß es ohne Verrat nie gelingen würde, seiner habhaft zu werden, und in der Tat schien es so, trotz massen haft in die ganze Welt geschickter Steckbriefe. Dagegen kamen von Zeit , zu Zeit bald aus Paris, bald aus München, Berlin oder Düsseldorf Anzeigen, daß dort Kupons eingelöst wurden, die von dem Mainzer Einbruch herrührten. Ta Kupons auf den Träger lauten und daher nicht gesperrt werden können — nur in Oesterreich ii't ihre Amortisierung zulässig — hielt es schwer, den jedesmaligen Vorzeigcr festzustellen. So wurde in München ermittelt, daß dort ein Mann von den gestohlenen Kupons versilberte, der sich fälschlich für einen dort wohnhaften Ingenieur ausgab.. Trotzdem ließ die Mainzer Staatsanwaltsclmst kein Mittel unversucht und veröffentlichte z. V. in mehreren großen Blättern ein Verzeichnis der in Betracht kommenden Papiere, mit dem Ersuchen, etwaige verdächtige Vorzeiger festnehmen zu lassen. Wo mochte" Schröder sich aufhalten? War er im Ausland verborgen und befand sich jeine Maitresse Neubert (die aus Berlin stammt), die ebenfalls unauffindbar war, bei ihm, oder hatte er sie, als die anonyme Brieffchreiberin, aus Furckt vor abermaligem Verrat beseitigt? Tenn die Neubert hatte aus Haß .gegen Härmens ober aus Eifersucht den Freund ihres Geliebten der Mainzer Polizei verraten. Da ereilte den Schröder im September vorigen Jahres aus einer „Geschäftsreise" in Bielefeld fein Verhängnis. Dort hörte an einem Sonntag nachmittag ein Schlossermeister, der halbentlleidet auf seinem Bett lag, im anstoßenden Zimmer ein verdächtiges Geräusch; er sprang auf und sah gerade noch, wie ein fremder Mann auf dem Vorplatz an ihm vorübereilte. Ohne sich erst vollständig au- zulleiden, lief ihm der Schlossernreister auf die Straße nach — es war gegen 5 Uhr und halb Bielefeld unterwegs — erwischte den Flüchtling und übergab ihn einem entgegenkommenden Schmiedemeis er zur aefl. Ablieferung in „Nummero Sicher". Tann erst begab sich per Sansculotte zur Vervollständigung seiner Toilette wieder nach Hause. Auf die Polizei gebracht, gab der Einbrecher falsche Personalien an und spang plötzlich durchs Fenster ins Ireic. Nun ging die Jagd aufs Neue los, bis der Flüchtling, ber sich in einer Wirtschaft feftgerannt hätte, wieder eingefangen werden konnte. Als ihm jetzt bas Bild des Schröder aus .dem Verbrecheralbum vorgehalten wurde, gab er endlich zu, dieser zu sein. Darauf erfolgte feine Ucberfiihr- ung nach Mainz, m-, er bis heute in Untersuchungshaft zubrachte. Hier gab er endlich zu. den Einbruch 'bei Hoftat Börckel mit Härmens verübt zu haben, zog au?r später sein Geständnis zurück und ließ nur, den Bielefelder Eirrbruchsversuch gelten. Tie Neubert. deren Aufenthalt trotz ;; dderholten Ausschreibens im In- und Ausland nicht zu ermitteln ist, will er gleich nach Lar- Mens Verhaftung, als er nach Paris gereift fei, .verlassen haben. Jedenfalls hat er die Neubert wegen des Verrats an Härmens beseitigt, lieber den jetzigen Aufbewahrungsort des ihm ^gefallenen Teiles der gestohlenen Wert Papiere verweigert er hartnäckig jede Auskunft. Eine durch Vermittelung .der deutschen Konsulate in Paris und Brüssel ergangene Umfrage bei dortigen Bankhäusern ergab jedoch verschiedene Anhaltspunkte.
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Kurz vor Schluß der Redaktion ging uns folgendes Telegramm zu:
Mainz , 24. Juni. (Orig.-Telegr. des „Gieß. Auz/st Schröder erhielt 15 Jahre Zuchthaus.
* Hamburg, 23. Juni. In dem Schnellzuge Bremen- Hamburg wurde dem Theaterdirektor Catinau aus Newyork eine Brieftasche mit Wertpapieren und Banknoten im Gesamtwerte von 127 000 Mk. gestohlen.
Madrid, 23. Juni. Ein Eisenbahnzug mit allen verfügbaren Kräften ist von Teruel an den Ort des G i f c n * bahnznsammenfroYes abgegangen. Tie Opser, 30 an der Zahl, sind fast sämtlich Gendarmen.
* Saragossa, 23. Juni. Zwischen Calamocha und Luco entgleiste ein Schnellzug, ber bann in Brand geriet. Viele Personen sollen bas Leben eingebüßt haben unv viele verwundet feilt Einzelheiten fehlen. „ • <
* Baku, 23. Junt. Der hiesige Kaufmann und Millionär Adamow wurde herrte durch drei unbekannte Individuen über fallen und durch Dolchstiche und Revolver' chüsse getötet. Ein Polizist und ein Wächter, Die zur Hilfe eilten, wurden verwundet. . m .
* Reicher Kindersegen. Aus .Kruschwitz rn Po>eu schreibt man dem „Dzien. Kuj.": Eine seltene Ueberraschung bereitete der Storch einem jungen Ehepaar in Baranoim indem er demselben als ersten Familienzuwachs I e M o Jungen auf einmal bescherte. Jeder von ihnen wieg. 11/2—2 Pfund. Die junge Mutter und die Spro'flmge bi rüden sich den Umständen nach wohl. Ms die Nachbarinnen von diesem seltenen Fall erfahren hatten, kamen sie t Scharen herbei, um Glück zu wünschen. Es wurde fog«n unverweilt der Kaiser t e l e gr a p h i sck^ von dieiem ungewöhnlichen Ereignis benachrichtigt."
* Ehescheidung in hohen Kreisen. Aus par-s wird geschrieben: Infolge von „Meinungsverichtknnmi.•> wollen sich der Herzog und die Herzogin von Valencav hbet
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Seine gewaltige Al Einbuße.. No^lebt fahren nfiJKei^ M bürgerstcken Ge flort m kläglicher
Berlin, 23. mt Wronl-r vlcndie Nachdem techtsanwi gehalten hat, wird d ' Straßburg i lichteten, hatte Reä als prinzipieller G e gerichtsrat Bal tödlichen Waffen g e lands an die S habe unwahre Beha habe sich Baland Bn qeäußert, er halte es diskutieren. Ei Reserveoffizier >vend als persönliche Jöele engen aufgefaßt. u Aeuftrungen kein habe. Ter Staatsm ung. Ter Verteidig, aus: Richter und Vorbildung und da gegenseitige 1 walt ergeben. 8 ,5) o 1 s f o m m e n t das Verhalten des ( ringen für nicht be Beschwerde über A daß Weiß ihn gefo: beüanb zur Kenntnis Weiß lautete auf br ausgeslchrt, die Aeus ten verschieden gedk erklärte, et halte e in einen TisM mit ung lasse sich dal ungen des Anwalt würdig gelten. eine Kränkung erbl
Szegedin, welche den Abge wurden die Angeklaa 'veil sie die Tat in gangen hatten. Sie
hn.) Gießen, Motorfahren । wenden Preise sind Vlatz, ausgestellt. * aller Passant »enen aus Gießen •Mer den bereits Wern haben noch War die Gebt, ha
sehr intereff; g» Mainz, 23. ^'nzer Rude ^-Regatta von^
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is Eifersucht ben W ernten. Ta ereilte \ ? aut einer „Keschc :t Hörte an einem & Wentündet. ans jr leibädytige^ Geräusck.v t minder Mann mii fc sich erst Wliiänb:.1.' aui bie -traße nci- (b unterwegs - -
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Sekannlmachung
In das Genossenschastsre- Mer wurde heute bezüglich ses Konsumvereins für Dau- oringen und Umgegend e. G. in. u. H. eingetragen: An Stelle des aus dem Vorstande > ausgeschiedenen Kontrolleurs, des Schlossers Philipp Hartmann von Daubringen, wurde der Hüttenarbeiter Wilhelm Wagenbach von da in den ' Vorstand gewählt. 5482
Gießen, am 22. Juni 1904. Großherzogliches Amtsgericht, i fGino Lrau tüchtig im. Wetß- 'Ltiik yruil, nähen uni) Aus-. i bessern, nimmt noch < inige Kun- i »en an. Mcnrsburg 16, III.
Arbeitsvergebung
Die Weißbinder- und Glaserarbeit für die laufende Unterhaltung der Stadtknabenschule soll
Mittwoch, 29. Juni d. I., vormittags 11 Uhr, öffentlich vergeben werden.
Arbeitsbeschreibung und Bedingungen liegen bei uns zur Einsicht offen. Angebote auf Vordruck, der daselbst erhältlich, find bis zum genannten Zeitpunkt an uns einzureichen. Zuschlagsfrist 14 Tage.
Gießen, am 23. Juni 1904.
Städtisches Hochbauamt.
J.A.: Altvater. 517fl
Tas Einbauen des Kleinschlags und Ausbauen des alten Kieses zwischen den Stationen Sinn und Ehringshausen auf eine Länge von 6 km soll öffentlich vergeben werden Angebote sind bis zum Eröffnungsterinin, am 7. Juli, nachmittags 4 Uhr, verschlossen und portofrei an die unterzeichnete Inspektion einzukenden. Verdingungsunterlagen sind kostenfrei von der Unterzeichneten zu beziehen. Zuschlagsfrist 8 Tage. Königs. Eisen bahn-Betriebs-Jn- _______spektion Wetzlar. [5491
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4% Oesterr. Goldrente . 4‘/5% Oesterr. Silberrente 4% Ungar. Goldrente .
W/o 3% 3*/,% 3%
Wh
Reichsauleihe do.
Konsole .
do. . .
Hessen Oberhessen
3°/o Mexikaner 4,/o')/o Chinesen . Electric. Schuckert Nordd. Lloyd . . Kreditaktien . . Diskonto-Kommandit Darmstädter Bank Dresdener Bank . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn Lombarden , . Gotthardbahn . . Laurahütte . , . Bochum .... Harpener . . .
Tendenz: fest.
herrschte, trieb die Flammen über den ganzen Zug weg. Tie Lotomotivc arbeitete unterdeß weiter, brach dabei durch die Brustwehr der Brücke und blieb in dieser bangen, mit den Rädern in der Luft arbeitend. Einige Stützen der Brücke gerieten ebenfalls in Brand und gaben dann irach, sodaß mehrere Magen in den Fluß fielen. Andere Wagen wurden von der Strömung ergriffen und weggeführt. Das Wasser war blutig gefärbt und mit verstümmelten Körperteilen bedeckt. Tie Schreckcnsszeuen erreichten ihren Höhepunkt, als der Dampf aus den Lokomotivkesseln in den Feuerraum drang und die glühende Asche aus die um ihr Heben Kämpfenden trieb. Infolge der weiten Sntfentiing; Ins zur nächsten Stadt konnte die nach Bekcmntwerden des' Unglücks eingeleitetc Hilfsaktion nur langsam vor sich geheu. Unter den Trümmern des verbrannten Zuges liegen nod) immer Leichen, die man bis jetzt nicht heran konnte.
Krakau, 24. Juni. Der kürzlich verstorbene Pro- fcssor und Sekretär der Universität, Dr. Cyfrowicz unterschlug, wie sich nachträglich herausstellte, der Universität 7 0 000 Kronen. Die Kollegen beschloßen solidarisch die Deckung der unterschlagenen Summe. Der Profeffor, der ein Jahreseinkommen von 20 000 Kronen hatte, hinterließ überdies große Schulden.
Okahandja, 24. Juni. Witboi sandte abermaltz 25 seiner Orlog-Mäuner, alles alte, erfahrene Kriegsleute, die gestern hier eintrafen und heute zu Major von Estorfs weiter gehen. Man erblickt darin das Bestreben Witbois, die über ihn umlaufenden Gerüchte von Untreue und Abfall aufs unzweideutigste zu widerlegen. Gouverneur Leu twein reiste heute früh nach Windhut ab, wo Generalleutnant von Trotha ihn in den nächsten Wochen besuchen wird. Die Mteiluug des Maiors Hahde rückte von Owikokorero nach Okesondusn vor, wo bisher Estorfs stand, der mit seiner Abteilung in die Gegend von Osondema vorgeht. Tie Abteilung Glasenapp soll von Owikokorero in der Richtung über Otjire mehr gegen Omaramba vorrücken. Die Abteilung Volkmann bleibt in" Otawiet, Hauptmann Franke im Bezirk Ornarnru. Sämtliche Abteilungen haben bis zum vollendeten Ausmarsch den Befehl, jeden Kvmpf zu vermeiden und nur zuzusassen, wenn die Herero versuchen sollten, von ihren jetzigen Lagerplätzen abzuziehen, sonst aber feste Stützpunkte anzuleg'en und Vorbereitungen für die kommenden Aktionen zu treffen. Tie Etappenstraßen sind bisher besetzt von den Kompagnien Häring, Schering und den Restmannschaften des Seebataillons. Tie neu herankommenden Regimenter sollen über Karibib und Outjo vorrücken und von Norden her eingreifen.
Kirchliche Nachrichten.
Evangelische Gemeinde.
4. Sonntag nach Trinitatis, d«n 26. Juni. Äottesdienff.
In der Stadtkirche.
Vormittag? 8 Uhr: Pfarrafsistent Schulz.
Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Matthäus- gemeinde.
Vormittags 9>/r Uhr: Pfarrer Schwa b e.
Vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst.
Pfarrer Euler.
Nachmittags 2 Uhr: Kinderkirche für die Markusgemeinde.
Pfarrer Schwabe.
Zu der FohanucSkirche.
Vormittags 8 Uhr: Siehe Stadtkirche.
Vormittags 9'/, Uhr: Pfarrer Möller von der deutschen Seemannsmission in Loitdon.
Temperatttr der Lahn nnd der Luft
am 24. Juni 1904.
Nach Neaumur gemessen mittags zwischen 12 und 1 Uhr.
Wasser 15°, Luft 18°.
Albert Rübs amen.
Es kommt eine besondere Kollekte für die Seemannsmission Erhebung.
Nachmittags 2 Uhr: Kindergottesdienst für die Ltlkasgemeinde.
Pfarrer Euler.
Sonntag^abend 8 Uhr: Vortrag des Pfarrers Möller voit deutschen Seemaunsmissiott in London im Konsirmandensaale Johanneskirche.
Katholische Gemeinde.
100.90
100.00
99.70
103.10
60.90
60.30
Sport.
(m.) Gießen, 24. Juni. Die bei den großen Rad- und M 0 t 0 r s a h r e n am kommenden Sonntag zur Verteilung kommenden Preise sind seit heute bei der Finna Fleischmann, Kreuz- play, ausgestellt. Die wundervollen Preise erregen das Aufsehen aller Passanten und es haben daraufhin noch verschiedene Herren aus Gießen ihre Meldung zum Motorfahren abgegeben. Außer den bereits gestern angemeldeten verschiedenen Meisterfahrern haben noch gemeldet das beste deuffche Amateur Tairdem- paar die Gebr. Hansen in Kopenhagen. Ter Besuch der Rennen wird sehr interessant. ,
Mainz, 23. Ium. .Der Kaiser stiftete für den Mainzer Rudervcrein einen Wanderpreis, der bei der R'gatla vom akademischen Vierer ansgefahren werden soll.
^ffießener landwirtfchaftlichcr Wetterdienst.
Boraussichtliche Witterung in Hessen für Samstag, den 25. Jrmi 1904: Zunächst noch heiter, später wolkig und vielenorts Regenfälle mit Gewitter, schwül und wärmer, dann etwas kühler. Aussicht auf Gewitterregen.
Näheres durch die Gießener Wetterkarte.
5349
Anerkennungsschreiben vorzüglicher Lieferungen aus allen Kreisen wurden an dieser Stelle von der Möbelfabrik und Lager Th. Brück, Giessen, Ecke Schlossgasse—Kanzleiberg zur Veröffentlichung gebracht. Diese sowohl wie eine weitere Serie noch nicht verbreiteter Beferenzen stehen Jedermann gratis und franko nebst einigen photographischen Aufnahmen der besteingerichteten Fabrik- und Verkaufsräume zur Disposition und dürfte es sich empfehlen, vor Ankauf von Möbeln, Betten, T ep pichen, Vorhängen etc. sich zu wenden an das 1&58 gegründete Möbelfabrikations- und Ausstattungs-Geschäft Th. J3rüch, Giessen, Ecke Schlossgasse— Kanzleiberg—Brandplatz. — 10 Schaufenster. — 100 Zimmereinrichtungen. — Lieferung franko jeder Bahnstation. — Telefon 373. — Höchste Auszeichnung: Oberhessische Gewerbe-Ausstellung.
Samstag, den 25. Juni 1 904.
Nachmittags um 5 Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur hl. Beicht.
Sonntag, den 2 6. Juni 1904.
5. Sonntag nach Pfingsten.
Vormittags von 6 x/2 Uhr an: Gelegenheit zur heil. Beicht.
v um 7 Uhr: Die erste heil. Meße, vor unb in derselben Austeilung der heil. Kommunion.
um 8 Uhr: Die zweite heilige Messe.
„ um 9 V, Uhr: Hochamt mit Predigt.
Nachmittags um 2% Uhr: Christenlehre; darauf Andacht.
JsraeMische Neliqionsgemeindc.
Hottesdienst in der.Synagogr (Südankage).
Samstag, den 25. Juni 1904.
Vorabend 7.45 Uhr.
Morgens 8.30 Uhr.
Nachmittags 4 Uhr.
Schristerklärnug.
Sabbathansgang 9.40 Uhr.
Neueste Weisungen.
Darmstadt, 24. Juni. Zum heutigen 80. Geburtstage verlieh der Großherzog, der „Darmst. Ztg." zufolge, dem Professor Gottlieb Planck-Göttingen das Komturkreuz 1. Klasse mit der Krone des Philippsordens.
Berlin, 24. Juni. Zur Feier der hundertsten Wiederkehr des Geburtstages August Borsig wurde gestern auf dem Gelände der Borsigschen Werke in Tegel ein Denkmal Borsigs in Anwesenheit der Beamtenschaft und der Veteranen der Firma enthüllt.
Hamburg, 24. Juni. Gestern fand hier die Konstituierung der Palästina-Gesellschaft m. b. H. statt. Die Gesellschaft ist mit einem Kapital von zunächst Mk. 100000 mit ihrem Hauptsitz in Hamburg errichtet und bezweckt, den Jrnport und Exporthandel zwischen Deutschland und Palästina sowie den Nebenländern zu fördern.
München, 23. Juni. Das Schöffengericht verurteilte den Redakteur Gruber von der sozialdemokratischen Münchener Post wegen Beleidigung der Barfußtänzerin Miß Dunkan zu 400 Mk. Geldstrafe oder 80 Tagen Haft.
Würzburg, 24. Juni. Oberbauinspektor Horn, der eine Frau mit einem Automobil überfahren und getötet hat, wurde zu 3 Monaten Gefängnis verurteilt.
Paris, 24. Juni. Die Japaner, die bereits G e n- san zu räumen begannen, kehrten wieder in die Stadt zurück, nachdem 600 Mann Verstärkungen sowie eine Feldbatterie mit vier Geschützen angelan'gt waren. Die dortigen Einwohner stehen teils auf russischer, teils auf japanischer Seite. Der Verkehr der Handelsschiffe ist unterbrochen. Die Koreaner erzählen, in Samsung legen die Russen Steuern auf. Die Eingeborenen bemächtigten sich der Vorräte der Truppen und mißhandelten Frauen in schändlichster Weise. Am 12. Juni erreichten die Japaner Pinyang unb stießen dort auf 200 Russen. Trotzdem es zu einem starken E^wchrfeuer kam, gab cs nur leichte Verluste. Man erwartet gegen 800 Mann Reserve. Es heißt, in 14 Tagen soll der Marsch nach Norden angetreten werden, um die Russen über den Taman zu jagen.
L. Madrid, 24. Juni. Bei dem Eisenbahn-Unglück^ aus der Brücke über ben Fluß Gilesa bei Entram- basaguas in ber Provinz Teruel in ber Nacht zum Donnerstag kamen, soweit bis jetzt ermittelt, 50 Personen ums Leben. 30 verbrannten in ben brermenben Wagen, 20 ertranken im Fluß. Das Unglück entstaub daburch, daß bie Lokomotive mit drei Wagen ans dem Geleise sprang. Die drei Wagen schoben sich übereinander und wurden durch fliegenbe Funken von ber Lokomotive in Brand gesteckt. Der furchtbare Sturm, der in der Nacht
lassen. Die Herzogin ist eine geborene Helen Morton, ein Tochter des Newyorker Millionärs Levi Parsons Morton. Die Mutter des Herzogs soll bereits nm die Genehmigung des Papstes zur Anf- lbsimg des Ehebnndes nackgesucht haben, angeblich, weil die Ehe kinderlos geblieben ist. Die Entftemdung zwischen dem El)epaare datiert nicht von heute. Der Herzog und seine Gemahlin haben fast nie zusammen gelebt. Während der Herzog auf seinem prächtigen Schlöffe an der Loire weilte, wohnte die Herzogin immer in Paris und blieb nur mit ihrer Familie in Verbindung. Der Herzog ist der zweitälteste Sohn des Herzogs de Talleyrand- Pörigord, Herzogs zu Sagan. Der Vater seiner Gattin war amerikanischer Gesandter in Paris und Vizepräsident der Vereinigten Staaten.
Hausfrauen gebrauchet
Kondensierte Aipenmilch
Nestle
Voller Rahmgehalt._______-überall RaufNch.
Zlniversttäts-Aachrichten.
— Heute, am 24. Juni, begeht der Wirkt. Geh. Rat und ordentliche Honorarprofessor Dr. Gottlieb Planck in Göttingen seinen 80. Geburtstag, ein Freund und Landsmann Bennigsens. Wie dieser einst in die zweite hannoversche Kammer gewählt, stand auch er in Opposition zur Regierung. Ter nachmalige Zentrumsführer Windthorß erkannte jedoch als hannoverscher Justizminister die hohe Befähigung Plancks und forderte ihn auf, als Vertreter Hannovers an den Dresdener Konferenzen zur Beratung eines deuffchen Obligationenrechtcs teilzunchmen. .Windtborst knüpfte an diese Berufung die Bedingung: Planck müsse ans dem deutschen Nationalverein austreten. Selbstverständlich wies er diese Zumutung zurück. Die Neuordnung der politischen Gestaltung Preußens und Deutschlands führte Planck mit Bennigsen in den Reichstag und das preußische Abgeordnetenhaus zur nationalliberalen Partei, aber seck)s Jahre später mußte er seines Augenleidens wegen, das bald zu völliger Erblindung ftihrte, der politischen öffentlichen Tätigkeit entfagen. Nachdem er schon im Jahre 1871 in die Kommission für die Zivilprozeßordnung gewählt war, gehörte nun fein ganzes Leben' der Ausgestaltung des Bürgerlichen Gesetzbuchs: dieses ist mit seinem Namen unlöslich verknüpft. Seine gewaltige Arbeitskraft erlitt durch feine Blindheit keine Einbuße. Noch lebt in uns die Erinnerung, wie er vor wenigen Jahren im Reichstag als Generalreferent zur Verabschiedung des bürgerlichen Gesetzbuchs auftrat — — jeder Gedanke, jedes Wort in llassischer Form gemeißelt? ______
Kertchtsjaat.
Berlin, 23. Jimi. (Pommernbankprozeß.) Justizrat Wronker plaibiert für Freisprechung der Angeklagten. Nachdem Rechtsanwalt Werthauer einen Teil seines Plaidoyers gehalten hat, wird die Verhandlung auf Samstag vertagt.
Straßburg i. E., 23. Juni. Wie wir schon kurz berichteten, hatte Rechtsanwalt Weiß aus Hagenau, der sich als prinzipieller Gegner des Duells bekannte, den Amtsgerichtsrat Baland'aus Hagenau zum Duell mit tödlichen Waffen gefordert, wegen eines Berichts Ba- lands an die Strafkammer, .in dem bemerkt war. Weiß habe unwahre Behauptungen in Aktenstücken aufgestellt. Weiter habe sich Baland Weiß gegenüber in einer Schöffengerichtssitzung geäußert, er halte es unter seiner Würde, mit ihm zu diskutieren. Ein Offiziersehrenrat, an den sich Baland als Reserveoffizier wendete, hatte die Aeußerungen Balands nicht als persönliche Beleidigungen, sondern als berufliche Aeußer- imgen aufgefaßt und entschieden, daß Baland Weiß für diese Aeußerungen keine Genugtuung mit der Waffe zu geben habe. Ter Staatsanwalt beantragte gegen Weiß zehn Tage Festung. Ter Verteidiger von Weiß, Rechtsanwalt Dr. Lenning führte aus: Richter und Rechtsanwälte haben dieselbe wissenschaftliche Vorbildung und das gleiche Recht vor Gericht. Daraus sollte sich gegenseitige Achtung zwischen Richter und An- w al t ergeben. Werde anders verfahren, so könne das zum „H 0 l z k 0 m m e n t" fuhren. Der Verteidiger kritisierte scharf das Verhalten des Ehrenrats, ber ohne Weiß zu hören, die Aeußcr- ungen für nicht beleidigend erklärt habe. Baland habe in einer Bio'chwerde über Weiß beim Oberlandesgericht auch mitgeteilt, daß Weiß ihn gefordert habe. Auf diesem Wege fei der Tatbestand zur Kennttlis der Gerichte gekommen. Das Urteil gegen Weiß lautete auf drei Tage Festung. In der Begründung wurde ausgeführt, die Aeußerungen des Amisgerichtsrats Baland könnten berfetneben gedeutet werden, die erste dahin, daß Baland erflärte, er halte es nicht für angebracht, .daß ber Richter sich in einen Disput mit dem Verteidiger einlaffe. Die zweite Aeußcr- ung lasse sich .dahin auffassen, daß vor Gericht die Behauptungen des Anwalts nicht o^ne weiteres als prozessual glaubwürdig gelten. .Immerhin hätte Weiß in beiden Bemerkungen eine Kränkung erblicken können.
S z e g e b i n, 23. Juni. Im Prozeß gegen die Brüder Sabul, welche den Abgeordneten Erenrits getötet haben, wurden die Angeklagten von den Geschworenen freigesprochen, weil sie die Tat in unzurechnungsfähigem Z^istande be- qangen batten. Sie wurden sofort auf freien Fuß gesetzt.
Otto Rathschlag
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