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Jahrgang s Blatt, Nr. 119 Eichener Anzeiger General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Krds Siehe» OCCTQl Die heutige Kummer umfaßt 8 Seiten. Erscheint tSgltd) mit Ausnahme des Sonntags. Die „Eiehener LamiNenblätter" werden dem „Anzeiger viermal wöchenllich betgelcgu Der «hesfische Landwirt' erscheint monatlich einmal. Rotationsdruck und Verlag der Brüh lachen Universitätsdruckerei. R. Lange, Dießem Redaktion, Expedition u.Druckerei: Schulstr.7. Tel. Nr. 6L Telegr.-Adr. i Anzeiger Dießen. z^um Papste fortgesetzt werden. Die sozialistische, streng ministerielle „Petite Rcpublique" schreibt: Vorläufig verlangen wir nichts weiter, diese Maßnahme wird durch Kündigung des Konkordates vervollständigt werden. Der „Popolo Nomano" erklärt, er ser in der Lage, folgendes zu versichern: Erstens, die Meldung, der Staatssekretär Merry del Val hätte dem Botschafter Nisard Erläuterungen über den Satz gegeben, der sich in der an die katholischen Machte autzn F-raukreich geschickten Note befand, gibt weder der Form noch zum Teil inhaltlich die Besprechung Zwischen Nisard und Merry del Val zutreffend wieder; zweitens, die Behauptung, Merry del Val hätte jede Antwort bezüglich der an die cmderen Mächte geschickten Note abgelehnt, ist vollständig erfunden. „N>Pow Romano" sagt ferner, er könne zu^rüttsig versichern, daß bte an Frankreich und die katholischen Machte ^richtete Note nach Form und Inhalt der Note entspricht, die der verstorbene Papst Leo XIII. zur Zeit, als Rampolla Staatssekretär war, bet- bereitet, als der Besuch des Königs Viktor Emanuel in Paris und die Erwiderung desselben durch den Präsidenten Loubet tu Rom entschieden war. Das genannte päpstliche BlcM fügt hinzu, es wisse aus verläßlicher Quelle, daß Merry del Val weit entfernt war, eine Antwort abzulehnen, sondern nur wünschte, daß die Anfragen schriftlich emgereicht würden, und dabei versprach, daß die Antwort gleichfalls schriftlich in einer Stunde abgegeben heftige Rippenstöße zu erteilen. — , Ter neue Oberdefehlshader von Südwestafrika, ; Generalleutnant v. Trotha, scheint sich ein wenig den - pomphaften Abschied des Grafen Wkldersee bei dessen Aus- < reise in China zum Vorbild genommen zu haben, indem er sich ebenfalls unter etwas ungewöhnlichen Huldig- ■ ungen, wie Fackelzüge, Ständchen und feierlichem Kanonendonner von seinem bisherigen Wohnort Trier verabschiedete. Ob der General der rechte Mann sein wird, den dortigen Aufstand zu dämpfen, muß die Zukunft lehren, einfach wird seine Ausgabe auf keinen Fall sein, denn, abgesehen davon, daß ihm das Land seines zukünftigen Wirkens unbekannt ist, sollen die Hereros noch unerschüttert sein — munkelt man doch, daß sie noch für zwei Jahre Munition besäßen! Daß die Deutschen den Hereros selbst Munition und Waffen geliefert hätten, wird jetzt aufs neue offiziös dementiert. Mit Bezug auf einen Artikel der „Dtsch. Tagesztg." teilt die „Nordd. Allg. Ztg." mit, daß nach amtlicher Auskunft seit dem 1. Januar 1898, also seit dem Bestehen amtlicher Verkaufsstellen an die Herero verkauft wurden: Im Bezirk Windhuk insgesamt nur 4 Gewehre Modell 71 und 230 Patronen, im Bezirk Okahandja 3 Gewehre Modell 71 und 348 Patronen. Die Stichwahl in Frankfurt a. O. hat, wie erwartet, mit dem Siege Bassermanns geendet, der 14 385 Stimmen gegen 11880 für den Sozialdemokraten Braun abgegebene erhielt. Die Stimmenzahl für Basser- mann bleibt nur um etwa 200 hinter der am 13. Mar für bürgerliche Kandidaten abgegebenen Gesamtzahl zurück; die Sozialdemokraten haben noch nahe an aOO Stimmen Zuwachs gegen die Hauptwahl erzielt, die ihnen, da sie Reserven nicht mehr gehabt haben können, aus der Zahl der Wähler des Generals v. Jagwitz zugekommen sein müssen. Immerhin ist die Gesamtzahl der sozialdemokratischen Stimmen gegen die Stichwahl des Vorjayres um nahezu 3000 (damals 14 685 Stimmen) zuruckgegcmgen, während § die bürgerlichen Stimmen (damals 14 204 für den Konservativen» sich rwch etwas vermehrt haben, em bündiger Beweis dafür, was durch zweckmäßige Auswahl des Kandidaten auf der Seite der burg^lichen ^irteien erreicht werden kann. Die. nationalliberale Reichstags- sraktion aber wird mit Genugtuung die Wiederkehr emes hochgeschätzten Mitgliedes begrüßen das besonders au sozialpolitischem Gebiete der Führer der Partei m der Anbahnung eines gerechten Ausgleiches zwifchen den Gegensätzen der Klassen und Stände geworden war. Gegen die Giltigkeit der Wahl wird übrigens sofort seitens der sozialdemokratischen Partei wie auch wahrscheinlich seitens der wirtschaftlichen Vereinigung Protest eingelegt werden, der angesichts ver obigen Zahl recht überflüssig erscheint. In Straßburg- Land hat am Tage vor Psmg tm. eme Neuwahl zum Reichstage stattgefunden. Die Wahl des Demokraten Blumenthal war dort am 16. Ium IJOa mit nur sehr wenigen Stimmen Mehrheit erfolgt. Das Samstags-Resultat führt zu einer Stichwahl zwischen Blumenthal und dem Zentrumskandidaten Hautz. Wahrscheinlich wird Blumenthal wiedergewählt werden. Der Kampf der französischen Regierung gegen Klerikalismus und Kurie hat letzt zur Abberufung des französischen Botschafters vom Vatikan geführt. Der Papst Pius hatte gegen den unterlassene Besuch LoubetS im Vatikan m euter scharfw Note protestiert. Das gab dem inzwischen schon etwas bruchig gewordenen Kabinett Combes eine neue Waffe m die Hand, die dieses recht kräftig zur Befestigung seiner Stellung zu gebrauchen weiß. Am Freitag vor Pfingsten begab sich der französische Botschafter am Vatikan, Nisard, zum Kardinal-Staatssekretär Merry del Val. Er fragte ihn, ob es Tatsache sei, daß man m der Frankreich zugestellten Protestnote einen Frankreich beleidigenden Satz unterdrückt werden würde. _ .. Tie Pariser Nuntiatur, deren Note die radikalen französischen Organe als eine neue Herausforder ung Frankreichs bezeichneten, erklärt im „Temps", daß der Ausdruck ,,Heraus- ioäerungen" sich nicht auf die Abberufung des Botschafters Nisard, sondern lediglich auf die Auslassungen gewisser Blatter bezog. Also der Vatikan lenkt ein, so gut er es kann. Der Wortlaut der Protestnote des Papstes ist nicht, wie man vermutete, durch den Fürsten von. Monaco bekannt geworden, sondern, so heißt es jetzt, durch einen Polizeiagenten, der eme Abschrift genommen und diese an den Muttster des Auswärtigen gesandt hatte. Von hier wurde sie durch eine Indiskretion an die Zeitung „frumanite" befördert. habe, der in den an die anderen katholischen i Mächte gelangten Abschriften enthalten sei. Merry del Val, der politisch höchst unerfahrene Diplomat des Heiligen Stuhles, konnte das nicht in Abrede stellen. Er sagte, er habe den Satz fortgelassen, weil er in Frankreich anders beurteilt worden wäre, als er bei den anderen Mächten ausgenommen wurde. Der Satz sei eine Mahnung an jene gewesen, daß im Falle des Besuches katholischer Souveräne in Rom die Vertreter des heiligen Stuhles an deren Höfen würden zurückberufen werden, damit man sich nicht auf einen Präzedenzfall berufen könnte, weil Der päpstliche Nuntius Lorenzelli trotz des Besuches Lou- bets in Paris verblieben sei und nur aus formellen Gründen seinen Posten nicht verlassen habe. Dies und nichts anderes bedeute der Satz, der in der an Frankreich gesandten Note nicht habe enthalten sein können, well er eine Beleidigung Frankreichs bedeute, die der Vatikan nicht beabsichtigte. Diese Erklärung hat die französische Regierung veranlaßt, Herrn Nisard den Befehl zu erteilen, Rom zu verlassen. N. ist bereits am Samstag abend ab gereist, und zwar ging er nicht in Urlaub, sondern ist formen abberufen. Selbst der größte Teil der französischen Oppositionspresse heißt die franz zösische Maßregel gut. Nach den jüngsten Nachrichten wird der apostolische Nuntius Lorenzelli nicht von Paris zurückberufen werden. Der Vatikan hat sich im Gegenteil zur Vermeidung jeglicher Kommentare entschieden, dem Nuntius den in letzter Zeit wiederholt erbetenen Urlaub nicht zu bewilligen. — An dieser Stelle wenigstens verdient auch erwähnt zu werden, daß die Frage der Seligsprechung Pius' IX. demnächst zur Erörterung kommen soll. , Die vom o stasiatischen Kriegsschauplatz eintausend en Nachrichten lassen erkennen, daß sich das dortige Bild inzwischen ein wenig geändert hat. Der Haupttruppenkörper der Japaner ist schätzungsweise 80 000 Mann stark und hält sich im Süden der russischen Streitmacht, die Liaujang deckt. Die Japaner unterbrachen anscheinend ihren Vormarsch. Die russischen Truppen nehmen von Tag zu Tag an Zahl zu, ihre Positionen werden stärker. Vielleicht hindert der kürzlich Niedergegangene Regen die Bewegung der japanischen Artillerie und verursacht einen vorübergehenden Ausenthalt. Doch ist der japanische Rückzug nach Föngwantschön keineswegs als eine entscheidende Wendung anzusehen. Möglich, daß die Japaner, wie schon einmal wahrend des Feldzuges, nochmals ihren allgemeinen ’ Plan ändern werden, weil auch Kuropatkin augenscheinlich andere Ideen verfolgt als noch vor kurzem : Möglich auch, daß die Rückwärtsbewegungen der Japaner - dahin zu denken sind, daß die Japaner die Stellung Kuro- ’ patkins bei Liaujang als zu stark ansehen. Von anderer - Seite kommt die Meldung, die Japaner drängen angeblich von Osten nach Liaujang vor. Ferner soll eme 1 «Panische Streitmacht nach Mukden vorrücken mit der augenscheinlichen Ansicht, den Russen den Rückzug abzuschneiden. Zur See sind die Japaner jedenfalls nchh. tote vor bemüht, Port Arthur zu zernieren. Doch dort tritt die russische Torpedo-Flotte jetzt wieder außerhalb des Hafens, der nicht mehr blockiert ist, aktiv auf. Die japanischen Truppen befestigen die Hügel zwischen den Buchen von Talienwan und Kintschou. eie stellen zahlreiche Schnellfeuergeschütze auf und errichten Verschanzungen mit Sandsäcken, um einem etwaigen Ausfall der Garnison von Port Arthur zu begegnen. Nach den schweren Unglückssällen, die sie in der letzten Woche dort erlitten haben, machen sie sich auf alle möglichen kühnen russischen Lxmdstreicbe gefaßt. Nachdem ihr Aviso „Mijako" durch eine Mine zerstört worden war, wiederholte sich das gleiche Mißgeschick in verstärktem Maße. Beim Kreuzen vor Port Arthur stieß der Kreuzer „Kassuga" infolge dichten Nebels, dieses gefährlichen Fenides der Seeleute, gegen den Kreuzer „Jaschina", der in wenigen Minuten mit dem größten Teil der Besatzung versank. Ein ähnliches Schick- al, wie es seiner Zeit dem „Petropawlawsk" beschieden war, ereilte am nämlichen Tage das Panzerschiff „Hatsuse , das,-auf eine feindliche Mine stoßend, ebenfalls in kurzer Frist unterging. Die Mine soll, wie jetzt die Japaner behaupten, 10 Meilen von der Küste entfernt das Pauzerschif vernichtet haben. Wenn das wahr ist, dann wäre die Schifffahrt auch für neutrale Schiffe gefährlich und em Protest der Mächte berechtigt. Diese schweren Unglücksfalle werden zwar die kampflustigen Japaner in ihrer energischen Kriegführung kaum hindern, scheinen aber andererseits geeignet zu sein, den «tut der Russen zu heben und ihnen Selbstvertrauen wiederzugeben. Am 20. d. M. haben japanische Torpedobootflottillen bei Port Arthur Rekognoszierungen ausgeführt. Russischerseits wird gemeldet, daß eine Explosion dabei vorgekommmen sei und ein japanischer Panzer Schaden erlitten habe. Von japanischer Seite aber wird behauptet, daß sie keine Verluste erlitten, vielmehr ihre Absicht erreicht hätten. — In Korea nimmt der TYphus einen bedeutenden Umfang an. Politische Wochenschau. Gießen, 24. Mai 1904. Pfingsten, das Fest, das Goethe das liebliche nannte, hat diesmal ein recht trübes Gesicht gemacht. Nachdem es sich in [Der angenehmsten Weise in den ersten Tagen der vergangenen Woche angekündigt hatte, trat bald ein voller Umschlag ein, ein erheblicher Temperatursturz. Trotzdem freute man sich der beiden Feiertage. Der Pflege des Männergefanges ist die erste Hälfte der Pfingstwoche bei uns in Gießen geweiht. Im Vorjahre feierte man zur Pfingstzeit in Frankfurt den Sängerwettstreit, dem der Kaiser mit feiner Teilnahme besonderen Glanz verlieh. Bei uns begeht man in diesen Tagen in kleinerem, aber für unsere Verhältnisse doch sehr stattlichen Kreise ein Sänger- fest, an dem mit rechter Freude und Hingabe Bürger, Handwerker und Arbeiter teilnehm em In den Parlamenten herrscht zurzeit feierliches Schweigen. Reichstag und Landtag werden wohl ungefähr ru gleicher Zeit ihre Beratungen in der zweiten Woche des Juni beginnen. Die Etats sind glücklich zu Ende geführt. Im Reichstage wurden zuletzt die von der Budgetkommission zur Zucker st euer vorgeschlagenen Resolutionen, betreffend die Besteuerung des Stärkezuckers und die Berücksichtigung derjenigen Händler, die ohne ihr Verschulden durch das Saccharingesetz Nachteile erlitten haben, erledigt. Im Zusammenhang mit dem Etat wurde ferner die lex Stengel auf Grund der Beschlüsse der Ludgetkommission angenommen und bereits im Etat verarbeitet. Des weiteren ist nur noch die von Hessen ausgegangene Vorlage über die Entschädigung unschuldig Verhafteter zu stände gekommen. Der hessische Landtag sieht sich vor große Ausgaben gestellt. Die wichtige Gemeinde st euerreform harrt noch ihrer Erledigung und ebenso die weittragende Wahlgesetzvorlage, für die in den letzten Wochen wieder viel Lungenkraft und Tinte aufgewendet worden ist. Besonders eifrig an der Arbeit ist die Wormser Hey ls-Armee, die keinen Tag vergehen läßt, ohne den Freunden des Regierungsentwurfs, dem Antrag Gutfleisch und allen Anhängern einer volkstümlichen Wahlreform Politische Tagesschau. Der Konflikt zwischen Frankreich und dem Vatikan. Alle Pariser Blätter erörtern die Abberufung des französischen Botschafters beim Vatikan, der bereits in Paris eingetragen ist. Tic „Republique ftancaise" spricht ihre Befriedigung darüber aus, daß die Abberufung durch einfachen Urlaub erfolgte. Das Hebel könne wieder gut gemacht werden; es brauche nur, so bemerkt sie mit ironischer Bitterkeit, eine Regierung ans Ruder zu kommen, die die Interessen Frankreichs wahrnehme, um die Dinge wieder in Ordnung zu bringen. Senator Clemenceau sagt in der radikalen „Aurorc", im Wider,pruche zu der im letzten Ministerrate ausgegebenen Note sei der Botschafter Nisard nicht abberufen, sondern borbeurlaubt worden. Ministerpräsident EombeS und der Minister des Aeußern Delcasö hätten sich den Anschein gegeben, etwas zu tun, ohne daß in Wirklichkeit etwas geschehen sei. Die antiklerikale „Lanterne" lagt, das republikanische Frankreich werde mit Entrüstung ersahren. Daß Titan es in unwürdiger Weise getäuscht habe. Die Republikaner gärten Geglaubt, der Abbruch der Beziehungen bedeute, datz nicht einmal ein Koch in der Botschaft zurüctbleiben würde, statt dessen mürben durch einen Botschaftsrat die Beziehungen Frankreichs Daktyloskopie. Zum ersten male spielte bei uns in dem Frankfurter Mordprozeß gegen Groß und Stafforst die aus Indien stammende Daktyloskopie (Fingerforschung) eine wichtige Rolle. Erst seit wenigen Jahren ist sie, nachdem sie von E. R. Henry zu London in ein System gebracht worden war, wissenschaftlich begründet und unter anderen auch m Oesterreich-Ungarn und Preußen eingeführt worden, um da§ Bertillonsche System (die sog. Anthropometrie) zu ersetzen, das darauf beruht, daß genaue Messungen aller Körperteile es ermöglichen, einen Verbrecher auch nach Jahren wieder zu erkennen, sollte er sich auch, wie der „Schulmeister" in Eugen Sues „Geheimnissen von Paris", durch Einreibungen mit Vitriol 2C. seine Gesichtszuge bis zur Unkenntlichkeit verunstaltet haben. Die Daktyloskopie gründet sich auf die Erfahrung, daß die Fingerspitzen und deren Eindrücke niemals bei zwei Personen vollständig übereinstimmen. Dient aber das Ber- tillon'sche System nur zur Wiedererkennung eines Verbrechers, so' hat das neue System den Vorzug, daß es auch zur Ermittelung der Täterschaft die wertvollsten Dienste leistet, wie dies auch die Frankfurter Schwurgerichtsverhandlung gezeigt hat. Denn aus dem Gutachten des Sachverständigen ergab sich, daß sich am Umlegekragen beS ermordeten B. Lichtenstein auf der linken vorderen Ecke eine blutige Fingerspur vorfand, die darauf hinwies, daß jemand den Getöteten von oben her, wahrscheinlich in gebückter Stellung, am Hals gewürgt hatte, mit den Zeichnungen und Linien an den Fingerspitzen des Br. Groß, die von denen des Stafforst ganz verschieden sind, genau übereinstimmt, so daß also Groß zweifellos berjenige war, welcher dem B. Lichtenstein den Rest gegeben hat. Ebenso waren aus den blutigen Fingerabdrücken, welche an den im Kassenschrank liegenden Papieren wahrzunehmen waren, sichere Schlüsse auf die Täterschaft der beiden Angeklagten zu ziehen. Es ist somit die Daktyloskopie in doppelter Hinsicht für die Strafrechtpflege von großer Bedeutung, und mögen die Verbrecher auch mit der größten Verwegenheit und Schlauheit zu Werk gehen, so mag es uns immerhin zur Beruhigung gereichen, daß die Wissenschaft doch stets neue Wege auf- schließt, um die Schuldigen den sühnenden Händen der Justiz zu überliefern. Aer Ausstand in Aentsch-SüdrvestasriLa. Berlin, 21. Mai. Gouverneur Leutwein meldet nachträglich anläßlich der ihm jetzt zugegangenen Zeitungen, daß er am 9. April bei Onganchira und am 13. April ' bei Owiumbo nicht gegen denselben Feind gefochten hat. Im ersten Gefechte hat er den Oberhäuptling Samuel . geschlagen. An dessen Verfolgung wurde er durch ; die Streitkräfte des Häuptlings Kajata, die in seiner Flanke standen, gehindert. Sie mußten zunächst ! am 13. April angegriffen werden. parlamentarisches. Straßburg, 21. Mai. Bei der heutigen Reichstagsersatzwahl im Kreise Straßburg-Land erhielten das Lanbcsausschußmitglied Rechtsanwalt Blumenthal (Demokrat), Kandidat der Liberalen und Demokraten, der bisherige Vertreter, 7 85 5 Stimmen, das Landesausschußmitglied Redakteur Hauß (klerikal) 8243 Stimmen, der Schreiner Laurent Meyer (Sozialist) 1487 Stimmen. Zwischen Blumen- thal unb Hauß findet S t i ch w a h l statt. «Heer unö Ilotte. Paris, 21. Mai. Aus Nantes wird berichtet, daß der Kriegsminister den kommandierenden General des 11. Armeekorps, Grisot, mit zwanzigtägigem Stubenarrest bestraft habe, weil derselbe ohne ministerielle Ermächtigung dem regierungsfeindlichen Gemeinderat von Nantes anläßlich eines Festes der Unterstützungsvereine Dragoner zur Veranstaltung eines Karussells zur Verfügung gestellt habe. Im KriegSminifterium wird jede Auskunft über diesen Vorfall verweigert. Kirche und Schule. Königsbergi. Pr., 23. Mai. Zu der vom 23. bis 26. Mai hier tagenden Deutschen Lehrerversammlung sind gegen 4000 Teilnehmer aus ganz Deutschland hier eingetroffen. Nach verschiedenen im Laufe des heutigen Tages abgehaltenen Vor- und Nebenversammlungen fand abends eine allgemeine Begrüßungsversammlung statt, bei der mehrere Ansprachen gehalten wurden. Der Lehrergesangvercin trug eine Reihe von Liedern vor. Ter Vorsitzende schloß die stark besuchte Versammlung mit einem Doch auf das gesamte Deutschland. Aus Stadt und Land. Gießen, den 24. Mai 1904. ** PostauSweiSkarten. Um dem Publikum den Ausweis beim Empfange von Postsendungen zu erleichtern, sind die Postämter versuchsweise ermächtigt worden, vom 1. Juni ab für den inneren deutschen Verkehr Postausweiskarten auszugeben, die als vollgiltiger Ausweis nicht nur an den Postschaltern, sondern auch gegenüber dem Postbestell- ,personal dienen sollen. Bei der Abtragung von Postanweisungen, sowie von Wert- und Einschreibsendungen an einen dem bestellenden Boten unbekannten Empfänger, der sich durch Vorlegung einer PostausweiS- karte auSweisen kann, bedarf es daher der sonst, vorgeschriebenen Bürgschaftsleistung durch den Gastwirt oder eine andere bekannte Person nicht. Die PostauSweiskarten haben eine Photographie, eine kurze Personalbeschreibung und ibte eigenhändige Unterschrift deS Inhabers zu enthalten. Für ihre Ausstellung ist eine Schreibgebühr von 50 Pfg. zu entrichten. Anträge auf Ausstellung sind an diejenige Postanstalt, welcher die Wohnung des Antragstellers zugeteilt ist, persönlich unter Vorlegung einer unaufgezogenen, nicht zu dunklen Photographie in Visitformat zu richten. Der Postanstalt unbekannte Personen haben sich durch eine andere Person oder in sonst zuverlässiger Art auszuweisen. Post- ausweiSkarten sind ein Jahr, vom Tage der Ausstellung ab gerechnet, giltig. Postausweiskarten, während deren Giltigkeitsdauer im Aussehen des Inhabers solche Aenderungen eintreten, daß die Photographie oder die Personalbeschreibung nicht mehr zutreffen, müssen schon vor Ablauf der Frist erneuert werden. Der Inhaber einer Postausweiskarte ist für alle Nachteile verantwortlich, die aus dem Verlust oder der mißbräuchlichen Benutzung der Karte entstehen. ** Das Ehrenwart-Diplom deS Deutschen Flottenvereins haben neuerdings u. a. erhalten: Dekan Ellenberger-Ortenberg,Lademeister-DiätarGeorgEscher-Hungen, Kreisamtsgehilfe Freundlieb-AlSfeld, Telegraphist Hof-Kleinlinden, Zimmermeister Heinrich Kieffer-Langgöns, Rentmeister Kissel-Bad Nauheim, Kreisschulinspektor Kleinschmidt-Gießen, Oberförster Klingelhöffer-Gedern, Stationsvorsteher Köllner- Lollar, Pfarrer Kullmann-Altenschlirf, Oberförster Ohl-Ober- roßbach bei Friedberg, Oberamtsrichter Römheld-Nidda, Hilfsgerichtsschreiber Ruppel-Friedberg, Oberlehrer Storch- Butzbach, Lehrer Stöhn-Londorf, Medizinalrat Dr. Vogt- Butzbach, Pfarrer Weber-Londorf, Bürgermeister Zimmer- Grünberg. — Der Landesverband deS DeutschenFlotten- VereinS für das Großherzogtum Hessen wird, wie wir hören, am 5. Juni im Hotel Trapp zu Friedberg i. O. seine Landesversammlung abhalten. Auf der Tagesordnung steht u. a. der weitere Ausbau der Organisation des Vereins im Großherzogtum Hessen; Unsere nächsten Ziele und Aufgaben; Vortrag deS Dr. Vosberg-Rekow über „Der russisch-japanische Krieg mit seiner Nutzanwendung für Deutschland". + Großen-Linden, 22. Mai. Da die hiesigen Bahnhofsverhältnisse dem starken Verkehr nicht entsprechen, hatte sich die Gemeinde vor einiger Zeit mit einer Eingabe an die Essenbahnbehörde gewandt mit der Bitte, eine ent» prechende Erweiterung des hiesigen Bahnhofs und Erbauung eines Stationshauses vorzunehmen. Vor einigen Tagen gelangte die Beantwortung der Eingabe an die Gemeinde. Der in der betreffenden Eingabe nachgesuchten Erweiterung wird die Genehmigung erteilt unter der Bedingung, daß die Gemeinde Großen-Linden für das Gelände aufkommt. Zwischen der Gemeinde und den Eigentümern der in Betracht kommenden, an den Bahnhof grenzenden Grundstücken sind bereits Verhandlungen gepflogen worden und soweit, wie man hört, einem befriedigenden Abschlüsse nahe. c. Garbenteich, 20. Mai. In den hiesigen Gesang- Vereinen herrscht seit zwei Jahren in Veranstaltung von Sängerfesten eine außerordentlich rege Tätigkeit. Im Jahre 1902 feierte der Gesangverein Frohsinn sein 25jähriges Stiftungsfest und im Jahre 1903 der Verein Liederblüte sein bjähriges Stiftungsfest mit Fahnenweihe. In diesem Jahre feiert auch der Gesangverein Vikloria, wie wir schon mit- teilten, sein 25jähriges Stiftungsfest und sein 20jähriges Fahnenjubiläum. Eine große Anzahl der auswärtigen geladenen Vereine hat schon Beteiligung zugesagt, insbesondere die der benachbarten Orte. g. Nieder-Mockstadt, 20. Mai. Heute nachmittag brach in dem Anwesen der Witwe Lotz Feuer aus. Scheuer und Stallungen wurden ein Raub der Flammen. g. BücheS, 23. Mai. Im Güterschuppen der hiesigen Eisenbahn-Haltestelle brach Feuer aus. Der Schuppen brannte vollständig nieder. Das Stationsgebäude ist stark beschädigt. Die im Schuppen lagernden Güter sind mitverbrannt. g. Unterschmitten, 23. Mai. In der Nidda fand man die Leiche der Witwe Friedrich Uhl von hier. Es liegt Selbstmord vor. Die Tote hinterläßt 8 Kinder, von denen noch 4 unmündig sind. g. Eckartshause n, 23. Mai. Der auf Hof Marienborn beschäftigte galizische Arbeiter Marcin Mojcik verletzte einen Mitarbeiter nach einem kurzen Wortwechsel derart mit einer Hacke, daß dessen Unterbringung in das Mathildenhospital zu Büdingen erfolgen mußte. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In der „Hofgeismarer Ztg." zeigt ein Stellenvermittler an: „Für Schützen- und sonstige Sommer- feste empfehle ich den Herren Restaurateuren zu jed. Z. tüchtige, chice Kellnerinnen, welche nach Wunsch mit oder ohne Kostüm bedienen." — Der „Oberh. Ztg." in Marburg wird aus Bürgeln geschrieben: „Im Restaurant ChausseehauS zeigte em Taubenfreund den Gästen eine von ihm gekaufte schöne Taube, die er in seiner Tasche hatte. Wie erstaunte er aber, als das Tierchen dort ein Ei zurückgelassen hatte." Sollte es nicht etwas anderes gewesen sein?, fragt der Kladderadatsch. — In der in Dillenburg erscheinenden „Zeitung für das Dilltal" wurde jüngst unter Kreistagsbeschlüssen über „Abnahme der Rechnungen der Zahl- und Markenstellen der Kreisschweine -Versicherung pro 1903" berichtet. Daß der Dillkreis seine besonderen „Kreisschweine" hat, war uns etwas Neues. Aber man hat ja bekanntlich in der Alsfelder Gegend früher „Kreisraben" gehabt, zum Unterschiede von den in der Stadt selber hausenden Gemeinderaben. — Der Mainzer Verlagsbuchhändler Franz Xaver Kirchheim ist in München im 36. Lebensjahre infolge eines Leberleidens gestorben. — In Mainz hat sich der Unteroffizier Mogge von der 5. Kompagnie des 88. Infanterie-Regiments erschossen. Ursache deS Selbstmordes ist eine gegen den Unteroffizier ein» geleitete schwere Disziplinaruntersuchung. Er hatte einen schriftlichen Befehl eines Vorgesetzten zerrissen und die Fetzen demselben vor die Füße geworfen. Vermachtes. „ * et}, 23. Mai. In Sillegny. 14 Kilometer südlich von U n alu cksfall ereignet. Als die Schulender aus der Schule von Metz, an der Seille, hat sich am Samstag ein schrecklicher gingen, stürzte, 20 Meter weit von dieser entfernt, ein altes Gebäude ein und begrub eine Anzahl der Kinder unter feinen Trümmern. 6 kleine Mädchen von 6—7 Jahren sind als Leichen hervorgezogen worden. Heute mittag fand die Beerdigung statt. Tie 80 jährige Mutter des Pastors eines Nachbar- ortes, die das Haus bewohnte, ist unversehrt geblieben. St. Denis, 22. Mai. Der deutsche Neichskommissar Leh- wald veranstaltete im deutschen Hause einen Festball aus Anlaß des Besuches des Fräuleins Ali ee Roosevelt. * Pfing st Unglücksfälle in den Sergen. Der Wiener Buchhalter Walter Kuhn fand auf der Rax-Alpe und ein junger Tourist in Mazocha in Mähren durch Absturz den Tod. — Die beiden Söhne des Mechanikers Prinz aus Innsbruck stürzten beim Alpenblumensuchen vom B r a n d j o ch ab. Einer blieb tot liegen. — Ferner stürzte ein bis jetzt noch unbekannter junger Tourist in Mazocha in Mähren ab. Da der Zugang Aur Absturzstelle sehr schwierig ist, kann die Leiche erst in den nächsten Tagen geborgen werden. * 3cnntj Groß, die verstorbene Berliner Bühnengröße, hat, wie wir schon mitteilten, glückliche Erben hinterlassen. Wenn man Menschen als glücklich zu bettachten hat, denen ein Nachlaß von achthunderttausend Mark in bar, einer halben Million in Juwelen und einer märchenhaft ausgestatteten Villa in Ischl in oen Schoß fällt. Wie ein armes Waisenmädchen erscheint einem dagegen Rita Leon, eine Schauspielerin, die sich am Residenztheater in Berlin einer kurzen Berühmtheit erfreute, da sie als „Dame de chez Maxim" eine ausgelassene Rolle mit outrierter Eljantantgrciäie verkörperte. Ihr Name ist jetzt in aller Munde, sie rst die traurige Heldin des Tages in der Reichshauptstadt. Ihr „Freund" Alfons Röhll hat sich und ein altes, ehrwürdiges Berliner Geschäftshaus, dessen Teilhaber er war, ihretwegen ruiniert Die hundert Jahre alte, solide Firma C. H. Röhll wird in Konkurs gehen, weil ihr der flüchtige Sohn Alfons ungeheure Wechselverpflichtungen auferlegt, weit über eine Million. Ritachen ist verschwunden — sie soll augenblicklich das Pariser Leben studieren; es wird ihr wenig Neues bieten —, der gute Alfons !L?erschwunden, und nun verschwindet auch die Firma C. H. Röhll. Alle bie Millionen, welche der leichtsinnige junge Mann der Dame seines Herzens gespendet, sind zerflossen. Sie, die nicht mit ihren Gunstbezeugungeu sparte, tat dies auch nicht mit dem schnöden Mammon. Was der Vater in langen Jahren harter Arbeit an Sorten und Knöpfen verdiente, verschwendet in knapp einem Dezennium der leichtfertige Sohn. Mles zerfließt! Fräulein Rita hat sich mit Erfolg bemüht, den alten Herallit zu Ehren zu bringen, und bei ihrem Galan war nichts dauernd als der Wechsel, den er nicht einlöste. < Kunst und Wissenschaft. _ — „Andreas Kraft" ist der Tttel eines breiartigen Dramas, das der zurzeit in Paris lebende hessische Dichter Wilhelm Holzamer, der Verfasser der Romane „Inge", „Peter Rockler" u. a. m., vollendet hat. Die Gestalt des Helden, eines alten Lehrers, ist denen, die Holzamers Romane kennen, vertraut. Das Stück behandelt den Kampf zwischen Schule und Kirche in der sogenannten „Reaktionszeit". Es ist nicht uninteressant, daß der Dichter in dem Drama einen Konflikt verwertet, der sich in seiner eigenen Familie abaespielt hat. Stuttgart, 21. Mai. Heute starb hier im Alter von 64 Jahren Professor Adolf Müller-Palm, der lange Jahre Chefredakteur des Stuttgarter Neuen Tageblatts war. Spielplan der Vereinigten Frankfurter Stadttheater. Opernhaus. Mittwoch den 25. Mai *): „Rigoletto." Donnerstag den 26. Mai: „Fidelio." Freitag den 27. Mai: „Der Bundschuh." Samstag den 28. Mai geschloffen. Sonntag den 29. Mai: 1 „Der Bundschuh." Montag den 30. Mai geschloffen. Schauspielhaus. Mittwoch den 25. Mai *): „Alt-Heidelberg." Donnerstag den 26. Mai: „Nathan der Weise." Freitag den 27. Mai: „Flachsinann als Erzieher." Samstag den 28. Mai: Neu em= studiert: „Julius Cäsar." Sonntag den 29. Mai: „Julius Cäsar." Montag den 30. Mai: „Alt-Frankfurt." •) Anfang, wenn nicht anders bemerkt, abends um 7 Uhr. Hlniversttäts-Wachrichten. — Der ordentliche Professor für Gebuttshilfe und Gynäkologie und Direktor der Frauenllinik an der Universität Freiburg i. Br. Geh. Rat 2. Klasse Dr. Alfred H e g ar ist unter Enthebung von feiner Stelle als Kreisoberhebearzt und als Hebammenlehrer auf fein Ansuchen auf 1. Oktober unter Ernennung z-um Geh. Rat 1. Klasse (Excellenz) in den Ruhestand versetzt worden. Geboren 1830 zu Darmstadt, studierte Hegar in Gießen, Heidelberg, Berlin und Wien. Dann wirkte er als Arzt in Darmstadt. 1864 erfolgte feine Ernennung zum Professor in Freiburg. An der Uniberfität Freiburg i. B. wurde, wie uns ein Telegramm meldet, der 2000. Student immatrikuliert. 1885 hatte Freiburg zum erstenmal taufend Studenten und 1898 fünfzehnhundert. Landwirtschaft. Berlin, 20. Mai. In den Bemerkungen der „Stattst. zum Saatenstand in Preußen Mitte Mai heißt es: Obgleich Nachtfröste wohl feinen Schaden verursacht hätten, habe doch die ungünstige Witterung in manchen Gegenden eine gedeihliche Weiterentwicklung der Winter Halmfrüchte und teils auch der Futtergewächse noch nicht zugelassen. Früh eingefäte Sommerhalmfrüchte wurden hier und da gelb und spitz. Auch begännen sie zu faulen. In den meisten Berichten werde über starke Verunkrautung durch Hederich gellagt. An tierischen Schädlingen seien in allen Landesteilen Drahtwürmer, in manchen Gegenden auch Maden und Schnecken, weniger Mäuse aufgetreten. Seien die Auswinterungen einesteils infolge der vielen Feuchtigkeit, dann aber mit Nachhilfe von Kunstdünger und weiter durch Eindrillen von Sornrnersrucht ausgeheilt worden, würden andemteils nach Meinung einer kleinen Anzahl von Vertrauensmännern hier und da doch allzu lückige Kleeschläge noch umgepflügt werden müssen. Der Stand der Winterfrüchte entspreche jetzt zwar noch nicht den nach der günstigen Turchwinterung gehegten Erwartungen, sei im allgemeinen aber doch befriedigend. Bei Futterpflanzen, besonders bei Klee und Wiesen, zeige sich größerer Fortschritt als bei den Halmfrüchten. Infolge der ungünstigen Witterung habe die Bestellung der Sommereinsaat vielerorten noch nicht zu Ende geführt werden können. Ans mehreren Landesteilen, "besonders den westlichen, werde über gute Aussichten auf die Obsternte berichtet. München, 23. Mai. Nach dem amtlichen bayerischen Saateustangsbericht für Mitte Mai ist der Stand der Winter s a a t e u d u r ch w e a g u t. zum Teil sehr gut. Der Durchschnittsstand beträgt für: Winterweizen 1,71; Sommerweizen 1,98 Winterspelz 1,66; Winterroggen 1,57 ; Sommerroggen 1,88; Sommergerste 1.82; Hafer 1,87; Raps 1,84; Kartoffeln 2,00; Klee 1,75; Luzerne 1,69; Wiesen 1,59; Hopfen 1,95. KerichtüsaaL. Mainz, 20. Mai. Vor brr hiesigen Strafkammer spielte sich gestern und heute ein Aufsehen erregender Prozeß gegen f e d) § Wein-Kommissionäre ab, die angeklagt waren, längere Jahre hindurch Trester und überstreckten Wein in Rheinhessen autgefanit und hauptsächlich an die Firma Oppenheimer Söhne und auch an andere Leute weiter verkauft zu haben. In der Sache selbst mürben etwa 100 Zeugen vernommen, und heute nachmittag das Urteil gesprochen. Es lautet: (Seger Cäcilie Heumann in Guntersblum auf drei Wochen Gefängnis, Julius Heumann aus Guntersblum auf 500 Mk., Hermann Koppel aus Sprendlingen 1 Monat Gefängnis, 1000 Mk. Geldstrafe, Hermann Feist aus Sprendlingen 1 Monat Gefängnis, 1000 Mk. Strafe, Simon Vollner aus Kallstadt (Bayern) 2 Wochen Gefängnis, 100 Mk. Strafe, und Marie Koppel in Bingen zu einer Geldstrafe. Mühlhausen, 21. Mai. Tas Kriegsgericht verurteilte einen S o l d a t e n des 112. Infanterie - Regiment wegen Majestäts-Beleidigung anläßlich des Kaisers-Besuchs im Elsaß zu 7 Monat en Gefä nguis Hamburg, 21. Mai. Der vor Jahren von der Strafkain» mer II unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Dr. Riecke wegen Sittenvergehens zu zwei Jahren und drei Monaten Zuchthaus verurteilte Geschäftsführer Joh. Georg Fr. Steinhardt hat, nachdem er aus dem Zuchthause entlassen, dem Landgerichts- direktor Dr. Riecke, den er auf der Wandsbecker Chauffe traf, einen Faust schlag ins Gesicht versetzt mit den Worten: „Mein Name ist Steinhardt, Sie haben mich tief unglücklich gemacht!" Wegen dieses tätlichen Angriffs wurde Steinhardt von der Strafkammer IV zu vier Monaten Gefängnis verurteilt. Der Staatsanwalt hatte eine sechsmonatliche Gefängnisstrafe beantragt. Budapest, 21. Mai. Der Reichsrats>Abg. Ves- zelovsky wurde wegen Aufreizung gegen bie ungarische Nation zu einem Jahre Gefängnis, 1000 Kronen Geld- strafe und zu den Kosten verurteilt. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Berliner Börse vom 21. Mai 1904. (Mitgeteilt von der Bank für Handel und Jndusttie, Gießen.) Privat-Diskont 3% Prozent. Anfangs- u. Schlußkurse. Oest. Kredit .... 201.50 201.62 Deutsche Bank . . . 219.25 219.12 Darmstädter Bank . . 136.50 136.70 Bochumer Guß . . . 191.75 191.75 Harpener Bergbau . . 199.30 199.75 Tendenz: Fest. Fahrradindustrie. Wir haben mitgeteilt, daß in Kassel die Fahrradindustriellen versammelt waren, um eine Preiskonventton herbeizuführen. Man hat sich fürs erste nicht einigen können, will aber im Juni nochmals zusammenkommen. Seinerzeit wurde, um die fühlbare Konkurrenz im Masfenkonsum zu beseittgen, von den großen Werken, wie Adler, Naumann, Dürkopp, eine Kampfmarke zum Einheitspreis von 90 Mk. für den Händler an den Markt gebracht, wodurch sich der Massenbedarf bei den großen Firmen konzentrierte. Jetzt, da der Zweck erreicht ist, die Konjunktur sich überhaupt wieder gebessert hat, will man den Preis der Kampfmarke erhöhen, da aus demselben den Firmen kaum ein Nutzen blühte. Es ist mit einiger Sicherheit zu erwarten, daß die nächste Zusammenkunft der Fahrradindustriellen zu einer Einigung führt. In dieser Aussicht schlagen die Aktien der Fahrradwerke schon jetzt eine steigende Richtung ein; so sind z. B. an der Frankfurter Börse Adler-Fahrrad-Aktien in wenigen Tagen um 5 Proz. gestiegen, Dürrkopp in der Zeit vom 18.—21. Mai um 15 Proz. in die Höhe getrieben worben. Diese Aktien notieren jetzt 400 Proz., während ber Kurs zu Anfang Mai 367 stand. Vom Kohlenkontor. Wir haben schon wiederholt und von allem Anfang an auf die Machenschaften des Kohlenkontors, hinter dem das Kohlensn^dikat steht, aufmerksam gemacht und Über dieselben gesagt, daß die Geschäftsführung zu recht schweren Bedenken Anlaß gibt. Selbst die „K. Ztg.", die doch gewiß sehr syndikatsfreundlich ist, findet es zu stark, wie das Blatt schreibt: Das Kohlenkontor müßte nach Möglichkeit dazu beitragen, in der gegenwärtigen Uebergangszeit Härten zu vermeiden, was namentlich von der Umgrenzung des Kreises der Händler gilt. Auci müsse vermieden werden, daß unter den Abnehmern des Kontors Existenzen dadurch ausgeschaltet werden, daß man ihnen die Lieferung von Kohlen verweigert. Das sei in verschiedenen Fällen aucb solchen Händlern gegenüber geschehen, die sich in jahrzehntelanger Tätigkeit ausgedehnte Absatzgebiete errungen hätten. Die rücksichtslose Ausschaltung solcher Elemente müsse bereditigte Verstimmung Hervorrufen. Auch in der Preisftellung sei Mäßigung notwendig, denn bis jetzt seien recht bettächtliche Erhöhungen gegenüber den Syndikatspreisen beliebt worden. Märkte. ko. Frankfurt a. M., 24. Mai. (Telegr. Orig.-Bericht der „Gieß. Anz."). Amtliche Notierungen der heutigen Viehmarktpreise. Zum Verkaufe standen: 500 Ochsen, 206 aus Oestreich, 37 Bullen, 13 aus Oestreich, 436 Kühe, Fersen, Stiere und Rinder, 0 aus Oestreich, 165 Kälber, 141 Schafe und Hämmel 1205 Schweine, 0 Ziegen, 0 Ziegen-, 0 Schaflämmer. Bezahl: wurde für 100 Pfund Schlachtgewicht: Ochsen 1. Qualität 70—72 Mk., 2. Qual. 62—65 Mk., 3. Qual. 58—60Mk.; Bullen I.Qual. 65 bis 67 Mk., 2. Qual. 62-64 Mk.; Kühe 1. Qual. 68—70 Mk., 2. Qual. 63—65 Mk., 3. Qual. 59—61 Mk, 4. Qual. 46—48 Mk., 5. Qual. 00—00Mk. Kälber: I.Qual. 87—88 Pfg., Lebendgewicht 51-53 Pf., 2. Qual. 80—84 Pfg., Lebendgewicht 48—50 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg., Schlachtgewicht 64—456 Pfg., Schafe: 1. Qual. 68—70 2. Qual. 60—62 Pfg., 3. Qual. 00—00 Pfg.; Schweine 1. Qual. 53—00 Pfa^ Lebendgew. 42 Pfg., 2. Qual. 51—52 Pfg., Lebendgewichl 41—00 Pfg., 3. Qual. 44—46 Pfg., Lebendgewicht 00—00 Pfg. — Geschäft: bei Hornvieh mittelmäßig, Ueberstand bedeutend; Ge- chäft bei Kleinvieh gut, kein Ueberstand. Barte, weitze Kaut, schöne» klaren Teint erhält man; Hautunrei- uigkciten, Pusteln etc. hingegen verschwinden, wascht man sich nut der unübertrefflichen Doering's Eulen-Seife, die trotz ihrer ausgezeichneten Qualität für 40 Pfg. per Stück überall erhältlich ist. 2496 7nr naarnfintrn sollte keine Mutter bei ihren Kindern, tilll naal pUüggC keine Dame und kein Herr es verfaii' inen, Obermeyers Herba Seife zu verwenden, dieselbe verbinden icher jeden Haarausfall und erzeugt einen schönen Nachwuchs, er. 50 Pf. und 1 Mk. zu haben in allen Apotheken, Droguerien und Parfümetten. :C. "<5t — Lo o CD O W 3 E 3- C CD £ CO ** o CD CS 3 3 M 3 « XD J-» CD 5 § XD XS' o (9 33. _ un. <31 2 ZS «ft - .»8*7 Sd iS. "g «3D r- .2 ZS $-5 X> z-x C XD s e , a p 3 3D '2 CD tt- 8- 8 ° 3 «R Z L ex» ©; 3Z E -o Le 5 3 E'p iJ o 55 A ZS Cl» jQ 'S 3 ~ s N °3 L XD g «ft 3 o = ö P M «ft % CD XD £- cd 3 ZS W ■o- c KD O^Q g «ft «ft p c c >3 p 55 ^,33 3 *Ö 3 2 «ft XD s Ja s §3 C J~ rs «» L 3 Ä 5 lS:'5 «II <^ü±. E 3 3 CD •n2 C 3 3 So 55 ß) 3 J>. , ? a-3 53 3 5 i--r \O)** >S o 5 BS o » 3 3 ii *2 CD 2 3 <3 o XD x> o 2 3 o «3D Cu> S E E X7- So C-> " w c . 3 CO c K-< CQ 3 3 eg 3«xa _V ■" 3D .2 K ä>ZS> CD»? 5 c oft « 3 t? *ö S 3 E e NS X> 3 .*e «i» .3 3"-«ft Oft tScSScSti)^ LkSSS Z Oft 3 8S N c C d5 55 R^ZSsr <9 ,-L N ‘E’ 5 ■c ZZ c (Z.3 c? «’S EK sg ö? 3 £ 3 «ft 3 o c ö*^- .55555555 K äshis r-1Ct>CCCDO'-<»lCO-d'iO MMMN«WNNNCOn»CQCOOT ■J5ÖPQ «ft o q Ci | 5 £- zs ■o» Oft 3 8 3 K ^*2^ S 2 LLZ 3 3 «R §«*: s % «= >N o R :c = Ö Z~Z 3 gä s*3 ü*3 c = x-2 3'2'2 3 ® § «Öxö’S’<&c? 55 ® c? © c5 (9 K c? O c? K S 55 L«.^3 a& 55^ -xd ■c E.B § SLZL •-C2 - ° *ti 2 ° 3 (9 -3 .Bg N Ä co S? 2 XD 2 N zr 3 o rr *3 = iäc“ Qa3- -3-EE 3 CD L ^d3 E C O oft ■—« 'S b L- «ft Cg u "33 D = 5 t o"5 = “ «55S55r«^RNS> ®«ßnöx^iSJ^s;ö?c?cjc?c?c?c/cj5J5iQ3d8dK 8d .(9(9(9(9 (*?5?555? *•••••• « • • • • • • • • • • • • •.*.* •* —* • _ • • • • • _ • 2 o er ■e XD 3 c ÜB' 3 XD «ft P s O p O H o « A 2 o 2 3 3 xd *tr 3 3 jQ iQ Sgj 3'- 3"C? 2 c n cd » *3" ^"3 ZL?L 1XD .. -Q L.E o P vO c Carl StttckraW * öleKen 4194 MFnATT.TH 1179 möbcVfabrik Tlftcrwcg ^7 EderftraBc 8 ßegrtindet 1868 Cmkächtlc wie reiche VraM ÄUFftattUNgm zu allerbilligftcn Prellen einzcwnöbel Sofas komplette Betten in großer Auswahl Sardinen in creme und weiß ganz bedeutend im kreise ermäßigt eigene Pollen/ CtftDlcn und Dekorations^TOerhftättcn s- ^ÄiÄW W LüLM EMW". -.W?MW ■jy X'^xzä 4598 Abends 8 Uhr: Nachmittags von 4 Uhr ab: Kroßes Konzert, Hanz und Jokksvelukigungen e"t',,criid’c in »«>• F-sth-o- Grosses Feuerwerk auf Dem FesUatze auf dem Feftplatze und in der Festhalle. 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