Nr. A76 Erscheint tSglich mit Ausnahme deS Sonntags. Die „Gießener Familienblatter" werden dem »Anzeiger viermal wöchentlich beigelegt. Der «Hesfilcht Landwirt" erscheint monatlich einmal. Rotationsdruck unb Verlag der BrÜHI'ichea Unwersttätsdruckerei. 9L Lange. Gießen. Redaktion, Expedition u. Druckerei: Schulst!.?. Tel. Nr. 51. Telegr.-Adr. i Anzeiger Gießen, Zweites Blatt. 154. Jahrgang Mittwoch 23. November L9V4 Gietzener Anzeiger General-Anzeiger, Amts- und Anzeigeblatt für den Kreis Eichen. Gießener KladMMlcr. den Eingang: ihm nur Am ttnnister röte Tr. Vor Nachdem als er die Fünsziger überschritten harte, kam der witzige Causeur und liebenswürdige Versifex auf den wunderlich tollen Einfall, den großen Poeten es gleich tun zu wollen und einen welthistorischen Stoff sich zu erwählen zu dichterischer Gestaltung. Nie war dem jüngeren Blumenthal der absurde Gedanke gekommen, ein Gleichstrebender Cal- derons und Lopes, Grillparzers und Hebbels werden gn wollen. Keltischer Landtag. N. B. D a r m st a d t, 22. Nov. Ministertisch: Staatsminister Nothe, Finanz- Gnauth, Geh. Rat Milbrand, Ministerial- Eisenhuth, Ewald, Becker, Braun u. a. Der Verlobungs-Glückwunsch der Kammer. Eintritt in die Tagesordnung hält Präsident Haas, sich das HauS erhoben hat, folgende Ansprache: , Meine Herren! Unter dem Eindruck eines überaus erfreu» "chen Ereignisses im Großherzoglichen Hause treten wir heute zur Tagung zusammen. Gestern durcheilte die Nachricht die Gauen Helfens, daß Se. Kgl. Hoheit der Groß Herzog ein Ehe- verspreche n mit I. D. der Prinzessin Eleonore von Solms-Lich uüigegangen sind. Wie bei dem ganzen Hessenvolk so findet die frohe Botschaft, — diese Ueberzeugung darf ich ausfprechen — bei den Mitgliedern dieses Hauses den freudigsten Widerhall. Können wir hoch in dem Entschluß Seiner Königlichen Hoheit, dem Lande, wieder eine Landesfürstin zu geben, nur die Garantie für eine Festigung unseres Herrscherhauses, für eine glückverheißende Zukunft unseres geliebten Fürsten und des Hessenlandes erblicken. _ (Bravo!) In der Zeit herben Leides, das, über unseren Großherzog gekommen, empfanden alle treuen Hessen dieses Leid wie ihr eigenes. So soll es jetzt auch in den Tagen der Freude sein! Möge das bevorstehende Ehebündnis unserem Großherzog und seiner Durchlauchtigsten Braut, welche wir demnächst an Seiner Seite als Herrscherin begrüßen können, nur das reichste ungetrübte Glück bringen. Tas ist der Wunsch des ganzen Landes, das ist unser wärmster Wunsch! Gottes Segen ruhe für alle Zeiten auf dem Bunde des hohen Paares! Meine Herren! Sie haben sich zum Zeichen des Einverständnisses mit meinen Worten von Ihren Plätzen erhoben. Ich stelle dies fest und danke Ihnen. Ich bitte nun noch um die Autorisation des Hauses für den Kammer-Borstand zur Uebermittelung der Glück- wünfchc der zweiten Kammer an das hohe Brautpaar. (Allseitiger lebhafter Beifall.) Selbstverständlich hinkt und schleift und klappert sein spanischer Trochäus zum Steinerweichen und Nasendmachen. Heine und Platen stand er wohl an, Herr Blumenthal aber „dichtet" in Trochäen, daß der gottbegnadete Wilhelm Busch wegen unfreiwilliger Verhöhnung ferner genialen Knüttelverse, die nicht mehr sein wollen als eben Knüttelverse, die Poeten-Hosen stramm ziehen müßte. Man höre „Taß ich da bin! Daß ich da bin! Daß ich meinem Glück so nah bin! Laß Dich in die Arme schließen. Laß das Herz mir überfließen, Laß mich küssen Dein Gesicht. . . Tadle mich — doch wehr' es nicht!" Mit diesen Wersen hüpft der üon seinem dereinstigen Kompennüler Blumenthal in Unterröcke gesteckte Fürst Herbert Bismarck ans die vom Vorhang befreite Bühne. J-ern von Madrid hat Blanea Jahre lang gelebt und nun ist sie, wenn auch aus anderer Himmelsgegend, so doch gleichzeitig mit dem „Vater ruymverklärt, in die Hauptstadt heim gekehrt." Wenn's schon eine enorme Taktlosigkeit war von einem Blumenthal, das Verhältnis zwischen Kaiser' und Kanzler, zwischen Wilhelm II. und Bismarck aus die Bühne zu bringen, ein Stoff, an den sich einst ein ganz Großer, der Schiller einer späten Zukunft, heranwagen mag, — so war's doch geschäftlich gescheit. Lieser Herr Blumenthal betrachtet doch das „Dichten" als sein Metier, ebenso wie andere Hunde fangen oder alte Pferde schlachten, um den Lebensunterhalt zu fristen. Und er hatte diesmal besonders schlau kalkuliert. Dieser Stoss, so sagte er ftey bei der Ausstellung seines Etats fürs nächste Rechnungsjahr, gibt unfehlbar ein Zeusurverbot, also „det Jeschäft is richtig." Natürlich hat er sich nicht verrechnet, die Goldfüchse klappern nur so in seinen Kasten, schon der Buchnmjatz bringt ihm ein Regierung an: 1. Ist die Großh. Regierung damit einverstanden, daß, entsprechend der in der „Hess.. Landwirtsch. Zeitschr." gegebenen Anregung, das Landwirtschaftliche Institut der Landesuniversität nach den Absichten des Leiters einer gründlichen Reform untertoorfen werde? 2. Ist die Großh. Regierung insbesondere bereit: a) dem Institut die Berechtigung zur Abnahme des landwirtschaftlichen Staatsexamens zu verleihen? b) einen zweiten Dozenten für Landwirtschaft an die Landesuniversität zu berufen? c) dem Landwirtschaftlichen Institut genügend große Flächen Gelände s zu Versuchszwecken kostenlos zur Verfügung zu stellen? d) dem Landwirtschaftlichen Institut größere und zweckmäßigere Räume zur Verfügung zu stellen als seither? Staatsminister Dr. Rotye verlief: eine längere Regierungserklärung, wonach die Regierung einen weiteren Ausbau des Instituts für erwünscht hält. Zn 2 a bemerkt die Erklärung, daß sich eine entsprechende anderweitige Prüfungsordnung in Vorbereitung befinde; b) will die Regierung von der Errichtung einer zweiten Professur absehen und einen Privatdozenten mit der Aufgabe betrauen. Zu c) spricht sich die Regierung dahin aus, daß die Abgabe des Geländes nicht erfolgen könne, während d) die größeren Räume bereits bewilligt wurden. Auch diese Antwort soll gedruckt und dann besprochen werden. Eine längere, teilweise sehr erregte Debatte entwickelte sich darauf über die Anfrage des Abg. Köhler: 1. an den Lehrerseminarien des Landes sommerliche landwirtschaftliche Unterri chtskurse für Lehrer an ländlichen Fortbildungsschulen einzurichten? 2. einen Fonds zur Unterstützung der an diesen Kursen Teilnehmenden zu begründen? Staatsminifter Dr. Rothe führt gegen diesen Antrag aus, daß die Regierung ein Bedürfnis für diese Forderungen nicht anerkennen könne. Abg. Köhler wendet sich mit scharfen Worten gegen diese Haltung der Regierung und beklagt, daß diese den Handel bevorzuge und den Bäuerin st a^nd zurückfetze. Ministerialrat Dr. Eisenhuth widerlegt in längeren Ausführungen die Behauptung des Vorredners. Tie Schwierigkeiten des Antrags seien sehr groß, namentlich deshalb, weil in den meisten ländlichen Schulen das Schülermaterial ein so verschiedenartiges sei. Abg. Herschel unterstützt im wesentlichen die Ausführ- ungen Köhlers und betont, daß der Unterricht praktischer sein und namentlich auch die Schüler mit den Naturelementen mehr vertraut machen müßte. Ministerialrat r a u n stimmt den Erklärungen des Ministerialrats Dr. Eisenhuth zu. Nach weiterer Debatte erklärt Abg. Köhler, daß er im Sinne seiner Anfrage jetzt einen Antrag an die Regierung richten werde. Aus die dringliche Anfrage der Abgg. Sch lenger, Reinhart u. EKn. in Betreff der Verunreinigung der Flüsse verliest Staatsminifter Dr. Rothe eine umfangreiche Regierungserklärung, die dahin geht, daß die Regierung stets bemüht sei, im Einvernehmen mit dem Reich und den angrenzenden Bundesstaaten Bestimmungen über die bessere Reinhaltung der Flusse herbeizusühven. Auch bei dieser Anfrage wird die Besprechung nach der Drucklegung der Regierungsantwort erfolgen. Auf die Anfrage des Abg. Köhler in Betreff der Grube ,^!udwigsho>,nung" bei Wölfersheim verliest Finanzminister Dr. Gnauth eine Erklärung, nach welcher sich die Dinge auf der Grube bei weitem nicht so schlimm darstellen, als Herr Köhler meine. Dieser erklärt sich von der Regierungsantwort befriedigt. Auf die dringliche Anfrage des Abg. Weidner in Betreff der Hochbauten an der B a h n st r e ck e S t o ck h e i m- Heldenbergen erklärt sich Abg. Weidner nach der Beant» Der tote Löwe. Drama in 4 Auszügen von Oskar Bluimenth al. (Buchausgabe: 5. Ausl, bei F. Fontane & Co. in Berlin.) Oskar Blumenthal, einst, als er noch (es war wohl ui 6en 70 er Jahren) Theaterkritiker des„Berl. Tagebl. war, der „blutige Oskar" genannt, wegen der Mitlerdslosigleit und Skrupellosigkeit, mit der er ungeschickte oder ihm unsympathische dramatische Autoren abschlachtete und mit Kübeln geifernden Spottes übergoß, ob sie begabk waren oder nicht, dieser Oskar Blumenthal, der „dichter des „Weißen Rößl" und anderer lorbeernmkränzter goldmachender Bühnenviecher von gleichem „künstlerischem Kaliber, hatte jüngst einen unglaublichen, unseligen Einfall. Man kannte in deutschen Landen längst sein in der Arena der possierlichen Schwänke ficLy schnellfüßig und nut übermütiger Festnachtslaune tummelndes Sch tnd luder ch en; man kannte es und mochte es, denn man lacht doch gern einmal auch über nichtige Harmlosigkeiten und komische Situationen, über kurzweilige Karritaturen des Berliner Spießertnms oder blöder Geckenhaftigkeit u. dgl. m. Aber man wußte auch, daß die Tragkraft von Herrn,Blumenthals Pegasuslein erprobt war nur als eben hinreichend zu solchen kurzweiligen spaßigen Winzigkeiten. Und nun sattelte dieser selbe Blumenthal seinen Berliner Schimmel zum Ritte nach dein Lande Hispaiiien zum Kampf nut einem Löwen. Es war ein Streich nach Art des scharf- siiinlgen Edlen Don Quijote von La Mancha. Auch dte Kühnheit Ton Quijotes forderte einst eineii mächtigen Löwen zum Kampse heraus. (Bgl. die neueste famose deutsche Don Quijote-Ausgabe von Schasstein u. Co. in Köln, & 111 bis 178.) Aber wie der Löwe, größer als ein Berg, mit dem Der: edle Grande von Cervantes Gnaden kämpfen wollte, dem ttutzigen Ritter nur seine „hinteren Teile" zeigte, so ae sch ah's auch Blumenthal. Er kehrte von seiner spanifcheii Löwenexpedition zurück aus der klapperbemigften Rosmcutte, die je einen Poeten getragen hat. Sein einst so muntrer unb frischer Pegasus war ein dürrer kläglicher Kl . geworden „von unzähligen Schäden, von Hau: und Knochen , nie; Don Quijotes übel beleuniundetes Streitroß. Erst Anfragen aus Oberheffen. Tie Beschlußfafiung aber den Antrag Reinhart aus Wahl eines Sonderausschusses für den Kommunalsteuer- rejorm-Gesetzentwurf wird bis zur Ochsten Sitzung vertagt. Zur Beratung gelangt zunächst die Anfrage der Abgg. Weidner und Schmalbach, welche Schritte die Regierung in betreff des Generalkulturplans für den Vogelsberg einzuleiten gedenke. Staatsminister Rothe antwortet, die Großh. Regierung beabsichtige, n o ch im L an f e d er g e g e n w är- tigen Kammertagung ein Aus führun gs-Ge- s e tz für den Generalkulturplan vorzulegen. Bezüglich der dringlichen Anfrage des Abg. Damm, die Verunreinigung der Ufa betreffend, erklärt Staatsminifter Dr. Rothe, es sei zuzugeben, daß dort Mißstände vorhanden seien, die beseitigt werden müßten. Das würde aber nur dann geschehen können, wenn sich die beiden beteiligten Städte Nauheim und Friedberg verständigten, und gememsam die Abführung und Klärung der Abwässer veranlasfen würden. Die Regierung sei bemüht, eine Verständigung herbeizusühren, in welckem Falle ein vorhandener Betrag von 2400 Mark dafür Verwendung finden könnte. Aus Antrag der Abgg. Tamm unb Windecker soll die Drucklegung der Regierungsantwort unb darauf eine Besprechung im Plenum erfolgen. Tie zweite Professur für Landwirtschaft in Gießen. Eine Anfrage der Aogg. Kohler und 28 Genossen führt ans: Von der gewiß höchst berechtigten Ansicht^ausgehend, daß inbezug der Einrichtungen f.ü r das Studium der Landwirts ch ast an der La n d e s u n i v e r s i t ä t der geschilderte unwürdige und unzweckmäßige Zu stand nicht länger geduldet und aufrecht erhalten werden dürfe, daß es vielmehr hoch an der Zeit lei, das Landwirtschaft!icl-e Institut der Grotzh. Landesuniversität m i t a l l e n den iDc i 11 e l n auszu st alten, die es mindestens gleichftellen mit den höchsten Anstalten dieser Art im Reiche, fragen wir hierdurch bei Grotzh. Wortung durch Finanzminister Dr. Gnauth befriedigt. Abg. Bähr erklärt, da die Angelegenheit seinen Wahlkreis berührt, er habe schon früher über die Sache Erkundigungen anaestellt unb dabei vollständig genügende Aufklärungen erhalten. Daraus wird die Sitzung um halb 2 Uhr abgebrochen. Nächste Sitzung MitUvoch früh 9 Uhr. Ser Aufstand in Aculsch-SüdrvetialriLa. Die Strandung des Dampfers „Gertrud Wörmauu" lenkt die Aufmerksamkeit wieder auf die Verhältnisse an der Küste Südwestafrikas, deren Unzulänglichkeit für Landungszwecke bei der Ankunft der Truppentransporte ohnehin fattsam berücht.^t ist. Tie vergleichsweise besten Hafenverhältnisse an der ganzen Küste weist die Walfischbai auf, doch leider ist sie englischer Besitz, und die englische Regierung hat sich nidji bervogen gefühlt, Deutschland für die Truppenlandungen die Walfischbai zur Verfügung zu stellen, obwohl selbst die englische Presse einräumt, daß Teutschland in seinem Feldzug gegen die Eingeborenen die Sache aller Weißen Südafrikas verficht. Es wird also Teutschland nichts übrig bleiben, als in dem Programm zum Wiederaufbau Südwestafrikas auch eine Abstellung der Mißstände an der Küste vorzusehen. Für solche Zwecke, besonders zu gunsten der Reede von Swakopmund, sind zwar schon nicht unbeträchtliche Summen aufgewendet worden, aber es ist nicht gelungen, einen annehmbaren Zustand herbeizuführen. Wie er anzustreben und vielleicht für die ganze 300 Kilometer lange Küstenstrecke zu erreichen sei, das ist aus einem interessanten Vortrag ersichtlich, der dieser Tage in der Nachtigall-Gesellschaft für vaterländische Afrikaforschung von Rechtsanwalt Tr. Rhode gehalten wurde, auf Grund der Ersahrungen und Beobachtungen während eines siebenjährigen Aufenthaltes in der Kolonie. Dr. Rhode meint, die ganze Küste Lüdwejoasrikas könne dem Fischfang erschlossen werden; auch sei sehr wahrscheinlich, daß sich dort große Guanolager befinden. Trifft das zu, dann ist auch die Folgerung berechtigt, daß an der Küste Südwestafrikas die Bedingungen für die Entwickelung einer Ausfuhr gegeben sind. Wenn diese auch nur langsam sich heranbildete, so eröffnet das doch die Möglichkeit, daß den Ausgaben des Reiches für Zwecke der Küstenmelioration mit der Zeit Einnahmen durch Besteuerung usw. sich gegen* überstellen. Auf eine harte Geduldsprobe freilich wird es ankommen, aber es sei bei dieser Gelegenheit darauf hingewiesen, daß auch die als Kolonisatoren vielgerühmten Staaten England und Frankreich keineswegs bereits nach einer kurzen Spanne Zeit auf Ueberschüsse oder auch nur beträchtliche Einnahmen aus ihren Kolonien rechneten. England hat Jahre hindurch beispielsweise für Neusüdwales Zuschüße, insgesamt 200 Millionen Mark, geleistet, und Franlreiü) zahlte für Algier gar fünfzig Jahre lang im ganzen sieben Äiilliarden Francs, ehe die Kolonce dem Mutterland Erirage bracyte. Also gar so verzweifelt ist es um Deutschlands koloniale Eriahrungcn, besonders hinsichtlich SüdwesdafrikaS, nicht bestellt. Ebenfon-enig sind den anderen Staaten kostspielige Kricgszüge gegen Eingeborene erspart geblieben. Es sei nur an Re Kampfe in Somaliland und Rhodesia, in Dahome und auf Madagaskar erinnert. Rechtsanwalt Dr. Rhode bezeichnete ferner als im Jntereffc der ttuftcnentnndelung Südwestafrikas liegend die Ecurichtung einer F l o t t e n st a t i o n mit Reparaturwerkstatt und einer Kohlen st ation, etwa an der Lüderitzbucht, damit die deutschen Schisse inbezug aus Ausbesserung und Versorgung mit Fcuerungsmaterial nicht mehr auf englische Häsen angewiesen seien. Auch das ist wünschenswert, braucht aber erst als letzter Punkt aus dem südlvestasrikanischen Resormprogvamm vermerkt zu werden. lieber die Strandung liegen heute folgende Meldungen vor: Jamburg, 22. Viov. (W. B.) Nach einem gestern bei der Reederei eingigungencn Telegramm aus Swakopmund wurde die gesamte M a n n s ch a f t der „Gertrud Woermann" gerettet; ferner wurden die an Bord befindlichen Pferde gestern nach- miitag alle an der Strandungsstelle mit Flötzen gelandet. Es werden Versuche gemacht, um die Ladung und das Inventar des Schiffes zu bergen. Hauptmann v. Hahnke meldet von Swakopmund: Alle Mannschaften und Pferde aus dem Dampfer „Gertrud Woermann" sind geborgen. Alles wohl. General v. Trotha meldet vorn 21. November von Windhuk: Mühlenfels hat von der bisherigen Abteilung Estorfs die 5. und 7. Kompagnie erkleckliches Sümmchen ein, mit dem er einen Park seinem Palais im Salzkammergut wird anfügen können., Herr Blumenthal gibt in seinem,Morwort" zum Buche ungeniert zu, „daß der Konflikt des Königs Marco von Kaftilien mit seinem ergreisten Ratgeber, dem Herzog von Oliveto, an unverjährbare Ereignisse mahnt." Aber er verwahrt sich in demselben Ateinzuge dagegen, daß „man in diesem Werk etwa ein Schlüsseldrama erblicke, in welchem die Personen nicht sich selbst bedeuten (sehr schön gesagt!), sondern nur die pseudonymen iVertreker von zeitgeschichtlichen Gestalten sind". Ach nein, so dumm wird wahrhastig niemand sein, bas anzunehmen. Die Figuren, die Herr Blumenthal in seinem Stücke mit maßloser Genialität nach Kastilien ins 14. Jahrhunbert versetzt, sind wahrhaftig so ungeheuer — nun sagen wir höflich: anbers als die großen gewaltigen Persönlichkeiten, die er im Auge hat, baß ein so blöbsinniger Gedanke keinem Quartaner kommen kann, hier seien „die großen Fragen unb Fragen ber Gegenwart" behandelt, hier seien historische „Identitäten geboten. Nicht Identitäten, sondern Idiotismen, mehr oder weniger unfreüvillig allerdings, bietet Herr Blumenthal, Denn es scheint, als meint er im Ernst, so ähnlich wie er's hier sich schlecht zusammen gereimt hat, so habe sich die welthistorische Begebenheit vom 20. März 1890 abgespielt. Schrecklich ist's zu glauben! Der Uebermensa) unter den Staatsmännern, den wir als eine geborene Herrscherpersönlichkeit anschauen sollen, tritt uns hier entgegen als ein polternder Hohlkopf und prahlerischer Einfaltspinsel, dessen aufdringliche Unarten, spaßhaft wirken könnten, nähme man diesen Riesenpopanz ohne Geist und Witz, diese Papiermachdfignr zum Anti- tyrannia-Jocus für politikspielende Buben als bewußte« Travestie der Bismarck- ober Freiherr vom Stein-Tragödie, an die Herr Blumenthal im „Berk. Tagebl." erinnert hat. Um biefen großsprecherischen Räsonneur schachmatt zu setzen, bebürste es wahrlich keiner bohrenden Hofkamarilla. Herrscherpersönlichleiten pflegen sonst große Pfvcholvgen! zu sein, weil sie fchvn kraft ihrer Fähigkeit, die Menschen! zu durchschauen, ihre Herrschaft auszuüben vermögen; der Herzog vvu Oliveto dagegen ist die Ahnungslosigkeit selbst, ein geschivätziger i reis, der nicht einmal seinen treuesten Schüler, ja nicht einmal sein eigenes Ktnd kennt. Am schlimmsten ist die demagogische Ansprache an die Arbeiter mtt bet 4. Batterie unter Major v. Hevde losgelöst und diesem die Besetzung von Eware, Oparakcme und Okaticlnri übertragen. Zahlencbe in dieser legend auftretende Banden machten die W sperrung durch zwei hintere-u-n^" i-ende Linien wünscl-enswert. Am TyphuS gestorben: Unteroffitter Kraui.e die Reiter RatuS und Lukaszewicz. An Blinddarmentzündung: Reiter D r a b a n d t und S ch a ck o w * T t. Neuer Transport. Hamburg, 22. Nov Mit dem Woermanndampfer ,,wägerin bes Zinn Tie Kugel flog knavv über dem Kons vorüber. Kurze Zeit darauf richtete er die Waffe auf Zinn selbst und traf ihn in die .Herzgegend. Die Kugel streifte die Lunge und drang unter dem Schulterblatt am Rücken wieder leraus. Zinn wurde tödlich verletzt. Sein Befinden ist heute unverändert. Auf den ^Lckinß hin sollte Fenner verhaftet werden. Er drehte jedoch, die Oürndarmen zu erschießen. Daraufhin wurde Verstärkung beantragt, und mittags erschienen sechs Gendarmen mit Begleitung Eine zahlrci^ Menschenmenge versammelte sich in angemessener Entfernung, und es wurden Schüsse gewechselt. Fenner, ein vorzüglicher Schütze, traf zunächst den 58 Jalne alten Zimmermann Heinrich Loeb. Dieser erhielt einen Scbrotschuß in den Fuß dicht über dem Knöchel. Dem 17 Jahre alten Maurer Karl Ehrlich drangen die Schrot- fömer in den Unterschenkel. Die 27jähriae Arbeiterin Maria Ettling erhielt einen Schrotschuß ins Bein, das von oben bis unten f^iücr verhetzt wurde. Schließlich traf der Wahnsinnige den 16 Jahre alten Dienstknecht Heinrich Habermehl ins Gesicht. Mehrere Schrotkörner drangen unter d'm Auge in die Backe ein. Hierauf erfolgte ein ausgebrochenes Wechselfeuer. Die Gendarmerie schoß zeitweise aus das Hans, und Fenner beantwortete jeden Schuß. Die Feuerspritze, die angefahren wurde, erwies sich als vollständig wirkungslos, obwohl von dem oberen Stockwerke einer benachbarten Scheuer gespritzt wurde. Fenner fing das Wasser mit einem Kübel n u f und ließ sein Vieh damit tränken. Eine fiirchtbare Aufregung griff im Otte Platz. Die benachbarten Leute getrauten sich nicht an die Fenster, nur bisweilen blickte jemand hinter der Gardine hervor. Durch eine fiift wurde Fenners Frau vom Briefboten aus dem Hause gelockt. Er zeigte ihr einen Brief und erklärte, sie tolle ihn sich holen, bringen könne er ihn ihr nicht, er fürchte fr t Tie Frau kam und wurde verhaftet. Sie befindet sich jetzt, da sie später Krampfanfälle bekam, im Krankenhaus zu Lauterbach. In der Nacht auf Montag ließ das Gew ehr feuer nach. Am Morgen gelang es, der beiden Sölme des Fenner, die 12 und 13 Jahre alt sind, habhaft »u werden. Der Vater hatte den einen fortgeschickt, eine Taglölmerin zu holen, die ihm das Vieh tränken helfen solle. Dieser Taglöhnerin erklätte Fenner, er werde sich mittags um zwei Uhr erschießen und legte eine Pferdedecke bereit mit dem Wunsche, ihn damit zuzudecken, wenn er tot fei. Tie Frau entfernte sich daraus aus dem Zimmer, ging in den Statt, und Fenner nahm sein Feuer wieder auf. Er versuchte, in den Garten zu gehen, um sich dott zu erschießen. Aber als er ins Freie trat, feuerte ein Gendarm nach ihm und verletzte ihn leicht am Arm. Daraufhin ging Fenner zurück und jagte sich die Kugel in den Kopf. Die Leute getrauten sich jedoch lange nicht in das Zimmer, da sie glaubten, daß Fenner nur Hir Täuschung den Schuß im Hause abgegeben habe. Schließlich ging die Taglöhnerin gegen eine Belohnung von 20 Mark, die i h r der Amtmann von Lauterbach zu sicherte, in das Zimmer und verkündete den Tod. Daraufhin würbe das Haus polizeilich besetzt. Tie wahnwitzige Auflehnung gegen das Gesetz ist gesühnt, die Bevölkerung hat ihre Sicherheit zurückerlangt. HB. Darmstadt, 22. Nov. Bei der heute vollzogenen Wahl zur Stadtverordneten-Versammlunq siegten trotz der schärfsten Agitation der Sozialdemokraten die Kandidaten der vereinigten bürgerlichen Parteien. Von den ca. 6400 abgegebenen Stimmen, die 53 V2 Proz. aller Wahlberechtigten betragen, erhielt der Zettel der Bürgerlichen (Kalbfuß - Schmec!) 3465 Stimmen, der sozialdemokratische Zettel (Aßmuth - Prof. Staudinger) 2110 Stimmen und der Zettel der Bodenreform (Henrich-Professor Staudinger) 385 Stimmen. Frankfurt, 22. Nov. Einer der seltsamen Naturmenschen, die sich mit wenig Kleidung und vielen Haaren durch dieses irdische Januuerthal bewegen, zeigte sich heute, lt. Kl. Pr., in Frankfurts Straßen. Er führt Ansichtskarten mit sich, die der Mitwelt verraten, daß sie Herrn Richard Sanasch aus Frankfurt a. d. O. vor sich hat. Für seine zukünftigen Biographien teilt er noch mit, daß er am 15. Jan. 1872 geboren ist. Er sieht seinem Vorbild Gustav Nagel möglichst ähnlich. Ein grünes Tuch deckt den Oberkörper, ein schwerer Stab mit Kreuz stützt den Arm, der keineswegs kraftlos ist, obwohl der Naturmensch angeblich nur von den Früchten des Feldes lebt, die er roh verzehrt. Ein Berichterstatter hat einer Mahlzeit des Wüstenvredigers beigewohnt. Er begnügte sich mit einem halben Weiskraut köpf und einer gelben R ü b e. Kleine Mitteilungen aus Hessen und den N a ch b a r st a a t e n. Der Bürgermeister K. von Gemünden an der Wohra in Oberhessen ist nach beträchtlichen Unterschlagungen amtlicher Kassenaelder und Begehung sonstiger Unregelmäßigkeiten durchgebrannt. — S. K. Hoheit; der Großherzog wird am 30. November in O ff en- b a ch eintreffen und bei Kreisrat v. Hombergk absteigen. Am Abend wird er dem Konzert des Sängerchors des Turnvereins beiwohnen. — In Wetzlar hielt in der dortigen Lesevereinigung Dr. Delkeskamp, Assistent am mineralogischen Institut ui Gießen, einen Vortrag über das Wesen des Vulkanismus. Gingesandt. (Für Form und Inhalt f i ) r Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktwn d"m Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung.) Aus Krofdorf 22. Nov., schreibt man uns: Bekanntlich ist es eine allgemeine Klage der Handwerker, daß sie oft sehr lange auf die Bezahlung ihrer Arbeit warten müssen. Jeder Handwerker freut sich deshalb, wenn er einmal für die Gemeinde etwas zu machen hat, darf er dann doch hoffen, bald zu seinem Gelde zu kommen., Daß man sich aber darin manchmal täuschen kann, davon weiß ein Handwerker in Krofdorf ein Lied zu fingen. Er übernahm im vorigen Jahre für die Zivilgemeinde Krofdorf-Gleiberg, welcher die Unterhaltung der kirchlichen Gebäude obliegt, nach dem Kostenanschlag und ben Angaben des Kreisbaumeisters in Wetzlar die Ausführung einer Arbeit in der Kirche zu Gleiberg. _ Eines Tages, als er bei der Arbeit ist, kommt der Kreisbaumeister in die Kirche und ordnet an — es handelt sich um eine Wandverschalung —, daß einige Quadratmeter Wandfläche mehr, als im Kostenanschlag vorgesehen, verschalt werden, weil sich dies als notwendig herausgestellt hatte. Der Handwerker geht zum Bürgermeister in Krofdorf und holt sich von diesem die Erlaubnis, die Mehrarbeit auszuführen. Ms er nun seine Rechnung einrcicF.it, wird vom Gemeinderat die Zahlung für die letztere verweigert. So wartet der Handwerker bereits ein ganzes Jahr auf fein Geld und denkt über das Sprüchlein nach: „Handwerk hat goldenen Boden". — Wir müssen sagen, daß uns diese Handlungsweise des. Gemeinderats in Erstaunen gesetzt hat, umsomehr als in anderen Fallen die Kosten für Mehrarbeiten anstandslos bewilligt worden sind. Wir glauben ja, daß die Krof- borfer Gemeinderatsmitglieder ohne Ausnahme tüchtige Männer sind, daß überhaupt die Gemeinde Krofdorf einen Gemeinderat besitzt, dessen sie sich nicht zu schämen brauchst; auch wissen wir, daß der Gemeinderat redegewandte Männer in feiner Mitte hat, aber wir haben uns doch sehr gewundert, daß sich unter ihnen scheinbar keiner gefunden hat. der in den Sitzungen auftrat und sagte: „Wir dürfen dem Mann nicht länger sein sauer verdientes Geld schuldig bleiben: hat der Baumeister oder der Bürgermeister einen Fehler gemacht, indem Tic ohne unsere Einwilligung die Ausführung der Mehrarbeiten anordneten, so müssen wir uns an diese halten." Hoffentlich findet die Angelegenheit bald ihre Erledigung und es bleibt uns erspart, uns noch luciter damit beschäftigen zu müssen. Ein Freund der Handwerker. am Schlüsse des zweiten Aktes. Ta wirkt dieser aufgeblähte Truthahn über die Maßen komisch, als hätte ihn Herr Blumenthal in der heftigsten Rauschstimmnng am Ende eines ausgelassenen Kommerses gesehen. Der junge König, der überaus flüchtig gezeichnet ist, hat unleugbar etwas Chevalereskes, Willensstarkes, romantischen Ernst. Ihm steht die Verkleidung ins Kostüm des spanischen Mittelalters unverhältnismäßig besser, obwohl auch er, wie alle die anderen bunt behangenen Figuren des Pupvenspieles nur die Tracht, und nichts von den Anschauungen und Lebensbedingungen jener längst vergangenen Zeit und jenes Südlandes besitzt. Auch die intriguierende Persönlichkeit, die zwischen Herrn und oberstem Diener Mißtrauen säete, um diesen auszustechen, fehlt nicht. Auch sie erscheint natürlich in dem Stück in einer Gestalt, die nichts mit dem intimen historischen Konflikt des vorvorigen Jahrzehnts gemein hat. Und neben diesem ollen Theaterbösewicht, mehr Lueanus als Bötticher, steht der kastilianische Schwe- ninger Vendrusco. Endlich ist in den zwischen den beiden Mannesnaturen entfesselten Kampf um die Macht eine außerordentlich überflüssige Liebesverwickelung gesponnen von geradezu erschreckender Schablonenhaftigkeit. Alles in allem genommen ist Blumenthals „Toter Löwe" eine lächerliche Spiegelfechterei, mit einem Sekundanerverständnis für die Zeiteregnisse, ein unfreiwillig drolliges Machwerk, demgegenüber Philippis „Erbe", dessen Situationen und Schlagworte ebenso mit ausgestrecktem Zeigefinger auf Bismarcks Entlassung hinwiesen, wie ein Meisterwerk dramatischer Kunst erscheint. Indem Herr Blumenthal just das Hauptgespräch zwischen König und Herzog hinter die Kulissen schob, ist er an dem vorübergelaufen, was hatiptsächlich bühnenwirksam gewesen wäre, selbst in seinen Lebkuchenverfen; indem er den inneren Konflikt der beiden Hauptcharaktere, den Konflikt tm Herzog zwischen dem Wunsch nach Vergeltung und der Anhänglichkeit an seine Schöpfung, den Konflikt im König zwischen Dankgefühl und eigener Tatenlust, ganz außer Acht ließ, zeigte er vollends die winzige Emsigkeit, mit der er wie eine Fliege an dem kolossalen Marmorfels herumkriecht, den vielleicht der Shakespeare oder Schiller einer fernen Zeit mit der Wucht und Macht eines unserem Bismarck kongenialen Dichterfürsten zu einem grandiosen Doppeldenkmal gestalten wird. Obwohl „niemals lustig, niemals traurig", sondern über alle Maßen schaurig, hätte das ganze Ding, von Oskar Straus, dem Ueberbrettlmann, mit ausgelassenen Melodien vom Schlage des „Lustigen Ehemannes" versehen, eine ganz lustige Operette abgeben können. Damit aber trotz alledem jede Bedingung für den Erfolg dieses vom Verfasser selber mit beneidenswertem Selbstbewußtsein als „die Tragödie des an der tatenfrohen Jligend zerbrechenden ruhmvollen ^llterS" bezeichneten Theaterspektakels erfüllt werde, bot sich, wie gesagt, die Berliner Polizei als freiwilliger Sueeurs an dl,rch das Verbot der Aussührlmg in der Reichshauptstadt. Obwohl der Kaiser als kluger Mann sicherlich mit dem gutmütigen Lächeln der durch einen Blumenthal gänzlich unberührbaren Ueberlegenheit diese unglaublich unhistorische Schwadronage sich angesehen und wahrlich auch nicht die letzten Worte des Kanzlers an den König: Und du hast mich vor der Zeit atlnend in mein Grab gebettet" krumm genommen hätte. So, nur so wurde die dem toten Löwen abgezogene Haut aufgeblasen zum breit schivappernden Luftballon, auf den sich bald, vorn litterarischen Freihafen in Hamburg aus, hypnotisiert die Blicke aller Welt lenkten, der jetzt als Wunderphänomen durch den deritschen Theaterhimmel zieht. Ja, wenn die brave Berliner Zensilrbehörde nicht wäre, die übrigens die „würdige Form" des Stückes anerkannt hat (man schätzt also in Berlin Redewendungen wie: „Jeder Kluge folgt der Dl acht, wo ihm Glück und Ehre lacht"), — dann hätten auch wir in Gießen nimmermehr dieses fabelhaft vielsagenwollende und fabelhaft nichtssagende Jammerwerk geschaut, das selber oeriirteiten zu können Gießens Theaterpublikum der Direktion Dank wissen mag. Tie 2lussührung war von Herrn Direktor Steingötter wohl vorberejtet, litt aber für Feinhörige an einer gewissen Unsicherheit, die bei den nächsten Wiederholungen, die dem Stücke um seines sensationellen Renommös willen wohl be- schieden sein werden, gewiß von selbst verschwinden werden. Herr Li n zen erntete in der schwierigen Aufgabe des Herzogs von Oliveto respektablen Beifall. Er fdjnf eine imposante Gestalt von warmem Leben. Vortrefflich kleidete ihn der bi Tilge Humor. Wir schätzen Herrn L. längst als einen Künstler von selbständiger Denkart, als eine ernste Künstlerindividualität. Daß er dem ewig grollenden grimmen Greise, der unal'fhörlich schwatzt und schwatzt und renommiert, keine gewinnenden Züge zu verleihen vermochte, das ist nicht sein Schuld. Er sprach die Verse Blumenthals so, daß sie zuweilen besser schienen, als sie tatsächlich sind, wenn auch seine Eigenart, ein paar Gurgellaute einer Rede anzufügen, bei seinem Schnupfen besonders störend wirkte. Dem jungen König gab Herr Lüttjohann feine Zurückhaltung, die wünschenswerte Sicherheit und Bestimmtheit, edle Ruhe und Haltung. Doch fehlte ihm wohl die stürmische Jugendhelle. Herr de Giorgi zeichnete einen feilen Hofmanu mit der von ihm stets beliebten, vielleicht diesmal ein wenig ein gedämmten Schärfe. Er verfiel nicht in die naheliegende Geschmacklosigkeit, den Ehrenmann in Maske, schelenl Seitenblicken usw. zu „charakterisieren". Seine Glattheit hatte wenig aufdringlich Jntriguantenhaftes und seine Sprechart nicht gerade übertriebene Spitzen. Dennoch ist ihm auch hier noch ein wenig mehr an Diskretion zu wünschen. Gute Leistungen waren die der Herren Sandor s f und Lippert. Dagegen gab Herr Andreas keineswegs das Bild, das der Steinmetz von diesem gelehrten Arzte entwirft, und zeigte zugleich die bedauerlichste textliche Unsicherheit. Frisch und munter sprach Frl. Dülfer ihre Verse. Tas Stück fand natürlich wenig Anklang. Der erste Akt interessierte sehr mäßig, im zweiten hob sich die Stimmung, der dritte verfiel grauer Langeweile und der Schlußakt hatte wieder einigen Beifall. Die Alisstattung war selbst für unsere Verhältnisse allzu schlicht, der Besuch sehr lebhaft, namentlich sah man zahlreiche Uniformen. P. W. — Warnung vor der Dichtkunst. In einem nieder- österreicküschen Ort hat der Bürgermeister folgende Warnung erlassen: „Nach dem sichtbaren Unheil, welches in letzter Zeit Hierselbst die Beschäftigung mit der Poesie herbeigeführt hat, wobei in einem Falle sogar ein Familienglück zugrunde gedichtet worden ist, halte ich es für meine Pflicht, die G c - meindemitglieder vor jeder Beschäftigung mit der Dichtkunst eindringlich zu warne n." Die sonderbare Warnung bezieht sich, wie die „Generalverkehrsztg." mitteilt, auf einige trübe Ereignisse, die in jüngster Zeit an dem von der Poesie verseuchten Orte geschehen sind. Ein Schriftsteller hat sich erschossen, die Frau eines Gemcindebeamten ist mit einem jungen Manne durchgebrannt, der ihr Herz durch Verse erweicht hat, und der Mann ist durch dies Ergebnis verrückt geworden und macht nun gleichfalls Verse. 8519 Gaskoks 1,10 Mk. Walltorstrasse Nr. 17, Tuchhandiung gegr. 1827. 1,25 Mk. 1,25 M. 1,05 Mk. Selterswe; empfiehlt 8413 Fernsprecher 218 Liebigstraße 13. empfiehlt billigst 8451 Carl B'SSZJIse’ 12 Plackstrasse 12 (früher Ko hl ermann) bevorstehendem Weihnachtsfest Der Vorstand Emil Fischbach. Marktkörbe Markttaschen Alle Arten Haushaltungs-Artikel und Küchen-Geräte zu billigen Preisen. 8445 Pferdebesitzeri n nm « bei ixumeiuu — KlllißhlMW benma« 6eS Tr. Kßl. Hoheit des CrotzherzogS KaplanSgaffe 27 ^cke Vahnhofstratze Hieran anschließend: Am nri onl t fntnA Ö4X4 I ~ Neustadt 1 mit der Marke Arbeitsständer Arbeitskörbe Papierköcbe Wäschepuffs Sessel Blumentische BI icanenständer Notenständer StückkokS . . Nußkoks Nr. 1 Nuvkoks Nr. 2 Gebraucht nur H. 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Wie alljährlich, so beabsichtigen ivir auch m diesem ^ayre, einer Anzahl Kinder, Halbwaisen, auf Weihnacksten zu bescheren. , Anmeldungen bis zum 30?" t"“ Wph* steingasse 33, Ecke Kirchstraße. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Heuchelheim für das Jahr la. deutsche und englische Waren in allen Preislagen. Samrnt- und FBüsch-V^estenistöfffe Eine grosse Partie Rester Si|tr MMmst täglich zu haben in 7461 Lonys Bicrkcller. Mdl-tahliiilie für Damen von 50 Pig- an. Glace-Handschuhe von 1,45 an. 76M — Gute Qualität. — Aug. Waag Spezialgeschäft. Seilersweg 60. Magerfleisch, Brennerei 1734 gegr., Wismar a. d. Ostsee, seinste hervorrag. allbekannte und beliebte Spezial- marken: Alter Kornbranntwein Krug Mk. 1.10, — Liter Mk. 1.80, - Whisky Fl. Mk.2.— u.Ml. 2.50, Probefl. 3o Psg., zu haben bei b5*/i0 Emil Fischbach. 5 Uhr findet gemeinsame Unterhaltung statt nut Gesang, Ansprache, Vorträgen. ' t n . Gute, unterhaltende Bücher und Spiele sind m großer Zahl vorhanden. , . . Eröffnungsfeier am Sonntag, dem 27. November d. I., nachmittags 4 Uhr. Wir laden die Mädchen zu zahlreicher Beteiligung ein und bitten Ellern, Herrschaften unb Geschäftsinhaber, ihre Mädchen am den Sonntagsverein Hinweisen und denselben die Teilnahme gestatten zu wollen. M/11 Gießen, den 21. November 1904. v ‘ Örmmal-H-StoHen Fabrikanten: LEONHARDT & CO.. Berlin-Schöneberg. passend zu Herren- und Knaben-Anzügen Preislage: 3, 4, 5, ö, 7, 8 Mark zu ganz bedeutend herabgesetzten Preisen. Leasm Treff & __________________7536 Waschbtttten, 8252 Waschbvcke, Waschseile, Waschklammern, Waschkörbe, CüNtschk gtimflöttfii. Vielfachen Anfragen gegenüber sei hierdurch bekannt gegeben, daß in Eanada tatsächlich über 400 Millionen Acres oder mehr als 625 Millionen Alorgen freies Laiid vorhanden sind. Hiervon flieht die Regierung jedem miiidestens 18 Jahre allen Einwanderer 160 Acres oder 250 Morgen fruchtbares Wcizenland alS iöigen-- tum. ^läheres erfährt man durch 83 I Farmer’s Auxiliary Association 13 Charing Cross Loudon 8. W., England. Gegenwärtige Preise: Für den Zentner ab Verkaufsstelle Stttck°Koks Nuv-Koks, ausschließlich trocken gelagert, in zwei verjchiedellen Korngrößen für Stubenheizung, sowohl für weile als für enge Ofen- schachte geeignet, zerkleinert: in grosser Auswahl: Langschiff, Schwingschiff und Rundschiff in nur Fabrikaten: Seidel «L Naumann, Dresden. Koch & Cie., Bielefeld Junker & Ruh, Karlsruhe u. s. w. empfehlen 7205 83. Brüder Schmidt, Giessen. 12 Plockstrasse 12 •r empfiehlt Puppenwagen Sportwagen Leiterwagen Kinderstühle El. Fsilix* liosiiidrt sich nur 25. Ferner empfehle: 8364 Grosse Auswahl B® - —. ---- an&eJtieideter B von den billigsten bis zu den feinsten. 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Im Gaswerk findet nur Verkauf von Über 5 Zentner Koks statt; dagegen ist bei folgenden hiesigen Firmen der gkiaunliBuf im Gaskoks von 1 bis 5 Zentner eingerichtet, nämlich bei: Vachenheimer & Schaumberger, Marburgerstraße 22 Andreas Euler, Srein|traße 11, Joy. Fischer, Aliceslrage 19, I. Happel, Neustadt 56, Gevr. Kahl, Frankfurterstraße 151, tzd. Klinket, Bahnhoislrage 10, Gmil Lotz, Kirchenplatz 9, Emtl Pistor Nachfolger, Marktstraße 10, Georg «chäfer, Licherslraße 2, August Struck, Bismarckslraße 6, Georg Unverzagt, Grünbergerstraße 13. Daniel Wirths Nachf. (Th. Geilfus), Westanlage 51. Diese Firmen berechnen obeiistehende Preise unserer Gaskoks samt Anfuhr wie das Gaswerk und verabfolgen dieselben auch itt Meugc« unter S Zentnern. Die Prei|e unserer Gaskoks für die Abnehmer außerhalb der Gemarkung Gießen ermäßigen sich um den Betrag bei Oktroirückvergutung vou 4 Pfg. für den Zelitner. Gießen, den 11. Oktober 1904. B12/io Städtisches GaS- und Wafferwerk Gießen. Iie«. 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